SCHACHWELT

Der Schach-Blog

Freitag,18 April 2014

Aktualisiert18:05:19 Fri

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Mittwoch, 14. Dezember 2011 12:18

Endspiele für den Jubilar

Nach Karpow, Waganjan, Ribli, Sax und Andersson wird an diesem Mittwoch ein weiterer Altweltklassemann, Jan Timman, sechzig. Es ist ruhig geworden um den nach Robert Hübner in den Achtzigern stärksten Spieler des Westens. Seine 26er-Zahl hat er schon vor fast zehn Jahren eingebüßt. Seine Partieanlage stimmt zwar noch, aber er verpatzt häufig gute Stellungen. In der niederländischen Liga spielte er zuletzt nicht mehr, dafür unverändert für die unaufsteibare SG Porz in Liga zwei West. Sein Interesse gilt heute mehr denn je Endspielstudien. Der Verlag New in Chess, für den er auch noch als Co-Chefredakteur des gleichnamigen Magazins aufscheint, hat anlässlich seines aktuellen Buches die schöne Tradition des Problemwettbewerbs wiederbelebt: Die besten, bis 30. Juni 2012 bei

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einlangenden Endspielstudien werden prämiert. Einziger Juror ist, versteht sich, Jan Timman persönlich. Die Studien, so sie gelungen sind, sind dann so eine Art verspätete Geschenke.

Dienstag, 13. Dezember 2011 02:48

König über Bord

koenigueberbordEs erstaunt immer wieder aufs Neue, zu welch herausragenden Schöpfungen Studien- und Problemkomponisten in der Lage sind. Dabei erfahren Sie nur eine sehr geringe Würdigung ihrer harten, zeitintensiven Arbeit, denn nur eine kleine Anzahl Schachenthusiasten erfreut sich daran. Schade eigentlich, denn gute Aufgaben unterstützen in großem Maße das schachliche Vorwärtskommen.

Bei unserem heutigen Beispiel ist der weiße König irgendwie abhanden gekommen.
Finden Sie heraus, wo er stehen muss und wer am Zug ist.

Komponist: R. Smullyan, Manchester Guardian, 1957

ZUR LÖSUNG

Montag, 12. Dezember 2011 18:06

Mitgliederschwund

Das Schachspiel hat sicher einen besonderen Stellenwert und einen besonderen Ruf – auch in der Auffassung der Gesamtbevölkerung. Es ist das Spiel, bei dem die geistigen Fähigkeiten optimal zum Einsatz kommen können. Man kann ein Kräftemessen durchführen, bei welchen, so die vermutlich gängige Ansicht, sich der Bessere auf dem Spezialgebiet des Menschen – dem Denken – herauskristallisiert.

Selbst wenn man eines Tages weiß, dass dem nicht ganz so ist, so hat diese gängige Ansicht dennoch einige Konsequenzen. Unter anderem macht es einem Angst. Jene Angst, sich dem Gegner beugen zu müssen und dessen Überlegenheit einzugestehen, gerade auf dem Gebiet der Denkfähigkeit. So wird den Schachspielern sicher stets ein gewisser Respekt entgegengebracht werden, andererseits der Zulauf nicht unbedingt (entscheidend) gefördert. Abgesehen davon, dass jeder Anfänger alsbald feststellt, dass diese Figuren mitsamt dazugehörigem Brett zwar wunderhübsch und ästhetisch aussehen, und dringend danach rufen, sie doch wenigstens einmal gekonnt über das Brett zu führen, dass man jedoch selbst nach der siebenten Trainingsstunde noch immer nicht die geringste Ahnung hat, wie man denn nun den gegnerischen König zur Strecke bringen soll bevor einen selbst dieses Schicksal – ohne jede empfundene Vorankündigung – ereilt. Zur achten Trainingseinheit erscheint man nicht mehr, in der Anerkenntnis, hinter die tiefen Geheimnisse dieses Spieles nur mit einem erheblich höheren Zeitaufwand, wenn überhaupt jemals, kommen zu können.

Nun sind beim Schach die Glückselemente vorsätzlich ausgenommen – Schach, das König der Spiele, wie man es in gewisser, aber

Robert Hübner:
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hoffentlich gelungener Abwandlung gerne nennt. Sicher, irgendwie schon wahr und man dreht eigenhändig unheimlich gerne bei allen sich bietenden Gelegenheiten die Werbetrommel. Nur sind einem die Schattenseiten sehr wohl bewusst: die Elimination der Glückselemente ist es, zu einem Gutteil.

