Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.
Freitag, 08 Dezember 2017 21:32

London Classics: Na-Na-Nakamura!

So kann Schach sein - während wir alle älter und gesetzter werden (ja, auch heute schon wieder), gibt es einen im großen Schachzirkus, der noch so richtig mit den Schachfiguren auf den Gegner einholzt, und wie auf den Bolzplätzen unserer Jugend den Ball aufs Tor zimmert.

Hikaru Nakamura heißt der Mann, bekannt und beliebt für seine Bulletkünste und diverse Experimente mit der Boris Becker Eröffnung 1.e2-e4, e7-e5 2.Dd1-h5 im ernsthaften Schach.

HikaruNakamura11a Stefan64
Einer der stärksten Spieler unserer Galaxie:
Hikaru Nakamura, hier mit Anzug und coolen Koteletten (Foto: Stefan64, vielen Dank)

Nachdem Naka vor einem Jahr bereits in einem atemberaubenden Angriffswirbel Wesley So königsindisch zerlegte, war heute nun Magnus Carlsen an der Reihe. Auch wenn die Partie noch läuft - dem Weltmeister wird mächtig eingeheizt, und dann auch noch in Swinging London - das ist vielleicht kein gutes Omen für die WM im nächsten Jahr an gleicher Stelle? Doch bis dahin ist noch viel Zeit, und Magnus wird sich erholen.

Wir freuen uns erstmal an Nakamuras energiegeladenem Figurenzauber, und sagen Danke! an das Team der Chess Classics - schon während der Partie gibt es die Live-PGN zum Herunterladen. Wow.

Hier! geht es zur Partie mit einigen sehr leichten Kommentaren. Es ist mein erster Versuch mit dem wundervollen Chessbase Reader online .. ich hoffe, das wird klappen!

Turnierseite London Chess Classics

*****

Und schon Zeit für ein Update - es hat nicht ganz gereicht für Hikaru, die Partie wurde Remis. Was ihm neben dem wohl enttäuschenden halben Punkt bleibt, ist der kreative Wirbel und der Mut, den er gezeigt hat - auch wenn es sich in der Turniertabelle nicht sogleich niederschlägt. Morgen dann vielleicht!

Naka Carlsen

Montag, 20 November 2017 23:09

Irgendwas mit Katzen

Die altgedienten LeserInnen werden sich erinnern - da war doch schon einmal sowas, ein Video mit einer Katze und einem Typen, beide spielen Schach, und huch!, dann kommt es zu einem regelwidrigen Zug. Wir sagen nicht, wie es weitergeht, denn das kann jeder auch selber herausfinden - es lohnt sich.
Selbst wenn der kleine Film hier schon mal lief, ist es immer noch mein Lieblingskatzenschachvideo, und so etwas kann man ja nun wirklich nicht oft genug angucken. Wenn eine Eröffnung gut ist, spielt man sie ja auch gerne ein zweites Mal. Von daher:

Dienstag, 07 November 2017 00:07

Gegen Russland kann man mal verlier'n

Letzte Runde der Mannschafts-EM auf Kreta, Deutschland ringt mit der russischen Übermannschaft und muss sich am Ende mit 1 : 3 geschlagen geben - zwei schöne halbe Punkte von Liviu-Dieter Nisipeanu und Daniel Fridman, und zwei umkämpfte Niederlagen von Matthias Blübaum und Georg Meier reichten am Ende (diesmal!) nicht aus, um den Favoriten zu ärgern.

Damit robbt sich Russland auf Platz zwei vor, hat aber das Nachsehen hinter den rasant durchpunktenden Aserbeidschanern. Die Brettpunkte gaben hier den Ausschlag für den Kaukasus, und da Integration alles ist, hier auch herzliche Glückwünsche an Arkadij Naiditsch, der als Ex-Deutscher und Neu-Aserbeidschaner einen guten Anteil am Titelgewinn seiner neuen Heimat hatte. Das deutsche Team aber - Chapeau, Chapeau, meine Herren, eine sehr starke Woche in Griechenland, tolle Partien, große Matches und ein absolut passabler achter Platz am Ende. So soll das sein. Danke!

Doch genug der Worte zur letzten Runde - viel eher lohnt hier der Weg zu Chessbase, die wie immer hübsch und aktuell die letzte Runde für uns Zuschauer aufbereiteten. Sehr cool!

Uns bleibt nur, vor dem nun anstehenden zweiten Bundesliga-Wochenende noch einmal etwas durchzuschnaufen, und dann am Samstag ins Weserstadion (oder zu einer der anderen Austragungsstätten) zu ziehen und Schach live! vor Ort zu schauen. Viel besser als im Netz - so nah ran an die Weltspitze wie in der Bundesliga kommt man nicht so oft! (weder räumlich, noch in Bezug auf ELO). Wenn wir Glück haben in Bremen, sehen wir Rasmus Svane (für den Hamburger SK) sowie Daniel Fridman (für Mülheim-Nord) am Brett - zwei Spieler, die in dieser Woche noch auf Kreta weilten und für Deutschland die EM spielten!

Abschließend noch ein paar lobende Worte an den stets unvergleichlichen MiBu. Im großen Schach-Welt-EM-Tippspiel nahm er mit seherischen Fähigkeiten das heutige Ergebnis von Russland - Deutschland vorweg und tippte verwegen genau auf ein 3 : 1. Das spricht absolut für unseren werten Leser, und das umso mehr, als er in diesem Tippspiel mit Holger Hebbinghaus auch den König, Kaiser und Supertopchecker der Schachprognosen zum Gegner hatte.
Doch MiBu ebenso wie Russland ließen sich heute nicht beirren, und der Vize-Europameistertitel (für die Russen) sowie eine britische Walkers-Chipstüte (für MiBu) sind der verdiente Lohn für ihre Bemühungen. Glückwunsch, MiBu - die Chips gehen in Kürze auf den Weg!

Hoppala, hoppola, Hoppala! Was ist los bei der deutschen Nationalmannschaft? Bei der Europameisterschaft an den wundervollen Gestaden der Insel Kreta holen die fünf Mannen von Teamchef Dorian Rogozenko Punkt um Punkt - nach einem formidablen 2,5 : 1,5 - Sieg gestern gegen Armenien (!) wartete heute mit Israel der Fünfte der Setzliste auf Team Germany. Und was passiert? Wupp, wupp, 3 zu 1, ein schönes Fußballergebnis und ein erneuter Erfolg gegen eine europäische Spitzenmannschaft!

Am obersten Brett federte Liviu-Dieter Nisipeanu mit einem eleganten Bauernopfer Boris Gelfands Angriffsversuche ab und sicherte ebenso ein Remis wie Daniel Fridman, der mit Schwarz eine massive attack von Emil Sutovsky blockte und unter Qualitätsopfer in ein dynamisches Dauerschach-Remis abwickeln konnte.

Nisipeanu
 Nisipeanu entschied sich nun für ... d5-d4, was aus der Sicht eines kleinen Bremer FIDE-Meisters
 einen Bauern verliert für ... nicht viel. Aber Schwarz entwickelte Druck, Druck, Druck - und holte
 sich am Ende den Bauern zurück. Remis!

Während Matthias Blübaum heute pausierte, brachte sein Deizisauer Kollege Georg Meier mit den weißen Steinen Rotshtein in erhebliche Schwierigkeiten. Aus einer unauffälligen Stellung heraus setzte er den schwarzen Damenflügel immer mehr unter Druck, gewann Raum und sperrte am Ende den schwarzen Springer b8 und den nebenstehenden Turm auf ihren Ausgangsfeldern ein. Ein Ausbruchsversuch mit taktischer Hilfe brachte Rotshtein nur in weitere Nöte - und für Georg Meier den vollen Punkt. Beeindruckend!

Meier
Der schwarze Springer, wohin soll er sich wenden? Und wie ist es mit dem Turm? Nach dem trickreichen
...Sb8-a6!? musste Georg Meier noch einiges berechnen, doch - es wurde ein ganzer Punkt am Ende!

Ein Punkt von Deizisau - da will auch der Norden nicht lange zurückstehen, und so war es Rasmus Svane vom Hamburger SK, der Ilia Smirin am vierten Brett erst positionell (Doppelbauer auf c6 und c7) und dann taktisch in trübe Wasser lockte und trotz trickreicher Gegenwehr Smirins Läufer gewann, der sich auf das Feld d1 verirrt hatte. Was Jann-Fiete Arp für den HSV ist, ist Rasmus Svane für die Schach-Nationalmannschaft: 5,5 Tore in 7 Spielen!

Svane
Hier folgte De3-c3!, und der schwarze Läufer muss ausweichen nach d1, wo er schließlich gefangengenommen wurde.

Lübeck2Rasmus
   Keine Angst vor renommierten Gegnern: Jann-Fiete Svane vom Hamburger SK

Wir zählen noch einmal zusammen und kommen auf ... drei Brettpunkte für das deutsche Team gegen Israel  - eine phantastische Leistung, heute, und auf das gesamte Turnier gesehen. Hup hup, würde man in den Niederlande sagen, und auch auf der Insel Texel!

Wir sind gespannt auf die letzte Runde am morgigen Montag, und weil das ja manchmal doch hilft, drücken wir alle Daumen für das Schlussrunden-Match gegen ... Russland? Aserbeidschan? Wir schauen mal.

In unserer mit Liebe handgefertigten Blitztabelle der aktuelle Stand nach 8 Runden:

1. Aserbeidschan 13 Punkte

2./ 3. Russische Schachschule 12 Punkte

         Ukraine 12 Punkte

4./5./6.  Team Germany 11 Punkte (Elf Punkte sollt Ihr sein)(erstmal!)

              Türkiye 11 Punkte

              Croatia 11 Punkte

Und weil's so schön ist, ein kleines Schachwelt-Tippspiel anlässlich der tollen Serie unserer Jungs. Wir fragen: Wie geht das Spiel morgen (9.Runde) für Deutschland/ Alemania/ Duitsland/ Tyskland/ Allemagne aus? Die Auslosung ist gerade raus - die Ansetzung lautet

Germany - Russia

Einsendungen via Kommentarbereich bis morgen 13 Uhr Blogzeit (Rundenbeginn eine Stunde früher als sonst). Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir eine internationale Chipstüte der Firma Walkers (Großbritannien), 25 Gramm, Geschmacksrichtung "Chess/Cheese and Onion". Lecker!

Freitag, 03 November 2017 19:09

Monatsblitz: Potztausend! Das Ende einer Ära

Imperien lösen sich auf, Monarchien zerbröckeln, Vorherrschaften schwinden - in der Welt der Politik, und nun auch im Werder-Monatsblitz. Zur großen Überraschung aller anwesenden Zeitzeugen endete das Novemberturnier nicht mit einem erneuten Gesamtsieg des Delmenhorsters David Höffer. Diesmal war es der pfeilschnelle Werderaner Sven Charmeteau, der den Wettbewerb an diesem wahrlich historischen Abend für sich entschied. Damit klang eine im Welt- wie auch im Bremer Schach einmalige Serie von Turniererfolgen aus - seit gefühlt 75 Jahren hatte David den Monatsblitz dominiert und stets gewonnen. Potztausend!

Selbst wenn man es etwas objektiver nachprüft, so besagt die amtliche Statistik noch immer, dass SF Höffer zumindest die letzten sieben Turniere seit Januar 2017 erfolgreich für sich verbuchte. 

Oder anders formuliert: seit dem Herbst 2015 holte sich David bei seinen zahlreichen Teilnahmen nur dreimal NICHT den Turniersieg - eine großartige Serie! Einmal gewann Spartak Grigorian (SVW) vor David Höffer, einmal Markus Lammers (strong! Zugzwang München!) vor einem gewissen David Höffer, und im Januar 2017 der Bremer Rechtsanwalt und FIDE-Meister Joachim Asendorf, ebenfalls vor Blitzschachungeheuer Höffer.

Ich zähle lieber nicht, wie oft David auch mich in diesen langen Jahren besiegte. Zum Glück schweigt die Quellenlage dazu relativ diskret - und ich hoffe, niemand wird auch in Zukunft genauere Daten dazu entdecken können.

Schach David ich
David wie immer bester Laune, Steffens dagegen
                         wirkt durchaus etwas schläfrig (Fotos: Andreas Burblies, 2013)

Nun aber - was war anders beim Novemberturnier am letzten Donnerstag?

Gleich in der ersten Runde teilten sich SF Asendorf (Sieger im Januar!) und SF Höffer (Sieger im Februar! ... und auch im März, Mai, August, September und Oktober) den Punkt, und als Prof. Reiner Franke im zweiten Spiel dem Delmenhorster Gast in wildester Zeitnot den vollen Punkt abrang, hatte David bereits eineinhalb Punkte Rückstand auf die vorderen Plätze. Sehr fair von David - er reklamierte einen gegnerischen Fehler bei der Bauernumwandlung nicht, und gab sich kurz darauf geschlagen.

Selbst die allerstärksten Schachmeister haben offenbar mal einen weniger starken Abend, und man muss zu Davids Verteidigung anführen, dass sein Fußballclub, die Borussia aus Dortmund, am Vorabend gerade ein nur wenig erbauliches 1 : 1 im Heimspiel gegen ... Moment .. Apoel Nikosia aus ... Moment ... Zypern abgeliefert hatte. So etwas desillusioniert, und wie soll man da als echter Borusse am Abend darauf auch noch gut Schach spielen?

Hinzu kam, dass die Bremer Novemberrunde nur acht Teilnehmer sah - sei es aufgrund der parallel zum Monatsblitz stattfindenden Europameisterschaft der Mannschaften in Griechenland, dem Tegernsee-Open oder der Fußball Europa League mit dem 1.FC Köln und der SG Hoffenheim, jedenfalls war die Beteiligung diesmal spärlicher als sonst. Bei nur sieben Runden fällt jeder abgegebene Punkt deutlich schwerer ins Gewicht. Es bleibt einfach keine Zeit zum Aufholen!

David
   Der Serienmeister und seine gefürchtete rechte Zughand:
                             David Höffer vom SK Delmenhorst vom Delmenhorster SK

Doch noch lief der Wettbewerb, souverän geleitet von Turnierleiter Stefan Preuschat, und trotz des wackeligen Starts erntete der Titelverteidiger in der Folge eifrig Punkte. Runde vier: Steffens vergurkt ohne jede Chance gegen Höffer und erobert damit seinen ersten Minuspunkt, den er später noch mit einem Remis gegen Asendorf auf Eineinhalb ausbauen kann. Runde fünf: Steffens holt einen glücklichen Punkt gegen Charmeteau, der damit nun auch einen Minuspunkt hat. Höffer ist wieder dran!

