- Post date: 08. April 2013
Interaktives Schachtraining zuhause mit führenden deutschen Schachtrainern.
Schachtraining und schachliche Unterhaltung direkt am heimischen Computer: Bei überschaubaren Kosten ohne großen Aufwand am Training teilnehmen zu können, ist die Grundidee der neuen Trainingsplattform schach-seminare.eu.
Die browserbasierende Internetlösung kommt ohne Softwareinstallation aus und ist auch MAC-Usern zugänglich. Die Mindestanforderung beschränkt sich auf einen modernen PC mit Lautsprechern und einen schnellen Internetzugang.
Das maßgeschneiderte Programm richtet sich an Vereinsspieler mit einer DWZ unter 2100. Zielgruppengerechtes Training wird von erfahrenen Spitzenspielern durchgeführt. Unter anderem besteht das Team aus GM Robert Hübner, GM Michael Prusikin, GM Jörg Hickl, IM David Lobzhanidze, IM Frank Zeller und WFM Dijana Dengler.
Die Trainingseinheiten behandeln entweder in sich geschlossene Themen oder kleine thematisch ergänzende Serien. Teilnehmer können während des Unterrichts per Audio und Video direkt vom Schachtrainer zugeschaltet werden, um Fragestellungen oder Probleme zu besprechen.
Ab sofort startet das Internetportal mit einer Begrüßungsaktion. Alle Seminare und Veranstaltungen im April können zum Kennenlernen kostenfrei besucht werden.
Anschließend sind die Kurse ab 5 € pro Unterrichtsstunde buchbar.
Abgerundet wird das abwechslungsreiche Programm durch WFM Dijana Denglers Schachtalk. Sie interviewt Größen und Kenner der Schachszene live. Aktuelles oder Interessantes zum Themen Schach ergänzen ihre Talkmischung.
Firmenbeschreibung:
Hinter Schach-Seminare.eu steht der deutsche Schachgroßmeister Jörg Hickl, der seit Jahren Seminare, Turniere und Reisen (www.schachreisen.eu) für Vereinsspieler anbietet. Der Deutsche Meister von 1998 war langjähriges Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft. Seine ELO beträgt 2577 Punkte. Seit gut 17 Jahren besteht ein wesentlicher Teil seines Engagements in der Fortbildung von Schachspielern – vor Ort und via Internet. Das führte zur Gründung der Plattform Schach-Seminare.eu, um Vereinsspielern eine günstige Schulungsmöglichkeit auf hohem Niveau anbieten zu können.
Pressekontakt:
- Post date: 02. April 2013
Einige Stunden später fiel mir in einem alten Sportverlagbuch das folgende Diagramm auf:

Fischer - Reschevsky, Weiß am Zug, Stellung nach 9. - Se8.
Der Beginn des Machtwechsels im amerikanischen Schach. Das 15-jährige Wunderkind besiegt das ehemalige.
- Post date: 14. Februar 2013
Ein interessantes Ergebnis brachte unsere Kurzumfrage zum „bedeutendsten deutschen Schachspieler“: 70% votierten für Emanuel Lasker, Deutschlands einzigen Weltmeister bisher (1894-1921). Weit abgeschlagen folgt mit 17% Robert Hübner, die klare Nr. 1 zwischen 1965 und 1995.
Arkadij Naiditsch, der Spieler der Neuzeit und unbestrittene aktuelle Nummer 1 des deutschen Schachs, konnte hingegen keine Stimmen für sich verbuchen.
Für mich kam das eindeutige Votum überraschend. Vielleicht liegt es an der jahrelangen Arbeit der Lasker-Gesellschaft, die den ehemaligen Weltmeister präsent hält!? Außerhalb der Schachszene ist Lasker kaum bekannt. Hier ist es Robert Hübner, der der „Bobby Fischer - Generation“ noch ein Begriff ist. Mit seinen Erfolgen bei den Kandidatenturnieren zur Weltmeisterschaft, schaffte er es wiederholt in die Tagesschau und somit, bei damals nur drei Programmen, in das Blickfeld der Allgemeinheit.
Spürbar wurde dies bei einer Blindschach-Showveranstaltung anlässlich der 3. Schachtage Sonnenalp, als das ältere Publikum interessiert stehenblieb: „Den kenne ich noch.“…


Robert Hübner und Dijana Dengler
Vielleicht resultiert meine Bewunderung auch aus einem langen gemeinschaftlichen Schachweg und der Erkenntnis, dass Hübner in einer anderen Liga spielt.