Es bedeutet nicht nur, dass man sich nach Niederlagen so elendig schlecht fühlen kann, weil man eben auf dem wichtigsten Territorium des Menschen versagt hat – dem Denken. Ganz anders als ein Läufer etwa, der beim 100 Meter Lauf als Zweiter oder gar Letzter eintrudelt, sich dennoch damit trösten könnte, der bessere Mathematiker zu sein. Beim Niederlegen des Königs hat man sozusagen als Mensch versagt. Vergleichbar wäre dies vielleicht mit einer Gazelle, die einen Wettlauf verliert oder einem Löwen, der in einer körperlichen Auseinandersetzung den Kürzeren zieht und mit eingezogenem Schwanz davon trotten muss – falls er überhaupt noch trotten kann.

Dies hat viele Schachspieler längst dazu bewogen, sich anderen Spielen zuzuwenden. Man hat in den 80er bis 90er Jahren einen Boom im Backgammon zu verzeichnen gehabt, einem Spiel, welchem selbst die damalige Nummer 1 im deutschen Schach, Robert Hübner mit warmen, anerkennenden Worten huldigte, und er war bei weitem nicht der Einzige. Man suchte sich vorsätzlich Spiele, bei denen die Glücksfaktoren – beim Backgammon die Würfel – hinzugefügt waren, nicht nur, weil dies für unerwartete Wendungen im Spiel sorgte, was einem beim Schach gelegentlich fehlte – dies gilt vor allem für die Zuschauer, die höchstens respektvoll schauten, wie denn nun Karpov seinen Minimalvorteil verwertet, und nicht etwa, ob er, geschweige denn, ob er vielleicht gar verlieren würde, sondern vor allem, weil man bei Turnieren plötzlich Börsen erzielen konnte, bei welchen man nach hypothetischem Gewinn tatsächlich mehr als die nächsten drei Wochen, bei Brot und Wasser und im Zelt, versteht sich, überleben konnte.

Der Grund ganz einfach: Schwächeren Spieler, die bei Schachturnieren bei Erhebung höherer Startgelder abwinken würden, in der Erkenntnis, eh niemals an die (dann ausgelobten) Fleischtöpfe herankommen würden, sondern lediglich dafür sorgen würden, dass die großmeisterlichen Hyänen darüber hermachen würden, vermutlich noch in einer ihrem Gusto entsprechender Aufteilung, durch abschließende Remisen, bei denen man also nicht einmal rollende Köpfe begutachten könnte, sondern fein säuberlich und nach einer halben Stunde bereits in der Grundstellung befindliche Spitzenbretter. Nein, diese Mogelpackung, so der zur Kasse gebetene Amateur, würde man garantiert nicht finanzieren.

Ganz anders beim Backgammon, wo sogar ein Anfänger bei ausreichender Anhäufung von auserwählten Würfen durchaus in der Lage wäre, selbst den Weltmeister zur Strecke zu bringen. Hier, so beschied der (dennoch am Ende gemolkene) Laie, lohnt sich das Investment, hier, so fand er, hatte er eine faire Chance und wenn ihm das Würfelglück nicht hold war, so nutzte er jede erdenkliche Chance, seine „Pechgeschichte“ an den Mann zu bringen, als dem Gegner in dieser Stellung hier dieser unfassbare Wurf gelang. Er macht jedenfalls nicht geringeres Spielvermögen dafür verantwortlich – und zahlt, beim nächsten Turnier mit noch größerer Leidenschaft, da er doch so dicht dran war...

Vor ca. 10 Jahren lief das Pokerspiel Backgammon den Rang ab, vor allem, was den Abzug der Spitzenspieler zu diesem Spiel hin anbetrifft. Viele gerade der herausragenden Schachspieler erkannten das Problem sehr wohl: Schach – winzig kleine Börsen (siehe oben), Poker – gigantische Monsterbörsen.

