Monatsblitz: Einer gegen 25.000

by on04. August 2017
Die Katzen des Blitzschachs sind wieder unterwegs Die Katzen des Blitzschachs sind wieder unterwegs OSt

So war das eigentlich nicht gedacht: Turnierleiter Udo Hasenberg eröffnete an einem frühherbstlichen August-Abend die neue Staffel der Werder Monatsblitz-Serie, 14 Kandidaten setzten sich hoffnungsvoll an die Bretter. Würde es diesmal zu einem guten Ergebnis reichen, zu einem vorderen Platz?
Doch es dauerte nicht lange, da pflügte David Höffer vom Delmenhorster SK wie eh und je durch die Wellen und hatte jeden einzelnen seiner 13 braven Mitspieler aufs Kreuz gelegt. Einer alleine, mit einer ELO von gut 2300, nimmt es mit 13 anderen auf, die gemeinsam eine stattliche ELO von um die 25.000 aufweisen - und gewinnt. Unglaublich.

Hundert Prozent für das Blitzschach-Ungeheuer Höffer, und damit verbunden der erste Platz! Pustekuchen daher für einen Gezeitenwechsel im Werder Monatsblitzen, der alte Meister ist der neue, und wie in ungefähr 40 der vorherigen 41 Turniere verließ der junge Delmenhorster den Saal mit einem schönen Gehaltsscheck für den Monat August (11,-€).

Auf dem Platz direkt dahinter, von den Punkten her aber um eine Galaxie und zahlreiche Lichtjahre getrennt folgte Stephan Buchal (Werder Bremen) mit 9,5 Punkten, punktgleich mit dem Berichterstatter (auch 9,5) - zu viele Punkte blieben auf dem Wege liegen, und es hätten sogar noch mehr sein sollen, doch die aufstrebende Werder-Jugend erlaubte mir noch so einmal, zweimal einen halben Punkt aus verlorener Stellung herauszumogeln.

Den Ehrenpreis der Jury für den fünftletzten Platz teilten sich Alexander Gattig (Bremer SG) und Thorsten Dickhaus (SV Wermelskirchen 32).

Monatsblitz2017August
Hier wird noch richtig nachgedacht: Nils-Lennart Heldt, André Schondorf (vorne), Thorsten Dickhaus und Alexander Gattig

Tja, David Höffer, der unbezwingbare Löwe - was soll man da noch sagen? Die Schachabteilung des SV Werder freut sich natürlich über seine stets inspirierenden Besuche, doch rein schachlich gesehen mag man die Ergebnisse fast so deuten, dass wir Werderaner und andere Hanseaten es im Blitzen noch immer nicht ganz mit dem jungen Mann aufnehmen können. Höffer übernimmt Werder Bremen, rein blitzschachlich gesehen auf alle Fälle - und weit und breit ist niemand in Sicht, um an diesem für Grün und Weiß ernüchternden Zustand etwas zu ändern. Agonie!

Wenn das so weitergeht, wird David auch das Hans-Wild-Turnier im September ohne Probleme für sich entscheiden. Und danach das German Masters in Dresden, und das nächste FIDE- Kandidatenturnier. Carlsen, ye be warned!

Doch das Werder-Training geht natürlich weiter von früh bis spät, und seit allerspätestens gestern wissen wir Bremer, wie stark David Höffer wirklich ist. Und dass er eigentlich ziemlich schnell ist!

Der Blitz Grand-Prix wird daher fortgesetzt, im September die zweite Runde an selber Stelle, und ja, dann wollen wir sehen, ob nicht doch jemand mit wehenden Fahnen den ersten Platz erobern kann. Wir bleiben dran - und melden uns wieder! Bis dahin ... erstmal etwas Musik von den Monophonics ... uhuhuuuuu huu.

 

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

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