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Der Schach-Blog

Donnerstag,17 Mai 2012

Aktualisiert16:42:00 Thu

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Stefan Löffler

Stefan Löffler

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Gelfands Schwarzwahl Grünfeldindisch ist das bemerkenswerteste, was diese WM bisher gebracht hat. Viele haben in den letzten Tagen daran erinnert, dass ihr Erfinder, der Wiener Ernst Grünfeld, selbst erwartete, dass seine Idee binnen einiger Jahre widerlegt würde. Diese Eröffnung hat der israelische Großmeister mit Schwarz bisher nie gespielt. Im Gegenteil hat er früher als Weißspieler dafür gesorgt, sie (mit der 8.Tb1-Variante) zeitweise stark unter Druck zu bringen. Er traute sich diese Eröffnung gegen Anand, der sie selber spielt. Und Gelfand tat es trotz der miserablen Bilanz, die Grünfeldindisch zuletzt in WM-Kämpfen hat.

Grünfeldindisch war Kasparows vorbereitete Überraschung für sein WM-Match 1986 gegen Karpow, und die Eröffnung hätte ihn fast den Titel gekostet. Gleich drei Partien verlor er damit. 1987 spielte er es trotzdem wieder, verlor nur einmal und gewann sogar eine, als Karpow einer Zugwiederholung auswich. 1990 spielte Kasparow viermal Grünfeld und verlor wieder eine damit. 2000 in London gegen Kramnik brachte er Grünfeld in seiner ersten Schwarzpartie, verlor und machte den Rückstand nie mehr wett. Danach traute er sich Grünfeld in diesem Match nicht mehr, obwohl er damit die meiste Zeit in seiner Vorbereitung verbracht habe. Sich auf diese Eröffnung eingelassen zu haben, bezeichnete er hinterher als entscheidenden Fehler. Es gäbe einfach zu viele Risiken. Danach war auf WM-Niveau ein Jahrzehnt Ruhe mit Grünfeldindisch, bis es Anand 2010 in der ersten WM-Partie gegen Topalow auspackte. Und gleich voll einfuhr (Topalow landete einen Vorbereitungssieg) und anschließend zum Damengambit wechselte.

Anands bisherige Weißpartien gegen Grünfeld machten nicht unbedingt Angst, zumal der Inder mit dem Db3-System, 5. Ld2 und im Abtauschsystem mit Le3 mit und ohne Sf3 zuletzt fast immer variiert hat. Nun hat Gelfand mit Rodshtein und Huzman zwei Sekundanten, die eingefleischte Grünfeld-Experten sind. Das gilt auch für ihren Landsmann und Freund Boris Avrukh, der angeblich bei der Vorbereitung eingebunden war.

Anands Überraschung (O-Ton: "man erwartet eine Überraschung") hielt sich denn auch in Grenzen. Und er hatte eine Nebenvariante parat, die wohl giftiger ist als ihr Ruf. Sein Baden-Badener Mannschaftskamerad Jan Gustafsson hatte das chancenreiche Qualitätsopfer 8. Lb5 Sc6 9. d5 a6 10. Le2 Lxc3+ 11. Ld2 Lxa1 12. Dxa1 Sd4 13. Sxd4 cxd4 14. Dxd4 in die Praxis eingeführt. Anand hätte hier wahrscheinlich noch eine Reihe Züge runterrattern können, wäre Gelfand nicht (vermutlich schlauerweise) mit 9. ... Da5 ausgewichen. Vermutlich hatte der Inder das nicht so gut analysiert, verpasste im 13. und 15. Zug chancenreichere Fortsetzungen und musste Gelfand sogar etwas Vorteil einräumen. Die Stellungsbilder lagen jedenfalls etwas abseits vom Üblichen, und das sieht man immer gern. 

Auf Slawisch-Neuerungen mit absehbarem Remis (wie in der zweiten Partie) kann ich verzichten. Aber gerne mehr solche Grünfeldinder.  