Die Gründe allenthalben dieselben wie beim Backgammon erwähnt. Poker hat als Glückselement die Kartenverteilung, was jenem des Würfelns in nichts nachsteht. Poker hat gar noch den einen riesigen Vorteil, dass Fehler eines unterlegenen Spielers dann nicht recht auffallen, wenn er seine Hand, mit welcher er sinnlos ein „raise“ bezahlte im Anschluss für niemanden ersichtlich „folded“, die Karten also verdeckt auf den Ablagestapel schiebt.

Selbst professionelles Gambling in Form von Sportwetten hat einen gehörigen Zulauf erfahren, und gerade der Autor finanzierte große Teile seiner Lebenszeit durch diese Form des Spielens. Es ist auf jeden Fall möglich und beim Sportwetten gibt es einen großen Grad an Geschicklichkeit, der ausreichen kann, die Bankvorteile zu überwinden. Das Internet bietet heutzutage ein breites Spektrum an Plattformen für Online-Wetten aller Art, z. B. Live Wette auf Digibet.com

Anm. der Red.: Der Artikel spiegelt die Meinung des Autors wider. Glücksspiel kann süchtig machen.

Am 12.11.2011 organisierte ich zusammen mit dem MTV Treubund Lüneburg ein großes Simultanevent, 10 GMs/IMs spielen gegen jeweils 30 Gegner Simultan, anschließend gibt es ein Blitzturnier unter den 10 GMs/IMs. Im Folgenden möchte ich das emotionale Auf und Ab eines Organisators schildern. Dieses begann nicht erst am 12.11., sondern bereits 2 Tage zuvor...

 Donnerstag 10.11.2011.

7.00 Uhr Ehsan Ghaem Maghami ruft aus dem Iran an. Sein Flug der eigentlich um 12.30 Uhr landen soll verspätet sich.

10.00 Uhr Ehsan ruft an. Sein Flug ist immer noch nicht gestartet. Ich solle auf der Seite des Airports nachgucken und mich auf dem Laufenden halten.

16.30 Uhr Ehsan ist in Hamburg gelandet. Wir steigen in mein Auto.

17.30 Uhr Ehsan und ich sitzen in meiner Küche und fangen an zu essen.
17.35 Uhr Ich stelle fest, dass Ehsan Bier trinkt. Ehsan ist mir sehr symphatisch.
18.12 Uhr Ein befreundeter Schachspieler ruft an und somit haben wir das Übernachtungsproblem von Ehsan bis zum Bundesligawochenende gelöst.
19.00 Uhr wir sind auf dem Weg nach Lüneburg, Freunde besuchen.
19.45 Uhr Ehsan bietet der Tochter des Freundes in Gewinnstellung ein Remis an. Das Essen war lecker.
22.30 Uhr wir fahren zurück nach Hamburg. Ehsan hat morgen ein Simultan im Billstedt-Center.
23.30 Uhr Ehsan verschwindet in seinem Hotel

Freitag 11.11.2011


4.00 Uhr Ich schlafe ein. Bin nervös wegen Samstag.
8.00 Uhr Ich wach auf. Bin nervös wegen Samstag.
15.00 Uhr Ehsan und ich sind auf dem Weg ins Billstedt-Center. Wir beschließen, dass ich im Januar in Teheran ein Turnier spiele. (Im Moment bin ich mir, ob der Genialität des Einfalls, gar nicht mehr so sicher.)
15.45 Uhr Wir sind angekommen.
16.26 Uhr Ich verabschiede mich aus dem Billstedt-Center, muss heute noch David Baramidze, Jens-Ove Fries Nielsen und Judith Fuchs vom Bahnhof abholen.
17.42 Uhr Zug hat nur 5 Minuten Verspätung
17.47 Uhr David Baramidze ist angekommen. Wie immer völlig entspannt.
18.03 Uhr Setze David im Hotel ab. Alles läuft glatt.
19.00 Uhr Jens-Ove kommt bei mir zu Hause an. Er übernachtet nicht im Hotel, sondern bei uns. Ärger mich, dass ich Judith abholen muss, denn das erste Bier ist geöffnet und ich darf nicht.

20.42 Uhr freue mich, dass ich Judith abholen darf. Sehr nette Dame. Sehr entspannt. Merke, dass ich die Richtigen für das Event eingeladen habe.
20.59 Setzte Judith beim Hotel ab, wie allen anderen weiß auch sie, dass morgen 9.00 Uhr Treffpunkt ist.

