Schach will Schule machen
Sollen alle Kinder in der Schule Schach lernen? Armenien hat Schach als erstes Land als Pflichtfach eingeführt. Immerhin an die 15 deutsche Schulen probieren es ebenfalls. Auf der Dialogseite des Kanzleramts hat der Vorschlag reichlich Unterstützung und gute Chancen, als einer der ersten zehn zu einer Veranstaltung mit Kanzlerin Merkel eingeladen zu werden.
Dass sich das Europäische Parlament für Schach in der Schule ausgesprochen hat, ist vor allem der Initiative Kasparows zu verdanken. Der Russe jettet derzeit um den Globus, um für Schulschach zu werben. Die letzten Tage verbrachte er in Südafrika, um dort die Kasparov Chess Foundation Africa aus der Taufe zu heben. An diesem Mittwoch wirbt er in Paris mit einer Rede in der UNESO bei den Journées de l´Innovation für Schach in der Schule.
Auch die FIDE hat neuerdings ein ehrgeiziges Schulschachprogramm. Als Hauptsponsor tritt die halbstaatliche russische Ölgesellschaft Rosneft auf. An diesem Donnerstag präsentiert Ali Nihat Yacizi das Chess in Schools-Programm der FIDE (CIS100) in Wien.
Ebenfalls in Wien veranstalte ich in genau einem Monat in der Albertina einen international besetzten Workshop über die Chancen, die sich für Schach im Schulsystem insbesondere dank der Unterstützung auf EU-Ebene bieten, eingebettet in das Zweite Wiener Kinderschachfest mit als Headliner einem Uhrensimultan von Wesselin Topalow gegen eine internationale U18-Auswahl.
Goldene Zeiten
FIDE-Präsident Iljumschinow verkündet in einem Interview mit dem russischen Sport Ekspress wieder einmal den Anbruch goldener Zeiten. Das Kandidatenturnier soll Ende Oktober, Anfang November in London über die Bühne gehen. Dass die Ausrichtung dort teuer ist und die britischen Medien das Ereignis links liegen lassen werden, spielt für die Geldgeber keine Rolle. Das Geld kommt aus Aserbaidschan und ermöglicht dem Liebling der dortigen Machthaber, Teimur Radschabow, die Teilnahme. Ursprünglich bewarb sich Baku um die Ausrichtung, doch dort wäre der Armenier Aronjan, einer der Favoriten, nicht willkommen.
Noch dieses Jahr soll auch wieder eine Grandprixserie starten. Die ersten zwei von sechs Turnieren sind zwar, wie der ganze letzte Zyklus 2008-2010, wieder in der Exsowjetunion angekündigt, nämlich in Taschkent und Tscheljabinsk, aber die weiteren Stationen im nächsten Jahr sollen im Westen untergebracht werden. Letztes Mal hat´s nicht geklappt, wir werden sehen.
Die Hoffnungen basieren auf dem amerikanischen Medienunternehmer Andy Paulson, der in Russland ein Vermögen verdient hat mit, man höre und staune, journalistisch vorzeigbaren und politisch nahezu unabhängigen Produkten. Paulson, der im Schach noch nicht vorher aufgetreten ist, soll eine neue Firma namens AGON haben, die die Spitzenwettbewerbe der FIDE in den nächsten Jahren vermarkten soll. Näheres über den Sitz, die Mitarbeiter und Eigentumsverhältnisse von AGON ist bisher nicht bekannt. Dass es Dutzende Firmen dieses Namens gibt, erleichtert die Recherche nicht. Das aserbaidschanische Geld erleichtert AGON den Start: Dem Vernehmen nach will Baku die WM 2013 ausrichten, es sei denn Aronjan wird Herausforderer.
Noch eine weitere Firma wird genannt, von der die meisten Schachfans noch nie gehört haben werden: CNC, die Chess Network Company mit Sitz in Moskau, besteht bereits seit Ende 2009 und gehört laut der New York Times mehrheitlich Chess Lane, einer in London sitzenden Firma von David Kaplan, einem Geschäftsfreund Iljumschinows. CNC hält die Marketingrechte der FIDE und ist auch in den neuen Deal mit AGON involviert.
Man muss wissen, wen man wählen muss!
Fachingsdienstag 2012 – keine Angst, nicht weglaufen es kommt nicht der schwer verständliche Äwigkneiper zu Wort, die Krennwurzn beschäftigt sich nicht noch einmal mit dem möglichen designierten Nachfolger, sondern wirft einen Blick auf den real existierenden Amtsinhaber.
