In Istanbul wird auch Schach gespielt
... was man bei all den Skandalen kaum vermuten würde. Werfen wir erst einen kurzen Blick auf die bisherigen deutschen Ergebnisse: die Herren besiegten erst Neuseeland 3.5-0.5 (schade dass Khenkin ein Dauerschach zuliess, es war aber keinesfalls ein fades Remis) und hatten bereits in Runde 2 mit Georgien einen potentiell unangenehmen Gegner. Auch diese Aufgabe lösten sie, drei Remis und Matchwinner Naiditsch. Wie es die Auslosung so will kam dann mit Iran wieder ein leichterer Gegner der mit 4-0 nach Hause bzw. ins Hotel geschickt wurde.
Die Damen gewannen ihre ersten beiden Matches gegen IBCA und Bosnien und durften bzw. mussten dann auch gegen Georgien antreten. Sie dachten sich "was die Herren können das können wir besser!" und gewannen 3.5-0.5 . Nee leider nicht - zwischenzeitlich sah es danach aus, das hätte man sicher mit dem 3.5-0.5 der Herren gegen Ukraine bei der EM vergleichen können. Endergebnis war 2-2 - womit vielleicht beide Teams (un)zufrieden sind. Wie dem auch sei, in Runde 4 wartet Topfavorit China und die Herren dürfen mal wieder gegen Aserbaidschan ran - Daumen drücken und danach zeigt sich vielleicht schon wohin die Reise am Ende gehen könnte.
Dann noch ein kleines Potpourri von Stellungen. Diesmal müsst Ihr manchmal mehr als einen Zug sehen (aber keine sechzehn), und nicht immer kam das auch aufs Brett.
Mandiza - Fressinet (Tip von Europe Echecs)

Am Ende hat Fressinet (wie auch seine Kollegen) gegen den Spieler aus Zimbabwe gewonnen - trotzdem schade dass er hier DEN Zug schlechthin nicht gesehen hat.
Zambrana - Movsesian

Bolivien hat genau einen Grossmeister der hier vielleicht die Partie seines Lebens spielte. Das Mittelspiel war auch interessant, aber wir beschränken uns darauf wie er sich hier Movsesians Skalp sicherte. Live-Kommentator GM Miroshnichenko hat es übrigens nicht gesehen.
In derselben Auftaktrunde hatte Wang Yue seine liebe Mühe mit Stanley Chumfwa aus Zambia, verlor aber am Ende nur einen halben Punkt.
Wang Hao - Caruana

Besser machte es eine Runde später der andere Wang; im ersten Duell zweier 2700er gewann er mit ähnlichen Motiven wie davor Zambrana.
Aronian - Rahman

Der elostärkste Spieler des ganzen Turniers (Carlsen ist nicht dabei, vielleicht auch ein Skandal?) hatte seine liebe Mühe mit dem GM aus Bangladesh, trotz kreativer Eröffnung (6. h4) und genau 300 Punkten Elovorteil. Gerade hat Schwarz aber mit 34.- De6-c6 einmal zu oft Damentausch angeboten.
Mamedov - Griffiths

Auch das war beinahe ein Favoritensturz, aber nur beinahe: Schwarz am Zug hatte Angst vor dem d-Freibauern und machte mit 57.-Th1+ 58. Kxf2 Td1 59. Se6 Txd7 60. Sf8+ Kg7 61.Sxd7 Kf7 remis. Gab es einen besseren Zug? Eigentlich eine rhetorische Frage ... .
Und wo bleiben die Deutschen? OK ich hab' noch zwei Stellungen:
Pantsulaia - Fridman

