Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens, Diplom-Handelslehrer, unterrichtet an einer Bremer Berufsschule. FIDE-Meister seit 1997, ELO um die 2200, aufgewachsen in Schleswig-Holstein. Spielte für den Schleswiger Schachverein von 1919 (moinmoin!), den MTV Leck (hoch an der dänischen Grenze!), den Lübecker Schachverein, die Bremer Schachgesellschaft und nun für Werder Bremen.

Seit 2012 Manager des Schachbundesliga-Teams des SV Werder Bremen.

Größte Erfolge:
Landesmeister von Schleswig-Holstein 1994, Erster Deutscher Amateur-Meister 2002, 5.Platz beim letztenTravemünder Open 2013, und Sieger des Bremer Hans-Wild-Turniers 2018.

Größte Misserfolge:
Werd´ ich hier lieber nicht sagen!

Größte Leidenschaften:
früh in der Partie irgendetwas mit Randbauern und/ oder g-Bauern auszuprobieren und die Partie trotzdem nicht zu verlieren – klappt aber nicht immer.

Donnerstag, 09 Juli 2020 18:57

DSOL: Chatten bis die SysOps kommen

Hach, die DSOL - ein schönes Experiment! Der Schachbund unsere Vertrauens hat alle Vereine aufgerufen, sich wenn schon nicht an den Tischen und Stühlen des Vereinsheims, so doch immerhin am Computer am heimischen Schreibtisch zu Online-Mannschaftskämpfen zu versammeln. In flugs aus dem Erdboden gestampften acht Ligen und 32 Staffeln (oder so) empfangen jetzt Clubs aus Nord, Süd, Ost und West bissige Gegnerteams aus Ost, West, Süd und Nord, für ein Match an vier Brettern im erweiterten Schnellschachmodus (45 Minuten + 15 Sekunden pro Zug).
DSOL, Deutsche Schach-Online-Liga heißt das imposante Konstrukt, geboren aus den Nöten der Corona-Monate, in denen niemand so richtig Schach spielen konnte - oder zumindest keine regulären Mannschaftskämpfe, die wir doch so mögen! Verlorene Seelen finden wieder ein Zuhause - wir sagen: eine schöne, eine sehr sehr schöne Idee! So lässt es sich aushalten, bis die Ligen dann wieder "in echt" weitergehen können.

Kompliment an alle Funktionäre, die diesen Spielbetrieb auf die Schnelle in allen Details möglich gemacht haben - stellvertretend sei hier nur Bundesturnierdirektor Gregor Johann erwähnt. Auch Chessbase ist mit am Start und öffnet seine Hallen und seinen intensiven Support für die virtuellen Begegnungen. Das Spielen indes ging nicht immer reibungslos vonstatten in der ersten Ligarunde vor zwei Wochen - doch macht ja nix, und nach einer Woche Pause für Chessbase- Instandsetzungsarbeiten geht der Online-Spielbetrieb nun in dieser Woche vollumfänglich weiter. 

Werder Bremen ist mit vier Teams im Rennen, zwei davon in der Liga 1, zwei weitere etwas weiter unten - die Jugend drängt ins Online-Schach! Werderzwo, mein Team, spielte vor zwei Wochen gegen den? die? TuRa Harksheide aus Schleswig-Holstein. Und verlor - zu Recht, zu Recht, die Harksheider waren einfach vortrefflich, nicht allein schon aufgrund des bärenstarken Daniel Kopylov am ersten Brett! Damit hat Werder die ersten zwei Punkte bundeslandübergreifend nach nördlich der Elbe exportiert - das ist ja auch ganz ok. Glückwunsch an die?/ den? TuRa!

Vor dem großen Spiel, das um 19:30 Uhr anfangen sollte, aber wegen kleinerer technischer Kalamitäten dann doch erst einige Zeit später begann, entspann sich ein Chat unter Werderanern und den gastgebenden Harksheidern, ehe das Eintreffen der Systemoperatoren (SysOps) von Chessbase schließlich den Spielbeginn ermöglichte.

Wir geben das Gesprächsprotokoll zu Dokumentationszwecken hier einmal wieder, damit nachfolgende Generationen sich ein Bild machen können - wozu auch immer, wovon auch immer, und um zu zeigen, wie das damals alles war, beim Schach nach dem ersten Corona-Lockdown 2020.

Die Werderaner in diesem kleinen Bühnenstück sind Bergsteiger, Madeye, DoctorOlivar, Karl Puccino und als Captain SV Werder Bremen II.
Harksheide wird im Prä-Partiebeginn-Chat vertreten von Enno Striebeck, Alex_Bodnar und Not Taron, ergänzt um ihren Kapitän TuRa Harksheide II.

Und nun - Bühne frei!

DSOL1
         Quelle: Chessbase

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Version Play 11.7

Hello, Karl Puccino

Last Login: 01.06.2020

3556 users, 19:18 (UTC+2h)

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SV Werder Bremen II : einloggen und dann melden

Karl Puccino: moinmoin

SV Werder Bremen II : moin Karl

Karl Puccino: alles rund?

SV Werder Bremen II : ein werderaner fehlt noch, ansonsten alle supi

DoctorOlivar : ich muss jetzt nichts mehr machen, oder?

DoctorOlivar : kadde baut noch seinen schrank auf. der kommt gleich

SV Werder Bremen II : Docotr, richtig, warten :-)

Karl Puccino: doc olivar, du musst nur noch gewinnen :-)

SV Werder Bremen II : Taron, geklappt? Der Heimverein startet, dann fangen die Partien automatisch an

Karl Puccino: man kann unten rechts auch video aktivieren, ganz lustig

Karl Puccino: wie können wir die andeeren partien sehen?

SV Werder Bremen II : wenn wir AN ALLE schreiben, dann ist das erlaubt

Karl Puccino: nur zur info, ich bin aktuell im browser und versuche es dort, falls es nichts wird, starte ich den cb client. Ok?

SV Werder Bremen II : Taron, dann kann es ja gleich losgehen :-)

SV Werder Bremen II : Genau Karl, soch machen wir es

Karl Puccino: spitze!

Madeye : Kadde fehlt noch !?

Bergsteiger : Kadde ist da.

DoctorOlivar : lol. du alter bergsteiger

Karl Puccino: hey kadde!

Bergsteiger : wird automatisch gepaart? muss ich was machen?

SV Werder Bremen II : Das Heimteam startet in Kürze

Madeye : es geht automatisch los!

Karl Puccino: einmal zusammen den Werder schlachtruf zusammen!

Karl Puccino: Hipp hipp ...

Madeye : Hurra!

Bergsteiger:hurra!

Karl Puccino: Hurra!

DoctorOlivar : eisern union! <3

SV Werder Bremen II : Werder wünsche ich viel Erfolg, Harksheide viel Spaß ;-)

Bergsteiger: :-D

Karl Puccino: uuuh

Karl Puccino: SV Werder Bremen II - gut gesagt!

Enno Striebeck : GL an alle

ligabetrieb
   Mannschaftskampf am Sonntagmorgen ... so war das früher mal

Alex_bodnar : Hallo zusammen

Madeye : Hallo Harksheide!

Karl Puccino: Moinmoin Harksheide!

SV Werder Bremen II : und jetzt Turnierruhe ;-)

Karl Puccino: haha :-)

Alex_bodnar : Ich hab keinen Gegner

Enno Striebeck : ich auch nicht

Alex_bodnar : und keine Figuren!!!!!!!!!!!!

Karl Puccino: ich auch noch nicht,

Karl Puccino: wird sicher gleich was passieren

Madeye : muss wohl noch gestartet werden ;-)

SV Werder Bremen II : Taron, schon gestartet?

Karl Puccino: spielt die 1. auch?

SV Werder Bremen II : Karl, Team 1 und 3 spielen parellel

Karl Puccino: alles klar, danke!

Karl Puccino: dürfen wir während der runde auch chatten?

SV Werder Bremen II : ja, aber immer AN ALLE

Enno Striebeck : ok

Not Taron : Los

Karl Puccino: ok :-)

DoctorOlivar : jungs, bei mir passiert nichts

Bergsteiger : bitte gendern!

Karl Puccino: gendern? wir sind doch hier beim Schach!

SV Werder Bremen II : Wenn Taron sagt ist gestartet und nix passiert, dann frag ich mal im parellen ZOOM chat mit dem Orga Team

Karl Puccino: ist biertrinken erlaubt in der dsol?

Bergsteiger : ja, aber musst die Marke abdecken!

atmo
   Analoger Gegenentwurf zum Online-Schach

DoctorOlivar : ich dachte man hat mehr als 3 min ???

DoctorOlivar : lol, spielt ihr alle schon?

Bergsteiger : nein, nur du bisher

Madeye : Ich warte .... nix passiert

Waiting for playchess.com

Version Play 11.7

Bergsteiger : nein Doctor, das muss schon richtig sein hier

Karl Puccino: harksheide verliert auf zeit

SV Werder Bremen II : Taron, gestartet??

Not Taron : ich hab da startschwierigkeiten

Not Taron : eigentlich müsste es schon längst gehen

Karl Puccino: kein problem, ist für uns alle ja ganz neu

Bergsteiger : genau!

Bergsteiger : in der Ruhe liegt die Würze.

Karl Puccino: frag' einfach nochmal beim Admin, wir warten einfach

Not Taron : es wurde gesagt man sollte auf chat und da das los geben

SV Werder Bremen II : Taron, kannst du in den parallen ZOOM Chat gehen? Da wird dir geholfen, die sehen das auch schon

Madeye : jetzt kommen schon viele Sysops!!

Karl Puccino: was sind sysops? Krieg der Sterne und so?

Madeye : Androide?

Bergsteiger : Hugo Schulz for President!

Karl Puccino: freundliche oder feindliche?

Madeye : sehr freundlich!

Bergsteiger : und Gaby natürlich auch!

Karl Puccino: jetzt kann nichts mehr schiefgehen!

SV Werder Bremen II : Taron, oben auf Datei neu, MK Starten, ein paar mal OK.. dann unten auf starten

SV Werder Bremen II : Besser in den ZOOM chat

Karl Puccino: verdammt, mein bier ist schon gleich leer

Karl Puccino: marke sage ich natürlich nicht

DoctorOlivar : habt ihr alle eine zoom konferenz?

Karl Puccino: ich nicht

Madeye : macht 0,05%

SV Werder Bremen II : Doctor, dass ist ein ZOOM Chat vom Orga Team

Enno Striebeck : hat schon jemand einen Gegner?

Bergsteiger : nope

Karl Puccino: wir sind uns selbst die allergrößen Gegner (Nietzsche)

DoctorOlivar : j'adoube

Madeye : wir quasseln noch alle!

DoctorOlivar : ich dachte da kann ich zeuge eurer saufgelagen werden

Karl Puccino: be our guest

Karl Puccino: im moment aber nur alkoholfreies Wasser

Enno Striebeck : ok... Und mal ne Frage, ist es ein Anzeigefehler, dass einer von euch vor der Küste in Afrika ist? :)

Karl Puccino: hi enno, das kann man angeben, muss aber nicht stimmen

Bergsteiger : da steht mein Arbeitslaptop, auf den ich von zuhause zugreife

Karl Puccino: :-)

Enno Striebeck : ok :)

Madeye : und Deine Engine steht am Kap der guten Hoffnung?

Karl Puccino: viel lustiger hier als bei vielen Mannschaftskämpfen :-)

Enno Striebeck : @madeye meine? :-)

SV Werder Bremen II : Bremen 3 führt 1-0 :-)

Bergsteiger : nein, meine Enno :-)

Enno Striebeck : ok :)

Bergsteiger : mir wäre lieber wenn bremen 1 führt

SV Werder Bremen II : Taron??

Madeye : gegen Köln??

SV Werder Bremen II : Okay Taron, die SysOps starten, ok?

Bergsteiger : einfach starten bitte :-)

TuRa Harksheide II : Frank Jäger, ich übernehme die Turnierleitung.

TuRa Harksheide II : Ich starte jetzt und wünsche viel Erfolg!

TuRa Harksheide II : Started games

TuRa Harksheide II:Board 2: alex_bodnar - Karl Puccino

Und auf ging es in einen intensiven Kampf, den TuRa Harksheide deutlich und verdient mit 3,5 - 0,5 für sich entschied. 

Spielbericht zur ersten Runde (SVW)  von Udo Hasenberg

Turnierseite DSOL

 

Es wird Zeit, Stellung zu beziehen, gerade an diesem Abend. Bundesliga-Relegation, Nord gegen Süd, Werder gegen Heidenheim, und ja, es wird schwer für beide Mannschaften!

Heidenheim hat sich gut verkauft, in Bremen ein schönes Nullnull geholt im ersten Spiel, und heute abend lauern die Jung von der Alb auf ein wackelndes, verunsichertes, im Zweifel zweifelndes Werder-Team mit dem Rücken zur Wand .... oder?

Nein, mitnichten! Denn Bremen haut heute alles raus, hält sich die Heidenheimer vom Hals und sichert sich hübsch und vielleicht sogar stilvoll den Startplatz in der kommenden Bundesliga-Saison. Hurra!

Aber, liebe LeserInnen aus nah und fern, Bremen und umzu, damit auch wirklich, wirk-lich nix schiefgeht heute abend - drückt alle fest die Daumen!

Wir freuen uns natürlich, wenn Heidenheim aufsteigen sollte - aber bitte erst in einem Jahr! (und am besten dann zusammen mit dem HSV)

 Werder HSV UEFA
Those were the days ...


 

Mittwoch, 10 Juni 2020 09:14

Schuh schaut Schach: Keep It Simple 1.e4

von IM Dirk Schuh

Was macht ein gutes Eröffnungsrepertoire aus? Es sollte sich in seinen Eröffnungsvarianten dem Spielstil und der Spielstärke des jeweiligen Schachspielers unterordnen. Das klingt erst einmal sehr einfach, aber erstens wissen viele Spieler gar nicht, welchen Stil sie beherrschen und zweitens gibt es Unmengen an verschiedenen Eröffnungen, die man spielen könnte, unter denen man erstmal eine Auswahl treffen muss. Ich habe darum bisher nicht wenige Schüler gehabt, die zum Beispiel ursprünglich im Londoner System verkümmerten, obwohl sie taktisch stark waren.

Ein falsches Eröffnungsrepertoire kann die ganze Entwicklung eines Spielers hemmen oder zerstören, darum sollte man gerade als junger Mensch am besten erfahrene Schachtrainer fragen, ehe man eines aufbaut. Gleichzeitig sollte man aber auch schauen, welche Variantenzahl man sich denn merken kann. Es gibt Eröffnungen, in denen man sehr häufig in bestimmte Strukturen einlenkt und in diesen darum auch sehr schnell Verständnis aufbauen kann. Der Vorbereitungsfaktor ist hier geringer und man kann sich in seinem Schachtraining mehr auf spielerische Details konzentrieren.

Es gibt aber auch Eröffnungen, die sehr viel gehaltvoller sind und in denen man eine enorme Bandbreite an verschiedenen Strukturen beherrschen muss, um nicht unterzugehen. Dies ist für schwächere Spieler nur schwer zu händeln und man muss sowohl ein gutes Gedächtnis als auch viel Zeit und Geduld mitbringen, um sich diese Eröffnungen anzueignen.

adams
Wo ist das beste Feld für den Springer? (Foto: OSt)

Ich bevorzuge als Spieler und Trainer stets erstere Eröffnungen. Meine Schüler haben normalerweise alle unter 2000 DWZ und sollen nicht nur andauernd Varianten auswendig lernen. Ich selbst habe zwar ein ganz gutes Gedächtnis, aber mag konkrete Eröffnungsvarianten, wo derjenige gewinnt, der sich besser auskennt, einfach nicht. Am Schachbrett möchte ich spielen und mich nicht nur erinnern. Darum war ich auch sehr auf das neue Buch des Internationalen Meisters Christof Sielecki gespannt.