Der DSB hat bei den letzten FIDE Wahlen immer auf die falschen Kandidaten gesetzt, nämlich jene, die dann wieder dem Alien erprobten Amtsinhaber unterlegen sind – der österreichische Schachbund und besonders sein „ewiger“ Präsident Kurt Jungwirth waren da immer besser positioniert und nun bekommt er und Österreich eine Belohnung dafür, wie auf der Homepage des ÖSB zu lesen ist:
Jungwirth wird Chairman der WM
Die kommende Weltmeisterschaft zwischen Viswanathan Anand und Boris Gelfand wird vom 10. Mai bis 1. Juni 2012 in Moskau über die Bühne gehen. Das schachliche Highlight des Jahres wirft seine Schatten voraus und berührt dabei auch Österreich. Schachpräsident Kurt Jungwirth wurde von der FIDE zum "Chairman of the Appeals Committee of the event" ernannt. Das ist eine hohe Auszeichnung für den langjährigen FIDE-Vizepräsidenten und Anerkennung seiner fachlichen und menschlichen Qualitäten, insbesondere da beide Spieler zustimmen müssen.
Zuerst leise, dann immer lauter erinnert sich die Krennwurzn an den Refrain eines Welthits von Falco: Amadeus und summt diesen vor sich hin: „Amadeus, Amadeus - ma muas wissen wen ma wähn muas!“ Sinngemäß übersetzt: Man muss wissen, wen man wählen muss!
Während sich die Krennwurzn noch mehr ins gedachte Singen hineinsteigert, blitzt ihr ins Gehirn, dass es einen noch bekannteren österreichischen Kurti gab, der eine sehr opportunistische Haltung zu einem diktatorischen System zeigte.
Und da – wir kennen ja alle die gemeine Krennwurzn nur allzu gut – änderte sich auch schon der Text: „Amadeus, Amadeus - ma muas wissen wen ma wähn muas – ma muas wissen, wann ma geh‘n muas!
Aber das sang damals schon die EAV auf ihrer CD „Kann den Schwachsinn Sünde sein?“
Ein Audi in Nordafrika
Welch eine Woche. Lang hat an 46 Brettern kurzen Prozess gemacht. Der Weltmeister hat sich dort, wo er seinen nächsten fetten Scheck abzocken wird, mit einem Vishywaschi-Resultat beliebt gemacht. Hou hat sich (und vielleicht mögliche Geldgeber) für einen Zweikampf gegen Judit warmgespielt. Kasparow hat sein Schulschachengegament in der FAZ erklärt. Die FIDE hat das nächste Kandidatenturnier nahezu stillschweigend in ein doppelrundiges Achterturnier umgemodelt. Fridman hat in Sachen Nationalmannschaft und DSB zu retten versucht, was an Common Sense geblieben ist. Und Naiditsch ist mal eben nach Nordafrika gedüst und hat einen Audi abgeliefert - soll keiner glauben, dass ein noch im Nachhinein so umkämpfter Europameistertitel keine Spuren hinterlässt. Sein Team Marcote war denn auch die große Enttäuschung des Finals der im von hohen Zäunen umgebenen Mellila ausgetragenen Spanischen Mannschaftsmeisterschaft. Zwei mit hochrangigen Legionären bestückte und mit baskischem Geld finanzierte Teams, Sestao und Gros Taldea aus San Sebastian, haben es dominiert. Als Einzelspieler domingierte Dominguez. Fehlt noch was?
Fasching Elfelf
Im Rahmen des Villacher Faschings der wohl bekanntesten Fasching Veranstaltung Österreichs traf die nichtanwesende Krennwurzn den ungeborenen designierten Nachfolger Herrn Äwigkneiper des ÖSB (Österreichischer Schachbund) Präsidenten zu einem nichtgegebenen und unautorisiertem Interview über das österreichische Schach. Leider meldete sich dieser am 1. April wieder und drohte ein neuerliches Interview für 11.11.11 natürlich um 11.11 an.
Krennwurzn: (Zitternd die Sekunden zählend) 11 Uhr 11 und 1,2, - Hoffnung keimt auf – der Äwigkneiper könnte den Termin vergessen haben – 9, 10, ...
Äwigkneiper: 11 – punktgenau am 11.11.11 um 11 Uhr 11 und 11 Sekunden bin ich da – das nenne ich Pünktlichkeit – ich bin ein Unterstützer der Nullkommanulltoleranzregel! Warum sind Sie so bleich?
Krennwurzn: Kren ist im Inneren nun mal weiß, auch wenn er außen oft ein wenig schmutzig ist, aber es zählen ja die inneren Werte oder nicht?
Äwigkneiper: Lenken Sie mich nicht vom Thema ab! Nullkommanulltoleranz bedeutet, dass in Zukunft nicht nur Spieler kontumaziert werden, die zu spät zur Partie kommen, sondern auch jene, die zu früh am Brett erscheinen. Diese Unhöflichkeit gegenüber den Schiedsrichtern und Veranstaltern muss ein Ende haben! Spielbeginn 10 Uhr bedeutet nun einmal exakt 10 Uhr und nicht 9 Uhr 59 und 59 Sekunden!