Gewinnen kann Schwarz das nicht, aber wie hält er remis?
Melamed - Dimitrijevic

Zuletzt geschah 43. Ta7-a6 (droht Txg6) Kg7, und jetzt?
Thank you, Mister Yazici!
Suat Atalik ist ein glücklicher Mann. Nie zuvor waren so viele Freunde in seiner Stadt Istanbul. Und er hat alle Zeit für sie, schließlich muss er nicht jeden Tags ans Brett, um Schach zu spielen oder sich vorzubereiten. Außerdem hat er mehr Freunde denn je. Das verdankt er Ali Nihat Yazici. Der Präsident des Türkischen Schachverbands hat Atalik nicht nur aus dem Nationalteam geworfen, sondern auch noch in der Türkei gesperrt und dafür gesorgt, dass diese Sperre auch in Griechenland eingehalten wird.
Jewgeni Surow ist auch ein glücklicher Mann. Statt in einer Messehalle am Istanbuler Flughafen herumzuhängen, hat der Chefredakteur der zunehmend an Bedeutung gewinnenden Website Chess-News.Ru gerade alle Zeit der Welt, die schönen Seiten von Istanbul kennenzulernen (aber er findet auch die nähere Umgebung der Schacholympiade einen Fotobericht wert). Auch sein Name hat dieser Tage stark an Bekanntheit gewonnen. Das verdankt er Ali Nihat Yazici. Der Organisationschef der Schacholympiade hat Surow die Akkreditierung verweigert und gleich mitteilen lassen, dass er nicht einmal als Zuschauer zugelassen werde.
Der Deutsche Schachbund muss sein Glück noch abwarten. Nächste Woche könnte die Chance kommen, ohne das Gesicht zu verlieren, die FIDE zu verlassen, wie es sich viele Schachliebhaber angesichts der Eskapaden von FIDE-Präsident Iljumschinow und der im Weltverband grassierenden Korruption wünschen. Wenn es klappt, ist das Ali Nihat Yazici zu verdanken. Der Vizepräsident der FIDE hat an den bevorstehenden FIDE-Kongress den Antrag gestellt, Deutschland auszuschließen.
Ali Nihat Yazici versorgt uns mit neuen Episoden in der Endlos-Seifenoper Gute Schachwelt, böser Weltverband. Dafür auch von mir ein ganz persönliches Dankeschön in der FAZ.
Nadelstiche, die Zweite: Diesmal mit Stricknadel
Nachdem der preisgekrönte 17-Züger letzten Monat vom Leser/Löser nicht die gebührende Aufmerksamkeit bekam, kam ich ins Grübeln und beschloss..., es trotzdem noch einmal mit einem Mehrzüger zu versuchen. Sollte es wieder zum Löserstreik kommen, werde ich mich selbstverständlich beschämt in das Reich der schnöden Kurzzüger zurückziehen.
Immerhin spare ich mir damit die Einleitung zum Stück, denn die kann man im Problem des Vormonats nachlesen. Nur dass es sich diesmal um kein preisgekröntes Werk handelt, statt dessen fiel mir dieser Langzüger des Franzosen Schmitt aus der Schwalbe 2011 dadurch auf, dass ich ihn trotz seiner Länge vom Blatt lösen konnte, ohne ein Brett aufbauen zu müssen. Ich habe es noch einmal um einen Zug verkürzt und damit noch ein bisschen entschärft.

Weiß am Zug, Matt in 16. Eigentlich darf man hier schon gar keinen Tipp mehr geben, denn welche weiße Figur hier nicht richtig mitmacht, dürfte wohl klar sein.
Noch eine kurze Lösungsskizze zum letzten Monat: Weiß überführt einen Springer nach d1, dann droht er Lf5# und provoziert so das schwarze g6. Danach stellt Weiß die Ausgangssituation wieder her und nutzt die Schwächung. Nachvollziehen lohnt!
Hopp auf, Olympia!
Die Figuren sind aufgebaut, der Strom fließt durch die Bretter, und (am Wichtigsten) auch Kaffee steht schon bereit - die Olympischen Schachspiele können beginnen. In Istanbul treffen sich Teams aus über 150 Ländern dieser Welt, um bei den Frauen und Männern über elf Runden die Titel auszuspielen. Nach der gestrigen Eröffnungsfeier im WOW Convention Center wird das Turnier bis in den September hinein dauern – viel Gelegenheit also für fanatische Online-Schlachtenbummler, im Netz die Myriaden von Partien zu verfolgen, die bis zur Siegerehrung gespielt werden.
(WOW Convention Center - das klingt etwas ungewohnt, aber eigentlich ist es ein ganz flotter Name! Zumindest hat es mehr Flair als so mancher Stadionname in der Fußball-Bundesliga. Spielt nicht zum Beispiel die SpVgg Greuther Fürth in der Trolli Arena? Ich glaube, vorher hieß es sogar Playmobil Stadion. Man merkt es sofort - Fußball ist ein Sport für echte Männer.)
Die Board Pairings für die erste olympische Runde (Beginn um 15:00 Ortszeit, also 14 Uhr zwischen Rantrum und Regensburg) werden von der Turnierleitung in ansprechender Form präsentiert.
Bei den Herren bekommt es heute unter anderem die Dominikanische Republik mit der an Eins gesetzten Russischen Schachschule zu tun, die Ukraine trifft auf den Irak, und Team Germany wurde mit Neuseeland zusammengelost. Mal sehen - große Überraschungen sollte es heute noch nicht unbedingt geben. Wenn ein Spieler aus einer der favorisierten Mannschaften patzt, wird die ELO- Übermacht an den übrigen 3 Brettern vermutlich immer noch das erwartete Resultat zustande bringen.

