Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen. Größte Erfolge: Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 7.Platz beim Travemünder Open 2010. Größte Misserfolge: werd´ ich hier lieber nicht sagen! Liegen aber gar nicht so lang zurück (leider). Größte Leidenschaften: irgendetwas mit Randbauer-Eröffnungen auszuprobieren, und die Partie dann trotzdem nicht zu verlieren. Klappt aber nicht immer.

Liebe Leserinnen der Schachwelt, liebe Leser der Schachwelt,

wir geben es zu, die Überschrift war nur ein Trick. Dies ist noch kein Artikel, nur eine Vorschau, ein Teaser, ein Appetizer, denn bald schon - bleiben Sie dran! - erscheint an dieser Stelle ein Bericht, eine Partie mit Springerzügen, vielen vielen Springerzügen, ein Eldorado der Springerzüge, und wer bloß spielt so eine Partie, und dann auch noch mit den schwarzen Steinen?

Der allfällige Magnus Carlsen ist es nicht, die supranationale Krennwurzn ist es leider ebenfalls nicht, und doch ist es jemand, den hier alle kennen, schätzen und verehren. Ein Kind des Nordens, und ein König der Springerführung, wie die Partie bald schon beweisen wird!

Bis es aber soweit ist und der Artikel das Licht der Schachwelt erblickt - Musik! Und: dranbleiben!

Siegerverehrung!

Nun also ist es so weit, und danke an MiBu für das dezente "Nudging" im Kommentarbereich und den Hinweis, dass nun alle Ergebnisse ausgespielt sind.
Hier die an alle LeserInnen vertrauensvoll übermittelten Resultate des internationalen Bundesliga-Tippspiels 2018/2019 "Eine neue Liga ist wie ein neues Leben":

a) Wer wird Meister? Baden-Baden, das Leicester City des Südwesten, Sensationsteam der Saison 2018/ 2019.

    Zwei Punkte für MiBu und Holger Hebbinghaus, die irgendwie schon vorher den Braten gerochen haben müssen. Chapeau!

BadenBaden
Nobody does it better - Baden-Baden war die Überraschungsmannschaft der Saison

b) Wer wird Vize? Hockenheim

    Nochmal zwei Punkte für MiBu und Holger, die Schachwelt-Tippspiellegende

 

c) Wer wird öfter spielen? Richard Rapport

    Zwei Punkte für unseren Leser ta!

 

d) Wie viele schöne Punkte holt Werder? 17 Punkte, weniger als erhofft - darum keine Punkte für irgendjemanden! Nächstes Jahr holt Werder dann eben mehr als alle dachten.

 

e) Nur fünf Teams holten mehr als zwei Brettpunkte gegen den Dauermeister - das muss besser werden, Leute, so wird das nichts mit "Breaking Baden-Baden".

    Keine Tippspiel-Punkte für niemanden.

 

f) Der HSV, der HSV, der HSV ist wieder da! Ja, aber leider erst frühestens ab der Saison 2020/2021 - und selbst da muss man erst mal sehen. Den braven Hamburger Fußballern bleibt auf ewig die Erinnerung an den schönen 1 : 0 Sieg im Finale des Landesmeisterpokals 1983!

 (Damals war ich noch kein HSV-Fan, so dass dieses Highlight leider an mir vorbeigegangen ist. Schlechtes Timing ...)

    Da alle Tippspiel-Kandidaten freundlicherweise auf einen HSV-Aufstieg tippten, erhalten sie bei dieser Frage noch weniger Punkte als der HSV an den letzten 17 Saison-Spieltagen (= ungefähr 2 Punkte).

 

Auswertung:

Letzter Platz: Die Krennwurzn! und der mir leider nicht bekannte User "Olaf Steffens" - beide holten mit unterschiedlich verwegenen Tips null Punkte.

Beide Leser verdienen damit uneingeschränkt den ...

Schlusslicht

Platz drei: ta! Wir sagen tada!, und Glückwunsch! zu zwei soliden Tippspiel-Punkten

Platz eins und Platz zwei, brüderlich geteilt: Holger Hebbinghaus und MiBu - Ihr seid die Besten, mit vier von möglichen 10 Punkten. Das ist schon mal was, und man sieht, Ihr habt viel gelernt hier im Blog, doch im nächsten Jahr strengt Euch noch etwas mehr an. Sonst bleiben die Preise in Bremen!

Die wundervolle Bremer Hachez-Spezial-Stadtmusikanten-Schokolade wird in den nächsten Tagen auf den Weg gehen zu Euch.

Danke an alle fürs Mitspielen!

 

Donnerstag, 14 März 2019 17:54

Komm wir geh'n ins Schachkino: The Dark Horse

Heute abend: a) Besuch im Schachverein, und dann b) Besuch im Heimkino, denn zu sehr sehr später Stunde zeigt der wunderbare WDR den neuseeländischen Film "The Dark Horse". Denn Achtung: DAS ist ein Film über Schach!

Der deutsche Verleih machte aus "The Dark Horse" das sperrige und für mich eher abschreckende "Das Talent des Genisis Potini", doch keine Sorge, es ist derselbe Film. Wer also um 23:25 Uhr noch nicht unter die Bettdecke schlüpfen möchte/ muss/ will, kann eine langsame Geschichte miterleben vom anderen Ende der Welt, in der es um Schach geht, um die Jugend, um die Schwierigkeit des Existierens, um Hoffnung, schöne Augenblicke, und auch, wie man in einer Gruppe (Verein! Freunde!) aufgefangen werden kann, wenn es mal nicht so gut läuft.

"The Dark Horse" ist kein ganz einfacher Film, und der Schach-Content ist auch nicht überbordend groß, doch immer präsent, denn die Hauptfigur ist ein ehemaliger Meisterspieler, der anfängt, eine Gruppe von Maori-Jugendlichen auf ein Turnier in Auckland vorzubereiten - wie wird das wohl ausgehen?

Leider wird auch dieser interessante Kinofilm versteckt auf einem Späti-Sendeplatz, da offenbar alle Eigen-Produktionen des öffentlichen Fernsehens stets wichtiger und bedeutsamer sind und daher die besten Startzeiten erhalten (20:15 Uhr - immer eine Eigenproduktion, immer was Deutsches).

Doch sei's drum. Bleibt man eben wach, oder guckt es in der Mediathek. Trotzdem ist es mir nicht klar, warum ARD, ZDF, die dritten Programme die ganzen sehenswerten Filme aus aller Welt immer ins Nachtprogramm verschieben, statt auch mal etwas Tolles um 20:15 Uhr rauszuhauen.
Andererseits, so bleibt Zeit für den Vereinsabend ab 19 Uhr, und für das Werder-Open, das heute ja in seine dritte Runde geht. Auch schön!

Aljechin Euwe 1935
Aljechin - Euwe 1935: erst WM-Partie spielen, und dann den Spätfilm gucken (23:25 Uhr, WDR)

Foto: http://oudzuylenutrecht.nl/euwe-aljechin-1935-2/  (bedankt!)

Bye Bye Bruno Ganz: der Schweizer Schauspieler und große Charakterdarsteller hat uns gestern verlassen und ist, wer weiß, weitergezogen in ein anderes Universum. Oft steigerte er mit seiner verschmitzten Präsenz, viel Charisma und einer etwas knorrigen Jovialität die Intensität der erzählten Geschichten, und es reichte oft schon, seinen Namen in der Besetzungsliste zu sehen, um neugierig zu werden auf einen Film. Nun ist er nicht mehr da, leider, und schon jetzt ist eine Lücke zu spüren. Einer, der das Gute verkörpern konnte, ist gegangen.

Wir sind hier zwar ein Schachblog, doch mit Recht hat Jörg Hickl uns den Namen Schach-Welt gegeben, so dass wir natürlich auch mal über etwas von außerhalb der 64 Felder und vier Brettkanten schreiben dürfen. Es heißt, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und wenn das so ist, wie viel müssen dann erst bewegte Bilder sagen können? Einiges, das steht fest, und bevor wir schließlich (versprochen!) doch noch zum Schach kommen, hier drei kleine Clips aus den letzten fünfzig Jahren:

a) Bruno Ganz in "Der amerikanische Freund" (1977)

Ganz alte Bundesrepublik! Dennis Hopper wohnt in den 1970er Jahren irgendwo fischmarktnah in Hamburg an der Elbe, und überredet einen sterbenskranken Freund - Bruno Ganz! -, für ihn jemanden zur Seite zu räumen für einiges Geld. Ein leicht anrüchiger Auftrag natürlich, und vermutlich sogar unmoralisch, doch heyhey, es ist ein Film, und wir als Schachspieler sind anrüchige (Remis-)Angebote und derbe Tricks ja auch vom Schachbrett her gewohnt.

Eine rauhe Geschichte also, von Patricia Highsmith erdacht, von Wim Wenders verfilmt, und aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig slow in der filmischen Umsetzung. Aber das macht ja nichts, es ist großes Kino, und die Geschichte spitze. Ein Highlight von vielen: der Trans-Europa-Express, rotweiß, als geplanter Schauplatz eines gar finsteren Verbrechens.

b) Der Himmel über Berlin (1987)

Zehn Jahre weiter, wir kommen nach Berlin. Wie wir Schachspieler ja wissen, würde schon in wenigen Jahren mit Vladimir Kramnik ein noch relativ unbekannter, wenngleich schon damals sehr großer russischer Schachfreund in die Hauptstadt kommen und für Empor Berlin (cooler Name!) in der Bundesliga punkten.
Noch aber ist die Grenze dicht, und im öden Niemandsland zwischen Ost und West begann wiederum Wim Wenders einen Film zu drehen. Zwei Engel schauen sich das Treiben der Menschen in Berlin an, schweigen, staunen, fühlen mit - Otto Sander mit rauchiger Stimme und Bruno Ganz in langen Mänteln, die ebenso grau sind wie über weite Strecken auch der Film. Aber "Der Himmel über Berlin" hat Herz und Wärme, und das nicht zuletzt durch Peter Falk, der als amerikanischer Schauspieler einen Film dreht und offenbar irgendwie Engel wahrnehmen kann. Oder bildet er es sich nur ein, und was meint dazu eigentlich der Imbissverkäufer?

Und die Engel? Verlieben sich, einer zumindest, und werden neugierig darauf, wie es wohl wäre, nicht mehr Engel zu sein, sondern ein Mensch - und sterblich. Ob das eine gute Idee ist?

 

c) Schwarz und Weiß wie Tage und Nächte (1978)

Willkommen zurück, liebe Schachfreunde, jetzt geht es wieder um den Sport unseres Vertrauens!

Wir sehen eine große Bühne, zwei Meister spielen eine Partie, der eine Sowjetrusse (die rote Fahne weht auf seinem Tisch), der andere Bruno Ganz, dem Regisseur Wolfgang Petersen hier die weißen Steine und eine deutsche Nationalität gab. Einiges Publikum verfolgt das Match im Theatersaal, intensiv tickt die Schachuhr, und anders als heute trennen nur ein paar freie Sitzreihen, jedoch kein schallsicheres Glas die Fans von ihren Helden. Offenbar hat der deutsche Spieler geopfert und stürzt sich mit seinen Figuren - Springer, Läufer, Dame! - nun auf den russischen König, der offenbar schon etwas benommen zwischen der e-und der c-Linie hin und her taumelt.