In "Keep It Simple 1.e4- A Solid and Straightforward Chess Opening Repertoire for White" aus dem Hause New in Chess soll der Leser ein vollständiges Eröffnungsrepertoire nach 1.e4 erhalten, das einerseits solide ist, aber auch keine konkreten Varianten beinhalten soll, die man auswendig lernen muss. Stattdessen soll der Leser jederzeit gute Züge finden, auch wenn er die Theorie einmal vergessen hat. Die Zielgruppe wird mit einer Elo ab 1500 und nach oben hin offen klar definiert.
Mit dem Wort "simple" hat er mich natürlich sofort begeistert. Ich dachte dabei erst an Sam Collins`"A Simple Chess Opening Repertoire for White", in dem auf nur 160 Seiten ebenfalls ein Eröffnungsrepertoire nach 1.e4 vorgestellt wurde. Die geringe Seitenzahl schaffte der Autor damals, indem er gegen die Haupterwiderungen 1. ...c5, 1. ...e6, 1. ...c6 und mit Abstrichen auch 1. ...e5 stets die gleiche Bauernstruktur im Zentrum, den Damenisolani, anstrebte. Der Leser konnte so schnell zum Experten werden.
Mir gefiel das damals sehr gut, auch wenn das Buch schon eine höhere Spielstärke der Leser voraussetzte. Ganz so simpel ist das Sieleckirepertoire allerdings nicht. Statt einer Hauptstruktur im Zentrum, durch die man relativ schnell weiß, wohin man seine Figuren entwickeln kann, gibt es in diesem Buch sehr viele zu bestaunen.

So gibt es zum Beispiel nach 1.e4 e5 das Schottische Vierspringerspiel und damit eine offene Zentrumsstruktur mit dem e4 gegen den d6 oder gar ohne weiße Zentrumsbauern gegen einen schwarzen d5, gegen Sizilianisch gibt es Lb5-Aufbauten mit spanischen Zentrumsstrukturen und dem Vollzentrum e4 und d4, Igelstrukturen mit e4 und c4 gegen e6 und d6, gegen e6-Sizilianer kann Weiß auch mal den Damenisolani anstreben oder gegen einen schwarzen Damenisolani spielen, während Weiß gegen die Französische Verteidigung einfach auf d5 tauscht und dann ein statisches Zentrum mit dem d4 gegen den d5 erhält, um nur einmal die Stellungen zu nennen, die nach den häufigsten Verteidigungen vorkommen. Das stellt einen unfassbaren Aufwand dar.
Ich hätte das aber ganz gut verstanden, wenn der Autor jede Möglichkeit wahrgenommen hätte, sein Repertoire halbwegs eng zu lassen und im Hinblick auf das Oberthema "Keep It Simple" keine andere Wahl gehabt hätte. Es sollen halt einfache Stellungen angestrebt werden, in denen Weiß kaum verlieren kann und Schwarz immer etwas gequält wird.
Allerdings hätte er sich da zum Beispiel sein Russischkapitel halbwegs sparen können. Nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sf6 3.Sxe5 d6 4.Sf3 Sxe4 5.d3 Sf6 6.d4 spielen die meisten Russischspieler d5 und nach 7.Ld3 sind wir in der Französischabtauschvariante. Man hätte dann nur noch kurz zeigen müssen, was Weiß macht, wenn Schwarz nun nicht d5 spielt, aber das wäre vom Aufwand her vertretbar gewesen. Der Autor nennt diese Möglichkeit auch, aber ohne Weiß einen Plan nach dem Auslassen von d5 an die Hand zu geben. Seine Wahl ist stattdessen nach den obigen Zügen 3.Sc3, wonach Sc6 wieder in das Schottische Vierspringerspiel einmündet, aber nach 3. ...Lb4 4.Sxe5 0-0 5.Le2 Te8 6.Sd3 Lxc3 7.dxc3 Sxe4 haben wir wieder eine neue Zentrumsstruktur zu meistern.
Bundesliga Markus Ragger gegen Luke McShane
Grenzenlose Schachspielerfreiheit: Vor dem ersten Zug ist alles möglich!     (Foto: OSt)


Da ich 3.Sc3 häufig gegen die Russische Verteidigung spiele, kann ich sagen, dass Lb4 nicht so selten vorkommt und lästig ist. Ok, der Autor meint, dass Leute ab 1500 Elo ein unglaublich gutes Gedächtnis haben und fordert sie. Das kommt mir zwar komisch vor, aber im Hinblick auf ein in sich stimmiges Repertoire hätte ich das in Kauf genommen. Es kommt aber leider noch schlimmer. Gegen die Caro-Kann-Verteidigung hätte ich nach der Französischabtauschvariante eigentlich 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.Ld3 erwartet. Das System ist derzeit ähnlich populär und bietet einfache Stellungen, in denen Weiß meist etwas aktiver steht. Stattdessen wird in dem Buch allerdings 2.Sc3 d5 3.Sf3 empfohlen. Das Zweispringersystem habe ich selbst jahrelang gespielt, aber nicht im Turnierschach. Der Grund dafür ist 3. ...Lg4 4.h3 Lh5, wonach Weiß mit 5.exd5 cxd5 6.Lb5 Sc6 7.g4 Lg6 8.Se5 Tc8 9.d4 e6 10.De2 Lb4 11.h4 Sge7 12.h5 Le4 13.f3 eine Figur gewinnen kann, aber nach 0-0 14.Sxc6 Sxc6 15.Le3 Df6 16.fxe4 Sxd4 17.Lxd4 Dxd4 18.Td1 Lxc3 19.bxc3 Dxc3 20.Kf1 dxe4 21.Dxe4 kann Schwarz sowohl Dxc2 als auch f5 spielen und Weiß muss weiterhin sehr konkret spielen, um nicht Probleme zu bekommen.

Ich wundere mich, dass der Autor hier seine Grundsätze für das Repertoire ganz vergessen hat, denn erstens muss man diese Variante einfach auswendig lernen, was auch das mehrfache im Text auftauchende "forced" belegt, zweitens erwähnt er f5 gar nicht, obwohl der Zug genauso oft wie Dxc2 gespielt wird und drittens möchte ich den Spieler mit einer Elo von 1500, dem ich mal eine DWZ zwischen 1300 und 1400 zuordne, sehen, der das entstehende Endspiel ohne weitere Schulung gewinnt oder auch nicht verliert. Hier hätte ich zumindest eine Modellpartie erwartet, die dem armen Tropf noch ein wenig weiterhilft. Stattdessen erwähnt der Autor nur, dass diese Variante häufiger vorkommt als man denkt und dass man das Ganze auswendiglernen sollte. Aber ich dachte eigentlich, sowas soll in dem Repertoire vermieden werden.

Ich möchte dazu noch ein weiteres Beispiel nennen, um zu zeigen, dass das Repertoire leider nicht wirklich stimmig ist. Die Skandinavische Verteidigung ist für viele e4-Spieler ein kleines Problem, weil die Stellungen schnell mal austrocknen können. Der Autor bietet hier ein hartes System nach 1.e4 d5 2.exd5 Dxd5 3.Sc3 Da5 4.d4 Sf6 5.Sf3 c6 6.Lc4 Lf5 7.Se5 e6 8.g4 Lg6 9.h4 Sbd7 10.Sxd7 Sxd7 11.h5 Le4 möchte er, dass sein Leser mit 12.0-0 in die Königsflügelruine rochiert. Nach Ld5 13.Sxd5 cxd5 14.Ld3 Ld6 15.Ld2 gibt er jetzt nur Dc7 16.Df3 an, ohne weiteren Plan für Weiß und schreibt nur, dass man sich schon keine Sorgen um den ab jetzt für den Rest der Partie geschwächten König machen muss.
Die Leute, die nach 15. ...Dd8 auch den Buchzug 16.Df3 spielen und nach Dh4 17.Dg2 Sf6 18.f3 g6 nicht mehr das Gleichgewicht halten können, tun mir jetzt schon ein wenig leid. Der Autor liefert diesmal sogar eine Modellpartie von niemand geringerem als Viswanathan Anand, der aber 12.Th3 spielt.

Luke Fridman1
Das Gute an Endspielen ist, dass alle Eröffnungssorgen überstanden sind (McShane - Fridman, Bundesliga 2013)

Aber es gibt auch tolle Varianten in dem Buch. Für mich ist die Darstellung des Schottischen Vierspringerspiels beispielsweise top. Weiß hat klare Pläne und Felder für seine Figuren und die Verlustgefahr ist relativ gering. Ich spiele dieses System seit über 25 Jahren und hatte nie sonderlich Probleme damit. Zwar gewinnt man ab einer Spielstärke von 2200 nicht mehr allzu viele Partien damit, aber das sollte für die meisten Spieler hoffentlich nicht zu schlimm sein.

Der Autor analysiert dabei in der Hauptvariante nach 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Sc3 Sf6 4.d4 exd4 5.Sxd4 Lb4 6.Sxc6 bxc6 7.Ld3 d5 8.exd5 0-0 9.0-0 cxd5 den modernen Zug 10.h3. Dieser ist noch gar nicht allzu alt und fand enorme Beachtung, nachdem Wladimir Kramnik ihn 2012 gegen Levon Aronian gespielt hatte. Weiß lässt meist Df3 und Lf4 folgen, hat aber immer noch Lg5 in Reserve, sodass Schwarz noch nicht genau weiß, was Weiß im Schilde führt. Später wird die schwarze Bauerninsel d5, c6 oder c7 meist mit c4 angerempelt und Schwarz hat mit der schlechteren Bauernstruktur im Endspiel zu kämpfen.
Die Empfehlungen von Christof Sielecki gefallen mir hier sehr gut und sind auch recht aktuell. Selbst die derzeit modische Variante nach den obigen Zügen und dann statt 9. ...cxd5 9. ...Lg4 bespricht er und empfiehlt hier eine einfache stellungsgerechte Variante.

Alles in allem hätte man die Nennung der Zielgruppe wohl weglassen oder auf mindestens 1800 DWZ anheben müssen. Mit dieser Spielstärke sollte man die zahlreichen verschiedenen Strukturen und Klippen meistern können. Auch hätte man vielleicht besser schauen sollen, ob man die genannten überscharfen und konkreten Systeme nicht durch andere hätte ersetzen können.
Vielleicht kommt hier zum Tragen, dass Christof Sielecki selbst eigentlich eher mit 1.Sf3, 1.c4 oder 1.d4 eröffnet und ihm darum die nötige Erfahrung fehlt, die Gefahren der Stellungen richtig einzuschätzen. Dass die Engine seine Varianten alle gut findet, ist klar, dafür ist er einfach zu professionell. Als Eröffnungsbuch finde ich sein Werk darum auch sehr gut, aber als angedachtes Repertoirebuch für die genannte Spielstärkegruppe hat es doch leider viele Mängel.
Ein Problem ist natürlich auch, dass ein e4-Repertoire auf nur 365 Seiten an sich schon etwas oberflächlich wäre, aber durch das Auslassen von möglichen Varianten- oder Strukturabkürzungen ist der Leser aufgrund des Umfangs in vielen Systemen schon recht früh auf sich gestellt, obwohl noch gar nicht alle seiner Figuren entwickelt sind. Wer aber die nötige Spielstärke mitbringt und bereit ist, die empfohlenen Varianten selbständig mit einer Datenbank weiterzuentwickeln, wird an dem Werk viel Spaß haben.

IM Dirk Schuh, November 2018

Schachtraining mit Dirk Schuh

keep it simple

Das Ansichtsexemplar wurde von der Firma Schach Niggemann in Münster freundlich zur Verfügung gestellt.

Hurra! Mit 20,5 – 15,5 hat das Werder Online Team einen am Pfingstsamstag ausgetragenen Vergleichskampf mit dem FC Bayern München für sich entschieden. Gespielt wurde Schnellschach auf dem Chessbase-Kanal, bei sechs Runden im Scheveninger System (= jede(r) spielte einmal gegen jede(n) der anderen Mannschaft).

Bei dem in freundschaftlicher Atmosphäre ausgetragenen Match standen auf Werder-Seite Jonathan Carlstedt, Spartak Grigorian, Nikolas Wachinger und Jari Reuker im Aufgebot, ergänzt um Collin „DerBesteAusWelt“ Colbow am U20-Brett sowie Ophelia Carlstedt, die mit beeindruckenden 3 Punkten aus 6 Partien das Damenbrett vertrat.
Die stark aufgestellten Münchner Bayern liefen mit GM Michael Bezold (6 Punkte aus 6 Runden!), IM Michael Fedorovsky, dem live aus Schweden zugeschalteten IM Philip Lindgren und FM Makan Rafiee auf, sowie Andriy Manucharyan am U20-Brett und Carolin Diermeier am Damenbrett.

Werder Bayern 2
 Beinhartes Ringen: Jari Reuker gegen Andriy Manucharyan auf dem Brett, links davon grüßt der Chat

Werder Bayern 1
   Ehrenrunde via Zoom: die letzte Runde brachte die Entscheidung

Unter der Leitung von Coach und Teamchef Jonathan Carlstedt lagen die Grün-Weißen nach fünf Runden knapp mit einem Punkt in Führung. Die intensive Abschlussrunde ging mit einem wuchtigen 5 – 1 jedoch deutlich an die Bremer, so dass das Gesamtergebnis in diesem Clásico letztlich überraschend deutlich ausfiel für Team Hansestadt!

Werder freut sich nun schon sehr auf den Wetteinsatz für das Siegerteam, den die Bayern in Form eines schönen Kastens Paulaner Weizenbier (mit einer alkoholfreien Flasche für das U20-Brett) überreichen werden. Andernfalls hätten wir einen Kasten Beck‘s auf den Weg nach München verschiffen müssen - aber anders herum ist es natürlich viel schöner.

Übertragen wurde das gesamte Match live auf dem Werdertigers-Kanal bei Twitch, hier kommentierten Jörg Wengler (Abteilungsleiter der FCB-Schachabteilung) und Olaf Steffens (Werder Bundesliga) in einer gut dreieinhalbstündigen Live-Sendung ausgiebig das Geschehen.

Wir übermitteln heute die Grüße der Deutschen Schachjugend, die in diesen Tagen der Corona-Pandemie auf ihr Flaggschiff, ihren Anker und beinahe sogar ihre Seele verzichten muss - die Deutsche Schach-Jugendeinzelmeisterschaft in Willingen!

Jahr für Jahr schon reisten zu Pfingsten aus dem gesamten Sendegebiet der DSJ Jugendliche für eine, wie sagt man in Bremen, pickepackevolle Woche mit viel, sehr viel Schach in eine hochgelegene Lokalität im schönen Sauerland. Was waren das immer für Highlights - sieben Tage Meisterschaft in tausenden von Altersgruppen, Mädchen, Jungens, U6, U8, U10,Tandemnächte, Hallenfußball - unsere Schachjugend, eine Pfingstwoche lang im Kombinationsdauerdienst!

In diesem Jahr aber, hach, wir wissen, ruht der Ball und bleiben die Figuren versteckt, denn nix ist mit Meisterschaft, nix ist mit Schach.
Indes - die Deutsche Schachjugend, formidabel und energiegeladen wie wir sie kennen, zaubert nun für 2020 ein alternatives Ereignis aus dem Ärmel, und die sieben Tage von Willingen, man verbringt sie jetzt kurzerhand im Netz!

Für jeden Tag gibt es allerlei Highlights für Jung und Sehr Jung, abgeschlossen am kommenden Freitag mit einem 50-stündigen Spendenmarathon "Unser Matt hilft mit" zugunsten von Terre des Hommes im Kampf gegen Corona.
Wir sagen: a) WOW und b) Chapeau, Chapeau, liebe DSJ - das muss man erstmal organisieren, so aus der Ferne, online und über das ganze Land verstreut. Begeisternd!

Danke

Und darum auch an dieser Stelle einmal einen Link zum Vorstand der DSJ, in Steckbriefen hübsch vorgestellt!

 

Hier die Rundmail zur DEM 2020 von Kristin Wodzinski, der Nationalen Spielleiterin der Schachjugend.

Kristin Wodzinski
Kristin Wodzinski               (Foto: DSJ)

 
Liebe Schachfreunde in den Ländern,
 
eigentlich wäre ich vorhin mit dem Zug in Willingen angekommen und würde jetzt wahrscheinlich gerade im Turniersaal sein, um alles für den Start unserer DEM vorzubereiten. Das ist, wie ihr alle wisst, leider nicht der Fall.
 
