- Post date: 09. April 2012
bevor die Partien an den Spitzenbrettern der Schlussrunde im gleichnamigen Open vorbei waren? Der Showdown zwischen den führenden Istratescu und Shanava dauerte vier Minuten. Nein, keiner der beiden hatte sich verspätet (und in Deizisau gab es eine grosszügige Karenzzeit von 30 Minuten). Sie baten den Schiedsrichter der die Uhr anstellte doch gleich am Brett zu bleiben um das Remis nach sieben Zügen zu bestätigen - auch das war nicht notwendig. Und was machten die Verfolger?
An Brett 3 grübelten Bischoff und Baklan über zwanzig Minuten an den ersten zehn Zügen und dachten dann auch "warum alle Figuren entwickeln wenn man schon vorher remis machen kann?".
Brett 4 zwischen Edouard und Petr sah nach der Eröffnung vielversprechend aus, nach 24 Zügen war es auch remis - aber das war wohl eher aus Versehen und nicht schon vor der Partie geplant.
Lange versuchte es Solodovnichenko gegen den jungen Rapport - obwohl oder vielleicht gerade weil er morgens (ja es gab Doppelrunden) mit am längsten gespielt hatte und eine Gewinnstellung nicht gewinnen konnte. Mittags stand er (sagen jedenfalls die Engines) meistens leicht besser, am Ende leicht schlechter, das Remis war wohl gerecht.
Und dann hätte noch Benno Jaeschke zu den beiden eingangs erwähnten aufschliessen können, aber mit Elo 2224 darf man schon mal gegen einen Titelträger verlieren. Bei Jaeschke hat es im siebten Versuch gegen GM Erdos endlich geklappt, davor remisierte er gegen GM Swinkels und holte 4.5/5 gegen IMs.
Das allles klingt vielleicht zynisch, so meine ich es aber nicht. Ich habe durchaus Verständnis dafür wenn Profis das Erreichte absichern wollen, zumal bei neun Runden in 4 1/2 Tagen. Bischoff war insgesamt sicher nicht faul - einige seiner Partien wurden bereits vor der Zeitkontrolle remis, aber das war jeweils ein Erfolgserlebnis gegen nominell stärkere Spieler. Ausserdem half er, trotz Erkältung, gleich zweimal beim Livekommentar in der Zeitnotphase. Was meinen die Leser dazu?
Noch kurz zum Turnier insgesamt in dem es natürlich auch Partien gab die nicht Remis wurden: Die Elo-Favoriten Bacrot und Naiditsch mussten erfahren dass man nicht immer gegen schwächere Spieler gewinnen kann. Und wenn man sich dann noch einmal verrechnet (Naiditsch) oder die Theorie vergisst (Bacrot) reicht es nicht mehr für einen Platz ganz oben. Mit einigen Gegnern machte Naiditsch aber kurzen Prozess. Bacrot zeigte unter anderem dass Damentausch nicht gleichbedeutend ist mit remis - siehe sein Endspiel in Runde 7 gegen Rapport und die geduldige Massage in der Schlussrunde gegen Hannes Rau. Auf Jan Gustafssons Blog gab es doch einige Endspielspezialisten, vielleicht lesen die auch hier mit und wollen sich zu Bacrot-Rapport äussern? Dort streiten sich momentan ja nur noch Leute wer das Licht ausmachen darf ... . Und dann möchte ich noch den Georgier Tornado Kamikadze Tornike Sanikidze erwähnen, einmal (Runde 4) ging es schief, in Runde 8 hatte er dann das Glück des (Todes)Mutigen. So das wars zu Deizisau.
P.S.: Weiss eigentlich jemand wie das Osteropen in Norderstedt ausgegangen ist? Siegerehrung war vor gut zwei Stunden, im Internet steht noch nix.
- Post date: 03. April 2012
Ich komme nochmal auf die Europameisterschaft zurück. Diesmal gibt es nur Diagramme und keine kompletten Partien, denn das Ende und das Ergebnis hatte zum Teil wenig damit zu tun was vorher passierte. Vor einiger Zeit hatte ich mich hier als Patzer geoutet - nun habe ich staunend festgestellt dass gestandene Grossmeister das auch können, mit zum Teil viel weniger Figuren auf dem Brett. Da ich gleich sieben Beispiele habe lege ich ohne weitere Vorrede los:
Stocek-Kryvorochku, Runde 6

Es geschah 34.-Ld3?? 35.Lxa4 1-0 Schwarz wollte sich wohl an dem Turm auf b1 schadlos halten, aber dann hat Weiss ein unangenehmes Läuferschach auf e8. Nur im Tandem gäbe es dann noch eine Verteidigung: "Gib mir eine Figur, irgendeine, schnell!" - aber in Plovdiv wurde nicht Tandem gespielt. Nach diesem Unfall berappelte sich Kryvorochku übrigens und holte am Ende 8/11 (+7=2-2)
Bologan-Melkumyan, Runde 7
Weiss hatte gerade 66.Tc1-g1 gespielt, Melkumyan spielte schwungvoll 66.-Ta2 - etwas zu schwungvoll, 66.-Ta3 war besser. Nun kam 67.Sf2+ Kh4 68.Tg3 - Schwarz gab noch nicht auf sondern versuchte noch 68.-Txf2+ 69.Kxf2 Ld7 70.Kf3 Lc8 71.Tg1 und jetzt war es genug 1-0 . Auch Bologans Endergebnis war +7=2-2, dann wollen wir mal nicht meckern dass seine Partie gegen Malakhov in der Schlussrunde ein langweiliges Remis war.
Movsesian-Pantsulaia, Runde 8
Natürlich ist Schwarz dran und entschied sich für 30.-Dxd6 31.Tfxf7+ 1-0. Das war vielleicht symbolische Resignation, denn auch 30.-Kg8 31.Dxe6 fxe6 32.Tff7 macht keinen Spass mehr. Für Movsesian war das Turnier insgesamt kein Erfolg und in der letzten Runde kam er zu spät, wie übrigens auch (trotz Heimvorteil) Antoaneta Stefanova.
Cheparinov-Papin, Runde 9
47.-Ta5?? 48.Tb6 1-0. Dazu der patriotische Kommentar im Turnierbulletin: "Often quoted German chess classic from the late 19th century Siegbert Tarrasch said that all rook endings were drawn. In round nine Bulgarian GM Ivan Cheparinov 2664 (BUL) disproved this theory and clinched the win against Vasily Papin 2575 (RUS) in a rook ending with three vs. two pawns on the kingside." Na wenn jemand Tarrasch widerlegt hat dann Papin!?
Kuzubov-Azarov, Runde 10

Hier ist natürlich Weiss dran, wohin mit dem König? 51.Kc2?? Ke3! 52.Lb6+ Ke2 0-1 Kuzubov spielte insgesamt trotzdem ein sehr ordentliches Turnier, und Azarov vielleicht das Turnier seines Lebens - sogar die Berliner Mauer konnte er in Runde 7 niederreissen.
Geht es noch krasser? In der letzten Runde waren zwei GMs offenbar müde:
Grigoriants-Hracek, Runde 11
Ich weiss nicht ob Weiss 35.Tc8 drohte (oder etwa 35.Sc8)? Jedenfalls war die Medizin schlimmer als der Schnupfen: 34.-Lg4?? 35.Txg4 1-0
Saric-Lintchevski, Runde 11
37.Lc4?? Sxa7 0-1
Betreiben wir Ursachenforschung: In einigen Fällen rechnete der Verlierer wohl nicht damit dass der Gegner auch ohne Damen plötzlich mattsetzen kann. Und Papin fühlte sich auch zu sicher - Tarrasch hat nicht immer Recht bzw. manche Stellung kann man zwar nicht gewinnen, aber fast jede Stellung kann man noch verlieren. Bei den letzten beiden Beispielen weiss ich es auch nicht - wenn die "Chessbase-Pfeile" auch auf dem Brett eingeblendet würden hätte Saric es vielleicht gesehen. (Weiss eigentlich jemand ob und wie man das abstellen kann?).
