SCHACHWELT- News, Stories, Schachtraining und Schachreisen
Unser Mann bei der Schacholympiade 1980: Otto Borik
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In der Abteilung "Große Namen in kleinen Bundesländern" gratulieren wir heute dem Internationalen Meister Otto Borik - vor wenigen Tagen feierte er seinen 70. Geburtstag, so dass die Glückwünsche zwar durchaus etwas zu spät, aber dennoch von Herzen kommen.

Otto ist ja nicht nur über alle Regionen hinweg bekannt als starker Schachmeister ohne Furcht vor taktischen Komplikationen, Nationalspieler, Buchautor und Spitzenmann der Bremer Schachgesellschaft.

Auch und vor allem das Schachmagazin 64 wird von ihm und seiner Frau Annette seit vielen Jahren (um nicht zu sagen Jahrzehnten (!)) mit Umsicht, fachlicher Kompetenz und viel, viel persönlichem Engagement herausgegeben, zur Freude vieler Schachfreunde landauf und landab. Herzlichen Glückwunsch, Otto, zum siebzigsten Geburtstag!

Anlässlich des Ehrentages hat Hartmut Metz ein lesenswertes Interview mit Otto geführt, mit vielen Details aus seinem Leben und einem Blick auf das heutige Schach. Zu lesen ist es bei unseren Hamburger Kollegen von Chessbase.de , auf deren sehr gelungene Nachrichtenseite  man immer wieder mal gerne einen Blick wirft. Und hier ist der Link:

http://de.chessbase.com/post/otto-borik-feiert-70-geburtstag

Crysanten gab es für alle
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Aus gut informierten Kreisen habe ich erfahren, dass eine Rückkehr des Schachbloggers Ilja Schneider offenbar ausgeschlossen ist. Einmalig berichte ich nun über sein Turnier, bzw. nebenbei oder vor allem über mein Turnier. Beim Nico Dekker Chrysantentoernooi in Heerhugowaard bei Alkmaar gab es Blumen für alle - der Sponsor kommt aus dieser Branche. Preisgeld natürlich nicht für alle - Ilja S. rechnete wohl damit, Thomas R. absolut nicht. Letzterer profitierte davon, dass er der schlechtere Schachspieler ist - auch wenn der definitive Beweis nicht zustande kam: bei 7 Runden Schweizer System und 34 Teilnehmern gab es kein direktes Duell.

Ein Vereinskollege hatte vorgeschlagen, dass Heerhugowaard eine Reise wert ist - Achtkampf gegen etwa gleichwertige Gegner für Spieler mit Elo unter 1800, Schweizer System in der Hauptgruppe mit GMs und IMs für Elo >1900, Elo 1800-1900 konnte wählen (Deutschland gestern ja auch, aber das ist nicht Thema dieses Artikels). Ich zögerte zunächst, u.a. da Fähre um 8:00, also Treffpunkt 7:30, also Wecker klingelt um 6:30 für mich jedenfalls am Wochenende ziemlich früh ist. Aber dann habe ich doch beschlossen, zum ersten Mal seit vielen Jahren ein relativ starkes Schnellturnier zu spielen - generell spiele ich sonst nur vereinsintern, Mannschaftskämpfe und ein bisschen im Internet. Einige frühere Auflagen des Crysantenturniers waren noch stärker besetzt, z.B. waren letztes Jahr auch Ivan Sokolov, Benjamin Bok (beide spielen nun auf der Isle of Man) und Vladimir überall Epishin dabei - diesmal immerhin fünf GMs und vier IMs.

Das Teilnehmerfeld war vorab bekannt und änderte sich dann mehrfach. Gewissenhaft oder auch neugierig wie ich bin, hatte ich mich auf diverse mögliche Gegner der ersten Runde vorbereitet. Zwei Spieler aus meinem Netzwerk (Elo 1710 und 2391) nannten das Unsinn, aber ich wollte - wenn möglich - jedenfalls die Eröffnung überleben. Hohe Erwartungen hatte ich als Nummer 27 der Setzliste nicht - angesichts zuvor schlechter Form und wenig Spielpraxis bzw. Turniererfahrung rechnete ich durchaus mit 0/7. Mögliche Gegner in der ersten Runde waren, der Reihe nach: 1) FM Jasel Lopez - Jahrgang 1994, spielt für Aruba aber wohnt offenbar im europäischen Teil der Niederlande. Datenbank-Urteil bzw. meine Interpretation: unternehmungslustig. 2) FM Sybolt Strating, Jahrgang 1970, extrem solide. 3) Mariska de Mie - bei Frauen verrät man das Alter nicht. Datenbank-Urteil "unklar" da kaum neuere Partien (dazu später mehr). Nachdem sich weitere mir bekannte Spieler anmeldeten (Manuel Bosboom, Harmen Jonkman, Yochanan Afek) wurde es Freitagabend vor dem Turnier am Samstag 4) IM Piet Peelen, den hatte ich bereits mal "durchleuchtet". Und dann kam es doch anders.

