SCHACHWELT

Der Schach-Blog

Donnerstag,17 Mai 2012

Aktualisiert15:36:39 Thu

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Rybka – ein Weltmeister, der keiner war!

Schon im März stellte sich die Frage, ob ein Fisch ein Früchtchen sein kann, hier im Blog und nun ist es quasi offiziell: Rybka und sein Programmierer Vasik Rajlich wurden von der International Computer Games Association (ICGA) disqualifiziert und sämtliche errungenen Plätze und WM-Titel wurden annulliert. Zudem wurde Rajlich aufgefordert sowohl die Pokale als auch die gewonnenen Preisgelder an die ICGA zurückzugeben.

Konkret wird dem Programm vorgeworfen ein Plagiat aus Fruit und Crafty zu sein. Auf der Internetseite von Chessvibes gibt es weitere technische Einzelheiten und auch detaillierte Dokumente zur Entscheidung.

icgarybka

Interessant wird auch sein wie ChessBase darauf reagiert – die Hamburger hatten zuerst versucht das erfolgreiche Programm tot zu schweigen (die Erwähnung des Namens konnte zu Chatsperren führen) und es dann erfolgreich ins Verkaufsprogramm aufgenommen. Man darf also gespannt sein, wie die Marketingabteilung mit dem Weltmeister, der keiner war, umgehen wird. Die Methode „Rybka? Was ist das? Das gab’s nie bei uns!“ wird wohl schwer funktionieren.

Aber darf man den Saubermännern des Nordens wirklich vorwerfen ein schwarzes Schaf - upps einen stinkenden Fisch - eingekauft zu haben? Und haben doch nicht alle Schachprogrammierer von der damals offengelegten Arbeit des Fruit-Autors Fabien Letouzey profitiert? Und was ist mit all den anderen Programmen mit Klonvorwürfen wie Houdini und die ganze Ippolit-Familie. Ein schwieriges und langes Diskussionsfeld für Computerschachfreunde!

Andererseits muss man auch sagen, dass die Computerschachweltmeisterschaft sowie das Computerschach im Allgemeinen stark an Interesse verloren haben. Das Thema ist einfach durch und wir durften in den letzten 30 Jahren die Entwicklung vom Jausen- zum beinahe unschlagbaren Gegner erleben. Aktuelles Problem in der Schachwelt ist nun, wie man die damit entstehenden Betrugsmöglichkeiten am besten eindämmen kann, ohne zu starke Eingriffe in die Menschenrechte, die uns ja aus der Dopingproblematik allzu bekannt sind.

Die neuen Computerschachweltmeister:

2007

1st Zappa (World Champion)
2nd Loop=3rd GridChess
=3rd Shredder

 2008

1st Hiarcs (World Champion)
2nd Junior
3rd Cluster Toga 

2009 

=1st Junior (Joint World Champion)
=1st Shredder (Joint World Champion)
=1st Deep Sjeng (Joint World Champion)

2010 

=1st Rondo (Joint World Champion)
=1st Thinker (Joint World Champion)
3rd Shredder

Nachtrag 1. Juli: Medienecho

SPIEGEL ONLINE: Plagiats-Skandal - Weltmeisterprogramm Rybka verliert alle Titel

HEISE ONLINE: Schachcomputer-Weltmeister nachträglich disqualifiziert

Krennwurzn

Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)

Kommentare  

 
#1 Tiger-Oli 2011-06-30 07:40
Spektakulär - Computerschach ist zwar fast gar nicht mein Ding, aber so eine Räuberpistole mit Betrug und Datenklau ist schon etwas Besonderes.

Da gibt´s wohl nur eins - Rybka werden die Titel aberkannt, er wird für Mannschaftskämpfe gesperrt, und darf bei Betrugsversuchen nicht mehr eingesetzt werden!
 
 
#2 Meister 2011-07-01 07:41
Ich ahnte es schon lange, weil ich den Eindruck gewann, daß Rybka wie Crafty spielt. Nun bekam ich es bestätigt!
 
