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Der Schach-Blog

Donnerstag,24 April 2014

Aktualisiert16:12:54 Thu

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Jörg Hickl

Jörg Hickl

Website URL: http://www.schachreisen.eu

Mit dem fünften Teil findet die Serie „Effektives Schachtraining“ ihr vorläufiges Ende. Schwerpunkte sind diesmal "Schach im Internet" und "Brauche ich einen Schachtrainer?".

Schach im Internet

Live-Übertragungen von Veranstaltungen
sind interessant und durchaus empfehlenswert, wenn auch zeitaufwändig und anstrengend. Die intensive Auseinandersetzung mit mehreren Partien gleichzeitig erfordert eine hohe Konzentration. Unterschiedlichste Stellungstypen erhöhen die Breite des eigenen Repertoires. Allerdings fehlt dabei der gedankliche Austausch mit einem Schachpartner.

Spielen auf einem Schachserver – Vorsicht Suchtgefahr!
Immer häufiger weichen Spieler auf dieses relativ neue Medium aus. Die Vorteile liegen auf der Hand: Spielpartner sind immer verfügbar
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und ohne die häusliche Umgebung verlassen zu müssen, können schnell ein Partien geblitzt werden. Allerdings fehlt hier die Seriosität. Verluste schmerzen nicht, nach ein paar Minuten kommt die nächste Partie – es geht um nichts! Der wichtigste Teil des Schachlernens – die Analyse findet nicht statt. Und auch das mit einer ernsthaften Turnierpartie verbundene Lampenfieber tritt nicht auf – die Konzentration ist entsprechend. Zudem sind die Umgangsformen aufgrund der möglichen Anonymität nicht immer so wie man es sich wünscht.
Besteht kein Anspruch besser zu werden, kann hier die Freizeit auch kurzweilig gestaltet werden. Allerdings überschreitet man schnell den Punkt an dem es zur Sucht wird. Vor einigen Jahren machte ich diese Selbsterfahrung – ähnlich meinem ersten Kontakt mit Computerspielen, als mich das morgendliche Zwitschern der Vögel daran erinnerte, dass auch Schlafen ein Teil des menschlichen Lebens ist. (Siehe auch Nakamura-Hickl 14:0)


Das Arbeiten am Monitor
Schach am PC erleichtert die motorische Seite des Arbeitens sehr. Es müssen keine Figuren aufgebaut werden, und der User kann sich schnell durch eine Partie klicken. Leider oftmals viel zu schnell, was dem Lernen wenig zuträglich ist! Zudem findet unser Kampf um DWZ-Punkte auf einem dreidimensionalen Turnierbrett statt. Es entsteht eine Prägung, unsere Leistung ist wesentlich höher als an einem Bildschirm. Für das Schachlernen sollte der Computer nur als Datenlieferant dienen und die Stellung auf dem Brett aufgebaut werden.


Brauche ich einen Schachtrainer?
Eine Frage die jeder, in Abhängigkeit von den eigenen Zielen, individuell für sich beantworten muss. Lernen bedeutet nicht nur Spaß sondern artet zuweilen auch in Arbeit aus. Eine Anleitung kann dabei sehr hilfreich sein!
Doch was bei Golf, Tennis und anderen Sportarten längst Standard ist, führt im Schach ein Dornröschendasein: Die Zusammenarbeit mit einem Trainer. Dabei kann eine gute Beratung schnell zu deutlichen Fortschritten führen. Aufgrund erheblicher Kosten (mit ein paar Stunden ist es leider nicht getan) bleibt jedoch für Anfänger zumeist nur der autodidaktische Weg. Ab einer Spielstärke von ca. 1400 DWZ sind ausreichende Grundkenntnisse vorhanden, um Einzeltraining zielgerichtet zu gestalten.
Die erste Anlaufstelle sollte der lokale Schachverein sein. Ein florierendes Vereinsleben eröffnet die Möglichkeit, sich mit Anderen auszutauschen und Meinungen Spielstärkerer einzuholen.
Vielleicht finden Sie dort einen netten Spielpartner, der Ihnen weiterhilft. Vereinzelt bieten engagierte Vereine kostengünstiges Gruppentraining an. Fragen Sie unbedingt nach!
Stellt die materielle Seite keine Beschränkung dar, ist eine frühzeitige Zusammenarbeit mit einem Trainer ratsam - sie hilft das Einschleifen grober Fehler zu vermeiden. Fortgeschrittene Spieler pendeln sich nach jahrelanger Aktivität vielfach in einem engen Wertungsbereich ein. Diese DWZ-Wand einzureißen ist ohne fremde Hilfe kaum mehr möglich.