Anreise wie gesagt mit Fähre um 8:00 - die Fähre geht stündlich, damit sind wir oft mal sehr früh am Ziel aber eben weniger als 60 Minuten zu früh. Anwesenheitskontrolle war um 9:45, um 9:15 war noch kaum jemand da. Vorteil war, dass wir einen Parkplatz direkt hinter dem Cafe de Swan bekamen - die sind begrenzt, andere Parkplätze ca. fünf Minuten Fussweg entfernt. Auf der Hinreise kein Problem, auf der Heimreise eventuell der Unterschied zwischen Fähre erwischen und knapp verpassen. Noch leicht schlaftrunken dachte ich "warum spielen wir eigentlich nicht in Cafe de Zwaan?" - das ist auf Texel, für mich zwei Minuten zu Fuss. Drinnen gab ein junger Herr einer jungen Dame Eröffnungstips, und zwar auf Deutsch - aha, das ist Ilja Schneider (ich wusste auch ungefähr, wie er aussieht) mit Freundin. Wieviel davon Olga Ivanova (Elo 1298) dann in ihrem Achtkampf anwenden konnte, dazu habe ich nicht recherchiert - war dann ja auch mit meinen eigenen Partien beschäftigt. Nach und nach kamen andere Spieler, einige (er)kannte ich, z.B. Piet Peelen, Harmen Jonkman mit seinen beiden Töchtern und Yochanan Afek. Ich schüttelte Afeks Hand da ich ihm zuvor schon mehrfach in Wijk aan Zee und anderswo begegnete - noch wusste ich nicht, dass ich ihm später innerhalb (auch für Schnellschach) relativ weniger Minuten noch zweimal die Hand schütteln sollte. Mariska de Mie verbreitete gute Laune - "derlei Turniere sind immer sehr gezellig !"Das kann man nicht direkt aus dem Niederländischen übersetzen - nett, gemütlich, sozial, ... usw. ?

Ilja Schneider sprach ich auch und meinte "ich schreibe hinterher vielleicht über das Turnier, Du vermutlich nicht?!". "Nee, keine Zeit, ich bin ja berufstätig. Derlei Turniere sind für mich Urlaub. Morgen schauen wir uns noch Alkmaar an, wo ist eigentlich ein schöner Strand hier in der Nähe?" Texel war ihm zu weit weg, ansonsten sind Strände in der Provinz Noord-Holland überall ähnlich - es sei denn, ein Schiff landet auf dem Trockenen (gab es mal auf Texel und mal in Wijk aan Zee) oder ein Walfisch wird angespült (gab es mehrfach auf Texel, zuletzt vor einigen Tagen). Mariska de Mie, ursprünglich aus Zaandam bei Amsterdam, hatte dann noch konkretere Tips. Dann stellte sich heraus, dass ein vorangemeldeter IM doch nicht mitspielte: erst Freitag abends fiel ihm auf, dass die Anreise für ihn 2 1/2 Stunden dauert, das war ihm zu viel bzw. zu früh. Wieder war meine Vorbereitung hinfällig, bzw. Teil 2-4) war hinfällig. Manuel Bosboom erschien pünktlich zur ersten Runde, keine Minute zu früh - offenbar kam er mit dem Fahrrad aus Zaandam (nach Heerhugowaard ca. 35km - Schach ist Sport!). Mein Turnier vorab zusammengefasst: Ich erzielte 2/2 gegen mir bekannte Gegner, und noch drei Remisen gegen mir unbekannte die durchaus auch Schach spielen können - insgesamt deutlich mehr als 0/7. Bzw. einen weiteren Gegner kannte ich durchaus, aber zuvor nicht als Schachspieler. Nun zunächst zu meinen Partien.

Runde 1 Richter (1970) - FM Lopez (2303) 1/2 - also doch Jasel Lopez. Meine konkretere Vorbereitung bestand aus "er spielt Französisch", so kam es dann auch. Er griff am Damenflügel an, ich am Königsflügel. In (mir) unklarer Stellung hatte ich Dauerschach - bzw. er konnte abweichen aber dann stünde er sicher schlechter. Darauf spekulierte ich ein bisschen, aber er war (nun) mit Remis zufrieden und ich auch. 0/7 hatte sich bereits erledigt.

