Herbert Bastian im Gespräch mit der Krennwurzn
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Die Wahl ist geschlagen und es gibt einen neuen DSB Präsidenten – für viele überraschend und für viele Insider auch wieder nicht, denn schon lange hörte man aus den bekannt gut informierten Kreisen, dass die Chemie in den Führungsgremien nicht stimmt. Öffentlich sichtbar war nur, dass aktive Funktionäre bei der vorhergehenden Wahl nicht mehr antraten und dass der Streit im Spitzenschach nicht mehr kontrollierbar war. Aber fragen wir den nunmehrigen Ex-Präsidenten Herbert Bastian einmal selbst …

Krennwurzn:
Wenn ich mir Ihre ersten Reaktionen nach der Abwahl in Erinnerung rufe, so erinnert mich das an „der Mohr hat seine Arbeit getan, der Mohr kann gehen.“ Sind Sie wirklich persönlich gekränkt, dass Ihre Arbeit nicht entsprechend gewürdigt wurde und die Delegierten ihr demokratisches Recht zur Abwahl genutzt haben?

Bastian:
Bei der Wahl gab es eine lächerliche Selbstdarstellung von einigen, die noch nicht begriffen haben, dass man als Funktionär Verantwortung gegenüber der gesamten Organisation hat und sein Mandat nicht für persönliche Zwecke missbrauchen darf. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob man mich letztlich wirklich abwählen wollte oder ob es am Ende nur ein Zufallsergebnis wurde. Auch wenn es anscheinend alle wissen, ich weiß immer noch nicht, warum ich so abgestraft wurde. Absolut sicher bin ich mir, dass die wirkliche Basis mich gewählt hätte. Bei dem, was in Linstow geschehen ist, wäre jeder Mensch, der nicht absolut gefühlskalt ist, gekränkt. Andererseits habe ich es erwartet und bin schnell darüber hinweggekommen. Der Zerfall der Umgangsformen im DSB ist ja schon länger erkennbar. Wenn ich überhaupt etwas dazu sagen wollte musste es schnell geschehen. Nach spätestens drei Tagen interessiert sich niemand mehr dafür. Das Bild vom Mohr trifft allerdings zu. Genau so hat man mich behandelt. Nach vier Wochen Dauerstress mit der Kongressvorbereitung nach der schweren Erkrankung von Uwe Bönsch tat das sehr weh.

Krennwurzn:
Dankbarkeit ist im Ehrenamt keine Kategorie – es ist schwer, aber damit muss man sich abfinden und das wird in Zeiten der sozialen Medien nicht einfacher. Einfacher zu beantworten erscheint mir die Frage nach dem Warum des Abstrafens: Freunde und Gegner sind sich da scheinbar einig: Bastian ist ein guter Organisator, hat gute Idee und Visionen, ist ein ehrlicher und harter Arbeiter, aber kein Teamplayer! Ganz offen gefragt: verlangen Sie als Chef zu viel von Ihren Kollegen und das in einem zu autoritären Ton?

Bastian:
Wird mir das wirklich vorgeworfen? Das ist amüsant. Intern wurde mir ständig vorgeworfen, ich sei viel zu weich, viel zu nett, hätte keine Führungsstärke, würde viel zu viel selbst machen und müsste mehr delegieren. Verlangt habe ich z.B., dass die Aufstellung der Nationalmannschaft zuerst mit dem Präsidium abgesprochen wird, bevor ich es aus den Medien erfahre. War das zu viel verlangt? Oder dass Konflikte wie zwischen Luther und Rogozenco nicht öffentlich, sondern intern ausgetragen werden. War das zu viel verlangt? Wenn man im DSB Vorschläge macht, reagieren manche Leute schon extrem allergisch. Eins von vielen Beispielen war mein Vorschlag, eine Frau ins Präsidium zu holen. Schon das war zu viel und hat heftigste Reaktionen hervorgerufen. Klar bin ich sehr temperamentvoll, da konnte auch mal eine Überreaktion kommen. Dazu stehe ich.
Und noch etwas: Ich bin ganz sicher ein Teamplayer. Wer solche Vorwürfe übernimmt, sollte zuallererst prüfen, um es sich nicht um Projektionen handelt. Solche Vorwürfe kommen nämlich in der Regel von Leuten, die selber nicht teamfähig sind oder mich aus irgendwelchen Gründen bekämpfen. Aber auch hier: Ausnahmen bestätigen die Regel.
Das mit dem autoritären Ton weise ich klar zurück, aber meine Ansprüche sind wohl zu hoch. Deshalb werde ich künftig nur noch mit Leuten zusammenarbeiten, die ein Mindestniveau halten.

Krennwurzn:
Wenig delegieren, vieles selbst machen ist sicherlich kein optimaler Führungsstil, denn es entzieht den anderen u.a. das Vertrauen Arbeiten selbstständig erledigen zu können. Die Frauenquote im Schach ist ultragrottig, aber dieses Problem geht in den Männerklubs unter – vielleicht kommen wir später noch auf dieses Thema zu sprechen. Die Causa „Nationalmannschaft“ erinnert mich ein wenig an die negativen Auswirkungen von Cordoba auf den österreichischen Fußball. Der EM-Titel deckte Konflikte zu und schürte die Hoffnung nun dauerhaft mit den „großen Jungs“ mitspielen zu können und da sich dies nicht erfüllte – Klammer erfüllen konnte, brachen dann die Konflikte brutal auf. Hier wurden Erwartungen enttäuscht und Hoffnungen geweckt, die unrealistisch waren – hätte hier nicht ein DSB Präsident die Fallhöhe zwischen Wunsch und Realität etwas reduzieren sollen?

Bastian:
Klar ist viel delegieren, wenig selber machen der bessere Stil. So schlau bin ich auch. Im DSB arbeiten alle Referenten sehr selbstständig und sie machen gute Arbeit, aber sie machen am liebsten ihre eigene Arbeit, und das ist die Crux. Aufträge nehmen sie weniger gerne entgegen, und das gilt auch für die Hauptamtlichen. Und da ich nicht gerne autoritär auftrete – auch wenn das nicht zutreffende Gegenteil behauptet wird – ziehe ich oft das konfliktfreiere und schnellere Selbermachen vor.
Wenn wir nun auf die Verantwortung des DSB-Präsidenten kommen, möchte ich zuerst die von der Satzung verordnete Impotenz der von der Öffentlichkeit erwarteten Omnipotenz gegenüberstellen. Für den Sport ist der Vizepräsident Sport in Verbindung mit dem Leistungssportreferenten zuständig. Der Präsident hat da erst mal gar nichts zu melden, was ich für eine krasse Fehlkonstruktion halte. Mir gegenüber wurde es damit begründet, dass ja auch mal ein Präsident kommen könne, der nichts vom Spitzenschach versteht. Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, mich nach außen immer vor meine Vizepräsidenten zu stellen, aber so habe ich nun einmal Führung gelernt. Ich bin nicht der Typ, der andere opfert, wenn Fehler passieren.

Krennwurzn:
Welche Fehler sind im Leistungssport passiert? Oder sind da in Wirklichkeit nur unerfüllbare Träume geplatzt – wie oben schon angemerkt?

Bastian:
Darauf muss ich länger antworten. Arkadij Naiditsch und Klaus Deventer (damals Referent für Leistungssport) waren unversöhnlich zerstritten. Dann hat Arkadij unseren Sponsor mit seinem Verhalten in Tromsø dermaßen verärgert, dass dieser jegliche weitere Förderung von ihm abgelehnt hat. Damit war unser bester Spieler und Zugpferd draußen. Von mir verlangte Arkadij 30.000,- € jährliche Sonderzahlung, damit er auf den Föderationswechsel verzichtet, was wir unmöglich leisten konnten. Diese Dinge liegen in Arkadijs Charakter begründet und sind aus meiner Sicht keine Fehler des DSB. Immerhin ist es in vielen Sitzungen 2011 gelungen, die zerstrittenen Nationalmannschaften wieder zu vereinigen, und wir fanden dank Uwe Bönsch mit UKA einen zuverlässigen Sponsor, was die Spieler mit dem Gewinn des Europameistertitels belohnt haben.
Der Leistungssport ist im DSB mittlerweile ein Stiefkind. Die Nationalmannschaften sind dem Vizepräsidenten Sport zugeordnet, der unter anderem noch die Senioren, die Frauen und den Ausbildungsbereich mitbetreut. Wie sollen bei dieser Auslastung neue Ideen reifen? Ich habe immer vergeblich gefordert, dass die Nationalmannschaften enger dem Präsidium zugeordnet werden. Die Aufstellungen habe ich manchmal von unserer Webseite erfahren, und mein Wunsch, dass das Präsidium zuerst informiert werden solle, damit es sich vor Veröffentlichung eine Meinung bilden kann, wurde abgewiesen. Ein Präsidiumsmitglied war z.B. strikt dagegen, weil es der Meinung war, vom Spitzenschach keine Ahnung zu haben. Was zumindest teilweise umgesetzt werden konnte, waren die Kooperationen mit Dortmund, Baden-Baden, Dresden und Erfurt. Dadurch kamen unsere Spitzenspieler und Spitzenspielerinnen wieder mehr in Kontakt mit der Weltspitze. Für die kommende Periode hatte ich einen Ausbau dieser Kooperationen und grundlegende Reformen im Leistungssport geplant.
Der Kongress hat nun ein Schulschachpräsidium eingesetzt. Ob das das richtige Signal an junge Spielerinnen und Spieler ist, sich dem Leistungssport zu widmen, wage ich zu bezweifeln. Da muss dringend nachgebessert werden. Was bleiben wird ist die positive Entwicklung im Frauenschach.
Letztlich müssen wir aber zugeben, dass der Deutsche Schachbund derzeit nicht das schachliche Niveau hat, um sich in der Weltspitze zu etablieren. Und wenn man die Abläufe auf dem letzten Kongress betrachtet, muss man heilfroh sein, wenn es nicht noch weiter abwärts gehen wird.

Krennwurzn:
Stehen wir da nicht vor einem Dilemma? Einerseits brauchen wir eine Wohlfühlzone im Schach damit die Kinder langfristig beim Schach bleiben und anderseits bräuchten wir eine spitzensportliche Brutalität in der Förderung um international mithalten zu können. Spitzenkarrieren fangen heute immer früher an und wer mit 18 Jahren die 2700 nicht erreicht, aus dem wird kein Topspieler mehr. Sollten wir unsere Förderrichtlinien Spitzensport nicht daraufhin ausrichten, um nicht Geld an Spieler zu verbrennen, die sowieso keine Chance mehr haben dürften?

Bastian:
Ich sehe das nicht als ein Dilemma an, sondern als eine Frage geschickter Aufgabenteilung, und die gibt es längst. Für die Wohlfühlzonen außerhalb der häuslichen Rechner müssen die Vereine sorgen. Unterstützt werden sie mit solchen Highlights wie die DJEM, die DSAM, die vielen Schulschachturniere, die Vereinskonferenzen, die Schulschachkongresse, die Mädchen- und Frauenschachkongresse, die Ländermeisterschaften, die Bezirks- und Verbandsturniere usw. Überall wachsen wir in den letzten Jahren, so ist z.B. die Zahl der Open-Turniere in Deutschland von 2012 bis 2016 von 331 auf 481 gestiegen. Oder die Rekorde beim Alsteruferturnier und in Karlsruhe. Im Spitzenschach stehen Reformen an, das ist für mich klar. Druck kommt ja auch vom Innenministerium und vom DSB. Umso unverständlicher ist für mich die Zusammensetzung des neuen Präsidiums angesichts der drohenden Forderungen von außen. Können wir uns überhaupt sicher sein, dass Weltklasseschach noch ein Ziel im Deutschen Schachbund ist? Oder haben wir schon resigniert? Der schon lange geforderte „Masterplan“ ist bisher von den Verantwortlichen im Bereich Leistungssport nicht vorgelegt worden. Hoffentlich kommt er jetzt und gibt eine Antwort auf die gestellte Frage.

Krennwurzn:
Welche Chancen bzw. Aufgaben wird der DSB nicht wahren können, weil Herbert Bastian als Präsident abgewählt wurde?

Bastian:
Dem DSB ist mit meiner Abwahl keine Chance verloren gegangen, und er wird alle Aufgaben wahren können. Man muss sich nur ein bisschen anstrengen. Ich bin sicher, dass der Verband verwaltungstechnisch dank Ralf Chadt-Rausch und Uwe Bönsch in den letzten zwanzig Jahren noch nie in einem vergleichbar guten Zustand war, und dieses Präsidium hat die beste Bilanz vorgelegt, an die ich mich erinnern kann. Daran ändert die Tatsache nichts, dass es mit meinem schlechtesten Wahlergebnis quittiert wurde. Ob ich an irgendeiner Stelle vermisst werde, wird sich zeigen, immerhin war ich seit 1992 durchgehend als Funktionär auf Bundesebene präsent, und da haben sich auch vielerorts Freundschaften entwickelt.

Krennwurzn:
Kommen wir aufs internationale Parkett – unter Ihrer Präsidentschaft hat es ja einen Schwenk in Richtung Kirsan Ilyumzhinov gegeben und Deutschland hat dafür wieder einen FIDE Vizepräsidenten bekommen. War das eine richtige Entscheidung und bleiben Sie FIDE Vizepräsident oder geht das Amt automatisch auf Ihren Nachfolger über?

Bastian:
Hier muss ich Einiges richtigstellen. Unter mir gab es keinen Schwenk Richtung Ilyumshinov, sondern die Entscheidung dafür, wieder mit der FIDE-Führung zusammenzuarbeiten, anstatt gegen sie zu arbeiten. Der unselige Streit 2010 vorm CAS hat die FIDE fast 1,5 Millionen Euro gekostet, und das alles nur für die Ego-Pflege gewisser Leute ohne ein brauchbares Ergebnis für den Schachsport. Was hätte man mit dem Geld alles Sinnvolle anfangen können! Mein Engagement gilt dem Schachsport, nicht einer Person. Gleichwohl respektiere ich das, was Kirsan Ilyumshinov für das Schach geleistet hat, und persönlich habe ich mit ihm nur die besten Erfahrungen gemacht. Ich bilde mir immer ein persönliches Urteil über Menschen und beteilige mich nicht an Treibjagden, wie ich sie jetzt am eigenen Leib erlebt habe. Was Kirsan Ilyumshinov ansonsten vorgeworfen wird, kann ich nicht beurteilen, das überlasse ich der Justiz.
Es ist falsch, dass Deutschland den Vizepräsidenten für den Schwenk bekommen hat. Richtig ist, dass der Deutsche Schachbund von der FIDE als einer der wichtigsten nationalen Verbände angesehen wird, mit dem man kooperieren will. Ein Tauschgeschäft gab es nicht. Meine Entscheidung, für eine Kandidatur bereit zu stehen, fiel erst nach dem eindeutigen Wahlergebnis zugunsten von Ilyumshinov. Unabhängig vom Vizepräsidenten hätte ich auf jeden Fall eine rasche Aussöhnung mit der FIDE angestrebt, weil ich Kooperation für richtig halte, und deshalb halte ich meine Entscheidung nach wie vor für richtig.
Nach den Ereignissen in Linstow habe ich der FIDE meinen sofortigen Rücktritt angeboten. Mir wurde jedoch gesagt, dass meine Wahl in Tromsø primär eine Personenwahl war und nicht die Wahl eines Vertreters des Deutschen Schachbundes. Und ich wurde gebeten, im Amt zu bleiben, was ich folglich bis zu den planmäßigen Wahlen 2018 tun werde. Im Presidential Board der FIDE vertrete ich den Schachsport in Deutschland, nicht das Präsidium des Deutschen Schachbundes. Da ist immer noch ein Unterschied, und man traut mir das in der FIDE zu. Sehr gerne hätte ich im Lasker-Jahr 2018 die Weltmeisterschaft oder das Kandidatenturnier nach Deutschland geholt und stand kurz vorm Erfolg. Ob das jetzt noch klappen wird, weiß ich nicht. Hier scheint das ja auch die Mehrheit nicht zu wollen.

 Ob das jetzt noch klappen wird, weiß ich nicht. Hier scheint das ja auch die Mehrheit nicht zu wollen.

Krennwurzn:
Die Mehrheit fürchtet da wohl die Kosten – nebenbei gibt es ja bei der Vermarktung via AGON das alte Problemfeld, dass die Kosten für Liveübertragungen schwer via Werbung finanziert werden können, weil man – ebenfalls aus gutem Grunde – nicht exklusiv übertragen kann. Hier müssten die Verbände die Interessen der Schachspieler (freier Zugang zu Übertragungen) UND die Interessen der Veranstalter (Einnahmen via Werbung) in Einklang bringen können – ich sag’s ehrlich: mir fällt da keine Lösung ein, aber der aktuelle Zustand mit „Piratenübertragungen“ und Klagen ist sicherlich nicht gut fürs Schach.

Bastian:
Die Blitz- und Schnellschach-WM in Berlin wurde von AGON finanziert, beim DSB entstanden ca. 3.500,- € Kosten für Reisen und Hotel unserer beteiligten Mitarbeiter und Funktionäre. Auch das Kandidatenturnier würde von AGON finanziert werden.

Krennwurzn:
Die Leute fürchten ja DRESDEN 2008 - die Olympiade ...

Bastian:
Die Olympiade 2008 in Dresden hat doch den DSB nur das gekostet, was im damaligen Olympiaausschuss freiwillig für Begleitmaßnahmen verbraten wurde (Sternfahrten, Olympiamagazin, Partnerschulen usw.). Das entstandene Defizit bei der Olympiade selber wurde von der Stadt Dresden übernommen. Und heute werden WM und CT von AGON finanziert. Sobald bezahlte Spieler antreten, handelt es sich um wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb. Beitragsgelder dürfen a priori gar nicht in solche Veranstaltungen fließen, das würde die Gemeinnützigkeit kosten.

Krennwurzn:
Die Finanzierung durch AGON könnte ja wackeln, da die Einnahmen aus den Übertragungsrechten nicht den Erwartungen entsprechen könnten. Gerüchteweise könnte der „Rücktritt“ von Kirsan Ilyumshinov im März dieses Jahres mit ausstehenden Zahlungen aus diesem Kontrakt in Zusammenhang stehen.

Bastian:
Hier kann ich in keinem Punkt widersprechen. Das wäre dann das Problem von AGON, nicht des Deutschen Schachbundes.

Krennwurzn:
Ein großes Anliegen war Ihnen das „Lasker Jahr 2018“ – mal ganz ehrlich gefragt: interessiert das heute noch jemanden wirklich? Nicht weil ich ein großer Geschichtsignorant wäre frage ich, sondern weil hier in Österreich Steinitz fast ein Unbekannter ist und es in Wien gerade mal seit seinem 110. Todestag einen Steinitzsteg gibt, den viele namentlich nicht kennen.

Bastian:
Das Lasker-Jahr ist ein Ansatz, im Deutschen Schachbund das Zusammengehörigkeitsgefühl zu stärken und die Vereine zu besonderen Anstrengungen zu motivieren. Wir haben sehr früh damit angefangen, und inzwischen habe ich das Gefühl, dass der Gedanke angekommen ist. Der Kongress hat Finanzmittel in Höhe von 20.000,- € für Aktionen bewilligt, was ich für sensationell halte. Die nun Verantwortlichen haben versprochen, das Jahr zu einem Erfolg für den Deutschen Schachbund zu machen. Mehr kann ich mir nicht wünschen. Einen sehr umfangreichen Ideenpool habe ich vorgelegt, der sicher durch die DSJ und andere noch weiter angereichert wird. Die Jubiläen der Solinger SG und des SC Bamberg, beide 1868 gegründet, sowie das umfangreiche Programm der Lasker-Gesellschaft sollen idealerweise mit eingebunden werden. Mal ehrlich, ist das nicht eine supergute Chance für den Schachsport?

Krennwurzn:
Ganz ehrlich – mir ist das zu romantisch ;-)

Bastian:
Ein bisschen Romantik kann dem Schachsport doch nicht schaden …

Krennwurzn:
Ein Problem der Schachwelt ist meiner Meinung nach, dass es zu einer Art Aufspaltung kommt: da die Spieler in der Komfortzone Internet und Turniere und dort die Funktionäre in ihrer Regel- und Schachpolitwelt und da es noch erträglich läuft, entfernt man sich dennoch immer weiter voneinander – ist da ein Crash nicht vorprogrammiert?

Bastian:
Gute Frage, auf die ich keine Antwort habe. Aber ich habe die Hoffnung, dass die Menschen immer häufiger merken werden, welche Energie sie aus der persönlichen Begegnung auf den großen Events schöpfen können, wie zuletzt die zentrale Bundesligaendrunde in Berlin. Ich konnte dort in zwei Tagen als DSB-Präsident mehr zukunftsweisende Gespräche führen als sonst über das ganze Jahr aufsummiert. Und neue Freundschaften erschließen, auch zu Personen, die mich bis dato im Internet nur angegiftet haben.

Krennwurzn:
Zum Abschluss – was bleibt von der Ära Bastian als DSB-Präsident?

Bastian:
Das müssen andere beurteilen.

Krennwurzn:
Klar, aber mich interessiert die Eigeneinschätzung!

Bastian:
Okay: Es bleibt die nicht mehr abzuwehrende Einsicht, dass die Frauen in der Zukunft zum Schachsport gleichwertig dazugehören werden.

