Hey hey GM-Turnier

Das GM-Turnier geht auf die Zielgerade Das GM-Turnier geht auf die Zielgerade Andreas Burblies

Seit sieben Tagen ist es nun in Gange, das Internationale Werder Bremen Großmeisterturnier. An diesem Wochenende geht es auf die Zielgerade - heute nachmittag und morgen in aller Herrgottsfrühe werden die letzten Runden gespielt. Wir werfen einen Blick auf das Geschehen an der Weser.

 

Der allgemeine Eindruck

Wow.

Auch wenn ich als Werderaner natürlich befangen bin in meinem Urteil - trotzdem bin ich begeistert und angetan von der gesamten Veranstaltung.

Jeden Tag wird eine Partie im Internet live übertragen, und parallel vor Ort zusammen mit einer weiteren Partie live von Werder-Trainer Matthias Krallmann angenehm schachlich aufbereitet. Ein ganzer Schwung von Schachenthusiasten, jung und alt, sitzt im kleinen Spielzimmer des SVW dann beisammen und knobelt an den besten Ideen für die nächsten Züge. Das macht Spaß!
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Blick in die Runde

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Live-Übertragung - aus dem Raum nebenan.

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Stephan Buchal wirft einen Blick auf die Partie Asendorf - Ohme

Es war schön, in den sieben bisherigen Runden den zehn Schachmeistern zuzusehen, wie sie um jeden Zug gerungen haben. Sie haben sich das Schachleben gegenseitig schwer gemacht, und den Zuschauern in Saal und Analyseraum damit viele spannende Momente geschenkt. Beim Schach zuzuschauen ist ja meist schon eine Freude, aber so sieben Tage lang die Entwicklung des Turniers und der Teilnehmer zu verfolgen, das hatte schon was. Und dann direkt vor Ort, gleich hier in Bremen - prima!
Ich habe mich schon so an diesen Rhythmus gewöhnt, an jedem Nachmittag/ frühen Abend einmal vorbeizuschauen im Werder Vereinsheim, dass es wohl ganz eigenartig sein wird, wenn es ab Montag plötzlich keine Runden mehr gibt. 

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Präsidenten unter sich, und im Hintergrund die Liebe und das Volk:
Michael Woltmann (Vize-Präsident des DSB), Dr. Oliver Höpfner (Präsident der Werder-Schachabteilung)

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Werder-Coach Matthias Krallmann, und im Hintergrund die Sonne


Was bisher geschah

Wie man so hört, ist Schach ja auch Sport, und darum wollen wir es nicht versäumen, einen Blick auf den bisherigen Turnierverlauf zu werfen. Wer kann noch eine Norm machen, wer wird das Turnier gewinnen und sich damit für das nächste Kandidatenturnier qualifizieren? 

An der Spitze des Feldes zieht Vlastimil Babula aus Tschechien seine Kreise (5,5 Punkte aus 7 Partien). Er konnte sich von seiner Niederlage gegen Matthias Blübaum gut erholen und jagte am Folgetag Twan Burgs König sehenswert über das gesamte Brett bis hin zum Matt. So wird man Tabellenführer, und vielleicht auch Turniersieger. Schauen wir mal!

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Babula - Burg: hier schnappte sich der Holländische IM einen Turm ....

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... und musste dann bald mit seinem König auf Wanderschaft gehen                                             

Einen halben Punkt dahinter folgt Matthias Blübaum. Der junge Werderaner wird es aber vermutlich nicht so sehr auf den Turniersieg anlegen, als eher darauf, die notwendigen eineinhalb Punkte für seine zweite GM-Norm zu sammeln. Mit ein wenig Glück und Nervenstärke kann das wohl klappen - doch man weiß ja nie. Daumen gedrückt!

