Junge, komm bald wieder
Schaltjahre sind ja eigentlich etwas gräßliches, da man einen Arbeitstag mehr für das gleiche Geld als einfacher Arbeitnehmer hat. Ich habe diesen Schalttag dafür genutzt, ein hübsches und auch lösbares Problem für Euch, liebe Leser, herauszusuchen und damit aus der Not eine Tugend gemacht, hatte ich dadurch doch einen ganzen Tag mehr Zeit für meine Kolumne.
Der Schalttag ist ein alle vier Jahre wiederkehrendes Ereignis und um Rückkehrer geht es auch im Problem des Monats des Mehrzügerspezialisten Dieter Kutzborski (veröffentlicht in Schach Aktiv 10/2011).Die Rücknahme eines Zuges wirkt auch im Problemschach paradox. Im Partieschach spricht man in dem Fall oft vom Tempoverlust und ein Problemkomponist muss sich einen Grund ausdenken, warum es nach einem gegnerischen Zug Sinn macht, den vorherigen Zug wieder zurückzunehmen. Schauen wir also auf unser Stück.

Weiß am Zug setzt in vier Zügen matt. Zwar hat er neben dem schwarzen König nur einen einzigen Bauern zu zähmen, aber sowohl Drohung als auch Abspiel müssen erst einmal gefunden werden.
Lösungsvorschläge und Anmerkungen bitte als Kommentar.
Doping-Studie braucht Probanden
Kann die schachliche Performance durch Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Leistungssteigerung (Doping) verbessert werden? Wie in anderen Sportarten, würden auch im Schach Viele sich funktionierender Hilfsmittel bedienen - die "200 DWZ-Punkte-Spritze" könnte schnell zum Verkaufsschlager avancieren.
Doch ist ein klares Nein auf die Frage eindeutiger Konsens unter den Aktiven. Unabhängig davon steht noch immer die endgültige wissenschaftliche Beantwortung aus.
Für die Meisten spielt das Ergebnis jedoch kaum noch eine Rolle – mit dem seltsamen Bestreben des Weltschachbundes (FIDE), den Schachsport olympisch werden zu lassen, gingen unabwendbar Kontrollen einher. Auch auf der am Freitag beginnenden Deutschen Meisterschaft werden sicher wieder einige Pröbchen für 250€/Stück, deren Kosten der Veranstalter zu tragen hat, eingesammelt.
Für die Betroffenen bedeutet dies eine Lebensumstellung - äußerste Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme und Ernährung (ein Stück Mohnkuchen kann zu einem positiven Ergebnis führen) ist geboten und nicht nur während des Wettbewerbs, sondern auf Jahre hinaus. Denn, was den meisten Teilnehmern nicht bewusst ist, die Kontrolleure können auch jederzeit außerhalb der Wettkämpfe, z. B. sonntagsmorgen an der Wohnungstüre, auftauchen (wie z. B. im Fall der Monika Galambfalvy, damals Nr. 1005 der österreichischen Rangliste http://oe3.orf.at/aktuell/stories/188069/)
Bereits im September 20009 beschäftigten wir uns in Ausgabe 1 des Schachwelt-Magazins mit dem Thema des wissenschaftlichen Nachweises (Artikel als PDF). In der Zwischenzeit ist die Studie zwar angelaufen, doch fehlt es noch an einer ausreichend großen Anzahl von Probanden, um zu einem statistisch aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen. Nachfolgend der erneute Aufruf:
PROBANDEN GESUCHT für eine Studie zum Thema
„IST HIRNDOPING IM SCHACHSPORT MÖGLICH?“
Für eine mittlerweile angelaufene Studie zum Thema Leistungssteigerung von Hirnleistungen (Hirndoping im Schachsport), die von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz durchgeführt wird, werden noch gesunde männliche Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren gesucht.
Untersucht werden soll die Wirkung von Substanzen, die einen möglichen Einfluss auf kognitive Leistungen von Schachspielern haben. In einem doppel-blinden Setting werden dabei die Substanzen Koffein, Methylphenidat, Modafinil und Placebo verabreicht.
Für die klinische Medikamentenstudie werden im Schachsport aktive, gesunde Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren gesucht, die die folgenden Kriterien erfüllen:
- Keine psychischen Erkrankungen in der Vorgeschichte, die psychiatrisch behandelt werden mussten (z.B. behandlungsbedürftige Depressionen)
- Keine Abhängigkeit/ kein Missbrauch von legalen und illegalen Substanzen (z.B. Alkohol, Cannabis)
- Regelmässiger Tag-Nacht-Rhythmus (z.B. keine Tätigkeit im Schichtbetrieb)
Die Studie findet in den Räumen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz während insgesamt vier Tagen im Abstand von jeweils etwa 1 – 2 Wochen statt, an denen 10 Partien Schnellschach gegen einen Schachcomputer gespielt werden. Die Probanden sollten deshalb möglichst ihren Wohnsitz oder Arbeitsplatz im Großraum Rhein-Main-Neckar haben.
Der Aufwand wird angemessen entschädigt.
Wenn die o.g. Kriterien auf Sie zutreffen und Sie Interesse an einer Teilnahme haben, so melden Sie sich bitte bei:
Harald Balló Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
Die virtuelle Liga
Heute abend kommt der Münchner Tatort, und er heißt „Der traurige König“. Schachspieler landauf, landab mögen nun die Hoffnung hegen, dass es in diesem Film um Schach geht, um einen mattgesetzten König vielleicht, oder um einen entthronten Vereinsmeister – doch dem ist nicht so, wie schon so oft.
Selten geht es um Schach, wenn das Fernsehen berichtet. Und falls doch mal eine Kamera vorbeischaut und ein Reporter, ziehen sie die Schachspieler durch den Kakao. Zuletzt berichtete davon ja sehr schön Stefan Löffler in seinem Artikel über österreichische (!) Killer und Womanizer. (Ich muss ihn nochmal fragen, wie er dieses Video so schön eingebaut hat in seinen Artikel.)
Aber was soll es auch, was brauchen wir das Fernsehen? Wir Schachspieler haben ja das Internet! Dort lief gestern die Übertragung der 10.Runde der Schachbundesliga, und obwohl ich wusste, dass die Partien schon um 14 Uhr begannen, fiel es mir selber erst um 17:55 Uhr wieder ein, dass da ja die Bundesligakämpfe zugange waren, mit meinem eigenen Verein Werder, dem HSK, König Tegel und all den anderen Clubs!
Doch wie gesagt, ich hatte es zwischendurch einfach vergessen. Stattdessen hatte ich den Nachmittag mit Aufräumen verbracht („Ein Mann räumt auf“), es war mal notwendig, und im Radio den Reportern gelauscht, die von der Fußball-Bundesliga berichteten. Darüber die Schach-BL glatt aus den Augen verloren –wer könnte es einem verdenken? Dennoch ist es peinlich für einen ziemlich echten Schachfreund, zumal auch vor Ort in Bremen ein Public Viewing angeboten wurde, mit Live-Kommentaren und Kaffee aus dem Vereinsheim.
Aber nun ist es zu spät, die Runde ist vorüber, und der HSK hat leider schon wieder verloren. Macht es gut, Jungs, heute dann besser!
Die Schach-Bundesliga betreibt mit ihren 16 Vereinen einen enormen und sympathischen Aufwand, um ihre Liga-Spiele in die Welt hinauszutragen. Während es früher noch hieß „Fahr´ selber hin und gucke zu. Oder warte auf die Schachzeitschrift!“, werden die Partien heute in Echtzeit gesendet und können komfortabel nachgespielt werden. Wer einen Zug nicht versteht, kann sich sogar online eine Computeranalyse dazuschalten lassen. Es gibt spannende Vorberichte von Georgios Souleidis, Bilder von jedem Spieler, Statistiken und einiges Drumherum zum Nachlesen – das alles wurde mit viel Energie und Elan eingerichtet. Ich finde das toll, die Seite ist Wahnsinnn. Damals in den Achtziger Jahren, als die meisten von uns noch erheblich jünger waren, gab es diesen Komfort noch nicht. Aber heute? Sechs Stunden pro Spieltag können wir zuschauen, und es kostet uns keinen Pfennig.

René Stern gewinnt, und die Welt ist dabei!
Auf der anderen Seite – wer will, wer kann sechs Stunden konzentriert zugucken? So schön es auch ist für die Spieler, in Ruhe und mit genügend Zeit ihre Endspiele durchdenken zu können, so wenig Nervenkitzel bietet das ausgedehnte Warten für die auf Züge lauernden Zuschauer. Doch das war schon immer so, und Turnierschach bleibt die feinste Form des schachlichen Wettkampfs. (Nur leider dauert es so lange!)
Doch zurück zur Live-Übertragung. Manche fragen, wo der Punkt ist bei diesen ganzen Übertragungen. Halten sie vielleicht sogar die schachspielenden Fans davon ab, das eigentliche Sportereignis zu besuchen? Die große Mülheimer Bundesliga-Eröffnungsrunde im Herbst 2011 wurde im Internet ausgestrahlt, und der Veranstaltungsort selber, eine große Sporthalle – sie blieb überschaubar besucht, um nicht zu sagen, sie blieb relativ leer. Beißt sich da die Katze nicht selber in den Schwanz?