Krennwurzn:
Wie geht es mit dem Funktionär Herbert Bastian weiter? Oder starten Sie in der Pension und ohne Funktionärsbelastung noch einen Angriff auf den GM-Titel? Erster deutscher Seniorenweltmeister …

Bastian:
Ob ich meinen Kopf nach dem Stress der letzten Wochen wieder soweit zum Funktionieren bringen kann, dass ich nochmal an das Niveau über Elo 2000 herankomme, bezweifle ich momentan. Aktuell arbeite ich an der Übersetzung eines Schachbuches aus dem 18. Jahrhundert, das lastet mich erst mal aus. Ob es 2018 in der FIDE weitergehen wird, ist eine weitere Option. Mir schwebt da ein weiteres schachhistorisches Projekt vor, das ich aber nur anpacken werde, wenn die Rahmenbedingungen stimmig gemacht werden können und ich mir den Start kräftemäßig noch zutraue.

Krennwurzn:
2000 Elo reichen ja noch locker zum „Krennwurzn Stechen“ – vielen Dank für das Gespräch und Alles Gute in den nächsten Jahren!!

Bastian:
Herzlichen Dank.

Joachim Gries mit Krennwurzn über den DSB
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„So the winner takes it all and the loser has to fall“ sangen ABBA schon in den 70er Jahren. Zwar fragte die Krennwurzn schon vor der Wahl bei Joachim Gries wegen eines Interviews an, erhielt aber eine Absage allerdings auch mit der Aussicht darauf nach der Wahl vielleicht doch eines zu machen. Da die Wahl – je nach Sichtweise knapp oder klar – 109 zu 79 für Herbert Bastian ausging, schätzte die Krennwurzn die Chancen auf ein Interview mit Joachim Gries sehr gering ein. Aber man sollte es nicht für möglich halten auch eine Krennwurzn kann sich irren und es entstand ein hochinteressantes Gespräch über den DSB und Verbandsprobleme auch im Allgemeinen. Wer auf das Waschen von Schmutzwäsche in der Öffentlichkeit hofft, dem kann ich nur empfehlen hier mit dem Lesen aufzuhören.

Krennwurzn:
Erlauben Sie zuerst eine persönliche Frage - Sie hatten am Anfang des Jahres gesundheitliche Probleme mit dem Herzen geht es Ihnen jetzt wieder gut und könnten Sie sich den Schachfreunden ein wenig vorstellen?

Joachim Gries:
Ich bin am 01.11.1950 geboren, verheiratet seit 9.2.1976 mit meiner Ehefrau Petra Gries und habe 11 Kinder (6 Söhne und 5 Töchter). Von Beruf bin ich Studienrat mit den Fächern Mathematik und Sport, bin im Alter von 21 Jahren erstmals in einen Schachclub eingetreten (Schachfreunde Friedberg/Hessen). Parallel dazu habe ich zunächst von meinem 13. – 21. Lebensjahr gefochten (war 1971 - 12. in der deutschen Hochschul-Rangliste und hatte damals berechtigte Hoffnungen noch auf den Olympiazug nach München zu springen). Musste meine Fechterkarriere aber 1971 bedingt durch eine Meniskusverletzung abrupt beenden und da ich mein Sportstudium nicht an den "Nagel hängen" wollte bin ich auf Volleyball umgestiegen, das ich damals bereits als Hobby regelmäßig spielte. Im Zuge der wachsenden Begeisterung für dieses Spiel landete ich dann bei der SG Rodheim (Rosbach vor der Höhe bei Friedberg(Hessen) und wir schafften innerhalb von 6 Jahren den "Durchmarsch" von der Kreisklasse bis in die Regionalliga. Dort spielten wir fast 10 Jahre in einer unveränderten Formation und schafften es 1982 - 1984 in der 2.Bundesliga zu spielen. Bereits damals hatte ich vielfältige weitere zusätzliche Aufgaben wahrgenommen

  1. Abteilungsleiter Volleyball in der SG Rodheim
  2. Vereinsvorsitzender in der SG Rodheim
  3. Schiedsrichterobmann im hessischen Volleyballverband und Ausbilder von SR
  4. Staffelleiter in der Regionalliga
  5. Bundesliga Schiedsrichter

Während all dieser Jahre habe ich u.a. auch noch Schach, quasi als Ausgleichssport, in Friedberg, Klein Karben und Oberursel gespielt. Der größte schachliche Erfolg war dabei der Aufstieg der Schachfreunde Friedberg mit denen ich damals in die Oberliga aufgestiegen bin.

1986 musste ich meine aktive Volleyballkarriere einstellen, da ich massiv an Asthma erkrankte und durch mehrere Knieoperationen alle meine Menisci eingebüßt hatte. Die Arthrose in den Kniegelenken nahm damals "galoppierende" Geschwindigkeit auf. Somit erfolgte folgerichtig/zwangsläufig der Wechsel zum Schachsport (ab ca. 1987), in dem neben aktiven Spielen in den Mannschaftskämpfen vor allem der Aufbau und die Betreuung von Schulschach_AG`s zu meinen neuen Aufgaben gehörte.
1989 wurde ich in Hessen zum Ausbildungsreferenten gewählt, ein Amt, das ich bis heute wahrnehme und in dem neben der Trainerausbildung, der SR-Ausbildung vor allem auch die Lehrerfortbildung einen breiten Raum einnahm. Ab 1997 wurde ich Mitglied in der Lehrkommission des DSB und arbeitete dort bis 2007 aktiv mit, obwohl ich in den Jahren 2001 - 2003 noch zusätzlich Präsident in Hessen war.
2007 übernahm ich das Amt des Ausbildungsreferenten auf DSB-Ebene und übernahm dort anschließend das Amt als DSB Vizepräsident Sport (2011 - 2015) und bis 2015 auch zeitweise die kommissarische Leitung des Ausbildungsreferates, weil der gewählte Ausbildungsreferent wegen beruflicher Überlastung leider nicht zur Verfügung stand.

Bis Mai 2015 war ich Vizepräsident im DSB und kandidierte dann am Bundeskongress gegen Herbert Bastian, eine Entscheidung, die ich nach ein paar Tagen Abstand durchaus ambivalent sehe:

  1. Einerseits habe ich mir viel Stress und Ärger erspart, insbesondere im Hinblick auf die finanzielle Situation des DSB. Die Durchführung/Einberufung eines außerordentlichen Kongresses im Herbst dieses Jahres, in dem ein komplett neuer Haushalt vorgelegt werden soll, weil der bisher vorgelegte "nicht ab(zu)stimmungsfähig" war wirft ein bezeichnendes Bild auf die Gesamtsituation im DSB. Meine Ehefrau ist überglücklich darüber, (obwohl sie meine Kandidatur unterstütze und sich der zusätzlichen zeitlichen Belastung bewusst war), dass ich nunmehr nicht mehr in dem bisherigen Maße mit Schachthemen gebunden bin. Insbesondere der teilweise aufgestaute Ärger, z.B. nach Präsidiumssitzungen den die Familie zumeist ertragen musste entfällt - mithin also ein massiver Zugewinn an Lebensqualität für mein/unser Familienleben.
  2. Andererseits habe ich gesehen, dass wir nur mit massiven Einschnitten das "finanzielle Desaster" das uns im DSB droht unbedingt angehen müssen. Dem neuen Präsidium sind durch die Forderung nach einem neuen Haushalt die bisherigen Defizite nachhaltig aufgezeigt worden und im Prinzip ist es gut, dass der alte und neue Präsident Entscheidungen der Vergangenheit nunmehr selbst korrigieren muss.

Meinen im Januar erlittenen Herzinfarkt habe ich sehr gut überstanden. Nach Aussage der Ärzte ist die "Pumpe" ohne Schädigung geblieben. Mein Blutdruck und mein Puls hat sich wieder auf ein einem Level eingependelt, das mich an meine Zweitligazeiten erinnert. Alles in allem fühle ich mich wie "neugeboren".

Krennwurzn:
Das ist erfreulich zu hören! Dennoch war die Schachwelt vor dem Kongress doch sehr überrascht über die Rücktritte so vieler Präsidiumsmitglieder und auch dass Sie nach Ihrer Wiedergenesung als Präsident kandidiert haben, sehen viele als Anzeichen dafür, dass es neben möglicherweisen persönlichen Gründen auch massive sachliche Auffassungsunterschiede im Präsidium gegeben haben muss. Können Sie uns da ein wenig Ihre Sicht der Dinge darlegen?

Joachim Gries:
Das Präsidium ist "explodiert", die Auffassungen gingen in vielen Themen quasi diametral auseinander. Es war folgerichtig, dass fast das komplette Präsidium die "Reißleine" zog. Persönliche Interessen haben hierbei sicherlich ebenfalls eine Rolle gespielt. Für mich, für die anderen Kollegen kann ich nicht sprechen und möchte auch keine weitere Vermutung äußern, entscheidend waren in meinem Rechenschaftsbericht zwei Dinge, einerseits die Finanzkrise mit dem BMI, die noch nicht beendet ist, denn die Subsidiaritätsprüfung steht noch aus und andererseits mein Gesundheitszustand (Stand: Mitte/Ende Februar - damals befand ich mich noch in der Reha und konnte noch nicht absehen wie sich meine Gesundheit entwickeln würde).
Die Gefahr, die uns durch die Subsidiaritätsprüfung droht ist nicht absehbar, insbesondere könnte ein Ergebnis zwischen Komplettstreichung aller Zuschüsse bis zu minimalen Veränderungen herauskommen. Wer allerdings berücksichtigt, dass unsere Personalquote knapp unter 50% liegt und zwei Mitarbeiterinnen in ca. 12 Monaten wieder ihre Arbeit auf der Geschäftsstelle in vollem Umfang aufnehmen werden und wir dann mit größter Wahrscheinlichkeit auf über 50% steigen werden, weiß, dass bei solchen Prozentwerten die Gewährung von BMI-Mitteln in größter Gefahr sind. Darüber hinaus hatten wir vor kurzer Zeit eine Beitragserhöhung um 2 € durchgeführt mit der wir eigentlich die Erfordernisse für die nahe Zukunft lösen wollten. So wie es sich jetzt darstellt (siehe Kongressbeschluss - Vorlage eines neuen überarbeiteten Haushaltes), zeigt, dass diverse Haushaltspositionen massiv überarbeitet werden müssen (Kürzungen! oder gar Streichungen!), das gilt insbesondere auch für den Personalbestand auf unserer Geschäftsstelle, obwohl gerade hier in den letzten 24 Monaten diverse MitarbeiterInnen eingestellt wurden.

Krennwurzn:
Subsidiaritätsprüfung und Personalquote klingen ein wenig "technisch" und dürfen den Nichtfunktionären eher unbekannt sein, können Sie das unseren Lesern noch kurz erläutern?

Joachim Gries:
Eine Subsidiaritätsprüfung ist ein Verfahren/Mittel, das dem BMI zur Verfügung steht, um einen Verband zu überprüfen. Prüfkriterien sind zunächst u.a. die Prüfung der Struktur, wie z.B. Personal (Wie viele Stellen?), Kosten (Wie teuer ist das Personal?), Buchungen (Welche Gebühren/Kosten/Investitionen fallen an?), usw., im zweiten Schritt wird überprüft in welchem Verhältnis steht der Kostenfaktor "Personal" zu dem Gesamthaushalt. In unserem konkreten Fall haben wir ca. 450.000 € Personalkosten bei einem Gesamtvolumen von ca. 900.000 €. Das entspricht somit einer Quote von ca. 50%. Grundsätzlich sieht es so aus:

  1. jeder Sportverband, der Mitglied im DOSB ist wird in "olympisch" und "nichtolympisch" eingestuft. Die NOV (Nichtolympischen Verbände) werden im Vergleich zu den olympischen Verbänden deutlich geringer mit finanziellen Mitteln durch das BMI bezuschusst als die olympischen. Der DOSB ist diejenige Stelle, die dem BMI vorschlägt in welcher Höhe Zuschüsse erfolgen sollen.
  2. Wie bekannt, hatten wir im letzten Jahr einen heftigen Streit darüber, ob Schach weiterhin Fördermittel für den Leistungssport bekommt. Es ging damals nicht darum, ob Schach als Sport anerkannt wird oder nicht. Leider wurde in der Öffentlichkeit diese saubere Trennung nicht immer so exakt vollzogen.
  3. Sicher ist, dass wir, (die Auseinandersetzungen und die Einschaltung des Finanzausschusses des Bundestages sind sicherlich jedem bekannt) die Zuschussthematik insofern für uns zunächst positiv beenden konnten, dass die ursprünglich vorgesehene Komplettstreichung der Fördermittel (135.000 €) durch intensive Verhandlungen und Gespräche in eine Kürzung auf nur 93.000 € mündete.
    Nach den letzten Informationen (Stand: 09.Mai2015) aus dem DOSB müssen wir mit einer weiteren Kürzung auf ca. 80.500 € rechnen, da der "Verteilungstopf" (2,17 Millionen €) konstant bleibt, aber bedingt durch die Aufnahme weiterer nichtolympischer Verbände, der Anteil für jeden Verband damit kleiner wird.
  4.  Das BVA (Bundesverwaltungsamt) hat uns in den letzten 4 Jahren insgesamt 2-mal geprüft. Die zweite Prüfung "Nachprüfung" wurde nötig, weil es eine gewisse Anzahl von "Anmerkungen" gab, die wir zunächst abarbeiten/umsetzen mussten. Ein Punkt hierbei war u.a. der komplette Rückkauf der Anteile der Wirtschaftsdienst GmbH.
    Festzustellen ist, dass wir alle Auflagen erfüllt haben und deshalb zunächst auch weiterhin förderwürdig blieben. Angemerkt wurde bereits damals, dass wir nach Ansicht des BVA einen nicht unbedingt niedrigen Personalbestand haben (im Vergleich zu unserem Jahresbudget und in Bezug auf die Anzahl unserer Mitglieder).

Im vergangenen Jahr, als die Komplettstreichung der BMI-Mittel im Raume stand und wir in intensiven Gesprächen mit dem BMI standen wurde seitens des BMI unverhohlen damit "gedroht", zeitnah (in 2015 - vorausgesetzt, wir bekommen wieder Fördermittel) eine Subsidiaritätsprüfung durchzuführen. Aus Fällen, die in der Vergangenheit anderen Sportverbänden widerfahren sind und auch aus den Gesprächen im letzten Jahr beim BMI ist diese Quote für den DSB sicherlich eine "herbe Hypothek", die nicht unbedingt hoffungsvoll in die Zukunft blicken lässt. Meine Einschätzung ist daher nicht unbedingt positiv, aber vielleicht haben wir auch einfach mal Glück!

Krennwurzn:
Die öffentlichen Kassen sind seit der Finanzkrise 2008 eher leer und nach dem nicht so optimalen Abschneiden bei der Sommerolympiade 2012 in London (für Deutschland gab es zu wenige Medaillen und für Österreich gar keine) wurde in vielen europäischen Ländern die Sportförderung kritisch hinterfragt und da Schach sowohl medial als auch im Spitzenbereich nicht liefern kann, erscheinen mir Kürzungen in erster Lesung einmal logisch. Blickt man dann aber tiefer und denkt an Einstein, der sagte Schach ist das Spiel, das die Verrückten gesund hält, und nimmt die pointierte Formulierung verrückt aus dem Spiel, dann bleibt doch die Erkenntnis, dass man vom Schach viel Positives ins praktische Leben mitnehmen kann. Kurz gefragt: Setzen wir mit unserer Spitzenschachorientierung nicht aufs falsche Pferd oder fallen wir als reiner Breitensportverband aus den Fördertöpfen?

Joachim Gries:
Die Entwicklung im olympischen Bereich ist gelinde gesagt "Unerträglich"! Warum formuliere ich dies so negativ? Antwort: Die olympischen Verbände schließen im Vorfeld der Olympiade mit dem BMI sogenannte "Zielvereinbarungen"/"Erwartungsverträge" ab, die ihre Berechtigung nur daraus ableiten, dass nach Ablauf der Olympiade das eingetretene Resultat jedes(r) AthletenIn evaluiert wird. Konkret bedeutet dies, dass die möglichen Medaillenränge in ein Punktesystem übertragen werden und dann festgestellt wird, ob die Erwartungen erfüllt wurden. Ein solches Verfahren ist zwar auf den ersten Blick transparent, aber auf den zweiten Blick entstehen bei dem kritischen Beobachter doch Bedenken:

  1. Die Sportler "opfern"/"investieren" extrem viel Zeit in ihren Sport (vielfach können sie keinen Beruf ausüben und leben von der Sporthilfe), um sich in der Weltspitze zu etablieren. Allerdings sind alle nur Menschen, d.h. Magenverstimmung, "mit dem linken Fuß zuerst aufgestanden", Wetterfühligkeit, besonderer Stress bei Olympiade, etc. sind Faktoren, die nicht planbar sind und demzufolge eigentlich auch entschuldbar sein müssten. Aber eine Entschuldigung für VERSAGEN gibt es formal gesehen nicht, denn das Nichterreichen der erwarteten und damit förderungswürdigen Platzierung führt zur Kürzung/Streichung der Zuschüsse.
  2. Wenn also die Spitzenverbände einem solchen "Druck" durch das BMI ausgesetzt sind, herausragende Platzierung mit ihren Sportlern erreichen zu müssen, ist es nur allzu verständlich, wenn die Verantwortlichen alles unternehmen, um eine maximale Leistung des Athleten zu ermöglichen und die Athleten noch zusätzlich mit der Drohung unter Druck setzen, welche Konsequenzen damit verbunden sind, wenn sie nicht die gewünschte Platzierung erreichen. Wie nahe wir uns in einer solchen Situation beim Doping befinden, kann wahrscheinlich fast jedermann ahnen/bzw. nachvollziehen.
  3. Wie paradox unsere Gesellschaft beim Thema Doping handelt lässt sich auch daran ermessen, dass einerseits ein Weltrekord/Olympiasieg quasi gefordert wird und andererseits das Erreichen eines solchen Titels mit Unterstützung durch Dopingmitteln mittlerweile nicht nur juristisch, sondern auch ethisch-moralisch in der Gesellschaft als verwerflich angesehen wird. "Gefeiert wird der Sieger - dann ist er Superstar, andernfalls, falls ihm Betrug nachgewiesen werden kann "Verräter an den Werten der Gesellschaft". Dazwischen scheint es in unserer Gesellschaft nichts mehr zu geben. Ein guter 6. Platz ist der berühmte "Blechplatz" und keiner weiteren Erwähnung würdig.

Alle Spitzensportler bewegen sich in einem Umfeld, das höchste psychische und physische Anforderungen stellt. Ein "Versagen" gehört nicht zum Vokabular, obwohl gerade dies uns die Chance eröffnen würde, sie die Spitzensportler etwas sympathischer und menschlicher wahrzunehmen. Leider verfahren viele Medien immer noch nach dem Prinzip "Bad News are good news!" und ein Platz "unter ferner liefen" ist nicht einmal eine Meldung wert. Versucht man Schach in diesem Problemfeld "Profi - Amateur" zu verorten wird schnell klar was in unserem Sport unbedingt geklärt werden muss. Seit Jahren "drückt" sich der DSB vor der Klärung der Frage: " Wann sehe ich einen Sportler als Amateur und wann als Profi an?"

Insofern müsste sich der Schachbundesliga e.V. und der DSB zusammensetzen und eine tragfähige Struktur/Profilizenz, etc. auf den Weg bringen. Die Förderung des Nachwuchs-Spitzenschachs, z.B. das "Schachjahr für Matthias Blübaum und Dennis Wagner" (übrigens eine Drittelfinanzierung zwischen DSB/Sponsor/Eltern) hat sich insofern bewährt, als die gesetzten Ziele nicht nur erreicht, sondern sogar teilweise überboten wurden. Eine Fortschreibung solcher Förderkonzepte ist anzustreben, da sie nicht nach dem "Gießkannenprinzip", sondern konkret an Einzelpersonen und mit einem überschaubaren Finanzaufwand umgesetzt werden.

Der Unterstützung von großen Turnieren, wie z.B. Dortmund, Baden-Baden stehe ich deutlich skeptischer gegenüber, z.B. deshalb, da die "Startgelder" für deutsche Nationalspieler bei solchen Turnieren die Fördermittel für das Schachjahr unserer Prinzen überstiegen. Insofern sehe ich die Investitionen in unsere Nachwuchsspieler mit einer höheren Priorität, als Möglichkeiten zu eröffnen, dass unsere Spitzenspieler gegen Weltklassespieler antreten können.

Fazit:
Die gleichzeitige Förderung des Spitzensportes und des Nachwuchsleistungssportes gehören unabdinglich zu den Aufgaben eines Sportverbandes. Der Breitensport, zu dem wir in unserem Verband fast 99% unserer Mitglieder zählen müssen, hat ein Anrecht darauf in seiner Sportentfaltung gleichberechtigt neben dem Spitzensport zu stehen. D.h. auch in diesem Segment müssen Finanzmittel bereitgestellt werden, so dass neben der Mitgliedergewinnung auch die Mitgliederbindung sichergestellt werden. Projekte zu diesen Themen gibt es unzählige, umso wichtiger ist es, diese Aktivitäten zu stützen und zu fördern. Es ist nicht nötig große Workshops oder Akademien zu organisieren, hilfreich und notwendig ist es unseren Vereinen Materialien an die Hand zu geben mit denen sie die Vereinsarbeit/die Alltagsarbeit besser und effektiver bewältigen können.