 

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Vorgefeiert wurde schon am Wochenende. Mit einem Einladungsturnier im Fischerschach aka Chess960, das Hans-Walter Schmitt so sehr liebt und unermüdlich promotet, während die konservative Masse der Schachspieler die Nase rümpft über die einzige Schachvariante, die dem normalen Schach nicht nur das Wasser reichen, sondern ihm eigentlich sogar überlegen ist. Sollen sie halt weiter Theorie büffeln. 

Genau 60 Jahre an diesem Dienstag zählt der Pfälzer Bauernsohn, den es einst aufs Abendgymnasium nach Frankfurt verschlagen hat. Dort hob er 1994 Deutschlands führendes Schachfestival (Liste aller Sieger als PDF) und 1999 einen von Deutschlands aktivsten Schachvereinen, die ChessTigers (hier ihre heutige Hommage an ihren Vorsitzenden), aus der Taufe. Sein Chess Classic-Festival zog 2001 um nach Mainz. Dort konnte es zehnmal stattfinden, bevor es den finanziellen Schwierigkeiten der Stadt zum Opfer fiel. Heute wird Deutschlands bester Anlass, sich zum Schach zu treffen und über Schach zu reden, schmerzlich vermisst. 

Hans-Walter Schmitt ist noch aktiv als Betreiber eines in dieser Form neuartigen Schachtrainingszentrums im Taunusstädtchen Bad Soden. Vielleicht sehen wir uns nächsten Monat in Moskau bei der WM, wo er bestimmt dabei sein will, wenn sein guter Freund Vishy Anand seinen Titel verteidigt. Für heute stoße ich aus der Ferne auf Hans-Walters Wohl an. Er hat Immenses für Schach geleistet.    

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Dimitri Jakowenko ist Europameister. Der russische Filigrantechniker schlug in der letzten Runde den alleine Führenden Fressinet. 2008 spielte er mal zwei Bundesligapartien für Mülheim-Nord. 2009 durfte er mal in Dortmund dabei sein (geteilter Zweiter bis Vierter im Sechserfeld). Ohne je als Weltklassespieler etabliert zu sein und die entsprechenden Einladungen zu kriegen, verweilte er einige Zeit in den Top Ten und war kurze Zeit Russlands Nummer eins nach Elo, bevor sich Kramnik derrappelte (Österreichisch für, ach Sie verstehen schon).

Jakowenkos Leistung ist indessen Nebensache. Das große Thema der an diesem Samstag zu Ende gegangene Europameisterschaft ist die entsetzliche Gängelung der Spieler, die in Plowdiw ein bisher unbekanntes Ausmaß erreicht hat. Die Bulgaren haben alles daran gesetzt, einen traurigen Rekord zu setzen: Nie gab es bei einem hochrangigen Wettbewerb so viele aberkannte Punkte wie bei dieser EM. So plowtief sind wir gesunken.  

Wie hat das gleich nochmal angefangen? Nein, nicht mit dem Rauchverbot in den Achtzigern. Das hat uns Nichtrauchern (allen Minderjährigen sowieso) das Turnierspielen quasi erst ermöglicht. Der Dammbruch, bei dem die Drangsalierer merkten, dass wir Spieler eh alles mit uns machen lassen, war das Handynullen (ich wiederhole zum hundersten Mal, dass ich nicht dafür plädiere, das Telefonieren während der Partien freizugeben, sondern die Sanktion der Vergesslichkeit mit Augenmaß zu handhaben). Dann das Hin und Her bei stets kürzeren Bedenkzeiten. Überteuerte Zwangsquartiere bei offiziellen Wettbewerben, Dopingtests, Nulltoleranz (auch gegenüber Minderheiten, die aus der sommerzeitfreien Wildnis kommen), Remisverbot (bis hin zur Zwangsnull, wenn beim technischen Remis nicht der Schiri geholt wird - Beispiele hier), neuerdings ein Dresscode (der den Mädels das Zeigen des Ausschnitts oder Modetorheiten wie Hüte verbietet).  

banner-seminarturnier200-anSteve Giddins fragt in seinem sehr lesenswerten Blogbeitrag, warum sich die Spieler das gefallen lassen, und schlägt einen Streik nach dem Vorbild der Radprofis vor: Passt ihnen eine Regeländerung nicht, fährt beim Startschuss einfach keiner los, und man quatscht fröhlich, bis die Rennleitung ein Einsehen zeigt. Sollen die Regeldeppen, äh Schiedsrichter, sagen wir bei der nächsten Schacholympiade, doch nach einer Stunde alle Weißspieler nullen.