21.15 Uhr Nun ist es auch für mich Zeit, dass Weizengetränk zu schlürfen.
21.30 Uhr Gewinne die erste Blitzpartie gegen Jens-Ove
23.30 Uhr bin mit einer gewonnen Partie am ganzen Abend gegen Jens-Ove zufrieden.

23.50 Uhr Versuche einzuschlafen. Bin nervös wegen Samstag.

Samstag 12.11.2011 TAG DES EVENTS!

3.00 Uhr schlafe ein. Bin nervös wegen Samstag.
10.00 Uhr stehe an der Halle. Halle ist leer.

3.34 Uhr wache auf. Nur geträumt. Bin nervös wegen nachher.
5.00 Uhr schlafe ein. Bin nervös wegen nachher.
8.00 Uhr stehe auf. Bin nervös wegen nachher.

8.03 Uhr Meine Eltern machen sich auf den Weg, Shirov vom Flughafen abzuholen
8.50 Uhr Erfahre, dass Shirovs Flug sogar zu früh landet, strike!
8.59 Uhr bin beim Hotel. Judith ist da. GM *** schläft.
9.05 Uhr bekomme einen Anruf. Es fehlen Bretter. Denke:“ Sch****“
9.10 Uhr GM *** schläft.
9.15 Uhr Ich klopfe an GM *** Zimmer. GM *** wacht auf.
9.21 Uhr Wir sind auf dem Weg nach Lüneburg.

9.40 Uhr Ein wichtiges Kabel für die Internetbretter fehlt, nicht mein Fehler, trotzdem Sch****
9.54 Uhr Bekomme einen Anruf von Michael Schönherr, er versucht, das Problem mit den Brettern zu lösen. Solche Menschen braucht das Land.
9.59 Uhr Dorian Rogozenco ruft an. Sagt er hätte eine Panne und Lubomir Ftacnik, Jonny Hector und er würden es nicht schaffen.
10.04 Uhr realisiere dass er mich verarscht hat. Könnte daran liegen, dass sein Navi ihn zur Psychiatrie geführt hat. Schwöre ihm, dass er das zurückbekommt, irgendwann.
10.05 Uhr Wir kommen an. Alles läuft einigermaßen. Hätten mehr Leute da sein können. Ist aber keine Katastrophe.
10.08 Uhr Christian Zickelbein ist auch da.
10.12 Uhr Alexei Shirov kommt an. Bin erleichter. Er hat kaum geschlafen, kommt von der EM in Griechenland. Sagt mir er braucht einen Pott Kaffee.
10.13 Uhr Er bekommt einen Pott Kaffee, will dass er sich ausruht
10.16 Uhr Reporterin vom Hamburger Abendblatt führt ein Gespräch mit Shirov. Weitere Fans wollen von ihm Autogramme. Shirov bleibt entspannt. Sehr gut!
10.22 Uhr Hände Schütteln, Fragen beantworten, lächeln. Mein Verhaltenskonzept geht auf.
10.46 Uhr Herr Deja, Präsident des MTV, Michael Langer NSV-Präsident, Christian Zickelbein und ich eröffnen die Veranstaltung.
10.47 Uhr Christian führt erstklassig durch die Veranstaltung. Bin alles in allem zufrieden.
12.30 Uhr die meisten Spieler sind fertig, nur bei Shirov ist keine Ende abzusehen. Er ist hoch konzentriert. Alle bewundern seine Einstellung.
13.42 Uhr frage Shirov, während er spielt, ob er nicht vielleicht was zu trinken oder essen haben will „NO!“ ist die Antwort.
15.12 Uhr Shirov ist fertig mit einem guten Ergebnis. Jetzt will er was zu Essen, einen Kaffee und einen Saft.
15.27 Uhr Shirov sagt man könne jetzt gerne mit dem Blitzturnier der 10 GMs/IMs.

15.46 Uhr Das Blitzturnier startet, Shirovs Partien werden Live auf Großleinwand gezeigt.
17.33 Uhr Das Blitzturnier ist beendet. Shirov gewinnt mit 8,5 aus 9 vor Ehsan und Jonny Hector.
17.56 Uhr Die Siegerehrung beginnt. Shirov gratuliert Deutschland zum Sieg bei der EM.
18.43 Uhr Alle Spieler sind zum Essen eingeladen. Alles sind gut drauf, ich freue mich über das erste Weizenbier.
18.58 Uhr Ich höre aus den Gesprächen, dass das Event wiederholt werden soll.
19.54 Uhr Christian, Shirov, Aljoscha Feuerstack und Lubomir Ftacnik machen sich auf den Weg nach Hamburg.
20.32 Uhr die Runde löst sich auf. Ehsan, Judith, Jens-Ove, David und ich entschließen den Abend in der Wohnung meiner Eltern in Hamburg, beim Blitzen, Billard spielen und einem Bierchen ausklingen zu lassen.

