- Post date: 10. Mai 2013
Heute abend beginnen in Bremen die Deutschen Problemlösemeisterschaften. Zwar geht es dort um Schach, doch ahnt man es bereits: so eine Meisterschaft hat die Stadt lange schon gebraucht, denn hier an der Weser gibt es einige Probleme finanzieller und fußballerischer Art, die sich nicht so einfach lösen lassen.
Es ist ja schon ein Weilchen her, seit die schöne Hansestadt ein Musterbeispiel deutscher Wirtschaftskraft gewesen ist. Werften, Autobau (der gute Borgward!), Hafenumschlag, internationaler Handelsplatz - das alles waren die Quellen des Bremer Wohlstandes. Man lebte erfolgreich gemäß dem alte Kaufmannsmotto "Buten un binnen - wagen un winnen" (draußen und drinnen - wagen und gewinnen). Das kleine Bremen war Geberland und finanzierte den Agrarstaat Bayern lange Jahre im Länderfinanzausgleich mit. Und sogar Werder spielte früher besseren Fußball und wurde 1965 Deutscher Meister.

Bremens gute Stube: der Marktplatz mit Rathaus und Dom
Das alles ist lange her. Heute hat Bremen mit allerlei Problemen zu kämpfen, wühlt sich durch einen Berg von Schulden, muss sparen, sparen, sparen, und kommt trotz weiterhin beachtlicher wirtschaftlicher Stärke kaum über die Runden. Die Finanzsenatorin hat es schwer, denn die meisten Bremer Arbeitnehmer wohnen außerhalb (buten!) und zahlen ihre Einkommensteuer in Niedersachsen. Darüber hinaus ist das Wetter meist nordisch grau und feucht, die Bremer Partie wurde von Magnus Carlsen vorgeführt und (das schlimmste Problem) der Hamburger SV steht in der Tabelle der Fußball-Bundesliga deutlich vor Werder.

Grün-weißer Genuss ist in Bremen angesagt
Doch Hilfe ist auf dem Weg - denn heute beginnen sie ja, die Deutschen Meisterschaften im Lösen von Problemen, ausgerichtet vom SV Werder Bremen. Welche Stadt wäre als Austragungsort geeigneter gewesen?
Allerdings geht es in den kommenden drei Tagen mehr um schachliche Probleme als um Probleme aus der realen Welt. Und dennoch ist es eine nette Geste, dass sich ab heute ein internationales Teilnehmerfeld ausgerechnet in der alten Hansestadt ein Stelldichein gibt. Bremen sagt: Willkommen! Welcome! Moinmoin!
Ich persönlich (oder, wie manche Fußballer sagen, "ich für meine Person") konnte mich mit Problemschach leider noch nicht so richtig anfreunden in meinem langen Schachleben. Eine ganz normale Schachpartie am Brett mit einem richtigen Gegner verursacht bei mir schon Probleme in ausreichender Menge - und selbst die vermag ich oft nicht gut zu lösen!
Dramatischer allein ist es nur beim Problemschach - die Aufgaben, die man dort lösen muss, sind reich und komplex, aber dann doch oft so übervoll mit Motiven, dass ich meist lieber schnell weiterziehe. Alles, was ich über Problemschach weiß, ist die goldene Regel: "Der unwahrscheinlichste Zug ist immer die Lösung."

So ungefähr nehme ich Schachprobleme wahr. (Ich bitte um Verzeihung!)
Doch es gibt sie, die Problemschach-Freunde, und sie haben natürlich auch ihre eigenen Meisterschaften. Arno Zude ist ein Spezialist auf diesem Gebiet und mehrfacher Deutscher Meister. Werder-Präsident Dr. Oliver Höpfner hat ein Faible für das Problemschach und holte die Meisterschaft um den Siegerpokal der Schwalbe in diesem Jahr nach Bremen. Und auch Schachfreund Losso wird den verehrten LeserInnen dieses Blogs bekannt sein als unermüdlicher Werber für diese besondere Disziplin des königlichen Spiels.

Mit dem Namen Höpfner verbindet sich im ganzen Land manch´ gute Assoziation.
Mehr zum Wagen un Winnen, den sportlichen Aspekten, den Favoriten und dem gesamten Rahmen des Turniers findet sich ausführlich auf der Homepage des SV Werder.
Wer heute zur Eröffnung, morgen oder Sonntag zu den offiziellen Meisterschaftsrunden vorbeischauen möchte, ist herzlich willkommen! Gespielt und um Punkte gekämpft wird binnen in der Hemelinger Straße nahe dem Weserstadion.
Und wenn Werders Fußballteam morgen gegen Frankfurt dann noch drei Punkte holt, ist auch eines der ganz wesentlichen Probleme der Stadt fürs Erste schon einmal gelöst. Daumen drücken!
- Post date: 06. Mai 2013
Ich meine, man muss das doch verstehen. So jung, der Falko, und das ist eben eine ganz andere Generation. Die wachsen doch heutzutage schon auf mit den Handys unter dem Daumen, ist doch so, und für die ist es schon ganz selbstverständlich, dass sie es überall mit hinnehmen müssen, auch aufs Klo. Aber nur weil man mal so ein Handy mit auf der Toilette hat, muss man doch noch kein schlechter Mensch sein, ich meine, wo kommen wir denn da hin? Außerdem ist er doch Geschäftsmann oder so, da würde ich auch nicht jedem zeigen wollen, was meine vertraulichen Geschäftsdaten sind, nicht wahr? Ich meine, wo fängt es an, wo hört es auf? Eigentlich ist Schach ja auch nur ein Spiel, da soll man doch bitte schön die Küche im Dorf lassen.

Auch Capablanca hätte als Ehrenmann jeden Verdacht einer Smartphone-Nutzung
deutlich von sich gewiesen. (Berlin 1929, Quelle: Bundesarchiv)
Die Bundesliga, na gut, da hätten sie schon ein bisschen aufpassen können mit den Formalien. Aber andererseits, es gab ja schon eine Menge gute Regeln, und wer denkt denn an sowas? Dass da einer mit dem Handy rumläuft und vielleicht sogar illegale Sachen mit macht. Und dann kann man ihn noch nicht mal bestrafen, sperren, kontumazieren, weil das irgendwie nicht ganz formgerecht in der Satzung stand. Sowas kommt vor – es ist schade, aber es kommt vor.
Der Bundesliga e.V., das sind ja auch keine Volljuristen, das sind doch auch alles nur Schachspieler so wie wir. Die machen das ja nicht, um Geld zu verdienen, und es ist alles ehrenamtlich, ich meine, ist doch so. Auf den Funktionären und Verantwortlichen sollte man jetzt nicht rumhacken. Ich bin ja froh, dass sie das überhaupt machen, den ganzen Stress auf sich nehmen. Vor den Organisatoren ziehe ich meinen Hut, wirklich.

Auch wenn intensiv geregelt wird, bleiben leider oft noch Lücken
Es ist nur zu ärgerlich, dass nun wegen so einem Formfehler das alles nichts wird mit einer Sperre. Der Falko, nicht wahr, der kommt nun damit durch, dass er sein Handy nicht gezeigt hat. Hatte er einfach nur gute Nerven? Bei der Tour de France, ich meine, da gäb´s das nicht! Keine Blutprobe zugelassen, schon ist der Fahrer raus aus der Chose, Feierabend, Sperre, kann direkt nach Hause radeln.

Manchmal ist es besser, schnell nach Hause zu fahren. Man kann ja auf dem Weg noch etwas lesen.
Genau so hat es der Falko aber gemacht – keine Handykontrolle erlaubt, den Schiri wieder weggeschickt, und das beim Schach, Spiel der Könige, wo man sich mit dem Smartphone mal eben heimlich gute Züge ausdenken lassen kann.
Wäre er doch bloß ein wenig demütiger gewesen, ich meine, so irgendwie kooperativ. Wenn da der Schiri auf einen zusteuert und böse Dinge unterstellt, da kann man doch mal helfen und sich entlasten! Hat Uli Hoeness doch auch gemacht, mit seiner Selbstanzeige. So aber, ich weiß nicht, er zeigt sein Smartphone nicht, macht Rabatz und redet von Grundwerten.