In Chanty-Mansijsk war es ähnlich. Die besten Spieler der Welt ermittelten den Sieger des Weltcup-Turniers 2011, und bis auf ein paar Schiedsrichter und ein paar Übertragungskabeln war sonst kaum jemand in der Sporthalle zu sehen. Gähn! Das schafft keine Atmosphäre. Doch wer sollte da auch zuschauen? Das Turnier fand ja in Sibirien statt, und soweit tragen uns die Füße nur in traurigen Ausnahmefällen. Außerdem gab es ja eine tolle Video-Liveübertragung
In Bremen hatten wir im Dezember eine Bundesliga-Runde, und die Zahl der zahlenden Zuschauer von außerhalb des Vereins hielt sich am Samstag in überschaubaren Grenzen. Der Spielort lag mitten in der Stadt, die Eintrittspreise waren kommod. Doch nicht viele waren dort – und dabei wäre doch, neben vielen anderen sehr sehr starken Spielern bei Hockenheim vielleicht sogar Karpov mit dabeigewesen. Doch niemanden locken mehr so richtig die Schachgroßmeister. Was soll man da tun? Es mag ein Bremer Phänomen sein, dass wir Hanseaten nicht dringend beim Bundesligaschach zusehen wollen. An anderen Spielstätten mag da mehr los sein, in Berlin, oder in Baden-Baden. Insgesamt aber ist es langweilig im Turniersaal, wenn kaum noch jemand vorbeikommt. Schöner ist es doch, wenn sich die Zuschauer ums Brett kuscheln und mit langem Hals der Zeitnotphase folgen. Vielleicht liegt es auch an den Eintrittspreisen, fünf Euro waren es in Bremen. Aber - wenn niemand mehr dafür bezahlen will, mal den einen oder anderen (promintenten!) Großmeister spielen zu sehen, dann wird es irgendwann ganz eng.

Anatoli Karpow - lange schon war er nicht mehr Bremen! (Photo Juerg Vollmer, Maiakinfo)
Die Schach-Bundesliga kann ihr Web-Angebot bei einer großen Zahl von Zuschauern besser vermarkten und Werbegelder einholen. Doch heute, als ich die Seite der Schach-Bundesliga besuchte, stieß ich auf keine auffällige Werbung, nur auf eine super gestaltete Live-Übertragung (nochmal: Kompliment!). Warum also eine Live-Übertragung? Und wo ist die Idee einer Vermarktung, wenn es nichts zu vermarkten gibt, bzw. wenn damit keine Einnahmen erzielt werden? Die Bundesliga wird wohl auf Dauer von wenigen wohlwollenden Sponsoren abhängig bleiben, wenn sie nicht ihre eigenen Einnahmequellen schafft. Ob es helfen würde, die Live—Übertragung im Netz kostenpflichtig zu machen?
Auch bei manchen Fußballspielen bleiben ja die Ränge weithin leer, weil das Spiel zeitgleich im Fernsehen übertragen wird. Da spart man sich als Zuschauer das viele Geld, guckt lieber zu Haus, kann dabei bügeln und muss nicht frieren. Für die ausrichtenden Fußballvereine ist es gar nicht so schlimm, wenn das Stadion nicht voll wird. Zwar leidet die Atmosphäre, doch immerhin zahlt ja das Fernsehen einen stolzen Preis für die Übertragungsrechte. Beim Schach bleiben die Zuschauer zwar auch gerne zu Hause und schauen virtuell zu, doch einen (finanziellen) Ersatz gibt es für die ausrichtenden Vereine nicht.

So war das damals, als das Internet noch nicht erdacht war
Ich fürchte, je mehr es Schach umsonst und live im Internet gibt, desto mehr graben wir der Atmosphäre vor Ort das Wasser ab. Wenn noch nicht einmal mehr Schachspieler, die dieses Spiel meist sehr lieben, vorbeikommen und sich die Kämpfe in echt ansehen, dann haben wir ein Problem.
Die kostenlosen Live-Übertragungen sind eine noble Geste der Liga-Vereine. Doch weiß ich einfach nicht, warum es dieses Angebot gibt, und ob sich die Bundesliga damit wirklich einen Gefallen tut. Ich sehe aber gerne weiter zu, und wenn im März Baden-Baden zu Besuch in Bremen ist, dann bin ich sicher auch im Stadion dabei.
Vorher aber erstmal ein Blick auf den Münchner Tatort "Der traurige König". Mal sehen, vielleicht steht ja irgendwo wieder ein falsch aufgebautes Schachbrett im Raum herum.

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À propos Tatort - hier noch ein Hinweis in (irgendwie) eigener Sache:
Am Donnerstag, dem 15.März, ist der französische Großmeister und Nationalspieler Laurent Fressinet zu Besuch beim SV Werder für ein Simultanspiel. Laurent ist einer der Sympathieträger in der Bremer Bundesligamannschaft und bekannt für sein kämpferisches Schach.
Unter den Lesern des Schachwelt-Blogs verlost der SVW einen der 25 Startplätze. Wer Interesse hat und eine ELO bis maximal 2100, melde sich bitte flugs und bis zum 4.März unter
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. Der Platz für die Blog-Leser wird dann ehrenvoll verlost!
Warum patzen wir?
Ich habe lange gezögert eine eigene Partie vorzustellen - gespielt wurde sie bereits am 17.12.2011. Es ist wahrlich kein Meisterwerk dafür aber schön kurz. Habe ich jemals ein Meisterwerk produziert?? Naja ich war zumindest einige Male und an verschiedenen Orten Vereinsmeister ... . Auch das natürlich auf Amateurniveau. Aber zum einen sind wohl auch die meisten Leser hier keine Profis, zum anderen haben wohl Schachspieler jeglichen Niveaus mitunter dieselben oder ähnliche Probleme und Erfahrungen. Als da wären: Was mache ich gegen einen nominell deutlich schwächeren Gegner für den Remis ein Erfolgserlebnis ist? Wie gehe ich bei der Zugauswahl vor in wenig konkreten Stellungen mit vielen etwa gleichwertigen Kandidaten, und wieviel Zeit nehme ich mir dann? Und zuletzt bzw. - siehe Titel - zuerst: Warum passieren saublöde Fehler, in der Tennissprache "unforced errors"? Wenn man das wüsste würden sie (einem selbst) nicht passieren ... .
Ausserdem passt die Geschichte auch noch zur Elodiskussion, denn mit dieser Partie habe ich meinem Gegner am Brett einen und in der (NL-nationalen) Eloliste 20 Punkte geschenkt. Ich habe mir einen groben Bock geleistet, was hat er geleistet? Ist es "gerecht" dass das System sooo dynamisch ist? Und sogar zu Problemschach, wann sieht man schon ein einzügiges Hilfsmatt in einer partienahen Stellung?
Genug der Vorrede, folgendes passierte (ausgerechnet) in einem Mannschaftskampf. Mein Gegner hatte etwa 200 Punkte weniger und wäre wohl mit Remis einverstanden gewesen, so interpretiere ich auch seine Eröffnung:
Richter (1975) - Laan (1755), Hoorn, 17.12.2011
1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 d6 Aha - etwas passiv, aber solide und schwer zu knacken 4.d4 Ld7 5.0-0 Sf6 6.Sc3 Le7 7.Te1 exd4 8.Sxd4 Sxd4 9.Dxd4 Lxb5 10.Sxb5 0-0 Immer schön abtauschen. Schlecht ist es nicht, z.B. laut Datenbank öfters von GM Campora gespielt mit insgesamt 4.5/6 11.c4 Offenbar seltener aber vielleicht nicht schlechter als diverse andere Züge (11.Lg5, 11.Lf4, 11.Dc3!?) 11.-c6 12.Sc3 Le7 13.Lf4 Tfd8 14.Tad1 Td7 Hier tauchte ich länger ab und entkorkte nach 15 Minuten 15.Se2 mit der Idee Sg3-f5. Ob das stellungsgemäss ist, wer weiss das schon? 15.-Da5 er stellt eine gemeine Falle ... 16.a3 Tad8 
Und wieder grübelte ich ... nochmal 15 Minuten wobei ich alles mögliche betrachtete. Meine Gedanken waren "ich stehe mit Raumvorteil leicht besser aber wenn er d6-d5 durchdrückt hat er Ausgleich und die Stellung verflacht, wie kann ich das verhindern oder zumindest erschweren?" Ich hatte sogar 17.Kf1!? erwogen um den Te1 vorsorglich zu decken und eventuelle Grundreihenprobleme abzufedern, das erschien mir aber doch zu gekünstelt. Das eigentlich geplante 17.Sg3 verwarf ich weil ich dachte dass er dann mit 17.-Sh5 noch eine Leichtfigur abtauschen kann - das kleine Problem dabei sah ich erst bei der häuslichen Nachbereitung. Nicht erwogen hatte ich 17.Sc3 (Vorschlag eines Teamkollegen) denn da kam der Springer ja gerade her, Auch nicht erwogen hatte ich 17.Dd3 - gleiche Idee wie in der Partie aber ohne Risiken und Nebenwirkungen. Irgendwie hatte ich vergessen dass Figuren rückwärts ziehen können und das das nicht schlecht sein muss. Stattdessen vorwärts mit - vielleicht ahnt es der eine oder die andere bereits 17.Td3 Ich hatte dabei ein ungutes Gefühl, stand auf, ging auf die Toilette, sah mir dann die anderen Bretter an. Alles wäre OK wenn ich das geplante b4 ziehen könnte ohne dass Schwarz zwischendurch an der Reihe ist. Mein Gegner wartete geduldig auf mich, und dann flog seine Dame von a5 über b4, c3 und d2 nach e1, kegelte meinen Turm weg und warf meinem König einen frechen Blick zu, das Hilfsmatt war perfekt!
