Finde den Fehler

Auch ich möchte den Blick an den Istanbuler Flughafen wagen. Dort werden viele hochklassige Partien gespielt, aber auch viele Fehler gemacht. Und gerade von letzteren kann man hervorragend lernen. Das hat auch schon John Nunn gemerkt und bietet in seinem empfehlenswerten Chess Puzzle Book ein ganzes Kapitel an, in dem man einen naheliegenden Zug finden soll, der aber fehlerhaft ist und in die Katastrofe (ja, so schreibt man das heutzutage) führt.

Eine ähnliche Reihe zum Thema "Finde den Fehler" habe ich auch auf meinem Blog laufen und immerhin wird dort hin und wieder hineingeschaut. Als ich dann heute die Partien in der Türkei überflog, habe ich ein Duell für die Leser herausgepickt, das besonders ergiebig im Sinne der Überschrift ist. Es handelt sich um die Begegnung zwischen Bosnien-Herzegovina und Tschechien.

Zunächst der Blick an Brett 2: David Navara - Emir Dizdarevic

Navara Dizdarevich

Weiß steht hier vielleicht schon eine Spur komfortabler, aber die Partie ist noch weit von einer Entscheidung entfernt. Es sei denn, Schwarz kommt auf einen naheliegenden Gedanken, der jedoch scheitert. Welchen Fehler machte Schwarz hier?

Doch auch die Tschechen hatten Geschenke zu machen, nämlich gleich zwei Bretter weiter. Hier saßen sich Stocek und Kadric gegenüber.

Stocek Kadric

Schwarz hatte gerade seinen b-Bauern vorgestoßen. Weiß hat zwar einen Bauern mehr, aber Schwarz steht durchaus aktiv und kann sich wohl im Zweifel irgendwann mal den e4 abholen. Von daher muss man den jetzt folgenden Springerzug mit Bedacht wählen. Vor allem darf er nicht nach...na, wohin denn nicht?

Antworten und Ideen wie immer als Kommentar. Der Mannschaftskampf endete gerechterweise mit 2:2 bei zwei Remisen an den anderen Brettern.


Kommentare   

#1 Tiger-Oli 2012-09-06 09:20
Ups, ist das wirklich so - Katastrofe schreibt man nun mit "f"? Ich fasse es nicht.

Das macht ja Spaß, nicht nur Fehler des Gegners zu widerlegen, sondern sich vorher erstmal noch plausible Fehlzüge für die eine Seite zu überlegen - eigenartig, aber schön.
Beim ersten Beispiel würde Schwarz bestimmt gerne Tc8 spielen, aber (man darf es doch hier schreiben?) dann geht das fiese/ phiese Df3!, und nach Db8 hängt der Bauer auf d7.
Im zweiten Beispiel würde Weiß wohl gerne noch d5 mit dem Springer. Ich sehe dann nur Ta1+, und dann finde ich nicht weiter. Doch nach 1.Sb5 gehen Tricks für Schwarz ... sehr nett!
#2 MiBu 2012-09-06 16:55
In Beispiel 2 folgt nach 1.Sd5 Ta1+ 2.Kg2 Da6. Dies sah mir zunächst harmlos aus wegen 3.Dd3, aber erstaunlicherweise ist Weiß nach 3.-Da2! dem Eindringen durch die Hintertür mit Db1 hilflos ausgesetzt, z.B. 4.f3 Db1 5.fxg4 hxg4! (Der Springer war mächtig, aber der Bauer reicht hier auch. Ist eleganter als Dh1+ usw.)

Ohne den Hinweis "Hier ist was!" hätte ich das allerdings nicht gefunden.
#3 Losso 2012-09-06 21:44
Hallo ihr lieben Löser,

Beispiel 1 hat der Tiger wohl gelöst. Es kam 1.-Tc8? 2.Df3! Db8 3.Txc8 Dxc8 4.Lxd7! Autsch!

In Beispiel 2 folgte 1.Sd5? Ta1+ 2.Kg2 Da6 3.Dd3 und statt der viel hübscheren und subtileren Variante von MiBu wählte Schwarz mit 3.-Da7 4.Dc4 Ta5 den schnöden Turmgewinn, wonach Weiß aufgab. Was ist eigentlich mit 3.Se3?
#4 MiBu 2012-09-07 09:11
Nach 3.Se3 kann Sxe3+ folgen. Nun wäre Dxe3 positionell richtig, scheitert aber an kurzfristigem Matt. 4.fxe3 hingegen öffnet das Königshaus noch weiter und wird mit Te1 mit der Idee Te2+ beantwortet. Weiß hat einen Zug zur Verfügung, aber der Unglückswurm, äh, -turm auf c5 bräuchte aber zwei Züge, um defensiv tätig werden zu können. Ich sehe keine Abwehr mehr, z.B. 5.Kh3 Tf1! 6.Dg2 Ta1 7.Kh2 De1.

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