Doch trotzdem hat der DSJ Vorstand keine Kosten und Mühen gescheut und in den letzten 9 Tagen ein umfangreiches Alternativprogramm auf die Beine gestellt. Dazu gehören Turniere in verschiedenen Altersklassen mit tollen ChessBase Preisen, Partiekommentierung auf Twitch, eine Simultanveranstaltung, die nächste Runde der Online-Länderliga, Freizeitprogramm mit verschiedenen Gesellschaftsspielen, ein Tandemturnier, eine 12-Stunden Blitzarena, das Finale des Mädchen- und Frauen Länderkampes XXL, die Eröffnungsfeier als Video, ein 50-stündiger Spendenmarathon "Unser Matt hilft mit", die Saturday Night Show mit dem Vorstand, bei der es viele bekannte Spiele der DEM Siegerehrung geben wird und vieles, vieles mehr. Dabei ist das Thema Fairplay natürlich genauso wichtig, wie wenn man sich am Brett gegenüber sitzt.
 
Alle Informationen rund um unsere Online DEM mit dem aktuellen Programm findet ihr auf unserer Webseite und in den sozialen Medien: 

 
Nun seid ihr an der Reihe. Macht bitte Werbung bei euch in den Ländern für dieses tolle Event und motiviert eure Kinder und Jugendlichen bei einer tollen Schachwoche mit dabei zu sein. Verbreitet auch das Eröffnungsvideo bei euch, welches wir euch am Wochenende noch zukommen lassen werden.
 
Auch wenn wir uns in den nächsten Tagen nicht in Willingen sehen können, hoffe ich, dass es viertuell mindestens genau so toll wird.
 
Viele Grüße aus Karlsruhe
 
Kristin
 
 
Zur Turnierseite: DEM 2020 online!
 
Und das war die DEM 2019
 

One more game
  Katzen allein zu Haus - keine DEM in diesem Jahr!


 

 
 
 
 
 

Bald ist Pfingsten, und Corona hängt noch immer in der Luft. Das aber ist noch lange kein Grund, den Schachbetrieb ganz auf Null herunterzuregeln, ganz im Gegenteil!

So ruft die von uns geschätzte Deutsche Schachjugend ein großes Jugend-Pfingstturnier aus (für das ich offenbar schon etwas zu alt bin), und Bayern München und Werder Bremen tragen an sechs Brettern einen rasanten Schaukampf aus.

In Ermangelung von Über das Brett (ÜDB) - Schachereignissen zieht es uns also wieder einmal an die Gestade des weltweiten Internets. Das ist auch prima so, und auch hier erweist sich das Netz sozusagen als Retterin der (Schach-) Welt.

cb logo

Chessbase rettet die Welt, ganz ähnlich wie Lichess, Chess24 und Chess.com

Bei allen sonstigen Schwierigkeiten in dieser weltweiten Krise - wie ruhig, verlassen und isoliert wäre es, gäbe es nicht immerhin das WWW.
Hoffen wir, dass es irgendwann auch bei weiteren schlimmen Konstellationen (Klimakatastrophe, Artensterben, massenhaftes Produzieren von Fleisch mit Tieren in erbärmlichsten Verhältnissen) hilft, die Welt ein wenig transparenter, verknüpfter und mitunter besser zu machen.
Naiv hoffen zumindest kann man ja, aber wahrscheinlich ist das - einfach sehr naiv, und letztlich viel zu wenig.

Zurück zum Schach: Werder Bremen macht sich bereit zum Nord-Süd-Duell gegen den FC Bayern! Nun heißt es ja bei den Toten Hosen, "ich würde nie zum FC Bayern gehen", doch allein, hinzugehen braucht man jetzt ja auch gar nicht mehr, denn das Internet ermöglicht so ein Match, ohne dass man die eigenen vier Wände verlassen müsste!
Die sechs MünchnerInnen und ihre Bremer GegenspielerInnen können also trotz aller stay at home - Aufrufe ein freundschaftliches Match austragen, und im sehr sehr schönen Scheveninger System wird jede(r) Münchner(in) einmal auf jede(n) Bremer(in) treffen. (Zumindest der letzte Halbsatz belegt, wie viel einfacher doch die Welt wäre, wenn beim Schach die Männer unter sich blieben. Hat aber auch Nachteile.)

Team Hansestadt:Bremen

IM Jonathan Carlstedt     
                       
Jari Reuker         
                                      
Spartak Grigorian       
                              
Nikolas Wachinger     
                             
Collin Colbow   
                                      
Ophelia Carlstedt           

 

 

 

 

 

 

Bayern MünchenTeam Weltstadt mit Herz:

GM Michael Bezold

IM Michael Fedorovsky

IM Philip Lindgren

FM Makan Rafiee

Andriy Manucharyan

Carolin Diermeier

 

Es geht wie immer um die Ehre, aber - wenn man so will und jeden peinlichen Kalauer mitnehmen möchte - auch um die Ähre, denn das Gewinnerteam erhält von den Verlierern einen ehrlichen Kasten Bier. Wahlweise die Münchnerbayern einen Kasten Beck's aus Bremen, oder (was ich natürlich ausdrücklich - wenn vielleicht auch naiv - zu hoffen bereit bin, Team Hansestadt einen kühlen Kasten Paulaner.
Es geht also wieder einmal um alles, und wir Werderaner schicken ein Foto, sollten wir den Kasten gewinnen. Wohl bekomm's!

Aufgalopp für sechs nicklige Runden Nord-Süd-Schnellschach ist um 19 Uhr am kommenden Samstag, 30.Mai. Gespielt wird bei Chessbase, und Jörg Wengler, Leiter der Bayernmünchener Schachabteilung, sowie meine Wenigkeit werden auf dem Werdertigers-Kanal ein paar begleitende Worte sprechen während des großen Matches und die Partien der jeweiligen Adepten kritisch-würdigend unter die Vereinslupe nehmen.

Schaltet Euch dazu, kommt vorbei, wir freuen uns über alle Gäste!

Wenn man ganz naiv ein Heimspiel der Schach-Bundesliga ausrichtet, denkt man sich, ok, wir fangen an am Samstag um 14 Uhr, um sechs bis sieben Uhr sind alle fertig, wir gehen essen, und dann ab nach Hause – Sportstudio gucken, ein paar Kekse essen und für den Sonntag vorbereiten.

Richtet man indes ein Heimspiel aus, bei dem Großmeister Luke McShane mit an den Brettern sitzt, kann es sein, dass diese ganze Rechnung nicht aufgeht – nicht nur ein bisschen, sondern bei weitem nicht!

Im Februar 2013 endete unser Werder-Spiel im Weserstadion gegen den SV Mülheim Nord nicht um 19 Uhr, und ebenfalls nicht um 20 Uhr.

Es stand 3,5 : 3,5 gegen den SV Mülheim Nord, doch aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit hatten eine Reihe von Grün-Weißen das Stadion schon verlassen. Spieler und Betreuer saßen beim Mannschaftsessen – Sonntag früh um zehn war ja schließlich schon die nächste Runde. Goldene Regel: die Kräfte gut einteilen, früh aufbrechen, früh essen, und dann bald ins Bett.

Ein Werderaner aber spielte noch, spielte und spielte, ein langwieriges Endspiel mit leichtem Vorteil gegen den deutschen Großmeister Daniel Fridman.

Luke suchte nach Hebeln, tüftelte, und knetete, knetete, knetete seinen Gegner, bis das berüchtigte Format “Dame und Bauer gegen Dame” auf dem Brett zurückblieb.

Da war es bereits nach 21 Uhr, und weit über sieben Stunden hatten sich beide Meister am Spitzenbrett schon intensiv behakt.

Damenendspiel mit Mehrbauer - wer wäre bei dieser Materialverteilung ein besserer Mann, um dauerhaft seine Chance zu suchen, als Luke McShane? Luke ist bekannt für sein “glorious grinding”, eine Mischung zwischen Aussitzen und dem Anhäufen minimalster Vorteile in sehr langen Partien, gefährlich für jeden Gegner. Und immerhin, ein Sieg gegen Daniel Fridman würde ja auch direkt zum knappen Mannschaftssieg gegen bärenstarke Mülheimer führen.

 Luke Fridman1
 Kein Remis – noch ist ja gar nichts entschieden! (Fridman – McShane 2013)

Wer knetet so spät bei Nacht und Wind?

So ging das Spiel weiter bis um 22 Uhr, und der Hausmeister rasselte bereits verhalten mit dem enormen Weserstadion- Schlüsselbund (der ja bekanntermaßen auch den Schlüssel zur Welt beinhaltet).

Noch immer spielte Luke, arbeitete mit der einen Hand seinen Mehrbauern Fridmans Grundreihe entgegen, während er mit der anderen Hand (und auch mit seiner Dame) Schach um Schach abwehrte– Gewinn, Remis, wer sollte das alles einschätzen?

In den Datenbanken endet die Partie offiziell bereits mit dem 92.Zug, doch die Wahrheit ist, dass es noch viel, viel weiterging!

Die 50-Züge-Regelung besagt ja, dass eine Partie Unentschieden ist, wenn fünfzig Züge lang keine Figur geschlagen wurde, und auch kein Bauer bewegt worden ist.

Klingt das nicht wie eine Gebrauchsanweisung für extrem lange Partien? Schach, Schach, viele Schachs von Fridman – und dann ein kleiner Bauernzug von Luke, auf zum Umwandlungsfeld. Die fünfzig Züge fangen neu an zu zählen. Wieder Schach, Schach, viele Schachs von Fridman, dann ein weiterer Bauernzug von Luke, und erneut tickt die Fünfzig-Züge-Uhr von vorne los. Kein Remis!

Luke Fridman2
Kein Remis – die Partie fängt doch gerade erst an? (Fridman – McShane 2013)

Schon stand die Stadionuhr auf kurz vor elf. Und da zeigte sie sich endlich, eine Gewinnstellung, fein austariert nach gut 9 Stunden auf den 64 Feldern! Irre.

Doch just, als Luke um 23 Uhr seinen Bauern zum Gewinn in eine neue Dame umwandeln wollte – war die Partie vorüber, und - Remis! Die 50-Züge-Regel hatte nun doch gegriffen, einen Zug, bevor die Zählung der Züge durch b2-b1 Dame neu begonnen hätte. Remis, Remis – schade!

Nun kann man sagen, na gut, Unentschieden, das hätte man ja auch schon viel früher haben können. Doch da wäre uns ein einmaliges Ringen entgangen, zwischen Luke McShane und Daniel Fridman. Neun Stunden tiefes Schweigen, Fokussieren, subtiler Angriff, gekonnte Verteidigung, und dann der Friedensschluss – einmalig.

Werders Trainer Matthias Krallmann und den wenigen noch bis 23 Uhr verbliebenen Zuschauern blieb nur noch, alle Türen schnell hinter sich zu schließen und gemeinsam mit Luke zu später Stunde noch eine sehr späte und wohl auch sehr große Pizza zu verzehren. 4 – 4 gegen Mülheim war die eine Sache an diesem Tag, und diese Partie, DIE würde keiner so schnell wieder vergessen.

Wenn wir ab und an aus Solidarität mit den Werder-Fußballern das Weserstadion freigeben und andernorts in Bremen unsere Heimspiele austragen, fragen uns die Vermieter der Säle oft, wie lange denn so ein Spiel gehen würde, am Samstag in der Schachbundesliga. Wir sagen dann, nun, normalerweise ist alles wohl vorbei gegen acht Uhr abends. Aber wenn Luke McShane mitspielt … dann müssen wir erst nochmal gucken! -

Auch Werders Trainer Matthias Krallmann beschrieb die packende Begegnung später im Werder Schachmagazin:

"Luke transformierte seinen Positionsvorteil in ein Damenendspiel mit einem Mehrbauern in der b-Linie und die Bühne war bereit für eines der größten Dramen der jüngsten Bundesligageschichte. Zug um Zug wurde im 30-Sekundenmodus gewechselt, Spieler um Spieler und Zuschauer um Zuschauer verließen das Weserstadion. Am Ende blieben Joachim Asendorf und ich mit ein paar Mülheimern und dem Schiedsrichter allein zurück.

Luke hatte mittlerweile den b-Bauern auf die vorletzte Reihe gebracht, doch ich wusste, dass der letzte Schritt der schwierigste ist, weil der König des Angreifers nun den Schachgeboten des Verteidigers schutzlos ausgeliefert ist. Die Internet-Verbindung war zusammengebrochen und ich stellte mich direkt neben das Brett. Joachim Asendorf konnte nicht mehr hinsehen und unternahm Wanderungen durch die ausgedehnten Platin-Logen. Als die beiden Kontrahenten vom Schiedsrichter das dritte Partieformular bekamen, wurde auch ich nervös. Würde Luke die Gewinnführung schaffen, bevor die 50-Züge-Regel in Kraft tritt?

Der Kampf wogte hin und her. Mehrmals sah es so aus, als würde Luke es in wenigen Zügen schaffen, aber immer wieder fand Fridman das schlaueste Schach. Plötzlich entstand Unruhe: Fridman reklamierte und zeigte dem ungläubigen Luke sein Partieformular. Der Schiedsrichter eilte hinzu. Tatsächlich: im 97. Zug hatte der b-Bauer nach b2 gezogen und Fridman war bereit seinen 147. Zug auszuführen. Der Schiedsrichter endschied auf Remis. Fassungslos starrte ich auf das Brett: In zwei Zügen hätte Luke seinen Bauern umwandeln können!"

*******

Der Londoner Luke McShane kam in der Saison 1998/1999 als junger Mann zum SV Werder Bremen, nachdem er zuvor schon beim SV Erfurt-West an den Brettern gesessen hatte. Seine erste grün-weißen Spielzeit begann Luke als Fünfzehnjähriger (!), und mit seinem pointiert- dynamischen und zugleich zuverlässigen Spiel war er in großem Maße am Gewinn der Deutschen Meisterschaft (hurra!) für Werder Bremen 2005 beteiligt.

Bundesliga Markus Ragger gegen Luke McShane
 Große Meister unter sich: Markus Ragger - Luke McShane         (Foto: OSt)

luke adams
Tief einsteigen schon in den ersten Zügen: Michael Adams - Luke McShane       (Foto: OSt)

Luke arbeitet für eine Londoner Bank, ist aber als Großmeister zugleich vielfach auf Meisterschaften und für das englische Nationalteam unterwegs. Er gilt vielen als “der stärkste Schach- Amateur der Welt”.

In dieser Saison 2019/2020 ging Luke in seine 21.Spielzeit beim SVW. Wir danken ihm für viele supertolle Jahre als Spieler, und ebenso als Ansprechpartner bei vielen Fragen rund um unsere Bundesligamannschaft!

Eine meiner All Time-Lieblingspartien von Luke:

 

 

Von IM Dirk Schuh

Ein tolles Buch hat der Verlag New in Chess jetzt veröffentlicht. In "Beyond Material - Ignore the Face Value of Your Pieces and Discover the Importance of Time, Space and Psychology in Chess" beleuchtet der kroatische Großmeister Davorin Kuljasevic mit seinen immerhin 2554 Elo die Thematik von positionellen Opfern im Schach.

In unseren Anfängen haben wir Schachspieler noch keine Übersicht und verlieren oft ungewollt Material, zumindest erinnere ich mich noch lebhaft an einige besonders einprägsame Momente meiner Anfänge, in denen ich ordentlich herumgepatzt habe. Mit etwas Übung schaffen wir es dann, das eigene Material zusammenzuhalten, ehe der Trainer uns dann zeigt, dass man auch gewollt Material abgeben kann.

Die Tür zur Welt der Opfer öffnet sich und wir lernen vielleicht erste klassische Partien von Morphy, Anderssen und co kennen. Man gibt Material und bekommt im besten Fall relativ schnell noch mehr Material zurück oder man gibt einen Bauern in der Eröffnung und bekommt dafür zwei bis drei Tempi, die zu Taktiken führen, die einem dann im besten Fall ein Matt oder mehr als einen Bauern einbringen.
Daran hat man dann auch lange Zeit Spaß und vielleicht will man diese Welt gar nicht mehr verlassen, aber der Autor nimmt uns dann mit auf eine Reise durch eine komplexe Schachlandschaft, in der man Material gibt und dafür ein schönes Feld bekommt oder den gegnerischen König schwächt, ohne dass man wirklich zwingend gewinnt.