Ich hatte doppelt Glück im Unvermögen: 1) Ich musste (konnte/durfte) diese Stellung nicht mehr weiterspielen - in Mannschaftskämpfen dieser Klasse wird sonst erwartet auch hoffnungslose Stellungen keinesfalls zu früh aufzugeben. 2) Im Nachbarraum spielten Teams einer (viel) höheren Spielklasse. Ein international bekannter Spieler hatte kurz vorher noch vorbeigeschaut, aber _das_ hat er nicht live gesehen. Wenn ich noch eine Ausrede brauche: Ich war mit meinen Gedanken vielleicht auch ein bisschen in Warschau (damals war ich ein bisschen Schachjournalist, momentan blogge ich nur).
Und mein Team hatte auch Glück im Unglück - man kann es vielleicht Pech nennen dass ein sonst recht zuverlässiger Spieler im falschen Moment patzt. Gibt es einen richtigen Moment? In der Vereinsmeisterschaft wäre es den anderen eher egal oder sogar Recht gewesen ... (nicht dass ich irgendwelche Vorwürfe bekam). Der Gegner gab das Weihnachtsgeschenk nämlich doppelt zurück: Ein Spieler verlor auf Zeit - für den Kontrollzug nahm er ca. fünf Minuten und das war genau eine Sekunde zuviel. Ein anderer liess sich mit Mehrfigur unnötig mattsetzen (auch da gewann der nominell deutlich schwächere Spieler). Dadurch gewannen wir am Ende mit 5-3.
Warum passiert sowas, und passiert es nur mir?? Nein, ähnliches passiert manchmal auch Grossmeistern wie Boris (Nachname verrate ich nicht) in der Bundesliga bewies:
Hier folgte 34.Td6 Te6?? 35.Txc6 1-0 . Ich vermute mal dass der Schwarzspieler - genau wie ich - nicht im Traum oder Alptraum daran dachte dass er diese Stellung schnell verlieren kann. Im Gegensatz zu mir hatte er immerhin diverse Verlustzüge. Auch im Gegensatz zu meinem Mannschaftskampf fehlte seinem - eigentlich favorisierten - Team am Ende ein halber Punkt zum 4-4.
So, ich bin gespannt auf Kommentare. Gibt jemand öffentlich zu dass ihm schon mal ähnliches passiert ist???
Spielstärke Maßzahlen – Teil 4
Sicher hatte man beim Herangehen an die Vorstellung dieses Systems gewisse Erwartungen. Aus Erfahrung weiß man, dass eine derartige Idee eigentlich nur auf Widerstand stoßen kann. Kasparov schreibt in seiner Buchserie „My great Predecessors“ einmal, dass er eine unglaubliche Kombination gefunden hatte, natürlich mit einem Opfer eingeleitet, und dass ihm diese Kombination von allen Seiten um die Ohren gehauen werden sollte. Warum die Konkurrenz nun, anstatt womöglich Beifall zu klatschen, einzig Freude daran hatte, die Fehlerhaftigkeit der Kombination aufzudecken, sich lediglich mühte, eine Verteidigungsidee zu finden, und selbst wenn es im Variantendschungel nur diesen einen winzig schmalen Grat gegeben haben sollte, den man nur mit übermenschlichen Kräften zu finden imstande wäre, und welcher auch, bei optimaler Spielführung beiderseits, nur im Remis (und nicht etwa in Gegners Sieg) mündet, dann, so die Überzeugung, würden sie wieder ruhig in den Schlaf finden, während sie andernfalls etwas quälen (dies eine eigene Weiterleitung der Gedanken), beantwortete er so:
„Brillance always seems to cause some kind of envy.“ Die Brillanz erzeugt Neid. Er führt weiter, dass sich jeder irgendwie die Frage aufwirft: „Why can´t I do that?“ Warum bin ich nicht darauf gekommen? Es kann nicht gut sein, so ist man überzeugt.
Nun ist dies eine kleine Geschichte, nur eine, zur Einleitung, zum Aufwärmen, zum Schmunzelnd vielleicht, und soll um Gottes Willen nicht zu irgendeinem Vergleich herhalten, am allerwenigsten mit der eigenen Person.
Es war jedoch bereits erwähnt, dass man mit der Aufdeckung von Schwachstellen rechnen würde, dass sie, speziell von dem Mathematiker, dem das System ursprünglich vorgestellt war (in ziemlich anderer Form) sogar in gewisser Weise gelungen war („das gibt es schon, Herr Paulsen!“), dass man aber dennoch bei der Überzeugung blieb, dass es besser ist als das verwendete System, und also zu dem Entschluss gelangte, es einmal darzulegen.
Nun stellte sich weiterhin die Frage, in welcher Form man es hier anbieten könnte. Auch damit hat man sich beschäftigt, vor allem in Absprache mit dem Betreiber der Webseite. Kürzere Texte, so das (eine) Zauberwort. Das andere war jenes: nur keine Formeln (dies eine eigene Überzeugung, dass es nicht gerade anziehen wirkt mit denselben). Also: verbal erörtern, herleiten, logisch erklären.
Die kleineren Häppchen bedeuten lange nicht, dass man auf noch ausstehende (oder eben in den Kommentaren gestellte) Fragen keine Antworten wüsste. Andererseits ist es ja unmöglich, ALLE Probleme auf einmal aus der Welt zu schaffen. Wie ginge das? Nur in einem kompletten Text, und dieser sollte ja gerade vermieden werden.
Also: man fühlt sich in einer Schusslinie und weiß nicht recht, wie man in sie geraten ist.
Ein weiteres Zauberwort lautet übrigens so: Kompetenz. Wie erlangt man sie? Es gibt hierzulande eine Neigung, diese ausschließlich an akademischen Graden festzumachen. Da diesseits der Tastatur kein derartiger Grad ins Feld geführt werden kann – und der kritische Leser vermutlich darüber sehr wohl informiert ist – wird eh alles in Frage gestellt. Es kann ja gar nicht stimmen, was der Mann schreibt, da er nachweislich von nichts eine Ahnung hat. Nun ja, in diesem Problem sah man zweifellos die größte Hürde (und fühlt sich bestätigt). Insofern jedoch dienten die kleinen, kurzen Textpassagen bisher der möglichen Zusprache einer gewissen Kompetenz. Möglich, dass dieser Versuch bereits jetzt als gescheitert angesehen werden muss.
1) Eine einfache Überprüfungsmöglichkeit für die Formel
kurz vorher noch einmal die „Formel“. Man dividiert seine Spielstärke p1 durch 1-p1, also p1/(1-p1). Dieser Quotient ist die Maßzahl für das Verhältnis von gewonnenen Punkten zu abgegebenen Punkten. Für den Gegner tut man das gleiche. Sein Quotient ist p2/(1-p2). Diese beiden Quotienten dividiert man durcheinander und erhält den Quotienten q. Dieses Ergebnis q ist die Zahl, in welchem Verhältnis sich die 100 zu vergebenden Prozente aufteilen müssten. Um also für beide Seiten ihre Prozentzahlen zu ermitteln muss man nun 1/(q+1) errechnen. Dies ist die eigenen Erwartung, Der Gegenwert 1- 1/(q+1) davon ist die Erwartung des Gegners. Die Summe der beiden Erwartungen ist 1.
Es wurden also derartig viele Kritikpunkte angefunden, allesamt untermauert mit Kommentar Verfassers eigener, überragender und jene des ursprünglichen Autors weitaus in den Schatten stellender Kompetenz (welche sich oftmals in der Bombardierung mit Formeln und Zitaten, also rein und anerkannt „wissenschaftlicher Arbeit“, darstellt), dass man kaum weiß, wo man anfangen soll mit der Aufarbeitung.
In Teil 3 war zu lesen, dass die Formel stimmt und nicht weiter überprüft werden müsse. Nun ist dies anerkanntermaßen unzulässig, wie angemerkt wurde. Nur war es eben andererseits nicht geplant, einen Formelwald zu hinterlassen. Wie man auf Formeln kommt, dies muss jeder, der daran Freude hat, für sich selbst herausfinden. Man spürt, dass es eine korrekte, richtige Verrechnungsmöglichkeit der verfügbaren Größen gibt und man muss sich dieser annähern. Sofern die Verrechnungsmöglichkeit fehlerhaft ist, wird es sich recht bald herausstellen.
Eine exzellente Möglichkeit, es herauszufinden, besteht immer darin, Anforderungen an das System für Trivialfälle zu überprüfen: erfüllt sich das, was ich als Ergebnis erwarte, in jedem dieser einfachen Fälle?
Hier gibt es zwei Trivialfälle: der eine ist der, dass vor einer Schachpartie einer der beiden Spieler 50% als Spielstärke hat. Hier war die Voraussetzung gemacht, dass die Spielstärke eines jeden Spielers ausdrücken soll, wie viel Prozent er gegen den Durchschnittsspieler erzielt (oder besser: zu erzielen erwartet). Insofern müsste man, bei Einsetzen in die Formel der Werte „eigene Spielstärke“ und „Gegners Spielstärke bei 50%“ als Ergebnis eine Erwartung für die Partie in Höhe der eigenen Spielstärke herausbekommen.
Dies ist auf einfachste Weise erfüllt: man dividiert, laut Formel, die eigene Prozentzahl, also die SpielSTÄRKE, durch die abgegebenen Prozente, in dem Sinne also die „SpielSCHWÄCHE“. Dieser Quotient ist eine Verhältniszahl, welche die Spielstärken untereinander vergleichbar macht. Wenn man dies für beide Spieler tut, dann erhält man für den Spieler mit den 50% einen Quotienten von 1 (50/50=1). Bei Division des eigenen Verhältniswertes durch 1 bleibt man stets auf seinem eigenen Verhältniswert. Wenn man nun die Erwartung zurückrechnet auf 100%, so hat man exakt die eigene Spielstärke als Erwartung für die Partie gegen den Durchschnittsspieler. Trivialfall 1: die Formel erfüllt die Bedingung.