"Fragment of 'Schwarz und weiß wie Tage und Nächte' (film produced in 1978 by Wolfgang Petersen and starring by Bruno Ganz). After 20.Bf4!!, Qxa1 21.Qd3+ Kc8 22. Nxa8, Qxb2 23.Qc2 +!!, World Champion Koruga resigns because 23...Qxc2 24.Nb6# (This game corresponds to game played in 1974 between Rafael Vaganian and Albin Planninc in the Hastings tournament)."   (Zitiert nach Pepgalobardes, www.youtube.de)

Bruno Ganz spielt hier nicht nur eine schöne Angriffspartie, er erweist sich zudem als Meister der non-verbalen Kommunikation und schüchtert seinen Gegner mit allen nur erlaubten Mitteln ein: Herumtigern nach jedem Zug, Rauchen, Rauchen, Rauchen, im Rücken des Gegners umhergehen, und - damit würde er bei Jürgen Kohlstädt und allen Schiedsrichtern des Landes heute nicht mehr durchkommen - mehrfaches Ziehen im Stehen und OHNE Notation der Züge. Verheerend!

Wir verstehen indes, dass dies der Dramatik der Szene sehr zuträglich ist, und wollen daher nicht murren. Ein Kleinod aus der Abteilung "Schach im Film" - intensiv und spannend, und höchste Zeit, diese Szene hier zu zeigen.

 

"In Interviews gab sich Ganz meist bescheiden. Selbst nach mehr als 100 Filmrollen und unzähligen Bühnenauftritten machte sich der über 70-Jährige noch Sorgen um seine Karriere, äußerte Angst davor, keine altersgerechten Rollen mehr zu bekommen. Dem Magazin Bunte sagte er 2010, gefragt nach seinem Lebenswerk: "Ich habe mir Mühe gegeben, und vieles hat geklappt." Stolz sei er vor allem darauf, "den Vernichter Alkohol" besiegt zu haben. Nach jahrelanger Abhängigkeit habe er sich an die Anonymen Alkoholiker gewandt und seine Sucht überwunden."

Carolin Ströbele, Der Überirdische (www.zeit.de am 16.Februar 2019)

"In [...] "In der weißen Stadt" von 1983 schaut Ganz als Schiffsmechaniker auf Landgang am Tresen einer Lissabonner Kneipe erst aufmerksam, dann irritiert, dann grinsend auf eine Uhr, die rückwärts läuft. "Aber nein", berichtigt ihn die Barfrau, die kurz darauf seine Geliebte werden wird, auf Französisch, "elle marche juste", die Uhr läuft richtig, "die Welt läuft falsch".
Jetzt ist sie wieder einmal falsch herum gelaufen, und wir haben nur noch Aufzeichnungen und Erinnerungen an diesen freundlichen, schmerzlich nachdenklichen, anmutigen Künstler."

Jürgen Kaube, Die Welt läuft falsch (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17.Februar 2019)

Arrivederci, Bruno!

Sonntag, 10 Februar 2019 21:47

About the Keizer system

Ein langer Tag am Schachbrett heute schon wieder - im Viertelfinale des Niedersachsen-Bremen-Mannnschaftspokal empfingen wir Werderaner heute das Team des SK Nordhorn-Blanke. Um zehn Uhr ging es los, und darum hieß es ultrafrüh aufstehen für die vier Nordhorner, alldieweil sie doch erst einen großen Teil Niedersachsens durchmessen mussten, ehe sie in Bremen an die Bremer traten - vielleicht ein weiteres Indiz dafür, dass Schach doch ein Extremsport ist.

Auch wenn der Kampf mit 3,5 - 0,5 deutlich für den SV Werder endete (ähnlich wie das 4-0 der Fußballer gegen Augsburg im benachbarten Weserstadion - wir hörten sozusagen jedes Tor live mit beim Torjubel) - eine schachliche Sternstunde war es nur bedingt, und durchaus auch hätte es mit Vorteil für unsere Gäste enden können. Mehr dazu aber schreibt mit viel Elan David Kardoeus in seinem Pokalbericht auf der Werder-Seite!

Wir wollen heute aber noch den Blick auf etwas ganz anderes richten: Nordhorn, Holland, alternative Turnierideen! Und so verrät ein Blick auf die Vereinsseite des SK Nordhorn-Blanke, dass derzeit dort das Schnellturnier ausgetragen wird, und zwar nach dem sogenannten Keizer-System. Wir sagen: Keizer-System? Nie gehört! Aber das hat wie immer nicht viel zu bedeuten, und in Nordhorn scheint man mit diesem speziellen und aus Hengelo/ Niederlande stammenden Modus gut zu fahren.

"The Keizer system is well known in the Netherlands and in Belgium, but is still hardly known in other parts of the world. This is pitiful because it is a very nice competition system in many circumstances, especially for club competitions." (Quelle: www.jbfsoftware.com/wordpress/sevilla-keizer//wordpress/sevilla-keizer/)

Tatsächlich bietet diese Turnierart eine entspannte Art der Organisation:

  • man muss nicht an jedem Turnierabend teilnehmen und erhält dennoch einige Punkte,
  • man spielt oft und teils wiederholt gegen dieselben starken Gegner, und
  • der ganze Ablauf funktioniert auch prima, wenn an einem Spielabend mal nicht so viele Mitglieder kommen

Möglicherweise kennen unsere LeserInnen draußen vor den Sendegeräten das Keizer-System ja schon lange, setzen es in ihren Vereinen ein und können berichten, wie und wie gut so ein Keizer-Turnier läuft? Schreibt doch einmal - vielleicht können wir helfen, einen tollen Modus auch hierzulande bekannter zu machen. Bedankt!

Keizer/ Kaiser/ Keyser gibt es in unseren Gefilden natürlich schon seit langem (der letzte deutsche Vertreter musste glücklicherweise 1918 gehen). Wir hören von Roland Kaiser, den Kaiserchiefs, den Fußballern von Kayserispor in der Türkei und von unserem Kaiser Franz Beckenbauer, der bedingt durch Steuer-Verwerfungen jedoch lichtgestaltmäßig leicht angeschlagen ist.
Überall Kaiser! Ein Supermarkt heißt hierzulande so, auch ein bekannter Versicherungsvertreter, ein (wie wir heute lernten) holländisches Paarungssystem für Schachturniere ebenfalls, und dann ist da noch Keyser Söze, der fiese Oberschurke im Klassiker "Die üblichen Verdächtigen" von 1995.

Und eine bekannte Szene aus diesem Film, die kann man doch sicher gut parodieren? Leslie Nielsen!

Nun müssen wir aber erst einmal das Senden einstellen - im WDR kommt jetzt doch Zeiglers Wunderbare Welt des Schachspiels Fußballs!

PS Mit Grüßen an SF Holger Hebbinghaus: Ascheregen auf unser Haupt - die Partiekommentierung, die Du vor einiger Zeit bei unserem exklusiven Bundesliga-Tippspiel gewonnen hast, ist auf dem Weg ... !

Samstag, 02 Februar 2019 22:47

Bundesliga dahoam

Die Bayern kommen! Die Hansestadt Bremen zog die Köpfe ein, denn zwei süddeutsche Schachteams präsentierten sich heute bundesligamäßig an der Weser: einmal BCA Augsburg, respektabler Aufsteiger aus der Fuggerstadt, und dann das (neben dem FCB natürlich) Bayernteam der Herzen, die MSA Zugzwang München, geführt vom delmenhorststämmigen Markus Lammers, einem Sohn der Region, einem Butenbremer also, der es im Süden unter anderem zu IM-Ehren und zum Kapitänsamt bei der Münchner Schachakademie gebracht hat - Kompliment!

Viertes Team im Bunde war neben den ortsansässigen Werderanern der SV Mülheim Nord, etablierte Liga-Fachkraft aus dem Westen, und auch leicht favorisiert gegen Augsburg - am Ende aber stand ein wohl leistungsgerechtes Unentschieden für beide Teams zu Buche. Frühe Führung für Mülheim mit einem schwungvollen Sieg des mehrfachen Deutschen Meisters Daniel Fridman (ich bin ein großer Fan!), dann Remis Remis Remis, und schließlich der Ausgleich durch Nikola Nestorovic gegen den jungen Holländer Liam Vrolijk - 4 : 4!

Liga 1
Daniel Fridman setzt matt! - nur wenige Züge später. So müsste man Schach spielen können, aber wie bloß lernt man das? (Bild: Chess24)

Die Werderaner waren noch aus dem Vorjahr gewarnt - dort hatte Zugzwang München unter der schon damals bewährten Leitung von --> Markus Lammers den Grün-Weißen ein hübsches 4 - 4 abgeknöpft und war dabei dem Sieg verdächtig nahe gekommen. Heuer, wie man im Süden ja sagt, will es für die Bajuwaren noch nicht so richtig funken, leider steht man tief im Süden der Tabelle, und heute zumindest hat sich daran nicht viel geändert.

Die acht Hansestädter (von den sieben allerdings aus ganz Europa angereist kamen, und der achte aus dem schönen Osnabrück) - die acht Sportbremer also taten sich für längere Zeit schwer, und als parteiischer Zuschauer musste man schon ein wenig die Tatsachen ins Gute verbiegen, um optimistisch auf einen günstigen Ausgang für Werder hoffen zu können.

Markus Lammers
         Markus Lammers: Rückkehr in die alte Heimat!

Dann aber fuhr Team Hansestadt doch noch einige Punkte ein, vielleicht fühlte sich Zugzwang nördlich des berüchtigten Weißwurst-Äquators doch ein wenig unwohl. Romain Edouard gewann mit einem schmucken Benoni, Wouter Spoelman stellte sich beinahe Orang-Utan-mäßig auf (wobei sein b-Bauer jedoch nur bis b3 vorging) - er eroberte erst Material und dann die Partie zum 3 - 1 Zwischenstand, nachdem zuvor Eichler - Babula und Mons - Fressinet Remis ausgingen.

Zugzwang hielt den Ball noch lange im Spiel, letztlich endete die Begegnung indes hoch mit 7 - 1 für Werder bei weiteren Siegen von Zbynek Hracek, Tomi Nybäck, Martin Zumsande und Zahar Efimenko in seiner schon 5.? oder 10.?, nein, sogar 16.! Spielzeit beim SVW.
Kopf hoch aber, Ihr Münchener, und viel Glück in den kommenden Spielen - kann noch alles werden mit den Punkten, ganz wie in den letzten Jahren! Und mit Leon Mons an Eins kann man eigentlich gar nicht absteigen.

Zahar
             Fußball-Großmeister Marco Bode (30 Jahre bei Werder)
ehrt den ukrainischen Großmeister Zahar Efimenko (15 Jahre bei Werder!)

Mons
                GM Laurent Fressinet wehrt sich gegen GM-Schreck Leon Mons.

Tja, und das war es dann auch schon für heute in Bremen. Schön wäre es, wenn man als Zuschauer die eine oder andere ELO-Gutschrift erhalten könnte, alleine für das Dabeisein und Zugucken, vielleicht auch fürs Daumendrücken. Es würde den Anreiz für Schach-Besucher enorm erhöhen, tatsächlich einmal zu den Turnierorten zu pilgern und den HeroInnen ihres Sports über die Schulter und bei ihren Abenteuern zuzusehen. Im Stadion unseres Vertrauens, Heim für gut 40.000 Gäste, wenn die Fußballer kommen, waren anwesend heute: eine relativ leicht überschaubare Anzahl von Besuchern beim einzigen Heimspiel der Saison 2018/2019.