Zum Glück schafft es GM Kuljasevic aber nicht nur, hochwertiges Material von Koryphäen wie Garry Kasparov zu präsentieren, er hat es auch recht gut strukturiert und gibt dem Ganzen durch eigene Beispiele eine recht persönliche Note.

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        Material ist längst nicht alles

Ein Beispiel möchte ich kurz mit Worten beschreiben. Es geht um die Partie Kasparov-Shirov aus Horgen von 1994. Wir steigen im 13. Zug ein und sehen im Diagramm eine Stellung aus dem Sveshnikovsizilianer. Der Autor ordnet sie auch als solche für den Leser ein und zeigt gleich auf das positionelle Hauptmerkmal der Stellung. Nach den Anfangszügen (die er nicht nennt, es geht ja um das Mittelspiel) 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 e5 6.Sdb5 d6 7.Lg5 a6 8.Sa3 b5 9.Sd5 hat Weiß einen komischen Springer auf a3, aber auch einen schönen Vorposten auf d5.
Die Praxis zeigt, dass es für Schwarz ganz gut möglich ist, um diesen herumzuspielen, aber es ist schon eine Stellung, in der Schwarz etwas unternehmen muss und sich nicht ausruhen darf. In der Folge stellt Alexej Shirov seinen Läufer nach b7 und seinen Springer nach c5, um d5 direkt und indirekt unter Druck zu setzen, aber Weiß schafft es, einen Turm auf die b-Linie vor seinen Bauern zu stellen und opfert diesen gegen den Läufer.

Shirov
   16. Tb4xb7 ...!? Na klar ...

Die wichtige Frage bei solchen Opfern ist immer, was man für das Material erhält und das erklärt der Autor hier und bei seinen vielen anderen Beispielen natürlich. Weiß hat auf d5 einen unantastbaren Springer und schafft es nach 17.Txb7 Sxb7 18.b4 zudem noch, den Springer auf b7 kaltzustellen. In der Folge wird dieser Bauer sogar noch zum Freibauern, während die schwarze Bauernmehrheit im Zentrum durch den Sd5 gut blockiert wird.
In den nächsten Zügen sieht man auch noch einen weiteren Vorteil für Weiß. Schwarz hat nämlich keine klaren Pläne und spielt infolgedessen ungenau, wodurch Weiß schließlich auch noch Möglichkeiten gegen den schwarzen König erhält, die er schließlich nutzt. Der Autor zeigt einige Verbesserungen auf, auch wenn die Stellung für Schwarz nie wirklich schön wird.

shirov
  Alexei Shirov - 1994 kalt erwischt von Chef Kasparov

Neben solchen Opfern, die Vorposten stützen oder erzeugen werden auch noch diverse andere gezeigt. Mal wird die Stellung unter Opfer klassisch für einen Königsangriff geöffnet, mal wird die gegnerische Struktur geschwächt. Da meist mehrere Beispiele zu einem Thema, wie hier de Vorposten, gezeigt wird, kann man als Leser auch selbst die Bedingungen für solche Opfer einfacher erkennen. Oftmals ist es eher der eigene Materialismus, der der Durchführung dann noch im Wege steht. Zur Abrundung der eigenen Fähigkeiten gibt es auch einige Aufgaben, in denen man am Ende eines jeden Kapitels zeigen kann, dass man die jeweiligen Motive verinnerlicht hat.

Insgesamt ist dies ein sehr gutes Trainingsbuch zu einem schwierigen Mittelspielthema, in dem wir wohl alle noch Luft nach oben haben. Ich kann es nur jedem empfehlen und habe es selbst schon im Training benutzt!

IM Dirk Schuh, November 2019

Schachtraining mit Dirk Schuh

beyond material

Das Ansichtsexemplar wurde von der Firma Schach Niggemann in Münster freundlich zur Verfügung gestellt.

Dienstag, 12 Mai 2020 19:51

Schach im Netz - seid dabei!

WSO, WOB, WTC ? Die Schachabteilung des SV Werder lädt ein zu spannenden Veranstaltungen in der nächsten Zeit!

Aus zeitlichen Gründen besonders wichtig: Das Werdertigers-Online-Schnellschach-Open (WSO) am kommenden Sonntag, den 17.5.. Werder Bremen bedankt sich in diesem Zusammenhang bei seinem Partner Chessbase, der das Turnier wieder großzügig mit Preisen ausgestattet hat!

Ebenfalls startet in Kürze die Werdertigers-Online-Blitzserie (WOB), für deren Gesamtsieg es 500 Dukaten im Gegenwert von 50 Euro zu gewinnen gibt.

Wie genau die Serienpunkte zu ergattern sind, wird noch veröffentlicht. Vor allem aber geht es darum jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat, beginnend am 20.5. ein Angebot für alle Schachfreunde zu schaffen.

Eine neue Idee ist die Werdertigers-Taktik-Cup. Auf der Seite unseres Partners Chessbase treten 2 Spieler wie beim Werdertigers-Cup gegeneinander an. Es werden gegeneinander Taktikaufgaben gelöst. Wer zuerst 13 Aufgaben richtig gelöst hat, gewinnt einen Punkt. Wer zuerst 6 Punkte hat gewinnt den Satz, wer 2 Sätze gewinnt, gewinnt das Match. Das gesamte Turnier wird im K.O.-Modus ausgetragen. Anmeldungen sind bis 18.5. möglich an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  .

Ein besonderes Highlight findet am kommenden Samstag um 10 Uhr statt. Das Werdertigers Youth Masters. 4 der besten Deutschen Jugendlichen, Henning Holinka, Ruben Köllner, Lara Schulze und Jakob Pajeken treten zusammen mit 4 Werderaner Nachwuchsspielern an: Collin Colbow, Nikolas Wachinger, Jari Reuker und Spartak Grigorian. Auch dieses Event, als Rundenturnier mit 7 Partien ausgetragen, wird großzügig von Chessbase unterstützt. Die Liveübertragung findet bei den Werdertigers statt. https://www.twitch.tv/werdertigers/

Wir freuen uns auf viele Zuschauer bei diesem einzigartigen Event!

Jonathan Carlstedt

Alle Ausschreibungen auf der Onlineschach-Seite des SV Werder

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Woche um Woche wurde gespielt, gekämpft und gerungen, und nun ist es soweit, das Finale steht vor der Tür!

Von den 32 Teilnehmern im Werdertigers Cup 2020 haben sich

Nikolas Wachinger (SV Werder Bremen)

und (wer hätte das gedacht!)

David Höffer (Delmenhorster SK)

erfolgreich durch alle Runden getankt, Hindernisse und Widrigkeiten verschiedenster Art bewältigt und spielen nun das Finale um großes Preisgeld am

Montag, 04 Mai, um 17 Uhr

Wer in dem Match zuerst 6 Punkte sammeln kann, gewinnt. Übertragen wird wie immer live und in voller Farbauflösung auf

www.twitch.tv/werdertigers

Schaut vorbei!

Großes Nordderby heute live im Netz! Werder Bremen blitzt um die Wette gegen den kleinen HSV den Hamburger SK von 1830, und los geht's um 18 Uhr. Hier die Vorankündigung von Werder-Trainer-Teamchef-und Kapitän Jonathan Carlstedt!

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Am heutigen Mittwoch um 18 Uhr startet das Rematch Werder gegen den Hamburger SK an acht Brettern um 16 Runden, wir freuen uns!

Um 18 Uhr geht es im Playchess-Client unseres Partners und Sponsors Chessbase unter Vereine und Verbände --- Deutschland --- Hamburg --- Hamburger SK --- Turniere los! Die Revanche für die bittere 16,5:15,5-Niederlage unser Werderaner startet an 8 Brettern über 16 Runden!

Für den Hamburger SK gehen an den Start:

Luis Engel
Malte Colpe
Tom-Frederik Woelk
Henning Holinka
Jakob Weihrauch
Michael Kotyk
Robert Engel
Isaac Garner

Für die Werderaner gehen an den Start:

Jari Reuker
Spartak Grigorian
Nikolas Wachinger
Jonathan Carlstedt
Collin Colbow
Olaf Steffens
Detlev Diedrichsen
Samuel Pfeffer

Wir freuen uns auf ein tolles Match und werden dieses auch wieder bei den Werdertigers streamen!

www.twitch.tv/werdertigers

live ab 18 Uhr

Jonathan Carlstedt

Sonntag, 19 April 2020 11:58

DEM 2014: Fridman weiterhin unschlagbar

Spannendes Rennen um die weiteren Plätze

Vor kurzem reiste GM René Stern aus der Hauptstadt nach Verden, um als Meister seines Landesverbandes die Berliner Farben in der Norddeutschen Tiefebene hochzuhalten. Nach einem durchwachsenen Start in den Wettbewerb und einigen harten Runden im tristen Niemandsland des Feldes reiste René Stern ein weiteres Mal - aus den mittleren Höhen der Tabelle langsam immer höher im Klassement, Tisch um Tisch, und heute fand er sich tatsächlich am Spitzenbrett wieder.

Dort wartete auch diesmal wieder der schon seit gestern als neuer Deutscher Meister feststehende Daniel Fridman, denn Brett Eins war hier in Verden sein Wohnzimmer - und Hobbykeller, Terrasse und Kochecke war es mittlerweile wahrscheinlich auch schon, denn hier saß er neun Runden lang, das ist Kontinuität. Morgen wird der Abschied schwerfallen! Vielleicht darf Fridman das Spitzenbrett ja aber auch mit nach Hause nehmen. Die Gespräche mit dem Niedersächsischen Landesverband laufen.

René Stern aber, auch er schien sich sichtbar wohl zu fühlen am Top Board. Und wie der Berliner vom SK König Tegel nun einmal so ist, zeigte er dem Deutschen Meister gegenüber weder Ehrfurcht noch Demut, sondern lieferte ihm einen schneidigen Kampf und ließ ihn noch einmal arbeiten, ehe nach 57 Zügen ein Remis vereinbart wurde. Gut gekämpft, Löwen!

Goldene Turnierregeln

Vize!

Das Titelrennen war ja schon nach der achten Turnierrunde entschieden, und selbst die allergrößten Dennis-Wagner-Follower mussten eingestehen, dass ein Punkt Rückstand und Fridmans bessere Feinwertung nicht mehr einzuholen waren - jedenfalls nicht innerhalb einer weiteren, letzten Partie.

Dennis Wagner und der Rest der Teilnehmer konnte daher nur noch Trost suchen in einer passablen Platzierung auf den Rängen. Und das ist ja auch schon etwas - von Platz zwei bis runter zu Position acht winkten immerhin noch sehr beachtliche Geldpreise.

Die goldene Turnierregel "Letzte Runde siegen, dann kannst Du auch was kriegen" wurde in vorbildlicher Manier von (Schach-)Prinz Dennis umgesetzt - man sieht, die stete Förderung durch den DSB trägt gute Früchte, in enger Kombination natürlich mit dem exzellenten schachlichen Blick des Hockenheimers. Es waren indes lange siebzig Züge und einige konkrete Berechnungen im Springerendspiel zu überstehen, ehe er Felix Graf den vollen Punkt abgeluchst hatte. Deutscher Vizemeister 2014: Dennis Wagner. Chapeau!

Wagner, Fridman, Kunin - die drei stärksten deutschen Spieler! (Foto: Andreas Burblies)

Die goldene Regeln las natürlich auch Vitaly Kunin vor der Runde noch einmal nach, und so hatte Hagen Poetsch mit den schwarzen Steinen einen sehr sehr schweren Stand. Mehr und mehr sah er sich von Kunins manövrierenden Figuren eingeengt, die bald hierhin und bald dorthin drohten.

Kunin spielte mit viel Umsicht eine bestens vorgetragene Partie zu Ende und sicherte sich damit den starken dritten Platz. Ebenfalls Gratulation dazu!

Einer jünger als der andere - Dmitrij Kollars und Rasmus Svane

Die weiteren Preisränge belegten Matthias Blübaum und Igor Khenkin (beide 6 Punkte) vor Rainer Buhmann und René Stern (ebenfalls 6 Punkte!). Und der achte Rang? Hätte man wetten müssen vor dem Turnier auf einen Spieler seiner Wahl, der es auf den achten Platz schaffen würde, wären sicherlich viele Namen genannt worden. Unsicher ist, ob auch jemand auf Dmitrij Kollars getippt hätte, den jungen Delmenhorster Spieler (und Ex-Werderaner!), doch in der Tat - Rang acht ging an ihn!

Zwar versuchte Rasmus Svane noch viele Stunden lang, ihn mit nicht ganz uneigennützigen Gewinnversuchen von dieser Position zu verdrängen, jedoch es war vergebens, und äußerlich cool und innerlich unbeeindruckt brachte Dmitrij den halben Punkt in Sicherheit und tja, ein schönes Preisgeld nimmt er ebenfalls mit nach Hause. Goldene Turnierregeln vermitteln eben immer nur eine grobe Annäherung an die Wahrheit. Manchmal reicht am Ende auch ein Remis.

Am Ende des 44-köpfigen Feldes fand sich am Ende der Ravensburger Vadim Reimche wieder. NIemand liebt den letzten Platz, doch einen trifft es immer, der quasi stellvertretend für alle anderen den etwas unangenehmen letzten Platz belegen muss. Auch ich war davon nicht sehr weit entfernt und kann nur von Glück sagen, dass Vadim mich in der Nachtschicht-Runden am Sonntag noch aus einer schon verlorenen Stellung mit einem vollen Punkt davonkommen ließ.

Und so war es in einigen von Vadims Partien, die er bis zur letzten Runde immer wieder mit viel Sportsgeist und unbeirrtem Turniermut anging - hier ein Bauernopfer, dort ein strenger Angriffszug, doch so ist es eben manchmal - es läuft dann einfach nicht. Ein Remis wäre mindestens verdient gewesen, sicher auch in mehreren Partien, und (siehe oben) ganz bestimmt gegen mich.

So blieb für Vadim letztlich kein Punkt und ein mit viel Herz erspielter massiver letzter Tabellenplatz. Er hatte unter allen Teilnehmern die vermutlich härteste Turnierwoche - die Neun Tage von Verden. Mit diesem geduldig ausgehaltenen Ergebnis nimmt er immerhin den anderen Schachspielern in Deutschland ein klein wenig die Sorge, selber auch mal dort ganz unten im Keller der Tabelle zu landen. Vadim hat´s erlebt, und er hat es auch durchgehalten!  Und wer weiß, wozu es gut ist - der Ravensburger zeigte hier in Verden sehr sehr gutes sportsmanship - und es kommen sicher bald wieder bessere Tage und neue Erfolge für ihn.

ELO, wem ELO gebührt

Haben ihre Normen schon gesammelt: GM Buhmann und IM Jugelt

Die ELO- Zahlen lügen nicht, jedenfalls nicht auf mittlere Sicht. Zwar ist es oft traurig, gleichwohl muss man wohl schon glauben, was die ELO-Liste über die eigene Spielstärke verrät. Auch wenn sich jemand eine Norm erspielt, kommt das nicht ungefähr und verdient Respekt, und so war es Bundesturnierleiter Ralph Alt eine Ehre, anlässlich der Siegerehrung auch die Erfüllung einer, zweier ... nein, von drei Normen im Verdener Turnier zu verkünden.

Da waren einmal die beiden jungen Männer, die einmal mehr eine erfolgreiche Prinzen-Prüfung abgelegt hatten, Dennis Wagner und Matthias Blübaum - beide absolvierten mit ihren ausgezeichneten Tabellenrängen die Anforderungen für eine GM-Norm. Wenn das mal nichts ist!

(Nun hatte Matthias bereits vor kurzem in Bad Wiessee die für den großen Titel erforderliche dritte Norm erreicht, doch man weiß ja nie, und sicher ist sicher. Falls die Verdener Norm für ihn aber nicht mehr nutzbringend sein sollte - es gibt sicher einige, die sich sehr darüber freuen würden. So eine Norm ist doch sicher ein handelbares Gut. Wäre doch viel besser, als wenn sie einfach so verfällt.)