Elomäßig sind wir auf einem Niveau, d. h. meine Erwartung in einer Turnierpartie liegt bei 50%. Analytisch ist er mir jedoch meilenweit voraus:
Beim Abschlussabend der Veranstaltung, kurz nach Mitternacht, galt es, Robert herauszufordern. Wir erwähnten eine Retro-Aufgabe, die zum Trainingsprogramm gehörte:

Was passierte mit der weißen Dame?
15 Sekunden, nachdem ich ihm die Stellung durchgab, erschallte die Frage „Und was ist das Problem? Die Dame wurde auf XX geschlagen, weil …“ Und die Lösung sprudelte aus ihm heraus.
Sichtlich beeindruckt legte ich eine meiner Lieblingsaufgabe nach (ich habe diese im Artikel „König über Bord“ samt Lösung bereits im Blog veröffentlicht):

Der weiße König fiel vom Brett. Wo gehört er hin und warum?
Nachdem die Lösung hier noch schneller als bei der Eingangsaufgabe geliefert wurde, musste der ansteigende Frustrationspegel schnell noch durch einen Absacker-Cocktail im Zaum gehalten werden. Bei aufgebautem Brett traue ich mir im Nomalfall nicht zu, die Aufgaben in weniger als 5 Minuten zu lösen (und natürlich nach oben offen) Trotzdem, der gelungene Abschluss einer schönen Schachwoche.
Versuchen Sie es doch selbst einmal.
Veranstaltungen mit Robert Hübner: Seminarturnier Rotenburg, Schachtage Sonnenalp
- Post date: 12. Februar 2013
Nach zu Guttenberg, Koch-Mehrin nun Schavan – die Liste der Doktoranden, die die Auslegung des Zitatrechts allzu frei handhabten, wird immer länger.
Doch auch unser Sport ist nicht frei von unsauberen Machenschaften bei der Titelerlangung. In Zeiten, in denen die Kürzel GM; IM und FM noch einen hohen Stellenwert besaßen, eröffneten sich Möglichkeiten, die fehlenden Punkte auf suspekten ausländischen Turnieren gegen Bares „zu erwerben“.
Besonders interessant waren dabei die Runden, in denen die Ausländer gegeneinander antreten mussten und oftmals die einzigen Spieler im Turniersaal waren – die Einheimischen hatten angeblich alle Runden bereits „vorgespielt“. Eine strengere Version sind natürlich Turniere, die nie stattfanden, aber ihren Weg zur FIDE-Regelkommission nahmen. Mitte der 90er erfuhr ich aus Kreisen der FIDE: “Es ist kein Einzelfall – wir wissen, dass es das Turnier nie gab, doch die Auswertung trägt den Stempel der Föderation. Soll die FIDE nun vor Ort klagen? Wir sind machtlos.“
In der aktuellen Betrugsdiskussion regen wir uns über Natsidis oder Bindrich auf, doch Schummelei gibt es im Spitzenschach anscheinend an diversen Stellen, bis hin zur Verschiebung ganzer Turniere. Den Nachweis zu erbringen, dürfte jedoch sehr schwer fallen.
Ein Doktortitel soll finanzielle Vorteile von über 30.000 € pro Jahr mit sich bringen. Schach hingegen hat keine finanzielle Bedeutung, weshalb das Interesse an einer Aufklärung naturgemäß geringer ist.
Inzwischen hat der Weltschachbund die Anforderungen zur Titelerlangung deutlich erleichtert und zusätzlich den Titel eines CM (Candidate Master) unterhalb des FIDEmeister-Titels eingeführt. Für die Verleihung ist eine spürbare Gebühr abzuführen. Diese kommerzielle Komponente bremst den Antrieb des Weltschachbundes an einer Aufklärung dubioser Machenschaften sicher nicht unerheblich.
- Post date: 30. Januar 2013
Kaum hat der Schachbund seine Entscheidung im Bndesligabetrugsfall veröffentlicht, erreicht uns Falko Bindrichs Stellungnahme:
Liebe Schachfreunde,
in seiner Entscheidung vom 19. Januar 2013 hat der DSB gegen mich eine 2-jährige Spiel- und Funktionssperre ausgesprochen.
