Mut zur Aussprache

Vorweg zwei Punkte: Erstens ist Spitzenschach zwar Thema Nummer eins in der Schachpublizistik, ob in Fachzeitschriften, Zeitungskolumnen oder Blogs wie diesem. Spitzenschach ist aber nicht die einzige, ja nicht einmal die wichtigste Aufgabe, die sich der Deutsche Schachbund stellt. Zweitens kannten Hauptamtliche wie Horst Metzing oder Jörg Schulz in der DSB-Geschäftsstelle nie eine Vierzig-Stunden-Woche und leisten Ehrenamtliche wie Ralph Alt unter hohem unbezahltem Aufwand unverzichtbar wertvolle Arbeit für das organisierte Schach in Deutschland.

Eine gerechte Einschätzung zum DSB durfte man von Arkadi Naiditschs Brandbrief indessen nicht erwarten. Nach dem Scheitern der Honorarverhandlungen für den Start bei der Schacholympiade und dem Ausschluss der Spitzenspieler aus dem A-Kader hat er seinem Ärger freien Lauf gelassen. Man sollte daran die positive Seite sehen: Nun sind einige Probleme benannt und können diskutiert werden. Eine breitere Perspektive dafür geben ein lesenswertes Interview, das Johannes Fischer mit Daniel Fridman geführt hat, die leider online nicht dokumentierten Statements in der Augustausgabe der Zeitschrift Schach und ein beide Seiten zu Wort bringender Artikel in der Süddeutschen Zeitung.

Nach all den Einzelstatements wäre es an der Zeit für eine Aussprache. Das an diesem Wochenende laufende Festival in Mainz wäre eigentlich ein glänzender äußerer Anlass dafür gewesen, etwa in Form eines Podiumsgesprächs zwischen den anwesenden deutschen Spitzenspielern und führenden Köpfen des Deutschen Schachbunds. Aber wo in Deutschland Spitzenschach stattfindet, lassen sich Funktionäre all zu selten blicken. Vielleicht lädt die Zeitschrift Schach ja ersatzweise zu einem Runden Tisch?

Jan Gustafsson reist übrigens trotzdem nach Chanti-Mansisk. Als Honorartrainer des dänischen Teams.

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