Sonntag, 01 April 2018 08:33

Kühlhausrevolte

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Das Kandidatenturnier in Berlin ist zwar schon wieder Geschichte, aber es wurde uns ultraspannendes Schach geboten und ganz nebenbei wurde wieder einmal so richtig das Schach revolutioniert – kein Wunder, wenn Berlin und das Kühlhaus im Spiel sind, denn dort war klar und deutlich zu lesen: „Entering this building might substantially increase your IQ. Chess does that to humans.“

Schon im Jahr 2000 prallte der damalige langjährige Weltmeister Garry Kasparov an der eisigen Berliner Ziegelwand ab, die ihm ein junger Vladimir Kramnik mit geschickter Hand aufbaute und ihm damit den Weltmeistertitel abnahm. Viele Jahre später sorgte eben dieser Vladimir Kramnik wieder für eine Sensation in Berlin, wie uns der umtriebige Reporter Würgen Brüskieren von der australischen Schachzeitung „Schachlasziv“ exklusiv berichtete.

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Werfen Sie doch bitte einen Blick auf die beiden Stellungen. Stellung 1 ist klar für Weiß gewonnen und Stellung 2 ebenso klar – wenn nicht noch klarer – für Schwarz gewonnen. Gingen wir bisher davon aus, dass schachtheoretisch eine Stellung nur gewonnen, verloren oder remis sein kann, müssen wir nun durch häufiges Betreten des Kühlhauses erkennen, dass wir uns da gewaltig geirrt haben, aber hören wir nochmals genau bei den Pressekonferenzen zu.

2018Kuehl01 

Würgen Brüskieren (Schachlasziv): Mister äh Wödmaster Vladimir Kramnik haben Sie den Begriff „Wildcard“ zu wörtlich genommen? Bisher galten Sie ja als praktisch unbesiegbarer Remiskönig – stärker als Leko und Giri zusammen?

VK: Ich war Weiß und stand zu diesem Zeitpunkt schon klar auf Gewinn, konnte aber noch keine konkrete Variante zu Ende rechnen. Aber es ist klar, dass diese Stellung gewonnen sein muss! Dass ich dann in Zeitnot nicht die richtige Fortsetzung gefunden habe, ändert nichts an der Tatsache, dass ich objektiv hier schon auf Gewinn stand.

Am nächsten Tag:

2018Kuehl01

Würgen Brüskieren (Schachlasziv): Mister äh Wödmaster Vladimir Kramnik nach ihrem gestrigen unverdienten Verlust in Gewinnstellung wollten Sie heute mit Schwarz wirklich unbedingt gewinnen?

VK: Gestern ist gestern und heute ist heute – ich geben jeden Tag mein bestes Schach! Nun hier war mir klar, dass ich schon klar besser, wenn nicht schon auf Gewinn stehe. Mir war aber noch nicht klar, welchen Fehler der Weiße mit seinem ersten Zug machen würde und daher steckte ich noch wenig Energie in die Berechnung konkreter Varianten, aber objektiv gesehen stehe ich hier schon auf Gewinn und muss das nur mehr irgendwie managen.

Wir müssen also die Schachtheorie umschreiben, denn die bisherige Meinung, dass eine Stellung eine theoretische Eindeutigkeit hat, wird durch die Anwesenheit von Vladimir Kramnik am Brett aufgehoben. Leider konnte die Krennwurzn die theoretischen Auswirkungen noch nicht mit dem Urelo aus Kreta vergleichen, weil aufgrund des schlechten Wetters kein Flug vom BER (Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“) nach Elo - der dortige Flughafen ist für verwaiste Schachspieler ohne Titel schon geöffnet - möglich war – aber nächstes Jahr oder später zum gleichen Datum sollte es Flüge geben.

 

Freitag, 09 März 2018 08:26

Berlin Intellectual Fight Club

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Die Berliner Kandidaten sind in der Stadt - heute wird die Qualifikation für den WM-Kampf eröffnet, und morgen geht es an die Bretter. Hurra! Was für ein Geschenk, und wie klasse, dass so ein Turnier mal nicht im fernen Sibirien, Usbekistan oder Kirgisien ausgetragen wird. So kann man fast selber einmal hinfahren und Sergey Karjakin, Ding Liren oder S. Mamedjarow  über die Schulter gucken. Oder - Boris Becker!, denn auch der ist eingeladen.

Auch wenn es eine eigene Turnierhomepage gibt, ganz offiziell, bereitet der Deutsche Schachbund auf seiner Kandidaten- Webseite alles sehr informativ auf. Und weil mir die Optik und Bildgestaltung der offiziellen worldchess-Seite nicht so behagt, bleibe ich lieber beim DSB. Oder bei Chessbase, dem Schachticker, und bei Chess24 - da ist es ja auch ganz schön!

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Einen Tag vor Turnierbeginn hüllt sich die offizielle worldchess-Seite zu den Paarungen noch in Schweigen.
Aber hey, morgen ist ja auch noch ein Tag. Oder übermorgen.

Auch André Schulz bei Chessbase deutet in seinem Vorbericht eine ausbaufähige Optik der worldchess-Seite an, wenn es um die Bilder der acht teilnehmenden Spieler geht. Worldchess hat achtmal zeichnen lassen (von einem Computer, vielleicht?), und André Schulz fand an anderer Stelle acht andere Bilder mit deutlich mehr Wärme, Stil und Charakter. Wir sagen natürlich: Daumen hoch für die Bilder von Mariya Yugina!

Ab morgen also: Kandidaten! Noch ist das internationale Schachwelt-Tippspiel dafür freigeschaltet, und ein wunderbarer erster Preis wartet auf seinen Gewinner. Macht's gut, und bis bald vielleicht, in Berlin!

PS Und was war das nun mit der Überschrift, und dem Intellectual Fight Club? Für die Erklärung reichen zwei Worte: Kreuzberg, und - Schachboxen! Passt ja auch gut zum Kandidatenturnier. Wobei, wie wäre es denn mal mit American Football?

Hei, was hat der Weltverband sich da schon wieder gedacht? In wenigen Tagen schon richtet unsere große Mutter FIDE das Kandidatenturnier 2018 in Berlin aus, und wer ist nicht dabei? Magnus Carlsen, der stärkste, schnellste und norwegischste Spieler der Welt! Zwar steht der junge Skandinavier schon seit langem an der Spitze der Weltrangliste, doch genützt hat ihm das offenbar nicht viel.

Statt GM Carlsen hat die FIDE lieber acht andere Großmeister eingeladen, um alsbald in Berlin den Weltmeister zu ermitteln - teilweise weil sie wie Levon Aronian einfacher eine Unterkunft in der Bundeshauptstadt finden werden, teils weil sie besser Russisch sprechen (Grischuk, Kramnik, Karjakin), und vermutlich auch, weil ihre Namen - Fabiano Caruana, Ding Liren - unter Marketingaspekten einfach nach mehr klingen.

Pech für Carlsen, könnte man meinen - da wird der WM-Titel in diesem Jahr wohl ohne ihn ausgespielt. Ein ziemlicher Affront in der Tat, denn man hätte meinen sollen, dass Carlsen als noch amtierender Weltmeister doch eigentlich dabei sein sollte. Ist er aber nicht - und einmal mehr wirft dies einen dunklen Schatten auf die Auswahlkriterien, die die FIDE bei der Spielerauswahl zum Berliner WM-Turnier zugrundegelegt hat.

bowie sichert sich den pokal 2018: Kein Weltpokal für Magnus?

Doch Hoffnung naht - denn wie wir aus zuverlässiger Quelle erfuhren, hat es nun aber hinter den Kulissen des Turniersaals mächtig Ärger um den Nominierungsprozess gegeben. Im direkten Austausch mit dem ehrwürdigen FIDE-Chef-Unterhändler für Berlin und Bermuda-Shorts, Zurab Azmaiparashvili, ist es Carlsens Manager Espen Agdestein offenbar gelungen, eine Sonderregelung für seinen Schützling zu erwirken.

Mit der Drohung, die "Play Magnus"-App aus dem gesamten Internet zurückzuziehen, in Verbindung mit der Ankündigung Carlsens, bei künftigen FIDE-Turnieren noch später als bisher schon ans Brett zu kommen und den Rundenbeginn damit um weitere Minuten zu verzögern, erreichte Agdestein offenbar ein Umdenken beim Weltverband.

Ganz der Verfechter von good sportsmanship, als den wir ihn kennen und verehren, verfügte Azmaiparashvili heute, dass Magnus Carlsen im Herbst und in London gegen den Gewinner des Berliner Turniers einen zwölfrundigen Wettkampf um den endgültigen Weltmeistertitel spielen möge. Aufatmen bei allen Play Magnus-Fans! Somit verliert die Veranstaltung in Berlin ein wenig von ihrem Glamour, denn der strahlende Sieger wird nicht mehr wie geplant Weltmeister, sondern nur noch ein schnöder Qualifikant sein für einen weiteren Stichkampf um die allerhöchste Krone. Aber hej, auch das kann ja ganz schön sein, und wann kommt man sonst schon mal nach London? Freuen wir uns also, denn zumindest rein turniertechnisch ist die Welt jetzt wieder in allerbester Ordnung.

 

T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L !

 

Nun aber zum WM-Turnier in Berlin. Wir unterbreiten unseren verehrten LeserInnen und Leser die durchaus überraschende Frage:

Wer wird sich für den WM-Stichkampf mit GM Magnus Carlsen qualifizieren?