Für meine Entscheidung, meine Taschen und mein Handy nicht durchsuchen zu lassen habe ich bereits vor Ort die maximale Konsequenz, den Partieverlust, getragen. Weitergehende Sanktionen, insbesondere eine Spielsperre, bin ich nicht bereit hinzunehmen.
Aus diesem Grund akzeptiere ich die Entscheidung des DSB nicht. Darüber hinaus gibt es Grund zur Annahme, dass für die extreme Härte der Strafe plus die Bemühungen des DSB mich auch international sperren zu lassen, Motive eine Rolle spielen, die deutlich über meine Funktion als Spieler eines Bundesligavereins hinausgehen.
Ich habe bereits meinen Rechtsanwalt mit der Prüfung der Rechtmäßigkeit der Entscheidung des DSB beauftragt. Auf jeden Fall werde ich Einspruch gegen die Entscheidung beim Präsidenten des Deutschen Schachbundes gemäß § 57 Abs. 3 der DSB-Satzung zur Vorlage beim Schiedsgericht einlegen und, wenn nötig, auch die ordentlichen Gerichte mit meinem Fall befassen.
GM Falko Bindrich,
30. Januar 2013
Mit der aktuellen Smartphone-Diskussion steht Schach als Turniersport vor neuen Herausforderungen. Vor allem die Verbände müssen nun für Rechtssicherheit sorgen. Dieser Vorgang wird anscheinend durch die Causa Bindrich deutlich beschleunigt.
Doch selbst wenn Falko Bindrich auf dem Rechtsweg einen Erfolg erzielt, ändert das an der Meinung der Masse wohl nichts mehr.
Für die überwältigende Mehrheit unserer Leser geht das Urteil des Schachbundes (siehe Umfrage) in die richtige Richtung.
- Post date: 10. Dezember 2012
Neben seinem unangenehmen Inhalts weist dieser jährlich erscheinende Beitrag auch eine sehr erfreuliche Komponente auf: Der Hinweis auf die Statistiken des DOSB erfordert nicht den immensen Zeitaufwand anderer Artikel - in zehn MInuten ist alles erledigt....
Jährlich präsentiert der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) seine Mitgliederstatistiken, und diese fallen auch 2012 alles andere als rosig für Schach aus: Der Deutsche Schachbund weist den üblichen Schwund an Mitgliedern, auf. Das Ergebnis ist schon deshalb ernüchternd, weil die Gesamtheit der Sportarten ständig zulegen kann (3,77% in 2012).
Vielleicht ist Schach out, vielleicht ist Schach doch kein Sport, vielleicht liegt es aber auch schlicht an unserem unprofessionellen Auftreten.
Doch bevor ich mich wiederhole, hier der Link zum Artikel aus dem Jahr 2010 „Schachbund weiter abwärts“, der nichts an Aktualität eingebüßt hat.
Die Statistiken finden sich auf der DOSB-Website zum Download.
- Post date: 23. Oktober 2012
Die Folgen
Falko Bindrich kündigte gegenüber Schachwelt eine Stellungnahme an.
- Post date: 18. August 2012
Einer der Größten unserer Szene wurde zum wiederholten Mal inhaftiert: Garry Kasparow, bekennender Putin-Gegner, bekundete gestern lautstark seine Sympathie für die russische Punkband Pussy Riot. Am Rande des Urteilsspruchs soll er dabei einen Beamten gebissen haben! Im Ernstfall drohen dafür bis zu fünf Jahren Haft. Und dass Putin mit einen Kritikern nicht zimperlich umgeht, wurde gestern mehr als deutlich.
Dumm für das Schach in Deutschland. Für die Neuauflage des Events "10 gegen Lüneburg" am 22. September war er fest als Gaststar eingeplant. Allerdings scheint sich die Veranstaltung gerade zu etablieren, so dass wir auch 2017 noch mit einer Fortführung rechnen können.
- Post date: 31. Juli 2012
Ein gutes Jahr herrschte Ruhe im Betrugsfall Feller, Marzolo und Hauchard. Mittels einer von Hauchard und Feller erwirkten einstweiligen Verfügung widersetzten sich die beiden aufgrund eines Formfehlers erfolgreich der Sperre des französischen Verbandes und spielten munter ein Turnier nach dem anderen, als ob nichts gewesen wäre.
