Krennwurzn

Krennwurzn

Anonymer aber dennoch vielen bekannter kritischer Schachösterreicher! Ironisch, sarkastisch und dennoch im Reallife ein netter Mensch - so lautet meine Selbstüberschätzung! Natürlich darf jeder wissen wer die Krennwurzn ist und man darf es auch weitererzählen, aber man sollte es nicht schreiben, denn die Krennwurzn hat so eine abkindliche Freude damit „anonym“ zu sein – lassen wir ihr doch bitte diese Illusion!

Motto: Erfreue Dich am Spiel, nicht an der Ratingzahl! Das Leben ist hart, aber ungerecht (raunzender Ösi)!
 
Samstag, 08 November 2014 00:00

Gentlemen no Engines please

Die WM wird wieder auf vielen Webseiten und Servern kommentiert und da kommt gleich wieder ein ganz heißes Thema aufs Tapet: darf man Engines verwenden oder muss man gefälligst selber rechnen? In so manchem Chat genügt es „+1,27“ fallen zu lassen, um sofort einen Sturm der Entrüstung loszulassen und anderswo wird sofort gekontert „Nein – jetzt nur mehr +1,03 bei Tiefe 35“ und „achwo mein selbstkompilierter, optimierter Fischimagix auf Stickstoff gekühlter Hardware sagt +08,15 – game over!“ „Schleicht‘s Euch mit Euren Enginebewertungen oder ich zucke aus – rechnet endlich selber“ bereichert ein anderer wiederum die Diskussion.

Wer hat nun Recht? Nun diese Frage lässt sich ganz einfach beantworten: BEIDE!!

Beleuchten wir aber für die jüngeren Leser ein wenig den geschichtlichen Aspekt der Lagerbildung – zuerst waren die Computer einfach nur schwach, richtige Lachnummern wie der Mephisto I im Jahre 1980 mit 1250 Elo oder dann später ungeheuer groß und teuer wie „Deep Thought“, der als „Deep Blue“ unter IBM Flagge 1997 im zweiten Wettkampf sogar den Weltmeister Garri Kasparov unter Turnierbedingungen besiegen konnte.

Auch auf handelsüblichen PC und dann Laptops waren bekannte Programme wie Fritz, Shredder & Co dann dem Menschen vor allem taktisch und bei kurzen Bedenkzeiten überlegen, aber bei den Anfang der Nullerjahre aufkommenden Videoübertragungen von Schachturnieren kam es zu technischen Problemen. Laptops – damals noch mit Singlecore CPUs ausgestattet - konnten nicht gleichzeitig eine Engine rechnen lassen und Livevideos an den Server schicken ohne komplett in die Knie zu gehen oder gar abzustürzen. Also wurde aus der Not eine Tugend geboren: Kommentatoren mussten ohne Engineunterstützung auskommen – auch auf die Gefahr hin, dass User zu Hause vor dem Computer mit Engineunterstützung andere Einblicke in das Geschehen bekamen. Dass es heute für einen Laptop kein großes Problem darstellt Videos zu übertagen während auf den restlichen Kernen eine Engine als Blunderchecker agiert oder noch besser der Laptop via Cloud auf einen starken Computer mit Engine zugreifen kann – ja dies ist an manchen Kommentatoren spurlos vorbei gegangen. Und warum haben Sie dann trotzdem auch Recht mit dem „Selberrechnen“? Klar nur damit kann man seine eigene Spielstärke steigern, denn durch stumpfes Ablesen einer Enginebewertung wird man nicht wirklich ein besserer Schachspieler ... auch wenn manche davon träumen mögen!

Und warum haben dann die Enginebefürworter bei Übertragungen auch Recht? Nun ich schaue mir Übertragungen zur Unterhaltung als Fan an und nicht um meine Spielstärke zu erhöhen, die schon fast 20 Jahre auf gleichem Niveau dahinvegetiert. Mich interessiert auch nicht die Rechenstärke des Kommentators während seiner Arbeit – ich will wissen, was am Brett los ist und mir ist klar, dass die Engines stärker sind als jeder Mensch!

Bei einer Übertragung vom Gewichtheben der Klasse +105 kg und 260 kg auf der Hantel zeigt mir der Übertragungsexperte auch nicht wie er locker 200 kg hochstemmen kann und sagt mir ich sollte mich endlich mehr anstrengen, damit ich mal mehr als 60 kg schaffe und auch die Tatsache, dass jeder Kran 260 kg locker heben kann will ich nicht hören – nein, ich möchte vom Experten seine Einschätzung hören, ob der Athlet die ihm gestellt Aufgabe schaffen kann oder nicht.

Und zurück zum Schach: die Einbeziehung von Enginebewertungen kann die Sache auch interessanter machen, denn die Superstars treffen oft und mit ehrlichen Mitteln die Enginezüge und einem guten Kommentator können Enginebewertungen helfen, Gefahren der Stellungen und Ideen der Superstars zu erkennen und so aufzubereiten, dass auch wir die Masse der Zuhörer die Chance auf einen Einblick in diese uns verborgene Welt zu gewähren.

Während Carlsen gegen Anand spielt, will ich keine Trainingsstunden für mein Schach nehmen, ich möchte ein wenig verstehen können was sich am Brett abspielt und dafür brauche ich keine Engine und keinen Schachoberlehrer sondern einen KOMMENTATOR!!


So und lassen wir die Emotionen hinter uns und versuchen rational an das Thema heranzugehen. Eine Schachpartie endet nicht +1,27 sondern entweder gewonnen, verloren oder remis und dies gilt für jede einzelne der fast unendlichen Stellungen unseres schönen Spiels. Betrachten wir ein ganz einfaches Beispiel:

2014Engine01

Dass Weiß am Zug gewinnt ist logisch und mit einer einfachen Regel erklärt: König auf der 6. Reihe vor dem Bauer gewinnt immer! Nach Tablebases ist das ein Matt in 12, aber das rechnet ja kein Mensch tatsächlich aus – uns reicht die Info Bauer wird Dame und damit gewonnen. Nehmen wir nun mal eine ganz alte Engine an, die keinen Tablebasezugriff hatte und auch keine Tiefe von 24 Halbzügen erreichen konnte. Die würde wohl dann mit einer Bewertung von +9 für den Damenwert oder etwas mehr für die Hilflosigkeit des Schwarzen bewerten und damit einen Weißsieg mit hoher Wahrscheinlichkeit vorhersagen. Was uns +9 aber nicht sagt, sind welche Gefahren der Weiße noch umschiffen muss, um zu gewinnen. Hier natürlich extra widersinnig gewählt, aber Weiß kann diese Stellung auch noch verlieren und ein Remis ist ja immer möglich solange kein Matt die Partie beendet hat. Aber lassen wir Weiß den Bauern e6 schlagen und unsere Primitivengine würde wieder +9 für die zu erwartende Dame bewerten, obwohl jetzt ein Verlust total ausgeschlossen ist, aber ein Remis immer noch möglich ist!

Enginebewertungen sagen uns nur auf welches Ergebnis (1, 0 oder =) die Engines setzen würden. Hohe Bewertungen zeugen von einer höheren Gewinnwahrscheinlichkeit – Remiswahrscheinlichkeiten lassen sich aus den Enginebewertungen sehr schwer bis gar nicht ablesen – ebenso gibt es keine Informationen zur Schwierigkeit des Gewinn- oder Remisweges. Schauen wir uns noch ein Beispiel an:

2014Engine02

Das ist Matt in 549 wie uns die Tablebases sagen - allerdings ohne Berücksichtigung der 50 Züge Regel, aber das ist für unser Beispiel hier vernachlässigbar auch wenn die Engines den Braten möglicherweise riechen könnten, weil der Bauer schnell zu einem Springer wird und dann der Turm erst im 509. Zug geschlagen wird. Schauen wir uns trotzdem die Enginebewertungen im Detail an: Stockfish tippt auf auf klar gewonnen und hat liegt damit richtig und falsch zu gleich: Komodo sagt gute Gewinnchancen für Weiß voraus - allerdings ist ein Remis durchaus im Bereich des Möglichen und Houdini tippt auf Remis, aber die Bewertung +0,12 gibt uns keinen Hinweis auf die 50 Züge Regel.

