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Der Schach-Blog

Sonntag,19 Mai 2013

Aktualisiert20:03:02 Sun

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Freitag, 07. September 2012 11:55

Angst essen Seele auf

Klar, wenn im Match gegen Armenien nicht nur Daniel Fridman seinen Vorteil verwertet sondern auch Georg Meier nicht die Dame eingestellt (Video) und Arkadi Naiditsch seine Remisstellung gegen Aronjan gehalten hätte, wäre auch Igor Chenkin für sein in diesem Fall mannschaftsdienliches Remisgebot auf die Schulter geklopft worden. Aber wie es lief, nämlich 1,5:2,5 und statt geteilter Tabellenführung tschüss Medaille, stellen sich für mich, der nicht live dabei war, einige Fragen an diejenigen, die mehr mitbekommen haben: War Meier, als Chenkin remis bot, aus dem Gröbsten raus? Wie schwer war Movsesians Zeitnot? War Chenkins Stellung zwar vorteilhaft (Computer zeigt fast +1), aber für ihn viel schwerer zu spielen als für seinen Gegner? Hatte Teamchef Uwe Bönsch sein Remisgebot gutgeheißen? Warum ist es kein anderer im Team, der sich durch ein, wie es aussieht, Angstremis in die Diskussion bringt?

 

Okay, kann man alles nach dem Sonntag besprechen. Zwei Siege reichen immer noch für Platz vier oder fünf. Haut rein! 

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Die öffentliche Austragung der Unstimmigkeiten zwischen Arkadij Naiditsch und dem Deutschen Schachbund findet kein Ende. Nach der Presserklärung des ehemaligen Spitzenbretts der deutschen Nationalmannschaft am Donnerstag, veröffentlichte gestern DSB Präsident Herbert Bastian eine Stellungnahme auf der Website des Schachbundes. Darin tadelt er weiterhin Naiditschs Verhalten, stellt einige Aussagen als nicht korrekt heraus. Andererseits begrüßt er aber, dass Steine ins Rollen kamen und lässt durchblicken, dass viele Kritikpunkte einer Berechtigung nicht entbehren. Am Ende wird eindeutig eine Zukunft mit Naiditsch weiterhin für denkbar gehalten.

Den genauen Wortlaut gibt es unter http://www.schachbund.de/entry/97#body-anchor aber letztendlich nichts Neues im Staate Schachdeutschland! Alles beim Alten – für mich ist dies nun genug öffentlicher Disput. Ein Fortschritt kann nur hinter verschlossenen Türen erzielt werden. Auf jeden Fall ist es an der Zeit, diese leidige Geschichte, egal wie, zu beenden.

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Donnerstag, 05. Januar 2012 17:37

Arkadij Naiditsch zur Entscheidung des DSB

Soeben erreichte uns Arkadij Naiditschs Antwort auf seinen Ausschluss aus der Nationalmannschaft und den Ereignissen der letzten Monate. Sollte die Materie für Sie neu sein, hier die Links zu den vorangegangenen Blogbeiträge zum Thema

Europameister versus Bundestrainer - Ring frei für Runde 2 und

Schachbund trennt sich von Arkadij Naiditsch

Arkadij Naiditschs Presseerklärung:

Zunächst darf ich meiner Enttäuschung über die Entscheidung und das Verhalten des DSB Ausdruck verleihen, da ich stets sehr gerne für die Deutsche Nationalmannschaft gespielt habe und glaubte, dass wir uns auf einem richtigen Weg befinden.
Ich empfinde die Entscheidung des DSB als unangemessen, zumal mir vor der Entscheidung nicht einmal Gelegenheit zur Stellungnahme gewährt wurde. Eine Anhörung meiner Person hat es nicht geben.
Das Interview, in dem ich angeblich wieder das Thema „Bönsch“ aufgreife, ist von dem Journalisten völlig falsch gewichtet worden. Ich hatte etwa ein halbstündiges Gespräch mit dem Journalisten, indem das Thema Bönsch lediglich gestreift wurde und ich mich in der zitierten Form nicht über Herrn Bönsch geäußert habe. Ähnliche Erfahrungen mit diesem Journalisten hat offenbar auch Daniel Fridman gemacht. Hätte mich der DSB vor seiner Entscheidung angehört, so hätte ich die Gelegenheit genutzt, dies klarzustellen.
Am Abend vor der ersten Runde der Europameisterschaft 2011 hatten Herr Bönsch und ich ein kurzes privates Gespräch, wobei wir uns einig waren: „Wir sind hier, um das Bestmögliche zu erreichen. Das Persönliche sollte dabei keine Rolle spielen.“ Die Aufgaben waren klar verteilt: 5 Spieler, Kasimdzhanov als Trainer und Bönsch als Delegationsleiter. Alle erfüllten Ihre Aufgaben gut und der Erfolg war grandios.
Ich habe den Eindruck, dass einige der DSB-Funktionäre an einer Klarstellung auch nicht interessiert waren und schon seit längerer Zeit versuchen, einen Grund zu finden, mich als „unbequemen Spieler“ aus der Nationalmannschaft streichen zu können.
Dabei habe ich in der Vergangenheit die zahlreichen Missstände und Probleme im DSB stets erst intern angesprochen; meistens leider erfolglos.
Ich habe den Eindruck, dass erst meine öffentliche Kritik im vergangenen Jahr dazu führte, dass sich überhaupt etwas bewegte.Zum ersten Mal bekamen wir mit AUK einen Sponsor.
Als Spieler hatte ich bisher nur einen Vertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH, die im Namen der Schachbundes die Spieler honorierte. Die Verträge mit der Wirtschaftsdienst GmbH kamen regelmäßig unpünktlich. Selbst dieses Jahr machte die Wirtschaftsdienst GmbH keine Ausnahme. In diesem Jahr gab es einen Spielervertrag in dem es sehr viele Punkte gab, für die sich die Spieler einseitig verpflichteten; der DSB dagegen verpflichtete sich im Wesentlichen nur dahingehend, „sein Bestes zu geben“. Aber dies war nicht mein Hauptkritikpunkt, sondern der Umstand, dass ich mich mit der Unterschrift unter den Sponsorenvertrag gleichzeitig verpflichtete, auch den zusätzlichen Honorarvertrag von der Wirtschaftsdienst GmbH zu unterschreiben, der allerdings bis Ende Juli überhaupt nicht vor lag. Auf meine E-Mail, wo der Vertrag denn bleibe, antwortete mir Herr Deventer, die zuständige Person sei im Urlaub. Daraufhin habe ich meine Kommunikation mit dem DSB unterbrochen, da ich keinen weiteren Sinn mehr gesehen habe. Sven Noppes, der auch schon im Vorfeld zwischen DSB und Nationalmannschaft vermittelte, half nun das Hin und Her zu beseitigen. Zunächst meinte der DSB, ich brauche den Spielervertrag nicht zu unterschreiben, solange ich nicht den Vertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH unterschrieben habe.
Anfang August erhielt ich dann die Nachricht, ich hätte den Spielervertrag nun doch vor dem Honorarvertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH innerhalb kürzester Zeit zu unterschreiben, andernfalls könnte ich nicht für die Mannschaftseuropameisterschaft nominiert werden. Auch wenn der Inhalt des Vertrages grundsätzlich abgesprochen war, ist dies für mich ein unglaublicher, unprofessioneller Vorgang!
Dabei war allen Beteiligten aus meiner Sicht zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass ich von der Vertragssituation weiterhin nicht begeistert war. Ich habe in den Gesprächen kommuniziert, dass ich die Verträge nur deshalb unterschreibe, weil ich die ersten Schritte des DSB bis zu diesem Zeitpunkt anerkenne (Eröffnungstrainer und erste Schritte der Honorarverbesserung) und ich unbedingt für Deutschland schon wieder in diesem Jahr spielen wollte. Es war aber eben auch klar, dass erst ein Anfang in die richtige Richtung gemacht worden ist und es nach der Mannschaftseuropameisterschaft weitere Gespräche und zukünftig neue Verträge geben muss.
Anstatt professionell zu arbeiten und seine strukturellen Mängel zu beseitigen, konzentriert sich die DSB-Spitze derzeit darauf, in der Öffentlichkeit unfruchtbare Diskussionen und Interviews zu führen, um offensichtlich alte Rechnungen zu begleichen.
bannerendspiel anzAnstatt den unglaublichen Erfolg der Europameisterschaft zielgerichtet zu nutzen und zu vermarkten, vergibt der DSB seine Chancen, nachhaltige Verbesserungen herbeizuführen.
Seit vielen Jahren schlage ich immer wieder intern vor, die Nationalmannschaft viel stärker in das Jugend-Training einzubinden, um eine optimale Förderung der Talente zu erreichen, zum Beispiel mit Simultanveranstaltungen, Trainingsevents und der Begleitung zu wichtigen Turnieren, wie WM oder EM.
Der DSB sollte endlich aufhören, zu verbreiten, das Schach eine Randsportart darstellt und wir eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten im Schach haben. Das Budget des DSB eröffnet zahlreiche Möglichkeiten.
Warum wird die Nationalmannschaft nicht stärker in die Popularisierung von Schach in Deutschland eingesetzt?
Bei der EM in Griechenland haben mehr als 250.000 „unique users“ aus Deutschland uns zugeschaut und „live“ mitgefiebert. Dies sind nur die Zahlen der offiziellen Seite.
Die Popularisierung von Schach kann mit Erfolgen wie unserem Sieg bei der Europameisterschaft 2011 erfolgen und nicht etwa mit dem Debakel bei der Olympiade 2010.
Ich darf meine Stellungnahme/Presseerklärung mit der Hoffnung schließen, dass auch in Zukunft das stärkste Team für Deutschland an den Start gehen wird und dies zu professionellen Bedingungen.
Ich wünsche allen schöne und friedliche Feiertage und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2012!
Dortmund, 23.12.2011