Blick auf die Live-Partien - kurz nach Spielbeginn waren scheinbar noch nicht alle Bretter besetzt
Wie es aussieht, sind nicht alle Länder mit allen Top-Spielern angereist – Weltmeister Anand ist anders als sein Herausforderer Gelfand nicht mit an den Bosporus gekommen. Peter Swidler fehlt, und auch Magnus Carlsen läuft nicht auf. Dennoch sind viele wohlklingende Namen dabei, und wie jedes Mal ist es eine große Feier für das Schach und für (auch wenn es kitschig klingt) die Freundschaft, das Kennenlernen und bessere Verstehen.
Wir freuen uns, dass Deutschland trotz einiger vertraglicher Streitigkeiten noch immer nicht von der FIDE verboten wurde und darum dieses Mal noch teilnehmen kann. Zwölf Spieler aus deutschen Landen gehen an den Start:
Bei den Damen:
Elisabeth Pähtz (sie wohnt ja auch schon in der Türkei)
Marta Michna (mit Norderstedt gerade in die Bundesliga aufgestiegen)
Tatjana Melamed (aus Halle – stets gefährlich)
Melanie Ohme (wird auf ihrem Blog sicher berichten)
Elena Levushkina (WGM aus München)

Live-Videos auf der Turnier-Homepage - hier ein Blick auf das russische Damenteam
Bei den Herren:
Arkadij Naiditsch (war vom DSB zwar gesperrt, wurde aber für die Olympiade zum Glück wieder freigeschaltet)
Igor Khenkin (hat sich mit starken ELO-Wertungen ins Team zurückgekämpft)
Daniel Fridman (amtierender deutscher Meister!)
Georg Meier (was soll man sagen – einfach stark)
Jan Gustafsson (traditionsreicher Hamburger Großmeister und eigentlich unbezwingbar)
Und es gibt noch zwei weitere Deutsche an den Brettern:
Sergey Salov (Internationaler Meister vom traditionsreichen Lübecker SV - er geht für die Weltauswahl des ICSC (International Committee of Silent Chess) in Istanbul an die Bretter)
Oliver Müller (FM vom traditionsreichen SV Werder Bremen, der in der Auswahl des IBCA (Weltverband der Blinden-und Sehbehinderten) spielt – heute sogleich gegen Bulgarien!)

Auch in Istanbul ist es immer der selbe Konflikt - entweder Schachspielen, oder die Sonne genießen!
(Foto: Emese Kazár)
Heute geht es los. Hopp auf, Olympia - genießen wir die Spiele!
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Wichtige Leserfragen:
1) Lieber Schachspielen, oder lieber die Sonne genießen?
2) Es brennt mir ja unter den Nägeln, und ich frage mich, ob die FIDE da nicht wieder irgendetwas falsch verstanden hat. Also: warum findet die Schacholympiade eigentlich alle zwei Jahre statt (2008 Dresden, 2010 Khanty-Mansijsk, 2012 Istanbul)? Sind nicht Olympiaden regulär immer mit einem Zeitabstand von vier Jahren gedacht? Ich hoffe auf das Forum!
Wer darf mit nach Istanbul?
(Mit Olympia-Tippspiel!)
Sonne, Oliven, türkischer Kaffee und Bosporus - am nächsten Montag beginnen die olympischen (Schach-) Spiele in Istanbul. Das ist eigentlich schön. Doch wollen wir vor diesem wichtigen Ereignis nicht länger verschweigen, dass es auch einen Wermutstropfen gibt, der sich für Frank Hoppe (SK Berolina Berlin) und mich (SV Werder Bremen) wie ein Schatten über dieses sonnige Festival des Schachs gelegt hat. Denn wie schon in den Jahren zuvor sind Frank und ich auch dieses Mal nicht für den Kader der Nationalmannschaft nominiert worden. Andere dürfen hinfahren nach Istanbul, wo das Turnier der Turniere schon in wenigen Tagen beginnt. Wir jedoch müssen wieder hierbleiben und können nur aus der Ferne zuschauen.
Zwar gräme ich mich nicht, denn ich hätte dem Bundestrainer ohnehin absagen müssen. Schon seit einiger Zeit war ich für ein Open in Bayern angemeldet und hatte auch das Startgeld dafür bereits überwiesen.
Bei Frank Hoppe allerdings stößt die Nicht-Nominierung zumindest bei mir auf Unverständnis – immerhin ist er Webmaster des Deutschen Schachbundes, ein feiner Kerl und betreibt den sehr lesenswerten Blog Schachbulle.de. Er würde bestimmt einen prima Nationalspieler abgeben, zum Beispiel in einer Partie Hoppe – Nakamura.
Frank hätte für uns vom schönen Bosporus berichten und neben Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Daniel Fridman, Igor Khenkin und Jan Gustafsson als sechster Spieler in Istanbul für die deutschen Farben spielen können.

