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Der Schach-Blog

Donnerstag,17 Mai 2012

Aktualisiert15:31:47 Thu

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Konkurrenz für angestaubte Verbände - ACO, der neue Weltschachbund?

Der Aco-Flyer Der Aco-Flyer

Die Werbemaschine ist angelaufen. Seit Wochen wandert eine Mail durch die Netze, Flyer finden sich auf Schachturnieren und auch uns erreichte die Nachricht: ACO, Amateur Chess Organisation, gemäß eigenem Bekunden „die neue Weltschachorganisation für Amateurschachspieler“, betritt die Bühne.

Auf einer ansprechend gemachten Website, www.amateurchess.com, findet man einige weitere Informationen. Ziel sei es, die von der FIDE bisher nicht ausreichend vertretenen Spieler unter Elo 2400 zu bedienen, und man „werde alles tun, damit Schach, Freude und Spaß wieder in einem Boot sitzen.“ Wie das genau aussehen soll, wird nicht genauer beschrieben.

Geleitet wird die in der Slowakei ansässige Organisation von Lothar Hirneise, Vater des in der deutschen Schachszene gut bekannten Internationalen Meisters Tobias Hirneise (Elo knapp 2450), zusammen mit GM Falko Bindrich auch Geschäftsführer der ACO.

Was bietet die ACO?

Zu Beginn wartet man gleich mit einer ACO-Weltmeisterschaft auf, die im klimatisch unfreundlichen Juli 2012 in Dubai im feudalen 5*-Hotel Jebel Ali über die Bühne geht. Für die Siegerehrung lockt der Ballsaal des Burj al Arab. Hier werden Titel in 7 Ratingklassen vergeben. Drei Anmeldungen pro Land und Gruppe sind möglich, wobei keine Qualifikation nötig ist. Wer zuerst kommt, mahlt (zahlt?) zuerst. Warum wir eine solche Weltmeisterschaft brauchen, bzw. welchen Sinn Weltmeistertitel in Ratingklassen machen, erschließt sich mir nicht. In der untersten Klasse 0-1200 bin ich dann WM der fortgeschrittenen Schachanfänger?!

Auch das zweite publizierte Turnier, die ACO Jugend Schachweltmeisterschaft wird nach ähnlichem Schema an einem attraktiven Ort (Disneyland in Paris) ausgetragen.

Für die Zukunft verspricht man ein neues Rating- und Trainingssystem, Online- und Liveschach, eine komplett neue Form der Schachligen und die Förderung des Jugendschachs.

Wie finanziert sich die ACO?

Beide Startveranstaltungen finden sowohl ohne Start- wie auch Preisgeld statt. Auf Rückfrage erhielten wir die Auskunft, dass Finanzierung/Sponsoring der ACO ausschließlich über mehrere Privatpersonen läuft.

Da ich nicht immer den philanthropischen Grundgedanken unterstelle und keine Einnahmen über Mitgliedschaften angestrebt werden, stimmt mich dieser Punkt etwas nachdenklich. Mit all den angestrebten Punkten besteht großer Personal- und Investitionsbedarf.

Es kann der Eindruck entstehen, dass eine Finanzierung über touristische Leistungen erfolgen wird. Die angebotenen 899 € für ein DZ (Einzelzimmer werden nicht angeboten) ohne Flug und Transfers dürften jedoch im Rahmen dessen liegen, was über deutsche Reiseveranstalter anfallen würde.

Brauchen wir eine solche Organisation?

Unser bestehender Weltschachverband FIDE sieht naturgemäß seine Aufgabe im Spitzenschach und verfolgt diese keineswegs zur Zufriedenheit aller.

Doch sehe ich auch keinen Bedarf an einer anderen weltweiten Vereinigung, die meisten Schachspieler kommen ohnehin nie in Kontakt mit dem Weltverband. Zudem haben wir endlich die lange, dem Schach abträgliche Phase zweier Spitzenverbände und boxartigen Zuständen mit mehreren Weltmeistern überwunden.

