Elo für Alle

Elo für Alle FIDE

Elo für Alle und gegen Gebühr

Nach Jahren der Vorbereitung scheint der Weltschachverband nun technisch in der Lage, eine weltumspannende Auswertung für Schachturniere zu gewährleisten. Die Eingangsschwelle wurde auf 1.000 Elopunkte gesenkt und nähert sich nun dem Anfängerniveau.

Prinzipiell ist es natürlich eine wünschenswerte Entwicklung, weltweit auf eine vergleichbare Zahl zurückgreifen zu können. Doch über kurz oder lang werden die nationalen Systeme immer weiter an Bedeutung verlieren und in den Hintergrund gedrängt. Auch die deutsche DWZ wird unter der Einführung deutlich leiden, und dem Deutschen Schachbund verschließt sich eine potenziell einfach zu nutzende Einnahmequelle. Gut, ernsthafte Vorstöße Geld zu verdienen gab es hier wohl nie, doch das Geschäft macht nun auf jeden Fall ein anderer. Denn eins ist klar: Altruismus ist von der FIDE nicht zu erwarten. Sind die nationalen Verbände erst einmal aus dem Rennen, wird der Monopolist sicher schnell die Schrauben anziehen. Immerhin geht es hier um ein Millionengeschäft, und kommerziell ist der Weltschachbund Vielen voraus. Auch die Einführung von Schnell- und Blitzschachzahlen geht in eine klare Richtung, auch wenn sie im Jahr der Einführung noch kostenlos sind. Über evtl. spätere Gebühren wird bereits beimkommenden FIDE-Kongress in Istanbul während der Schacholympiade diskutiert.

Die Neuerungen im Überblick:

  • Die FIDE-Listen werden ab sofort monatlich publiziert. Die nächste Liste folgt somit bereits am 1. August.
  • Elozahlen beginnen jetzt bereits bei Elo 1.000. Die ersten Spieler/innen mit Elozahlen zwischen 1000 und 1199 werden im August publiziert.
  • Die zum 1.1.2012 eingeführten Wertungen für Schnellschach und Blitzschach wurden nun erstmals am 01.07. publiziert und finden sich bei den Spielern neben der bisherigen internationalen Elozahl. Es gibt keine Gebühren für diese beiden Wertungen für 2012.
Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Webseite: www.schachreisen.eu

Kommentare   

+1 #1 Zuppi 2012-07-19 11:28
Die Betonung liegt auf GEBÜHR. Jede ELO-Auswertung kostet Geld (ca. 1€/je Spieler). Zudem ist die Elozahl nur aussagekräftig für die Weltspitzenspieler, von denen jede Partie elogewertet wird. Otto Normalschachspieler verdient sich seine DWZ in Vereinsmeisterschaften und Kreisligaspielen. Ganz selten spielt er mal ein Eloturnier. Dementsprechend ist für die Masse der Spieler die DWZ viel genauer.
Möge uns der Himmel davor bewahren, dass die Fide-ELO die DWZ verdrängt. Dann können wir demnächst für jedes Turnier zahlen und damit eine korrupte FIDE weiter schmieren.
+1 #2 Jörg Hickl 2012-07-19 20:20
Sehe ich genauso.
Allerdings erscheint es mir auf der anderen Seite nicht in Ordnung zu erwarten, dass die DWZ-Auswertung kostenlos ist. Hier arbeiten viel zu viele auf ehrenamtlicher Basis, ohne eine entsprechende Anerkennung zu erhalten.
#3 Northsea 2012-07-20 15:20
Natürlich ist die DWZ aussagekräftiger als die Elo Zahl. Dies liegt insbesondere natürlich daran, das die meisten Spieler wesentlich mehr DWZ- wie Eloauswertungen haben. Ein weltweit einheitliches Wertungssystem hat aber auch seinen Charme und seine Vorteile. Wenn es also weltweit nur noch Elo geben würde und keinerlei nationale Wertungssysteme wie DWZ, USCF-Elo, etc. wäre das eigentlich sehr wünschenswert.

Jedoch die Sache mit dem Geld, das ist natürlich die entscheidende Crux. Die Einnahmen müssten dann zu einem grossen Teil den nationalen Föderationen zugute kommen, so das diese davon Förderprojekte aller Art aufziehen könnten: Schach in Kindergärten, Schach in Schulen, Schachreisen, Kader, Spitzenschachförderung, Fernsehübertragungen, etc. etc. etc.

Aber genau das würde die FIDE wahrscheinlich nicht wollen, die würden die Einnahmen der Elo-Auswertung für die Vereinsmeisterschaft von Kleinkleckersdorf für sich haben wollen, um x Funktionären ein üppiges Gehalt zahlen zu können und genau das wäre falsch.

Also meine Idealvorstellung wäre schon ein weltweit einheitliches Elo Wertunssystem, wobei die Einnahmen zum größten Teil den Schachspielern selbst auf verschiedene Weisen wieder zugute kommen müssten.

Aber ich kenne mich mit der FIDE und den Strukturen und Gremien da nicht wirklich gut aus und ich weiss auch gerade nicht, wie der DSB in die FIDE hineinwirkt und welche Position des DSB dort vertritt und welche Ziele die haben. Vielleicht findet man irgendwo ein Buch oder einen Artikel über die FIDE als solches.
#4 Krennwurzn 2012-07-20 18:32
Nur eine ELOzahl wäre natürlich sinnvoll und heutzutage technisch leicht verwirklichbar - sogar mit ganz zeitnaher Auswertung wenige Stunden nach Ende der Partie/Runde.

Die nationalen Verbände müssten sich nur die Datenhoheit sichern - dh. sie müssen wie bisher die Daten erfassen und weiterleiten - nur so kann man sich gegen mögliche Erpressungen seitens der FIDE absichern. Zusätzlich muss die FIDE verpflichtet werden alle Elodaten eines Spielers eines Mitgliedsverbandes ebenfalls zeitnah an diesen zur Sicherung zu schicken.

Wir würden uns zwar nur wenig Geld sparen, aber doch unabhängig bleiben, ohne eigene Süppchen kochen zu müssen.

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