Nach wie vor hat David noch seine eineinhalb Miese, und spielt in der siebten und letzten Runde noch gegen ebenjenen Charmeteau (minus 1). Doch Sven Charmeteau, Zweitligaspieler, FIDE-Meister, Franzose, hält dem Druck stand und ringt den Seriensieger zu Boden!
Und damit endet eine Ära: weder Platz eins für Höffer, und auch nicht Platz zwei, nurmehr der geteilte dritte Platz mit Joachim Asendorf, hinter Sven Charmeteau und (hui!) Olaf Steffens. Was für ein Ringen in so wenigen Runden! Da war es doch gut, dass die Kneipe im Werder Vereinsheim noch geöffnet war - bei Fußball, Kaltgetränk und Pommes klang der Abend aus. Und es wurde weiterhin geblitzt - denn wer sagt denn, dass man nicht auch nach dem Ende einer Ära noch ein bisschen Spaß haben darf?

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               Sven Charmeteau - Teimur Radjabov (Europapokal 2015 in Skopje)

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                                Verdienter Monatsblitzsieger: Sven!

Der nächste strenge Monats(karten)blitz ist gebucht für den 07.Dezember. Gäste und Borussen sind herzlich willkommen!

Sonntag, 29 Oktober 2017 01:52

Umumba liest die Bundesliga

Auflösung des Bundesliga-Tippspiels 2016/ 2017

"Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen." (Niels Bohr)

Wenn schon Atomwissenschaftler ihre liebe Not mit wahren Vorhersagen haben, wie soll es dann uns, den kleinen Lichtern der Schachgemeinde, gehen, wenn wir die Ergebnisse der Schachbundesliga prognostizieren? Einige aber, mutige LeserInnen des Schachwelt-Blogs, haben es versucht, und siehe da - es lief doch gar nicht so schlecht!

Die nicklige Prognose-Aufgabe lautete wie folgt:

"Wie viele Mannschaftspunkte holen die Big Three Baden-Baden, Solingen und Aufsteiger König Tegel Berlin zusammen in der kommenden Saison?"

Das musste man erst einmal stemmen, drei Mannschaften verschmolzen in einer einzigen Frage, und darunter die Dauermeister aus dem Schwarzwald, die Klingenstädter aus dem Bergischen Land, und ebenso die Könige von Berlin! Kein Wunder also, dass das Auswerten der Ergebnisse der letzten Saison unser Schachwelt- Redaktionsteam über Monate in Atem gehalten hat - sogar die neue Spielzeit 2017/2018 wurde während unserer Berechnungen schon eröffnet. Nun aber liegen die ersten unbestätigten Hochrechnungen vor, basierend auf den offiziellen Gewinnzahlen der Schachbundesliga-Webseite:

Baden-Baden  30 Punkte

Solingen           22 Punkte

König Tegel       4 Punkte

Damit ergeben sich 58 Punkte   46 Punkte   56 Punkte als richtige Antwort. Glückwunsch hiermit an Thomas Richter, der genau dieses Ergebnis gemutmaßt hat in seinem Tipp! Leider aber erreichte uns Thomas' goldrichtige Prognose im Kommentarbereich um einen guten Tag zu spät, so dass seine Einsendung nicht gewertet werden kann - wir müssen ja zumindest nach außen hin den Anschein der Unparteilichkeit aufrechterhalten.

So richten sich unsere Blicke auf die nächsten Kandidaten, und schon haben wir den Gewinner, die in Kürze per Mail informiert werden:

1) Glückwunsch an Umumba - mit seinem Tipp von 57 Punkte lag er zu fast 100 Prozent richtig. Niemand liest, versteht und deutet die Bundesliga so wie Umumba - er gewinnt daher zu Recht das sehr sehr schöne Buch "Die Jahrhundertmeisterschaft im Schach" über die Deutsche Meisterschaft 1998 in Bremen.

2) Punktgleich hinter Umumba folgen der unbezwingbare Löwe Holger Hebbinghaus und ebenfalls Lowscore/ Lowscore 2 (wer weiß das schon) - beide erahnten mit 58 Mannschaftspunkten ein Gesamtergebnis nahe der Realität. Beide verdienen es daher, hier im Blog lobend erwähnt zu werden (= 3.Preis) und erhalten auch jeweils eine Tafel Bremer Stadtmusikanten-Schokolade zugesandt (= 2.Preis). Wir gratulieren!!

Danke an alle Teilnehmer, und auch an den internationalen Krennwurzn, der aus dem fernen und hochgelegenen Österreich seinen Tipp übermittelte. Die von ihm vorhergesagten radikalen null Punkte für König Tegel, Baden-Baden und Solingen zusammen waren leider doch ein wenig zu pessimistisch. Aber, lieber Kollege Krennwurzn, beim nächsten Tippspiel wird es sicher besser laufen für Dich!

 

 

Tja! Und nun, liebe Freundinnen und Freunde, kommen wir zu unserer beliebten Rubrik ...

Das große Schach-Welt-Bundesliga Tippspiel 2017/ 2018  (in Farbe!)

Es ist wieder soweit – Schach-Welt fragt, die LeserInnen müssen antworten und gewinnen. In einer Woche rollt der Ball endlich wieder in der Schachbundesliga - doch wie wird das alles enden in der neuen Saison? Bitte schickt uns Eure wahren Saison-Vorhersagen bis zum Sonnabend/ Samstag, 21.Oktober, 13 Uhr (Bremen local time) zu.

Alle Informationen rund um die Liga und die neuesten Aufstellungen findet Ihr umfangreich und angenehm aufbereitet auf der großen Bundesliga-Webseite.

Die Fragen lauten wie folgt:

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a) Schach-Welt unterstützt Team Hofheim

Der SV 1920 Hofheim am Taunus, das Team unseres verehrten Chefredakteurs GM Jörg Hickl, ist im Frühling mit sofortiger Wirkung in die Bundesliga aufgestiegen. Welchen Platz wird der SV Hofheim am Ende belegen?

(3 Punkte für den richtigen Tabellenplatz. Wer sich um einen Rang irrt, bekommt trotzdem noch alle Punkte)

b) Ein neues Intensivderby in der Liga

Da hat Sven Noppes nicht gut aufgepasst - jedenfalls hat sein Baden-Badener Sponsor Grenke AG mit den SF Deizisau einen direkten Lokalrivalen in die Bundesliga gehievt. Wie konnte das passieren!? 

Also freuen wir uns auf ein kleines Derby zwischen Baden (Baden-Baden) und Württemberg-Schwabenland (SF Deizisau) - doch wie viele Brettpunkte wird Deizisau da holen? 

(Wieder 2 Punkte für die richtige Anzahl von Punkten - wer sich um einen halben Punkt irrt, bekommt trotzdem alle Punkte)

c) Wer wird Meister?

(0,25 Punkte für die richtige Vorhersage)

d) Welche vier Mannschaften werden die letzten Plätze belegen?

(1,5 Punkte je Team!) (Achtung ... es geht hier nicht um die Absteiger - das sind mitunter vier ganz andere Mannschaften!)

e) Welche Équipe holt am allermeisten Brettpunkte gegen Baden-Baden? (2 Punkte)

f) Und wer wird eigentlich Vizemeister?! (2,75 Punkte)

g) Wie viele der 20 möglichen Punkte wird der unangefochtene Schachwelt-Tippspiel-König Holger Hebbinghaus in diesem Tippspiel holen?

(2 Punkte für die richtige Prognose - aber nicht schummeln! Bei Abweichung um einen Punkt trotzdem volle Punktzahl)

 holger hebbinghaus

Don't mess with Holger Hebbinghaus - am Tippspiel-König kommt kaum jemand vorbei (Foto: Quickstep Chess)

h) Bonusfrage: Wer wird am häufigsten in der Liga aller Ligen spielen?

Ilja Schneider (SF Berlin),
Frank Zeller (Schwäbi' Hall),
Falco Meyer (Norderstedt),
Jörg Hickl (SV Schachwelt Hofheim)
oder
Vincent Keymer (SF Deizisau) ?

(2 Punkte)

(Gesamtpunktzahl: 20 Punkte)

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Für die höchsten Punktwerte bei diesen komplexen Fragen vergeben wir wertvolle und im deutschen Schach noch nie gesehene Preise:

1) Ein fabrikneuer Volkswagen Golf Eine schöne, aber nicht mehr komplett neue DVD "Public Enemies" mit Johnny Depp ("Basierend auf der wahren Geschichte von Amerikas berühmtesten Bankräuber - John Dillinger")

2) Eine sehr sehr feine Tafel der berühmten Bremer Stadtmusikanten-Schokolade von Hachez

3) Rum Ruhm und Ehre – wir kommentieren eine von Euch eingereichte Partie hier im Blog (so Ihr es denn wollt)

Bitte alle Prognosen ausschließlich im Kommentarbereich. Bei gleicher Punktzahl entscheidet Jörg Hickl (auch wenn das juristisch wohl nicht ganz einwandfrei ist).

Und nun viel Spaß - seid dabei und tippt mit!

bowie sichert sich den pokal

Donnerstag, 05 Oktober 2017 17:43

Baden-Baden: Meine Familie und ich

Die OSG Baden-Baden platziert ihren kleinen Bruder Deizisau in der ersten Liga

Und schon geht es wieder los – nur wenige Monate nach dem Ende der Vorsaison werden die Figuren wieder aufgestellt, und auf geht‘s an die Bundesliga-Bretter! Deutscher Meister und Titelverteidiger ist Solingen? (nein) Hockenheim? (nein) Norderstedt? (auch nein) – es ist wie schon oft und gerne gesehen die Leasingmacht aus dem Südwesten, die von der Grenke AG (früher: Grenke Leasing AG) gesponsorte OSG Baden Baden.

Der von Mannschaftskäpt‘n Sven Noppes gemanagte Liga-Dominator

                      Größte Erfolge: Deutscher Mannschaftsmeister 2006-2015, 2017 (10 Titel)
                      (Bundesliga-Webseite)

konnte bei der Endrunde 2016 in Berlin mit Fabiano Caruana, Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronian und Viswanathan Anand ungefähr vier der ersten Fünf der Weltrangliste aufstellen und den Vorjahresmeister SG Solingen barbarisch hoch mit 6,5 : 1,5 vom Tisch wirbeln.

Das aber war den Schwarzwäldern offenbar noch nicht genug, immer noch scheint in Baden-Baden die Angst neben der Schachuhr zu sitzen, und was tut man nicht alles, um einen theoretisch möglichen Abstieg zu vermeiden? Man engagiert zum Behufe der größtmöglichen Königssicherheit die Nummer Eins der Damen-Weltrangliste, Yifan Hou, und setzt sie an Brett … dreizehn (!).

luke adams
Nicht nur an den vorderen Brettern hat Baden-Baden starke Spieler (Werder aber auch!)

Gleichzeitig hat der deutsche Nationalspieler Georg Meier das Team verlassen und beim Aufsteiger SF Deizisau angeheuert. Das ist indes weder räumlich noch inhaltlich ein großer Schritt, denn Deizisau liegt nur runde 85,26 km von Baden-Baden entfernt, und auch Georg Meiers Ansprechpartner werden in etwa die selben sein wie bislang. Tatsächlich wird auch Deizisau vom oben bereits erwähnten Sven Noppes als Erstem Vorsitzenden geleitet und geführt, und – ein schöner Zufall – gleichfalls ist es die Grenke AG, die mit Wohlwollen den Schachsport auch in Deizisau fördert.

Ähnlich verhielt es sich mit Philipp Schlosser, der nach langjähriger Baden-Badener Dienstzeit in der vorletzten Saison in … (und Achtung!) Deizisau eine neue Heimat fand und als Spieler seines neuen Teams nun wieder in die erste Liga zurückgekehrt ist.

Und hatten wir es schon erwähnt? GM Andreas Heimann, Nachwuchskraft bei Baden-Baden II in Ober-und Zweiter und Erster Liga, verlässt den Verein! Obwohl, nur so halb, denn auch ihn zieht es zu engen Bekannten und Schachfreunden bei ... Deizisau. Alles ganz unkompliziert. Grenke, Baden-Baden, Deizisau – we are family!


Zwei Ämter, ein Gedanke?

Aktuell haben wir somit in der Bundesliga unseres Vertrauens die interessante Konstellation, dass zwei Vereine von mehr oder weniger den gleichen Menschen, Sponsoren und wenn es ganz schlecht läuft, auch Interessen geleitet sind. Grenke Leasing hat sich dabei schon seit Jahren hervorgetan durch umfangreiche, wohlwollende und auch selbstlose Förderung des Schachsports – unseren Dank dafür!

Unbehaglich wird es allein, wenn eine Firma als Hauptsponsor mehrerer Vereine auftritt, und somit erheblichen Einfluss nehmen kann – ganz abgesehen davon, dass irgendwie ja auch noch das Personal identisch ist. Stellen wir uns Kalle Rummenigge als Geschäftsführer des FC Bayern München vor, der parallel dazu eine weitere Tätigkeit als Manager des Sportclub Freiburg innehat, und beide Clubs werden großzügig gesponsort von der Telekom – wir würden unseren Augen nicht trauen. Im Schach aber, da scheint das noch zu gehen.

Und sicher, auch die Fußball-Bundesliga hat ihre Sponsoren wie zum Beispiel Volkswagen, die in einer ganzen Reihe von Vereinen Fahrzeuge stellen, Werbung schalten, Ausstattung bereitstellen – doch zum Einen tritt VW hier jeweils nicht als alleiniger Sponsor und bei den meisten nicht als Hauptsponsor auf. Und selbst diese recht breite Streuung des Sponsorengeldes durch den Fahrzeug-Konzern wird auf der Ebene des europäischen Fußballs kritisch gesehen:

„Dennoch wird kritisch beäugt, dass VW an mehreren Vereinen Anteile hat. Keine natürliche oder juristische Person dürfe „Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben“, heißt es im Reglement.“

(Lars Wallrodt, Lutz Wöckener, Die problematische VW-Macht im deutschen Fußball (Die Welt, 19.05.2015))

Alles für die große Sache – sammeln Sven Noppes und die Grenke AG am Ende Bundesliga-Vereine wie andere Menschen Briefmarken? Hören wir, was er selbst dazu sagt:

"Vor zwei Jahren gab es von Seiten der GRENKE AG die Idee, eine zweite Bundesligamannschaft zu sponsern. In diesem Team sollten besonders deutsche Nachwuchskräfte Spielmöglichkeiten erhalten. Die OSG Baden-Baden hat in der Vergangenheit verschiedenen jungen deutschen Spielern Angebote unterbreitet, kam aber selten zum Zuge. Die Kandidaten hatten jeweils Angebote, an höheren Brettern in der Liga zu spielen. In einem Topteam wie dem der OSG war eigentlich immer nur das siebte oder achte Brett denkbar. [Anm. der Red.: Eine sehr traurige Geschichte, aber so ähnlich ist es ja auch für Yifan Hou.]