 
#3 Gast 2011-07-01 10:05
Wieso sind eigentlich weder Friut noch Crafty Weltmeister?
Wie hat man Rybka denn überführt?
Wieder per Statistiksoftware??
Oder etwa per Abstimmung???
 
 
#4 Krennwurzn 2011-07-01 11:46
Dokumente zur Entscheidung gibt es wie im Artikel angegeben am Ende des Artikel von Chessvibes:

chessvibes.com/.../#more-39974

Downloads
■Crafty-Rybka evidence (RTF)
■Rybka vs Fruit: evaluation (PDF)
■Rybka Investigation and Summary of Findings for the ICGA
■Evaluation functions in Rybka 1.0 Beta and Rybka 2.3.2a
■A comparison of Rybka 1.0 Beta and Fruit 2.1
■Rybka 2.3.2a evaluation (TXT)
■Quantifying evaluation features
■Rybka investigation report

Rybka ist eine Weiterentwicklung - allerdings dürfte ein Verstoß gegen die GPL und damit ein Urheberrechtsverstoß vorliegen - das wiederrum müssen Gerichte klären bzw. die Rechteinhaber mit Vergleich untereinander lösen.
 
 
#5 Achim Müller 2011-07-02 09:09
@Meister: Interessant. Wo hast Du denn diese frühe Version 1.6 von Rybka aufgetrieben?

@Gast: Im Prinzip per »Abstimmung«. Ein 34-köpfiges Expertenteam, in dem auch Wettbewerber vertreten waren und ein 5-köpfiges Panel, welches letztendlich 5:o abgestimmt hat.

Unabhängig davon, ob VR nun irgendwann originären Code von Crafty und/oder Fruit verwendet hat, ist das ein Possenspiel.

1. Die ICGA hat von VR fünf Jahre alten Quellcode verlangt.

2. Die ICGA beschuldigt VR des »Plagiatismus«, ohne letztendlich einen wirklichen Beweis dafür erbringen zu können, weil ihr keine Zeile Quellcode einer Rybka-Version vorliegt. Außerdem ist der Begriff »Plagiat« bei Software völlig fehl am Platz.

3. Die ICGA veröffentlicht begründet ihr »Urteil« mit einem Dokument (Crafty-Rybka evidence), obwohl diese frühe Version von Rybka nie an einer Weltmeisterschaft teilgenommen und VR also nicht gegen ICGA-Statuten verstoßen hat.

Der Verein wird das rückgeforderte Geld nie sehen und Juristen lachen sich wahrscheinlich jetzt schon schlapp.

Interessant sind auch die Diskussionen dazu auf Talkchess und im CSS-Forum. Aber vorher viel Popcorn kaufen!

Ciao

Achim
 
 
#6 Bercher 2011-07-02 13:45
@Achim Müller
Der Beweis ist eindeutig.
So ist in den ersten Rypka Versionen "toter" Code mit kopiert worden. Das heißt eigentlich sinnfreie Programmteile (durch Veränderung am Programm vergessene Teile die nicht mehr angesprochen werden) wurden mit kopiert.

Das heißt die Grundversion von Rypka wurde von Vasik Rajlich zum erheblichen Teil einfach aus Fruit und anderen Programmen kopiert.

Es wurde zwar durch weitere Verbesserungen das langjährig beste Schachprogramm geschaffen. Die Leistung basiert jedoch auf sehr unzulässiger Weise auf die Arbeit anderer.

Im wesentlichen wurde die GNU Public License (GPL) verletzt. Vereinfacht ist es erlaubt den GNU Code zu verwenden jedoch ist das verbesserte, neue Programm auch unter GNU zu stellen.
Was wäre da für ein Programme entstanden wenn weitere Programmierer auf diese Optimierungen aufbauen könnten. Und dies ist das Ziel der GNU.

So hat Vasik Rajlich die Arbeit Anderer als seine eigene verkauft. Wie hoch sind die Kosten wenn dein Sohn 50 mp3s im Indernett freigibt?
 