Es wird Zeit, dass wir erfahren, welche wesentlichen Schachfunktionäre sich der Gängelung der Spieler mit aller Kraft widersetzen.

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Sollen alle Kinder in der Schule Schach lernen? Armenien hat Schach als erstes Land als Pflichtfach eingeführt. Immerhin an die 15 deutsche Schulen probieren es ebenfalls. Auf der Dialogseite des Kanzleramts hat der Vorschlag reichlich Unterstützung und gute Chancen, als einer der ersten zehn zu einer Veranstaltung mit Kanzlerin Merkel eingeladen zu werden.

Dass sich das Europäische Parlament für Schach in der Schule ausgesprochen hat, ist vor allem der Initiative Kasparows zu verdanken. Der Russe jettet derzeit um den Globus, um für Schulschach zu werben. Die letzten Tage verbrachte er in Südafrika, um dort die Kasparov Chess Foundation Africa aus der Taufe zu heben. An diesem Mittwoch wirbt er in Paris mit einer Rede in der UNESO bei den Journées de l´Innovation für Schach in der Schule.

Auch die FIDE hat neuerdings ein ehrgeiziges Schulschachprogramm. Als Hauptsponsor tritt die halbstaatliche russische Ölgesellschaft Rosneft auf. An diesem Donnerstag präsentiert Ali Nihat Yacizi das Chess in Schools-Programm der FIDE (CIS100) in Wien.

Ebenfalls in Wien veranstalte ich in genau einem Monat in der Albertina einen international besetzten Workshop über die Chancen, die sich für Schach im Schulsystem insbesondere dank der Unterstützung auf EU-Ebene bieten, eingebettet in das Zweite Wiener Kinderschachfest mit als Headliner einem Uhrensimultan von Wesselin Topalow gegen eine internationale U18-Auswahl.  

 

 

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FIDE-Präsident Iljumschinow verkündet in einem Interview mit dem russischen Sport Ekspress wieder einmal den Anbruch goldener Zeiten. Das Kandidatenturnier soll Ende Oktober, Anfang November in London über die Bühne gehen. Dass die Ausrichtung dort teuer ist und die britischen Medien das Ereignis links liegen lassen werden, spielt für die Geldgeber keine Rolle. Das Geld kommt aus Aserbaidschan und ermöglicht dem Liebling der dortigen Machthaber, Teimur Radschabow, die Teilnahme. Ursprünglich bewarb sich Baku um die Ausrichtung, doch dort wäre der Armenier Aronjan, einer der Favoriten, nicht willkommen.

Noch dieses Jahr soll auch wieder eine Grandprixserie starten. Die ersten zwei von sechs Turnieren sind zwar, wie der ganze letzte Zyklus 2008-2010, wieder in der Exsowjetunion angekündigt, nämlich in Taschkent und Tscheljabinsk, aber die weiteren Stationen im nächsten Jahr sollen im Westen untergebracht werden. Letztes Mal hat´s nicht geklappt, wir werden sehen.

banner-seminarturnier200-anDie Hoffnungen basieren auf dem amerikanischen Medienunternehmer Andy Paulson, der in Russland ein Vermögen verdient hat mit, man höre und staune, journalistisch vorzeigbaren und politisch nahezu unabhängigen Produkten. Paulson, der im Schach noch nicht vorher aufgetreten ist, soll eine neue Firma namens AGON haben, die die Spitzenwettbewerbe der FIDE in den nächsten Jahren vermarkten soll. Näheres über den Sitz, die Mitarbeiter und Eigentumsverhältnisse von AGON ist bisher nicht bekannt. Dass es Dutzende Firmen dieses Namens gibt, erleichtert die Recherche nicht. Das aserbaidschanische Geld erleichtert AGON den Start: Dem Vernehmen nach will Baku die WM 2013 ausrichten, es sei denn Aronjan wird Herausforderer.

