Attack & Defence

Jacob Aagaard
Attack & Defence

304 Seiten, kartoniert, 1. Auflage 2014.

Erhältlich bei Schach Niggemann

Aus der bereits etablierten Reihe Grandmaster Preparation möchte ich heute einmal das neue Attack & Defence von Jacob Aagaard herausgreifen.

Worum geht es im Buch?

Hauptthema ist das Dilemma, an dem 99% aller Schachspieler Zeit ihres Lebens zu knabbern haben: sie werden einfach nicht besser, stagnieren und fallen irgendwann sogar zurück, obwohl der eine oder andere sicher fleißig trainiert.

Aagaard stellt die These auf, jeder Schachspieler besitzt eine Art Schach-Landkarte und diese Karte ist irgendwann voll und es geht nicht mehr weiter. Dieses Buch soll diese Karte verändern, optimieren, effizienter gestalten und letztendlich erfolgreicher machen. Dazu gibt es 14 Kapitel unterschiedlichster Couleur, angefangen von Include all the Pieces in the Attack über Quantity beats Quality bis hin zu einem Trainingskapitel mit 54 sehr, sehr schweren Aufgaben.

Jedes einzelne Kapitel im Buch wird durch gut erklärende Beispiele eingeläutet, Aagaard bietet wieder einmal sehr viel Text (erfreulich!) und bringt anschauliche Muster und Schemata zum Thema.

Kann das Buch halten, was es verspricht?

Objektiv gesehen kann diese Frage mit einem lauten und deutlichen JEIN! beantwortet werden. Die Intention jeglicher Schachtrainingsliteratur, bzw. dessen Erfolg, hängt nicht zuletzt vom Leser selbst ab. Begreift er überhaupt, was er da liest? Wie intensiv studiert er das Buch? Kann sich das Gelesene in seiner Gedankenwelt festsetzen oder ist alles verlorene Mühe? Nicht zuletzt stellt sich die Frage: Wie gut oder schlecht vermittelt der Autor sein Wissen, seine Ideen, seine Gedanken?

GM Jacob Aagaard macht in dieser Hinsicht eine gute Figur, er schreibt in seinem lockeren, unkomplizierten Stil und macht sich alle Mühe, sich auch in seine Leserschaft hineinzudenken. Nichtsdestotrotz drängt sich bei mir die Frage auf, ob der ohnehin gesättigte Schachbuchmarkt ein weiteres Trainingsbuch braucht, dass dem verdutzten Leser erklärt: Alles was du bisher im Schach gelernt hast war falsch, dumm und uneffizient. Deine gesamte Denkweise ist veraltet und verstaubt! Aber keine Bange, wir holen dich da raus! Vorausgesetzt natürlich, du studierst unser Buch bis in alle Einzelheiten. Sollte sich danach kein Erfolg einstellen bist du einfach ein ganz hoffnungsloser Fall…

Okay, ein wenig überspitzt aber wenn man sich etwas umsieht, gibt es gerade in diesem Bereich eine ganze Menge an vergleichbarer Literatur (Perfect your Chess, Schach für Zebras, Der Weg zur Verbesserung des Schach).

Die Frage also: Was bietet das Buch Neues und Innovatives, was andere Werke nicht können?

Mir bleibt da nur ein Schulterzucken.

Selbstverständlich aber reiht es sich ein in die Liste der sehr guten Trainingsbücher. Und der sehr schwierigen! Die Aufgaben und Übungsbeispiele erfordern höchste Konzentration und Ausdauer. Die Frustrationsgrenze sollte beim Leser auf das höchstmögliche Maximum eingestellt sein, andernfalls landet das Buch womöglich mit einem weiten Wurf aus dem offenen (oder auch geschlossenen) Fenster!

Hier ein Beispiel aus dem Buch:

AttackDefense2

 

Weiß ist am Zug.

Der Lösungszug ist identisch mit dem 34.Zug von Weiß aus der Partie Karpov-Kasparov, Schach-WM 1984, 9.Partie! ?

 

Fazit:

Höchst anspruchvolles Trainingsbuch für den Fortgeschrittenen Spieler.

Wer sich damit ausgiebig auseinandersetzt und nicht gleich nach 5 Minuten nach der Lösung blättert, wird sicherlich seinen Nutzen daraus ziehen.

Ob es aber seine Versprechungen zur Gänze erfüllen kann, wage ich aber doch zu bezweifeln. Schach ist komplexer und schwerer zu erlernen, als es uns Autoren und Verlage einreden wollen.

Ein Patentrezept für Spielstärkesteigerung bleibt vorerst noch ein ungelüftetes Geheimnis. 

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von Schach Niggemann überlassen.

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