Lasset die Spieler zu mir kommen: Sven Noppes und Peter Heine Nielsen
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Donnerstag, 05 Oktober 2017 17:43

Baden-Baden: Meine Familie und ich

Die OSG Baden-Baden platziert ihren kleinen Bruder Deizisau in der ersten Liga

Und schon geht es wieder los – nur wenige Monate nach dem Ende der Vorsaison werden die Figuren wieder aufgestellt, und auf geht‘s an die Bundesliga-Bretter! Deutscher Meister und Titelverteidiger ist Solingen? (nein) Hockenheim? (nein) Norderstedt? (auch nein) – es ist wie schon oft und gerne gesehen die Leasingmacht aus dem Südwesten, die von der Grenke AG (früher: Grenke Leasing AG) gesponsorte OSG Baden Baden.

Der von Mannschaftskäpt‘n Sven Noppes gemanagte Liga-Dominator

                      Größte Erfolge: Deutscher Mannschaftsmeister 2006-2015, 2017 (10 Titel)
                      (Bundesliga-Webseite)

konnte bei der Endrunde 2016 in Berlin mit Fabiano Caruana, Maxime Vachier-Lagrave, Levon Aronian und Viswanathan Anand ungefähr vier der ersten Fünf der Weltrangliste aufstellen und den Vorjahresmeister SG Solingen barbarisch hoch mit 6,5 : 1,5 vom Tisch wirbeln.

Das aber war den Schwarzwäldern offenbar noch nicht genug, immer noch scheint in Baden-Baden die Angst neben der Schachuhr zu sitzen, und was tut man nicht alles, um einen theoretisch möglichen Abstieg zu vermeiden? Man engagiert zum Behufe der größtmöglichen Königssicherheit die Nummer Eins der Damen-Weltrangliste, Yifan Hou, und setzt sie an Brett … dreizehn (!).

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Nicht nur an den vorderen Brettern hat Baden-Baden starke Spieler (Werder aber auch!)

Gleichzeitig hat der deutsche Nationalspieler Georg Meier das Team verlassen und beim Aufsteiger SF Deizisau angeheuert. Das ist indes weder räumlich noch inhaltlich ein großer Schritt, denn Deizisau liegt nur runde 85,26 km von Baden-Baden entfernt, und auch Georg Meiers Ansprechpartner werden in etwa die selben sein wie bislang. Tatsächlich wird auch Deizisau vom oben bereits erwähnten Sven Noppes als Erstem Vorsitzenden geleitet und geführt, und – ein schöner Zufall – gleichfalls ist es die Grenke AG, die mit Wohlwollen den Schachsport auch in Deizisau fördert.

Ähnlich verhielt es sich mit Philipp Schlosser, der nach langjähriger Baden-Badener Dienstzeit in der vorletzten Saison in … (und Achtung!) Deizisau eine neue Heimat fand und als Spieler seines neuen Teams nun wieder in die erste Liga zurückgekehrt ist.

Und hatten wir es schon erwähnt? GM Andreas Heimann, Nachwuchskraft bei Baden-Baden II in Ober-und Zweiter und Erster Liga, verlässt den Verein! Obwohl, nur so halb, denn auch ihn zieht es zu engen Bekannten und Schachfreunden bei ... Deizisau. Alles ganz unkompliziert. Grenke, Baden-Baden, Deizisau – we are family!


Zwei Ämter, ein Gedanke?

Aktuell haben wir somit in der Bundesliga unseres Vertrauens die interessante Konstellation, dass zwei Vereine von mehr oder weniger den gleichen Menschen, Sponsoren und wenn es ganz schlecht läuft, auch Interessen geleitet sind. Grenke Leasing hat sich dabei schon seit Jahren hervorgetan durch umfangreiche, wohlwollende und auch selbstlose Förderung des Schachsports – unseren Dank dafür!

Unbehaglich wird es allein, wenn eine Firma als Hauptsponsor mehrerer Vereine auftritt, und somit erheblichen Einfluss nehmen kann – ganz abgesehen davon, dass irgendwie ja auch noch das Personal identisch ist. Stellen wir uns Kalle Rummenigge als Geschäftsführer des FC Bayern München vor, der parallel dazu eine weitere Tätigkeit als Manager des Sportclub Freiburg innehat, und beide Clubs werden großzügig gesponsort von der Telekom – wir würden unseren Augen nicht trauen. Im Schach aber, da scheint das noch zu gehen.