Noch eine weitere Firma wird genannt, von der die meisten Schachfans noch nie gehört haben werden: CNC, die Chess Network Company mit Sitz in Moskau, besteht bereits seit Ende 2009 und gehört laut der New York Times mehrheitlich Chess Lane, einer in London sitzenden Firma von David Kaplan, einem Geschäftsfreund Iljumschinows. CNC hält die Marketingrechte der FIDE und ist auch in den neuen Deal mit AGON involviert

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Die Schachdelegation hat bei der Sitzungswoche des EU-Parlaments in Strasbourg ganze Arbeit geleistet. Fast hätten sie alle gefordeten Unterschriften bereits beisammen für eine Erklärung des Parlaments zugunsten von Schach in den Schulen. Laut Garri Kasparow, einem der Initiatoren, fehlen jetzt noch drei. Und die sind während der Sitzungswoche am 12.-15.März mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit zusammenzubringen. Und noch einige mehr, denn ein paar Dutzend Abgeordnete, die ihre Unterstützung versprochen haben, haben noch nicht unterschrieben. Kasparow hat sich seit Monaten ins Zeug gelegt, um die politische Unterstützung für Schulschach zu sichern, und wird zu dem Zweck auch im März noch einmal nach Brüssel reisen.

bannerendspiel anzZu denken gibt allerdings die unterdurchschnittliche Unterstützung unter den deutschen EU-Abgeordneten, vor allem bedingt durch die Haltung der Christdemokraten, die keine einheitliche Empfehlung im Schulwesen wollen, auch wenn sie, wie die Saarbrückerin und Kulturausschuss-Vorsitzende Doris Pack Schulschach persönlich unterstützen. Mit Begeisterung unterschrieben hat dagegen Angelika Niebler (CSU), deren Buben selbst an der Schule Schach haben und die den Vorsitzenden der Deutschen Schulschachstiftung Walter Rädler kennt und schätzt. Auch von den französischen und britischen Abgeordneten haben weniger als erwartet oder erhofft unterschrieben. Besser schaut es bei den Österreichen aus. Ganz vorne liegen die Osteuropäer. Sie haben nicht so viele Abgeordnete, aber ein sehr hoher Teil von ihnen unterstützt Schulschach. Die bulgarischen Delegierten gleich zu 100 Prozent.

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Wer die Weltrangliste anführt, wer in Wijk aan Zee oder Linares gewinnt, welcher Verein Deutscher Meister wird, welche Variante am besten gegen Grünfeldindisch punktet, all das sind Kinkerlitzchen und beeinflussen unser Spiel wenig verglichen mit der Entscheidung des Europäischen Parlaments über eine Initiative, Schach im Schulsystem zu verankern. Es muss ja nicht gleich als Pflichtfach sein wie seit kurzem in Armenien an den Grundschulen. Wenn mindestens 369 Abgeordnete bis 15.März unterschrieben haben, ist die Initiative angenommen, und die öffentliche Förderung des Schachs an Schulen kann und wird in vielen EU-Ländern massiv zunehmen. Angesichts dieser Bedeutung ist es vergleichsweise ruhig um die Initiative in den Schachmedien. Eigentlich beschämend ruhig.