Krennwurzn:
Immer öfter hört man bei Schachfreunden, dass man "die da oben" ohnehin nicht wirklich braucht, es gibt so viele Möglichkeiten Schach zu spielen und Vereine und Verbände sind sowieso überholt und nicht mehr zeitgemäß beziehungsweise kommt auch die Aussage: pfeifen wir auf die Förderungen und Spitzenschach und zahlen uns den funktionierenden Rest (Mannschaftsmeisterschaften) einfach selbst.

Joachim Gries:
Diese provokante Aussage passt zu der großen Anzahl "der Nichtwähler" bei Wahlen im Bund oder in den Bundesländern. Es ist mittlerweile bei vielen Schachspielern in den Vereinen (an der Basis), tatsächlich so, dass "die da oben" als nicht unbedingt nötig angesehen werden. Vielfach ist dies dem Umstand geschuldet, dass Projekte und Themen aufgegriffen werden mit denen sich die Basis nicht identifizieren kann, bzw. überhaupt keinen Bezug dazu hat. Es wird sehr oft darüber geklagt, dass sich der Verband doch endlich um die Belange der Vereine kümmern möge. Diese Aussage lässt sich an vielen Regeländerungen der Vergangenheit exemplarisch nachvollziehen:

  1. Abschaffung der Hängepartien - Aufschrei der Schachspieler, "Das Schachspiel droht zu sterben"
  2. Abschaffung der "langen Bedenkzeit" -Die Qualität der Partien geht verloren!
  3. Abschaffung von Alkoholika, Zigaretten - Warum müssen wir dies mitmachen!
  4. Handyklingeln - Was soll so ein Unsinn!
  5. Mitbringverbot von Handy, Smartphone, etc. - Ich will doch gar nicht betrügen?
  6. Einführung der Fischerbedenkzeit - Wir haben nur mechanische Uhren, wollen die uns ruinieren?

Die Aufzählung ist sicher unvollständig. Es gibt noch viel mehr Themen, die für Irritationen sorgen und dazu beitragen, dass die Basis sich nicht mehr im Fokus der zuständigen Funktionäre fühlt. Umso wichtiger ist es für unsere Vereinen, die die wichtigste Rolle innehaben, denn sie sorgen und kümmern sich darum, dass neue Mitglieder geworben, vorhandene Mitglieder an den Verein gebunden werden, Nachwuchs gefördert wird und last but not least ein "VEREINSLEBEN" tatsächlich praktiziert wird, Die verantwortlichen Funktionäre dürfen dies niemals vergessen. Eine gute Verbandsentwicklung wird sich intensiv der Probleme und Aufgaben der Vereine stellen müssen, wie z.B. keine kostenfreie Nutzung mehr von Spielräumen (insbesondere in Ballungsräumen), kaum Nachwuchsspieler [weil es keine Trainer, bzw. Spieler gibt, die dies Aufgabe ausfüllen können], das Vereinsturnier (Vereinsmeisterschaft) kommt nicht mehr zu Stande, weil die meisten Spieler keine freien Spielabende haben (sie spielen meistens parallel in weiteren Vereinen mit), usw. Die Liste kann beliebig verlängert werden, besonders dann, wenn man zusätzlich die Internetangebote hinzufügt, die jedes weltweites Schachspiel "rund um die Uhr" ermöglichen. Der Begegnungscharakter, die persönliche Präsenz am Brett, das Gespräch, das "gemeinsame Bier", die gemeinsamen Vereinsabende treten deutlich in den Hintergrund. Wir entwickeln uns zunehmend in einem immer schnelleren Maße zu EINZELGÄNGERN, die sich vielleicht noch zu einem Mannschaftswettkampf treffen, aber spätestens danach wieder in alle Himmelsrichtungen auseinandergehen. Gemeinsame Partieanalysen am realen Brett finden nur noch selten statt. Verbandsentwicklung unter diesem Aspekt gesehen, muss bewirken, dass die Vereinsmitglieder wieder regelmäßig in den Verein kommen 

Fazit:
Wir müssen glaubhaft machen, dass wir uns für die Belange unserer Vereine interessieren und bei der Lösung von Problemen helfen wollen und KÖNNEN. Wir benötigen Vereinsberater, die langjährige Erfahrungen in der Vereinsorganisation erworben haben und sich den aktuellen Fragestellungen nicht verschließen.

2015JoachimGries

Krennwurzn:
Ein heißes Thema sind auch Einzelmeisterschaften und Spitzenturniere

Joachim Gries:
Was mich besonders bewegt, das habe ich auch in meinem mündlichen Rechenschaftsbericht vor dem Kongress ausgeführt, ist die Durchführung/Organisation unserer deutschen Meisterschaften. Wir haben seit Jahren eine sinkende Anzahl von Bewerbern für die Durchführung von deutschen Meisterschaften. In den letzten Jahren sind deshalb Herbert Bastian (Saarbrücken) Michael S. Langer und Michael Woltmann (Verden) im Langschach und ich (Gladenbach) im Schnellschach - Männer und Frauen- als Ausrichter eingesprungen. Dass ein solcher Zustand nicht zum Dauerzustand werden darf ist wahrscheinlich nachvollziehbar. Notwendig wäre an dieser Stelle deshalb eine Erhöhung des DSB-Zuschusses an die potentiellen Ausrichter. Leider ist eine solche Erhöhung in den letzten Jahren nur in unzureichender Höhe erfolgt. Wir liegen trotz leicht erhöhter DSB-Zuschüsse immer noch in einem Bereich von mindestens 10.000 € den der Ausrichter aufbringen muss. Kleine Vereine, die keinen Sponsor/Mäzen haben laufen Gefahr sich finanziell zu "übernehmen". Das kann nicht im Interesse des DSB liegen. Eine Gegenfinanzierung muss zwingend durch Umschichtung erfolgen.

Ich stand mit diesem "basisorientierten Ansatz" (Unterstützung unserer Vereine bei der Durchführung von deutschen Meisterschaften) ziemlich allein. Die Erhöhung der Zuschüsse für deutsche Meisterschaften fiel im Vergleich zur Unterstützung von Turnieren, wie z.B. Baden-Baden und Dortmund, sehr bescheiden aus.

Krennwurzn:
Da kann die Krennwurzn mal ganz unverschämt Ihre Boshaftigkeit ausleben: Ist nicht die Problematik jene, dass sowohl der Deutschen Meisterschaften und der Bundesliga Geld und Teilnehmer fehlen und man immer wieder sisyphosartig versucht Formate, die sich nachweislich am Markt bei den Schachspielern und -fans nicht durchsetzen, künstlich am Leben zu erhalten?

Joachim Gries:
Für die Organisation der Bundesliga möchte ich an dieser Stelle nicht sprechen, denn dies ist der Zuständigkeitsbereich des Bundesliga e.V. und die Vereine regeln und besprechen ihre Organisationsstruktur dort in regelmäßigen Abständen in ihren turnusmäßigen Treffen. Dort werden neue Organisationsformen diskutiert und thematisiert und nach entsprechendem Beschluss in der Praxis erprobt.
Zu den deutschen Meisterschaften habe ich bereits eine ganze Menge in meinem Rechenschaftsbericht in der Kongressbroschüre gesagt. Zusammenfassend kann ich festhalten:

  1. Die Bezuschussung für den Ausrichter ist zu niedrig
  2. Die Durchführung und Organisation unter den momentanen Rahmenbedingungen ist ländlich strukturierten Regionen vorbehalten. Ballungsräume kommen nur dann in Frage, wenn dem Ausrichter ein Sponsor zur Seite steht

Krennwurzn:
Kommen wir zum Schluss noch zum heftig diskutierten Thema FIDE

Joachim Gries:
Wie schon in anderen Bereichen auch war sich das Präsidium bezüglich FIDE-Kongress Tromsö (Iljumschinow vs. Kasparow) uneins. Ich vertrat damals, wie auch heute, die Position, dass beide Kandidaten nicht vom DSB wählbar waren und zwar deshalb, weil beide nicht nur dem Korruptionsverdacht ausgesetzt waren, sondern nachweislich auch mit Korruption gearbeitet haben. Ein Verband, der solche Kandidaten unterstützt rückt sich damit selbst in die Nähe der Korruption. Der DSB war und sollte auch weiterhin ein Verband sein in dem das Wort Korruption und seine damit verbundenen Aktivitäten geoutet sind.

Krennwurzn:
Da teile ich Ihre Ansicht, dass beide Lager nicht wählbar waren! Allerdings verstehe ich auch den Ansatz von Herbert Bastian dennoch in die Institutionen zu gehen, weil man mit dem Oppositionskurs der letzten Jahre genaugenommen nichts erreicht hat. Welche alternativen Möglichkeiten gäbe es noch - ein FIDE Austritt demokratischer Föderationen?

Joachim Gries:
Ob Herbert Bastians FIDE - Weg der richtige ist, wage ich zu bezweifeln. Das Argument, nur das Beste für das deutsche Schach im Auge zu haben, muss erst bewiesen werden. Die Nichtberücksichtigung deutscher SR bei der Schacholympiade in der Türkei (wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen FIDE und den Unterstützern von Karpow) ist ein Beweis für "die harte Haltung gegenüber Kritikern". Auch die Forderung/Angebot an den DSB mit Zahlung einer Summe X die Beziehungen zwischen DSB und FIDE wieder in geordnete Bahnen zu lenken - ist kein Freundschaftsdienst und im Prinzip ein "NO GO".

Die Annäherung, die von Herbert Bastian vollzogen wurde - erscheint nicht wenigen Schachspielern in Deutschland als ein "Opfern deutscher Positionen - gegenüber der FIDE". Die Ausführungen zur Korruption möchte ich nicht wiederholen!

Die Position des DSB lässt sich auch in der NEUTRALEN Rolle manifestieren. Wir haben es nicht nötig auf "Schmusekurs" mit Präsidiumssitz in der FIDE zu äugen. Die geschäftlichen Beziehungen (Finanzen, ELO, Titel, etc.) laufen über das FIDE-Büro und sind absolut unabhängig von irgendwelchen Funktionen in der FIDE.
Die Kontakte in der ECU und im westlichen Europa sind seit Tromsö nicht mehr die besten und bedürfen der Verbesserung. Hier sind bilaterale Gespräche dringend notwendig (siehe Aussage Michael S. Langer bei ChessBase).

Der langfristige Aufbau eines Kandidaten ist in der Vergangenheit gescheitert. Alle Versuche Iljumschinow zu entmachten sind gescheitert. Ein Austritt aus der FIDE ist aber dennoch nicht nötig, denn die Chaoszustände in den 1990 - 2005-er Jahren sind überwunden. Die Infrastruktur funktioniert, der Präsident ist umstritten. Die Föderationen können aber ihren Aufgaben nachkommen.
Allerdings kann es passieren, dass Entscheidungen getroffen werden, z.B. die Vergabe der Blitz- und Schnellschachweltmeisterschaft nach Berlin 2015, ohne dass dies dem DSB-Präsidenten bekannt gegeben wurde, obwohl er zum gleichen Zeitpunkt in China weilte. Der DSB ist zwar nicht Ausrichter, aber es müsste eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein den zuständigen Präsidenten der betroffenen Föderation zu informieren, insbesondere dann, wenn er außerdem Vizepräsident der FIDE ist.

Ein Zusammenschluss, eine Kooperation mehrerer Föderationen zu einer Interessengemeinschaft ist denkbar, aber nicht außerhalb der FIDE. Das "Hochhalten demokratischer Strukturen" und die Unterstützung bedürftiger Mitglieder (ohne Korruptionsinteressen) kann ein Weg sein langfristig in der FIDE Veränderungen einzuleiten. Gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Offenheit müssen Grundlage der angestrebten Kooperationen sein. Politisches Taktieren, Lavieren, diplomatisches Geplänkel sind kontraproduktiv.

Krennwurzn:
Sie sagten Sie sehen die Kandidatur jetzt ambivalent – wie ist Ihr persönliches Verhältnis zum Präsidenten heute?

Joachim Gries:
Mit Herbert Bastian verband mich eine langjährige persönliche Freundschaft, aber in den letzten Jahren und Monaten haben wir durchaus unterschiedliche Einschätzungen von Sachfragen entwickelt. Er stieß in der Vergangenheit eine Vielzahl von Ideen und Projekten an, die er mit viel Engagement und Kreativität vorantrieb, die den DSB zum Teil finanziell stark belasteten, vergaß aber leider dabei, dass es im DSB möglicherweise wichtigere "Baustellen" gab (deutsche Meisterschaften - ausgeglichenen Haushalt, etc.)

MS Langer mit Krennwurzn über Schach und Finanzen
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In den Reaktionen auf die für manche zu lockeren Gespräche mit DSB-Präsident Bastian im August 2014 war unter anderem auch der Wunsch, die Krennwurzn möge doch auch mal den DSB-Vize Finanzen bequatschen. Ende Jänner 2015 schickte die Krennwurzn also eine Gesprächsanfrage und bekam eine positive Rückmeldung und das Gespräch begann via Email – nach ein paar beiderseitigen beruflichen, privaten und urlaubsbedingten Pausen, kann dieses Gespräch nun endlich online gehen!

Krennwurzn:
Starten wir mit etwas Smalltalk: „Michael S Langer“ langjähriger DSB-Vize Finanzen und aktiver Schachspieler wie der Präsident auch, was sollten unsere Leser noch über Dich als Person wissen?

MSL:
Ich bin 48 Jahre alt, seit 22 Jahren verheiratet und im "richtigen Leben" in einem bundesweit im Bereich der beruflichen Bildung agierenden Unternehmen Regionalleiter Niedersachsen. Neben meinen Aufgaben im Deutschen Schachbund bin ich u.a. seit 2007 Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes. Meine Hobbys neben dem Schach sind Lesen und das Reisen mit meiner Frau. Ach ja: Wir haben zwei Katzen!


2015MSL1DSB Vize Finanzen Michael S Langer

Krennwurzn:
Nun die Katze ist ja schon aus dem Sack: Du hast bekanntgegeben für keine weitere Funktionsperiode als Vize-Finanzen zur Verfügung zu stehen – es stellt sich daher die logische, aber kurze Frage: warum?

MSL:
Ich bin nach 12 Jahren an den Punkt gekommen, an dem ich meine Tätigkeit im DSB nachhaltig hinterfragt habe. Und ich bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass ich die Arbeit im Präsidium inhaltlich und atmosphärisch nicht mehr positiv genug bewerten kann, als dass ich mir ein „weiter so“ hätte abringen können. Details über meine Unzufriedenheit werden im Rahmen des DSB-Kongresses sicher intensiv diskutiert und sind vorab in meinem schriftlichen Kongressbericht nachzulesen.

Krennwurzn:
Kurze Zwischenfrage: Präsident Niedersachsen bleibst Du?

MSL:
Ich werde mich ab Mai mit (noch) mehr Intensität der Arbeit als Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes zuwenden. Und darauf freue ich mich!

Krennwurzn:
Schauen wir erst einmal ein wenig zurück: 2014 mit dem drohenden „Supergau“ des Verlust des Status „förderungswürdiger Sport“ für Schach war sicherlich schwierig – wie sieht Dein Rückblick auf 2014 aus?

MSL:
Ich antworte mal in Schlagworten! Anstrengend, nervenaufreibend, die Grenzen des Ehrenamtes austestend und am Ende so erfolgreich wie eben unter den derzeitigen Rahmenbedingungen möglich. Wir dürfen jetzt (weiter) Anträge an das BMI stellen! In welcher Höhe diese Anträge beschieden werden, wissen wir im Laufe des Jahres! Aber: Das ist mehr, als im Mai 2014 zu erwarten war! Die Haushaltslage des DSB hat sich durch die sehr späte Zahlung der BMI-Gelder im Dezember 2014 und die damit verbundene "Nichtmöglichkeit", das Geld auszugeben, nachhaltig konsolidiert. Der Jahresabschluss weist ein Plus von knapp 90.000,--€ aus und steigert unsere Liquiditätsrücklage auf knapp 260.000,-- €. Ich habe dem Präsidium trotz dieser positiv klingenden Zahlen einen ersten Entwurf des Nachtragshaushaltes vorgelegt, der eine Fortsetzung des Sparkurses, zumindest bis zum Zeitpunkt des Vorliegens eines für die kommenden Jahre mehr Sicherheit vermittelnden Bewilligungsbescheides, vorsieht.

Krennwurzn:
Viele Funktionäre klagen über die immer steigende Belastungen und dennoch hat man das Gefühl, dass die Masse der Schachspieler – sagen wir es salopp - Unmut gegenüber den Funktionären empfindet. Da muss doch was falsch laufen?

MSL:
Je weiter sich die Arbeit von der Basis der SchachspielerInnen entfernt, desto skeptischer wird diese Arbeit beurteilt. Es ist uns, wie so vielen anderen Verbänden und Institutionen, niemals wirklich gelungen, die intensive ehrenamtliche Arbeit im Dachverband (die manchmal weit über ein eigentlich verträgliches Maß hinaus geht) als nutzbringend für die Basis darzulegen. Um dieses Ansinnen nachhaltig zu verfolgen, bedarf es m.E. einer schriftlichen Ausarbeitung, die das, was der DSB leistet, in Gänze und vor allem transparent abbildet. In Stichworten: Spielbetrieb, Wertungen, stabile Finanzen, Leistungssportförderung….! Und das für 10,-- Euro im Jahr! Und natürlich: Das eine oder andere lässt sich auch inhaltlich verbessern.

Krennwurzn:
Kontrovers diskutiert wird auch, inwieweit Spitzensportförderung Aufgabe des DSB ist. Das Schachjahr zeigt super Erfolge, erscheint aber auch irgendwie sinnlos, wenn die Leute dann (berechtigterweise) studieren gehen!

MSL:
Die Förderung der Prinzen hat gezeigt, dass gesetzte Ziele mit der notwendigen Stringenz erreicht werden können. Und Ja: Ich finde es in fast allen Fällen richtig, dass erst der Beruf bzw. der Weg in denselben kommt. Ich plädiere dafür, dass wir mit diesem Thema realistisch umgehen. Der DSB wird keinen Weltmeister "produzieren" können!

Krennwurzn:
Ich würde gerne ein wenig noch in die Zahlen gehen und da drängt sich die Frage nach der doch sehr hohen Liquiditätsreserve gerade im Hintergrund von kolportierten, möglichen Beitragserhöhungen auf.

MSL:
Mein vorgelegter Haushaltsentwurf zielt darauf ab, dass keine Beitragserhöhung (zumindest für die Jahre 2016 und 2017) notwendig wird! Für den Kongress habe ich deswegen einen Antrag auf Beibehaltung der derzeitigen Beitragsstruktur gestellt.
Du beanstandest die Höhe der Liquiditätsrücklage!? Seit ich im Amt bin, lege ich fast schon gebetsmühlenartig dar, dass der DSB eine Rücklage von ca. 220.000,--€ benötigt. Dies begründet sich damit, dass im ersten Quartal keine Einnahmen erzielt werden können, die erste Beitragsrate unserer Mitgliedsverbände wird im April gezahlt, und nichts desto trotz Gehälter, Miete und anfallende Rechnungen gezahlt werden müssen. Rechnet man dann noch einen Aufschlag für unvorhergesehene Ausgaben hinzu, kommt man auf die von mir genannte Summe!

Krennwurzn:
Den großen Brocken Personalkosten möchte ich eher außen vor lassen, aber ein Blick auf 94T Kosten für Ehrenamt und 63T für die Geschäftsführung im Gegensatz zu 108T Leistungssportförderung in der auch 25T für Bundestrainer enthalten sind, schaut doch etwas „ungleichgewichtet“ aus.

2015MSL2„Einnahmen_und_Ausgaben_2013“ – PDF von DSB-Homepage

MSL:
Es stimmt! Unsere Personalausgaben sind gemessen am Gesamthaushalt hoch. Aber, wie soll der DSB denn ohne Hauptamtlichkeit überhaupt funktionieren? In den Personalausgaben sind die Kosten für unsere Trainer inkludiert. In den Kosten für die ehrenamtlichen Aufwendungen sind alle Kosten, die für den DSB im Laufe eines Jahres (also auch Kongress, Kommissionen, Präsidiumssitzungen….) enthalten. Und dass eine Geschäftsstelle Kosten (Miete, Dienstreisen, Geräte, laufende Renovierungen….) verursacht, ist selbstverständlich. Der Leistungssport hatte in den letzten Jahren mehr Geld zur Verfügung. Die geringe Summe des Jahres 2013 begründet sich u.a. mit erst in 2014 zu zahlenden Rechnungen.

Krennwurzn:
Ein weiteres heikles Thema in der Öffentlichkeit ist die etwas intransparente Sache mit der DSB Wirtschaftsdienst GmbH. Ist die noch notwendig, zeitgerecht oder soll die abgewickelt werden?