Die GRENKE AG möchte mit ihrem Sponsoring um den Titel spielen, aber auch das deutsche Spitzenschach fördem und im Idealfall einen deutschen Spieler bis Elo 2750+ begleiten [Anm: Und das alles scheint bei Baden-Baden nicht möglich zu sein?]. Als man sich für die SF Deizisau als Partner entschied, war das Ziel eines schnellstmöglichen Aufstieges in die erste Liga klar definiert."

Aus: Zeitschrift Schach 7/17, Interview mit Sven Noppes

 Faroe stamp 182 football
Für alle Sammler zum Einstieg: eine sehr schöne Fußball-Briefmarke von den Faroer Inseln (Artist:Olivur við Neyst)

Es sieht so aus, als wenn hier ein völlig neues und – Kompliment dafür – innovatives Geschäftsmodell entstanden wäre. Unter dem Mantel der Jugendförderung saugt Baden-Baden offenbar die Vereine leer und platziert fremde Talente in das sehr starke Bundesliga-Bruderteam Deizisau (= Baden-Baden II). Und wenn es eines Tages mal soweit ist, schiebt man die jungen Aspiranten alsbald eine Station weiter, befördert sie vereinsintern von Baden II zu Baden I und hat es dann nicht mehr so schwer, die jungen Leute wirklich in den Verein zu bekommen. Die Bindung wird ja schon lange vorher aufgebaut, mit dem Gang zu Deizisau, dem Badener „Farmteam“ (Till Schelz-Brandenburg in Schach 7/17).

Sollte es dort aber nichts werden mit dem ganz großen Schach, wandern sie eben wieder zurück zur …. man ahnt es bereits, Schachfarm Deizisau, so wie es Philipp Schlosser, Georg Meier und Andreas Heimann bereits ganz unbürokratisch getan haben. Bei Deizisau steht zwar nicht Baden-Baden drauf, doch immerhin ist Baden-Baden drin.

Blättern wir dazu kurz durch die Esslinger Zeitung vom 12.August 2017:

"Noppes konnte Vincent und seine Eltern überzeugen, in Zukunft für Deizisau zu spielen. Warum für den Aufsteigerund nicht gleich für die Weltauswahl in Baden-Baden? Noppes hat eine Vision. Als Gegenstück zu der mit internationalen Großmeistern gespickten Mannschaft von Baden-Baden will er ein Team der Zukunft aufbauen, in dem sich aufstrebende Talente weiter entwickeln und früher oder später selber eine führende Rolle in der Bundesliga spielen können.

Deshalb hat er neben Keymer den Deizisauer Kader mit Matthias Blübaum von Werder Bremen(5. der u-20-Weltrangliste), Andreas Heimann und Georg Meier (beide bisher Baden-Baden) verpflichtet. Sie werden vom Können der vielen Großmeister in der Mannschaft profitieren. Zu ihnen zählen der am höchsten eingestufte Russe Alexander Grischuk(Elo 2754), dreimaliger Weltmeister im Blitzschach, die ehemaligen Vize-Weltmeister Peter Leko aus Ungarn und Gata Kamsky (USA), sowie die Deutschen Rustam Dautov, Philipp Schlosser oder Alexander Graf,der in der Aufstiegssaison alle neun Partien gewonnen hat."

(Klaus Schlütter, Ein kleiner König für Deizisau (Esslinger Zeitung vom 12. August 2017))

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   Abendstimmung am Schwarzwaldrand (Foto: OSt)

Vorsicht beim Vereinsabend

Welcher Club wird der nächste sein im Grenke-Portfolio? Seien wir lieber vorsichtig, wenn Sven Noppes in Kürze beim Vereinsabend in Oldenburg, Cottbus, Nordwalde oder Bamberg vorbeischaut– sicher gibt es noch weitere Vereine, die kurzfristig in die höchste Spielklasse gedrückt werden könnten, ein netter Oberliga-Club aus Nord, Süd, Ost oder West, der ins Portfolio passt?

Und warum eigentlich nur das Fördern eines Jugendteams - wie wäre es denn mit einer reinen Frauen-Schachmannschaft in der Bundesliga, einem Seniorenteam, einem Achter allein mit Deutschen oder einen nur mit isländischen Großmeistern? Das wären dann schon sechs Teams, die unter der goldenen Grenke-Flagge die Bundesliga durchsegeln würden. Immerhin gäbe es auch dann noch immer weitere 10 Plätze, die von unabhängigen Mannschaften belegt würden. Aber auch das dann nur unter der Voraussetzung, dass noch genügend Spieler verfügbar sind, die noch nicht bei im Baden-Baden-Konglomerat unterschrieben haben.

Deizisau und Baden-Baden Seite an Seite in der Liga – in der Frauen-Bundesliga arbeiten sie sogar bereits seit vier Jahren mit diesem Modell, und mit gleichem Groß-Sponsor. Ich finde nicht, dass sich das richtig anfühlt. Für mich jedenfalls tut es das nicht.

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Der Weltmeister zu Gast im Weserstadion - Grenke Leasing machte es möglich (Foto: OSt)

Nun bin ich selber auch ein wenig, wie man so sagt, „involviert“ und als ein Vertreter der grün-weißen Bremer Mannschaft in der Bundesliga vermutlich befangen und parteiisch und voreingenommen. (Dieser Text stellt indes keine offizielle Werder-Meinung dar und ist rein persönlich.)

Und dennoch: was soll das? Wieso dürfen zwei Vereine in einer Liga so eng verbunden sein?

Wieso aber können dann nicht auch die Reservemannschaften anderer renommierter Erstligisten hinauf in die höchste Liga – auch die SF Berlin II, der Hamburger SK II, Werder II oder Solingen II, DJK Aachen II oder gar die OSG Baden-Baden II hätten sicher ihre Freude daran, einmal in der höchsten Spielklasse mitspielen zu dürfen, und ihren Nachwuchs mit einer zweiten Bundesliga-Mannschaft bei der Stange zu halten. Doch das erlauben die Statuten der Liga nicht, und zu Recht – alleine um bei jedem Spiel sicher sein zu können, dass bei jedem Mannschaftskampf freie und unabhängige Teams gegeneinander antreten.

Es klingt wie eine unglückliche und leicht irritierende Bundesliga-Konstellation. Selbst wenn man vor Ort arglos war und sich nichts Böses bei der nun vorliegenden Dopplung gedacht hat - was ist mit der Außenwirkung für die Bundesliga? Sollte es so bleiben - wie ernst kann sich die höchste Spielklasse des Landes dann noch nehmen?

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Baden-Baden und Deizisau (gens una sumus!) haben saisonübergreifend einen größeren Gesamtkader als jeder andere Verein der Liga, parken ihre Spieler im eng verbundenen Club, und wenn beide Mannschaften einmal direkt aufeinandertreffen, werden einige der Zuschauer zentrale Aufgaben in beiden beteiligten Vereinen haben. Für wen sollen sie bei Derbys die Daumen drücken? Eine eigenartige Verquickung - und stört es denn eigentlich niemanden bei Deizisau, dass der Vorsitzende Mannschaftsaufstellungen und andere Interna in einen anderen Verein weitertragen könnte - und umgekehrt?

Auf etwas robustere Art formuliert es in einem Leserbrief an Schach Till Schelz-Brandenburg, der frühere Leiter der Schachabteilung des SV Werder Bremen:

„Es war bei der Gründung der Schachbundesliga völlig unstrittig, dass zweite Mannschaften von Bundesliga-Vereinen nicht aufsteigen können, um den sportlichen Wert der Liga nicht nachhaltig zu beschädigen. Die SF Deizisau sind nichts weiter als die zweite Mannschaft des OSC Baden-Baden, nur halt mit anderem Namen. Es ist zu hoffen, dass die Tagung der Bundesliga-Vereine Deizisau die Lizenz verweigert, anderenfalls werden sich Mannschaften, für die sportliche Konkurrenz noch wichtig ist, ernsthaft überlegen müssen, ob die Teilnahme am Grenke-Zirkus dies noch gewährleistet.“

(Dr. Till Schelz- Brandenburg, Zeitschrift Schach 7/17)

Allgemeines Unbehagen vor Saisonbeginn, vielleicht. Aber vielleicht ergeben sich ja noch Wege, um diese Konstellation über kurz oder lang irgendwie verträglicher handzuhaben. Wer hätte das auch ahnen können, dass ein Bundesligist plötzlich seinen Bruder mitbringt zum Spielen?

Donnerstag, 28 September 2017 12:17

Herzlichen Glückwunsch, Otto Borik!

In der Abteilung "Große Namen in kleinen Bundesländern" gratulieren wir heute dem Internationalen Meister Otto Borik - vor wenigen Tagen feierte er seinen 70. Geburtstag, so dass die Glückwünsche zwar durchaus etwas zu spät, aber dennoch von Herzen kommen.

Otto ist ja nicht nur über alle Regionen hinweg bekannt als starker Schachmeister ohne Furcht vor taktischen Komplikationen, Nationalspieler, Buchautor und Spitzenmann der Bremer Schachgesellschaft.

Auch und vor allem das Schachmagazin 64 wird von ihm und seiner Frau Annette seit vielen Jahren (um nicht zu sagen Jahrzehnten (!)) mit Umsicht, fachlicher Kompetenz und viel, viel persönlichem Engagement herausgegeben, zur Freude vieler Schachfreunde landauf und landab. Herzlichen Glückwunsch, Otto, zum siebzigsten Geburtstag!

Anlässlich des Ehrentages hat Hartmut Metz ein lesenswertes Interview mit Otto geführt, mit vielen Details aus seinem Leben und einem Blick auf das heutige Schach. Zu lesen ist es bei unseren Hamburger Kollegen von Chessbase.de , auf deren sehr gelungene Nachrichtenseite  man immer wieder mal gerne einen Blick wirft. Und hier ist der Link:

http://de.chessbase.com/post/otto-borik-feiert-70-geburtstag

Donnerstag, 14 September 2017 23:39

Hans-Wild-Turnier 2017: Wieder Plätze frei!

Was wird mein Chef Jörg Hickl sagen? Eigentlich bringen wir hier im Blog ja keine Turnierankündigungen unter, aber ...

Das Hans-Wild-Turnier geht in seine dritte Auflage! Der SV Werder richtet in Erinnerung an seinen langjährigen
Vorsitzenden Hans Wild wieder ein fünfrundiges Turnier aus, und viele lokale und überregionale Matadore aus Bremen,
umzu (Delmenhorst! Bremer SG! Bremen-Nord, Varrel, Findorff ... !) und dem norddeutschen Raum (Hamburch!, Oldenburg)
gehen ab Freitag an die Bretter. Und - noch kann man einsteigen.

Gespielt wird in nach Spielstärke sortierten Gruppen um Preise und/ oder die Ehre (was ist dabei wichtiger!?). Ganz klassisch und
ohne Inkrement geht es von Freitag abend bis Sonntag abend durch Höhen und Tiefen:

https://www.werder.de/schach/aktuell/news/2017/svw-20170915-kra/

Leider gab es einige krankheitsbedingte Absagen - Turnierleiter Udo Hasenberg informiert daher, dass
kurzfristig wieder Plätze freigeworden sind! Nachdem die Startplätze im frühen August bereits vergeben
waren, ist es nun also möglich, doch noch in den fünfrundigen Wettbewerb einzusteigen.

Bei schriftlicher Voranmeldung ueber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gilt die Reihenfolge des Eingangs.
Unter allen kurzentschlossenen die am Freitag nachmittag einfach vorbei schauen, werden vorhandene
Startplaetze ausgelost. Voraussetzung dann: Eintreffen bis 17:30 Uhr (oder am Besten früher)!

Link zum Turnier: https://www.werder.de/schach/turniere/hans-wild-turnier/2017-los-gehts/

Der SV Werder freut sich auf spannende Partien, ab morgen in der Hemelinger Straße! Man weiß ja nie, aber
vielleicht gibt es auch eine Live-Übertragung im Netz. Aber, mal gucken. Vor Ort ist es sowieso immer spannender!

Freitag, 08 September 2017 13:17

Bonifratz: Go Blübaum!

Vorgestern noch bei Werder Bremen, gestern schon beim Weltcup in Tiflis/ Georgien, und heute gar im Tie-Break gegen Wesley So - ein Jahr voller Abwechslungen für GM Matthias Blübaum! Es ist die zweite Runde des großartigen FIDE K.O.-Turniers, Karjakin ist schon raus, Anand ist schon raus, ich war gar nicht erst dabei, und nach zwei sicheren Remisen spielt Matthias heute in der Verlängerung zwei Schnellpartien gegen die (nach heutigem Stand) Nummer 8 der Welt. Daumen gedrückt!

Zwar läuft mein Computer ohne Tadel, doch seit Tagen bekomme ich bei Chess24 keine Züge mehr aus Tiflis - Warteschleife, Warteschleife, und keine Diagramme. Das lag aber weniger an Chess24, die ich vor allem wegen den geerdeten Kommentaren von Jan Gustafsson (und wenn man Glück hat, im Verbund auch Peter Svidler) sehr schätze. Nein, es war ein Firefox - Java- Applet-Problem, wie ich nun gestern irgendwie bemerkte. Bevor das nun alles wieder gelöst ist mit der ganzen Technik, lohnt sich ein Blick auf andere Quellen. Und siehe da, zum Glück geht es auch ohne JAVA:

Go Blübaum

Tie-Break-Runde 1 bei Chessbomb - oben links grüßt Bonifratz                                           Screenshot: Chessbomb

Die Daumen hoch hält hier Bonifratz, ein uns unbekannter Besucher in der Chessbomb-Liveübertragung. Sein Go Blübaum! möge das Motto dieses Tages sein. Die erste Partie endete soeben ohne viel Spektakel Remis - ein anderer Besucher, Billyjoeereno, meinte dazu: "bluebaum is carrying Heart Of Tarrasch". Das klingt doch gut.

Wir freuen uns auf das Rückspiel in einigen Minuten (um 14:30 deutscher Zeit), und morgen dann begleiten wir Matthias bei der dritten Weltcup-Runde gegen Vallejo Pons! 

PS 15:46 Uhr Man kann gar nicht mehr guten Gewissens das Haus verlassen - die zweite Partie endete nach einer langen Leichtfiguren-Mélange mit einem unaufgeregten Remis. Das heißt, um 16 Uhr (MEZ) kommt die erste von zwei rapiden Schnellpartien mit nun zehn Minuten Bedenkzeit um den Einzug in die Runde der letzten 32 der Welt. Geht man da vorher noch schnell einkaufen, auch wenn es regnet? Ich fürchte nicht. 

In der Chessbomb-Gemeinde hat Matthias Blübaum (auf Englisch ja Bluebaum) schon mit Blue seinen Spitznamen weg. Ganz gelungen! Darum, was sagt User KingCarl: Go Blue! So might sing the BLUes today :-)

 

PS 16:38 Uhr Auch User King Carl kann offenbar irren - zumindest in der ersten schnellen Schnellpartie behielt So am Ende den schärferen Blick und liegt zum ersten Mal in Führung. Erster Rückstand für BLUE - aber es kommt ja noch das Rückspiel, und ein Schwarzsieg in der zweiten Partie, warum denn nicht? Gucken wir mal. Wir beenden für heute erstmal unsere Blicke nach Tiflis -  auch wenn es noch regnet, jetzt geht es los mit dem Einkaufen. Go, Blue, go!