Krennwurzn: Ja, aber startet nicht der Schiedsrichter die Runde und kann das nicht auch um 10 Uhr 2 Minuten sein?
Äwigkneiper: Warum sollte er?
Krennwurzn: Weil vielleicht der Hauptsponsor, der Bürgermeister oder sonst ein Prominenter noch nicht da ist – oder weil er selbst zu spät kommt bzw. seine Uhr nicht genau geht!
Äwigkneiper: Die Erstgenannten interessieren mich nicht – außerdem die gibt es beim Schach praktisch nicht. Kommt aber der Schiedsrichter zu spät wird er kontumaziert und die Spieler logischerweise auch gleich mit.
Krennwurzn: Ok - wechseln wir das Thema: in unserem Nachbarland Deutschland weht ein neuer Wind – Schachpräsident ist dort ein wenig überraschend ein ganz passabler Turnierspieler aus dem Saarland geworden. Nun spielen die Deutschen nach früheren Streitereien bei der EM in Griechenland mit einer starken Mannschaft sogar an der Spitze mit.
Äwigkneiper: Und Sie tippen immer 4-0 für die Gegner – dafür muss ich Sie zwar loben, aber ich werde Ihr unmögliches Verhalten natürlich auch meinen deutschen Freunden mitteilen.
Krennwurzn: Machen Sie das nur – das österreichische Schach rackert sich ab!
Äwigkneiper: Wir waren bei der Olympiade vor den Deutschen und das genügt für Jahrzehnte – wenn nicht für Jahrhunderte – außerdem zählen EM nicht zu unseren Stärken. Wie Sie sicher wissen, haben wir uns im Fußball nie für eine EM qualifiziert!
Krennwurzn: Richtig und dennoch bei einer EM mitgespielt!
Äwigkneiper: Und genau da liegt meine Zukunftsabsicht – in meiner Amtszeit werden wir eine ÖEM veranstalten.
Krennwurzn: ÖEM was ist das?
Äwigkneiper: Eine Österreichische Einzel-Meisterschaft nur mit österreichischen Mannschaften, dann gewinnen wir diese auch!
Krennwurzn: Das klingt widersprüchlich und sehr international ist das auch nicht.
Äwigkneiper: Iwo – bei uns dürfen da alle mit Österreichbezug mitspielen.
Krennwurzn: Jetzt verstehe ich mit Bezug meinen Sie alle, die von uns bezahlt werden?
Äwigkneiper: Aber nein und nochmals nein! Da der bekannte Heinz Freiherr von Prüll schon länger nicht mehr „Niki und die Kreisfahrer“ kommentieren darf, hat er mir zugesichert für alle Top 100 Spieler einen Österreichbezug herzustellen, auch wenn es sich nur um eine angeheirate Cousine der Friseuse des Lieblingsfleischers des Wahlonkels handeln sollte. Der würde sogar bei einem Außerirdischen einen Österreichbezug finden.
Krennwurzn: Na ja man kann sich Illusionen hingeben, ich wünsche ihm da 99 Mal Glück – ein Österreicher hat es ja aus eigener Kraft in die Top 100 geschafft.
Äwigkneiper: Den werden wir da auch noch rauswerfen – wir brauchen Beitragszahler und Funktionäre und keine Spieler!
Krennwurzn: Mann geht das schon wieder los – Schach ohne Schachspieler! Aber was sagen Sie zu den Plänen der FIDE die Gebühren für die Ratingberechnung zu erhöhen?
Äwigkneiper: Das wird ja erst durch meinen Vorschlag richtig genial: ohne Schachspieler keine Partien und damit absolut keine Kosten! Die Ratingzahlen gehen dann monatlich nur mit Datumsänderung online – das nenne ich dann Effizienzsteigerung inklusive Gewinnmaximierung. Und als Sahnehäubchen kommt dann zweifelsfrei die ÄwigeELOliste, die wird gar nicht mehr geändert, da müssen die Spieler nur mehr einzahlen!
Krennwurzn: Und da kommt niemand mehr neu auf die Liste? Das schaut mir nach einem Geschäftsmodel mit Ablaufdatum aus.
Äwigkneiper: Iwo?
Krennwurzn: Es sterben ja auch manche und dann sinken die Einnahmen.
Äwigkneiper: Nein, nein - dann müssen die Erben zahlen!
Krennwurzn: Oje
Äwigkneiper: Wie schaut’s eigentlich mit dem österreichischen Schach aus?
Krennwurzn: Nichts besonders außer einer ebenfalls nahezu unbeachteten und nicht im Buch der Rekorde eingetragenen langen Turnierserie ohne Teilnehmer. Aber interessiert Sie das oder das österreichische Schach wirklich?
