Regeln im 19. Jahrhundert

Das erste Internationale Schachturnier startete am 26. Mai 1851 in London. Die Einzelheiten wurden von Howard Staunton in seinem Buch "The Chess tournament-London 1851" beschrieben: 16 der besten Spieler der Welt kämpften im "Knockout" Format und ohne Schachuhren oder Zeitkontrollen für fast zwei Monate. Der Gewinner hieß Adolf Anderssen und ging nach Hause mit 183 Pfund. Mich faszinieren die damaligen Regeln die Staunton festgelegt hatte. Unentschiedene Partien zählten nicht, die Spieler sollten acht Stunden spielen und dann abbrechen. Wer mehr als eine halbe Stunde zu spät kam, musste eine Strafe von einem Guinea zahlen. Da keine Rangliste existierte, kam es zu unerwünschten Paarungen wie zum Beispiel Anderssen-Kieseritzky in der ersten Runde. Anderssens Gegner im Finale war der unbekannte Amateur Wyville. Noch eine Kritik war das manche Spieler ewig lang überlegten.
Bei dem Londoner Turnier von 1883 versuchte man einige dieser Probleme zu beseitigen. Es war ein doppelrundiges Rundenturnier – nur die ersten zwei unentschiedenen Partien wurden verworfen, die dritte zählte. Johannes Zukertort machte 22/26. Angeblich verlor er die letzten drei Partien weil er den Stress nicht ausgehalten hat und seine Nerven mit Opium beruhigte. Doping Kontrollen gab es offensichtlich auch nicht.
Die größte Innovation war jedoch die von Thomas Wilson erfundene Schachuhr. Jetzt kam Schwung in das Schachspiel. Es wurde natürlich nicht an Wochenenden oder Feiertagen gespielt und die Zeitkontrollen waren, verglichen mit heute, nicht stressig – 15 Züge pro Stunde.
Im Jahre 1929 legte die F.I.D.E Regeln fest, die sich wenig änderten bis ich anfing Schach zu spielen. Man spielte 40 Züge in zweieinhalb und dann 16 pro Stunde. Nach fünf Stunden wurde abgebrochen, man hatte Zeit für das Abendessen, analysierte ein bisschen und spielte weiter. Es gab auch reichlich Ruhetage. Jetzt hat jedes Turnier eine andere Zeitkontrolle, manchmal werden neun Runden an fünf Tagen gespielt. Und wir wissen alle was Doppelrunden bedeuten: Morgenrunden!
Das "London Classic 2010" Turnier hatte acht Spieler, sieben Runden.
Also lieber Leser/Leserin, welches Turnier wünschen Sie sich für Weinachten? Wer weiß, vielleicht liest Santa Klaus ihren Wunsch.
Anmerkung der Redaktion: Stauntons Turnierbuch ist in einer deutschen Übersetzung als Bd. 8 der Schachklassiker erschienen: http://www.schachklassiker.de/band8.html

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