Dabei war die Sachlage klar: Auf der Schacholympiade in Khanty-Mansyisk 2010 errang Sebastien Feller ein herausragendes Ergebnis, bediente sich dabei jedoch unerlaubter Hilfsmittel: Cyril Marzolo analysierte die im Internet übertragenen Partien mit diversen Schachprogrammen, übermittelte die Ergebnisse per SMS an den Kapitän der französischen Mannschaft, Arnaud Hauchard, der wiederum die Züge über einen Code an Feller weitergab. Aufgeflogen war die ganze Sache, als Hauchard das von der Föderation geliehene Handy zurückgab und dabei vergaß, die SMS zu löschen….
FIDE fällt Urteil
Nun hat auch der Weltschachverband FIDE (www.fide.com)sein Urteil gefällt. Arnaud Hauchard wurde für drei Jahre, Sebastien Feller für zwei Jahre und neun Monate gesperrt. Dem kooperativen Marzolo gegenüber zeigte man sich mit einer anteiligen Bewährungsstrafe gnädiger und folgte der vom französischen Verband verhängten Strafe. Das komplette Urteil als PDF.
Die Chronologie der Ereignisse ist in unserem letztjährigen Beitrag Feller&Co. gehen in Führung nachzulesen.
Ein weitergehender Artikel findet sich auf chessvibes.com (in englischer Sprache) http://www.chessvibes.com/reports/french-cheating-case-fide-confirms-suspension-feller-hauchard-marzolo
Die dort am Ende aufgeworfenen Fragen beantwortete uns Bundesturnierdirektor Ralph Alt in seiner Funktion als Mitglied der Fide Ethik-Kommission:
Ist das Urteil in bereits Kraft und sind die Spieler somit von FIDE-Veranstaltungen ausgeschlossen?
RA: Die von der Ethics Commission verhängten Sperren Arnaud Hauchards (3 Jahre) und Sébastien Feller (2 Jahre 9 Monate) beginnen am 1. August. Bei der Sperre gegen Marzolo hat die Ethics Commission die von der Französischen Schachföderation verhängten Sperren wiederholt, samt Beginn (27.05.2011) und Ende (27.11.2012), wobei aber die letzten 9 Monate (beginnend am 27.02.2012) auf Bewährung sind. Damit ist Marzolo derzeit wieder spielberechtigt.
Besteht für die Spieler noch eine Widerspruchsmöglichkeit oder war dies bereits die letzte Instanz?
RA: Gegen Entscheidungen der FIDE kann der CAS (Court of Arbitration for Sport) in Lausanne angerufen werden. Eine Klage dort würde aber den Vollzug der Sperren nicht hemmen, es sei denn er würde auf einen entsprechenden Antrag eine einstweilige Anordnung erlassen.
Werden Feller die in Khanty-Mansiysk gewonnen Elopunkte sowie sein Brettpreis aberkannt?
RA: Die Entscheidung darüber, welche Konsequenzen die Feststellung, dass Feller sich der Täuschung schuldig gemacht hat, für die ELO-Wertung hat, ist den zuständigen Gremien der FIDE überlassen. Hierzu müsste die Qualifications Commission einen Vorschlag an die General Assembly, das Executive Board oder das Presidential Board machen.
- Post date: 23. Juli 2012
Dass einige Schachspieler ihrer Außenwirkung einen geringen Stellenwert zuordnen, ist hinlänglich bekannt. Um diesen Missstand zu verbessern wurde Diverses angeregt, doch letztendlich so gut wie nichts umgesetzt. Die Schachbundesliga wartet noch immer auf einen vernünftig umgesetzten Dresscode und auch das Auftreten der Nationalmannschaften erinnert an Kraut und Rüben (DSB-Fotogalerie http://www.schachbund.de/galerie/displayimage.php?pid=5863&;;;fullsize=1). Besonders deutlich beobachten lässt sich der Zustand auch auf diversen offenen Turnieren. Hier ist alles anzutreffen: Vom Tragen einer Baseballmütze oder Sonnenbrille, Spielen in Freizeitkleidung bis hin zum Muskelshirt, Kaugummikauen oder auch (sollten wir endlich einmal einen vorzeigbaren Austragungsort gefunden haben) das Mitbringen eigener Getränke und Speisen.