- Post date: 30. März 2012
Diesen Beitrag hatte ich eigentlich für nach der Europameisterschaft vorgesehen, aus aktuellem Anlass kommt er etwas früher. Die letzten beiden Runden finden nämlich ohne Mamedyarov - immerhin an zwei gesetzt - statt. Nicht das erste Mal dass er ein Turnier nicht zu Ende spielt, aber diesmal habe ich durchaus Verständnis.
Was ist alles passiert? Erst war er, womit nicht zu rechnen war, Remiskönig. Dann gewann er in Runde 7 gegen Grigor Grigorov. Und dann? In Runde 8 war er zu spät am Brett - wie er selbst sagt zehn Sekunden zu spät, laut Turnierbulletin "über eine Minute", Steve Giddins legt sich in seinem Blog fest dass es acht Sekunden waren. Wie dem auch sei, den Regeln entsprechend wurde er genullt. Sein (geplanter) Gegner war übrigens ausgerechnet der georgische IM Shota Azaladze, einer der Spieler die zwei Tage davor nicht oder verkehrt an ihrer Uhr gedreht hatten. Und in Runde 9 geschah dies:
Hier einigten sich die Spieler auf remis, aber - Danailov läst grüssen - das ist vor dem 40. Zug ohne Erlaubnis eines Schiedsrichters verboten. Daher wurden, wiederum den Regeln entsprechend, beide Spieler genullt. Daraufhin trat Mamedyarov vom Turnier zurück, laut Bulletin "aus persönlichen Gründen". Sinn oder Unsinn der Regel(n) kann man diskutieren. Die Nulltoleranz-Regel sollte kein Problem mehr sein, was spricht dagegen einige Minuten vor Rundenbeginn zu erscheinen? Und das mit der Sommerzeit ist inzwischen auch in Georgien bekannt. Die Anti-Kurzremis Regel lässt sich, wie ich jetzt zeige, auch umgehen. Fast richtig machten es zwei Spieler drei Bretter weiter hinten:
Und remis durch dreimalige Zugwiederholung, dachten die Spieler jedenfalls. Allerdings geschah 14.-Le4 nicht mehr auf dem Brett, und sie machten einfach so remis ohne einen Schiedsrichter zu rufen. Das geht doch nicht, daher war auch hier das Ergebnis 0-0. Safarli trat auch vom Turnier zurück und leistet Mamedyarov vielleicht Gesellschaft im Flieger zurück nach Baku.
Wie man es richtig macht zeigten einige andere Spieler - besonders pikant für die beiden Azeris: von Armenien lernen heisst remis spielen lernen. Das geshah in Runde 5:
Eine spannende Partie, allerdings dauerte sie insgesamt nur 55 Minuten. 17.-Sxf2 wurde zwar offenbar noch nie gespielt, ist aber laut Engines forciert remis. Es ist zumindest möglich dass sich die beiden Armenier nicht weh tun wollten und das Ergebnis bereits vor der Partie kannten. Was die Kosintseva-Schwestern machen wenn sie gegeneinander antreten müssen sieht man hier oder hier oder hier oder auch hier oder zuletzt hier. Diese Partie gab es schon öfters, z.B. auch beim Politiken Cup 2011 zwischen Zatonskih und Fridman / da wollte oder durfte der nominell stärkere Spieler vielleicht aus privaten Gründen nicht auf Gewinn spielen?
In Runde 6 geschah dann folgendes zwischen zwei Jungstars:
Hier kann es sein dass beide ihrer Stellung nicht mehr vertrauten. Vielleicht ist die Zugwiederholung sogar objektiv am besten, aber erzwungen ist sie wohl nicht.
Und dann Runde 9 am Spitzenbrett, wieder mit Akopian:
Na gut, die Berliner Mauer ist schwer zu knacken - auch diese Partie gab es übrigens bereits zweimal. Da die Spieler brav den Schiedsrichter ans Brett holten wurde es auch offiziell remis.
Es mag viele Gründe für ein Kurzremis geben: Wie gesagt, man will dem Gegner nicht wehtun, oder man braucht einen extra Ruhetag, oder man wurde in der Eröffnung überrascht, oder es hat turniertaktische Gründe. Vor allem gegen Ende wollen einige Spieler vielleicht die World Cup Qualifikation (Spatz in der Hand) absichern statt um die Medaillen zu kämpfen (Taube auf dem Dach). Für Profis legitim oder zumindest nachvollziehbar, eher ein Geburtsfehler des Turniers.
Und wer wird Europameister? Ich bin doch kein Hellseher! Momentan ist Fressinet wertungsbester von sieben punktgleichen Spielern, und - was am Ruhetag noch nicht so aussah - Khenkin bester Deutscher. Und auch Huschenbeth hat es in die Liveübertragung geschafft, der ich mich jetzt wieder zuwende.
- Post date: 27. März 2012
Häh? Das ist doch ein Schachblog!? Dann muss ich den Titel wohl erklären: Zu American Football kann man mir gerne völlige Ahnungslosigkeit unterstellen oder vorwerfen, aber meines Wissens geht es darum die gegnerische Grundlinie zu erreichen. Im Schach ist das so eine Sache: Mit einem Bauern ist es meistens gut. Mit Schwerfiguren kann man es auch probieren (könnte ja Matt sein). Springer und Läufer haben da, zumindest als Einzelkämpfer, eher nicht zu suchen oder zu finden. Und mit dem König kann es böse enden, muss aber nicht.
Olaf Steffens hatte ja bereits die Europameisterschaft im fernen Plovdiv erwähnt. Ich habe zwei Partien herausgesucht die zu obigem Thema passen - na gut, erst die Partien dann das Thema. Sie haben noch mehr gemeinsam: beide wurden nicht ganz oben gespielt (Brett 32 und 29), und in beiden Fällen konnte man nach den ersten paar Zügen nicht unbedingt ein Spektakel erwarten. Aber den Wanderkönig ereilte ein unterschiedliches Schicksal. Die erste Partie ist übrigens auch Chessbase bzw. Alejandro Ramirez aufgefallen. Der geneigte Leser muss mir glauben dass ich - ausnahmsweise - genauso schnell dachte wie ein Grossmeister, aber nicht so schnell schreiben konnte. Dass der Kommentar zum Teil ähnlich ist ist auch Zufall oder Telepathie.
[Event "13th EICC round_4"]
[Site "Plovdiv BUL"]
[Date "2012.03.23"]
[Round "4.32"]
[White "Vallejo Pons, Francisco"]
[Black "Nabaty, Tamir"]
1. d4 d5 2. c4 dxc4 3. e3 e5 4. Lxc4 exd4 5. exd4 Ld6 6. Sf3 Sf6 7. De2+ De7 8. Dxe7+ Kxe7 Damentausch die Luft ist raus? Wie lange dauert es noch bis die beiden sich friedlich einigen? Wenn dem so wäre würde ich die Partie nicht hier besprechen ...
. 9. O-O Le6 10. Te1 Kd7 11. Se5+ Lxe5 12. dxe5 Lxc4 13. exf6 gxf6 14. Sc3 c5 15. Lf4 Sc6 16. Ted1+ Hier zitiere ich doch mal Ramirez: "A fabulous move." 16.Tad1+ erscheint naheliegender, aber dann kann sich Schwarz nach 16.-Sd4 17.b3 La6 18.b4 mit 18.-The8 und Turmtausch entlasten. Ke6 16.-Sd4 wäre auch hier (relativ) besser gewesen. Schwarz tut so als ob das ein Endspiel wäre, aber es ist eher ein damenloses Mittelspiel. 17. b3
Nun verpasst Schwarz vielleicht seine letzte Chance: Engines plädieren für (freiwillig) 17.-Kf5 und betrachten dann 18. bxc4 Kxf4 19. Td5 als nicht ganz aussichtslos. Auch verschiedene Züge die den Lc4 gratis verschenken waren "besser" als der Partiezug 17.- La6 18. Td6+ Ab hier spielen beide immer den besten Zug - für Schwarz sind das aber nur noch lebensverlängernde Massnahmen für einen todkranken Patienten Kf5 19. Sd5 Nun ist 19.-La6xd5 wie Vlasti Hort sagen würde "gägän die Rägäl"! Sd4 20. Txf6+ Hier beginnt die Abteilung Problemschach: 20.-Kg4 ist Matt in zwei Zügen Ke4 21. f3+ Kd3 21.-Kxd5 (Sterbende dürfen alles essen) ist sofort Matt 22. Td1+ Kc2 22.-Ke2 war einzügig Matt 23. Td2+ Kb1 24. Sc3+ Ka1 24.-Kc1 war einzügig Matt, leider mit Nebenlösung (Houdini sagt 25.Te2, Stockfish 25.Tf2).
