Der Schach-Geist von Malente (II)
Beliebte Trainingsdomizile
Schon seit dem Erscheinen von Leo Tolstoi und seiner Russischen Schachschule wissen wir, dass vor allem der Trainingsort (= Moskau!) ausschlaggebend für den sportlichen Erfolg ist. Auch die Deutsche Fußball-Nationalmannschaft kennt dieses Phänomen - sie trainierte 1974 und 1990 im magischen Malente und gewann dann jeweils im Anschluss die Weltmeisterschaft. Das alles kann kein Zufall sein.
Nun können/ wollen wir Schachspieler nicht alle nach Moskau (oder Malente) umziehen, und außerdem ist es in Moskau auch viel zu kalt - vor allem jetzt, wo der Winter kommt. Doch möglicherweise gibt es Alternativen?
Die Redaktion von Schach-Welt.de, dem Blog für die steigende Wertungszahl, hat aufopferungsvoll in den Trainingsstätten der Welt recherchiert und dabei zwar keine Kosten, aber so manche Mühe gescheut. Die ersten Ergebnisse unserer schonungslosen Analyse stellten wir bereits in Teil 1 dieses Artikels vor. Es ging dabei um folgende Orte:
a) das Bad
b) das Bett
c) die freie Natur
d) den Frühstückstisch
e) den Turniersaal
Wir setzen unsere Untersuchung heute fort. Möge das Training beginnen - aber wo?
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f) Auf Turnieren, unter den Augen der Meister
Eine Mischung aus Schachturnier und einem Malente-artigen Trainingslager bietet mein Chef Jörg Hickl. Ähnlich wie Kirsan Ilyumshinov reist auch er beständig zum Wohle des Schachsports durch die Welt.
Anders aber als unser geliebter FIDE-Präsident bietet Jörg dabei interessante Trainingsmöglichkeiten für alle an. Trainieren kann man mit Jörg in Verbindung mit formschönen Schachreisen - auf einer Kreuzfahrt, nett im Hotel in kleiner Runde, und sogar auf Lanzarote.
Das alles klingt wirklich sehr schön, und ich würde dafür die Trainingsorte b) Bett und d) Frühstückstisch sofort und ohne zu zögern hinter mir lassen. Doch Jörg sucht sich für seine Reisen und Seminare hartnäckig Termine aus, die nicht zu meinen Bremer Schulferien passen. Was soll man da noch sagen? Gens una sumus?

Um der DWZ zu helfen, darf man auch ruhig mal an schöne Orte reisen
Dennoch: ich wäre sehr neugierig auf den Trainingsort, den GM Jörg im November anbietet. Man fährt hübsch ins hessische Rotenburg an der Fulda und spielt ein fünfrundiges Seminarturnier. Seminarturnier - das klingt nach Arbeit, nach Nachdenken und fast ein bisschen streng. Will man so etwas wirklich in seinem Urlaub?
Der Charme daran ist, dass sich nach jeder Partie die Türen öffnen, und herein kommen nicht nur Jörg Hickl (das hat man vielleicht noch erwartet), sondern auch Robert Hübner (zwei Ausrufezeichen!!) und vielleicht auch Frank Zeller (!). Mit diesen dreien können oder müssen die Teilnehmer dann ihre Partien durchkauen, bekommen Feedback, reden einfach mal drüber und hören, was so diese drei Ausnahmespieler dazu sagen - ohne eine kritische Rückmeldung kommt man als Spieler manchmal einfach nicht weiter.
Das Ganze scheint sehr persönlich zu sein, und es mag dadurch mehr Wirkung haben als so manches interessante Schachbuch. Am Abend gibt es dann noch ein weiteres Training zu diesem oder jenem Thema.
Auch wenn es einige Euro kostet – es ist bestimmt ein Erlebnis. Ich finde die Idee sehr reizend, originell, innovativ. So etwas habe ich vorher noch nicht gehört.
(Es spricht natürlich nicht für Jörg Hickl, dass er auch dieses Turnier in Rotenburg weit außerhalb der Bremer Schulferien gelegt hat. Aber abgesehen davon – eine Sahne-Idee, und Robert Hübner spielt vorher sogar noch einen Blindsimultankampf. So schön kann Training sein!)

Entdeckt Jörg Hickl den Schachgeist von Rotenburg? (Foto: GF Hund, vielen Dank!)
g) In der Kneipe
Eine Trainingsanstrengung in der Kneipe ist immer gut. Entweder sitzt man dort allein mit einem Schachbuch und widmet sich Rubinsteins Turmendspielen, oder man versammelt sich mit Freunden und netten Menschen um ein Brett herum, kann Studien gemeinsam enträtseln und sich über Eröffnungen und vor kurzem gespielte Partien austauschen – sehr angenehm.

Eine 1a-Location für gepflegtes Schachtraining: das Bremer Lagerhaus
Wir wollen hier darauf hinweisen, dass in der Trainingsstätte g) Kneipe allerdings auch manchmal Alkohol oder sogar Rotwein getrunken wird (eine wichtige Gemeinsamkeit mit der Russischen Schachschule). Auch muss man billigend in Kauf nehmen, anders als in a) Bad und WC nicht in völlig konzentrierter Abgeschiedenheit allein in einem Raum zu sitzen. Jedoch – vielleicht ist das sogar umso besser. Wie soll man als Schachspieler sonst andere Menschen kennenlernen?
h) Im Verein!
Im Verein ist es auch sehr gut. Vieles, was bei g) Kneipe gesagt wurde, gilt auch für den guten alten Schachclub.
Vielfach allerdings (und leider auch bei mir) dominiert hier der Wunsch zu blitzen den Wunsch, zusammen zu analysieren. Der schachlichen Kulturpflege und der eigenen Spielstärke hilft das aber nur bedingt weiter. Andererseits : Spielstärke ist nicht alles im Leben (Boris Becker), und ein bisschen daddeln hat auch noch niemandem geschadet.

