Schachbund trennt sich von Arkadij Naiditsch
Der Deutsche Schachbund schafft klare Fronten: Nach lang anhaltenden Querelen fällte das Präsidium am Wochenende eine folgenschwere Entscheidung. Der zuständigen Kommssion für Leistungssport wird empfohlen, Arkadij Naiditsch umgehend aus dem A-Kader zu entlassen. Das Spitzenbrett der Nationalmannschaft fiel u. a. durch wiederholt heftige öffentliche Angriffe auf diverse Funktionäre des Schachbundes in Ungnade.
Details findet man auf der Schachbundsite. Auffallend stellt man sich hinter den in die Schusslinie geratenen Bundestrainer Uwe Bönsch. der "wesentlichen Anteil am Abschneiden der deutschen Mannschaft" hatte.
Kurioserweise verabschiedet man Deutschlands aktuell unumstritten stärksten Schachspieler mit einer goldenen Nadel für seine hervorragenden Leistungen auf der Europameisterschaft. Durch sein ausgezeichnetes Ergebnis am Spitzenbrett trug er wesentlich zur Erringung des Titels bei. Mit der Ehrung durch den DSB einher geht eine kleine Sonderhonorierung von Spielern und Theorietrainer. Man bewegt sich im einstelligen Prozentbereich der 50.000 € Prämie, die das russische Team pro Spieler für den Sieg erhalten hätte oder auch den 30.000 der Armenier, allerdings im Rahmen dessen, was der Schachbund in der Lage zu leisten ist.
Hoffnungen auf weitere Heldentaten einer deutschen Nationalmannschaft muss man fürs Erste wohl begraben. Doch wurde damit immerhin der lästigen öffentlichen Diskussion ein Ende gesetzt, auch wenn das Ergebnis einseitig und unbefriedigend wirkt.
Eine Hintertür bleibt indes offen: Die Suspendierung gilt zunächst bis Mitte 2012. Dann prüft der Bund, ob sich etwas verändert hat und eine neuerliche Zusammenarbeit denkbar wäre. Ein Einsatz Naiditschs bei der kommenden Schacholympiade in Istanbul ist somit noch nicht ganz vom Tisch....
Ein Audi in Nordafrika
Welch eine Woche. Lang hat an 46 Brettern kurzen Prozess gemacht. Der Weltmeister hat sich dort, wo er seinen nächsten fetten Scheck abzocken wird, mit einem Vishywaschi-Resultat beliebt gemacht. Hou hat sich (und vielleicht mögliche Geldgeber) für einen Zweikampf gegen Judit warmgespielt. Kasparow hat sein Schulschachengegament in der FAZ erklärt. Die FIDE hat das nächste Kandidatenturnier nahezu stillschweigend in ein doppelrundiges Achterturnier umgemodelt. Fridman hat in Sachen Nationalmannschaft und DSB zu retten versucht, was an Common Sense geblieben ist. Und Naiditsch ist mal eben nach Nordafrika gedüst und hat einen Audi abgeliefert - soll keiner glauben, dass ein noch im Nachhinein so umkämpfter Europameistertitel keine Spuren hinterlässt. Sein Team Marcote war denn auch die große Enttäuschung des Finals der im von hohen Zäunen umgebenen Mellila ausgetragenen Spanischen Mannschaftsmeisterschaft. Zwei mit hochrangigen Legionären bestückte und mit baskischem Geld finanzierte Teams, Sestao und Gros Taldea aus San Sebastian, haben es dominiert. Als Einzelspieler domingierte Dominguez. Fehlt noch was?
Weltrekordversuch im Blindschach
Samstagabend, 20.15 Uhr, nach gut neun Stunden Spielzeit steht es 5:0 für Marc Lang. 41 Bretter und eine lange, sehr lange Nacht liegen vor ihm auf dem Weg zum Blindschachweltrekord. Die medienträchtige Veranstaltung wird flankiert von verschiedenen Veranstaltungen vom Simultan mit Vlastimil Hort über ein 24-Stundenblitzturnier bis hin zu einem sog. „Amateur gegen Meister“ -Turnier mit Nationalspieler Jan Gustafsson. Die Unterstützung durch unterschiedliche Sponsoren führt zu einer professionellen Aufbereitung, die auch ein Fernsehteam des SWR anlocken konnte.
Schneller, höher, weiter
Vor einem Jahr erreichte Lang den Europarekord mit 35 Brettern und schien dies im Vorübergehen erledigt zu haben, denn die nächste Steigerung fiel mit weiteren 11 Brettern deutlich aus. Es gilt den nicht bestätigten Weltrekord des Argentiniers Miguel Najdorf aus den 40er Jahren zu übertreffen. Doch ist es gar nicht einfach die beiden Veranstaltungen zu vergleichen. Möglicherweise hatte Najdorf, in den 50er Jahren einer der weltstärksten Großmeister, Zugriff auf die Partienotationen und natürlich gab es zur damaligen Zeit weder eine Elo- noch eine DWZ-Zahl, die über die Spielstärke der Gegnerschaft Auskunft geben könnte.
Jeder, der ein Simultan sehenden Auges gegeben hat, kennt jedoch die Schwierigkeiten. Bei rund 45 Gegnern muss man mit mehr als sieben Stunden Spielzeit rechnen, es kommt zu zwischenzeitlichen konditionellen Problemen, „Totphasen“, in denen der Simultangeber höchst anfällig ist, und mit zunehmender Spieldauer verlieren die Gegner oftmals die Lust. Partiefragmente bleiben zudem über Jahre hinweg hartnäckig im Gedächtnis haften.
Beim Blindschach treten diese Probleme in ähnlicher Form auf. Zwar wird der Bewegungsapparat nicht besonders beansprucht, doch die immense Dauer stellt riesige konditionelle Anforderungen an den Simultangeber und in gewisser Weise noch größere an die Teilnehmer. Mit einer normalen Schachpartie hat dies nicht mehr viel zu tun. Wer hat schon das Durchhaltevermögen, 24 Stunden am Brett zu bleiben? Sollten die Spieler die Partien ähnlich lang schleppen wie bei „normalen“ Simultanveranstaltungen kann im Extremfall mit einer längeren Veranstaltungsdauer gerechnet werden.
Was mich immer von Blindsimultanvorstellungen abhielt. war jedoch die unheimliche geistige Belastung. Miguel Najdorf wird z. B. nachgesagt, er wäre nach seiner Veranstaltung zwei Tage durch Buenos Aires gelaufen und hätte weder gewusst, wo er wohnt noch wie er heißt….
Drücken wir Marc die Daumen und hoffen, dass die Sache gut über die Bühne geht.
Aktuelle Informationen gibt es auf der gut gemachten Website.
Nachfolgend eine erste Kostprobe:
Update Sonntagmorgen, 06.59 Uhr
Marc Lang gewinnt 34,5:11,5.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser unglaublichen Leistungen und zum neuen, erstmals auch offiziell bestätigten Weltrekord!
Dit jibs ja janich - Berlin verfolgt mir!
Wenn man als Schachspieler das Universum und/ oder die Zweite Bundesliga Nord bereist, kommt man immer auch mal wieder nach Berlin. Die Stadt ist schön, irgendwie kernig und ein wenig verrucht ist sie auch. Kurt Tucholsky erzählte schon von Berlin, und ebenso Sebastian Haffner und Harald Martenstein. Berlin ist eine Stadt im Umbruch, eine Stadt voller Autos, Kunst und Geschichte, und auch meine Frau mag Berlin.
Das ist alles sehr schön, doch gibt es da ein Problem. Denn so lange ich denken kann, verliere ich meine Partien gegen Berliner Schachspieler. In der überwiegenden Zahl der Partien trete ich frustriert und mit leeren Händen den Heimweg an. Und dieser Heimweg ist oft extrem weit, gerade wenn man in Schleswig-Holstein oder Bremen wohnt! Wie der Berliner sagen würde: Det is ja JWD!
(JWD - janz weet droßn / ganz weit draußen, weit weg [ ebenso wie alle weiteren Beispiele aus dem Wikipedia-Eintrag zum Thema "Berliner Dialekt"])
Das letzte Mal erwischte es mich am vergangenen Sonntag in Oberschöneweide – ich war der Einzige in unserer Mannschaft, der verloren hat.
Ähnliches geschah auch schon in der Runde davor: der SK Zehlendorf Berlin kam stark ersatzgeschwächt nach Bremen, meine Mannschaft war dadurch Favorit und gewann mit 5,5:2,5. Der einzige volle Punkt für die Berliner kam zustande – durch einen schönen Sieg des jungen Shenja Slepuschkin gegen mich.