Und jetzt? Weiss verlor den Faden, besann sich dann aber auf die alte Regel "wenn Dir nichts einfällt, ziehe einen Randbauern!" 25. a4 Es folgte noch 25.-h5 (Schwarz fiel auch nichts mehr ein) 26.Ta2# [Na gut, das hab' ich erfunden - Nabaty liess sich das nicht mehr zeigen, schade eigentlich ...] 1-0
[Event "13th EICC round_5"]
[Site "Plovdiv BUL"]
[Date "2012.03.24"]
[Round "5.29"]
[White "Khismatullin, Denis"]
[Black "Stefansson, Hannes"]
1. c4 gähn, wird wohl eine langweilige Partie Sf6 2. Sc3 e5 3. Sf3 Sc6 4. g3 Sd4 Hier wird fast immer 5.Lg2 gespielt und das wird dann auf höchstem Niveau remis - mit einigen Ausnahmen vor allem im Blitz- und Blindschach. Stattdessen schnappt Weiss sich einen Bauern, der ist aber nicht ganz gratis. 5. Sxe5 De7 6. f4 6.Sd3 wird matt - zwei Spieler mit Elo 1410 und 1550 sind darauf reingefallen. 6.Sf3 ist noch schlechter da es auch noch eine Figur einstellt. d6 7. Sd3 Lf5 8. Kf2 DIAGRAMM - ich nehme meinen Kommentar zum ersten Zug zurück! Der erste von insgesamt 19 Königszügen, fast jeder vierte in der Partie
g5 9. Lg2 O-O-O 10. e3 Lg7 11. fxg5 Lxd3 12. exd4 h5 wohl nicht ganz korrekt, dafür aber interessant 13. gxf6 Dxf6+ 14. Df3 Dxd4+ 15. Ke1 d5 16. cxd5 Lc2 17. Lh3+ Kb8 18. d3 Lxd3 19. Le3 The8 20. Kf2 Db4 21. Tad1 Txe3 22. Dxe3 Ld4 23. Txd3 Dxb2+ 24. Kf3 Lxe3 25. Txe3 Dc2 26. The1 a6 27. T1e2 Dg6 28. Kf2 h4 29. Lg2 Df6+ 30. Ke1 Dd4 31. Kf1 hxg3 32. hxg3 Td6 33. Le4 Tb6 34. Td3 Dh8 35. Kg2 Th6 36. Kg1 DIAGRAMM So, Weiss hat rochiert - wurde aber auch Zeit! Aber wo steht die weisse Majestät nach nochmal zehn bzw. zw
anzig Zügen? Schau'n mer mal f5 37. Lxf5 Th1+ 38. Kf2 Dh2+ 39. Kf3 Tf1+ 40. Kg4 Dh8 41. Lg6 Dh6 42. Te6 Th1 43. Rf3 Dh3+ 44. Kf4 Dh6+ 45. Kf5 Dh3+ 46. Ke5
DIAGRAMM Die erste Frage wäre beantwortet Dg4 47. Tf8+ Ka7 48. Se4 De2 49. Te7 Db2+ 50. Ke6 Db6+ 51. d6 cxd6 52. Tf6 Db2 53. Kf7 Te1 54. Txd6 Dxa2+ 55. Kf8 Db2 56. Kg8 Touchdown! Auch diese Partie ist damit fast vorbei - wobei aber der weisse Wanderkönig überlebt während der schwarze in seiner eigenen Ecke gleich ins Gras beissen muss.
Db3+ 57. Lf7 Db4 Der Vollständigkeit halber: Engines (die die Stellung lange als etwa ausgeglichen bewertet hatten) sehen nach 57.-Df3 noch Hoffnung für Schwarz. 58. Tdd7 Db6 59. Sd6 Df2 60. Txe1 Dxe1 61. Txb7+ Ka8 62. Ld5 1-0
Dann noch zum Turnier insgesamt zunächst mal aus deutscher Sicht - der Ruhetag eignet sich ja für eine Zwischenbilanz. Naiditsch und Fridman spielen vorne mit, Naiditsch momentan nach Wertung ganz vorne. Seine Partie gegen Sokolov war auch interessant, auch er spielte c4 (aber nicht im ersten Zug). Khenkin und Buhmann spielen auch mit. Huschenbeth fährt Achterbahn, gewinnen mit Weiss und verlieren mit Schwarz (hat aber wohl auch mit der Spielstärke der Gegner zu tun). Fridman machte es ähnlich nur dass er mit Schwarz remisierte - ob er morgen gegen Bacrot auch einen Weissieg einfahren kann? Frank Holzke hat immerhin in einer Partie girig eine Figur einkassiert, was Anish letztes Jahr in Wijk aan Zee gegen Carlsen gelang. Wie schon im Kommentar erwähnt bekam FM Christian Braun auch einen 2700er - sicher ein Erlebnis auch wenn er verloren hat. Und Richard Meyers hat mit einem Sieg gegen den furchterregenden Volodymir Vdovenko jetzt seine Elo-Zahl (fast) bestätigt.
Noch ein bisschen über den Tellerrand schauen: Als Wahl-Niederländer vermisse ich neben Giri derzeit auch Smeets und l'Ami in der Liveübertragung. Und da ich auch ein bisschen Franzose bin (habe einige Zeit in Brest und Bordeaux verbracht) freue ich mich auch über bzw. für Fressinet, Vachier-Lagrave und Bacrot - der morgen gegen Fridman spielt, da gibt es für mich quasi kein falsches Ergebnis. Dass Mamedyarov, Giri und Navara morgen schön nebeneinander spielen, damit konnte man vielleicht rechnen - nicht unbedingt mit Brett 75-77. Dabei ist Mamedyarov immer noch ungeschlagen, hat aber (gegen Elo ca. 2500) auch noch nicht gewonnen.
Und noch was habe ich Sonntag gelernt: Georgien kennt keine Sommerzeit. Können die denn kein Deutsch bzw. lesen sie diesen Blog nicht? Olaf hat sie doch schon vor einem Jahr gewarnt ! Offenbar muss man Grossmeister sein um trotzdem an der Uhr zu drehen und pünktlich zu erscheinen - die Herren Jobava, Mchedlishvili und Pantsulaia schafften es jedenfalls.
- Post date: 11. März 2012
Die Wege des Internets sind unergründlich: was ich jetzt erwähne wissen die Südschachfreunde (damit meine ich die südlich der Alpen) bereits seit 19. Februar. Aber erst vor kurzem erwähnte "Roberto" es im Kommentar auf Chessvibes einschliesslich Link zum Original - dort vielleicht schon weg wenn dieser Artikel erscheint:
"[19-Feb-2012 19:44]
Anteprima - Caruana a Dortmund !
Fabiano Caruana parteciperà al Torneo di Dortmund che si svolgerà dal 12 al 22 luglio.
10 giocatori, girone all’italiana."
Neu aber nicht überraschend ist Caruanas Einladung. Völlig neu ist dass alle Partien mit 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lc4 Lc5 eröffnet werden (müssen), oder bedeutet "girone all'italiana" was anderes?? Relativ neu ist auch 10 Teilnehmer - obwohl es das in Dortmund schon gab, zuletzt 2005. Kleine Quizfrage: In welcher Hinsicht war Dortmund 2005 einmalig, bzw. was hat es mit Biel 2001 und Hoogovens (so hiess Wijk aan Zee damals) 1985 gemeinsam?