Anforderungen an den Trainer
Fachkundige Unterstützung kann den schachlichen Fortschritt erheblich erleichtern, von Beginn an das Entstehen grober Verständnisfehler verhindern, bei der Auswahl der richtigen Lektüre behilflich sein und vieles mehr.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Sportarten ist für eine Akzeptanz bei dem Schüler eine wesentlich höhere Spielstärke des Trainers Grundvoraussetzung, was aber wiederum mit anderen Schwierigkeiten verbunden sein kann. Reichen die didaktischen Fähigkeiten um die Probleme des deutlich schwächeren Spielers verstehen können? Klären Sie dies in einem persönlichen Gespräch. Dabei werden Sie schnell feststellen ob die Chemie stimmt – ein wesentlicher Faktor für ein erfolgreiches Zusammenarbeiten.
Für Schachtraining bieten sich zwei Formen an. Die klassische des Einzeltrainings erfolgt am Schachbrett, setzt aber einen Trainer in unmittelbarer Umgebung voraus, um die Reisekosten gering zu halten. Da häufig kein entsprechend qualifizierter Spieler zur Verfügung steht, hat sich mit Aufkommen der neuen Medien auch das Training via Internet etabliert. Kommuniziert wird sinnvollerweise gleichzeitig mit Telefon und Serverschachbrett. Abzuraten ist von Angeboten über einen Chat-Client (via Tastatur) abzuraten. Die Interaktivität ist hierbei nur begrenzt gegeben.
Beachten Sie immer, dass selbst der beste Schachtrainer Ihnen die Arbeit nicht abnimmt und die unabdingbare Nachbearbeitung ebenfalls zeitliche Ressourcen in Anspruch nimmt.

Was kostet das und an wen kann ich mich wenden?
Grundsätzlich sollte Einzeltraining auf eine längere Laufzeit ausgerichtet sein. Der Erfolg stellt sich oftmals erst deutlich zeitverzögert ein. Im Gegensatz zu einem Sprinter, der nach einigen Wochen messbar schneller läuft, ist eine DWZ-Steigerung nicht umgehend nachweisbar.
Die Preise einer 60–minütigen Einheit variieren erheblich. Je nach Spielstärke, Erfahrung und Reputation ist zwischen 20 und 75 € alles zu finden.

Und für alles gilt: Ohne Wiederholung geht es nicht!

„I liked this book by Capablanca, Chess Fundamentals. I still do. I read it still. Some of the examples he gives I can still recognize. I built my career on them.“
V. Anand in einem Interview für Outlook Business, Indien, Dezember 08.

Wir lernen nicht für den Augenblick oder eine Prüfung in der nächsten Woche. Es kann Jahre dauern, bis die im Training behandelte Situation auf dem Brett auftaucht. Dementsprechend muss die Information verinnerlicht werden. Ohne Wiederholung geht das nicht! Zuviel neuer Input führt zur Überlastung und ist für den Lernenden von Nachteil. Es empfiehlt sich, durchgearbeitete Schachbücher nach einiger Zeit wieder zur Hand zu nehmen. Können Sie dann Diagramme und Inhalte wieder ins Gedächtnis rufen, zeigt sich der Erfolg der Arbeit - das Buch kann nach wenigen Stunden wieder zur Seite gelegt werden. Sind die Konstellationen jedoch neu, war die erste Beschäftigung mit dem Werk anscheinend nicht intensiv genug. Immerhin führt es zu lebenslanger Freude an dem immer wieder neuen Buch - kostengünstig, aber in Bezug auf Trainingserfolg etwas unbefriedigend.

Bisher erschienen:

Effektives Schachtraining (1)

Effektives Schachtraining (2)  Schach in der Theorie

Effektives Schachtraining (3) - Schach in der Praxis

Effektives Schachtraining (4) - Tipps für eine höhere DWZ

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Nicht lange musste man auf Informationen zum Treffen zwischen Nationalmannschaft und DSB am letzten Montag warten. Zwar wurde Stillschweigen vereinbart, doch bereits der Dienstagausgabe der FAZ waren erste Hinweise auf einen ruppigen Verlauf zu entnehmen.

"Der Streit zwischen dem Deutschen Schachbund (DSB) und seinen Spitzenspielern ist am Montag abermals eskaliert. Das DSB-Präsidium hatte während einer Sitzung in Frankfurt den Rauswurf des stärksten deutschen Schachspielers, Arkadij Naiditsch, aus der Nationalmannschaft bereits beschlossen, verlautete aus Schachkreisen. Nach einer Runde mit den Spitzenspielern - außer Naiditsch waren Jan Gustafsson, Daniel Fridman und Georg Meier anwesend - sei dieser Beschluss aber wieder auf Eis gelegt worden. Anlass für den Ärger war ein aktuelles Interview, in dem Naiditsch sowohl Schachbundestrainer Uwe Bönsch als auch den für Finanzen zuständigen DSB-Vizepräsidenten Michael Langer scharf kritisiert hatte."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2011, Nr. 50, S. 30).
Chessbase geht noch etwas detaillierter Auf den Zeitungsartikel ein.

Soeben ging die offizielle Pressemeldung auf der Website des DSB online. Und nicht überraschend kam mir der Gedanke an das Hornberger Schießen: Der Schachbund legt etwas bei der Turnierunterstützung drauf, eine Honorarerhöhung soll von externen Sponsoren getragen werden. Anscheinend stehen diese nun Schlange. Gleich mit drei unterschiedlichen Kandidaten will man verhandeln. Andere Forderungen der Spieler, wie z. B. die Entlassung des Bundestrainers, fanden wohl weniger Anklang. Vieles deutet nun auf eine autarke Nationalmannschaft leicht außerhalb des Schachbundes mit separatem Geldgeber hin. Womöglich hat die schlechte Presse des letzten Jahres doch einiges Positives bewirkt.