 
#7 Achim Müller 2011-07-02 18:13
@Bercher: Du vermengst Gerüchte, die in diversen Foren herumschwirren, mit den von der ICGA veröffentlichten Dokumenten.

Die ICGA ist weder eine ermittelnde Exekutive, noch hat sie richterliche Funktionen. Die ICGA ist ein privatrechtlich organisierter Verein.

Es hat bis heute niemand der unmittelbar Beteiligten ein zivilrechtliches Verfahren angestrengt. Weder die »Beklauten« (Autoren von Crafty und Fruit, FSF) noch die ICGA, die jetzt Pokale und Preisgelder zurückfordert. Die ICGA hat interessanterweise auch nichts dergleichen in ihren veröffentlichten Dokumenten angedeutet.

Die von der ICGA veröffentlichten »Beweise« würden vor einem ordentlichen Gericht keinen Bestand haben und wären ein gefundenes Fressen für jeden guten Rechtsanwalt.

Die heilige Inquisition hat eine Hexe an den Pranger gestellt. Und es bleibt einzig die spannende Frage, ob der Mob die Hexe später auf dem Scheiterhaufen brennen sehen will oder nicht.

Ciao

Achim
 
 
#8 Martin S. 2011-07-02 18:58
Wenn Bercher mit seiner Aussage recht hat,

> Der Beweis ist eindeutig.
So ist in den ersten Rypka Versionen "toter" Code mit kopiert worden.

hätte Rajlich nicht nur geltendes Recht verletzt, er wäre auch ein schlechter Programmierer - womit wieder einmal bewiesen wäre, dass zum Betrug auch noch Dummheit kommen muss, um erwischt zu werden.

Wieviel "schlaue" Betrüger im Schach bisher nicht erwischt wurden, darüber kann man nur spekulieren.

Was ich außerdem einmal fragen wollte: kann mir von den Juristen unter den Schachspielern mal jemand erklären, warum das Vorgehen von Feller, Hauchard und Marzolo *nicht* als organisierte Kriminalität gewertet wurde und die drei Personen so glimpflich davongekommen sind? (Dass sie spätestens seit Biel 2010 aktiv waren, ist m.E. unstrittig.)
 
 
#9 GLorscheid 2011-07-02 22:43
Das Problem bei Schachprogrammen ist, dass 95% des Sourcecodes ideenloses Beiwerk ist, bei dem einem Programmierer keine Alternativen bleiben. Nur weil ein GPL-Programm 64-Bit Felder verwendet, bedeutet es nicht das alle, die dies sonst auch tun, ihren Code unter GPL stellen muessen. Hat die ICGA eine Grenze gezogen, wo diese 95% enden? Wenn man Rybka unter anderem beschuldgt den UCI-Interpreter kopiert zu haben, dann sicher nicht. Die restlchen 5% sind natuerlich sehr interessant, aber warum war Rybka soviel staerker wenn es die kopiert haben soll?

@Martin S:
Interessant beim Betruegen ist wie man den Zug an den Spieler bringt. Die Idee von Hauchard & Co hatte was, funktioniert aber nur bei einem Mannschaftskampf mit mitmachendem Trainer. Die Behauptung, dass sie spätestens seit Biel 2010 aktiv waren, ist m.E nichts als unfundiertes dummes Geschwaetz.
 
 
#10 Patzerchen 2011-07-03 15:47
@Achim Müller
Wenn die ICGA die Computerschach-WM ausrichtet und die Regularien dafür festlegt, hat sie selbstverständlich das Recht, Rybka nachträglich zu disqualifizieren. Das hat nichts damit zu tun, ob andere Programmierer Rajlich wegen Copyright-Verletzungen verklagen können.

*** Die von der ICGA veröffentlichten »Beweise« würden vor einem ordentlichen Gericht keinen Bestand haben und wären ein gefundenes Fressen für jeden guten Rechtsanwalt. ***

Das ist nichts weiter als eine Behauptung und angesichts der in den Dokumenten aufgeführten Indizien eine sehr schwache dazu.