Eine schier unübersichtliche Anzahl an Pokalen und wertvollen Ehrenpreisen konnte Hoppe in seiner Karierre gewinnen. Im rechten Arm hält er Mr. Oizo, einen erlesenen Plüschteddy, den er einst im Buxtehuder Oizo-Memorial davontrug.
Auch dieses Mal haben Frank und ich es wieder erst aus den Schachzeitungen erfahren, dass wir im Team nicht dabei sind. Kein guter Stil, aber nun ja, was soll man tun? Das Leben ist manchmal so. Wir drücken den deutschen Teams natürlich trotzdem die Daumen!
Und immerhin bleibt uns noch die vage Hoffnung auf das kühle Norwegen, wo 2016 die nächste Olympiade stattfinden wird.-
Der Schachbund hatte vor dieser Olympiade eine sehr sympathische Idee und schickte einen Fragebogen an die deutschen Olympioniken. Die Interviews sind auf der Homepage des DSB zu sehen – dort stellten sich bereits Elisabeth Pähtz, Marta Michna, Melanie Ohme und Elena Lewuschkina den Fragen, und auch Arkadij Naiditsch, Georg Meier, Emanuel Lasker und der Hanseate Jan Gustafsson haben geantwortet.
Als kleinen Trost für die erneute Nicht-Nominierung möchteSchachwelt.de Frank Hoppe, unserem Nationalspieler der Herzen, heute symbolisch ebenfalls den Olympia-Fragebogen des DSB unterbreiten.
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Nationalmannschaft, Olympiade, Personalien

- Was für Ziele haben Sie bei der Schacholympiade in der Türkei?
Meine Pläne für Ende August haben sich mit der Nichtnominierung in Luft aufgelöst. Ich weiß absolut nicht, warum ich für Istanbul nicht berücksichtigt wurde. Ich habe mir all die Jahre nichts zu Schulden kommen lassen. Weder habe ich böse Worte gegen den Bundestrainer verloren, noch bin ich jemals betrunken am Brett eingeschlafen. Ich versuche mit jedem gut auszukommen und bin ein rundum pflegeleichter Spieler.
Vielleicht bin ich ja zu alt. Dabei bin ich doch erst 47. Warum darf Igor zur Olympiade und ich nicht?!
- Wie bereiten Sie sich vor?
Warum müssen Sie den Finger in die Wunde drücken?! Istanbul ist Geschichte. Außerdem bereite ich mich generell nicht vor. Wäre ich nominiert worden, hätte ich vielleicht ein paar Bulletpartien gespielt.
- Achten Sie eventuell auch auf besondere Ernährung oder treiben Sie Ausgleichssport?
Oh ja. Eine gesunde Ernährung hat bei mir höchste Priorität: Morgens zwei XXL-Schnitzel mit Kartoffelsalat und zwei Stück Kuchen. Danach habe ich aber immer das Problem, daß der Kalorienbedarf für den Tag gedeckt ist. Was soll ich dann mittags und abends essen?
Okay, Sie sagen jetzt, dann muß man eben Sport machen um noch Platz für ein paar Kalorien zu haben. Aber ist Schach denn kein Sport ...?! Nein? Ich dachte... - Zählt Bus- und Bahnfahren als Ausgleichssport? Stressig genug ist das ja in Berlin.
Moment. Da fällt mir doch noch was ein. Letztens war ich im Fitnesstudio. War ziemlich voll der Laden und leider keine Geräte frei. Ich konnte deshalb nur meiner eigentlichen Aufgabe nachgehen - und den stehengebliebenen Fahrstuhl wieder in Gang setzen. Aber die Fitnessluft konnte ich schon mal schnuppern. War nicht so angenehm. Wer weiß, ob ich in so einen Laden nochmal reingehe.
- Sie erfahren erst wenige Stunden vor der Partie, wer Ihr Gegner ist. Wie stellen Sie sich in der kurzen Zeit noch auf ihn ein?
Ich hoffe Ihre Frage ist kein Seitenhieb auf Istanbul...
Mich interessiert generell nicht, wer oder was mein Gegner ist oder welche Farbe ich habe. Falls ich trotzdem eine solche Information vorher bekomme, schaue ich nur ganz kurz in meine Datenbank. Ist mein Score positiv, lege ich mich wieder hin. Ist mein Score negativ, versuche ich meinem Gegner bereits vor Partiebeginn ein Friedensangebot zu machen.
- Wen sehen Sie in der Favoritenrolle bei dieser Schacholympiade?
Normalerweise Deutschland. Aber ohne mich werden die wohl nichts reißen. Chancen hätte aber auch diese Adipösen-Truppe gehabt - wenn ich dabei gewesen wäre. Mit inzwischen nur noch 157 Kilo habe ich aber nicht mehr genügend Gewicht mitgebracht und das Nominierungskriterium nicht erfüllt.
Auch die Blinden und Gehörlosen hätten von mir profitiert - doch auch bei denen wurde ich nicht berücksichtigt. Dabei sagte meine Frau immer, ich sei blind und höre schwer. Deshalb bin ich vielleicht auch ihr Ex-Mann...
Da diese vier Mannschaften für eine vordere Plazierung aus den genannten Gründen nicht in Frage kommen, werden wohl Gambia, Venezuela und San Marino die Medaillen unter sich aufteilen. Bei den Frauen rechne ich mit Burundi, Französisch-Guyana und den Bahamas auf den vorderen Plätzen.