Mit Präsidium und Bundestrainer gegen Spieler wurde in großer Runde verhandelt. Und anscheinend ist es nur der ausgezeichneten Leistung des Mediators Sven Noppes zu verdanken, dass man nicht im Streit auseinanderging. Wie bei harten Tarifverhandlungen (auch hier folgte dem Streik die Aussperrung) üblich, wurde nun aber erstmal vertagt. Anfang Juli, also erst in vier Monaten, soll es weitergehen. Für Spannung ist gesorgt.

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Nachdem wir uns letzte Woche mit den Themen Frauenschach und –bundesliga kritisch auseinandersetzten, möchte ich nun den Blick auf die Schachbundesliga lenken. Hier sieht es nur wenig besser aus. Immerhin kennt man sie, doch gaben 44% der Teilnehmer unserer Kurzumfrage an, sich nicht dafür zu interessieren. 32% sehen sich das Geschehen im Internet an, und nur 22% zieht es in unsere „Stadien“. Dies deckt sich mit meinen Erfahrungen bei der Publikation des SCHACHWELT-Magazins. Auch hier fanden die Bundesligabeiträge ein nur geringes Echo.
Lange Zeit spielte ich in der deutschen Spitzenliga und konnte einen stetigen Abstieg miterleben. Der anfänglich brauchbare Stellenwert der 80er Jahre sank zusehends. Der Schachbund machte es sich einfach und lagerte das Problemkind kurzerhand aus, doch die Selbstverwaltung der 16 Vereine brachte kaum Besserung. Einen Tiefpunkt markierte für mich das Jahr 2002, als es uns mit den Stuttgarter Schachfreunden gelang, mit 0 Punkten die Klasse zu halten. Zu teuer und zu unattraktiv war es für die Aufsteiger der zweiten Bundesligen, um von ihrem Recht Gebrauch zu machen.

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Ich habe auf die Schnelle mein persönliches Für und Wider zusammengetragen:

Pluspunkte

  • Zumeist die weltweit stärkst besetzte Schachveranstaltung des Wochenendes (wird durch dezentrale Austragung relativiert)
  • Gut gemachtes Internetportal mit ausgezeichneter Liveübertragungsplattform. Die Darbietung im Internet lässt jedoch viele potentielle Zuschauer zu Hause bleiben und naturgemäß das Flair einer gutgemachten Schachveranstaltung vermissen. Doch weitaus gravierender erscheint mir hier der Mangel an klarer Konzeption. Welche Sportart hat es nötig, ihre Inhalte zu verschenken? Oder sogar noch dafür zu bezahlen, dass sie übertragen werden kann - der Betrieb eines solchen Portals verursacht sicher erhebliche Kosten. Was ist das Ziel?

Minuspunkte

  •  Stärkste (?) Liga weltweit jedoch ohne Marktwert  
  •  Dezentrale Austragung an vier Orten teilt die Veranstaltung 
  •  Der Drang nach immer elostärkeren Mannschaften (bei nicht steigendem Budget) führt zu Teams, die zum Teil ausschließlich aus hierzulande oftmals unbekannten Ausländern bestehen. Eine Identifikation für den deutschen Zuschauer, die im Schachsport wesentlich stärker über Namen als Elo abläuft, ist nicht mehr gegeben. Soweit mir bekannt ist, ist der DSB der einzige Sportverband, der komplett die Ausländerbeschränkungen fallen ließ.
  • Die Budgetunterschiede der Teams machen die Liga sportlich uninteressant. Anders als bei klassischen Mannschaftsspielen, setzt sich ein Team aus acht Einzelspielern zusammen - die Elozahl ist der entscheidende Punkt!  
  • Oftmals unattraktive Austragungsorte  
  • Kaum Öffentlichkeitsarbeit/Werbung  
  • Kaum Sponsoren – Abhängigkeit von Mäzenatentum  
  • Oftmals keine Angebote für Zuschauer vor Ort – Kommentierung, Spielmöglichkeit etc.. Somit wird die Veranstaltung nicht zum Event – man geht nicht zum (oftmals kostenlosen) Schach, sondern gibt 40 € für Fußball aus. 
  • Das Auftreten der Spieler/Teams ist verbesserungswürdig. Hier könnte eine Kleiderordnung, wie z. B. beim Billard, für Sponsorenakquise von Vorteil sein. 
Eine lange Liste, die sicher an einigen Punkten ergänzt und korrigiert werden kann. Ich hoffe, den Anstoß für eine rege Diskussion geliefert zu haben.

