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Das Monster mit den 27 Augen

"Ich hatte gedacht, ich würde gegen den Weltmeister spielen und nicht gegen ein Monster mit 27 Augen, dem nichts, aber auch gar nichts entgeht“ so der englische Großmeister Tony Miles nach seinem verlorenen Trainingsmatch (0,5-5,5) mit Garry Kasparov im Jahre 1986. Andere Gegner Kasparovs wiederum sahen „Energiewellen über das Brett hinweg gegen sich heranbranden“.

In dem nun erschienenen Band 2 der dreiteiligen autobiographischen Reihe Kasparovs werden die Jahre 1985 bis 1993 behandelt.

Garri Kasparow Garry Kasparov on Garry Kasparov, Part II 1985 - 1993 496 Seiten, gebunden, 1. Auflage 2013. Das Buch ist erhältlich bei Schach Niggemann (http://www.schachversand.de/)

„Das Genie ist wie das Donnerwetter: es schreitet gegen den Wind, erschreckt die Menschen und reinigt die Luft. Das Bestehende hat dagegen allerlei Blitzableiter erfunden.“ (Soeren Kierkegaard (1813-55), dän. Theologe u. Philosoph)

Dieses „Donnerwetter“ wütete gut 20 Jahre in der Schachwelt in Gestalt von Garry Kasparov, dem 13.Weltmeister der Schachgeschichte. Er, dessen ungezügelte Energie den Gegner wie ein gebündelter Laserstrahl traf, dessen brillantes Spiel Gegner wie Fans verblüffte und verzauberte, verstand es wie kein Zweiter, dem Schach seinen Stempel aufzudrücken. Nicht umsonst gilt Garri Kasparov als der vielleicht beste Schachspieler aller Zeiten. Die Jahre 1985 bis 1993 boten der Schachwelt insgesamt 6 Weltmeisterschaftskämpfe, 4 davon zwischen den ewigen Rivalen Karpov und Kasparov. Davon abgesehen gab es zahlreiche andere Veranstaltungen mit Kasparov, hochkarätige Superturniere, spektakuläre Simultanveranstaltungen gegen Nationalmannschaften oder auch atemberaubende Zweikämpfe gegen starke Großmeister. Die Schachwelt hielt den Atmen an, das war man nach den ruhigeren Jahren unter Karpovs Regentschaft nicht mehr gewohnt. Spektakuläre Opferpartien wechselten sich mit phantastischen Eröffnungsneuerungen oder auch ruhigen Positionspartien ab, immer war Kasparov im Mittelpunkt des Geschehens, immer genoss er auch den Ruhm und die Ehre die ihm Zuteil wurde. Sein Verdienst um das Schach kann auch nach einigen Jahren des Rückblicks nicht hoch genug eingeschätzt werden. In dem vorliegenden Buch werden diese aufregenden Jahre wieder lebendig, so greifbar nah als wäre es erst passiert. Der Wert der Erzählungen und Rückblicke wird aufgewertet durch neuere Analysen Kasparovs. Er untersucht aufs Neue, forscht und verbessert oder ergänzt dabei sogar seine alten Analysen. Zu erzählen gibt es viel: Vom gewonnen Titelkampf 1985, über die Worldcupserie, diversen Matchbegegnungen und sonstigen Superturnieren. Immer folgt man Kasparov, sieht seine Partien mit Erstaunen und erfährt aus erster Hand Insiderwissen. Kasparov erzählt viel über seine Gedanken, seine Ideen und seine Visionen. Es ist eine Zeitreise in eben diese Jahre, streift durch die Turniersäle dieser Welt und erlebt an der Seite von Kasparov so manches Abenteuer.

Fazit: Lesevergnügen pur! An der Seite von Garri Kasparov erlebt man noch einmal diese aufregende Zeit. Die Schilderungen der damaligen Ereignisse und die Partiekommentare machen aus dem Werk ein wichtiges schachhistorisches Dokument.

Das Rezensionsexemplar wurde freundlicherweise von der Firma Schach Niggemann überreicht

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