Runde 2 Hans Groffen (2102) - Richter 1-0 - ein Eröffnungsdebakel, kann passieren wenn man Grünfeld spielt und nicht Vachier-Lagrave oder Svidler heisst. Danach zwei mir bekannte Gegner:

Runde 3 Richter - Marc Helder (2044) 1-0. Marc Helder ist in Noord-Holland bekannt wie ein bunter Hund, auch wenn er oft in Schwarz gekleidet ist - so auch auf diesem Foto (von Alina l'Ami):

Marc Helder AKA Herman Brood

Der ausrichtende Verein hat auf seiner Homepage noch keine Fotos - kommt offenbar demnächst aber ich bemühe mein eigenes Archiv. Dieses Foto stammt aus dem Amateurbereich in Wijk aan Zee anno 2016. Vor der Partie meinte Marc, dass er früh aufstehen musste. Gemeint war 8:30 - generell nicht sooo früh, aber tags zuvor dauerte der Vereinsabend bzw. die Vereinsnacht für ihn bis 6:00. Auch er spielte dann Französisch - das wusste ich und auch, dass es dann chaotisch wird, diesmal mit dem besseren Ende für mich.

Runde 4 Enrico van Egmond (2114) - Richter 0-1. In der Eröffnung kam mir ein Bauer abhanden - da ich dafür immerhin das Läuferpaar bekam und seine Königsstellung etwas schwächen konnte, kann man es als Opfer bezeichnen. Korrekt war es wohl nicht, aber ich konnte wühlen. Irgendwann das Läufermanöver -Le6xa2-b1-c2-d1xf3. Wenn das so geplant war, wäre es genial - aber ich versuchte eher, jedesmal einen guten oder zumindest nicht schlechten Zug zu spielen, mit dem er nicht unbedingt rechnete. Seine Bedenkzeit war bereits knapp, später überschritt er ebendiese - in inzwischen wohl ohnehin für ihn verlorener Stellung. Danach meinte er "da bist Du gut weggekommen, Thomas" - mag sein, so ist Schnellschach mitunter. Nun war ich voll im Rennen um den Ratingpreis Elo unter 2050, was die restlichen Partien vielleicht etwas beeinflusste.

Runde 5 Richter - Richard Schelvis (2078) 1/2. Meine experimentelle Eröffnung (was genau verrate ich nicht, zukünftige Gegner lesen ja vielleicht mit) funktionierte diesmal ziemlich gut - zuvor im Internet-Blitz generell eher nicht. Einmal konnte er mich auch überraschen, aber das war nicht fatal. Jedenfalls gefühlt stand ich klar besser, aber er konnte diverse taktische Drohungen parieren. Dann sah ich nicht, wie es weitergeht und bot remis - ich befürchtete ein bisschen, dass ich irgendwann (mangels korrekter Opfer) inkorrekt opfern würde.

Runde 6 Colin Stolwijk (2240) - Richter 1/2. Ich spielte quasi doch gegen Piet Peelen, oder etwa gegen Vishy Anand? Beide spielen gerne mit Springerpaar gegen Läuferpaar, und wir hatten irgendwann diese Stellung:

Stolwijk Richter

Wer steht besser? Mein einer Läufer ist auf e8 nicht allzu aktiv, der andere steht auf e5 schön aber - da ungedeckt - etwas anfällig. Springer sind trickreich, ständig drohen Gabeln oder andere Motive - hier z.B. keinesfalls -Tc8 spielen. Computer sagen dazu "ausgeglichen". Nach "gefühlt" insgesamt 60-80 Zügen (mitgeschrieben haben wir ja nicht) ergab sich ein Endspiel mit für ihn Springer und a-Bauer, und für mich schwarzfeldrigem Läufer. Beide Könige hatten zuvor am Königsflügel aufgeräumt und rannten dann so schnell es ging zum Damenflügel, es wurde remis.

Der 19-jährige Colin Stolwijk spielte früher für Heerhugowaard, nun höherklassig für Amstelveen (quasi Vorort von Amsterdam). Dass er Schach spielen kann, zeigte er (falls die Elozahl kein ausreichender Beweis ist) mit einem Sieg in der Schlussrunde gegen GM Ikonnikov.