MSL:
Die WD GmbH tätigt vom Grundsatz her alle Aufgaben unseres wirtschaftlichen Zweckbetriebs. Und wirklich heikel war und ist sie nicht. Sie gehört mittlerweile zu 100% dem DSB! Von ihrer Gründung im Jahr 1985 gehörte sie bis in das Jahr 2010 verdienten (Einzel-)Mitgliedern des DSB. Ihre Einlage in Höhe von damals jeweils 10.000,-- DM haben sie zwei oder dreimal mit einer kleinen Dividende „entlohnt“ bekommen. Man braucht viel Enthusiasmus für die Sache, um das als lohnende Anlage zu bewerten. Der DSB hat die Anteile dann in zwei Schritten gekauft. Erst wollten Erben der Eigner ihre Anteile „loswerden“ und dann hat das BMI sich den Restankauf „gewünscht“. Die Irritationen und Spekulationen über diese Minifirma begründen sich wohl hautsächlich damit, dass der Jahresabschluss nicht Bestandteil der Kassenprüfung war.

Krennwurzn:
Noch heikler erscheint mir der Komplex den man mit Compliance bezeichnet. Immer wieder werden im Umfeld von FIDE Wahlen Korruptionsverdachtsfälle in die Öffentlichkeit gespielt. Wie damit umgehen und vor allem auch mit dem Problem, dass es natürlich Funktionäre geben kann, die in die eigene Tasche arbeiten.

MSL:
Ich beschränke mich in meiner Antwort erst mal auf den DSB. Ich kenne keinen Fall, in dem in Deutschland während meiner 12-jährigen Amtszeit tatsächlich Korruption nachgewiesen wurde. Dass es immer mal wieder Gerüchte gibt, liegt auch an der mittlerweile oft zu recht sehr kritischen und misstrauischen Betrachtung aller großen Sportorganisationen.

Krennwurzn:
„Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube..“ wird sich hier in Erinnerung an einen Dichterfürsten ein Großteil der Leserschaft denken, obwohl es auch nach meinen Informationen keinen gerichtlich nachgewiesen Korruptionsfall gegeben hat. Aber in der öffentlichen Wahrnehmung gab es doch Vorfälle die eine „schiefe Optik“ aufwiesen – sowohl in Deutschland als auch natürlich international. Dürfen sich da der DSB und seine Funktionäre da so einfach in die Burg „juristisch Bewiesenes gibt es nicht“ zurückziehen?

MSL:
Was soll ich antworten? Natürlich kenne ich auch Gerüchte! Und ich weiß auch, wie wir intern mit diesen Gerüchten umgegangen sind. Aber: es gibt in dem Zeitraum, in dem ich in erster Reihe gearbeitet habe, eben keinen nachgewiesenen bzw. beweisbaren Korruptionsfall. Ich mache es mir etwas einfacher und weiche ein bisschen ab: Die Art und Weise, in welcher der Wahlkampf in der FIDE geführt wurde, empfand ich in vielfacher Hinsicht als grenzwertig! Ich möchte nicht, dass diese Form der Politik so Einzug in den DSB hält. Und last but not least: Nein! Der DSB darf nicht die Augen verschließen!


Ältere Gespräche DSB-Spitze mit der Krennwurzn

Dez 2013 - DSB Vize Woltmann im Interview mit der Krennwurzn

Aug 2014 – Bastian mit Krennwurzn
                   über Olympia, Prinzen und Geld
                   über FIDE und Frauen

Neujahrskonzert 2015 Schach ist Sport
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Donnerstag, 01 Januar 2015 10:48

Neujahrskonzert 2015 Schach ist Sport

Hat die Krennwurzn zu Silvester zu viel Schaumwein getrunken oder ist gar von der Musik zu berauscht, zumal der Walzer „Wein, Weib und Gesang“ von Johann Strauss (Sohn) heuer am Programm stand? Nein, nein – seien Sie unbesorgt, es ist alles in Ordnung mit der Krennwurzn. Aber nachdem wir Wein und Gesang ausgeschlossen haben, bleibt nur mehr W... also in heutiger Hochsprache die Frauen. Äh – jetzt wird es noch unverständlicher, denken Sie, aber auch hier wieder ein klares Nein. Der lange Streit ist, ob Schach Kunst, Wissenschaft oder Sport ist und ich denke diese Frage lässt sich durch den Umgang mit Frauen in den einzelnen Disziplinen am einfachsten klären. 

 

 

2015 Neu 0175. Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker im Musikverein

Die Kunst ist wohl seit jeher aufgeschlossen und auf Gleichberechtigung oder wie es der Krennwurzn besser gefällt auf Gleichwertigkeit ausgerichtet. Bei den Wiener Philharmonikern sind Frauen zwar erst seit 1997 und auch erst nach massivem ausländischem Druck im Orchester vertreten. Eine Künstlerlaufbahn für Frauen wird auch in vielen Gesellschaften nicht so gefördert und es ist für Frauen sicherlich schwerer eine solche einzuschlagen und dennoch gibt es keine eigene Kunstkategorie für Frauen. Also Kunst kann Schach aus diesem Blickwinkel keine sein.

2015 Neu 02200 Jahre TU Wien - hier machten die Brüder Johann und Josef Strauss eine Ausbildung

In der Wissenschaft – vor allem in der Technik – gelten die gleichen Vorurteile und die Einstiegshürden für Frauen sind faktisch höher - besonders wenn es aus dem universitären Bereich in die freie Wirtschaft geht. Und dennoch gibt es kein Institut für Frauenmathematik auf einer Universität und schon gar keine extra Forschungsabteilung für Frauen in der Wirtschaft. Trotz noch immer weit verbreitetem Chauvinismus in diesem Bereich muss man sagen – auch aus dieser Sicht ist Schach der Wissenschaft nicht zuordbar.

Bleibt nur mehr der Sport übrig und da macht die Auftrennung in Männer und Frauen durchaus in vielen Bereichen Sinn, weil es hier nachweisbare Nachteile für die Frauen gibt. Welche das im Schach sein sollten, das kann niemand sagen, aber es ist halt so bequem und zeitgeistig ... und Förderungen gibt es auch! Und diesen Männerkorpsgeist, den die Universitäten im 19. Jhdt. und die Philharmoniker im 20. Jhdt. - nicht zu deren Nachteil - überwunden haben, den haben wir Schachspieler uns erfolgreich ins 21. Jhdt. „gerettet“ und jammern über rückläufige Mitgliedszahlen, lassen aber locker das Potential der Frauen links liegen und brüsten uns, dass wir ja „sooo“ viel für Frauenschach machen!

2015 Neu 03Conchita Wurst gewann 2014 Toleranz für Österreich

Alleine in Deutschland könnten so um die 50.000 neue Mitglieder fürs Schach gewonnen werden und da wären wir noch lange nicht bei einer 50% Frauenqoute – und da dies praktisch weltweit gilt, ist das für das Schach eine auch wirtschaftlich extrem wichtige Wachstums- und Absicherungschance. Männer – jeder von uns ist gefragt – wir müssen uns endlich öffnen und auch unsere Vereinstüren für Frauen öffnen und das Vereinsleben für diese attraktiver machen!

Prosit Neujahr 2015!!

DSB-Finanzen vorerst gerettet
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Sonntag, 14 September 2014 00:00

DSB-Finanzen vorerst gerettet

Die Streichung der Leistungssportförderung für 2014 ist abgewendet. 93 000 Euro erhält der DSB heuer vom Bundesministerium des Inneren, die Kürzung gegenüber 2013 macht unter 30 Prozent aus. Die Haushaltssperre wird aufgehoben, sobald dem Verhandlungsergebnis der offizielle Bescheid folgt, ist heute auf der DSB-Seite zu lesen.

Ein Finanzloch drohte dem DSB auch im Prozess, den Falko Bindrich angestrengt hatte. Der frühere Juniorennationalspieler forderte mehr als 60 000 Euro Schadensersatz, weil er nach der Nichtherausgabe seines Mobiltelefons, um einen möglichen Betrugsversuch bei einer Bundesligapartie 2012 zu untersuchen, kurzzeitig gesperrt wurde und nicht in seinem Verhalten sondern dieser Sanktion die Ursache seines beschädigten Rufs sehen wollte. Nach der Verhandlung vor dem Berliner Landgericht ist damit zu rechnen, dass Bindrichs Klage abgeschmettert wird. 

Ein wichtiger Schritt steht allerdings noch aus: Der Dachverband DOSB muss seine Förderkriterien im Dezember so ändern (und ist laut einer Erklärung von Ende Juni auch dazu willens), dass Schach auch 2015 weiter regulär gefördert werden kann.

 

 

Bastian mit Krennwurzn über Olympia, Prinzen und Geld
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Liest man sich so durch die Forenwelt, dann hat man schnell den Eindruck, dass der DSB praktisch alles falsch macht, aber blickt man auf die Homepage und diverse Interviews in klassischen Medien, dann ist fast alles in Butter und auch die anstehenden Probleme wurden bzw. werden zur vollen Zufriedenheit erledigt. Eine Erfolgsstory – aber viele unzufriedenen Nörgler, da darf die Krennwurzn natürlich nicht fehlen und schickte dem DSB Präsidenten Herbert Bastian kurzerhand einen Einzeiler mit der Frage „Lust auf ein Krennwurzninterview?“. Die Antwort „Warum nicht?“ schockte die Krennwurzn allerdings dann doch zuerst einmal. Da es zwischen uns schon ein paar Mal kurzen Emailkontakt „off the records“ wie man so schön sagt gegeben hat, ist die Zusage dann auch wieder nicht so überraschend – die Schwierigkeit liegt eher darin, dass die Krennwurzn weiß, dass viel gute Arbeit ungelobt von der Schachöffentlichkeit geleistet wird, sie aber gerade respektlos die unangenehmen Themen ansprechen möchte! Aber lassen wir das Gelaber und stellen wir die erste Frage:

Krennwurzn:
Auch wenn mit der ersten Frage gleich der Weg vom Patrioten zum Idioten erfolgreich absolviert wurde: wie sehen Sie das Abschneiden der Nationalmannschaft ohne geborenen Deutschen in Tromsö?

kf2105220pxBastian:
Die Antwort auf diese Frage kann nicht nur lauten, dass wir mit dem Platz 30 der Männer unzufrieden sind, da möchte ich doch etwas weiter ausholen. Georg Meier ist in Trier aufgewachsen, ich sehe ihn, auch wenn seine Mutter aus Uruguay stammt, als „geborenen Deutschen“. Aber die Tatsache, dass alle anderen mehr oder weniger einen Migrationshintergrund haben, spricht weder für die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems, noch für die Leistungsfähigkeit unseres Ausbildungssystems und auch nicht dafür, dass der Schachsport in Deutschland eine angemessene Wertschätzung erfährt. Das hat zuletzt auch die katastrophale Haltung des Bundesinnenministeriums in der Frage der Leistungssportförderung bestätigt. Dass ich schon länger Reformen im Ausbildungssystem anstrebe, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Leider mangelt es noch an der Umsetzung, weil ich bisher nicht ausreichend mit meinen Forderungen überzeugen konnte. Aber ich bin sicher, dass die Diskussion noch dieses Jahr in Gang kommt und im nächsten Jahr Handlungen folgen werden.

Unsere Männer haben bis zur 9.Runde hervorragend gespielt. Herausragend sind die Siege von Naiditsch über Carlsen und von Meier über Kamsky. Diese zeigen, dass die „Akklimatisierung“ an die Weltspitze durch die Kooperation mit Dortmund und Baden-Baden Früchte trägt. Ein halber Punkt mehr gegen Indien (10.Runde) bringt uns in die Nähe zum Setzplatz 12, ein ganzer Punkt mehr sogar in Medaillennähe. Gegen Australien war die Luft dann wohl raus, obwohl ich mir einen abschließenden Sieg gewünscht hätte. Auffällig ist auch, dass wir kaum Gegner aus der Spitzengruppe hatten. Gegen weniger bekannte Gegner schien die Mannschaft verunsichert zu sein. Wir sind unter den besten 17% und sollten laut Setzliste unter den besten 7% sein.
Anders ist die Situation bei den Frauen mit drei „geborenen Deutschen“. Die Frauen haben einen Durchbruch geschafft und ihre Leistungsfähigkeit deutlich unter Beweis gestellt. Aber ihnen fehlt noch die „Akklimatisierung“, weshalb sie mit dem Druck in der letzten Runde gegen die starken Georgierinnen noch nicht zurechtkamen. Mit dem Frauenschachfestival in Erfurt (24. – 31.8.) und der Deutschen Frauenmeisterschaft in Dresden (17.11. – 25.11.) machen wir wichtige Schritte, um unsere Frauen an ein höheres Niveau zu gewöhnen. Die Frauen haben es unter die besten 7% geschafft, gesetzt waren sie unter den besten 9%.

Krennwurzn:
Ok zu den Frauen möchte ich am Ende des Interviews noch einmal zurückkommen - die wichtigsten Fragen später, um die Spannung aufrecht zu erhalten! Die Krennwurzn möchte ganz sportmen like zuerst einmal ein Nisipeanu-bashing betreiben. Ein teurer Einkauf eines alten 38jährigen mit 2700 und einem Performanceeinstieg von 2550 - damit habe ich alle ungerechten Vorbehalte gegen einen netten Menschen in einen Satz verpackt und es graust mir vor mir selbst, aber dennoch bleibt die Frage übrig: was hat das für einen Sinn und ist das nicht gerade das falsche Zeichen an den Nachwuchs? Hätte ich nicht die Altersmilde meiner 50 Lenze sondern wäre ein heißblütiger 17jähriger Prinz mit Perspektive, würde ich schreien: warum habt Ihr diesen Oldtimer eingekauft und nicht mir eine Chance auf Olympiaerfahrung gegeben?

Bastian:
Der Wunsch zu wechseln ging von Dieter aus, und sein Wechsel wurde von unserem Sponsor begrüßt. Da sich auch die Trainer dafür ausgesprochen haben, hat das Präsidium zugestimmt. Bis zur 9. Runde war in Tromsö alles okay, und wenn Dieter gegen Indien gewinnt, spielen wir um eine Medaille mit. Wegen einer misslungenen Partie und der im Anschluss daran verkorksten Schlussrunde möchte ich noch kein negatives Fazit ziehen. Nun steht eine gründliche Auswertung an. Der Bundestrainer muss entscheiden, wie er weitermachen will. Es ist sicher eine Überlegung wert, unsere Prinzen so schnell wie möglich ins Feuer zu schicken, damit sie eventuell für die nächste Olympiade eine Option werden können.

Krennwurzn:
Ich möchte das Thema nicht an der Person Dieter Nisipeanu aufhängen, sondern die Frage stellen, ob so ein Legionärskauf nicht demotivierend auf die jungen aufstrebenden Spieler wirken kann, wenn ihnen ein "fertiger" Spieler vor die Nase gesetzt wird. Nisipeanu selbst hatte um die 20 auch erst 2400 und stieg dann auf 2600 und mit 29 schließlich auf 2700. Ein junger Spieler könnte sich da denken: diese Entwicklung will und würde ich auch machen, aber mein Verband gibt mir diese Chance nicht, denn Spielstärke und -härte kann ich nur steigern, wenn ich gegen stärkere Gegner antreten kann und genau diese Chance hätte mir eine Olympiateilnahme geboten!

Bastian:
Dieter sehe ich als Sonderfall, weil er schon so lange in Deutschland spielt und selbst den Wunsch zu wechseln geäußert hat. Grundsätzlich halte ich den Einwand für völlig berechtigt. Ob eine demotivierende Wirkung tatsächlich eingetreten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Nachbereitung der Olympiade werde ich meine Mitarbeiter um Vorschläge bitten, wie wir unsere besten Nachwuchskräfte noch effektiver und schneller an die Weltspitze heranführen können.

Krennwurzn:
Ok – kommen wir zu den Prinzen: Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir bei uns in Österreich ebenso wie in Deutschland keine wirklich früh starken Spieler haben und diese dann so bei 2600 oder früher hängenbleiben. Sind das strukturelle Schwächen oder haben wir zu wenig ehrgeizige Schachmütter und –väter? Oder sehen es auch die Jungen schon so pragmatisch wie ich: Schach ist ein wunderschönes Hobby, aber sehr riskant als Beruf und planen von Anfang an mit einem Studium oder einer guten Berufsausbildung?

Bastian:
Wir haben viele Talente und viele gute Trainer, deren Leistung ich keinesfalls in Frage stellen will. Dennoch sehe ich in Deutschland strukturelle Schwächen. Um z.B. ein so herausragender Spieler wie Magnus Carlsen zu werden, müssen viele wichtige Faktoren optimal zusammenwirken, und dazu gehört auch nicht Planbares. Verbessern könnte man in Deutschland die flächendeckende Talentsuche und die Talentschulung. Das Thema Motivation müsste aufgegriffen werden, ebenso die Frage der beruflichen Absicherung nach Durchlaufen einer professionellen Schachphase. Auch muss die Akklimatisierung unserer größten Talente an die Weltspitze früher anfangen und systematischer betrieben werden, wie wir es etwa mit den Kooperationen mit Dortmund und Baden-Baden schon begonnen haben. Und es muss eine konkretere Zieldiskussion im DSB geführt werden. Versucht haben wir das schon einmal mit der Vorlage eines Verbandsprogramms, das ohne weitere Diskussion beerdigt wurde. Diese Themen, und es sind nicht die einzigen, werden innerhalb des DSB nicht ausreichend bearbeitet, und das ist eine wesentliche, strukturelle Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Österreich ähnliche Probleme gibt. Das pragmatische Denken spielt wohl eine Rolle, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass die Verbände Modelle suchen, wie man junge Spieler motiviert und begleitet, bis sie in den Beruf übergehen.

Krennwurzn:
Ich sage auch rund heraus warum das ein Problem ist: für einen Verband verursachen zur Zeit Jugendförderung und Spitzenspieler nur Kosten und kaum Einnahmen! Zudem kommt ja periodisch immer die Frage auf, warum einigen wenigen „so viel“ Geld bei wenig Gegenleistung von der Schachgemeinschaft gezahlt werden soll. Hier bräuchte man kreative Ideen wie Poollösungen und Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ – das kann aber kein ehrenamtlicher Funktionär leisten! Zudem müsste man den Begriff „Schachprofi“ erst einmal definieren und diesen dann auch vertraglich an den Verband (Pool) binden – so ein System verwendet beispielsweise der sehr erfolgreiche österreichische Skiverband – aber ist sowas im Schach überhaupt denkbar?

Bastian:
Diese Argumentation überzeugt mich nicht. Investition in Jugendliche, die etwas leisten wollen, zahlt sich immer aus. Oft stehen sie in späteren Jahren der Organisation noch immer als Ehrenamtliche zur Verfügung, oder ihre Vorbildwirkung erzeugt einen positiven Sog. Eine Organisation, die nicht in ihren Nachwuchs investiert, programmiert ihren eigenen Tod. Spitzenkönner erzeugen eine sehr wertvolle Langzeitwirkung, ihre Namen geben der Organisation ihr Profil. Und meistens sind sie dauerhaft Leistungsträger. Beispiel nötig? Siehe Deutscher Fußballbund.
Zustimmen möchte ich der Forderung, „kreative Ideen“ wie Poollösung oder Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ zu entwickeln. Letztgenanntes tun wir bereits in ersten Anfängen. Das Marketing im weitesten Sinne muss im DSB in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden. Professionelles Marketing ist für uns derzeit unbezahlbar, ehrenamtliches nicht machbar weil es einen Fulltimejob erfordert. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen und müssen mit Geduld und Zielstrebigkeit in kleinen Schritten Verbesserungen erreichen. Mehr zu erwarten ist derzeit unrealistisch. Ich kann nur sagen, dass wir uns intern diesen Fragen stellen und Lösungen suchen.

Krennwurzn:
Bleiben wir beim Thema Geld – Schach ist zwar ein billiger Sport und dennoch fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Nun gehöre ich nicht zu jenen, die glauben, dass man mit Beitragserhöhungen – auch wenn diese in der aktuellen Situation durchaus vernünftig erscheinen – grundsätzliche Probleme lösen kann. Viel wichtiger ist doch das vorhandene Geld sinnvoller auszugeben – ich glaube wir verlieren zu viel Geld an – doppeltes Anführungszeichen – „Hartz IV Profis“. Das klingt in erster Lesung einmal ziemlich hart und abwertend – das ist mir klar, aber es ist nicht so gemeint, denn ich glaube viele davon haben einfach im Streben nach einer Schachkarriere als Profi den „exit point“ übersehen und da schließen sich meine Fragen an: Was kann dafür ein Verband leisten? Wäre es nicht sinnvoll jungen Spielern und Eltern einen Musterbusinessplan an die Hand zu geben, der auch so profane Dinge wie Sozialversicherung, Rentenversicherung, Steuer, etc. beinhaltet und der Jungprofis zeigt wieviel Geld sie einnehmen müssen, um neben anderen Kosten (Trainer, Reise, ...) auch diese zu tragen und ein vernünftiges und gesichertes Einkommen zu erzielen?

Bastian:
Wie jemand sein Leben konzipiert ist eine individuelle Sache, aus der sich der DSB im Allgemeinen heraushält. Mir ist nicht klar, wo Geld an „Hartz IV Profis“ verloren geht!? Ich glaube eher, dass die Leistung dieses Personenkreises für die Schachbewegung und für die Vereine viel zu wenig wertgeschätzt wird. Vieles geschieht doch entweder total unterbezahlt oder sogar ehrenamtlich, wobei ich vor allem an Jugendarbeit oder Fachartikel denke. Ohne diesen Personenkreis, der sich ganz dem Schach verschrieben hat, würde den Vereinen viel verloren gehen. Einen „Musterbusinessplan“ halte ich für eine sehr gute Idee, obwohl auch das nur ein Mosaikstein zu einer (zeitlich begrenzten) Profikarriere ist.

