- Post date: 15. Mai 2013
Über Psychologiestudenten sagt man ja gemeinhin, dass eine Hälfte das Fach studiert, um anderen Menschen zu helfen und die andere Hälfte, um sich selbst zu heilen. Bisher habe ich die Stücke hier vorgeführt, um die Schönheit der Schachkomposition zu präsentieren, doch diesmal geht es auch bei mir in die andere Richtung: Das Studium der Lösung war bei dieser preisgekrönten Studie von G. Teodoru faszinierend, aber ich verstand sie nicht. Daher habe ich Hoffnung, dass die Löser hier mir etwas helfen.

Schwarz hat viel mehr Material, aber auch einen schlecht stehenden König. Dies gilt es mit den verbliebenen, vereinten weißen Kräften zu nutzen. Die ersten vier Züge geht das auch ziemlich gut, aber danach wird es wahrhaft mysteriös.
Weiß am Zug gewinnt, Ideen wie immer als Kommentar.
- Post date: 29. April 2013
Als ich neulich mal wieder den künstlerisch wenig wertvollen und ziemlich kommerziellen Hit "Round Round" von den Sugababes gehört habe, war mir schnell klar, welches Problem ich hier einmal vorstellen könnte.
Und dabei bin ich einfach nicht lernfähig. Jetzt komme ich schon wieder mit einem Stück über viele Züge um die Ecke, aber diesmal ist es wohl schnell klar, wo diese Reise hinführt. Das Labyrinth auf dem Brett ist vom Autor bestens präpariert worden und ein Partieschachspieler würde hier eventuell schon automatisch die richtigen Züge machen.

Das schöne Stück von Jochen Schröder erschien 2004 in der Schwalbe, allerdings ohne den schwarzen Bauern auf f2. Ich konnte allerdings nachweisen, dass dann ein kürzeres Matt möglich ist, daher habe ich ihn eingefügt.
Viel Spaß beim Kreislaufen und Kommentieren!
- Post date: 05. April 2013
Der Autor der diesmaligen Studie ist ein echtes Phänomen: Wieland Bruch ist wohl einer der größten Kenner von Zweizügern. Darüber hinaus gilt seinem Interesse aber auch einer ganz anderen Seite des Schachkompositionskosmos, und zwar der Studie.
Damit fällt er nicht in eine der zwei typischen Kategorien der Studienkomponisten: Zum einen sind da echte Spezialisten, die außer in der Studienkomposition gar nicht in Erscheinung treten, zum anderen sind da starke Partieschachspieler, unter anderem auch GMs wie John Nunn, Jan Timman oder Michael Prusikin, die als Komponisten in Erscheinung treten. Ein Zweizügerspezialist ist da die absolute Ausnahme. Und so sind auch seine Stücke völlig andersartig, da er bemüht ist, Probleminhalte in die Studie zu überführen und dabei höchst eindrucksvolle und originelle Meisterwerke schafft. Das folgende Stück, erschienen in der Schwalbe 2012, gehört definitiv dazu.

Auch wenn das Material halbwegs ausgeglichen erscheinen mag, sind die Bauern auf b2 und g2 echte Riesen und dann gibt es auch noch eine schwarze Batterie gegen den König und einen angegriffenen weißen Turm. In Kombination führt das dazu, dass Houdini bei mir lange Zeit großen schwarzen Vorteil anzeigt und das, obwohl die Varianten hier recht kurz sind. Doch Weiß hat einen schmalen Pfad ins Remis.
Viel Spaß beim Knobeln!
- Post date: 26. März 2013
Will es denn gar nicht Frühling werden? Zwar haben wir optimales Schachwetter, aber solche Temperaturen im März, das will doch niemand. Vor allem, wenn sich ein grippaler Infekt wie Gummi hinzieht und das Gekeuche nun schon vier Wochen geht. Was das mit Schach zu tun hat? Nicht viel, aber als ich die Bibel der Zweizügerthemen ("Von Ajec bis Zappas" heißt sie) des Großmeisters Udo Degener aus Potsdam in Händen hielt, fiel mir das Thema "Broit" auf. Ich weiß nicht einmal, ob das deutsch, französisch oder sonst wie ausgesprochen wird, aber aufgrund meiner Erkrankung konnte ich mir lebhaft vorstellen, dass der Komponist, der es erfunden hat, gerade stark erkältet war und dann ein paar Buchstaben seiner Bronchitis beim Blick auf sein Werk weggehustet hat.
Die Darstellung des besagten "Broit"-Themas hat mich jedoch alles andere als kalt gelassen, handelt es sich doch um die Kombination von zwei hübschen Schnittpunktthemen. Der Komponist ist vielen eher als Erschaffer tiefgründiger Studien bekannt, dabei war er insbesondere auch ein sehr produktiver Problemkomponist. Sein Name ist Leonid Kubbel und in seinem gerade einmal 50 Jahre währenden Leben hat er laut Wiki ca. 2800 Schachkompositionen erschaffen.
Und darunter viele Perlen, die ausgezeichnet wurden, darunter auch unser "Broit", der als Jahrgangsbester der Zeitschrift "Sadatchy i Etjudy" 1928 als Jahrgangsbester Zweizüger den 1. Preis für sich verbuchen konnte.