Im Moment erweckt die ACO auf mich noch den Anschein eines privaten Veranstalters, der seine Turniere unter dem Deckmantel einer Organisation mit eigenen WM-Titeln verkaufen möchte. Der Mehrwert für die Szene ist (noch) nicht spürbar.

Auf der anderen Seite ist es ausgesprochen schwierig, sei es auch mit noch so hehren Zielen, ohne große Rückendeckung Fuß zu fassen. Bis sich eine entsprechende Reputation eingestellt hat, schaue ich mir die Sache von der Seitenlinie an.

Was halten Sie davon? Brauchen Schachamateure eine weltweite Vertretung?

Ein von der ACO zur Verfügung gestelltes Interview mit dem Präsidenten, Lothar Hirneise, finden Sie hier zum Download als PDF.

Unsere Kurzumfrage brachte ein klares Ergebnis. Mehr als dreiviertel stimmten auf die Frage "Brauchen Ammeteure eine Weltschaorganisation?" mit Nein. Andererseits wollten jedoch fast 25 % organisiert werden...

Jörg Hickl

Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Website: www.schachreisen.eu

Kommentare  

 
#1 Bierfass 2011-11-01 06:22
@ Gm Hickel

"Auf einer ansprechend gemachten Website, www.amateurchess.com , findet man einige weitere Informationen"

Man beachte mal bitte das Impressum: KEIN Ansprechpartner, KEINE Telefonnummer usw.

...also nicht unbedingt seriös und den rechtlichen Normen entsprechend!
 
 
#2 Geck0tierchen 2011-11-01 08:03
Kein Preisgeld - und nichtmal Elo-ausgewertet ;-)

Genial finde ich auch den Spielmodus. Das 90 Minuten + 30s./Zug, welches ich persönlich bereits als ganz schön hetzend empfinde, ist nicht gerade maßgeschneidert für den angehenden Amateur mit 1500.
 
 
#3 Leopold Bloom 2011-11-01 10:21
Medienpartner: Michael Schönherr

Ende der Debatte
 
 
#4 Bierfass 2011-11-01 12:11
...und die Schachwelt ist auch Medienpartner!

Ende der Debatte!
 
 
#5 Michael 2011-11-01 14:02
Toll! Jetzt ist die Debatte schon zwei Mal beendet worden! Kein Argument zum Thema, nicht einmal der Ansatz einer Antwort auf die von Herrn Hickl gestellte Frage! Stattdessen eine erneute, sehr fundierte Pöbelei Richtung Schach-Zeitung, ein Hinweis auf ein fehlerhaftes Impressum und einmal Entsetzen über fehlende Preisgelder.
Also Deckel drauf und Thema durch. Das kann ja nichts werden?
Oder doch?
Lassen wir doch mal für einen Moment ausführende Personen, Internetauftritte und Zeitungen beiseite. Raum für etwas Neues entsteht ja nur, wo auch Bedarf ist.
Wenn also Herr Hickl fragt, ob Amateure weltweite Vertretung brauchen, kann ich das nicht beantworten. Aber scheinbar werden wir es bald wissen!
WM-Titel in allen Spielklassen waren nicht unbedingt meine erste Idee bei der Rettung des Schach. Aber Anerkennung für Amateure ist ein wichtiges Element bei der Pflege der eigenen Mitglieder! Wer zufrieden ist geht nicht - Anerkennung kann da sicher wichtig sein. Vielleicht hätten auch eine feinere Untergliederung des Fide-Titelsystems ähnliches bieten können?
Turniere in Dubai? mit Schachreisen Geld zu verdienen ist sicher keine neue Idee, ob es eine gute ist, weiß Herr Hickl wohl am besten.
Amatuerweltmeistersc haften finde ich grundsätzlich gut, aber es gibt sie unter dem Dach der Fide schon. Mehrere Weltmeister für alles wie beim Boxen sind auf jeden Fall erst mal nix Gutes!
 