Der Deutsche Schachbund stellt die Spieler auf seiner Kandidaten-Spezialseite vor - wir ergänzen daher nur noch ein wenig, auch um Speicherplatz zu sparen. Dank auch und Grüße an den DSB - reichlich getrommelt wird anlässlich des Turniers, und als Mit-Organisator steht der Schachbund ja auch unterstützend bei dieser tollen Veranstaltung zur Seite.

Zur Auswahl als mögliche Fast-Weltmeister stehen:

a) Ding Liren: ein Chinese und Nicht-Russe. Hat schon schöne Partien gespielt, aber ob das für das höchste Amt in der Schachwelt reichen wird?

b) Fabiano Caruana: Ging in die Geschichte ein, als er 2014 sieben Turnierpartien in Folge gewann - und das nicht bei den Bremer Meisterschaften, sondern beim starken Super-GM-Super-Turnier in St. Louis. Hoppla! Seitdem ist es etwas ruhiger geworden um Fabiano, doch stark und irgendwie tiefgründig ist er noch immer.

c) Sergej Karjakin: kennt sich aus mit Magnus Carlsen vom letzten WM-Kampf in New York. Nun steht er im Berliner Turnier - doch hat er noch den Schwung der vergangenen Jahre? Immerhin ist er nun verheiratet und hat ein Kind - man ahnt, dass das häusliche Studium dadurch nicht einfacher wird.

d) Anish Giri: spielt leider nicht mit, ganz ähnlich wie sein GM-Kollege Carlsen. Und - Vishy Anand ebenfalls nicht.

e) Hikaru Nakamura: spielt leider auch nicht mit! Was ist da los?

Dafür aber:

f) Vladimir Kramnik: Kommt mit einer Wildkarte in das Turnier, und yep, ist ein russischer Bär, der schachspielen kann! Trotz seiner gar nicht mehr so jungen Jahre glänzt Big Vlad durch intensive Partien und die Wiederentdeckung des unseligen Londoner Systems - wir haben zumindest diese Eröffnung nicht vermisst! Doch sei es drum - gucken wir mal, wie Kramnik abschneiden wird.

g) Levon Aronian: Ui, ui, ui, einer der ganz Großen, und viele würden sich freuen, führe er nach London zum nachträglichen WM-Finale gegen Magnus Carlsen! Aronian durchlebte eine längere Durststrecke in den letzten beiden Jahren, doch nun ist er wieder da und möbelt seine Gegner reihenweise mit Zügen wie h4!, Th4! und Th4-a4! vom Brett. Ob das auch an der Spree gelingen wird?

h) Alexander Grischuk: ein toller Spieler mit viel Esprit und Kampfkraft. Im absoluten Welt-Spitzenschach irgendwie immer ein klein wenig in der zweiten Reihe von vorne, und darum auch in Berlin keiner der klaren Favoriten? Ende März wissen wir mehr.

i) Maxime Vachier-Lagrave: hätte eigentlich dabei sein müssen, sollen, wollen, und niemand hätte etwas dagegen sagen können. Doch in jeder der Auswahldisziplinen für Berlin - FIDE Grand-Prix, durchschnittliche ELO-Zahl im Jahr 2017, Weltcup-Finale und Werder Monatsblitz -scheiterte der mutige Franzose immer um Haaresbreite an den um Haaresbreite vor ihm liegenden Konkurrenten. Was soll man sagen - c'est la vie, und hoffentlich klappt es für MVL, wie wir Insider ihn nennen, beim nächsten Mal mit einem Anlauf zum WM-Titel.

j) der HSV: spielt leider auch nicht mit, und hat bis Ende April auch noch andere Verpflichtungen.

hsv Auf geht's, Jungs!

 

k) Wesley So: hatte ein wunderbares Schachjahr 2017 und ackerte sich in achtbare ELO-Höhen. Doch nun ist es ruhiger geworden um ihn, und die ganz großen Coups wollen ihm nicht mehr so gelingen. Vielleicht ist es aber auch nur Tarnung, und bei den Kandidaten entscheidet er das Turnier für sich? In Berlin ist alles möglich - das wissen wir.

Und zu guter Letzt:

l) Shakhriyar Mamedyarov! Das Ausrufezeichen setzen wir für die Komplexität seines Vor- und Nachnamens - vielleicht auch deshalb wird er auf der Schachbund-Seite zur Sicherheit verkürzt mit dem anwenderfreundlichen S. Mamedjarov vorgestellt. Der Aserbeidschaner hat früher mal für Werder Bremen gespielt (!) und mischt seitdem stetig in der Weltspitze mit. Bekannt und gefürchtet ist er für seine Sekt-oder-Selters-artige Spielführung, mit spontanen Königsangriffen und auch mal unkonventionellen Spielführungen.

 

So sieht es aus, liebe Leserinnen, liebe Leser - nun seid Ihr am Zug! Wer gewinnt das Turnierin Berlin - prophezeit es uns, und gewinnt eine Original-Packung mit feinsten Schokoladen-Katzenzungen!

Alle Einsendungen bitte nur hier im Kommentarbereich bis zum Samstag, 10.März, um 15:00 Uhr - dann beginnt im Berliner Kühlhaus die erste Runde. Und wir können fast sicher sein - auch der glückliche WM-Nachrücker Magnus Carlsen wird aus der Ferne mit dabei sein!

Samstag, 24 Februar 2018 13:59

Bremen All Stars vs Czech GMs

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Am Montag ist es soweit: 25 BremerInnen und Bremer(und umzu) treten an gegen die beiden Werder-Großmeister Zbynek Hracek und Vlastimil Babula! Hier ein Update zu dieser Veranstaltung, zusammen mit der Aufstellung des Bremer Teams.

ZuschauerInnen sind natürlich herzlich willkommen!

Liebes 25-köpfiges Bremen All Stars Team,

wir freuen uns, dass Ihr am Montag abend mit dabei seid und für unsere langjährigen Bundesliga-Spieler Zbynek Hracek und Vlastimil Babula eine absolut respektable Simultanrunde bildet.

Beide Großmeister haben uns erzählt, dass sie sich schon sehr auf ihren Besuch in Bremen und vor allem abends auf die Veranstaltung im Verein freuen. Sie sind gerade aus Tschechien nach Mülheim gereist, um heute und morgen in der Bundesliga anzutreten (unter anderem gegen Bayern München!)

Das große Simultanspiel am Montag ist auch für sie ein ungewöhnliches Ereignis, und wer weiß - bei einem Doppelsimultan ist alles möglich!

Ihr habt es vielleicht gesehen, dass auch überregional sehr von dieser Veranstaltung Notiz genommen wird:

https://de.chessbase.com/post/werder-bremen-doppelsimultan-der-urgesteine

Hier noch einmal der Plan für den Abend in der Hemelinger Straße 17 (Werder Vereinsheim, 1.Stock):

18 Uhr                        Begrüßung durch Werder-Präsident Hubertus Hess Grunewald, Ehrung der beiden Spieler

im Anschluss            25 Jahre als Profi in Bremen - was gibt es zu berichten?

                                   Anekdoten und Partien von Zbynek Hracek und Vlastimil Babula

gegen 19 Uhr           Einladung zu einem kleinen Imbiss

gegen 19:15/19:30 Doppelsimultan mit GM Zbynek Hracek und Vlastimil Babula an 25 Brettern

Vlasti2b
Europapokal 2015 in Skopje:
Vlasti Babula nach seinem Sieg gegen Anish Giri


Damit Ihr wisst, wer sich links und und rechts von Euch im Bremer All Star Team tummelt, hier noch einmal ein kurzer Überblick über alle Teilnehmer.

Wir haben eine Reihe von Plätzen für besondere sportliche Erfolge vergeben, einige von Euch sind sehr geschätzte Bremer Ehrengäste, und weitere haben ihre Chance genutzt, einen Platz bei der Verlosung auf der Homepage des Landesschachbundes zu gewinnen (gut gemacht!):

1) - 4) Findorff Seniorenmannschaft, Bremer Meister 2017, 4 Bretter

5) - 8) Bremer Schachjugend Auswahl, 4 Bretter

9) Manfred Breutigam, Bremer SG

10) Wilfried Schmid, Turnierleiter LSB

11) Bernhard Künitz, Werder Bremen 4

12) Anastasia Erofeev, Werder Bremen 5

13) Wolfgang Adaschkiewitz, Werder Bremen 6

14) - 17) Jugend SVW: Jan, Robin, Jannis, Kaiwen

18) Gerald Jung, Vereinsmeister Werder Bremen

19) Andreas Calic, Bremer SG

20) Till Schelz-Brandenburg und Ingolf Meyer-Siebert, SV Werder Schach Bundesliga

21) Robert Klemm, Bremer SG

22) Thorsten Ahlers, SF Findorff

23) Mattis Trätmar, Delmenhorster SK

24) Lars Milde, Werder Bremen

25) Elmar Kastens, SF Sulingen

 

Wir wünschen Euch einen spannenden Abend im Werder Vereinsheim!
 
Olaf Steffens
Teamchef Schachbundesliga
SV Werder Bremen
 
www.werder.de/schach
 

Einmal mehr können wir die Berliner Schachszene nicht genug preisen - und hier vor allem die Schachfreunde Berlin! Denn in der Tat, was ist da alles los in der Hauptstadt? Passion und Schachverrücktheit!