"Die Schach-Bundesliga, außerhalb der Schachszene weiß so gut wie niemand von ihrer Existenz. Selbst viele Schachspieler kennen die Liga nicht und noch weniger interessieren sich für sie."
         (Ilja Schneider, Unsere Bundesliga soll schöner werden, Schachblog, www.zeit.de)

Warum ist das Zuschauerinteresse (ja nicht nur in Bremen) so verhalten - und ab/ bis wann kann man überhaupt noch von Zuschauer-Interesse sprechen?

- Am Eintrittspreis sollte es nicht liegen, bei Werder liegt er bei 5,-€ und ermäßigt 3,-€ - wer in grün-weißem Outfit kommt, kann sogar umsonst eintreten (gilt jedoch nicht für Trikots des VfL Wolfsburg)

- Werbung wird in bescheidenem Umfang gemacht, wir werben auf der Seite des Bremer Landesschachbundes, auf unserer eigenen Webseite, auch im Weserkurier und auf Postern werden die Spiele angekündigt, und natürlich in den zahlreichen Schachmedien (print und online). Wer will, kann es mitbekommen.

 Bundesliga Plakat Februar 2019

Wenn wir mit Werder III oder Werderzwo im Norden unterwegs sind oder mit dem Werder-Pokalteam über Land fahren, kommt überraschend oft dennoch immer gerne mal die Frage von Spielern der anderen Vereine, in welcher Liga denn unsere Erste eigentlich spielt. Die Antwort ist dann (seit 20 Jahren, sozusagen) "Bundesliga", doch nun gut, vielleicht hat das einfach keine Relevanz in unserem Sport, keine Bedeutung, kein Flair - aber kann es denn sein, dass die "höheren Ligen" im Schach und die Mannschaften, die sich dort tummeln, nur so wenige interessieren? Ein erstaunliches Phänomen.

- Liegt es vielleicht an der Live-Übertragung der Partien, aller Partien, auf dem schönen Portal der Schachbundesliga? Die Hürde, nun doch mal bei Wind und Wetter aufzubrechen und sich zum Spielort zu begeben, ist sicherlich höher, wenn die Partien (alle!) fast zeitgleich, ohne viel Mühe und erst recht ohne einen Kostenbeitrag auch fix mal im Internet angesehen werden können - und sei es auch nur mal so, nebenbei. Wirklich, wer läuft dann noch in den Turniersaal?

Auch wenn das Live-Übertragen natürlich modern, attraktiv und einfach state-of-the-art bei jedem ordentlichen Schachturnier ist, vielleicht bringt es die Veranstaltung vor Ort dann doch um den einen oder anderen interessierte(n) Zuschauer(in). Für die Atmosphäre im Spielsaal ist das, so kann man vermuten, nicht immer nur gut. Schade, schade - und was war nochmal der Vorteil des aufwendigen Übertragens?

- Weitere Hypothesen - ist der Liga-Modus überholt? Sollte Bundesliga als Schnellschachturnier gespielt werden, mit Blitzentscheid bei unentschiedenen Partien? Muss Magnus Carlsen an allen Bundesligaspielen gleichzeitig teilnehmen, um Zuschauer anzuziehen? Kommen Besucher wirklich nur dann, wenn parallel zu Ligaspielen noch Simultanspiel und Blitzturnier angeboten werden? Und wie wäre es - wie auch von Ilja angeregt - mit dem freien und nicht meldelistengebunden Aufstellen der Mannschaften, ähnlich wie in den Niederlanden. Auch könnte man für den ersten Teil der Partien die gute (?) alte Zeitnotphase wiederbeleben, und bis zum 40. Zug ohne Inkrement spielen. Brächte das an der Oberfläche wieder mehr Leben, Wahnsinn und Show in die Partien?

- Noch weitere Fragen: ist die Anzahl der ZuschauerInnen denn überhaupt ein Kriterium? Sollten wir uns als Nischensport verstehen und damit glücklich sein? Reicht es nicht auch aus, wenn nur diskret (und sogar zahlreich!) im Internet zugeschaut wird, und im analogen Spielsaal sitzen nur noch die Teams, ein Schiedsrichter und natürlich jemand, der für alle Kaffee kocht? Gehört die Zukunft der ProLeague und den Berlin Bears (schon wieder mit Leon Mons!!)?

- Warum gibt es eigentlich immer so viele Fragen - und ist das immer alles eigentlich so wichtig? Sollten wir (ernstgemeint) zum Wohle der Welt nicht lieber Elefanten retten, Wale, Giraffen, den brasilianischen Urwald, die Weltmeere und den Hambacher Forst, gegen den C02-lastigen extensiven Flugverkehr kämpfen und  endlich für das Ende der Massentierhaltung?
Ich jedenfalls gehe nun erstmal ins Bett, denn huch!, morgen muss der Zuschauer der heutigen Spiele im Weserstadion ein, zwei oder sogar drei Ligen unter der Bundesliga schon wieder selber am Brett sitzen und das Nachdenken simulieren. Und das allein, wie jeder weiß, ist schwer genug - immerhin kann man auf Kaffee hoffen.

Glück auf darum allen Leserinnen und Lesern, und ein gutes Händchen morgen in den Ligaspielen!

 

Das kann doch einen Meister nicht erschüttern! Gleichauf eilten David Höffer, Ilja Schneider und Christian Richter von Sieg zu Sieg bei den Bremer Blitzmeisterschaften, doch nicht allein die besten Schachzüge sollten an diesem Tag das knappe Turnierrennen entscheiden.

15 schwere Runden traditionell sind an der Weser zu spielen, ein veritabler hansestädtischer Halbmarathon, und nicht sehr lange dauerte es, da hatten sich SF Richter (Werder Bremen), SF Höffer (SK Delmenhorst) und der amtierende Deutsche Blitzmeister SF Schneider (Chessfriends Berlin!) vom Rest des gut fünfzigköpfigen Feldes abgesetzt.

Hier mal ein Matt, dort mal ein Figurengewinn, man kennt das ja, und immer die schnelle Zughand, hopphopp, da blieb den allermeisten Bremern am Ende meist nur die Aufgabe, gefolgt von einem schnellen Gang zur ausgezeichneten Kaffeetheke des SK Bremen-West, der heuer die Ausrichtung der Veranstaltung übernahm und einmal mehr liebevoll und souverän durchführte.

blitzschach
     Bernd Feustel: Was Sie schon immer über das Bremer Blitzschach wissen wollten

Im Gleichschritt bogen SchneiderRichterHöffer dann auch auf die Zielgerade ein, und hätte nicht ein wenig Technologie Einzug gehalten in das Regelwerk unseres schönen Sports, wer weiß, wie es ausgegangen wäre. So aber, vierzehnte Runde, die ersten Züge waren gerade gespielt, da hallte schallend ein frohes Lied durch den Saal - fünf Sekunden nur, dann war es schon vorbei, doch auch das war lang genug, um zu wissen: da hatte ein Handy geklingelt! Oder zumindest ein Geräusch von sich gegeben, und das soll ja nicht sein. Regelwerk eben.

Schach ruft mich an ... und ich muss gehen

Es folgte der bekannte Dreisprung "Partiebeginn - Handyklingeln - Partieverlust": auch wenn es Peter Jürgens von den SF Lilienthal wohl nicht ganz angenehm war, so ging der Punkt aus dieser Partie dann doch an ihn. Und wer war sein Gegner? An Brett 1 hatte Peter dem nicht nur in Bremen bekannten, beliebten und vor allem hochgeschätzten Ilja Schneider gegenübergesessen, bis, ja bis die Partie krude von modernster Smartphone-Technik erst unterbrochen und dann beendet wurde.
Das gefürchtete "Nokia-Gambit" - wer kennt es nicht, das Unbehagen, welches das Handy in Schachspielerhand als auch in Schachspielertaschen auslöst? Selig die Zeiten, wo wir alle nur am Festnetz sprechen konnten, oder maximal in Telefonzellen. Fern waren alle Sorgen!

Dabei war es noch nicht einmal ein ehrlicher Klingelton, der zum Partieverlust führte, denn selbstverständlich hatte Ilja vor Turnierbeginn alle erforderlichen Einstellungen an seinem Gerät vorgenommen. Oder - fast alle, denn ihm war der Wecker entgangen, der vom Vortag offenbar noch für den Nachmittag eingestellt war, und nun an der Weser einfach nochmal ein temperamentvolles Klingeln von sich gab.

Das war nicht gut, und es kostete einen wichtigen Punkt - doch Ilja war souverän, nahm es mit viel Humor und machte sich auf den Weg in den Vorraum, denn dort warteten ja wie gesagt Ingo Veit und Joachim Kropp von den SF Bremen-West mit Kuchen, Kaffee, Kaltgetränk.

Besonders schön: diese memorable Partie bestritt Peter Jürgens in einem Schach-Pullover mit dem nicht ganz unpassenden oder für diesen Anlass sogar visionären Aufdruck: "Schach ruft mich an ... und ich muss gehen". Hätte Ilja diese subtile Warnung doch bloß ernster genommen!

Schach ruft mich an
            Schach ruft mich an - Aufgeben - und ich muss (ans Büffet) gehen!  (Foto: Ilja Schneider)

Der Turniersieg war damit durchaus unglücklich vergeben, doch Ilja brachte das Turnier mit zwei weiteren Siegen gekonnt zu Ende, wurde mit 12 Punkten Dritter und damit bester Nicht-Bremer. Knapp vor ihm FM David Höffer (DEL!) mit 12,5 Punkten, und der neue Bremer Meister, IM Christian Richter, der seine stattlichen 13 Punkte nach einem etwas unrunden Start in beeindruckender Manier einfuhr. Glückwunsch an alle drei! Die Ergebnisse des Wettbewerbs findet man hier auf der Seite des Bremer Landesschachbundes.

Auch sonst hatten einige der neueren Blitzregeln hier und da im Wettbewerb gewissen Einfluss. Immer mal rutschte den 50 Apologeten des königlichen Spiels ein falscher Zug aufs Brett - zweihändige Rochade, stehengelassener König, Orang-Utan-Eröffnung - was konsequent zu einer kleinen Zeitstrafe führte und dem Gegner eine einminütige Gutschrift einbrachte, mit Fachwissen von den Schiedsrichtern fix auf den elektronischen Uhren eingestellt.

Neu ja auch die strenge Vorschrift, dass beidseitig gefallene Plättchen keineswegs mehr als Remis gewertet werden. Das Fähnchen bringt es an den Tag - nun unterliegt derjenige, dessen Zeit zuerst abgelaufen ist. In der Partie Olaf Steffens - Peter Jürgens führte dies zu einer Entscheidung, und somit wurde es hier ein Punkt für mich, den ich wenn auch mit etwas Unbehagen einbuchen konnte.
Mit einigem Turnierglück und unerwartet vielen Punkte in den letzten Runden vermochte ich mich dann sogar noch bis auf Platz vier vorzurobben, direkt hinter RichterHöfferSchneider, den großen Drei des bremischen Schachs. Hurra!