Berlin, ick liebe Dir - ein Blick hinter die Fassade der Stadt
Egal, ob ich mit meiner Mannschaft in die Hauptstadt reiste, oder ob Berliner bei einem Auswärtsspiel zu Besuch waren - fast immer bekam ich auf die Mütze. Es begann 1990 mit einer unheimlichen Niederlage gegen Ottilia Gant, dann folgten null Punkte gegen Thomas Hargens, Walter Becker (in nur 20 Zügen) und später gegen Stephan Giemsa.
Vor einigen Jahren stellte sich das vorhersehbare Ergebnis auch gegen Oliver Zierke ein, einen Norderstedter Spieler, den ich wohl unterbewusst noch immer als Berliner wahrnehme. Da kann dann gar nichts anderes herauskommen als eine Niederlage. Ich weiß es schon vorher. Schade eigentlich.
Wurde ich mit einem Fluch belegt? Stecke ich in einer Matrix fest? Vielleicht bin ich auch unfreiwillig Teilnehmer an einem vom Berliner Schachverband durchgeführten Langzeittest. Doch was ist der Sinn? Und wie komme ich da wieder raus? -
Ikritni hin. Kannstma kiekn? – Ich kriege es nicht hin. Kannst du mal gucken?
Natürlich gab es auch Ausnahmen, Lichtblicke, Augenblicke der Hoffnung. Die eine oder andere Blitzpartie lief mal rund, und ein (wenn auch leicht glückliches) Remis gegen Robert Rabiega auf dem Travemünder Open tat sehr gut im letzten Jahr.
Mein allererstes Spiel in Berlin erlebte ich mit dem MTV Leck 1985. Wir fuhren zu fünft mit einem VW Polo viele Stunden lang durch die DDR und spielten am nächsten Tag gegen den SK Lasker Steglitz II. Meine Partie endete mit einem unerwarteten Unentschieden – ich glaube, mein Gegner bot nur Remis, weil er gerne zu einer Geburtstagsfeier aufbrechen wollte.
Mein alter Verein, der Lübecker SV, hat immer mit guten Ergebnissen gegen Berlin gespielt. Oft verbrachte man zuvor die halbe Nacht beim Würfelspiel in der Kneipe, so dass die gesamte Mannschaft einmal beinahe den Kampf verschlafen hätte. Nur weil ein Mannschaftskollege aus den USA anrief, um am Morgen noch Glück zu wünschen, ist das gesamte Team noch so gerade rechtzeitig vor Rundenbeginn uffjewacht. Unnötig zu erwähnen, dass Lübeck auch dieses Match gewann.
So war das vor 20 Jahren, doch schon ganz anders ist es heute. Meine persönliche Hauptstadtbilanz lautet: Ick mach´ nich ville Punkte jejen Berliner. Und vor allem in der Zweiten Liga hält mich der Berlin-Komplex fest in seinen (Bären-) Klauen.