Wir entsinnen uns natürlich noch an den Berliner Sommer, das großartige Open in der Wendezeit, gutes Wetter, starke Besetzung, leider war ich niemals dort. Dann natürlich Berlin und seine Schachvereine: zahlreich, zahlreich sind sie vertreten in der Ersten und Zweiten Bundesliga, die Zehlendorfer, Rüdersdorfer, Berolina Mitte, Kreuzberger, Tegeler, Neuköllner - überall Berlin, man kommt aus dem Berlinern gar nicht mehr raus, selbst wenn man in einem weit außerhalb der Stadtmauern gelegenen Verein startberechtigt ist.

 Berlin in Liga zwei 2

   Keine Zeit für Bali - wir reisen nach Berlin! (Screenshot: Deutscher Schachbund Ergebnisdienst)

An der Spree glänzt man mit den regelmäßigen Schnell-und Blitzturnieren, hier sind es neben dem SC Kreuzberg (drei verschiedene Turnierserien jeden Monat!) ebenfalls die Schachfreunde Berlin, bei denen man in sehr beachtlichen Teilnehmerfeldern hübsche Preise gewinnen kann -  mitunter Eintrittskarten oder auch ein guter Tropfen Wein.

Auch hat die Hauptstadt der Republik im März mal so eben für zwei Wochen das Kandidatenturnier beherbergt und mit Fabiano Caruana einen standesgemäßen Herausforderer für den Nicht-Berliner Weltmeister Magnus Carlsen ermittelt. Und kam nicht auch Emanuel Lasker aus Berlin(chen)? Darüber hinaus leistet sich die Stadt neben einer progressiven Flughafenperformance schon seit Jahren eine eigene Schacheröffnung, die auch bei den Kandidaten wieder für Aufsehen gesorgt hat ("Die Berliner Mauer greift an", Ulrich Stock).

Berlin Kandidaten

                                                     Wer fährt zu Magnus Carlsen?


Tja, unsere Hauptstadt, da ist was in Gange, alleine schon rein schachlich! Und Ende April folgt mit der zentralen Bundesliga-Endrunde das nächste Feuerwerk: drei tolle Tage voller ELO, DWZ und sechzehn Bundesliga-Mannschaften an einem Ort. Baden-Baden kann noch Meister werden, ebenso Solingen, und ja, auch im Abstiegskampf gibt es ein veritables Play-Off zwischen der SG Speyer-Schwegenheim, dem Hamburger SK, München 1 und München 2 sowie den wackeren Norderstedtern. "All play all" heißt es da, beinahe jedenfalls, in den letzten drei Runden. Ein Geniestreich der Turnierleitung - spannender kann man die Auslosung nicht gestalten.

Neben intensivem schachlichem Ringen wird auch der DSB mit allerlei sehenswerten Veranstaltungen vor Ort sein - so findet auch in diesem Jahr die Bundesvereinskonferenz parallel zur Endrunde statt, bei der in zwangloser Form Ideen rund um den Schachsport im Lande besprochen werden. Die Lasker-Gesellschaft stellt aus und konferiert, die Berliner Feierabendliga schreitet an die Bretter, Berliner Politiker spielen Schach, der Berliner Mannschaftspokal wird fortgeführt - undundund!

Wie im Vorjahr liegt die Endrunde organisatorisch auch diesmal in den bewährten Händen der (erwähnten wir sie schon?) Schachfreunde Berlin. Ein Mammut-Event vom 28.April bis zum 01.Mai, alles muss bedacht werden, Spielsaal, Unterkunft, Rahmenbedingungen, Essen,  Trinken, Kaffee, und dann soll ja auch noch Schach gespielt werden!

Beim letzten Mal hat das schon überaus beeindruckend gut geklappt, und somit steht einer Neuauflage in 2018 nichts im Wege. Federführend in der Organisation sind einmal Rainer Polzin, Großmeister, Rechtsanwalt und Berliner, sowie an erster Stelle ebenso FM Christoph Nogly, der seine fünf Sinne seit Monaten mit den Zimmerreservierungen für 16 Mannschaften und mitreisende Partner, mit kurzfristigen Absagen, weiteren Nachbuchungen und besonderen Zimmerwünschen erschöpfend auslastet. Kompliment an Christoph, Rainer, und an all die (SF) Berliner HelferInnen und Helfer, die bei  diesem mammutartigen Mammutprojekt ihre Zeit, Energie und Ideen geben!
Auch der Schachbund, der Berliner Schachverband und natürlich der Schach-Bundesliga e.V. haben über Monate viel Energie eingebracht, damit alles klappt - geben wir ihnen etwas davon zurück und würdigen die wundervolle Veranstaltung mit einem Besuch vor Ort!

Berliner Endrunde 2017 1
                     Zufrieden mit der Endrunde 2017: Rainer Polzin und Jörg Schulz

Nun aber zum Blitzen! Denn so höret, Ihr Leserinnen und Leser des Schachwelt-Blogs, nicht nur eine Endrunde soll dargeboten und organisiert werden, in Berlin legt man noch eine Schippe obendrauf und lädt die Schachgemeinde zum eigenen Spielen an die Bretter.

Schon am 28.April eröffnet die Endrunde in großem Stil mit einem Blitzturnier, das seinesgleichen sucht und kaum jemals finden wird. Anders bei den Monatsturnieren der SF Berlin (Wein) oder beim Werder Monatsblitz (1.Preis: 11,-€) wird hier das Preisgeld etwas großzügiger bemessen. Reichlich, sozusagen: 2.000,-€ für den ersten Platz! (!!), und weitere monumentale Preise auf den weiteren Rängen (1.200,-€, 1.000,-€, 700,-€ ...).

Da könnte man glatt schon einmal überlegen mitzuspielen - doch ach, wie es nunmal so ist, auch andere haben von diesem Turnier erfahren, und ihre Groß- oder Internationale Meisterhüte in den Ring geworfen. Da sind die hohen Preise alle schon gebucht, mehr oder w weniger? Einge 2600er ELO-Riesen wird es zu sehen geben am Brett, Kacper Piorun, Evgeny Tomashevsky, Falko Bindrich, Daniel Fridman, Romain Edouard, und wer weiß, noch ist nicht Toresschluss, es werden sich sicher noch weitere große Kaliber einschreiben. Und so soll das ja auch sein.

Bundesliga Endrunde 2017 2

                                  Blitzen bei der Zentralen Endrunde - die Könner freuen sich darauf!

Wir rufen: "Chapeau!" für dieses Meisterstück, mit einem toll arrangierten Blitzturnier, und vier vollgefüllten Tage mit Schach, Schach und weiterem Schach. Doll!

Und was überhaupt meint dazu Carsten Schmidt, Präsident des Berliner Schachverbandes? Wir trafen ihn neulich ganz überraschend im Weserstadion an einem sehr sehr kalten Februarabend. Werder Bremen spielte auf gegen den HSV, Nordverein der Herzen, und Carsten, HSV-Fan der ersten Stunde, war bei einem Pausenstand von 0 : 0 noch vorsichtig optimistisch für seine Jungs (hummel hummel!).

Im Interview (leider ist das Bild ein ganz klein wenig dunkel geraten, und der Bremer Stadionsprecher redet die ganze Zeit dazwischen) gab er gerne Auskunft über Schach, Blitz und die Endrunde in Berlin. Außerdem erfährt man etwas über seinen Lieblingsfußballverein:

 

Auch wenn Werder den Ball am Ende noch siegbringend ins Hamburger Tor kegelte - die Saison ist ja noch lange nicht vorbei. Es bleiben (Stand Mitte April) immer noch vier lockere Spieltage, um die gefühlt 20 Punkte bis zu Platz 16 aufzuholen. Darum: Nur der HSV. Und Blitzen in Berlin!

Webseite Zentrale Endrunde in Berlin

Sonntag, 18 Februar 2018 22:10

Ein Rijnfall für den Grossmeister

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Nein, ich habe mich im Titel nicht vertippt - so wird der Rhein geschrieben, sobald er die Grenze zu den Niederlanden überquert hat (und ähnlich wie im Deutschen ausgesprochen). Ausserdem spielte der belgische GM Dgebuadze gegen einen gewissen Giel van Rijn. Zuvor heisst die westliche Rheinhälfte Rhin - ausgesprochen, soweit man das nasale Französisch deutsch-phonetisch beschreiben kann, "Rä". Es geht in diesem Beitrag auch um Französisch (auf dem Schachbrett), und neben "französische Katastrophen" wäre auch "Spiel doch Läufer d7!" ein alternativer Titel.

Neben "Französisch etwas anders" wird es auch ein bisschen Turnierbericht zum 78. Noteboom-Turnier in Leiden, Niederlande. Sie haben allerdings kein Foto vom Verlierer der Partie, die Anlass für diesen Artikel ist - in der ersten Runde wurde er nicht fotografiert, danach ging es nicht mehr. Fotografiert haben sie allerdings, ohne es zu diesem Zeitpunkt zu wissen, den Sieger:

Giel van Rijn

Wer ist Giel van Rijn? Viel konnte ich nicht über ihn herausfinden: Jahrgang 1991, Elo 2140 (national 2086), aus Leiderdorp (Vorort von Leiden), sonst spielt er offenbar nur Mannschaftskämpfe. Alle Fotos ab Turnierseite - die offiziellen Fotografen sind Adinda Serdijn und Tymen Schoots, ausserdem machte sich auch der Groninger Harry Gielen auf die Reise nach Leiden um mal wieder bei einem Schachturnier zu fotografieren.