 
#6 Jörg Hickl 2011-11-01 16:39
Es ist wieder einmal an der Zeit, zu den üblichen Bierfass-Kommentaren etwas anzumerken:

1. Die ACO hat sehr wohl Kontaktdaten und Ansprechpartner veröffentlicht.

2. Das Magazin Schachwelt erscheint in der Schweiz und hat mit unserem namensgleichen Auftritt nichts zu tun.
 
 
#7 Skeptiker 2011-11-02 07:51
Das neueste Feature "Live-Partien" scheint schonmal nicht richtig zu funktionieren, zumal die offizielle Seite eine deutlich bessere Übertragung bietet. Und die Partien bei www.amateurchess.com sind noch nicht mal vollständig.

Folgendes ist rein spekulativ und stellt meine Meinung da:
Ich glaube nicht, dass die ACO die Welt des Schachs verbessern möchte. Ich vermute, dass man sich unter dem Deckmantel der Gemeinnützigkeit eine gewisse Bekanntheit aufbauen möchte, um dann über die Webseite eine direkte kostenpflichtige Mitgliedschaft anzubieten, für die man dann Funktionen wie OnlineSchach, Lehrmaterial und Teilnahme an Turnieren bekommt.
Dieses Schema kennt man von vielen "NGO" und die Person des Präsidenten verstärkt den Verdacht der Augenwischerei.
 
 
#8 Bierfass 2011-11-02 10:35
@ Gm Hickel

Im Impressum ist eben KEIN Verantwortlicher mit Telefonnummer veröffentlicht worden. Seriös ist das nicht, mal von der rechtlichen Seite ganz abgesehen!
 
 
#9 Michael 2011-11-02 11:55
Wenn man die Homepage mal genauer anschaut oder das Interview liest, klingt das doch erst mal alles ganz ineressant.
Einen Ligabetrieb ohne Termin- und Vereinszwang? Das haben sich schon viele gewünscht, um nicht sonntags früh raus zu müssen oder ohne Familie das Wochenende zu verbringen. Eine Feierabend-Liga wird auch anderswo schon praktiziert und das mit Erfolg!
Ob nun zwangsläufig auch noch ein weiteres Ratingsystem gebraucht wird, wage ich zu bezweifeln. Nur eines wäre auch schön! Da finde ich den FIDE-Ansatz irgendwie attraktiv, wenn auch evt. kostspielig!

@Bierfass: Das interessiert doch jetzt nicht!!!!
 
 
#10 Max Bouaraba 2011-11-02 12:40
Die ACO hat Ihren Sitz in der Slowakei und eine Website die mit "com" endet. Ich wäre mir da nicht so sicher, dass ein Betreiber aus der EU zwingend ein Impressum mit Ansprechpartner und Telefonnummer benötigt? Uns selbst wenn dem so wäre: worum geht es hier überhaupt? Haare in der Suppe finden?

Alles und jeder beklagt sich über die FIDE, folglich darf man auch Handlungsbedarf vermuten. Die Schaffung eines Gegenpols könnte zumindest der Anfang für Verbesserung sein. Aber machen wir uns nichts vor: auch in unserem Sport regiert Geld das Geschehen (was nicht gleichsam bedeutet, dass wir Gaddafi nachtrauern müssten). Ich denke, man kann sich die ersten Steps der ACO sehr gelassen ansehen.

PS: wäre die FIDE schlau, dann hätte sie sich schon vor Urzeiten Begriffe wie "Schach-Weltmeisterschaft" in allen Abwandlungen als Marke schützen lassen / ähnlich wie dies die FIFA (Fußball-Weltmeisterschaft IST eine eingetragene Marke) schon lange und erfolgreich praktiziert.
 
 
#11 Krennwurzn 2011-11-02 15:19
Die entscheidende Frage ist: kann ein zweiter Weltverband helfen die Probleme des Schachs zu lösen?