Und sicher, auch die Fußball-Bundesliga hat ihre Sponsoren wie zum Beispiel Volkswagen, die in einer ganzen Reihe von Vereinen Fahrzeuge stellen, Werbung schalten, Ausstattung bereitstellen – doch zum Einen tritt VW hier jeweils nicht als alleiniger Sponsor und bei den meisten nicht als Hauptsponsor auf. Und selbst diese recht breite Streuung des Sponsorengeldes durch den Fahrzeug-Konzern wird auf der Ebene des europäischen Fußballs kritisch gesehen:

„Dennoch wird kritisch beäugt, dass VW an mehreren Vereinen Anteile hat. Keine natürliche oder juristische Person dürfe „Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem Uefa-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben“, heißt es im Reglement.“

(Lars Wallrodt, Lutz Wöckener, Die problematische VW-Macht im deutschen Fußball (Die Welt, 19.05.2015))

Alles für die große Sache – sammeln Sven Noppes und die Grenke AG am Ende Bundesliga-Vereine wie andere Menschen Briefmarken? Hören wir, was er selbst dazu sagt:

"Vor zwei Jahren gab es von Seiten der GRENKE AG die Idee, eine zweite Bundesligamannschaft zu sponsern. In diesem Team sollten besonders deutsche Nachwuchskräfte Spielmöglichkeiten erhalten. Die OSG Baden-Baden hat in der Vergangenheit verschiedenen jungen deutschen Spielern Angebote unterbreitet, kam aber selten zum Zuge. Die Kandidaten hatten jeweils Angebote, an höheren Brettern in der Liga zu spielen. In einem Topteam wie dem der OSG war eigentlich immer nur das siebte oder achte Brett denkbar. [Anm. der Red.: Eine sehr traurige Geschichte, aber so ähnlich ist es ja auch für Yifan Hou.]

Die GRENKE AG möchte mit ihrem Sponsoring um den Titel spielen, aber auch das deutsche Spitzenschach fördem und im Idealfall einen deutschen Spieler bis Elo 2750+ begleiten [Anm: Und das alles scheint bei Baden-Baden nicht möglich zu sein?]. Als man sich für die SF Deizisau als Partner entschied, war das Ziel eines schnellstmöglichen Aufstieges in die erste Liga klar definiert."

Aus: Zeitschrift Schach 7/17, Interview mit Sven Noppes

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Für alle Sammler zum Einstieg: eine sehr schöne Fußball-Briefmarke von den Faroer Inseln (Artist:Olivur við Neyst)

Es sieht so aus, als wenn hier ein völlig neues und – Kompliment dafür – innovatives Geschäftsmodell entstanden wäre. Unter dem Mantel der Jugendförderung saugt Baden-Baden offenbar die Vereine leer und platziert fremde Talente in das sehr starke Bundesliga-Bruderteam Deizisau (= Baden-Baden II). Und wenn es eines Tages mal soweit ist, schiebt man die jungen Aspiranten alsbald eine Station weiter, befördert sie vereinsintern von Baden II zu Baden I und hat es dann nicht mehr so schwer, die jungen Leute wirklich in den Verein zu bekommen. Die Bindung wird ja schon lange vorher aufgebaut, mit dem Gang zu Deizisau, dem Badener „Farmteam“ (Till Schelz-Brandenburg in Schach 7/17).

Sollte es dort aber nichts werden mit dem ganz großen Schach, wandern sie eben wieder zurück zur …. man ahnt es bereits, Schachfarm Deizisau, so wie es Philipp Schlosser, Georg Meier und Andreas Heimann bereits ganz unbürokratisch getan haben. Bei Deizisau steht zwar nicht Baden-Baden drauf, doch immerhin ist Baden-Baden drin.

Blättern wir dazu kurz durch die Esslinger Zeitung vom 12.August 2017:

"Noppes konnte Vincent und seine Eltern überzeugen, in Zukunft für Deizisau zu spielen. Warum für den Aufsteigerund nicht gleich für die Weltauswahl in Baden-Baden? Noppes hat eine Vision. Als Gegenstück zu der mit internationalen Großmeistern gespickten Mannschaft von Baden-Baden will er ein Team der Zukunft aufbauen, in dem sich aufstrebende Talente weiter entwickeln und früher oder später selber eine führende Rolle in der Bundesliga spielen können.