Das ist das schöne Stück, in dem der anziehende Weiße das Matt spätestens im zweiten Zug erzwingt.
Viel Spaß beim Lösen und frohe Ostertage!
- Post date: 09. März 2013
Wir wagen einmal einen Blick gen Osten. In den Staaten des ehemaligen Warschauer Paktes gibt es nicht nur hervorragende Problemkomponisten, auch und insbesondere Studien entstehen dort in hoher Zahl und Qualität.
Das folgende Beispiel entstammt dabei der Zeitschrift "Problemist Ukraini" und erlangte im Jahresturnier 2009 den geteilten 3. Platz.

In dieser Gewinnstudie von Vazha Neistadt hat Weiß gerade einmal das Läuferpaar und einen Bauern für die schwarze Dame. Doch der schwarze König hat sich weit in das weiße Lager vorgewagt, zu weit, wie sich zeigen wird. Die Lösung ist zwar ziemlich direkt, aber die entscheidende Pointe ist wirklich sehr hübsch und eignet sich als Lehrbeispiel für das gelungene Zusammenspiel von Läufer und Springer.
Viel Spaß beim Lösen!
- Post date: 27. Februar 2013
Eigentlich hatte ich schon einen stein- und inhaltsreichen Dreizüger herausgesucht, den ich hier präsentieren wollte. Aber dann habe ich gemerkt, dass in der Vergangenheit eher Kleinigkeiten beim Leser hier gut ankamen. In dieser Kategorie fällt auch unser heutiges Stück.
Der Phönix, ein Vogel, der erscheint, in der Morgenröte verbrennt und dann aus seiner Asche wieder aufersteht, war bereits in der ägyptischen Mythologie bekannt. Zu einer Zeit, als an das Spiel Schach noch überhaupt nicht zu denken war, auch wenn es schon Brettspiele zu der Zeit gegeben haben dürfte. Der Mythos des Phönix lebt aber auch im Schachproblem weiter und dürfte auch in der ein oder anderen Schachpartie vorkommen. Doch an dieser Stelle habe ich eigentlich schon fast zu viel verraten und übertrage nun weitere Überlegungen zum Phönix an den Leser.

Zugegebenermaßen ein etwas altmodisches Stück von Ralph Ostwald, das 1983 im Mannheimer Morgen erschien: Schwarz ist wehrlos und kann nur noch mit dem König ziehen. Aber Weiß hat nur vier Züge Zeit zum Matt setzen. Wie funktioniert es?
- Post date: 01. Februar 2013
Bei denjenigen, die sie gelöst haben oder schon kannten, hat die Studie des vorigen Monats sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch ich denke immer wieder mit Vergnügen an sie.
Manchmal fragt man sich, was für ein meisterliches Gehirn da wohl gewirkt haben muss, das solche Kunstwerke hervorbringt. Und so gehört zu den Studien, die einem immer mal wieder einfallen, auch die folgende, die erst jüngst vom Österreicher Peter Krug in das Rennen um einen der Spitzenplätze beim Turnier der British Chess Problem Society geworfen wurde und als sechstbeste Komposition leider nur die 2. ehrende Erwähnung erreichte. Unser von Alpen durchzogenes Nachbarland leistet sich übrigens gleich zwei Spitzenstudienkomponisten. Neben dem Autor hier ist das Günter Amann, der in der letzten Zeit viele spektakuläre und mit Preisen ausgezeichnete Studien präsentierte und anscheinend auch ein respektabler Schachspieler ist.