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Für die Männer die Golddukaten und den Frauen ein Mon Chéri – so ähnlich war es Ende der 80er Jahre in der Publikation „Schachwoche“ zur Honorierung der Nationalmannschaft zu lesen. Seitdem floss viel Wasser den Rhein herunter, und die Gleichberechtigung hielt Einzug. Zwar haben wir nur unwesentlich mehr weibliche Schachspieler, doch stieg der Budgetanteil bei der jüngsten Schacholympiade auf 50%, und damit auf ein Niveau, das für Unmut in den Reihen der männlichen Nationalmannschaftskandidaten sorgte. Gehen einige der gleichgestellten Damen doch in Ihrer Freizeit dem Schachsport nach, während für die gesamte Herrenmannschaft Schach den Fokus des Lebens darstellt – der Spielstärkeunterschied ist entsprechend.

Hier einige Zahlen:
Eloschnitt Herrenmannschaft*: 2534, schlechtester Spieler Elo 2461, ca. Platz 80 in D
Eloschnitt Frauenmannschaft 2344, schlechteste Spielerin Elo 2237, ca. Platz 1100
Eloerwartung eines Matches Herren – Damen 7,5 zu 2,5
(*Mannschaft der letzten Schacholympiade. Zu den aktuellen A-Kaderspielern, den TOP 5, fällt der Elounterschied noch wesentlich deutlicher aus, sie weisen einen Schnitt von 2655 aus.)

Anteil männlicher Schachspieler ü18 im DSB ca. 95,7%
Anteil weiblicher Schachspieler ü18 im DSB ca. 4,3% (ca. 2900)
(Quelle: DOSB-Bestandserhebung 2009, www.dosb.de)

Etat des Schachbundes zur Spitzensportförderung ca. 110.000 €:
Anteil Männer: 65.000 € = 59%
Anteil Frauen: 45.000 € = 41%
Weitere Zuwendungen (u. a. auch Honorare für Nationalmannschaftseinsätze) laufen über andere Töpfe. So kostet z. B. die separate DM der Frauen zwischen 7.000 und 11.000 €/Jahr.

Jahrzehntelange Förderung hat anscheinend die Anzahl schachspielender Frauen keinen wesentlichen Einfluss und trotzdem wird dieses Thema tabuisiert. Ausgehend von der aktuellen Förderung (genaue Zahlen zur Vergangenheit liegen sicher beim DSB vor) sind in das Frauenschach in den letzten 20 Jahren somit weit mehr als eine Million Euro geflossen. In dieser Zeit hat es eine Frau auf über Elo 2400 geschafft und ganz wenige über 2300 - Zeit für einen kritischen Blick.

Spielen Frauen schlechter Schach als Männer? Hierzu liegen keine verlässlichen Angaben vor - sie sind mengenmäßig deutlich unterrepräsentiert, weshalb zwingend auch die Spitze dünner sein muss. Allerdings sollte der Anteil statistisch im Verhältnis stehen, z. B. bei den Spielern der TOP100 = über Elo 2443 (weiblich Ist 1, bei 4,3 % liegt das Soll bei 4)
Wenn Sie jedoch nicht schlechter spielen, warum sind sie schützenswert und werden protegiert? Frauen haben ihre eigenen Meisterschaften, Bundesligen und die Berechtigung, zusätzlich bei den Herren starten zu dürfen. In Sportarten, in denen es auf Muskelkraft ankommt, ist das leicht verständlich, beim Schach hingegen geht mir dieser „Protektionismus“ zu weit.

Letztendlich gilt es zu hinterfragen, ob das deutsche Schach ohne oder mit geringerer geschlechterspezifischer Förderung in Spitze und Breite spürbar schlechter dastehen würde. Hätten wir einen geringeren Frauenanteil? Gäbe es die einzige in der deutschen Spitze (Nr. 70) auffallende Spielerin, Elisabeth Pähtz, nicht oder wäre diese sogar stärker, wenn sie sich mit der männlichen Konkurrenz messen müsste?

Zu diesem Thema führten wir eine kurze Umfrage durch. Anlass bot die Meldung auf der Website des Schachbundes zur aktuellen Runde der Frauenbundesliga. Wir fragten “Was halten Sie von der Frauenbundesliga?“. Die Beteiligung daran hielt sich in Grenzen und das Ergebnis ist dementsprechend nicht aussagekräftig, allerdings fiel es wenig überraschend aus:
Nur 14 % fanden Frauenschach spannend. Ganz bitter war jedoch eine Quote von über 42%, die von dieser Veranstaltung noch nie etwas gehört haben…. Zur Umfrage

Was halten Sie von diesem Thema? Gibt es Handlungsbedarf oder sind wir auf dem rechten Weg? Vor allem interessieren auch Meinungen der Schachspielerinnen. Aus diesem Lager vernahm ich in der Vergangenheit durchaus Aussagen wie "Ich fühle mich durch die Förderung ein bisschen diskriminiert, nehmen sie aber gerne mit."
Über eine angeregte Diskussion würde ich mich freuen.