Äwigkneiper: Nein – ganz und gar nicht – mich interessiert nur mein Präsidentenamt mit unendlicher Dauer und ein wenig meine Funktionäre!
Krennwurzn: Gut und mich interessiert Ihr Geschwafel nicht mehr – das war unser letztes nichtgegebenes Interview – Lang lebe der Präsident, lang lebe Österreich, lang lebe das Schach!
Äwigkneiper: "I'll be back"
Bisher erschienen und dennoch nicht gelesen:
Konkurrenz für angestaubte Verbände - ACO, der neue Weltschachbund?
Die Werbemaschine ist angelaufen. Seit Wochen wandert eine Mail durch die Netze, Flyer finden sich auf Schachturnieren und auch uns erreichte die Nachricht: ACO, Amateur Chess Organisation, gemäß eigenem Bekunden „die neue Weltschachorganisation für Amateurschachspieler“, betritt die Bühne.
Auf einer ansprechend gemachten Website, www.amateurchess.com, findet man einige weitere Informationen. Ziel sei es, die von der FIDE bisher nicht ausreichend vertretenen Spieler unter Elo 2400 zu bedienen, und man „werde alles tun, damit Schach, Freude und Spaß wieder in einem Boot sitzen.“ Wie das genau aussehen soll, wird nicht genauer beschrieben.
Geleitet wird die in der Slowakei ansässige Organisation von Lothar Hirneise, Vater des in der deutschen Schachszene gut bekannten Internationalen Meisters Tobias Hirneise (Elo knapp 2450), zusammen mit GM Falko Bindrich auch Geschäftsführer der ACO.
Was bietet die ACO?
Zu Beginn wartet man gleich mit einer ACO-Weltmeisterschaft auf, die im klimatisch unfreundlichen Juli 2012 in Dubai im feudalen 5*-Hotel Jebel Ali über die Bühne geht. Für die Siegerehrung lockt der Ballsaal des Burj al Arab. Hier werden Titel in 7 Ratingklassen vergeben. Drei Anmeldungen pro Land und Gruppe sind möglich, wobei keine Qualifikation nötig ist. Wer zuerst kommt, mahlt (zahlt?) zuerst. Warum wir eine solche Weltmeisterschaft brauchen, bzw. welchen Sinn Weltmeistertitel in Ratingklassen machen, erschließt sich mir nicht. In der untersten Klasse 0-1200 bin ich dann WM der fortgeschrittenen Schachanfänger?!
Auch das zweite publizierte Turnier, die ACO Jugend Schachweltmeisterschaft wird nach ähnlichem Schema an einem attraktiven Ort (Disneyland in Paris) ausgetragen.
Für die Zukunft verspricht man ein neues Rating- und Trainingssystem, Online- und Liveschach, eine komplett neue Form der Schachligen und die Förderung des Jugendschachs.
Wie finanziert sich die ACO?
Beide Startveranstaltungen finden sowohl ohne Start- wie auch Preisgeld statt. Auf Rückfrage erhielten wir die Auskunft, dass Finanzierung/Sponsoring der ACO ausschließlich über mehrere Privatpersonen läuft.
Da ich nicht immer den philanthropischen Grundgedanken unterstelle und keine Einnahmen über Mitgliedschaften angestrebt werden, stimmt mich dieser Punkt etwas nachdenklich. Mit all den angestrebten Punkten besteht großer Personal- und Investitionsbedarf.
Es kann der Eindruck entstehen, dass eine Finanzierung über touristische Leistungen erfolgen wird. Die angebotenen 899 € für ein DZ (Einzelzimmer werden nicht angeboten) ohne Flug und Transfers dürften jedoch im Rahmen dessen liegen, was über deutsche Reiseveranstalter anfallen würde.
Brauchen wir eine solche Organisation?
Unser bestehender Weltschachverband FIDE sieht naturgemäß seine Aufgabe im Spitzenschach und verfolgt diese keineswegs zur Zufriedenheit aller.
Doch sehe ich auch keinen Bedarf an einer anderen weltweiten Vereinigung, die meisten Schachspieler kommen ohnehin nie in Kontakt mit dem Weltverband. Zudem haben wir endlich die lange, dem Schach abträgliche Phase zweier Spitzenverbände und boxartigen Zuständen mit mehreren Weltmeistern überwunden.
Im Moment erweckt die ACO auf mich noch den Anschein eines privaten Veranstalters, der seine Turniere unter dem Deckmantel einer Organisation mit eigenen WM-Titeln verkaufen möchte. Der Mehrwert für die Szene ist (noch) nicht spürbar.