Schachspielen im Verein - anders als im Internet trifft man hier noch richtige Menschen!
i) Im Zug
Die Deutsche Bahn AG wäre eigentlich der optimale Sponsor für den Deutschen Schachbund. Reist man mit einem Zug zur Schachveranstaltung seines Vertrauens, kann man im Großraumwagen der Deutschen Bahn bei einem Kaffee noch Varianten auffrischen und sich die letzten zehn Prozent Turnierfitness holen, während die Lokomotive dem Reiseziel entgegenschnaubt.
Bei automobilen Selbstanreisern dagegen verfliegen diese wertvollen Vorbereitungsstunden beim Gedanken an Überholmanöver, Baustellen und drohende Staus. Der ADAC scheidet als Hauptsponsor für den DSB daher aus.
Die Vorzüge der Bahn-Anreise belegt auch ein flüchtiger Blick auf die Statistik. Weil Jugendspieler meist weder Auto und noch viel weniger einen Führerschein haben, reisen sie gerne ganz konservativ mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum nächsten Schachturnier.
Vielfach lernen sie so unterwegs im Zug noch die neuesten Varianten der französischen Abtauschvariante und gewinnen durch diese feine Form der Vorbereitung beständig DWZ-Punkte dazu. Nicht zuletzt deshalb (und wegen Spartak Grigorian) ist die niedersächsische Schachjugend im Norden so gefürchtet!
So mancher Schachspieler hat über das Variantenstudium schon das Aussteigen vergessen.
Doch so schön und erfolgversprechend das Training im Zug auch ist – es birgt auch Risiken, die wir nicht verschweigen dürfen. Fährt man zum Beispiel von Norderstedt nach Berlin-Oberschöneweide, kommt der Zug manchmal entweder gar nicht oder deutlich zu spät. Oft auch führen Mitreisende ausdauernde Handytelefonate und am Vierertisch quietscht eine Schar Kinder über einem Spiel – dem erfolgreichen Variantenstudium mag dies alles eher abträglich sein.
Andererseits bieten sich dem aufstrebenden Schachspieler dadurch exzellente Möglichkeiten der Abhärtung gegen hohe Lautstärkepegel im Turniersaal.
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Viele empfinden immer noch das Training im b) Bett am angenehmsten.
Jeder kann sich auf die Suche machen nach dem Schach-Geist von Malente und dem richtigen Ort zum Üben. Ausdauerndes Training mag sogar belohnt werden durch eine bessere Rating. Vor allem sollte Trainieren aber Spaß bringen – durch eine behagliche Atmosphäre, nette Menschen, und reizvolle Gedanken zum Schach.
Wenn dann die Rating immer noch nicht besser werden will, dann haben wir beim Üben zumindest Freude gehabt – und darauf kommt es doch eigentlich an im Leben.
PS: Nur am Rande angemerkt - auch ohne Schach ist es in Malente (und in Moskau) ganz schön!
Aus der Kategorie: Sonstiges
Aufgrund von technischen Problemen ist das hier schon der dritte Versuch, diesen Artikel zu posten. Daumen drücken, dass es funktioniert.
Die Problemlösemeisterschaft in Kobe ist gestern mit zwei Mal Silber für Deutschland (sowohl in der Mannschaft als auch im Einzel durch Arno Zude - herzlichen Glückwunsch) zu Ende gegangen.
Als Kontrapunkt zu den schwierigen Problemen, die dort gelöst werden (oder auch nicht, denn gleich zwei Probleme blieben komplett ungelöst), habe ich eine Aufgabe ausgegraben, bei der wirklich jeder mitmachen kann. Sie stammt aus der Schwalbe aus einer Kategorie, die sich immer am Ende des Heftchens befindet und den Namen "Schachmathematik und Sonstiges" trägt. Dort findet man die sonderbarsten Aufgaben mit Fragen nach Brettgrößen, Flächeninhalten zwischen Drei- und Vierecken, die von Figuren aufgespannt werden, und kürzesten Partien. Ein Klassiker ist beispielsweise: Finde nach dem Zug 1.e4 das kürzeste Matt, in dem als Mattzug ein Springer einen Turm schlägt! Nett auch: Konstruiere eine Pattstellung, bei der die pattgesetzte Partei neun Springer hat und die aus der Partieanfangsstellung erspielbar ist!
Neben den Aufgaben, bei denen man mit Schulmathematik nicht mehr auskommt und anderen, die aus anderen Gründen unheimlich schwierig sind, gibt es auch immer wieder kleine Perlen, die beim Ausknobeln viel Freude bereiten. Dazu gehört auch die folgende des Hamburgers Hauke Reddmann, die ich hier wiedergebe:
Schwarz zieht immer synchron zu Weiß (d.h. er führt den an der Mittellinie gespiegelten Zug aus. Z.B. 1.e4 e5 2.Sc3 Sc6 3.d4 d5 4.exd5 exd4 etc.). Welche grundsätzlich verschiedenen Möglichkeiten gibt es für Weiß, dies Schwarz unmöglich zu machen? Gib jeweils beispielhafte, möglichst kurze Zugfolgen aus der Partieanfangsstellung heraus an!
Eine wirklich hübsche Aufgabe aus dem Bereich "Sonstiges", an der hoffentlich viele Leser gefallen finden. Also auf geht es, bitte nur eine Lösung pro Löser und Tag, damit alle die Chance haben, mitzumachen.
Olympia-Nachlese
Was bisher hier und auch anderswo kaum zur Sprache kam: bei der Olympiade waren insgesamt 156 Teams dabei. Oder waren es 155 1/2? Burundi trat immer nur mit zwei Spielern an, und da Alexis Rwamavubi alle 11 Partien verlor reichte es - trotz der 3.5/11 von Deo Ntagasigumwami - nur zu null Mannschaftspunkten. Übrigens gab es noch mehr Spieler die keine einzige Partie gewinnen konnten, als Ergänzung zum Quiz von Stefan Löffler: welcher (nicht mit mir verwandte) aus diesem Kreis hat die höchste Elo?
Bei Burundi denkt man an einiges aber nicht unbedingt an Schach, gleiches gilt für Uganda und das erste Fragment habe ich dann auch rein zufällig entdeckt. Solche Teams interessieren im Internet vielleicht nur Daaim Shabazz - interessante Seite für einen etwas anderen Blick auf die Olympiade(n) und auch die zwei Jahre dazwischen. Uganda brachte immerhin einen Ratingschnitt von 2181 an die Bretter - schlechter als z.B. der Bezirk Kiel aber besser als unter anderem Guernsey und Jersey (und wenn Texel unabhängig wäre dürfte ich bei der Olympiade mitmachen, aber Uganda wäre ein zu harter Brocken). Nächstes Mal sind sie noch besser denn alle fünf Spieler gewannen Elo dazu. Unser heutiger Held Harold Wanyama, 2005 Chessbase-Autor (Dank an Daaim Shabazz für den Link) war sogar bester der gesamten Olympiade mit einem Elo-Zugewinn von 93 (dreiundneunzig) Punkten dank 7 Punkten aus 10 Partien (+7=0-3). So stand es - Schwarz am Zug - in Runde 8 gegen Jose Daniel Gemy aus Bolivien, ebenfalls unbekannt aber immerhin FM und auf dem Papier fast 200 Punkte mehr wert:
FM Gemy (2345) - Wanyama (2159)