Da ist er wieder, der gefürchtete Berliner Bär
Fade Bilanz der letzten zwölf Zweitliga-Spiele (Saison 2010/2011 und 2011/2012)
- Fünf Unentschieden in den Spielen außerhalb Berlins: je eines gegen Rostock, Lübeck, Hamburg, Halle, und eines gegen den SK König Tegel (große Überraschung).
- Und dann: sieben mal verloren. Unheimlich - denn sechs (!!) dieser Niederlagen kamen zustande gegen Berliner Vereine. Was ist da los? Der tückische Trend zur Verlustpartie bestätigte sich gegen die SF Berlin II, den SK Kreuzberg, den SK Zehlendorf, Rotation Pankow, nochmal SK Zehlendorf und nun ooch gegen die TSG Oberschöneweide!

Hier spielt man Schach in Oberschöneweide - direkt an den Gestaden der Spree
Die siebte Verlustpartie folgte zwar gegen den SK Neukloster, einen kleinen Ort bei Wismar - aber aus Bremer Sicht liegt ja auch das schon ziemlich nahe dran an Berlin.
Hier ein Beispiel von vielen:

Lutz Mattick - Olaf Steffens, SK Kreuzberg - Werder Zwo 2010
Nach einigem Gemogel hoffte ich hier noch vage auf 32….. Sh5-g3, um nach 33.fxg3 die Dame nach e2 zu spielen und zu remisieren. Ansonsten droht auch diffus 33.... Sxf1 und 34....Ta2-a1.
Lutz aber antwortete souverän wie immer mit 33.Dc6-c7+. Nach 33…. Kh7-g8, 34.e5-e6!, Sg3xf1 35.Dc7-f7+, Kg8-h8 folgte noch 36.e6-e7 , und schon wieder war es vorbei für mich. Nüscht geholt. Keine Punkte in Berlin. -
Keine Frage – alles gute Gegner in der Hauptstadt! Dennoch: ohne die Berlin-Kämpfe hätten mir meine Saisonergebnisse noch ein wenig besser gefallen.
Was ist das große Geheimnis des Berliner Schachs?
Gerne würde ich Ilja Schneider oder Dirk Paulsen als Kenner der Szene dazu befragen! Doch auch so ganz aus dem Bauch heraus fallen mir mehrere Gründe ein für den überlegenen Berliner Schachstil:
- eine Vielzahl von Schach-Cafés, bei denen (wer weiß, wer weiß), auch mal um Geld gespielt wird
- eine gesunde Blitzhärte durch so manches Wochenend-Turnier in der großen Stadt
- Levon Aronian ist manchmal in der Stadt (und gewinnt mit seinem Team dann auch gleich 6:2 gegen Werder Bremen)
- die Russen haben nach dem Zweiten Weltkrieg die Russische Schachschule nach Berlin gebracht
- Berliner können gut Varianten berechnen
- Der Deutsche Schachbund hat seine Zentrale in Berlin, und ebenso die Zeitschrift Schach.
- Berlin - Stadt des Europapokals! Frank Hoppe (und ein paar andere auch) haben vor kurzem dafür gesorgt, dass die Siegertrophäe der Europameisterschaft nun an der Spree steht. Auch das beflügelt den Berliner Schachspieler.
- die besondere Berliner Direktheit und auch der charmante Singsang der "Berliner Schnauze" können einschüchternd wirken auf Spieler aus anderen Regionen (zum Beispiel aus ... Bremen)
Was kann man tun? Wo ist es noch sicher?
Gegen meinen Berlin-Komplex hilft wahrscheinlich wie immer ein gesundes Trainingsprogramm. Vielleicht kann man mit Taktik, Endspielwissen und solidem Eröffnungswissen den gemeinen Berliner Schachspieler doch irgendwann mal zu Fall bringen. Falls das nicht gelingt, könnte auch ein Mentaltrainer ("Fit im Kopf!") die Lösung sein.