Als Beleg für besagtes Turnierglück möge die folgende hanebüchene Stellung aus der Partie Stefan Schwenke - Steffens dienen:

 Stefan Schwenke Steffens
                         Allgemeine Verunsicherung bei den schwarzen Steinen

In Wirklichkeit war meine Stellung noch ein wenig schlechter als abgebildet, das Diagramm ist lediglich eine Erinnerung aus Zeit- und allgemeiner Schachnot. Hier versuchte ich den Trick 1....De6-d6? und drohe so etwas wie ein Grundreihenmatt. Stefan parierte das aber locker mit 2.Dg2-a8+, Kc8-c7 3.Sb4xa6+. Nun geht nur 3... Kc7-b6, und meine Dame geht mit Schach verloren nach 4.Td1xd6+. Feierabend für Schwarz ..., eigentlich!

Doch erstmal schnell wiedernehmen: 4.... Sf7xd6 - und Überraschung, nun droht auf e1 immerhin ein Grundreihenmatt (!), und der weiße Springer hängt.

Bei nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr warf Stefan mit 5.a2-a4 den Bauern für ein schnelles Luftloch nach vorne (5.Da8-h1 war möglich, oder 5.Da8xe8), doch nun zeigte sich, dass nach 5.....Te8xa8 auch noch seine Dame hing. Wir hackten noch ein paar Züge aufs Brett, bevor er aufgab - kein schönes Ende einer von ihm toll gespielten Partie. Manchmal hat man Glück.

Und hier, für alle Freunde des Meisters und ehemaligen Zoodirektors:

War es das schon wieder mit dem Sommer? Wenn man aus dem Fenster schaut, ziehen graue Wolken vorbei, kühle Winde pfeifen durch den Regen und nachts fällt Dunkelheit über das Land – wie soll man da in Badelaune kommen oder zum Eis essen gehen? Wer gehofft hatte, dass im Jahr 2018 endlich wieder einmal ein schöner Sommer kommt, wird spätestens jetzt enttäuscht sein. Allerdings ist es ja auch schon November.

Kommen wir darum zu schöneren Themen, und damit unmittelbar zur Schachbundesliga, die in diesen Tagen wieder den Betrieb aufnimmt. Nach gut einem halben Jahr brettspielloser Zeit stellen die Reckinnen und Recken der höchsten deutschen Spielklasse wieder die Figuren auf, und wir sagen – das wurde auch Zeit!
Fast alle anderen Ligen zwischen Dänemark und Ditzingen, Nordwalde und Neubrandenburg haben bereits die erste Runde ausgetragen und sind mutig in die neue Saison gestartet. Allein auf der Chefetage, bei den oberen Sechzehn, zierte man sich noch, doch nun hat alles Warten ein Ende, und elektrisiert wie in jedem Jahr lauert die Schachgemeinde auf das erste Wochenende an den Brettern.

                               fressinet
                                                                    Bundesliga geht wieder los: Michael Adams und Laurent Fressinet

Obwohl das wohlfeile Motto "gens una sumus" sicher auch im Oberhaus gelten sollte, setzen viele Mannschaften mutmaßlich wieder alles daran, der Schachabteilung des SV Werder auch in der neuen Saison den Meistertitel streitig zu machen.

Mit Erfolg ist dies den Schachfreunden Schwarzwald aus Baden-Baden seit 2005 ja schon ab und an gelungen, und auch in 2018/2019 scheint die ständige Vertretung von Grenke Leasing in der Bundesliga den Siegerpokal in den tiefen Süden holen zu wollen. Passabel genug aufgestellt zu diesem Behufe sind sie möglicherweise.
Baden-Badens nahe Verwandte von den SF Deizisau und auch Hockenheim gehen ELO-stark ins Rennen, ebenso wie die SG Solingen. Wenngleich mit Richard Rapport eine schillernde Schachfachkraft in den Schwarzwald abwanderte, ist Klingenstadt wie alle anderen Top-Teams bedrohlich für Werders zarte Hoffnungen auf einen kleinen Spitzenplatz. Rücksichtnahme auf die Wünsche der Vereine im Norden, Freundschaft, Solidarität oder gar "gens una sumus" - diese ehrenvollen Motive scheinen in der großen Bundesliga nichts zu zählen, und besonders dann nicht, wenn man gegeneinander antritt. Gönnt denn eigentlich niemand den Bremern den Titel?

Bundesliga aktuell
Spannung schon vor der ersten Runde! MSA Zugzwang 82 deutlich in Führung, aber Baden-Baden ist den Münchnern bereits auf den Fersen, ebenso wie Viernheim (neue Liga!)
und - der Hamburger SK, worüber wir uns natürlich freuen. Fehlstart allerdings für Klingenstadt Solingen und auch Werder, die aktuell auf oder nahe einem Abstiegsplatz liegen. (Bild: schachbundesliga.de)

Und huch!, auch die vier Neulinge im Oberhaus schicken sich an, das Gefüge ordentlich durchzuwirbeln. Wir sehen respektvoll nach Viernheim (stark!), Düsseldorf (Jan Timman!), Augsburg (Augsburger Schachpuppenkiste!) und auch nach Kiel (Nordclub!) - von diesen Vertretern muss keiner wirklich auf den Abstiegsrängen landen. Und ganz sicher wurde im Frühling an allen vier Standorten der Aufstieg entsprechend gefeiert.

Kleine Prognose: ganz offenbar ist die Bundesliga in dieser Saison durch die Bank so gut aufgestellt, dass überhaupt niemand absteigen wird. Dafür ist das Feld weitgehend zu ausgeglichen, und eigentlich gibt es niemanden, den Hauptschiedsrichter Jürgen Kohlstädt nach Saisonende guten Gewissens in die zweite Liga strafversetzen könnte  - alle viel zu stark!

Und damit endlich kommen wir zum großen Schachwelt-Tippspiel 2018/2019. Liebe Leserin, lieber Leser, wir erwarten Eure schonungslosen Antworten auf die folgenden Fragen:

a) Wenn schon (s.o.) leider nicht der Hamburger SK oder Werder Bremen - wer wird dann Meister? (2 Punkte)

b) Und Vize? (2 Punkte!)

c) Wer wird öfter spielen - Ilja Schneider (Chessfriends Berlin) oder Richard Rapport (OSG Baden-Baden)? (2 Punkte)

d) Wie viele (Mannschafts-) Punkte holt Werder Bremen? (2 Punkte)*

e) Wie viele Clubs werden gegen Baden-Baden mehr als 2,0 Brettpunkte holen? (2 Punkte)*

Und damit wir alle auch noch ein bisschen Weltwissen demonstrieren können, die etwas fachfremde Frage

f) Steigt der Hamburger SV zum Ende der Saison wieder in die Fußball-Bundesliga auf? (2 Punkte)

* Die Antwort darf hier um einen Punkt abweichen und wird trotzdem als richtig gewertet.


Antworten bitte im Kommentarbereich oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   (bitte gebt in diesem Fall dann einen Namen an, unter dem wir Euren Tipp hier veröffentlichen).

Bei Punktgleichheit entscheidet a) Buchholzwertung, ansonsten b) der direkte Vergleich und dann c) Blitzentscheid.

Wir freuen uns auf Eure Einsendungen. Abgabeschluss ist der Samstag, 10.November 2018, um 14 Uhr Bremer Zeit.

Und was gibt es zu gewinnen? Wie immer eine schmackhafte Tafel Bremer-Stadtmusikanten-Schokolade!

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                                                         Auf zum Schachwelt-Tippspiel!

Freitag, 19 Oktober 2018 17:17

Europapokal: Solingen ist Deutscher Meister!

Mit einem 3 – 3 Unentschieden gegen E.S. Thessalonikis endete für den SV Werder Bremen das Abenteuer Europapokal in dieser Saison. Im Spiel gegen den griechischen Vertreter fuhren Vlastimil Babula und Gerlef Meins zwei volle Punkte ein, doch bewiesen die Griechen auch in dieser Schlussrunde ein gutes Standing und stellten mit Siegen gegen Alexander Markgraf und Jan Werle den Ausgleich her. Solide Unentschieden spielten Spartak Grigorian und Martin Zumsande.

Die Grün-Weißen eroberten damit ihren achten Mannschaftspunkt bei durchweg respektabler Gegnerschaft. Das Turnier beendete Team Hansestadt damit als 19. von insgesamt 61 Teilnehmern – das ist sehr ok, wenn auch vielleicht etwas unterhalb der durch den überraschend weit vorderen Startplatz (Rang 10) geweckten Erwartungen. Doch es ist ja nur typisch für Erwartungen, dass sie sich nicht unbedingt erfüllen (müssen), und mit dem soliden Rang 19 kann Werder ganz zufrieden auf eine intensive Woche am Schachbrett mit den ganz Großen unseres Spiels (Magnus Carlsen, Liren Ding, Michael Buscher) zurückschauen.

Liren Werle
Analyse nach langem Ringen: Liren Ding - Jan Werle endete mit einem schönen Remis für den Werderaner

Der SVW liegt mit acht Punkten gleichauf mit den sehr honorigen Mitstreitern von DJK Aufwärts Aachen, dem Koninklijke Gentse Schaakkring Ruy Lopez (KGSRL) aus Gent sowie der SG Zürich, und nur einen Mannschaftspunkt hinter den SF Berlin und der erfolgreichsten deutschen Vertretung, der SG Solingen (das ist die heimliche Deutsche Meisterschaft - Glückwunsch!).

Die Werderaner punkteten in Porto Carras überwiegend im Rahmen ihrer Erwartungen, und es war vor allem der erfahrene Großmeister Vlastimil Babula, der sich mit 5 Punkten aus 7 Partien am zweiten Brett ein ELO-Plus von gut 14 Punkten erkämpfen konnte.

Sieger des Wettbewerbs wurde Mednyi Vsadnik St.Petersburg, das in einem dramatischen Spiel die bis dahin führende norwegische Mannschaft von Magnus Carlsen, Valarenga Sjakklub, mit 4 – 2 bezwang.

Turnierseite

Mittwoch, 17 Oktober 2018 19:54

Werder ist bereit für die WM

Der Europapokal, das letzte Turnier vor der Schachweltmeisterschaft in London: im November wird dort um den Titel gespielt, und sowohl defending champion Magnus Carlsen als auch der SV Werder Bremen präsentieren sich zuvor in Porto Carras ein letztes Mal der Schach-Öffentlichkeit.
Der SV Werder besiegte in der heutigen sechsten Runde den estnischen Vertreter SK Reval-Sport mit einem formschönen 4,5-1,5 und zeigte sich damit in fast schon glänzender WM-Form. Carlsen indes scheint in Griechenland vor dem großen Match befangen und konnte von seinen letzten vier Partien nicht eine einzige gewinnen. Auch heute musste der ambitionierte Norweger gegen den unbekannten Chinesen Liren Ding den sicheren Remishafen anstreben.

Das alles nährt hierzulande natürlich die Hoffnung, dass nach Emanuel Laskers Regentschaft (1894-1921) die WM-Krone endlich wieder einmal nach (Nord-)Deutschland geholt werden könnte. Der SV Werder jedenfalls scheint für dieses Unterfangen aktuell gut genug aufgelegt zu sein. Drücken wir den Bremern die Daumen - toi, toi, toi!

magnus carlsen
                                            Die Schachwelt schaut nach London!

Carlsen-Herausforderer Werder ging gegen den SK Reval-Sport als Favorit an die Tische und steuerte nach drei Stunden einem verdienten Mannschaftssieg entgegen.

