Schach am kürzesten aller Tage

Sind die Tage kurz, lässt es sich gut winterschlafen Sind die Tage kurz, lässt es sich gut winterschlafen O.St.

Es werden wohl wieder nicht alle glauben, aber vieles im Leben hat seine Entsprechung auf dem Schachbrett:

a) Im richtigen Leben ist der Mann die wichtigste Person im Haus. Beim Schach ist es der König. (ok, ok, das war jetzt ein bisschen frauenfeindlich. Ich entschuldige mich sogleich!)

b) Im richtigen Leben sind die Parties und Feste nicht so schön, wenn keine Frauen dabei sind. Beim Schach wird das Spiel langweilig, wenn die Damen vom Brett sind und das Läuferendspiel beginnt.

c) Im Leben gibt es Liebe, Dramen, Abenteuer. Beim Schach gibt es Abenteuer (Deutschland wird Europameister!), Dramen (wie setzt man mit Läufer und Springer matt?), und es gibt die große Liebe zum Spiel – würden wir sonst freiwillig am Sonntag morgen um acht Uhr zum Mannschaftskampf aufbrechen?

Schauen wir heute beiläufig auf den Kalender, so sehen wir: 21.Dezember! Der kürzeste Tag des Jahres! Und sogleich ahnen wir, dass von nun an die Tage wieder länger werden und die Sonne auf dem Weg zurück ist in den Norden. Ein schönes Gefühl - der Sommer ist nah.

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           Bald geht´s wieder an den Strand!

Doch bevor es wirklich so weit ist mit dem Sommer, müssen wir heute noch den kürzesten und damit härtesten aller Tage überstehen. Schach-Welt.de, der Blog für die wichtigen Fragen des Lebens, hilft dabei.

Denn auch für diesen kürzesten Tag (der schon bald wieder vorbei ist!) finden sich erstaunliche Parallelen auf dem Schachbrett:

a) Die kürzeste Gewinnpartie sah ich kürzlich auf dem sehr netten Open in Bad Harzburg. Es war die Schlussrunde, und zwei junge Leute spielten im vorderen Mittelfeld um einen begehrten Ratingpreis. Der Schiedsrichter eröffnete die Runde, beide gaben sich die Hände, und Weiß machte einen Zug. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt klingelte des Handy des Schwarzspielers – und schon war die Partie vorbei. 1:0 nach zwanzig Sekunden – das war perfektes Timing. Irgendwie nett.

b) Für die kürzeste Besprechung eines Schachbuches sorgte einst der legendäre englische Großmeister Tony Miles. In der kurzweiligen Schach-Zeitschrift Kingpin stellte er das Buch „Unorthodox Chess Openings“ von Eric Schiller vor. Man könnte meinen, das Buch hätte ihm nicht gefallen – zumindest deutete er das mit seiner nur aus den beiden Worten „Utter crap.“ (Totaler Mist.) bestehenden Rezension irgendwie an.

c) À propos Kingpin: beim Herumschludern im Netz für die Miles-Rezension entdeckte ich auch – passend zum 21.Dezember (es wird ja bald schon wieder dunkel!) – ein sehr kurzes Interview mit dem „Chef“ Garry Kasparov:

Ten Seconds with Garry Kasparov

Eileen Bristow: Do you accept that you often contradict yourself?

Garry Kasparov: No I do.

(Eileen Bristow: Würden Sie sagen, dass Sie sich oft selber widersprechen?

Garry Kasparov: Nein, das würde ich sagen. )

***********

d) Wir kommen zum Schluss und beenden unsere kurze Übersicht mit einem Blick auf Kevin Spraggetts abwechslungsreiche Webseite. Der kanadische GM verlinkte dort vor kurzem auf ein Video mit schachlichem Inhalt (Hinweis: man muss ganz „hochscrollen“ auf der Seite, das Video ist oben.)

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                   Warum überlegt der so lange?

Eine Frau will in ihrem Wohnzimmer Schach spielen mit einer Mülltonne – und wundert sich dann, dass die Mülltonne keinen Antwortzug macht. Tja, da würden wir uns auch wundern!
Der Slogan lautet dann „Your garbage can does not have a brain. You do.“ (Deine Mülltonne hat kein Gehirn. Aber Sie haben eines! – (Und darum mal los, und schön den Abfall recyclen!))