Das Ringen um sportliche Erfolge lässt Menschen manchmal sonderbare Dinge tun
Ich meine, ist doch Sport, und Bundesliga, da muss so ein Spieler doch wissen, dass das den anderen komisch vorkommt mit dem Smartphone auf dem Klo. Hätte er man sein Handy gezeigt, von innen und von außen, dann wäre doch alles geklärt. Aber Falko hat das nicht, und nun kommt er auch noch damit durch. Formfehler! Ich glaube, das war unverschämtes Glück für ihn.
Andererseits - das wird nun immer an ihm hängen bleiben. Wir wissen nicht, ob wirklich irgendwie geschummelt wurde, aber entlasten wird er sich nun nicht mehr können. Keine Chance auf Reha. Nicht schön für ihn, irgendwie. -

Im Paragraphendschungel
Turnierleiter aufgepasst! Bei uns in der Vereinsmeisterschaft werde ich mich von nun an mit einem Smartphone hinsetzen, und wenn sich jemand beschwert, sage ich nur „Satzung!“.
Denn bestimmt hat in unserer Turnier-Ausschreibung niemand auf die Regeln des Deutschen Schachbundes verwiesen. Und falls doch, dann sicherlich nicht darauf, dass automatisch auch die Sanktionen des DSB Anwendung finden, falls jemand mit Smartphone erwischt wird. Was die anderen im Verein dann von mir denken? Ist mir ja erstmal ganz egal. Hauptsache, ich kann weiter spielen und ab und zu mal einen Preis gewinnen. Denn darum geht es doch im Schach, oder?
Ich meine, ist doch so, oder nicht?
- Post date: 01. April 2013
Herzschlagfinale in London – Vladimir Kramnik und Magnus Carlsen standen gleichauf vor der letzten Runde im großartigen Kandidatenfinale und spielten zwei Partien am heutigen Ostermontag, in denen es wieder drunter und drüber ging. Am Ende verloren sie beide, doch für Carlsen reicht es trotzdem für den WM-Kampf gegen Anand.
Meine Güte, das war spannend! Auch wenn man als Zuschauer wie bei jeder Turnierpartie im Internet noch gerne immer etwas anderes zwischendurch machen konnte (Kaffee kochen, am Schreibtisch arbeiten, Katzen füttern, auf dem Balkon frieren), zog es mich wieder und wieder zurück zum Computer, um zu schauen, was sich in London so tut. Allerdings dauerte es fünf intensive Stunden, bis die Entscheidung gefallen war. Ich fürchte, so richtig zuschauerkompatibel und medienwirksam ist das nicht - hier muss Schach wohl noch arbeiten, um das Format verdaulicher zu machen? -
Sowohl Kramnik als auch Carlsen hatten gute Chancen, sich für den WM-Kampf gegen Vishy Anand zu qualifizieren.
Erste Grundregel heute: wenn beide punktgleich sind, spielt Carlsen um den Titel, denn er hatte die größere Anzahl von gewonnenen Partien. (Ob das ein faires Kriterium ist für die Auswahl des Turniersiegers, sei dahingestellt. Dennis Monokroussos zum Beispiel kritisierte das sehr in seinem Blog und hätte sich stattdessen einen Stichkampf gewünscht. Es erscheint mir aber nicht unfair oder unangemessen.)
Zweite Grundregel: wer heute mehr Punkte holt als der andere, qualifiziert sich für Anand!
Heute nun trat der für Norwegen spielende Baden-Badener Carlsen mit den weißen Steinen gegen Peter Svidler an (der ja ebenso wie Jan Gustafsson ebenfalls für Baden-Baden spielt). Carlsen holte aus einer spanischen Eröffnung überhaupt nicht viel heraus, begann dann aber erst am Damenflügel und dann am Königsflügel zu fummeln und schien dabei einigen Druck zu erzeugen. Doch der Eindruck blieb, dass es alles ein wenig zu gewollt aussah – auch aufgrund der Turniersituation musste Magnus ja probieren und seine Chance suchen, denn nur mit einem Sieg konnte er ja sicher sein für die Qualifikation.

Was ist hier denn los? Carlsen versucht zu wirbeln, doch Svidler bleibt cool. (Quelle: Turnierhomepage)
Dann aber schlug die Stunde von Peter Svidler, dem russischen Meister und Teamkollegen von Jan Gustafsson! Mit ein paar sauberen Zügen setzte er einen (gefühlt) sauberen Konter an und ließ Carlsens Figuren irritiert und verstreut über das Brett zurück, während seine eingenen Steine schön harmonierten und einen Mehrbauern herausspielten. Kommt mir bekannt vor – sowas machen meine Gegner auch immer in der Zweiten Bundesliga! Am Ende blieb nichts übrig von Carlsens Angriff – und Svidlers Mehrbauer lief zur Dame. Punkt für Svidler. Kramnik boven?

“Kramnik in Bonn“ 2006
Der 14.Weltmeister stand heute dicht vor einer erneuten Qualifikation für ein WM-Finale.
Das Bild stammt aus einer Serigrafie von Emese Kazár und kann direkt bei der Künstlerin erworben werden. Den Kontakt stelle ich gerne her - bei Interesse einfach eine Mail schicken an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .
(Auflage 45, signiert und datiert, Blattgröße: 14,8 x 21 cm. Ungerahmt 49,-, gerahmt mit Passepartout 69,- (Rahmengröße: 24,5 x 21 cm). Porto kostenfrei im Inland.)
Vladimir Kramnik spielte gleich nebenan eine schwere Partie gegen Vassily Ivanchuk und versuchte, ihn als Schwarzer mit einem Pirc-ähnlichen Aufbau zu überraschen. Auch wenn diese Überraschung vielleicht gelang - zumindest aber der Stellungsaufbau ging daneben und Ivanchuk entwickelte einen unheimlichen Druck auf beiden Seiten des Brettes, spielte gegen die geschwächten schwarzen Bauern und drückte und drückte und drückte. Kramnik nahm die Fäuste hoch und versuchte ein Bollwerk aufzubauen, um die weißen Figuren zu bremsen.
Doch just als Carlsen um 20 Uhr am Nebenbrett aufgab und für Kramnik nun schon ein Remis reichen würde, stand ein massiver weißer Freibauer auf b6 und machte ihm das Leben schwer. Zudem war Ivanchuk nicht wie sonst in Zeitnot, sondern spielte seine sichere Stellung sicher im Vorteilsmodus auf Gewinn. Und tatsächlich – im 43.Zug gab sich Kramnik geschlagen.

Das Ende des WM-Traumes - Vassily Ivanchuk schlägt Vladimir Kramnik (Quelle: Turnier-Homepage)

Er haut sie alle um - Ivanchuk schlug in London sowohl Carlsen als auch Kramnik. (Foto: Ray Morris-Hill)
So haben beide Anwärter auf den WM-Kampf heute verloren, aber gleichzeitig groß gekämpft, wie schon im gesamten Londoner Turnier vorher. Das Turnier und seine acht Teilnehmer haben eine Perle der Schachgeschichte geschaffen – so spannend und intensiv habe ich Schach schon lange nicht mehr erlebt.
Norwegen jubelt - Magnus fährt zur WM! Anand wird sich warm anziehen müssen, doch klar ist die Sache noch nicht. So hat Carlsen in London durchaus einige Unsicherheiten offenbart, und überhaupt – der für Indien spielende Baden-Badener Weltmeister wird sicherlich mit seinen Herausforderern wachsen.
Freuen wir uns also auf den Herbst! Magnus aber kann erstmal feiern. Swinging London ruft!