Runde 7 Richter - IM Afek (2278) 0-1. Vor der Partie sagte ich "taktisch", dass ich für den Ratingpreis noch einen halben Punkt brauche - gemeint war "ich werde Remis zwar nicht anbieten, aber jederzeit akzeptieren". Auf Niederländisch, und das hat er vielleicht nicht verstanden (sonst reden ich und andere mit ihm Englisch - jedenfalls wenn sie Hebräisch nicht beherrschen). Oder er wollte unbedingt gewinnen, da er mit einem Sieg noch etwas "reguläres" Preisgeld bekommen sollte. Zuerst wird er "fotografiert":

Yochanan Afek Groningen 2012

Dieses Foto stammt aus Groningen 2012 - seither hat er sich äusserlich kaum verändert, ein paar Kilo mehr oder weniger fallen nicht unbedingt auf. Bekannt ist er weniger als Schachspieler, diverse andere Rollen hatte ich hier erwähnt und gewürdigt.

Zur Partie: Ich verwechselte in der Eröffnung die Züge - nach 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 g6 5.c4 Lg7 6.Le3 Sf6 7.Sc3 0-0 spielt Weiss Dd2, Le2 und f3 - das wusste ich, aber in welcher Reihenfolge? 8.Dd2?! hatte den Vorteil, dass er nun erstmals nachdachte, und den Nachteil dass ich nach 8.-Sg4 bereits Probleme habe. So wurde es nicht remis sondern ging rapide bergab - später hatte ich mit drei Minusbauern genug gesehen.

Zusammenfassend zu meinen Partien: Ich hatte durchaus etwas Glück, das braucht man im Schnellschach? Generell spielte ich schnell aber nicht zu schnell, kämpfte, verteidigte wenn nötig und nutzte die Chancen die ich bekam.

Wenn meine eigenen Partien schnell beendet waren - vor allem Runde 2 und 7 - kibitizte ich ein bisschen bei meinen Vereinskollegen, aber vor allem bei den Spitzenbrettern der Hauptgruppe. Das bekommt man nur fragmentarisch mit, einige Momente: Ilja Schneider habe ich nur in Runde 2 gegen Mariska de Mie mitbekommen, Diagramm aus dem Gedächtnis (alle Details stimmen nicht unbedingt):

Schneider de Mie

Weiss steht ohnehin gut (ich bin mir relativ sicher, dass er einen Mehrbauern hatte), ausserdem steht der schwarze Le5 etwas anfällig. Sofort Txe5 Kxe5 Ld4+ bringt nichts, wie ging es weiter? 1.b3 Txc3, und nun? Ich sah es nicht, sie vielleicht auch nicht: 2.f4! und nach vielleicht einer Minute gab Schwarz auf - egal was sie nun spielt, es kostet Material.

In derselben Runde gewann Piet Peelen (2319) überraschend gegen den Elofavoriten GM van den Doel (2585). Der Anfang vom Ende war ein "verbotenes" Schachgebot: Der schwarze König stand auf f6, Df5+ (auf diesem Feld gedeckt) ging trotz schwarzem Bauern auf e6 - wegen fesselndem weissem Tc6. Danach noch zwei Damenschachs, und zwar die richtigen, und Schwarz gab auf. Zuvor war die Partie lange "unklar" - soweit ich es mitbekommen hatte und soweit ich es beurteilen kann. In derselben Runde musste GM Ikonnikov sich gegen FM Strating mit Remis begnügen - G ist eigentlich mehr wert als F, und 2533 mehr als 2297, aber nicht in jeder einzelnen Partie. Was Ikonnikov betrifft ja auch in der Schlussrunde, aber das hatte ich nicht mitbekommen. Das waren bereits leichte Vorentscheidungen, wer das Turnier am Ende nicht gewinnen sollte.

In einer Runde verlor Mariska de Mie vorübergehend ihre gute Laune: in einem Damenendspiel mit zwei Mehrbauern überschritt sie beim Versuch, gegnerisches Dauerschach zu verhindern, die Bedenkzeit - auch das ist Schnellschach. Bei Manuel Bosboom öfters Chaos auf dem Brett, einmal ging es gegen einen nominell unterlegenen Spieler offenbar schief - das Ende hatte ich nicht mitbekommen.