Training hilft immer (hier im Bremer Lagerhaus) - und man kann auch Traubensaft dabei trinken
Doch bevor es losgehen kann mit so einem Training, bleiben wohl nur kurzfristige Lösungen:
- Ich könnte zurückgehen in die Oberliga Nord-West. Sie dehnt sich im Osten nur aus bis Göttingen und Uelzen – dieses Terrain scheint noch sicher zu sein. Sicherer wäre höchstens noch die Landesliga Niedersachsen. Keine Berliner.
- Oder ich könnte in der Erstliga-Mannschaft des SV Werder anfragen – immerhin werden in der Bundesliga nur 2 von 15 Spielen gegen Berliner Mannschaften ausgetragen. Da könnte ich vielleicht ´n bisscken pausieren, und in den übrigen Runden unbefangen ans Brett gehen.
- Vielleicht ist auch der Europapokal der Mannschaften etwas für mich ? Immerhin ist es dort international! Und doch – auch dort sind irgendwie immer die Berliner Schachfreunde mit dabei. Selbst dieser Wettbewerb wäre für mich nicht ganz sicher.
Möglicherweise haben die allseits geschätzten Leser des Schach-Welt-Blogs noch weitere gute Ideen zu meiner Rettung? Bitte immer her damit – es soll Euer Schaden nicht sein!
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Wir enden für heute mit einer landestypischen ....
Berliner Klopsgeschichte
Ick sitze hier und esse Klops
uff eenmal kloppt’s.
Ick staune, kieke, wundre mir,
uff eenmal jeht se uff, die Tier!

