Endspielmagie - Studien für die Praxis (Folge 05)

Wassili Smyslow, Tilburg 1977 Wassili Smyslow, Tilburg 1977 Mr Nostalgic via Dutch Nationaal Archief

von Dr. Oliver Höpfner, Bremen

(Nachtrag von Olaf Steffens: Mit einer großen Bitte um Nachsicht an Dr. Höpfner - ich habe glatt vergessen, den Namen des Autors hier gestern beim Einstellen des Artikels einzufügen. Der Text ist natürlich von ihm!)

In Folge Nummer fünf der kleinen Kolumne „Endspielmagie - Studien für die Praxis“ möchte ich diesmal gerne eine Studie des russischen Schachgroßmeisters und siebten Schachweltmeisters Wassili Wassiljewitsch Smyslow (geboren am 24. März 1921 in Moskau; gestorben am 27. März 2010 ebenda) vorstellen.

Im letzten Buch des früheren Trainers der Schachabteilung von Werder Bremen Claus Dieter (C. D.) Meyer (1946 – 2020) mit dem Titel „Magische Endspiele“ (Claus Dieter Meyer und Karsten Müller; Joachim Beyer Verlag 2020) finden wir auch eine Vielzahl von Schachstudien, die C. D. gerne bei seinem Schach-Training im Verein verwandte.

Darunter war auch die folgende elegante Komposition des siebten Schachweltmeisters Wassili Smyslow (Weltmeister von 1957 – 1958), der auch ein begeisterter Studienkomponist war. Seit 1936 – also schon mit 15 Jahren - hatte Smyslow immer wieder einmal Studien publiziert. In den letzten zehn Jahren seines Lebens veröffentlichte er verstärkt Endspielstudien, wobei er wegen seiner geringen Sehkraft faktisch blind die Aufgaben komponierte. In seinem 2000 erschienenen Studien-Buch mit dem Titel „Meine Studien“ (Isdatelstwo 64, Moskau, 2000) schrieb er zur Bedeutung der Schachstudie für ihn folgendes (S. 417):

Abgesehen vom ästhetischen Genuss hilft die Studienkomposition zweifellos bei der Entwicklung und Vervollkommnung im Endspiel.“

In dem Buch „Magische Endspiele“ finden wir den folgenden einleitenden Text (S. 59) zu der Studie von Smyslow in dieser Folge der Kolumne:

Die nachfolgende feinsinnige Studie mit krönendem Mattangriff gehört zu meinen Favoriten zum Thema ungleichfarbige Läufer. Nach dem Ende seiner Karriere als Turnierspieler komponierte der 7. Weltmeister Wassili Smyslow (1921 – 2010) etliche Studien, die große Beachtung fanden. Es heißt, er sei „ein Virtuose des Endspiels“ gewesen, der seinesgleichen suchte. Hier soll er häufig Züge gefunden haben, die selbst den Kenner verblüffen.“

Der Leser ist nun am Zug. Wie lauten die verblüffenden Züge, mit denen Weiß in diesem ungleichfarbigen Läufer-Endspiel einen siegreichen Mattangriff initiieren kann?

Viel Spaß bei der Lösung dieser wunderbaren und schönen Studie.

Wassili Smyslow
Shakhmaty v SSSR 1987

 Smyslow

Weiß am Zug gewinnt

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Kommentare   

#1 MiBu 2021-06-04 11:55
Die Aufgabe ist ein bisschen paradox scheint mir, denn als erstes muss Weiß dem schwarzen König etwas Platz machen, um ihn danach umso besser einkreisen zu können (wenn meine Lösung denn richtig sein sollte).
#2 Olaf Steffens 2021-06-04 12:08
Gemäß der Praktikerregel zur Studienlösung "Erstmal ein Schach geben" tippe ich auf 1.g4-g5+. Oder das noch elegantere 1.g7-g8S! +
#3 MiBu 2021-06-04 12:34
Smyslov war ein Ästhetiker, also solltest Du den eleganten Weg weiter verfolgen. 1.g8D? scheitert übrigens an 1.-f6+!, womit sich Schwarz präventiv Luft verschafft für den Läufer.
#4 Olaf Steffens 2021-06-04 12:50
Aber wer spielt schon 1.g8D? - ist ja auch gar nicht mit Schach. Wir bleiben bei der Ästhetik, und danach müssen wir weitersehen.
Zum Beispiel mit einem angedeuteten Königsmarsch?
#5 MiBu 2021-06-04 13:39
Wir beginnen also mit 1.g8S+! Lxg8 (Nichtschlagen kommt wohl nicht in Frage, nach 1.-Kg5 2.Sf6 sowie La5 und Ld2+ sollte Weiß langsam aber sicher gewinnen.) und setzen fort mit 2.Kf6, wodurch der Bf7 nachhaltig am Ziehen gehindert wird. Nund hat Schwarz noch drei legale Züge, von denen Lh7 offenbar nicht so schlau ist. Wie geht es also nach Kh7 oder d3 weiter?
#6 Olaf Steffens 2021-06-11 12:24
Nach Kh7 - kann man den Läufer via f4 nach h6 und g7 bugsieren? Dann steht Schwarz etwas patt, doch sehe ich nicht, wie Weiß damit gewinnen würde.
Ohne das schon zu rechnen aber, vielleicht kann man Schwarz so einengen, dass der Läufer h7 ziehen ... muss? Und dann setzt man den König auf h6 matt - was aber nicht geht, wenn der König schon auf h8 steht.
#7 Holger Hebbinghaus 2021-06-13 11:17
So richtig beweglich ist der schwarze König auf h8 aber auch nicht - wenn Weiß rechtzeitig mattsetzt, kann er es sich sogar leisten, den d-Bauern durchlaufen zu lassen.
#8 MiBu 2021-06-14 11:58
Läufer nach g7 ist nicht die Idee, der Kollege kommt mehr aus dem Hinterhalt. Holgers Kommentar weist den Weg, also:
1.g8S+ Lxg8 2.Kf6 und nun
a) 2.-d3 3.Lf4+ Kh7 4.g5 Kh8 5.Le5 Kh7 (nach d2 g6 folgt der tödliche Abzug) 6.Lc3 und Zugwang
b) 2.-Kh7 3.g5 Kh8 4.Le5 geht noch schneller zu Ende.
In Variante b) muss Weß nach 3.-d3 mit Lf4 in a) überlenken, nach 4.La5? Kh8 5.Lc3 Kh7 ensteht die gleiche Stellung mit Weiß am Zug (zu seinem Nachteil)

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