Deshalb hat er neben Keymer den Deizisauer Kader mit Matthias Blübaum von Werder Bremen(5. der u-20-Weltrangliste), Andreas Heimann und Georg Meier (beide bisher Baden-Baden) verpflichtet. Sie werden vom Können der vielen Großmeister in der Mannschaft profitieren. Zu ihnen zählen der am höchsten eingestufte Russe Alexander Grischuk(Elo 2754), dreimaliger Weltmeister im Blitzschach, die ehemaligen Vize-Weltmeister Peter Leko aus Ungarn und Gata Kamsky (USA), sowie die Deutschen Rustam Dautov, Philipp Schlosser oder Alexander Graf,der in der Aufstiegssaison alle neun Partien gewonnen hat."

(Klaus Schlütter, Ein kleiner König für Deizisau (Esslinger Zeitung vom 12. August 2017))

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   Abendstimmung am Schwarzwaldrand (Foto: OSt)

Vorsicht beim Vereinsabend

Welcher Club wird der nächste sein im Grenke-Portfolio? Seien wir lieber vorsichtig, wenn Sven Noppes in Kürze beim Vereinsabend in Oldenburg, Cottbus, Nordwalde oder Bamberg vorbeischaut– sicher gibt es noch weitere Vereine, die kurzfristig in die höchste Spielklasse gedrückt werden könnten, ein netter Oberliga-Club aus Nord, Süd, Ost oder West, der ins Portfolio passt?

Und warum eigentlich nur das Fördern eines Jugendteams - wie wäre es denn mit einer reinen Frauen-Schachmannschaft in der Bundesliga, einem Seniorenteam, einem Achter allein mit Deutschen oder einen nur mit isländischen Großmeistern? Das wären dann schon sechs Teams, die unter der goldenen Grenke-Flagge die Bundesliga durchsegeln würden. Immerhin gäbe es auch dann noch immer weitere 10 Plätze, die von unabhängigen Mannschaften belegt würden. Aber auch das dann nur unter der Voraussetzung, dass noch genügend Spieler verfügbar sind, die noch nicht bei im Baden-Baden-Konglomerat unterschrieben haben.

Deizisau und Baden-Baden Seite an Seite in der Liga – in der Frauen-Bundesliga arbeiten sie sogar bereits seit vier Jahren mit diesem Modell, und mit gleichem Groß-Sponsor. Ich finde nicht, dass sich das richtig anfühlt. Für mich jedenfalls tut es das nicht.

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Der Weltmeister zu Gast im Weserstadion - Grenke Leasing machte es möglich (Foto: OSt)

Nun bin ich selber auch ein wenig, wie man so sagt, „involviert“ und als ein Vertreter der grün-weißen Bremer Mannschaft in der Bundesliga vermutlich befangen und parteiisch und voreingenommen. (Dieser Text stellt indes keine offizielle Werder-Meinung dar und ist rein persönlich.)

Und dennoch: was soll das? Wieso dürfen zwei Vereine in einer Liga so eng verbunden sein?

Wieso aber können dann nicht auch die Reservemannschaften anderer renommierter Erstligisten hinauf in die höchste Liga – auch die SF Berlin II, der Hamburger SK II, Werder II oder Solingen II, DJK Aachen II oder gar die OSG Baden-Baden II hätten sicher ihre Freude daran, einmal in der höchsten Spielklasse mitspielen zu dürfen, und ihren Nachwuchs mit einer zweiten Bundesliga-Mannschaft bei der Stange zu halten. Doch das erlauben die Statuten der Liga nicht, und zu Recht – alleine um bei jedem Spiel sicher sein zu können, dass bei jedem Mannschaftskampf freie und unabhängige Teams gegeneinander antreten.

Es klingt wie eine unglückliche und leicht irritierende Bundesliga-Konstellation. Selbst wenn man vor Ort arglos war und sich nichts Böses bei der nun vorliegenden Dopplung gedacht hat - was ist mit der Außenwirkung für die Bundesliga? Sollte es so bleiben - wie ernst kann sich die höchste Spielklasse des Landes dann noch nehmen?

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Baden-Baden und Deizisau (gens una sumus!) haben saisonübergreifend einen größeren Gesamtkader als jeder andere Verein der Liga, parken ihre Spieler im eng verbundenen Club, und wenn beide Mannschaften einmal direkt aufeinandertreffen, werden einige der Zuschauer zentrale Aufgaben in beiden beteiligten Vereinen haben. Für wen sollen sie bei Derbys die Daumen drücken? Eine eigenartige Verquickung - und stört es denn eigentlich niemanden bei Deizisau, dass der Vorsitzende Mannschaftsaufstellungen und andere Interna in einen anderen Verein weitertragen könnte - und umgekehrt?