Letzter Eintrag im WorldCup-Logbuch: Leider hat es nicht gereicht - Matthias hat groß gekämpft, doch Wesley So schaffte den Einzug in die nächste Runde. Schade! Trotzdem eine sehr starke Leistung von Matthias, der mit der Weltspitze lange auf Augenhöhe blieb. Wir freuen uns auf das nächste Mal!

Mittwoch, 16 August 2017 06:01

Buchal hält die Welt in Atem

Was für ein Turnier - Stephan Buchal ist Deutscher Vizemeister der Senioren 2017!

Der Werderaner reiste vor einer Woche an die Spree zur stark besetzten Deutschen Senioren-Einzelmeisterschaft 2017. Neun Runden, neun Tage, neun gestrenge Gegner und viele Titelträger am Start, doch nichts, so schien es zunächst, konnte FIDE-Meister Buchal aufhalten. Er gewann die ersten drei Runden in gutem Stil, und besiegte in der vierten Partie mit dem Zehlendorfer GM Jakob Meister gar den Ersten der Setzrangliste.

Nach zwei weiteren umkämpften Begegnungen gegen Jefim Rotstein (Punkt!) und Boris Khanukov (Punkt!) stand seine Ausbeute bei phänomenalen 6 Punkten aus 6 Spielen. Wo lernt man, so zu spielen? Die Konkurrenz jedoch blieb mit einem Punkt Rückstand in unmittelbarer Fangweite, und Stephans Remis gegen Holger Namyslo im siebten Spiel ließ die unmittelbaren Verfolger in Gestalt von Jefim Rotstein (SC Tornado Hochneukirch - wow, was für ein Name!) und Bodo Schmidt (SC Siegburg) wieder hoffen. Und tatsächlich - in Runde acht gelang es ebenjenem Bodo Schmidt, den bislang unbezwingbaren Buchal nach schöner Mittelspielführung zur Aufgabe zu zwingen! Alles wieder offen, FM Rotstein nun in Führung mit 7 Punkten, direkt vor Schmidt und Buchal bei je 6,5 Punkten.

Die Schlussrunde sah die Partie Rotstein vs Schmidt, und hier wollte es nun gar nicht so richtig laufen für den führenden Rotstein. Im Gegenteil, Schmidt drückte einen Freibauern bis auf die drittletzte Reihe vor und schickte Springer, Turm und König zur Unterstützung - da könnte doch was gehen? Jedoch, irgendwie reichte es nicht ganz, Rotstein rettete mit einigem Überblick den Tag und führte seinerseits seine Freibauern zur Dame. Acht Punkte für Jefim Rotstein, Deutscher Meister, uneinholbar, wir gratulieren!

Doch Platz zwei, den Vizemeister-Titel, holte sich Stephan Buchal mit einem abschließenden Weiß-Sieg, seinem fünften Weiß-Sieg in Folge (!) und am Ende 7,5 Punkten in einem bestens besetzten Teilnehmerfeld. Eine mehr als starke Leistung des Werderaners, und ein phantastisches Turnier. Glückwunsch auch hier, für neun Runden voller Konzentration, Intensität, Schweiß, Sorge, Hoffnung, mutiger Züge und großartiger Abenteuer!

Den dritten Platz im Endklassement eroberte Boris Khanukov vom Bahn-SC Wuppertal. Mit Bernhard Künitz sammelte ein weiterer Bremer und Werderaner reichlich Punkte und erkämpfte sich am Ende einen sehr vorderen Platz im B-Open (bis DWZ 1950).

Das Turnier in Berlin war bestens aufbereitet auch im Netz, mit täglichen Rundenberichten aus dem A-und B-Open, vielen Fotos, einer sehr guten Live-Übertragung und dem Flair, den eine Deutsche Meisterschaft auch verdient hat. Selbst wer nicht vor Ort sein konnte, hatte im Netz die Möglichkeit, die spannenden Runden an jedem Tag nachzuverfolgen. Bedankt - so schön kann das sein beim Schach.

Freitag, 04 August 2017 12:15

Monatsblitz: Einer gegen 25.000

So war das eigentlich nicht gedacht: Turnierleiter Udo Hasenberg eröffnete an einem frühherbstlichen August-Abend die neue Staffel der Werder Monatsblitz-Serie, 14 Kandidaten setzten sich hoffnungsvoll an die Bretter. Würde es diesmal zu einem guten Ergebnis reichen, zu einem vorderen Platz?
Doch es dauerte nicht lange, da pflügte David Höffer vom Delmenhorster SK wie eh und je durch die Wellen und hatte jeden einzelnen seiner 13 braven Mitspieler aufs Kreuz gelegt. Einer alleine, mit einer ELO von gut 2300, nimmt es mit 13 anderen auf, die gemeinsam eine stattliche ELO von um die 25.000 aufweisen - und gewinnt. Unglaublich.

Hundert Prozent für das Blitzschach-Ungeheuer Höffer, und damit verbunden der erste Platz! Pustekuchen daher für einen Gezeitenwechsel im Werder Monatsblitzen, der alte Meister ist der neue, und wie in ungefähr 40 der vorherigen 41 Turniere verließ der junge Delmenhorster den Saal mit einem schönen Gehaltsscheck für den Monat August (11,-€).

Auf dem Platz direkt dahinter, von den Punkten her aber um eine Galaxie und zahlreiche Lichtjahre getrennt folgte Stephan Buchal (Werder Bremen) mit 9,5 Punkten, punktgleich mit dem Berichterstatter (auch 9,5) - zu viele Punkte blieben auf dem Wege liegen, und es hätten sogar noch mehr sein sollen, doch die aufstrebende Werder-Jugend erlaubte mir noch so einmal, zweimal einen halben Punkt aus verlorener Stellung herauszumogeln.

Den Ehrenpreis der Jury für den fünftletzten Platz teilten sich Alexander Gattig (Bremer SG) und Thorsten Dickhaus (SV Wermelskirchen 32).

Monatsblitz2017August
Hier wird noch richtig nachgedacht: Nils-Lennart Heldt, André Schondorf (vorne), Thorsten Dickhaus und Alexander Gattig

Tja, David Höffer, der unbezwingbare Löwe - was soll man da noch sagen? Die Schachabteilung des SV Werder freut sich natürlich über seine stets inspirierenden Besuche, doch rein schachlich gesehen mag man die Ergebnisse fast so deuten, dass wir Werderaner und andere Hanseaten es im Blitzen noch immer nicht ganz mit dem jungen Mann aufnehmen können. Höffer übernimmt Werder Bremen, rein blitzschachlich gesehen auf alle Fälle - und weit und breit ist niemand in Sicht, um an diesem für Grün und Weiß ernüchternden Zustand etwas zu ändern. Agonie!

Wenn das so weitergeht, wird David auch das Hans-Wild-Turnier im September ohne Probleme für sich entscheiden. Und danach das German Masters in Dresden, und das nächste FIDE- Kandidatenturnier. Carlsen, ye be warned!

Doch das Werder-Training geht natürlich weiter von früh bis spät, und seit allerspätestens gestern wissen wir Bremer, wie stark David Höffer wirklich ist. Und dass er eigentlich ziemlich schnell ist!

Der Blitz Grand-Prix wird daher fortgesetzt, im September die zweite Runde an selber Stelle, und ja, dann wollen wir sehen, ob nicht doch jemand mit wehenden Fahnen den ersten Platz erobern kann. Wir bleiben dran - und melden uns wieder! Bis dahin ... erstmal etwas Musik von den Monophonics ... uhuhuuuuu huu.

 

Dienstag, 06 Juni 2017 11:44

The Heart of Limburg Rock'n Roll

Mit Grüßen aus Holland - gerade vorbei ist das große und großartige Limburg Open 2017, das wie nun schon seit 10 Jahren über Pfingsten im Herzen der Region, dem schönen Maastricht ausgetragen wurde. Und wieder war es ein tolles Turnier, über 500 Teilnehmer aus aller Herren Länder, mit vielen Groß- und Internationalen Meistern, Frauen, Jugend, Veteranen, gestaffelt in verschiedenen Gruppen nach Spielstärke, wie man es so kennt.

Das Preisgeld in der A GROEP betrug deutlich mehr als 2000,-€ für den ersten Platz - ein stattliches Gebot, und so war es keine Überraschung, dass sich einige prominente Namen in der Startrangliste fanden. Matthew Sadler und Ivan Sokolov als Meister der Weltklasse aus den 1990er Jahren, und dazu der französische Großmeister Christian Bauer, von dem ich von Stund' an ein großer Fan geworden bin. Immerhin, er spielt nicht nur beim Hamburger SK, sondern auch 1. e4, b6! und sogar 1.e4, a6!, und ist ein so kreativer Spieler, dass es eine Freude ist, ihm stundenlang bei der Entwicklung seiner Partien zuzusehen. Gewonnen hat er das Turnier ebenso wie Matthew Sadler, mit geteilten 6 Punkten aus 7 harten Runden - doch den ersten Platz holte der holländische Meisterspieler Roeland Pruijssers (?) - punktgleich, doch mit einer Hundertstelsekunde Vorsprung in einer feinen Feinwertung. Was sagt dazu die Turnierseite?

Na een spannende driestrijd in de laatste ronde wist Pruijssers Koen Leenhout te verslaan. Hierdoor eindigde hij met 6 uit 7 eerste. Evenveel punten haalden de Fransman Christian Bauer en de Engelsman Matthew Sadler, maar hun TPR was nét iets lager.

Glückwunsch also an Roeland - mit einer ELO-Performance von 2700 hat er sich den ersten Platz redlich verdient! Dabei spielte ich in der ersten Turnierrunde noch ganz in seiner Nähe (Ruud Janssen - Olaf Steffens), und sogar ein Brett vor ihm (Max Meessen - Roeland Pruijssers). Doch wie das so ist - er gewann, ich verlor, und von da an beschritten wir getrennte Wege. Der GM hielt immer engen Kontakt zu den Spitzenbrettern, ich saß näher an der Tür, was ja aber auch irgendwie ganz schön war - von dort konnte man während der Partien immer kurz mal raushuschen in die Sonne.

Beim Umsteigen auf der Rückfahrt nach Bremen spielten sie im Bahnhofscafé von Venlo gerade (Schach-)Club Tropicana von Wham. Wir enden darum heute mit diesem Lied und erinnern an George Michael, der im letzten Dezember diese Welt verlassen hat und irgendwohin weitergezogen ist. Bye Michael!

Update .... huch, das Video kann man in Duitsland (noch) gar nicht sehen - es ist wohl so eine Sache mit der GEZ, und zum Schutze der KünstlerInnen. Ganz ok so - aber wir haben Glück und weichen einfach aus:

Samstag, 20 Mai 2017 18:58

Wir sind Dino

Hurra!

Zwar hat es für den HSV wieder nicht gereicht zur Meisterschaft, doch was soll es - auch der Klassenerhalt kann ja ganz schön sein!

Nach einer turbulenten Saison und einem einmal mehr vergurkten Start, dann einer Serie von reichlich Punkten am Stück unter neuem Trainer, und  schließlich einigem Wackeln am Saisonende, furchtbaren Spielen und reptiloiden Linienrichtern schafften die Hambuuuurger heute den direkten Klassenerhalt mit einem hübschen 2 : 1 gegen Wolfsburg. Yep! SO soll das sein.

Die Schachwelt-Redaktion (oder vielleicht auch nur ich?) freut sich, und nun geht es in eine neue Saison im Oberhaus. Der Dino lebt!

(Schade nur, dass Dortmund zum Schluss noch so viele Tore geschossen hat gegen Werder - sonst wäre es ein ziemlich perfektes Wochenende.)

Und da sind wir wieder! Es ist 2017, ein Superwahljahr, wie man weiß, und der ganze Kontinent scheint über neue Präsidenten, Kanzler, Parlamente abzustimmen. Da steht natürlich auch der Deutsche Schachbund nicht zurück - auch hier wird gewählt, und das bereits in wenigen Tagen auf dem großen DSB- Kongress im mecklenburgischen Linstow.

Wir freuen uns, heute im Gespräch mit dem Lübecker Ullrich Krause einen Blick auf den Schachsport in Deutschland zu werfen. Er ist seit einigen Jahren der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Schachverbandes, und kandidiert in Linstow für das Amt des Schachbund- Präsidenten. Ullrich tritt an gegen den amtierenden Herbert Bastian.

Bastian Krause 2011 Bonn GF Hund
Die visionäre Auslosung Bastian - Krause
           auf der Deutschen Meisterschaft in Bonn, 2011     (Foto: GF Hund, danke!)

Unseren herzlichen Dank an beide Kandidaten für ihr sehr umfangreiches ehrenamtliches Engagement in dieser und in anderen Funktionen! (Das muss ja auch mal gesagt werden - ohne Menschen wie sie läuft nichts!)

Wir haben bei beiden Kandidaten um ein Interview angefragt, und freuen uns nun auf die Antworten, die uns der Herausforderer auf die vielen drängenden Fragen des (Schach-) Lebens geben wird.

Die Fragen stammen

a) aus der honorigen Schachwelt- Redaktion,

b) von den noch viel honorigeren Lesern unseres Blogs (und sogar aus dem internationalen Österreich!), und

c) wurden herausgefischt aus den Tiefen des Darknets, wobei wir da natürlich keine genauen Quellen angeben dürfen.

Sodann - stürzen wir uns in das Interview!

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Lieber Ullrich, Du trittst Ende Mai an gegen Herbert Bastian, der dem Deutschen Schachbund seit nun sechs Jahren vorsteht. Läuft es im Schachbund denn so schlecht? Warum meinst Du, dass es Zeit für einen Wechsel ist?

Das Schachspiel erlebt zurzeit einen Boom wie schon lange nicht mehr. Die WM-Kämpfe mit Magnus Carlsen werden auf allen wichtigen Internetseiten mit Live-Kommentaren und nachträglichen Analysen gewürdigt und an vielen Grundschulen gibt es Schach-AGs. In den Kinos laufen diverse Schachfilme und der Wettkampf „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ erreicht in diesem Jahr eine Rekordteilnehmerzahl. In einem Satz: Schach ist angesagt! Nach meinem Eindruck nutzt der Deutsche Schachbund die Chancen, die sich daraus ergeben, nicht in ausreichendem Maße, und diesen Zustand möchte ich gerne ändern.

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Manche sagen ja, für den „normalen Vereinsspieler“ ist der Schachbund nur wichtig, damit der Ligabetrieb organisiert wird und jemand die DWZ-Auswertung vornimmt. Woran werden die Mitglieder des DSB im Falle Deiner Wahl überhaupt merken können, dass es einen neuen Präsidenten gibt?