So sehen (Turnier-) Sieger aus! (Foto: Ray Morris-Hill, http://raymorris-hill.smugmug.com/)
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Wo wir schon mal hier sind, können wir auch gleich unser Tippspiel zum Kandidatenfinale auflösen. Zu gewinnen gab es ja entweder eine Schachreise von und mit Jörg Hickl oder eine schöne Tafel Bremer Schokolade - wie sich nun herausstellt, muss der Sieger diesmal noch mit der Schokolade vorlieb nehmen. Doch nicht verzagen - sie ist wirklich sehr lecker und hübsch verpackt (mit Stadtmusikantenmotiv).
Auf Carlsen als Turniersieger tippten ganz richtig:
Losso, Holger Hebbinghaus (der alte Fuchs!), Sven Joachim, Marcchan, tigran_barmbek und Darth Frank.
Wie angedroht, wird meine Frau nun eine willkürliche Auswahl treffen. Das Ergebnis lautet (nach Losentscheid!):
Die Schokolade geht an .... tigran_barmbek.
Herzlichen Glückwunsch!
- Post date: 30. März 2013
Bevor die große Mutter FIDE mir bald schon den FM-Titel aberkennt, noch schnell ein Bericht für Schach-Welt, den Blog meines Vertrauens. Viel gibt es zu berichten:
- Heute nacht um zwei werden in Europa wieder die Uhren vorgestellt. Nicht vergessen, und Vorsicht auch bei Mannschaftskämpfen, dass man nicht verschläft! Zwar können die Schiris mittlerweile ja die Augen zudrücken, wenn es mit der pünktlichen Anreise nicht ganz klappt, aber die meisten Gegner zumindest fordern die kampflose Niederlage, wenn man aufgrund der Zeitumstellung den Partiebeginn verpasst. Kontumazieren nennt man das in Österreich, und das ist mindestens genauso schlimm wie es sich anhört.
Darum also, schön heute nacht um zweie die Uhren vorstellen, auch bei den Osteropen in Deizisau und Norderstedt!
- In der Bezirksliga Nord, zwischen Flensburg, Husum, Sylt und Eckernförde, steht der Schleswiger Schachverein von 1919 schon einen Spieltag vor Saisonschluss als Meister und Aufsteiger in die Verbandsliga fest - herzlichen Glückwunsch dazu! Die Schleswiger sind damit so ein bisschen das Baden-Baden des Nordens. Mein alter Verein, in dem ich Anfang der Achtziger Jahre das Schachspielen lernte, ist also wieder auf dem Weg nach oben. So soll das sein!
Wie auch dieses Bild belegt, ist in Schleswig immer gutes Wetter. (Hier ein Blick auf das Schloss Gottorf - danke an Frank Maahs/ Wikipedia für das Bild!)
- Beim Kandidatenturnier in London ruhen heute die Figuren, die Bretter werden gepflegt, geputzt und, falls es Schäden in der Grasnarbe gibt, ausgebessert. Acht Spieler wollten dem Baden-Badener Weltmeister Vishy Anand demnächst den Titel streitig machen, doch so wie es aussieht, haben nurmehr Vladimir Kramnik und der junge Magnus Carlsen eine reelle Chance auf den Turniersieg. Kramnik sammelt in den Partien des zweiten Umlaufs Punkt um Punkt und rang gestern in einer monumentalen Partie seinen direkten Konkurrenten Levon Aronjan nieder. Von dieser Begegnung werden sich noch unsere Enkel erzählen!
Zeitgleich und für viele völlig unvermutet unterlag auch Carlsen – der Norweger hatte gegen Ivanchuk in ausgeglichener Stellung einfach munter weiter auf Gewinn gespielt und brachte sich erst damit in Schwierigkeiten (ein beliebtes Phänomen unter Schachspielern). Nach ungefähr sechs Stunden gab sich Carlsen geschlagen – eine bittere Niederlage für ihn, nachdem das Turnier bisher so rund für ihn gelaufen war.

Schmerzhafter erster Partieverlust in London: Magnus Carlsen
For the photo - thanks, Ray Morris-Hill! http://raymorris-hill.smugmug.com/
Zwei Runden vor Schluss liegt Kramnik mit einem halben Punkt in Führung. Schauen wir mal, ob er weiter so cool bleibt und seine Punkte einfährt. Erst aber muss er noch (ebenso wie wir) die Zeitumstellung hinter sich bringen.
- Schon in einer Woche rollen in Schwetzingen wieder die Figuren in der Schach-Bundesliga. Da mag sich so manch einer fragen – Schwetzingen, wo ist denn das? Dabei ist dieser schöne Ort eine kleine Perle in der Nähe von Heidelberg, so dass Sonne und gutes Wetter allein schon von Amts wegen garantiert sind, wenn sich alle 16 Mannschaften der Liga zu den letzten drei Runden im Schwetzinger Schloss treffen.
Rein sportlich mag die Luft zwar schon so ein wenig raus sein, denn Baden-Baden ist so gut wie Meister, und auch die Chancen der SF Berlin sind nicht mehr so ganz riesig, den fünftletzten Platz zu erreichen. Doch man weiß ja nie (vor allem bei den Berlinern!), und was soll es auch – viele tolle SpielerInnen werden dort sein, man kann Wein trinken, in der Sonne sitzen, und drei Tage lang Schach und guten Kaffee genießen. Auf also, in den Süden!
(Interessante Vorberichte zur Endrunde findet man auf dem vielseitigen Portal der Schach-Bundesliga. Alle Partien werden dort wie immer zeitgleich live und kostenlos ins Netz gestellt – fast könnte man sich fragen, ob man sich da die Anreise und das Eintrittsgeld für die Veranstaltung möglicherweise auch sparen könnte? Aber was soll´s – auch wenn ich hier die Politik und das Marketing des Schach-Bundesliga e.V. nicht ganz verstehe, hoffe ich und drücke die Daumen, dass das Schwetzinger Schloss trotzdem hübsch voll und die Veranstaltung ein toller Erfolg wird!)
- Neuer Bremer Meister wurde heute IM Tobias Jugelt vom Delmenhorster SK. Wie schon mehrfach in den Vorjahren, hat Tobias das Turnier mit Lockerheit dominiert und sich sicher Punkt um Punkt erspielt. Er ist damit der Bremer Mann bei der Deutschen. Herzlichen Glückwunsch zum Titel!
- Auch wenn es schon etwas her ist – am 29.März 1886, also heute vor 127 Jahren, gewann der Österreicher Wilhelm Steinitz in New York, St.Louis und New Orleans den weltallerersten offiziellen WM-Kampf und wurde dadurch der erste Weltmeister der Schachgeschichte. Dazu (wenn auch nachträglich) gratuliert die Schachwelt-Redaktion! Zugleich sind wir umso gespannter, wer sich wohl morgen und übermorgen in London als Nachfolger von Wilhelm Steinitz empfehlen wird. 
Wilhelm Steinitz: einer der stärksten Spieler des 19. Jahrhunderts und Freund heroischer Königswanderungen
Moin, und frohe Ostern allen Leserinnen und Lesern!
PS Zwischenstand Bayern - HSV 9 : 1 .... was ist denn da schon wieder los? HSV!
- Post date: 15. März 2013
Nun, da der neue Papst gewählt ist, kann auch die Schachwelt nachziehen und in London beruhigt einen Herausforderer für Weltmeister Vishy Anand küren.
Während das Kandidatenfinale vor zwei Jahren noch mit K.O.-Partien und anschließendem Hauen und Stechen im Schnell- oder gar Blitzschach ausgetragen wurde, sehen wir nun auf der britischen Insel ein doppelrundiges Turnier zehn Teilnehmern. Bis zuletzt wurden die Namen der Spieler geheim gehalten, doch nach einigen Recherchen präsentieren wir heute hier live im Schachwelt-Blog die Teilnehmer.
Wir schauen nach London, und wir sehen:
- 1) Vladimir Kramnik:
Kramnik kann Weltmeister, das wissen wir schon seit dem Jahr 2000, als er den unglaublichen Garri Kasparov vom Thron schubste. Seit seiner Heirat vor einigen Jahren musste er den Titel zwar an den (ebenfalls verheirateten) Vishy Anand abgeben, hat sich dann aber wieder gefangen und spielt seitdem nicht nur wieder erfolgreich, sondern sogar sehr unterhaltsam und wagemutig. Gefällt mir, auch wenn ich nicht immer alles verstehe.
Kandidatometer: 8,5 von 10 Punkten
2) Boris Gelfand:
Hatte Anand schon am Haken und wäre letztes Jahr in Moskau beinahe neuer Weltmeister geworden. Beeindruckend! Der Israeli wirkt auf mich konzentriert und ruhig, dabei gleichzeitig inspiriert und bereit zu interessanten Experimenten schon in der Eröffnung. Mal sehen, was er für London ausgekocht hat. Manche sagen, sein hohes Alter (so um die 40 …) würden es unmöglich machen, dass er der neue Herausforderer wird. Allerdings wurde er mit demselben Argument auch schon vor zwei Jahren nicht ernst genommen – und hat sich dort dennoch durchgesetzt.
Kandidatometer: 8 von 10 Punkten
3) Ilja Schneider:
Hat sich bei den Bremer Blitzmeisterschaften 2012 für London qualifiziert, ist aber leider verhindert aufgrund des sechsten Bundesliga- Wochenendes mit den Schachfreunden Berlin. Aus deutscher Sicht bedauerlich!
Kandidatometer: schade, nicht dabei. Ansonsten 9,2 Punkte und ein angenehm hoher Kaffeehausfaktor