Auch der schon erwähnte Dmitrij Kollars focht mit seinen zahlreichen Gegnern intensive Duelle aus, und in bemerkenswert abgeklärter Manier holte er dabei 5,5 hochkarätige Punkte. Für den Turnierleiter war dies (neben anderen Kriterien) Anlass genug, eine IM-Norm auszurufen und das Turnier für Dmitrij noch mehr als ohnehin schon zu einem großen Erfolg zu machen.

Nun kann man den Austragungsmodus der Deutschen Meisterschaften durchaus kritisch sehen (so erst heute aus berufenem Munde hier), indes kann er so miserabel ja vielleicht doch nicht sein, solange noch Titelträger in ausreichender Anzahl anwesend sind und Normen wie in dieser Woche eingefahren werden.

Viele der deutschen Spitzenspieler bleiben dem Turnier regelmäßig fern, aber vielleicht liegt es auch gar nicht so sehr am Turniermodus? Falls es gelänge, das Preisgeld in höhere Sphären zu bewegen, würde mit einiger Sicherheit auch das Interesse der stärkeren Titelträger wachsen - unabhängig davon, ob man ein Rundenturnier mit zehn oder zwölf Teilnehmern austrägen möchte, oder wie in der jetzigen Form ein größeres Schweizer System-Turnier.

Der Modus selber ist vielleicht gar nicht in erster Linie das Problem.

Die Perle von Verden

Ja, das war es eigentlich schon, und von weiteren Preisen können wir nicht mehr berichten. Allerdings, eine Ehrung gab es noch!, denn im Laufe der Woche hatte sich Claus-Dieter Meyer als langjähriger A-Trainer des SV Werder die Partien des Turniers genau angesehen und die in seinen Augen gelungenste Spielführung für den Schönheitspreis empfohlen.

Als beste, erhabenste und auszeichnungswürdigste Begegnung wählte er das spannende Match zwischen Christoph Schild und ... (er ist wirklich überall!) .. Daniel Fridman aus, eine Partie der zweiten Runde mit vielen Tricks und einigen Finessen. Schon früh entschloss sich Weiß dort zu 4.g2-g4, und man merkt bereits den vielen Pfeffer, der dadurch in die weiteren Stellungsbilder kommt. Beide Spieler erhielten dafür den Schönheitspreis. Viel Spaß beim Nachspielen!

Wir freuen uns, eine ausführliche Analyse dieser Partie von Claus-Dieter "C.D." Meyer an dieser Stelle noch einmal wiederzugeben!

Schönheitspreis für Daniel Fridman

 

Fotos, Fotos, Fotos

 Olaf Steffens und Vadim Reimche
Olaf Steffens und Vadim Reimche (Foto: Andreas Burblies

Wir beenden die Berichterstattung mit ein paar in loser Folge eingefangenen Bildern aus dem Turniersaal.

Vorher aber noch einen herzlichen Dank an alle LeserInnen, die die neun Turniertage von Verden auch hier in den Artikeln wacker miterlebten und sich mit einiger Nervenstärke alles immer bis zum Ende durchgelesen haben. Ich freue mich über die vielen positiven Rückmeldungen und hoffe, dass die meist zu sehr später/ früher Stunde entstandenen Rundenberichte ein Bild von der Stimmung rund um die Deutsche Meisterschaft in Verden zeichnen konnte.

Zu meinem Bedauern bleibt festzustellen, dass Weltmeister Magnus Carlsen entgegen mancher Andeutung nicht mehr in das Turnier eingestiegen ist. Möglich wäre es gewesen, denn die WM in Sotschi endete ja schon am letzten Wochenende. Vermutlich hat Magnus einfach geahnt, dass Daniel Fridman in Verden einfach der Bessere sein würde!

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Samstag, 18 April 2020 11:09

Daniel Fridman ist Deutscher Meister!

 

 

Klaus Bischoff tritt von seinem Amt zurück

Das Ende einer Ära ist gekommen - wir halten kurz die Luft an und sagen "Vielen Dank, Klaus Bischoff!". Der noch immer amtierende Deutsche Meister verlor heute bei der Deutschen Einzelmeisterschaft in Verden seine Partie gegen Felix Graf und hat damit auch streng theoretisch keine Möglichkeit mehr, in das Rennen um den Titelgewinn 2014 einzugreifen. Bischoff hat daraufhin am Abend alle Ämter nieder- und sich selbst eine Weile hingelegt, bevor man ihn später dann wieder als Privatmann im Hotel Niedersachsenhof begrüßen durfte, befreit von der Bürde und Verantwortung des Meistertitels, den er seit seiner Inauguration in Saarbrücken im September 2014 innegehabt hat.

Trotz aller berechtigten Sentimentalität müssen wir uns in diesem Zusammenhang natürlich mit der Frage auseinandersetzen, ob Klaus Bischoff in seiner vierzehnmonatigen Amtszeit das Wohl des Deutschen Schachvolkes angemessen gemehrt und Schaden von ihm abgewehrt hat.

Wir erinnern uns, dass Baden-Baden unter seiner Ägide einen weiteren Meistertitel holen konnte. Die SG Solingen schnitt derweil sehr passabel und besser noch als Werder Bremen beim Europapokal in Bilbao ab, und mit dem SSC Rostock 07 ist ein Verein von der Ostseeküste in die Bundesliga aufgestiegen.

Das alles sind beeindruckende Erfolge und sprechen für das weitsichtige und weise Wirken des freundlichen Ulmers. Auch seine Expertise war bundesweit geschätzt, als bei dem letzten Kandidatenturnier in (wo war es noch?) niemand so richtig die Züge der internationalen Großmeister zu deuten vermochte. Hier sprang er selbstlos in die Bresche und erklärte dem Volke alle Manöver im Rahmen mehrstündiger Chessbase-Live-Übertragungen. (Ab und zu gab es aber auch eine Pause, da musste man dann selber weiterdenken.)
Schön war also die Zeit, und unbedingt loben wollen wir hiermit den Deutschen Meister 2013 Klaus Bischoff für eine sehr erfolgreiche Amtsperiode! Vielen herzlichen Dank im Namen aller Mitglieder!

Klaus Bischoff bei der Ausübung seines Amtes

Bis die Verdener Meisterschaft entschieden ist, muss der Deutsche Schachbund nun offenbar mit einem zweitägigen Machtvakuum zurechtkommen. Kommissarisch wird sicherlich Präsident Herbert Bastian in Verbindung mit Bundesturnierleiter Ralph Alt Antworten auf die drängendsten schachpolitischen Fragen finden können. Dennoch, es ist gut, dass vermutlich schon am Sonnabend der wichtigste Posten im Deutschen Schach endlich wieder vergeben sein wird.

Kunin - Fridman: Es wird streng verhandelt

Gute Chancen auf die Amtsnachfolge hat augenblicklich Daniel Fridman, dessen Namen wir im Rahmen der laufenden Berichterstattung ja schon das eine oder andere Mal und eigentlich die ganze Zeit über gehört haben. Fridman bremste in der siebten Turnierrunde den ungestüm anrennenden Vitaly Kunin aus, der seine Figuren aus der Ferne und auf den ersten Blick gesehen vielleicht etwas zu schwungvoll nach vorne geworfen hatte.

IM Hagen Poetsch: Inspirierter Angriffssieg gegen Rainer Buhmann

Da am Nebenbrett Dennis Wagner alsbald ein Remis mit Igor Khenkin vereinbarte, liegt Fridman nun wieder mit einem bewährten halben Punkt in Führung - und das würde ja auch am Ende vermutlich völlig für den Turniersieg ausreichen. Zugleich aber toben aus dem oberen Mittelfeld noch die (jungen) Wilden Hagen Poetsch, Felix Graf und Tobias Jugelt heran, die ebenso wie Khenkin und Matthias Blübaum fünf Punkte erspielten und nun zu Fridman ins Wohnzimmer müssen. Los geht es dort mit Tobias Jugelt, der heute gegen Rasmus Svane eine schwerblütige Grünfeld-Partie mit tiefen Manövern zum Gewinn führen konnte.

Grigorian - Steffens: Der schwarzen Stellung fehlen so ein wenig die Bauernhebel

Auf den Rängen punktet sich momentan die Jugend erfolgreich durch den Wettbewerb. Da ist einerseits Dimitrij Kollars mit einem weiteren Punkt gegen das etablierte Fachpersonal in Gestalt von Thilo Kabisch, ebenso wie Vincent Keymer, der gegen Tomislav Bodrozic zwar wackelte, am Ende aber unter dem Einsatz von Taktikspray noch zu einem vollen Zähler kam.

Einen weiteren schönen Punkt für die Jugendwertung steuerte Spartak Grigorian bei - was mich für ihn freut, meiner eigenen Turnierbilanz allerdings eher abträglich ist. Spartak, Oldenburger Sportler des Jahres 2011 und mein alter Blitzkumpel hier in Verden, ließ mich und meinen Angriff einfach auflaufen und wickelte dann ganz unkollegial in ein angenehmes Endspiel ab. So muss man´s machen!

Was sonst noch geschah

Woltmann - Langer 1 : 0 - Bremer Funktionär besiegt niedersächsischen Funktionär im Blitzen!

Wir kommen schon wieder zum Schluss und weisen ein weiteres Mal gerne auf einen sehenswerten Fernsehbericht hin. Nun soll man ja gar nicht so viel Fernsehen gucken, aber in diesem Fall ist es unzweifelhaft in Ordnung: SAT 1 Regional war ja gestern in Verden zu Besuch und hat einen breit gestreuten Bericht zu Schach und Meisterschaft produziert. Sehenswert!

Medienfuchs und Netz-Admin Torsten Bührmann, hier vor Ort in der Turnierleitung tätig, hat auf der Seite des Niedersächsischen Schachverbandes eine Kollektion aktueller Medienbeiträge aus aller Welt kreiert. Internationale Pressestimmen sozusagen, Funk, Fernsehen, Zeitung, NSA - ein Blick lohnt auch hier.

Bevor es morgen um Punkt 15 Uhr weitergeht (Handys aus!), hier noch ein Hinweis in eigener Sache. Hier in Verden wird ja auf Teufel komm´ raus jeden Tag stundenlang Schach gespielt. Das ist sehr schön und wird uns in Kürze auch den demokratisch legitimierten Nachfolger von Klaus Bischoff bescheren. Unser Sport hier lebt indes nicht allein von den Spielern und ihren aufregenden Zügen, wir brauchen auch immer viele viele Kräfte, die in ihrer freien Zeit all das anbahnen, was hier in neun Runden Turnierschach letztlich kulminiert. Um es einmal staatstragend zu formulieren:

Zur Würdigung ihrer umfangreichen Unterstützung bedanken wir uns hiermit herzlich bei allen ehrenamtlichen Helfern und freundlichen Funktionären, ohne die diese ganze Meisterschaft niemals möglich gewesen wäre.
Es macht sicher nicht immer nur Freude, was es rund um den Schachbetrieb ständig zu organisieren und abzuklären gibt. Ohne Eure Arbeit, Mühe und Koordination für Tuniere und Ligen wären wir Spieler wirklich ziemlich aufgeschmissen!

Wir möchten alle einmal kurz vorstellen heute, bevor es am Freitag und Samstag in die atemberaubenden Schlussrunden geht und weder Spieler noch Zuschauer mehr einen klaren Gedanken abseits des Schachbretts fassen können.

Darum heute - einige Porträts der Organisatoren, als da wären:

Michael S. Langer, Vorsitzender des Niedersächsischen Schachverbandes und auch DSB-Vizepräsident (Finanzen)

Dr. Oliver Höpfner, Präsident des Landesschachbundes Bremen

Michael Woltmann, Vorstand des Landesschachbundes Bremen und DSB-Vizepräsident (Verbandsentwicklung und Öffentlichkeit)

Ralph Alt, Bundesturnierleiter und Hauptschiedsrichter

Dirk Rütemann, Schatzmeister Niedersächsischer Schachverband und Schiedsrichter hier vor Ort

Torsten Bührmann, Sportdirektor im Niedersächsischen Schachverband und Netz-Admin

Bernd Laubsch, Allgemeine wohlwollende Unterstützung und Reservespieler

Frank Hoppe, Schachbulle und Webmaster (unter anderem) des Deutschen Schachbundes. Schrieb ich schon, dass der DSB ohne seine Netz-Arbeit nicht mehr sehr lange existieren würde? Frank war auch so nett, alle folgenden Porträts schon zu formatieren und hier in einiger Kleinarbeit im Server einzustellen.

Oliver Höpfner

SV Werder Bremen

- Ist dies Deine erste Teilnahme an einer DEM? / Deine wievielte Teilnahme an einer DEM ist das?

Das ist meine zweite Teilnahme an der Organisation einer DEM nach der Deutschen Einzelmeisterschaft 1998 in Bremen.

- Wie bereitest Du Dich vor?

Mit einer Vielzahl von Sitzungen, Besprechungen und Telefonkonferenzen.

- Wer sind in Deinen Augen die Favoriten?

Favoriten sind sicherlich die deutschen Nationalspieler Daniel Fridman, Igor Khenkin und Rainer Buhmann. Zudem hoffe ich sehr, das Matthias Blübaum in den Kampf um den Titel mit eingreifen kann.

- Was war bisher Dein größter schachlicher Erfolg?

Einmal konnte ich das Vereins-Pokalfinale bei Werder Bremen erreichen.

- Was ist Dein Ziel für die Deutschen Meisterschaften in Verden?

Dass das Turnier reibungslos und ohne größere Probleme abläuft.

Zudem hoffe ich sehr, das wir mit der Meisterschaft eine gute Werbung für den Schachsport in Bremen und Niedersachsen machen.

Und nicht zuletzt würde ich mir wünschen, das alle Meisterschafts-Teilnehmer mit einer positiven Erinnerung an diese DEM wieder nach Hause fahren.

- Was weißt Du über Verden? :-)

Als Bremer Schachspieler weiß man natürlich, das der Niedersächsischer Schachverband schon seit vielen Jahren immer im Januar seine Landesmeisterschaften in Verden ausrichtet.

Zudem haben auch schon eine Vielzahl von Jugend-Vereinsmeisterschaften in Verden stattgefunden.

Ansonsten kenne ich die Verdener Lätare-Spende (eine Verteilung von Brot und Heringen an die Bevölkerung als Vermächtnis von Klaus Störtebeker, an der immer auch Vertreter der Stadt Bremen teilnehmen), den Verdener Dom und die Domfestspiele, den Sachsenhain sowie den Verdener Märchenpark. Darüber hinaus ist mir Verden auch als Ausrichtungsort einer großen Zahl von Reitsportveranstaltungen bekannt.

- Wie würdest Du feiern, wenn Du Deutscher Meister wirst, obwohl Du gar nicht selber mitspielst?

Wenn das Turnier erfolgreich beendet wurde, feiere ich mit einem schönen Abendessen zusammen mit sämtlichen Meisterschafts-Teilnehmern sowie allen Organisatoren dieser DEM.

- Wer ist Dein schachliches Vorbild?

Jose Raul Capablanca, Akiba Rubinstein und Michail Botwinnik.

- Was machst Du beruflich?

Doktor der Wirtschaftswissenschaften.

- Hast Du neben dem Schach noch andere Hobbys?

Lesen, Geschichte, Politik.

- Bitte vervollständige folgenden Satz: Ich freue mich auf die DEM ganz besonders, weil...

... es die erste Deutsche Meisterschaft in Bremen bzw. im Bremer Umland seit 1998 ist.

 

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - und die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten, Mühen und den spektakulär hohen Kaffeekonsum erneut gespielt - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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DEM 2014: Die Karawane zieht weiter

27.11.2014 02:20
Schon zwei Drittel des Turniers sind vorüber

Dennis Wagner zieht mit an die Spitze

Fridman, immer wieder Fridman – der Mülheimer Großmeister nahm heute eine Art Ruhetag und sicherte sich mit einer entspannten Zugwiederholung gegen Igor Khenkin ein schnelles Remis.

GM Siebrecht gegen das Computerprogramm Deep Schachbund

Da horchten die Verfolger links und rechts natürlich auf, und am meisten spitzte wohl Dennis Wagner die Ohren – gegen die ambitionierte Spielanlage von Sebastian Siebrecht entwickelte er alsbald einigen grünfeld-indischen Schwung und ließ seine Belegschaft mutig gegen die weiße Königsstellung anrennen. Am Ende stand Siebrechts König entblößt da, und weder Tricks noch Schwindeleien erschienen mehr aussichtsreich – eine flotte Partie von Dennis Wagner!