Davon abgesehen finde ich es eine reichlich absurde Sichtweise, den Plagiatsbegriff für Software als nicht existent zu deklarieren.
 
 
#11 Achim Müller 2011-07-04 08:39
Natürlich hat die ICGA das Recht, Statuten für ihre Organisation aufzustellen und danach zu handeln. Ich habe nichts anderes behauptet.

Zu der Qualität der Beweise/Indizien:

Ein Beispiel findet man in dem Dokument »A Comparison of Rybka 1.0 Beta and Fruit 2.1«, Seite 2. Zu mehr kann ich mich an einem Montagmorgen nicht aufraffen.

»Both Rybka and Fruit have mobility as the only knight evaluation component«.

Aha, da verwenden also zwei Programmierer neben den klassischen drei Bauerneinheiten die Mobilität einer Figur als einziges zusätzliches Bertungskriterium für eben diese Figur. Ein Kriterium, welches man in jedem zweiten Buch über Schachstrategie findet. Aber vielleicht hat VS ja einfach ein copy and paste des Quellcodes gemacht?

«Note that Rybka 1.0 Beta uses bitboards, making direct code comparison ineffective.«

Mist, jetzt haben wir weder die Sourcen vorliegen, noch würden sie uns hier etwas nützen, weil die einzelnen Codezeilen wegen der Verwendung von Bitboard sowieso ganz anders aussähen.

Das ist also ein »Plagiat«! Diesen Begriff habe ich übrigens nicht als »nicht existent«, sonder als »fehl am Platz« bezeichnet.

Ciao

Achim
 
 
#12 Bercher 2011-07-04 19:51
Für die Leute die es immer noch nicht glauben wollen:

Aus:

Rybka Investigation and Summary of Findings for the ICGA



Mark Lefler, Robert Hyatt, Harvey Williamson and ICGA panel members

...

4. Conclusions
● Rybka 1.0 through 2.3 contain nearly identical evaluation functions to Fruit 2.1. The evaluation overlap between Rybka 1.0 beta and Fruit 2.1 is 74.4%. Between Rybka 2.3.2a and Fruit 2.1 the overlap is 64.3%. These are much, much higher
than any other programs examined (which average about 30%). The same features are measured and evaluated and clearly indicate these versions of Rybka are derivatives. Comparisons were made between each of 7 open source
programs available at the time of Rybka 1.0 beta’s release and two versions of Rybka, showing tremendous overlap of evaluation features indicating a near complete copy of the evaluation from Fruit 2.1. Rybka’s participation (under
the name Rajlich) in the ICGA 14th and 15th World Computer Championships violated ICGA rules which require a full list of authors and revealing if any “code is derived from or including game-playing code written by others”. All panel members who expressed an opinion agree that Vasik Rajlich violated the ICGA Tournament Rules. Not a single panel member believed him innocent.
● Early pre-Rybka 1.0 beta versions used a great deal of Crafty code and functions, which indicates a continuing use of other program code by Vasik Rajlich. Although early versions of Rybka did not compete in ICGA Tournaments, this pattern of code plagiarism should be kept in mind when judging the case. The authors of Crafty and Fruit were never asked by Vasik Rajlich for permission to use their code.
● Vasik Rajlich’s claims of complete originality are not borne out by the facts. Rybka’s rapid strength growth (over 800 ELO in about one year) is largely due to copying evaluation terms and programming methods from Fruit 2.1. Rajlich’s claim that “Rybka has a very original search and evaluation framework” is false. The “framework” of Rybka 1.0 beta through Rybka 2.3.2a is Fruit. Rajlich’s “wild guess” that Fruit only made Rybka 20 rating points stronger is, to put it mildly,
highly doubtful. The sudden and dramatic increase in Rybka’s playing strength appears to be due to copying from Fruit in violation of the Fruit license.

...