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Sonntag, 27. November 2011 16:14

Schachbund trennt sich von Arkadij Naiditsch

Der Deutsche Schachbund schafft klare Fronten: Nach lang anhaltenden Querelen fällte das Präsidium am Wochenende eine folgenschwere Entscheidung. Der zuständigen Kommssion für Leistungssport wird empfohlen, Arkadij Naiditsch umgehend aus dem A-Kader zu entlassen. Das Spitzenbrett der Nationalmannschaft fiel u. a. durch wiederholt heftige öffentliche Angriffe auf diverse Funktionäre des Schachbundes in Ungnade.

Details findet man auf der Schachbundsite. Auffallend stellt man sich hinter den in die Schusslinie geratenen Bundestrainer Uwe Bönsch. der "wesentlichen Anteil am Abschneiden der deutschen Mannschaft" hatte.

bannersr400anzKurioserweise verabschiedet man Deutschlands aktuell unumstritten stärksten Schachspieler mit einer goldenen Nadel für seine hervorragenden Leistungen auf der Europameisterschaft. Durch sein ausgezeichnetes Ergebnis am Spitzenbrett trug er wesentlich zur Erringung des Titels bei. Mit der Ehrung durch den DSB einher geht eine kleine Sonderhonorierung von Spielern und Theorietrainer. Man bewegt sich im einstelligen Prozentbereich der 50.000 € Prämie, die das russische Team pro Spieler für den Sieg erhalten hätte oder auch den 30.000 der Armenier, allerdings im Rahmen dessen, was der Schachbund in der Lage zu leisten ist.

Hoffnungen auf weitere Heldentaten einer deutschen Nationalmannschaft muss man fürs Erste wohl begraben. Doch wurde damit immerhin der lästigen öffentlichen Diskussion ein Ende gesetzt, auch wenn das Ergebnis einseitig und unbefriedigend wirkt.

Eine Hintertür bleibt indes offen: Die Suspendierung gilt zunächst bis Mitte 2012. Dann prüft der Bund, ob sich etwas verändert hat und eine neuerliche Zusammenarbeit denkbar wäre. Ein Einsatz Naiditschs bei der kommenden Schacholympiade in Istanbul ist somit noch nicht ganz vom Tisch....

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Sonntag, 27. November 2011 11:27

Ein Audi in Nordafrika

Welch eine Woche. Lang hat an 46 Brettern kurzen Prozess gemacht. Der Weltmeister hat sich dort, wo er seinen nächsten fetten Scheck abzocken wird, mit einem Vishywaschi-Resultat beliebt gemacht. Hou hat sich (und vielleicht mögliche Geldgeber) für einen Zweikampf gegen Judit warmgespielt. Kasparow hat sein Schulschachengegament in der FAZ erklärt. Die FIDE hat das nächste Kandidatenturnier nahezu stillschweigend in ein doppelrundiges Achterturnier umgemodelt. Fridman hat in Sachen Nationalmannschaft und DSB zu retten versucht, was an Common Sense geblieben ist. Und Naiditsch ist mal eben nach Nordafrika gedüst und hat einen Audi abgeliefert - soll keiner glauben, dass ein noch im Nachhinein so umkämpfter Europameistertitel keine Spuren hinterlässt. Sein Team Marcote war denn auch die große Enttäuschung des Finals der im von hohen Zäunen umgebenen Mellila ausgetragenen Spanischen Mannschaftsmeisterschaft. Zwei mit hochrangigen Legionären bestückte und mit baskischem Geld finanzierte Teams, Sestao und Gros Taldea aus San Sebastian, haben es dominiert. Als Einzelspieler domingierte Dominguez. Fehlt noch was?    