Weiss hat eine Qualität weniger, aber die kann er sich jederzeit zurückholen, oder etwa nicht? Da die Partiefortsetzung nicht komplett forciert ist (schade eigentlich) verrate ich sie am Ende des Berichts.
Dänemark wiederholte das Kunststück aus Khanty-Mansiysk: netto als Team Elopunkte verlieren und doch einen Platz weit oberhalb der Setzliste belegen. Damals (mit Eröffnungscoach Jan Gustafsson) waren sie an 44 gesetzt und wurden 19., diesmal waren sie auf dem Papier 39. und holten den 18. Platz. Das geht wenn man im Schweizer System langsam beginnt und dann aufdreht, beide Male hatten sie den bei weitem schlechtesten Tiebreak aller nach Mannschaftspunkten gleichwertigen Teams. Diesmal musste in der Schlussrunde ein Sieg her gegen die starken Georgier, das gelang unter anderem deswegen:
Sanikidze-Rasmussen

Ich weiss nicht ob Georgien einen Eröffnungscoach hatte - wenn ja dann ging die Vorbereitung hier daneben oder kam nicht aufs Brett. Schwarz spielte gerade das hinterlistige 15.-a6 und die Stellung gab es bereits sechsmal in meiner Datenbank. Wenn ich verrate was bisher gespielt wurde dann verrate ich die Lösung, aber woran scheiterte die Neuerung 16.Lg5 ?
Bei Iturrizaga muss ich an Corus C 2009 denken: In seiner Partie gegen Tiger Hillarp Persson hatte er für die letzten 21 Züge bis zur Zeitkontrolle noch 19 Sekunden (damals noch ohne Inkrement) und verlor nicht auf Zeit, allerdings auf Stellung. Ich verfolgte das live vor Ort, neben mir Peter Doggers mit seiner Videokamera - siehe hier (ab ca. 2:50). Ich weiss nicht wie Iturrizaga sich diesmal seine Bedenkzeit einteilte, aber er spielte an Brett 1 ein sehr gutes Turnier (8/11, +7=2-2, remis gegen van Wely und Nakamura, Sieg u.a. gegen Bologan). Auch gegen den grossen (vielleicht nun etwas geschrumpften) Topalov hielt er in komplizierter Stellung lange mit, vielleicht spielte er auf Gewinn und das wurde ihm zum Verhängnis?
Topalov-Iturrizaga

Hier ist Weiss am 43. Zug. Was wiegt schwerer, die schwarzen Freibauern oder die weissen Figuren und deren Drohungen? Was droht eigentlich?
Wem das bisher immer zu viele Steine waren, für den gibt es noch ein Endspiel:
Mastrovasilis-Godena

Das ist die Stellung nach dem 104. Zug von Weiss. Schwarz hatte sich im 27. Zug einen Bauern geschnappt und im 51. Zug noch einen, aber wegen der ungleichfarbigen Läufer (zunächst lange noch mit Türmen dabei) war die Verwertung nicht ganz trivial. Auch hier ist das "normale" 104.-h3? 105.gxh3 Kxh3 nur remis. Was denn sonst? Shirovs "Fire on Board Part II" könnte bei der Lösung helfen.
Nebenbei hat diese Partie aus dem Schlussrundenmatch Italien-Griechenland auch über Gold und Silber mit entschieden. Wieso das denn? In Runde 2 spielte Russland 3-1 gegen Nummer 21 Griechenland, und Armenien 4-0 gegen Nummer 48 Bangladesh - wie treue und aufmerksame Leser aus meinem ersten Olympia-Beitrag wissen war Aronians voller Punkt etwas glücklich (und die anderen Siege waren auch nicht unbedingt souverän). In der alles entscheidenden letzten Runde verlor Griechenland gegen Italien (#22), und Bangladesh gewann gegen Bosnien (#50) - wären diese Matches an Tisch 13 und 22 umgekehrt gelaufen, dann wäre Russland Olympiasieger. Ich will nicht behaupten dass Armenien den Titel nicht verdient hätte, aber es war nicht unbedingt hochverdient und Russland hat nicht völlig versagt sondern auch Pech gehabt. Was wäre wenn die Fussball-WM so entschieden würde? Bei Unentschieden nach 90 Minuten nicht etwa Verlängerung (Schnellschach) und notfalls Elfmeterschiessen (Blitzschach), stattdessen wird die Mannschaft Weltmeister die gegen den schwächsten Vorrundengegner höher gewonnen hat!
Und hier noch die Auflösung zu Gemy-Wanyama. Es stand ja so:

Hier folgte 26.-Te2! 27.Lxf7 Txf2+ 28.Kh3?! Tee2 29.Th1? Hier verpasst Weiss die Möglichkeit Material zurückzugeben um ein schlechtes (aber nicht unbedingt verlorenes) Endspiel zu erreichen: 29.Lxh6+ Kxh6 30.Dxe2 Txe2. Wenn er das vorhatte stünde der König wohl besser auf h1. 29.-Kxf7 30.Da4 g5 Hat Weiss vielleicht übersehen dass 31.g4 mit 31.-Tf3 (Schach! Matt!) beantwortet wird? 31.Dxa7+ Kg6 32.Dxb6+ Lf6 und hier setzen wir noch ein Diagramm:

Der Vollständigkeit halber: Weiss versuchte noch 33.Dxf6+ Kxf6 34.Lc3+ Kg6 und jetzt 0-1
Der Schach-Geist von Malente (I)
Beliebte Trainingsdomizile
Wo trainieren Schachspieler eigentlich für ihren geliebten Sport?
Laien denken bei so einer Frage gerne an den großen Eichentisch neben der alten Stehlampe, an dem sich die lichtscheuen Kampfdenker im Halbdunkel niederlassen. Die Vorhänge sind zugezogen, das Brett sorgsam aufgestellt und daneben ein Schachbuch und ein Krug mit Kaffee. Vielleicht glüht irgendwo noch eine Zigarette.
Tatsächlich war es auch so, in meiner Jugend – alle Welt übte neben solchen Stehlampen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Stehlampen und (seit dem 1.September) Glühbirnen sind nicht mehr en vogue, und so müssen Deutschlands Schachspieler weiterziehen und sich nach neuen Trainingsorten umsehen.
So sah es aus, damals, als es noch keine Computer gab
Die Bedeutung des Ortes für den turnierschachlichen Erfolg ist schon seit Jahrhunderten bekannt. Bereits im berühmten Caesar-Zitat „Alleea schachtam est“ – „Ich übte Schach in der Allee“ schlug es sich nieder.
Vladimir Kramnik brachte sich für sein WM-Match gegen den Chef Kasparov in einem kleinen Ort an der Nordseeküste in Stimmung, und auch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft wurde vor allem immer dann Weltmeister, wenn der DFB charismatische Orte für das abschließende Trainingslager aussuchte – der legendäre Geist von Malente lässt herzlich grüßen, denn im Anschluss an die Aufenthalte im schönen Schleswig-Holstein wurde Deutschland zweimal Weltmeister (1974, 1990, hurra!).

Sepp Maier, die Katze: erst Training in Malente, dann Weltmeister 1974! Foto: R. Engelhardt
Nehmen wir also unser Schachbuch (Laptop ist zu umständlich, und auch Brett und Figuren lassen wir zu Hause) und machen eine kleine Trainings-Standortanalyse.
Wir fragen: wo geht´s hin mit dem Schachbuch, und wo lässt es sich trefflich üben? Zur Auswahl stehen:
a) Das Badezimmer
b) Das Bett
c) Am Strand, im Wald und auf der Wiese
d) Beim Frühstück
e) Auf Turnieren
f) Auf Turnieren, unter den Augen der Meister
g) In der Kneipe
h) Im Verein
i) Im Zug
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a) Das Badezimmer: In Bad und WC ist Training ok

Gemeinhin bieten Bad und Toilette die Ruhe und den Frieden, den Schachspieler brauchen, um ihrem Hobby intensiv nachgehen zu können. Es gibt einen Sitzplatz, und man kann sich in diese Oase ungestört für ein paar Minuten zurückziehen aus den Stürmen des Alltags. Die Tür ist zu, verschlossen gar, und nichts (auch keine Katze) lenkt mehr ab. Her mit dem Buch, und schon kann es losgehen mit dem Lösen von Kombinationen.
Ich kenne Spieler, bei denen stapeln sich die Schachmagazine neben der Toilette. Im Prinzip bieten sich dadurch ungeahnte Möglichkeiten für eine ansprechende Tagesgestaltung.
Von Homer wissen wir, dass schon die alten Griechen diese Lokalität für ihr tägliches Taktiktraining nutzten – immerhin boten Toiletten gerade auch im schon damals strengen griechischen Sommer oft angenehme Kühlung.
Leider werden Toiletten in Verbindung mit Smartphones mittlerweile auch als Trainingsdomizil während der laufenden Partie genutzt. Auf Deutschen Meisterschaften führt so etwas gerne mal zum Partieverlust und immerhin zwei Jahren Sperre. Doch eigentlich ist das gar nicht die Schuld der Toilette.
b) Im Bett

Das Bett ist ein sehr guter Trainingsort. Kurz vor dem Einschlafen, das Tagwerk ist getan, nun lässt es sich gut üben! Wenn sich dann noch die Kopfkissen hübsch zusammenknuddeln lassen, kann es schon losgehen mit der Abtauschvariante in der Französischen Verteidigung.
Auch das Unterbewusstsein wird dabei gleich mit einbezogen. Was man kurz vor dem Einschlafen lernt, wird nachts im Kopf noch weiterverarbeitet, so dass man am nächsten Morgen schachlich gestählt in den Tag startet.
Ein Problem allerdings bleibt: manchmal steht zusammen mit dem Bett auch ein Fernseher im Raum, oder man schläft nicht alleine im Zimmer. Wenn dann plötzlich jemand den Fernseher an- oder die Stehlampe ausstellt, tun sich schon gleich wieder die ersten Hindernisse für eine erfolgreiche Schachkarriere auf. Aber was soll man tun – es gibt einfach Kräfte, die sind stärker als wir.
c) Am Strand, im Wald und auf der Wiese
Immer gut!
(Im schönen norddeutschen Sommer sollte man unter freiem Himmel allerdings immer heranziehende Regenwolken und Kaltluftfronten im Auge behalten.)