Der andere Fall ist der, zwei gleich starke Spieler gegeneinander antreten zu lassen. Nun ist der Fall auch hier denkbar einfach: man erhält für beide den gleichen Quotienten bei der oben beschriebenen Division, dividiert man diese beiden Quotienten durcheinander, so erhält man garantiert eine 1, wenn man diese 1 nun auf 100% aufteilen möchte (nach der angegebenen Formel: 1/(1+1)), so erhält man eine 1/2 beziehungsweise eine 50% Erwartung für beide Spieler.
Nichts anderes hätte man (abgesehen von der Schwarz-Weiß Problematik, die später erörtert werden soll) zu erwarten: zwei gleich starke Spieler haben gegeneinander jeweils 50%. Also: Trivialfall 2 ist ebenfalls von der Formel abgedeckt.
Ein sehr gutes Indiz dafür, dass die Formel richtig ist. Bei weiteren wesentlichen Berechnungen stellt man im Übrigen fest, dass man niemals den Bereich 0 bis 1 verlassen kann. Auch dies ein Kriterium für Stimmigkeit.
Rein intuitiv, und da möge man sich an die eigene Kindheit entsinnen, bringt übrigens die Formel genau das zum Ausdruck, was eben Kinder ab und an untereinander sagen: „Ich bin 10 Mal besser als du.“ Wenn es tatsächlich so ist, so wäre die Aufteilung nicht etwa 90:10, denn das wäre ja nur 9 Mal so gut, sondern tatsächlich müsste sie sein 90.9090 : 9.0909, wie man ziemlich einfach, allein an den beiden Zahlen sieht: sie dividieren sich mit dem Ergebnis 10.
Ergeben täten sich diese Werte auf höchst vielfältige Weise (wie man in einem selbstverständlich kritischen Kommentar auch auf komplizierteste Art hergeleitet, mühsamst erkennen konnte). Es gäbe dementsprechend keine ganz schlichte Funktion, an der man erkennen könnte, dass man nun gerade gegen einen derartigen Gegner die Erwartung von 90.0909 hätte. Andererseits: wozu bräuchte man diese?
Die angegebene Formel ist so einfach, dass sie jeder Schachspieler ohne jeglichen Aufwand innerhalb von kürzester Zeit erlernt hätte und sie damit stets zur Hand hätte, um die Erwartung in seiner anstehenden Partie zu bestimmen. Und dies, so sei versichert, steht im sehr krassen Gegensatz zur Elo-Formel, bei der selbst die vereinfachte Form (welche durch die Vereinfachung noch dazu unrichtig ist) kaum je einer aus dem Ärmel schütteln könnte.
2) Die Notwendigkeit eines Prognosesystems
Eventuell darf man ja, zur Erlangung von Kompetenz, eine kleine Vorgeschichte aus dem eigenen Leben erzählen, diese in der Ich-Form, wenn es genehm ist?
Im Jahre 1983 begegnete ich das erste Mal dem Wetten auf Sportereignisse. Es handelte sich um einen englischen Anbieter, SSP Overseas Betting. Da ich parallel an der Uni bereits ein erstes Fußballprogramm entwickelt hatte, welches sich mehr und mehr in Richtung Prognosenerstellung entwickelte, schien mir dies ein ideales Betätigungsfeld. Zeitgleich hatte ja nebenbei auch noch eine (recht erfolgreiche) Backgammon Karriere begonnen (unter anderem mit dem Gewinn des Superjackpots bei den Weltmeisterschaften in Monte Carlo im Jahre 1988), so dass das Denken in Wahrscheinlichkeiten mir ein mehr und mehr vertrautes wurde.
Dennoch habe ich zunächst eine Ausbildung (Software Entwickler) abgeschlossen (anstelle des Mathe-Studiums, denn in jener Zeit waren Entwickler gefragt), und mich ein paar Jahre als Angestellter verdingt. Jedoch ruhte ich nicht, meine Entwicklung daheim voranzutreiben.
Im Jahre 1990 war es so weit: pünktlich zur WM hatte ich ein lauffähiges Programm auf dem heimischen PC, welches sich mit Voraussagen (im Sinne von Wahrscheinlichkeiten) auf Fußballspiele verstand. Der Job wurde gekündigt und eine Karriere als professioneller Spieler eingeschlagen, selbst wenn eingangs noch nicht ganz bewusst (ich war überzeugt, dass man die Software oder die Ergebnisse derselben gut verkaufen konnte, was sich eigentlich auch bestätigte, nur spielte ich einfach „nebenbei“ auf diese Zahlen).
Das Ergebnis war, über die Jahre gesehen, in etwa ein (ziemlich genau aufgezeichneter) Gewinn von 3.5%.
Natürlich kommt man mit der Zeit mit diesem und jenem Menschen zusammen, aus der gleichen Branche, und begegnet auch dieser oder jener für den Wettmarkt interessanten Sportart. Ich hatte einen leidenschaftlichen „Tennismann“ kennen gelernt, der mich fragte, ob da nicht etwas ginge.
Ich setzte mich daran und entsann einen Algorithmus, mit welchem man möglichst gute Prognosen auf Tennis Matches erstellen konnte. Der Grundstein war rasch gelegt, die Formel zur Berechnung eines Matches (nach einem Einstiegsdenkfehler, welcher über die erbeuteten Einzelpunkte versuchte, sich anzunähern, bei welchem man jedoch alsbald feststellte, dass er die Realität nicht abbildete. Der Grund, eher ein Reporterbegriff, aber zufällig ein wirklich stimmiger: es gibt die „Bigpoints“, bei welchen sich die Spreu vom Weizen trennt; gerade Pete Sampras war dafür bekannt, sich auf ein Break oder auch den tiebreak zu konzentrieren, und er schenkte viele Punkte und damit Spiele einfach her als Rückschläger, sogar, letztendlich ökonomisch gesehen, aus Gründen der Zeitersparnis, wenn man es zu Ende denkt).
Die Formel ist jene, welche in dieser Serie hier präsentiert wird. Sie ist also entstanden im Zusammenhang mit dem Spiel Tennis. Die Idee, dieses System auf den Schachsport zu übertragen, kam erst viel später (selbst wenn mir bewusst war, dass die gefundene Möglichkeit auf jeden Einzelsport abbildbar wäre).
Dies alles ist nur erwähnt, um begreiflich zu machen, dass man auf ein System zur möglichst guten Prognose – im Sinne von Wahrscheinlichkeiten beziehungsweise von Punkterwartungen, wenn man so möchte – angewiesen war. Ich MUSSTE gute Prognosen erstellen können. Dafür muss einerseits der Algorithmus logisch, mathematisch korrekt, einwandfrei und nachvollziehbar sein, zugleich aber auch die beiden Probleme der Neueinsteiger (bis heute ein unleugbares, auch auf Schach bezogen) und jenes der Update Geschwindigkeit, also der Anpassungsparameter gelöst werden, welche – wie in einem Kommentar vorzufinden, damit zum Versäumnis erklärt – unabdingbar hinzugehören.
3) Die Anpassungsparameter
Dieses Problem war ich grundsätzlich bereits angegangen im Jahre 1990. Selbst wenn damals vom Sport des Fußballs her, so ist doch die Überlegung, wie man es tut, analog, Schach, Fußball, Tennis, beliebig. Auch dieses Vorgehen erschien mir sehr einfach und logisch. Das System dazu, hier möglichst kurz, hoffentlich anschaulich, erörtert:
Sofort einsichtig scheint doch, dass man die Qualität einer Prognose daran erkennt, inwieweit sie von der Wirklichkeit abweicht. Bevor dies näher erläutert wird, zunächst noch die wichtige Vorüberlegung, dass man, sobald man zwei verschiedene Prognosen hätte, die bessere der beiden anhand der Höhe der Abweichung bestimmen könnte.
Nun, auf Schach bezogen (warum nicht, da es gleichgültig ist, dank der Analogie), heißt das doch dies: wenn man eine Prognose abgibt, auf eine einzelne Partie, von 0.62 Punkten für den Favoriten, dann wird man auf jeden Fall eine Abweichung erhalten. Wenn der Favorit gewinnt, wäre sie 0.38, wenn die Partie Remis ausgeht wären sie um 0.12 Punkte verfehlt, wenn der Außenseiter gewinnt, wären es gar 0.62 Punkte. Eine Abweichung ist unvermeidlich und es wäre fraglich (aber hier nicht näher erörtert), ob Gott es tatsächlich vorhersagen könnte, oder ob er es den kleinen, nichts ahnenden Menschenkindern überlässt, was sie ausbaldowern, er es also selbst nicht einmal weiß und auch nicht wissen möchte.
Falls die Partie denn nun Remis ausginge, so könnte der Favorit mit den Schultern zucken (natürlich jeder andere auch), und behaupten, dass er gerne ein Match über 100 Partien gegen den Gegner spielen würde, dann würde er sicher auf seine 62 Punkte kommen. Er könnte weiterhin behaupten, stets näher am Sieg gewesen zu sein, sich also von oben ans Remis angenähert zu haben, und damit seiner Favoritenrolle, selbst wenn nicht zählbar, so doch irgendwie „moralisch“ gerecht geworden ist.
Unstreitig dürfte aber dennoch sein, dass derjenige, der, mit einer alternativen Prognose, nur 0.61 Punkte prognostiziert hätte, im Falle des Remis eine geringere Abweichung und damit, für diese Partie, eine bessere Vorhersage getroffen hätte.