Auf etwas robustere Art formuliert es in einem Leserbrief an Schach Till Schelz-Brandenburg, der frühere Leiter der Schachabteilung des SV Werder Bremen:

„Es war bei der Gründung der Schachbundesliga völlig unstrittig, dass zweite Mannschaften von Bundesliga-Vereinen nicht aufsteigen können, um den sportlichen Wert der Liga nicht nachhaltig zu beschädigen. Die SF Deizisau sind nichts weiter als die zweite Mannschaft des OSC Baden-Baden, nur halt mit anderem Namen. Es ist zu hoffen, dass die Tagung der Bundesliga-Vereine Deizisau die Lizenz verweigert, anderenfalls werden sich Mannschaften, für die sportliche Konkurrenz noch wichtig ist, ernsthaft überlegen müssen, ob die Teilnahme am Grenke-Zirkus dies noch gewährleistet.“

(Dr. Till Schelz- Brandenburg, Zeitschrift Schach 7/17)

Allgemeines Unbehagen vor Saisonbeginn, vielleicht. Aber vielleicht ergeben sich ja noch Wege, um diese Konstellation über kurz oder lang irgendwie verträglicher handzuhaben. Wer hätte das auch ahnen können, dass ein Bundesligist plötzlich seinen Bruder mitbringt zum Spielen?

Wie wird es nun weitergehen?
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Samstag, 30 April 2016 16:16

Bundesliga vor der Auflösung?

Bedauerlicherweise bietet das Überschriften-Feld unseres Blogs nur sehr wenig Platz, sonst hätten wir sehr gerne natürlich auch die komplette Überschrift "Bundesliga-Tippspiel vor der Auflösung?" hineingesetzt, und gleich schwungvoll mit einem lauten "Ja!" beantwortet. Wir bitten diese durch technische Umstände begründete Irritation zu entschuldigen.

Nun ist sie also vorüber, die Bundesliga-Saison 2015/2016, und was soll man sagen? Es war sehr aufregend! Mit der Solinger SG hat sich ein neues Team an die Spitze emporgeschwungen und der beeindruckenden zehnjährigen Regentschaft von Sven Noppes und seiner OSG Baden-Baden ein Ende gesetzt. Zehn Jahre in Folge Deutscher Meister, das wäre ich auch gerne, und umso mehr verdient die OSG einen großen Glückwunsch für viel Ausdauer und gute Teamarbeit - es steckt viel Detailarbeit und Energie dahinter, wenn man mit oder trotz eines hohen ELO-Schnitts beständig Jahr um Jahr den Titel zu holen vermag. Very impressive!

Solingen dagegen, oder Klingenstadt, wie Insider aus dem Westen auch sagen, hat bis zur letzten Runde im Kampf der Schach-Titanen die Nase vorne behalten und sich in der für Nervenspiele weit offenen Begegnung gegen Griesheim die zwei noch nötigen Mannschaftspunkte gesichert - aber nur mit einiger Aufregung! Deutscher Meister wird nur die SG Solingen, schreibt auch Ilja Schneider. Umso schöner, dass alles gut gegangen ist, und anders als im Fußball geht der Titel in diesem Jahr in den Pott. Der Liga wird das guttun!

Leider verabschieden sich auch nach der Saison 2015/2016 wieder einige Mannschaften aus der Liga - und das sind nicht in allen Fällen die Teams mit den wenigsten Punkten. Nach gut zehn Jahre beendet der SK Turm Emsdetten freiwillig seinen Aufenthalt im Oberhaus - der Mannschaftsführer, Teamchef und Chef-Koordinator Reinhard Lüke zieht den Verein schweren Herzens zurück, aufgrund von finanziellen und organisatorischen Gegebenheiten.

Ebenfalls für eine vorzeitige Abreise entschieden sich die Schachfreunde des Erfurter SK - auf den informativen Seiten des Schachtickers legen Thomas Caspar und Christian Troyke die Gründe für den Rückzug ausführlich dar, dies alles ist sehr lesens- und bedenkenswert. Vor sieben Tagen spielten sie noch hier im Bremer Weserstadion gegen Emsdetten - nun sind beide Vereine nicht mehr in the house.