Die Frage ist, wer sind die 10 auserwählten? Kramnik sagte ja dass er im Juli wieder ein Turnier spielt (und meinte wohl nicht Biel), Caruana ist jetzt auch bekannt, der Pole Bartel hat sich als überraschender Aeroflot-Sieger qualifiziert, bleiben noch sieben. Ich glaube eher nicht dass sie Tal Memorial kopieren wollen, das ist schliesslich dann gerade vorbei und der Etat reicht vielleicht nicht für so viele Weltklasse-Spieler. Vielleicht kopieren sie stattdessen London - was hier schon mehrfach angeregt oder gefordert wurde, zuletzt indirekt von Olaf Steffens: "Schade nur, dass fast immer nur dieselben Supergroßmeister an den Start gehen dürfen! Wenn es sich nicht gerade um das Turnier in London handelt, sieht man sie kaum einmal mit anderen, leichtgewichtigeren GMs ringen." Wer könnte alles noch dabei sein? Naiditsch ist ja nicht nur Deutschlands Nummer 1 sondern auch Dortmunder. Hat sich Fridman gerade eingeladen? Er ist nicht nur frischer deutscher Meister sondern wohnt auch um die Ecke in Bochum, da spart man auch Hotelkosten? Georg Meiers Flug aus den USA ist dagegen vielleicht zu teuer, ausserdem sagten die Organisatoren doch dass die beiden letzten des Vorjahrs nicht (sofort) wieder eingeladen werden? Konsequenterweise hiesse das ein Superturnier ohne Nakamura, mal was anderes ... . Für Huschenbeth wäre es vielleicht doch eine Nummer zu gross oder zu früh? Und was mich betrifft, bittebitte keine Diskussionen über Khenkin und/oder Buhmann!
Einige andere kämen vielleicht auch in Frage: Korobov der Aeroflot ganz knapp nicht gewonnen hat. Le Quang Liem der Aeroflot dieses Jahr ausnahmsweise nicht gewonnen hat. Jobava der für Hansa Dortmund in der Bundesliga spielt - naja gespielt hat er bisher nicht, aber gemeldet ist er. Sie haben sogar Kasparov - Sergey nicht Garry.
Aber bisher ist es nur ein Gerücht - auf der Dortmund-Homepage steht nur "Weitere Ankündigungen über die Teilnehmer und über die Rahmenturniere werden im Laufe des Jahres 2012hier veröffentlicht. Aber "10 giocatori" habe ich doch richtig verstanden und die Italiener erfinden sowas doch nicht, warum sollten sie? Hat Caruana aus Versehen etwas ausgeplaudert das eigentlich noch geheim bleiben sollte?
P.S.: Und was passiert 2013? FIDE verspricht uns ein Grand Prix Turnier im Juli in Berlin, mitten in den Dortmunder Theaterferien. Aber bis dahin fliesst ja noch eine Menge Wasser den Fluss runter, an der Ruhr und an der Spree.
- Post date: 06. März 2012
Während der Abstiegskampf in der Bundesliga noch nicht entschieden ist steht der erste Aufsteiger bereits fest: In der 2.Bundesliga Süd hat der SV Griesheim alle sieben Mannschaftskämpfe gewonnen, die meisten hoch, und kann nur von Baden-Baden II noch theoretisch überholt werden - aber da deren erste Mannschaft den Klassenerhalt bereits gesichert hat darf die zweite nicht aufsteigen.
Vor knapp einem Jahr wurde Griesheims - aus deren Sicht unglücklicher bis tragikomischer - Abstieg aus der Ersten Liga in diesem Blog hier und hier thematisiert, wobei der Verein sehr kritisch gesehen wurde. Ich hatte damals bereits per Kommentar widersprochen und mache das nun nochmal etwas ausführlicher. Dieser Beitrag beruht zum Teil auf eigenen Erinnerungen (lang lang ist's her), zum Teil auf aktuellen Informationen vom Mannschaftsführer Benedikt Bayer. Der - inzwischen 74 Jahre alt - ist Urgestein im Verein den er auch finanziell aus eigener Tasche unterstützt. Generell werden fast alle Kosten aus dem Verein selbst getragen, daneben gibt es nur kleine Zuschüsse von der Stadt Griesheim und vom Landessportbund für Spielmaterial und Spiellokal. Jetzt - siehe Presseerklärung zum Aufstieg - suchen sie Sponsoren für die nächste Saison.
Gehen wir zuerst mal zurück in der Zeit bis Mitte/Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich komme aus demselben Unterverband, damals war ich Jugendleiter des Nachbarvereins SC Gross-Zimmern. Einmal wurden wir hessischer Mannschaftsmeister, ich glaube in der D-Jugend. Meinen stolzen Pressebericht mit Titel "Gross-Zimmern vor Hofheim und Schöneck" haben die meisten Leser der Lokalzeitung wohl nicht ganz kapiert. Wer sich in der hessischen Schachszene nicht auskennt, das ist etwa vergleichbar mit "Österreich besiegt Armenien und Aserbaidschan". Dass die Kids danach keine grossen Fortschritte machten und irgendwann mit dem Schach aufhörten - naja dafür war es der verkehrte Verein und ich der verkehrte Trainer!
Der direkte Kontakt zu Griesheim entstand zunächst als sie ein internationales Jugendturnier organisierten und Gäste aus Osteuropa z.T. auch bei Nachbarvereinen privat unterbrachten, wir bekamen eine Delegation von Bohemians Prag. Gewonnen hat das Turnier übrigens, vor viel älteren Spielern, ein relativ unbekannter 10-jähriger Ungar der kaum übers Schachbrett gucken konnte. Später stellte sich heraus dass dieser Erfolg kein Zufall war, brauchte er kein Kissen mehr auf dem Stuhl sondern begegnete dem Riesen Kramnik körperlich auf Augenhöhe, und er spielte auch noch öfter in Deutschland.
Später fuhren wir gemeinsam zu einem Jugendturnier nach Hlohovec in der Tschechoslowakei (heutzutage minus "Tschecho") - mit zwei Autos, geplant war dass der schnelle Griesheimer BMW den Zimmerner VW Golf unterwegs einholt und dass wir uns an der Grenze hinter Wien treffen, und nur sie wussten das genaue Ziel. Tempo 150 auf der Autobahn funktionierte dann aber nicht, dichter Verkehr und es regnete in Strömen, nur ich war gerade rechtzeitig an der Grenze. Am Visumschalter war aber eine Schlange, und als wir endlich an der Reihe waren sagte der Grenzbeamte "ich habe Feierabend!". Ich wedelte mit der Einladung die ich immerhin hatte: "Schachturnier, wir werden erwartet!", er nur "ihr Problem nicht mein Problem, schlafen in Österreich". Ich blieb einfach stehen, nach einigen Minuten sagte er "wenn's ihnen nicht passt, gehen sie zu meinem Chef, da die Treppe rauf!". Ich machte zwei drei Schritte, dann rief er "schnell schnell Visum ausfüllen!" - offenbar bekam er Angst dass ich doch wichtige Leute kenne ... . Die Telefonnummer meiner Eltern war als Kontakt vereinbart falls unterwegs was schiefgeht, also musste ich dann aus Bratislava in der 'BRD' anrufen, das war verdächtig und auch nicht gerade billig (natürlich in DM bezahlen) und ging nur von der Hauptpost die man erstmal finden muss. Meine Mutter: "Nein niemand hat angerufen, aber Dein Bruder führte auch 90 Minuten Dauergespräch mit seiner Freundin". Und jetzt? Quasi im Blindflug nach Hlohovec, die ungefähre Richtung wusste ich aber es war bereits dunkel und die Strassen voller Schlaglöcher. Dort die ersten Leute am Strassenrand nach einem Schachturnier gefragt, und das waren bereits unsere Gastgeber die seit Stunden warteten. Das andere Auto "schlief in Österreich" und war tags drauf zur ersten Runde immer noch nicht angekommen - "Gries-Zimmern" bekam vorläufig einige Reservespieler aus Leipzig, Vorschuss auf die Wiedervereinigung?
Anekdote Nummer zwei: Einige Zeit später fuhren wir, mitten im politischen Umbruch, nach Prag. Die Kids waren sehr neugierig was in der besetzten westdeutschen Botschaft so passiert, aber von aussen sah man natürlich nix. In der Stadt waren auffällig viele Leute und viel Polizei, es braute sich etwas zusammen ... . Die entscheidenden Stunden verbrachten wir bei einer (stummen) Vorstellung im Theater "Laterna Magika", und erst einige Tage später sah ich im westdeutschen Fernsehen was wirklich los war in Prag: eine Demonstration mit 800.000 Teilnehmern und das Ende des kommunistischen Regimes. Uff, das hätte auch anders ablaufen können, und wir mittendrin. Erst jetzt erfuhr ich von Benedikt Bayer (und Wikipedia) dass das Theater Laterna Magika auch Hauptquartier des oppositionellen Bürgerforums von Vaclav Havel war.