259 Unterschriften waren vor dieser Sitzungswoche bereits zusammen, berichtet El País. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber in Reichweite, und diese Woche ist vorentscheidend. Dieser Tage sind die beiden Initiatoren von schachlicher Seite Garri Kasparow, der eine Stiftung für Schulschach ins Leben gerufen hat, und Silvio Danailow, der Präsident der Europäischen Schachunion, im EU-Parlament in Strasbourg. Am Mittwoch stehen ein Seminar und eine Simultanvorstellung auf dem Programm. Die Hoffnung, dass Abgeordnete fraktionsweise ihre Unterstützung erklären, hat sich nicht erfüllt. Um jede Unterschrift muss während der wenigen Sitzungswochen gekämpft werden. Gerade von den deutschen Abgeordneten haben viele noch nicht unterschrieben. Jeder, der einen Draht zu seinem Abgeordneten oder einer Partei hat, kann etwas beitragen.

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Vor kurzem hab ich in Wien ein unbedeutendes Schachdings organisiert. 34 Großmeister dabei, nicht weiter der Rede wert. Die Schachkommunisten der Tageszeitung Standard haben es schon richtig eingeordnet mit den Stichwörtern "Verdorfung" (Wien) und "Virtualisierung" (so viele Zuschauer wie ewig nicht). Na ja, eine massenmediale Einrichtung (ORF 1) meinte aber, wahrscheinlich von wegen öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag, das ganze nicht links liegen lassen zu dürfen, und schickte ein dreiköpfiges Team. Angeführt von einem weißgekleideten Herrn, der sich Hermes nannte, taten sie ihr Bestes, die für die Reduktion des Veranstalterdefizits dringend benötigen Gastroerlöse durch die frühzeitige Konsumation geistiger Getränke anzukurbeln, und holten sich anschließend einige Zuschauer, den Schiedsrichter und auch zwei Spieler vor die Kamera, damit die Fernsehzuschauer mal was Wichtiges über Schach erfahren. Etwa, was ich auch noch nicht wusste, dass in Österreich anscheinend nicht mattsetzen sondern töten gesagt wird oder wie ein Schachspieler eine Frau aufreißt. Unter Killern und Womanizern ist man also bei so einer Schachliga, so so. Vielleicht keine Sternstunde des Fernsehens beim Schach aber doch irgendwie sternige dreieinhalb Minuten in der ORF1-Late-Night-Show Willkommen Österreich (Sendetermin 9. Februar) kamen heraus:

bannerendspiel anzDass der Österreicher Schach für eine ernste Angelegenheit hält, ist somit geklärt. Darüber darf man sich von Thomas Stipsits Kabarettabend "Bauernschach" (hier der Trailer) nicht täuschen lassen. Danke (ach, sind wir jetzt schon im Werbeblock?) an den Stadtsaal Wien, wo der Stipsits das Programm im Februar jeden Sonntag spielt, der so blöd nett war, fürs Aufhängen von einigen Plakaten und Auflegen einiger Waschzettel sechs Freikarten (für meine Helfer) rauszurücken. Und an die Firma Hoanzl, der eine DVD-Aufnahme davon zu einem unverschämten Preis vertreibt. Aber der von Stipsits gerettete Originaltext des von Falco zu "Jeannie" umgedichteten Heulers ist es wert: Chess is just a little boring game in a cold, cold world....

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Der Hamburger SK von 1830 ist nicht nur Deutschlands ältester sondern auch, wenn man nicht allein nach sportlichen Titeln rechnet, erfolgreichster Schachverein. Der HSK hat die meisten Mitglieder, darunter viele, die sich für Schach engagieren, ein eigenes Haus, in dem fast jeden Tag Schach geboten wird, neuerdings eine eigene Schachschule und Mannschaften in praktisch jeder Spielklasse, ob Männer, Frauen oder Jugend. Aber wohl nur noch bis zum Sommer. Die erste Mannschaft des HSK ist nämlich so nah am Abstieg wie noch nie in keiner der vorangehenden 31 Spielzeiten der eingleisigen Schachbundesliga, der sonst nur die SG Solingen von Beginn an angehört. Am Wochenende kamen Rivalen zu überraschenden Erfolgen (Emsdetten schlug Mülheim-Nord und Tegel Hockenheim jeweils 4,5:3,5), während Hamburg gegen den direkten Konkurrenten Trier mit 2,5:5,5 unter die Räder kam (bei Vorgabe einer Weißpartie, weil Huschenbeth erst ein Flieger ausfiel und der am kommenden Tag reichlich Verspätung hatte). Das Restprogramm spricht eher gegen den HSK. Und dass die Zweitligamannschaft durch einen Sieg in der Nordstaffel den Abstieg neutralisiert, ist zwar nicht ausgeschlossen, aber ziemlich unwahrscheinlich.