Wenn man dieses Verfahren nun fortsetzt, auf viele Partien anwendet, und jeder der beiden mit seinem eigenen Prognosesystem vorhersagt und anpasst, so würde man doch ziemlich gewiss einen Sieger küren können. Der hat eine geringere Abweichung insgesamt, dieses System wird demnach (erst einmal) als besser angesehen.
Nun verfügt man leider, im Sinne der Optimierung, nicht über zwei unabhängig voneinander eingehende Prognosen. Oder halt, vielleicht ja doch? Was, wenn man sie selbst und höchst eigenhändig einfach erzeugt? Man vergleicht zwei von einem selbst gefertigte Prognosen miteinander, wie wäre das denn?
Die Datenbasis ist da. Es muss nur die Chronologie eingehalten werden. Und eine gewisse Logik bei der Abarbeitung. Jede Partie wird, in chronologischer Reihenfolge, einzeln ausgewertet. Der Unterschied, den die zwei „Systeme“ haben, ist lediglich die Anpassungsgeschwindigkeit. Man tut dies selbstverständlich mit einem Programm, welches so instruiert wird (und dieses kennt zwar die Ergebnisse der zukünftigen Partien, jedoch berücksichtigt es diese nicht, um eine bessere, dann natürlich möglich: optimale Prognose, zu erstellen).
Also, sozusagen „heureka“, hier ist die Methode zur Ermittlung der optimalen Anpassungsgeschwindigkeit. Man arbeitet alle Daten systematisch ab, mit einer gewissen Anpassungsgeschwindigkeit. So erhält man pro Partie eine gewisse Abweichung zwischen prognostizierter Punkterwartung und eingetroffenem Ergebnis. Da, wo die Summe der Abweichungen am geringsten ist, hätte man den optimalen Wert.
Nun, so ganz ist man noch nicht am Ziel. Denn: was tut man mit den Neueinsteigern? Und dann noch diese Frage: sollte man davon ausgehen, dass es Spieler gibt, bei denen sich verlässlich weniger tut und solche, wo es sich garantiert mehr bewegt? (denn das ist, was tatsächlich im Elo-System vorausgesetzt, angenommen einfach so, getan wird). Dies betrifft einerseits die Neueinsteiger, die ja, selbst bei erfolgter Initialisierung, noch über ein höheres Entwicklungspotenzial (in der Regel nach oben) verfügen, andererseits aber womöglich auch die wirklich etablierten Spieler, bei welchen sich viel weniger bewegen sollte (dies zu überprüfen).
Einen Sinn ergäbe die Überlegung auf jeden Fall, nur stellen sich selbst da noch die folgenden, weiter gehenden Fragen: ist die Entwicklung der Neueinsteiger eine logische oder hängt sie doch viel mehr mit dem Alter zusammen? Neueinsteiger sind meist jung, aber vielleicht entwickelt sich ein älterer Neueinsteiger nicht sprunghaft sondern ähnlich gemächlich wie ein älterer, etablierter Spieler? Und diese noch: hängt die Entwicklungsgeschwindigkeit nicht doch vielleicht am meisten von der Höhe der Zahl ab? Kriterium dafür (dies jedoch ein speziell schachliches Problem): aufgrund der Komplexität des Spiels erscheinen die Ausgänge bei niedrigeren Spielstärkekategorien weitaus zufälliger. Es fehlt ein Turm – kein Problem, man bekommt ja gerade die Dame zurück, aufgrund eines Einstellers, oder hat eine Mattdrohung aufgestellt, die der Gegner übersieht. Mal ein Figürchen mehr, mal zwei Bauern weniger, mal einem eigentlich tödlichen Angriff ausgesetzt – für die Prognose der Partie unter Anfängern noch lange keine Anhaltspunkte.
Nun, sofern allseits akzeptiert (wie ja bei Elo wohl der Fall) könnte man diese Phänomene natürlich, nach ebenso festen Kriterien, mithilfe der Zahlenbasis und des beschriebenen Vorgehens überprüfen. Man versucht nach und nach, den insgesamt gemachten Fehler zu reduzieren mit den eigenen Prognosen. Sobald man das Minimum hat, hätte man die optimale Einstellung.
Zur Neueinsteiger Problematik noch dieser kurze Vorschlag: in Ermangelung anderer Kriterien (welche im Übrigen stets subjektiv und damit ungeeignet wären) habe ich beim Tennis alle Neueinsteiger stets mit dem Durchschnittsergebnis der Neueinsteiger belegt. Da sie insgesamt über die Jahre auf etwa 42% gewonnene Matches kamen, hatten sie auch diese Einstiegszahl (sie hatten natürlich eine Performance von 42%, was aber vermutlich in etwa 1:1 ist mit der Anzahl gewonnener Matches). Selbstverständlich könnte man zu jedem Zeitpunkt diesen Wert aktualisieren. Wenn es also in 20 Jahren im Schach so wäre, dass die Neueinsteiger auf 45% kämen, dann würde man sie vernünftigerweise auf diesen Wert initialisieren.
Dies ist nur eine Einstiegswertung, eine, die Grundannahme ist für die erste gespielte Partie (das erste gespielte Match). Das Ergebnis wird selbstverständlich ausgewertet, die Spielstärke angepasst und fortan mit diesem Wert weiter gerechnet. So weit man es beurteilen kann, dürfte es darüber keine besonderen Beschwerden geben. Zumal es natürlich klar ist, dass man in den ersten Partie stets (wie bei ICC und anderen Schachservern längst üblich) mit einem hohen – bei dem System jedoch derart optimierten – Anpassungswert startet. Die Anzahl der Partien, oder ob es mit jeder Partie abnehmend geschieht, sollte man zunächst abstimmen gut überlegen (nur wegen der Transparenz), und dann dem Optimierungsdurchlauf im Programm überlassen.
Da gäbe es natürlich noch ein paar weitere Verbesserungsmöglichkeiten, dies soll nur andeuten, dass man sich durchaus, und vor allem aus gegebenem Anlass, darüber Gedanken gemacht hat.
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Spielstärke Maßzahlen -- Teil 2
Goldene Zeiten
FIDE-Präsident Iljumschinow verkündet in einem Interview mit dem russischen Sport Ekspress wieder einmal den Anbruch goldener Zeiten. Das Kandidatenturnier soll Ende Oktober, Anfang November in London über die Bühne gehen. Dass die Ausrichtung dort teuer ist und die britischen Medien das Ereignis links liegen lassen werden, spielt für die Geldgeber keine Rolle. Das Geld kommt aus Aserbaidschan und ermöglicht dem Liebling der dortigen Machthaber, Teimur Radschabow, die Teilnahme. Ursprünglich bewarb sich Baku um die Ausrichtung, doch dort wäre der Armenier Aronjan, einer der Favoriten, nicht willkommen.
Noch dieses Jahr soll auch wieder eine Grandprixserie starten. Die ersten zwei von sechs Turnieren sind zwar, wie der ganze letzte Zyklus 2008-2010, wieder in der Exsowjetunion angekündigt, nämlich in Taschkent und Tscheljabinsk, aber die weiteren Stationen im nächsten Jahr sollen im Westen untergebracht werden. Letztes Mal hat´s nicht geklappt, wir werden sehen.
Die Hoffnungen basieren auf dem amerikanischen Medienunternehmer Andy Paulson, der in Russland ein Vermögen verdient hat mit, man höre und staune, journalistisch vorzeigbaren und politisch nahezu unabhängigen Produkten. Paulson, der im Schach noch nicht vorher aufgetreten ist, soll eine neue Firma namens AGON haben, die die Spitzenwettbewerbe der FIDE in den nächsten Jahren vermarkten soll. Näheres über den Sitz, die Mitarbeiter und Eigentumsverhältnisse von AGON ist bisher nicht bekannt. Dass es Dutzende Firmen dieses Namens gibt, erleichtert die Recherche nicht. Das aserbaidschanische Geld erleichtert AGON den Start: Dem Vernehmen nach will Baku die WM 2013 ausrichten, es sei denn Aronjan wird Herausforderer.
Noch eine weitere Firma wird genannt, von der die meisten Schachfans noch nie gehört haben werden: CNC, die Chess Network Company mit Sitz in Moskau, besteht bereits seit Ende 2009 und gehört laut der New York Times mehrheitlich Chess Lane, einer in London sitzenden Firma von David Kaplan, einem Geschäftsfreund Iljumschinows. CNC hält die Marketingrechte der FIDE und ist auch in den neuen Deal mit AGON involviert.
Man muss wissen, wen man wählen muss!
Fachingsdienstag 2012 – keine Angst, nicht weglaufen es kommt nicht der schwer verständliche Äwigkneiper zu Wort, die Krennwurzn beschäftigt sich nicht noch einmal mit dem möglichen designierten Nachfolger, sondern wirft einen Blick auf den real existierenden Amtsinhaber.
Der DSB hat bei den letzten FIDE Wahlen immer auf die falschen Kandidaten gesetzt, nämlich jene, die dann wieder dem Alien erprobten Amtsinhaber unterlegen sind – der österreichische Schachbund und besonders sein „ewiger“ Präsident Kurt Jungwirth waren da immer besser positioniert und nun bekommt er und Österreich eine Belohnung dafür, wie auf der Homepage des ÖSB zu lesen ist:
Jungwirth wird Chairman der WM
Die kommende Weltmeisterschaft zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand wird vom 10. Mai bis 1. Juni 2012 in Moskau über die Bühne gehen. Das schachliche Highlight des Jahres wirft seine Schatten voraus und berührt dabei auch Österreich. Schachpräsident Kurt Jungwirth wurde von der FIDE zum "Chairman of the Appeals Committee of the event" ernannt. Das ist eine hohe Auszeichnung für den langjährigen FIDE-Vizepräsidenten und Anerkennung seiner fachlichen und menschlichen Qualitäten, insbesondere da beide Spieler zustimmen müssen.