Von seinem Gegner Alexandre Dgebuadze - ursprünglich aus Georgien, seit 2000 spielt er für Belgien - gibt es offenbar auch sonst kaum Fotos. Wikipedia-Fotos stammen aus 2007, das Titelfoto vom Deizisauer Herbstopen 2013 ist das aktuellste das ich finden konnte. Zur Partie zunächst die Schlusstellung, langsam werde ich erklären warum Dgebuadze (Schwarz) nach 24 Zügen aufgegeben hat:

Van Rijn Dgebuadze final2

Was ist das Problem? Er hat doch eine Qualität mehr und ausserdem starke Freibauern am Damenflügel (wenn auch derzeit blockiert).

Van Rijn Dgebuadze final3

Weiss hat auch einen Freibauern (zuletzt kam 24.h4), aber auch das ist kein Grund zu Panik?

Van Rijn Dgebuadze final

Ach so, Weiss hat im Gegensatz zu Schwarz eine Dame. Die steht zwar auf h7 etwas im Abseits aber das ist nicht permanent. Da stand sie seit dem achten Zug, mit 14.-Tg6 wollte Dgebuadze sie bleibend aussperren (d.h. den typischen Zug Dh7-d3 verhindern), und nun hat auch dieser Turm demnächst ein Problem. Und nun von Anfang an:

1.d4 e6!? (Auf 1.d4 erlaubt oder will Dgebuadze eigentlich immer Französisch, auf 1.e4 spielt er auch mal Sizilianisch. Wenn Giel van Rijn sich vorbereitet hatte, ist ihm das vielleicht aufgefallen - vielleicht auch, dass Dgebuadze nach Dg4 bisher nie Dxg7 erlaubte. Wie hat er es dann hinbekommen?) 2.e4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 Se7 5.Dg4 c5 6.dxc5 (mit dieser Zugfolge der Hauptzug, wobei man auch mit 6.a3 Lxc3+ 7.bxc3 eine sehr bekannte Variante erreichen kann - so bekannt, dass selbst der theoriefaule Magnus Carlsen es in Wijk aan Zee gegen Giri spielte. Dann kann Schwarz allerdings 7.-0-0 spielen - machte Dgebuadze immer - oder auch 7.-Kf8!?). 6.-Sbc6 7.Dxg7 Tg8 8.Dxh7 d4 (geht in Hauptvarianten nicht) 9.a3 Da5 10.Tb1 dxc3 11.Le3

Van Rijn Dgebuadze move 11

Und nun? Dgebuadze, der schon zuvor gelegentlich einhielt während sein Gegner alles im Blitztempo spielte, brauchte 22 Minuten für 11.-cxb2+ - naheliegend und viel gespielt. Edwin van Haastert im offiziellen Rundenbericht: "Ich meine mich zu erinnern, dass Vitiugov hier 11.-Ld7! angibt und denkt, dass Schwarz durch seinen enormen Entwicklungsvorsprung klar besser steht. Das könnte stimmen." Engines plädieren auch für 11.-Ld7, gespielt wurde es bisher fast nur in Fernpartien. Die beiden Ausnahmen im ergänzenden Material später, jeweils gewann da Schwarz in 18 Zügen. 12.axb4 Da1?! - das ist neu und wohl nicht allzu gut. van Haastert erwähnt das hier übliche 12.-Dxb4+ 13.Ld2 Dc5 14.De4 "unklar". 12.-Da2 wurde auch einmal gespielt. 13.c3 a5 14.b5 (dafür brauchte nun Weiss 29 Minuten) 14.-Tg6?? van Haastert erwähnt 14.-Sxe5 und 14.-a4, letzteres analysiert er zum Dauerschach - wobei er im Kommentar zu einem anderen Artikel seine Analysen als "nicht allzu tiefgründig und unter Zeitdruck entstanden, glaub nicht alles was Du liest :)" bezeichnet. 15.Ld3 - ebenso erzwungen wie für Engines +5 oder mehr 15.-Sd8 - traurig, aber - mit Dank an 14.-Tg6?? - 15.-Sxe5? 16.Dh8+ und 17.Dxe5 16.Se2 a4 17.0-0 Dxb1 18.Lxb1 a3 19.La2 (sicher, dabei für Engines nicht der beste Zug - nur +12) 19.-Ld7 20.c4 Sdc6 21.bxc6 Lxc6 22.f3 Td8 23.Sd4 La4 24.h4 1-0.

"Mut zum Risiko" vom Weisspieler, der ja nichts zu verlieren hatte?! Dgebuadze teilte den Organisatoren direkt nach der Partie mit, dass sie am Samstag (und Sonntag) nicht mit ihm rechnen können. Stattdessen spielte er dann spontan ein Schnellturnier in Rotterdam, jedenfalls sechs von sieben Runden. Durchaus rhythmisch: zwei Siege, zwei Remisen und zwei Niederlagen - die zweite gegen Elo 1796, dann reichte es ihm. Ob er auf der weiteren Heimreise Sonntag noch ein Turnier in Belgien spielte, das weiss ich nicht. Um noch einmal das Chrysantenturnier in Heerhugowaard zu erwähnen: da war er erfolgreicher, belegte den Platz der ihm laut Setzliste gehörte (vor der letzten Runde noch Chancen auf mehr) und bekam etwas Preisgeld.

Bei dieser Partie musste ich auch an eine quasi spiegelbildliche Stellung in einer Nebenvariante der Hauptvariante denken:

Kukel Karabalis Saric Paehtz

Weiss spielte hier gerade 15.DxTg8+ - das gab es schon viermal auf einem Schachbrett! Die erzwungene Reaktion 15.-Sxg8 funktioniert allenfalls zusammen mit einem kleinen Trick: weisse Dame in der Hand behalten oder auf den Fussboden werfen, wenn Weiss dann 16.h7 0-0-0 (soweit richtig) 17.h8umgedrehter Turm spielt, greift der Schiedsrichter ein, bezeichnet dieses Objekt als Turm und die schwarze Welt ist wieder (mehr als) in Ordnung. Das funktioniert allerdings wohl allenfalls dann, wenn der Gegner sich bereits in heftiger Zeitnot befindet.

Zuvor hatte u.a. Harilos Karabalis (mir aus meiner hessischen Zeit vom Namen her ein Begriff) in einer Oberliga-Partie ein Brett vorm Kopf, schliesslich spielte er für den gleichnamigen Frankfurter Verein. Die hochkarätigste Partie war dann GM Saric - IM Paehtz (also Elisabeth, nicht Thomas) bei der Europameisterschaft 2017. Wie kam es jeweils dazu? 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.e5 c5 5.a3 Lxc3+ 6.bxc3 Se7 7.Dg4 Dc7 8.Dxg7 Tg8 9.Dxh7 cxd4 10.Se2 Sbc6 11.f4 dxc3 (soweit Hauptvariante) 12.h4!? -nicht der Hauptzug, aber bereits u.a. von kreativen Schachchaoten wie Emil Sutovsky, Ian Nepomniachtchi und Peter Leko gespielt 12.-d4 (schon hier geht 12.-Ld7, oder auch im elften Zug) 13.h5

Kukel Karabalis Saric Paehtz move 15

Und nun ist 13.-Ld7 PFLICHT!, das mehrfach gespielte 13.-b6 dagegen zu langsam: 14.h6 Lb7? (14.-Kf8 relativ am besten) 15.Dxg8+ usw. .

Wenn Französisch so schlecht ist, warum tue ich mich dagegen eher schwer? Mehrere mögliche Gründe - ich bin schlecht, ich spiele immer 3.Sd2 oder vielleicht ist es doch nicht so schlecht. Angedeutet hatte ich es bereits: Schwarz verliert nicht immer. Ich habe noch ein bisschen ergänzendes, allerdings unkommentiertes Material. Bei Andersen-Strange ging vielleicht nicht alles mit rechten Dingen zu, das darf der Leser selbst untersuchen. Ivan Saric hat 12.h4!? so gut gefallen, dass er es im Schnellschach noch zweimal spielte - darunter ein glatter Sieg gegen Elo 2769 (oder habe ich mich da vertippt, und sein Erstrundengegner bei der Europameisterschaft 2017 hatte Elo 1769?). Soweit der französische Teil dieses Artikels, nun noch ein bisschen was zum Turnier insgesamt:

Warum Noteboom-Turnier? Gemeint ist nicht Gren Noteboom (*1958), der dieses Jahr in der letzten Runde der Amateurgruppe 7G in Wijk aan Zee mit 1.e4 c5 2.b4!? gegen meinen Vereinskollegen Jon van Dorsten verlor, wodurch dieser Gruppensieger wurde. Nein, geehrt wird seit 1936 Daniel Noteboom (26.10.1910 - 12.1.1932) - NL-Jungtalent bis zu seinem frühen Tod durch eine schwere Lungenentzündung. Die Turnierseite hat seine Biographie: Ausnahmsweise durfte er bereits als 15-jähriger "bartloser Knabe in kurzer Hose" Mitglied von Leidsch Schaakgenootschap (LSG) werden - dieser Verein jedenfalls damals sonst für "gesellschaftlich etablierte" Erwachsene, Philidor Leiden dagegen der Arbeiter- und Studentenverein (auch ein heutiger Vereinskollege von mir war als Student Mitglied von Philidor Leiden). Heutzutage ist die erste Mannschaft von LSG zwar vielleicht auch (komplett) "gesellschaftlich etabliert", aber - soweit ich sie von Fotos kenne - bartlos. Spitzenspieler war ja neben GM Nikolic bis zu seinem beruflichen Wechsel nach Turin IM GM Prof. Dr. Jan Michael Sprenger. Wie spätere Fotos zeigen, hatte Daniël Noteboom sich kleidungsmässig angepasst (oder trug er zu Jackett und Krawatte kurze Hose?). Als Schachspieler wird Noteboom vor allem als "sehr guter Lavierer" bezeichnet, dazu passt die nach ihm benannte Noteboom-Variante im halbslawischen Damengambit nicht unbedingt.