Nanu, denk’ ick, ick denk’: Nanu,
jetzt jeht se uff, erst war se zu!
Und ick jeh’ raus und kieke,
und wer steht draußen? … Icke.
Schaut auf diesen Mann!
Nach dem nicht unbedingt vom Hocker hauenden Moskauer Turnier zurück zu den Ereignissen, an die man sich vielleicht noch erinnern wird: Samstag in aller Frühe startet Marc Lang seinen Weltrekordversuch im Blindsimultan an 46 Brettern. Anders als vor zwei Jahren, als der Günzburger den Deutschen Rekord brach, hat er sich intensiv und durchdacht vorbereitet. Der Schachbund hat einen Vorbericht mit Fotos. Es gibt einen Eventblog und eine Liveübertragung - ich würde mal rechnen bis Sonntag mittag. Bei seinem letzten, dem europäischen Rekord an 35 Brettern, ging für den "Blindsimulanten", wie er sich gerne nennt, alles glatt. Lang (der auf diesem Blog auch noch einen weiteren Fan hat) musste in keiner Partie in ein langwieriges Endspiel. Das wird sich dieses Mal kaum wiederholen. Mein Tipp: es wird viel, viel schwerer, aber er schafft es. Ich halte die Daumen!
WM-Fieber schafft man so jedenfalls nicht
Boris Gelfand hat Freunde in Moskau. Einer von ihnen ist der Hauptsponsor oder vielleicht eher Mäzen seines WM-Kampfes gegen Anand im nächsten Jahr. Was Gelfand derzeit gleichenorts beim noch bis Freitag laufenden Tal-Gedenkturnier zeigt, lässt wenig Gutes für den WM-Kampf erwarten. Er teilt den letzten Platz und dürfte dort auch kaum noch wegkommen. Das ist zu wenig für einen WM-Herausforderer. Für die WM ist das Antiwerbung. Auch Anand reißt sich in Moskau kein Bein aus. Er liefert ein Remis nach dem anderen ab. Er hat den zweiten Platz in der Weltrangliste an Aronjan schon so gut wie verloren. Das ist zu wenig für einen Weltmeister. Beide haben im Turnier noch keine Partie gewonnen. Im Januar sind Anand und Gelfand beide in Wijk aan Zee dabei. Möglicherweise ihr jeweils letztes Turnier vor ihrem WM-Kampf. Viel erhoffen dürfen wir dann von beiden nicht. Okay, sie sind Veteranen, über vierzig, und geben ihr Bestes nur, wenn es am wichtigsten ist. Aber sie dürfen sich nicht wundern, wenn wir derweil von aufregenderen Gefechten träumen und uns die übernächste WM nicht bald genug sein kann.
Was ich dem DSB nicht vorschlug
Der DSB rief bezüglich der Fragen um die Nationalmannschaft zu einer öffentlichen Umfrage „Sie fragen, wir antworten!“ auf! Anonyme sind aber wie zu lesen ist („Ihre Fragen schicken Sie mit Ihrem Vor- und Familiennamen – nur diese werden beantwortet – bitte bis 30. November an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. “) ausgeschlossen.
Da mich das als Österreicher rein gar nichts angeht und mich nur ärgert, dass die Deutschen einen Jahrhunderterfolg besser als wir Österreicher zermatschkern können, schrieb ich folgendes Email NICHT an den DSB:
Sehr verehrter, hochwohlgeborener Herr Präsident!
Vorerst möchte ich Ihnen herzlich zu Ihrer Wahl gratulieren, die meiner Meinung nach viel zu spät erfolgte, denn unter Ihrer Präsidentschaft kommen nun endlich jene Erfolge, die dem deutschen Schach schon lange zustehen, zu Stande. Der Gewinn des Mitropa Cups und der Europameisterschaft zeigt, dass Sie genau auf dem richtigen Weg in eine glorreiche Zukunft des deutschen Schachs sind. Leider führte der Erfolg nicht zu der gewünschten Harmonie und es müssen noch Probleme, deren Ursachen in der Vergangenheit und damit nicht in Ihrer Verantwortung liegen, gelöst werden. Aus dem Fußball ist Ihnen sicherlich die Usance bekannt, dass es leichter ist den Trainer zu feuern als die Mannschaft. Aber warum nicht den mutigen Schritt wagen und die aufmüpfige Mannschaft zu ersetzen, wie dies ein mexikanischer Fußballklub schon angedacht hat.
Natürlich besteht dann die Gefahr - wie bei der Olympiade 2010 - dass der sportliche Erfolg nicht darstellbar ist, wenn man eine B oder gar C Mannschaft zum Bewerb schicken muss. Als Lösung schlage ich vor, Spieler die bereits einen starken Deutschlandbezug haben in die deutsche Nationalmannschaft zu integrieren. Als erster bietet sich hier der schon bewährte Rustam Kasimdzhanov an, der die Mannschaft schon zur Europameisterschaft führte und er könnte natürlich dann seinen Schützling Viswanathan Anand mitbringen, der in Wirklichkeit nicht der Tiger von Madras, sondern ein waschechter Chesstiger aus der Karnevalstadt Mainz ist. Dass dem Berliner Levon Aronian ein Fixplatz zusteht ist ebenso klar wie jener für den vielfachen Dortmundsieger Vladimir Kramnik mit seinem deutschen Manager. Das erste Ersatzbrett geht dann an den netten „Gusti nationale“ um für eine positive Stimmung auf seinem Blog zu sorgen!
Nationalmannschaft: Anand, Aronian, Kramnik, Kasimdzhanov
Mit dieser Mannschaft braucht man dann auch beinahe kein Glück bei zukünftigen Bewerben – es genügt allein die Teilnahme, um Erfolge zu garantieren. Mittelfristig sollte man daran denken auch Magnus Carlsen in die Nationalmannschaft einzubauen – kurzfristig genügt es den Alterspassus (keine Spieler über 40), der ohnehin diskriminierend ist, aus den Bestimmungen zu streichen.
Nun bietet sich Ihnen die einmalige Möglichkeit es allen Recht zu machen! Die aufmüpfigen Spieler wurden bereits aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen und nun können Sie sich daran machen die Forderung nach einem neuen Bundestrainer ebenfalls zu erfüllen. Da Ihrem Vorgänger es nicht gelungen ist, die größten K‘s der Schachgeschichte an der FIDE Spitze zu etablieren, steht der Weg offen für einen Teammanager Karpov für das Organisatorische und Politische und einen Bundestrainer Kasparov, dessen Eröffnungskenntnisse und -datenbank legendär sind – zudem könnte er das zweite Ersatzbrett als selten spielender Kapitän besetzen, falls er wie viele andere Sportler über 40 den Rücktritt vom Rücktritt machen sollte.
Teammanger Karpov – Bundestrainer Kasparov
Da nun jegliche Probleme mit der Nationalmannschaft zweifelsfrei geklärt sind, müssen Sie sich nur mehr der Kommunikation und Außenwirkung widmen und auch diese radikal umstellen. Als erste Maßnahme ist die Durchsetzung des Hausrechts des DSB klarzustellen. Kein Schachspieler darf sich – auch nicht im privaten Bereich – in irgendeiner Form negativ über Schach und schon gar nicht Schachpolitik äußern. Da aber schon der Begriff „negativ“ nicht positiv ist und auch zu Diskussionen führen könnte, gilt ab sofort das totale Äußerungsverbot für alle Schachspieler, Funktionäre, Blogger, usw. Nur positive Jubelmeldungen mit vielen Fotos am besten ohne Text – das verringert auch die Anzahl der Rechtschreibfehler – dürfen in Zukunft auf der Homepage des DSB und untergeordneten Partnerseiten veröffentlicht werden! Denn ein Bild sagt mehr als tausend Worte! Und ein Präsidentenfoto mit einem oder mehreren Pokalen – was will man da noch mehr?
Da man die Bloggerszene leider nicht vollständig kontrollieren kann und diese Anonymen ziemlich lästig sein können und überall ihren Senf, Kren oder sonst was dazugeben müssen, ist es notwendig auch dort meinungsbildend präsent zu sein. Ich schlage daher vor, dass Sie sich zwar öffentlich niemals zu nichts äußern, aber gerade deswegen mit verschiedenen wechselnden Pseudonymen an diversen Blogdiskussionen teilnehmen und dort auch bei konträren Diskussionen beide Standpunkte einnehmen zu können, denn nur so können Sie sicherstellen, dass Sie schon vorher wussten was richtig oder falsch war! Wie schon bei der Problemlösung Nationalmannschaft gilt: nur wer beiden Seiten recht gibt, steht als Gewinner da!
Hausrecht – nur Jubelmeldungen – keine Kritik