Vorsicht ist geboten - Rasmus Svane lauert im Verfolgerfeld!

Nun ist es nur noch ein Hauch von Feinwertung, der die beiden Meister trennt, und auf der Zielgeraden ist die Meisterschaft damit wieder völlig offen. Mit 4,5 Punkten direkt dahinter haben sich Igor Khenkin und ebenfalls Vitaly Kunin positioniert, der sich mit einem Sieg gegen Klaus Bischoff, den Grandseigneur des deutschen Turnierschachs, wieder nach oben arbeitete. Für morgen hat die Turnierleitung daher ganz passgenau die Paarungen Kunin – Fridman und Wagner – Khenkin erdacht, und der Wettlauf um viel Preisgeld und noch mehr Ehre (oder ist es umgekehrt?) geht damit in die nächste Runde.

TV people are in the house  (Foto: Michael Woltmann, danke!)

Auch heute war das Fernsehen wieder mit vor Ort. Diesmal kam SAT 1 regional zu Besuch und unterhielt sich ein bisschen mit, Moment, mit wem war es noch? Natürlich, Matthias Blübaum!, und auch einige Impressionen zu ihm, seinem Trainer Matthias Krallmann und dem weiteren sportlichen Umfeld wurden eingefangen.

Die Fernsehteams sind immer lange vor Ort, und oft entstehen dann sehr schöne, aber für den langen Besuch doch nur recht kurze Beiträge. Es ist fast ähnlich wie beim Schach(sport) – auch da wird sehr viel und sehr lange nachgedacht, und dann kommt (bei mir zumindest) ein einziger kleiner Zug dabei heraus, und der ist mitunter auch noch schlecht!

Da macht es das Fernsehen schon besser, und es ist eine ungewohnte Aufwertung, hier so viele Journalisten aus Funk und Fernsehen begrüßen zu können.

Nur eine im Raum Bremen gut bekannte Tageszeitung hat es irgendwie noch nicht so richtig bis nach Verden geschafft. Rundenberichte hätten sie von den Organisatoren frei Haus erhalten, doch Platz im großen Sportteil ist dann doch eher nur für die Fußball-Bezirksklasse Nord. Einen würdigen Abschlussbericht zur (hey!) Deutschen Schach-Meisterschaft wird es aber auch dort geben.

Ein ansprechendes Porträt von Matthias Blübaum und ein wenig auch Dennis Wagner, in dem die Redakteure von Radio Bremen das etwas strapazierte Wort Schachprinzen geschickt umgehen, wurde heute abend im RB TV ausgestrahlt. Ein Blick lohnt – außer man ist irgendwo mit einer mauen Inter … net .. verbin .. dung. Dann dauert das Laden und Ansehen vielleicht ein klein wenig länger.

Einige mutige Teilnehmer spielten heute eine Motto-Runde zum Thema „Was ist denn das für eine Eröffnung?“. Vielfach wurden sensationelle Züge aufs Brett gezaubert, die man so noch nicht gesehen hatte, inspiriert ersonnen von Spielern oder Schachprogrammen, und wären wir nicht auf einer Deutschen Meisterschaft, man hätte argwöhnen können, ob man solche Züge denn überhaupt wagen dürfe. (Immerhin war ja auch das Fernsehen im Raum!)

Da ich selber von Eröffnungen noch viel weniger verstehe als von Endspielen, hier nur ein kurzer unkommentierter Strauß der spektakulärsten Motive. Aus Rechtsgründen weisen wir allerdings darauf hin: eventuelle eigene Versuche unserer Leser mit derlei Abspielen erfolgen auf eigene Gefahr! Eine Schadenersatzklage gegen den Deutschen Schachbund über beispielsweise 68.000,- € ist nicht aussichtsreich!

Maskottchen und Verpflegung bei Olaf Steffens, hinten sein Gegner Oliver Müller
Meister Müller, rechts im Bild     (Foto: Michael Woltmann)

Ein weiteres Mal war das Getränkeangebot im Saal wieder sehr erbaulich. Kaffee, Tee, Wasser, Apfelsaft, genug für viele Stunden Schach, da freut man sich.

Gerne hätte ich in all diesen Dingen noch deutlich länger geschwelgt, doch mein alter Lokalrivale Oliver Müller von Werder Bremen putzte mich schon nach knapp vier Stunden vom Brett, so dass wir in die urige Kegelbahn zur Analyse umsiedeln mussten. Glück auf! Nein, Gut Holz!, aber ist eigentlich auch egal, denn zu diesem Zeitpunkt war der Punkt ja schon vergeben und sicher in Olivers Händen. Immerhin, der Punkt blieb in der Hansestadt Bremen, doch hatte ich ein wenig und ganz im Stillen gehofft, meine sehr unheilvolle Serie mit FM Müller diesmal nicht fortsetzen zu müssen.

Schachspieler geben auch anderen Sportarten eine Chance: schön war es im Schwimmbad!

Um für die schwere Partie auch körperlich fit zu sein, bin ich heute morgen sogar noch mit dem Auto zum Schwimmbad gefahren -und auch geschwommen.

Man kennt das ja, Sport treiben, elastisch bleiben, durchtrainiert wie Vladimir Kramnik, alles sehr gut, so machen es die Profis. Doch auch mein erhoffter Trumpf durch diesen Extra-Einsatz am Morgen brachte mir keinerlei Gewinn. Denn gewieft wie er ist, ist Oliver einfach mitgekommen zum Schwimmen und neutralisierte dadurch ganz locker meinen erhofften Fitness-Vorsprung. Schade auch.

Nicht nur beim Schach wird ein Verlust streng bestraft

Ein einziges Mal habe ich in meinem Leben Remis gespielt gegen den großartigen Vize-Weltmeister der Blinden und Sehbehinderten, vor zehn Jahren schon oder zwölf, und danach? Eine große Rochade, wie es scheint, eine Null in Magdeburg, eine Null in Bremen, und tja, auch heute wieder, obwohl ich schon so wohl fühlte. Doch bei so etwas täuscht man sich gerne, vor allem gegen SF Müller.

Glückwunsch an Oli –Du warst einfach besser!

Und nun? Für heute endet unsere kleine Tageschronik, und wir vertagen uns auf morgen. Gute Nacht in nah und fern!

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Mittwoch, 15 April 2020 08:18

DEM 2014: Die Nacht der Endspielversteher

Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - und die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten, Mühen und den spektakulär hohen Kaffeekonsum erneut gespielt - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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DEM 2014: Die Nacht der Endspielversteher

26.11.2014 13:19
Rolf Hundack bahnt ein Endspiel ein

Meisterschaft geht in die zweite Hälfte

Viele schöne Züge wurden heute wieder gemacht bei den Deutschen Meisterschaften in Verden. Starke obendrein, so erwartet man das ja auch auf so einem Turnier, und in beachtlicher Anzahl. Nach der ersten Zeitkontrolle um 19 Uhr arbeitete man auf vielen Brettern noch weiter, eingehend behakten sich die Spieler und gingen in die gefürchtete fünfte Stunde. Und auch danach waren immer noch viele am Werk und prüften gegenseitig ihre Endspielkenntnisse:

Langwierige Vorteilsverwertung: Igor Khenkin - Gerlef Meins

- Läufer und Mehrbauer gegen Läufer der gleichen Farbe (Igor Khenkin – Gerlef Meins 1 : 0)

- Nochmal Läufer und Mehrbauer gegen Läufer der gleichen Farbe, Oliver Müller – Matthias Krallmann 1:0)

- Gemeines Läuferpaar gegen Springerpaar und Mehrbauer (Vince Keymer – Reinhold Müller, 1 : 0)

Ullrich Krause ahnt nichts Gutes

- Zwei Türme, Dame und Freibauer gegen zwei Türme, Dame und zwei Bauern mehr
(Ullrich Krause – Martin Breutigam, 0 : 1)

Internationaler Martin (IM)

- Turm und wenige Bauern gegen Turm und etwas mehr Bauern (Sebastian Zehnter – Tobias Jugelt, 0 : 1)

Großmeister unter sich: Matthias Blübaum und Rainer Buhmann

- Nicht so guter Läufer gegen agilen Springer (Matthias Blübaum – Rainer Buhmann, 0,5 : 0,5)

- Turm und einige Bauern gegen Turm, Springer und nicht so viele Bauern (Spartak Grigorian – Hauke Reddmann 0,5 : 0,5)

Rüdiger Kürsten und David Höffer

- Zwei Leichtfiguren gegen zwei andere Leichtfiguren und etwas schwächere Felder (Rolf Hundack – Joachim Asendorf 1 : 0)

- Turm und Läufer gegen (fies) Turm und Läufer der anderen Farbe (Rüdiger Kürsten - David Höffer, 1 : 0)

Viele interessante Konstellationen also – da kommt viel Arbeit auf Karsten Müller und Frank Lamprecht zu, die Hamburger Endspielexperten, wenn das wieder alles aufgearbeitet werden soll für eine Neuauflage ihres hinreißenden Standardwerkes „Grundlagen der Schachendspiele“.

Vielleicht gab es ja sogar eine theoretische Feinheit in einer der Partien? Oder eine späte Neuerung? Mit Grüßen nach Hamburg sei hier vor allem Keymer – Müller für eine nähere Betrachtung empfohlen.

Lev Gutman 1982 (Foto: Gerhard Hund, danke!)

Schwierig, schwierig also alles, und ich kann von Glück sagen, dass mich Altmeister Lev Gutman schon bald nach dem 20.Zug in die Niederlage entlassen hat, als das Brett noch ziemlich voll war.

Kein Endspiel darum bei mir, nur ein gutgemeintes Bauernopfer, das das Ende des Spiels bedeutete, und umso mehr Zeit hatten wir darum für eine ausgiebige Analyse nach der Partie - das soll ja ganz gut sein, um irgendwann mal besser zu werden beim Schach.

Und es ist eine Freude, sich mit Lev Gutman noch einmal durch die Partie zu bewegen. Lev ist ein leidenschaftlicher Kämpfer, und war als Sekundant an der Seite Korchnois mit dabei, als Schachgeschichte geschrieben wurde. Sehr, sehr beeindruckend.

Willi Skibbe unterwegs in Sachen Bank (oder so)

Die letzten Partien des Tages endeten nach guten sechs Stunden, so dass die Interessierte noch rechtzeitig a) zum Abendbrot eilen, b) die späten Tore von Manchester City sehen und c) ich noch eine Blitzpartie spielen konnte, und das auch noch mit Spartak Grigorian und Willi Skibbe, die beide recht eigenartige Eröffnungen wählten (1.d2-d4, d7-d6?, und 1.g2-g3!?).

So ein bisschen Blitzen, das ist wie Bolzen auf dem Fußballplatz – es geht um nichts, man kann die Figuren mal irgendwo reinhauen, und falls das gar nicht geht, ist es auch nicht weiter schlimm. Das alles macht den Kopf frei, für die mentale Stärkung während einer Meisterschaft. Wichtig ist das, denn wie wir heute erfuhren, ist für morgen um 15 Uhr ja schon wieder die nächste Runde angesetzt- da kennen die Turnierleiter ja nichts!

Schon seit über zwölf Monaten Deutscher Meister: Klaus Bischoff

Die Meisterschaft selber stand heute so ein bisschen auf der Stelle – überall wurde manövriert an den vorderen Brettern, man fuhrwerkte herum, und am Ende kam dann meistens doch nur ein Remis dabei heraus.

Nun ist so ein Unentschieden ja oft das logische Ergebnis, auch im Sinne der Brüderlichkeit, doch es hilft meist nicht, wenn man den Sprung an die Tabellenspitze plant. (Nur Niederlagen sind in dieser Hinsicht noch weniger hilfreich.) Der amtierende Deutsche Meister Klaus Bischoff hat dagegen zu einem Zwischenspurt angesetzt und holte gegen Thilo Kabisch den zweiten Punkt in Folge.

Ein Präsident, ein Graf, und weiter hinten ein Stern

Wir stellen daher nur spröde fest, dass Daniels Fridman (die heutige Doping-Probe ergab unter anderem, dass er offiziell wirklich so heißt – mit einem „s“ am Ende des Vornamens. Hübsch, eigentlich!), dass Daniels Fridman also weiterhin dem Feld voranschreitet und seinen halben Punkt Vorsprung durch ein Unentschieden mit Dennis Wagner behaupten konnte. Direkt hinter ihm folgen Sebastian Siebrecht (remis), Rasmus Svane (remis), Rainer Buhmann (rrremis!) und Matthias Blübaum (kein Sieg, keine Niederlage).

Im Reich der Führenden gewann allein Igor Khenkin ein langes zähes Endspiel, und das ist ja oft eine Kunst, die ein Großmeister mindestens so gut beherrschen muss wie den rauschend geführten Mattangriff, der es in die Schachspalten schafft. Das Tagesgeschäft aber – meist solide, kleinschrittige Fortschrittspartien, und am Ende dann irgendwie ein knapper Punkt. So wachsen Turniererfolge heran.

Khenkin hat sich dadurch für einen Besuch bei Daniels Fridman empfohlen und kommt zur morgigen Runde am Spitzenbrett vorbei. Ob er auch gleich dableiben wird? Beide waren bereits ein- oder mehrere Male Deutsche Meister – freuen wir uns auf eine anregende Partie!

Und sonst so?

Marcel Harff beim Interview mit dem NDR

Das Fernsehen war heute zu Besuch, das Bremer Regionalmagazin Buten und Binnen (Drinnen und Draußen) blieb für einige Stunden und drehte mit den drei jungen Schachkünstlern Matthias Blübaum, Rasmus Svane und Prinz Dennis, die für den Beitrag etwas Fußball spielen mussten (Sport!) und am Gartenschach Züge absolvierten (auch Sport!).

Die Kameras rollten später auch in den Turniersaal, unter allergrößter Ruhe natürlich, und weil gleichzeitig auch der NDR zu Besuch war, sah man überall Mikrophone und Reporter und Radio-Equipment. Was muss das für ein toller Sport sein, der so ein Medieninteresse hervorruft!

Doch wirklich, irgendwie liegt Schach in der Luft im Augenblick, die Öffentlichkeit ist hellhörig geworden durch den WM-Kampf von Magnus Carlsen und Vishy Anand, und die schöne Tabellenführung von Werder Bremen in der Schach-Bundesliga. Liegt es da nicht nahe, dass nun die Journalisten kommen? Ich möchte mir das jedenfalls ein wenig einbilden.

Der Bremer Fernsehbericht wird am Mittwoch abend um 19:30 Uhr im Radio Bremen TV ausgestrahlt (3.Programm), und sobald wir einen Link für die internationale Leserschaft haben, werden wir ihn hier selbstverständlich darbieten.Hier ist bereits eine kleine Vorschau, allerdings auf einen Beitrag im Sportblitz um 18:06 Uhr. (Sport! Wir sind Sport!)

Bis dahin aber – Radio hören, Zeitung lesen, und am Nachmittag wieder dabei sein bei der DEM. Op nach Veern!

Nachtrag Frank Hoppe: Thorsten Iffland vom NDR hat einige Stimmen eingefangen und uns den nachfolgenden Link geschickt. Auch unser Autor kommt zu Wort. Unbedingt anhören!
NDR.de

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Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Dienstag, 14 April 2020 09:37

DEM Verden: Ein Prinz in meinem Wohnzimmer

Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - und die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten, Mühen und den spektakulär hohen Kaffeekonsum erneut gespielt - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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Daniel Fridman federt alles ab

Tag der Jugend in Verden

Auch für diesen Dienstag hat die umsichtige Turnierleitung schon wieder eine Runde bei den Deutschen Meisterschaften angesetzt, und obwohl es erst am Nachmittag losgeht, lauern die 44 Spieler bereits am Morgen und richten sich so langsam auf die kommenden Gegner ein.