Umkämpfte Krone
4) Alexander Grischuk
Bei Grischuk weiß man nie, ob man seinen Namen mit „sch“ oder nur mit „sh“ shreiben soll. Er ist natürlich ein Mann der alten russischen Shachshule, verdient sich seine Punkte aber auffallend oft erst in den Tie-Breaks beim Schnellschach. Ob es in London auch für die langen Partien reichen wird? Vor zwei Jahren in Mainz immerhin hat er meinen Mannschaftskollegen Joachim Asendorf im Schnellschach geschlagen. Allerdings kam dieser auch knapp zehn Minuten zu spät zur Partie und eröffnete dann auch noch mit 1.c2-c4. Eine Prognose ist hier also ausgesprochen schwer. Wir halten uns bedeckt und sagen
Kandidatometer: 7 Punkte von 10
5) Magnus Carlsen
Erst als Nachrücker für Ilja Schneider ins Turnier gekommen, aber dennoch ein mehr als aussichtsreicher Kandidat für unterhaltsame Partien. Stefan Löffler weiß allerdings zu berichten, dass Magnus mitunter ein klein wenig trainingsfaul ist. Außerdem waren die Norweger bisher noch nie so richtig weit vorne, wenn es um Kandidatenwettkämpfe gegangen ist. Und was ist, wenn er in London die Frau seines Lebens kennenlernt? Er ist ja noch recht jung. Da werden dann auch Carlsens gute Endspielkenntnisse nichts mehr rausreißen können.
Kandidatometer: 4,5 Punkte
(Mit Grüßen von Stefan Löffler: hier ist der Link zu seinem Artikel "Ein bisschen Gott, ein bisschen Schlange".)
6) Vassily Ivanchuk
Chucky wird entweder alle sechzehn Partien gewinnen oder im hinteren Mittelfeld landen. Nach so vielen intensiven Jahren im Profischach hätte er es allemal verdient, um die WM-Krone zu spielen. Wie so viele unter uns ist er nicht mehr ganz der Jüngste, und da sollte man auch mal sagen dürfen, dass er einfach mal dran ist. Daumen gedrückt für Ivanchuk!
Kandidatometer: 6,8 Punkte
7) Emanuel Lasker
Seit langer Zeit mal wieder ein deutscher Vertreter in den Finals! Das gute Ergebnis in Nottingham 1936 dürfte ihm Sicherheit geben für das Kandidatenfinale in London, auch wenn die junge Generation natürlich mit den neuesten Tricks ans Werk gehen wird. Doch das hat Emanuel Lasker schon früher nie sehr gestört. Auch drohen für London nicht diese hohen tropischen Temperaturen wie in Havanna 1921 gegen Capablanca. Seien wir also zuversichtlich!
Kandidatometer: 7,2 Punkte

Diese Laskers - immer für einen WM-Kampf gut! (Foto:Frank Eugene, Wikipedia)
8) Peter Svidler
Der sympathische Russe hat bei Baden-Baden viel von seinem Teamkollegen, dem Schach-Europameister Jan Gustafsson, gelernt. Seit er vor nicht allzu langer Zeit die russische Meisterschaft gewann, scheint er ernst machen zu wollen mit einem ernsthaften Anlauf zur Weltmeisterschaft. Manchmal gewinnen ja die, die vorher nicht so tief im Blickpunkt standen. Das Potential ist da. Mein Tipp: Peter Svidler!
Kandidatometer: 9,1 Punkte

Ein WM-Kampf gegen Svidler? Noch hält Anand sich bedeckt.
9) Levon Aronian
Blitzweltmeister ist er schon geworden, er weiß also, wie es sich anfühlt an der Spitze. Aronian kann begnadete Züge aufs Brett zaubern, und er ist immer well-dressed. Wie man ja weiß, geben gute Anzüge und/ oder Krawatten auch Durchhaltevermögen, wenn die Königsstellung einmal kritisch ist. Und dennoch weiß ich nicht, ob das alles schon reicht bei so einem Turnier, wo es um alles geht und auch noch Magnus Carlsen mitspielt. Aus dem Bauch heraus – diesmal noch nicht, trotz aller Sympathie!
Kandidameter: 5,9 Punkte
10) Teimour Radjabov
Hat ähnlich wie Grischuk einen komplizierten Nachnamen, der dem Gegner schon die ersten Energien abverlangt, wenn das Partieformular ausgefüllt werden muss. Auch klingt der Name ähnlich gefährlich wie beispielsweise „Slepushkin“, „Nakamura“ oder „Schneider“, und das ist immer gut fürs Image und ein paar ELO-Punkte mehr. Aus Sicht der FIDE-Marketingabteilung wäre ein Weltmeister Teimour Radjabov allerdings nicht optimal, denn der Name ist für die breite Öffentlichkeit nicht so eingängig und leicht zu merken wie beispielsweise Kramnik, Kasparov, Anand oder Hickl. Eine genaue Prognose fällt daher schwer. Schach spielen allerdings kann der Mann, und er kann unbeschwert ins Rennen gehen.
Kandidatometer: 7,3 Punkte