Gemäß dem etwas kruden und etymologisch wohl eher dem schleswig-holsteinischen Sprachgebrauch zuzuordnenden Motto "Oben halten, unten spalten" ließen Jan Werle, Vlastimil Babula und Alexander Markgraf an den vorderen Brettern nichts anbrennen und erzielten drei sichere Unentschieden - fast wären hier noch mehr Punkte möglich gewesen.
Diese allerdings holten sich die Hanseaten an den unteren drei Brettern: sowohl Christian Richter als auch Gerlef Meins und Martin Zumsande orientierten sich aus soliden Stellungen heraus nach vorne und profitierten dabei von taktischen Ungenauigkeiten ihrer auf dem Papier etwas schwächeren Gegner.

So stand am Ende ein ermutigendes 4,5 - 1,5 zu Buche. Auch wenn es gegen Magnus Carlsen in Kürze deutlich schwerer werden wird, war es ein Sieg, der das Bremer Selbstvertrauen vor der WM noch einmal stärken dürfte.

Europapokal Foto 2018
                            Team Hansestadt: die Herausforderer sind bereit für die WM

Die weiteren Gewinnzahlen der 6.Turnierrunde:

- Grantham Sharks: yep! 3,5 : 2,5 gegen allerdings wesentlich schwächer aufgestellte Finnen vom SK Comeon.

- Elisabeth Pähtz' Caissa Italia Pentole Agnelli findet weiterhin nicht so recht in das Turnier und verliert leider erneut: 1,5 - 2,5 gegen die ukrainischen Damen von Kyiv Chess Federation.

- ein großer Tag dagegen erneut für die SF Berlin aus der Bundeshauptstadt Berlin: ein überzeugendes 4 - 2 gegen die SF Wirtzfeld (mit IM Juri Boidman an Brett 2). Da jibs nüscht zu meckaan!

- SG Zürich (mit Lother Vogt) und die SG Solingen trennen sich bei vier entschiedenen Partien 3 - 3

- DJK Aufwärtstrend Aachen wird nach dem gestrigen Kantersieg gegen das holländische Leiden vom belgischen Eynatten wieder auf den Boden zurückgeholt und unterliegt mit 4 - 2.

- Magnus Carlsens Valerenga Sjakklubb trumpft auf und ringt den mazedonischen ALKALOIDEN die ersten Mannschaftspunkte ab: 3,5 - 2,5, und die Tabellenführung für die Norweger!

- MiBus Echiquier Amaytois unterliegen der holländischen BSG mit 4 - 2. Wir sagen: schade! und verleihen unserer Hoffnung Ausdruck, dass die morgige Schlussrunde den Echiquiers einen versöhnlichen Turnierabschluss ermöglichen möge!

 

Soweit für heute? Morgen um 14:15 Uhr die letzte Runde, und der Schluss-Spurt um die besten Plätze beim ECC. Welcher Verein aus dem Bundesgebiet - Solingen, Berlin, Aachen oder Bremen - wird am Ende die meisten Punkte sammeln und damit zum heimliichen  Deutschen Meister? Wir gucken uns das an. Aber erstmal noch ein bisschen ....

Lass uns nochmal um die Häuser ziehn
schonungslos und ohne Hintersinn
willenlos und immer mittendrin
an den letzten warmen Tagen in Berlin

(Element of Crime, Alle vier Minuten)

Tjaja, Berlin! Da fährt man schon mal weg aus Deutschland und reist rund 2000 Kilometer über Land nach Süden, und wer wartet dann auf der anderen Seite des Schachbretts - die Schachfreunde Berlin! Die Auslosung der fünften Europapokalrunde paarte die Mannen des SV Werder mit der ständigen Vertretung Berlins beim Europapokal, und was konnte es da Besseres geben als eine brüderliche Punkteteilung nach gut 4 Stunden Spielzeit?

3 - 3 lautete am Ende das Ergebnis im erweiterten Nordderby, und wie befürchtet waren sowohl Werder als auch Berlin die erwartet schweren Gegner - vier der sechs Spiele endeten mit einer resolut entschiedenen Partie, es gewannen Jan-Michael Sprenger mit viel Dynamik und Alexander Seyb für Team Bundeshauptstadt, als auch Vlastimil Babula und Martin Zumsande auf überzeugende Weise für die Bremer Farben. Dem Derby eine versöhnliche Note gaben Rainer Polzin im Spiel gegen Christian Richter (remis!) sowie Marco Baldauf und Alexander Markgraf (remis!).
Damit stehen beide Mannschaften mit je 5 Mannschaftspunkten im europäischen Mittelfeld, und das ist ja auch schon einmal was. Von dieser Warte aus kann man noch gut Punkte aufbauen in den letzten beiden Runden, und wer weiß, wer da noch kommt - vielleicht ja sogar die Grantham Sharks!?

Was sonst noch geschah:

- Schachgesellschaft Zürich: leider eine hohe Niederlage für Lothar Vogt  und sein Team gegen Mednyi Vsadnik St.Petersburg

- unser belgischer Lieblingsverein Echiquier Amaytois mit unserem geschätzten Leser MiBu geht ein bisschen unter (0,5 - 5,5)  gegen Molodezhka - noch immer ist nicht ganz geklärt, zu welcher Föderation diese Mannschaft gehört (wir tippen heute mal auf Österreich).

- die SG Solingen ist wieder da: klarer Erfolg gegen den SK 1911 aus Norwegen. Gut gemacht!

- die DJK Aufwärts Aachen mit Weltmeister Alexander Donchenko hat sich von Magnus' Leuten gestern nur vorübergehend stoppen lassen: heute ein geschmeidiges 4,5 - 1,5 gegen die LSG Leiden (?) ("Ich wünsch' Dir Liebe ohne Leiden" - ein alter Song von Udo Jürgens)

- mein anderer belgischer Lieblingsverein Eynatten (am Brette dort Thomas Koch und GM Michael Hoffmann) rang bei Redaktionsschluss noch mit dem slowakischen Dunajska Streda (2,5 - 2,5) - wir bleiben dran.

- Caissa Italia Pentole Agnelli, die Mannschaft von Elisabeth Pähtz, hatte es heute schwer und verlor mit 1 - 3 gegen Odlar Yurdu. Es bleibt der Trost, dass Caissa Italia Pentole Agnelli ein wirklich schöner Clubname ist!

- Und hatten wir es schon gesagt: mein belgischer Lieblingsclub, die Grantham Sharks, are going strong, winning with 4,5 - 1,5 against Hillerod Skakklub aus Südskandinavien. Go, Sharks, go!

 

Und das war es schon wieder für heute - wir melden uns wieder, wenn es weitergeht. Bis dahin, und Grüße nach Berlin!

Hoch ging es her an den Brettern, doch es endete mit einem Tiefpunkt: nach einem knappen 2,5 – 3,5 gegen Nordstrand Sjakklub aus Norwegen findet sich die ECC-Mannschaft des SV Werder nun im europäischen Mittelfeld wieder.

Zu stark waren am Ende die Skandinavier, als dass Team Hansestadt an diesem Tag noch etwas hätte ausrichten können. Und doch, fast wäre es geglückt, denn in einer umkämpften Stellung ging es für Christian Richter drunter, drüber, seitlich und kopfüber (Springer weniger! Freibauer auf der Siebten!). Es bot sich kurz vor dem Ende eine überraschende Möglichkeit zum vollen Punkt und damit zum Ausgleich für Bremen. Indes, nach vielen Stunden der Anspannung am Brett und in beiderseitig hoher Zeitnot übersah Christian die unerwartete Chance und musste sein Spiel in den sicheren Remishafen steuern.

Zuvor hatte Großmeister Vlastimil Babula eine unternehmungslustig angelegte Partie druckvoll mit einem Punkt für Werder zu Ende geführt, und auch Gerlef Meins und Jan Werle ließen in ihren Begegnungen gegen gut aufgelegte Nordmänner nichts anbrennen. Nachdem zuvor aber Spartak Grigorian im Mittelspiel etwas den Faden verloren hatte und ebenso wie Martin Zumsande in einer schwerblütigen Partie die Hand zur Aufgabe reichen musste, hatten die Bremer in der Endabrechnung einen Punkt weniger als ihre Gegner – eine an diesem Tag letztlich wohl verdiente Niederlage (wenn nicht sogar Norderlage) gegen die von ihrem Mannschaftsführer Paal Nordquelle (sic!) bestens eingestellte Nordstrander. Wir sagen: Hjertelig til lykke!

Die anderen deutschen Vereine oder auch die Vereine mit deutschen Spielern waren da heute etwas erfolgreicher, und wir denken dabei zuallererst natürlich an den DJK Aufwärts Aachen! Zwar verloren sie relativ deutlich gegen das relativ starke Team von Valerenga Sjakklubb (schon wieder Norwegen - was ist denn da los beim ECC?), doch was soll man sagen? Es gab ein Remis der Stärke in diesem Kampf, und zwar von Alexander Donchenko, mit den schwarzen Steinen im Spiel gegen den Weltmeister Magnus Carlsen! Was für ein Tag - wir freuen uns mit Alexander, der mit diesem irren Ergebnis alle anderen schmerzvollen Begebenheiten dieser Runde so gut wie vergessen macht. GLÜCKWUNSCH nach Aachen - ein großartiges Kampfremis, und eine Partie für die Kolumnen! Auch auf der DJK-Webseite wird die Partie ausgiebig besprochen.

Carlsen Donchenko 12
Remis gegen den Weltmeister! (Bild: Chess24-Webseite, vielen Dank)

Mit diesem schönen Ergebnis könnte man das Turnier gerne auch schon für beendet erklären, denn besser kann es nun ja fast nicht mehr werden. Doch drei Runden stehen noch an, und bevor es morgen weitergeht, schnell ein vertraulicher Blick auf die weiteren (deutschen) Ergebnisse der heutigen Runde in Porto Carras:

- Werder - Nordstrand Sjakklub: wir haben nochmal nachgeschaut, aber leider steht es noch immer 2,5 - 3,5

- SF Berlin - leider verloren und auch hoch, gegen ein bärig aufgestelltes Équipe von Molodezhka. Wo ist das? Wir tippen auf ... Georgien, aber vielleicht wissen die LeserInnen da mehr? Den Ehrenpunkt für die Hauptstadt holte SF Rainer Polzin gegen IM Semyon Lomasov (ELO 2540).

- die SG Solingen trennt sich gegen Wood Green aus England mit einem verantwortungsvollen 3 - 3. Auch hier war für beide Mannschaften mehr drin, besonders aber wohl für Wood Green. Doch aus mehr als 2.000 km Entfernung lässt sich das immer sehr leicht sagen Ein 3- 3 macht nichts kaputt.

- Elisabeth Pähtz' Team von Caissa Italia Pentole Agnelli (klingt schön!) kam heute leider unter die Räder gegen Cercle d'Echecs de Monte-Carlo (was aber auch ganz gut klingt).

- Schachwelt-Leser Michael Buschers Echiquier Amaytois setzte sich mehr als souverän durch mit 4 -2 gegen Drejtesia (auch hier die Frage an alle LeserInnen - wo nur ist Drejtesia?)

und schließlich

- die SG Zürich gewinnt gemeinsam mit Lother Vogt gegen die Rehovot Chess School aus Israel: 3,5 - 2,5!