Zuerst leise, dann immer lauter erinnert sich die Krennwurzn an den Refrain eines Welthits von Falco: Amadeus und summt diesen vor sich hin: „Amadeus, Amadeus - ma muas wissen wen ma wähn muas!“ Sinngemäß übersetzt: Man muss wissen, wen man wählen muss!
Während sich die Krennwurzn noch mehr ins gedachte Singen hineinsteigert, blitzt ihr ins Gehirn, dass es einen noch bekannteren österreichischen Kurti gab, der eine sehr opportunistische Haltung zu einem diktatorischen System zeigte.
Und da – wir kennen ja alle die gemeine Krennwurzn nur allzu gut – änderte sich auch schon der Text: „Amadeus, Amadeus - ma muas wissen wen ma wähn muas – ma muas wissen, wann ma geh‘n muas!
Aber das sang damals schon die EAV auf ihrer CD „Kann den Schwachsinn Sünde sein?“
Der Fluch der Ratingagenturen
Nein es kommt jetzt kein Beweinen, dass die bösen Ratingagenturen das schöne Österreich und das noch schönere Oberösterreich herabgestuft haben.
Es geht um Schach und die immer wieder lochnesshaftig wiederkehrende Diskussion über Stärken und Schwächen von Ratingsystemen. Jetzt brauchen Sie, lieber Leser aber auch keine Angst vor langen mathematischen bzw. statistischen Abhandlungen zu haben, denn ich möchte die Aufmerksamkeit nur auf die grundlegenden Problematik lenken, denn diese wird leicht vergessen, sobald die Diskussion sich tief in Detailprobleme verliert.
Als Beispiel möchte ich einen kleinen Exkurs zu der immergrünen Diskussion, welche nun die „gerechteste“ Zweitwertung beim Schweizer System sei, wagen. Hier wird schon seit Jahrzehnten ohne Ergebnis gestritten – ja manche sprachen sogar schon von „Gelddiebstahl“ und vergessen ganz, dass das Schweizer System ein abgekürztes Verfahren ist, dass mit weniger Ressourcen – vor allem weniger zur Verfügung stehender Zeit – ein sportlich und statistisch vertretbares Ergebnis ermöglichen soll.
Vereinfacht gesagt: das Schweizer System ist per se schon ungerecht – wen interessiert da noch die Gerechtigkeit einer Zweitwertung!
Aber uns zeigt das schön die Problematik von „Abschätzungsprozessen“ und wie schnell man sobald man wieder festen Boden – in unserem Fall konkrete mathematische Formeln für die Zweitwertungsberechnung – unter den Beinen hat, vergisst, dass man eigentlich auf dem schwankenden Schiff der Statistik unterwegs ist.
Klar wir lieben das Exakte: 1+1=2 lernten wir in der Schule und unterstrichen das Ergebnis noch doppelt. Die gleiche Vorgehensweise übertrugen wir dann auf den Chemieunterricht, denn HCI + NaOH = H2O + NaCl ! Zu spät erkannten oder lernten wir, dass dieses Gleichheitszeichen eigentlich ein Reaktionspfeil oder in diesem konkreten Fall ein Gleichgewichtspfeil ist und alles nicht so exakt und endgültig ist. Aber wer würde dann mit Genuss in ein Salzstangerl beißen, wenn ihm dabei klar würde, dass in seinem Mund nun Salzsäure und Natronlauge entstehen ... sagen wir hier mal könnten!
Dann kommen wir zur Statistik und da sich bereits unser ganzes Schulleben das „ist gleich“ als ein in Stein eingemeißelt Ergebnis bewährt hat, stellen wir uns gar nicht mehr die Frage, ob es etwas anderes als „ist gleich“ geben könnte.
Zur Vervollständigung der Allgemeinbildung lernen wir dann zwar noch, dass es die Heisenbergsche Unschärferelation – man kann nicht Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens gleichzeitig messen – gibt. Liebe Physiker, bitte nicht aufschreien, es geht weder darum die Unschärferelation zu verstehen noch sie richtig zu zitieren, es geht simpel darum einen Nobelpreisträger zu kennen und die Erkenntnis, dass bei den ganz kleinen Teilchen sich nicht alles so verhält wie ... naja lassen wir das, das reicht schon!

Und mit diesem Grundwissen ausgestattet sollten wir dann an unseren heiligen ELO zweifeln – ja sogar ernsthaft daran glauben, dass diese nicht „ist gleich“ sind? Dass die etwas schwammiges, schwer fassbares zu beschreiben versuchen und damit zwangsweise selbst nicht „ist gleich“ sein können!
Haben wir doch von Anfang an gelernt Dinge zu kategorisieren, zu reihen, zu bewerten: in der Schule mit Noten, der Like-Button für Beiträge, das Geld für Leistung und Erfolg, usw. und es hat sich als praktisch und lebensnah erwiesen und da der „ist gleich Stempel“ fest in unseren Gehirnen implementiert ist, stellt man sich schon aus reiner Bequemlichkeit nicht die Frage ob ein Gut in Schule A nicht doch besser sein könnte als ein Sehr gut in Schule B – ob ein Beitrag, den weniger liken möglicherweise doch besser ist?
Unsere Fixierung auf „ist gleich“ ist aber auch sehr praktisch für die Ratingagenturen, denn so können sie uns Errungenschaften verkaufen, die wir gar nicht wirklich benötigen: kürzere Wertungsperioden, Schnellschach- und Blitzelo, Serverelo und das natürlich alles mehrfach berechnet auf internationaler und nationaler Ebene – aber halt, wenn ein „ist gleich“ wirklich ein „ist gleich“ sein sollte, warum hat ein Spieler verschiedene Elozahl in verschiedenen Ländern und warum ist die nationale Zahl eine andere als die internationale? 1+1=2 das gilt doch in allen Ländern ...
Könnte doch die Aussage eines Professors auch für unsere geliebten Elo stimmen, der im Zusammenhang mit Ergebnissen, die statistischen Gesetzen unterliegen, sagte:
Den wahren Wert kennt nur der liebe Gott, der Mensch erkennt ihn nicht einmal dann, wenn er ihn zufällig exakt trifft!
Gute Nachrichten aus Strasbourg
Die Schachdelegation hat bei der Sitzungswoche des EU-Parlaments in Strasbourg ganze Arbeit geleistet. Fast hätten sie alle gefordeten Unterschriften bereits beisammen für eine Erklärung des Parlaments zugunsten von Schach in den Schulen. Laut Garri Kasparow, einem der Initiatoren, fehlen jetzt noch drei. Und die sind während der Sitzungswoche am 12.-15.März mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit zusammenzubringen. Und noch einige mehr, denn ein paar Dutzend Abgeordnete, die ihre Unterstützung versprochen haben, haben noch nicht unterschrieben. Kasparow hat sich seit Monaten ins Zeug gelegt, um die politische Unterstützung für Schulschach zu sichern, und wird zu dem Zweck auch im März noch einmal nach Brüssel reisen.
Zu denken gibt allerdings die unterdurchschnittliche Unterstützung unter den deutschen EU-Abgeordneten, vor allem bedingt durch die Haltung der Christdemokraten, die keine einheitliche Empfehlung im Schulwesen wollen, auch wenn sie, wie die Saarbrückerin und Kulturausschuss-Vorsitzende Doris Pack Schulschach persönlich unterstützen. Mit Begeisterung unterschrieben hat dagegen Angelika Niebler (CSU), deren Buben selbst an der Schule Schach haben und die den Vorsitzenden der Deutschen Schulschachstiftung Walter Rädler kennt und schätzt. Auch von den französischen und britischen Abgeordneten haben weniger als erwartet oder erhofft unterschrieben. Besser schaut es bei den Österreichen aus. Ganz vorne liegen die Osteuropäer. Sie haben nicht so viele Abgeordnete, aber ein sehr hoher Teil von ihnen unterstützt Schulschach. Die bulgarischen Delegierten gleich zu 100 Prozent.
Spielstärke Maßzahlen -- Teil 3
Da es nun offensichtlich sehr lebhafte Diskussionen gibt soll der dritte Teil schon jetzt angeführt werden. Dabei soll, anstatt in Kommentaren auf die einzelnen Problempunkte eingegangen zu werden, dieser Text im Wesentlichen an den vom Leser hinterlassenen Kommentaren orientiert sein, ohne selbstverständlich eine gewisse Weiterentwicklung des vorgestellten Systems gänzlich zu vernachlässigen.
1) Die Bandbreite der Zahlen
Ein angesprochenes Problem war die Bandbreite der Zahlen, wie es hier bezeichnet werden soll. Man möchte sich ungern als 30%-Spieler bezeichnen, so hieß es, und auch ein 53%-Spieler zu sein klänge nicht gerade prickelnd.
Dazu sei angemerkt:
Punkt 1: der allseits so bewunderte Albert Einstein hat uns beizubringen versucht, dass sich alle Dinge nur relativ zu einander verhalten. Es ist also ausgeschlossen, eine Sache als uneingeschränkt oder objektiv „groß“ zu bezeichnen. Sie ist es bestenfalls im Verhältnis zu einer anderen. Dies betrifft ebenso die Spielstärkemaßzahlen.