Zehn große Meister, doch nur einer wird sich qualifizieren
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Das Große Schach-Welt-Tippspiel (!)
Heute nun ist es soweit – die Kandidaten steigen in den Ring und kommen erst zu Ostern wieder heraus. Die Leser des Schachwelt-Blogs sind daher aufgerufen, einen Tipp abzugeben: Wer wird sich qualifizieren für das WM-Finale gegen Anand?
(Die Frage stellte sich auch Anish Giri in der ZEIT - Danke an Stefan Löffler für den Hinweis.)
Zu gewinnen gibt es eine zehntägige Schachkreuzfahrt von und mit Großmeister Jörg Hickl oder eine kleine Schokoladenspezialität aus Bremer Landen. (Das wird noch entschieden - wir müssen uns da noch abstimmen!)
Einsendungen bitte wie immer diskret im Kommentarbereich. Bei mehreren richtigen Antworten entscheidet meine Frau, und Einsendeschluss ist nach der zweiten Runde! (= Samstag, 16.März, um Mitternacht).
Viel Glück!
- Post date: 10. März 2013
Es ist Sonntag, und wir haben Zeit zum Lesen, Schlafen, Marathonlaufen und Eis kratzen. Auch Schach kommt nicht zu kurz: gestern erst entschied Klaus Bischoff die Deutsche Blitzmeisterschaft (5 Minuten Bedenkzeit pro Partie) in Korbach für sich, noch vor Ilja Schneider, Matthias Dann und unseren beiden treuen Lesern Falko Meyer und Holger Hebbinghaus - Chapeau, und Glückwunsch aus der Redaktion! Und schon heute macht die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ihren Lesern eine besondere Freude mit einem fast ganzseitigen Bericht über Magnus Carlsen, den alten Norweger.
Im Sportteil der FAS porträtiert Stefan Löffler, Blogger der Herzen hier auf Schachwelt.de, den sympathischen Großmeister, der ab dem kommenden Freitag einer der acht Teilnehmer des Kandidatenfinales in London sein wird.
Es gibt tolle Fotos, und was soll man sagen - cool sieht er aus, der Magnus! Erzählt wird aus seiner (Carlsens, nicht Löfflers!) Jugend mit den Donald Duck-Heften beim Schachturnier, von starken Nerven, und der interessanten Theorie, dass der Erfolg in einer Schachpartie nicht schon in der Eröffnung gesucht werden muss, sondern auch erst später erarbeitet werden kann. (Das beweisen ja auch die inspirierten Forschungen Stefan Bückers, der mit dem Geier und dem Habichd schon vor vielen Jahren von Nordwalde aus neues Leben in die ersten Züge der Partie hauchte).
Na, das waren noch Zeiten damals, in den Achtzigern:
mit richtigen Bücher, und man durfte auch noch den GEIER spielen!
Kompliment darum an die Frankfurter Allgemeine, die dem Schachsport heute einen gebührlichen Platz einräumt. Auch die Süddeutsche Zeitung und die ZEIT haben die 64 Felder gerne im Blick und berichten ebenso wie so manch´ andere Zeitung regelmäßig in der gedruckten Ausgabe. Wir Schachspieler freuen uns immer darüber!
Schach ist schön, wenn man kann, sagt eine alte Volksweisheit, und niemand kann es heute scheinbar so gut wie Magnus Carlsen (oder natürlich auch Klaus Bischoff, wenn es um Blitzschach geht). Nach Stefans Artikel heute fange ich langsam an, mich auf das Turnier in London zu freuen!
PS! À propos Schach, und à propos Zeitungen: der Londoner Guardian hat heute in seiner Online-Ausgabe ebenfalls ein ausführliches Porträt von Magnus Carlsen.
http://www.guardian.co.uk/sport/2013/mar/10/chess-magnus-carlsen-world-title
Für alle, die (so wie ich) noch nicht genau wissen, wer am Londoner Kandidatenfinale überhaupt teilnimmt, hier noch ein Rätsel.
Acht Spieler nehmen teil - welche drei der folgenden sind also nicht dabei? (Die Lösung steht im Guardian-Artikel.)
Magnus Carlsen (!),Hikaru Nakamura, Vladimir Kramnik, Levon Aronian, Vassily Ivanchuk, Viswanathan Anand, Peter Svidler, Anish Giri, Alexander Grischuk, Teimour Radjabov?
- Post date: 20. Februar 2013
Als Schachspieler werfen wir manchmal Blicke in die wirkliche Welt und sehen, dass dort allenthalben wohlklingende Titel verlorengehen. Mit Grüßen von der Uni Düsseldorf wurde erst kürzlich der prominenten Titelträgerin Annette Schavan der Doktortitel aberkannt. Auch der Papst heißt künftig nicht mehr Papst, sondern erkennt sich seinen Titel in Kürze selbst ehrenvoll und freiwillig ab.
Selbst beim Schach, diesem härtesten Sport zwischen Krefeld und Kirgistan, werden unbescholtene Spielernaturen immer öfter mit dem Phänomen der Aberkennung konfrontiert:
- - Vladimir Kramnik erkannte man den Weltmeister-Titel ab, nachdem er bei einem starken Turnier 2007 in Mexiko lediglich einen (!) Punkt weniger als Anand erspielt hatte (Hinweis: im Jahr zuvor hatte Kramnik geheiratet). So schnell kann das gehen mit dem Verlust eines Titels. Und die Uni Düsseldorf musste dazu noch nicht einmal ein Statement abgeben.
À propos Düsseldorf – auch das anschließende Match Anand – Kramnik 2008 im Düsseldorf recht nahegelegenen Bonn entschied Vishy fulminant für sich. Kramnik ist seitdem erst einmal Ex-Weltmeister, doch auch dieser Titel hat ja eigentlich einen gewissen Charme.

Ein großer Ex-Weltmeister, auch im Sitzen: Vladimir Kramnik 2005 in Wijk (Foto: Steenslag)

Anand hatte für Bonn das gewiefte Bauernopfer Lb7! vorbereitet.

- Auch mit vielen Gegnern gleichzeitig keine Probleme:
Weltmeister Anand beim Simultan in Baden-Baden 2011
-- - Beim Internet Chess Club werden die Spielernamen, sogenannte „Handles“, aberkannt, wenn man nicht rechtzeitig sein Konto wieder auffüllt und das Abo verlängert. Da ist es dann schnell vorbei mit Titeln wie „Carl Puccino“, „Mattenkatze“ und „Karpovs Putzfrau“ – ohne Dollar kein Handle, und schwupp ist auch hier schon die Aberkennung vollzogen. Andererseits kann man sich hier und auf anderen Portalen auch schnell wieder einen neuen Titel kaufen, mit dem man dann durchs Leben geht - irgendwie ja auch ganz beruhigend.
- - Erst vor kurzem berichtete mein verehrter Chef, der Großmeister Jörg Hickl, hier im Blog von leichten Unregelmäßigkeiten im Turnierbetrieb. So scheinen einige Schachwettbewerbe tatsächlich nur auf dem Papier stattzufinden, und doch geht von dort am Ende so manche(r) Spieler(in) mit einer hübschen IM-oder GM-Norm nach Hause. Wir sagen: ein klarer Fall für die Schachpolizei!
Vielleicht werden einige Großmeister ihre Titel eines Tages sogar wieder abgeben müssen - doch wen könnte es treffen? Vielleicht Alexej Shirov, der immer so abenteuerliche Züge macht? Jan Gustafsson, der ja bekanntlich aus Hamburg kommt? Oder gar der starke Großmeister Baadur Jobava, der erst kürzlich dreimal in einem Turnier mit 1.b2-b3 eröffnet hat? 
D 5.g2-g4 - darf man solche Züge wirklich denken? (Alexej Shirov - Masha Klinova, Gibraltar 2006)

Läufer on board! Der König der armen Masha bekommt Besuch auf den weißen Feldern.

- Wer kennt diesen Hamburger Großmeister? (Foto: Stefan64)
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Baadur Jobava zieht 1.b2-b3! Ein schöner Zug, doch seien wir ehrlich – spielt so ein echter Großmeister?
Natürlich sind diese drei GMs in jederlei Hinsicht mindestens genauso unverdächtig wie der Papst . Aber dennoch, es gibt solche Manipulationen, und gut ist das auf keinen Fall.
Nicht nur für die Träger ehrenvoller Titel droht in diesen modernen Zeiten Ungemach. Auch in anderen Bereichen des Schachsports muss man mittlerweile mit Kürzungen rechnen:
- - Der Deutsche Schachbund hat mir in den letzten zwei Jahren eine ganze Reihe schwer erarbeiteter DWZ-Punkte aberkannt. Dabei war ich nur auf einigen Turnieren und habe so gut (schlecht) Schach gespielt, wie es mir eben möglich war. Doch für den DSB war das scheinbar schon zuviel - kein Pardon für ein langjähriges Mitglied, und weg waren meine DWZ-Punkte. Unheimlich.