- Michael Hoffmann, Großmeister, hat mit seinem belgischen Team Eynatten 3,5 - 2,5 gegen Alexander Khalfimans Overtime gewonnen. Das ist doch was!

- Grantham Sharks - Blackthrone Russia 3 - 3. Beides sind im Übrigen, auch wenn die Namen das nicht ganz offenlegen, englische Vereine!

 

Damit enden wir heute und lecken - wenn wir Werderaner sind - unsere Wunden. Doch morgen geht es weiter. Frischauf, Gesellen, seid zur Hand - um 14:15 Uhr in einer Art Derby gegen die Schachfreunde Berlin!

Sonntag, 14 Oktober 2018 19:16

Die Alkaloiden, diesmal noch zu stark

Kurz war der Traum, und schon ist er wieder vorbei - mit einem höchst eindeutigen 5 - 1 Sieg kegelte das mazedonische Team von ALKALOID die Vertretung des SV Werder vom zweithöchsten Tisch des Europapokals wieder zurück in die Tiefen des Turniersaal. Für dieses Mal waren die Super-Großmeister aus China, der Ukraine und auch Russland noch zu stark, und allein Werders erfahrene Titelträger Jan Werle (Remis gegen Liren Ding!) und Vlasti Babula (Remis gegen Yangyi Yu!) vermochten die grün-weiße Fahne mit Erfolg hochzuhalten.
Die anderen vier Bremer zahlten heute etwas Lehrgeld, doch wer weiß - mit neuen Erfahrungen und gestärkt im Kontakt mit der Weltspitze gehen auch sie in die nächsten Runden des Turniers. Schauen wir mal! Und wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch griechischer Wein.



1 - 5, das ist wahrlich ein hohes Gebot und beinahe schon so, als würde die Deutsche Fußballnationalmannschaft mit 0 -3 in den Niederlanden unterliegen. Und doch hatten die sechs Alkaloiden für einige Zeit gar nicht so riesenhafte Vorteile auftürmen können. Wir zeigen in der Schachwelt-Blitzanalyse den Verlauf des Kampfes im Detail:

alkaloid werder 1

Noch sieht alles vertrauenserweckend aus bei Team Hansestadt - wenn man wie ich nur wenig bewandert ist bei positionellen Erwägungen und dem Führen der Zentrumsbauern, so helfen doch immerhin (mit einem Dank an Chess24) die weiß-schwarzen Balken links an den Bretträndern bei der Orientierung. Hier scheint alles noch gut im Lot zu sein.

Eine Stunde später hatte sich das schon ein bisschen geändert:

Werder Alkaloid 1543

Immer noch (Balken beachten!) relativ ausgeglichene Spiele - allein Spartak Grigorian aus Bremen entfaltet bereits Druck gegen Jakovenko, und man fragt sich, wer ist denn hier der Großmeister? Etwas knifflig dagegen scheint die Lage bei Andreikin - Markgraf. Vorteil für Weiß an diesem Brett, und auch wenn mich Alexander Markgraf immer schon mal souverän besiegen konnte - in Andreikin scheint er heute vielleicht seinen Meister zu finden. Alle anderen Begegnungen indes laufen offenbar auf ein Unentschieden heraus, und DAS wäre doch mal was.

Wir springen wieder etwas weiter in die Zukunft und decken schonungslos auf:

Final Screenshot from 2018 10 14 18 47 50

Da ist etwas schiefgegangen - Punkt um Punkt für die Schachfreunde aus Mazedonien, und die wackeren Werderaner blieben am Ende ohne zählbaren Erfolg an den letzten vier Brettern.

Aber hey!, das waren ja auch gestandene Profis und wahre Supergroßmeister, da kann man ja mal verlieren. Umso schöner der Verlauf bei Jan Werle und Vlastimil Babula: zwei Remisen gegen die Weltklasse, das ist aller Ehren wert. Zeit für eine Rückschau beim gemeinsamen Abendessen, und morgen werden die Figuren neu aufgebaut.

Was geschah in den anderen Spielen?

- DJK Auswärtssieg Aufwärts Aachen siegt souverän 4,5 - 1,5 gegen die formidable mazedonische Mannschaft von CC Gambit Asseco und gleicht damit die heutige Länderwertung Deutschland - Mazedonien aus (2-2).

- Die aus der Hauptstadt angereisten SF Berlin gewinnen mit gleichem Ergebnis und sehr klar gegen die Holländer von MuConsult Apeldoorn. Wir fragen uns - wofür steht das "Mu"?

- die SG Solingen trennt sich mit einem umkämpften 3 - 3 von SK Reval-Sport aus Estland.

- Echiquier Amaytois aus Belgien gewinnt das Lokalderby gegen En Passant aus den Niederlanden mit einem hübschen 4 -2. Wir grüßen hiermit unseren treuen, loyalen und liebenswerten Leser Michael Buscher, der bei Amaytois das dritte Brett stärkt!

- Und die Grantham Sharks? 4,5 - 1,5 gegen den Dublin Chess Club!

Am Montag schon geht es weiter. Schaltet alle ein um 14:15 Uhr und drückt den deutschen Ländervertretungen die Daumen! (und natürlich auch den Grantham Sharks)

 

Sonntag, 14 Oktober 2018 11:27

Europas Pokale: Knapper Sieg für Nord!

Europapokal in Griechenland, Runde zwo - Werder gegen Solingen! "We call it a Klassiker", könnte man mit den Worten von Franz Beckenbauer formulieren, denn immerhin gehören beide Vereine zu den mehr (Solingen!) oder weniger (Werder!) prägenden Vereinen der Schach-Bundesliga.
Solingen hatte in seinen großen Zeiten sogar den Europapokal geholt und konnte die internationale Konkurrenz dabei souverän hinter sich lassen. Heute steht das Team aus Klingenstadt für eine schöne Mischung aus etablierten Meistern und jungen, aufstrebenden Spunden, und nicht allein deshalb holten sie sehr zur Freude Unfreude Baden-Badens vor zwei Jahren die Deutsche Meisterschaft (hup hup!).

Ins griechische Porto Carras hatte Solingen eine Nicht-Ganz-A-Équipe entsandt und war damit ähnlich wie Werder renommiert, aber nicht mit der allerhöchsten Kategorie von Spielern am Start. Damit erschien das Match zwischen Nord und West ganz und gar offen, keine großen ELO-Vorteile an den allermeisten Brettern, und so würde wohl die gute alte Tagesform den Ausschlag geben.
Der Mann für große Tagesform im Solinger Dress war Sandipan Chanda, der gegen Vlastimil Babula in erst ausgeglichener Stellung immer mehr Tricks auspackte und schließlich mit einem elegant vorgetriebenen Freibauern die Partie entschied.

Chanda Babula

Keine Geschenke unter GM-Kollegen: mit dem strengen 29. Le3-h6, Tf8-f7 30.Sd5-f6! setzte
Sandipan Chanda hier zur Umklammerung an und ließ nicht mehr los, bis er gewonnen hatte.

Führung für Solingen, 2,5 - 1,5 nach rund vier Stunden, und der neutrale Beobachter am Bremer Bildschirm machte ein langes Gesichter - wo sollte nun noch der Ausgleich herkommen?

Gupta Richter
Milon Gupta - Christian Richter: Schwarz kann etwas drücken, doch ob das auch gewinnt?

Weder Spartak Grigorians Turmendspiel gegen FM Michael Berg noch Christian Richters Lavierstellung gegen FM Milon Gupta verhießen große Chancen für einen vollen Punkt. Und dann, doch ein voller Punkt bei Spartak, der Ausgleich in einem gar nicht so klar gewonnenen Turmendspiel! Und auch bei Christian ergaben sich Chancen, und nach einem kleinen taktischen Trick ging es auch hier ins Turmendspiel, wenn auch mit einem Mehrbauern für den Bremer. Ob das noch zu gewinnen war?

Der mitlaufende Heimcomputer entschied auf Unentschieden, doch am Brett wollte IM Richter davon nichts wissen, nutzte ELO-Vorsprung sowie seine langjährige Erfahrung und gewann im 134.Zug. Was für ein Tag - 3,5- 2,5 für den SVW in einem dramatischen (Bundesliga-) Match!

In den anderen Spielen mit deutscher Beteiligung sah man gestern:

a) DJK Aufwärts Aachen - Dunajsk Streda 2,5 - 3,5 (schade!)

b) Obiettivo Risarcimento Padova (stark!) - SF Berlin (Hauptstadt!)    5 - 1   (kann passieren, sehr starker Gegner)

c) Niederlande - Deutschland 3 - 0 in der UEFA Nations League (und klar, kann auch passieren) (hup hup!)

Heute bzw. gleich schon geht es weiter, dritte Runde, und es heißt "raus aus dem Mittelmeer und zurück ans Brett!" für alle Spieler. (Noch) Im Konzert der Großen dabei ist Werder Bremen mit 4 Mannschaftspunkten, und da trifft es sich gut, dass heute mit Alkaloid aus Mazedonien ein Schwergewicht und eines der Überteams dieses Wettbewerbs wartet: Liren Ding, Yangyi Yu, Dmitry Andreikin, Dmitry Jakovenko, Pavel Eljanov und Yuriy Kryvoruchko - und das sind nicht die Namen der Werderaner.

Freuen wir uns auf eine interessante Begegnung am zweiten Tisch, und auf die Spiele von Aufwärts Aachen (NRW) - Gambit Asseco (Mazedonia) sowie SF Berlin (Hauptstadt) - MuConsult Apeldoorn (Niederlande).

Auf nach Griechenland! Auch wenn in Bremen und umzu noch immer eine fast mediterrane Sonne scheint, so sind sieben wackere Bremen doch ins schöne Griechenland aufgebrochen, um dort den SV Werder beim Europapokal der Vereine zu vertreten. Leider ist am Mittelmeer der Himmel grau und bewölkt (siehe Foto) – wer hätte das gedacht? Doch um sich fokussiert dem Treiben auf dem Schachbrett zu widmen, ist grauer Himmel vielleicht ja umso besser, und so rauschten die Grün-Weißen am gestrigen Freitag gleich mit einem furiosen 5,5 : 0,5 gegen das dänische Team Nordkalotten (“Nordkap”) ins Turnier. Auftaktsieg!

Für Werder am Start sind die beiden gestandenen Großmeister Jan Werle und Vlastimil Babula, flankiert von einer beachtlichen Riege Internationaler Meister. Als IM-Viererkette gehen Martin Zumsande, Christian Richter, Alexander Markgraf und Mannschaftskapitän Gerlef Meins an die Bretter. Siebter im Bremer Bunde ist Local Hero Spartak Grigorian, auf- und schachlich großgewachsen in Wildeshausen nahe Bremen. Das intensive Training und die großartige Betreuung im SK Wildeshausen waren die Grundlage, mit der sich Spartak 2015 die Deutsche U18-Meisterschaft erkämpfte, ehe er zur Schachabteilung des SV Werder und in die Bundesliga wechselte.

Europapokal Foto 2018

Die glorreichen Werder-Sieben: (v.l.n.r.) Spartak Grigorian, Jan Werle, Vlastimil Babula, Alexander Markgraf, Christian Richter, Käpt'n Gerlef Meins, Martin Zumsande. Links und rechts im Bild die Trophäen für die zwei besten Teams.