Ich tendiere hier zu NEIN, da Schach ohnehin schon sehr wenig von der Gesellschaft und der Wirtschaft war genommen wird und sich eine Aufsplitung eher negativ als positiv auswirken wird.

Auch ich bin wie so viele Schachfreunde mit der FIDE nicht zufrieden - aber wir Amateure benötigen eigentlich gar keinen Weltverband - uns reichen funktionierende lokale Strukturen für unsere Meisterschaften vollkommen aus - leider ein Umstand, den Profispieler und -funktionäre in ihren Überlegungen gerne vergessen.
 
 
#12 Olaf Steffens 2011-11-02 18:16
Moinsen,

ich finde so wie Bierfass das ganze Impressum der Seite auch ein wenig sonderbar. Die ACO ist eine GmbH (und keine gemeinnützige).
Wir erfahren zum Beispiel nicht, wer die Geschäftsführer sind. Aber na gut, wir könnten im slowakischen Handelsregister nachgucken.

Viel mehr wundert mich, dass man sich selbst einfach so als "Weltverband der Amateure" ausrufen kann. Hurra!?

Wir gründen eine GmbH, und schon sind wir Weltverband? So einfach kann das nicht gehen. Woher kommt denn die Legitimation? Gibt es denn Vertreter der Staaten in diesem heimeligen Weltverband? Jeder Schachbezirk in der Bundesrepublik ist transparenter und besser demokratisch legitimiert - und das finde ich auch gut so.
Was wir im Moment sehen, ist irgendeine Gesellschaft, die sich mit einem tollen und etwas anmaßenden Etikett ein Image holen will - und wahrscheinlich Geld damit verdienen möchte. Um die Interessen der Amateure geht´s darum wohl nicht in erster Linie, glaube ich.

Olaf
(Präsident eines anderen Weltverbandes, der aber erst noch gegründet werden muss)
 
 
#13 Michael 2011-11-02 21:09
Die Namen der Geschäftsführer werden auf der Homepage sehr deutlich benannt! Es sind GM Falko Bindrich und IM Tobias Hirneise. Man findet das mit vielen weiteren Verantwortlichen unter dem Button "ACO", hier dann "Team". Also eigentlich recht transparent.

Als viele andere Dachverbände gegründet wurden, war das auch nicht gerade eine Sternstunde der Demokratie. Das spricht also auch nicht unbedingt gegen das Gelingen.

Ich verstehe auch nicht, warum der Wunsch Geld zu verdienen soviel Unbehagen verbreitet. Wenn man morgens zum Bäcker geht, bezahlt man ja auch für seine Brötchen und erwartet nicht, daß der Bäcker gleichzeitig das Welthungerproblem löst. Die Nachfrage wird das schon regulieren.

Ein Weltverband ist vielleicht etwas dick aufgetragen, aber was ist die Alternative?

"Hallo! Ich gründe den regionla begrenzten und zunächst im Versuchsstadium befindlichen Amateurverband "Randbauer Pusemuckel"". Das interessiert niemanden. Jetzt aber wird wenigstens hier disktiert. Irgendwann wird es auch bei Chessbase oder Chessvibes zu lesen sein.

Versteht mich richtig: Ich hänge sehr an klassischen Vereinstrukturen! Ich mag klare Verhältnisse und bin eigentlich auch ein loyaler Typ, was Dachverbände betrifft. Nun macht die Fide (demokratisch legitimiert, Olaf?) aber so unglaublich viel falsch, daß man sich über solche Anwandlungen nicht wundern muß.

Und da ist es wohl nur recht und billig, wenn man sich nicht nur mit dem blöden Impressum beschäftigt.

Wir werden doch sehen, wieviele Leute am Ende diese Veranstaltungen besuchen und unterstützen. Ich glaube, noch kann man sich da entspannt zurück lehnen.
 