Und noch jemand mehr wird der Liga keine Impulse mehr geben können - wie Raymund Stolze berichtet, nimmt nach zwei fulminanten Spielzeiten und trotz eines spannenden Jugendkonzepts auch Hansa Dortmund seinen Hut und zieht sich in eine untere Spielklasse zurück. (UPDATE: Die Meldung ist mittlerweile wieder von der Seite genommen worden, Stand 01.Mai)

Damit wird es dünn in der Bundesliga, oder doch nicht ganz, denn die drei freiwerdenden Plätze gehen an die eigentlichen Absteiger, FC Bayern München, Griesheim und Erfurt - aber haben die Erfurter nicht gerade erst zurückgezogen? Ich komme nicht mehr ganz mit.

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Peter Enders - mit dem Erfurter SK nun erstmal wieder
zurück in der 2.Bundesliga                  (Foto: Frank Hoppe, moinmoin!)

Was soll man nun tun? Schon mehren sich die Stimmen, dass der Schachbundesliga e.V. alles nicht ganz so richtig gemacht hat in den letzten Jahren - die Liga zu unattraktiv, die Zuschauerzahlen und das Marketing ausbaufähig, zu wenige Heimkämpfe, und überhaupt.
Ich weiß nicht, ob das alles so trägt als Kritik - und es ist unklar, ob es mit einer anderen Konzeption wirklich besser laufen würde. Aber - es lohnt darüber nachzudenken.
Der Bundesliga e.V. wandte sich 2013 an die Schachgemeinde und erhob Daten für eine Verbesserung des Spielbetriebs. Grundlegend hat sich aber daraufhin nichts getan. Vielleicht ist Schach nicht ganz der richtige Sport, bislang jedenfalls, um selbstfinanziert das Konzept einer großen Liga mitzutragen und mitvermarkten zu können?
Seit Saisonbeginn kann man den Ligabetrieb auf einer von FM Marc Lang hochklassig aufbereiteten Homepage nachvollziehen. Auch die Darbietung der vielen hochklassigen Partien im Netz ist eindrucksvoll, es ist andererseits aber unklar, wer von dieser für Zuschauer kostenfreien Übertragung eigentlich wirklich etwas hat - ein Punkt, den auch die Erfurter in ihrer oben genannten Rückschau anführen. Ein finanzieller Rücklauf zum Wohle der ausrichtenden Vereine hat sich daraus offenbar noch nicht entwickelt, doch es mag sein, dass man dies alles etwas langfristiger anlegen muss. Oder sogar sehr langfristig.

Sollte die deutsche Meisterschaft wie in Frankreich in einem einwöchigen Mannschaftsturnier ausgetragen werden? Oder würde es helfen, die Bedenkzeit der Partien zu verringern, so dass man als ZuschauerIn vor Ort direkter die Entwicklungen an den Brettern miterleben kann?
Der Bundesliga e.V. als solcher ist eine ehrenvolle Runde, die mit Vertretern der teilnehmenden Vereine besetzt ist und sich zweimal im Jahr zu Versammlungen trifft. Ein Großteil der in diesem Verein engagierten Vertreter leistet diese ehrenamtliche Arbeit neben ihrem Beruf, und oft auch neben der umfangreichen Arbeit, die das Management des eigenen Bundesliga-Vereins ohnehin bereits erfordert. Man kann daher - so wenig erfreulich das auch ist - nicht zu hohe Ansprüche stellen an die vom Bundesliga e.V.zum Wohle der Liga und des Schachs leistbaren Arbeitseinsatzes. Anders sähe es aus, wenn es hier ein finanzielles Fundament vorhanden wäre, durch dass diese Arbeit teilweise auch vergütet werden könnte. Noch ist so etwas aber nicht in Sicht.

(Frage an die Leser: Ilja Schneider, der berühmte Berliner Schachmeister und Blogger, hat im Zeit-Blog vor zwei (?) Jahren einige Vorschläge zur Reform der Bundesliga vorgetragen. Ich fand diesen Artikel nicht mehr - kann jemand helfen und den Link im Kommentarbereich senden? Danke!)

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Ist das nichts? Der Weltmeister tritt an in der Bundesliga!

Umumba siegt im Tippspiel

Kommen wir nun aber, wie oben bereits versprochen, zur Auflösung unseres spannenden Schachwelt-Bundesliga-Tippspiels "Baden-Baden: Elf Titel sollt Ihr sein" zur Saison 2015/2016.