Aber eigentlich ist dieses Beispiel nicht viel schwieriger als unser Babyendspiel vorhin, denn wir wissen mit oder ohne Engine beide können gewinnen und Remis ist immer möglich! Die Engines geben uns den Tipp Richtung Gewinn von Weiß mit mehr oder weniger Chancen auf Remis. 

Und jetzt kommt unser Kommentator ins Spiel, der möglicherweise in der Hitze des Gefechts und der Doppelbelastung den Fehler machen könnte zu denken, dass statt des Springereinzuges auch Dameneinzug möglich sei und das Endspiel Dame gegen Turm und Springer aufgrund des etwas abseits stehenden Turms für Weiß gewonnen sein könnte – obwohl auf jedem Rechner im Wohnzimmer schon Remis angezeigt wird!

2014Engine03

Was wollen wir also von ihm hören?

Dass er besser ist als wir im Schach – nein, das wissen wir sowieso!
Dass er schwächer als die Superstars ist – nein, auch das wissen wir!
Dass er nicht so gut wie Engines rechnen kann – nein, auch das ist uns bekannt!

NEIN – wir wollen nur seine Einschätzung der Stellung mit Hilfe aller auch uns auch zugänglichen Informationen hören – also auch inklusive Enginebewertungen, weil er schachlich näher an den Superstars dran ist und eher verstehen kann, was die sehen können und was nicht. Und diese Aufgabe wird mit stärken Engines, Tablebases nicht leichter werden, sondern viel, viel schwieriger, weil immer öfter erklärt werden muss, dass manches für den Menschen nicht sichtbar und schon gar nicht berechenbar ist! Es ist klar, dass Kommentatoren Fehler machen müssen, aber es ist nicht zwingend vorgeschrieben, dass sie sich laufend mit hochrotem angestrengten Kopf lächerlich machen und Untervarianten am Leben erhalten wollen, obwohl schon der Einstieg ein Fehler ist und das nur weil sie auf Hilfsmittel verzichten wollen, weil sie Belehrer und nicht Erklärer sein wollen.

Ich habe bisher bewusst keine Namen von Kommentatoren im Artikel genannt, möchte aber doch einen herausheben: Klaus Bischoff auf schach.de – zwar auch kein Freund von Engineanalysen, aber einer der wenigen, die wenn solche eingeworfen werden, sehr schnell die Ideen hinter den Enginevorschlägen versteht und in die Kommentierung einbaut, auch wenn er gerade eine andere Idee bespricht und berechnet. Vielleicht liegt es daran, dass er 1980 hinter Kasparov und Short den geteilten 3. Rang bei der Jugendweltmeisterschaft in Dortmund belegt hat und damit selbst einmal in der Welt der Superstars war!

Donnerstag, 06 November 2014 00:00

Yet another Carlsen Anand WM Kampf

„Yet another“ oder „net schon wieder“ wie es im Original gelangweilt durch den Kopf der Krennwurzn schallt: Sotchi, Anand, Carlsen, Schachweltmeisterschaft! In Sotchi wunderschön am Schwarzen Meer gelegen fand heuer die Olympiade statt, dann der Formel 1 Grand Prix und nun die Schachweltmeisterschaft! Wer beim Grand Prix nicht eingeschlafen ist, der bekommt nun eine zweite Chance und da eine Schachpartie vor allem mit Carlsen länger dauert als ein Grand Prix, dürfte der Erholungswert noch besser ausfallen.

2014WM1

Schaut man sich die Wettqouten an ist klar, Carlsen wird mit 1:1,20 seinen Titel locker verteidigen und wer seine Kröten auf Vishy setzt dem ist wohl nicht mehr zu helfen. Überhaupt urfad immer dieses Sotchi, dieser Anand schon ewig in WM Finalen und Carlsen mit seinem Gequetsche in faden Endspielen - igitt, urfad – wo ist da die Spannung, die Action?

ABER HALLO!!!
Ich hasse zwar diesen Ausdruck mehr als jede Fadesse, aber wie sollte ich mich und die Schachwelt sonst aus diesem negativen Gefühl der Wiederholung herausreißen?
ABER HALLO!!!

Es geht um die Krone im Schach und ja wir hatten jetzt jährlich eine WM und das bei einem Zweijahreszyklus und Anand ist wirklich schon lange in der Weltspitze und aus dem Wunderkind Magnus ist ein junger Mann Carlsen geworden! Aber – ohne Hallo – wird es wirklich so fad wie wir uns das gerne glauben machen wollen, weil wir uns andere WM Paarungen erhofften?

Klar neben dem Altersunterschied von 21 Jahren ist auch der Elounterschied enorm: um die 70 Punkte liegt Magnus da vor Vishy und noch dazu hat dieser im letzten WM Kampf keine einzige Partie gewonnen – die Vorzeichen sind klar: Carlsen wird diese WM gewinnen! „Ja das stimmt!“ sagt auch die Krennwurzn, „aber Hallo“ muss das wirklich fad werden? NEIN ist meine klare Antwort! Carlsen hatte im Vorjahr den Druck endlich Weltmeister zu werden und Anand wollte das „Unvermeidliche“ nur verhindern und aus dieser Kombination ist dann ein etwas fader einseitiger WM Kampf entstanden. Warum soll das gerade heuer in Sotchi anders werden? Carlsen darf den Titel nicht verlieren, weil er dadurch seinen Überfliegerstatus verlieren würde und Anand ist mit seinem Sieg gegen die junge Garde beim Kandidatenturnier in Chanty-Mansijsk endgültig in den Olymp der Schachgötter aufgestiegen. Anand kann nichts mehr verlieren und das wird seinem Spiel gut tun und Carlsen wird darauf reagieren und daher glaube ich, dass wir vor einer spannenden WM stehen und es - ABER HALLO!!! - nur nicht wahr haben wollen!


Links und Spielplan

Offizelle WM Seite der FIDE

Neu die WM-Teilnehmer bei Twitter
Anand bei Twitter
Carlsen bei Twitter

2014WM2

Krennwurzn:
Die Frage die allen unter den Nägel brennt zuerst - Deutschland stimmte wohl für Kasparow - vorher für Karpov und Kok - und dennoch wird der DSB Präsident von der Schweiz und Griechenland aus dem Ilyumzhinow-Lager als FIDE-Vizepräsident nominiert und dann gewählt. Wie soll man sich diese Wende erklären? Oder will Ilyumzhinow wirklich auch bisherige gemäßigte Kritiker ins Boot holen?