Das Turnier selbst ziemlich kompakt: eine Runde am Freitag ab 19:30, drei(!) am Samstag um 9:00, 14:00 und 19:30 und dann noch zwei am Sonntag um 9:00 und 14:00. Ein "bye" ist erlaubt - dafür gibt es einen halben Punkt und das machten viele, vor allem für die Runde Samstag abends. Bedenkzeit 1h40min für die gesamte Partie plus 10 Sekunden pro Zug - hierzulande auch in Mannschaftskämpfen (jedenfalls auf meinem Niveau) üblich, einmal Zeitnot immer Zeitnot. Elo-ausgewertet wird es übrigens nicht, unklar ob es bei dieser Bedenkzeit und Dreifachrunde am Samstag überhaupt ginge. Laut Turnierdirektor Rudy van Wessel, der meine email-Anfrage beantwortete, würde es Topspieler eventuell von der Teilnahme abhalten, und ist es den meisten Teilnehmern egal ("einzelne fragen es manchmal, aber für uns kein Grund um daran etwas zu ändern").

Und das quasi zum Fall Dgebuadze - auf der Turnierseite stand vor dem Turnier, dass nur Spieler mit Elo 2600+ (von den letztendlichen Teilnehmern nur Benjamin Bok) über Konditionen verhandeln können: "Zu unserer Einstellungen betrifft Konditionen äussern wir uns nicht [TR: das macht kein Turnier]. Der Hinweis auf der Webseite ist eine Einladung an 2600 GM's. Dgebuadze wird vorläufig nicht mehr beim Noteboom-Turnier mitspielen, das ist sicher."

Mitgespielt haben neben regional/mir bekannten Namen (darunter zwei Spieler des gegnerischen Teams unseres letzten Mannschaftskampfs) auch einige international bekannte Spieler - bzw. in Deutschland bekannt, da sie auch für Bundesliga-Vereine am Brett sitzen. Dgebuadze hatte ich bereits - er spielt in Deutschland für Remagen-Sinzig Rheinland-Pfalz Liga. Beim Staufer Open 2018 hatte er übrigens nach Niederlage in Runde eins gegen Volker Gassmann (Elo 2148) durchgespielt und teilte am Ende mit 7/9 noch Platz eins - die Niederlage war eher positionell, und bei neun Runden kann man derlei eher kompensieren. Benjamin Bok hatte ich bereits erwähnt, einige andere werde ich nun - vor allem fotografisch - vorstellen, aber zunächst zeige ich alle oder jedenfalls viele:

Turniersaal Leiden

Im Vordergrund nicht live übertragene Bretter - Liveübertragung gab es nur für die ersten vier Bretter des A-Turniers (viele andere Partien haben sie dann aufgrund der, mitunter dafür bedingt geeigneten, Partieformulare rekonstruiert und ebenfalls veröffentlicht). Neben dem A-Turnier gab es auch noch ein B- und C-Turnier sowie Vierkämpfe für Spieler, die keine Lust auf (fünf bis) sechs Partien hatten - jedenfalls nicht an drei Tagen. Vierkämpfe dabei übrigens nur für Erwachsene, Jugendliche mussten das volle Programm absolvieren. Dieses Foto aus Runde eins, ich springe zu Runde vier - der mit vielen "byes":

Nikolic van Meegen Round 4

Links ist Lokalmatador Predrag Nikolic fast fertig - er setzt an zu 11.Tad1 mit Remisangebot, Gegner Benjamin Bok war einverstanden. Das war übrigens das einzige GM-"Duell" im gesamten Turnier. Rechts war Ruud van Meegen (Elo 2212) wohl klar, dass er kein Kurzremis bekommt, ausserdem hatte er ja eine weitere Anreise aus der Provinz Limburg bei Deutschland (und Belgien). Dann hat er eben gegen GM Pruijssers gewonnen, der mit seinem Königsinder Schiffbruch erlitt.

Bok van Meegen Noteboom Gielen

Dieses Foto von Harry Gielen - tags darauf ab 9:00 nachts morgens kibitzt Daniël Noteboom bei Bok - van Meegen, oder ist er mit seiner eigenen Partie beschäftigt? Bok reagierte unkonventionell auf van Meegens Caro-Kann, wobei es auch das (u.a. 7.Sfg1) bereits auf hohem Niveau gab - u.a. bei Vachier-Lagrave - Anand, Sinquefield Cup 2016 und Almasi-Svane, Bundesliga 2017. Nach Zügen wurde es ein Kurzremis, nach beiderseits verbrauchter Bedenkzeit nicht - Bok kombinierte 21.Le3 mit einem taktischen Remisangebot (zu diesem Zeitpunkt stand er eher schlechter als besser), van Meegen war einverstanden.

Vor der Schlussrunde hatten (u.a. durch dieses Ergebnis) zehn Spieler 4/6 - da es nur vier Geldpreise gab mussten alle auf Gewinn spielen (jedenfalls wenn sie Geld wollten). Ab Brett sechs dagegen offenbar diverse Kurzremisen, und bevor ich die Schlussphase an den vorderen Brettern vor allem fotografisch dokumentiere erst ein (erfundener!) Beinahe-Skandal:

Emma de Vries Michaël Liempt

Emma de Vries (rechts) beschwerte sich bitterlich, dass sie an Brett 26 gegen eine Frau spielen muss. Reaktion der Turnierleitung: "Beruhige Dich! Mal abgesehen davon, dass Du nicht Hou Yifan bist, hat Dein Gegner den Vornamen Michaël." Das akzeptierte sie und verzichtete auf das eigentlich geplante 1.g4!? - das langhaarige Duell blond-braun endete dann remis. Natürlich schreibe ich Quatsch, kann mir dabei vorstellen dass beide aus optischen Gründen fotografiert wurden.

Und nun die Chronologie der Spitzenbretter - ich gehe davon aus, dass Fotos hier (separat für "Runde 6 letzte 30 Minuten") chronologisch sind, und es passt auch zu den für Brett 1-4 dokumentierten Rest-Bedenkzeiten:

van der Werf Pruijssers

Als erstes musste Lokalmatador IM van der Werf gegen GM Pruijssers aufgeben. In einem beiderseits wild-unkonventionell-riskant interpretierten Holländer (auch Weiss wollte offenbar gewinnen) hatte er das Nachsehen. Zuletzt geschah 32.-DxSg3 und die freche Dame ist wegen Damen-Rückverlust nebst Matt tabu.

Pruijssers kibitzt

Pruijssers konnte dann an anderen Brettern kibitzen - auf diesem Foto auch (ihm zugewendet) GM Arnaudov, auf ihre Partie konzentriert GM Bok und IM Ducarmon sowie weitere Kibitze, die hinter der Absperrung bleiben mussten. Pruijssers' Hoffnungen auf einen eventuellen alleinigen Turniersieg erfüllten sich nicht.

Kevlishvili Zwirts Dh7

Kevlishvili-Zwirs 1-0 - auch hier war eine (auf dem Foto gerade so sichtbare) weisse Dame auf h7 partieentscheidend. Und zwar sofort denn es war Matt. Die schwarze Niederlage zeichnete sich schon lange vorher ab: aus der Eröffnung heraus hatte er einen Bauern weniger - das war wohl Absicht, aber diese Nebenvariante im Richter-Rauzer Sizilianer (6.-g6 7.Lxf6 exf6, später schnappt sich Weiss den schwarzen Bauern auf d6) hat keinen allzu guten Ruf. Mit einem Qualitätsopfer wollte Zwirs dann im Trüben fischen, aber dieses Gegenspiel konnte Kevlishvili mühelos neutralisieren.

Arnaudov van Meegen

Petar Arnaudov und Ruud van Meegen sind ebenfalls fertig - für den Schwarzspieler in Grün (selbes Outfit wie gegen Bok kein Zufall, es war ja derselbe Tag) am Ende "nur" 1.5/3 gegen Grossmeister, "ausgerechnet" gegen den nominell schwächsten von drei nacheinander verlor er. Das Gröbste hatte er scheinbar überstanden, dann patzte er mit 34.-Sxd5? (nach gut 8 Minuten, also noch keine extreme Zeitnot) - 34.-Sb5 war für Schwarz (mindestens) OK, so aktivierte er dagegen den weissen Lf3 wodurch der weisse b-Freibauer partieentscheidend wurde (statt dass Schwarz ihn einfach fressen konnte).

Bok denkt

Benjamin Bok grübelte derweil weiterhin, Quinten Ducarmon leistete zähen Widerstand.

Nikolic Heltsel

Brett 5 GM Nikolic(2593) - Heltzel(2205) wurde remis, wobei der Grossmeister (siehe Stand auf der Uhr 0:20-0:08) offenbar alles versuchte. Damit gab es nun zu diesem Zeitpunkt drei (bis vier) geteilte Turniersieger.

Hat Heltsel gepatzt

Ist das Erschöpfung beim Schwarzspieler, oder stellte sich in der Analyse (zu der Nikolic offenbar bereit war) heraus, dass er gar gewinnen konnte? Diese Partie momentan noch nicht verfügbar, sie haben alle Partien "im Laufe der Woche" versprochen.