Wir haben zwei wundervolle Gewinner, die beide mit Werder Bremen den Verein richtig vorhergesagt haben, der der OSG Baden-Baden am meisten Brettpunkte abnehmen würde (um genau zu sein: 5 an der Zahl!). Sowohl Holger Hebbinghaus als auch Umumba sagten dies voraus, so dass die bei Punktgleichheit angegebene Tiebreak-Regel zur Anwendung kommen musste: derjenige gewinnt, der näher an Baden-Baden wohnt!
Nach akribischer Recherche und einiger Tourenplanung im Netz ist dies mit einem deutlichen Abstand von rund 40 Kilometern unser geschätzter Leser Umumba. Wir gratulieren!!

Gesamtklassement:

Platz 1: Ein Interview mit dem Sieger hier auf Schachwelt.de!

 Dieser Preis geht also an Umumba - wir melden uns!

Platz 2: Eine Tafel Original Bremer Stadtmusikanten- Schokolade!

Dieser Preis geht - wie sollte es anders sein - einmal mehr an den Visionär Holger Hebbinghaus.

Platz 3: Ruhm und Ehre für MiBu (tippte auf Klingenstadt - sie spielten 4 : 4 gegen Baden-Baden)

Platz 4: Ruhm und Ehre für Thomas Richter (Griesheim, 3 Brettpunkte)

Platz 5: Ruhm und Ehre für Olaf Steffens (Hansa Dortmund, 1,5 Brettpunkte)

(Rum und Ehre hätten wohl für mehr Freude gesorgt, doch (das Budget, das Budget) haben wir nur Ruhm und Ehre zu vergeben. Dies aber in vollem Umfang und nicht zu knapp!)

Danke fürs Mitspielen! Die Preise gehen in Kürze auf den Weg!

PS Noch etwas Musik zum Abschied - wir verlinken mit It´s a catalogue der wunderbaren Berliner Gruppe Get well soon. Auch hier geht es um Spurensuche, ähnlich wie bei der Bundesliga. Wer die Siebziger mag, findet hier so einiges.

Get Well Soon - It's A Catalogue - Official Video from GET WELL SOON on Vimeo.

Der Weltmeister ist auch mit dabei!
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Es war schön mit der OSG Baden-Baden in den letzten Jahren – wir haben gestaunt über zehn Deutsche Meisterschaften in Folge, waren von Flensburg bis Fürstenfeldbruck und von Neubrandenburg bis Nordwalde beeindruckt über Spielstärke, Figurenkompetenz und ELO-Dichte der stets souveränen Équipe vom nördlichen Rande des Schwarzwalds. Teamchef Sven Noppes hat über Jahre für Titel gesorgt, sogar Weltmeister Magnus war und Weltmeister Vishy ist Teil dieser Traummannschaft, und fürwahr, wo sonst im Ligabetrieb bekommt man diese und andere legendär starke Spieler denn mal zu sehen?

Nein, es war wirklich sehr sehr schön mit Baden-Baden, doch leider, leider, nun ist es auch langsam mal gut. Zehn Titel in Folge, der Rest der Liga weit und weiter abgehängt, und trotz Schwäbisch-Hall, Solingen und den SF Berlin kaum mehr Spannung im Rennen um die Meisterschaft! So kann es nicht weitergehen, es wird zu einseitig, die Zuschauer bleiben schon weg, und nach zehn Jahren mühlsteinartiger Monotonie beim Meistermachen wird es darum endlich Zeit für ein neues Liga-Konzept.

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       Geballte Liga-Kompetenz: Sven Noppes und Peter-Heine Nielsen

Schachwelt.de, der Blog für progressive Konzepte, scheut sich daher nicht, diese wenn auch unangenehme Wahrheit auszusprechen. In Zusammenarbeit mit der Gleichstellungsbeauftragten der Bundesregierung haben wir einige wegweisende Vorschläge entwickelt, die für mehr Fairness im Bundesligasport sorgen und damit auch anderen Schachteams endlich einmal wieder das Tor zum Meistertitel öffnen sollen.

Viele Vereine hätten den ersten Platz ja ebenfalls mal verdient – und da wollen wir natürlich gerne helfen.