Weil in den Vitrinen nicht mehr genug Platz ist, verschenkte Frank Hoppe bereits viele Trophäen an seine Fans.
(Anmerkung des Autors: Hallo Frank, ich hätte bei Gelegenheit Interesse an dem Insektenspray.)
- Gegen wen würden Sie gerne spielen und warum?
Oh ja, Nakamura wäre schon ein Traum! Statt einer einzelnen Partie würde ich aber lieber mit ihm blitzen. Er soll ja angeblich noch stärker Blitzschach spielen als ich. Die, die das behaupten, haben mich aber noch nie am Brett gesehen. Ich glaube, so schnell ist mir keiner ebenbürtig - auch Naka nicht!
- Wie sehen Sie die Chancen bei der Schacholympiade für die deutsche Frauen- und die Männermannschaft?
Wenn meine Geschlechtsgenossen Glück haben, kommen sie vielleicht unter die ersten Zehn. Ich traue ihnen auch einen Achtungserfolg gegen San Marino zu. Ein 2:2 sollte auch ohne mich drin sein.
Unsere Damen werden so etwa auf Platz 15 bis 20 landen. Mit Ketino und Zoja würde mehr drin sein. Aber ich wiederhole mich: Die Alten und Erfahrenen sind nicht mehr so ganz begehrt.
- Bei der Schacholympiade wird beiden Teams ein Eröffnungstrainer zur Verfügung gestellt. Wie wichtig ist das für Sie?
Grundsätzlich ist das völlig in Ordnung. Ich lasse mir aber nicht gern in meine Varianten hineinreden. Meine Eröffnungsbibel ist seit meiner Kindheit das "ABC des Schachspiels" - dieses DDR-Lehrbuch von Awerbach. Da lasse ich nichts drauf kommen.
- Wie oft haben Sie schon bei einer Schacholympiade teilgenommen?
Einmal. 2008 als Fotograf in Dresden.
Vielen Dank für das Gespräch!
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Liebe Leserinnen, liebe Leser, hallo Schachspieler,
auch zu dieser Olympiade veranstalten wir wieder ein spannendes Tippspiel. Die Frage ist ganz einfach:
Welchen Platz belegt das deutsche Olympia-Team der Herren bei der Olympiade 2012?
Tipps können bis zum kommenden Montag, 27.August 2012, 14:15 Uhr Bremer Ortszeit, hier als Kommentar eingeschickt werden. Bei mehreren richtigen Einsendungen entscheidet das Los.
Zu gewinnen gibt es ein feines Schachbuch ("55 feister Fehler" von Robert Hübner, siehe auch Schachwelt-Artikel Oldhand Robert Hübner...) aus dem Schachwelt-Buchversand, freundlich gesponsort von unserem Blog-Chef Jörg Hickl. Weitere kleine Preise (CD, Kekse) werden unter allen Einsendern verlost.
Wir wünschen viel Spaß beim Tippen!
Kasparow nach Biss in Haft
Einer der Größten unserer Szene wurde zum wiederholten Mal inhaftiert: Garry Kasparow, bekennender Putin-Gegner, bekundete gestern lautstark seine Sympathie für die russische Punkband Pussy Riot. Am Rande des Urteilsspruchs soll er dabei einen Beamten gebissen haben! Im Ernstfall drohen dafür bis zu fünf Jahren Haft. Und dass Putin mit einen Kritikern nicht zimperlich umgeht, wurde gestern mehr als deutlich.
Dumm für das Schach in Deutschland. Für die Neuauflage des Events "10 gegen Lüneburg" am 22. September war er fest als Gaststar eingeplant. Allerdings scheint sich die Veranstaltung gerade zu etablieren, so dass wir auch 2017 noch mit einer Fortführung rechnen können.
Ausschreiben auf österreichisch
34mal hat das Oberwarter Open stattgefunden. Es gibt nicht viele Opens, die auf eine so lange Tradition zurückblicken. Eine 35. Auflage wird es in dem Ort, der durch eine der meistverkauften Liveaufnahmen Popgeschichte schrieb, wohl nicht geben. Sonst hätten sich die Veranstalter Werner Stubenvoll und Siegfried Posch nicht einen solchen Schmäh bei der Preisgeldausgabe oder vielmehr Preisgeldeinbehaltung erlaubt und damit den Ruf der Veranstaltung ruiniert und den des burgenländischen Städtchens befleckt. Was soll man sagen: Live is life? Oder doch Nanananana?