E Es ist hart, wenn man erkennt, dass manchmal auch Kaffee nicht mehr hilft.
U Und was passiert eigentlich mit diesen DWZ-Punkten – werden sie irgendwo gelagert, oder macht sich jemand anderes damit einen schönen Tag? Darüber wüsste man manchmal gerne etwas mehr.
- - Die Sponsoren des Moskauer Aeroflot Open haben dem langjährig etablierten Wettbewerb ein Stück seiner Bedenkzeit geraubt. Gespielt werden nun nicht mehr Turnierpartien, sondern fluffige Schnellpartien mit (Achtung!) nur noch fünfzehn Minuten je Spieler (+ 10 Sekunden Aufschlag pro Zug).
Die Spiele mit langer Bedenkzeit seien „langweilig, armselig und nutzlos“, so Ilya Levitov vom Russischen Schachverband. Nun geht es also immer aeroflot weiter zur nächsten Runde - sehr zum Missvergnügen vieler Großmeister und auch des kanadischen Bloggers Kevin Spraggett, der stark bezweifelt, dass durch hurtig dargebotenes Schach mehr Publikum angezogen werden kann. Solange wie wir nicht mit brennenden Figuren spielen, nackt am Brett sitzen und durch allerlei Skandale unseren Sport aufhübschen, schaltet die breite Masse wohl auch weiterhin direkt weiter zu Dart und Tennis.

Vielleicht kann man mit Katzen die Attraktivität des Schachs erhöhen?
- - Ich will ja gar nicht unken, aber vielleicht droht bald sogar die Aberkennung von gewonnenen Turnierpartien. Wir sollten da auf der Hut sein. Immerhin wiederholen wir am Brett ja allerhand Theoriezüge, die schon von anderen vor uns gespielt wurden. Rein rechtlich macht man sich da sicherlich eines guttenbergischen Plagiates schuldig, und auch die ordentlichen Zitierrichtlinien werden nur die wenigsten von uns einhalten, wenn wir die Züge mit zitternder Hand auf das Partieformular bannen. Vielleicht reicht sowas bald schon aus für eine Aberkennung der Punkte? Mir ist das nicht geheuer.
- - In der schönen neue FIDE-Welt werden sogar Punkte aberkannt, die man sich noch gar nicht erspielt hat. Das ist nicht nur beim Werder-Monatsblitz so – kommt man dort auch nur fünf Minuten zu spät zu seiner Partie, hat man sogleich verloren und wird im Morgengrauen kontumaziert. Auch bei weit seriöseren Veranstaltungen wie der Schach-Olympiade oder sogar den Deutschen Meisterschaften wird schon genullt, wer a) das Zirpen seines Handys nicht früh genug unterbunden hat oder b) sein Gesicht zum Rundenbeginn nicht pünktlich zeigte. Welche Folgen das genau hat, möge man bei Ralf Alt und/oder Falko Bindrich erfragen.

1...b7-b6 ist ein echter Großmeisterzug. Allerdings nur, wenn er innerhalb der Lienzer Kontumazzeit ausgeführt wird.
Nicht nur im Leben, auch im Schach bleibt es also (nicht nur für Titelträger) gefährlich in jeder Hinsicht.
Es bleibt aber wie immer ein kleiner Trost. Zum Glück nämlich kann man so schlecht spielen wie man will – so lange man als GM, IM oder FM dabei nicht zu auffällig schummelt, bleibt einem der FIDE-Titel noch lange erhalten. Auch Vereinsmeisterschaften, Pokalsiege und selbst die mit schmutzigen Tricks ermogelten Punkte im Blitzschach kann man uns (hoffentlich) nicht mehr nehmen. Bisher jedenfalls!
Und das ist auch ganz schön so, denn sonst wäre zumindest ich meinen FM-Titel wohl schon lange los. Zwar erkämpfte ich erst neulich beim Werder-Monatsblitz den vierten Platz – doch für sowas interessiert sich die FIDE ja nicht.
- Post date: 03. Februar 2013
Wie sieht´s aus in der Schach-Bundesliga? Das vierte von sieben Wochenenden ist gespielt, und wir beginnen ganz oben in der Tabelle mit unserer Analyse:
- Baden-Baden hält sich weiter wacker an der Spitze: gegen die Schachfreunde Berlin und den SC Forchheim gab es zwei klare Siege, so dass bei ihnen nun insgesamt schon 16:0 Punkte zu Buche stehen – und dabei haben sie Magnus Carlsen noch gar nicht eingesetzt in dieser Saison! Die Süddeutschen können sich ebenso wie ihr norddeutscher Spieler Jan Gustafsson weiter Hoffnungen machen auf den ersten deutschen Meistertitel.
Doch noch ist alles offen – denn das beliebte Traditionsteam aus der Klingenstadt Solingen sorgt dafür, dass das Rennen um Platz eins nach wie vor auf des Messers Schneide steht. Gegen den Hamburger SK (ohne ihren norddeutschen Spieler Jan Gustafsson) und den SK Norderstedt (ebenfalls ohne Jan Gustafsson) verbuchten sie zwei klare Siege, so dass sie nun schon entspannte 15:1 Punkte eingefahren haben.
Baden-Baden wird sich also warm anziehen müssen – vor allem, wenn in drei Wochen beim Showdown in Trier der aus Funk und Fernsehen bekannte Großmeister Michael Hoffmann wieder die Solinger Reihen stärken könnte. Warten wir es also ab. Solingen rulez?
- Aus norddeutscher Sicht ist die Saison bislang eher durchwachsen erfolgreich. Das junge Start-Up-Team aus Norderstedt ringt mit dem anderen Aufsteiger aus Griesheim gegen die rote Laterne an, und die Chessfriends Berlin halten mit ihrem gegen Trier eroberten dritten Punkt an diesem Wochenende den Kontakt zum beliebten fünftletzten Platz. Dort tummeln sich derweil der Hamburger SK und (man mag es kaum schreiben) das grün-weiße Werderteam – beide stehen mit jetzt 6 Punkten wahrscheinlich auch nicht direkt dort, wo sie es sich wünschen würden. It´s a hard life – doch noch bleiben zwei Wochenenden und die schöne Bundesliga-Dreifachrunde im April im sonnigen Schwetzinger Schloss.