Auf der anderen Seite ist es ausgesprochen schwierig, sei es auch mit noch so hehren Zielen, ohne große Rückendeckung Fuß zu fassen. Bis sich eine entsprechende Reputation eingestellt hat, schaue ich mir die Sache von der Seitenlinie an.
Was halten Sie davon? Brauchen Schachamateure eine weltweite Vertretung?
Ein von der ACO zur Verfügung gestelltes Interview mit dem Präsidenten, Lothar Hirneise, finden Sie hier zum Download als PDF.
Unsere Kurzumfrage brachte ein klares Ergebnis. Mehr als dreiviertel stimmten auf die Frage "Brauchen Ammeteure eine Weltschaorganisation?" mit Nein. Andererseits wollten jedoch fast 25 % organisiert werden...
Front gegen FIDE - Gegenwind nun auch aus der ECU
Der Widerstand formiert sich
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FIDE- Fischzug in ELO-Gewässern
Die FIDE bemüht sich schon seit Jahren erfolgreich um ein schlechtes Image. Einer ihrer Repräsentanten prügelte sich auf einem olympischen Turnier, und die Regeln für die WM-Kandidatenkämpfe werden oft sehr spontan geändert. Mittlerweile verliert man seine Partien, wenn man nicht rechtzeitig auf die Sekunde zum Spiel erscheint, und der Vorsitzende sitzt beim Schach mit Außerirdischen zusammen (oder so).
Auch jetzt ist der großen Mutter FIDE wieder ein Coup gelungen, der hohe Wellen schlägt in der Schachgemeinde. Der holländische Schachverband fühlt sich hintergangen und hat sogar schon einen lesenswerten offenen Brief mit vielen Details geschrieben, um scharf zu protestieren (Danke, Jörg, für den Link!).
Worum geht es? Wie Kevin Spraggett in seinem Blog berichtet, plant die FIDE eine strenge Gebührenordnung, die für die Inhaber von ELO-Zahlen eine jährliche Zahlung von 30€ vorsieht – wahrscheinlich für das Verwalten der Zahlen und das Auswerten der Turniere. Eine lebenslange Lizenz würde 500,-€ kosten, für den allerersten Eintrag in die ELO-Listen soll dagegen eine Art Lizenzgebühr von 10,-€ fällig werden.
Veranstalter, die Spieler ohne eine solche ELO-Lizenz antreten lassen, würden dafür von der FIDE geächtet werden und müssten 50,-€ Ablass zahlen - für jeden einzelnen Spieler.
Man tut der FIDE vermutlich Unrecht, wenn man meint, sie würde das alles nur tun, um Geld in ihre Kassen zu spülen. Obwohl: was spricht schon dagegen? Irgendwie muss jeder ja sehen, wo er bleibt – auch die FIDE.
Wir verstehen das und sind darum sehr angetan von dem Vorschlag. Auch wollen wir der FIDE gerne helfen, weiteres Geld in ihre Kassen zu füllen.
Wir regen daher die folgenden drei Dinge an - alles für die große Sache!
1) Schon Weltmeister und Wunderkind Capablanca wusste, dass das Schachspiel vom Remistod bedroht ist. Wir alle sollten aber ein Interesse daran haben, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. FIDE, wie wäre es daher mit einer kleinen Gebühr für Remisangebote? Wenn jedes Remisangebot die Spieler 2,-€ kostet, wäre diese Gefahr schnell gebannt. Geht die Partie am Ende tatsächlich unentschieden aus, könnten 3,50€ fällig werden – und sogar 4,10 €, wenn das schon vor dem 12.Zug passiert. Die Zuschauer würden spannende Kämpfe sehen, das Fernsehen käme endlich vorbei, alles wäre gut. Das sollte es uns wert sein.
Hier ist Remis extrem unwahrscheinlich - Schachspieler im Budapester Széchenyi-Bad (Quelle: Wikicommons)
2) Langweilige Eröffnungen könnten schon bald der Vergangenheit angehören, wenn eine geschickte Gebührenordnung endlich die richtigen Signale senden würde. "Globalsteuerung" hieß so etwas glaube ich in den Sechziger und Siebziger Jahren bei Helmut Schmidt. FIDE, was spricht zum Beispiel dagegen, den Gebrauch der Englischen Eröffnung 1.c2-c4 mit einer Sonderabgabe zu belegen? Die Welt würde ein wenig besser werden, und es bleiben ja immer noch genügend andere erste Züge übrig, die man kostenfrei spielen könnte. Auch andere eher langweilige Eröffnungen könnte die FIDE durch eine leichte Aufpreis verteuern und dadurch unattraktiver machen:
- The Berlin Wall in der Spanischen Eröffnung – niemand würde dieses Abspiel ernsthaft vermissen, oder? (Bei diesem Vorschlag könnte die FIDE auch auf die Unterstützung von Garri Kasparow hoffen, der gegen die Berliner Verteidigung und Wladimir Kramnik einst seinen Weltmeistertitel verlor.)