Krennwurzn:
Auch ich möchte niemanden vorschreiben, wie er zu leben hat – ich sehe es so: es gibt im Schach eine gewisse Menge Geld zu verteilen und zu viele an die es verteilt wird, daher ist es schwierig als Profi mit Sozialversicherung und Steuererklärung zu existieren. Meine Intention geht dahin darüber nachzudenken, ob man „lizenzierte Schachprofis“ installieren kann – im Idealfall sogar als Angestellte bei einem Verein. Das könnte für die Profis ein sicheres Auskommen bedeuten und für die Vereine böte sich möglicherweise eine bessere lokale Vermarktbarkeit! Den Begriff „Hartz IV Profis“ sollte man eher durch „Wanderarbeiter“ ersetzen...

Bastian:
„Lizenzierte Profis“ – das ist für mich eine neue Idee und sehr interessant! Das werde ich in meinem Team zur Diskussion stellen, ein weiterer Mosaikstein in diesem Themenfeld!
Etwas anders sehe ich die Frage der Geldverteilung. Ein sehr großer Anteil unserer Mitgliedsbeiträge geht bei uns in die Personalkosten. Auch wenn es unpopulär ist: aus der alltäglichen Arbeit weiß ich, dass diese Kosten unvermeidlich sind, auch wenn wir weniger Personen aus dem angesprochenen Kreis hätten. Das allgemeine Sportgeschehen und das Schachgeschehen insbesondere sind so anspruchsvoll geworden (als zwei Beispiele von vielen nenne ich das relativ neue Thema der Inklusion oder die unsägliche Verrechtlichung im Sport), dass ein Verband wie der Deutsche Schachbund von vornherein eine sehr hohe Grundbelastung hat. Bevor wir Geld in den Spielbetrieb stecken können, müssen zuerst einmal die umfangreichen Hausaufgaben der Sportpolitik erfüllt werden. Ich habe große Zweifel, ob unserer Basis das in vollem Umfang bewusst ist, daher auch das oft anzutreffende Unverständnis gegenüber Beitragserhöhungen, die doch (scheinbar!) nicht als Dienstleistungen an die Basis zurückfließen.
Auch wenn ich mich mit dieser Äußerung vielleicht der Kritik aussetze: Der Deutsche Schachbund benötigt ausreichende Mittel mit Reserven, um z.B. solche Konzepte wie „lizensierte Profis“ aufzugreifen. Solange wir finanziell am Limit leben, ist kaum Spielraum da, um solche komplexen Neuerungen auszuarbeiten und in die Praxis umzusetzen. Wir lähmen uns oft selber.

Krennwurzn:
Für die Basis sind vor allem ein funktionierender Spielbetrieb und eine vernünftige Eloauswertung von wesentlichem Interesse und das klappt doch sehr gut und zusätzlich sind nur sehr wenige sportpolitisch interessiert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Personalkosten extrem ausgedrückt per se als „persönliche Bereicherung“ oder noch schlimmer als „Korruption“ empfunden werden und im milderen Fall eine Neiddiskussion auslösen. Einen Weltmeistertitel und eine der besten Ligen der Welt gibt es im Fußball ja auch nicht zum Nulltarif – warum sollte das dann im Schach möglich sein? Müsste man als Verband nicht offensiver die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit dieser Kosten kommunizieren und wenn ja - wie?

Bastian:
Mit dieser Forderung wird das Präsidium regelmäßig konfrontiert, und ich halte sie (guten Gewissens) für berechtigt. Die Frage des „Wie“ ist schwerer zu beantworten, weil man sicherstellen muss, dass die gegebenen Informationen ankommen und objektiv betrachtet werden. Zuletzt hat unsere Geschäftsführerin Heike Quellmalz am 30.Mai auf dem Hauptausschuss in Frankfurt den Verbandsvorsitzenden in einem längeren Vortrag dargelegt, welche Aufgaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Berlin erfüllen. Dies geschah in Anwesenheit des DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann. Herr Hörmann hat sehr interessiert zugehört und uns die Anregung gegeben, gegebenenfalls im Verwaltungsbereich, nicht aber im Sportbereich zu sparen, wenn wir aus der Leistungssportförderung durch das BMI fallen sollten (was inzwischen überholt ist). Im Präsidium haben wir uns das sehr zu Herzen genommen. Zudem gibt es die Absicht der Landesverbände, im Herbst die Geschäftsstelle zu besuchen und die Verhältnisse persönlich vor Ort zu prüfen. Dem stellen wir uns im Sinne der Transparenz gerne. Diesem Ortstermin und der darauf folgenden Auswertung kann und will ich nicht vorgreifen. Dennoch will ich schon hier meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezeichneten Einsatz zeigen und nicht an Leerlauf leiden.

Krennwurzn:
Ok – Geduld gehört zwar nicht zu meinen Stärken, aber da müssen die Leser und ich noch ein wenig warten. Was mich persönlich im Themenbereich Geld und Arbeit noch interessiert und oftmals auch verunsichert ist das Spannungsfeld zwischen Ehrenamt, Hobby und professioneller Arbeit. Vom Ehrenamt verlangt man professionelle Arbeit zum Nulltarif – das muss man wohl persönlich akzeptieren, wenn man so ein Ehrenamt annimmt und das funktioniert auf Vereinsebene wohl ganz gut – auf Verbandsebene habe ich manchmal das Gefühl, dass wir die Funktionäre an die Grenze des Leistbaren treiben?

Bastian:
Das ist völlig richtig. Die Funktionäre werden heute oft jenseits der Grenzen des Leistbaren getrieben und müssen zudem noch eigenes Geld investieren. Wobei ihnen von denen, für die sie unbezahlt arbeiten, noch Selbstbereicherung und Korruption vorgeworfen wird.

Krennwurzn:
Es muss doch was in der Kommunikation komplett falsch laufen, damit diese Schieflage zwischen Wirklichkeit und Vorstellung bei den Mitgliedern entstehen kann? Oder ist es simpler Zeitgeist, dass alle oben (Politiker, Manager, Funktionäre, etc. ) als – ich wage es gar nicht zu schreiben – „Gauner“ gesehen werden? Und was kann man dagegen machen und was sagt Frau Bastian dazu, dass ihr Mann viel Zeit für „Schimpf und Schande“ opfert?

Bastian:
Ja, es läuft etwas schief, aber ich kann dazu nur meine persönliche Meinung sagen, ob die zutrifft, müssen andere beurteilen. Ich sehe das Hauptproblem darin, dass zu viel von zu wenigen Leuten hinter verschlossenen Türen besprochen wird. Oft aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man am weitesten kommt, wenn man offen und ehrlich kommuniziert und die Leute in die Entscheidungsprozesse so gut wie möglich einbezieht. Meine Frau kennt meine Motive und respektiert das. Sie weiß, dass ich meine Motivation aus der Liebe zum Schach beziehe und dass mir das niemand nehmen kann.

Krennwurzn:
Offene Entscheidungsprozesse sind auch meiner Meinung nach ein Schlüssel für mehr Verständnis – allerdings muss auch klar sein, dass diese liberale Herangehensweise eine klare Abgrenzung zum Anarchismus hat und daher nicht alles in allen Details in der Öffentlichkeit diskutiert werden kann, weil es neben Persönlichkeitsrechten auch schützenswerte Interna gibt.
Ich möchte zum Abschluss dieses Teils noch eine persönliche Frage zu der entgeltlosen Hobbyarbeit stellen. Wir haben eine sehr aktive Schachszene im Internet mit vielen Foren, Blogs etc. – aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir Gratisschreiber nicht professionellen Journalisten Einkommenschancen mindern?

Bastian:
Mit dem ersten Teil bin ich einverstanden, aber Letzteres kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass die Ehrenamtlichen den Profis die Arbeit wegnehmen, sondern es ist genau umgekehrt: Überall dort, wo Ehrenamtliche oder Idealisten etwas Neues aufbauen, entstehen noch Beschäftigungsmöglichkeiten für Professionelle.

Krennwurzn:
Ok – so kann man das auch sehen. Ich möchte noch einmal bei der Offenheit etwas nachhaken – leider gab – und wird es auch in Zukunft auch geben – Fälle wo Funktionäre tatsächlich in Korruptionsaffären oder persönliche Vorteilnahme verstrickt waren. Die bisherige pragmatische Vorgehensweise war so gut wie möglich vertuschen und auch aus juristischen Gründen so wenig wie möglich öffentlich zu machen und die Sache hinter verschlossenen Türen so gut wie möglich zu lösen. Schwarze oder graue Schafe gibt es überall, aber sollte man damit in Zukunft offener umgehen oder ist der Preis drohender Gerichtsverfahren dafür einfach zu hoch und zeitaufwendig?

Bastian:
Da kann ich einfach nicht mitreden, weil ich das in meinem Umfeld noch nicht erlebt habe. Soweit ich weiß war der Deutsche Schachbund bisher nicht betroffen. Wahrscheinlich muss man jeden Fall individuell betrachten. Korruption gab es immer und wird es immer geben. Deshalb muss jede Gemeinschaft Regeln, nach denen sie sich organisieren will, und Konsequenzen bei Regelverstößen festlegen. Es ist völlig unrealistisch anzunehmen, dass wir in Deutschland Regeln festlegen können, die in allen 181 Mitgliedsorganisationen der FIDE akzeptiert werden und sinnvoll sind. In der FIDE muss über das Regelwerk gesprochen werden, es entwickelt sich ja jetzt schon kontinuierlich weiter. Doch bei allen Veränderungswünschen muss man stets berücksichtigen, dass Neuerungen nur einvernehmlich nach den jeweils geltenden Regeln beschlossen werden können. Veränderungspotenzial muss stets geduldig ausgelotet und nach viel Überzeugungsarbeit ausgeschöpft werden.

Krennwurzn:
Die Krennwurzn als hobbymäßiger Interviewer, wagt locker die Frage zu stellen, ob der DSB-Präsident zum Themenkomplex Olympia, Prinzen und Geld selbsttätig nicht gestellte Fragen beantworten möchte?

Bastian:
Bekanntlich ist das Schachspiel wie ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann. Auf eine offene Frage zu gleich drei so komplexen Themengebieten wähle ich diesmal die Mückenvariante: Tolle Leistung der Frauen mit Luft nach oben, tolle Leistung der Männer, denen beim Zieleinlauf etwas zu früh die Puste ausgegangen ist, Prinzen als Hoffnungsträger, denen ich einen Quantensprung nach oben wünsche, und ein leidiges Thema, das wir nur durch gute sportliche Leistungen in den Griff bekommen werden.

Krennwurzn:
Danke für die Zeit und die offenen Antworten - vielleicht schaffen wir einen zweiten Teil mit den Themen FIDE und Frauen – ich glaube das würde unsere Leser noch interessieren!

DSB- und nunmehr FIDE-Vizepräsident Herbert Bastian (rechts) mit dem norwegischen Schachpräsidenten JJ Aulin
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Mittwoch, 13 August 2014 00:00

Ein deutscher Erfolg in Tromsö?

Die deutschen Damen spielen am Donnerstag bei der Schacholympiade gegen die Georgierinnen überraschend (und mit etwas Glück) um eine Medaille, die Männer nach der ersten Niederlage gegen Indien nur noch um eine vorzeigbare Platzierung. Auch schachpolitisch läuft es gemischt in Tromsö. Der DSB-Kandidat für die FIDE-Präsidentschaft, angeblich Kroate mit Wohnsitz in den USA, ist deutlich durchgefallen. Auch das Europaticket, in dem der langjährige DSB-Generalsekretär Horst Metzing antrat, zeigte sich chancenlos. Metzing verzichtete danach auf eine Kandidatur für einen der frei zu wählenden Vorstandsposten (obwohl er sicher gewählt worden wäre).

An diesem Mittwoch wurde DSB-Präsident Herbert Bastian als Kandidat für einen von fünf Vizepräsidentenposten nominiert. Und zwar von Griechenland und der Schweiz, die auf Iljumschinow-Linie stehen. Wer ihn nominiere, sei doch nur eine Formsache, sagt Bastian dazu. Im Kasparow-Lager, wo man ihn nach dem enttäuschenden Ergebnis für einen der Umfaller hält, wird es wohl anders ankommen. Vor der FIDE-Wahl sei er von beiden Seiten bearbeitet worden, sagt Bastian und versichert: Versprochen oder gar angenommen habe er aber nichts. Auch nicht für die Vizepräsidenschaft, für die er sich in der Vollversammlung im zweiten Wahlgang gegen sechs weitere Kandidaten und Kandidatinnen durchsetzte. Im FIDE-Vorstand, das sich vierteljährlich für ein langes Wochenende irgendwo auf der Welt zusammenfindet, will er die Interessen des deutschen Schachs vertreten. Dabei wisse er und erwarte, dass es natürlich Diskussionen auslöse, wenn er in den Vorstand einer zuhause als korrupt verschrieenen Organisation gehe.

Unterstützen wir den DSB
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Donnerstag, 15 Mai 2014 15:59

Unterstützen wir den DSB

Auf der Homepage des DSB sind zwei Artikel mit der Bitte um Unterstützung erschienen.

Das Präsidium bitte Sie um Unterstützung

hier wird gebeten einen Musterbrief an politische Ansprechpartner zu schicken

Musterbrief (DOC) und Anhang Rede Thiel (PDF)

Bericht Treffen des DSB mit der DOSB-Spitze am 14. Mai 2014

Vielleicht schafft der DSB auch noch die Möglichkeit einer ONLINE-PETITION um auch die neuen Medien optimal zu nutzen! Leisten wir unseren Teil dabei, damit wir nicht unsichtbar und ungehört bleiben. Also bitte an so viele Schachfreunde wie möglich weiterleiten und verlinken!
Und natürlich schicken wir den ausgefüllten Musterbrief inkl. Anhang an unsere regionalen und überregionalen Politiker!

Michael Woltmann - DSB Vizepräsident Verbandsentwicklung
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Aus einem kleinen Disput per Email, ob nun im Video ab ca. 16:30 klar hervor geht, ob der neue Bundestrainer Rogozenco genau gesagt hat, ob er einen deutschen A-Trainerschein hat und der veralteten „aktuellen“ A-Trainerliste aus dem Jahre 2011 auf der DSB-Seite, ergab sich ein Interview mit dem Vizepräsident Verbandsentwicklung des DSB Michael Woltmann.

Krennwurzn:
Herr Woltmann, angekündigt war eine gemeinsame Präsentation des neuen Bundestrainer Rogozenco im CB-TV - warum war dann niemand vom DSB vor Ort?

Woltmann:
Unsere Zusammenarbeit mit ChessBase ist nicht neu. Allerdings war bisher soweit ich weiß nie versucht worden, besondere Nachrichten in einem "Fernseh-Format" zu präsentieren. Es gab keine Erfahrungen damit. Im Vorfeld war ich mir also auch nicht sicher, was die Zuschauer hinterher davon halten. Es gab einige wenige kritische Stimmen die sagten, die Angelegenheit sei vielleicht aufgebauscht. Möglicherweise würden wir mit dem Erfahrungsschatz dieser einen Sendung nun eine andere Entscheidung treffen und einen Vertreter des DSB schicken. Aber hinterher ist man halt immer schlauer. Wir werden sicher bald mit ChessBase über zukünftige Sendungen reden und weitere Erfahrungen sammeln. Mir war und ist es wichtig, auch verstärkt bewegte Bilder anzubieten. Wir arbeiten in unserer Öffentlichkeitsarbeit bisher sehr textlastig.

Krennwurzn:
Sie haben gar nicht daran gedacht einen DSB Vertreter zu schicken? Wie soll man da "gemeinsame Präsentation verstehen?

Woltmann:
Es war nicht vorgesehen, dass ein DSB-Vertreter teilnimmt. "Gemeinsam" war also vielleicht nicht die richtige Bezeichnung. Ich hatte die Zusammenarbeit in diesem Punkt (Präsentation Bundestrainer Rogozenco) insgesamt vor Augen. Bei dem Wort "Gemeinsam" ging es mir nicht um die Beschreibung der Gästeliste.

Krennwurzn:
Also mir kommt das eher wie Outsourcing vor oder nach Krennwurzn Lesart wird aus „gemeinsam“ dann: es ist gemein, den Bundestrainer Rogozenco einsam in der Fremde präsentieren zu lassen. Noch dazu wo zwei Angestellte die Präsentation eines Verbandjobs vorgenommen haben. Das ist doch für einen Kritiker ein aufgelegter Strafstoß 1 cm vor der Torlinie ohne Tormann!

Woltmann:
Ehrlich gesagt, wir dachten nicht daran, dass dies zu Kritik führen würde. Mit ChessBase gibt es einen ganz normalen Sponsoringvertrag und eine enge Zusammenarbeit wie mit anderen Partnern auch. Ebenso war ChessBase nicht in den Entscheidungsprozess über den Bundestrainer mit einbezogen. Wir haben diese Sendung vereinbart. Den Namen des Bundestrainers erhielt ChessBase erst wenige Tage vor der Sendung. Und da der neue Bundestrainer Rogozenco die Leute dort gut kennt, sahen wir auch keine Veranlassung ihm eine Begleitung seitens des Verbandes mitzuschicken, weil wir nie den Eindruck hatten, ihn alleine in die Fremde zu schicken.

Krennwurzn:
Ein weiterer Kritikpunkt war, dass im DSB-Artikel zur Vorstellung die ChessBase Vergangenheit vom Bundestrainer Rogozenco quasi verheimlicht wurde, was ja heutzutage irgendwie sinnlos erscheint. Warum haben Sie das so gemacht?

Woltmann:
Ziel dieser Formulierung war gewiss nicht, ChessBase zu verheimlichen. Ziel war einen Text zu verfassen, den auch jemand versteht, der ChessBase nicht kennt. Ich lege solche Presseerklärungen immer Menschen vor, die kein Schach spielen und frage, ob sie den Text verstehen. Eine Mitarbeiterin von mir fragte dann, was ChessBase-DVD´s seien. Daher dann im Text Trainings-DVD´s. In unserer Presseerklärung für ca. 150 Sportredaktionen habe ich auch von nationalen und internationale Trainerlizenzen geschrieben und nicht A-Trainer, damit man sich mehr darunter vorstellen kann.

Krennwurzn:
Welche Aufgaben hat der neue Bundestrainer Rogozenco?

Woltmann:
Er ist vor allem für die A-Nationalmannschaft und die „Prinzen“ zuständig. Aktuell überprüfen wir die Möglichkeiten den „Prinzen“ nach dem Schulabschluss ein Schachjahr zu ermöglichen. Natürlich stellt die Finanzierung ein wesentliches Problem dar, aber wir sind in guten Gesprächen mit Sponsoren für dieses Thema. Das Geld sollte vor allem für Turnier-, Reise und Trainingskosten verwendet werden, denn in diesem Jahr sollte nicht im stillen Kämmerlein trainiert werden, sondern ein Einblick in das Leben eines Schachprofis mit vielen Turnierteilnahmen und Meisterschaftsspielen gewährt werden.

Krennwurzn:
Gut - kommen wir zu einem anderen Thema - warum wurde das DSB-Forum geschlossen?

Woltmann:
Sie werden es nicht glauben, das hat vor allem technische Gründe. Wir sind gerade dabei den Webauftritt des DSB zu modernisieren (Terminhorizont Frühjahr 2014) und in das neue CMS (Content Management System) kann das alte Forum nicht so leicht integriert werden. Der von Ihnen gerne kritisierte Webmaster war entgegen Ihrer Meinung ein starker Befürworter des Erhalts des Forums. Eine Integration des Forums hätte aber zu erheblichen Mehrkosten geführt und da das Forum beinahe nicht mehr genutzt wurde, fiel die Entscheidung diese Kosten zum Wohle der Beitragszahler zu sparen.

skf14400Krennwurzn:
Und auf die Meinungsäußerung zu verzichten.

Woltmann:
Uns ist klar, dass wir verstärkt in die sozialen Netzwerke müssen und dort stellt sich dann das Thema Zensur gar nicht mehr, dort muss man sich Meinungen einfach stellen – das wollen wir und davor haben wir auch keine Angst. Ich persönlich bin erst seit Mai im Präsidium und ich kann Ihnen versichern, dass es in dieser Zeit keinen Eingriff in die Meinungsfreiheit gegeben hat – wie die Praxis früher und vor einigen Jahren war, dazu kann ich nichts sagen. Jeder Nutzer kann die bei den Artikeln angegebenen Emailadressen nutzen, um uns Anfragen zu schicken. Diese werden zeitnah beantwortet – natürlich sollte man dabei bedenken, dass es sich um ehrenamtliche Funktionärstätigkeiten handelt und die Personen auch einen Zivilberuf nachgehen. Aber eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist nicht gewollt – wir freuen uns über konstruktive Diskussionsbeiträge.


Krennwurzn:
Dass man einzelne Artikel kommentieren darf und andere nicht – das könnte man als Zensur sehen.

Woltmann:
Mit der Kommentarfunktion einzelner Artikel habe ich keine Freude, da hier Mitteilungen des DSB mit Blogelementen vermischt werden – das gefällt mir nicht. Es war auch nur der Artikel über die FIDE-Identifikationsnummer freigeschaltet, weil wir da auch für Fragen von Mitgliedern offen sein wollten.