Bastian:
Die Diskussion dieses Themas gleicht einem Marsch durch ein Minenfeld, weil jede Antwort, die ich geben könnte, sehr wahrscheinlich gewaltige Emotionen hoch gehen lassen wird. Dennoch will ich es versuchen, indem ich die Abläufe so transparent wie möglich beschreibe. Mich selbst sehe ich als Mann des Ausgleichs und der Kooperation, nicht der Konfrontation, wenn auch mit eigenen Vorstellungen. Deshalb bin ich nicht a priori gegen die FIDE, nur weil jeder gegen die FIDE ist oder weil man es von mir verlangt, sondern ich mache mir ein eigenes Bild. Da ich seit 2004 Sprecher der Landesverbände war, konnte ich feststellen, dass die Haltung des Deutschen Schachbundes in FIDE-Fragen stets vom Präsidium entschieden wurde und nicht mit den Landesverbänden ausdiskutiert worden war. Weil ich das wegen meiner engen Verbundenheit mit den Landesverbänden anders machen wollte, habe ich auf dem Hauptausschuss in Halle 2013 eine Erklärung abgegeben, wonach der Deutsche Schachbund seine Position erst auf dem nächsten Hauptausschuss am 30.Mai 2014 in Frankfurt bekannt geben werde. Dort haben sich die Landesverbände, also unsere Mitglieder, mit überwältigender Mehrheit dafür ausgesprochen, dass der Deutsche Schachbund sich vor der Wahl nicht öffentlich zugunsten einer Partei festlegen soll. Andererseits hat sich eine Mehrheit im Präsidium dafür ausgesprochen, Kasparow zu wählen. Zwar ist die Wahl geheim und der FIDE-Delegierte kann nach unserer Satzung nicht zu einem bestimmten Abstimmungsverhalten gezwungen werden, aber ich habe mich intern verpflichtet, dass ich dem Mehrheitswunsch des Präsidiums folgen werde, sofern nicht vor den Wahlen damit Wahlkampf gemacht wird. Als drittes ist zu berücksichtigen, dass FIDE-Funktionäre seit längerer Zeit den Wunsch zu einer Wiederaufnahme einer konstruktiven Zusammenarbeit an den Deutschen Schachbund herangetragen haben, was meinen persönlichen Wünschen sehr entgegen kam (und auch für das kf2105220pxandere Lager gegolten hätte, wenn Kasparow die Wahl gewonnen hätte). Wir sind einerseits auf Abstand geblieben, weil wir uns im Wahlkampf von keiner Seite instrumentalisieren lassen wollten, andererseits wurden Sondierungsgespräche geführt. Welche Verbände mich am Ende nominiert haben – drei waren erforderlich – ist völlig unerheblich und nur ein formaler Akt. Es wurde ein Weg gewählt, der im Vorfeld möglichst wenig Unruhe erzeugte. Zu Kirsan Ilyumzhinow kann ich sagen, dass wegen seiner Kapriolen in Deutschland ein sehr schiefes Bild von ihm krampfhaft aufrechterhalten wird. Seine positiven Leistungen werden verschwiegen oder kleingeredet. Ilyumzhinow hat stets die Hand ausgestreckt und Kooperation im Interesse des Schachsports gesucht.

Krennwurzn:
Kasparow hat seit der Jugend-WM in Dortmund schon viele Fans in Deutschland, dann auch wegen seiner Einstellung zur Glasnost und Perestroika und den WM Kämpfen gegen Karpow in den 80er Jahren. Ebenso darf man nicht vergessen, dass er auch zu ChessBase in Hamburg als User mit der Lizenz Nr. 1 einen sehr guten Kontakt hat. Kasparow hat eine gute Reputation hier und ein Gegner Putins zu sein, gilt ja im demokratischen Mitteleuropa auch nicht gerade als Makel. Dennoch sehe auch ich Ilyumzhinow als das geringere Übel als FIDE Präsidenten – aber genügt dieses Argument gegenüber nicht so kritischen Fans von Kasparow?

Bastian:
Darauf fällt mir die Antwort leicht: Wir haben als DSB nicht die Aufgabe, Garri Kasparow seine Karrierewünsche zu erfüllen, sondern wir müssen sorgfältig abwägen, unter welchen Bedingungen die FIDE als Ganzes am besten funktioniert. Nach der Wahl geht die Arbeit doch erst richtig los! Bevor man ein gut funktionierendes System für eine ungewisse Zukunft zerschlägt, denkt man lieber zweimal nach. Darin sehe ich den Hauptgrund für den hohen Sieg Ilyumzhinows. In Gesprächen wurde immer wieder darauf hingewiesen, was Kasparow schon alles angefangen hat und dass es immer mit seiner „Flucht“ endete. Und die von ihm herbeigeführte Spaltung der FIDE ist unvergessen. Um als Präsident für alle überzeugen zu können, muss er noch an seinem diplomatischen Geschick arbeiten.

Krennwurzn:
Gut das ist alles bekannt, gleichzeitig gibt es auch in Ilyumzhinows Biografie ein paar Unklarheiten: die „Alienentführung“ und vor allem wie er zu seinem Vermögen gekommen ist. Seine politischen Kontakte in Russland und seine Macherqualitäten kann man als Pluspunkte sehen – aber als lupenreiner Demokrat geht er sicherlich nicht durch! Keine Angst, dass man als FIDE Vizepräsident da ins schiefe Licht kommen kann – auch wenn es für das Schach in Deutschland nicht schlecht sein kann, zumindest wieder den Fuß in der Tür zum Weltschach zu haben?

Bastian:
Selbstverständlich habe ich über alle diese Fragen sehr lange und gründlich nachgedacht. Das Thema „Alienentführung“ hat offenbar nicht verhindert, dass Ilyumzhinow von der russischen Regierung als Sonderbotschafter eingesetzt wird und dass er Präsident zweier Weltverbände wurde (FIDE, IMSA Mind Games), der mit dem IOC-Präsidenten Dr. Thomas Bach im Gespräch ist. Nicht zu vergessen ist, dass Ilyumzhinow viele Jahre als Staatschef erfolgreich gearbeitet hat. Es wäre ziemlich anmaßend von mir, wenn ich sagen würde, dass ich seine Fähigkeiten aus der Distanz und ohne Detailkenntnisse besser einschätzen kann als die Leute, die ihm dennoch zutrauen, dass er seine Aufgaben ordentlich erledigt. Außerdem habe ich schon vor längerer Zeit mit Personen, die sich in der FIDE in seinem näheren Umfeld bewegen, über das Alien-Thema gesprochen. Alles in allem habe ich nach den Gesprächen meine diesbezüglichen Bedenken schließlich überwunden.
Wie Ilyumzhinow zu seinem Vermögen gekommen ist, kann ich absolut nicht beurteilen. Habe ich das Recht, mich auf bloßen Verdacht hin, der von Dritten geäußert wird, über die Justiz seiner Heimat zu stellen? Die Frage, woher das Geld stammt, stellt sich im Sport sehr häufig, auch in Deutschland. Meine prinzipielle Haltung ist, unabhängig zu bleiben und rechtliche Würdigungen der jeweiligen Justiz zu überlassen. Sonst dürfte ich mich nicht als Sportfunktionär engagieren.
Dann müsste definiert werden, was man unter einem „lupenreinen Demokraten“ versteht. Ich bin mir sicher, dass man darüber trefflich streiten kann.
Dass ich in ein schiefes Licht kommen kann, ist klar und mein Risiko. Diese Gefahr besteht kaum bei den Personen, die mich und meine Einstellung kennen. Mein Einsatz gilt dem Schachsport und nicht Personen. Aber dieses Thema ist sehr stark mit Emotionen besetzt und so wird es sicher auch heftige Kritik geben. Die Frage ist nun, wie man mehr in Richtung Demokratisierung der FIDE bewirken kann: Indem man polarisiert und zur Verhärtung beiträgt, oder indem man sich engagiert und mit Freunden zusammen aus dem Innern heraus Veränderungspotential schafft? Solche Diskussionen führte ich schon in meiner Jugend, als ich mich entschied, meinen Wehrdienst in der Bundeswehr zu leisten und mir selbst ein Bild zu machen, anstatt den Wehrdienst wie viele meiner Freunde zu verweigern. Ich halte beide Wege für legitim. Insofern geht es mir persönlich nicht nur um die opportunistische Haltung, möglichst viel für den Deutschen Schachbund herauszuholen.