Der Spielbetrieb ist in der Tat die erste Schnittstelle zwischen dem DSB und den Vereinsspielern, und in diesem Bereich gibt es meines Erachtens zurzeit nicht viel Handlungsbedarf. Eine Ausnahme stellt die Deutsche Meisterschaft dar, für die ich gemeinsam mit Klaus Deventer (Vizepräsident Sport) und Peter Eberl (Präsident Bayern) einige Vorschläge entwickelt habe, die auf dem Kongress hoffentlich eine Mehrheit finden werden – aber das wird natürlich nur einen kleinen Kreis der Vereinsspieler betreffen.

Ich sehe großes Verbesserungspotential in Sachen Öffentlichkeitsarbeit, und damit meine ich in erster Linie den Webauftritt des DSB und generell die Berichterstattung über die nationalen und internationalen Schachereignisse. Das wäre dann vielleicht ein erstes unmittelbar sichtbares Signal einer Veränderung.

Ich würde außerdem gerne in Kooperation mit den Anbietern der Schachserver den Vereinen Möglichkeiten an die Hand geben, ihren Vereinsabend mit digitalen Angeboten aufzuwerten. Auch das würde die Vereinsspieler direkt betreffen, allerdings nur, wenn ihr Verein diese Angebote auch wahrnimmt.

Die wichtigen Änderungen können naturgemäß nicht so schnell umgesetzt werden und zeigen ihre Wirkung auch erst mittelfristig. Um ein Beispiel zu nennen: Eine stärkere Förderung des Schulschachs wird in den Vereinen naturgemäß erst mit zeitlicher Verzögerung ankommen, und auch das nur in den Vereinen, die sich im Schulschach engagieren.

Ullrich Krause 04
                                 Ullrich Krause

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Ist der Gestaltungsspielraum des Präsidenten überhaupt so groß? Das heißt, kannst Du wirklich etwas bewirken und umsetzen, solltest Du gewählt werden?

Der Präsident alleine kann natürlich gar nichts bewirken, sondern nur Denkanstöße geben. Das DSB-Präsidium und die Referenten leisten einen wesentlichen Teil der Arbeit, aber die Mitglieder des Deutschen Schachbundes entscheiden letzten Endes darüber, wo die Reise hingeht. Und diese Mitglieder sind die Verbände, d.h. ohne die Kooperation der Präsidenten und der anderen Funktionsträger auf Landesebene bewegt sich beim DSB nichts.
Nach meinem Eindruck ist dies eines der Hauptprobleme in den letzten Jahren: Herbert Bastian schafft es nicht mehr, die Verbände zur aktiven Mitarbeit zu bewegen. Und genau hier sehe ich im Fall meiner Wahl meine erste große Herausforderung: Ich möchte gerne erreichen, dass die DSB-Versammlungen zu konstruktiven Arbeitssitzungen werden und dass auch zwischen den Treffen ein reger Austausch zwischen dem DSB und seinen Verbänden stattfindet. Heutzutage muss man nicht mehr zur selben Zeit am selben Ort sein, um aktiv miteinander zu arbeiten. Wenn es nicht gelingt, das Präsidium und die Verbände zur Zusammenarbeit zu bewegen, nützen auch die besten Konzepte und Ideen nichts.

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Worin bestehen für Dich die grundlegenden Aufgaben des Deutschen Schachbundes? Nach außen wirkt der DSB seit je nur verwaltend, den Spielbetrieb aufrechterhaltend. Zugegeben, das macht er gut – viel besser als die meisten Föderationen weltweit.

Die Allgemeinheit erwartet jedoch von einem Dachverband die Basis für blühende Landschaften zu schaffen, neue Mitglieder außerhalb der bereits akquirierten Schachszene anzusprechen und zu gewinnen, bzw. die Vereine dabei zu unterstützen. Wann gab es hier jemals eine Aktion, oder sind die Ansprüche der Schachspieler unangebracht?

Die Bundesvereinskonferenz, die gerade in Berlin stattgefunden hat, ist ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes Angebot des Deutschen Schachbundes an seine Vereine, auch und gerade in Kombination mit den Bundesliga-Endrunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Konferenz im Wiederholungsfall noch mehr Teilnehmer anzieht, und würde mir wünschen, dass sich die DSJ im nächsten Jahr wieder im gleichen Ausmaß engagiert und dass der DSB zumindest wieder die entsprechenden Gelder zur Verfügung stellt.

Mindestens genauso wichtig wie solche großen Events sind aber allgemeine Maßnahmen wie zum Beispiel die Unterstützung der Vereine im Schulschachbereich und in Form von Online-Angeboten.

Ganz allgemein gesprochen sehe ich die Hauptaufgabe des Deutschen Schachbundes darin, unseren Sport noch populärer und erfolgreicher zu machen und die dazu erforderlichen bundesweiten Aktivitäten der Landesverbände und der Vereine zu koordinieren. Kontakte zu externen Partnern sind dabei existentiell, denn das Ehrenamt alleine wird die vielfältigen Aufgaben nicht mehr erledigen können. Diese Kontakte können naturgemäß „von oben“ am besten initiiert werden, und hier sehe ich einen weiteren Schwerpunkt der DSB-Arbeit.

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Laut Haushaltsplan 2016/2017 wurden die Mittel des DSB für Öffentlichkeitsarbeit von 15.000,- € (in 2015) auf 7.500,-€ (2016) und nun nur noch schmale 5.000,- € (2017) gesenkt. Das klingt für mich wie eine Tat des Wahnsinns - dabei sitzen doch viele kompetente Verbandsvertreter in den Gremien, die es eigentlich besser wissen.

Kann sich ein Verband wie der unsrige – der dazu noch eine „Nischensportart“ vertritt - eine solch sparsame Ausstattung in diesem wichtigen Bereich leisten?

Banner Schachreisen 2015 invers blau neuIch muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nicht weiß, wofür diese 5.000 Euro im Referat Öffentlichkeitsarbeit genau gedacht sind. Klar ist aber, dass zum Beispiel die Arbeit an der Webseite des DSB auch Öffentlichkeitsarbeit darstellt, und hier verfügt der DSB über einen hauptamtlichen Webmaster. Letzten Endes ist jeder öffentliche Auftritt eines Funktionsträgers auch Öffentlichkeitsarbeit. Das soll jetzt aber nicht bedeuten, dass der Aufwand, den der DSB für seine Außendarstellung betreibt, ausreichend ist – ganz im Gegenteil.

Einer meiner Lieblings-Grundsätze in Bezug auf ehrenamtliche Tätigkeit ist „Tue Gutes und rede darüber“ und ich glaube, dass wir viel mehr über die vielen schachlichen Aktivitäten reden sollten, die es in Deutschland gibt. Das impliziert neben dem Schreiben von Berichten für unsere eigene Webseite auch und gerade die Kommunikation nach außen und die Zusammenarbeit mit den Medien.

Bei der Bundesliga-Endrunde saß Anand in der 14.Runde bei der OSG Baden-Baden am vierten Brett – warum gab es da nicht sofort eine Pressemitteilung? Am vergangenen Dienstag gab es beim traditionellen Schulschachturnier „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ einen neuen Weltrekord – auf der DSB-Webseite fand dieses Turnier nicht statt. Weitere Beispiele für vergebene Chancen auf positive Berichterstattung lassen sich problemlos finden.

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                          Mehr Schach in die Medien!

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Mal ganz populistisch gefragt: steht es in einem ausgewogenen Verhältnis, wenn im Vergleich zum Budget der Öffentlichkeitsarbeit die Personalkosten in der DSB-Geschäftsstelle rund 80-mal so hoch sind?

Wie bereits dargestellt, stimmt diese Rechnung so nicht, aber die Öffentlichkeitsarbeit sollte trotzdem zukünftig einen wesentlich größeren Anteil an der Arbeit der DSB-Funktionäre beanspruchen.

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Apropos Öffentlichkeitsarbeit – bleiben wir in der Szene, und sprechen über Spitzensport. Eine Schätzfrage: Wie hoch ist die Anzahl der Mitglieder, die die Namen der Spieler der Nationalmannschaft aufzählen können? 1% wäre aus unserer Sicht hoch!

In anderen Sportarten erleben wir eine ganz andere Fanbasis, zum Beispiel auch in der Bundesliga. Es mangelt also offensichtlich am Kontakt zwischen SpitzenspielerInnen und Basis – siehst Du es auch so?

Ich befürchte eher, dass der nicht übermäßig große Erfolg der Nationalmannschaft in den letzten Jahren dafür verantwortlich ist, verbunden mit einer gewissen Unlust der Spieler, sich selbst zu vermarkten. Wenn man die Namen Jan Gustafsson und Niclas Huschenbeth bei Google eingibt, landet man auf ihren Webseiten, auf denen es viele kommentierte Partien und Videos gibt inklusive einer aktiv genutzten Kommentarfunktion. Ich bin mir deswegen ziemlich sicher, dass diese beiden bei den „Fans“ bekannter sind als andere Spitzenspieler, die keine eigene Webseite besitzen. Das Schach-Ehepaar Melanie und Nikolas Lubbe ist ein anderes gutes Beispiel dafür, dass die Abhängigkeit zwischen Spielstärke und Bekanntheitsgrad nicht unbedingt linear sein muss.

Klappern gehört nun mal zum Handwerk, und ich finde es bedauerlich, dass einige unsere Spitzenspieler in punkto Selbstvermarktung nicht sonderlich aktiv sind. Spontan fällt mir die Möglichkeit ein, auf der Webseite des DSB einen Bereich einzurichten, in dem unsere Spitzenspieler aktuelle Partien kommentieren und ganz allgemein über die nächsten Auftritte der Nationalmannschaft berichten. Das wäre ein erster Kontakt zwischen Spitze und Basis, den man dann sicherlich noch ausbauen könnte.

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Ihr habt im letzten Jahr mit dem Lübecker SV eine formidable Deutsche Meisterschaft auf die Beine gestellt. Allerdings klang durch, dass die finanzielle Unterstützung von Seiten des Schachbundes - vorsichtig formuliert - ausbaufähig gewesen wäre.

Hältst Du die Deutsche Meisterschaft in ihrer jetzigen Form für unattraktiv? Und wie siehst Du die Chancen, im Mai einen neuen Modus dafür zu verabschieden?

Die finanzielle Unterstützung durch den DSB fand exakt so statt, wie es in den Regularien zu der Zeit festgelegt war: Die Landesverbände haben 750 Euro pro Teilnehmer bezahlt und vom DSB gab es eine Pauschale in Höhe von 9.000 Euro. Auf dem Hauptausschuss in Lübeck wurde beschlossen, diese Zuschüsse auf 1.000 bzw. 12.000 Euro zu erhöhen. Das war ein erster Schritt, um den ausrichtenden Vereinen entgegenzukommen.

Die Vorschläge, die auf dem Kongress diskutiert und hoffentlich auch verabschiedet werden, sehen vor, sowohl die Ausrichter als auch den DSB und die Landesverbände zu entlasten, damit wir in Zukunft nicht wieder vor der Situation wie im vergangenen Jahr stehen, dass der DSB für seine wichtigste Meisterschaft wenige Monate vor Beginn des Turniers noch keinen Ausrichter hat. Ich würde mir wünschen, dass es auf dem Kongress eine lebhafte Diskussion zu diesem Thema gibt und dass wir am Ende einen Konsens finden, der die Situation verbessert. Ob dieser neue Modus dann der Weisheit letzter Schluss ist, wird man sehen.

Ich hatte kürzlich ein interessantes Gespräch mit Artur Jussupow, der mir seine Vorstellungen von einer attraktiven Deutschen Meisterschaft schilderte. Der wesentliche Punkt war dabei das Stichwort „Kongress des Deutschen Schachbundes“, der früher aus einem Meisterturnier, diversen untergeordneten Turnieren und der Versammlung des Deutschen Schachbundes bestand. Wenn man dann noch beispielsweise die Blitzmeisterschaft und die Meisterschaften der Frauen hinzufügt, hätte man eine beeindruckende Veranstaltung, bei der die Spitzenspieler auf die Spitzenfunktionäre treffen! Vielleicht kann man diese Idee weiterentwickeln und beim nächsten Hauptausschuss ein detailliertes Konzept beschließen.

TeilnehmerDEM
                                           Gute Laune bei der DEM 2016 im schönen Lübeck!                       Foto: Jan Plackmeyer
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Wie bist Du sonst zufrieden mit dem Leistungssport/ Schach in unserem Lande? Ein Erfolg wie die Europameisterschaft 2011 bei den Herren ist wahrscheinlich nicht so schnell wieder möglich?

Das sehe ich genauso. Mir hat das Projekt mit der Prinzen-Gruppe sehr gut gefallen, ich weiß aber nicht, warum es beendet wurde. Ich nehme an, dass finanzielle Gründe den Ausschlag gegeben haben. Der DSB sollte ein Nachfolgeprojekt auflegen und meiner Meinung nach außerdem den Kontakt mit externen Partnern suchen, um die Talentförderung voranzutreiben. Ich befürchte allerdings, dass die hierfür benötigten Mittel nicht so ohne weiteres zur Verfügung gestellt werden können.

Unabhängig davon ist die Frage, wie es im Bereich Leistungssport in Zukunft weitergehen soll, von zentraler Bedeutung für den Deutschen Schachbund. Wir verfügen über eine Vielzahl an Talenten, aber die Nationalmannschaft erzielt nicht annähernd die Erfolge, die man erwarten könnte. Vermutlich muss man das gesamte Leistungssport-Konzept auf den Prüfstand stellen, wenn sich dieser Zustand in Zukunft ändern soll. Hier gilt wieder das oben Gesagte: Der DSB und seine Verbände müssen gemeinsam eine neue Strategie erarbeiten, damit wir in Zukunft international erfolgreicher sind.

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Wir zitieren eine Frage aus einem Interview, das SF Krennwurzn mit unserem Präsidenten Herbert Bastian im Sommer 2014 geführt hat:

„Einerseits hat Schach gute Imagewerte in der Öffentlichkeit und andererseits haben wir auch aufgrund der längeren Ausübbarkeit einen hohen Anteil an gut gebildeten und einkommensstarken Mitgliedern - wir wären also attraktiv für Sponsoren. Wie will der DSB eine Änderung herbeiführen?“

Was wäre hier Deine Antwort?

Bei der Deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr ist es dem Öffentlichkeits-Referenten Frank Neumann gelungen, einen Sponsor zu akquirieren. Er ist inzwischen auch Geschäftsführer der Wirtschaftsdienst GmbH und hat viele Ideen in Bezug auf eine bessere Vermarktung des Schachsports. Ich begrüße seine Aktivitäten sehr und bin zuversichtlich, dass der DSB zukünftig durch potentielle Sponsoren besser wahrgenommen wird.