Beim Mauerfall erging es unseren Schachfreunden aus Leipzig ähnlich: Zurück von einem Turnier in Kiew kamen sie nach langer Zugfahrt in Berlin an und wunderten sich warum auf den Strassen soviel los was und die Leute so gutgelaunt. Jemand sagte "sie können gleich weiter nach Westberlin!" "Wie bitte, wir haben doch nicht den 1. April!". Vor der Wende konnten wir sie nur in Drittländern treffen, und auch da waren deren Westkontakte für die Stasi unerwünscht. Und den Griesheimern - da war ich selbst bereits zum Studium in Kiel - ging es in Moskau nochmal ähnlich. Sie waren da genau während des versuchten Putsches, kurz auf dem Roten Platz und dann schnell weiter zum ohnehin geplanten Ziel Jalta.
Warum ich das alles schreibe? Zum einen weil ich die Anekdoten loswerden wollte, zum anderen zeigt es wieweit die Ostkontakte der Griesheimer zurückreichen - während sich diverse andere Vereine wohl erst nach der politischen Wende mit Spielern aus Osteuropa eindeckten. Ich gebe nun Benedikt Bayer das Wort: "Die intensiven Kontakte zu Polen begannen im März 1990, als eine Darmstädter Jugendgruppe zu einem Jugendturnier in die Schwesterstadt Plock eingeladen wurde. Stellvertretend für Darmstadt wegen Spielermangel fuhr Griesheim (quasi ein Vorort von Darmstadt) zum Turnier. Selbstverständlich wurde eine Gegeneinladung ausgesprochen, die dann zu 20 Jahren intensiver Kontakte führte und die Basis für den Aufbau der Griesheimer Mannschaft wurde. Seit 20 Jahren spielen bereits Bogdan und Miroslaw Grabarczyk für den Verein. Durch die beiden Spieler haben sich wiederum Kontakte zu anderen Spielern ergeben und so wurde es allmählich eine gut harmonierende deutsch polnische Gemeinschaft, die durch ungarische Spieler ergänzt wurde." Die jüngeren Spieler im heutigen Griesheimer Team haben die oben beschriebenen Ereignisse wohl kaum bewusst miterlebt.
Bereits erwähnt: neben Deutsch und Polnisch wird in der Griesheimer Mannschaft auch Ungarisch gesprochen, auch dazu Benedikt Bayer: "Das Interesse für Ungarn und ungarische Spieler hat einen verständlichen Hintergrund, denn schließlich wurde ich im Grenzbereich zu Ungarn im ehemaligen Jugoslawien geboren und bin teils von deren Mentalität geprägt." Die Kontakte entstanden ursprünglich auch durch die Einladung zu einem Jugendturnier in Kecskemet vor ca. 25 Jahren mit anschliessendem Gegenbesuch - für die Ungarn damals die einzige Möglichkeit ein westliches Land kennenzulernen. Ungarische Schächer wurden dann zunächst als (qualifizierte und finanzierbare) Jugendtrainer im Verein eingesetzt, später auch als Spieler in den Mannschaften.
In Griesheim übernachten die ausländischen Spieler generell privat bei Benedikt Bayer, nicht etwa in Hotels. Die Spieler sind in den Gesamtverein integriert, spielen und trainieren auch mit Spielern der anderen Mannschaften. Bayer: "Freundschaftliche Beziehungen entwickelten sich und so wurden auf privater Ebene gemeinsame Urlaube verbracht und drei Ehen haben sich daraus ergeben."
Man kann das Griesheimer Modell natürlich trotzdem kritisieren und fragen "warum so wenige deutsche Spieler in der ersten Mannschaft"? Bayer: "Auch wir hätten gerne mehr deutsche Spieler eingesetzt, wenn wir sie uns finanziell hätten leisten können. Die Forderungen sind fast doppelt so hoch wie die der bei uns spielenden Ausländer. Unsere deutschen Spieler bekommen außer der Unterkunft bei entfernten Spielorten nichts bezahlt." Nun sind finanzielle Erwartungen oder Forderungen gleichwertiger deutscher Spieler wohl nachvollziehbar, schliesslich sind die Lebenshaltungskosten hierzulande höher. Allerdings: Hat ein Spieler mit Elo unter 2600 das "Recht" vom Schach bequem leben zu können? Und jeder Verein kann jeden Euro nur einmal ausgeben. Wie sparsam die Griesheimer sein müssen zeigte sich letztes Jahr beim Entscheidungsspiel in Berlin: Sie reisten morgens an (per Zug aus Darmstadt bzw. Kleinbus aus Polen), und direkt nach dem Spiel ohne Übernachtung wieder ab.
Soweit ich es beurteilen kann ist Griesheim ein "intakter Verein" ähnlich wie Hamburg und diverse Clubs aus Berlin, und keine Söldnertruppe. Gegenbeispiel wäre vielleicht "Europa Trier" - eine bunte Truppe aus aller Herren Länder (wobei ich dazu nicht recherchiert habe). Und vor einigen Jahren gab es, oberflächlich vergleichbar mit Polonia Griesheim, Cesko Bann die mit einer rein tschechischen Mannschaft ein Jahr Bundesliga spielten - damals gab es günstige Flüge von Prag nach Zweibrücken. Allerdings blieb Griesheim auch in der Zweiten Liga zusammen während Bann sich offenbar auflöste, gibt es den Verein überhaupt noch?
Der erste Schein trügt eben mitunter, ich gratuliere den Griesheimern jedenfalls zum Wiederaufstieg! Jetzt noch ein Sponsor - sollte der sich melden, dann auf deutschen Titelträgern bestehen und diese bezahlen hat der Verein wohl nichts dagegen.
- Post date: 25. Februar 2012
Ich habe lange gezögert eine eigene Partie vorzustellen - gespielt wurde sie bereits am 17.12.2011. Es ist wahrlich kein Meisterwerk dafür aber schön kurz. Habe ich jemals ein Meisterwerk produziert?? Naja ich war zumindest einige Male und an verschiedenen Orten Vereinsmeister ... . Auch das natürlich auf Amateurniveau. Aber zum einen sind wohl auch die meisten Leser hier keine Profis, zum anderen haben wohl Schachspieler jeglichen Niveaus mitunter dieselben oder ähnliche Probleme und Erfahrungen. Als da wären: Was mache ich gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner für den Remis ein Erfolgserlebnis ist? Wie gehe ich bei der Zugauswahl vor in wenig konkreten Stellungen mit vielen etwa gleichwertigen Kandidaten, und wieviel Zeit nehme ich mir dann? Und zuletzt bzw. - siehe Titel - zuerst: Warum passieren saublöde Fehler, in der Tennissprache "unforced errors"? Wenn man das wüsste würden sie (einem selbst) nicht passieren ... .
Ausserdem passt die Geschichte auch noch zur Elodiskussion, denn mit dieser Partie habe ich meinem Gegner am Brett einen und in der (NL-nationalen) Eloliste 20 Punkte geschenkt. Ich habe mir einen groben Bock geleistet, was hat er geleistet? Ist es "gerecht" dass das System sooo dynamisch ist? Und sogar zu Problemschach, wann sieht man schon ein einzügiges Hilfsmatt in einer partienahen Stellung?