"Doppelpreise sind nicht möglich, es wird der höhere Preis ausbezahlt", heißt es in der Ausschreibung. Üblich ist dann, und so war es auch in Oberwart in der Vergangenheit, dass der niedriger dotierte Preis an den Nächstgereihten geht. Stubenvoll und Posch haben den jeweils niedrigeren Preis einfach einbehalten. Am Beispiel des Turniersiegers erklärt: Peter Schreiner kassierte 1233 Euro als Wertungserster, die für den besten Österreicher ausgelobten 800 Euro verfielen (Schlusstabelle). Insgesamt behielt das bauernschlaue Duo so mehr als 2000 Euro von den ausgelobten Geldern ein. Sonst hätten sie an der Veranstaltung nämlich nicht gut genug verdient. Dass sich irgendeiner der Zukurzgekommenen sein Geld auf juristischem Weg holt, oder gar alle zusammentun, ist nicht bekannt und wäre wohl in der auf dem ÖSB-Forum geführten Diskussion aufgeschienen.
Stattdessen haben sich einige erst einmal hilfesuchend an den Österreichischen Schachbund gewandt. Immerhin ist Stubenvoll Vorsitzender von dessen Technischer Kommission, also oberster Regelhüter im österreichischen Schach, und seine Auslegung von Ausschreibungen die einzig gültige, wie ich aus eigener Erfahrung weiß*. Doch der ÖSB erklärte sich für nichtzuständig, weil das Turnier eine Privatveranstaltung gewesen sei. Wenn Ausschreibungen österreichischer Opens künftig nach Oberwarter Weise zu verstehen sind, also Spieler wohlmöglich davon ausgehen müssen, dass alles im Sinne der Veranstalter zu lesen ist, bedeutet das freilich ein PR-Problem für den gesamten Openstandort Österreich. Aber die anderen Veranstalter freuen sich wohl erst einmal, dass mit Oberwart ein Wettbewerber vom Markt verschwindet.
Auch Siegfried Posch war früher Funktionsträger beim ÖSB. Wenn mich nicht alles täuscht für Marketing. Er hat keinen Ruf mehr zu verlieren. Um für seine Mannschaft Fürstenfeld das Geld zusammenzukratzen, ist ihm inzwischen fast jedes Mittel recht. Ohne ausreichende Kenntnisse der Technik verkauft er Liveübertragungen, die immer wieder zusammenbrechen. Dass er in der österreichischen Bundesliga zuletzt trotzdem oft zum Zug kam, lag an einem Marketingkniff: Er engagierte den Leiter der Liga, natürlich kein anderer als Werner Stubenvoll, als Übertragungshelfer. Mit dem Herrn der Regeln wollten sich die ausrichtenden Vereine natürlich gut stellen und engagierten lieber Posch und Stubenvoll als den zuverlässigen aber machtlosen Karl Theny. Dass Stubenvoll ohne Zusatzeinnahmen durch die Übertragung an der Bundesliga nicht genug verdient, wird von den Vereinen anscheinend hingenommen. Es gäbe in Österreich vielleicht auch fähige Schiedsrichter mit, sagen wir mal, geringeren finanziellen Ansprüchen.
*Als ich voriges Jahr ein kleines Einladungsturnier in Wien veranstaltete, musste ich Stubenvoll eine Ausschreibung schicken. In dem eigentlich allein für die offizielle Dokumentation erstellten Brief vergaß ich die Karenzzeit zu erwähnen. Dass ich alle Teilnehmern in den Einladungen informiert hatte, dass wir keine Nullkarenz anwenden, war Stubenvoll ebenso egal wie, dass ich nach Bemerken des Formalfehlers von allen Teilnehmern vor dem Turnier die Zustimmung einholte, die vergessene Karenzzeit auf eine Stunde zu setzen. Nein, wir mussten mit Nullkarenz spielen. Sonst würde er dafür sorgen, dass die Turnierresultate nicht anerkannt werden. Dass Stubenvoll auch noch zwei Stunden vor der ersten Runde unangemeldet auftauchte (ich war nach dem morgendlichen Aufbauen duschen gegangen) und sich bei der Geschäftsführerin des Designkaufhauses Stilwerk polternd beschwerte, dass eiligst ein Turnierleitertisch herzurichten sei, fand ich auch nur bedingt hilfreich. So lange Stubenvoll reinpfuschen darf, werde ich mich als Veranstalter zurückhalten. Dabei sollte ich ihm eigentlich dankbar sein. Der einzige Fernsehbeitrag über die von mir in Wien ausgerichtete Bundesligarunde wäre ohne ihn wohl nicht sendereif gewesen.
Weiß gegen Schwarz: Rassismus!