Frank Neumann wird diese Herkules-Aufgabe allerdings nicht alleine erledigen können. Ich sehe hier alle Funktionäre und insbesondere das Präsidium in der Pflicht, entsprechende Kontakte herzustellen. Klar ist aber eines: Ein Sponsor wird dem Deutschen Schachbund nur dann Geld geben, wenn wir attraktive Konzepte entwickeln, wie zum Beispiel den oben erwähnten „Kongress des Deutschen Schachbundes“ oder die Bundesliga-Endrunde, kombiniert mit anderen Veranstaltungen.

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Herbert Bastian antwortete in dem besagten Interview wie folgt:

„Um Änderungen im Sinne von Verbesserungen herbeizuführen, muss das Thema Marketing im Deutschen Schachbund endlich ernst genommen werden. Klaus Lais war einer derjenigen, die auf dieses Problem schon vor einigen Jahren hingewiesen haben, doch fand er zu wenig Gehör. Wir haben keinen Ehrenamtlichen, der sich „hauptamtlich“ um dieses Thema kümmert, und bei den Hauptamtlichen fehlt es immer noch an Knowhow sowie an Zeitressourcen.“

Das war 2014. Wenn wir Hauptamtliche haben, denen es an Knowhow sowie an Zeitressourcen fehlt, finde ich das so ganz unter uns beiden gesagt ziemlich beunruhigend ….

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Es geistert immer wieder eine Zahl durch den Äther - allein für den Geschäftsführer der DSB- Geschäftsstelle entstehen dem DSB dem Vernehmen nach Gehaltsaufwendungen von gut 70.000,-€. Ist das nicht ausgesprochen stattlich für einen doch offenbar eher klammen Verband?

Wäre es Deiner Ansicht nach angebracht, in einem quasi öffentlichen Verband wie dem DSB Gehaltszahlungen an die MitarbeiterInnen ganz transparent offenzulegen?

Davon halte ich aus Datenschutzgründen nichts.

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Es ist alles wohl (wie immer) eine Frage des Geldes. Mit den geringen Mitgliedsbeiträgen für den DSB, bei gleichzeitig fallenden Mitgliederzahlen lassen sich keine großen Sprünge machen – und die Sponsoren sind rar. Wie planst Du, die Kassen zu füllen?

kreuzfahrt165pxIch bin nicht sicher, ob die Kassen des DSB so leer sind, wie das durch die Frage suggeriert wird. Nach meinem Eindruck hat in den letzten Jahren eine Konsolidierung des DSB-Haushaltes stattgefunden, die durch Michael Langer eingeleitet und durch seinen Nachfolger Ralf Chadt-Rausch fortgesetzt wurde. Nichtsdestoweniger gibt es gewisse finanzielle Risiken (z.B. die BMI-Zuschüsse), und weniger Mitglieder zahlen in Summe natürlich auch weniger Beiträge. Insofern liegt der Gedanke nahe, durch Maßnahmen, die zur Steigerung der Mitgliederzahlen führen, gleichzeitig die finanzielle Lage des DSB zu verbessern.

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Würde es (auch) Sinn machen, die Beiträge für Schach allgemein und für den DSB zu erhöhen? Schach ist ein so günstiger Sport mit Vereinsbeiträgen von oft unter 6 oder 7 € im Monat. Jede Popcorn-Tüte im Kino kostet mehr – warum kommt es vielen so krass vor, wenn der Mitgliedsbeitrag mal wieder steigen würde? Warum tut sich Schach so schwer, höhere Beiträge zu erheben und dafür mehr Spielraum zu gewinnen für interessante Aktionen, Turniere und Spielabende?

Das Thema Beitragserhöhung sollte man beim DSB, wenn überhaupt, nur unter der Voraussetzung angehen, dass man auch sehr konkrete und exakt durchgerechnete Aktivitäten vorweisen kann, die dadurch finanziert werden sollen. Eine Beitragserhöhung quasi auf Verdacht halte ich weder für zielführend noch für mehrheitsfähig. Wenn man andererseits ein wirklich spannendes, gut durchkalkuliertes und erfolgversprechendes Projekt mit einer Kofinanzierung durch private und öffentliche Geldgeber anbietet, könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass sich bei den Landesverbänden auch eine Mehrheit für eine Beitragserhöhung finden lässt. Wichtig ist natürlich, dass alle davon gleichermaßen profitieren würden.

Warum sich die Vereine nicht trauen, von ihren Mitgliedern höhere Beiträge zu verlangen, entzieht sich meiner Kenntnis. Nach meiner Erfahrung sind insbesondere die Eltern der jugendlichen Mitglieder sehr häufig erstaunt, wie gering der Mitgliedsbeitrag im Schachverein ausfällt. Schachspieler verkaufen sich und ihren Sport fast immer unter Wert und beschweren sich andererseits über fehlende materielle Mittel.

 

kaffeeschach
       Drei Tassen Kaffee im Gasthof =
                                     ein Monatsbeitrag im Schachverein?

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Was hältst Du von einer gebührenpflichtigen DWZ-Auswertung? Bei 1.000.000 Partien pro Jahr sind hier leicht erhebliche Mittel zu generieren, ohne Einzelne übermäßig zu belasten. Auch die FIDE hat diesen Weg gewählt und eine Art „ELO-Maut“ eingeführt – wer mehr spielt, zahlt auch mehr.

Am Ende könnte man den vielen Ehrenamtlichen im DWZ-Bereich sogar hiermit eine gewisse Achtung entgegenbringen, anstatt deren tolle Leistung immer als kostenlos und selbstverständlich vorauszusetzen.

Wenn ich das richtig verstehe, soll der Ausrichter eines Turniers für die DWZ-Auswertung bezahlen. Für diese und ähnliche Ideen gilt das, was ich bereits zum Thema Beitragserhöhung gesagt habe: Ohne eine konkrete Vorstellung, wie alle Beteiligten von den dadurch erwirtschafteten Geldern profitieren können, ist diese Idee nicht zielführend und mit Sicherheit auch nicht mehrheitsfähig.

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Durch eine gebührenpflichtige DWZ-Auswertung – vielleicht ergibt sich dadurch auch ein Spielraum, um dem DSB-Präsidenten eine kleine Aufwandsentschädigung zukommen zu lassen?

Wäre es nicht angebracht, dass der DSB-Präsident als Vorsitzender einer Schar von mehreren 10.000 Mitgliedern eine Teil-Vergütung erhält? Für den zeitlichen Einsatz, der über Monate und auch an den Wochenenden für den Verband geleistet wird, wäre es doch fair, wenn das auf eine Weise auch honoriert würde.

Um an meine letzte Antwort anzuknüpfen: Das wäre natürlich eine sehr konkrete Verwendung der zusätzlichen Einnahmen, von der allerdings nur einer profitieren würde. Insofern halte ich auch von dieser Idee nichts. Unabhängig davon ist der Arbeitsaufwand, den das Amt eines DSB-Präsidenten mit sich bringt, in der Tat sehr hoch, aber das gilt vermutlich auch für andere Ehrenämter, für die man bekanntlich per Definition nicht entlohnt wird.

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Unsere geschätzten LeserInnen haben ein paar knifflige Fragen eingesendet. Hier sind sie:

Achim Zehl

Meine Frage an Herrn Krause: als Informatiker sind Sie sehr aktiv im Internet, betreuen oder betreuten mehrere Websites. Als CMS verwenden Sie dabei WordPress und in den letzten Jahren wohl bevorzugt Joomla. Werden Sie auch die DSB-Website auf ein modernes CMS wie Joomla umrüsten und das Design auffrischen?

Die Auswahl des konkreten Content Management Systems ist meines Erachtens nicht so relevant, und ich gehe davon aus, dass auch das beim DSB verwendete CMS (Contao) den technischen Anforderungen an ein modernes System genügt. Wichtiger sind andere Dinge wie Übersichtlichkeit, einfache Benutzerführung und Bedienbarkeit auch auf mobilen Geräten, und da gibt es auf der DSB-Seite mit Sicherheit Verbesserungspotential. Aber wirklich ausschlaggebend für die Attraktivität einer Webseite sind letzten Endes die Inhalte, und hier würde ich dafür werben, andere Schwerpunkte zu setzen – natürlich in Absprache mit dem Referat Öffentlichkeitsarbeit und dem zuständigen Vizepräsidenten.

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Krennwurzn

Lieber Herr Krause, haben Sie auf die Frauen total vergessen? Im Schach haben wir einen Frauenanteil der noch geringer ist als in Vorständen/Aufsichtsräten - könnte der von Ihnen beschriebene Jungerwachsenenknick nicht dadurch begründet sein, dass Frauen 20+ fast komplett das Vereinsschach verlassen?

Nach meiner Erfahrung verlassen die Mädchen das Vereinsschach im Durchschnitt sogar noch ein paar Jahre früher als ihre männlichen Vereinskameraden. Insofern sehe ich hier keinen direkten Zusammenhang. Unabhängig davon finde ich den Ansatz, dass man den Frauenanteil in den Vereinen erhöhen sollte, damit deswegen auch mehr Männer den Vereinen treu bleiben, etwas fragwürdig. Wir sollten uns um alle Mitglieder beiderlei Geschlechts in allen Altersstufen gleichermaßen bemühen.

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Ullrich, hier eine Leserfrage aus dem Alpenraum, die ich nicht ganz verstehe. Sie klingt ein bisschen nach einem Body-Check:

Krennwurzn

Lieber Herr Krause, ein moderierender DSB-Präsident stellt keine Neuerung dar, denn das ist aus dem ehemals aktiven Herbert Bastian geworden - er moderiert seine Wiederwahlen. Wollen Sie uns da nur alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen?

Ich kenne Herbert Bastian seit Anfang der 90er Jahre als Schachspieler und seit 2008 als Funktionär. Die Art und Weise, wie er damals gemeinsam mit Hans-Jürgen Weyer den AKLV geführt hat, entspricht meiner Vorstellung einer moderierenden Führung, bei der alle mitgenommen und die einander oft auch widersprechenden Ansichten abgeglichen werden, damit man am Ende auf einen gemeinsamen Nenner kommt. Ich habe allerdings den Eindruck, dass ihm das in seiner Eigenschaft als DSB-Präsident nicht mehr gelingt, und genau aus diesem Grund habe ich mich auch entschieden, für sein Amt zu kandidieren. Insofern ist die Idee des moderierenden Präsidenten als solche in der Tat nicht neu, aber gleichwohl die Grundvoraussetzung für den Erfolg seiner Arbeit.

BastianHerbert 2012 Dortmund GF Hund

 Herbert Bastian führt den Schachbund seit 2011     Foto: GF Hund

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Eine der Säulen Deines Wahlprogramms ist das Fördern des Schulschachs – sicher eine richtige Idee. Wie aber möchtest Du die große Anzahl von Jugendlichen und Kids, die an den Schulen oft begeistert Schach spielen, auch in die Vereine holen und dort halten? In den letzten Jahren hat das ja nicht allzu gut geklappt – jedenfalls gibt es immer noch eine gewaltige Lücke im Bereich der jüngeren DSB-Mitglieder.

Die Lücke klafft meines Erachtens erst im oben bereits erwähnten Alter der „jungen Erwachsenen“, die die Vereine scharenweise verlassen. Ich glaube, dass man ganz neue Wege gehen muss, um diese Zielgruppe zu erreichen, und der an sich naheliegende Gedanke ist das Online-Schach, allerdings nicht als Konkurrenz zum Vereinsschach, sondern als neue Komponente. Die Firma ChessBase hat bei der Bundesvereinskonferenz in einem Workshop Möglichkeiten aufgezeigt, wie man den Vereinsabend durch entsprechende Angebote an die Mitglieder aufwerten kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass dies der richtige Weg ist, um die jungen Erwachsenen im Verein zu halten und man braucht dazu nicht mehr als ein Notebook und einen Beamer.

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In Deinem Verein, dem Lübecker SV, seid Ihr ja mit Eurer Jugendarbeit sehr erfolgreich in den letzten Jahren. Was ist Euer Trick, und kann man das auch im DSB und in anderen Vereinen irgendwie umsetzen?

Um es einmal in drei Sätzen zusammenzufassen: Vereine, die keine Jugendarbeit betreiben, sterben irgendwann aus. Die einzige echte Chance für nachhaltige Jugendarbeit basiert auf dem Schulschach, und ausschlaggebend für den Erfolg ist letzten Endes die Verbindung zwischen den Schulschach-AGs und dem Verein.

Ich habe das Lübecker Konzept bei der Bundesvereinskonferenz vorgestellt. Leider sind die entsprechenden Materialien noch nicht auf der DSB-Webseite verfügbar, so dass ich nur mit diesem Link von unserer Vereins-Webseite dienen kann: https://www.lsv1873.de/index.php/aktuelles/nachrichten/915-schachverein-und-schachschule-eine-gelungene-symbiose

Die wesentliche Idee bei dieser „Symbiose“ ist die Zusammenarbeit des ehrenamtlich aufgestellten Vereins mit der professionell agierenden Schachschule, die in unserem Fall so weit geht, dass Veranstaltungen der Schachschule in unserem Vereinsheim stattfinden. Das führt wiederum dazu, dass die Kinder im Rahmen der Schulschach-Aktivitäten die Schwelle zu unserem Verein im Wortsinne überschreiten, und das erleichtert sowohl den Kindern als auch den Eltern die Entscheidung, in den Verein einzutreten.

Ich kenne in Schleswig-Holstein drei weitere Vereine, die exakt dieses Modell einer Kooperation mit einer Schachschule umgesetzt haben und damit ebenfalls sehr erfolgreich sind, und ich nehme an, dass es deutschlandweit noch viele weitere gibt. Die Größe des Vereins spielt dabei keine so große Rolle, wichtig ist nur, dass der Verein den Kindern, die dann automatisch dem Verein beitreten, auch etwas anbieten kann, sonst sind diese Kinder auch ganz schnell wieder ausgetreten.

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Der junge GM Rasmus Svane (Lübecker SV, jetzt Hamburger SV SK!)
                                                        auf der DEM in seiner Heimatstadt

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Wie sieht Dein Wahlkampf aus? Hast Du ein Team, das mit Dir zusammen die Positionen besetzen würde?

Ich unterstütze die Kandidatur von Walter Rädler für das Amt des Vizepräsidenten Verbandsentwicklung und würde es begrüßen, wenn er seine sehr erfolgreiche Arbeit in Bayern auf ganz Deutschland ausweiten könnte. Ich kann mir außerdem gut vorstellen, mit den anderen beiden Vizepräsidenten Ralf Chadt-Rausch (Finanzen) und Klaus Deventer (Sport) zusammenzuarbeiten.

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Abschließend, Ullrich – in Kürze gibt es eine Wahl zwischen Herbert Bastian und Dir. Nenne uns bitte noch einmal drei Gründe: warum sollten sich die Delegierten für Dich oder gegen den bisherigen Präsidenten entscheiden?