Wie sollte man das alles finanzieren höre ich die Kritiker, die es nun bald gar nicht geben dürfte, dennoch fragen. Auch das ist ganz einfach! Da Beitragserhöhungen beim Schachvolk nicht gut ankommen, Sponsoren schwer zu finden sind und auch noch Gegenleistungen wollen, muss auf eine sichere Einnahmenquelle umgestellt werden: einer Partieabgabe von lächerlichen 10 Cent pro Partie. Das können sich sogar die knausrigsten Schachspieler leisten.
Wie uns zuverlässige Statistiker – auch undiplomatische – sagen, werden alleine am deutschen weltgrößten Schachserver täglich um die 200.000 Partien gespielt, daneben gibt es noch den weltgrößten browserbasierten Schachserver ebenfalls mit Sitz in Deutschland und natürlich werden auch anderswo in Deutschland in Klublokalen, Kaffeehäusern, privaten Wohnungen, etc. täglich unzählige Partien gespielt. Bei vorsichtiger Schätzung von 300.000 Partien täglich ergeben sich Jahreseinnahmen von über 10 Millionen Euro (30.000 Euro täglich).
Finanzierung: Partieabgabe von nur 10 Cent
Sollten sich dennoch Finanzierungsprobleme ergeben, sollte man auch noch checken, ob nicht auch Analysestellungsabgaben, Taktikstellungsabgaben, Tablebase- und Enginestellungsberechnungsabgaben als Einnahmequellen zu erschließen wären.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Ihr ergebenster gschamsta Diener
Krennwurzn
ANHANG
Zur Unperson
Krennwurzn, geht seit einem Jahr = Jahrgang, Volksschulabschluss, Tanzkurs, österreichischer Dauernörgler, größter schachlicher Erfolg: Remis gegen Kasparov in Gewinnstellung (2006)
Sprachliche Eigenheiten
Da sich die Deutschen und Österreicher vor allem durch die gemeinsame Sprache unterscheiden (Karl Kraus):
Thema Anonymität
Hier möchte ich auf die bemerkenswerten Zeilen des Schachfreundes „hiphappy“ verweisen - danke für die schöne Ausformulierung:
Zur bösen Anonymität: auch ich werde hier nicht mit meinem Namen unterschreiben. Ein Pseudonym (welches ich seit knapp 10 Jahren verwende) reicht, einigen ist meine Identität bekannt, und wer will, kann meinen Namen wahrscheinlich binnen einer Minute ermitteln. Trotzdem muss ich nicht ALLES mit meinem Namen in Verbindung bringen (Stichwort: neuer Arbeitgeber und Google: der kann nämlich diverse Diskussionsbeiträge unter Umständen überhaupt nicht richtig einordnen). Das halte ich für mein und jedermanns gutes Recht. In jedem regelmäßig geführten Blog/Forum hat man nach kurzer Zeit raus, wer sinnvoll schreibt und wer nicht. Ob da nun realer Name oder Irgendwas steht ist völlig unerheblich.
Schachlicher Erfolg
Remis gegen IM Sergej Kasparov bei einem Onlineblitzturnier – gegen den Garry würde ich mich wohl gar nicht spielen trauen und die Stellung war vorher natürlich für mich verloren.
Zum Nachspielen einfach in ein Schachprogramm kopieren oder als PGN abspeichern.
[Event "Wertungspartie, 5m + 0s BLITZ"]
[Site "SCHACH.DE Offiziell B"]
[Date "2006.01.20"]
[Round "2"]
[White "Krennwurzn"]
[Black "Masis"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "A57"]
[WhiteElo "1718"]
[BlackElo "2647"]
[SetUp "1"]
[FEN "8/1r2pk2/p2p1p2/P2P2p1/4P3/5PK1/qpQ3P1/1R6 w - - 0 45"]
[PlyCount "23"]
[EventDate "2006.01.20"]
[EventType "blitz"]
{Masis = IM Sergej Kasparov - Sie dachten doch wohl nicht an Garry - es war für mich das schon ein toller Erfolg :-))} 45. e5 {in verlorener Stellung darf man alles spielen!} dxe5 $4 {oops -der hat die Partie schon abgehakt} (45... Qxd5 $19) 46. Qh7+ Ke8 $4 und Remis will er auch nicht} (46... Kf8 47. Qh8+ Kf7 48. Qh7+ {Dauerschach}) 47. Qg8+ {GEWINNSTELLUNG} Kd7 48. Qe6+ Kc7 (48... Kd8 49. Rh1 $18 {wird matt}) (48... Ke8 49. Rh1 {detto matt}) 49. Qxe7+ {Zeitnot- den Gewinn sehe ich nicht - ich mache Zugwiederholung} (49. d6+ $1 exd6 50. Qxa2 $18 {und die Dame ist weg - leichter Gewinn}) 49... Kb8 50. Qf8+ Ka7 51. Qc5+ Ka8 52. Qc8+ Ka7 53. Qc5+ Kb8 54. Qf8+ (54. Rh1 {wird schon fad - aber das wird wieder matt}) 54... Kc7 55. Qe7+ (55. Qc5+ Kd7 56. Rh1 {nicht schon wieder #6 :-))}) 55... Kb8 00:06]} 56. Qf8+ {GESCHAFFT REMIS - dem Sieg erfolgreich aus dem Weg gegangen!!} 1/2-1/2
Schach wichtiger als Watergate (2) - Zug um Zug in den Wahnsinn
Groß war die Enttäuschung als Anfang August der lang erwartete Fischer Films "Zug um Zug in den Wahnsinn" kurzfristig abgesetzt wurde.. Wohl auch aufgrund überraschend vieler Anfragen hat ARTE ihn nun wieder ins Programm aufgenommen:
Am Dienstag, dem 6. Dezember um 22.00 Uhr, ist Showtime. Bis 12.Dezember ist die Sendung noch online:
http://videos.arte.tv/de/videos/zug_um_zug_in_den_wahnsinn-4296374.html
Zug um Zug in den Wahnsinn - Die Legende Bobby Fischer
Dokumentation von Liz Garbus, USA, 2010
Der wohl begnadetste Schachspieler des 20. Jahrhunderts war der Amerikaner Robert James "Bobby" Fischer. Bereits mit 15 Jahren US-Schachmeister, startet er mit 29 Jahren den Angriff auf den Thron des Weltmeisters und tritt im "Match des Jahrhunderts" gegen den Sowjetrussen Boris Spasski an. Und da Schach ein klassisches Strategie- und Kriegsspiel ist, wird diese Partie in Zeiten des Kalten Krieges zum Kampf der Systeme stilisiert, den der unberechenbare Exzentriker "Bobby" Fischer gewinnt. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte dieses Matchs und porträtiert das "Schachgenie" Fischer.
Nähere Informationen finden Sie unter http://www.arte.tv/ Rubrik Programm.
Der Cup ist zu Hause!
Eine weite Reise hatte er hinter sich. Nun steht er endlich in meiner Wohnung und ich blicke voll Freude und Verzückung täglich auf dieses schöne Stück. Aber ich möchte jetzt nicht abschweifen und den kleinen Pokal glorifizieren, den ich vor zwei Wochen auf einer Familienparty bekommen habe.
Carlsen vs Die Englische Eröffnung
In vielen Schachpartien können sich die Beteiligten nicht einigen, wie das Spiel denn nun ausgehen soll: Mit einem Sieg für Weiß? Oder lieber mit einem Sieg für Schwarz? Und weil sie einfach keine Lösung finden, bleiben die Spieler unentschieden - und so endet dann auch die Partie.
Nun ist ein Remis als solches ja noch kein ganz und gar verwerfliches Ergebnis. In vielen Mannschaftskämpfen sichert ein halber Punkt zur rechten Zeit den knappen 4,5: 3,5- Erfolg. Und auch die letzte Europameisterschaftspartie von Jan Gustafsson gegen Gabriel Sargissian endete mit einem Remis - und trotzdem haben wir uns gefreut!
Unheimlich allerdings: immer und immer wieder ist es besonders die Englische Eröffnung 1.c2-c4 (in Bremen und der Welt auch bekannt als Bremer Partie), die notorisch zu einem unentschiedenen Partieausgang führt.
Wir wollen ja nichts beschreien, doch zeigt eine gefühlte Statistik auf, dass mehr als die Hälfte der Englisch-Partien mit einer freudlosen Punkteteilung endet. Und es wird sogar noch schlimmer: in mehr als der Hälfte dieser Remis-Partien passiert auch nicht sehr viel - außer Symmetrie, Symmetrie, Symmetrie, und dem berüchtigten weißen Bauernaufzug b2-b4-b5 "mit Damenflügelangriff".
Was soll man da noch sagen? Capablanca hat schon gewusst, wovon er sprach, als er dereinst das Ende des Schachspiels herannahen sah. Spielt Englisch - und der Vereinsabend geht früh zu Ende.
Das war in kurzen Worten der aktuelle Stand der Vorurteile gegenüber der Bremer Partie, und ja, das alles musste hier nochmal gesagt werden. .... Doch halt - schon müssen wir unser Urteil korrigieren! Denn Schach-Welt.de wäre nicht Schach-Welt.de, hätten wir nicht unsere Ohren überall und auch in Moskau, wo in diesen Tagen einige der besten Schachspieler des Planeten zusammenkommen, um den 75.Geburtstag Mikhail Tals durch ein Turnier zu würdigen.