Mit Niclas Huschenbeth, Dirk Sebastian, Karsten Müller, Thies Heinemann und Dorian Rogoczenko gibt es immerhin fünf Hamburger im Stammkader. Nur Tegel, das Überraschungsteam der Saison, hat mehr Spieler aus der eigenen Stadt. Beim HSK fiebern zahlreiche Mitglieder mit der Bundesligamannschaft, aus deren Reihen regelmäßig jemand gleich am Montag nach der Ligarunde im Klubhaus die Partien und Kämpfe kommentiert. Erwischt es den HSK, leiden auch die damit zum Mitabstieg verurteilten unteren Mannschaften. Den sportlich meistversprechenden Hamburger träfe der Abstieg allerdings am wenigsten. Huschenbeth studiert ab Herbst in den USA. Der HSK wird (ein Jahr) ohne die Liga leben können, aber kann die Liga ohne den HSK leben? Braucht die Bundesliga nicht intakte Vereine, die mehr vorzuzeigen haben als eine zusammengekaufte Truppe ohne Bezug zum Restverein oder wenigstens zur örtlichen Schachcommunity?  

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Weltklasseturniere werden ziemlich selten bei zwei Niederlagen gewonnen. Aronjan hat das nun in Wijk aan Zee sogar mit einem vollen Punkt Vorsprung geschafft. Unmittelbar davor war Giris Sieg in Reggio Emilia nach einem 1 aus 4-Start etwas knapper ausgefallen. Mir fällt noch ein, dass Carlsen 2010 das siebenrundige Turnier in London trotz zweier Verlustpartien gewann. Und Topalow hat vor Jahren mal in Sofia trotz völlig verpatztem Start gewonnen. Aber sonst? 

Vor Wijk aan Zee war ein wenig spekuliert worden, ob Carlsen den Kasparow-Rekord 2851 knacken kann. Geknackt hat dann nur Aronjan als Dritter nach Kasparow und Carlsen die 2820-Marke. Hätte er nicht mit Weiß gegen den Tabellenletzten Navara verloren, wäre für Aronjan sogar die Weltranglistenführung drin gewesen.Positiv auf fällt auch Caruana. Der 19jährige teilt mit Carlsen und Radschabow Platz zwei, liefert damit sein bisher bestes Resultat ab und ist vor Giri, der eine Durststrecke mit fünf Niederlagen en suite einbaute, nun derzeit stärkster Junior.

Keinen Gefallen hat Boris Gelfand dem WM-Kampf getan. Nach einer weiteren schlappen Leistung ist der Herausforderer nicht mehr unter den ersten 20 der Welt und wird es wohl auch zu Matchbeginn im Mai nicht sein. Im Abwärtstrend bleibt auch Topalow, der eine Menge vorteilhafter Stellungen nicht verwerten konnte und teilweise sogar verlor.

Früher folgte auf Wijk aan Zee Linares und bald darauf das in Blind- und Schnellpartien ausgetragene Amber-Turnier. Heuer klafft im Kalender der Weltklasse eine Lücke. Erst ab Mitte August geht dann die Post ab. Ab der Schacholympiade häufen sich die Spitzentermine nur so, weshalb das eigentlich fürs letzte Quartal angesetzte Kandidatenturnier als Kandidat für eine Verschiebung ins Frühjahr 2013 gilt. Schade. Könnte man es, zumal alle Teilnehmer außer dem Ausrichterfreiplatz und dem WM-Verlierer feststehen, nicht schon auf kurz nach der WM vorziehen, um auf den unattraktiven WM-Kampf in diesem Jahr möglichst bald ein würdigeres Titelmatch folgen zu lassen?

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