Hier lässt es sich gut üben. Oder doch ein bisschen schlafen?
d) Beim Frühstück
Ein effektives Schachtraining wird mit ungarischer Salami gleich noch viel effektiver. Eine Hand frei für das Buch, dann Brötchen geschmiert, Honig, Salami, und Kaffee bereitstellen. So ein Mini-Trainingslager lässt sich leicht auch auf den Rest des Tages ausdehnen, denn für das körperliche Wohl ist ja gesorgt.
Warnhinweis: wenn Essen auf dem Tisch steht, soll man immer gerne zumindest ein Auge auf die Katze haben – falls man eine hat. Das mindert allerdings die Konzentration und damit leider auch den Trainingseffekt. Das Leben ist kompliziert.
e) Auf Turnieren
Wir können üben und üben und üben – doch bringt es auch wirklich etwas? Oder verhindern wir bestenfalls, dass wir immer nur noch schlechter werden? Eine unangenehme Vorstellung.
Die einzige Möglichkeit, um das zu überprüfen, ist die gespielte Partie.
Wenn man schon seit einiger Zeit Eröffnungen in a) Bad und WC, hübsche Mittelspieltricks in g) der Kneipe und klassische Turmendspiele am d) Frühstückstisch geübt hat, ist es wichtig, das alles nun endlich auch anzuwenden – denn was sollte sonst der Sinn gewesen sein? Ebenso oft wie wir üben, sollen wir spielen, und danach analysieren. Nur dann sehen wir, was uns noch fehlt, und woran wir weiter üben können.
Auf also zum nächsten Turnier – siebenrundig, neunrundig, Schnellturnier, Blitz, fast egal.
Oder man spielt lange Partien in Bayerisch Eisenstein, und trifft dort vielleicht sogar Großmeister Michael Hoffmann und den Schachtherapeuten aus der Pfalz.
Trainieren kann man eigentlich überall, und es mag ja auch eines Tages mal wieder besser werden mit unserem Schach. Doch sicher ist das nicht.
(Teil II mit weiteren wichtigen Informationen folgt demnächst. Bleiben Sie dran!)
Meine Olympia-Bilanz
Ich beschränke mich (weitgehend) auf das bzw. die deutsche(n) Team(s) - sonst wird der Bericht erst fertig wenn alle die Olympiade bereits vergessen haben. Vor dem Turnier (aber nach der EM) waren die Erwartungen einerseits recht hoch. Aber damals in Porto Carras hat eben alles gepasst: die eigene Form, die (schlechte) Form einiger Konkurrenten und auch der Überraschungseffekt - diesmal hat wohl niemand Deutschland unterschätzt. Im Fussball wurden Dänemark und Griechenland auch nur einmal Europameister. Andererseits herrschte im Tippspiel auch einige Skepsis: von Platz 1 bis 42 hatten unsere Experten alles prognostiziert - na gut, nicht alles, soviele Experten haben nicht mitgemacht.
Die nackte Plazierung ist beschränkt aussagekräftig, da zählen ja zunächst die Mannschaftspunkte und dann der Tiebreak, letzterer ist ein bisschen Lotterie. Im Schweizer System kann man aber auf verschiedenen Wegen dieselbe Punktzahl erreichen, sekundär ist gegen wen (und damit auch wann) man gepunktet hat. Am Ende lagen mit den Niederlanden, Vietnam und Rumänien gleich drei Teams vor Deutschland die kaum oder (Vietnam) gar nicht gegen Spitzenteams spielten. Wenn man sich die Ergebnisse der deutschen Männer anschaut:
- Mit Niederlagen gegen Armenien und Russland musste man rechnen (auch wenn die erste knapp und vielleicht vermeidbar war).
- Mit den Ergebnissen gegen Aserbaidschan (obwohl Rückschritt gegenüber Porto Carras), USA und Ungarn kann man sehr zufrieden sein.
- Negativ nur das Unentschieden gegen Montenegro (in Porto Carras noch ohne Chancen), aber wie sagt ein Vereinskollege: you can't win them all! Schönen Gruss an Jaap falls er das liest.
- Ansonsten kann man vielleicht noch meckern dass die Siege gegen etwas schwächere Gegner meistens knapp ausfielen (Ausnahme Iran). Aber erstens können die auch Schach spielen, zweitens kann man vielleicht nicht auf Knopfdruck umschalten von solide und schwer zu schlagen bei starken Gegnern zu volle Offensive gegen schwächere - da war Moldawien die Ausnahme.
Gesamturteil: acht von zehn möglichen Punkten.
Einzelkritik hatte ich bereits geliefert und will das nur ein klein bisschen ergänzen: Naiditschs 0.5/4 gegen Radjabov, Nakamura, Aronian und Kramnik zeigen dass zur absoluten Weltspitze meistens doch noch einiges fehlt - obwohl oder gerade weil er gegen Aronian "eigentlich" remis halten konnte? Das ist Tatsache und keine Kritik - irgendjemand muss eben an Brett 1 spielen, und wer sonst? Khenkin hat vielleicht doch ein oder zweimal zu oft zu früh remis gemacht - aber wie gross waren seine Gewinnchancen gegen einen insgesamt gut aufgelegten Grischuk, verglichen mit den Verlustchancen? Auf jeden Fall hat er ein Eloplus, und sein Sieg gegen Moldawien war wichtig. Meier ist inzwischen weltbekannt - kann passieren. Und Fridman holte am Ende doch keinen Brettpreis, zumindest nicht den ersten, er (wie das gesamte Team) hatte Pech dass sie am Ende noch Russland bekamen.
Wie anfangs bereits angedeutet ist es leicht vermessen Deutschland mit Armenien, Russland und Ukraine zu vergleichen - EM hin, EM her. Schauen wir stattdessen was die Teams machten die in der Setzliste knapp(er) vor Deutschland lagen:
Frankreich - die Nummer 8 landete auf dem 23. Platz. Gut gestartet, die Niederlage gegen Ukraine war OK, die Verluste gegen Kroatien und Rumänien schmerzhaft. An Vachier-Lagrave lag es nicht, an Tkachiev - der sich am Ende Fridmans Brettpreis schnappte - auch nicht. Die anderen drei schwächelten, Christian Bauer vielleicht aus plausiblem und sehr traurigem Grund.