Dann noch die (halbe) Entscheidung in der Schlussrunde. GM Pruijssers hatte gegen GM van den Doel einen nicht leicht zu verwertenden Mehrbauern. Er hatte irgendwann noch etwa drei Minuten, sein Gegner noch ungefähr 30 Sekunden (jeweils plus 5 Sekunden Inkrement). Er überlegte ca. 2 1/2 Minuten, dann ging es in hohem Tempo weiter und er konnte zu einem gewonnenen Bauernendspiel abwickeln. In einer ähnlichen Situation war Pruijssers bereits in Runde 1 gegen (den bereits erwähnten) Richard Schelvis - Mehrbauer, aber wie geht es weiter? Er fand, eventuell mit etwas gegnerischer Hilfe, den Dosenöffner und meinte direkt nach der Partie "war nicht einfach, da durch zu kommen".

Pruijssers Limburg Open 2017

Zu Roeland Pruijssers ein Archivfoto vom Limburg Open 2017, von Ilja Schneider habe ich keines. Das war der Endstand: GM Pruijssers und IM Schneider 6/7, GM Dgebuadze und IM Peelen 5.5, GM van den Doel, GM Jonkman, Stolwijk, de Roda Husman (Freund von Mariska de Mie, das war offensichtlich) und IM Afek 4.5, usw. - komplett hier. 3,5/7 hatte neben GM Ikonnikov, IM Bosboom und FM de Ruiter u.a. auch Thomas Richter - natürlich spielten wir unterschiedliche Turniere. Noch ein nacktes Faktum: Schneider und Pruijssers remisierten gegeneinander, Schneider ausserdem gegen Dgebuadze, Pruijssers ausserdem gegen Ikonnikov.

Erwähnenswert vielleicht noch, dass es - jedenfalls soweit ich es mitbekommen habe - keinen Streitfall gab, alles verlief freundschaftlich. Wenn Figuren mal umgekegelt wurden, dann wurden sie auf Kosten der eigenen Bedenkzeit wieder aufgestellt - fünf Sekunden Inkrement reicht dabei, um totales Chaos zu vermeiden. Anfangs gab es dazu übrigens 18 Minuten.

Nach dem Turnier sagte Mariska de Mie, dass sie zusammen mit Juan de Roda Husman viele Turniere in Deutschland spielt - "da sind wir vielleicht das bekannteste Schachpaar". Er ergänzte: "In Deutschland treffen wir auf unbekannte Gegner - interessanter als z.B. Spa (Science Park Amsterdam Open), das ist quasi eine erweiterte Vereinsmeisterschaft von Caissa Amsterdam." Turniere in Deutschland, das wusste ich da Teil meiner (dann unnötigen) Vorbereitung - Korbach, Paderborn, Bad Zwischenahn, .... . In Deutschland gibt es ja auch jedenfalls Melanie und Nikolas Lubbe, aber die spielen wohl andere (gemeinsame) Turniere.

Früher war Mariska de Mie mal Jungtalent, mein Vereinskollege (der ältere von beiden auf dem letzten Foto unten) sagte: "Ich hätte sie nun nicht erkannt - ich kannte sie als junges Mädchen, damals hatte ihre Mutter auf einem Barhocker sitzend das Geschehen 'streng' beobachtet." Dann spielte sie viele Jahre gar kein Turnierschach - Korbach im Herbst 2016 war das erste Turnier mit klassischer Bedenkzeit. In der ersten Runde traf sie da auf einen Spieler aus meinem südhessischen Heimatverein SC Gross-Zimmern - jedenfalls früher spielte er für diesen Verein. Schachlich ist er von Gross-Zimmern nach Darmstadt und Rossdorf umgezogen - alles im Umkreis von 10km - während ich insgesamt fünf Vereine in drei Ländern hatte.

Dann die Preisausreichung, nochmals hatte ich Glück: Der Ratingpreis <2250 wurde zwischen Stolwijk und de Roda Husman geteilt, dann hiess es "Vier Spieler mit Elo unter 2050 waren punktgleich. Da bliebe zu wenig übrig, also bekommt ihn der Spieler mit der besten Wertung - Thomas Richter." Etwas voreingenommen bin ich ja, aber es war durchaus nachvollziehbar, da ich nach allen Kriterien die klar bessere Wertung hatte als meine drei letztendlichen Konkurrenten. Fotografisch von meinem Vereinskollegen Gerard Postma (per Handy) dokumentiert:

Prijsuitreiking

Im Umschlag waren immerhin 50 Euro (bei 10 Euro Startgeld) - Ilja Schneider war als Titelträger startgeldfrei und bekam für den geteilten Turniersieg wohl 400 Euro - aber er hatte ja auch die weitere Anreise.