Krennwurzn:
Nun ich bin der Meinung, dass das System FIDE – ein Mitgliedsverband eine Stimme – genauso wie bei der FIFA im Fußball eine Demokratisierung kaum zulässt, weil dadurch jene Verbänden, die das meiste Geld einzahlen, keinen entsprechenden – korrigierenden(?) – Einfluss nehmen können. Und da es im Schach im Gegensatz zum Fußball auch keine starken Sponsoren gibt, die in einer gewissen Weise als wirtschaftliches Korrektiv auftreten, ist die Macht der Funktionäre praktisch unkontrollierbar – und das stört viele Schachfreunde!

Bastian:
Man sollte nicht unterschätzen, dass es in der FIDE und in ihren Mitgliedsverbänden viele vernünftige Leute gibt, denen die momentanen Zustände ein Dorn im Auge sind. Wer Reformen anstrebt, braucht gute Ideen, Mut, Verhandlungsgeschick und er darf keine Angst davor haben, sich eventuell unbeliebt zu machen. Wenn man das Wahlsystem zum Tabu erklärt oder sich in sein Schicksal ergibt, wird man nichts verändern. Wie schon mehrfach betont habe ich mir vorgenommen, mit Vorsicht und Geduld das Veränderungspotential auszuloten.

Krennwurzn:
Da stellt sich die Frage wie das möglich sein sollte, ohne Machtbasis? Ist da nicht die Gefahr, dass die Vernünftigen nicht immer in der Minderheit bleiben?

Bastian:
Ich glaube, wenn ich den früheren Vizepräsidenten Dr. Hans-Jürgen Weyer zitieren darf, an die „Macht des Argumentes“. Es stellt sich auch die Frage, was „vernünftig“ ist. Man lähmt sich selber, wenn man sich von seinen Zweifeln beherrschen lässt. Deshalb bevorzuge ich es, für meine Ideen zu werben und abzuwarten, was geschieht. Im Laufe eines solchen Prozesses muss man seine eigene Haltung und Vorgehensweise stets geschickt anpassen, dann kommt man meistens über das reine Scheitern hinaus. Wenn man alles oder nichts spielt, wird man meistens verlieren.

Krennwurzn:
Ok – jetzt könnte ein aktuelles Problem mit der WM in Sotschi anstehen – Carlsen wollte eine Verschiebung, die FIDE hat abgelehnt. Wahrscheinlich geht es ums Geld, weil gemunkelt wird dass der Preisfond ca. 50% unter der letzten WM liegen dürfte. Zudem befürchtet das Carlsen Lager Probleme mit den Sanktionslisten der EU. Könnte ein schwieriger Einstieg für den DSB Präsidenten in die Funktion als FIDE Vizepräsident werden, weil ja auch eine Kooperation mit dem norwegischen Verband besteht.

Bastian:
Mit diesem Thema bin ich überfragt. Mir stehen bisher nicht mehr Informationen zur Verfügung als schon veröffentlicht sind.

Krennwurzn:
Gibt es konkrete Aufgabenbereiche für den Vizepräsident Bastian bei der FIDE?

Bastian:
Bisher noch nicht, ich warte die erste Sitzung des Presidential Board ab, die zum Beginn der WM am 7.November in Sotschi terminiert ist. Schwerpunkte meines eigenen Interesses habe ich bereits genannt (Frauenschach, Behindertenschach/Inklusion, Demokratisierungspotential in der FIDE), dazu kommt wohl auch die Vertretung europäischer Interessen.

Krennwurzn:
Bleiben wir allgemein bei diesem Thema – viele Schachfreunde fragen sich, warum nur mehr wenige Schachveranstaltungen der FIDE in der „westlichen Hemisphäre“ stattfinden und sehen als Hauptursache, dass es wohl kein bekannter Konzern aufgrund von Compliance Regelungen wagt Sponsoring mit der FIDE durchzuführen.

Bastian:
Ob das stimmt wage ich zu bezweifeln. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Turniere immer teurer werden und die potentiellen Sponsoren nicht erkennen, welchen Gegenwert sie bekommen? Es könnte auch eine Rolle spielen, dass die Schachspieler im Westen selbst die FIDE systematisch schlecht reden. Ob das eine gute Strategie ist, Sponsoren zu gewinnen?

Krennwurzn:
Welchen Gegenwert bekämen nun potentielle Sponsoren?

Bastian:
Als Marketinglaie kann ich das kaum vollständig beantworten. Bekannt ist mir, dass Sponsoren entweder selbst bekannt werden wollen und dann etwas tun, was ich als Anfangsinvestition bezeichnen würde, oder sie wollen das Image ihrer Werbeträger nutzen und auf sich selbst übertragen. Deshalb ist Erfolg so gesucht. Als drittes fällt mir soziales Engagement ein, das ebenfalls positiv besetzt ist. Es kann jeder selbst beurteilen, wie wir uns als Schachsportler derzeit einzuordnen haben. Eine destruktive Haltung gegenüber der FIDE verbessert die Ausgangslage nicht. In Deutschland haben wir eine Mischung zwischen Sponsoring und Mäzenatentum. Wenn wir den Sponsorenanteil vergrößern wollen, müssen wir unseren sportlichen Erfolg und unsere Selbstdarstellung erheblich verbessern.

Krennwurzn:
Zum sportlichen Erfolg würde wohl ein Spieler in der absoluten Weltspitze zählen, da aber Arkadij Naiditsch als 38. der Weltrangliste nächstes Jahr 30 Jahre alt wird, sehe ich da wenig Chancen. Und zur Selbstdarstellung kann man wohl sagen, dass wir doch fast alles falsch machen müssen, weil einerseits hat Schach gute Imagewerte in der Öffentlichkeit und andererseits haben wir auch aufgrund der längeren Ausübbarkeit einen hohen Anteil an gut gebildeten und einkommensstarken Mitgliedern - wir wären also attraktiv für Sponsoren. Wie will der DSB eine Änderung herbeiführen?

Bastian:
Ob wir fast alles falsch machen, müssen andere beurteilen. Ich kann nur versichern, dass wir im Präsidium sehr selbstkritisch an die Sache herangehen. Um Änderungen im Sinne von Verbesserungen herbeizuführen, muss das Thema Marketing im Deutschen Schachbund endlich ernst genommen werden. Klaus Lais war einer derjenigen, die auf dieses Problem schon vor einigen Jahren hingewiesen haben, doch fand er zu wenig Gehör. Wir haben keinen Ehrenamtlichen, der sich „hauptamtlich“ um dieses Thema kümmert, und bei den Hauptamtlichen fehlt es immer noch an Knowhow sowie an Zeitressourcen. Nachdem wir das Ausscheiden von Horst Metzing inzwischen weitgehend kompensiert haben und die Frage der Leistungssportförderung vor einer Lösung steht, wird uns das Thema Marketing intern im zweiten Halbjahr vermehrt beschäftigen. Ob und bis wann das konkrete Ergebnisse liefert kann derzeit nicht beantwortet werden. Sicher ist nur, dass zuerst grundsätzliche Diskussionen notwendig sind, bevor sichtbare Handlungen folgen können.

Krennwurzn:
Hoffnung macht das nicht, aber kommen wir von der hohen Politik zu den Schachspielern zurück. Viele ärgern FIDE Regelungen, denen einfach der Blick aufs Praktische fehlt. Das beste Beispiel ist die Nulltoleranzregelung bei Spielbeginn: eine klare Sache gegen Mätzchen bei Profiturnieren und wichtig auch gegenüber Honoratioren und Sponsorenvertreter, aber bei den Amateuren vollkommen falsch am Platz – denn diesen „stiehlt“ man ohne jeglichen Gegenwert einfach nur Zeit! Ohne jetzt auf das Thema Betrug eingehen zu wollen, ist auch die unbedingt notwendige „Handyregelung“ - mobile phone and/or other electronic means of communication in the playing venue – aus rein praktischer Sicht nicht wirklich durchdacht. Reise ich mit dem Auto an ist klar, da kann ich das Handy im Auto lassen, aber viele kommen mit öffentlichen Verkehrsmittel – am Freitag manche direkt von der Arbeit – zum Schach und da stellt sich schon die Frage: wohin mit dem Handy?

