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Donnerstag,23 Mai 2013

Aktualisiert08:00:26 Thu

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Schach - Opfer, Täter oder Helfer? Die Anzeige eines Ministeriums

Anzeige des BMAS Anzeige des BMAS
Das positive Image des Schachs wird gerne von privatwirtschaftlichen Unternehmen für Werbekampagnen genutzt. Schachfiguren oder Slogans wie "Sie sind am Zug" sind dabei häufig anzutreffen. Jüngst bediente sich nun auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) der Symbolkraft. Eine Anzeige zum sensiblen Thema „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“ startete mit einem stilisierten Schachfigurenbild als Aufmacher.

Beim besten Willen gelang es mir aber nicht, einen Zusammenhang zwischen unserem Spiel und der Thematik herzustellen. Ist Schach Opfer, Täter oder Helfer? Unserem Image förderlich scheint die Anzeige mir jedoch keineswegs zu sein. Was meinen Sie dazu?

Zu sehen ist die komplette Anzeige in der Februarausgabe von SBK-leben, dem Magazin der Siemens-Betriebskrankenkasse, auf Seite 2. Zum Download auf SBK

Auf unsere Bitte um eine Stellungnahme erhielten wir vom BMAS bisher keine Antwort.


Update:

Soeben erreichte mich die Stellungnahmes des BMAS. Anscheinend hat man dort ein völlig anderes Verständnis des Schachs. Nachfolgend die komplette Mail mit freundlicher Genehmigung des Referatsleiters Joachim Zweig. Die für mich völlig unverständliche Passage habe ich blau eingefärbt. Vergleiche zu Optiker- und Malerinnung lasse ich unkommentiert.

Sehr geehrter Herr Hickl,

vielen Dank für Ihre mail zu unseren Publikationen und Anzeigen „Hilfe für Opfer von Gewalttaten“, die ein Segment aus Schachfiguren enthalten.
Zunächst eine kleine Richtigstellung: Das 'Schachfigurenbild' verwenden wir schon seit 2004 auf den entsprechenden Veröffentlichungen zum Opferentschädigungsgesetz; von einem 'Start' kann also nicht die Rede sein. Seitdem, also nun schon über 7 Jahren später, ist Ihre Mail die erste Kritik zu diesem Bild.

Nun zur Auswahl des Bildes selbst:
Wie die anderen Bundesministerien arbeitet das BMAS mit verschiedenen 'Schmuckbildern' auf seinen Veröffentlichungen. Dies ist u.a. notwendig, um bei der Vielzahl der Publikationen über das Bild einen Wiedererkennungseffekt zu ermöglichen. Teilweise ist das sehr einfach, weil ein konkreter Gegenstand, eine Situation etc. abgebildet wird, teilweise muss auf symbolische Schmuckbilder zurückgegriffen werden.

Das BMAS verwendet z.B.
für die Arbeitsschutzbroschüre 'Klare Sache'
eine Zeichnung. Das bedeutet aber nicht, dass nur Jugendliche, die von Farbeimern getroffen werden, nun schützenswert sind. (Auch die Malerinnung hat sich bis heute noch nicht beschwert.)
für die Arbeitsrechtsbroschüre
die sich nicht nur an Brillenträger wendet. (Bisher auch noch keine Proteste von der Optikerinnung.)
oder an die Broschüre zur Grundsicherung
die natürlich auch für Menschen gilt, die nach links abbiegen.

Viel wichtiger ist es bei sehr sensiblen Themen - wozu z.B. Gewaltverbrechen und damit Opferschutz aber auch z.B. Themen aus dem Behindertenbereich gehören - ein Foto oder eine Grafik zu finden, durch die betroffene Personen nicht diskriminiert werden oder in diesem konkreten Fall durch die Darstellung einer Gewaltszene gar zur Nachahmung animiert werden.

Aus dem Grund hatten wir uns entschieden, ein Bild mit Schachfiguren zu wählen, da gerade die Plötzlichkeit des Ereignisses - also das Schachstellen einer Figur -  so manchen Spieler genauso überrascht wie das Opfer einer Gewalttat.
Dennoch wissen Sie - besser als ich -, dass es genügend Abwehrmöglichkeiten im Schachspiel gibt, um den Schaden für die eigenen Figuren möglichst gering zu halten oder ein Schachmatt sogar zu verhindern.

Das Gleiche gilt für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden. Mit einem wesentlichen Unterschied: Das Spiel für die geschlagene Schachfigur ist endgültig beendet. In der Realität aber gibt es Dank des Opferentschädigungsgesetzes für die Menschen, die Opfer einer Gewalttat wurden, eine Möglichkeit auf Entschädigung und Unterstützung, damit sie weiter aktiv am Leben teilnehmen können.

Dafür steht das Hilfe- und Entschädigungsgesetz und dafür werben wir - sicherlich auch in Ihrem Sinne.