Krennwurzn:
Sie sind für Verbandsentwicklung zuständig – was darf man darunter verstehen?

Woltmann:
Es geht um Öffentlichkeitsarbeit, Breitenschach und Vereinsbetreuung. Da wir derzeit keinen ehrenamtlichen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit haben, wende ich einen Teil meiner Zeit gemeinsam mit der Geschäftsstelle für diesen Bereich auf. Wie schon gesagt, modernisieren wir die Homepage inklusive Integration der Seniorenwebseite, FIDE-Trainerakademie, etc. und wollen auch in die sozialen Netzwerke gehen.

Krennwurzn:
So manche DSB Entscheidung der jüngeren Vergangenheit verursacht ein Unwohlsein oder Kopfschütteln bei vielen Schachfreunden – ich möchte da die Bestellung von Frau Quellmalz ohne Schachkenntnisse zur Geschäftsführerin des DSB nennen und die Betrugscausen. Da ist ja Einiges sehr unglücklich gelaufen?

Woltmann:
Manchmal ist auch gut, wenn man über den Tellerrand schaut und die Qualifikationen von Frau Quellmalz waren einfach die besten von allen Bewerbern und auch, dass eine Frau diesen Posten bekam ist sicherlich im männerdominierten Schach kein schlechtes Zeichen. Die Aufgabe von Frau Quellmalz ist die Geschäftsführung und nicht die Öffentlichkeitsarbeit und ich kann Ihnen sagen, dass Frau Quellmalz ihre Arbeit ausgezeichnet erledigt. Für Schachpolitik und Außenwirkung sind die Funktionäre zuständig und da sind wir demokratisch organisiert, was gerade in den Betrugscausen zu zeitlichen Problemen führt, da der DSB nicht von oben herab bestimmen kann, sondern Regelungen gemeinsam mit den Landesverbänden gemacht werden müssen. Das ist gut so, kostet aber Zeit.

Allerdings muss ich sagen, dass wir vor allem juristisch haltbare Bestimmungen brauchen, denn Schnellschüsse, die hinterher nicht halten sind noch schlimmer. Es wird auch diskutiert, dass private Turnierveranstalter eine Unterwerfungserklärung unter die DSB-Bestimmungen in ihre Ausschreibungen übernehmen können, damit auch dort erfolgter Betrug juristisch sicher abgestraft werden kann. Ein schwieriges Thema für noch längere Zeit, denn auch die Betrüger sind sehr kreativ und werden es wohl leider bleiben und der DSB kann und darf die Rechtsstaatlichkeit nicht verlassen!

Krennwurzn:
Da wurde nun aus einem anfänglichen Disput – abgesehen von meinem Fauxpas mit der Altersschätzung – ein ganz nettes Gespräch. Ich danke Ihnen für die Zeit und wünsche Ihnen Frohe Weihnachten und Alles Gute für 2014!

Woltmann:
Ich wünsche Ihnen und den Lesern der Schachwelt ebenfalls schöne und erholsame Weihnachtstage und Alles Gute für 2014!

 

Dorian allein im TV
Freigegeben in Blog
Samstag, 14 Dezember 2013 19:44

Dorian allein im TV

Wer der neue Bundestrainer wird, stand schon vor der EM in Warschau fest und sollte erst am Freitag den 13. Dezember im Rahmen der wöchentlichen ChessBase TV Sendung bekannt gegeben werden. Nun fanden es einige befremdlich, dass so eine wichtige Personalentscheidung bei einem Partner bekannt gegeben würde, wobei die Krennwurzn nicht in diesen Kreis angehörte, denn ganz ehrlich gefragt: warum sollte man das nicht tun, denn es bestünde ja die Chance, dass alle Beteiligten davon profitieren könnten.

Auf der Seite des DSB konnte man eine vollmundige Ankündigung lesen, dass man die Bekanntgabe gemeinsam mit dem Partner ChessBase durchführen werde und dieser ließ sich auch nicht lumpen und startet sogar noch ein Ratespiel mit Gewinnmöglichkeit.

2013TV2

 Also saß nicht nur die Krennwurzn gebannt vor dem Monitor und eine gewisse Spannung kam auf, als endlich nach 17 Uhr das Schwarz des Bildschirmes durch das Livebild aus dem Hamburger Studio ersetzt wurde. Die erste Hürde war geschafft, das Interesse hat den Server nicht zum Absturz gebracht. Da nur CB-Premiumuser Zugang zum CB-TV haben, waren gerade mal um die 200 Leute am Zuschauen, obwohl um die 5.000 am Server eingeloggt waren – eine serverinterne Quote von 4%. Ein wenig enttäuschend für so eine Präsentation dachte sich die Krennwurzn, aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Zuerst begrüßten die Moderatoren das Publikum und die Krennwurzn wunderte sich ein wenig über die legere Kleidung und auch darüber, dass einer immer die Hand an der Tasse hatte. Aber das war wohl nur die Krennwurz`ische Nervosität vor der Bekanntgabe. Endlich verbreiterte sich das Bild ...

2013TV1

 (Bildauschnitt ChessBase TV vom Freitag, 13.12.2013 - Sendung kann von Premiumusern im Archiv bei CB jederzeit angeschaut werden)

und da saß er nun der neue Bundestrainer GM Dorian Rogozenco und lächelte mit Jackett etwas verlegen in die Kamera. Nun baten ihn die Moderatoren in die Mitte und damit er kleidungsmäßig zu denen passte, zog er schnell das Jackett aus, denn ein höflicher Mann dürfte er sein, der neue Bundestrainer. Die Szene mutet schon ein wenig skurril an mit all den Utensilien, damit man kein hässliches Wort verwenden muss, am Tisch und man wäre nicht verwundert gewesen, wenn sich das Ganze als „Versteckte Kamera“ aufgelöst hätte!

skf14400Aber stand da nicht „Gemeinsam mit unserem Partner ChessBase präsentieren wir ...“ – ja wo waren da die „wir“ und warum bitte, präsentieren zwei Angestellte eines Partners den neuen Bundestrainer? Hat ChessBase nicht zwei Geschäftsführer? Ja, ja höre ich sie sagen: das übliche ChessBase Bashing der Krennwurzn mal wieder. Nein, muss ich Ihnen sagen, ich verstehe vollkommen, dass die Geschäftsführer wohl ohne entsprechendes Gegenüber vom DSB keine Lust hatten der Sendung beizuwohnen. Was ich aber nicht verstehen kann ist, warum der DSB niemand entsprechenden schicken konnte? Es hätte ja nicht der Präsident aus dem Saarland anreisen müssen, aber es gibt neben zahlreichen Vize-Präsidenten auch eine Geschäftsführerin des DSB in Berlin und die beiden Städte sind verkehrstechnisch wirklich gut verbunden.

Jedenfalls die Krennwurzn schüttelte nur mehr den Kopf und auch der Verlauf der Sendung war nach der Vorstellung und der Verlosung des ausgelobten Preises wie immer. Es kamen Partiestellungen auf den Schirm und es sprachen hauptsächlich die Moderatoren, denn der Gast sollte ja eine gemütliche Zeit haben. Als die Krennwurzn fragte, ob es nicht interessantere Fragen an den neuen Bundestrainer gäbe als Partiefragmente, blickte ein Moderator genervt über seine Brille und ignorierte die Frage. Da auch andere etwas über Pläne, die Nationalmannschaft, etc wissen wollten, muss dies auch der neue Bundestrainer gesehen haben und antworte darauf, ebenso beantwortete er die Frage, dass er noch nicht A-Trainer ist mit der Feststellung, dass dies in der Ausschreibung nicht gefordert wurde, sondern nur die Bereitschaft dies in Angriff zu nehmen. Warum auf der DSB Seite steht, dass er A-Trainer ist, obwohl er auch in der aktuellen Liste des DSB nicht als solcher zu finden ist – nun das kann und will ich nicht beantworten. Jedenfalls ehrlich und nett dürfte er sein der neue Bundestrainer!

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Aber an solchen Aussagen dürften die beiden Angestellten nicht wirklich interessiert sein, denn sofort kam wieder wirklich Wichtiges auf den Schirm – klar eine Partie des neuen Bundestrainers aus dem Jahre 1995

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und man musste den überraschenden Zug Da7 finden und da der damalige Gegner sofort mit 21. Kf1 kräftig patzte noch nach 21. Lh4 22. Te2 Txg2 23. Txg2 Df2# sehen. Die Krennwurzn schockte sich mit den Gedanken was wohl Naiditsch dazu sagen würde und so klickte er sich wie viele andere auch aus der Übertragung aus, was die Quote noch weiter sinken ließ, was aber auch den Vorteil hat, dass nicht viele die Demontage des neuen Bundestrainers durch den DSB live verfolgt haben können.

Professionelles Verhalten sieht wohl anders aus – ja aber wie und wer hätte die Kosten getragen? Nun so hoch wären die auch nicht gewesen. Eine Dienstreise der DSB-Geschäftsführerin nach Hamburg und dann hätte wohl sicher einer der Geschäftsführer von ChessBase Zeit gefunden ins eigene TV-Studio zu kommen – alleine schon aus purer Höflichkeit und vielleicht hätte man sich auch die Kosten für einen professionellen Moderator teilen können, der mit etwas mehr Schwung und ohne Kaffeetasse in der Hand durch die Sendung führen hätte können. Dieses Video hätte man möglicherweise für Öffentlichkeitsarbeit verwenden können, aber da dieses Referat ja unbesetzt ist, genügt es konsequenterweise den Bundestrainer durch Angestellte eines Partners vorstellen zu lassen! 


 Nachtrag:

Nach diesem Artikel von Juli 2013 ist Bundestrainer GM Dorian Rogozenco A-Trainer – warum er nicht in der aktuelle Liste steht und warum er nicht explizit darauf in der TV-Sendung hingewiesen hat – ich weiß es nicht!

2013TV5

 


Nachtrag 19.12.2013

Jetzt gibt es auch das Video frei auf der DSB-Seite zu sehen

 

 

Aktion Titelverlust
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Donnerstag, 07 November 2013 23:29

Aktion Titelverlust

Nein – nicht schon wieder ein Promi, der sich seinen akademischenTitel erstgCt hat - also durch copy&paste erworben hat und auch kein CM, FM, IM oder GM der seinen Titel nicht durch eigenes Leistungsvermögen erreicht hat. NEIN es geht um wirklich Wichtiges! Olympiasieger ist man ewig, Welt- und Europameistertitel gehen verloren, wenn ein anderer den Titel gewinnt und dieses harte Schicksal müssen – schenkt man den Datenfuzzys Glauben – in den nächsten Tagen und Wochen Anand und Schach-Deutschland ertragen.

Deutschland Europameister 2011

AktionTitel1

und was Google dazu findet.

Am 8. November startet die EM in Warschau und unser Schachweltkollege Olaf Steffens berichtet diesmal sozusagen auswärts auf der DSB-Homepage aus Warschau – eine Ehre, die der Krennwurzn niemals widerfahren wird, denn er gilt in seinem Heimatland ja als Persona non grata und da sich daran nichts ändern wird ... aber lassen wir das und freuen wir uns, dass nicht alle Schachweltler dieses harte Schicksal eines „Parias“ ertragen müssen und auch auswärts geschätzte Schreiber sind – Gut Tastatur Olaf!!

Nun Deutschland ist als Nummer 10 gesetzt und muss den Titel abgeben - da freut sich der Ösi in der Krennwurzn unheimlich und feixt: die EM wird doch nur aus dem Grund gespielt, weil statistisch nicht vollkommen klar ist, wer der Nachfolger von Deutschland werden wird. Die restvernünftige Seite, deren Limes gegen Null konvergieren oder stürmt, wirft ein, dass das erstens ungerecht – das berührt die Krennwurzn aber schon gar nicht - und zweitens auch statistisch möglicherweise auch ein wenig unkorrekt sein könnte, was der Krennwurzn schon ein wenig mehr zu denken gibt, denn sie selbst musste 2002 und 2013 binnen weniger Jahre schon zwei Jahrhunderthochwässer an der Donau miterleben.

Waren die Deutschen 2011 nicht schon krasse Außenseiter und haben sie damals als möglicherweise zerstrittener Haufen nicht doch eine tolle Leistung gebracht und sich nicht nur gegen die favorisierten Gegner sondern auch gegen die übermächtigen Zahlen, die gegen sie sprachen durchgesetzt?

Vom zweiten Titelverlust im sonnigen Indien berichtet der Chef der Schachwelt höchstpersönlich ab Samstag 9. November auf der Seminarseite und wenn man Insidern und den Wettanbietern Glauben schenken darf, dann ist dieser Titelverlust noch klarer als ... ach lassen wir das Piefke-Bashing einfach mal weg jetzt!

AktionTitel2

95 Elopunkte Unterschied – da zittert zwar nicht einmal der staatlich geprüfte Angsthase Krennwurzn am Brett - zwischen Carlsen und Anand, der noch dazu älter ist und in seiner Heimatstadt unter unheimlichen Druck stehen muss und dessen letzter Sieg in einer Turnierpartie gegen Carlsen noch dazu aus dem fernen Jahre 2010 datiert. Dann noch eine Punkterwartung laut Elo von 0,65 zu 0,35 für Carlsen – ja warum wird dieser Wettkampf überhaupt noch gespielt?? Es ist doch alles sonnenklar: Carlsen ist doch bereits jetzt der neue Weltmeister! Es bleibt nur mehr die Fragen zu klären wie hoch und wie bald er den Wettkampf gewinnt und sind wir doch ehrlich: manche hoffen sogar auf eine überfischerische 7-0 Hinrichtung!

Aber ... klar Carlsen ist der Favorit ... aber ist das alles wirklich so sonnenklar? Wer hat den Druck? Anand eher nicht, denn er hat schon alles erreicht: FIDE-Weltmeister, Weltmeister und den Titel mehrmals verteidigt – nicht zu vergessen auch der verlorene Wettkampf gegen Kasparov in dem er zuerst in Führung gegangen ist und dann schrecklich unter die Räder kam. Anand hat Erfahrung im guten und im schlechten Sinn und er ist in einem reifen Alter und hat damit wohl die erforderliche Gelassenheit sich der kommenden Aufgabe zu stellen. Aber die Statistik höre ich die Krennwurzn schreien – die lügt doch nicht und die heiligen Elo schon gar nicht! Gut sage ich, wenn Carlsen so klar und sicher gewinnt, dann können wir in den Keller gehen, die alte sechs schussige Pistole vom Opa mit zwei Patronen laden und russisches Roulett spielen, denn die Überlebenschance ist dann mit 0,66 zu 0,33 sogar ein Spürchen höher als die Gewinnchance von Anand nach Elo. Bitte nicht so brachial wirft nun die Krennwurzn ein – wir sind doch zivilisiert – nehmen wir doch einen normalen Würfel und wenn 1 oder 2 kommt, dann bleibt Anand Weltmeister ansonsten heißt der neue Weltmeister Carlsen.

Gesagt getan: Würfel aus der Spielesammlung herausgenommen – ist auch schneller greifbar als die nichtexistente Pistole vom Opa – und gewürfelt:

AktionTitel3

ZWEI – Anand bleibt Weltmeister und die Krennwurzn und auch der vernünftige Teil atmet tief durch: Würfeln ist unblutiger als russisches Roulett und vor allem: wer hätte dann noch den Artikel online gestellt??

PS österreichische Merksätze:

Statistiken traut man nur, wenn man sie selbst gefälscht hat
und
Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen!

Warten auf Godot
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Mittwoch, 28 November 2012 16:08

Warten auf Godot

Der Streitfall in der Bundesliga vom 21.10.2012 liegt schon über ein Monat zurück und ... - ja was und: naja was soll schon sein: Nichts! Oder fast nichts – der Protest vom 20.10.2012 wurde abgewiesen – das war aber fast allen interessierten Beobachtern auch mit laienhaften Regelkenntnissen irgendwie schnell klar: Schiedsrichtertatsachenentscheidungen sind im Sport zu akzeptieren.

Aber da war doch noch was am Sonntag? Die ganze Schachwelt war in Aufruhr, sogar internationale Medien haben darüber berichtet – eine aufgeheizte Stimmung und glühende Verfechter aller möglichen Extreme brachten Foren und Tastaturen zum Glühen! Nur der DSB und sein Präsident blieben nach einer mehrtägigen Schockstarre kühl und gaben ein Statement ab:

godot2

Ein Hoch auf die Unschuldsvermutung und auf ein gerechtes Verfahren – aber dann? Nichts – da man bzw. niemand entscheidet, braucht auch niemand eine Stellungnahme abgeben – das ist die Lösung des gordischen Knotens!

Wer jetzt denkt, dass das nur die Vorgehensweise des DSB bei schwierigen Problemen im Umgang mit mutmaßlichen Sportbetrugsfällen ist, der irrt gewaltig. Beispielsweise wurde im WDR am vergangenen Montag in der Sendung SPORT INSIDE ein Bericht gesendet, in dem gesagt wurde, dass das IOC nur wenige eingefrorene Dopingproben der Olympiade 2004 kurz vor Ablauf der Sperrfrist von 8 Jahren hat testen lassen und das man u.a jene des zwei Jahre später wegen Doping gesperrten Olympiasiegers Justin Gatlin nicht nachgetestet hat. Oder die Sache mit den Dopingproben von Lance Armstrong und die Spenden an die UCI.

Wollen wir Sportbetrugsfälle überhaupt wirklich aufklären?

Denn scheinbar neigen Verbände eher dazu schwerwiegende Problem dem Vergessen zu überlassen als nach Lösungen zu suchen – die Zeit heilt ja alle Wunden? Aber da gab’s ja noch einen betroffenen Menschen? Wie hieß der noch mal? Egal – vergessen! Aber hat der nicht auch ein Recht auf eine Entscheidung? Egal – Hauptsache vergessen!

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ah!

Und wie im absurden Theater : ist über die alte Sache Gras gewachsen und hat es ein Esel es wieder weggefressen, dann:

Estragon: Komm, wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ah!

Schachweltmeister Edi Wüllenweber, auch bekannt als "Deep Fritz"
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Auf der Homepage des Schachbundes wird die Ankunft von Fritz 13 gefeiert. Der Entwickler der neuen Schach-Software schreibt einen lobenden Artikel. Eigenartig ist nur: niemand weist darauf hin, dass es sich hier um Werbung handelt. Doch bevor wir anfangen, uns darüber Sorgen zu machen, klären wir erst noch eine andere Frage: Wer ist eigentlich dieser Fritz?

Fritz wurde an der Elbe geboren, er ist ein Hamburger Jung und, wie sollte es anders sein, ein Freund des HSV. Schon früh brachte Matthias Wüllenweber, der Vater, seinem Zögling schachliche Kniffe und viele Rechentricks bei. Bald bemerkte er, dass Fritz talentiert und besonders auch in Blitzpartien unheimlich stark war. Beide spielten so viel Schach in den Büroräumen des Vaters, dass dieses Büro in der Familie auch schon die Chessbase genannt wurde.

Auch wenn man immer nur von Fritzens Vater und eigentlich nie von seiner Mutter hört, so hatte Fritz doch auch viele Geschwister. Sie bekamen zwar bei der Geburt alle ihre eigenen Namen, doch weil die Eltern praktisch veranlagt waren, nannten sie sie im Alltag alle einfach nur Fritz und hängten zur besseren Unterscheidung eine Zahl dahinter. So verbrachte ich in jüngeren Jahren bei Freunden zum Beispiel einige Zeit mit Fritz 5 und Fritz 6, die mit bürgerlichem Namen eigentlich Rudi und Guildo hießen. Beide waren bärenstark und haben mich oft im Blitzschach deprimiert. Sogar zur Analyse meiner schrecklichen Verlustpartien wären sie bereit gewesen, doch meistens fehlte mir die Geduld und ein ausreichender Drang zur Sorgfalt, so dass ich nicht immer auf das Ende ihre Überlegungen zu warten bereit war.

Edi, ein weiterer Sohn der Wüllenweber-Familie, war auch im Turnierschach ausgesprochen erfolgreich. Auf einem der umstrittenen Quickstep-Turniere in Wildeshausen luchste er seinem Vater Matthias sogar einmal 38 DWZ-Punkte an nur einem Tag ab. Nun sind 38 Punkte eine ganze Menge, und der Vater ärgerte sich sehr. Wieder zurück in Hamburg bezeichnete er seinen Sohn beim Abendbrot dann auch prompt als „Dieb“ – natürlich nur scherzhaft und mit dem gebotenen Maß an Ironie, doch der Name blieb haften. Fortan hatte Edi mit „Dieb Fritz“ seinen familieninternen Spitznamen (oder auch Fritznamen) weg, und weil so etwas ja nie lange geheim bleibt, griffen die anwesenden Papparazzi diesen Namen gerne auf und wandelten ihn für die internationale Presse mit „Deep Fritz“ lediglich ein wenig um. Als Deep Fritz später Wladimir Kramnik spektakulär auf h7 mattsetzte und dadurch Weltmeister wurde, wusste kaum jemand, dass sein wahrer Name eigentlich Edi Wüllenweber war.

kramnik vs deep fritz

Kramnik im Spiel gegen Edi Wüllenweber (Deep Fritz), 1.Runde in Bonn 2006   (Zeichnung von Emese Kazár - vielen Dank!)