Bastian:
Die Handy-Regel wurde kürzlich im Hinblick auf solche Fälle von der FIDE wieder modifiziert. Die Nulltoleranzregel kann bei Amateurturnieren leicht abgeändert werden. Für diese Kritik habe ich nur wenig Verständnis. Wenn man sich ein bisschen für seinen Sport über das reine Spielen hinaus engagiert, lässt sich alles lösen. In meinem Landesverband haben wir in einem einfachen, demokratischen Prozess akzeptable Kompromisse gefunden. Schuld an den Erschwerungen sind die Betrüger, nicht die FIDE. Ohne entschlossenes Handeln gegen Missstände wäre der Schachsport schnell ruiniert.

Krennwurzn:
Allerdings ist die modifizierte Regelung zwar schon durchgesickert, aber noch nicht ins Regelwerk eingebaut – die Kritik besteht ja darin, dass zuerst harte Regeln beschlossen werden und dann diese aufgeweicht – also erst im Nachhinein praxistauglich für die Masse der Schachspieler gemacht werden. Dass die FIDE auf Betrugsmöglichkeiten schnell und gut reagiert, wünschen sich wohl fast alle Schachspieler, dass damit oft auch schwer verständliche Erschwerungen verbunden sind, ist auch klar. Viele sind durch die schon angesprochene „Verrechtlichung“ doch auch verunsichert und möchten sich nicht durch Unkenntnis von Regeln und deren Auslegung einem Verdacht aussetzen – müsste da die FIDE und auch der DSB gerade die Auslegung besser kommunizieren?

Bastian:
Gegen eine Verbesserung der Kommunikation hab ich nichts einzuwenden. Das ist eine Aufgabe unserer Schiedsrichterkommission, die sehr selbstständig arbeitet.

Krennwurzn:
Nun bin ich selbst ein großer Freund von Freiheiten, aber wenn jede Kommission, jedes Vorstandsmitglied, jeder Mitarbeiter selbstständig arbeitet, da sehe ich schon Gefahren – müsste da nicht manchmal die Führung kontrollierend und richtungsgebend eingreifen?

Bastian:
In einem so komplexen Gebilde wie der Deutsche Schachbund kann man unmöglich als Ehrenamtlicher den vollen Überblick behalten. Manches regelt das Präsidium vorausschauend, oft wird es erst aktiv, wenn eine Beschwerde oder ein Hinweis vorliegt. Wer wirklich Missstände beseitigen will weiß das und wendet sich an das Präsidium oder noch besser an die zuständigen Personen. Der weitaus größte Teil der Führungsarbeit läuft im Hintergrund und unbürokratisch ab.

Krennwurzn:
Da wir jetzt schon beim DSB gelandet sind noch schnell eine mehrmals gestellte Leserfrage: Warum schafft es der DSB nicht seine nationale Einzelmeisterschaft so zu gestalten, dass wie beispielsweise in Frankreich fast alle Topleute mitspielen?

Bastian:
Auf dem DSB-Kongress in Bonn wurde entschieden, dass der bisherige Austragungsmodus beibehalten werden soll. Alternativ sollte es ein zusätzliches Turnier für unsere Spitzenleute geben. Um das aufzubauen hatten wir ursprünglich eine Kooperation mit Baden-Baden angestrebt. Dann kam die Kooperation mit Dortmund dazu und die Dinge entwickelten sich etwas anders. Im Prinzip könnten auch bei dem jetzigen Austragungsmodus mehr Spitzenspieler über Freiplätze teilnehmen. Aber erstens fehlt das Geld für die Finanzierung und zweitens gibt es auch terminliche Probleme. So sollte Arkadij Naiditsch letztes Jahr in Saarbrücken spielen, aber er musste wegen eines Einsatzes im Ausland absagen. Schon jetzt steht das Präsidium wegen der Kooperation mit Dortmund und Baden-Baden unter Druck. Solange sich kein Ausrichter und kein Sponsor finden, wird es etwas Vergleichbares in Deutschland nicht geben, die Franzosen sind da besser ausgestattet. Immerhin bieten wir unseren Spitzenspielern im Vergleich zu früher deutlich mehr Spielmöglichkeiten, und wir hoffen, nach Konsolidierung unserer Finanzen weitere Schritte nach vorne machen zu können.

Krennwurzn:
Geld, Finanzen ist das die richtige Überleitung zu den Frauen? Derzeit Zeit läuft ja gerade das 1. Internationale Frauenschachfestival in Erfurt. Nun ist der Frauenanteil im Schach doch sehr gering. Ich habe mir mal kurz die DWZ Daten heruntergeladen in Excel grob die Dubletten entfernen lassen und bin auf 79.000 Mitglieder gekommen, davon sind 73.000 Männer und nur 6.000 Frauen.
Irgendwo habe ich auch die Summe von 600.000 Euro Mitgliedsbeiträge an den DSB im Hinterkopf und auch, dass das Geld immer knapp ist. Könnte man einen Frauenanteil von 50% erreichen, stünden dem DSB jährlich mehr als 500.000 Euro zur Verfügung – das wäre doch ein Traum? Sicherlich kurzfristig unrealistisch – aber auch nur 10.000 Frauen mehr brächten um die 75.000 Euro in die Kasse!

Bastian:
Darauf möchte ich mit einem Satz antworten, den Dr. Richard Lutz (Vorstand Deutsche Bahn AG) am Eröffnungsabend des Turniers am Sonntagabend in Erfurt gesagt hat: „Wir können es uns nicht leisten, die Ressourcen in der einen Hälfte der Bevölkerung zu ignorieren.“ Ähnliche Rechnungen wie oben habe ich auch schon angestellt, und sie waren einer der Gründe, warum ich mich so beharrlich für die Förderung des Frauenschachs einsetze. Ergänzen muss ich allerdings, dass es mir keinesfalls nur ums Geld geht. Dr. Lutz meinte auch weniger das Geld und mehr das kreative Potential, das im weiblichen Teil der Bevölkerung steckt.

Krennwurzn:
Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube und sage offen heraus, dass ich die Trennung in Damen und Herrenbewerbe im Schach als die schlimmste Diskriminierung überhaupt empfinde. Denn im Denken haben die Frauen keine Nachteile! Es gibt auch keine Trennung in weibliche und männliche Mathematik an den Universitäten. Zeigen nicht viele Topwissenschaftlerinnen und Judith Polgar klar auf, dass diese chauvinistische Haltung einfach nur steinzeitlich ist? Kann es nicht sein, dass gerade diese Trennung uns viele Frauen kostet? Und würde nicht so manchem von uns Niederlagen gegen Frauen auch Wertvolles für das reale Leben mitgeben?