Das Live-Portal der Schach-Bundesliga - alle Spieler, alle Tore
- It´s a hard, hard life könnte auch das Motto der Schach-Bundesliga sein. Nach dem Absturz des Servers musste man seit einiger Zeit schon hart improvisieren, um die Vorschau auf das 4.Bundesliga-Wochenende in angemessener Form publizieren zu können. Doch das hat man mit Schwung und Elan prima gelöst – bei Chess International und auf Georgios Souleidis hauseigenem Blog entwicklungsvorsprung.de wurden alle Informationen veröffentlicht, so dass alles seinen gewohnten Gang gehen konnte.
Wieder war es ein Genuss, die hervorragend aufbereiteten Begegnungen im Live-Modus während der Runde in bestechender Optik verfolgen zu können.
(Wohl hätte ich mir gewünscht, dass man bei den Ergebnissen von Werder mal die eine oder andere Eins zugunsten von Bremen dazugemogelt hätte, aber nun denn – man kann nicht alles haben, und es wäre wahrscheinlich unter rein ethischen Gesichtspunkten auch leicht bedenklich.)
- Auch wenn wir nicht mit Absicht danach gesucht haben, so wollen wir doch auf das heutige tolle Ergebnis von Leon Mons (SC Forchheim) hinweisen. Der deutsche U16-Meister von 2011 bezwang mit Arkadij Naiditsch heute die Nr.1 der Deutschen Nationalmannschaft (!), eröffnete dabei mutig mit dem sizilianischen Morra-Gambit (hurra!) und opferte hier und da auf dem Weg noch einen Bauern und eine Qualität.
So ganz zwingend zum Gewinn hätte das noch nicht unbedingt gereicht, aber Arkadij hatte wohl keinen ganz guten Tag erwischt und geriet im späten Mittelspiel ins Straucheln. Leons Freibauer auf der h-Linie schaffte es bis auf die siebte Reihe und führte so zur Entscheidung.
Das war bestimmt nicht schön für den Großmeister, doch so etwas passiert ja auch den Besten manchmal. Wir schicken Glückwünsche nach Forchheim! (Ich weiß allerdings nicht, ob ich mir so etwas in meinen jungen Jahren auch erlaubt hätte - doch na gut, die Zeiten ändern sich.)
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Der Schachsaal im Schwetzinger Schloss (Foto: Andreas Praecke, danke!)
Hier nochmal der wichtige Hinweis: vom 05. bis zum 07.April richtet der SV Hockenheim die zentrale Endrunde der Schach-Bundesliga aus. Gespielt werden drei Runden, das volle Programm, im Schwetzinger Schloss, was irgendwo im Süden Deutschlands ist (um genauer zu sein: nahe Mannheim!).
Wer viel Schach, das schöne Wetter im Rhein-Neckar-Kreis, spannende Mannschaftskämpfe, Rainer Buhmann, Leon Mons und Arkadij Naiditsch einmal vor Ort und live sehen möchte - das ist die Gelegenheit dafür. Auch der (potentielle) neue Deutsche Meister aus Solingen wird möglicherweise dort sein!
Verlosung
Schachwelt.de, der Blog mit dem besonderen Flair, verlost heute unter allen richtigen Einsendungen eine Reise für zwei Personen zum Bundesliga-Finale in Schwetzingen bei Mannheim bei gutem Wetter. Im Preis enthalten sind zwei Hotelübernachtungen in einem Vier-Sterne-Hotel sowie ... na gut, war nur ein Scherz! (!!). Aber ich glaube wirklich, es lohnt sich - auf zur Bundesliga-Endrunde im April!
- Post date: 31. Januar 2013
Früher ging es bei Schachturnieren ja noch so richtig stilvoll zu: bei der Siegerehrung erhielten die besten Spieler einen schmucken Pokal, und wer keine Trophäe mehr abbekam, der konnte immerhin noch auf eine ehrenvolle Urkunde hoffen.
Heute ist das alles ein wenig schnöder geworden – bei einigen Veranstaltungen gibt es als einzig bleibende Erinnerung nur noch den Umschlag, in dem das Preisgeld übergeben wird.
Doch sei´s drum, wie die Bayern sagen – die Zeiten ändern sich, und überhaupt ist ja auch gar nicht überall Platz für einen Pokal, und was halten die Gäste davon, wenn jemand in der ganzen Wohnung überall seine Pokale und Urkunden präsentiert? Dezent zumindest ist das nicht.
Den größten Pokal meiner Laufbahn hätte ich in den Achtzigern Jahren um ein Haar in Kropp gewonnen: im Stechen beim Schnellturnier ging es um den ersten Preis – doch war das nicht wirklich ein Pokal, sondern ein imposanter Samowar, ein riesiges Teil für Teetrinker, edel und metallen! Doch leider verlor ich das Stechen, und mein Regal blieb weiter leer und staubbedeckt.

Auch so manche Haustiere wissen Pokalerfolge zu würdigen
Später, ab und an, konnte ich dann aber doch mal den einen oder anderen Pokal in meinen vier Wänden aufstellen. In Schleswig-Holstein dachte man sich damals zu den Landesmeisterschaften immer wieder neue Kreationen aus, aus Glas oder edlem Hochglanzmetall, um die vorderen Plätze der Turniergruppen zu ehren.
Auch gab es damals, in den 1990er Jahren, handgemalte Urkunden mit landestypischen Motiven – sehr schön und elegant, und so sehr handgemacht, dass in der Zeit zwischen der letzten Runde und der Siegerehrung immer noch flugs in jede der vielen Urkunden mit geschwungenen Schriftzügen die Namen und Punktestände eingetragen wurden. Beeindruckend – ich weiß nicht, ob es so etwas heute noch gibt.
(Ein Beispiel für festlichen Pokal- und Urkundenreichtum ist indes auch heute noch das herbstliche Open in Bad Harzburg - dort lauert eine schöner Kelch auf den Turniersieger, und es gibt allerlei bunte Urkunden für die Besten jeder Wertungsgruppe.)

So war das damals mit den Urkunden in Schleswig-Holstein
In Völklingen spielte ich zu Beginn des neuen Jahrtausends einmal ein Turnier, in dem es ebenfalls einen tollen Wanderpokal, ein veritables Wahnsinnsteil, zu gewinnen gab. Aus turniertaktischen Gründen hatten sich fast alle Spieler mit einer DWZ über 2000 zur Sicherheit in der Seniorengruppe angemeldet, so dass ich als einziger Spieler mit dieser Spielstärke im Open verblieb und dort am Ende auch gewann.
Was passierte? Ein riesenhafter Pokal wurde aus dem Keller des Völklinger Rathauses in den ersten Stock gewuchtet, zur Siegerehrung aufgestellt … und dann aus Sicherheitsgründen sogleich wieder in den Keller transportiert. Nach dem Überwinden von zwei Etagen war die jährliche Wanderung des Wanderpokals schon wieder beendet. Zu Recht, zu Unrecht? Aber man weiß ja nie - manchmal werden Wanderpokale tatsächlich im nächsten Jahr nicht mehr zurückgebracht.
Dem Turniersieger blieb nur eine eher symbolische und deutlich kleinere Trophäe, die ich vom Saarland nach Bremen locker mit nach Hause nehmen konnte – sehr nett auch, aber weniger beeindruckend als dieser Vierzehn-Ender von Wanderpokal. Schade!
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Um ehrlich zu sein - so ein Pokal reizt ja schon ein bisschen. Ist es nicht auch irgendwie schön, mit so einer Trophäe als Zeichen des Sieges nach Hause gehen zu können?
Hinzu kommt, dass mich meine Frau vor einiger Zeit ansprach und feststellte, dass ich ja schon lange keinen neuen Pokal mehr gewonnen hätte. Mein Einwand, dass wir in dieser postmodernen Zeit über Pokale als Symbole des Sieges und vielleicht sogar der Männlichkeit (aber Vorsicht, Sexismus?) eigentlich schon hinweg sind und die Menschheit solcherlei eigentlich gar nicht mehr braucht, ließ sie indes nicht gelten.

Frank Hoppe, aus Funk und Fernsehen bekannter Webmaster der Deutschen Schachbundes,
mit einer Sammlung seiner schönsten und wertvollsten Pokale. (Foto: Frank Hoppe!)
Was blieb mir also anderes übrig, als mich zum Dähnepokal, dem Wettbewerb des Bremer Landesschachbundes anzumelden, auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Auszeichnung? -
Das Bundesland Bremen erstreckt sich als Flächenstaat über mehrere Kilometer von Norden nach Süden und darüber hinaus von Westen nach Osten die Weser entlang.
Kein Wunder also, dass um den Dähnepokal in einem komplexen Austragungsmodus gerungen wird – zunächst in vier regionalen Vorturnieren mit K.-O.-Partien, dem dann ein Halbfinale und ein Finale mit den vier Vorrundensiegern folgt, ganz ähnlich der Fußballweltmeisterschaft 1982 in Spanien. 
Herbst in der Hansestadt Bremen. Es könnte aber auch Sommer sein - der sieht hier ganz ähnlich aus.
Der Landesschachbund Bremen lässt die Teilnehmer unter einem strengen Zeit-Regiment antreten: die ersten Züge müssen ohne Zeitzugabe binnen knapp kalkulierter 60 Minuten zustande gebracht werden, und für den Rest der Partie werden dann noch einmal 30 weitere Minuten gewährt. Doch ist dieser Modus im ganzen Lande akzeptiert, denn er lässt noch Zeit für Entscheidungspartien im Falle eines Unentschiedens, ohne dass man allzu spät ins Bett kommt.
In Herbst des letzten Jahres also warf ich meinen Hut in der Findorfer Vorrunde in den Ring und qualifizierte mich dort trotz einiger sehr widriger Stellungen für das Halbfinale auf Landesebene.
Mit einigem Glück überstand ich auch dort die Partie gegen Peter Issing (Bremer SG), so dass ich nun heute abend zusammen mit dem gefährlichen David Höffer vom SK Delmenhorst im Finale um den Bremer Dähne-Pokal stehe.
David ist, wenngleich jung an Jahren, schon ein alter Fuchs, der mit seinem Verein bereits ein Jahr in der Bundesliga verbracht hat und dabei seine Punkte gegen respektable Gegner erkämpft hat.
Ich dagegen … habe bei der Bundesliga immerhin schon so manches Mal zugeschaut. Aber ob das reicht, um gegen den aufstrebenden Nachwuchs zu bestehen?