Die Frage „Wer wird der Nächste sein?“ wurde noch des Nachts mit der Veröffentlichung der Rundenauslosung beantwortet, und schon begann die Arbeit der Meister und mit ihr der Blick in den Variantenkoffer, den Laptop, ins Internet, um den nächsten Gegner ein wenig besser zu verstehen und die ersehnte Lücke zu finden in seinem Repertoire. Groß ist die Kunst der Vorbereitung, und die wahren Meister sind auch darin versiert und beschlagen. Wenn sie sich später dann ans Brett setzen, ist der Matchplan schon entworfen und die ersten Züge tief erdacht.

Turnierleitung, nach der 4.Runde. Souverän wie immer: Torsten Bührmann (Netz und so), Dirk Rütemann (Schiedsrichter), Ralph Alt (Hauptschiedsrichter)

Manche Teilnehmer gehen am Vormittag vielleicht noch spazieren oder schwimmen eine Runde im sehr ansprechenden Verdener Hallenbad Verwell, sie statten den Pferden auf der nahen Koppel neben dem Hotel einen großmeisterlichen Besuch ab, frühstücken sogar und trinken Kaffee, doch eigentlich ist dies alles nur der Rahmen – der Tag beginnt um 15 Uhr, und alles kulminiert in diesem Beginn der neuen Runde.

Turniergericht (nach der 2.Runde)

Noch immer ist das Feld in Verden dicht beieinander, doch mit einem wohltuenden halben Punkt hat sich GM Daniel Fridman bereits von den anderen Spielern absetzen können. In der populären Rubrik Deutschland prüft die Schachprinzen (DPrDSchPr) hatte Fridman gestern selbstlos die Rolle des Jurymitgliedes übernommen, um in einem ereignisreichen Match mit Matthias Blübaum das Nachwuchs-Förderkonzept des DSB auf die Probe zu stellen. Der Punkt in einem knapp entschiedenen Endspiel ging dabei an den Mülheimer Großmeister, der nun heute mit Dennis Wagner gleich den nächsten Prinzen bei sich am Spitzenbrett begrüßen wird.

Kunin - Wagner: die weißen Felder sind schwach, und der h-Bauer läuft mal so los

Wird das Spitzenbrett in Verden zu Daniel Fridmans neuem Wohnzimmer? Dennis Wagner würde diese Geschichte lieber anders weitererzählen, und in der Tat scheint er in guter Form zu sein. Erst gestern konnte er mit den schwarzen Steinen einen schwungvollen Punkt gegen GM Vitaly Kunin einfahren. Heute um 15 Uhr also die neue Episode von DPrDSchPr!

Weiteres Voranschleichen nach h3?
Und nun kommt auch noch der Turm ins Spiel - und bald wurde der weiße König matt
 
Schöner Sieg gegen starken Titelträger: Dimitrij Kollars

Offenbar war es der inoffizielle Tag der Jugend gestern bei den Meisterschaften - nicht nur, dass Dennis Wagner stürmisch gewann, nein, auch Rasmus Svane spielte nach und nach GM Lev Gutman an die Wand, und Dimitrij Kollars vom Delmenhorster SK wehrte sich zäh gegen den IM Martin Breutigam aus Oldenburg. Nach einem Bauernsturm in der Eröffnung sah es erst nicht gut aus für den 15-jährigen Beinahe-Prinzen, doch nach einer Ungenauigkeit seines ideenreichen Gegners übernahm er die Kontrolle und verfolgte seinen König über das halbe Brett. Punkt für die Jugend in einer dramatischen Partie!

Ein großer Tag für Vincent Keymer!

Während Spartak Grigorian (ebenfalls jung) vom SV Wildeshausen gegen Reinhold Müller (er auch!) einen halben Punkt absicherte, konnte ein weiterer junger Mann in dieser vierten Runde brillieren - wenn das so weitergeht, wird sich der Deutsche Schachbund nie mehr Sorgen machen müssen über seine Zukunft!

Der zehn Jahre alte Vincent Keymer behielt souverän den Überblick und die Nerven in einem schwierigen Lavierspiel gegen IM Yuri Boidmann. Sein erfahrener Gegner hatte wohl die Chance auf eine vorteilhafte Abwicklung, indes als diese ungenutzt blieb, schlug die Stunde des deutschen U10-Meisters. Punkt für Vincent, und zugleich der erste Sieg für ihn gegen einen Titelträger in einer Turnierpartie. Wir gratulieren!

Doch seien wir ehrlich - wie ist das überhaupt möglich? In so einem Alter schlägt man doch noch keinen Internationalen Meister, und wenn doch, dann höchstens in einem Simultanspiel mit vierzig Teilnehmern! Früher wäre so etwas nicht erlaubt gewesen, und daher soll man vielleicht noch abwarten, ob die Turnierleitung das Ergebnis der gestrigen Partie tatsächlich werten wird.

Ich meine, zehn Jahre - in diesem Alter wusste ich noch gar nicht, dass es überhaupt Schachvereine gibt, geschweige denn Internationale Meister! Aber was nützt es, die Zeiten ändern sich, und schon mit acht Jahren reiste Vincent begleitet von seinen Eltern und den ehrenamtlichen Betreuern des DSB schon zu den Jugend-Europameisterschaften in die Slowakei - ein vierter Platz wurde es damals, vor zwei Jahren. Mon dieu! Was ist hier los?
Im Namen aller erwachsenen Teilnehmer bleibt uns daher nur Dank zu sagen an Dr. Hauke Reddmann, dem es in der dritten Turnierrunde gelang, dem eigentlich unstoppbaren Vincent Keymer eine Niederlage beizubringen - sonst wäre er sicherlich gleich durchmarschiert ins Wohnzimmer von Daniel Fridman!

Dies und das

Was bleibt noch zu sagen? Der Niedersachsenhof hatte ein freundliches Einsehen und gab in der gestrigen Runde eine Runde Kaffee, Wasser und heißes Wasser (für Tee) aus - als kleine Wiedergutmachung für die recht späten Arbeitszeiten, die aufgrund des Tanznachmittags am Sonntag notwendig geworden waren. Das in dieser Runde etwas reichlicher gedeckte Getränkebuffet wurde allgemein gewürdigt und genossen. Hoffen wir darum zum Wohle des Schachsports, dass auch in den nächsten Runden der Kaffeetisch so großzügig für alle gedeckt bleibt.

Heute kommt das Fernsehen, sie sind wahrscheinlich schon im Haus!, und interviewen Spieler und Turnierleiter. Auch zum Rundenbeginn sind die Journalisten von Radio Bremen noch im Saal - und das ist ungewohnt. Bilder, Fotographen, das kennen wir ja ein bisschen, aber Fernsehen, richtiges Fernsehen? Hui! Wir melden uns wieder, wenn es einen Bericht online zu sehen gibt im Netz.

Bis dahin aber - Schach gucken und genießen. Um 15 Uhr geht´s los!

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Olaf Steffens

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Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - und die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten, Mühen und den spektakulär hohen Kaffeekonsum erneut gespielt - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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Verden wartet auf Weltmeister Carlsen

Kommt er, oder kommt er nicht? Noch ist nicht sicher, ob Magnus Carlsen, der alte, aktuelle und vielleicht sogar zukünftige Weltmeister sein Versprechen wahr machen wird und nach dem Ende des WM-Kampfes mit dem Fernbus aus Sotschi direkt zu den Deutschen Meisterschaften nach Verden reist. "Mich reizt die norddeutsche Tiefebene", so der Weltmeister, der schon in der heutigen vierten Runde in den Wettbewerb einsteigen könnte, um seine Chancen im Titelrennen zu wahren.

Die Konkurrenz hier in Verden ist natürlich vorgewarnt - und leicht dürfte es nicht werden für Carlsen, denn Daniel Fridman gewinnt Partie um Partie und hat bereits jetzt drei Punkte Vorsprung auf den norwegischen Weltmeister. Spielen wird er heute gegen den anderen Drei-Punkte-Mann Matthias Blübaum. Direkt hinter dem Führungduo tummeln sich mit Dennis Wagner, Vitaly Kunin und Sebastian Siebrecht drei Titelträger - auch an diesen dreien müsste Carlsen sich erst einmal vorbeiarbeiten auf dem Weg zur Deutschen Meisterschaft. Ebenfalls zweieinhalb mit beachtlicher Souveränität erarbeitete Punkte haben Thilo Kabisch und Sebastian Zehnter - sie trotzten gestern sowohl Dennis Wagner und dem wiederum hartnäckig auf Gewinn spielenden Vitaly Kunin zwei wichtige halbe Punkte ab.

Dennis Wagner und ein spielstarker Zuschauer aus der Region

Manchem wird es aufgefallen sein, dass die gestrige Runde entgegen aller Ankündigung erst um 19 Uhr eröffnet wurde. Kurzfristig hatte sich herausgestellt, dass der große Saal des Hotels direkt neben dem kleinen Saal der Schachmeisterschaft für einen sonntäglichen Tanznachmittag vergeben worden war - ummta, ummta, ummta, und von dieser schönen Wendung und dem Fauxpas des Hotels kurzfristig überrascht, beschloss die Turnierleitung, zur Wahrung der Turnierruhe den Rundenbeginn um vier Stunden zu verschieben. Und tatsächlich, um kurz nach 19 Uhr schwang noch einmal "Gute Nacht, Freude, es wird Zeit für mich zu gehen" durch die Luft, und danach - Stille. Die Partien konnten beginnen.

Leider müssen in dieser Welt oft die Leisen den Lauten weichen - die Tanzwütigen hätten ja eigentlich auch anerkennend sagen könnten, Mensch, Mensch, eine deutsche Schach-Meisterschaft gleich nebenan! Und viele kleine und große Meister direkt hinter dieser dünnen Wand! Da wollen wir mal ein bisschen vorsichtig sein und ganz leise tanzen heute! Doch so kam es nicht, und statt dessen und wie immer waren es die freundlichen Schachsportler, die sich fügten und in die Abendstunden wechselten, sehr zum Missvergnügen des aus einiger Ferne anreisenden Gerlef Meins, den die Nachricht der Spielverlegung nicht mehr rechtzeitig erreichte. Aber vier Stunden Kurzurlaub in Verden - das ist doch vielleicht auch ganz schön? Wir empfehlen hiermit noch einmal das John Lennon-Denkmal, und natürlich das Pferdemuseum. Für den Werderaner endete der Tag zum Glück versöhnlich mit einem Remis gegen GM Rainer Buhmann. Das lange Warten wurde also belohnt, sozusagen. Alles wird gut.

Der späte Rundenbeginn war vermutlich von Vorteil für diejenigen Naturen unter uns, die eher den Eulen als den Lerchen zuzuordnen sind. Alle Eulen und Nachtschwärmer in dem 44-köpfigen Feldes hatten sicherlich bessere Chancen, die bis um 01 Uhr und länger andauernden Partien wacker zu überstehen. Die braven Lerchen natürlich, freundliche Frühaufsteher, werden möglicherweise spät um elfe an ihr Limit gekommen sein. Oder um zwölfe. Oder noch später. Einfach war es nicht, und in der Tat, als um halb eins immer noch gespielt wurde an drei Brettern, da war das Ergebnis sicher auch eine Frage der guten Kondition.

Die Spitzenpaarungen nach Mitternacht

Als spielstarke Eulen erwiesen sich in der Verdener Night Lounge Sergej Kalinitschew, der in der Geisterstunde Matthias Krallmann Gespenster sehen ließ und am Ende einen entscheidenden Bauern gewann, und ebenso Daniel Fridman. In einer komplexen Position mit reichlich weit vorgerückten Freibauern und einem mutig mäandernden Monarchen gelang es ihm nach Mitternacht, Tomislav Bodrozic (einer Lerche, eventuell)  noch einen vollen Punkt abzunehmen.

So sollst Du Schachpartien vorbereiten

Hoffen wir also nach all der Mühsal durch die nächtlich angesetzten Partien, dass die Hotelleitung, warum eigentlich auch nicht, die heutige Kaffeeration im Turniersaal verdoppelt. Oder verdreifacht. Kännchen für alle!

So, und nun? Nun geht die Runde gleich los, und aus Verden darum schöne Grüße in die Welt, an alle interessierten ZuschauerInnen, und an Weltmeister Carlsen. Magnus, am Busbahnhof noch ein paar Kilometer Richtung Autobahn, dann kommt der Niedersachsenhof. Wir spielen gleich rechts, wenn man reinkommt!

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Sonntag, 12 April 2020 07:28

DEM 2014: Verden Fight Club

Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern frohe Ostern und viele bunte Ostereier! Kommt alle gut durch diese Zeit. Wir sehen uns wieder, wenn unsere Schachfiguren
und Holzbretter wieder freigegeben sind - und dann gibt's Kaffee und Kaltgetränke! Bis dahin, bleibt gesund!

Hase

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Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - und die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten, Mühen und den spektakulär hohen Kaffeekonsum erneut gespielt - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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Verden Fight Club

23.11.2014

Der Deutsche Schachbund hat sich ordentlich ins Zeug gelegt, um eine bundesweit flächendeckende Schachversorgung zu gewährleisten. Und so kann man aktuell in Dresden das deutsche Frauen-Masters besuchen, etwas weiter nördlich die Vorrunde der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaften (DSAM) verfolgen, und wenn man sich noch weiter in den Norden traut, kommt man irgendwann sogar nach Verden, wo 44 Teilnehmer heute die zweite Runde der Deutschen Meisterschaften und viele strenge Züge absolvierten.

Mehr Schach geht eigentlich nicht innerhalb der bundesdeutschen Grenzen. Geht doch? Nun gut, heute schalten sich aus der Ferne noch Vishy Anand und Magnus Carlsen wieder live dazu aus Sotschi, und dann wird es für die Schachfreunde allenthalben richtig hart, unter all den angebotenen Partien im Netz eine ausgewogene Auswahl zu treffen. Persönlich würde es mich wohl nach Dresden ziehen, cherchez la femme, und überhaupt, vielleicht auch zu Ralf Mulde nach Magdeburg, der von den DSAM-Turnieren schon viele Jahre mit viel Esprit und einem kenntnisreichen Blick für die freundlichen Details am Rande berichtet. Und wenn der Fernbus am Verdener ZOB morgens nicht schon so früh abfahren würde, käme selbst ein Abstecher nach Sotschi zur WM in Frage. Doch hier in Verden, da möchte ich gar nicht sein!

Verden nämlich, das muss einmal gesagt werden, ist schachlich ein recht hartes Pflaster. An jedem einzelnen Brett der Deutschen Meisterschaften lauert mindestens ein Gegner mit respektabler Elo darauf, seinem Spielpartner das Leben möglichst schwer zu machen. Wenn's sein muss wird man stundenlang hier gequält, angesprungen, überrollt, und kaum einer nimmt so richtig Rücksicht darauf, welche empfindlichen Auswirkungen eine schmerzvolle Niederlage für das Feierabendglück nach sich ziehen kann. Kurz gesagt: es ist einfach nicht immer eine Freude, ein Mitglied unserer großen Schachfamilie zu sein. Schachfamilie? Fight Club würde es eher treffen.

So richtig nett und chillig entspannt sind Schachspieler ja ohnehin nur, wenn ihre Partie nicht läuft. Hat aber die Runde begonnen und der Schiedsrichter die Uhr gedrückt, verwandeln wir uns in wilde Tiere auf der Suche nach dem nächsten vollen Punkt (ich ja auch, zugegeben, mit dem Unterschied nur, dass wilde Tiere nicht so viel Kaffee trinken). Man sieht es vielleicht nicht, doch die Ellenbogen werden ausgefahren und jeder dunkle Trick ist nun erlaubt, um den Gegner, der ja im Zweifel ähnlich handeln würde, in die Tiefe zu stoßen. In meiner Jugend gab es zur Abmilderung der schlimmsten Auswüchse dieses Treibens noch die edle Möglichkeit des Remisangebotes – damals durften Schachspieler noch selber vereinbaren, wie lang und intensiv sie kämpfen wollten.
Leider wird diese noble Geste auf Betreiben der FIDE mehr und mehr kassiert. Freundliche Unentschieden sind nun vor dem zwanzigsten Zug und, wenn man ganz großes Pech hat, vor dem vierzigsten Zug kaum mehr erlaubt. Und so sitzen wir da und wehren uns stundenlang unserer Haut, moderne Gladiatoren, die kämpfen müssen, bis jemand in die Knie geht oder das Reglement gnädig eine Punkteteilung gewährt. The show must go on, doch Autonomie sieht anders aus. Wenn sonst schon in allen Bereichen des Lebens wütend liberalisiert wird, warum nimmt man gerade den Schachspielern ihre Freiheit und erlaubt ihnen im Zweifel nicht, die Waffen zumindest nach zwanzig Zügen auch mal ruhen zu lassen?