Ich werde alle Beteiligten zur aktiven Mitarbeit bewegen: Ohne die Unterstützung der Landesverbände kann der DSB nichts erreichen.

Ich werde Arbeit an der Basis betreiben: Eine intensive Förderung des Schulschachs sorgt für einen Zuwachs der Mitgliederzahlen und stoppt gleichzeitig das Vereinssterben.

Ich werde die Zusammenarbeit mit externen Partnern intensivieren: Nur die Kombination aus ehrenamtlicher und professioneller Arbeit kann auf Dauer nachhaltig und erfolgreich sein.

 Ullrich Krause 03

 Ullrich, herzlichen Dank für dieses Interview, und dass Du Dir die Zeit dafür genommen hast. Wir freuen uns auf die Wahl am Himmelfahrts-Wochenende in Linstow!

 

 

Moinmoin, da sind wir wieder - der Blog hat ein wenig vor sich hin geruht, doch heute geht es wieder weiter, pünktlich zum vorletzten Wochenende in der Schach!- Bundesliga. Hingehen! 

Im Mai wird im Deutschen Schachbund ein neuer Präsident gewählt. Wir blicken zurück auf eine sechsjährige Amtszeit von Herbert Bastian, der 2011 von Saarbrücken aus schwungvoll ins Amt startete und nun zum vierten Mal seinen Hut in den Ring werfen wird.

Als Gegenkandidat tritt der Lübecker Ullrich Krause an, seines Zeichens bereits Präsident im Schachverband Schleswig-Holstein, und mehrfacher Landesmeister im Land zwischen den Meeren - ganz ähnlich wie Herbert Bastian, dem ebensolches an der Saar wiederholt gelang. Beide sind vielfach für den Schachsport engagiert, und FIDE-Meister noch dazu. Was mehr kann man sich wünschen?

Nach Interview- Anfragen bei beiden Kandidierenden freuen wir uns sehr, dass Ullrich Krause im Vorfeld der Wahl für ein Gespräch zugesagt hat.

Ganz basisdemokratisch sind dazu auch die Schar der Schachwelt-LeserInnen draußen vor den Computertastaturen eingeladen - schickt uns Eure Fragen an den Herausforderer im Kommentarbereich! Wir sichten alles, suchen einiges davon aus, und alles zusammen geht dann alsbald auf den Weg an Candidate President  Krause.

Ansprechen könnt Ihr im Prinzip alles. Schüttet uns Euer Herz aus, und sendet, was Euch im Schach umtreibt:

- Wo geht die Reise hin im Schachbund - und wann werden wir wieder mal Europameister?

- Die Vereine werden kleiner, die Aktiven weniger - was kann man tun?

- Ist die Öffentlichkeitsarbeit im Schachbund ausbaufähig? Wie? Und wenn ja, wer soll das bezahlen?

- Tut der DSB genug, um Sponsoren und Werbepartner zu finden?

- Sollten die Beiträge erhöht werden, um mehr Spielraum für die Schachförderung zu haben?

- Wann wird meine DWZ endlich wieder besser? (na gut, eine sehr persönliche Frage - und ich befürchte, hier sind selbst Präsidenten machtlos)

 Wer sich noch etwas reinfuchsen möchte in die Thematik, hier sind drei sehr lesenswerte Stücke:

- vor drei Jahren interviewte SF Krennwurzn den DSB-Präsidenten Herbert Bastian hier im Blog - dies ist der Link zu dem ausführlichen Gespräch

- Ullrich Krause hat drei Schwerpunkte für neue Impulse in der deutschen Schachszene formuliert, um einige recht bedenkliche Trends zu stoppen

- einen Blick auf das deutsche (Vereins-) Schach wirft in bewährt versierter Manier Stefan Löffler im Blog der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

 
Bitte schickt uns (Achtung!) Eure Fragen zum Thema schon bis Donnerstag abend - Einsendeschluss ist streng um 24 Uhr. Wir sichten sie, und bringen alles zusammen mit unseren eigenen Schachwelt-Fragen zur Post. Im Mai folgt dann das Interview hier im Blog. Bis die Tage!

 

Dienstag, 07 März 2017 15:39

140 Jahre Bremer SG

Hoppla, die Bremer SG rockt das deutsche Vereinsschach - heute auf den Tag genau vor 140 Jahren gründeten Honoratioren in der Hansestadt die ehrwürdige, traditionsreiche, charmante und mit dem heutigen Tage auch ganz offiziell hochbetagte Bremer Schachgesellschaft. Wir gratulieren! und freuen uns auf die nächsten 140 Jahre.

140 Jahre - nur die wenigsten von uns werden auf eine solch lange Zeitspanne zurückblicken können. Werder Bremen zum Beispiel, die Fußballer schickten sich erst 1899 und damit 22 Jahre später als die Schachfreunde an, einen Fußballverein zu gründen in der Pauliner Marsch. Und die grün-weiße Schachabteilung erblickte rund fünfzig Jahre später das Licht der Welt - da feierte die BSG schon bald ihren 80. Geburtsstag!
Doch schauen wir einmal genauer hin - vor 140 Jahren war Bismarck Kanzler, Wilhelm Kaiser, Preußen hatte sich gerade ganz Deutschland einverleibt und auch Bayern.
Die Sommer waren wahrscheinlich auch damals schon verregnet, und einen richtigen amtlichen Weltmeister gab es noch nicht, erst ein paar Jahre später sollte die FIDE - nein, die gab es damals auch noch nicht - also, erst ein paar Jahre später sollte sich Wilhelm Steinitz den ersten Titel erkämpfen. Die BSG hat seitdem viele weitere Weltmeister gesehen, doch auch zwei furchtbare Kriege und eine grausame Diktatur. Sie war dabei, wie die Schachuhr eingeführt wurde, die Ligawettbewerbe entstanden im Nordwesten und der Welt, und sie schaffte es Anfang der 2000er Jahre unter Führung von Manfred Breutigam und Alexander Belilovsky auch sehr ehrenvoll in die Schach-Bundesliga, wo sie sogar Werder Bremen im Lokalderby besiegen konnte - was war die Freude groß! Auch ich war einige sehr schöne Jahre mit im Verein, von 1999 bis 2007, ehe ich zu Werder wechselte, eine Straßenecke weiter sozusagen, in Bremen ist das ja alles nicht so weitläufig.

bremen ratskeller um 1900
Der Bremer Ratskeller um 1900 - das wäre doch mal ein schönes Vereinsheim gewesen

In den langen 140 Jahren ihres Bestehens hatte die BSG Besuch von Emanuel Lasker, Mischa Tal, Anatoli Karpov (!) und vielen anderen Größen des Weltschachs, die sich zum Simultan einfanden oder zu mancherlei Beratungspartie. Über Jahre hinweg dokumentierte Pastor Hanno Keller in akribischer Feinarbeit all diese Ereignisse - leider verstarb Hanno im vergangenen Jahr, und so ist es nunmehr Andreas Calic, ein Kenner der Hansestadt und der hiesigen Schachszene, der das Archiv des Vereins weiterführt (ebenso wie die Webseite). Andreas ist zudem eine Art Chronist des aus Bremen stammenden Carl Carls und hat darüber auch im kulturellen Schachmagazin KARL veröffentlicht - bei Fragen wende man sich gerne an ihn!
Und erwähnten wir es schon? Die Vereinsräume waren mit aller Wahrscheinlichkeit auch der Geburtsort der Englischen Eröffnung, oder zumindest der von Carl Carls ausdauernd und gegen alle schachgesellschaftlichen Widerstände gespielten Bremer Partie 1.c2-c4.

Hübsch gelegen gleich neben dem Weserstadion trifft sich der Verein jeden Montag in den Weserterrassen und richtet in bunter Runde ihre Vereinsabende aus. Es ist ordentlich Rummel dort, wie ich bei diversen Pokalpleiten Pokalspielen und schönen Blitzrunden miterleben konnte - ein lebendiger und inspirierter Verein, wenngleich leider auch hier ein wenig die Jugendlichen nicht so richtig "nachkommen". Schade! Aber die BSG wäre nicht die BSG, würde sie dies nicht auch noch irgendwie hinbekommen, und weiter engagiert im Schulschach, Jugendschach und allein durch ihre Existenz neue und auch junge Mitglieder anlocken. Es sei ihr von Herzen gegönnt!

(Bleiben Sie dran und lesen Sie auch den zweiten Teil über die Bremer Schachgesellschaft - in 140 Jahren ist es soweit!)

 

 

Hei, was war da wieder los, und wo waren die Werderaner Blitzer? In diesmal nur überschaubar zahlreicher Besetzung versuchten sich acht Grün-Weiße und als Gast Doroteya Nancheva (SK Bremen-West) daran, die wiederholte Wiederholung einer wiederholten Titelgewinn-Wiederholung durch David Höffer vom Delmenhorster SK zu verhindern, doch ach, erneut ohne Erfolg!

Zwar setzte der junge Nikolas Wachinger ein Ausrufezeichen und bezwang den Gast aus DEL in sehenswerter Manier, allein das sollte es am Ende schon sein für Höffer – keine weiteren Minuspunkte! Stattdessen Punkt um Punkt gegen die versammelte Blitzgemeinde, und wäre da nicht Sven Charmeteau gewesen, das Februar-Turnier wäre schon viel früher entschieden gewesen.

Doch Charmeteau punktete ausgiebig mit – wenngleich unter erheblichem Zeiteinsatz, so dass er am Ende seine Züge immer im Stakkato aufs Brett feuerte und stets sozusagen stets gewann, knapp bevor die Klappe fiel. Alles, bis eben auf das Match gegen David Höffer, und so, als nach neun intensiven Runden beide Heroen punktgleich mit 8 aus 9 das Feld anführten, gab der direkte Vergleich den Ausschlag für das Delmenhorster Blitzschachungeheuer. Wir gratulieren zum Sieg, und auch zur deutlichen Führung in der Grand Prix- Wertung.
Auf Platz zwei rangierte am Ende Sven Charmeteau vor dem Drittplatzierten Nikolas Wachinger (6 aus 9). Weitere Preise gab es für André Büscher (Bester unter DWZ 2000) sowie einen Bremer Arzt mit „D“, der aber als ehrenvoller Fünftletzter seinen Namen lieber nicht in diesem Artikel lesen möchte. -

Schachfreund Steffens fuddelte sich in bewährter Manier durch das Turnier, holte aber nicht wie in bewährter Manier damit auch Punkte. Das ist schon seit längerem so – darüber wird zu sprechen sein. (Aber mit wem?).

Zwei sehr und sehr glückliche Punkte gegen Andree Schondorf und Detlev Diedrichsen (durch Matt nach einem artistischen Springerschach Sh3+) brachten temporär noch einmal Hoffnung auf einen vorderen Platz, indes eine Niederlage gegen den pfeilschnellen Charmeteau (auch hier sah man Sh3+ ! mit baldigem Matt), und eine aalglatte Null in der Schlussrunde gegen David Höffer (wiederum Sh3+ ! mit Schach, worauf meine gutgemeinte Antwort f2-f4!? dann direkt den König einstellte) ließen das Turnier für Steffens im schachlichen Nirwana austrudeln. Sei‘s drum. Wir kommen wieder!
Die Frage aber bleibt, was es mit den drei schönen Springerschachs auf h3 auf sich hat. Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas innerhalb von nur vier Runden passiert?

Der nächste Monatsblitz findet statt am 02.März in den üblichen Gefilden, kurz vor den prachtvollen Norddeutschen Blitzmannschaftsmeisterschaften 2017 in Hamburg. Bis dann!

PS Vielleicht ist dies ja was für mich, vor dem nächsten Turnier: Get ready for the Six-Minute-Blitz-Workout!

 

Samstag, 04 Februar 2017 10:34

Goldene Klänge vom Südweschden

Der Frühling nahd, bald gehd es wieder auf Schachreise, hajo, so isch des! Da schaded es nedd, schon jedzd oi wenig die Schbrache vom Ziellandes z übe, vor allem, wenn die Reise in südliche Regione gehd, no Bayern oder Baden-Würddemberg edwa. Glügglich der Mensch, der "Guade Tag, oie Kaffee bidde" auf Schwäbisch sage kann, um am Turnierbüffed während der Nachmiddagsrunde schnell ebbes z beschdellen.

Vor sechs Jahre war ich mal im Badische während von a verregnede Sommer, schön war es, und man kam sogar mid Norddeiadsch ganz guad durch. Ich schriab daraufhin oie kloie Ardikel, der am Donnerschdag, 13 Okdober 2011, hier im Blog erschien. Mid Grüße an die Schachfreinde im Südweschde, an Frank Zeller, Harald Keilhack und an Hardmuad Medz schdelle wir de landeskundliche Reiseberichd heiade oifach no oimal oi, schbrachlich ebbes aufbereided.

Die Frage bleibd nadürlich - ischd Baden-Bade überhaubd no Schwabenland? Oder ischd es schon Schwabenland? Des ischd aus der Ferne und vor allem aus Breme nur schwer, sehr schwer z beirdeile - vielleichd könne die LeserInne helfen.

[Rechdlicher Hinweis: des im Ardikel endhaldene Bundesliga-Tibbschbiel ischd leider schon seid fünf Jahre vorbei, bidde nemme deilnehme! Die Preise sind schon alle weg, hajo, so isch des!
Wer aber nohoch no oie (ex-boschd) Vorhersage zur Meischderschafd mache möchde, darf des in unserem dem liberale Geischde verschriabene Kommendarbereich nadürlich gerne dun.]

Nun aber oie Runde Schwäbisch hier im Blog - mid herzlichem Dank an die Macher von www.burble.de, die die Übersedzungsmühe für uns übernomme hendn. Und damid Grüße in de wilde Süde!

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Wer wird Deiadscher Meischder? Ba-Ba-Ba-Baden-Oooos, hajo, so isch des!

In de ledzde fünf Jahre wurde die Ooser Schachgesellschafd Baden-Bade gefühld ungefähr zwanzig Mal Deiadscher Meischder. Mid de beschde Schbielern Deiadschlands und de beschde Schbielern der Weld brachde der Veroi in der Herren-Bundesliga immer wieder Mannschafde an de Schdard, die au der viermalige Vizemeischder SV Werder Breme und die Berliner Schachfreinde nedd schdobbe konnden.

Schach-Weld, des Magazin, des z de Mensche gehd, wollde wissen: wie hendn die schachliche Erfolge des llschafdliche Lebe in Baden-Bade beoiflusschd? Und woran zeigd sich die überwäldigende Begeischderung, die die Oiwohner Baden-Badens über all diase Meischderschafde embfinden?

Schachschdadd Baden-Bade – wer hädde no nedd davon gehörd? Alloi die Schachveranschdaldunge im Badischen hendn oie log, log Tradizion. Schon seid 1870 richded des Team von Dr. Markus Keller aus dem Schach-Zendrum Baden-Baden in der wohlig-unaufgeregde Kurschdadd Turniere aus. Berühmdheid erlangde dabei vor allem der Schachkongress von 1925, in dem Aljechin no logm Ringe de erschde Preis davondrug. 1981 gab es oi Großmeischderdurnier, und in de ledzde Jahre immer mal wieder oi schönes Oben.