Bok Ducarmon Schiedsrichter Kibitze

Blieb nur noch das Spitzenbrett Ducarmon-Bok. Lange zuvor wollte Schwarz wohl Najdorf spielen, aber Weiss war (1.e4 c5 2.Sf3 d6 3.Lb5+) nicht einverstanden - es wurde quasi-Spanisch und da wird dann endlos manövriert. Hier haben wir bereits ein Endspiel, und in dieser Stellung gab es Diskussionen, der Schiedsrichter ist beteiligt, die Liveübertragung endete hier. Was war los? Laut Abschlussbericht reklamierte Ducarmon dreifache Stellungswiederholung - zu Unrecht: nach 54.Ld1 und 58.Ld1 stand der schwarze König jeweils auf f6, nun nach 62.Ld1 auf e7. Regelkonform bekam Bok zwei Minuten auf der Uhr - auf einem späteren Foto macht der Schiedsrichter das offenbar. Das war genug Bedenkzeitpolster, um die Partie zu gewinnen - quasi im Stil des lavierenden Daniël Noteboom. Das zeige ich noch, aber erst eine Bemerkung zum kibitzenden Publikum: Hebert Perez Garcia (mit Mütze und Schal), ursprünglich aus Südamerika, hat sich offenbar auch nach vielen Jahren nicht an winterliche Temperaturen in den Niederlanden gewöhnt, auch drinnen nicht.

Kibitze Schlussrunde

Er war allerdings nicht der einzige Wintersportler im Publikum.

Ducarmon Bok

Und das ist die Schlusstellung von Ducarmon-Bok - auf der Uhr wieder ausgeglichen (0:28-0:18), auf dem Brett für Weiss hoffnungslos. So sehen es Engines, und Ducarmon war einverstanden - materiell ist es zwar (noch) ausgeglichen, aber alles andere zugunsten von Schwarz.

R5 Robby Kevlishvili Gielen

Zum Schluss zeige ich noch (Foto Harry Gielen) den offiziellen Wertungssieger IM Kevlishvili. Denkbar knapp nach zweitem Tiebreak Sonneborn-Berger vor Bok. Um das nachzuvollziehen, musste ich tief ins Regelwerk tauchen: Wie wird ein bye, das er (wie auch Arnaudov, im Gegensatz zu Bok und - der bereute es vielleicht - Pruijssers) in Runde 4 nahm, behandelt? Als Remis gegen sich selbst, wobei dieser virtuelle Gegner dann auch in den verbleibenden Runden virtuell Remis spielt. Sonst wäre ein bye, das bei diesem Turnierprogramm auch Favoriten oft nehmen, wertungstechnisch unattraktiv. Den offiziellen Turniersieg "braucht" der IM unter GMs vielleicht am ehesten, und das Preisgeld wurde gleichmässig geteilt - alle vier bekamen 650 Euro, ein alleiniger Turniersieger hätte 1200 Euro erhalten.

Eine GM-Norm war es für Kevlishvili nicht: TPR 2598 hätte gereicht, wenn man die Elo seines ersten Gegners anhebt. Aber sechs bzw. in seinem Fall fünf Partien ist zu wenig, und null GMs in diesen fünf Runden ist auch zu wenig.

Zum Schluss noch ein kurzer Blick in andere Regionen: Wie gesagt, zwei Spieler aus dem Kader unseres letzten Gegners in Mannschaftskämpfen haben mitgespielt, beide sammelten Erfahrungen d.h. Niederlagen. Dennis Mienis hatte durchweg nominell stärkere Gegner - einer 20 Elopunkte besser, die fünf anderen knapp 150 bis fast 300 Punkte besser. Was kam dabei heraus? Mit Schwarz dreimal Remis, mit Weiss drei Niederlagen - etwas ungewöhnlich. Und den Sieger des Vierkamp1 erwähne ich noch abschliessend-nebenbei: Jeroen van den Berg, der neben seinen Rollen als Turnierdirektor in Wijk aan Zee, ACP Board Member (usw.?) auch mal selbst Schach spielt - bei dieser Gelegenheit 2.5 Punkte aus drei Partien.

 

 

Freitag, 09 Februar 2018 14:48

Gegner unter Aktenbergen

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Immer wieder schön zu hören ist es, wenn auch jemand außerhalb der amtlichen Szene mal von seinem Draht zum Schachspiel berichtet. So fanden wir in einem Artikel "Das Ende der Papierberge" (Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 04.Februar 2018) einen Text über das papierlose Büro - und einen Hinweis auf Schach am Arbeitsplatz!

Anna Steiner untersucht die spannende Frage, ob der stets aufgeräumte und von Papier fundamental leergefegte Büro- Schreibtisch den nächsten Schritt in die Zukunft darstellt. Clean Desk Policy: kein Papier, alles hübsch im eigenen Laptop gespeichert, und am nächsten Arbeitstag zieht man mit dem Laptop dann um zum nächsten freien Schreibtisch - sehr praktisch! Oder auch nicht - viele Mitarbeiter drucken ihre Mails dann ja doch wieder heimlich aus, um sich darauf Notizen zu machen.

So offenbar auch Michael Erlhoff, ein Kölner Designtheoretiker, der die Fahne des papierbasierten Arbeitens resolut hochhält. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Unterlagen, und die papierlose Zukunft scheint bei ihm noch beruhigend fern. Und hoppla, manchmal entdeckt man auch einen Schachcomputer!

"Designtheoretiker Michael Erlhoff findet das Chaos ohnehin nicht schlimm, schließlich haben die Papierberge ihre Vorteile. Auf seinem Schreibtisch herrscht seine ganz persönliche Unordnung, wie er gerne zugibt.

Unmengen an Papier, Notizen, Dokumente, alte Manuskripte, und mittendrin ein alter Schachcomputer. Gegen den spielt er, wenn er nicht weiterkommt, und holt sich darüber neue Inspiration.
Suchen macht kreativ, findet Erlhoff. Dateien auf einem Computer sucht man meist spezifischer. Ist man hingegen auf der Suche nach einem bestimmten Dokument, dann stöbert man im Regal oder in Aktenbergen. Und stößt im Zweifel auf etwas, das man noch besser gebrauchen kann."

Beruhigend, dass auch andere mit dem Chaos rund um ihren Schreibtisch ringen, und diese Berge von Papier sogar zu schätzen wissen! Und wie schön, wenn sich beim Wühlen in den Stapeln ab und an ein Schachcomputer zeigt und alsgleich bereit steht für eine entspannende Partie.

Solange es also nicht stundenlang ist, könnten wir vielleicht wie Michael Erlhoff immer mal für ein, zwei Spiele (nicht: Stunden!) dem Wirken und der Pflicht entfliehen und dem Schachspiel frönen - meditativ an einem Holzbrett, mit einem Schachcomputer, oder wir besuchen einen Schachserver und bekämpfen im Internet Gegner aus aller Welt.

Eine kleine Flucht ins Schach befördert neue Gedanken und die Kreativität, und immerhin muss man dabei nicht arbeiten! Danach kehren wir zurück zu unserer ursprünglichen Arbeit, erfrischt und gestärkt. (Oder ermüdet und frustriert?) Doch die Papierberge und lauernden Aufgaben, sie sind leider immer noch da.

Noch besser als zehn Minuten Schach wäre vermutlich sogar ein kurzer Spaziergang im Freien, mit Natur, Wind, Sonne, echtem Leben - doch dafür müsste man ja vor die Tür gehen, und wer hat dafür schon die Zeit?

Donnerstag, 01 Februar 2018 17:32

Werder - Solingen: Show us your tips!

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Es nützt ja alles nichts: so wundervoll die Winterpause auch war, nun geht es wieder los für die 16 deutschen Bundesliga-Vereine und ihre 128 zum Teil sogar international besetzten Bretter. Sechzehn davon werden am Sonnabend im Bremer Weserstadion aufgebaut, und ab 14 Uhr spielt der Ligazweite Solingen gegen den Ligadritten Werder. Wir fragen: wer rockt den Schachtisch, und wie geht es aus, das Spitzenspiel?! (Und warum ist Baden-Baden nicht beteiligt, obwohl es ein Spitzenspiel ist?)

Mehr dazu auf der schönen Seite der Schachbundesliga:

http://schachbundesliga.de/klubnews/schachstars-im-weserstadion

Bitte schickt uns Eure exklusiven Tips für Werder Bremen - SG Solingen bis Samstag, 14:00 Ortszeit, als Eintrag im Kommentarbereich unseres liebenswerten Blogs. Und weil es besser ist, gibt es auch etwas zu gewinnen: unter den richtigen Einsendungen verlosen wir den Tagessonderpreis, und das ist wahlweise

a) eine Reisetüte Walker's Crisps "Cheese & Onion" (wurde erheblich gelobt von MiBu, dem Gewinner des letzten Tippspiels)   (HInweis: irrtümlich hatten wir zunächst die Sorte "Salt & Vinegar" ausgelobt, nach einem prüfenden Blick in den Schrank mussten wir es aber korrigieren)

ODER

b) ein investigatives Interview mit dem/ der strahlenden GewinnerIn hier im Blog.

 

Bundesliga Plakat Februar 2018 V4

Wer selber ins Weserstadion kommen möchte, ist dazu natürlich immer herzlich eingeladen. Mehr zu Eintritt, Rahmenprogramm und überhaupt findet Ihr hier.