Nun habe ich es ja schon lange geahnt und befürchtet, dass man mir und meinem Schach irgendwann mal auf die Schliche kommen würde. Doch muss es unbedingt hier in Verden soweit sein? Mein Gegner Rüdiger Kürsten vom SV Lok Engelsdorf jedenfalls hatte keine Probleme, meine einerdeutschenmeisterschaftunangemessenen Rechenkünste zu widerlegen und mir die zweite Niederlage beizubringen. In schlechter, aber optisch für beide Seiten recht zweischneidiger Stellung hätte ich wohl gerne einmal ein Remisangebot eingeworfen, doch – siehe oben. Damit habe ich nun stolze 100% nicht gemachte Punkte, und wie gesagt, eine nette Reise nach Magdeburg zu Ralf Mulde, das wäre vielleicht besser gewesen heute für mich.

Doch das Schöne beim Schach ist – wir gewinnen gemeinsam, und zusammen verlieren tun wir auch. Jedenfalls gibt es immer einige arme Teufel, die ebenso unfreiwillig wie man selbst als zweiter Sieger vom Tisch aufstehen, und so lassen uns zumindest einige unserer Brüder und Schwestern im Turnier in der Enttäuschung nie ganz allein. Man kann immer davon ausgehen, dass auch andere Turnierteilnehmer die Bürde der verlorenen Schachpartie wacker mitzutragen bereit sind. René Stern ist beispielsweise so jemand, der sich heute hier mit mir solidarisch zeigte und in einer sehr langen Partie wohl ungern, aber dennoch selbstlos gegen Thilo Kabisch unterlag. Gens una sumus!

Spartak Grigorian misst sich mit dem Präsidenten Herbert Bastian

Auch Vadim Reimche, Joachim Asendorf und Spartak Grigorian hatten nach langer Gegenwehr das Nachsehen und helfen mit, dass ich mich am Tabellenende nicht ganz so einsam fühlen muss. Hinzu gesellt sich zu unserer kleinen Schar noch der Saarländer Reinhold Müller, der vom Werder Bremen-Schachtrainer Matthias Krallmann sehenswert ausgeknockt wurde. Sicher aber werden auch wir Tagesverlierer bald noch Punkte machen und mit etwas Glück eine irgendwie gelungene Partie spielen. Es gibt immer Hoffnung, und selbst Borussia Dortmund hat ja gerade erst einen Punkt geholt in Paderborn. Darum: wir kommen wieder! (Allerdings, und wenn es nach mir gehen würde - Vadim Reimche von den SF Ravensburg darf sich mit seiner Aufholjagd gerne noch ein wenig Zeit lassen. In der dritten Runde nämlich spielt er erst einmal gegen mich.)

Nun aber genug des Trübsals, wer will schon von den Verlierern hören? Und was sollen die deutschen Schachfrauen in Dresden von uns denken? Darum wechseln wir jetzt schnell von den armen Teufeln zu den glorreichen Tagessiegern! Den Baden-Württemberger Thilo Kabisch haben wir ja schon erwähnt, und tun dies auch gerne noch einmal, denn nicht alltäglich ist es allemal, einen so versierten Großmeister wie René Stern mit Schwarz in gutem Stil vom Brett zu ringen. Glückwunsch noch einmal, Thilo, sehr beeindruckend!

Trotz Wanderkönig auch nach sechs Stunden nicht noch die Ruhe selbst: Thilo Kabisch mit Schwarz gegen René Stern

An der Spitze des Verden Fight Clubs haben sich nach zwei Runden einige weitere bekannte Gesichter eingefunden. GM Daniel Fridman hat auch heute gewonnen (hat er ?) und damit ebenso zwei Punkte wie sein Kollege Vitaly Kunin, der gegen Lev Gutman ein mutmaßlich remisliches Endspiel noch in einen überraschenden Sieg ummünzen konnte.

In der beliebten Serie „Prüf den Prinzen (PdP)“ versuchten Sergej Kalinitschew und Willi Skibbe (heute mit Löwen-T-Shirt) ihr Glück. Gegen Matthias Blübaum und Dennis Wagner allerdings verließen sie den Saal mit leeren Händen. Beide Nachwuchskräfte des DSB holten damit gutgelaunt ihren zweiten Sieg, der allerdings durch die Niederlage von Prinz Rasmus (Svane) gegen Tomislav Bodrozic überschattet wurde.
Noch zwei weitere Spieler liegen von Minuspunkten unbelastet vorne – der Niedersachse Sebastian Plischki setzte sich gegen Igor Khenkin durch, und Sebastian Zehnter vom Ilmenauer SV nahm gegen Felix Graf beide Fäuste hoch und wählte mit der (wenn man weiß, wie es geht) schönen Tschigorin-Verteidigung eine kämpferische Verteidigung. Im Bemühen, den Druck auf seinen Gegner konstant aufrecht zu erhalten, verfiel Graf dabei auf eine schwungvolle, doch letztlich unglückliche Idee:

Graf - Zehnter nach 18 Zügen
Graf - Zehnter nach 18 Zügen

Weiß spielte a4 und nahm nach bxa4 den Bauern auf b7. Einen Zug später allerdings gab er sich geschlagen. Warum? (Antworten siehe im Partienbereich)

Sebastian Zehnter:
Zwei Runden, zwei Titelträger und zwei Punkte! (Foto: privat)

Heute bereits folgt die nächste Runde, die dritte schon von neunen wird vom Schiedsrichter-Gespann Ralph Alt und Dirk Rütemann eingeläutet. Wer möchte, kann im Internet seines Vertrauens alle Partien live verfolgen, interessanter allerdings ist möglicherweise ein Besuch vor Ort hier in der Reiterstadt. Es gibt hier Kaffee und Kuchen im schönen Restaurant, denn immerhin ist ja auch Sonntag, und ein Gartenschach steht auch vor der Tür!

Schachspieler-Paradies

Sehr schöne Bilder von Andreas Burblies aus Runde zwei erwarten Sie auf dieser Seite.

dem2014.schachbund.de

Olaf Steffens

Olaf Steffens

Olaf Steffens ist FIDE-Meister, wohnt in Bremen und spielt dort für den SV Werder II in der Oberliga Nord-West. Obwohl das Schachspiel eigentlich viel zu schwierig für ihn ist, versucht er es immer wieder und schreibt darüber zusammen mit anderen auf www.schach-welt.de.

Während der Deutschen Einzel-Meisterschaft 2014 schreibt er für den Deutschen Schachbund.

Corona-Krise 2020, keine neuen (Schach-) Veranstaltungen mehr, alles abgesagt!

Wenn man schon nichts Neues mehr spielen darf, was liegt da näher, als einfach ein altes Turnier noch einmal auszutragen? Gedacht, gemacht - die Landesverbände des DSB (leider ohne DSJ) einigten sich nun im Rahmen einer Telefonkonferenz auf die Deutsche Meisterschaft 2014 im schönen Verden an der Aller. Dieses historische Turnier wird nun ohne Rücksicht auf Kosten und Mühen einfach noch einmal ausgetragen - bis es wieder weitergehen kann mit der auf Eis gelegten Saison 2019/2020 und den aktuellen Meisterschaften in Land und Bund.

Darum: Verden 2014? - Wir sind (noch einmal) mit dabei!

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Die erste Runde ist gespielt bei den Deutschen Meisterschaften in Verden, und schon ist der Katzenjammer groß. An einem der 22 Bretter wurde ein besseres Abspiel übersehen, zwei Bretter weiter eine mögliche Rettung nicht erkannt, zumindest einer hat überhaupt nicht viel geblickt und wurde früh matt, und dann war da noch die Partie, in der das energische Spielen auf Gewinn zu einer enttäuschenden Niederlage führte. Der Tag endet somit für einige Spieler in tiefer und berechtigter Erstrunden-Agonie.

Schach ist Sport, Schach soll auch Spaß machen, so verspricht es eigentlich die Werbung, doch einmal mehr zeigt sich, dass dieser Spaß recht ungleich unter den Beteiligten verteilt ist. Bei mir zumindest ist heute nicht so viel davon angekommen, und auch einige der Titelträger werden sich einen beschwingteren Start in das Turnier erhofft haben.

Zwei der Internationalen Meister beendeten ihre Auftaktrunde ohne zählbaren Erfolg – trotz geschmeidiger Spielführung hatten sowohl IM Martin Breutigam als auch IM Yuri Boidman am Ende das Nachsehen gegen Sebastian Zehnter und Thilo Kabisch, die somit einen gelungenen Aufgalopp in den Wettbewerb hatten.

GM Rainer Buhmann musste sich mit Dr. Hauke Reddmann bundeslandübergreifend auf ein Remis verständigen, ebenso wie Titelverteidiger GM Klaus Bischoff und der Delmenhorster David Höffer vom Delmenhorster SK, als dieser gerade anfangen wollte, sich einen Weg durch Bischoffs Verteidigungslinien zu beißen.

Keine Geschenke für niemanden - Klaus Bischoff vs David Höffer

Alles wird gut

Willi Skibbe: Eindeutig ein Schlund auf seinem Shirt - der Teller ist schließlich auch schon leergeputzt

Zum Glück bietet der Verdener Niedersachsenhof in derart trüben Momenten Trost in Form eines guten Abendessens (Grünkohl satt), verschiedener Fruchtschorlen und der Aussicht auf das reiche Frühstück am folgenden Morgen. Auch eine Feier mit 200 Teilnehmern im Festsaal hellt die Laune auf, Musik und fröhliche Menschen überall, unbelastet von schachlichen Sorgen – das Leben könnte so schön sein!

Aber, hey, diese erste Runde der DEM, sie hatte auch ihre erfreulichen Seiten. Fragt man beispielsweise Willi Skibbe, den offiziellen Vertreter des Schachbezirks Rostock und der Ostseeküste, so würde er vermutlich den Daumen hochnehmen und von einer gelungenen Partie berichten.

Sein Gegner war zwar der gefährliche IM Hagen Poetsch von den Schachfreunden Schöneck, doch eine gut vorgeführte Englische Partie brachte für Willi erst Raumvorteil und dann nach klugem Manövrieren einen entscheidenden Königsangriff. So startet man gerne ins Turnier!

Mutmaßungen, auch das kämpferische T-Shirt des jungen Mecklenburgers hätte einen Anteil am Erfolg gehabt, lassen sich allerdings nicht belegen. Mich erinnerte der gelb-schwarze Aufdruck ein wenig an einen weit aufgerissenen, fürchterlichen Schlund, doch Willi, der in Sachen T-Shirt und Schachpartien in gewisser Weise vorbelastet ist, wollte darin ein Batman-Symbol erkennen.

Wer hatte einen guten Tag?

Viele der anwesenden Titelträger brachten ihre erste Partie vorschriftsgemäß über die Bühne und netzten einen ganzen Punkt ein. Glückwunsch an Igor Khenkin, Vitaly Kunin, und die Schachprinzen Rasmus Svane, Dennis Wagner und, ja, es muss gesagt werden, auch an Matthias Blübaum, der seinen, wie sagt man so schön, überforderten Gegner* wie eine weiche Slalomstange umdribbelte und schon nach zwanzig Zügen zum Matt ansetzte.

*Name der Redaktion bekannt

Weitere Teilnehmer können nach der ersten Runde eine gut gelaunte text message an Freunde und Verwandte senden:

- Daniel Fridman als Nummer Eins der Setzliste besiegte seinen Präsidenten Herbert Bastian – es bleibt abzuwarten, ob und wie der Schachbund auf diese Provokotion reagieren wird

- Der deutsche U16-Vizemeister Dimitri Kollars (ebenfalls Delmenhorster SK!) erspielte sich in einer stets ausgewogenen Partie ein beeindruckendes Unentschieden gegen GM René Stern

- Stephan Buchal, mein Turnierfavorit, begann mit einem Remis gegen GM Sebastian Siebrecht, ebenso wie Roland Schmid bei seiner ersten DEM gegen IM Gerlef Meins, und Rolf Hundack, obgleich durch einen Fahrradunfall geschwächt, erreichte in einer sehr langen Partie eine sehr kämpferische Punkteteilung mit IM Tobias Jugelt.

Hauen und Stechen bei Hundack gegen Jugelt
Don´t miss out on round two!

- Der junge Vincent Keymer – mit seinen zehn Jahren ist er jünger als alle anderen Teilnehmer zusammen - luchste FM Thomas Thiel einen halben Punkt aus phasenweise schon bedrängter Stellung ab. Indes war es am Ende keineswegs unverdient, und musste in gut sechs Stunden auch lange erwirtschaftet werden.

Der Turniersaal öffnet morgen wieder um 15 Uhr, Zuschauer sind nach wie vor willkommen. Für alle, die keinen Internetzugriff haben, präsentieren wir hier die Auslosung der zweiten Runde in analoger Form – so wie früher, in der guten alten Zeit, als man noch schlechte Züge machen konnte, ohne dass es die ganze Welt sehen konnte.

Gute Pferde-Vibrations im Niedersachsenhof

Gerne greifen wir an dieser Stelle noch den Hinweis von Dr. Oliver Höpfner, dem Präsidenten des Bremer Landesschachbundes, auf. Im Netz spürte er zwei hörenswerte Interviews zur DEM auf, geführt von Radio Bremen, und an dieser Stelle noch einmal erhältlich. Ein Gespräch führten die Redakteure mit Michael Woltmann, dem Vizepräsidenten Verbandsentwicklung beim DSB, und ein weiteres mit Marco Bode, Ex-Fußballnationalspieler und intensiver Hobby-Schachspieler.

Und noch etwas, und dann gehen wir ins Bett: es gibt noch einige Spieler-Interviews, die aufgrund verschiedener Umstände erst jetzt den Weg zu uns fanden und nun sogleich online gehen können. Sie folgen gleich im Anschluss - wir bitten um freundliche Beachtung!

Rüdiger Kürsten, SV Lok Engelsdorf

-Ist dies Deine erste Teilnahme an einer DEM?/Deine wievielte Teilnahme an einer DEM ist das?

Ja, das ist meine erste Teilnahme.

-Wie bereitest Du Dich vor?

Aus Zeitmangel leider nicht so intesiv wie ich es mir erwünscht hätte.

-Wer sind in Deinen Augen die Favoriten?

Die ersten der Setzliste sind sicherlich favorisiert, aber auch jüngere Spieler aus der „zweiten Reihe“ sollte man auf der Rechnung haben.

-Was war bisher Dein größter schachlicher Erfolg?

Es gab einzelne Partien mit denen ich sehr zufrieden war. In konnte drei mal auf dem Treppchen der Sachsenmeisterschaften landen, in der Jugend war ich außerdem zwei mal Sachsenmeister.

-Was ist Dein Ziel für die Deutschen Meisterschaften in Verden?

Zwei Siege einfahren und mich im Mittelfeld platzieren.

-Was weißt Du über Verden? 

Leider so gut wie gar nichts, aber das wird sich vielleicht noch ändern.

-Wie würdest Du feiern, wenn Du Deutscher Meister wirst?

So ausschweifend wie möglich, bis der Wecker klingelt und ich aufwache ...

-Wer ist Dein schachliches Vorbild?

Es gibt so viele Spieler von denen ich noch viel lernen kann.

-Was machst Du beruflich?

Ich bin Promotionsstudent in theoretischer Physik.

-Hast Du neben dem Schach noch andere Hobbys?

Ja, ich reise gern, ab und  zu boulder oder wandere ich.

Bitte vervollständige folgenden Satz: Ich freue mich auf die DEM ganz besonders, weil...

Schach ein toller Wettkampfsport ist und es großen Spaß macht sich mit den Besten zu messen!

Alle Interviews können Sie auch auf unserer von Frank Hoppe gestalteten Porträtseite anschauen!

dem2014.schachbund.de