Am Montag begann in Wien das Husek-Open. In der U-Bahn sah ich über die Schulter eines Fahrgastes ein Foto Schach spielender Kinder in der in Wien reichweitenstärksten Tageszeitung "Heute". Toll, dass die sich für das stark besetzte Festival, zu dem ja auch ein Kinderturnier zählt, interessieren. Dachte ich, bis ich dann näher rückte, um die zwei Sätze unter dem Foto zu lesen: Es ging gar nicht um das Wiener Turnier, sondern um einen unangenehmen Vorfall bei einem vorige Woche in Mureck an der österreichisch-slowenischen Grenze zu Ende gegangenen internationalen Kinderturnier unter dem etwas pompösen Titel "EU-Meisterschaften". Drei englische Teilnehmer und ihre Eltern seien in Mureck bespuckt und misshandelt worden und mussten schließlich unter Polizeischutz, worauf sich englische Menschenrechtsaktivisten der Sache angenommen hätten. Oh je, wurden die kleinen Schachgenies etwa von betrunkenen Einheimischen für Asylwerber gehalten? Heute-Leser konnten sich nach Belieben einen Reim drauf machen. Ich habe mal nachgeforscht.
Der ganze Streit spielte sich innerhalb der englischen Gruppe ab. Die muslimische Familie Rahman spielte da von Beginn an eine Außenseiterrolle. Ab dem Moment, als sie halal-Essen für sich forderte (in der Südoststeiermark findet man halal-Lebensmittel nicht gerade in jedem Supermarkt) und vom Rest der Gruppe verlangte, kein Bier anzurühren, während ihre Kinder im gleichen Raum essen, eskalierte es. Der Organisator Erich Gigerl versuchte sein Möglichstes, den Streit zu befrieden, fand eine zusätzliche Unterkunft und bot beiden Parteien an, dorthin umzuziehen.
Erst schien Frau Rahman einverstanden, dann fragte sie, warum eigentlich sie weichen sollte. Interesse an Deeskalation sähe wohl anders aus. Der nicht mitgereiste Vater Sohale Rahman belieferte in England die Medien und setzte den englischen Verband mit der PR-Maschine der Islamic Human Rights Commission unter Druck: Rassismus! Islamophobie! Das wirft erst die Frage auf, ob ihm die ganze Angelegenheit vielleicht irgendwie recht kam. Eine Frage, die etwa der ausführlich berichtende Independent allerdings nicht einmal andeutungsweise gestellt hat. Der Telegraph hat einen anderen englischen Schachvater, der in Mureck war, aufgetrieben und von ihm ein Zitat, dass in Wahrheit alle anderen die Opfer gewesen seien. Der englische Schachverband hat die Sache mächtig ernst genommen (nachdem er wahrscheinlich nach Aufrufen wie diesem von einem Shitstorm überzogen wurde), raschmöglichst alles untersucht und alle Vorwürfe zurückgewiesen.
Ein Wiener Kaffeehaus in Athen
Bei der Junioren-WM geht es richtig zur Sache. Wenn ich einen kompletten Turnierbericht schreiben würde dann bräuchte ich womöglich Stunden um die 20-30 besten, interessantesten oder auch kuriosesten Partien auszuwählen. So beschränke ich mich, stellvertretend für das gesamte Turnier, auf eine Partie die man mit Worten kaum beschreiben kann - ich versuche es trotzdem in ein paar Sprachen: Ein (Hoch)Deutscher nennt sie vielleicht total durchgeknallt (danke Tiger-Oli für das regelmässige Feedback!). Ein Niederländer sagt "knettergek" - bitte richtig aussprechen: knetterrcheck! Einem Amerikaner fällt nur "amazing" ein. Ein Franzose denkt "ils sont foux ces joueurs", und ein Österreicher "I werd narrisch!".
Ich wende mich vor allem an das deutsche und österreichische Publikum, denn daher kommen die beiden Spieler - die ich gerne vorstellen würde aber viel weiss ich nicht von ihnen. Der Schwarzspieler Andreas Heimann ist mir vom Namen her noch bekannt, wenn auch weniger bekannt als die beiden anderen Deutschen Niclas Huschenbeth und Matthias Prinz Bluebaum. Alle drei spielten meistens an den vorderen Brettern, jedenfalls innerhalb der Liveübertragung. Huschenbeth berichtet wacker über sein Turnier - an guten wie an schlechten Tagen, zuletzt hatte er zwei gute. Der österreichische FM Peter Schreiner ist mir gar kein Begriff - vielleicht kann ein (Wahl-)Österreicher per Kommentar mir helfen? Nach etwas holprigem Beginn ist er, 34. der Setzliste, aber auch weit vorne mit dabei.
Ich fange mal am Ende an, die Schlusstellung deutet nicht unbedingt auf eine spannende und kuriose Partie:

Beide hatten offenbar lang rochiert, dann wurden fleissig Figuren und Bauern getauscht und es wurde remis. War dem so? Mitnichten, siehe z.B. das nächste Diagramm, aber machen wir erst am Anfang weiter:
Schreiner-Heimann, U20 WM 11. Runde
1. e4 e5 2. Nc3 Nf6 3. f4 Ich weiss nicht mal ob der Schreiner Peter Wiener ist, jedenfalls hat er das Wiener Gambit ausgepackt. Damit ist der Ton bereits gesetzt. Nomen est omen - wo gehobelt wird da werden Späne fallen! d5 4. exd5 exf4 5. Bc4 Bd6 6. Qe2+ Be7 7. d4 O-O Schwarz rochiert also nicht lang, der König landet erst nach einigen Umwegen, Irrungen und Wirrungen auf d7. 8. Bxf4 Bb4 9. Qd3 Nxd5 10. Bd2 Bxc3 11. bxc3 Re8+ 12. Ne2 Nb6?! Mit der Zeichensetzung bin ich sparsam und verlasse mich natürlich auf die gestrengen Engines. Schwarz willl den Lc4 loswerden, das schafft er: 13. Bxf7+ Kxf7 14. Qxh7 Rxe2+! Nur so! 15. Kxe2 Bg4+? Aber so nicht, hier war 15.-De7+ Pflicht. 16. Kd3! Wiederum nur so - hier steht der König sicher ohne seine eigenen Türme zu behindern. Kennt Schreiner eigentlich seinen Landsmann Steinitz, oder zumindest dessen (frühe) Partien? 16.-N8d7 17. Rhf1+ Nf6 18. Bh6 Laut Engines am zweitbesten (18.Lg5!), aber das konnte Schreiner ja nicht wissen. 18.- Qg8 19. Rxf6+ Kxf6 20. Bxg7+ Ke6? Kaum zu glauben aber wahr: Schwarz musste erst den weissen Turm aktivieren mit 20.-Kf7! 21.Tf1+ Ke6 22.Dg6+ Ke7. Nun scheitert 23.Dxg4 an 23.-Dc4+, vorläufig steht der weisse Turm auf f1 anfällig und in der Ecke auf a1 sicher. Auch das sehen Engines mühelos, Menschen nicht. 21. Qg6+ Kd5 
Jetzt hat Schwarz den aktiveren König und muss nur noch ins Endspiel abwickeln. Das ist aber nicht so einfach - ein Ästhet würde vielleicht hier aufgeben. Aber dafür hatte Heimann keine Zeit - bereits ungefähr hier hatten beide Spieler kaum mehr als die 30 Bonussekunden pro Zug. Ausserdem kann Schwarz ja auf ein Wunder hoffen - vielleicht wiederholt Weiss aus Versehen mehr als einmal die Züge? 22. Qxg4 Das geht! Qh7+ 23. Ke2 Rg8 24. c4+ Kxc4 25. d5+ Kc5 26. Qd4+ Kd6 27. Qe5+ Kc5 28. Qd4+ Kd6 29. Qf6+ Kc5 30. Qc3+ Nc4 31. Qd4+ Kd6 32. Qf6+ Kc5 Jetzt nicht etwa 33.Dd4+ sondern 33. Bf8+ Nd6? Dieses Fragezeichen verdient natürlich ein Fragezeichen - "besser" war 33.-Txf8 wonach sich der weisse Vorteil in unerträglichen Grenzen hält (+3). Aber dann hat Schwarz keinerlei Gegenspiel und muss spätestens nach der Zeitkontrolle aufgeben. 34. Qc3+? 34.Lxd6 (mit Schach) analysiert Houdini bis zum Matt. 34.-Kxd5 35. Rd1+ Ke6 36. Bxd6? Mit Schach hätte es gewonnen, ohne Schach vergibt es den ganzen Vorteil - denn jetzt ist Schwarz dran: 36.-Qe4+ 37. Kd2 Rxg2+ 38. Kc1 cxd6 39. h3 Kd7 40. Kb1 Qc6 Puh die Zeitkontrolle ist geschafft ... und die Stellung remis. Es folgte noch 41. Qxc6+ bxc6 siehe Diagramm oben 1/2-1/2
Do viđenja, Svetozar Gligoric
Gerade gelesen, als ich auf der Seite der Junioren-WM herumschaute: Svetozar Gligoric ist verstorben. Der jugoslawische/ serbische Großmeister war einer der großen Schachspieler in den fünfziger und sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Oft sah man ihn auf Kandidatenturnieren, bei denen er aber immer den anderen den Vortritt lassen musste beim Kampf um die Weltmeisterschaft.
Gligoric entwickelte mit seinem intensiven Spielstil das dynamische Schach weiter. Ich staunte nicht schlecht über eine Partie von ihm gegen Kotov 1953 in Zürich – wie er hier seine beiden (!) Mittelbauern opferte, um auf den schwarzen Feldern zu dominieren, ist mittlerweile Legende.

Stellung nach 11...e5-e4! - aber das ist erst der Anfang.
Ich sah Gligoric das erste Mal in der schönen BBC/NDR-Serie Turnier der Schachgroßmeister Anfang der 80er Jahre. Allein seinen Namen fand ich schon faszinierend. In der Sendung sah er immer sehr sehr cool aus mit seinem Schnauzbart, und ich glaube, er rauchte da auch während der Partien – gepasst hätte es jedenfalls zu ihm.
Mit 89 Jahren ist Svetozar Gligoric nun weitergezogen. Traurig, aber so ist es - alle müssen wir einmal gehen. Halten wir ihn in guter Erinnerung.