Bastian:
Darauf antworte ich mit einem kleinen Vortag ;-)

Erstens gibt es im Schach keine Trennung von Männern und Frauen. Frauen stehen alle Männerturniere offen, aber es gibt Zusatzangebote für Frauen. Wenn überhaupt dann werden höchstens die Männer diskriminiert, weil ihnen diese Zusatzangebote verwehrt sind. Der erste Frauen- und Mädchenschachkongress (Kooperation DSJ/DSB) fand 2012 in Göttingen statt, und dieser Ort war auf meine Anregung hin nicht zufällig gewählt: In Göttingen lehrte Emmy Noether, die erste deutsche Mathematikprofessorin, Tochter von Prof. Dr. Max Noether aus Erlangen, der Doktorvater von Emanuel Lasker. Ihre Geschichte kann man in der Wikipedia nachlesen. Da Emmy Noether den Frauen den Weg in die Mathematik ebnete – davor waren sie praktisch ausgeschlossen – wollte ich sie als Symbolfigur für den Aufbruch des Frauenschachs etablieren, zumal sie über Lasker eine enge Verbindung zum Schach hatte. Leider ist diesem Gedanken niemand gefolgt. Eine moderne Symbolfigur könnte etwa Lisa Randall sein, die mit ihrer fünfdimensionalen Theorie der Gravitation der Theoretischen Physik neue Wege öffnete. Ich will damit sagen, dass ich die Gleichwertigkeit von Frauen hinsichtlich ihrer Denkfähigkeiten anerkenne.
Aber die Diskussionen auf dem erwähnten Kongress in Göttingen haben mich auf ein Phänomen gestoßen, das ich als „gekipptes Gleichgewicht“ bezeichnen möchte. Ein gekipptes Gleichgewicht kann man häufig finden, aber diese Diskussion führt vom Thema ab. Das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen war in den Schachclubs von Anfang an gestört, wie man besonders schön am berühmten Bild von Johann Erdmann Hummel: „Die Schachpartie“ (um 1819) erkennen kann. Erst das Arbeiterschach verschaffte ab 1902 einem breiteren Teil der Bevölkerung den Zugang zum Schachspiel, so wie es heute über das Schulschach weltweit erneut angestrebt wird. In Verbindung mit der Emanzipation der Frauen sind heute alle Voraussetzungen vorhanden, das Gleichgewicht wenigstens angenähert herzustellen. Wenn man jedoch in der Schule mit Jugendlichen arbeitet, kann man stets von neuem beobachten, wie schnell ein anfänglich vorhandenes Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern wieder kippen kann.
Deshalb müssen mindestens zwei Strategien ausgearbeitet werden: Erstens sind Maßnahmen erforderlich, ein vorhandenes Gleichgewicht in Jugendgruppen zu stabilisieren und zu erhalten. Die Deutsche Schachjugend leistet diesbezüglich Hervorragendes, z.B. mit ihren Zertifizierungen wie frauenfreundlicher Verein. Vielleicht ist das ein interessantes Forschungsthema für Erziehungswissenschaftler, vielleicht liegen darüber auch schon Erkenntnisse vor, die von uns Schachsportlern nicht genügend genutzt werden. Zweitens benötigen die Frauen Inseln in der Männergesellschaft, wo sie sich entwickeln und Selbstbewusstsein aufbauen können, um das System von innen heraus frauenfreundlicher zu gestalten.
Wegen konkreter Maßnahmen weise ich darauf hin, dass der DOSB die Berücksichtigung von Frauen in den Führungsgremien der Sportfachverbände wünscht. Im Deutschen Schachbund habe ich bereits vorgeschlagen, einen Vizepräsidenten in die Satzung aufzunehmen, der sich strategisch mit der Förderung des Frauenschachs beschäftigt – und damit meine ich nicht nur Spielbetrieb – und nur mit einer Frau besetzt werden darf. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine Quotenfrau, sondern um eine inhaltlich begründete Position. Bisher konnte ich mit diesem Vorstoß nicht begeistern, aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass unter anderem so etwas geschehen muss, um voran zu kommen.

Krennwurzn:
Da unterscheiden sich unsere Positionen wohl nur sehr wenig, aber die Krennwurzn ist nun mal ungeduldig und fragt sich, ob man nicht auch an verpflichtende Damenbretter denken sollte – wobei dies nur bedeutet, dass eine Dame in der aktuellen Wettkampfaufstellung mitspielen muss – welches Brett entscheiden einfach die für alle gültigen Regeln! Und da es so leicht ist, etwas vorzuschlagen, wenn man es nicht umsetzten muss, würde ich damit in den Bundesligen mit der Saison 2015/16 beginnen, Oberligen und Landesligen ab 2019 und für alle Mannschaften dann ab 2022! Möglicherweise sogar in einem Aufwasch mit einem Jugendbrett (also eine Dame und ein/e Jugendliche/r) – natürlich mit gleichbleibender Bretteranzahl, um die Vereine nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten!

Bastian:
Solche Fragen wurden schon diskutiert, nach meinem Kenntnisstand ohne konkretes Ergebnis. Aber ich werde mich umhören, wie die Meinungen dazu aktuell sind.

Krennwurzn:
Welche Pläne sind zur Zeit aktuell?

Bastian:
Vorerst haben wir keine neuen Pläne, sondern erledigen erst einmal das, was sich angestaut hat, und das ist mehr als genug. Die Ergebnisse des FIDE-Kongresses müssen ausgewertet werden, Erfurt läuft, dann kommt das Damen-Masters in Dresden und viele weitere Termine. Und es steht eine Strukturreform auf dem nächsten Kongress an. Für die DOSB-Mitgliederversammlung im Dezember muss die Überarbeitung der Förderrichtlinien angepackt werden usw. Weiter zu erwähnen sind der anstehende Frauen- und Mädchenschachkongress am 5.- 7. September in Kassel sowie der nächste Schulschachkongress.

Krennwurzn:
Kommen wir zurück zur sozialen Kompetenz – ein super Vorbild ist für mich da Melanie Ohme mit „Zug um Zug gegen Rassismus“, Olympiabotschafterin und einer netten Homepage. Warum fehlen da männliche Pendants?

Bastian:
Ist soziale Kompetenz Männersache? Auf den ersten Blick widerstrebt das doch der Natur des Schachspielers, der immer siegen will. Aber auf den zweiten Blick kann man entdecken, dass soziale Kompetenz in Wirklichkeit unterm Strich Vorteile bringt. Leider sind Spitzenspieler oft sehr ich bezogen mit einem Tunnelblick auf das eigene Ego. Vielleicht fehlt ihnen die harte Schule des normalen Alltags. Frauen scheinen da weniger anfällig zu sein, weil sie mehr auf ihr Äußeres achten. Aber ich bin nicht sicher, ob wirklich männliche Pendants fehlen, mir fallen da schon einige ein.

Krennwurzn:
Jetzt entgleiten wir aber in die Tiefen der menschlichen Psyche – vielleicht sollen wir hier mit der Frage abbrechen, ob nicht gerade dieses „immer siegen wollen“ uns daran hindert die besten sportlichen Leistungen zu bringen. Vielleicht könnten wir da von den Frauen was lernen und vielleicht ist einfach nur pragmatisch nett und natürlich, wenn mehr Frauen beim Schach aktiv sind?

Bastian:
Um Spitzenleistungen wie Magnus Carlsen erbringen zu können, braucht man den absoluten Siegeswillen. Aber das Schachspiel zu lieben und Schachsport zu betreiben ist mehr als Partien zu gewinnen – es kann nicht jeder Weltmeister werden. Geschätzte 99% aller Schachspieler sind weniger erfolgreich, und deshalb ist es eine Überlegung wert, mehr auf soziale Kompetenzen zu setzen und unsere Schachwelt bunter zu machen. Frauen sind dafür genau richtig!

Krennwurzn:
Ein schöneres Schlusswort hätte man nicht finden können – Danke für das Gespräch!