Die Übereinstimmung in den Bewertungsfunktionen zwischen Rybka 1.0 beta und Fruit 2.1 beträgt 74.4%. Zwischen Rybka 2.3.2a und Fruit 2.1 beträgt sie 64.3%. Dies ist viel viel höher als bei anderen untersuchten Programmen (Der Mittelwert lag bei 30%).

Vas Rajlich hat sich auch aus anderen Programmen wie Crafty bedient. Ohne Angabe einer Quelle. Er hat das Programm als seine Entwicklung verkauft.

Bei einer Doktorarbeit würde man selbst einen verdienten CSU-Mitglied in Bayern hier den Titel aberkennen.
 
 
#13 Achim Müller 2011-07-04 21:46
Wenn die Übereinstimmungen in den Evaluierungsfunktion en alle die gleiche Qualität wie das von mir aufgeführte Beispiel haben, kannst Du das juristisch in die Tonne kloppen.

Was z.B. Bob Hyatt, der gefühlt Autor von etwa der Hälfte aller Postings bei Talkchess, Open-Chess und im Rybka-Forum ist, nicht erwähnt: Die Übereinstimmung von Crafty 19.1 und Fruit 2.1 in den EF beträgt auch 54%.

Ich lasse zur Zeit ein Programm durchlaufen, dass die EF von etwa 30 Engines aus den letzten fünf Jahren abfragt und die Übereinstimmungen im Ergebnis in einer Kreuztabelle ausgibt. Der Durchschnitt liegt, Stand heute, bei über 50%.

Was die ICGA nicht erwähnt: Von den 34 gelistetenen Panel-Membern haben nur etwa 14 überhaupt eine Meinung/ein Urteil abgegeben.

Mittlerweile distanzieren sich Leute wie Dann Corbit und Ed Schröder von der ICGA, letzterer ist aus Protest wegen der Art und Weise, wie die ICGA den Fall behandelt, ausgetreten.

Nochmal: ich behaupte nicht, dass erwiesen sei, VR habe _nicht_ Ideen oder Code verwendet. Ich sage nur, dass der ganze Fall stinkt, die ICGA sehr, sehr dumm und unüberlegt gehandelt hat.

EOD for me

Ciao

Achim
 
 
#14 Achim Müller 2011-07-05 01:00
»auch Computerprogramme dem Urheberrechtsschutz (§ 69 a ff. UrhG). Ein Erläuterung wäre also von allgemeinem Interesse."

Software ist immer ein durch einen Compiler erzeugter, optimierter Binärcode. Das Urheberrecht (und der Begriff Plagiat) lässt sich höchstens auf den einer Binärdatei zu Grunde liegenden Sourcecode anwenden. Programmierer haben schon bewiesen, dass aus verschiedenem Sourcecode der gleiche Binärcode entstehen kann.

Die ICGA hat meines Wissens keine einzige Zeile originären Quellcode von Rybka 1.0 Beta und Fruit 2.1 vergleichen können, sondern all ihre Schlüsse aus den Ergebnissen von Reverse Engineering (insbesondere der evaluation functions), Aussagen von anderen Programmiern, Forenbeiträgen, etc. gezogen.

Mit Reverse Engineering kann man aber so gut wie nie den Sourcecode »zurück erzeugen«. Das ist wie beim Kuchen backen. Du wirst bei einer fertigen Schwarzwälder Kirschtorte nie sagen können, welche Zutaten und Gewürze in welcher Menge genau verwendet wurden. Du kannst die Zutaten ahnen und die Menge schätzen, aber nicht beweisen. Außer vielleicht bei den Kirschen oben drauf, denn die kann man einfach zählen.

Da aber weder eine Zahlenfolge, ein Array oder Matrix patentierbar oder durch Urheberrecht geschützt sein kann und auch mathematische Algorithmen nicht patentierbar bzw durch Urheberrecht geschützt werden können, sind die gelisteten Ergebnisse der Untersuchungen maximal ein Indiz, aber nie ein Beweis.

Der Philosphie der ICGA (sehr kleinlich) folgend müsste dann auch jede Engine, welche z.B. die klassische statische Figurenbewertung 1 3 3 5 9 vornimmt, gesperrt werden.