- Französisch Abtausch – jedesmal 3,-€, wenn 3.e4xd5 gespielt wird
- Slawisch – das ist zwar nicht wirklich langweilig, aber irgendwie schwer zu verstehen. Ich wäre dafür, dass diese Eröffnung weniger gespielt wird. Über den Preis kann man das sicher erreichen – fünf Euro für jedes Mal 2….. c7-c6 sprechen eine deutliche Sprache
3) Besonders lange Partien, sogenannte Seeschlangen, nehmen viel Speicherplatz in Anspruch, wenn man sie in die Datenbanken einpflegt. Auch braucht es länger, bis alle Züge erfasst sind – die Schiedsrichter, die in Dortmund die Partie Meier - Nakamura (150 Züge!) eingaben, können ein Lied davon singen. (Oft kann man noch nicht mal genau erkennen, was mit der Notation überhaupt gemeint gewesen sein soll - manche Spieler kritzeln einfach nur irgendetwas hin, damit die Zeile gefüllt wird). Damit könnte schnell Schluss sein – denn vieles spricht dafür, Partien von über 80 Zügen Länge mit einem gediegenen XXL-Aufschlag von 5,-€ zu belegen. Wer mehr spielt, soll schließlich auch mehr zahlen. Nach 80 Zügen werden die meisten Zuschauer sowieso schon nach Hause gegangen sein – da kann man mit dem Spielen eigentlich auch gleich aufhören. Oder aber – man zahlt 5,-€ extra. XXL eben.

Die "Große Seeschlange" nach Hans Egede und Georg Meier (Illustration von 1734) (Quelle: Wikicommons)
Der Einzug all dieser Gebühren könnte sicher unkompliziert per Bankeinzug nach Kalmückien geregelt werden. Alternativ werden die Turnier-Schiedsrichter vor Ort sicher gerne behilflich sein bei der Abrechnung der einzelnen Partien. Wechselgeld ist mitzubringen.
Man sieht: unser Sport ist noch lange nicht am Ende. Es gibt immer wieder neue Möglichkeiten, und wir sollten uns freuen, das die FIDE zumindest das erkannt hat.
Oder ist das neue Gebührenprojekt gar nicht so unberechtigt? Auch bislang schon mussten die Spieler zahlen, wenn der Weltverband ihnen den Titel eines Großmeisters, Internationalen Meisters oder FIDE-Meisters verliehen hat. Billig war auch das nicht, doch es wurde akzeptiert.
Auch die Auswertungen für die Deutsche Wertungszahl sind für uns Spieler vollkommen kostenlos, obwohl für die ehrenamtlichen Helfer des Deutschen Schachbundes eine gewaltige Menge an Arbeit und Verwaltung dahintersteckt. Wäre es angemessen, hier eine Art Gebühr zu verlangen?
Wir sind also schon wieder bei der alten Frage: was ist uns unser Sport wert?!
Ob das neue, innovative, begrüßenswerte, lang ersehnte und irgendwie schöne ELO-Gebührenprojekt wirklich Wirklichkeit wird, wird sich zeigen. Im Oktober hält die FIDE in Krakau Hof – wir sind schon jetzt gespannt, wie die nationalen Schachverbände sich zu dem Vorschlag äußern werden.
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Ein Rätsel zum Schluss: Sergej Karjakin spielte beim Weltcup von Khanty Mansiysk die Berliner Verteidigung im Spanier – zum Glück für ihn war das für ihn noch kostenlos, denn die Gebühr für langweilige Eröffnungen muss erst noch beschlossen werden.

Judit Polgár als Weiße am Zug hatte aber auch so schon eine schöne Idee, um etwas Leben in die Bude zu bringen. Was war ihr 20.Zug, mit dem sie in großen Vorteil kam?
Reise nach...
Der Weltcup hat mich bis zum Viertelfinale nicht besonders interessiert. Das Schach war nicht besonders. Der Modus eignet sich, um genau einen Sieger zu ermitteln, aber nicht, um die drei Besten zu finden. So viele Plätze aber werden in Chanti-Mansisk für das nächste Kandidatenturnier vergeben. Wer unter die letzten vier gekommen ist, hat nun beste Chancen auf einen dieser drei Plätze. Sorry, dass ich das so eng sehe, aber die WM-Quali ist aus meiner Sicht das Entscheidende.