Tal gegen Fischer auf der Schach-Olympiade in Leipzig, 1960
(Photo: Ulrich Kohls, Deutsches Bundesarchiv, mange tak!)
Und wie es der Zufall so will, saßen sich in der dritten Runde dieses Wettbewerbs zwei Helden des Schachsports gegenüber - Vladimir Kramnik, der vor kurzem durch Tal-haftes Spiel das starke Open in Dortmund gewann, und Magnus Carlsen, von dem man vieles behaupten kann, aber nicht, dass er langweiliges Schach spielen würde. Und was sollen wir sagen - beide trafen an diesem Freitag aufeinander, und sie spielten eine ... Englische Partie!
Es wird kaum jemanden überraschen, dass es Kramnik war, der in dieser Partie 1.c4 eröffnete. Und es wird auch niemanden überraschen, dass diese englische Partie so wie fast alle englischen Partien der Weltgeschichte mit einem Remis endete. Doch die Art und Weise, wie dieses Unentschieden zustande kam, war eine Hommage an das unternehmungslustige, mit viel Energie und Freude gespielte Schach von Mikhail Tal. So macht sogar 1.c2-c4 Spaß! (Vielleicht muss ich es mir doch nochmal ansehen, bei Gelegenheit.)
Kramnik,Vladimir (2800) - Carlsen,Magnus (2826)
6th Tal Memorial 2011 (3.1), 18.11.2011
1.c4!?
Vor der Entdeckung Englands war 1.c2-c4 eher bekannt als Bremer Partie. Der Bankier Carl Carls (1880 - 1958) hatte viel für die Verbreitung dieses Zug getan und ihn jahrelang überall so hartnäckig aufs Brett gezaubert, bis ihm ein Vereinskollege bei der Bremer SG den c-Bauern einfach mal festleimte. Die Zeiten waren rauh damals.
1. ....e5
2.g3 Sf6
3.Lg2 h6