 

Im Startranking ist der SVW an Platz 10 von 61 Teams. Aus Deutschland sind weiterhin DJK Aufwärts Aachen, die SG Solingen und als Vertreter des Hauptstadtschachs die SF Berlin. Da trifft es sich sozusagen gut, dass heute mit Solingen und Werder gleich zwei der Stammkräfte aus der Bundesliga aufeinandertreffen – ein harter Brocken für beide Mannschaften.

Übertragen wird alles live im Netz, bei Chessbase als auch bei Chess24, und ab 14:15 Uhr laufen die Partien natürlich auch auf der Turnier-Homepage.

Wir freuen uns auf sieben spannende Runden Schach am Ufer des Mittelmeers, in Porto Carras. Auch Magnus Carlsen ist mit am Start!

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Vorbericht von Thomas Richter beim Schachticker

Vorbericht bei chessbase

UND ein aktueller Rundenbericht von Olaf Heinzel, der mit Recht kritisch auf die Spielbedingungen vor Ort eingeht

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Und, und, und .... hier noch was für Freunde der russischen Sprache!

Montag, 27 August 2018 20:46

HH - HB: Roland Michel's coming home!

Diese Bremer! Über Jahre hielten sie im prestigeträchtigen Vergleichskampf "Hansestädter spielen Schach" gegen Hamburg den Ball ganz ganz flach, verloren mal hier, verloren mal dort, und eigentlich war es stets die andere, die größere Stadt an der Elbe, die die inoffizielle hansestädtische Mannschaftsweltmeisterschaft für sich entschied.

Hamburg rules, doch offenbar nicht für immer - denn kaum hatten Boris Bruhn, Chef des Hamburger Schachverbandes, und Oliver Höpfner, ebensolcher Chef des Bremer Komitats, in diesem Jahr erstmalig einen Pokal ausgelobt für die siegreiche Équipe, schon rissen sich die Bremer am Riemen und zack!, gewannen das große 2018er Match mit einem verwegenen und durchaus historischen 32,5 : 27,5 Erfolg in Hamburg. Auswärtssieg, Pokalsieg - was für ein Tag für das Bremer Schach!

Der prunkvolle Roland-Michel-Pokal, so heißt die nach den beiden Wahrzeichen Michel (Hambuurch) und Roland (Brrremen) sehr hübsch benannte Trophäe, wird nun für zwölf Monate einen würdevollen Platz in den Bremer Stadtmauern erhalten und Ruhm, Ehre, Ansehen und Reichtum der Hansestadt mehren.

Präs
            Boris Bruhn und Oliver Höpfner eröffnen die Spiele

HH HB 1
Ehre wem Ehre gebührt: der Roland-Michel-Pokal geht an das Bremer Team!

Selbst die Älteren unter den Bremern vermochten sich nicht daran zu erinnern, dass es in diesem noch sehr jungen Jahrtausend jemals einen Bremer Sieg gegen Hamburg gegeben hatte (außer wenn Werder Fußball gegen den HSV spielte natürlich, und da dann (leider) auch umso öfter).

Doch im Schach, und darum geht es ja in unserem kleinen Blog, da waren die Hamburger einfach immer zu stark gewesen. Andreas Calic, ein profunder Kenner des bremischen Schachs, wusste zu berichten, dass dieser norddeutsche Vergleichskampf allerdings eine sehr lange und schöne Tradition hat, und schon nach dem Krieg in den späten Vierzigern waren wohl um die 100 Bremer zu einem großen Match an die Elbe gereist.

Und vorher!, hundert Jahre und mehr ist es her, auch da schon hieß es Bremen-Hamburg, oder Hamburg-Bremen, immer wieder, ein Highlight des jährlichen Turnierkalenders im Norden. Oft besuchten sich auch weniger die Landesverbände als eher die großen Vereine der Stadt, in Gestalt der Bremer Schachgesellschaft von 1877 und ihres Hamburger Gegenparts.
So war die 2018er- Auflage in den Worten von Andreas mit einem Match an dreißig Brettern zwar nicht die größte, doch immerhin die neueste in dieser langen Reihe von freundschaftlichen Veranstaltungen. Es ist wundervoll und auch inspirierend, dass diese Tradition in 2018 eine weitere Fortsetzung fand, toll und gemeinsam organisiert vom Hamburger und Bremer Verband - und Kinners, was vergeht die Zeit doch immer schnell!

BSG Hamburger Schachheim 1924
Ein Blick zurück: 1924 empfängt die Bremer SG das Hamburger Schachheim
                                                     Foto: Schach-Archiv der Bremer Schachgesellschaft (super!)

Gegen Bremen kamama verlier'n

Dreißig wackere Bremer machten sich also am letzten August-Sonntag auf den Weg, erst fix mit der Bahn bis Hamburg Hauptbahnhof, dann mit der Unter(?)grundbahn U3 überraschenderweise über der Erde entlang der Elbe bis zum Schlump. Und dort, im Hamburger Haus des Schachsports, empfingen dreißig ausgewählte Elbstädter ihre Gegner für zwei mittellange Schachpartien mit je einer Stunde Bedenkzeit (kein Zuschlag!).

HH HB 3
Das Haus des Schachsports am Schlump  (Foto: Andreas Calic)

Hamburg war dabei vollauf mit seiner Gastgeberrolle ausgefüllt, und Boris Bruhn (siehe oben, der Hamburger Vorsitzende) war zusammen mit seinem Landesturnierleiter Hendrik Schüler vollauf beschäftigt, für die insgesamt 60 Denksportler Kaffee zu brauen, die feine Hamburger Mischung, ganz in der großen Kaffee-Tradition der Hansestadt (Tchibo! Darboven!). So fehlten Boris und Henrik allerdings am Brett, während Präses Höpfner (Bremen) mit seinen Mannen Schulter an Schulter am Brett sitzen konnte und gegen einen Schachfreund aus Fischbek zwei wichtige präsidiale Punkte angelte.

Webner
Ein vortreffliches Handgemenge bei Ole Poeck (HH) - Dennis Webner (HB). Mit sechs
Sekunden auf der Uhr setzte Dennis am Ende noch Matt!

Calic
Die Kunst der Springerführung - Andreas Calic spielte die Eröffnung wie Jörg Hickl
und holt einen wichtigen Punkt!

Während Team Hamburg sowohl an den oberen Brettern (2 starke IMs!) als auch an den unteren Brettern favorisiert schien, brachte Team Bremen an den zahlreichen mittleren Brettern die leicht höhere DWZ an den Start. Da konnte auch Fritz Fegebank, Urgestein von den SF Hamburg (und seit vielen, vielen Jahren... treues Werder-Mitglied) nichts ändern, denn im Mittelbereich sammelten die Bremer gerade am Vormittag deutlich Punkte. Und obwohl Dirk Stieglitz sich zwischenzeitlich sogar von einer HSV-Wespe angegriffen wähnte, fuhr seine Mannschaft letztlich einen klaren 17,5:12,5- Auftaktsieg ein. Fünf Punkte vor, das war schon mal ein Pfund vor dem Rückspiel am Nachmittag, und beruhigend, denn immerhin ging es ja in diesem Jahr um den Roland-Michel-Pokal!

Nach einigen recht mauen Turnierergebnissen in den langen letzten Monaten und leichter Schachunfreude noch während der Anreise startete auch ich gut in den Tag:

Steffens Serrer
Olaf Steffens - Christoph Serrer: Schwarz am Zug sicherte
mit 10. ... Sb8-a6 das Feld c7.
Was war darauf eine gute Antwort?

Es ist wahrscheinlich nur ein schöner Zufall, dass im Haus des Schachsports im Erdgeschoss eine Burger-Bar logiert - nach dem wohltuenden Ergebnis am Morgen konnten die Bremer hier gleich noch ein paar schöne (Achtung, Kalauer) Hamburger verputzen!

Im unvermeidlichen Rückkampf wurden streng die Bretter gedreht, und dieselben Gegner beharkten sich aufs Neue. Team Hansestadt Hamburg blies noch einmal energisch zur Aufholjagd, und tatsächlich wackelten einige Bremer Stellungen bedenklich im Elbwind hin und her. Doch dann, Überraschung, ein solides 15:15 auch am Nachmittag, und wenn man dann beide Ergebnisse zusammenzählte ... ein klarer Gesamtsieg für die kleinere Hansestadt!

"Nach so einer bitteren Niederlage wird traditionell der Trainer gefeuert - dummerweise hatten wir gar keinen." (Hauke Reddmann, auf der Seite des Hamburger Schachverbands)

HH HB 6
Team Wesertiger vor der Heimreise:
             wer entdeckt den Roland-Michel-Pokal?      (Foto: Andreas Calic)

Danke an die Hamburger für einen schönen Tag voller Schach - Ihr wart tolle Gastgeber. Wir Bremer freuen uns (vor allem über den Pokalsieg, aber auch) auf den Rückkampf im nächsten Jahr. Dann wird neu ausgespielt. Hummel Hummel!

Ein buntes ELO-Treiben und viel Kaffee erwartet die Besucher ab heute in den Vereinsräumen des SV Werder Bremen. Ab 14 Uhr werden die ersten Züge gespielt im Werder Bremen IM-Turnier 2018, bei dem junge Talente aus dem Nordwesten und auch von weiter weg die Figuren aufspielen lassen gegen renommierte Titelträger aus internationalen Landen - aus Schweden, Polen und der Ukraine.

Kommentiert von Werder-Coach Matthias Krallmann und ebenso von GM Sigurds Lanka entstehen dabei täglich neue spannende Konstellationen im Rennen um Preisgeld, Ruhm, Ehre, ELO-Punkte und vor allem natürlich auch eine begehrte IM-Norm.

In dem von Dr. Oliver Höpfner, dem Vorsitzenden der Werder Schachabteilung, gemeinsam mit Wolfgang Pajeken, Trainer der Bremer Schachjugend, angebahnten Wettbewerb begibt sich ein sehr interessantes Teilnehmerfeld an die Bretter. Regionale Spieler aus Bremen und drumherum sind Jari Reuker (SV Union Oldenburg und Deutscher U18 Meister (!), Spartak Grigorian (Werder Bremen und ehemaliger Deutscher U18-Meister (!), David Kardoeus (SV Werder, Bremer Vizemeister der Herren 2018), Nikolas Wachinger (SV Werder, Dritter der Deutschen U16-Meisterschaften 2018) und Sven Charmeteau (SV Werder Bremen, FIDE-Meister und erfahrenes, wenngleich junges Urgestein der Werder Zweitliga-, Europapokal- und Blitzmannschaft!)

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180521-kra/

Hier eine Übersicht über die SpielerInnen und die von ihnen genannten größten Erfolge, mit Umsicht kompiliert von Stephan Buchal für das aktuelle Werder Schachmagazin:
 
GM Miroslav Grabarczyk (POL)
Jahrgang 1971
ELO 2402
Schach-Professional
• Polnischer Vizemeister 1993 und 1995
•1. Platz in Rivoltella del Garda 2009
 
IM Björn Ahlander (SWE)
Jahrgang 1963
ELO 2435
IT-Professional
• 4. Platz im Kadetten World-Cup 1980
• Mehrere erste Plätze in schwedischen Open
•2. Platz im Malta Open 2015
 
IM Viktor Skliarov (UKR)
Jahrgang 1993
ELO 2359
Lehrer für Mathematik und Physik
• Meister von Kiew
• 3.Platz ukrainische Mannschaftsmeisterschaft
• IM-Titel!
 
