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Der Cup ist zu Hause!

Eine weite Reise hatte er hinter sich. Nun steht er endlich in meiner Wohnung und ich blicke voll Freude und Verzückung täglich auf dieses schöne Stück. Aber ich möchte jetzt nicht abschweifen und den kleinen Pokal glorifizieren, den ich vor zwei Wochen auf einer Familienparty bekommen habe.

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Mitropapokal und EM-Pokal

Vielmehr hat ein anderer Pokal den Weg nach Deutschland gefunden, der am 11. November von unserer Nationalmannschaft in Griechenland gewonnen wurde. Bundestrainer Uwe Bönsch brachte den Europameister-Pokal (und den Mitropa-Cup!) in einer profanen Einkaufstasche nach Berlin zur heutigen Bundesligarunde mit. Nicht im gepanzerten Wagen und auch nicht in Begleitung von Sicherheitsleuten! Wahrscheinlich ist er doch nur eine billige Kopie des Originalstücks, welches jetzt in einem Tresor des europäischen Verbandes vor sich hinrostet. Daß die Europa- und Weltmeister in anderen, populäreren Sportarten nur Nachbauten bekommen, ist ja hinlänglich bekannt. Warum sollte das im Schach anders sein?!

boensch metzing
Pokalübergabe an den Sportdirektor

Oder ist es doch das Original, welches "Uns Uwe" mit in die Hauptstadt brachte?! Dann erfolgte die Übergabe an den Sportdirektor des Deutschen Schachbundes (DSB), Horst Metzing, allerdings sehr unspektakulär. Die anwesenden Journalisten konnten gerade noch ein paar Fotos von dem guten Stück und seinem Pendant aus Frankreich machen. Dagobert Kohlmeyer wollte Uwe Bönsch noch dazu animieren, mit dem Europapokal zu posen, doch der Bundestrainer war absolut nicht dazu zu bewegen. "Jetzt ist Bundesliga" meinte er nur kurz und mied jede Nähe zum goldigen Stück. Die negative Internetpresse hinterließ wohl ihre Spuren.

Bereits wenig später hatte sich Horst Metzing die Tasche mit den Trophäen geschnappt und machte sich auf den Weg zur DSB-Geschäftsstelle am Olympiastadion. Wo sie dort ihren Platz finden, war noch unklar. "Die Vitrinen sind voll" meinte Metzing. Mein Vorschlag es wie der Berliner Komiker Kurt Krömer zu machen, wurde nicht weiter beachtet. Der räumt in seiner Fernsehshow das Regal mit den Mitbringseln regelmäßig mit einer flotten Handbewegung, um Platz für die neuen Sachen zu machen.

hoppe
Einmal den Pokal anfassen - und dann sterben! Dabei bin ich erst 47...

Frank Hoppe

Der Autor wurde am 19. September 1964 in Berlin (DDR) geboren und spielt seit seinem 18. Lebensjahr Schach im Verein. Schon frühzeitig entdeckte er seine Liebe zu Zahlen, wurde erst Vereinsspielleiter und später Klassifizierungsbearbeiter. Nach der Wende pausierte er als Funktionär und begann erst wieder 1996 als Webmaster und Wertungsreferent des Berliner Schachverbandes (BSV). Von 2003 bis 2009 war er Referent der Zentralen Wertungsdatenbank des Deutschen Schachbundes (DSB). Seit dem 1. Januar 2007 ist er Webmaster des DSB und seit März 2010 Redakteur des Mitteilungsblattes des BSV. Frank spielt seit Juli 2010 wieder Fernschach (nach 20 Jahren Pause) und hat im Nahschach DWZ 1974.

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