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Der Schach-Blog

Donnerstag,17 Mai 2012

Aktualisiert15:24:56 Thu

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Frauen spielen kreativer - Ein Interview mit Sarah Hoolt

Sarah Hoolt ist die stärkste Frau im Feld bei der Deutschen Meisterschaft, die vom 26. Mai bis 3. Juni in Bonn stattfinden. Welche Unterschiede es gibt im Frauen und Herrenschach, warum Sie trotz Vor- und Umsicht Angst vor den Dopingkontrollen hat und was sie am Schach spielen liebt:

Ein Interview mit Sarah Hoolt. Von Axel Fritz.

„Schach irgendwann nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken“

 Frau Hoolt, warum spielen bei den Deutschen Meisterschaften die Frauen und Herren nicht zusammen Schach?
Erst mal muss man festhalten, dass es schon ein Fortschritt ist, die DEMs der Frauen und der Männer an einem gemeinsamen Ort auszurichten, was in den letzten Jahren nicht der Fall war. Das erhöht die Attraktivität des Turniers sowohl für Spieler als auch für Zuschauer. Meiner Meinung nach, wäre eine Zusammenlegung der Meisterschaften in einem Turnier besonders für die Frauen wünschenswert. Im Gegensatz zum Männerturnier spielen bei den Frauen die Nationalspielerinnen nicht mit. Dies war auch in den letzten Jahren so und liegt hauptsächlich daran, dass die DEM der Frauen schachlich nicht sehr stark besetzt ist, was sehr schade ist. Mir persönlich würde ein gemeinsames Turnier mehr Spaß machen.
dame Sie spielen reine Frauenturniere, aber auch von männlichen Konkurrenten geprägte Turniere wie in der Bundesliga oder zahlreichen Open. Gibt es Unterschiede im Spiel von Frauen und Männern?
Ja, es gibt Unterschiede im Schach spielen von Männern und Frauen, wobei man das nicht verallgemeinern kann. Sicherlich gibt es auch Frauen, die einen ähnlichen Stil wie die meisten Männer und umgekehrt spielen. Auffällig ist, dass Männer oft sehr technische und in meinen Augen eher langweilige Positionen spielen und versuchen einen minimalen Vorteil in einen vollen Punkt umzuwandeln. Frauen spielen dagegen, angriffsfreudiger, taktischer und kreativer. Während Männer auch in schlechten Positionen immer den besten Zug machen, auch wenn dieser lediglich Chancen auf einen halben Punkt gibt, spielen Frauen dann auch mal einen schlechteren Zug, welcher aber wieder Siegchancen mit sich bringt und der Gegner nochmal aufpassen muss.

Vergleicht man die März und die Mai Liste des Weltschachbundes FIDE haben Sie fast 80 ELO Punkte gewonnen. Respekt, wie machen Sie das?
Vor 2-3 Jahren stand ich schon mal kurz vor der 2300. Leider ist meine Elo dann stark eingebrochen, weil ich mehrere schlechte Turniere gespielt hab. Aber ich wusste, dass ich auf jeden Fall die Spielstärke besitze, irgendwann die 2300-Marke zu knacken. In den letzten Jahren hatte ich dann mal gute und wieder schlechte Phasen, sodass ich immer zwischen 2200 und 2300 hin und hergependelt bin. Jetzt in den letzten Monaten lief es durchweg gut für mich. Sowohl in den Ligen als auch die letzten beiden Turniere (Cappelle la Grande,Neckar-Open) habe ich Elo-Plus gemacht, was dann in Summe mehr als 80 Elo ergab. Den Hauptgrund sehe ich in meinem Training zusammen mit Judith Fuchs. Seit der Olympiade in Khanty-Mansisk trainieren wir regelmäßig, teilweise mehrmals die Woche zusammen und es scheint sich bezahlt zu machen.

Sie können also mit reinem Gewissen den Doping -  Kontrollen der Nada (Nationale Anti Doping Agentur Deutschland) bei den Deutschen Meisterschaften entgegensehen ...
In meinen Augen sind Doping-Kontrollen im Schach überflüssig. Denn was bringt es einem Schachspieler Muskel aufbauende Substanzen zu sich zu nehmen!? Man müsste dann eher Konzentration fördernde Mittel, wie z.B. Kaffee verbieten. Bisher bin ich noch nicht kontrolliert worden und ehrlich gesagt, fürchte ich mich ein wenig davor. Denn was ist, wenn man aus Versehen durch Nahrung etwas Verbotenes aufnimmt. Aus Vorsicht verzichte ich sogar darauf, Magnesiumtabletten zu mir zu nehmen, da laut Nada die Gefahr besteht, dass diese verunreinigt sein könnten. Schach ist eben ein anderer Sport, ein Denksport. Die Gefahr, dass Schachspieler betrügen, besteht nicht durch die Einnahme von verbotenen Substanzen, sondern durch Nutzung verbotener Hilfsmittel, wie der Skandal in Frankreich gezeigt hat. Deshalb sollte man eher dagegen vorgehen.