Nun ändert der Wettbewerb seinen Charakter radikal. Bis zum Viertelfinale hatte niemand eine Chance von 50 Prozent. Jetzt haben alle Verbliebenen eine deutlich höhere Chance. Gespielt wird quasi die Reise nach Jerusalem. Oder nach Chanti-Mansisk, wo es genug Ölgeld gibt, um vermutlich (Gott behüte) das nächste Kandidatenturnier praktisch ohne nichtrussische Berichterstatter und Zuschauer abzuwickeln. Dass ausgerechnet der Kampf um Platz eins, in dem sich zwei Qualifizierte gegenüberstehen, über vier statt zwei Partien angesetzt ist, macht nur Sinn, weil das halt auch bei früheren Weltcups so war. Idiotisch. Also typisch FIDE.
Ich freu mich, dass Iwantschuk Radschabow rausgeworfen hat. Aber gerecht ist das nicht. Radschabow hat diesen Weltcup großartig gespielt, und sein mutiges Opfer auf g5 gegen Iwantschuk war nur eines von ihm gesetzten Highlights. Kein bisschen so destruktiv wie im Kandidatenmatch gegen Kramnik. So sympathisch mir Swidler ist, der mit Te2 gegen Kamsky den stärksten Zug des Turniers fand, so bedauernswert ist, dass Polgar gegen ihn überzogen hat und sich auskontern ließ. Je internationaler das Kandidatenturnier wird umso besser. Nun drohen mit Kramnik (nach Elo), Swidler und Grischtschuk drei (befreundete) Russen, was die Wahrscheinlichkeit einer weiteren russischen Austragung sicher nicht reduziert. Apropo Grischtschuk. Auf ihn hätte ich nach seinem blitzorientierten Spiel im Kandidatenturnier verzichten können. Der Glücksvogel wurde im Viertelfinale von Navara wie schon im Mai von Aronjan und Kramnik schlicht ausgelassen. Hoffentlich wirft er nun nicht Tschuky aus der Bahn. Gaschimow hätte ich die Quali im Unterschied zu seinen mit weniger Skrupeln behafteten Landsleuten ein Weiterkommen gegönnt, aber Ponomarjow tue ich es auch.
Abschaffung des Remis? Der Brief des Exweltmeisters
Oftmals bescheren uns Funktionäre des Weltschachverbandes FIDE Regeländerungen, die schwer nachvollziehbar sind und Volks- und Praxisnähe vermissen lassen. Doch verwundert dies wenig. Ein Blick auf die 13 Mitglieder der FIDE Regelkommission (Commission for Rules and Tournament Regulations) erweckt nicht den Eindruck eines schachnahen, entscheidungsfähigen Teams. Eine babylonische Zusammensetzung von 13 Mitgliedern aus 13 Nationen und einem Vorsitzenden, der, zumindest im neuen Jahrtausend, keine Partie nach seinen abgesegneten Regeln gespielt hat, sprechen für sich selbst. Doch auch für die Regelkommission des Deutschen Schachbundes (sog. Technische Kommission), mit einem möglicherweise etwas höheren Schachspieleranteil, scheint der Austausch mit den aktiven Spitzenspielern, für die die meisten Regeländerungen wohl eingeführt werden, nicht dringlich zu sein.
Nicht endender Diskussionsbedarf zu Karenzzeitregelung, Verkürzung der Bedenkzeit, Verbote elektronischer Hilfsmittel etc. ist die Folge. Schach soll aber in erster Linie Spaß machen und nicht unter der Verwaltung leiden. Wie bei anderen Sportarten sind die Regeln ein unabdingbares Beiwerk, das unter keinen Umständen in den Vordergrund treten darf oder benutzt werden kann, um einzelne Spieler zu maßregeln.
Abschaffung des Remis?
Anfang Mai wiesen die Kandidatenkämpfe in Kazan, die der Ermittlung des WM-Herausforderers dienten, eine unerfreulich hohe Remisquote von fast 90% auf. Sofort rief man auch hier nach Regeländerungen. Aus meiner Sicht war einzig der unglücklich gewählte Austragungsmodus die Ursache, doch Wladimir Kramnik regte an, das Rochaderecht erst ab dem zehnten Zug zu erlauben um eröffnungstheoretische Vorbereitung, die zum Verflachen der Stellungen führen kann, zu erschweren. Auch wenn er nachträglich die Aussage zum Scherz erklärte, scheint das Thema einige Spitzenspieler zu beschäftigen. Jüngst erkannte nun auch Rustam Kasimdzhanov, wenig beachteter FIDE-Weltmeister des Jahres 2004, das Remis als Quelle allen Übels und forderte in einem offenen Brief das häufigste Ergebnis des Schachs abzuschaffen. Nur so könnte unsere Sportart attraktiv werden, Sponsoren anziehen und irgendwie auch Tennis einholen….