Nur schwerlich kann man erahnen, womit einen der Gegner wieder überraschen wird
Gespielt wird ab circa 18 Uhr im Herzen von Bremen, und Michael Woltmann, 1.Vorsitzender der Bremer SG und in Personalunion zugleich Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Landesschachbund, hat sich dafür etwas Besonderes einfallen lassen.
So wird das Finale live in alle Welt übertragen, ganz so wie vor kurzem die Mondlandung der Amerikaner oder die Moskauer WM-Kämpfe zwischen Anand und Gelfand im vergangenen Jahr. Wer also mal reinschauen möchte … hier ist der Link, ermöglicht durch eine Kooperation mit Andreas Burblies und dem SV Werder Bremen.
Darüber hinaus ist alleine der Austragungsort schon ein Erlebnis. Auf verschlungenen Wegen konnte Michael Kontakt aufnehmen mit der Familie von Carl Carls, seines Zeichens Bankdirektor und deutscher Schachmeister 1934, der hier in Bremen lebte und wirkte und dabei über Jahrzehnte Mitglied der Bremer Schachgesellschaft war.
Den Schachmeister Carl Carls kennt hier in der Hansestadt natürlich (fast) jedes Kind, nicht zuletzt auch wegen seiner Liebe zum Eröffnungszug 1.c2-c4!, dem sich gerne die sogenannte Bremer Partie anschließt.

Altmeister Carl Carls, und sein Tisch mitsamt seiner Schachuhr
Das Arbeitszimmer von Bankdirektor Carls ist heute noch immer so erhalten wie vor 60 Jahren, beinahe unverändert steht es da mit allen Möbeln und Utensilien. Und in ebendiesem Raume findet heute abend das Finale statt – eine inspirierte Idee, und ein würdevolles Ambiente.
Internet-Übertragung und ein mehr als stilvoller Turniersaal – eine tolle Initiative von Michael Woltmann und seiner Bremer SG, der Lob und Anerkennung gebührt. Das findet man nicht alle Tage, und darum (und nicht so sehr, weil ich selber teilnehme!) möchte ich darüber hier im Blog berichten.
Die Frage stellt sich natürlich, ob man als Spieler in so einem stimmungsvollen Umfeld mit 1.g2-g4 eröffnen darf, ohne des Raumes verwiesen zu werden, oder gar mit dem iljaschneiderhaften 1.e2-e4, Sb8-c6!?, was mein Gegner David ja durchaus gerne mal spielt. Was hätte Schachmeister Carls dazu gesagt?
Aber nun gut, geht´s raus und spielt´s Schach, wie man in Bremen sagt, und David und ich werden unter den Augen der (Schach-) Weltöffentlichkeit unser Bestes geben. Ich werde versuchen, ihn mit Slawisch-Abtausch zu überrumpeln, oder falls ich Schwarz habe, vielleicht mit dem berühmten Englund-Gambit?
Und dann mal sehen – der Pokal hat seine eigenen Gesetze!

Die Jugend lauert schon am Brett. Rechtzeitiges Aufwachen
ist ein wichtiges Kriterium für den Pokalerfolg! Foto: Bremer SG
- Post date: 28. Januar 2013
Es hat ein wenig gedauert, doch nun hat der Schachbund entschieden. Falko Bindrich, Jung-Nationalspieler und Schach-Großmeister, wird für zwei Jahre gesperrt. Beim ersten Bundesliga-Wochenende im Oktober in Mülheim war der Eppinger unter Verdacht geraten, mit einem Schachprogramm auf seinem Handy/ Smartphone unerlaubte Hilfsmittel bei der Partieführung herangezogen zu haben.
Eine Durchsicht seines privaten Handys durch den Schiedsrichter allerdings, mit der die erhobenen Vorwürfe vielleicht noch hätten entkräftet werden können, hatte Bindrich vor Ort unter Hinweis auf den Datenschutz abgelehnt und dies auch in einer ausführlichen Stellungnahme hier im Blog begründet.
Das Präsidium des DSB hat nun (endlich und nach gründlicher Vorbereitung) einen Entschluss gefasst - immerhin liegt der Vorfall schon über drei Monate zurück. Bereits im November fühlte sich unser Kollege Krennwurzn ob der scheinbaren Regungslosigkeit des Verbandes schon ganz entfernt an Samuel Becketts Warten auf Godot erinnert.
Doch nun, und wer weiß, vielleicht nach allerlei zeitaufwendigen Gutachten und juristischen Absicherungen, liegt eine Entscheidung des DSB vor, gegen die Falko Bindrich allerdings noch Einspruch einlegen kann.
Für Bindrich bedeuten diese zwei Jahre Sperre eine relativ lange Zeit ohne Wettkampfschach. Ähnlich wie im Fall von Christoph Natsidis mögen manche diese Sperre dennoch als zu kurz geraten ansehen und ihr eine abschreckende Wirkung absprechen. Jedoch soll man bedenken, dass es im vorliegenden Fall keinen eindeutigen Beweis gibt für einen Betrug, denn ob Falko Bindrich nun wirklich gecheatet hat oder nicht, können wir nicht ermessen.
Zumindest im Nachhinein wäre er wohl besser beraten gewesen, sein Handy für eine Durchsuchung durch den Schiedsrichter zu öffnen. Das allerdings hätte für ihn nur dann Sinn gemacht, wenn auf dem Handy auch tatsächlich nichts Verdächtiges gewesen ist - und damit sind wir schon wieder im Reich der Spekulation.
Die klarste Linie und eine erste Abwehrmöglichkeit für Betrugsversuche ist vermutlich das Bad Harzburger Modell: kein Handy am Körper während der Partie, und bei Verstößen dagegen wird genullt. Es wird jedoch noch einige Zeit dauern, bis eine solche Regelung überall in Kraft getreten ist.
Hier der Entscheid des DSB im Wortlaut:
Wegen dieses Verstoßes verhängt das Präsidium des DSB eine Funktions- und Spielsperre gem. § 55 Abs. 2 Nr. 4 und 5 der DSB-Satzung für die Dauer von 2 Jahren.
Bei seiner Entscheidung hat das Präsidium insbesondere berücksichtigt, dass bereits das Beisichführen technischer Hilfsmittel untersagt ist. Ebenso wurde die nicht erfolgte und aus Sicht des Präsidiums zumutbare Mitwirkung bei der Sachverhaltsaufklärung in der Entscheidungsfindung - nach übereinstimmender Auffassung ist die Weigerung, sich einer zulässigen Kontrollmaßnahme zu unterziehen, dem Gebrauch eines unzulässigen Hilfsmittels gleichzusetzen - berücksichtigt.
Zusätzlich zur Verhängung der Sanktion beantragt das Präsidium eine Befassung mit dem Sachverhalt durch die FIDE Ethics Commission.
Gem. § 57 Abs. 3 der DSB–Satzung kann GM Falko Bindrich gegen die ausgesprochenen Sanktionen innerhalb von vier Wochen Einspruch einlegen.
Für das Präsidium des Deutschen Schachbundes
Michael S. Langer/Stellv. Präsident"
(Quelle: www.schachbund.de)
Was halten Sie von der Entscheidung des Deutschen Schachbundes?
Über eine rege Beteiligung an unserer Umfrage in der linken Spalte der Website freuen wir uns.