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Schach ist oftmals ein sehr konkretes Spiel, doch kann die Kenntnis und Einhaltung grundsätzlicher Regeln und Verhaltensweisen den Alltag des Vereinsspielers deutlich erleichtern. Heute beschäftigen wir uns mit der „elektronischen“ Seite des Schachlernens:

Elektronische Hilfsmittel

Noch lebhaft erinnere ich mich an den irritierten Blick einer Rezeptionistin des Spielerhotels, als ich Ende der 80er Jahre meinen neuen Atari Computer (mit immerhin 2 MB Hauptspeicher) samt großem Röhrenmonitor auf das Zimmer schleppte. Seitdem hat sich viel getan. Datenbanken und Computerprogramme bestimmen den Alltag des modernen Spitzenspielers. Eine Turnierteilnahme ohne Notebook erscheint vielen undenkbar.

Fritz, Rybka & Co. machen uns stark?!

Unbestritten kam es inzwischen zur Wachablösung im Schach - die Maschinen haben übernommen. Begründet liegt dies primär in der taktischen Anfälligkeit des Menschen - vor allem bei knapper werdender Bedenkzeit. Jede Publikation muss es sich heutzutage gefallen lassen, von irgendjemanden mit einer Engine auf Richtigkeit überprüft zu werden, und auf Schachservern im Internet trifft man im Chat immer wieder auf die Aussage „Mein Rybka/Fritz sagt X steht schlecht.“ Wird es etwas schwieriger, führt der Weg des geringsten Widerstandes unweigerlich zum „Kiebitz zuschalten“-Knopf. Der Computer gibt eine brauchbare, für viele unantastbare Stellungsbewertung und damit ist die Sache abgehakt. Natürlich ist es schön, immer eine Antwort zu erhalten – doch was bringt uns die Maschineneinschätzung wirklich? Da nicht mehr nötig, reduzieren wir das eigene Denken, aber genau das bringt uns beim Lernen nach vorne. Die Stellungsbeurteilung des Rechners basiert auf völlig anderen Grundlagen als die menschliche. Z. B. lernen wir mit dem König bei Bedrohung in die Ecke zu gehen. Der Computer würde aber ohne zu zögern (wobei ihm dieses Wort bereits fremd ist) genauso den Marsch in die Brettmitte in Betracht ziehen. Sehr vieles im Schach ist eben berechenbar – doch nicht für den lernenden Schachspieler unter DWZ 2000. Er muss das menschliche, praktische Schach verstehen und dazu gehören auch unabdingbar Emotionen!

Die Datenbanken

Zu meinen ersten Turnieren reiste ich mit drei Informatoren - Bücher mit telefonbuchartigen Auflistungen von Schachpartien. Dreimal 700 Partien entsprechen mit gut 2 kg dem Gewicht eines heutigen Laptops. Allerdings gewährt die moderne Technik innerhalb von Sekunden Zugriff auf 4 Millionen Partien. Datenbanken bieten eine erhebliche Erleichterung bei der Spielervorbereitung und eine gute Ergänzung eröffnungstheoretischer Arbeit. Zu nahezu jeder Stellung lassen sich Partievorläufer finden.

DVDs/CDs

Deutlich seltener als auf dem Buchsektor sind hier gute Produkte anzutreffen.

Die schnelle und damit kostengünstige Produktion lässt die glänzenden Scheiben aber wie Pilze aus dem Boden sprießen. Mit einer Spielzeit von einigen Stunden können DVDs im Allgemeinen nur einen Überblick verschaffen – sie ersetzen niemals ein Buch! Zuweilen liefern sie aber eine gute Portion medialer Unterhaltung: Also Chipstüte auf und Fernseher an!

Beeindruckend fand ich jedoch die auf Anfänger abzielende Serie Fritz&Fertig, die Kinder auf spielende Weise an die Materie heranführt.


Bisher erschienen:

Effektives Schachtraining (1)

Effektives Schachtraining (2)  Schach in der Theorie

Effektives Schachtraining (3) - Schach in der Praxis

Effektives Schachtraining (5) - Schach im Internet und Schachtrainer

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Die ersten Gehversuche im Internetschach machte ich Anfang 2003 auf der Deutschen Internetblitzmeisterschaft. Zugebenermaßen der falsche Ort, hätte man doch im Vorfeld einer solchen Veranstaltung sich mit dieser damals noch recht neuen Disziplin anfreunden sollen – es gibt doch erhebliche Unterschiede zu dem gewohnten Brettschach. Die Maus stellte sich als erklärter Feind heraus, und es fielen Figuren öfter mal an unbeabsichtigten Stellen auf das Brett, sorry den Monitor, oder Partien wurden aufgrund falscher Zeiteinschätzung verloren.
In den Folgemonaten übte diese Art des Schachspielens eine steigende Faszination aus und gehörte durchaus zum täglichen Abend- oder eher doch Nachtprogramm. Statt sinnvollerweise frühzeitig ins Bett zu gehen, schleppte ich mich zu später Stunde an den Rechner, um mit einem Unbekannten in Honolulu, New York oder Trier ein paar Partien zu hacken. Die Übung spiegelte sich schnell in einer steigenden Elozahl Richtung 3.000 (überhöhter Serverelo) wider, ehe ein jäher Absturz mich zurückholte. Dass die Kirchenuhr dabei längst Mitternacht geschlagen hatte, interessierte ebenso wenig wie die innere Uhr, die warnte, dass die gegenwärtige Beschäftigung sinnlos sei und einen auf der Evolutionsleiter keine Stufe nach oben bringt. Immer weiter ging es getreu dem Motto „wer die Nächste gewinnt, hat alle gewonnen. Wie bei einem Computerspiel nimmt man sich vor, bei Erreichen des nächsten Levels aufzuhören. Doch kommt dieser Moment, fühlt man sich genötigt, die neue Umgebung noch einmal „kurz“ zu inspizieren und geht am Ende im Morgengrauen bei zwitschernden Vögeln ins Bett. Ein Gläschen Rotwein reduziert während des Praktizierens eventuell aufkommende Schmerzen.