Weitere Fritzen erblickten das Licht der Welt, doch auch andere Familien hatten dazugelernt und schickten nunmehr sehr starken Nachwuchs zu den Turnieren. Beispielsweise gelten die Houdinis mittlerweile als gewitzter, und der junge Stockfisch soll sogar auch mal umsonst für eine Trainingsstunde vorbeikommen. Manche Spieler dieser neuen Generation spielen zwar stark, aber nehmen es mit der Etikette nicht so genau – erst kürzlich wurde dem jungen Rybka ein wichtiger Titel aberkannt.

Neu geboren, oder wie man auch scherzhaft sagen könnte, auf den Markt gebracht wurde nun Lothar Wüllenweber, der familienintern wohl als Fritz 13 ins Rennen gehen wird.
Die Freude war bei den Wüllenwebers natürlich wieder sehr groß, und auch wir bei der Schach-Welt freuen uns im Rahmen unserer Möglichkeiten mit. Herzlichen Glückwunsch nach Hamburg!

Ganz aus dem Häuschen über den neuerlichen Nachwuchs scheint hingegen der Deutsche Schachbund gewesen zu sein. Die offizielle DSB-Seite präsentiert die Ankunft von Fritz 13 als Top-Meldung. Voller Vaterstolz und mit einigen Bildern erklären die Wüllenwebers in einiger Breite, einiger Tiefe und einiger Länge, was ihr jüngster Sproß so alles kann: "Jetzt anschauen und staunen!".

Wozu kann man Lothar einsetzen, warum Lothar noch klüger, schneller, besser ist als alle seine Geschwister vor ihm, und welche Kaufanreize es noch so gibt – das alles erklärt dieser umfangreiche Artikel mit vielen Details. Auch der direkte Link zum Chessbase- Onlineshop fehlt nicht.

Nun könnte man fast meinen, der DSB hätte einen objektiven, fairen Produkttest auf seiner mir wirklich sympathischen Seite platziert. Das wäre auch sehr schön, und wir glauben ja selber auch, dass Fritz 13 wieder ein tolles Produkt geworden ist. Aber ich verstehe es nicht ganz - hätte der DSB diesen irgendwie doch sehr einseitig werbenden Artikel "Fritz 13 ist endlich da!" nicht auch als Produktwerbung kennzeichnen können/sollen? Fairer wäre das, gegenüber den Lesern. Aber vielleicht wurde es auch einfach nur vergessen.

Hätten wir so etwas im Privatfernsehen (oder bei der ARD) gesehen, würden wir uns wundern und unter Umständen als Schleichwerbung bezeichnen. Doch wir wollen hier nichts Böses unterstellen. Immerhin ist die Firma Chessbase ja auch DER große Sponsor unseres Schachbundes, und da erscheint es selbst uns nur recht und billig, dass der große Sponsor auf der Homepage aus dem Nähkästchen erzählen darf – und damit dann im Gegenzug ein bisschen Geld verdient.

Warten wir also auf die nächsten Artikel – vielleicht dürfen ja auch Versandhändler für Schachmaterial, private Turnierveranstalter, die Bundesregierung oder (bevor sie pleite geht) die Bank of America bald eine längere Eigenwerbung auf der ansonsten immer lesenswerten Homepage des DSB einstellen. Gens uns sumus!

Endlich wieder Nationalmannschaft
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Donnerstag, 15 September 2011 02:41

Endlich wieder Nationalmannschaft

Es scheint wieder alles im Lot - Deutschland wird bei der Anfang November im griechischen Porto Carras stattfindenden Mannschaftseuropameisterschaft endlich wieder mit der nahezu stärksten Mannschaft antreten! Gestern nominierte Bundestrainer Uwe Bönsch die TOP 4 der Rangliste sowie Rainer Buhmann (Nr. 8):

GM Arkadij Naiditsch 2707
GM Daniel Fridman 2652
GM Georg Meier 2648
GM Jan Gustafsson 2631
GM Rainer Buhmann 2606

Dazu DSB-Präsident Herbert Bastian.

"Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist sehr erleichtert darüber, dass es dank der guten Vorarbeit der Kommission Leistungssport unter der Führung von Klaus Deventer gelungen ist, wieder unsere stärksten Spieler für die Nationalmannschaft zu berufen. Damit wird ein Schlussstrich unter die Querelen der Vergangenheit gezogen und der Blick gemeinsam nach vorne gerichtet"...

...Und an unsere Mitglieder in den Vereinen ist die Erwartung gerichtet, dass sie unsere Nationalspieler moralisch unterstützen, wenn diese auf der Europameisterschaft nicht zuletzt um die Wiederherstellung des guten Ansehens der Schachnation Deutschland spielen werden.

Money makes the world go round

Die finanzielle Situation konnte mithilfe eines neuen Sponsors für beide Seiten zufriedenstellend geklärt werden. Mit einer anderen Kernforderung, der Absetzung Uwe Bönschs, setzte sich das Team jedoch nicht durch.

Allerdings scheint mit dieser Konstellation neues Ungemach vorprogrammiert. Nach der über Monate heftig geführten Auseinandersetzung wird es mehr als schwierig sein, ein harmonisches Klima zwischen Mannschaft und Teamkapitän/Delegationsleiter Bönsch herzustellen.

Der Duracell - Mann
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Samstag, 09 Juli 2011 18:13

Der unendlich Verlängerte

„Sein Name war Wowbagger der Unendlich Verlängerte. Er war ein Mann mit Vorsätzen. Nicht sehr guten Vorsätzen, wie er als erster zuzugeben bereit gewesen wäre, aber es waren wenigstens Vorsätze, und sie hielten ihn wenigstens in Trab. Wowbagger der Unendlich Verlängerte war - das heißt, ist einer der ganz wenigen Unsterblichen im Universum. Diejenigen, die unsterblich geboren werden, wissen instinktiv, wie sie damit fertig werden, aber Wowbagger gehörte nicht zu ihnen. Im Grunde hasste er sie inzwischen, dieses Rudel heitergelassener Arschlöcher.“ (Douglas Adams, Per Anhalter durch die Galaxis, 1980).

Herbert_Bastian_DEM_2006


Der Präse sammelt fleißig Punkte. Bei mir. Aber das will nichts heißen, ich hatte ihm das eh zugetraut. Wir kennen uns seit 22 Jahren. 19 davon als Präsident des saarländischen Schachverbandes, sehr viele der Jahre alsLandesmeister (20 Titel), acht Jahre darunter in der Zusammenarbeit im saarländischen Präsidium und sechs der 22 Jahre in seiner Rolle im Arbeitskreis der Landesverbände.

Wie oft ich an seiner Stelle den Griffel hingelegt und aufgegeben hätte, kann ich gar nicht mehr zählen. Der Mann ist schier unverwüstlich, voller Energie, gibt niemals auf - und wiederholt beherzt seine Fehler.

Das macht ihn zu einem unendlich Verlängerten. Im saarländischen Präsidium reichte es bisher nie, in den Landesmeisterschaften selten für einen Konkurrenten. Bastian arbeitet einfach alles weg.


Im derzeitlichen Neuanfangen, Interviewen, Sortieren und Ordnen geht einem leicht der Blick fürs Wesentliche verloren. Vor allem wenn man in seiner Sicht der Dinge so fest verstrickt ist, dass einem kaum Raum zum Reflektieren bleibt. Der neugewählte Präsident des DSB hat in den letzten Wochen zwei sehr bemerkenswerte Interviews und ein Statement zum Status Quo auf der DSB-Seite hinterlassen, in denen es außerordentlich deutliche Aussagen gab. Hier ist der Textmarker:


Am 14. Juni veröffentlichte die Deutsche Schachjugend auf ihren Internetseiten ein Interview während der Jugend-Meisterschaften in Oberhof. Dort antwortet Bastian auf die Frage der Zusammenarbeit zwischen DSJ und DSB: „Wir wissen alle, dass es in der Vergangenheit Spannungen zwischen der DSJ bzw. Jörg Schulz und DSB-Funktionären gab. Unser ausgeschiedener Präsident hat schon auf dem Kongress in Bonn gesagt, dass er die Stirn nicht in Falten legt, wenn er den Namen Jörg Schulz hört, und so sehe ich es auch. An dieser Front muss endlich Ruhe einkehren…“

Herbert_Bastian_Ralph_Alt_Klaus_Gohde

Die Betonung liegt hier auf „Alle“ in „Wir wissen alle…“ . Nein, es wissen eben nicht alle und es gehört Mut dazu,  dies einfach mal auszuplaudern. Der Berufsjugendliche und DSJ-Geschäftsführer Schulz, zugleich  stellvertretender Geschäftsführer im DSB, hat es sich über die vielen Jahre seines Wirkens mit so vielen  verdorben, dass ich es für ein Paradoxon halte, dass der Mann überhaupt noch mitmachen darf.

Genau  genommen fällt es mir schwer zu glauben, dass es auch nur einen einzigen gibt, der mit ihm auskommt – mal  abgesehen von DSJ-Funktionären, die von seiner Machtfülle profitieren und damit im Abhängigkeitsverhältnis  stehen. Denn Schulz zieht nicht nur seit Ewigkeiten die Fäden beim DSB und der DSJ, er ist auch in Dutzenden  anderer Funktionen ausgezeichnet vernetzt. Nachfolger von Horst Metzing als Geschäftsführer wird er  indessen nicht werden – dort strebt jetzt der umtriebige Schatzmeister Michael Langer hin, nachdem  zwischenzeitlich der Bundestrainer im Gespräch war.

Dass solch ein Satz mit dem Namen Schulz überhaupt mal ausgesprochen wird, war bisher fernab jeder  Realität. Dazu muss man wissen, dass im DSB zwar von jeher kreuz und quer intrigiert und übel nachgeredet  wird, dies aber nie öffentlich. Selbst der Autor dieser Zeilen hielt sich an den Ehrenkodex, so lange er im Amt war.

Herbert_Bastian_Wiessee_2007


Zur Frage nach dem neuen Partner Honorar Konzept antwortet Bastian: „Den Vertrag kenne ich noch nicht im Detail“. Auch dazu gehört Mut – und das meine ich durchweg positiv. Meine Gegenfrage würde lauten: „Wer kennt den Vertrag überhaupt“? In meiner Zeit als Referent im Deutschen Schulz Schachbund gab es außer den üblichen Allgemeinfloskeln und Presseerklärungen keine Auskunft. Aber es muss ein verdammt mächtiger Vertrag sein, wenn eine Partnershipfolie so aussieht wie hier unten. Reden wir von Hunderttausenden Euros?:

Sponsorenwand


Im Schachmagazin 64 sagt Bastian, er begrüße die Wahl von Weizsäckers zum  Ehrenpräsidenten, hat aber „trotzdem volles Verständnis dafür, dass eine  solche Entscheidung langjährig verdiente Funktionäre durchaus irritieren kann“.  Betrachtet man rückwirkend den Verlauf des Bundeskongresses in Bonn und  kennt man den Unterschied im Umgang der DSB-Funktionäre miteinander (wer  Macht hat wird beachtet, wer keine hat ignoriert) – dann wird diesen scheinbar  nebenbei ausgesprochenen Worten eine weisheitliche Würde zuteil, wie sie  ihresgleichen sucht. So bricht Bastian auch in anderen Textstellen mit Tabus,  die bisher kaum definiert waren.

Zum Beispiel einfach mal auszusprechen,  dass sich die Topspieler „bei öffentlichen Äußerungen benehmen müssen“, ist  gleichermaßen profan wie absolut notwendig.

Der Neugewählte ist auch auf der DSB-Internetseite ein Mannschaftsspieler. Keiner der drei letzten Präsidenten  (Schlya, Kribben, Weyer – Weizsäcker war ja de facto untätig und hat das Führen des Verbandes seinen  Stellvertretern überlassen) hat es geschafft, einmal das zu unterstreichen was bisher geleistet wurde und wie  diese Lücken zu füllen sind. Im Artikel vom 01. Juli analysiert Bastian die Spuren, die von den ausscheidenden  Präsidiumsmitgliedern hinterlassen wurden.

Herbert_Bastian_Siegerehrung_SEM_2004_2

Und zwar überlegt, deutlich, genau und wahrheitsgemäß. Auch hier  stehen überraschend klare Aussagen, auch wenn zu beobachten ist, dass kritische Worte erst nach unten gelesen  zunehmen und oben an der Pyramidenspitze eher mal was Schlagsahne obenauf liegt, die da nicht hingehört.

Der Mann spricht in aller Regel aus, was er denkt. Dafür wird er im DSB noch viele Ohrfeigen kassieren. Das ist aber  immer noch besser, als die Versuche sich wie ein Klon eines aalglatten Politikers zu präsentieren. Die Wetten stehen  gut, dass der unendlich Verlängerte durchhält. Quod erat demonstrandum? Demnächst in diesem Theater…

Deutscher Schachbund
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Nicht lange musste man auf Informationen zum Treffen zwischen Nationalmannschaft und DSB am letzten Montag warten. Zwar wurde Stillschweigen vereinbart, doch bereits der Dienstagausgabe der FAZ waren erste Hinweise auf einen ruppigen Verlauf zu entnehmen.

"Der Streit zwischen dem Deutschen Schachbund (DSB) und seinen Spitzenspielern ist am Montag abermals eskaliert. Das DSB-Präsidium hatte während einer Sitzung in Frankfurt den Rauswurf des stärksten deutschen Schachspielers, Arkadij Naiditsch, aus der Nationalmannschaft bereits beschlossen, verlautete aus Schachkreisen. Nach einer Runde mit den Spitzenspielern - außer Naiditsch waren Jan Gustafsson, Daniel Fridman und Georg Meier anwesend - sei dieser Beschluss aber wieder auf Eis gelegt worden. Anlass für den Ärger war ein aktuelles Interview, in dem Naiditsch sowohl Schachbundestrainer Uwe Bönsch als auch den für Finanzen zuständigen DSB-Vizepräsidenten Michael Langer scharf kritisiert hatte."
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2011, Nr. 50, S. 30).
Chessbase geht noch etwas detaillierter Auf den Zeitungsartikel ein.

Soeben ging die offizielle Pressemeldung auf der Website des DSB online. Und nicht überraschend kam mir der Gedanke an das Hornberger Schießen: Der Schachbund legt etwas bei der Turnierunterstützung drauf, eine Honorarerhöhung soll von externen Sponsoren getragen werden. Anscheinend stehen diese nun Schlange. Gleich mit drei unterschiedlichen Kandidaten will man verhandeln. Andere Forderungen der Spieler, wie z. B. die Entlassung des Bundestrainers, fanden wohl weniger Anklang. Vieles deutet nun auf eine autarke Nationalmannschaft leicht außerhalb des Schachbundes mit separatem Geldgeber hin. Womöglich hat die schlechte Presse des letzten Jahres doch einiges Positives bewirkt.

Mit Präsidium und Bundestrainer gegen Spieler wurde in großer Runde verhandelt. Und anscheinend ist es nur der ausgezeichneten Leistung des Mediators Sven Noppes zu verdanken, dass man nicht im Streit auseinanderging. Wie bei harten Tarifverhandlungen (auch hier folgte dem Streik die Aussperrung) üblich, wurde nun aber erstmal vertagt. Anfang Juli, also erst in vier Monaten, soll es weitergehen. Für Spannung ist gesorgt.

Dr. Hans-Jürgen Weyer
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Leser dieses Blogs wussten um Dr. Hans-Jürgen Weyers Kandidatur für den Vorsitz des Deutschen Schachbundes, bevor der Aachener sich offiziell erklärt hatte. Noch immer ist der Geschäftsführer des Berufsverbands der deutschen Geologen und seit zehn Jahren amtierende Präsident des größten deutschen Landesverbands NRW der einzige offizielle Anwärter für die Nachfolge von Robert von Weizsäcker. Eine Kandidatur aus den Reihen des Arbeitskreises der Landesverbände gilt indessen als sehr wahrscheinlich und dass es der Wortführer (und saarländische Verbandschef) Herbert Bastian sein wird, als wahrscheinlichste Lösung. Auch Harald Ballo, der Präsident des Hessischen Verbands und Michael Langer, bisher wie Weyer Vizepräsident, sind derzeit dabei, ihre Chancen als mögliche Kompromisskandidaten zu bewerten. Gut drei Monate vor der Abstimmung beim DSB-Kongress in Bonn und wenige Tage vor einem weiteren Treffen zwischen der DSB-Spitze und den deutschen Spitzenspielern beantwortete Weyer der Schach-Welt einige Fragen per E-Mail.  

Schach-Welt:
Wann und unter welchen Umständen haben Sie zum ersten Mal daran gedacht, dass Sie eines Tages an der Spitze des DSB stehen wollen?
Weyer: Für mich stand das Thema einer möglichen Kandidatur erstmals an, als Professor von Weizsäcker dem DSB-Präsidium seinen Rückzug ankündigte. Das war Ende September letzten Jahres. Im November hat Herr von Weizsäcker seine Entscheidung dem Hauptausschuss mitgeteilt. Auf dieser Sitzung habe ich dann verabredungsgemäß meine Kandidatur bekannt gegeben. In der Zeit von September bis November habe ich gründlich überlegt und mich beraten, ob ich diesen nicht leichten Schritt tun soll.

Schach-Welt: Beschreiben Sie bitte, was Sie an für diese Position relevanter Führungserfahrung und –qualitäten mitbringen!
Weyer: Es ist immer schwierig, die eigenen Qualitäten zu bewerten. Ich möchte in Beantwortung Ihrer Frage folgende Punkte anführen. Seit langen Jahren bin ich Geschäftsführer des Berufsverbandes der Geologen mit Sitz in Bonn. Hier trage ich Personal- und Führungsveranwortung, organisiere Veranstaltungen und bin gewohnt, mich in Gremien zu bewegen und diese zu leiten. Ich habe bundesweite Kompetenz und bin manchmal auch auf europäischer Ebene unterwegs. Wichtig ist vielleicht noch die Tatsache, dass ich meine Termine weitgehend selbst setzen kann.Als Präsident des größten Landesverbandes habe ich viele Erfahrungen im Umgang mit der Schachorganisation der verschiedenen Ebenen, dem Führen von Gremien und dem Repräsentieren des Schachsportes und der Schachorganisation gesammelt. Auch hier trage ich Personalverantwortung. Dass der Schachbund NRW vergleichsweise gut dar steht, ist aber keineswegs nur mein Erfolg. Dem Schachbund NRW standen und stehen im Präsidium und im geschäftsführenden Präsidium gute Fachleute zur Verfügung, denen ich zu großem Dank verpflichtet bin. Aber solche Leute zu gewinnen und zu halten, ist ja durchaus auch positiv zu bewerten.

Schach-Welt: Kennengelernt habe ich Sie 2001 als einen anpackenden Landesverbandspräsidenten, der für Aufbruch stand. Inzwischen haben Sie ein anderes Image. Haben Sie sich geändert oder ist es die Perspektive der Urteilenden?
Weyer: Diese Einschätzung kenne ich nur von Ihnen, Herrn Löffler, gelesen auf diesem Blog. In NRW ist mir diese Einschätzung noch nicht begegnet. Ich möchte meine Amtszeit sehr wohl als erfolgreich betrachten und bin etwas Stolz auf die Tatsache, dass ich in den zehn Jahren meiner Präsidentschaft bei Wahlen noch nie auch nur eine einzige Gegenstimme erhalten habe. Es ist so, dass zu Beginn meiner Amtszeit mehr schwierige Entscheidungen zu treffen waren, als es jetzt der Fall ist. Es ist mir auch bei schwierigen Entscheidungen gelungen, den NRW-Kongress zu überzeugen, so dass auch derartige Entscheidungen letztlich glatt getroffen werden konnten. Zuletzt beispielsweise die Anti-Doping-Regelung auf Landesebene, die anderswo heftig umstritten war. Von „weniger Aufbruch“ kann daher keine Rede sein, höchstens von mehr ruhiger und kontinuierlicher Entwicklung.

Schach-Welt:
In der zu Ende gehenden Amtsperiode von Robert von Weizsäcker 2009-2011 waren Sie der zweite Mann im DSB und für vieles verantwortlich. Wie beurteilen Sie das Erreichte?
Weyer: Auf dem DSB-Kongress 2009 in Zeulenroda, wo ich zum DSB-Vizepräsidenten gewählt wurde, sind einige wichtige Entscheidungen getroffen worden. So wurde beispielsweise eine Strukturreform beschlossen, die sich erst einmal bewähren musste. Unter diesen Vorzeichen haben wir sehr wohl viel erreicht. Die Anti-Doping-Regelung greift, die finanzielle Situation verbessert sich, das verkleinerte Präsidium steht in engem Kontakt und arbeitet vertrauensvoll zusammen. Auch im Breitensport sind zusätzliche Aktivitäten erfolgt. Allerdings leugne ich nicht, dass es Baustellen gibt, die wir aber intensiv bearbeiten.