Rechtfertigungen findet man viele. So erklärte mein Gegner das Tragen einer Sonnenbrille im Turniersaal eines Turniers in Island (wohlweislich im Oktober - mit 20 Regentagen der regenreichste Monat des Jahres, in dem man die Sonne eigentlich nie zu sehen bekommt) mit den Worten: „Tut mir leid, ich weiß dass es unhöflich ist, aber ich habe sie meiner Frau geschenkt. Der gefiel sie nicht, weshalb ich die Brille jetzt selbst auftragen muss.“
Die Szene nimmt anscheinend stoisch alles hin, tut sich aber mit soviel Toleranz keinen Gefallen. Interessant sind die Reaktionen einiger Spielerfrauen oder schachfremder Menschen, die zuweilen Gefallen an Fallstudien einer seltsamen Spezies finden. Mit solch einer Darstellung kann man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken, geschweige denn Sponsoren für ein Engagement gewinnen.
Doch nicht nur hierzulande regt sich Unmut. In der neuesten Ausgabe der Schweizerischen Schachzeitung, dem Mitteilungsblatt des Schachbundes, findet der Chefredakteur deutliche Worte für ein sehr ähnliches Thema:
Das erfolgreiche Gedeihen eines jeden Schachklubs, egal ob groß oder klein, hängt von mehreren Faktoren ab. Von einer konsequenten Nachwuchsförderung beispielsweise, von einer gesunden finanziellen Basis, vom Engagement ehrenamtlicher Funktionäre in der Vereinsführung und nicht zuletzt auch von einem Klublokal, in dem die Spieler ihrem Ruhe verlangenden Hobby ungestört frönen können – seien es interne Turniere oder Mannschaftswettkämpfe.
Jahrzehntelang war es Tradition, dass Schachklubs nahezu ausschließlich in Gaststätten Gastrecht genossen – nicht von ungefähr kommt ja der Begriff vom Kaffeehaus-Schach. Doch mit der Krise im Gastgewerbe hat sich das Lokalproblem für viele Sektionen des Schweizerischen Schachbundes (SSB) in den vergangenen markant zugespitzt – auf dem Land ebenso wie in den Städten. Wohl haben nicht wenige Klubs eine neue Bleibe in (halb)öffentlichen Gebäuden wie Altersheimen, Kirchenzentren oder Gemeindeverwaltungen gefunden. Doch noch immer spielt die Mehrheit der Schweizer Schachklubs in einem Restaurant oder gar in einem Hotel.
Dafür zahlen sie zwar einerseits oft Miete, haben jedoch andererseits als Gegenleistung weniger Probleme, auch Wochenend-Termine für SMM, SGM und Team-Cup reservieren zu können. Gaststätten haben auch den großen Vorteil, dass berufsgestresste Mitglieder vor der Klubmeisterschaftspartie noch etwas Kleines essen können – ebenso ganze Teams nach einem Mannschaftswettkampf. Womit wir gleichzeitig bei einem Problem angelangt wären, das sich in jüngster Zeit akzentuiert hat.
Gastrecht in einer Gaststätte zu genießen, heißt natürlich auch, dass für das Cola, den Tee oder den Kaffee zur Partie bezahlt werden muss. Schließlich sind Wirtshäuser ja keine Wohlfahrtinstitute, und sie rechnen – unabhängig von einer allfälligen Miete – pro Vereinsabend oder SMM/SGM-Samstag mit einem gewissen Umsatz. Umso weltfremder erscheint deshalb die verbreitete Unsitte, dass teilweise ganze Teams mit prallgefüllten Provianttaschen an die Auswärtsspiele fahren. Statt eines Café Crème aus der Beiz wird dann unverhohlen ein Caffe Latte aus dem Coop getrunken, statt eines Sandwichs aus der Restaurantküche werden Bananen oder Schoggistängeli aus dem Rucksack verzehrt – und der Abfall auch gleich liegengelassen.
Gut möglich, dass ein solches kulinarisches Fehlverhalten auch daher rührt, dass in einigen Klublokalen ohne Restaurationsbetrieb keine oder nur eine eingeschränkte Möglichkeit zur Konsumation besteht und man für lange Partien tatsächlich sicherheitshalber einen Notvorrat einpackt. Lädt ein Verein mittels seines Aufgebots aber explizit in ein Restaurant ein, ist der Verzehr von mitgebrachtem Fressalien nicht nur eine Unverfrorenheit, sondern er gefährdet auch den Verbleib der Heimsektion in deren Lokal.
Markus Angst, «SSZ»-Chefredaktor