Sonntag 13.11.2011

1.03 Uhr Judith, Ehsan und David machen sich auf den Weg zum Event.

7.00 Uhr Aufstehen! Um 12.00 Uhr müssen Jens-Ove und ich in Viborg sein, Mannschaftskampf!

Donnerstag, 08. Dezember 2011 17:43

Neues für das Schach-Geschichtsbuch

Eine Frage so alt wie die Menschheit: Warum nur spielen wir Schach?

Natürlich finden wir, wenn man uns nur lange genug nachdenken lässt, viele sinnvolle Antworten darauf.

Wir spielen Schach,  …

1) weil Frauen auf Schachspieler abfahren (hey hey)

2) weil wir auf dem Schachbrett die Sau rauslassen können (Keine Kompromisse!)

3) weil wir GEWINNEN wollen

4) weil wir dann bei Regenwetter drinnen sitzen können

5) weil wir dabei sein wollen, wenn Deutschland Europameister wird (hurra!)

6) weil wir beim Schach Menschen treffen, die ein ähnlich schräges Hobby haben wie wir

7) weil es Spaß macht: Schach rockt!

 


Man sieht, es gibt tausend gute Gründe (von denen wir uns hier auf die ersten sieben beschränkt haben).

Doch bei aller Euphorie wollen wir nicht vergessen, dass man auch dunkle Tage erleben kann als Schachspieler.
Nigel Short, früheres englisches Wunderkind und einstiger Anwärter auf den WM-Titel, erlebte solch einen mauen Tag zu seinem Unglück erst kürzlich bei den London Chess Classics.-
Vor heimischem Publikum spielte Short gegen Ex-Weltmeister Kramnik die Spanische Partie, zauberte schwungvoll den Tarrasch-Läufer nach b5 und erreichte alsbald die folgende Stellung:

short - kramnik 1

Alles sehr unklar – Short hatte gerade seinen Läufer nach e7 gespielt, woraufhin Kramnik mit 14… a7-a6 antwortete.
Wenn Weiß nun auf f8 nimmt, gewinnt Schwarz das Läuferpaar mit 15…..a6xb5. Darüber hinaus hat der Lf8 Probleme mit der Rückkehr zu seiner Mannschaft – nach 16.Lf8 –e7 kann Schwarz mit …. f7-f6 alle Fluchtwege blockieren. Unangenehm!

Nigel Short brachte darum seinen Läufer „in Sicherheit“ und zog ihn nach a4 zurück. Ein typisches spanisches Manöver eigentlich, doch Kramnik blieb am Ball und antwortete energisch mit dem ebenso spanisch-typischen 15…..b7-b5.

short - kramnik 2


Schon hier mag Short geahnt haben, dass etwas schiefgegangen war. Ein Vorteil für ihn war jedenfalls schon weit und breit nicht mehr zu sehen. Eher schien die Stellung zugunsten des gewaltigen Kramnik zu kippen. Doch was sollte er tun - weglaufen ging ja nicht, und so blieb er eben am Brett sitzen und hoffte auf das Beste.
Es folgte

16.b2-b4, Tf8-e8
17.Tf1-e1, Lc5-b6
18.La4-b3

 short - kramnik 3

Alles wieder ok? Weiß hält die Fahne hoch, und nun soll Kramnik doch erstmal zeigen, was er so hat!
Doch auf den zweiten Blick ist es alles schon ganz furchtbar für Weiß. Und besonders furchtbar wird es für den weißen Läufer …

18…..Lc8-b7 (mit Tempo. Weiß sollte nun wohl 19.c3-c4 spielen, entschied sich aber für ...)
19.Kg1-g2, d6-d5 (!)

short - kramnik 4

Das sieht nicht gut aus! Der weiße Läufer ist einbetoniert auf dem Feld b3, und wenn man genauer hinguckt, gibt es für ihn auch keinen vernünftigen Weg mehr hinaus.