Frau Hoolt, im Meisterschaftsfeld der Frauen sind wenig Profis zu finden. Kann eine Frau überhaupt vom Schachspielen leben?
Die Weltspitze bei den Frauen kann unter Umständen davon leben. Die Frage ist da nur, wie gut. Denn man hat kein geregeltes Einkommen und ist immer einem gewissen Druck ausgesetzt. Zumal es dann auch schwierig ist, eine Familie zu gründen, wenn man als Profischachspielerin ständig unterwegs ist. Für mich persönlich kam die Möglichkeit nie in Frage. Studium und anschließend einen 'normalen' Job ausüben, schafft für die Zukunft Sicherheit. Auch wenn es dadurch schwierig ist, immer Studium und Schach spielen unter einem Hut zu bekommen.

Warum spielen Sie überhaupt Schach?
Ich habe das Schach spielen durch meine Eltern und meiner älteren Schwester erlernt. Durch den Eintritt in einem Verein kam die Teilnahme an den ersten Turnieren, wo dann ab und zu auch Pokale gewonnen wurden. Durch den Erfolg, den Spaß bei den Turnieren, welchen man durch viele neue Freunde und dem Schach spielen selbst hatte, war Schach irgendwann nicht mehr aus meinem Leben weg zu denken. Auch heute könnte ich darauf nicht verzichten. Schach spielen gehört einfach dazu und es wäre total komisch, wenn ich jedes Wochenende und jede Ferien zur freien Planung zur Verfügung hätte.

Kommentare  

 
#1 IceMan 2011-05-17 21:20
Auch wenn die Wahrheit weh tut: Der Unterschied zwischen Männer- und Frauenschach ist schlicht und ergreifend, dass Männer viel besser spielen, weil ihr logisches Denkvermögen und ihre Kreativität besser sind. Aber dafür sehen Frauen besser aus ;-)
 
 
#2 Peter 2011-05-17 22:28
quod erat demonstrandum
 
 
#3 pipidipapa 2011-05-18 11:27
Meint er das ernst?
 
 
#4 thilo 2011-05-18 12:34
Ja, durchaus. Und selbst für den unwahrscheinlichen Fall, dass er Unrecht hat: In Deutschland zumindest wird alles dafür getan, dass die Kluft zwischen Männer- und Frauenschach so groß bleibt, wie sie ist. Man sehe sich nur zum Beispiel die Trainer an, die vor Dresden 2008 auf die SpielerInnen der Jugend-Olympia-Teams losgelassen wurden: Die Jungs durften mit Jussupow zusammenarbeiten, mit Dworezki und Ribli, die Mädchen bekamen in der gleichen Zeit Vidonyak und Srokowski präsentiert.
 
 
#5 GLorscheid 2011-05-18 20:34
Lustig ist der Wunsch in einem Turnier zu spielen. Da die Rangliste im Mittelfeld eines Schweizer-Systems purer Zufall ist, folgt daraus dass bei den Frauen es sowieso keinen Unterschied macht ob der Titel durch Schachpartien oder würfeln entschieden wird. Wenn sich die Damen allerdings weit genug hinten im Feld aufhalten, kann man zumindest die schwächste Spielerin eindeutig bestimmen.
 
 
#6 Oswald Roggental 2011-05-18 21:34
Wenn man schon merkt daß sich Frauen (vernünftigerweise!) nicht von Kommentaren wie hier provozieren lassen, sich womöglich schreibend zu beteiligen, und so irgendwelche Dummheiten noch aufzuwerten, sollten gewisse Geschmacksgrenzen umso mehr eingehalten werden! Kommentare tragen schließlich zum qualitativen Eindruck den ein Blog macht viel bei, so daß nicht allzu vieles auf animalischem Niveau befindliches verkraftbar ist. :-)
 
 
#7 Michael Buscher 2011-05-18 22:06
Ist schon manchmal komisch hier: Wenn man zu einer gestellten Aufgabe eine Variante postet, wird man wegmoderiert, auch wenn sie noch so sinnvoll sein mag. Zum unerschöpflichen Thema "Frauen können (auch/kein/schlechter als Männer/...) Schach" bleibt jeder Stuss stehen.
 
 
#8 hanjie 2011-06-03 17:27
Hmm, um's mal etwas objektiver zu machen: Ich glaube, dass in der Weltspitze die Männer dermaßen hart verteidigen, dass das Risiko, einfach mal "auf Chance" die Stellung offenzuhalten, hier ungleich höher ist. Sehr schönes Beispiel war die WM-Qualifikation, als Gelfand in seinen zwei einzigen entschiedenen regulären Partien seine angreifenden Gegner beinhart auskonterte.

Dazu passt dann auch ganz gut die Veränderung des Spielstils von Judit Polgar: Ehemals auf Gedeih und Verderb angegriffen, geht sie heutzutage sehr viel positioneller vor. Ich behaupte: Nur so konnte sie letztlich die 2700er-Hürde knacken.

Wenn die Gegner (bzw. Gegnerinnen) nicht so stark sind, lohnt sich so ein "Angriff auf Chance" selbstverständlich deutlich eher. Wie sich bei der DM zeigte, kamen auch viele unsaubere Angriffe ins Ziel, weil die Unterlegene nicht die besten Verteidigungszüge fand. Logisch, dass man dann häufiger volles Rohr Richtung Angriff spielt.
 

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