Liest man sich so durch die Forenwelt, dann hat man schnell den Eindruck, dass der DSB praktisch alles falsch macht, aber blickt man auf die Homepage und diverse Interviews in klassischen Medien, dann ist fast alles in Butter und auch die anstehenden Probleme wurden bzw. werden zur vollen Zufriedenheit erledigt. Eine Erfolgsstory – aber viele unzufriedenen Nörgler, da darf die Krennwurzn natürlich nicht fehlen und schickte dem DSB Präsidenten Herbert Bastian kurzerhand einen Einzeiler mit der Frage „Lust auf ein Krennwurzninterview?“. Die Antwort „Warum nicht?“ schockte die Krennwurzn allerdings dann doch zuerst einmal. Da es zwischen uns schon ein paar Mal kurzen Emailkontakt „off the records“ wie man so schön sagt gegeben hat, ist die Zusage dann auch wieder nicht so überraschend – die Schwierigkeit liegt eher darin, dass die Krennwurzn weiß, dass viel gute Arbeit ungelobt von der Schachöffentlichkeit geleistet wird, sie aber gerade respektlos die unangenehmen Themen ansprechen möchte! Aber lassen wir das Gelaber und stellen wir die erste Frage:

Krennwurzn:
Auch wenn mit der ersten Frage gleich der Weg vom Patrioten zum Idioten erfolgreich absolviert wurde: wie sehen Sie das Abschneiden der Nationalmannschaft ohne geborenen Deutschen in Tromsö?

kf2105220pxBastian:
Die Antwort auf diese Frage kann nicht nur lauten, dass wir mit dem Platz 30 der Männer unzufrieden sind, da möchte ich doch etwas weiter ausholen. Georg Meier ist in Trier aufgewachsen, ich sehe ihn, auch wenn seine Mutter aus Uruguay stammt, als „geborenen Deutschen“. Aber die Tatsache, dass alle anderen mehr oder weniger einen Migrationshintergrund haben, spricht weder für die Leistungsfähigkeit unseres Bildungssystems, noch für die Leistungsfähigkeit unseres Ausbildungssystems und auch nicht dafür, dass der Schachsport in Deutschland eine angemessene Wertschätzung erfährt. Das hat zuletzt auch die katastrophale Haltung des Bundesinnenministeriums in der Frage der Leistungssportförderung bestätigt. Dass ich schon länger Reformen im Ausbildungssystem anstrebe, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Leider mangelt es noch an der Umsetzung, weil ich bisher nicht ausreichend mit meinen Forderungen überzeugen konnte. Aber ich bin sicher, dass die Diskussion noch dieses Jahr in Gang kommt und im nächsten Jahr Handlungen folgen werden.

Unsere Männer haben bis zur 9.Runde hervorragend gespielt. Herausragend sind die Siege von Naiditsch über Carlsen und von Meier über Kamsky. Diese zeigen, dass die „Akklimatisierung“ an die Weltspitze durch die Kooperation mit Dortmund und Baden-Baden Früchte trägt. Ein halber Punkt mehr gegen Indien (10.Runde) bringt uns in die Nähe zum Setzplatz 12, ein ganzer Punkt mehr sogar in Medaillennähe. Gegen Australien war die Luft dann wohl raus, obwohl ich mir einen abschließenden Sieg gewünscht hätte. Auffällig ist auch, dass wir kaum Gegner aus der Spitzengruppe hatten. Gegen weniger bekannte Gegner schien die Mannschaft verunsichert zu sein. Wir sind unter den besten 17% und sollten laut Setzliste unter den besten 7% sein.
Anders ist die Situation bei den Frauen mit drei „geborenen Deutschen“. Die Frauen haben einen Durchbruch geschafft und ihre Leistungsfähigkeit deutlich unter Beweis gestellt. Aber ihnen fehlt noch die „Akklimatisierung“, weshalb sie mit dem Druck in der letzten Runde gegen die starken Georgierinnen noch nicht zurechtkamen. Mit dem Frauenschachfestival in Erfurt (24. – 31.8.) und der Deutschen Frauenmeisterschaft in Dresden (17.11. – 25.11.) machen wir wichtige Schritte, um unsere Frauen an ein höheres Niveau zu gewöhnen. Die Frauen haben es unter die besten 7% geschafft, gesetzt waren sie unter den besten 9%.

Krennwurzn:
Ok zu den Frauen möchte ich am Ende des Interviews noch einmal zurückkommen - die wichtigsten Fragen später, um die Spannung aufrecht zu erhalten! Die Krennwurzn möchte ganz sportmen like zuerst einmal ein Nisipeanu-bashing betreiben. Ein teurer Einkauf eines alten 38jährigen mit 2700 und einem Performanceeinstieg von 2550 - damit habe ich alle ungerechten Vorbehalte gegen einen netten Menschen in einen Satz verpackt und es graust mir vor mir selbst, aber dennoch bleibt die Frage übrig: was hat das für einen Sinn und ist das nicht gerade das falsche Zeichen an den Nachwuchs? Hätte ich nicht die Altersmilde meiner 50 Lenze sondern wäre ein heißblütiger 17jähriger Prinz mit Perspektive, würde ich schreien: warum habt Ihr diesen Oldtimer eingekauft und nicht mir eine Chance auf Olympiaerfahrung gegeben?

Bastian:
Der Wunsch zu wechseln ging von Dieter aus, und sein Wechsel wurde von unserem Sponsor begrüßt. Da sich auch die Trainer dafür ausgesprochen haben, hat das Präsidium zugestimmt. Bis zur 9. Runde war in Tromsö alles okay, und wenn Dieter gegen Indien gewinnt, spielen wir um eine Medaille mit. Wegen einer misslungenen Partie und der im Anschluss daran verkorksten Schlussrunde möchte ich noch kein negatives Fazit ziehen. Nun steht eine gründliche Auswertung an. Der Bundestrainer muss entscheiden, wie er weitermachen will. Es ist sicher eine Überlegung wert, unsere Prinzen so schnell wie möglich ins Feuer zu schicken, damit sie eventuell für die nächste Olympiade eine Option werden können.

Krennwurzn:
Ich möchte das Thema nicht an der Person Dieter Nisipeanu aufhängen, sondern die Frage stellen, ob so ein Legionärskauf nicht demotivierend auf die jungen aufstrebenden Spieler wirken kann, wenn ihnen ein "fertiger" Spieler vor die Nase gesetzt wird. Nisipeanu selbst hatte um die 20 auch erst 2400 und stieg dann auf 2600 und mit 29 schließlich auf 2700. Ein junger Spieler könnte sich da denken: diese Entwicklung will und würde ich auch machen, aber mein Verband gibt mir diese Chance nicht, denn Spielstärke und -härte kann ich nur steigern, wenn ich gegen stärkere Gegner antreten kann und genau diese Chance hätte mir eine Olympiateilnahme geboten!

Bastian:
Dieter sehe ich als Sonderfall, weil er schon so lange in Deutschland spielt und selbst den Wunsch zu wechseln geäußert hat. Grundsätzlich halte ich den Einwand für völlig berechtigt. Ob eine demotivierende Wirkung tatsächlich eingetreten ist, entzieht sich meiner Kenntnis. In der Nachbereitung der Olympiade werde ich meine Mitarbeiter um Vorschläge bitten, wie wir unsere besten Nachwuchskräfte noch effektiver und schneller an die Weltspitze heranführen können.

Krennwurzn:
Ok – kommen wir zu den Prinzen: Manchmal habe ich das Gefühl, dass wir bei uns in Österreich ebenso wie in Deutschland keine wirklich früh starken Spieler haben und diese dann so bei 2600 oder früher hängenbleiben. Sind das strukturelle Schwächen oder haben wir zu wenig ehrgeizige Schachmütter und –väter? Oder sehen es auch die Jungen schon so pragmatisch wie ich: Schach ist ein wunderschönes Hobby, aber sehr riskant als Beruf und planen von Anfang an mit einem Studium oder einer guten Berufsausbildung?