Genug der Vorrede, folgendes passierte (ausgerechnet) in einem Mannschaftskampf. Mein Gegner hatte etwa 200 Punkte weniger und wäre wohl mit Remis einverstanden gewesen, so interpretiere ich auch seine Eröffnung:
Richter (1975) - Laan (1755), Hoorn, 17.12.2011
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 d6 Aha - etwas passiv, aber solide und schwer zu knacken 4.d4 Ld7 5.0-0 Sf6 6.Sc3 Le7 7.Te1 exd4 8.Sxd4 Sxd4 9.Dxd4 Lxb5 10.Sxb5 0-0 Immer schön abtauschen. Schlecht ist es nicht, z.B. laut Datenbank öfters von GM Campora gespielt mit insgesamt 4.5/6 11.c4 Offenbar seltener aber vielleicht nicht schlechter als diverse andere Züge (11.Lg5, 11.Lf4, 11.Dc3!?) 11.-c6 12.Sc3 Le7 13.Lf4 Tfd8 14.Tad1 Td7 Hier tauchte ich länger ab und entkorkte nach 15 Minuten 15.Se2 mit der Idee Sg3-f5. Ob das stellungsgemäss ist, wer weiss das schon? 15.-Da5 er stellt eine gemeine Falle ... 16.a3 Tad8 
Und wieder grübelte ich ... nochmal 15 Minuten wobei ich alles mögliche betrachtete. Meine Gedanken waren "ich stehe mit Raumvorteil leicht besser aber wenn er d6-d5 durchdrückt hat er Ausgleich und die Stellung verflacht, wie kann ich das verhindern oder zumindest erschweren?" Ich hatte sogar 17.Kf1!? erwogen um den Te1 vorsorglich zu decken und eventuelle Grundreihenprobleme abzufedern, das erschien mir aber doch zu gekünstelt. Das eigentlich geplante 17.Sg3 verwarf ich weil ich dachte dass er dann mit 17.-Sh5 noch eine Leichtfigur abtauschen kann - das kleine Problem dabei sah ich erst bei der häuslichen Nachbereitung. Nicht erwogen hatte ich 17.Sc3 (Vorschlag eines Teamkollegen) denn da kam der Springer ja gerade her, Auch nicht erwogen hatte ich 17.Dd3 - gleiche Idee wie in der Partie aber ohne Risiken und Nebenwirkungen. Irgendwie hatte ich vergessen dass Figuren rückwärts ziehen können und das das nicht schlecht sein muss. Stattdessen vorwärts mit - vielleicht ahnt es der eine oder die andere bereits 17.Td3 Ich hatte dabei ein ungutes Gefühl, stand auf, ging auf die Toilette, sah mir dann die anderen Bretter an. Alles wäre OK wenn ich das geplante b4 ziehen könnte ohne dass Schwarz zwischendurch an der Reihe ist. Mein Gegner wartete geduldig auf mich, und dann flog seine Dame von a5 über b4, c3 und d2 nach e1, kegelte meinen Turm weg und warf meinem König einen frechen Blick zu, das Hilfsmatt war perfekt!
Ich hatte doppelt Glück im Unvermögen: 1) Ich musste (konnte/durfte) diese Stellung nicht mehr weiterspielen - in Mannschaftskämpfen dieser Klasse wird sonst erwartet auch hoffnungslose Stellungen keinesfalls zu früh aufzugeben. 2) Im Nachbarraum spielten Teams einer (viel) höheren Spielklasse. Ein international bekannter Spieler hatte kurz vorher noch vorbeigeschaut, aber _das_ hat er nicht live gesehen. Wenn ich noch eine Ausrede brauche: Ich war mit meinen Gedanken vielleicht auch ein bisschen in Warschau (damals war ich ein bisschen Schachjournalist, momentan blogge ich nur).
Und mein Team hatte auch Glück im Unglück - man kann es vielleicht Pech nennen dass ein sonst recht zuverlässiger Spieler im falschen Moment patzt. Gibt es einen richtigen Moment? In der Vereinsmeisterschaft wäre es den anderen eher egal oder sogar Recht gewesen ... (nicht dass ich irgendwelche Vorwürfe bekam). Der Gegner gab das Weihnachtsgeschenk nämlich doppelt zurück: Ein Spieler verlor auf Zeit - für den Kontrollzug nahm er ca. fünf Minuten und das war genau eine Sekunde zuviel. Ein anderer liess sich mit Mehrfigur unnötig mattsetzen (auch da gewann der nominell deutlich schwächere Spieler). Dadurch gewannen wir am Ende mit 5-3.
Warum passiert sowas, und passiert es nur mir?? Nein, ähnliches passiert manchmal auch Grossmeistern wie Boris (Nachname verrate ich nicht) in der Bundesliga bewies:
Hier folgte 34.Td6 Te6?? 35.Txc6 1-0 . Ich vermute mal dass der Schwarzspieler - genau wie ich - nicht im Traum oder Alptraum daran dachte dass er diese Stellung schnell verlieren kann. Im Gegensatz zu mir hatte er immerhin diverse Verlustzüge. Auch im Gegensatz zu meinem Mannschaftskampf fehlte seinem - eigentlich favorisierten - Team am Ende ein halber Punkt zum 4-4.
So, ich bin gespannt auf Kommentare. Gibt jemand öffentlich zu dass ihm schon mal ähnliches passiert ist???
- Post date: 03. Februar 2012
Vor einiger Zeit habe ich hier gezeigt wie man als Aussenseiter mitunter dem Favoriten ein Bein stellen kann. Das klappt natürlich nicht immer – stattdessen kann man auch mit fliegenden Fahnen untergehen wie IM Manuel Bosboom (Foto © ChessVibes) in Gibraltar gleich mehrfach bewies.
Vorab ein paar Worte zu ihm und wie ich auf die Idee für diesen Bericht kam: Er ist - jedenfalls im Schach - der einzige Titelträger den ich persönlich kenne. Ein Vereinskollege von mir kommt nämlich wie er aus Zaandam, und Bosboom gab einmal ein Simultan in unserem Dorfverein (zu sehr günstigen Konditionen - für uns). Bei einer anderen Gelegenheit spielte er gegen mich im Blitz 1.e4 e5 2.Sf3 De7 und gewann - wohl weil er einfach besser ist, aber hinterher sagte er mir "soo schlecht ist das nicht, damit habe ich auch schon gegen Nigel Short gewonnen" (Blitz oder Schnellschach?). Und im letzten Jahrtausend hat er auch Kasparov im Blitz besiegt - die Partie gibt es hier direkt unter einer bekannteren die einen Tag danach gespielt wurde, nebst Bosboom-Zitat: "So ich führe 1-0 gegen Kasparov, das muss er erstmal aufholen". In dem Blitzturnier war er Ersatzmann für Shirov.
Zuletzt traf ich Bosboom am ersten Tag in Wijk aan Zee: "Dieses Jahr spiele ich nicht hier sondern in Gibraltar - gewinnen werde ich nicht aber es gibt ja auch Ratingpreise." Er tat zumindest so als ob er seine aktuelle Elo gar nicht kennt (2394, für derlei Zwecke ideal).
Gibraltar-Berichte über die Spitzenbretter, Sieger und Siegerin gibt es genug im Internet, ich konzentriere mich darauf was Bosboom im Mittelfeld so trieb. Die Perle kam gleich in der ersten Runde mit Weiss gegen Daniel Fridman den ich wohl nicht vorstellen muss:
1. c4 e6 2. Sf3 d5 3. e3 Sf6 4. a3 Le7 5. g4 Hier sehr selten, auch wenn eloschwere Schach-Chaoten wie Shirov und Mamedyarov das in etwas ähnlichen Stellungen auch spielen 5.- O-O 6. Tg1 c5 7. b4 Wer G sagt wie Gibraltar muss auch B sagen wie Bosboom. Das ist offenbar seine Idee oder Spezialvariante – in meiner Datenbank gab es dazu drei Partien, alles Siege von ihm gegen etwa gleichwertige Gegner. M wie Manuel oder Matt passiert aber heute nicht (höchstens Meh aber das sagt ja nur ein GM aus Hamburg). 7.- Sc6 8. Lb2 cxb4 9. axb4 Sxb4 10. Sc3 b6 11. g5 Se4 12. Sxe4 dxe4 13. Se5 Lb7 14. Dh5
Häh??? Naja, rochieren wollte Weiss wohl doch nicht mehr. Und der Ta1 ist auch überflüssig da er nicht schnell zum Königsflügel schwenken kann. 14.-Sc2+ 15. Kd1 Sxa1 16. Sg4 Sb3 17. d3 e5 Wohl um eventuell mit Sb3-c5-e6 der Majestät zu Hilfe zu kommen? 18. Lxe5 exd3 19. Sf6+ Lxf6 20. gxf6 g6 Irgendwie hat Weiss es geschafft nicht schlechter zu stehen, denn nach 21.Dh6 muss Schwarz Dauerschach geben (21.-Lf3+ 22.Le2 de2:+ 23.Kc2 Dd2+ oder auch e1S+ usw.).