Ciao

Achim
 
 
#15 Patzerchen 2011-07-05 07:48
@Achim Müller
Du magst hier gerne deine Wortklaubereien veranstalten - ob es nun um "fehl am Platze" versus "nicht existent" geht oder darum, ob Software nur der reine Binärcode sei (er ist es nicht, deine Behauptung ist schlichtweg falsch) - das ändert aber nichts daran, daß in Rybka weitgehende Gleichheiten zu Fruit und Crafty festgestellt wurden.

Und wenn es nicht um triviale Algorithmen geht, sondern um komplizierte Evaluierungsfunktion en, in die eine Menge Parameter mit einfließen und diese in der Disassemblierung übereinstimmen, dann wird kein Richter dieser Welt die C- oder C++-Sourcen für ein Urteil benötigen, wenn der beklagte Programmierer sich der Herausgabe entzieht. Oder du hast noch nie etwas von Indizienurteilen gehört.
 
 
#16 GLorscheid 2011-07-05 11:01
Der Satz:
»Both Rybka and Fruit have mobility as the only knight evaluation component«.
beschreibt einen Algorithmus. Fuer Algorithmen gibt es keinen Copyright-Schutz. Man haette ihn patentieren koennen. Trivialpatetente sind ja in...
Offensichtlich waren die Urheber nicht willens hier zu differenzieren, was das Ganze dann fraglich macht.
 
 
#17 Krennwurzn 2011-07-05 12:38
Wir Schachfreunde können hier weder die technischen noch die juristischen Aspekte klären - das ist letztendlich die Aufgabe eines Gerichtsverfahren, wenn es jemals zu einem kommen sollte.

Der Autor von Rybka und die Vertriebspartner (Convecta, Chessbase, ....) schweigen und ignorieren damit den Entzug der WM-Titel - ein mM nach sehr unprofessioneller und nicht der Zeit entsprechender Umgang mit der Schachöffentlichkeit , die ein Interesse an deren Sicht der Dinge hat.

Es ist auch interessant zu sehen, wie Unternehmen reagieren, die Ihren zahlenden Kunden offenbar misstrauen (Kopierschutzmechani smen, Onlineaktivierung, etc...), wenn sie selbst in den VERDACHT von Schutzverletzungen kommen.

Man könnte das Gefühl haben, die Gesetze gelten nur einseitig für die Konsumenten ...

Und welches Vertrauen kann der Schachfreund Newsportalen entgegenbringen, die offensichtlich News wie in Dikaturen einfach unterdrücken wollen - sowas sollte es doch nur mehr in wenigen Staaten wie Nordkorea geben!
 
 
#18 GLorscheid 2011-07-05 14:10
@Krennwurzn:
Du bringst da wieder einiges durcheinander. Die in Frage gestellte Version von Rybka ist eine fuenf Jahre alte, die frei kopierbar ist und nicht verkauft wird. Desweiteren hat sich in dem Fall nicht die Frage von Ungestzlichem sondern die, ob Regeln des Verbandes verletzt wurden. Aber es stimmt, Details stoeren bei einer populistischen Bewertung nur...
 
 
#19 Krennwurzn 2011-07-05 15:33
@GLorscheid - Zur Klarstellung: Es wurde nicht einer Version von Rybka der WM-Titel entzogen sondern ALLE WM-Titel wurden entzogen und der Autor lebenslänglich gesperrt.

Juristisch und technisch können wir das hier nicht entscheiden, wer warum im Recht ist oder nicht,

ABER wir können uns ganz populistisch fragen: Warum schweigen die Betroffenen? (Und zum Verständnis: diese Frage und die Antworten darauf sind vollkommen unabhängig von Codeübereinstimmunge n, Versionen usw...)

UND da der Sourcecode von Fruit frei verfügbar ist und man wohl den eigenen Sourcecode auch haben dürfte, wäre es wohl ein Leichtes bei einem Gericht eine einstweilige Verfügung gegen die ICGA zu erwirken.
 

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