Niederlande - Nummer 9 auf Platz 6, das einzige Team in meiner Liste das höher als erwartet endete. Aber was für ein Turnier und nicht nur weil Kevin Anish anfangs alleine zu Hause blieb. Giris Pass lag noch in der britischen Botschaft - als Russe (der er ausser im Schach noch ist) braucht er ein Visum für das Grand Prix Turnier in London. Jemand hatte sich nach Kasimdzhanov erkundet: gut möglich dass er (als Usbeke der meines Wissens in Deutschland lebt) dasselbe Problem hatte. Beide spielten erst ab Runde 5, wobei Usbekistan auch ohne das Spitzenbrett recht erfolgreich war. Die Niederlande dagegen: vier Brettpunkte gegen Malaysia und Venezuela - wie man es dreht, wendet und verteilt, das sind zwei Mannschaftspunkte zu wenig. Georgien war auch zu stark, und dann kamen erstmal einige Aufbaugegner: Sri Lanka, Monaco, Belgien, da und im weiteren Turnier gaben sie sich kaum eine Blösse - mal abgesehen davon dass Giri gegen den Ur-Monegassen Igor Efimov vorübergehend auf Verlust stand. Die Elobilanz war neutral für Giri, positiv für Smeets (dank fünf Siegen hintereinander) und etwas negativ für die anderen.
Bulgarien - Nummer 10 wurde 20. dank eines 4-0 gegen Venezuela in der letzten Runde. Davor haben sie nicht nur gegen gleichwertige Gegner verloren (Frankreich, England) sondern auch gegen die Philippinen und Usbekistan (Topalov in 23 Zügen gegen Kasimdzhanov). Tja ... [Olaf Steffens hätte vielleicht einen passenden Spruch auf Bulgarisch]. Wobei die Philippinen mit Jungstar Wesley So und Oldie Torre (seine 21. Olympiade, damit hat er Portisch überholt) auch einigen anderen Favoriten das Leben schwer machten.
England - nicht 11. sondern 17. . Sie spielten eine recht ordentliche Olympiade ohne Asien, verloren aber hintereinander gegen (schon wieder) die Philippinen und Vietnam. Dann war Uruguay chancenlos gegen sie, und immerhin stimmte die Schlussrunde gegen Tschechien.
Israel - an 12 gesetzt aber 2008 holten sie Silber und 2010 Bronze - beide Male dank eines starken Finish und überragender Leistungen von Gelfand (2008) bzw. Sutovsky (2010). Diesmal spielten beide im Rahmen der Erwartungen, jeder auf seine Weise (Gelfand +1=7, Sutovsky +5=1-3). Da Rodshtein und Avrukh enttäuschten reichte es nur für Platz 26.
Indien - auch ohne ihren stärksten Spieler 13. der Setzliste, raus kam Platz 35. Bis nach der 10. Runde ungeschlagen aber ab der 4. Runde sieglos - jawohl, sieben mal 2-2 wenn auch gegen recht starke Gegner. Wenn es dann in der Schlussrunde klappt ist alles einigermassen gut, aber da haben sie gegen Aserbaidschan (ohne Radjabov) verloren.
Schauen wir noch hinter Deutschland: die an 15 und 16 gesetzten Kubaner und Polen umarmten das deutsche Team am Ende, d.h. sie landeten nach Tiebreak-Wertung knapp vor bzw. hinter ihnen. Kuba spielte Schweizer Gambit (nach 4 Runden nur 4 Punkte), tat aber gegen relativ schwache Gegner viel fürs Brettpunktkonto. Polen spielte ein ähnliches Turnier wie die Deutschen, nur schwächer gegen starke und brettpunkt-effizienter gegen leichtere Gegner. Nummer 17 Tschechien und Nummer 18 Spanien (nun ohne Shirov) landeten nach Niederlagen in der letzten Runde auf dem 34. und 37. Platz.
Die deutschen Damen will ich nicht ganz ignorieren, fasse mich aber kürzer. Wie die Männer hatten sie eine Reihe schwerer Gegner, zwischendurch beschwerten oder wunderten sie sich über die Auslosung: viermal hintereinander der stärkste mögliche Gegner und zwar Georgien (2-2, da war viel mehr drin), China (1-3, ging in Ordnung), Kuba (3.5-0.5, in der Höhe überraschend) und Indien (1-3, wiederum OK). Am Ende Spanien das man/frau erstmal schlagen muss (3-1) und die Ukraine die wegen eigener Medaillenchancen mit 3.5-0.5 gnadenlos zuschlugen. Am Ende Platz 11 für das an 9 gesetzte Team. Grösster Nutzniesser des Schweizer Systems war übrigens Rumänien (wie war das nochmal bei den Herren?).
Zugzwänge
Letzten Monat erstaunte sich einer unserer treuen Löser über gegenseitigen Zugzwang in einer dafür eigentlich eher unverdächtigen Stellung. Der Gag war allerdings der dritte Zug 3.Tf2+!! (der Turm betritt das dreifach angegriffene Feld), der zwar notiert, aber ansonsten nicht weiter kommentiert worden ist. Warum dieser Zug gewinnt und warum es gerade der sein muss, kann ich jedem Leser empfehlen nachzuspielen.
Gegenseitigen Zugzwang (zu englisch übrigens mutual zugzwang) findet man in vielen Studien, so richtig zur Wirkung kommt er dann, wenn bei einer glaubhaften Verführung plötzlich die falsche Partei am Zug ist. Und da sind wir dann bei einem weiteren Stück aus dem Geburtstagsturnier von Harold van der Heijden, das sehr konsumentenfreundlich (sprich: mit wenig Nebenvarianten) daher kommt, aber leider nur im Bereich der Lobe zu finden war (Preisberichte im Problemschach kennen Preise als höchste Auszeichnung, gefolgt von ehrenden Erwähnungen und Loben). Wahrscheinlich war das Stück dem Preisrichter vom Tiefgang her nicht genug. Im Umkehrschluss heißt das natürlich lediglich, dass es nicht so unheimlich schwer ist wie so manch andere Studie.

