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Mittwoch,22 Mai 2013

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Was hat die FIDE gegen Giri?

Anish Giri in Dortmund 2011 Anish Giri in Dortmund 2011 Frank Jarchov
Drei der acht Teilnehmer am nächsten WM-Kandidatenturnier sollen also ab 25. August beim Weltcup in Chanti-Mansisk ermittelt werden (drei weitere nach Elozahl, einer ist der Verlierer des WM-Kampfes Anand-Gelfand, einen bestimmt der Veranstalter). Trotzdem fehlt fast die komplette Weltspitze: Gelfand und Anand haben die Qualifikation nicht nötig. Carlsen, Aronjan und wohl auch Kramnik bauen auf ihre Ratings. Auch Topalow scheint seinen Elorückgewinn fix eingeplant zu haben. Alle vier können es jedenfalls nicht gleichzeitig schaffen. Nakamura pokert wahrscheinlich lieber zwischen den WM-Kämpfen. Nur Karjakin, Iwantschuk, Grischtschuk und Kamsky ist doch ziemlich dürftig, auch wenn sie alle legitime Kandidaten abgeben würden.
 
Wen könnte man sich eigentlich noch im vermutlich erst 2013 anstehenden Kandidatenturnier (dafür kommt der Weltcup als einziges Qualifikationsturnier sowieso viel zu früh jetzt, logisch wäre Frühjahr 2012, aber dann ist ja frühestens das Finale von diesem Zyklus) vorstellen? Mir fiele da Anish Giri ein. Wenn seine Eloentwicklung weitergeht, vielleicht sogar schon als einer der Favoriten. Mit seiner aktuellen Elo wäre er eh berechtigt, aber es gilt der Mittelwert der Listen 7/2010 und 1/2011. Sechs Wildcards hatte der FIDE-Präsident zu vergeben (Teilnehmerliste). Giri ist auch da nicht dabei. Keiner der sechs präsidentiell Nominierten (Sutovsky, Nielsen, Kasimdschanow, Ding, Bologan, Moriabiadi) hat eine so hohe publizierte, schon gar nicht aktuelle Elo wie Giri. Und keiner ist so jung und vielversprechend. Natürlich wäre Giri in Chanti-Mansisk nur Außenseiter. Aber ausgeschlossen wäre es nicht, dass er unter die ersten drei kommt.
 
Iljumschinow hat ein Talent für Skandale. Die Nichtnominierung Giris ist kein großer wie der Besuch bei Gadhafi, sondern nur ein kleiner. Die Frage ist, warum hat der irre Kalmücke den Jungen nicht nominiert? Hat einfach nur keiner in dem chaotischen FIDE-Haufen dran gedacht? Wird Giri von unserem Weltverband, der zur Verlängerung des Russischen Verbands geworden ist, etwa dafür abgestraft, dass er nicht für seine alte russische (und immer noch Pass-)Heimat antritt? Oder soll ausgleichende Gerechtigkeit geschaffen werden, weil Giri derzeit mehr Einladungen hat, als er annehmen kann? In Dortmund, Wijk aan Zee oder London kann man sich aber nun mal nicht für einen WM-Kampf qualifizieren. Er habe das bereits befürchtet, umschrieb er mir seine Enttäuschung, als ich ihn vor Tagen für einen Artikel in der Berliner Zeitung sprach.
 
(Nachtrag) Die FIDE hat nun doch noch durch ihr Sekretariat mitgeteilt:
"The nominations of the FIDE President are awarded upon his decision, mostly as an incentive to national federations which actively support FIDE events and FIDE activities such as "Chess in Schools", as well as to former World or Continental champions. This year, high-rated players from Europe were also nominated who played in their continental championship but did not qualify because of applicable tie-breaks which are very often disputed or in doubt of their effectiveness.
We are sure that GM Anish Giri will participate in next year's qualifying European Championship and he will indeed have a bright future as a top world-class player."
Dass Giri nicht das Qualifikationsturnier EM gespielt hat, wird ihm nun vorgehalten. Dazu muss man wissen, dass er sich zwischen der EM und dem gleichzeit ausgetragenen (letzten) Schnell- und Blindturnier in Monaco mit lauter (für den Weltcup vorberechtigten) Eloschwergewichten (für das er sich übrigens vorigen August in Amsterdam sportlich praktisch qualifiziert hatte) entscheiden musste. Wohl keiner an seiner Stelle, hätte Aix-les-Bains den Vorzug vor Monaco gegeben.  

Kommentare  

 
#1 FdDS 2011-07-29 07:02
Boah....,Löffler!
 
 
#2 Thomas Oliver 2011-07-29 10:42
Ich gebe Herrn Löffler recht dass Giri eine wildcard verdient hätte. Aber ich sehe zwei plausible Gründe warum er keine bekam, beide mindestens so plausibel wie die Verschwörungstheorie "Russland ist dagegen":
- Er hatte eine wildcard öffentlich erwartet und damit quasi eingefordert, das war vielleicht ungeschickt und undiplomatisch.
- Er hätte sich über die Europäische Meisterschaft qualifizieren können, hat aber nicht teilgenommen. [Nielsens Nominierung ist wohl Kompensation dafür dass er die Quali denkbar knapp und aufgrund - wie FIDE hinterher zugab - absurder Tiebreak-Regeln verpasste]

Zum Rest:
- Zumindest Mamedjarov, Ponomariov und wohl auch Gashimov wären auch "legitime Kandidaten".
- Ob Giri in zwei Jahren wirklich mindestens top10 ist bleibt abzuwarten. Der nächste Eloschritt ist immer der schwerste, und er hat Konkurrenz von z.B. Vachier-Lagrave und Caruana. Bei MVL würde es mich freuen wenn er sich (als Vorschuss für seine weitere Entwicklung) über den World Cup qualifiziert.
- Topalov, tja ich vermute eher dass er Motivationsprobleme hat und sich vielleicht demnächst ganz aus der Schachszene verabschiedet. Wo soll er denn Elo zurückgewinnen? Im nächsten Halbjahr spielt er offenbar allenfalls in Nanjing.
 
 
#3 Südschachfreund 2011-07-29 12:28
@ Thomas Oliver: Was ich auf Gustis Blog auch schon geäußert habe: Mir scheint, dass Topalov die WM-Niederlage letztes Jahr gegen Anand einen Schlag gegeben hat, und dass seine Performance, die er in den wenigen Turnieren gezeigt hat, wohl einen psychologischen Hintergrund haben, so ähnlich wie Tarrasch nach seiner Niederlage gegen Lasker in der WM 1908. Ist der Verdacht, Toppy könne sich vom Schach zurückziehen, deine Spekulation oder hast du da irgendwas "läuten" gehört?
 
 
#4 Schach Strategien 2011-08-02 08:25
Ich glaube nicht dass Toppy sich jemals vom Schach zurückziehen wird. Er ist durch und durch ein Schach-Profi und wird früher oder später die WM-Niederlage wegstecken und ein
Comeback feiern.
 

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