Short hat hier die Rolle des weißfeldrigen Läufers in der Spanischen Eröffnung zwar mutig neu interpretiert - doch so richtig gefallen will es uns nicht.
Nach 20.Te1-e5, c7-c6

spielte Short als guter Sportsmann noch 20 Züge weiter – das Ergebnis wird ihm aber wohl die ganze Zeit klar gewesen sein.

short - kramnik 5

                  Genug des grausamen Spiels!

Tatsächlich gewann Kramnik im 43.Zug – und wir vermuten, Schach hat ihm an diesem Tag aus mehreren Gründen (siehe oben) Spaß gebracht:

- aus Grund 2 (die Sau rauslassen),

- aufgrund von Grund 3 (GEWINNEN!) und

- wegen Grund 7 (Schach rockt!).
Vielleicht sogar wegen Grund 4 (Schutz vor Regenwetter) und 1 (Frauen!).

Nigel Short dagegen hatte zwar schon seit seiner Kindheit viel Spaß am Schach – an diesem verregneten Londoner Montag mag ihn aber ein kleines Stimmungstief ereilt haben.
Doch schadenfroh wollen wir nicht sein – wir alle machen Fehler und bauen (zum Schrecken unserer Mannschaftsführer!) unsere Figuren immer wieder gerne auf die allerunglücklichsten Felder.

Immerhin ist der Läufer auf b3 eine Figur, die es in die Schach-Geschichtsbücher schaffen kann. (Oder zumindest in unseren kleinen Blog!)

Und weil sich Short wohl ebenso wie wir darüber freuen kann, bleibt ihm zumindest Grund Nr.6 ("Andere Menschen treffen mit einem ähnlich schrägen Hobby"), um weiter beim Schachspiel zu bleiben.

Und das ist ja auch ein ziemlich guter Grund, oder?

england 1986 dubai

Das englische Team auf der Olympiade in Dubai, 1986. Ein legendäres Photo - im Hintergrund schaut Tony Miles über die Bretter, dann verschmitzt lächelnd John Nunn und Nigel Short, und überall Capri Sonne auf den Tischen! Schön auch die alten Schachuhren - DAS waren noch Zeiten. (Leider weiß ich nicht, wer der vierte Spieler ist, den wir vorne links sehen - aber er scheint gerade auf Zeit verloren zu haben!? Bemerkt hat er es aber noch nicht.)

(Photo: GFHund/ Wikicommons)

Mittwoch, 07. Dezember 2011 15:15

"Zug um Zug in den Wahnsinn" - der Film

Sie haben den Film über die Schachlegende Bobby Fischer gestern Abend verpasst? Kein Problem, ARTE wiederholt am 19.12.2012 um 10 Uhr. Nachfplgend finden Sie die Dokumentation als LIvestream von der ARTE-Website (verfügbar nur bis zum 12.12.).

 

 

Zug um Zug in den Wahnsinn

Seit seiner Erfindung im sechsten Jahrhundert gilt Schach als Spiel der Könige, als klassisches Kriegsspiel und ultimative Herausforderung an den menschlichen Geist. Im 20. Jahrhundert überragte ein Spieler alle anderen: Der Amerikaner Robert James "Bobby" Fischer wurde von Beobachtern als Schachgenie und unberechenbarer Exzentriker beschrieben. Mit 15 Jahren war Fischer bereits Schachmeister der USA, sein größtes Ziel war es, Weltmeister zu werden und es auch für ungefähr 20 Jahre zu bleiben.
1972 war es soweit: Im isländischen Reykjavík trat der 29-Jährige im "Match des Jahrhunderts" gegen den amtierenden Schachweltmeister an, den Russen Boris Spasski. Seit Jahrzehnten dominierten sowjetische Spieler die Schachweltspitze. Doch in 18 Monaten Vorbereitungszeit auf die Begegnung hatte Fischer in einer beispiellosen Gewinnstrecke von 20 Spielen eine Reihe der besten sowjetischen Spieler besiegt.
Aber in Zeiten des Kalten Krieges war das Match um den Weltmeistertitel nicht nur für die Schachwelt bedeutend. Es war gleichzeitig ein Kampf der Ideologien. Fischer und Spasski wurden in der Öffentlichkeit als Feinde wahrgenommen, die einen Stellvertreterkrieg am Schachbrett führten. Henry Kissinger, der spätere US-Außenminister, hielt es für "gut für Amerika - und die Demokratie -, einen Amerikaner als Gewinner zu haben." Und den bekam die Welt. Fischer besiegte Spasski in einem nervenaufreibenden Match und wurde Weltmeister.
Schach ist ein Spiel wie kein anderes - bereits nach zwei Zügen können über 70.000 verschiedene Figurenkonstellationen entstehen. Manche besessene Spitzenspieler leben in einer abstrakten Welt aus Figuren, Feldern, unvorstellbar vielen möglichen Zügen und Stellungen. Einige finden aus dieser Welt nicht mehr zurück ins normale Leben. In ihrem Dokumentarfilm rekonstruiert Filmemacherin Liz Garbus aus Originalmaterial und Aussagen zahlreicher Zeitzeugen die Ereignisse um das "Match des Jahrhunderts". Gleichzeitig entwickelt sie das Psychogramm eines genialen Schachspielers, der sich Zug um Zug in den Wahnsinn spielte.