In diesem hübschen Stück von Golubev schafft es Weiß, seine starken Bauern und seine Aktivität zur Geltung zu bringen und einen ganzen Punkt einzufahren. Das Motiv ist ja bereits oben genannt, insofern wünsche ich den Lösern viel Glück und freue mich auf Kommentare.
Olympiade-Statistik - Die Antworten
Das waren die Fragen. Hier sind die Antworten:
1. China spielte mit 30 Elopunkten Gewinn unter den Top-Ten-gesetzten Herrenteams am meisten über Erwartung und schlug als einziges Sieger Armenien.
2. Bulgarien war mit 46 Elopunkten Verlust der Flop des Turniers. Auch Ungarn und Frankreich enttäuschten, aber in deutlich geringerem Ausmaß.
3. Jan Gustafssons Eloleistung hätte locker für einen Brettpreis gereicht, er hatte aber nur sieben Einsätze und damit einen zu wenig.
4. Oliver Christian Müller, der für die Auswahl des Internationalen Sehbehindertenschachverbands antrat, schaffte eine IM-Norm. Glückwunsch!
5. Das favorisierte russische Team (Elobilanz minus 4) kam auf 28,5:15,5 Brettpunkte. Nur 16 gewonnene Partien von 44 ist für Gold zu wenig. Gleich zehn Teams schafften 29 bis 30,5 Brettpunkte.
6. Vietnam verlor als einziges Herrenteam neben Russland nur drei von 44 Partien.
7. Vietnam wurde Siebter, ohne gegen ein Top-Ten-gesetztes oder -platziertes Team antreten zu müssen. Kuba, das Elfter wurde, sammelte von allen Teams die meisten Brettpunkte, nämlich 30,5, musste aber ebenfalls gegen kein einziges unter den ersten zehn platziertes Team antreten.
8. Österreich blieb mit 36 abgegebenen Elopunkten deutlich unter den Erwartungen. Markus Ragger erwischte sein schlechtestes Turnier seit langem.
9. Chinas Nummer drei Ding Liren, 19, und Vietnams Spitzenspieler Le Quang, 21, überschreiten dank der Schacholympiade erstmals die 2700.
10. Nigel Short, 47, is back und der älteste Spieler in den Top 50, die genau bei 2700 anfangen. Auch Judit Polgar, Wladimir Akopjan, David Navara und Paco Vallejo sind wieder im Club.
...
13. (Zusatzfrage von Holger Hebbinghaus in den Kommentaren) Im letzten laufenden Kampf der Olympiade Sudan-Botsuana dauerte die kürzeste Partie 92 Züge.
Postolympisches Quiz
1. Welches Top-Ten-gesetzte Herrenteam hat bei der Schacholympiade am meisten Elopunkte zugelegt?
2. Welches Top-Ten-gesetzte Herrenteam hat am meisten Elopunkte verloren?
3. Welcher deutsche Spieler verpasste am knappsten einen Brettpreis?
4. Welcher Spieler aus Deutschland erspielte sich in Istanbul eine Titelnorm?
5. Wie viele Herrenteams haben mehr Brettpunkte als Elofavorit Rusland geholt?
6. Welches Herrenteam außer Russland hat auch nur drei (von 44) Partien verloren?
7. Welches am Ende unter den ersten zehn platzierte Herrenteam musste gegen kein anderes unter den ersten zehn platziertes Team antreten?
8. Welches mitteleuropäische Land hat am enttäuschendsten (gemeint ist Eloverlust) abgeschnitten?
9. Welche zwei Spieler überschreiten dank der Schacholympiade erstmals die 2700?
10. Wer ist dank seines guten Olympiaderesultats der älteste Spieler über 2700?
Kommentierte Auflösungen hier am Dienstag abend. Weitere Fragevorschläge bitte als Kommentare.
Dünya satranç Olimpiyati!
Das war´s in Istanbul. Die Bretter sind verpackt, die Figuren eingeräumt, und auch die Kaffeemaschine ist schon wieder abgestellt. Heute abend noch die große Abschlussfeier im WOW Convention Center, und ab morgen zerstreuen sich über tausend SpielerInnen aus aller Herren/Damen Länder wieder über die weite Welt. Gut, dass die Lufthansa wieder fliegt!
Die deutschen Teams bekamen es am letzten Tag mit weit vorn gesetzten Gegnern zu tun. So kämpften die Damen wacker gegen die Ukraine, verloren aber letztlich und beendeten das Turnier auf dem geteilten 7.Platz. Gold sicherte sich hier die Damenklasse der Russischen Schachschule.
Team Germany (Herren) entsann sich der früheren (ost-)deutsch-russischen Freundschaft und beließ den Russen mit einer 1:3 Niederlage alle Chancen auf den langersehnten Olympiatitel. Auch die Ukraine half dem ehemaligen russischen Brudervolk durch ein 3:1 gegen die bis dahin führenden Chinesen.
Zeitgleich jedoch schaffte es die frühere sowjetische Teilrepublik Armenien, die ungarische Mannschaft mit 2,5:1,5 zu Boden zu ringen und so mit einem halben Brettpunkt Vorsprung die Goldmedaille zu gewinnen. Pech für Russland, schön für Armenien! Unsere Jungs sicherten sich Platz 12 und waren an 14 gesetzt - das ist doch eigentlich ganz gut gelaufen. Doch wer weiß - vielleicht wäre alles noch ganz anders gekommen, wenn Frank Hoppe und ich dabei gewesen wären.
(Damit können wir gleich elegant zur Auflösung unseres spannenden Tippspiels überleiten. Es gab einen Teilnehmer, der genau diesen 12.Platz für das deutsche Team vorhergesagt hat ... die älteren, erfahreneren und abgebrühteren unter unseren Lesern werden ahnen, dass das nur einer gewesen sein kann.
Und tatsächlich: der sensationelle HOLGER HEBBINGHAUS hat auch dieses Tippspiel mit sicherer Hand für sich entschieden! Herzlichen Glückwunsch, das Buch von Robert Hübner geht Dir demnächst zu! (Die Auslosung der zwei weiteren sehenswerten Preise vollziehen wir in den nächsten Tagen.))