Ich habe ja gelernt, dass für partienahe Endspielstudien jetzt mein Kollege Michael Schwerteck zuständig ist, daher ist es wohl in Ordnung, ein besonderes Augenmerk auf den künstlerischen Ausdruck zu legen. Wobei man dazu sagen muss, dass auch in der Schachkomposition ein Quintupelbauer mit eingesperrtem schwarzen Läufer und gerade noch so eben legaler Stellung für Naserümpfen sorgt und durch den Inhalt gut begründet sein möchte. Das ist meines Erachtens hier absolut der Fall.
Unser "seltenes Motiv" kommt hier ganz am Anfang und nur in halber Form. Ein paar Züge später kommt es dann zu einem Springer vs. Läufer-Duell, das ich so vorher noch nie gesehen habe und das, wie oben gesagt, einen nachhaltig prächtigen Eindruck bei mir hinterlassen hat.
Das Material ist in etwa ausgeglichen, der schwarze König steht schlecht, was schlussendlich auch die Partie entscheidet, die schwarze Dame ist deutlich aktiver als die weiße. Ich wünsche viel Erfolg beim Finden der Lösung. Houdini 1.5 hat es bei mir nicht gepackt, zumindest nicht in 10 Minuten auf mittelmäßig alter Hardware. Vielleicht hilft ja menschliche Phantasie, die der Autor wohl zuhauf gehabt haben muss.
Weiß am Zug gewinnt, Lösungsideen und Anmerkungen wie immer als Kommentar.
- Post date: 24. Januar 2013
Von den alten Meistern kann man sehr viel lernen. Sie konstruierten noch ohne Computer, was zwar zu einigen nebenlösigen Stücken führte, aber dem künstlerischen Ausdruck durchaus hilft.
Einige Themen wurden in Perfektion gezeigt und auch Rekorde gezeigt. Ob das folgende Stück noch den Rekord bezüglich des gezeigten Themas hält, weiß ich nicht, aber für eine Konstruktion von 1913 ist das einfach begeisternd, was der Komponist Otto Wurzburg hier zeigte. Nach dem Komponist wurde auch ein Schnittpunktmotiv benannt, der Wurzburg-Plachutta (ich weiß, immer dieses Problemistenkauderwelsch...), aber der ist heute nicht Thema. Statt dessen geht es mal wieder um Zugwechsel. Vielleicht erinnert sich der Leser an die erste Ausgabe meiner Problemkolumne, wo bereits einige Zugwechselthemen gezeigt wurden.

Und so heißt es hier mal wieder: Weiß am Zug, matt in zwei. Und wieder lohnt sich der Blick, was wäre, wenn Schwarz am Zug wäre. Natürlich nicht so schwer, so dass ich mal wieder um eine Stillhaltefrist bis Sonntag bitte. Ab dann bitte die Lösung und der von mir vermutete Rekord als Kommentar.
- Post date: 08. Januar 2013
Wer letzten Monat gut aufgepasst hat, wird mit vereinten Kräften auch dieses Stück Mitrofanovs lösen können.
Es stammt aus dem Jahr 1967 und ist hier in der korrigierten Fassung von 1971 zu sehen. Damals gab es noch keine Möglichkeiten, Studien mit Computerhilfe auf Herz und Nieren zu testen, daher wurden oft von den Lösern Nebenlösungen gefunden. Daher wurden oft Korrekturen fällig. Hier war es ein schwarzer Springer, der auf f3 statt auf g2 positioniert Schwarz weitere Verteidigungsmöglichkeiten zur Verfügung stellte.
Die Verfügbarkeit von Rechnern führte dann dazu, dass sich insbesondere viele mehrzügige Kompositionen als neben- oder gar kurzlösig erwiesen. Die Korrekturfassung dieses Stücks von 1971 mit dem Springer auf g2 hält allerdings.

Ich denke, dass jeder, der diese Studie kennt, sich jederzeit gerne wieder an diese erinnert. So geht es mir jedenfalls - ein echtes Meisterwerk.
Es startet mit 1.b6+, wonach Schwarz nur ein Feld hat, das andere verliert schnell. Ab da übergebe ich allerdings an den geneigten Leser. Allerdings darf Weiß auf dem Weg zum Sieg nicht geizig sein, so kann es beispielsweise durchaus seinen Wert haben, die erste Reihe zu schließen. Doch genug der Tipps, ab jetzt ist der Leser am Zug. Kommentare und Lösungsvorschläge wie immer als Kommentar.
- Post date: 31. Dezember 2012
Diesmal ist ja nicht nur ein Monat, sondern ein ganzes Jahr zuende. Trotzdem ist dies nicht das Problem des Jahres, sondern eher eine knackige Silvesterrakete von Gunther Jordan.

Weiß ist am Zug, matt in fünf.
Als kleine Starthilfe: La5-d2 ist eine Idee, der genauso wie Sd8-e6 durch Wegschlag der Figur begegnet werden kann. Auch Th3-h4 kommt in Betracht, aber da hat Schwarz auch noch ein Wörtchen mitzureden.
Wer an meinen Orthographiekenntnissen Zweifel hegt: Das zentrale Motiv ist nach einem Herrn Holst benannt. Man verzeihe mir das merkwürdige Wortspiel.
Viel Spaß beim Lösen und einen guten Rutsch wünscht Losso.