Im Rahmen eines einstweiligen Eilverfahrens haben wir daher bei Liga-Schiedsrichter Jürgen Kohlstädt und bei Markus Schäfer, dem Präsidenten der Schach-Bundesliga, die folgenden konstruktiven Anträge eingereicht:

- Abwechselnd möge von nun an jedes Bundesliga-Team mal an der Reihe sein mit der Meisterschaft. Die Meistermannschaft könnte von Jürgen Kohlstädt vor Saisonbeginn unter allen 16 Erstligisten per Losentscheid bestimmt werden. Auf wen das Los gefallen ist, wird aber erst nach dem letzten Spieltag verraten. Für Spannung wäre gesorgt!

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    Hier ist noch etwas Platz zum Eingravieren eines neuen Meisters

- Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung könnte Baden-Baden bis auf Weiteres nur noch zu sechst spielen. (Oder zu fünft? Ein Mannschaftssieg wäre für die Gegner dann noch ein wenig sicherer.)

- Für die Ooser SG Baden-Baden möge mit sofortiger Wirkung gelten: jeweils drei per neutralen Losentscheid ausgewählte Spieler der gegnerischen Mannschaft dürfen ihre Partien heimlich mit Smartphone spielen.

 - Baden-Baden darf eine Saison lang nur noch seine zwei Heimwochenenden spielen und kein Auswärtsspiel mit mehr als 25 km Abstand zum Schwarzwald bestreiten. Auch dann werden sie zwar mit mindestens acht Punkte den Klassenerhalt erspielen können, ein anderes Team wird aber möglicherweise endlich einmal Meister. Im Jahr darauf gewinnt dann wieder Baden-Baden!

- Auch die Schachwelt- Redaktion erklärt sich bereit, das Ringen um Chancengleichheit in der stärksten Liga der Welt selbstlos zu unterstützen - im Rahmen einer Quotenlösung
Die Internationale Krennwurzn und auch ich stünden zur Verfügung, um für die OSG zwangsaufgestellt zu werden und dabei zwei der acht Bretter zu belegen. Frank Hoppe (Berlin!) könnte ebenfalls für dieses Vorhaben rekrutiert werden, falls er beim DSB einmal abkömmlich sein sollte, und wir würden, falls erwünscht, auch bei Frank Zeller, Thomas „Texel“ Richter, Jörg GM Hickl und Dennis Calder anfragen, und ebenso bei Michael Buscher, Uwe Bekemann und natürlich Stefan Löffler, dem Blog-Urgestein aus Wien.
Eine solche 25%- Schachwelt-Redaktionsquote könnte die Chancen der gegnerischen Teams auf mehr als zwei Brettpunkte gegen den Dauermeister erhöhen – und wer weiß, auch mal zu einem Mannschaftssieg (!!) gegen die OSG führen. Doch wollen wir solch kühne Gedanken gar nicht erst zu denken wagen.

luke adams
           Gegen Baden-Baden ist es meistens knifflig.

- Das Einfachste aber wäre: Baden-Baden muss eine Saison lang aussetzen. Die Mannschaft könnte sich ja trotzdem zu den Liga-Wochenenden treffen und an die verschiedene Spielorte reisen. Doch spielen und gewinnen – das muss ja nicht sein. Es gibt ja auch andere schöne Dinge, nicht immer nur Schach! Man kann im Schwarzwald klettern, im Biergarten sitzen, Kaffee trinken und Zeitung lesen. Und ein Jahr später dann wieder in die Bundesliga einsteigen und sich die Meisterkrone zurückholen – das wäre doch mal eine schöne Geschichte.

Saisonende
Saison-Ende und dann ein Jahr Schachpause - klingt das nicht ganz schön?

Die von uns unterbreiteten Vorschläge sind unbürokratisch und daher noch kurzfristig bis zum Liga-Start am Wochenende umsetzbar – man muss es nur wollen.
Wir sind gespannt, welchen Entschluss die Liga-Oberen Jürgen Kohlstädt und Markus Schäfer fällen werden.

Hoffen wir also auf eine spannende Saison, ob mit (oder doch ohne?) Baden-Baden!

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Und wer bis hierhin durchgehalten hat:

Auch in diesem Jahr wollen wir unsere treuen LeserInnen natürlich mit einem tollen Tippspiel zum Saisonauftakt verwöhnen.

Bitte schickt uns Eure Vorhersagen, welche Mannschaft in 2015/2016 der OSG Baden-Baden am meisten Brettpunkte abluchsen wird!