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Deutschland ist Mannschaftseuropameister – das stolze Ergebnis einer wunderbaren Teamleistung! Sollte man meinen…. Anscheinend bleibt „das Team“ jedoch auf die Spieler und ihren Sekundanten Rustam Kasimdschanow beschränkt, der Schachbund außen vor.

Wusste man im Vorfeld bereits, dass die Mannschaft um Deutschlands Spitzenbrett, Arkadij Naiditsch und Bundestrainer Uwe Bönsch nicht miteinander klarkommem, geht der Kampf nun in eine neue Runde.

„Natürlich hoffe ich, dass wir mit dem Titelgewinn etwas Positives bewirken können für das deutsche Schach“, sagt Naiditsch, „aber das liegt jetzt am Verband. Und da bin ich sehr skeptisch. Ich glaube sogar, dass sich die meisten Präsidiumsmitglieder gar nicht über unseren Sieg freuen. Gratuliert hat mir auch niemand.“…

seminar-Banner-anz300… „Er (Bundestrainer Uwe Bönsch) hat eine Festanstellung beim Deutschen Schach-Bund und kassiert rund 50.000 Euro im Jahr. Er glaubt jedoch, er fahre nicht zu einer EM, sondern in die Ferien“,

Soweit Naiditschs markige Worte, zu lesen in Thomas Lelgemanns Artikel „Seltsame Züge“ auf www.DerWesten.de

Zurückhaltende Unterstützung erhält er von Mannschaftskollegen Daniel Fridman:
„Er
(Bundestrainer Uwe Bönsch) kümmert sich um die Unterbringung im Hotel oder sorgt dafür, dass wir immer genügend Getränke haben.“

Für mich völlig unverständlich ist hierbei die Vorgehensweise des Schachbundes, der trotz der nahezu militanten Vorgeschichte, die in Naiditschs Brandbrief auf Chessvibes.com ihren Höhepunkt fand, an seinem Bundestrainer festhielt und alle zusammen zur EM nach Griechenland schickte.

Uwe Boensch 2008 DresdenDie neuerliche Eskalation lässt vieles erwarten. Bisher war Schach wohl eine der großen sportlichen Ausnahmen, bei denen der Trainer wichtiger als das Team zu sein schien.

Möglicherweise hat die neu erstarkte Mannschaft mit der Goldmedaille nun genug Rückenwind, um sich gegenüber den Funktionären stärker zu positionieren.

Eins sollte jedoch allen Beteiligten klar sein: Für eine Ersatzmannschaft und einen 64. Platz auf einem Mannschaftswettbewerb hat niemand mehr Verständnis.

 

Uwe Bönsch 2008, Foto: GFHund

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Donnerstag, 15. September 2011 01:41

Endlich wieder Nationalmannschaft

Es scheint wieder alles im Lot - Deutschland wird bei der Anfang November im griechischen Porto Carras stattfindenden Mannschaftseuropameisterschaft endlich wieder mit der nahezu stärksten Mannschaft antreten! Gestern nominierte Bundestrainer Uwe Bönsch die TOP 4 der Rangliste sowie Rainer Buhmann (Nr. 8):

GM Arkadij Naiditsch 2707
GM Daniel Fridman 2652
GM Georg Meier 2648
GM Jan Gustafsson 2631
GM Rainer Buhmann 2606

Dazu DSB-Präsident Herbert Bastian.

"Das Präsidium des Deutschen Schachbundes ist sehr erleichtert darüber, dass es dank der guten Vorarbeit der Kommission Leistungssport unter der Führung von Klaus Deventer gelungen ist, wieder unsere stärksten Spieler für die Nationalmannschaft zu berufen. Damit wird ein Schlussstrich unter die Querelen der Vergangenheit gezogen und der Blick gemeinsam nach vorne gerichtet"...

...Und an unsere Mitglieder in den Vereinen ist die Erwartung gerichtet, dass sie unsere Nationalspieler moralisch unterstützen, wenn diese auf der Europameisterschaft nicht zuletzt um die Wiederherstellung des guten Ansehens der Schachnation Deutschland spielen werden.