Punkt 2: Ein früherer Arbeitskollege brachte das Phänomen derart komödiantisch auf den Punkt: „Man gewöhnt sich an allem. Auch am Dativ.“ Ja, so ist es. Man gewöhnt sich zwangsläufig an die Höhe der Zahlen, ebenso in ihrer Vergleichbarkeit. Wenn jemand also tatsächlich in der Spielklasse der 30%er auftritt, so wird es ihm sicher nach einer Weile genau so viel Genugtuung verschaffen, von 30% auf 35% aufzusteigen durch gute Ergebnisse, wie es einem 1500er dereinst, wenn er auf 1600 anstieg, durch zwei gute Turniere als Beispiel.
Punkt 3: Zwischen zwei beliebigen reellen Zahlen befinden sich unendlich viele reelle Zahlen. Dieser mathematische Satz zeigt nur, dass man die Spielstärken auf jedes beliebige Intervall abbilden könnte, insofern bietet sich das Intervall 0 bis 1 viel mehr an als jenes zwischen –unendlich und +unendlich, weil es dort eben unbeschränkt wuchern kann, mit völlig unabsehbaren Folgen. So war beispielsweise jüngst nachzulesen (ohne die Quelle angeben zu können), dass das Problem von negativen Wertzahlen auftauchte, bei Nachwuchsturnieren. Die Elo-Inflation geht also nicht nur in den positiven (und auch dort unbeschränkten) Bereich, sondern auch anders herum. Man könnte dies virtuell beliebig erzeugen und damit das Problem nachweisen, indem man eben eine Vielzahl von Ergebnissen erzeugt, bei einer Menge von zugrunde gelegten Schachspieler, unter realistischen Bedingungen. Man könnte sehr wohl nach einer Zeit (seien es auch 100 simulierte Jahre) sehen, dass es sich um ein systemimmanentes Problem handelt. Sofern man sich mit möglichen, aber vorsätzlich unrealistischen, Ergebnissen müht, könnte man vermutlich nach einer gewissen Vielzahl von Partien das Intervall sowohl ins Positive, also zwischen 3000 und 6000 verschieben, als auch es auf –2000 bis +1000 tun. Dies soll nur die angeführte Willkür der Zahlen unterstreichen.
Übrigens wurde eine Bremse auch dort eingebaut, damit es nicht zu diesen negativen Zahlen kommt, in Form einer Untergrenze. Natürlich auch dieser „Kunstgriff“ mathematisch unsauber, wie vieles andere am Elo-System. Andererseits nachvollziehbar, da man sich gut vorstellen kann, dass ein Kind nach der ersten Auswertung, sobald es erfährt, dass es eine Spielstärke von –60 Punkten hat, die Figuren mitsamt dem sie befördernden Händen (möglichst nicht gleich dem Kopf!) an den Nagel hängt. „Ich hab gehört, du spielst Schach. Wie gut bist du denn?“ „Na, ich weiß nicht recht, wie ich es ausdrücken soll. Äh, meine Spielstärke lag im negat... aber ich spiele ja längst nicht mehr.“
Punkt 4: Gerade, um die Inflation unmöglich zu machen sollte ja das neue System vorgeschlagen werden (um nur einen Pluspunkt zu nennen). Die Inflation geschieht zwangsläufig bei Elo. Wobei gerade hier die Ansicht vertreten wird, dass der zwar zufällig aufgetretene(und nicht unbedingt gewollte) Effekt tatsächlich ebenso zufällig das Anwachsen der Spielstärken von Generation zu Generation zum Ausdruck bringt. So dürfte es kaum Zweifel geben, dass ein reinkarnierter Bobby Fischer, mit seiner exakten Spielstärke von 1972 – also dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft – nicht mithalten könnte mit der Weltelite von heute. Bitte dabei berücksichtigen, dass er EXAKT MIT DEM WISSEN VON DEM ZEITPUNKT direkt ans Brett gerufen werden müsste. Sobald er eine „Vorbereitungszeit“ eingeräumt bekäme, wäre natürlich vieles denkbar, je nach ihrer Dauer (so dass er sich auf den Wissensstand bringen könnte).
Punkt 5: Da das angebotene System sich auf viele andere Sportarten übertragen ließe (selbst auf Mannschaftssportarten), wäre es möglich, diese Sportarten untereinander zu vergleichen. Also: jemand, der im Snooker bei 65% liegt könnte behaupten, dass er in seiner Sportart besser wäre als ein Schachspieler, der bei 60% liegt. So problematisch dies wäre (eine genaue Untersuchung dessen an anderer Stelle), es gäbe immerhin diese Möglichkeit. Dies führt direkt zu...
Punkt 6: Da man sich nun Sportarten übergreifend vergleichen könnte, bestünde natürlich die Möglichkeit, dass sich jemand noch mehr zu schämen hätte, sofern er angeben müsste, in seiner geliebten und betriebenen Sportart „lediglich bei 30%“ zu liegen. Andererseits: ist es denn wünschenswert, dass man einem Laien einfach seine 1500 an den Kopf knallt, und dieser dann, aus Unwissenheit, die Kinnlade runterklappt, um staunend zu erwidern: „Wow, bist du gut.“? Abgesehen davon könnte man dem Laien einfach anraten, einmal ein Turnier mitzuspielen, um zu sehen, wie schwer es ist, dort mitzuhalten. Er könnte keinesfalls unter 0% landen, jedoch sich bedrohlich in die Nähe bewegen...
Man würde dies wohl nach und nach sogar einstufen können. Vielleicht empfindet man 30% gar nicht mehr als so peinlich, wenn man erfährt, dass der Nachbar im Tennis nur bei 22% liegt und der Vorgesetzte sich im Badminton bei stattlichen 33% befindet, womit man gleich einen Motivationsschub erhält, ihn alsbald zu überflügeln?
2) Die Anpassungskoeffizienten
Dies jedenfalls ein heiß diskutiertes, aber zugleich heikles Thema. Bekannt ist noch aus sehr viel früheren Tagen, dass man zum Einstieg, altersunabhängig, mit einem Koeffizienten von 25 berechnet wurde. Dieser diente, im Vergleich zu den später verwendeten 15 beziehungsweise, ab Elo 2400 einem von 10 und ab 2600 nur noch von 5, der rascheren Anpassung an die wahre Spielstärke. Denn: es schien ausgeschlossen, dass ein Spieler gleich im ersten Turnier, durch puren Zufall, konsequent eine seinen Fähigkeiten entsprechende Leistung bringt. Das ist weit mehr als nur vernünftig.
Ebenso trifft es auf Jugendliche zu, dass sie sich schnell entwickeln und dabei meist in die eine Richtung: nach oben. Insofern wird diesen wohl bis heute eine raschere Entwicklung ermöglicht durch die Verwendung eines höheren Anpassungskoeffizienten. Die Realität wird damit abgebildet, es kann nicht falsch sein. Nur hat man sich damit zugleich das kleine, erst später erkannte Problem aufgehalst: dem gesamten System werden dadurch permanent mehr Punkte zugeführt als ihm entzogen werden. Ein sich entwickelnder Jugendlicher gewinnt mehr Punkte hinzu, als der ältere, von ihm soeben besiegte Gegner, dem System entzieht. Einer gewinnt 10 Punkte, der andere verliert 4. Im Übrigen wird es sich (in allen Sportarten) wohl verlässlich so verhalten, dass die Talente dabei bleiben und jene, die nach und nach erkennen müssen, über keines zu verfügen (sprich: sie stagnieren irgendwann in der Entwicklung), das Spiel aufgeben (beileibe nicht alle, aber sicher einige). Dies hat den zusätzlichen Effekt, dass jene, die dem System ihre Punkte nach und nach zurückgeben könnten (da sie eben stagnieren, nichts mehr für das Spiel tun, außer ab und an zu spielen und Punkte zu verlieren), dies eben durch den Rückzug nicht tun. Die Folge: die beobachtete Inflation, der man sich unmöglich verschließen kann.
Ein kleiner Beweis übrigens für den Effekt der Inflation: als im Internet beim ICC-Server, die Spielstärken recht rasch angepasst wurden, nur um für mehr Action zu sorgen, konnte man fast live und täglich (und in Farbe, ja, ja!) beobachten, wie die Zahlen explodierten. So waren bald Zahlen von 3200 keine Seltenheit mehr (und dies würde sich locker übertragen lassen, sofern die gleiche Anzahl von Turnierpartien gespielt würde wie Blitzpartien, fast noch unabhängig von der willkürlichen, schnelleren Anpassung).
Der nächste Teil dieses Problems lässt sich besser auf den folgenden Abschnitt, jenen mit dem Titel...
3) Beide Systems sind Prognosesysteme
übertragen.
Vor der Partie wird im Prinzip eine Punkterwartung berechnet. Dies bringt zum Ausdruck, dass man sich mühte, eine möglichst gute Prognose zu erstellen. Es besteht sowohl ein Erfordernis dafür, als auch hat dies Folgen: man muss möglichst gut liegen mit der Prognose, um die daran orientierte Anpassung möglichst gut vornehmen zu können. Wenn man also quasi willkürlich für eine Spieler in einem Turnier eine Gesamterwartung von 6.23 Punkte errechnen würde, diese aber in Wahrheit bei 5.48 liegen würde, dann würde er, sofern er denn 5.5 Punkte erzielt, trotz des objektiven Erfüllens der Erwartung eine Strafe in Form von einem Elo-Verlust erleiden. Nein, die Erwartungen sollen möglichst exakt die Wirklichkeit abbilden, no matter what...
Das Elo-System ist ein Prognosesystem, egal, wie sehr man es auch weiterhin als „Spielerei“ (was die Spieler selbst übrigens, wie auch unter anderem kritisch angemerkt wurde an manchen Stellen, in den Kommentaren, absolut nicht tun; eher im Gegenteil) ansehen mag: so ist es und so ist es auch beabsichtigt.