Rethink Recycling ist eine ehrenwerte Initiative irgendwo aus der Gegend von Washington und Dakota. Doch obwohl Recycling ja eine prima Idee ist, wird das Video immer schrecklicher, je öfter man es ansieht. Der Spot dauert zwar nur siebzehn Sekunden, doch selbst in dieser kurzen Zeit sind den marketing experts fünf (!!) schachliche Fehler unterlaufen. 

War es Absicht, war es grobe Fahrlässigkeit? Und was sind das für Marketing-Fachleute? Schach sollte Teil ihrer Ausbildung werden.

Wer entdeckt die Fehler? Die ersten beiden seien hier schon genannt:

1. Man spielt nicht mit seiner Mülltonne im Wohnzimmer Schach.

2. Man guckt seine Gegner nicht so durchdringend/ auffordernd an, während sie am Zug sind. Kein guter Stil.

3. ?

4. ?

5. ?

Einen schönen 21. Dezember noch allen Leserinnen und Lesern.

Und nicht vergessen: ab morgen kommt der Sommer!

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   Der Igel: noch ein paar Tage schlafen, aber dann geht´s wieder los
                                                                          (Photo: Gibe/ Wikicommons)

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Kommentare   

+1 #1 Holger Hebbinghaus 2011-12-21 14:43
6. Wenn man seinen Zug ausgeführt hat, dann sollte man die Uhr drücken (sonst kann man lange auf eine Antwort warten). :zzz
#2 Klaus Lais 2011-12-21 18:10
Schwarz sollte nicht mit 1. g6 beginnen, weil Weiß dann mit dem starken 1. .... h4 antwortet.
#3 Haifisch 2011-12-21 19:17
3. Figuren stehen z.T. falsch
4. Rechts unten ist ein schwarzes Feld
5. ?
+1 #4 Thomas Richter 2011-12-21 20:50
Da sich die weissen Figuren offensichtlich als Schwarze verkleidet haben und umgekehrt, kann ich nur einen Fehler entdecken:
1.b3? ist ein Tempoverlust, der Bauer gehört (zumindest für Olaf Steffens!?) sofort nach b4.

Aber sonst passt vielleicht die Anekdote über Paul Krüger hier:
http://www.caissa-schwarmstedt.de/fun/humor.htm

Frohe Weihnachten!
#5 ta 2011-12-21 21:51
der kürzeste Tag (auch Wintersonnenwende genannt) ist dieses Jahr am 22. Dezember
+1 #6 ufkub 2011-12-22 01:31
Ich kenne zwei Schachbuchbesprechungen, die noch kürzer sind als Miles' "Utter Crap".

Die eine zum Buch "Shall we play Fischerandom chess?" bestand nur aus zwei Buchstaben (nicht schwer zu erraten). (War, wenn ich mich richtig erinnere, bei rankzero zu sehen; anscheinend ist der Eintrag inzwischen gelöscht worden.)

Es geht aber auch noch kürzer: Edward Winter schafft es in Nr. 3480 (http://www.chesshistory.com/winter/winter02.html), ohne Worte auszukommen. Nur die Überschrift "Book Review" und das Titelbild.

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@Thomas Richter: Nicht nur die Figuren, auch die Felder haben sich verkleidet.
#7 Olaf Steffens 2011-12-22 20:39
Moin,

Ihr seid top - alle Fehler gefunden!

Meine Idee war

3) Brett ist falsch aufgebaut (weißes Feld unten links, ein Klassiker der Werbebranche)

4) König und Dame stehen vertauscht da

5) Schwarz macht den ersten Zug (1.g6 - genau, wie Klaus meinte!). Eure Idee mit den verkleideten Figuren fand ich allerdings auch ganz schön.

Danke, Holger, für Fehler Nr. 6 - eine Uhr gehört natürlich dazu.
Schön auch der Hinweis, Dr. Thomas, zu den Anekdoten bei Caissa Schwarmstedt.

Abschließend:

@ ta: Der kürzeste Tag ist in diesem Jahr der 22.? Uah, so ein Pech. Da schreibt man schon mal so einen Artikel über den 21.12., und dann ist es in dem Jahr der 22.12. der kürzeste Tag. Danke für Deinen Hinweis!

@ufkub: Schöne Ergänzungen! Passt sehr gut zur Sammlung der kürzesten Dinge, und durch solche Geschichten wird Schach immer noch ein Stückchen facettenreicher. Danke!

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