Hat der Gegner dabei mitgeholfen? Im Nachhinein war 17.-e5 wohl falsch, denn wenn der weisse Läufer auf b2 steht blockiert er dieses Feld für seinen König und in dieser Variante kann offenbar Schwarz schach-forciert mattsetzen (sagen die Engines). Kleines Detail – alles wird doch gut für Fridman denn Weiss spielte 21. Tg3 Häh? Wollte Bosboom auch gegen diesen Gegner kein Remis? Träumte er von 21.-Kh8 22.Dh6 Tg8 und der Rest ist Taktiktraining für D-Jugendliche? Hat er den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen? ("Bos" ist holländisch für Wald, und "boom" heisst Baum) 21.- Lf3+ Only move – jetzt kommt die weisse Dame nicht mehr rechtzeitig nach h6 und der schwarze Gegenangriff entscheidet schnell 22. Dxf3 Dd7 23. Df4 Sc5 24. Lh3 Da4+ 25. Ke1 d2+ 26. Kxd2 Da2+ 27. Kd1 Tad8+ 28. Ld4 Tfe8 29. Lf5 Sb3 0-1
Im Schnelldurchlauf durch seine weiteren Partien gegen GMs: Runde 4 gegen Nadezhda Kosintseva war eher untypisch. Das war nämlich (einschliesslich 9. Lxe6) Theorie, dann spielte die Gegnerin (nicht er) mit 11. Dd4!? einen sehr seltenen Zug, und kurz danach war Schluss:
In Runde 6 ging sein moderner Aufbau ziemlich schief - wenn 19.- 0-0-0 der beste Zug ist stimmt irgendwas nicht mit der schwarzen Stellung. Im Trüben fischen half dann auch nicht:
Dann noch Runde 8 gegen einen Gegner den ich auch nicht vorstellen muss:
Dem aufmerksamen Leser ist wohl aufgefallen dass dazwischen einiges fehlt - und auch danach denn es wurden 10 Runden gespielt. Seine fünf Siege gegen nominell schwächere Gegner waren weniger spektakulär, z.B. spielte er relativ "normale" Eröffnungen wenn auch keine Hauptvarianten. Etwa gleichwertige Gegner bekam er gar nicht, so ist das im Schweizer System manchmal. Es gab aber doch einige taktische Motive und nette Schlusstellungen; der geneigte Leser findet alle Partien hier.
Das einzige Remis war in der neunten Runde gegen WIM Olga Dolgova, da musste er mit einem Turm weniger Dauerschach geben. Ein Achtungserfolg für seine Gegnerin - ganz happy war sie wohl trotzdem nicht. Zum einen weil das Dauerschach vermeidbar war, zum anderen - jetzt verrate ich doch ein bisschen was sonst so in Gibraltar passierte - weil ihr Mann Alexei Shirov gleichzeitig gegen Hou Yifan verlor.
Den Ratingpreis 2300-2400 sicherte sich übrigens Felix Graf mit einem 3/3 Schlusspurt; lange hatte mit FM Stefan Kuipers ein anderer Holländer die besten Karten, Spielverderber für ihn war in der vorletzten Runde Jan Gustafsson (aber bei ihm reichte es für eine IM-Norm).
- Post date: 26. Januar 2012
Man kann das Tata Steel Chess Turnier natürlich prima im Internet verfolgen, aber ein Besuch vor Ort lohnt sich durchaus – ich mache es jedenfalls alle Jahre wieder. Dieser Bericht geht vor allem über die 9. Runde am Dienstag 24.1., wobei aber auch frühere Erfahrungen ein bisschen mit einfliessen. Beide Fotos © Fred Lucas.
In Wijk aan Zee gibt es zwei Schauplätze: Dorfhaus de Moriaan steht für einige Wochen ganz im Zeichen des Schachs – ein paar hundert Amateure spielen im Saal und in einigen Nebenräumen, die Grossmeisterturniere ABC sind abgetrennt auf der Bühne (auf dem Foto ganz hinten hinter den Monitoren). Zweiter Schauplatz ist das Kommentarzelt das jedes Jahr ein paar hundert Meter entfernt auf einer Wiese mitten im Dorf aufgebaut wird – der Rest dieser Grünfläche ist teilweise Parkplatz, nebendran laufen Pferde herum, die sind aber etwas grösser und bewegen sich anders als die Schachfiguren!
Zuerst zum Turniersaal: die Bühne betreten zunächst, so 15-20 Minuten vor Rundenbeginn, diverse Fotografen. Erkannt habe ich Hausfotograf Fred Lucas und den Tschechen Pavel Matocha mit seinem Hahnenkamm; später traf ich noch Chessvibes-Chef Peter Doggers. Dann nach und nach die Spieler. Als erster kam Topalov – was er einem anderen Pavel, Hauptschiedsrichter Votruba, erzählte weiss ich nicht denn sie unterhielten sich in irgendeiner slawischen Sprache. Dabei "bewachte" er den Eingang zur Bühne – schade dass ich keine eigene Kamera hatte denn "Türsteher Topalov" wäre ein nettes Motiv gewesen. Traditionell konzentriere ich mich aber auf die C-Gruppe: da ist die Menschentraube kleiner, die Spieler kommen tendenziell früher und die Atmosphäre ist lockerer. Zwei Damen waren besonders gut gelaunt: worüber sie sich sehr angeregt unterhielten kann ich auch nur vermuten obwohl sie Englisch sprachen.
Hinterher sah ich dass Elisabeth Pähtz im Video-Interview auf der Turnierseite lachend verriet was sie einen Tag davor am Ruhetag tat: shopping in Amsterdam mit Tania Sachdev. Es dauerte ein zwei Minuten bis Fotografen dazu kamen – Fred Lucas hat mir sein Foto (genommen aus <1m Entfernung) dankenswerterweise geschickt schon bevor es hier veröffentlicht wurde. Im Hintergrund Elina Danielian, Gegnerin von Pähtz die sich bereits voll auf die Partie konzentriert, die Stellung ist ja auch durchaus kompliziert. Der Gong zum Start der Runde kam aber erst fünf Minuten später.
Dann habe ich noch die Eröffnungsphase verfolgt, Zustimmung eingeholt um Fotos für diesen Bericht zu verwenden (dieses Jahr neu für mich), und eine Stunde später beginnt der Kommentar. Da harmonierten Smeets und Stellwagen auch prächtig, wobei der holländische Jan (nicht Timman, der spielt ja im B-Turnier) die besseren Sprüche hatte u.a. als Sekundant von Topalov:
"Topalov spielt die Eröffnung immer schnell – mal ist es Vorbereitung, mal ist es Bluff, das weiss der Gegner ja nicht."
[Zur Eröffnung bei Carlsen-Karjakin:] "Das musste ich auch mal analysieren, aber erst einige Züge später. Oft bin ich Experte in Stellungen ohne zu wissen wie sie zustande kommen." (denn der Chef kennt die ersten 10-15 Züge auswendig, sein Assistent aber offenbar nicht)
Aus dem Publikum kam die (logische) Frage warum sie nicht selber spielen. Beide hatten eine Einladung für die B-Gruppe, worauf Smeets aber nach dreimal A-Turnier keine soooo grosse Lust hatte. Ausserdem will er so langsam sein Studium abschliessen, und Stellwagen ist inzwischen berufstätig.
Irgendwann ging ich zurück in den Turniersaal. Besonders faszinierend ist dass mehrere Spieler immer in Gedanken versunken auf der Bühne rumlaufen ohne miteinander zu kollidieren. Oft legt Gelfand mit die meisten Meter zurück, diesmal aber nicht denn seine Partie wurde schnell Remis. Das Resultat war nicht überraschend, schliesslich spielte er gegen van Wely und der kann dieses Jahr weder gewinnen noch verlieren. Der ultime Beweis einen Tag danach: King Loek akzeptierte remis genau als er plötzlich forciert gewinnen konnte! Absicht war es sicher nicht, und er hatte nur noch wenige Sekunden für seinen 40. Zug. Und van Welys eigentliche Rolle übernimmt dieses Jahr Karjakin.