Gut 3.000 gespielte Partien sind für Serverjunkies nicht viel, entsprechen jedoch 300 Stunden oder knapp 40 Arbeitstagen. Es wurde regelrecht zur Sucht und erst als ein Holländer bei seiner Krankenkasse um eine Therapie wegen (Schach-) Spielsucht angefragte, wurde mir die Dimension meines Tuns gewahr. Ich sollte daraufhin einige Monate später das Serverschach komplett einstellen.
Doch bis dahin war noch eine Menge Luft. Viele Begegnungen sind lebhaft in Erinnerung geblieben, zwei eindeutige Niederlagen gegen Kasparow, das Aufeinandertreffen mit einem aufstrebendem deutschen Jungtalent „Alexander Magnus“, dem heutigen Georg Meier, der mit 17 schon zäh war, ein Plusergebnis aus vielen Partien gegen Nigel Short und letztendlich die Nacht mit Star Wars:

Kurz nach Mitternacht, 18 Uhr New Yorker Zeit, kam ich auf die glorreiche Idee, das damals auf dem Server bereits hoch gehandelte Jungtalent des amerikanischen Schachs, Hikaru Nakamura, herauszufordern. Immerhin lag seine reale Elo mit ca. 2550 doch 50 Punkte unter meiner. Klar, dass dem 16-jährigen mal eine Lehrstunde zu erteilen sei. Doch schnell wich der arrogante Optimismus einer sich minütlich verstärkenden Depression. Zwar spürte ich meine eindeutige strategische Überlegenheit, doch spielt das keine Rolle, wenn man den Knall nicht hört und ein Stück verloren geht. Taktisch spielte Amerikas Wunderkind bereits damals brillant, aber vor allem seine Geschwindigkeit war atemberaubend. Diverse Gewinnstellungen endeten auf tragische Weise. Ich verlor sogar Dame gegen Bauer. Wenn die Niederlagenzahl zweistellig wird, sollte man eigentlich den Absprung schaffen, doch irgendwie schleppte ich mich bis zum 14:0, bevor die Einsicht kam.
Nun gut, es gab selten einen gesunden Schachspieler, der eine Partie verlor, und auch ich kann mit später Stunde, Rotwein, Alter etc. etwas in die Waagschale werfen, doch letztendlich war er damals wohl schon der Bessere.
Zwischenzeitlich publizierte Nakamura ein Buch zum „Bulletschach“, dem Ein-Minuten-Blitz und ist auch heute noch die Nummer 1 auf diversen Schachservern.
Unter dem damaligen Eindruck prognostizierte ich Amerikas drittem Schachgenie nach Samuel Reshevsky und Robert Fischer einen schnellen Aufstieg in die Weltklasse, doch dauerte es weitere 8 Jahre bis er es schließlich schaffte. Weniger Internetschach und mehr Seriosität waren dabei sicherlich sehr förderlich.
Mit dem Sieg beim Weltklasseturnier in Wijk aan Zee ist er nun endgültig angekommen!

Einige Zeit nach diesem Desaster gelangte auch ich zur Einsicht, dass man auf Schachservern kaum etwas lernen kann und zu viel Lebenszeit vergeudet. Der anfängliche Fun-Aspekt tritt schnell in den Hintergrund. Seit 5 Jahren bin ich clean!

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Hollands Schachspieler werden zuweilen auf offener Straße von Fans erkannt, in Deutschland ist das undenkbar. Dabei unterscheidet sich die historische Entwicklung nicht wesentlich. Beide Länder konnten in der Vorkriegszeit einen Weltmeister und in den 70er/80er Jahren mit Jan Timman und Robert Hübner einen Spieler in der absoluten Weltklasse aufweisen.
Die Gründe sind sicher vielschichtig. Wesentlich scheinen mir jedoch die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Spielmöglichkeit der Topspieler bei Turnieren im eigenen Land. In Deutschland gibt es kaum noch eine Personifizierung, es zählt für viele nur die nackte Elozahl. Dass dies kaum ein zukunftsweisender Weg ist, zeigt sich z. B.  an dem immer weiter nachlassenden Interesse an der Bundesliga und der mangelnden Identifizierung mit der Nationalmannschaft. Dabei hätten wir derzeit eine Truppe, die im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht dastehen könnte, wäre da nicht der immer noch schwelende Konflikt zwischen Funktionären und Spitzenspielern.