Für den beste Prophezeiung loben wir wie immer aus:

Bester Tipp:            Ein Interview mit dem Sieger hier auf Schachwelt.de!

Platz zwo:                Eine Tafel Original Bremer Stadtmusikanten- Schokolade!

Platz drei bis fünf: Ruhm und Ehre

Sollten zwei Teams gleichviele Punkte gegen die OSG holen, und damit beide Sieger des Tippspiels sein, wird als Feinwertung die Berliner Wertung herangezogen (also zählen die am höheren Brett erzielten Punkte mehr – Brett Eins ergibt 8 Punkte, Brett Zwei erhält 7 Punkte, usw.).

Sollte selbst dann immer noch Punktgleichheit bestehen, gewinnt der oder die Teilnehmerin, der oder die näher an Baden-Baden wohnt!

Einsendeschluss ist am Samstag, 19.September, um 14:00 Uhr. Es gelten nur Zuschriften im Kommentarbereich.

Beteiligt Euch reichlich. Wir wünschen viel Erfolg!

Platz nehmen zum großen Finale!
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Bevor wir alle gleich schnell rausgehen und die Sonne genießen, noch fix ein Hinweis. Morgen beginnt ja die letzte der Bundesliga-Doppelrunden, und neben den Entscheidungen um und gegen den Abstieg werden auch an der Tabellenspitze noch dramatische Spiele ausgetragen.
Der SV Werder aus Bremen bestreitet an diesem Wochenende sogar drei wichtige Begegnungen:
1. heute abend schon ein wichtiges Auswärtsspiel gegen Christoph Daums Frankfurter Eintracht und dann
2. morgen in Baden-Baden die Spitzenpaarung der Schach-Bundesliga, gefolgt von
3. dem Match gegen den derzeitigen Tabellendritten SC Eppingen am Sonntag.
Viertes Team im Kulturhaus LA8 in Baden-Baden ist der SK Delmenhorst, der nach dem sehr ehrenvoll und mutig wahrgenommenen Aufstieg in die Bundesliga eine harte Spielzeit hinter sich hat. -

Sowohl die Badener (?) (sagt man das so?) als auch Bremen und der diesmal leicht ersatzgeschwächte SC Eppingen können sich durch gut platzierte Siege noch für einen anschließenden Stichkampf um die Meisterschaft qualifizieren - falls die Entscheidung nicht schon in den regulären Runden fällt. Wie Georgios Souleidis berichtet, werden die Badenser (?) am Samstag wieder mit der Supertopcheckerbunny-Mannschaft antreten, mit der sie bislang schon die Liga in Schach halten konnten. Auch die Bremer können ziemlich aus dem Vollen schöpfen – nur der Vietnamese Liem Le Quang wird nicht am Brett sitzen. Die Baden-Badener (??) haben aber bei einem eventuellen Stichkampf noch die Möglichkeit, ihr Team durch – Moment, wer war es noch gleich? – die in Deutschland bislang unbekannten Großmeister Magnus Carlsen und Viswanathan Anand zu verstärken. So oder so – für Spannung ist gesorgt. Ein Lob an die Terminplaner der Schach-Bundesliga!
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PS 1: Am Sonntag melden wir uns wieder, nachdem Delmenhorst durch einen historischen Sieg gegen Baden-Baden den Titelkampf entscheidend beeinflusst hat!
PS 2: Der SV Werder weist auf seiner Homepage darauf hin, dass am Sonnabend das Spiel gegen Baden-Baden live und auch für Gäste in den Clubräumen übertragen wird.
PS 3: Hier ist es nun, das Gewinnspiel, mit dem all die Leser belohnt werden sollen, die bis hierhin weitergelesen haben. Die Aufgabe lautet: Schätzen Sie mal ein, wie viele Brettpunkte der SK Delmenhorst und der nicht minder ehrenwerte SV Werder Bremen an diesem Wochenende in Baden-Baden einfahren werden. Abgabe der Meldungen bitte direkt in den Kommentaren zu diesen Artikeln - Abgabeschluss ist am Samstag, 09.April, um 16 (!) Uhr Serverzeit. Der Leser mit dem besten Tip gewinnt eine veröffentlichte Partie seiner Wahl hier auf dem Schach-Welt-Server, in nicht zu großer Tiefe kommentiert (wenn gewünscht) vom Autor des Artikels. Der zweitbeste Tipp erhält nichts. Bei Punktgleichheit entscheidet das Los. Viel Spaß!