Kein Interesse an Deutschlands TOP10?

Hollands Schachspieler werden zuweilen auf offener Straße von Fans erkannt, in Deutschland ist das undenkbar. Dabei unterscheidet sich die historische Entwicklung nicht wesentlich. Beide Länder konnten in der Vorkriegszeit einen Weltmeister und in den 70er/80er Jahren mit Jan Timman und Robert Hübner einen Spieler in der absoluten Weltklasse aufweisen.
Die Gründe sind sicher vielschichtig. Wesentlich scheinen mir jedoch die verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und die Spielmöglichkeit der Topspieler bei Turnieren im eigenen Land. In Deutschland gibt es kaum noch eine Personifizierung, es zählt für viele nur die nackte Elozahl. Dass dies kaum ein zukunftsweisender Weg ist, zeigt sich z. B.  an dem immer weiter nachlassenden Interesse an der Bundesliga und der mangelnden Identifizierung mit der Nationalmannschaft. Dabei hätten wir derzeit eine Truppe, die im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht dastehen könnte, wäre da nicht der immer noch schwelende Konflikt zwischen Funktionären und Spitzenspielern.

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Gemäß Dr. Weyer dem potentiell kommenden Präsidenten soll dieser nun Ende Februar beigelegt werden, doch die angeregte Diskussion in unserem Bericht „Stell dir vor, es ist Deutsche und niemand geht hin!“ deutet auf viele Probleme im deutschen Schach hin. Unter anderem stellte ein Leser in den Raum: „ein Rundenturnier mit den Top-10 der deutschen Elo-Liste würde keine Maus hinter dem Ofen hervorlocken“.
Stimmt das wirklich? Weit mehr als 95% aller Schachspieler sind nicht in der Lage, einen Qualitätsunterschied zwischen Anand-Kramnik und Hübner-Naiditsch  oder Meier-Gustafsson festzustellen.
Sind unsere Probleme hausgemacht und verkaufen wir unsere Spitzenspieler nicht ausreichend? Fehlt nur ein Marketingkonzept oder ist das deutsche Topschach wirklich nichts wert? Einen Rückhalt in der breiten Masse findet es zumindest kaum. Meine Erfahrungen zeigen mir, dass viele Schachspieler die Namen unserer Nationalspieler nicht einmal kennen, was wohl in den wenigsten Sportarten der Fall sein dürfte. Schachspielen wird in Deutschland großgeschrieben, Schachbildung hingegen leider nicht.

Kurzumfrage

Das Ergebnis unserer Kurzumfrage fiel eindeutig aus: Rund 75% der User stimmten für einenen anderen als den bisherigen Austragungsmodus. 60% der Teilnehmer wollten sogar ein Turnier der besten Deutschen sehen. Der Prophet im eigenen Land ist vielleicht doch etwas wert!

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Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen

Webseite: www.schachreisen.eu

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