Viel Glück beim Tippen!

Und nun die Boxen aufdrehen - hier kommen die Schachtablerocker Turntablerocker!

Vielleicht würde es helfen, wenn wir alle öfter Lenny Kravitz hören würden? Vielleicht auch nicht, aber zur Sicherheit beginnen wir einfach mal mit einem Lied:

Nun aber zum Thema - der Monatsblitz für Januar hat stattgefunden! Trotz der unglaublichen Flut an parallel stattfindenden internationalen Schachveranstaltungen hat es das Bremer Traditionsturnier geschafft, wieder ein respektables Feld von zwölf zumindest lokal renommierten Spielern ins Werder Vereinsheim zu locken. Die Hansestadt hielt den Atem an, denn war es nicht der geballten Werder-Entourage beim November-Wettbewerb zum ersten Mal seit der Erfindung des Streichholzes gelungen, dem unschlagbaren David Höffer aus DEL ein Schnippchen zu schlagen und ihm den üblichen Turniersieg sowie das schöne Preisgeld von guten 11,-€  zu entwinden?

Pommes
        Ein ähnlich starkes Team wie die Werder-Blitzer: Die Pommesgabeln des Teufels

Sven Charmeteau hatte sich den Sieg im November geholt, doch nach dem Motto "Er ist wieder da" betrat der junge Höffer um 19:25 Uhr leichtfüßig die grün-weißen Vereinsräume und meldete zum Januarturnier. Damit hatte er schon den ersten Punkt so gut wie sicher, denn gemeinhin gewinnt David jede direkte Begegnung gegen mich und somit auch stets zumindest einen Punkt. Das kam mir an diesem Abend auch ganz gut zupass, denn nach Niederlagen in den Runden eins (überzogen gegen Nikolas Wachinger), zwei (Turm weggestellt nebst Matt gegen David Kardoeus), drei (eine gelungene Verlustpartie gegen Rechtsanwalt Joachim Asendorf) und vier (Lars Milde hatte vor ungefähr zehn Jahren eine Fernschachpartie begonnen und wurde seitdem nicht mehr im Verein gesehen - nun war er wieder da und schnappte sich mit schönem Läuferopfer auf .... h7! den vollen Punkt gegen mich) - nach diesen vier Nullen in Folge, vier Nullen zum Auftakt 2018 war ich auch mehr als bereit für eine weitere Niederlage gegen SF Höffer. Wie heißt es unter Softwareleuten? "Der Fehler sitzt immer vor dem Computer" - oder eben vor dem Brett. Zeit für weiteres Training!

training frhstck
       Die drei Zutaten des Erfolgs: Trainieren, trainieren, trainieren (und etwas Honig)

Das Rennen um die vorderen Plätze wogte indessen auch ohne den matten SF Steffens (siehe oben) hin und her. Die Höffers, Charmeteaus und Asendorfs dieser Welt schnappten sich Punkt um Punkt, und man hätte kaum gedacht, dass ein junger Konkurrent noch so lange um die Spitze mitspielen würde. Doch in der Tat, vor der letzten Runde war Werdertiger David Kardoeus punktgleich führend, alleinig führend, wer weiß das schon so genau, und nur eine Null am Ende gegen den gefährlichen FM Stephan Buchal brachte ihn letztlich um einen großen bremischen Schacherfolg - schade! Dies war die Chance für die Titelträger FM RA Dr. Joachim Asendorf und FM David Höffer, noch gemeinsam an die Spitze zu ziehen - und dort waren sie dann am Ende, mit je 8,5 Punkten aus elf strengen Runden. Glückwunsch an beide Preisträger - und an den Turniersieger Joachim Asendorf, der durch den Sieg im direkten Vergleich Platz Eins und seinen hervorragenden Platz im Gesamtklassement behauptete.

Der Spezialpreis < 2000 DWZ wurde anschließend überreicht an Robert Klemm von der Bremer SG. Den Sonderpreis der Jury erspielte sich Carsten Ballandis (SVW) mit Erreichen des souveränen fünftletzten Platzes. Glückwunsch auch hier!

Weiter geht es im Februar mit dem Monatsblitz Semi-Royale: die Bundesliga (Schach!) kommt am 03. und 04.Februar nach Bremen in Gestalt der SG Solingen, DJK Aufwärts Aachen und dem SV Mülheim-Nord, und Werder lädt ins Weserstadion zu zwei sehr intensiven Spieltagen im Norden. Zum Aufgalopp der Doppelrunde findet am Donnerstag, 01.Februar 2018, der Monatsblitz Semi-Royale statt, mit hübschen Preisen am Vor-Vorabend der Bundesligarunde und einem (mal schauen) gut gefüllten Vereinsheim in der Hemelinger Straße. Nah und fern - kommt alle und seid dabei!

Bundesliga Plakat Februar 2018 V4

Noch zwei Worte am Rande:

a) Nichts geht im Blitzen ja ohne einen Turnierleiter - ich hielt es seit jeher für übermenschlich, sowohl die Turnierrunden als Spieler zu bestreiten, als auch die Zeit zwischen den Runden damit zu verbringen, dem versammelten Schachvolk die Ergebnisse abzuringen UND dann auch noch korrekt in die Turniertabelle einzutragen: wer gegen wen, in welcher Runde, wie war das Ergebnis, habe ich alles eingetragen?

Wenn ich einst in schwachen Minuten mal das Amt des Turnierleiters übernahm - es war keine Freude für alle Beteiligten, und Fehler in der Tabelle waren eine für alle faszinierende Begleiterscheinung. Nichts dergleichen allerdings scheint der Fall, wenn ein Blitz-Wettbewerb bei Werder von Stefan Preuschat geleitet wird: Stefan blitzt zügig mit wie ein junger Schachgott, und sammelt ohn' Unterlass, mit nie versiegender Energie und zu hundert Prozent korrekt die Resultate ein.

Das ist beinahe übermenschlich. Wir sagen vielen Dank!

Mobli
          Raketentechnik könnte kaum komplexer sein - die Turniertabelle, souverän geführt von SF Preuschat

 

b) Was hören wir da wieder von der FIDE? Änderung der Blitzschach-Regeln, alles muss raus, Platz für neue Regelungen:

- erst der zweite unmögliche Zug verliert nun die Partie, der erste unmögliche Zug verliert nicht mehr direkt, wird jedoch mit einer Minute Zeitgutschrift für den Gegner geahndet. Wir sagen: viel Spaß beim Einstellen der Uhren! Sonst aber eine interessante Regelung - endlich kann man seinen König wieder stehenlassen oder sonstigen Unfug machen, ohne gleich zu verlieren. Doch war es nicht immer genau das, was Blitzschach ausgemacht hat - gesunde Härte?

- niemand hat mich vorher dazu befragt, darum kommt es für mich überraschend, dass ab 2018 auch der Plättchenfall neu verhandelt wird. In den goldenen Schachzeiten (= bis incl 2017) war die Partie unentschieden, wenn beide Plättchen gefallen waren. Eine schöne, klare Regelung - doch natürlich musste man sie irgendwie ändern, und zwar so: das erste gefallene Plättchen verliert.

Wenn beide Plättchen gefallen sind, stellt man fest, welche zuerst "unten" war - und diese Seite hat dann verloren. Zum Glück gibt es die elektronische Schachuhr, mit der solcherlei Rekonstruieren möglich wird. Doch warum soll jemand eine Partie gewinnen, dessen Zeit ebenfalls abgelaufen ist? Soll es keine Rettung mehr geben, sobald auch der geschätzte Gegner seine Zeit überschreitet? Wie langweilig.

Das alles ist betrüblich. Natürlich gibt es noch viel betrüblichere Dinge auf dieser Welt, und hey, es ist ja nur Schach. Und trotzdem - wieso können jahrhundertelang bewährte Blitzregeln einfach so geändert werden?

Vielleicht habe ich das alles auch nur falsch verstanden. Unmögliche Züge werden erlaubt, man kann gewinnen, auch wenn das eigene Fähnchen gefallen ist - welche Späße wird sich die FIDE noch ausdenken für das Blitzen? Hauptsache aber, wir dürfen keine Bermudashorts mehr tragen beim Schach. Der Rest ist dann schon egal.

Trösten wir uns daher schnell mit etwas Schach aus der Zeit, wo man noch nach den (alten) Regeln spielte:

 

Freitag, 05 Januar 2018 14:32

Blitzschach und Poesie

geschrieben von

Zur heute besprochenen Partie zunächst die Schlusstellung: Turm gegen Turm ist generell remis, Ausnahmen bestätigen diese Regel. Die beiden beteiligten Damen haben nicht etwa nach und nach, gepflegt und freundschaftlich, Figuren und Bauern getauscht bis es soweit war - nein, auch diese Stellung wurde auf Umwegen erreicht.

Dieser Artikel, Teil zwei einer Serie, war bereits geplant bevor ich von dichterischen Aktivitäten auf Facebook erfuhr. Angefangen hatte eine Schachspielerin, die auch singen kann - derlei Ambitionen habe ich nicht. Und auch das war Teil einer Serie, zuvor bekam ein Grossmeister gleich zwei Ständchen. Nun bin ich selbst dran, vorab eine kurze Zusammenfassung dieses und des vorigen Artikels - "ein jeder wird zum Dichter, und nun auch Thomas Richter":

Paehtz zweimal mit Mehrfigur,

was machte sie dann nur?

Es war nicht souverän,

doch kurios anzuseh'n.