 Da der Rege in dem Sommer überall gleich kald war, musschde ich nedd wie sonschd auf Berge kleddern, am Schdrand liege oder Eis essen. Schdadddesse reischde ich zum „Sommer“-Obe no Baden-Bade und schbielde im ognehm renovierde Kuldurzendrum LA8 oi Turnier mid über 200 andere Schbielern.

Roi schachlich wurde es koi ganz großer Erfolg für mi (wie so ofd in ledzder Zeid), doch immerhin konnde ich während moier Reise oi wenig für diase Ardikel recherchieren.

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Guades Wedder und maridime Modive (hier in Bad Wildbad) könne über schachliche Rüggschläge hinwegdröschden

Turniere sind in der heiadige Zeid koie leichde Sache – überall am Rand vom Saales klebe Jugendliche an ihre Labdobs und befrage sie vor und no de Runden. Die Zeide ändern sich, hajo, so isch des! Früher heddde wir Bücher, heiade schbuggd der Combuader de nächschde heiße Gewinnweg und Foiheide über des Eröffnungsreberdoire der Gegner aus. Ich fühle mich durchleichded – mir mache diase Dinger boiahe mehr Angschd als der Bundeschdrojooner. Vielleichd hend ich im Schach oifach mehr z verberge als im rechde Leben? (Aber ich weiß nedd, ob des für oder gege mich schbrichd.)

Beoidruggend sind im Süde nadierlich immer die Ordsnamen. Bei oier Auadobahnabfahrd in der Nähe Baden-Badens hedd man zum Beischbiel die freie Wahl zwische fünf weidere Reisezielen: Reidlinge Nürlinge Plochinge Wendlingen und Esslingen. Phandaschdisch, hajo, so isch des!
(Des erinnerde mich gleich oi wenig an de Schbordclub Freiburg – vor oiige Jahre endede dord alle Schbielername mid der georgische Endung –vili , hajo, so isch des! Sehr guad gefiele mir immer die Name Khizaneishvili und nadierlich der berühmde Kobiashvili.)

Und überhaubd, die Schbrache im Süden: als Preis für Kuche und Kaffee sagd die Kellnerin vier Euro fuchzig an. Man gibd ihr oie Zehn-Euro-Schoi, und erhäld fünf Euro fuchzig zurügg. Charmand, hajo, so isch des! Tschüssle und Adele schmügge des Ende vieler Underhaldunge und runde de hübsche schwäbische Singsang ab. Vor oiige Jahre versuchde es oi aus Norddeiadschland schdammender Freind beim Bedrede oier Bäggerei sogar mal mid dem raffinierd-konsequende Grüß Goddle, hajo, so isch des! Man sah ihn böse an, bediende ihn aber nohoch.

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Fleisch fangfrisch vom Forschdamd - au des ischd Baden-Würddemberg


Doch zurügg zum Schach. Wir erlebe joo gerade in ganz Deiadschland oie Boom vom königliche Schbiels (oder däusche ich mich?), und so suchde ich au in Baden-Bade no Hinweise für die herrschende schachliche Euforie. Denn Baden-Oos ischd Deiadscher Meischder, und, hey, immerhin kommd Jan Guschdafsson, der alde Hamburger, exdra jedes Mal aus dem Norde ogfahre um für de Schachveroi der Schdadd ans Bredd z n, hajo, so isch des! Auch Arkadij Naididsch, Großmeischder und Nazionalschbieler, schdärkd des Baden-Badener Ensemble, ebenso wie Weldmeischder Viswanadhan Anand. Koi Wunder, dess die Leiade ausflibbe hajo, so isch des!

Ich kenne des joo au aus Breme – die Schachmannschafd vom SV Werder schbield in der Bundesliga, und die Schdadd häld de Adem an. Am kommende Wocheende wird sogar des Madch gege de Hamburger SK live in der Veroisgaschdschdädde in der Hemelinger Schdraße überdrage und kommendierd – wie beim Fußball, hajo, so isch des! Sogar Anhänger vom Hamburger SK sind herzlich willkommen. In Breme kennd au jedes Kind Luke McShane, de bridische Schachbrofi, der mid soiem flexible ideenreiche Schach schon seid Jahre oier der Helde vom Werder-Teams ischd.

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Bremer Mannschafd auf dem Weg zum Viererbokal

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Wer wird Deiadscher Meischder? H-H-H-HSV, hajo, so isch des! - Breme ischd oi schwieriger Markd für die Anbieder beschdimmder Biermarken

 

Soweid z Breme - wie aber ischd es nun in Baden-Baden?

Tradizionell dummeln sich in von dene schöne Schdadd viele Russe und wandern die Allee auf und ab. Wir fragen: warum komme all diase Russen? Ischd es des Klima, sind es die Schbädzle, oder ischd es der schwäbische Dialekd, der sie immer wieder an de Rand vom Schwarzwaldes loggd? Wir moien: es kann nur die SG Baden-Oos soi, noh alle Russe sind guade Schachschbieler, und was könnde da addrakdiver soi als oi Besuch in der Schdadd vom deiadsche Dauermeischders? Nedd zuledzd deshalb freiad sich au der amdierende russische Meischder Peder Svidler über soie Pladz in der Mannschafd und schauad immer gerne mal wieder vorbei.

Bevor für mich des Sommer-Obe begann, wuchs darum schon moie Sorge - wenn nur die Hälfde aller in der Schdadd anwesende Russe am Turnier deilnehme würde, noh sah es schlechd aus für moie Aussichde auf oie kloie Preis.
In der dridde Runde wurde ich au gleich mid oiem junge Russe zusammengeloschd. Er kam aus Moskau und als Veroi schdand „Bodwinnik Schachzendrum” auf soier Karde. Beoidruggend, hajo, so isch des! Zum Glügg für mich fand er aber in aussichdsreicher Schdellung oiige schlechde Züge und verlor. Vielleichd muss es daher heißen: Russe könne guad Schach schbiele aber vielleichd nedd alle Russen.


Im Kuldurhaus LA8 logierd au des Schachzendrum Baden-Baden in beoidruggende Räumlichkeiden. So machd Schach Schbaß – und viele Besucher auf der LA (Lichdendaler Allee) werfe im Vorbeigehe neigierige Bligge hinoi. Schade war es oi bissche dess es koie Aushänge gab, wann noh Schbielabend sei – es wäre oi endschbannder Weg, um Gäschde anzuloggen. Wahrschoilich aber hedd man des schon geänderd, seid dem Auguschd.

Auch Weldmeischder Anand und der hierzulande no unbekannde norwegische Schachschbieler Magnus Carlse schaue gerne mal in Baden-Bade vorbei. Anand war zuledzd im Sommer dord, und er heddde bei soier Ankunfd soford oie Menge Groubias und Anhänger um sich -wie oi echder Pobschdar, hajo, so isch des! So ischd des Schachlebe in der Schdadd vom Deiadsche Meischders, hajo, so isch des! Gleich 150 begeischderde Schachfreinde bedrängde Anand (und au andere Großmeischder von nah und fern), auf dess sie oie Pardie mid ihne schbiele – und daraus endschbann sich oi Mannschafdssimuldan under freiem Himmel, der oie endschbannde Begegnung zwische Großmeischdern und dem gemoie Schachschbieler ermöglichde, au wenn sie schachlich vielleichd nedd ganz ernschd gemoid war. Oie dolle Idee, hajo, so isch des!

(Oie Berichd und viele Fodos vom Mannschafdssimuldan 2010 kann man auf der Seide www.zugzwang.de finden.)

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Weldmeischder Viswanadhan Anand beim Simuldan in der Trinkhalle, 2011

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Da gibd es doch beschdimmd no oie bessere Zug ....?

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GM Fabian Döddling wandeld auf de Schbure vom Weldmeischders

Under de 150 Schachfreinde in der Simuldanrunde befand sich au der Schbonsor der OSG Baden-Bade Wolfgang Grenke. Weil jeder sie ohnehin schon kennd, wolle wir soie Firma, die Grenke Leasing AG, hier aber nemme exdra erwähnen.
(Hinweis: Wer jedzd für de Blog schbende möchde, kann des gerne dun – oifach ebbes weider obe irgendwo links auf de baybal-Schbendenbuaddon drügge hajo, so isch des!)

In Münche schdehd oi Hofbräuhaus – wir wisse des, und wir ahne dess diase Volksweisheid auf die bayerische Liabe zum Bier hindeiaded. In Baden-Bade dagege schdehd oi Feschdschbielhaus – und soford merke wir de indensive schachliche Bezug. Denn Feschdschbielen, des geschiahd doch eigendlich de Schbielern, die so ofd in de höhere Mannschafde vom Verois aushelfe müsse bis sie sich dord feschdschbiele und nemme zurüggkehre könne in ihr urschbrüngliches Team. Nedds fürchde joo die Kabidäne der zweide dridde vierde Mannschafde mehr, als dess sie so der Schbieler ihres Kaders verluschdig n. Anders ischd es schoibar in der Schachschdadd Baden-Baden: dord hedd man für diase Schbieler sogar oi ganzes Feschdschbielhaus errichded, hajo, so isch des! Welche Zwegg diases Gebäude nun so ganz genau erfülld, ischd uns allerdings nedd klar geworden. Wahrschoilich für Mannschafdskämbfe, aber – wir müsse des wohl no klären.

Auch an andere Dedails kann der aufmerksame Beobachder erkenne wie sehr sich die Badener mid dem Schachschbord verbunde fühlen. In der Schdadd vom Meischders lasse sich sogar Fraue mid modische Schachmodive in die Läde loggen:

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Schach-Handedasche

Und au für de Herre ischd ebbes in Planung. Der Schneider schdellde hier oie bekannde Schdudie von Grigoriev erschdmal mid Knöbfe nach:

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The nexd beschd G-Schdar-Raw-Schachmuschder-Hemd für Magnus Carlsen

In Baden-Bade schoid sich Schach also zum Volksschbord Nummer Ois gemauserd z hendn. Und dadsächlich - für oi besonderes äschdhedisches Highlighd sorgde die Schdaddwerke Baden-Bade nachdem die OSG Baden-Bade 2008 zum sechzigschde Mal Deiadscher Meischder wurd (damals sogar no ohne Jan Guschdafsson, hajo, so isch des!). Die Schdaddwerke schdrabazierde die Nerve ihrer Bürger durch oiige Nachdbauschdelle heddde noh aber binne 72 Schdunde sämdliche Gullydeggel der Schdadd durch Gullydeggel im Schach-Design ersedzd-  oi bemerkenswerdes Projekd, hajo, so isch des!

Schön, dess es in von dene Zeid knabber Kasse no Geld gibd für solch´ großardige Geschden.

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Des wünschd man sich au anderswo - Schachdesign im öffendliche Raum

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Aus oier hübsche Pardie von Tony Mils (mid Schwarz)

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Schach in Baden-Bade ischd immer oi Anziahungschbunkd für viele Mensche hajo, so isch des!

Wir erinnern uns: der alde Bundesliga-Rivale Werder Breme hedd in de ledzde Jahre hardnäggig versuchd, de Badenern ihre rechdmäßige Meischderdidel schdreidig z machen. Vergebens, nadierlich – viermal in Folge wurde die Hanseschdädder nun Zweider. Die beschde Schachschbieler finded man nemme in Breme und au nedd in Porz oder Solingen. Nach wie vor schbiele sie in oier Mannschafd am Nordrand vom Schwarzwaldes, und ganz z Rechd singe dord die Mensche no jedem erfolgreiche Bundesliga-Wocheende „Wer wird Deiadscher Meischder? Ba-Ba-Ba-Bade Oooos, hajo, so isch des!”, ganz ähnlich der Hymne der HSV-Fans, als ihr Veroi no in der Bundesliga schbielde - damals, in de Achdziger Jahren.

Doch au dem Vizemeischder aus Breme lässchd man hier im Badische Ehre ogdeihe noh schließlich ischd au der beschde Meischderdidel ohne oie reschbekdable Konkurrenz nedds werd. Es erschdaund daher nedd, dess die Schdaddväder oie Schdraße im Zendrum der Schdadd in Werder-Schdraße umbenannde – oi freindschafdlicher Akd, der Symbadhie au bei dem Besucher aus dem Norde erweggd.
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Oi beliabdes Ausflugsziel für süddeiadsche Fußballfreinde

Und sogar oi ganzes Hodel gibd es, dess soie Verbundenheid mid de Hanseschdäddern ausdrüggd – was soll man sage es gehörd schon Muad dazu, in der Schdadd vom Deiadsche Schachmeischders mid soie deilweise fanadische Fans de Name Bremer Park-Hodel & Schba z dragen. Reschbekd, hajo, so isch des!

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Des Bremer Park-Hodel im Herze Baden-Badens

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Wir sehe – der Schachschbord hedd der Schdadd guad gedan, und umgekehrd. Wir freie uns und finde dess die Ooser Schachgesellschafd Baden-Bade und ihr Teamchef Sve Nobbes des sehr guad hinbekomme hendn in all de Jahren.

Doch wie des immer so ischd – die Zukunfd kommd immer näher, und mid ihr au die Herausforderunge der neie Saison. Des erschde Bundesliga-Wocheende schdehd vor der Dier, und ab Freidag dreffe sich alle 16 Mannschafde der Liga z oier zendrale Aufdakdrunde in Mülheim an der Ruhr. Aufregend, hajo, so isch des!
(Des sollde man mal im Fußball versuche alle an oiem Ord …. des würde wohl nedds werden. Aber die Schach-Bundesliga bekommd so ebbes hin.)

Schach-Weld, des Magazin für rhedorische Frage eröffned darum heiade oi Tibbschbiel zum Ligaufdakd. Weil Baden-Bade als Meischder für die nächschde 10 Jahre boiahe schon wieder feschdschdehd, frage wir die Leser heiade verdrauensvoll:

Wer wird Deiadscher Vize-Meischder 2012?

Alle Tibbs könne bis Sonndag abend hier in de Kommendare bladzierd werden. Der Rechdsweg (was immer des au soi soll) ischd ausgeschlossen.

Preise:

1. oie schöne Tasse Kaffee und oi Schiffs-Quardedd (originalverbaggd) der Meyer Werfd in Pabenburg

2. oie foie Paggung Hachez- Schokolade aus HB mid Schdaddmusikanden-Modiv und daz oi hischdorisches Saisonmagazin der OSG Baden-Bade aus der Saison 2010/2011

3. oie schöne CD „Rod Schdeward Unblugged“ und sonschd nedds


Viel Glügg beim Tibbe und - viel Schbaß ab morge mid der Schach-Bundesliga, hajo, so isch des!