Was ich noch erwähnen sollte: 38 Jahre lang hiess das Turnier nur "Chrysantentoernooi", dieses Jahr erstmals "Nico Dekker Chrysantentoernooi". Nico Dekker, alle Jahre Sponsor und Teilnehmer, verstarb 2016 plötzlich zwei Wochen nach dem Turnier. Dekker Chrysanten ist offenbar ein Familienbetrieb, sein Bruder Jan Dekker (rechts auf dem Foto) macht weiter. Er erwähnte, dass Nico Beruf und Hobby kombinierte - eine neue Züchtung bekam den Namen "Timman-Chrysante". Er versprach auch, dass das Turnier nächstes Jahr - dann die 40. Auflage - in grösserem Rahmen stattfinden soll. Links auf dem Foto Gerrit van Oostrum, Vorsitzender des SV Heerhugowaard - an diesem Tag hatte er Geburtstag, dafür bekam er ein Ständchen aus dem Publikum und eine Flasche Whisky von einem Vereinskollegen. Auf dem Foto auch erkennbar, dass das Turnier in einem Cafe ausgetragen wurde - Bier trank jedenfalls ich erst nach der letzten Runde, Bitterballen (ungesund-schmackhafte Snacks) gab es schon vorher.

Das Siegerfoto (von Piet Konijn, erschien am 26.9. um 23:45 neben anderen Fotos auf der Vereinsseite) reiche ich noch nach:

Sieger

Roeland Pruijssers (links) bekam als Wertungsbesserer auch einen Blumenstrauss, rechts Ilja Schneider. Ilja macht auch Reklame für G-Star und bekommt dafür wohl - wenn überhaupt etwas - weniger Geld als ein norwegischer Grossmeister (der momentan auch auf der Isle of Man spielt).

Was meine Vereinskollegen betrifft: Sie erzielten in ihren Achtkämpfen zusammen mein Ergebnis - einer begann mit 1,5/3 und verlor nach der Mittagspause viermal, der andere begann mit 0/3 bzw. 0/5 und gewann seine beiden letzten Partien. Blumen gab es für alle - auch das (draussen) fotografisch dokumentiert:

Bloemen

Dann die Heimreise - obwohl wir die Preisausreichung abwarten mussten (ich hatte darauf bestanden) erreichten wir problemlos die Fähre um 18:30.

 

Ding Liren schrieb bereits Weltcup-Geschichte
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17. September 2017

Weltcup-Quiz

Beim Weltcup in Tbilisi/Tiflis leeren sich die Reihen: nach dem heutigen nicht allzu dramatischen Tiebreak kann der 124. von anfangs 127 Spielern (einer war gar nicht erst angereist) seine Koffer packen und für März 2018 andere Pläne schmieden als Kandidatenturnier in Berlin - es sei denn, er qualifiziert sich noch anderweitig, oder hat das bereits geschafft, oder ist dann als Sekundant beteiligt, oder er bekommt die wildcard. Das betrifft die Zukunft, und schon die nahe Zukunft - wer nimmt die letzte Hürde Halbfinale und qualifiziert damit sich selbst (und eventuell auch definitiv andere) für das Kandidatenturnier ist "unklar". Thema heute ist ein kleines Quiz zur Weltcup-Geschichte, kleiner Hinweis vorab: teilweise sind mehrere Antworten richtig, einige Fragen sind vielleicht Fangfragen bzw. die vorgeschlagenen Antworten sind Fang-Antworten. Die Lösungen findet man in den ganzen Wikipedia-Artikeln zum Weltcup seit 2005, eventuell auch anderswo. Und los geht's:

In welcher Hinsicht ist der - noch laufende - Weltcup 2017 einmalig?

a) Noch nie wurde, jedenfalls bis einschliesslich Viertelfinale, kein einziges Match im Armageddon entschieden.

b) Noch nie stand kein einziger Russe im Halbfinale.

c) Noch nie waren vier verschiedene Länder im Halbfinale vertreten.

d) Noch nie erreichte (mindestens) ein Asiate das Halbfinale.

e) Noch nie ist ein Spieler zur ersten Runde nicht angetreten.

Was gab es in der Weltcup-Geschichte bisher nur einmal?

a) Alle vier Halbfinalisten sind unter den ersten zehn der Setzliste.

b) Die Nummer eins der Setzliste steht im Halbfinale.

c) Nur ein Spieler aus der top10 steht im Halbfinale.

d) Ausgerechnet die Nummer 11 der Setzliste steht im Halbfinale.