Money makes the world go round

Die finanzielle Situation konnte mithilfe eines neuen Sponsors für beide Seiten zufriedenstellend geklärt werden. Mit einer anderen Kernforderung, der Absetzung Uwe Bönschs, setzte sich das Team jedoch nicht durch.

Allerdings scheint mit dieser Konstellation neues Ungemach vorprogrammiert. Nach der über Monate heftig geführten Auseinandersetzung wird es mehr als schwierig sein, ein harmonisches Klima zwischen Mannschaft und Teamkapitän/Delegationsleiter Bönsch herzustellen.

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Donnerstag, 21. Juli 2011 08:20

Hallo Dortmund!

Dass sich Schachfestivals im Sommer terminlich auf die Füße treten, ist kaum zu vermeiden. Die Dortmunder Schachtage, die an diesem Donnerstag im Schauspielhaus losgehen, sind vor einigen Jahren selbst in die theaterfreie zweite Julihälfte und damit genau den angestammten Termin von Biel gegrätscht. Dass auch die FIDE ihre erstmals nicht mehr im Vier-Jahres-Rhythmus ausgetragene Mannschafts-WM auch noch auf diese Zeit legt, ist gemein (zumal es am Austragungsort, dem subtropischen Ningbo, im Juli heiß und regnerisch ist). Die früher belächelte WM ist so gut besetzt wie nie und verspricht nach dem 1:3 der Russen gegen Aserbaidschan am Mittwoch bis zum Abschluss am kommenden Dienstag hochspannend zu verlaufen. Auch Biel kostet Dortmund internationale Aufmerksamkeit, schraubt Carlsen dort doch mit jedem Sieg seine Weltranglistenführung und Elozahl weiter nach oben.  
 
Dabei hätte Dortmund dieses Jahr mal wieder etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Das Teilnehmerfeld ist das interessanteste seit langem. Dass der in Dortmund zuletzt nur langweilende Leko fehlt (so einen Knaller wie gestern bei der Mannschafts-WM gegen Iwantschuk hat er in "seiner zweiten Heimat" bei jährlicher Teilnahme zuletzt 2002 abgeliefert) und mit Anish Giri und Hikaru Nakamura zwei aufstrebende und nicht um Worte verlegene Hoffnungsträger eingeladen worden, ist unbedingt zu loben. Außerdem den unvermeidlichen Kramnik und Aeroflot-Sieger Le.
 
Zu mehr als einem deutschen Teilnehmer hat man sich trotz des (nicht nur von mir) überdeutlichen Lobs für das Londoner Modell (viermal Weltklasse, viermal nationale Spitze) nicht durchringen können. Kurioserweise wurde Naiditsch von den eigentlich elogeilen Dortmundern ausgerechnet im Jahr seiner besten Zahl ein (in jeder Beziehung um ein Jahr verspäteter) Denkzettel verpasst. Dafür kann er dankbar sein, denn in diesem Feld wäre er meines Ermessens erster Anwärter auf den letzten Platz und einen fetten Eloverlust. Dafür erhält Meier seine erste Chance auf so hohem Niveau. Seine Generalprobe, ein Schnellturnier bei den Maccabi-Spielen in Wien, wo er an die 100 Elopunkte mehr als der Zweitbeste hatte, gewann der Trierer zwar mit 17,5 aus 22, gab dabei aber mehr Punkte ab als erwartet. Ich glaube nicht, dass Meier wie Gusti bei seiner einzigen Dortmunder Chance 2008 den Turniersieg in Greifweite haben sondern mit jedem erbeuteten halben Punkt zufrieden sein wird. Und hoffentlich eine oder zwei gewinnt.
 
Wer kommentiert im Schauspielhaus? Gusti und Naiditsch? Wäre mal interessant gewesen (und ein Anreiz vorbeizuschauen), aber Klaus Bischoff und Sebi Siebrecht werden sicher auch einen guten Job machen.
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Samstag, 30. April 2011 16:16