Mittwoch, 07. Dezember 2011 02:19

Anand zeigt uns die Sterne

In seinem Guardian-Interview verrät Anand kaum Neues. Vermutlich die Aufregung. Nein, nicht wegen seiner Partien, die er routiniert zum Remis herunterspult, wenn er nicht gerade von Hikaru Nakamuras Königsinder schwindlig gespielt wird (die dritte Niederlage des Weltmeisters in drei Monaten), sondern vor seinem ersten Auftritt als Astronomie-Professor. Am heutigen beim London Chess Classic spielfreien Mittwoch will er uns zusammen mit John Nunn die Sterne zeigen, erklären, wie Teleskope funktionieren und sich von seiner Schlappe gegen Naki erholen. Ein Livestream ab 20 Uhr ist geplant.

Dienstag, 06. Dezember 2011 01:18

Nikolaus-Quiz: Die Leser sind am Zug

Nach all den Aufregungen der letzten Tage gönnen wir uns heute ein paar besinnliche Momente und laden ein zum versöhnlichen Nikolaus – Quiz auf Schach-Welt.de.


Die verehrten LeserInnen und Leser, der Deutsche Schachbund, Herbert Bastian, Uwe Bönsch, die deutsche Nationalmannschaft der Damen und der Herren, mein Chef Jörg Hickl, Melanie Ohme, Blitzerkönig Falko Meyer aus Hamburg sowie Rustam Kazimdschanow sind herzlich eingeladen, in den folgenden fünf Aufgaben den Gewinnzug oder ein flottes Matt zu finden.

Zu gewinnen gibt es zwei wunderschöne Werder-Bremen-Nikoläuse (siehe Photo) – man kann sie verzehren, ins Regal stellen oder einfach schnell weiterverschenken.

dsc06190

Spielregeln

1. Alle fünf Aufgaben müssen auf Zeit gelöst werden. (Uhrenvergleich: im Moment ist es gerade 23:06 Uhr Bremer Zeit.)
2. Es gewinnt der oder die Kandidat(in), der oder die alle fünf Aufgaben am schnellsten löst und dabei nicht mogelt.
3. Die Lösungen stehen im Anschluss. Man muss selbst vergleichen, ob man richtig gelegen hat. (Freiwillige Selbstkontrolle)
4. Obacht: Jede falsche Antworten kostet strenge 30 Strafsekunden extra.
5. Wem dieses Regelwerk zu kompliziert ist oder wer es nicht versteht, bekommt ebenfalls 30 Strafsekunden.
6. Wer teilnehmen will, möge seine Lösungszeit im Kommentarbereich vermerken. (Aber: Registrierungspflicht, tut uns leid!) Bitte beachten: sollte das Ergebnis unrealistisch erscheinen, wird es unter Umständen nicht gewertet!
7. Einsendeschluss: Drei Tage nach Ablauf des Nikolaustages (mit Ablauf des Freitag, 9.Dezember). Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, auch für Juristen.

Nun viel Spaß, und – eine schöne Vorweihnachtszeit!

(Hinweis: Gemogelt wird nicht! Wer irgendwie mogelt, den setzen wir beim nächsten Turnier eigenhändig matt.)