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Gemäß Dr. Weyer dem potentiell kommenden Präsidenten soll dieser nun Ende Februar beigelegt werden, doch die angeregte Diskussion in unserem Bericht „Stell dir vor, es ist Deutsche und niemand geht hin!“ deutet auf viele Probleme im deutschen Schach hin. Unter anderem stellte ein Leser in den Raum: „ein Rundenturnier mit den Top-10 der deutschen Elo-Liste würde keine Maus hinter dem Ofen hervorlocken“.
Stimmt das wirklich? Weit mehr als 95% aller Schachspieler sind nicht in der Lage, einen Qualitätsunterschied zwischen Anand-Kramnik und Hübner-Naiditsch  oder Meier-Gustafsson festzustellen.
Sind unsere Probleme hausgemacht und verkaufen wir unsere Spitzenspieler nicht ausreichend? Fehlt nur ein Marketingkonzept oder ist das deutsche Topschach wirklich nichts wert? Einen Rückhalt in der breiten Masse findet es zumindest kaum. Meine Erfahrungen zeigen mir, dass viele Schachspieler die Namen unserer Nationalspieler nicht einmal kennen, was wohl in den wenigsten Sportarten der Fall sein dürfte. Schachspielen wird in Deutschland großgeschrieben, Schachbildung hingegen leider nicht.

Kurzumfrage

Das Ergebnis unserer Kurzumfrage fiel eindeutig aus: Rund 75% der User stimmten für einenen anderen als den bisherigen Austragungsmodus. 60% der Teilnehmer wollten sogar ein Turnier der besten Deutschen sehen. Der Prophet im eigenen Land ist vielleicht doch etwas wert!

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Stimmte mich vor einigen Tagen das Interview des potentiellen neuen Präsidenten Dr. Weyer optimistisch, trübt der heutige Tag die Stimmungslage erheblich. Auf der Website des Deutschen Schachbundes wurde das Teilnehmerfeld der nächsten deutschen Meisterschaft in Bonn veröffentlicht: Die Setzliste folgt der unrühmlichen des Vorjahres. Konnte man damals von den TOP 100 neun Spieler für „das gute Open ohne ausländische Beteiligung“ gewinnen, sah es diesmal anscheinend noch düsterer aus. So dunkel, dass Bundestrainer Uwe Bönsch vor einer Woche noch kurzerhand drei Freiplätze dem letztjährigen „Feindeslager“ A-Kader anbot. Doch auch dies kann die Veranstaltung nicht retten. Bei sehr knapper Bedenkzeit war die Sache Einigen zu kurzfristig, für Andere die Gegnerschaft einfach keine sportliche Herausforderung. Letztendlich fanden sich mit Gustafsson, Fridman und Buhmann noch drei Spieler. Wohl einzig aus materiellen Gründen, denn es würde sehr überraschen, sollte ein anderer Spieler für das (weder zu einer amateur- noch zu einer Profimeisterschaft passende) Preisgeld bei gut 100 Elopunkten Differenz infrage kommen.
Andere Spieler über Elo 2500 sucht man vergebens, erwartet der Schachbund doch, dass diese sich über eine Landesmeisterschaft (Turniere mit ca. 200 Punkte schwächerem Schnitt) qualifizieren. Somit haben arrivierte Großmeister wie Hübner, Jussupow etc. noch nicht einmal die Möglichkeit an dieser Meisterschaft teilzunehmen.

Da der Schachbund großen Wert auf eine Teilnahme der Vertreter der Landesverbände legt, empfehle ich, die Veranstaltung in den Ramada-Cup, die Deutsche Amateurmeisterschaft, zu integrieren, was zudem den strapazierten Etat erheblich entlasten könnte…

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Die Besetzung anderer Deutscher Meisterschaften, ob Blitz- oder Schnellschach, sieht keineswegs besser aus. Die letzten hochkarätigen Veranstaltungen findet man im letzten Jahrtausend: Bremen 1998 mit 24 der TOP 25 und auch Altenkirchen 1999 waren durchaus noch brauchbar besetzt, danach wurde es immer dünner.

Auch die Einigung mit der deutschen Nationalmannschaft ist möglicherweise noch nicht unter Dach und Fach. Ein desillusionierter Georg Meier, für den Deutschland keine vernünftigen Turniere zu bieten hat, geht nun zunächst für zwei Monate nach Uruguay (ohne Schach) und anschließend ist ein Studium in Amerika im Gespräch. Damit wäre er das zweite deutsche Großtalent (nach Leonid Kritz) mit Elo 2600+, auf das das deutsche Schach verzichten muss.

Lieber Herr Weyer, ändern Sie schnellstens etwas an der Schieflage, sonst muss ich meine voreilig abgegebene Stimme zurücknehmen.

