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Donnerstag,23 Mai 2013

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Gelfand grüsst den Ehrengast

Evgeni Sveshnikov (Turin 2005) Evgeni Sveshnikov (Turin 2005) Wikipedia

Der Trend bei der WM setzt sich fort: Anand spielt mit Schwarz was er immer spielt (und macht damit sicher Remis) während Gelfand den Gegner immer überrascht. Zuletzt mit einer Variante die ihr Namensgeber (wenn auch nicht Erfinder, s.u.) nach wie vor mag wie er nach der Partie bestätigen konnte: aufs Brett kam nämlich der Sveshnikov-Sizilianer, und Ehrengast vor Ort war Evgeni Sveshnikov.
Ein bisschen Hintergrund dazu: Gab es das schon mal in einem WM-Match? Klar doch, ist gerade mal hundert Jahre und ein bisschen her, 1910 von Lasker gegen Schlechter (diese Info und das Grischuk-Zitat unten habe ich aus dem Chessvibes-Bericht nebst Video). Wer bekam das am häufigsten mit Weiss vorgesetzt? Laut chessgames.com niemand anders als Vishy Anand mit inzwischen 55 Partien. Mit Schwarz haben sie die meisten Partien nicht etwa von Sveshnikov sondern von Vlad Kramnik - es gab Zeiten dass er e7-e5 nicht gleich im ersten Zug spielte. Genau wie Peter Leko, der sich mit Sveshnikov für sein WM-Match qualifizierte - Schwarzsiege im Halbfinale des Dortmunder Kandidatenturniers gegen Shirov und im Finale gegen Topalov. Das waren noch Zeiten dass Sveshnikov eine Gewinnwaffe war (s.u.). Hat Gelfand das schon mal gespielt? Jaja, ist noch nicht mal zehn Jahre her, zwei Partien mit klassischer Bedenkzeit anno 2003. Zuletzt beim Hunguest Hotels Super Chess Tournament - interessantes Feld mit gleich drei Vizeweltmeistern: Short, Leko und Korchnoi. Kann Gelfand diesen Bann durchbrechen??

Die WM-Partie wurde übrigens remis, laut Gelfand (Antwort auf die provokative Frage eines Journalisten) für ihn die einfachste im ganzen Match. Wie er auf die Sveshnikov-Idee kam wollte er uns nicht verraten: "after the match ...". Zur Eröffnung meinte Grischuk (Gelfands letztes Opfer in Kazan und an dem Tag Kommentator auf Russisch): "Sveshnikov ist völlig zu Unrecht bei der Weltspitze nicht mehr populär. Eröffnungen sind Modesache, vielleicht wird es sich jetzt [wieder] ändern." Chess-Tigers - in ihrer Berichterstattung aus nachvollziehbaren Gründen nicht ganz neutral - beschwerte sich dass Vishy "mit der vielleicht solidesten Sizilianisch-Variante ... recht frühzeitig ausgebremst" wurde. Wie bitte? Eine Variante wo Schwarz das Feld d5 dauerhaft schwächt und den d-Bauern rückständig macht ist solide!? Leider ist da vielleicht was Wahres dran, die Variante ist tief ausanalysiert und Weiss tut sich schwer Vorteil nachzuweisen. Allerdings ging der überraschte Anand auch nicht zu ambitioniert zu Werke.

P.S.: Ich spiele selbst seit Jahrzehnten nicht nur Grünfeld sondern auch Sveshnikov - letzteres schon bevor es bei Super-GMs einige Zeit eine Modevariante war. Boris rocks! Auf meinem Amateurniveau kann man mit beidem nach wie vor sowohl gewinnen als auch verlieren ... .

Kommentare  

 
#1 Tiger-Oli 2012-05-21 17:38
Danke für den schönen Artikel - eigenartig und bezaubernd, dass Sveshnikov wirklich gerade an diesem Tag im Spielsaal war.
 

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