 
#14 Olaf Steffens 2011-11-02 23:37
@Woltmann

Moinmoin, und ups, ja, Du hast natürlich Recht - die Geschäftsführer sind angegeben.
Ich hatte nur im Impressum geguckt und weil dort die übrigen Firmendaten stehen, hatte ich gedacht, dass da auch die Namen der Geschäftsführer stehen würden. Aber eben, sie sind woanders, und das ist dann ja auch gut. Danke für den Hinweis!

Mir gefällt das Ganze dennoch nicht:

- Warum gründet sich eine Weltschachorganisati on als GmbH mit Gewinnabsicht?

- Ist der Begriff "Weltschachorganisati on" nicht irgendwie geschützt bzw. seine Verwendung hier irreführend? Das deutsche Firmenrecht hat den Grundsatz der "Wahrheit, Klarheit, Rarheit" - und das mag auch ein Grund sein, weshalb in der Slowakei gegründet wurde. Bei einem deutschen Handelsregister hätte so ein Eintrag vielleicht abgelehnt werden müssen - weil (wow) "WELTschachverband" einfach nicht der Wahrheit entspricht. Aber vielleicht kennt sich jemand hier im Forum damit besser aus?

- Und: es scheint mir eine eigenartige Turnierform, um einen WELTmeister zu ermitteln, wenn aus jedem Land maximal drei Teilnehmer zugelassen werden. Und zwar genau diejenigen drei, die sich als Erste angemeldet haben! Was ist denn das für eine Auswahl?! Scheint mir ein wenig willkürlich und mit Spielstärke, um die es ja auch ein wenig gehen sollte, wenig zu tun zu haben. Da gefällt mir der Ramada-Cup doch schon viel besser, denn da gibt es offene Vorturniere.
Ich glaube einfach, man will viele Spieler anlocken, die für einiges Geld das Hotel in Disney-Land buchen (buchen müssen?), um ACO-Weltmeister zu werden. Und der schöne neue WELTschachverband sammelt dafür eine Provision von Disneyland Paris ein. Vielleicht ist es kein Zufall, dass der Wettbewerb dort stattfindet - und nicht im Bürgerhaus Mahndorf oder einer günstigen Gemeindehalle. Die ACO wird schon wissen, warum - ich glaube, rein sportliche Gründe gaben aber wohl eher nicht den Ausschlag.

Nicht dass ich die FIDE sehr lieben würde, aber ... dwill mir auf Anhieb auch nicht so recht gefallen.
 
 
#15 Michael Z. 2011-11-03 09:38
Wenn bei den Partnern der ACO auch noch der privatinsolvente M.S. auftaucht, kann man sich schon denken, wohin die Reise geht. Als ich meinen Schachfreunden von der neuen WELTorganisations GmbH erzählt habe und die dann den Namen M.S. auf der Seite entdeckten, haben die gleich lächelnd abgewunken. Kein guter Start.
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Edit Krennwurzn: Name auf M.S. geändert
 
 
#16 Michael Woltmann 2011-11-03 09:48
Ich gebe Dir recht, Olaf, die sportliche Legitimation eines solchen WM-Titels scheint mir auch fraglich. Aber es steht dort geschrieben, daß es ab dem nächsten WM-Zyklus Vorausscheidungen geben soll!
Ich finde das ja auch etwas suspekt, aber das Amateure sich nicht überall angemessen vertreten fühlen, konnte man in diesen zahlreichen Debatten um die Nationalmannschaft und ihr Verhältnis zum Breitenschach bzw. die Verwendung von wenig Geld für entweder das Eine ODER das Andere sehen.
Und diese Idee mit dem Ligabetrieb finde ich total interessant. Warum bin ich nicht darauf gekommen...?
Ob das alles eine Bedrohung für "verstaubte Strukturen" ist (die ich so nicht bestätigen will), wird man in aller Gelassenheit abwarten müssen.
 