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Kein Interesse an Deutschlands TOP10?, Jörg Hickl, 13.02.2011

Stell dir vor, es ist Deutsche und niemand geht hin! Ilja Schneder, 10.02.2011

 


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Dem Thema „schlechter Läufer“ wird in der Schachtheorie oftmals nur ein untergeordneter Stellenwert eingeräumt. Dabei kommt es in den meisten Partien zum Tragen - bereits nach Zügen wie z. B. 1. e4 e5 sind die Grundlagen geschaffen. Ganze Eröffnungssysteme drehen sich darum, unter Anderem „Die Französische Verteidigung“ oder die gespiegelte Zentrumsformation, „Der Königsinder“.
Auch Aaron Nimzowitsch beschäftigte sich in seinem 1926 erschienenen Klassiker „Mein System“, in dem zum ersten Mal die Grundlagen des modernen Positionsschachs zusammengefasst wurden, nur unzureichend damit. Fünf Jahre später produzierte er aber ein Paradebeispiel:

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Schwarz am Zug, Stellung nach 51. Ke3-e2

Der schwarze Springer dominiert klar, doch ist die Sache nicht trivial. Nimzowitsch zog einige Züge hin und her, bevor ihm der richtige Plan bewusst wurde.

Analysearbeit und Planfindung sind gefragt!

Zur Lösung

Die Partie Henneberger-Nimzowitsch, gespielt auf der Schweizerischen Einzelmeisterschaft 1931 liegt nun 80 Jahre zeigt und zeigt die komplette Schlechtigkeit des schlechten Läufers ebenso eindrucksvoll wie der Jarchov-Läufer:

hannejarhalb

Fragment aus einer Simultanpartie Jarchov-Hickl, Mallorca 2001, Weiß am Zug

Es ist verständlich, dass Weiß den ausgeschlossenen (per Definition nur etwas schlechten) Läufer a2 wieder am Spiel teilhaben lassen wollte, doch 1. b3 war der falsche Weg (1. c3). Nach 1. – c3 war dieser für immer eingekerkert. Immerhin führte dies zu einer Erwähnung in einem Schachlehrbuch („Die Macht der Bauern“)

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Spielen, spielen, spielen

Ohne Spielen geht es nicht! Den analytischen Trockenübungen muss der Sprung ins Wasser folgen. Erst die turniermäßige Anwendung und die damit verbundene Bewertung in unserem Punkte(DWZ)-System zeigt die wahre Spielstärke. Eine rege Turnierteilnahme kann sogar größere Wissenslücken kompensieren. Einmal traf ich auf einen Schüler mit DWZ 1800, der Schwierigkeiten beim Mattsetzen mit dem Turm aufwies.

Bei der Turnierauswahl würde ich auf doppelrundige Veranstaltungen verzichten. Sie sind körperlich zu anstrengend und für den wichtigsten Teil der Schachpartie, der Analyse (mit dem Gegner), bleibt keine Zeit. Es ist unabdingbar, das in der Partie Erfahrene zu verarbeiten. Auch wenn diese Turnierform gerade in Deutschland im Trend liegt, da wenige Urlaubstage benötigt werden, ist für den Lernenden eine längere Veranstaltung zwei kurzen Turnieren mit Doppelrunden vorzuziehen.

Auch ein Schnellturnier von Zeit zu Zeit kann dem Erhalt der Spielstärke förderlich sein. Blitzpartien machen Spaß, bringen schachlich jedoch kaum weiter.

Partievorbereitung

Nehmen Sie davon Abstand, sich unmittelbar vor der Partie noch mit Varianten herumzuschlagen. Die Vorbereitung sollte vor Turnierbeginn, spätestens jedoch am Vorabend abgeschlossen sein. Eine Schachpartie ist zu anstrengend, um noch Energie für andere Dinge aufzuwenden. In diesem Zusammenhang muss auch vorn Sport oder Saunagängen abgeraten werden. Zwar fühlt man sich danach locker und entspannt, doch gerade dies ist bei einem Wttkampf fehl am Platz. Die besten Ergebnisse sind in ausgeruhtem Zustand zu erzielen - idealerweise vom Bett ans Brett! Nun gut, etwas essen sollte man vorher schon noch. Doch gerade das Thema Verpflegung bei Schachspielern ist umstritten. Fachkundige Aussagen sind mir keine bekannt. Immer wieder hört man Sprüche wie „voller Bauch studiert nicht gerne“. Doch ich habe mit stark kohlenhydrathaltiger Nahrung, relativ kurz vor Partiebeginn beste Erfahrungen gemacht. Eine Schachpartie wird zumeist in der dritten und vierten Stunde entschieden wenn die Zeit knapper wird, die Konzentration nachlässt und die Fehlerquote erheblich ansteigt. Hier muss man fit sein!


In den nächsten Ausgaben beschäftigen wir uns unter anderem mit

  1. Elektronische Hilfsmittel: Von Datenbanken über DVDs bis hin zu Fritz, Rybka & Co..
  2. Schach im Internet.
  3. Wo erhalte ich fachkundige Unterstützung?

Bisher erschienen:

Effektives Schachtraining (1)

Effektives Schachtraining (2)  Schach in der Theorie

Effektives Schachtraining (4) - Tipps für eine höhere DWZ

Effektives Schachtraining (5) - Schach im Internet und Schachtrainer

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