4,5 Punkte hat Gennadiy Fish. Er ist bereits Großmeister und braucht sich darum um Normen nicht mehr zu kümmern - ein schöner Zustand, irgendwie buddhistisch. Vielleicht ist darum für den Kapitän der Werder Bundesligamannschaft eher die Aussicht verlockender, mit einem starken Ergebnis erneut ein schachliches Ausrufezeichen zu setzen. In der letzten Runde wartet allerdings Matthias Blübaum.

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GM Gennadiy Fish bei der Arbeit

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Aber morgen wartet schon Matthias Blübaum!

Jeweils 4 Punkte aus 7 Partien haben Gerlef Meins, der ein supersolides Turnier spielt, einmal gewann und sonst alle Spiele zum Remis abfederte, und Melanie Ohme. Die junge Nationalspielerin hat sich durch mutiges Kampfschach und der Benoni-Verteidigung eine formidable Ausgangsposition geschaffen - sie braucht noch einen  halben Punkt für eine IM-Norm in diesem Turnier. Auch hier sagen wir: Daumen gedrückt!

Mit zwei Niederlagen in Folge hat Twan Burg den Anschluss an die vorderen Ränge verloren - erst kam er gegen Babula unter die Räder, und gestern nahm ihm Simon Bekker-Jensen in den ersten 29 Zügen alle (!) Bauern weg. Mit einer GM-Norm wird es somit nichts mehr werden, aber ein solider Ausklang des Turniers wäre bestimmt noch ganz versöhnlich. Allerdings - heute trifft er auf (siehe oben) Matthias Blübaum, und morgen auf (siehe ebenfalls oben) auf Melanie Ohme.

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Twan Burg - Simon Bekker-Jensen: um welche Eröffnung handelte es sich?!

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Die gleiche Partie, ein paar Züge später - immer noch sind alle weißen Bauern verschwunden

Mit bislang 3 Punkten ist der an Eins gesetzte Tomi Nybäck vermutlich nicht ganz zufrieden. Doch was soll man tun? Manchmal läuft es eben nicht. Es kommen auch wieder bessere Tage. Gleiches gilt wohl auch für Simon Bekker-Jensen, der erst in den letzten Runden immer besser ins Spiel fand. Gestern gewann er gegen (siehe oben) Twan Burg mit 5 Bauern gegen keinen, so dass nun auch der erste volle Punkt bei ihm zu Buche steht. Mal sehen, was noch kommt!

2 Punkte kann Schachfreund Sven Joachim aufweisen, der zu Beginn nach eigenem Bekunden "Top-Punktelieferant des Turniers". Nach seinem nicht ganz geglückten Start hat er aber nun die Fäuste hochgenommen und sammelt kontinuierlich halbe Punkte ein. Vlastimil Babula (siehe oben) wird heute sein Gegner sein. Vorsicht ist geboten - auf beiden Seiten des Brettes!

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Sven Joachim hat wieder Fahrt aufgenommen

Am Ende der Tabelle steht Joachim Asendorf, der sich als FM mutig in dieses Turnier gestürzt hat und mit drei Remisen (eines davon gegen den bärenstarken Matthias Blübaum) bisher vermutlich nicht ganz die Punkte eingefangen hat, die er sich erhofft hatte. Doch auch hier gilt - noch sind die Spiele nicht vorbei, und wir freuen uns auf seine Begegnungen gegen Gerlef Meins und Tomi Nybäck.

Fazit

Am Ende muss man ja immer ein Fazit ziehen. Darum eine kleine Prognose:

 

a) Matthias Blübaum schafft seine zweite Norm

b) Melanie Ohme wird IM (und macht dafür eine Norm in Bremen)

c) Den Turniersieg holt sich Vlastimil Babula. Sehr beeindruckend und brettumfassend, wie er bisher gespielt hat!

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Gespielt wird heute ab 14 Uhr und morgen ab 10 Uhr in der Hemelinger Straße 17,
                                   1.Etage des Werder Vereinsheims. Bis dann, vor Ort in Bremen!

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

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