Auch bei diesem Tippspiel ist Holger Hebbinghaus volles Risiko gegangen - und wieder hat es sich gelohnt!
Drei weitere Mannschaften mit deutscher (und Bremer!) Beteiligung sollen hier nicht unerwähnt bleiben:
- - Die Équipe der Braille Chess Association (IBCA, für sehbehinderte und blinde Spieler) gewann mit 3:1 satt gegen Team Tunesia. Dadurch erreichte die Mannschaft mit 13 Punkten einen atemberaubenden 44. Platz – gesetzt war sie auf 87. Mit Oliver Müller ist in der IBCA-Auswahl auch ein Bremer Spieler dabei (SV Werder). Er holte gegen eine exzellente Gegnerschaft beeindruckende 6 von möglichen 9 Punkten.
- - Der ICSC (International Committee of Silent Chess) schickte ebenfalls eine erfolgreiche Auswahl ins olympische Rennen – sie wurde 77. und bestätigte damit ihren Setzlistenplatz. Sergey Salov vom Lübecker Schachverein war für uns mit dabei.
- - Nicht ganz so erfolgreich, aber dem Geist von Olympia entsprechend auf alle Fälle mit dabei war die Damenmannschaft des ICSC (an 56 gesetzt, an 85 gelandet, aber auch das ist ja ein honoriges Ergebnis.). Hier nahm mit Annegret Mucha die Juniorenweltmeisterin von 2008 aus Jena teil und behauptete sich erfolgreich am zweiten Brett.
Wie ist es nun, nach der Olympiade? Nach elf aufregenden Runden und zwei eingestreuten Ruhetagen können wir nun endlich wieder ruhig schlafen und müssen uns keine Sorgen mehr machen über die schwierigen Gegner des nächsten Tages.
So wie nach einer Fußball-Weltmeisterschaft fordert ein Schachturnier in dieser Dimension eine Menge Energien bei Spielern und auch bei Zuschauern – man denke nur
- an Melanie Ohme, die jeden Tag gebloggt hat,
- an die vielen Spieler, die sich elf Vormittage lang um die Lücken in ihrem Eröffnungsrepertoire sorgen mussten
- an unsere Katze, die bei der Live-Übertragung immer auf der Tastatur lag und
- an Frank Hoppe vom DSB, der trotz seiner Nicht-Nominierung für das deutsche Team ehrenvoll und unermüdlich Ergebnisse und die lesenswerten Berichte von Jens-Uwe Maiwald auf der Schachbund-Seite eingepflegt hat.
Alles in allem ein großes Spektakel, und (wenn man sich für Schach interessiert) ein wundervolles Ereignis.
Ich finde, die deutschen Mannschaften haben es super gemacht, bei den Damen und bei den Herren. Vielleicht ist ein anderes Mal wieder mehr drin, aber das muss ja auch nicht sein. Man kann nicht immer Erster werden.
Auch so war es toll zuzusehen bei den Runden, denn die Live-Übertragung auf der Turnierseite war super. Trotz des guten Wetters hat es mich manchmal länger am Laptop gehalten als geplant. Danke darum, an Trainer und Teams, für die spannende Unterhaltung!
Post-Olympische Leserfrage: Noch immer sind uns die Schachwelt-Leser eine seriöse Antwort schuldig. Wieso findet die Schacholympiade um Himmels willen alle zwei Jahre statt, und nicht im Abstand von vier Jahren? (Dank an Holger Hebbinghaus für einen ersten Erklärungsansatz!)
Angst essen Seele auf
Klar, wenn im Match gegen Armenien nicht nur Daniel Fridman seinen Vorteil verwertet sondern auch Georg Meier nicht die Dame eingestellt (Video) und Arkadi Naiditsch seine Remisstellung gegen Aronjan gehalten hätte, wäre auch Igor Chenkin für sein in diesem Fall mannschaftsdienliches Remisgebot auf die Schulter geklopft worden. Aber wie es lief, nämlich 1,5:2,5 und statt geteilter Tabellenführung tschüss Medaille, stellen sich für mich, der nicht live dabei war, einige Fragen an diejenigen, die mehr mitbekommen haben: War Meier, als Chenkin remis bot, aus dem Gröbsten raus? Wie schwer war Movsesians Zeitnot? War Chenkins Stellung zwar vorteilhaft (Computer zeigt fast +1), aber für ihn viel schwerer zu spielen als für seinen Gegner? Hatte Teamchef Uwe Bönsch sein Remisgebot gutgeheißen? Warum ist es kein anderer im Team, der sich durch ein, wie es aussieht, Angstremis in die Diskussion bringt?
Okay, kann man alles nach dem Sonntag besprechen. Zwei Siege reichen immer noch für Platz vier oder fünf. Haut rein!