Huch! Wenn ICH sowas beim Mannschaftskampf spielen würde ... Als ich noch jung war und in Schleswig-Holstein wohnte, waren solche Züge nicht ohne Weiteres erlaubt. Auch der Niedersächsischen Schachjugend, die gerade in Xanten Deutscher Meister wurde, wollen wir diesen Zug lieber nicht zeigen. Aber Carlsen ist eben Carlsen, und was tut man nicht alles, um gegen die Langeweile der Englischen Eröffnung anzukämpfen. Man muss dafür Verständnis haben.
4.Sc3 Lb4
5.e4 Sc6
6.Sge2 Lc5

Nanu, schon wieder so ein Carlsen-Zug: erst mit dem Läufer nach b4, und dann zwei Züge später nach c5. Da wird sich der Ex-Weltmeister Kramnik gewundert haben! Konkret aber lässt sich der schwarze Aufbau schwer widerlegen.
7.d3 d6
8.h3 Sh7!
Wo bin ich hier gelandet? Ist das wirklich die Übertragung von Kramnik gegen Carlsen?
9.a3 a6
10.0-0 Sg5
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Frechheit siegt? Dennoch ist Carlsens Spiel, wie soll man sagen, irgendwie eigenartig. Andererseits belegt es, dass man gegen Englisch vieles spielen kann. Manche versuchten es mit 1.... g7-g5, doch sah man auch schon 1..... Sb8-a6. Mir persönlich gefällt 1....b7-b6 2.Sb1-c3, Lc8-a6.
11.Kh2 Se6
Jetzt wissen wir, wo der Springer wirklich hinwollte. Das Feld d4 wird unter Kontrolle genommen. Alles für das positionelle Ziel!
12.f4 Ld7
13.b4 La7
14.Sd5 Sed4

Sehr hübsch - das Ende einer langen Reise.
15.Sec3 Le6
16.f5 Ld7
17.Tb1...
Und was spielt Schwarz nun .... ?
17......Sb8
Natürlich spricht nichts gegen diesen Zug. Und eigentlich hatten wir so etwas schon erwartet.
18.c5 dxc5
19.bxc5
Wieder bitten wir um einen Tipp: was wird Schwarz nun spielen?
19 .....Lc8!

Nur so geht es! Selbstverständlich schaut auch der Läufer noch mal in seiner alten Heimat c8 vorbei. Nach fast 20 Zügen ist bei Schwarz eigentlich nur eine Figur entwickelt - der Wanderspringer auf d4.
Sehen wir in dieser Partie die Widerlegung von 1.c2-c4?
20.Dh5 Sd7
21.Sa4 c6
22.Sdb6 Sxc5

Die Eröffnung ist überstanden - und Carlsens Figuren federn mit Macht ins Spiel zurück. Ab nun wird es bunt, und taktische Motive mischen sich in die bisher streng positionell gespielte Partie. Es steigt die Spannung!
Doch wie gesagt - wir können beruhigt davon ausgehen, dass es aller Wahrscheinlichkeit Remis ausgehen wird. 1.c2-c4 lässt einfach zu wenig Spielraum für andere Ergebnisse. -
Die weiteren Züge bringen wir fast ohne weitere Kommentare, da sie mit unserer Tiefen-Analyse der Englischen Eröffnung/ der Bremer Partie nicht mehr viel zu tun haben.
23.f6 g5
24.Lxg5 Sxa4
25.Sxa8 b5

Tja, was ist HIER los?
26.Le3 Lb8
27.g4 Tg8
28.Dxh6 Le6
29.Tbc1...

Sehr, sehr hübsch - mit dem Zug Tc1 richtet Kramnik seinen Blick auf den rückständigen Bauern c6. Der Ex-Weltmeister kehrt zu seinen Wurzeln zurück und sucht sein Glück im Positionsspiel.
29..... Kd7
Wenn man so will, ist das die logische Erwiderung.
30.Lxd4 exd4+
31.e5 ...
Öffnet den Weg des Läufers nach c6 ...
31...... Sc3
.. und blockiert die Zufahrt des Turmes nach c6
32.Txc3 Lxe5+
33.Kh1 dxc3

Das Gewusel geht weiter. Carlsen hat gerade auf e5 das erste Schach gegeben, und wir fragen: Wie kann Weiß nun eigentlich seine Figuren koordinieren?
34.De3!
Mit Tempo zurück in die Mitte - und von dort schon bald zum anderen Flügel. Schön gespielt!
34.......Db8
35.Dc5 Dd6
36.Da7+ Kd8
37.Dxa6 Ld4
38.Da5+ Kc8
39.Da6+

Wirklich keine ganz typische englische Symmetriestellung - doch ahnt man schon, dass hier das typische englische Remis schon wieder in der Luft liegen muss ...
39.....Kd8
40.Da5+ Kc8
41.Da6+ ½-½
Mit Unentschieden, wie so oft! Eine großartige Partie, von beiden Spielern mit Verve und wohl auch viel Spaß gespielt.
Vielleicht liegt es am Turnieralltag und den vielen Partien, die auf Ergebnis zum Sieg geknetet werden müssen - wir haben hier zumindest eine Partie gesehen, in der sich Magnus Carlsen von diesen (gefühlten) Zwängen frei machte und einfach Schach gespielt hat. Sehr inspirierend - und vermutlich das beste Mittel gegen die Monotonie des Turnieralltags!