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Bevor es losgeht, bitte nochmal schnell ein Uhrenvergleich, und dann kann es losgehen.

Anfangszeit (mit Sekunden!) bitte hier notieren: ___________________________

schachuhr by bragcat

Als es noch kein Chessbase gab: alte Schachuhr (Photo von Bragcat/ Wikicommons)

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Alle bereit? Dann läuft ab jetzt die Uhr ...


1) Schwarz am Zug gewinnt

steffens - flower


2) Weiß am Zug gewinnt

mastrovasilis - short


3) Weiß am Zug setzt einzügig matt.

studie von s.lloyd


4) Schwarz am Zug gewinnt sehr schnell

fridman - firman


5) Weiß am Zug gewinnt … (it´s a hard life)

fritz - kramnik

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Alle Lösungen vermerkt?

Bitte hier die Zwischenzeit eintragen: ______________________________


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Lösungen

(Wenn irgendwas falsch war, gibt´s 30 Strafsekunden obendrauf (!)).

1) Schwarz gewinnt mit dem schrecklichen… g3-g2 + und anschließendem Matt durch g1D (furchtbar, furchtbar, Steffens – Flower, Hastings 2002/2003).

2) Mastrovasilis – Short, EM Griechenland 2011: Weiß knackt die schwarze Stellung durch das heftige Lf8!!. Nach Dxc4 und auch sonst gewinnt das Schach auf g7.

3) Studie von Samuel Lloyd: Weiß am Zug setzt einzügig Matt durch 1.b7xa8D. Bei allen anderen Zügen kann Schwarz noch irgendeine Figur dazwischenschieben.

4) Fridman – Firman, Bundesliga 2011: Schwarz am Zug setzt matt durch das überraschende und etwas gemeine Sf4-e2.

5) Deep Fritz – Kramnik, Bonn 2006: der dramatische Zug des Weißen lautet 1.Dh7 nebst Matt. (Mehr zu Edi Wüllenweber alias Deep Fritz finden Sie hier).

Das war´s schon. Bitte (falls gewünscht) das Ergebnis im Kommentarbereich eintragen. Wir drücken die Daumen!

dsc06188

Wie schon gesagt: Vorweihnachtliche Schachbegeisterung beim Lübecker Schachverein von 1873!

           (Postkarte des Photostudios Thomas Radbruch, Lübeck, Schachfiguren von mir)

Die hitzigen Diskussionen der letzten Wochen führten in unserem Blog zuweilen zu einem unerwünscht rauen Ton. Vor allem anonyme User missbrauchten die Kommentarfunktion ohne unserem Forum einen spürbaren Mehrwert zu verschaffen. Wir sehen uns deshalb gezwungen, den Kommentarbereich ausschließlich registrierten Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.

Dabei ändert sich jedoch kaum etwas. Nach wie vor besteht die Möglichkeit im Blog wahlweise mit richtigem Namen oder auch unter einem Alias aufzutreten. Für die Registrierung wird lediglich Klarname und eine gültige E-mailadresse benötigt.

Wir hoffen damit einen Beitrag für ein freundlicheres Miteinander zu leisten und würden uns über eine weiterhin aktive Mitwirkung freuen.

Freitag, 02. Dezember 2011 02:04

WM der Fruchtlosen

Beinahe unbemerkt von der Schachöffentlichkeit fand im November die 19. Computer Schachweltmeisterschaft der ICGA in Tillburg satt.

 

Wie bei jedem Turnier gab es einen Sieger (Junior), aber interessant war vor allem die Tatsache, dass die aktuell stärksten Engines laut CEGT (Houdini, Stockfish und Co) nicht teilnahmen und Rybka ja ausgeschlossen wurde.

Hier noch kurz ein Blick auf die Abschlusstabelle:

wm19

 

Wollten die Programmierer durch die Nichtteilnahme einer Diskussion über Plagiatsvorwürfe und/oder einer Überprüfung auf Übereinstimmungen mit Fruit aus dem Weg gehen? Wollten Sie ein Statement gegen die ICGA abgeben? Warum reiste der bekannte Fritz mit holländischen Wurzeln nicht zur WM?

Viele Fragen und nur wenige Antworten – die plausibelste wäre: weil kein Interesse an einer Computerschachweltmeisterschaft mehr besteht. Es geht dort nicht einmal mehr um die berühmte „goldene Ananas“.

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