Weiss sagte zweimal "niemals nie",

und einmal wurde es remis.

Lela ist das nicht gelungen,

doch Marta hat es dann erzwungen.

Sie konnte Paehtz "betrügen",

nach nicht mal hundert Zügen.

War das jeweils ein Witz?

Nun ja, es war halt Blitz!

"Betrügen" natürlich nur des Reimes wegen ... . Vorab noch das: Zuvor gewann Paehtz im Schnellschach Bronze - vor allem durch einen starken Schlusspurt. Ein sehr gutes, dabei nicht unbedingt "sensationelles" Ergebnis für die Nummer elf der Setzliste. Im Blitzturnier war lange unklar, wer beste deutsche Spielerin wird: am Ende hatte Paehtz einen halben Punkt Vorsprung auf Michna - und das ist (im Schweizer System) relevanter als Turnierleistung und Buchholz. Nach dem ersten Tag waren beide punktgleich, am zweiten Tag lag meistens Michna vorne, aber nicht mehr nach 21 von 21 Runden. Punktgleich waren sie zuvor aufgrund des direkten Duells in Runde 11, dann war erst einmal Pause - Abendessen, Nachtruhe, den ersten Tag verdauen und dann nochmal 10 Partien.

Michna (2377) - Paehtz (2464) 0-1 1/2

Wieder überspringe ich die Eröffnung bzw. erwähne dazu nur, dass Marta Michna 1.e3!? entkorkte - nicht ganz neu, so spielte bereits u.a. Magnus Carlsen, von ihm inspiriert (Partien chronologisch später) seine Landsleute Simen Agdestein und Aryan Tari, ausserdem Baadur Jobava, Richard Rapport, ... . Alle kann ich nicht nennen, noch ein paar: im Alphabet direkt hinter Carlsen Jonathan Carlstedt, dreimal auch Bent Larsen (im zweiten Zug nach 1.-Sf6 oder 1.-f5!? jeweils Larsen-untypisch 2.b4!?), zweimal anno 2004 auch Marta Michna (jeweils in Warschau in der alten polnischen Heimat), grösster Spezialist offenbar ein gewisser Novotny bzw. wenn man genauer hinschaut deren drei - Jaroslaw, Jiri und vor allem Josef. Erst oder bereits 8.-Sc6 (der kam von e7) war in der heute besprochenen Partie total neu - Michna hatte allerdings zu diesem Zeitpunkt bereits über eine Minute investiert.

Direkt "nach der Zeitkontrolle", nämlich nach 40.-g2, stand es so:

Michna Paehtz move 40

Noch hat Schwarz keine Mehrfigur, nicht einmal einen Mehrbauern, und steht dennoch offensichtlich besser - Weiss hat nur einen nicht allzu beeindruckenden Freibauern. Sechs Züge später stand es so:

Michna Paehtz move 46

Nun hat Weiss immerhin einen Freibauern, der die Gegnerin etwas beschäftigt (f3 meine ich nicht). Ab hier Zug um Zug: 46.-Txe4+ 47.fxe4 g1D+?! (natürlich nicht wirklich falsch, aber Schwarz konnte damit noch warten und zunächst 47.-Lxd7 spielen) 48.Txg1 hxg1D+ 49.Txg1 Lxd7

Michna Paehtz move 49

Im Prinzip aus schwarzer Sicht gewonnen genug. Michna gab nicht auf, Paehtz musste noch Technik demonstrieren - bei perfekter oder jedenfalls guter schwarzer Technik gäbe es diesen Artikel nicht. Ab hier einige Motive - Endspiel, diesmal nicht damenloses Mittelspiel, denn wir haben bereits ein Endspiel. Wieder ist es Zufall, dass diese beiden Spielerinnen beteiligt sind - allerdings kein Zufall, dass ich mir ihre Partie angeschaut habe. Derlei Stellungen haben Leser vielleicht auch mal in Blitzpartien, oder mit anfangs mehr aber inzwischen knapper Bedenkzeit. Wie zuvor erwähnt, die allermeisten Leser haben wohl Elo unter 2400 (und auch unter 2377). "Gewühlt" hatte Michna zuvor vom 40. bis zum 46. Zug - nun hat sie eher das Ende abgewartet und/oder auf ein Wunder gehofft.

50.Kd4 Le6 51.e5+ (mag Stockfish gar nicht, aber auch das laut ihm beste 51.Tb1 sollte nicht gut genug sein) 51.-Kf7 52.Tb1 Ta4 53.Tf1+ Ke7 54.Tb1

Michna Paehtz move 54

Der erste "technische" Moment: sauber war offenbar 54.-Lxc4 nebst -Lxa2 - der schwarze Turm bleibt da, wo er am besten steht: hinter dem (entstehenden) Freibauern. Dass Schwarz nur noch diesen a-Bauern behält und dazu den falschen Läufer war unvermeidlich (b6 passiv verteidigen bringt keine Fortschritte). 54.-Txc4+ war natürlich nicht falsch - Schwarz muss danach nur wieder umgruppieren, was in der Partie möglich war aber nicht geschah. 55.Ke3 Tc2 56.Txb6 (der ist weg) 56.-Txa2 (der auch) 57.Tb7+ Ld7 58.Kd4 Tb2 59.Ta7

Michna Paehtz move 59

Und hier ging nun 59.-Tb4+ 60.Kc3 Ta4 61.Txa4 (was sonst?) 61.-Lxa4

Michna Paehtz move 59 Variante

Analysediagramm - ähnlich oder analog bereits im vorigen Artikel. Wenn ja wenn Weiss zwei Freibauern hätte, die der gegnerische König nicht beide kontrollieren kann, dann wäre auch das remis. So ist die einzige "Remischance" à la Carlsen-Inarkiev 62.Kc2!??! und hoffen, dass die Gegnerin nicht reklamiert (62.Kb3 oder 62.Kb2 könnte auch funktionieren, wäre allerdings dann ein doppelter Lottogewinn). Stattdessen kam 59.-a2 (auch das sollte gewinnen, sonst nichts) 60.Kc5 Ke6 61.Kd4 Td2+ 62.Kc3 Tg2 63.Kd4

Michna Paehtz move 63

Und wieder konnte der "falsche" schwarze Läufer den richtigen Zug machen - 63.-La4!

Michna Paehtz move 63 Variante

Da ist er indirekt gedeckt, und hier könnte Weiss (bis auf ein paar Schachgebote) allenfalls noch z.B. 64.Tc1!??! versuchen. Stattdessen 63.-Lc6 (nicht falsch, aber die Ursache dessen was kommen würde) 64.Ta6! Kd7 65.e6+ Ke7 66.Kc5 Tc2+ 67.Kd4

Michna Paehtz move 67

Und nun? Am einfachsten war wohl 67.-Lb5 und erst dann 68.-Kxe6 (oder, wenn Weiss das nicht zulässt, 68.-Lxa6 bzw. 68.Tb6 a1D). Stattdessen 67.-Kxe6?? und nun ist es passiert: 68.Kd3! Tb2?! (sie konnte noch z.B. 68.-Tc1 69.Txa2 oder 68.-a1D 69.Txa1 versuchen - Turm und Läufer gegen Turm ist zwar theoretisch aber nicht immer praktisch remis, das Turmendspiel ist dagegen trivial remis) 69.Txc6+! Kd5 70.Ta6 Kc5 71.Kc3 Tf2 72.Kb3 Kb5 73.Ta8!? (73.Txa2=) 73.-Tf3+ 74.Kxa2

Michna Paehtz zum Schluss

Dieses Diagramm hatten wir bereits, dazu eine Anekdote aus eigener Praxis im letzten Jahrtausend: Kurz nach der Wiedervereinigung spielte ich für die Kieler SG Brett 4 bei der Norddeutschen Blitz-Mannschaftsmeisterschaft (als Reservespieler - andere hatten den Verein qualifiziert und danach verlassen). Dabei waren Schleswig-Holstein (meerumschlungen!), Niedersachsen (etwas Küste), Mecklenburg-Vorpommern (Küste und Seenplatte), Hamburg, Bremen und Berlin (auch am Wasser) sowie Brandenburg (relativ trockenes Bundesland, Ausrichter war das dezentral gelegene Forst bei Cottbus an der polnischen Grenze).

Damals prallten "Schachkulturen" aufeinander: im Westen wurde mit Turm gegen Turm remis vereinbart, im Osten war es dagegen akzeptabel, bis zum Blättchenfall weiter zu zocken - jeweils zumindest Mehrheits-Ansicht? Nun vereinbarten eine Hamburger Polin und eine Thüringerin hier remis, Ursachenforschung: 1) Die Wiedervereinigung ist vollendet, und der Westen hat sich hier durchgesetzt? 2) Auch damals war es nur auf Niveau Elo unter 2400 üblich? 3) Inzwischen gibt es Inkrement, was Gewinnversuche erschwert. Übrigens hatte Michna hier noch 23 Sekunden, und Paehtz noch vier.

Wasser hatte ich bereits erwähnt - auf Texel regnet es momentan, und gleichzeitig scheint die Sonne, also ein Regenbogen. In Riad hat es vermutlich nicht geregnet, da kein Naturwunder aber aus Michnas Sicht ein schachliches Wunder.

Im nächsten Artikel werde ich mir dann vor allem Frau Gunina und Frau Goryachkina vorknöpfen, ein bisschen auch Frau Kosteniuk und Frau Batsiashvili - Partien mit deutscher Beteiligung hatten Priorität.