Nun sollen diese Vorhersagen also möglichst exakt sein, um vor allem für eine korrekte Anpassung zu sorgen. Jeder wird sicher seine eigene Entwicklung im Auge haben und sich vielleicht auch an sprunghafte Steigerungen erinnern (waren sie bei Ihnen zufällig auch in den Jugendjahren?), wird sich an die schlechte Phase erinnern, als man die Trennung hatte oder auch jene Zeit, als man frisch verliebt war und alles andere in Kopf und Gliedern hatte, nur noch so „nebenbei“ der Pflicht in den Mannschaftskämpfen nachgegangen ist und dabei, aus eigener Sicht „zwangsläufig“ nach und nach 100 Punkte einbüßte, wohingegen man später, mit neu gewonnenen Enthusiasmus heranging und tatsächlich einen Schub beobachten konnte bis zum persönlichen Peak, welchen man sicher, so meint man, dann wieder erreichen könnte, wenn einen Familie und Job nicht so sehr in Anspruch nehmen würden und man vor allem am Wochenende, wo Körper und Geist so dringend die Erholung nötig hätten, auch noch um 7 Uhr aus der Koje müsste, um sich rechtzeitig um 9 Uhr, weit außerhalb, zum Mannschaftskampf am Brett einzufinden, und unter diesen Umständen nun garantiert nicht zu der Höchstleistung fähig ist.
Also: man erkennt einen gewissen Zusammenhang zwischen Befähigungen, Leistungen, Engagement und auch zeitgleich der angegebenen Maßzahl für die Spielstärke. Sie entspricht, hier mehr, dort etwas weniger, den gezeigten Leistungen und, selbst wenn sich eigentlich jeder für besser hält, erkennt man doch an, dass sie so halbwegs stimmt (wehe nur, man gibt sich mal richtig Mühe!).
So soll es sein und möglichst für jeden bleiben. Insofern sind die veränderten Anpassungskoeffizienten erforderlich, da sie ein, selbst wenn nur frei ersonnenes, Abbild der Wirklichkeit darstellen. Also: die Bemerkung: „Es ist nicht gerecht, dass ein Jugendlicher mehr Punkte gewinnt als ein älterer, trotz des gleichen Ergebnisses“ ist schlichtweg falsch, irrig. Die schnellere Anpassung des Jugendlichen wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer besseren Prognose für die nächste Partie führen. Man nimmt seine Spielstärkeentwicklung ein wenig vorweg, aber dies aus gutem Grund. Bei dem Älteren, der doch schon so viele Partie gespielt hat, weiß man doch in etwa, was man von ihm zu erwarten hat. Heute Hui, morgen Pfui, das ist schon seit Jahrzehnten so bei ihm. Warum ihm den gleichen Zugewinn bescheren wie dem jüngeren? Er wird die Punkte nur schön brav im nächsten Turnier wieder abführen, da man nämlich mit der schnelleren Anpassung die Realität nicht abgebildet hätte.
Auch das eigens entwickelte, wirklich sehr schlichte, aber dadurch nicht schlechtere, System ist dafür geeignet, nein, noch mehr ist es so ausgelegt.
4) Die einfache Formel
Um nun noch ein bisschen voranzukommen, soll die einfach Formel hier einmal kurz vorgestellt werden: die Zahlen sollen in den Bereich von 0 und 1 abgebildet werden, und damit natürlich viel mehr Verwandtschaft mit dem hergestellt werden, was man tatsächlich erzielt. Man erzielt nämlich Prozente und nicht etwa eine Performance von 1755, die absolut nichts sagt, außer für den, der damit zufällig etwas anfangen kann. Diese Abbildung könnte einmalig erfolgen, als Beispiel könnte man zunächst in etwa den weltweiten Elo-Schnitt nehmen und diesen zur 50%-Marke erklären, nur um einen Einstieg zu haben.
Alle anderen Zahlen werden daran orientiert, gerne kann man dies tun mit der (keineswegs insgesamt schlechten) Elo-Formel. Wie gesagt, dabei handelt es sich um eine einmalige Initialisierung des Systems. Also, wie ein Schachfreund im Kommentar vorrechnete, entsprechen 80 Punkte Differenz in etwa 10 Prozentpunkten Unterschied, so könnte man jede Zahl in das Prozentsystem übersetzen. Wenn also der weltweite Elo-Schnitt derzeit, nehmen wir an, bei 2000 liegt, dann hätte ein Spieler mit Elo 2000 die Spielstärke 50%, jener mit 2080 hätte (in etwa) 60%, derjenige mit 1920 hätte 40% (wobei man auf den später wichtigen, erkennbar nicht linearen Verlauf der Kurve achten sollte).
Zu jedem Zeitpunkt übrigens könnte man, so man denn ein Erfordernis sieht, die Spielstärken wieder auf einen Schnitt von 50% „normieren“. Man nimmt alle gelisteten Spieler zusammen, errechnet also die Summe, dividiert sie durch die Anzahl der Spieler, hätte so einen Wert von 48.3% oder 54.6%, und würde jede Spielstärke mit dem Korrekturwert 50%/48.3% beziehungsweise, im anderen Fall, mit 50%/54.6%, multiplizieren, um im Anschluss bei Aufaddierung und Division wieder bei exakt 50% zu landen, dem Schnitt aller Spieler. Es würde in gewisser Weise der Realität entsprechen, da ja weiterhin nur 50% der Punkte zu vergeben sein werden (es sei denn, dass im Schach auch demnächst die 3-Punkte-Regel eingeführt würde!).
Dies nur für den Fall, dass weiterhin irgendjemand Angst vor einer Inflation hätte. Sie könnte jederzeit eingedämmt, nein, aufgehalten werden, man könnte dies sogar einmal jährlich routinemäßig durchführen. Der Aufschrei der einzelnen Spieler dürfte recht mäßig ausfallen, da jedem einzelnen bewusst sein dürfte, dass er absolut keine Punkte eingebüßt hätte durch den Eingriff (sofern der Schnitt zum Zeitpunkt des Eingriffs bei über 50% lag), sondern dass jeder vertretene Spieler die im Verhältnis exakt analoge Einbuße erfahren hat.
Übrigens gäbe es keinerlei Probleme mit dem System, an keiner Stelle, sofern man diese Normierung nicht, niemals, vornehmen würde. Eine „Inflation“ entstünde bestenfalls in dem Sinne, dass sich alle allmählich näher an 100% heranarbeiten (also der Schnitt, aufgrund der oben erklärten „Jugendlichenregelung“, sich langsam nach oben bewegen würde). Dies könnte jedoch tatsächlich, wie ebenfalls oben erklärt, ein Abbild der Wirklichkeit sei. Denn: von Generation zu Generation werden die Spieler wirklich besser. Es gibt mehr Wissen und es ist leichter zugänglich. Es kann nicht anders sein als in anderen Sportarten, selbst wenn der Weitsprungweltrekord in den letzten 40 Jahren nur einmal verbessert wurde (da allerdings von ZWEI Springern)...
So, nun wirklich die ganz schlichte Formel, zunächst intuitiv hergeleitet: wenn ein Spieler eine Spielstärke von 80% hätte, dann bedeutete dies, dass er 80% seiner Partien gewinnt und 20% verliert (Remisen bitte vergessen, es ist eine verbale Erklärung; man könnte hier auch sagen, dass er 80% erzielt und 20% abgibt, egal, wie viele Partie gewonnen oder verloren). Also ist sein Verhältnis eines von 80 geteilt durch 20. 80 macht er, 20 gibt er her, 80 geteilt durch 20 ist gleich 4.
Wenn sein Gegner nur 60% Spielstärke hat, dann hat dieser analog ein Spielstärkeverhältnis von 60 zu 40, also 60 geteilt durch 40, dies ist gleich 1.5. Es spielt also der Spieler mit einem Verhältnis von 4 gegen einen Spieler mit dem Verhältnis von 1.5. Für die Partie ergibt dies (noch unabhängig von dem später möglichen Schwarz-Weiß Korrekturfaktor) ein Verhältnis von 4 geteilt durch 1.5 zugunsten des Besseren. 4 geteilt durch 1.5 ist gleich 2.667.
In diesem Verhältnis nun, so erzählte uns die Erwartung, müssten sie sich die zu vergebenden 100% aufteilen. Der Bessere bekommt 2.667 Mal so viel von 100% als der Schwächere. Damit man auf diese Zahl kommt, muss man 100% durch 2.6667 + 1 teilen. Genau dann teilen sich diese beiden Werte so auf, dass beide Bedingungen erfüllt sind (wie man hoffentlich einfach erkennt). Der Schwächere erhält dadurch 100 geteilt durch 3.667.
Dies wären 27.27%, der Favorit hätte die verbliebenen 73.73%. Wenn man nun, nur zur Probe, 72.73 durch 27.27 teilt dann erhält man, oh Wunder der Mathematik, genau 2.667, das Verhältnis ihrer Spielstärken.
Eine Überprüfung der Formel ist wohl nicht weiter erforderlich, man könnte sich höchstens fragen, warum man so (scheinbar) kompliziert vorgehen muss. Es liegt daran, dass man eben im Bereich von 0 bis 1 (dort, wo sich Prozente befinden), immer in Verhältnismäßigkeiten rechnen muss. Der vorgestellte Weg ist der einzig richtige zur Berechnung.
So viel nun erstmal für heute, ob man nun wieder für angeregte Diskussionen sorgen kann oder möglicherweise etwas mehr Klarheit hineinbrachte?
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Spielstärke Maßzahlen -- Teil 2