Wieviele Spieler konnten bisher mehrfach das Halbfinale erreichen?

a) einer

b) drei

c) fünf

d) acht

Wieviele Spieler erreichten das Halbfinale ohne einen einzigen Tiebreak?

a) einer

b) zwei

c) fünf

d) das gab es noch nie

Wieviele Spieler aus der aktuellen top10 standen noch nie im Weltcup-Halbfinale (egal ob sie zum damaligen Zeitpunkt top10 waren)?

a) zwei

b) drei

c) vier

d) sechs

Dieselbe Frage für die aktuelle top20

a) acht

b) zehn

c) zwölf

d) sechzehn

Mitunter erreichten Spieler überraschend das Halbfinale. Wer von diesen vier (alphabetisch sortiert) hatte den niedrigsten Platz in der Setzliste?

a) Andreikin

e) Eljanov

m) Malakhov

t) Tomashevsky

Ein Spanier, ein Israeli, ein Niederländer und zwei US-Amerikaner erreichten bisher das Weltcup-Halbfinale. Was haben sie gemeinsam?

a) Alle waren unter den ersten zehn der Setzliste.

b) Alle waren zum Zeitpunkt ihres Erfolgs noch nicht 40 Jahre alt (oder immer noch jung).

c) Alle kamen in einem anderen Land auf die Welt.

d) Alle haben oder hatten (mindestens) eine Ehefrau oder Freundin aus einem anderen Land.

Wieviele der insgesamt 28 Weltcup-Halbfinalisten kamen in der Sowjetunion auf die Welt?

a) sechzehn

b) achtzehn

c) einundzwanzig

d) zweiundzwanzig

Welches Land - bei Mannschaftskämpfen durchaus mal erfolgreich - hatte noch nie einen Spieler im Weltcup-Halbfinale?

a) Aserbaidschan

b) Ungarn

c) Deutschland

d) Indien

Was geschah nur 2013?

a) Die Nummer eins der Setzliste schied bereits in der zweiten Runde aus.

b) Drei Russen stehen im Halbfinale.

c) Nakamura verlor gegen einen Spieler im Bereich 20-30 der Setzliste.

d) Drei Spieler ausserhalb der top20 der Setzliste erreichen das Halbfinale.

Was geschah nur 2009?

a) Die Nummer eins der Setzliste gewann am Ende.

b) Zwei Ukrainer stehen im Halbfinale.

c) Ein Match dauerte 18 Partien.

d) Die Nummer 50 der Setzliste erreichte die vierte Runde.

 

Zum Schluss doch noch eine Frage zur nahen Zukunft:

Viele Weltcup-Teilnehmer spielen direkt danach ein Open auf der Isle of Man (es sei denn, sie erreichen das Finale in Tiflis). Aronian allerdings nicht, was macht er stattdessen?

a) Er spielt ein Dame-Turnier (Rematch gegen Ivanchuk).

b) Er macht Reklame für G-Star.

c) Er spielt Fussball für einen guten Zweck.

d) Er heiratet.

Spartak Grigorian kämpft in der bärenstarken A-Gruppe
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Was wird mein Chef Jörg Hickl sagen? Eigentlich bringen wir hier im Blog ja keine Turnierankündigungen unter, aber ...

Das Hans-Wild-Turnier geht in seine dritte Auflage! Der SV Werder richtet in Erinnerung an seinen langjährigen
Vorsitzenden Hans Wild wieder ein fünfrundiges Turnier aus, und viele lokale und überregionale Matadore aus Bremen,
umzu (Delmenhorst! Bremer SG! Bremen-Nord, Varrel, Findorff ... !) und dem norddeutschen Raum (Hamburch!, Oldenburg)
gehen ab Freitag an die Bretter. Und - noch kann man einsteigen.

Gespielt wird in nach Spielstärke sortierten Gruppen um Preise und/ oder die Ehre (was ist dabei wichtiger!?). Ganz klassisch und
ohne Inkrement geht es von Freitag abend bis Sonntag abend durch Höhen und Tiefen:

https://www.werder.de/schach/aktuell/news/2017/svw-20170915-kra/

Leider gab es einige krankheitsbedingte Absagen - Turnierleiter Udo Hasenberg informiert daher, dass
kurzfristig wieder Plätze freigeworden sind! Nachdem die Startplätze im frühen August bereits vergeben
waren, ist es nun also möglich, doch noch in den fünfrundigen Wettbewerb einzusteigen.