Ein anderes Foto das nicht geschossen wurde hat den Titel "Aronian überholt Carlsen". Beide liefen parallel zueinander, Carlsen vor, Aronian hinter den Brettern der A-Gruppe, und der Armenier war viel schneller unterwegs. Das passierte am selben Tag ja auch im Turnier. Wenn Carlsen nicht spazieren geht hat er übrigens auch seine ganz eigene Sitzhaltung am Brett – ich kann es nicht beschreiben, auch in der Hinsicht ist er einmalig.
So das war's. Was hinterher passiert (Analyse, Kommentare der Spieler, Pressekonferenz) erfahren zunächst nur etablierte Journalisten mit Zugang zum abgeschlossenen Pressebereich; darüber steht inzwischen einiges anderswo im weltweiten Web. Zwar liefen zunächst Pähtz und dann Topalov direkt an mir vorbei, aber ich wollte sie nicht ansprechen bzw. stören. Und sowohl "worüber hast Du/haben Sie denn mit Tania Sachdev gequatscht?" (oder etwa auf Englisch um die Sache mit der Anrede zu vermeiden??) als auch "What was it today, bluff or preparation?" wäre überfrech gewesen – bei Topalov vermute ich in seiner Partie gegen Nakamura letzteres.
- Post date: 23. Januar 2012
Amateur gegen Grossmeister ist immer so eine Sache – der eine hat nichts zu verlieren, der andere muss erstmal gewinnen. Manchmal passiert dann stattdessen sowas wie am 3.Dezember letztes Jahr in Mailand, in der ersten Runde des Memorial E. Crespi. Die Bühne betraten mit Weiss Paolo Formento, Italiener (wer hätte das gedacht) mit Elo 2133, mit Schwarz Yuri Solodovnichenko, ein mir bisher unbekannter ukrainischer GM, mit Elo 2629 immerhin an zwei gesetzt im Turnier. Nennen wir ihn der Einfachheit halber Solo ... . Man kann diese Partie einfach geniessen, versuchen zu verstehen was los ist – was mich jedenfalls überfordert – oder Engines konsultieren, verlockend aber irgendwie unfair den Spielern gegenüber. Wie dem auch sei, los geht's:
1. e4 d6 2. d4 g6 3. Sf3 Sf6 4. Sc3 Lg7 5. Le2 O-O Soweit so Pirc – was Solo offenbar sonst nicht spielt. Vielleicht dachte er sich so seiner Pflichtaufgabe entledigen zu können, à la Kramnik gegen etwas schwächere Gegner was aber auch nicht immer funktionierte. Wenn Solo mit Formento Schlittschuh laufen wollte ist er jedenfalls selbst ausgerutscht. Der weisse Aufbau sieht bescheiden aus, aber das täuscht 6. O-O Sa6 7. h3 c6 8.a4 Sb4 9. Le3 a5 10. Sh2 e5 11. f4 exd4 12. Lxd4 Te8 13. Lf3 Le6 14. g4 ATTACKE! 14.-Lc4 15. Te1 h6 16. h4 wenn Weiss einen i-Bauern hätte … 16.-d5 17. e5 Sd7 18. g5 Sf8 19. Lg4 h5 20. Lh3 Se6 21. Lxe6 fxe6 22. b3 La6 23. Se2 b6 24. Sg3 Tf8 25. f5
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Hier würde ein ehemaliger Kieler Vereinskollege vielleicht einen seiner Lieblingssprüche bringen: "das geeeeeht?!!!?! 25.-exf5 26. Sxh5 "Wo rohe Kräfte derbe walten muss ich doch nicht mein Pferd behalten!" gxh5 27. Dxh5 Sxc2 guten Appetit – noch ist Ukraine nicht verloren 28. g6 Jetzt muss Solo aufpassen – ATTENZIONE! (Wie heisst das auf Ukrainisch?) 28.-Te8 Gesehen – mitunter übersehen auch starke Grossmeister Dh7 matt ... (Namen nenne ich keine, oder hab ich das schon getan?) 29. Sg4 Dieser Gaul würde Schwarz nicht schmecken, aber es hängen ja noch ein paar andere weisse Figuren.
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Hier dürfen die Silikonfreunde zum ersten Mal rechnen. Wer will kann versuchen drei Fragen selbst zu beantworten: Was ist der beste Zug für Schwarz (aber bitte mit Varianten!)? Kleiner Tip: der weisse Springer will das verbotene Feld g4 wieder verlassen. Was ist der zweitbeste Zug? Und was spielte Solo stattdessen??
Zu den ersten beiden Fragen siehe ganz unten, Frage 3: Gespielt wurde 29.-Dc8 Hier brauchen die Engines über 10 Minuten bevor sie sich auf +7 oder höher einpendeln. Mein Laptop ist wohl langsam (und ich habe nur die Gratisversionen), die Stellung aber auch kompliziert. 30. Sf6+ Kf8 31. Dh7 De6 32. Lxb6!! Wie bitte, zwei Ausrufezeichen für einen Bauerngewinn? Nun ja, es ist der einzige Gewinnzug – nicht etwa weil es einen Bauern gewinnt – und es gibt auch keinen Remiszug. 32.-Te7 33. Lc5 Ta7 34. h5 Sxe1 Der zweite Unglücksmoment des Springers? Nach 34.-Lxf6 35.exf6 Dxf6 wird es vielleicht – am Brett – noch Dauerschach!? Weiss kann das zwar verhindern: wenn er auf e7 alles mit Schach abtauscht sind die Freibauern zu stark (und die schwarzen Leichtfiguren stehen etwas dumm herum). Aber ob das so gekommen wäre ist nicht 100% sicher. Und dass die Silikonhirne statt 35.exf6 35.h6!? spielen wollen ist menschlich gesehen vielleicht noch irrelevanter. 35. h6 Hier logisch, was sonst? Sf3+ 36. Kh1 Lxf6 37. exf6 Ke8
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38. fxe7 Nur der zweitbeste Zug (38.Dh8+!) aber gut genug. Schwarz hat noch bzw. immer noch eine Mehrfigur auf die er aber wohl gerne verzichten würde: wenn der nochmals unglückliche Sf3 sich sofort in Luft auflösen könnte hätte er zumindest noch jede Menge Damenschachs. Ta8 39. Qh8+ Kd7 40. Qxa8 Lc8 41. Qxa5 Inzwischen hat Weiss Qualität und zwei Bauern mehr, und was für welche – Solo hat genug gesehen 1-0
Ein Schachfreund dem ich die Partie vorab schickte schrieb mir per Mail: "Ich bin beim Nachspielen hin- und hergerissen zwischen der Solidarität mit dem Underdog und der Solidarität mit dem Pirc-Spieler (sagte ja, dass ich das selbst spiele)." Wer bleibt geheim – Jörg Hickl war es nicht!
Hat Formento die Partie seines Lebens gespielt? Das wissen wir oder er in ein paar Jahrzehnten, der Bursche ist nämlich 14 Jahre jung.
Nebenbei: Gewonnen hat das Turnier Baadur Jobava, vom Ausrichter vorab angekündigt mit den Worten "Dalla Georgia con furore". Sein Schach war aber, für ihn eher untypisch, vergleichsweise langweilig bzw. trocken. Allerdings holte er so 8.5/9 (TPR 2910) und wird seither auch hier wieder erwähnt.
Frage 1: Richtig war 29.-Sxd4. Das geht – aber nur wenn man nach 30.Dh7+ Kf8 zwei Varianten sieht:
31. Sh6 Dxh4 32. Dg8+ Ke7 33. Dxg7+ Kd8 34. Df6+ Te7! (Damentausch zu meinen Bedingungen!) 35.Dh4: Sf3+ (Houdini)
31. Sf6 Txe5 32. Dg8+ Ke7 33. Dxg7+ Kd6 34. Txe5 Nf3+ (Stockfish)
Unglücksspringer Teil I dass dies nicht gespielt wurde, wobei das Schach auf f3 dazu gehört – wenn der weisse Monarch "zufällig" auf h1 stünde bestehen die Engines auf 0.00 (Weiss hat Dauerschach aber auch nicht mehr)
Frage 2: Auch 29.-Lc8 mit der Idee Le6 war wohl gut genug - ähnlich wie in der Partie, nur dass 31.Lxb6 dann nicht geht.