 
#17 Max Bouaraba 2011-11-03 12:28
Sehen wir die ACO doch mal als ein Unternehmen, welches genau so wie die FIDE versucht, durch die Austragung von Events Gewinne zu erwirtschaften. Soweit ist das doch erst einmal nichts verwerfliches. Dabei aber als Weltverband mit dem (offensichtlich einzigen?!) Zweck aufzutreten, eine möglichst lukrative Turnierserie ins Leben zu rufen, bei der möglichst viel Geld verdient wird und das alles mit dem verlockenden Angebot eines Weltmeistertitels ist doch einfach nur peinlich oder?!

Die kürzlich in der Türkei beendeten "World Amateur Chess Championships" der FIDE waren für jeden (ohne ELO) offen und das übrigens ebenfalls ohne, dass zuvor eine Qualifikation nötig gewesen wäre. Eine Deutsche Beteiligung konnte ich unter den 67 Teilnehmern (39 alleine aus der Türkei) dennoch nicht ausmachen. 67..... also ich denke das kann man bestimmt erfolgreicher/lukrativer gestalten. Gleiches wird sich vielleicht dann auch die ACO gedacht haben.
 
 
#18 MiSo 2011-11-05 14:15
Welche Rechtsform ist für eine Amateur-Schach-Organisation angemessen?

Niemandem kann ein Vorwurf gemacht werden, dass er mit einem Unternehmen Geld verdienen will, solange er dies nicht mit altruistischem Anstrich verschleiert. Dafür gibt es verschiedene Rechtsformen mit entsprechenden Haftungsbedingungen, Mitbestimmungsrechte n der Gesellschafter / Anteilseigner und Veröffentlichungsver pflichtungen.
Zweifellos ist es auch möglich (allerdings ohne justiziable Sicherheit), mit einer Organisation in der Rechtsform eines gewinnorientierten Unternehmens nur altruistische Ziele zu verfolgen. Mir stellen sich dabei allerdings einige Fragen nach dem Warum?
- Warum stehen die AGB nur in slowakischer Sprache bereit, wenn man auf englisch oder deutsch kommunizieren möchte? ("Communication with the ACO should be in English or German.")
- Will man sich bezüglich des Geschäftsgebarens nicht in die Karten sehen lassen?
- Will man nur keine verpflichtenden demokratischen Formen der Information und Willensbildung, um bei Bedarf schnelle Entscheidungen fällen zu können?
- Will man als (selbsternannte) Avantgarde, die mit einem gewissen Sendungsbewußtsein ausgestattet ist (Link zu persönlicher Website des Präsidenten), der Masse der Amateure zu ihrem Glück verhelfen?
 
 
#19 Dirk Bredemeier 2011-11-05 19:27
Ein "Krebs-Flüsterer" der Krebs durch alternative Methoden heilen will als Präsident; slowakische AGB; blumige Begründungen für die Wahl Dubais als Austragungsort der ersten WM - "großes Medieninteresse wegen des spektakulären Ausrichtungsortes", ein scheinbar zwanghafter "Macher" als Medienpartner (Michael Schönherr)... scheint mir auch nicht viel besser zu sein als die FIDE.
 
 
#20 MiSo 2011-11-08 13:09
Haben FIDE und DSB gegenüber Amateuren versagt?

Bei aller Fragwürdigkeit einiger Funktionäre und Vorgänge in der FIDE:
- Eine Regelkommission sorgt für weltweit einheitliche Regeln.
- Mit dem ELO-Rating existiert ein internationales Wertungssystem.
Was sonst betrifft einen Amateur als Spieler von der FIDE?

Aus den verschiedenen generellen Diskussionen über den DSB habe ich bisher nicht entnommen, dass sich die Amateure vom DSB vernachlässigt fühlen. Wurde nicht eher von einigen Spitzenspielern und Journalisten beklagt, dass der DSB (mittels des AKLV) den Amateuren zu viel Beachtung (dt. Meisterschaft) schenkt und nicht genügend finanzielle Mittel für den Spitzensport (Nationalmannschaft, Rundenturniere) bereitstellt bzw. bei Sponsoren einwirbt? Ich beobachte eher eine Entfremdung zwischen den Amateuren (Masse der Beitragszahler) und einem teilweise vorhandenen Anspruchsdenken der Profis auf Alimentierung durch den Verband.