Bei schriftlicher Voranmeldung ueber Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! gilt die Reihenfolge des Eingangs.
Unter allen kurzentschlossenen die am Freitag nachmittag einfach vorbei schauen, werden vorhandene
Startplaetze ausgelost. Voraussetzung dann: Eintreffen bis 17:30 Uhr (oder am Besten früher)!

Link zum Turnier: https://www.werder.de/schach/turniere/hans-wild-turnier/2017-los-gehts/

Der SV Werder freut sich auf spannende Partien, ab morgen in der Hemelinger Straße! Man weiß ja nie, aber
vielleicht gibt es auch eine Live-Übertragung im Netz. Aber, mal gucken. Vor Ort ist es sowieso immer spannender!

Matthias Blübaum beim Karlsruher Grenke Open 2016 (welches er gewann!)
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08. September 2017

Bonifratz: Go Blübaum!

Vorgestern noch bei Werder Bremen, gestern schon beim Weltcup in Tiflis/ Georgien, und heute gar im Tie-Break gegen Wesley So - ein Jahr voller Abwechslungen für GM Matthias Blübaum! Es ist die zweite Runde des großartigen FIDE K.O.-Turniers, Karjakin ist schon raus, Anand ist schon raus, ich war gar nicht erst dabei, und nach zwei sicheren Remisen spielt Matthias heute in der Verlängerung zwei Schnellpartien gegen die (nach heutigem Stand) Nummer 8 der Welt. Daumen gedrückt!

Zwar läuft mein Computer ohne Tadel, doch seit Tagen bekomme ich bei Chess24 keine Züge mehr aus Tiflis - Warteschleife, Warteschleife, und keine Diagramme. Das lag aber weniger an Chess24, die ich vor allem wegen den geerdeten Kommentaren von Jan Gustafsson (und wenn man Glück hat, im Verbund auch Peter Svidler) sehr schätze. Nein, es war ein Firefox - Java- Applet-Problem, wie ich nun gestern irgendwie bemerkte. Bevor das nun alles wieder gelöst ist mit der ganzen Technik, lohnt sich ein Blick auf andere Quellen. Und siehe da, zum Glück geht es auch ohne JAVA:

Go Blübaum

Tie-Break-Runde 1 bei Chessbomb - oben links grüßt Bonifratz                                           Screenshot: Chessbomb

Die Daumen hoch hält hier Bonifratz, ein uns unbekannter Besucher in der Chessbomb-Liveübertragung. Sein Go Blübaum! möge das Motto dieses Tages sein. Die erste Partie endete soeben ohne viel Spektakel Remis - ein anderer Besucher, Billyjoeereno, meinte dazu: "bluebaum is carrying Heart Of Tarrasch". Das klingt doch gut.

Wir freuen uns auf das Rückspiel in einigen Minuten (um 14:30 deutscher Zeit), und morgen dann begleiten wir Matthias bei der dritten Weltcup-Runde gegen Vallejo Pons! 

PS 15:46 Uhr Man kann gar nicht mehr guten Gewissens das Haus verlassen - die zweite Partie endete nach einer langen Leichtfiguren-Mélange mit einem unaufgeregten Remis. Das heißt, um 16 Uhr (MEZ) kommt die erste von zwei rapiden Schnellpartien mit nun zehn Minuten Bedenkzeit um den Einzug in die Runde der letzten 32 der Welt. Geht man da vorher noch schnell einkaufen, auch wenn es regnet? Ich fürchte nicht. 

In der Chessbomb-Gemeinde hat Matthias Blübaum (auf Englisch ja Bluebaum) schon mit Blue seinen Spitznamen weg. Ganz gelungen! Darum, was sagt User KingCarl: Go Blue! So might sing the BLUes today :-)

 

PS 16:38 Uhr Auch User King Carl kann offenbar irren - zumindest in der ersten schnellen Schnellpartie behielt So am Ende den schärferen Blick und liegt zum ersten Mal in Führung. Erster Rückstand für BLUE - aber es kommt ja noch das Rückspiel, und ein Schwarzsieg in der zweiten Partie, warum denn nicht? Gucken wir mal. Wir beenden für heute erstmal unsere Blicke nach Tiflis -  auch wenn es noch regnet, jetzt geht es los mit dem Einkaufen. Go, Blue, go!

Letzter Eintrag im WorldCup-Logbuch: Leider hat es nicht gereicht - Matthias hat groß gekämpft, doch Wesley So schaffte den Einzug in die nächste Runde. Schade! Trotzdem eine sehr starke Leistung von Matthias, der mit der Weltspitze lange auf Augenhöhe blieb. Wir freuen uns auf das nächste Mal!