Schach-Welt: Herr von Weizsäcker zeigte sich bei der Hauptausschusssitzung des DSB in Gladenbach im November demonstrativ erstaunt, als Sie bei der Erklärung Ihrer Kandidatur seine Unterstützung reklamierten. Wann hat der scheidende Präsident Ihnen seine Unterstützung denn zugesagt?
Weyer: Da Sie, Herr Löffler, auf der Hauptausschuss-Sitzung nicht anwesend waren, müssen sich Ihre Behauptungen in diesem Fall – wie in anderen Fällen auch – auf Informationen Dritter stützen. Ihr Informant scheint Sie aber recht subjektiv zu versorgen. Denn demonstratives Erstaunen habe ich nun wirklich nicht bemerken können. Herr von Weizsäcker und ich stehen – soweit möglich – in engem Kontakt. Ich gehe davon aus, dass er sich nicht aktiv in einen möglichen Wahlkampf einmischen, sondern die gebotene Neutralität wahren wird. Seine Unterstützung – jetzt und in Zukunft – hat er mir aber von Anfang an zugesagt. Schließlich hat er mich vor zwei Jahren auch aufgefordert, als sein Stellvertreter zu kandidieren.

Schach-Welt:
Sie sprachen außerdem von der Unterstützung der beiden anderen Vizepräsidenten Hochgräfe und Langer, der nun aber selbst als Kandidat gehandelt wird. Wie sicher sind Sie sich der beiden?
Weyer: Ich gehe davon aus, dass Professor Hans-Jürgen Hochgräfe als Vizepräsident Sport und Michael Langer als Vizepräsident Finanzen kandidieren werden. Zumindest ist dies so in allen bisherigen Gesprächen geäußert worden.

Schach-Welt: Sie haben dem Deep Chess-Team, das einmal für seine frechen, unkonventionellen Beiträge bekannt war, kürzlich ein auf Video aufgezeichnetes Interview gegeben. Entsprach die Qualität der Fragen Ihren Erwartungen?
Weyer: Das Interview war insgesamt etwa doppelt so lange, als wie es nachher gesendet wurde. Ich habe die veröffentlichte Version vorher zur Kenntnis und zur Zustimmung erhalten, aber keinen Einfluss darauf genommen, welche Teile herausgenommen wurden und welche im Video verblieben sind. Die Qualität der Fragen (und die der Antworten) mögen die Zuschauer beurteilen. Das DC-Team hat mich fair und korrekt behandelt, die Atmosphäre habe ich als sehr angenehm empfunden.

Schach-Welt: Der interessanteste Moment in diesem Interview war für mich, als Sie den Mann, der 2009 gegen Robert von Weizsäcker kandidierte und dieses Jahr als Ihr aussichtsreichster (wenn auch bisher nicht erklärter) Gegenkandidat gilt, nicht beim Namen nannten. Was haben Sie gegen Herbert Bastian?
Weyer: Schade, dass Sie ausgerechnet diesen Punkt als interessantesten Moment betrachten. Dass ich Herbert Bastian nicht mit Namen genannt habe, ist einzig und allein darauf zurückzuführen, dass zu diesem Zeitpunkt keine weitere Kandidatur bekannt war. Ich kenne Herbert Bastian seit vielen Jahren und schätze sein schachliches Engagement außerordentlich.

Schach-Welt: Können Sie die inhaltlichen Punkte benennen, in denen Sie und Herr Bastian sich voneinander unterscheiden?
Weyer: Zwischen Herbert Bastian und mir gibt es gewiss inhaltliche Unterschiede, wie auch im Temperament und in der Art der Vorgehensweise. Wenn ich jetzt einige nennen wollte, wäre das eine subjektive Auswahl, die ich an dieser Stelle und zu diesem Zeitpunkt nicht machen möchte. In der Bewertung der aktuellen Situation sind wir aber gar nicht so weit auseinander.

Schach-Welt: Welche Schwerpunkte planen Sie im Falle Ihrer Wahl bis 2013 zu setzen?
Weyer: Es gibt eine ganze Reihe von Dingen, die ich gerne in Angriff nehmen will. Ich kann das hier nicht alles aufzählen. So müssen wir die Deutsche Einzelmeisterschaft erneuern und gleichzeitig Akzente im Breitensport setzen. Eine Sache ist mir aber wichtig und sollte hier erwähnt werden: Ich strebe an, die Landesverbände deutlich stärker in die Arbeit für das Schach in Deutschland einzubeziehen und auch in Verantwortung zu nehmen. Denn auch was in den Landesverbänden geschieht, ist repräsentativ für das Schach in Deutschland. Ich werde darauf hinarbeiten, dass die Gemeinsamkeiten stärker in den Vordergrund der täglichen Arbeit gerückt werden. Denn der Deutsche Schachbund braucht die Landesverbände, und die Landesverbände brauchen den Deutschen Schachbund. Bisher zeigten die Landesverbände sehr intensiv Interesse an der Arbeit des DSB und der DSB zu wenig Interesse an dem, was in den Landesverbänden geschieht. Bereits im März werden wir den Landesverbänden einen bereits angekündigten Katalog von Projekten vorschlagen, die im Breitensport geeignet sind, Mitglieder zu gewinnen und Aufmerksamkeit zu erreichen. Das soll ein Beispiel für zukünftige gemeinsame Projekte sein.

Schach-Welt:
In welchen Bereichen möchten Sie trotz der schwierigen Finanzlage investieren?
Weyer: Die Antwort „In den Leistungssport und in den Breitensport“ sagt wohl zu wenig aus. Dennoch ist es so. Und auch an dieser Stelle: Alles, was wir tun, muss der Mitgliederbindung und der Mitgliedergewinnung dienen. Hier dürfen auch Investitionen nicht gescheut werden.

Schach-Welt: Was planen Sie, um die Finanzsituation des DSB zu verbessern?
Weyer: Die finanzielle Situation des DSB bessert sich bereits. Nicht zuletzt ist dies ein Erfolg der Strukturreform. Falls Sie auf eine Beitragserhöhung abzielen, so ist diese nicht geplant. Obwohl ich auch der Meinung bin, dass wir unsere Sportart künstlich „billig“ halten. Hier haben andere Sportarten (und im Übrigen auch Schachorganisationen in anderen europäischen Ländern) ein ganz anderes Selbstverständnis. Um auf Ihre Frage zu antworten: Zunächst werden wir das sparsame Haushalten fortsetzen. Allerdings gehe ich davon aus, dass der Abschluss eines Sponsorvertrages bevorsteht, der uns einige zusätzliche Möglichkeiten eröffnen würde. Die Verhandlungen sind weit fortgeschritten.

Schach-Welt: An welchen Zielen möchten Sie gemessen werden?
Weyer: Ein Ziel wäre, auf Ihrem Blog nicht verrissen zu werden. Scherz beiseite: Ich bin mir darüber im klaren, dass man wohl kaum alles erreichen kann, was man sich vornimmt. Dennoch ist es absolut richtig, sich viel vorzunehmen. Ich wäre schon sehr zufrieden, wenn wir im Team des Präsidiums zumindest einen großen Teil unserer Ideen umsetzen können. Einige der Vorhaben finden sich ja in den Antworten auf Ihre Fragen. Auf keinen Fall darf ich hier die wertvolle Arbeit der Referenten vergessen. Das wäre auch ein wichtiges Ziel: Das Bewusstsein zu stärken, gemeinsam für das deutsche Schach zu arbeiten. Ich kenne meine Grenzen und weiß genau, dass man als Präsident des Deutschen Schachbundes zwar Impulse setzen, aber nur im Team erfolgreich sein kann.

Schach-Welt: Wie beurteilen Sie den seit Jahren anhaltenden Mitgliederrückgang und wie möchten Sie darauf reagieren?
Weyer: Der Mitgliederrückgang ist für die Schachorganisationen in Deutschland eine echte Herausforderung. Er spiegelt die gesellschaftliche Entwicklung wider. Ich nenne nur einige Beispiele: zunehmende Belastung der Berufstätigen und der Schüler, stark geändertes Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen, der demographische Wandel, der Kampf vieler Sportarten um eine geringer werdende Zahl von Kindern und Jugendlichen, die Schwierigkeiten, die Positionen in den Vereinen und den Bezirken zu besetzen, und vieles mehr. Der Mitgliederrückgang trifft alle Ebenen des Schachs, vom DSB angefangen, über die Landesverbände und ganz direkt natürlich die Vereine. So ist der Mitgliederrückgang in den einzelnen Landesverbänden durchaus unterschiedlich. Es gibt einige Verbände mit Mitgliederzuwachs und auch einige „Ausreißer nach unten“. Daher kann man dieses Problem auch nur gemeinsam angehen. Mir schwebt eine konzertierte Aktion vor, in der wir uns in aufeinander abgestimmter Weise auf allen Ebenen der Mitgliederbindung und Mitgliedergewinnung widmen. Hier baue ich auch stark auf die Schachjugend, die hier wichtige Ansätze und viel Erfahrung hat. Bei dieser Problematik gibt es keine Denkverbote. Wir müssen das Vereinsangebot erweitern, die Vereinsstrukturen modernisieren, die Form der Mitgliedschaften überdenken. Ich bin für jede Anregung dankbar und offen.

Schach-Welt: Die Austragung von Schach-WM und Schacholympiade im eigenen Land 2008 haben den Mitgliederschwund allenfalls verzögert, der erhoffte Boom ist völlig ausgeblieben. Welche Lehren ziehen Sie daraus?
Weyer: In der Tat sind trotz der großartigen Veranstaltungen die erhofften Auswirkungen auf die Mitgliederzahlen ausgeblieben. Dennoch dürfen wir die Bedeutung derartiger Veranstaltungen nicht unterschätzen. So sind beispielsweise Mitglieder aus meinem eigenen Verein, die ich seit Jahren nicht mehr auf dem Spielabend gesehen habe, nach Dresden zur Schacholympiade gefahren. Also sehr wohl Mitgliederbindung. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass diese Großveranstaltungen keinen Boom bei uns ausgelösen. Dennoch brauchen wir derartige Veranstaltungen! Sie ersetzen allerdings nicht die mühsame Arbeit der Vereine vor Ort. Diese muß gestärkt werden.

Schach-Welt:
Sie haben in einem Interview die Meinung vertreten, dass ein deutscher Magnus Carlsen hier einen Schachboom auslösen könnte. Wie, glauben oder wissen Sie, hat sich die Mitgliederzahl des Norwegischen Schachverbands entwickelt, seit Carlsen 2004 als jüngster Großmeister der Welt Schlagzeilen zu machen begann?

Weyer
: Konkrete Zahlen kann ich nicht nennen. Es ist aber unübersehbar, dass im Sog von Carlsen auch andere Norweger den Weg zur Spitze beschreiten. Ich denke beispielsweise an Hammer. Es ist aber nicht zu übersehen, dass Carlsen – nicht zuletzt durch sein Auftreten in der Modebranche – wohl der Schachgroßmeister ist, der am stärksten in den Medien vertreten ist.

Schach-Welt: Norwegen hatte 2500 organisierte Spieler, bevor Carlsen Großmeister wurde. Heute sind es in etwa genau so viele, laut letzten Zahlen ein Prozent weniger. Zurück nach Deutschland: Zwei Großmeister behaupten, von Ihnen Freiplätze für die Deutsche Meisterschaft in Bonn versprochen bekommen zu haben - ein Versprechen, das Sie mittlerweile zurückgenommen haben. Zugespitzt gefragt: hat Hans-Jürgen Weyer Handschlagqualität?
Weyer: Ich kann keine Zusagen über Dinge machen, die nicht in meine Kompetenz fallen oder die ich nicht alleine entscheiden kann. Ich sage jedoch gerne zu, die Möglichkeiten auszuloten und mich einzusetzen. So ist das auch hier gewesen.

Schach-Welt: Wen wünschen Sie sich im künftigen Präsidium, insbesondere als im Falle Ihrer Wahl für Sie nachrückenden Vizepräsidenten?
Weyer: Ich habe bereits Personen angesprochen, die ich mir gut im Präsidium des Deutschen Schachbundes vorstellen kann. Da ich jedoch noch kein endgültiges „Ja“ oder „Nein“ erhalten habe, nenne ich hier keine Namen.

Schach-Welt: Stünden Sie im Falle einer Wahlniederlage selbst weiter als Vizepräsident zur Verfügung?
Weyer: Nein.

Schach-Welt: Zu klären sind auch in der kommenden Amtszeit Personalien: Wie wollen Sie die Nachfolge des spätestens 2013 in Ruhestand gehenden Horst Metzing regeln?
Weyer: Horst Metzing ist einer der wichtigsten Personen im Deutschen Schachbund, ja des deutschen Schachs überhaupt. Die Nachfolge zu regeln, wird in der Tat schwierig. Wir haben jedoch konkrete Vorstellungen darüber, wie dies erfolgen kann. Sie haben aber Verständnis dafür, dass ich diese Personalie nicht per Blog zur Diskussion stellen kann, sondern erst in den dafür zuständigen Gremien beraten muß. Ich gehe davon aus, dass die Entscheidung im kommenden Jahr fallen wird.

Schach-Welt: Sie haben Ihre Bereitschaft signalisiert, die Aufgaben des Bundestrainers und die Betreuung der Nationalmannschaft neu zu definieren. Wie sind Ihre Vorstellungen da?
Weyer: Die Spitzenspieler haben etliche Vorstellungen geäußert, von denen die einen erfüllt werden können, die anderen nicht. Dies steht auf dem Treffen mit den Spitzenspielern in der kommenden Woche auf der Tagesordnung. Einer von mehreren Gesprächspunkten wird auch Training und Betreuung der Nationalmannschaft sein. Was wir zusammen mit den Spitzenspielern konkret vereinbaren, soll dort beraten und nicht vorher öffentlich verhandelt werden. Am 28. Februar wird das feststehen und den Spitzenspielern unterbreitet worden sein. Die dann getroffenen Regelungen werden wir bekannt geben.

Schach-Welt: Was erwarten Sie vom bevorstehende Treffen mit den Spitzenspielern und welche Rolle spielen Sie dabei?
Weyer: Ich erwarte von dem Gespräch eine abschließende Klärung der Situation und eine Fixierung der vom DSB in den letzten Monaten vorbereiteten Verbesserungen und Änderungen, die dann auch für einen längeren Zeitraum Bestand haben sollen. Ich hoffe sehr, dass meine Rolle darin liegt, ein sachlicher und ruhiger Vermittler zu sein, der die Vorstellungen der Spitzenspieler und die Möglichkeiten des DSB zur Deckung bringt. Dies tun aber die übrigen Mitglieder des Präsidiums auch. Allerdings müssen wir auch Grenzen aufzeigen und ggf. durchsetzen. Ich würde mir sehr wünschen, dass wir uns nach dem Treffen wieder auf die sportlichen Herausforderungen konzentrieren können. Schließlich stehen die europäischen Einzelmeisterschaften vor der Türe.

Schach-Welt: Am Montag voriger Woche hat das von vielen als sichtbarstes und bestorganisiertes betrachtete deutsche Schachevent sein Aus erklärt. Eine Stellungnahme dazu seitens des Schachbundes ist mir nicht aufgefallen. Ist dem DSB Mainz wurst?
Weyer: Der Deutsche Schachbund – und ganz besonders ich selbst – bedauert das Aus der Mainzer ChessClassics ganz außerordentlich. Wir verlieren eines der wenigen Turniere in Deutschland mit weltweiter Strahlkraft. Ich selbst war mehrmals anwesend und habe bisher zweimal mitspielen können. Hans-Walter Schmitt gilt meine große Bewunderung und der Dank der gesamten Schachwelt. Wir alle hoffen außerordentlich, dass es sich nicht um ein endgültiges Aus, sondern nur um ein einmaliges Aussetzen handelt.
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Präsidentschaftskandidat Hans-Jürgen Weyer im Interview
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Vor einigen Wochen wurde deutlich, dass Professor von Weizsäcker für eine weitere Amtsperiode als Präsident des Deutschen Schachbundes nicht mehr zur Verfügung steht. Als Nachfolger wird der derzeit einige Kandidat, Dr. Hans-Jürgen Weyer, gehandelt. Am 02.02. stand er Deep Chess für ein Interview zur Verfügung.
Von großem Interesse war dabei seine Stellungnahme zum Thema Nationalmannschaft, das in der zweiten Jahreshälfte 2010 zu erheblichen Spannungen zwischen Spitzenspielern und DSB geführt hatte. Weyer stellt für den nächsten Termin Ense Februar in Aussicht, unseren Spielern erheblich entgegenzukommen, explizit auch bei den Honoraren.
Ein schöner Zug, doch musste wirklich erst soviel Porzellan zerschlagen werden, bevor es zu einer Einigung kommen kann? Allerdings begeistert mich die Aussicht auf eine dem deutschen Schach würdige Vertretung auf internationaler Ebene und die damit verbundene Perspektive.

Herr Dr. Weyer,  wir nehmen das Interview als Maßstab für die kommende Amtsperiode. Unsere Stimme haben Sie!

Hier das komplette Interview, bereitgestellt von Deep Chess (http://www.deep-chess.de/?p=1145)
Zitat: (Deep Chess)"
Der DSB- Vizepräsident und mögliche Nachfolger von Robert von Weizsäcker, Dr. Hans-Jürgen Weyer, stellt sich diversen Fragen des DC!!!-Media Teams. Erfahren sie etwas über die neue Struktur des DSBs, über den Verhandlungsstand in Sachen Nationalteam sowie zum Thema “Schach als Breitensport”. Eine klare Antwort gibt es auch zur Förderung von Schachprofis sowie zur Förderungen von Jugendlichen und Talenten.
Die Aufnahme wurde am 02.02.2011 in Düsseldorf aufgezeichnet. Das Video wurde in HD-Technik angefertigt."
Im März reden sie weiter
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Dienstag, 30 November 2010 20:32

Im März reden sie weiter

Von Weizsäcker hat wie erwartet seinen Rückzug angekündigt und Weyer seinen Anspruch auf den DSB-Vorsitz. Ob aus dem Arbeitskreis der Landesverbände ein Gegenkandidat kommt, wollen diese erst im März bei einem Treffen in Frankfurt am Main. Gut möglich ist es, denn vom aktuellen Präsidium minus von Weizsäcker erwarten die „Landesfürsten“ wenig. Bevor sie über einen Gegenkandidaten reden, wollen sie erst einmal unter sich klären, was im DSB alles zu tun ist.

Der größte Fortschritt kam bei der Hauptausschusssitzung in Gladenbach weder vom Präsidium noch aus dem Arbeitskreis der Landesverbände, sondern vom Treffen der Gemeinsamen Kommission Schachbundesliga: Am 14. bis 16.Oktober 2011 startet sie ihre nächste Saison in Mülheim mit einer zentralen Dreierrunde. Eine alte Idee Wunsch wird endlich verwirklicht.

Hans Jürgen Weyer
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Freitag, 26 November 2010 09:57

Au Weyer, DSB?

In Gladenbach bei der Hauptausschusssitzung des Deutsche Schachbunds wird Robert von Weizsäcker an diesem Wochenende sein Ausscheiden als Präsident ankündigen. Sein Vizepräsident Hans-Jürgen Weyer gilt im Moment als wahrscheinlichster Nachfolger. Gewählt wird erst beim DSB-Kongress im Mai in Bonn, doch in Gladenbach werden die Weichen gestellt, wenn nicht bereits alles ausgekungelt.

Zwei weiteren Mitgliedern des Präsidiums, Michael Langer und Hans-Jürgen Hochgräfe, werden Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt. Mitzureden haben aber vor allem die „Landesfürsten“. Im Arbeitskreis der Landesverbände wird die Arbeit des Präsidiums kritisch gesehen. Eine Gegenkandidatur aus diesem Kreis, am wahrscheinlichsten wie 2009 durch Herbert Bastian, kündigt sich an.

Von Weizsäckers vier Jahre an der Spitze haben viele enttäuscht. Sein Scheitern in der internationalen Schachpolitik, wo er Karpows Kandidatur für den FIDE-Vorsitz unterstützte und selbst als Europäischer Präsident kandidierte, hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, zumal der DSB die ECU-Geschäftsstelle und damit verbundene Mietsubvention für seine Geschäftsstelle verlor. Zwar hat der Münchner im Außenauftritt und in den Außenbeziehungen des Schachbundes durchaus das eine oder andere bewegt. Der Wirtschaftsprofessor hatte allerdings wenig Glück mit seinen fürs Tagesgeschäft verantwortlichen Vizepräsidenten, dem wenig engagierten Matthias Kribben (2007/09) und dem seine Linie hintertreibenden Weyer (2009/11).

Der Herzogenrather ist als Geschäftsführer des Geologenverbands ein Verbandsprofi. Einst galt er als Anpacker, der auch Probleme offen anspricht. Als 2001 Alfred Schlya von der Spitze in NRW an die im DSB rückte, sorgte Weyer für Aufbruchstimmung in seinem Landesverband. Inzwischen wären dort manche froh, Weyer auf dem gleichen Weg loszuwerden. Es ist unklar, wo er Akzente setzen würde und wo aufgrund der schlechten Finanzsituation sparen, ob er den Mut hätte, die unsäglichen Zustände beim Ramada-Cup zu beenden, dessen Überschüsse dem DSB nicht nur nicht zugute kommen, sondern der sogar noch subventioniert wird, vom zeitlichen Engagement der Funktionäre, das an anderer Stelle fehlt, ganz zu schweigen.

Die nächste Amtszeit wird alles andere als leicht. Ideal wäre ein Moderator des Übergangs, der sich der Lösung der internen Probleme verschreibt, ohne im Funktionärsland Brownie-Punkte zu sammeln oder besonders auf Außenwirkung zu achten. 2013 könnte der DSB dann einen gestandenen Verantwortungsträger (und dabei starken Schachspieler) an seine Spitze holen, den Mainzer OB Jens Beutel.