Mit freundlichen Grüßen

Joachim Zweig

Referatsleiter
Jörg Hickl

Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Website: www.schachreisen.eu

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Kommentare  

 
#1 Max Bouaraba 2011-05-02 10:37
Vielleicht möchte die BMAS ja der ähnlich lautenden Zeitschrift BAMS Konkurrenz machen. Genauso zusammenhangslos wie diese Bemerkung scheint auch die Nutzung des Motivs. Allenfalls und mit viel good will kann man einem solchen Ge- oder Mißbrauch von Schachmotiven doch noch etwas positives abgewinnen.
 
 
#2 Bercher 2011-05-02 18:33
Ich muss gestehen:

Auch ich habe schon Figuren geschlagen !

=> Die Figuren sind die Opfer.
 
 
#3 Jörg Hickl 2011-05-03 10:50
Update: Die Stellungnahme des Ministeriums traf soeben ein. Gute Unterhaltung.
 
 
#4 Frohnatur 2011-05-03 16:52
Kommentar von der Redaktion gelöscht
 
 
#5 Tiger-Oli 2011-05-03 17:58
Hallo Frohnatur!

So finster fand ich den Bericht über das BMAS und die Schachmotive eigentlich nicht - eher war es witzig für mich zu sehen, an welchen kuriosen Stellen Schachmotive immer mal wieder eingesetzt werden.

Ist doch schön, wenn jemand so etwas recherchiert und wir hier davon erfahren. Mal sehen, was da noch so kommt. :-)

Kann sein, dass in den anderen Artikeln provoziert wird - aber das gehört vielleicht auch ein bisschen dazu. Wenn wir uns immer nur versichern, was schon alles gut ist, ist es auch nicht so interessant. Die Diskussionen um Schach als billiges Hobby oder den Modus der Deutschen Meisterschaften (wurde allerdings von Ilja geschrieben) waren doch sehr anregend und intensiv.
 
 
#6 Fraohnatur 2011-05-03 18:54
Ach was, schon gelöscht?!?
Das war ja klar... der Gute verträgt eben keine Kritik!

Man kann zwar hier die Kommentare löschen [zensieren], aber Leser wirbt man damit wohl nicht.
 
 
#7 Olaf Steffens 2011-05-03 19:26
Guten Tag Fraohnatur,

keine Sorge, hier kommt nichts weg.

Es gibt - soweit ich das als Nicht-Ganz-Insider verstanden habe - immer so eine Art Sammelfunktion bei den Kommentaren.
Auf diese Weise erscheint alles, was in den Kommentaren geschrieben wird, erst nach einer gewissen Zeit online. (manchmal erst nach über einer Stunde). Wenn man kommentiert, sieht man seinen Kommentar manchmal erst noch, und wenn man das nächste Mal vorbeischaut, ist er dann erstmal weg.

Ist schade und wirklich auch irritierend, aber so ist der Software-Rahmen erst einmal.

Keine Sorge also - Zensur ist es nicht.

Mit Grüßen aus der Redaktion!
 
 
#8 Jörg Hickl 2011-05-03 19:39
@Frohnatur und Olaf: Aber natürlich gibt es Zensur,
Wie schon bemerkt kann man diesen rüden Ton in Schachforen an den Tag legen. Beleidigende Kommentare von Usern, die noch nicht einmal mit ihrem Namen dafür gerade stehen, haben hier nichts verloren.

Und wenn Frohnatur die Artikel missfallen, kann er vielleicht eigene Arbeit einbringen und unseren Blog unterstützen. Helfer sind immer willkommen.
schach-welt.de/.../...
 
 
#9 Olaf Steffens 2011-05-03 19:58
Moin, und hoppla,

na gut, dann gibt es doch Zensur (siehe oben). Ich hatte mich bei meinem Kommentar auf eine andere Situation bezogen, und nicht bemerkt, dass Dein Statement wirklich nicht mehr da war.

Vielleicht ist das aber auch ganz gut so, liebe Frohnatur, denn letztlich ist es auch nicht besonders ehrenvoll von Dir, in den Kommentaren so dermaßen drastisch zu werden, ohne Deinen eigenen Namen preiszugeben. Zensur ist es doch eher, wenn Du Deinen Namen nennst, und dann nicht alles schreiben oder sagen darfst. Wir wollen uns hier ja auch nicht mit allem bewerfen lassen - das ist nicht die Idee dieses Blogs.

Das mit der "Sammelfunktion" ist aber so wie oben beschrieben - Kommentare dauern mitunter etwas, bevor sie automatisch veröffentlicht werden.
 
 
#10 Oswald Roggental 2011-05-03 21:04
Als abstrakte Darstellung von etwas bzw. jemand "zum Opfer gefallenen" finde ich das Motiv sogar gut gewählt! Allerdings hätte am Foto die umgefallene Figur im Vordergrund mehr sichtbar sein sollen.
 
 
#11 Patzer 2011-05-04 11:57
Es ist doch ganz klar, was mit der Werbung gemeint ist. Leider kennt der Autor sich nicht so gut in der "jugendsprache" aus, denn dann wäre auch ihm klar, was gemeint ist. Nämlich: "Schachspieler sind Opfer". Für die etwas älteren unter den Lesern schaut bitte hier nach: de.wikipedia.org/.../...

Ironie aus.
 

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