WIM Filiz Osmanodja (Dresden)
Jahrgang 1996
ELO 2352
Studentin (Medizin)
• Vizeweltmeisterin 2014 U18w in Südafrika
• IM-Norm bei der Frauen-EM 2018
 
FM Oleksii Molchanov (UKR)
Jahrgang 1991
ELO 2350
Schach-Trainer
• Meister Region Zaporizhzhya (2014 und 2017)
• Meister Region Odessa (rapid 2011)
• 3. Platz ukrainische Mannschafts-Meisterschaft (2015)
 
FM Sven Charmeteau (FRA, Werder)
Jahrgang 1991
ELO 2287
Student (Maschinenbau)
• Teilnehmer Jugend-WM U14 2005
• 5. Platz franz. Jugendm. U16 2006
• 1. Platz Open de Gonfreville 2013
 
Jari Reuker (Oldenburg)
Jahrgang 2001
ELO 2389
Schüler
• 1. Platz Bremer Silvester Open (2017)
• 1. Platz DJEM U18 (2018)
 
Spartak Grigorian (Werder)
Jahrgang 1998
ELO 2359
Student (Logistik)
• 1. Platz DJEM U18
• 2. Platz DJEM U16
• IM-Norm beim ECC 2016 in Novi Sad
 
David Kardoeus (Werder)
Jahrgang 1997
ELO 2226
Auszubildender (Mechatronik)
• Bremer Vizemeister 2015 und 2018
• Sieg im Qualifikationsturnier Ramada-Cup A-Gruppe
• Nord-West-Cup 2018 (Platz 13)
 
Nikolas Wachinger (Werder)
Jahrgang 2003
ELO 2292
Schüler
• 6. Platz "Young Champions" Uppsala
• Bremer Jugendmeister 2018
• 3. Platz DJEM U16 (2018

 

Mehr Informationen zum Teilnehmern, Paarungen und Spielzeiten auf der Turnierseite:

https://www.werder.de/schach/turniere/werder-im-turnier/2018/

Alle Spiele werden live ins Netz übertragen und rauben damit leider der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland einige Zuschauer. Doch das sei in Kauf genommen - Schach ist ja der Brudersport des Fußballs, und somit soll das wohl in Ordnung sein. Hier geht es zu den Live-Partien:

http://view.livechesscloud.com/5389b71c-a89c-4c94-b54f-c0464d1a37bc

Und damit gleich zur Partie Molchanov (Ukraine) - Grigorian (HB) aus Runde eins:

Molchanov Grigorian

Foto: DGT Liveübertragung

Schwarz hat bereits ausgeglichen und drängt nun die weiße Dame zurück nach d2.

a) Mit welchen interessanten Idee würzte Spartak Grigorian den weiteren Spielverlauf? (Tipp: wiir sagen "Lasker-Bauer"!)

b) Und: gewinnt Schwarz mit diesem Motiv, oder hat Weiß danach Vorteil?

c) Und warum endete es dann am Ende doch Remis?

Die Lösung zu diesen und weiteren die Welt betreffenden Fragen findet sich hier.

Spartak

                                       Spartak mit inspiriertem Start in das Turnier

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Als weiteres Highlight der Bremer Schachwoche hat die Bremer Schachjugend einen Wettkampf "Meister gegen Talente" ausgerufen und dafür sowohl einige der allerstärksten Jungspieler der Hansestadt als auch fünf renommierte, etablierte und versierte Spieler aus Bremer Ligen als Gegner gefunden. Sie alle werden sich in einem Scheveninger System- Turnier mit den fünf Vertretern der jeweils anderen Gruppe behaken - schauen wir, wer am Ende die Nase (oder den Freibauern, oder den König) vorne hat!

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180616-kra/

Zu allen Veranstaltungen, Spielen, Kommentierungen sind ZuschauerInnen wie immer herzlich willkommen. Bis bald, in der Hemelinger Straße 17 im Werder Vereinsheim!

Wir könnten heute schon wieder über Vieles berichten. GM Jörg Hickl wäre doch eigentlich mal ein sehr würdiges Thema, oder warum manche Norweger so stark Schach spielen, wir selber aber nicht.

Auch das Ende der Deutschen Amateurmeisterschaft, wie wir sie kennen, wäre vielleicht mal einen kleinen Besinnungsaufsatz wert - den Insidern bzw. den Älteren so wie mir ist der Wettbewerb ja noch bekannt als Ramada Cup, der sich über Jahre und Jahre als überaus wuchtige Turnierform im ganzen Bundesgebiet und rund um Hannover etablierte, nun aber getrennt von Chef-Organisator Dr. Dirk Jordan überraschend und plötzlich eigene Wege gehen wird.

Wir wissen nichts ganz Konkretes, hörten jedoch, dass der Schachbund unseres Vertrauens mit diesem oder jenem größeren Detail im Ablauf nicht mehr so ganz glücklich war. Daher danken wir zunächst für sehr viele schöne Jahre am Ramada-Schachbrett, und hoffen, dass sich alles wie immer zum Guten wenden wird - turniertechnisch und hinter den Kulissen.

Ja, darüber und über noch viel mehr könnten wir schreiben, doch a) ist das Wetter fast viel zu gut dafür, und natürlich b) wer soll das alles denn lesen? Darum gehen wir mit der Zeit und verknüpfen einfach mit einem schicken Video, verbunden mit dem Hinweis: Hey Leute, geht in diesen Film!

 

Empfohlen sei daher heute "In den Gängen", eine originale Geschichte aus dem Handel - Waren müssen eingeräumt werden, Nachtschichten gefahren, Gabelstapler bewegt. Hier sind noch Menschen in Bewegung, und nicht nur, dass sie zusammen arbeiten, auch sieht man, wie die Arbeit ihnen - wie auch uns anderen - Halt gibt im Alltag, im Leben, und die lieben KollegInnen zwar nicht Familie werden, aber doch ziemlich nahe ranrücken.

Und was soll man sagen - auch gespielt wird in den Gängen, Schach!, das königliche Spiel der Reihen und Linien, denn so viel Zeit muss ja sein auf Nachtschicht. Recht so!

Falls also heute kein Schach auf dem Plan steht und eigentlich auch sonst nichts anliegt - auf ins Kino, Leute, in einen sehr, sehr hübschen Film! Und Details über GM Jörg Hickl berichten wir dann ein andern Mal.

Diese Döschers - Arne Döscher und Thorsten Döscher, beide sind sehr langjährige und prägende Mitglieder im SK Bremen-Nord, und nun auch beim Deutschen Pokalfinale in Leipzig!

Einer der beiden, Arne (Döscher), hatte bereits vor einigen Jahren das Viertelfinale dieses schönen Turniers erreicht und war dann am Badener Hartmut Metz gescheitert. Aber immerhin, der Sprung unter die letzten Acht im Dähnepokal auf Bundesebene, das war mal was!
Und so ließ sich nun auch der andere Döscher - Thorsten seines Zeichens - nicht lange bitten.Erst gewann er in einer fulminant angelegten Finalpartie auf Bremer Ebene gegen (leider) den Berichterstatter - und dies, obwohl es (gleichfalls leider!) ja in Bremen gar keinen schmucken Wanderpokal mehr zu gewinnen gibt, was ein durchaus Trübsinn bereitender Umstand ist.

Aber Thorsten wäre nicht Thorsten und schon gar nicht ein Döscher, hätte er davon unbeeindruckt nicht trotzdem den Pokalsieg unserer kleinen Hansestadt konsequent eingetütet, um alsdann wie sein Bruder mit wehenden Fahnen zum aktuell in Leipzig stattfindenden Bundesfinale reisen.
Und wehende Fahnen waren es in der Tat, Bremer Fahnen, Speckflaggen!, denn mit Bravour gewann Thorsten heute erst die frühmorgendliche Partie gegen den favorisierten Leipziger Manuel Pietzsch, nur um dann am Nachmittag mit den schwarzen Steinen gegen Wilfried Woll aus Greifswald souverän zum nächsten Punkt zu kommen. Chapeau! 
(Der Berichterstatter mühte sich derweil in der parallel stattfindenden Endrunde der Deutschen Amateurmeisterschaft, kam aber bei bisher zwei knappen Remisen bei weitem nicht mit so viel Elan aus den Startlöchern des Wettbewerbs wie sein hanseatischer Kollege aus Bremen-Nord.)

Damit hat Thorsten nun in der innerfamiliären Döscher-Wertung gleichgezogen und ebenso wie Arne das alldeutsche Viertelfinale erreicht. Morgen setzt er sich ans Brett gegen Markus Müller vom SC Niedermohr- Hütschenhausen - so schöne Vereinsnamen haben wir in Bremen zwar nicht unbedingt, gleichwohl drücken wir kräftig die Daumen und wünschen Thorsten einen weiteren starken Pokalfight in Leipzig. Morgen um zehne geht es los - mit Liveübertragung, wenn alles gutgeht:

Live-Bretter des Deutschen Pokalfinales

Und sonst so? Musik!

Donnerstag, 24 Mai 2018 09:10

Meister gegen Meister

Solingen ist heute nicht zu Hause. Am kommenden Samstag, da trifft sich das bundesdeutsche Blitzschach im schönen Bergischen Land und spielt den Mannschaftsmeister aus, doch vorher reisen die - Klingenstädter nochmal über Land und treffen sich heute in Baden-Baden mit Baden-Baden 1, dem anderen Schwergewicht der Schach-Bundesliga. Angesetzt für heute! ist der große, finale und alles entscheidende Stichkampf um die Deutsche Meisterschaft, nachdem beide Mannschaften punktgleich über die Ziellinie der Liga gekommen waren, deutlich und noch vor Werder Bremen. Den regulären Kampf unter der Saison hatte Solingen für sich entschieden, am Ende aber lag Baden-Baden nach Brettpunkten vorne - so gesehen ist ein Stichkampf die salomonischste Lösung. Heute also - live im Netz und an den Brettern, das Spiel um Platz Eins!

Überschattet und mehr als überlagert wird diese Begegnung vom plötzlichen Tod von Herbert Scheidt, dem Solinger Mannschaftsführer, prägendes Urgestein, Team-Captain, Seele und Organisator der ersten Liga in Solingen und schon seit ewigen Zeiten dabei. Er verstarb am vergangenen Sonntag mit 73 Jahren an den Folgen eines schweren gesundheitlichen Zwischenfalls, und wenn man heute in Baden-Baden ist, wird er einem schon jetzt fehlen, Herbert Scheidt, in seiner humorvollen, leicht knorrigen Art, voller Geschichten (Spassky! Europapokal! Liga-Anekdoten!) und mit immer in der Nähe seiner Solinger Jungens, die so wie er früher nun für die Stadt an den Brettern sitzen. Schade ist es, Herbert ist nicht mehr da, oder - er ist nun anderswo, und wir wünschen ihm auch dort von Herzen alles Gute.

Mehr zu Herbert Scheidt und seinem großen Engagemen im Schach schreibt André Schulz bei Chessbase - hier ist der Link:

https://de.chessbase.com/post/zum-tod-von-herbert-scheidt

Heute also Stichkampf - und mehr dazu bei der Schachbundesliga direkt:

https://www.schachbundesliga.de/bundesliga/stichkampf-um-die-deutsche-meisterschaft-am-24-mai

Wir drücken die Daumen, möge der Bessere gewinnen!