Das Angebot für Amateure aller Spielstärken halte ich in Deutschland für hervorragend: Mannschaftsspielbetr ieb über viele Ebenen; die Turnierlandschaft mit Einzelmeisterschafte n, Open- und Schnell- und Blitzschachturnieren ; der seit Jahren etablierte Ramada-Cup.

Mit der Mitglieder- und DWZ-Verwaltung stellt der DSB eine wichtige Dienstleistung bereit.
Innerhalb des DSB existiert mit Landesverbänden und Bezirken eine föderale Struktur. Gemäß den FIDE-Regeln und dem Subsidiaritätsprinzi p kann jede Ebene ihre Turnierordnung bestimmen und den lokalen Gegebenheiten anpassen.
Es ist ein Geschenk und kein Mangel, dass die FIDE und der DSB nicht die lokalen Angelegenheiten regeln. Selbst in vor- bzw. undemokratischen Systemen hat man sich diese Freiräume geschaffen und ihrer erfreut:
dt.: "Gehe nie zu deinem Fürst, wenn du nicht gerufen wirst!"
russ.: "Moskau ist weit weg!"


Revolutionäre Ideen?

1. Termine für Spielbetrieb
In Hamburg finden die Mannschaftskämpfe unterhalb der Landesliga schon lange werktags statt, wobei der gastgebende Verein den Termin in einem vorgegeben Rahmen festlegt. In Bremen wurde in diesem Jahr nach gleichem Muster eine Seniorenliga (4-Mannschaften) etabliert. Ob das in einem Flächenland praktikabel ist, hängt sicherlich von den Entfernungen ab. Doch selbst in einem Ballungsraum gibt es kritische Bedingungen:
- Arbeitszeiten (Berufspendler, Schichtarbeit, Dienstreisende);
- schwierigere Mannschaftsplanung durch wechselnde Werktage (Kollision mit anderen Hobbies bzw. Verpflichtungen, die an bestimmte Tage gebunden sind)
Anderswo gibt es Schachbezirke, in denen am Sonntagnachmittag gespielt wird.

2. Offene Mannschaften
Für einen stabilen Ligabetrieb ist eine Verlässlichkeit erforderlich, die durch eine jährlich kündbare Vereinsmitgliedschaf t nicht absolut gesichert aber zumindest gefördert wird. Kosten für die Organisation und Verwaltung entstehen immer und müssen irgendwie gedeckt werden. Kein Verein wird daran gehindert, aus sozialen Gründen ermäßigte Beiträge zu erheben.

3. Neues Ratingsystem
Nicht wenige Schachspieler hätten längst eine höhere DWZ, wenn sie sich genauso intensiv mit Schach befassen würden wie mit ihrer Wertungszahl.
Mit dem Versprechen einer verbesserten Berechnung und der Einbeziehung von Blitz- und Schnellschach wird diesem Fetisch noch mehr Aufmerksamkeit zuteil. Wäre dann eine separate Blitz-/Schnellschach-Wertungszahl nicht zweckmäßiger als alles in einen Topf zu werfen?
 
 
#21 Tiger-Oli 2011-11-08 22:37
Hi MiSo,

gute Punkte, die Du da nennst!

Ich finde auch, dass wir hier in einem schachlichen Paradies leben, zumindest was ich so kenne hier in Deutschland. Perfekt ist es nie, na klar, aber die Punkte, die Du aufzählst, sprechen schon sehr sehr für sich.

Darum: Lob an die Funktionäre, die das alles organisieren. Vielen Dank!

Die ACO hat glaube ich auch noch nicht so richtig geäußert, was sie erreichen will für uns Amateure. Wäre ja mal interessant.
 

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