2716

Das ist Arkadi Naiditschs neue Zahl. Unter sämtlichen Spielern in den Top 100 hat er den größten Sprung nach oben gemacht. So viel Elo hatte noch kein Deutscher (hier die derzeit besten 100 Deutschen). Freilich sind Naiditschs Leistungen mit denen Laskers oder Hübners nicht direkt vergleichbar. Dass er dank seiner Riesenleistung in der Bundesliga (13,5 aus 15) einen Sprung macht, war abzusehen. Ihm kommt nun zugute, dass das von ihm mit 8,5 aus 9 gewonnene Open in Deizisau auch bereits ausgewertet ist. Dabei hat sich Naiditsch zuletzt nicht voll auf sein Schach konzentriert und auch seine Fitness schleifen lassen: In Anspruch nahmen ihn fortgesetzter Ärger mit den Funktionären des Deutschen Schachbunds, ein Computeranalyse-Magazinprojekt namens Chess-Evolution und der Launch seiner Website Chesstotal (die er zwischendurch den anderen deutschen Nationalspielern und -spielerinnen zur gemeinsamen Selbstdarstellung anbot, worauf aber kaum jemand einging und auf der Seite tat sich dann auch zuletzt wenig außer der Aktualisierung des lobenswerten Turnierkalenders). Die hohe Zahl und Platzierung unter den ersten 30 der Welt täuschen über Naiditschs wahres aktuelles Leistungsvermögen. Den Elosprung verdankt er seinem gnadenlosen Ausdrücken von Spielern bis etwa 2600. Auf Stärkere traf er zuletzt bei der EM und konnte nicht überzeugen. Bemerkenswert ist auch, dass der Dortmunder ausgerechnet auf dem Höchststand seiner Elokurve von den eigentlich ziemlich elogeilen Veranstaltern in seiner Heimatstadt geschnitten wird. Spekulationen, dass Naiditsch wegen Fehlverhaltens nicht eingeladen ist, hat Turniersprecher Michael Meinders dementiert. Nach der 2010er-Auflage habe man sich entschieden, die beiden Letztplatzierten nicht mehr einzuladen. In Zukunft sei Naiditsch sicher wieder ein Kandidat. Von seiner Seite ist zu hören, dass er nicht überkreuz mit den Veranstaltern sei. Er werde sicher mal vorbeischauen.   

 

  

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Montag, 07. März 2011 14:20

Die Notebookbande

Zwischen 1984 bis 1993 holte ich mir halbjährlich, später alle vier Monate den jugoslawischen Schachinformator. An die 700 überwiegend von den Siegern in einer merkwürdigen Kürzelsprache (in der aber eh nur das "N" Bedeutung hatte) kommentierte Partien standen drin. Die Publikation gibt es trotz der längst online laufenden Informationsflut noch immer, wie ich beim Bücherstand während des österreichischen Ligafinals einmal mehr mit Erstaunen registrierte. Noch mehr erstaunt mich allerdings, dass sie nun Konkurrenz erhält. Als hätte die Datenrevolution nie stattgefunden heißt das Projekt "Chess Evolution" und ist das Geisteskind von Etienne Bacrot. Alle zwei Monate will der französische Großmeister zusammen mit drei Kollegen rund 200 mit massiver Computerhilfe kommentierte Partien, gespickt mit Neuerungen und Neuerungsvorschlägen vorlegen. Das nur aus der Druckerpresse, nicht elektronisch, und schlappe 36 Euro soll so ein Band kosten.

Dafür wird Praxisrelevanz versprochen. Als Leseprobe gibt es vorab eine spanische Partie aus Spanien, deren Gehalt und Verwicklungen den meisten Freunden des Spiels auch eher spanisch vorkommen dürften. Es gibt nur Varianten, keine Erklärungen, und die vorgeschlagene Neuerung im 19.Zug ist zwar spektakulär und gewinnträchtig, wird aber wohlmöglich nie in einer Partie zur Anwendung kommen, weil alle Profis mit Schwarz vorher anders spielen, und alle Hobbyspieler mit beiden Farben nie so weit kommen.   

Bacrots Team umfasst Arkadi Naiditsch, Sebastien Feller (genau den), Sebastien Maze, Rybka, Houdini, Fritz, Ippolit und wie sie alle heißen. Um den ersten Band zu schaffen, war in den letzten Wochen harte, nervige Analysefron nötig (was Naiditsch wohl in jene aggressive Grundstimmung versetzt haben dürfte, die zum Ausbruch kam, als er kürzlich auf den Deutschen Schachbund angesprochen wurde), deren Ergebnisse ab 15.März zur Beurteilung stehen.

Ihre Geschäftsadresse haben Bacrot, Naiditsch, Feller und Maze kurioserweise genau wie der Schachinformator in Belgrad, wenn auch weniger aus historischen denn finanziellen Gründen. Ihre Website bewerben sie damit, dass "einer der weltweit besten Turnier-Kalender" dazu gehört. Dort findet man ein traditionelles niederländisches Wochenendturnier unter dem Namen, Freud lässt grüßen, "Notebooktoernooi".  

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