Viel Lärm um nichts. Das Remis als taktische Waffe bereichert Schach immens. Wer glaubt, durch Regeländerungen Schach attraktiver machen zu können, scheint mir auf dem Holzweg zu sein. Hier sind die Veranstalter gefragt, und wie die großen privaten Turniere (London, Biel, Dortmund etc.) zeigen, hat man dort das Problem im Griff. Zuletzt konnte man überall großes Kampfschach beobachten, ohne einen Gedanken an Schachregeln zu verschwenden..
Sponsoren kommen nicht aufgrund von Regeln (eine Ausnahme stellen vielleicht die Bekleidungsrichtlinien bei Beachvolleyball dar..). Bekanntheitsgrad und Image der Sportart sind bestimmende Faktoren und hier führt Schach nunmal ein Dornröschendasein, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sind gefragt!
Hier der genaue Wortlaut Kazimdzhanovs Begehrens:
Open letter with a proposal
Dear chess friends,
I am writing this open letter, addressed both to FIDE and the entire chess playing world, due to a certain crisis, in which our noble game finds itself lately. This crisis is not only defined by a general dissatisfaction, coming from sponsors, organizers and amateurs; also among the professionals there has been some growing distress. Quite a number of traditional tournaments are no longer organized; in those still out there an ever growing number of extremely strong players is competing for the same money. At the same time voices from all around are expressing serious concern about lackluster play in some top tournaments, and notorious short draws.
To understand the reasons why our sport has never made it to the heights it deserves I find it useful to take a look at a sport very similar to ours – tennis. Both games feature the battle of two personalities, showing a whole array of technical weapons in their fight, competing in speed and precision, in patience and wisdom. Why, despite this apparent similarities, despite the fact that many more people worldwide are capable of playing chess properly, do we stand light-years behind tennis in everything that defines success in professional sport?
The reasons are numerous, no doubt, but the main problem, as I see it, is an existence of a draw as a result in chess. Short draws (and I also have made a number of those) make our game look more like an insider academic activity, rather than sport; but they can’t be avoided – the preparation of today and the inherent qualities of chess are such, that a draw, and in fact a short draw, is a most likely result in a game between strong well-prepared players. Still, in a well-organized tournament, top players, getting up to go to their hotel rooms after a ten minute draw, do not add attractiveness to chess.
Returning to tennis, the main attraction is, as I see it, the fact that every single fight produces a result; a winner and a loser at the end of the day. And there is a thrill for every spectator to see, say, Nadal and Federer, come to court, and know with certainty that one of them will triumph and the other one will lose. In short, to put it figuratively, there will be blood. And there will be great champions.
In our game, however, things are different. We also have great champions, but their greatness is sometimes limited to insiders of the game. In order to be successful outside of our little world, in order to make front pages and TV, and thereby also the finance that comes in a parcel, we need champions that appeal to a general public, even to a public far from intricacies of chess. Such was a winning streak of Novak Djokovic this year, for instance. Something that a win in a chess super tournament with 8 out of 13 simply cannot match.
And now comes my proposal. If we want success, sponsors, public and the rest of the parcel, we need to abolish those draws in classical tournaments. And not by Sofia rules – tournaments with Sofia rules produced as many draws as any other; and not by 30 move rule, where players are often just waiting for move 30. We need something entirely different. Like a tie-break in tennis. We need a result. Every single day.
And here is how it works. We play classical chess, say with a time control of four to five hours. Draw? No problem – change the colors, give us 20 minutes each and replay. Draw again? Ten minutes each, change the colors and replay. Until there is a winner of that day. And the winner wins the game and gets one point and the loser gets zero; and the game is rated accordingly, irrelevant of whether it came in a classical game, rapid or blitz.
This way the expectations of the crowd will never be deceived. There will always be a winner, there will always be blood. There will come an age of great champions, since withthis system there will be times when Vishy or Magnus will win Wijk-aan-Zee with 13 out 13; and there will be winning streaks, when some of the great champions will win 50 games in a row. We’ll make front pages.
And much more than that. It will be good for our sport. Not just sponsors and attention and prizes. It will be essentially good for our game. People will try extremely hard with white, in order to decide the issue now, and not in a black rapid game. Instead offering a draw in a slightly better ending in order to save energy and catch a movie, chess players will show their whole ability and will win these endings. As a matter of fact this will develop classical chess.
And there is so much more. Often players, playing white, feeling rough in the morning, get to the game with an attitude “I’ll just make a draw today” Imagine, what will happen to this attitude? Chess will become a true sport. We’ll wake up to win or to lose that day. We’ll come tho the board, ready to play chess. And just like when we come to see Federer play – we see his whipping forehand, his effortless slice, his hammer serve and immaculate return – same will happen in chess. Every single day we’ll see players like Aronian or Grischuk pressing with white, wriggling out of trouble with black and showing some blitz skills to an ever larger public. That is something I would like to watch and play.
Grandmaster Rustam Kasimdzhanov


