Weise Voraussicht

Als Studien- und Problemonkel wird einem vom Partiespieler oftmals der Wunsch angetragen, doch mehr in Richtung partienahe Komposition zu zeigen. Während dies bei Schachproblemen naturgemäß etwas schwieriger ist, ist es bei Studien schon eher machbar. Eine Rarität sind jedoch partienahe Studien, in denen die Ausgangsstellung noch mittelspielartiges Gepräge besitzt. Das liegt vor allem daran, dass man von Studien eine langzügige eindeutige Lösung erwartet, die optimalerweise zudem noch paradox anmutet, eventuell eine ernst zu nehmende Verführung oder gar ein überraschendes Mattbild enthält.

Ein nach meinem Dafürhalten recht gutes Exemplar ist die folgende Studie:

Badalov

Wer würde bei dieser Stellung als erstes an eine Studie denken? Sieht doch eher nach einem Königsinder aus, bei dem auf den ersten Blick Weiß für den fehlenden Springer gewisse Kompensation hat.

Doch auf den zweiten Blick erweist sich die Aktivität der weißen Dame als sehr stark und vielleicht findet man auf den dritten sogar den weißen Sieg. Weiß hat neben der Lösung eine starke Verführung, die knapp scheitert.

Lösungen und Anmerkungen wie immer als Kommentar.

Kommentare   

#1 Guido Montag 2012-11-15 12:22
Ab wann?
Wieder ab Montag? ;-) ;-)
#2 Helmut 2012-11-15 19:35
Ich gerate mal in Versuchung und probiere den (wohl falschen) Zug 1.Dg8 - droht immerhin 2.g5 und 3.Dh8# Aber das lässt sich ja abfedern mit 1... Sf8 2.g5 Kh5 3.Dh8 Sh7 4.Dc8 (droht #) Sf6 5.gxf Dxf6 und dann verliessen sie ihn...

Also halte ich mich mal an die Überschrift und schiebe in weiser Voraussicht den Zug 1. c6 bxc vorweg. Dann sollte doch der b-Bauer zum Schluss auf der a-Linie ins Ziel galoppieren? (Habs aber nicht genau geprüft, ist mir im Kopf zu schwierig.)
#3 Losso 2012-11-25 09:10
Das ist richtig. Es gibt noch ein paar zusätzliche Varianten, aber die von Helmut genannte ist das Salz in der Suppe.

Der Autor Badalov durfte die Auswertung des Turniers, in dem das Stück teilnahm, leider nicht mehr miterleben. Es erhielt den 3. Preis.

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