Bastian:
Wir haben viele Talente und viele gute Trainer, deren Leistung ich keinesfalls in Frage stellen will. Dennoch sehe ich in Deutschland strukturelle Schwächen. Um z.B. ein so herausragender Spieler wie Magnus Carlsen zu werden, müssen viele wichtige Faktoren optimal zusammenwirken, und dazu gehört auch nicht Planbares. Verbessern könnte man in Deutschland die flächendeckende Talentsuche und die Talentschulung. Das Thema Motivation müsste aufgegriffen werden, ebenso die Frage der beruflichen Absicherung nach Durchlaufen einer professionellen Schachphase. Auch muss die Akklimatisierung unserer größten Talente an die Weltspitze früher anfangen und systematischer betrieben werden, wie wir es etwa mit den Kooperationen mit Dortmund und Baden-Baden schon begonnen haben. Und es muss eine konkretere Zieldiskussion im DSB geführt werden. Versucht haben wir das schon einmal mit der Vorlage eines Verbandsprogramms, das ohne weitere Diskussion beerdigt wurde. Diese Themen, und es sind nicht die einzigen, werden innerhalb des DSB nicht ausreichend bearbeitet, und das ist eine wesentliche, strukturelle Schwäche. Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Österreich ähnliche Probleme gibt. Das pragmatische Denken spielt wohl eine Rolle, aber gerade deswegen ist es wichtig, dass die Verbände Modelle suchen, wie man junge Spieler motiviert und begleitet, bis sie in den Beruf übergehen.

Krennwurzn:
Ich sage auch rund heraus warum das ein Problem ist: für einen Verband verursachen zur Zeit Jugendförderung und Spitzenspieler nur Kosten und kaum Einnahmen! Zudem kommt ja periodisch immer die Frage auf, warum einigen wenigen „so viel“ Geld bei wenig Gegenleistung von der Schachgemeinschaft gezahlt werden soll. Hier bräuchte man kreative Ideen wie Poollösungen und Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ – das kann aber kein ehrenamtlicher Funktionär leisten! Zudem müsste man den Begriff „Schachprofi“ erst einmal definieren und diesen dann auch vertraglich an den Verband (Pool) binden – so ein System verwendet beispielsweise der sehr erfolgreiche österreichische Skiverband – aber ist sowas im Schach überhaupt denkbar?

Bastian:
Diese Argumentation überzeugt mich nicht. Investition in Jugendliche, die etwas leisten wollen, zahlt sich immer aus. Oft stehen sie in späteren Jahren der Organisation noch immer als Ehrenamtliche zur Verfügung, oder ihre Vorbildwirkung erzeugt einen positiven Sog. Eine Organisation, die nicht in ihren Nachwuchs investiert, programmiert ihren eigenen Tod. Spitzenkönner erzeugen eine sehr wertvolle Langzeitwirkung, ihre Namen geben der Organisation ihr Profil. Und meistens sind sie dauerhaft Leistungsträger. Beispiel nötig? Siehe Deutscher Fußballbund.
Zustimmen möchte ich der Forderung, „kreative Ideen“ wie Poollösung oder Schaffung einer Marke „Nationalmannschaft“ zu entwickeln. Letztgenanntes tun wir bereits in ersten Anfängen. Das Marketing im weitesten Sinne muss im DSB in den nächsten Jahren weiterentwickelt werden. Professionelles Marketing ist für uns derzeit unbezahlbar, ehrenamtliches nicht machbar weil es einen Fulltimejob erfordert. Wir bewegen uns irgendwo dazwischen und müssen mit Geduld und Zielstrebigkeit in kleinen Schritten Verbesserungen erreichen. Mehr zu erwarten ist derzeit unrealistisch. Ich kann nur sagen, dass wir uns intern diesen Fragen stellen und Lösungen suchen.

Krennwurzn:
Bleiben wir beim Thema Geld – Schach ist zwar ein billiger Sport und dennoch fehlt an allen Ecken und Enden Geld. Nun gehöre ich nicht zu jenen, die glauben, dass man mit Beitragserhöhungen – auch wenn diese in der aktuellen Situation durchaus vernünftig erscheinen – grundsätzliche Probleme lösen kann. Viel wichtiger ist doch das vorhandene Geld sinnvoller auszugeben – ich glaube wir verlieren zu viel Geld an – doppeltes Anführungszeichen – „Hartz IV Profis“. Das klingt in erster Lesung einmal ziemlich hart und abwertend – das ist mir klar, aber es ist nicht so gemeint, denn ich glaube viele davon haben einfach im Streben nach einer Schachkarriere als Profi den „exit point“ übersehen und da schließen sich meine Fragen an: Was kann dafür ein Verband leisten? Wäre es nicht sinnvoll jungen Spielern und Eltern einen Musterbusinessplan an die Hand zu geben, der auch so profane Dinge wie Sozialversicherung, Rentenversicherung, Steuer, etc. beinhaltet und der Jungprofis zeigt wieviel Geld sie einnehmen müssen, um neben anderen Kosten (Trainer, Reise, ...) auch diese zu tragen und ein vernünftiges und gesichertes Einkommen zu erzielen?

Bastian:
Wie jemand sein Leben konzipiert ist eine individuelle Sache, aus der sich der DSB im Allgemeinen heraushält. Mir ist nicht klar, wo Geld an „Hartz IV Profis“ verloren geht!? Ich glaube eher, dass die Leistung dieses Personenkreises für die Schachbewegung und für die Vereine viel zu wenig wertgeschätzt wird. Vieles geschieht doch entweder total unterbezahlt oder sogar ehrenamtlich, wobei ich vor allem an Jugendarbeit oder Fachartikel denke. Ohne diesen Personenkreis, der sich ganz dem Schach verschrieben hat, würde den Vereinen viel verloren gehen. Einen „Musterbusinessplan“ halte ich für eine sehr gute Idee, obwohl auch das nur ein Mosaikstein zu einer (zeitlich begrenzten) Profikarriere ist.

Krennwurzn:
Auch ich möchte niemanden vorschreiben, wie er zu leben hat – ich sehe es so: es gibt im Schach eine gewisse Menge Geld zu verteilen und zu viele an die es verteilt wird, daher ist es schwierig als Profi mit Sozialversicherung und Steuererklärung zu existieren. Meine Intention geht dahin darüber nachzudenken, ob man „lizenzierte Schachprofis“ installieren kann – im Idealfall sogar als Angestellte bei einem Verein. Das könnte für die Profis ein sicheres Auskommen bedeuten und für die Vereine böte sich möglicherweise eine bessere lokale Vermarktbarkeit! Den Begriff „Hartz IV Profis“ sollte man eher durch „Wanderarbeiter“ ersetzen...

Bastian:
„Lizenzierte Profis“ – das ist für mich eine neue Idee und sehr interessant! Das werde ich in meinem Team zur Diskussion stellen, ein weiterer Mosaikstein in diesem Themenfeld!
Etwas anders sehe ich die Frage der Geldverteilung. Ein sehr großer Anteil unserer Mitgliedsbeiträge geht bei uns in die Personalkosten. Auch wenn es unpopulär ist: aus der alltäglichen Arbeit weiß ich, dass diese Kosten unvermeidlich sind, auch wenn wir weniger Personen aus dem angesprochenen Kreis hätten. Das allgemeine Sportgeschehen und das Schachgeschehen insbesondere sind so anspruchsvoll geworden (als zwei Beispiele von vielen nenne ich das relativ neue Thema der Inklusion oder die unsägliche Verrechtlichung im Sport), dass ein Verband wie der Deutsche Schachbund von vornherein eine sehr hohe Grundbelastung hat. Bevor wir Geld in den Spielbetrieb stecken können, müssen zuerst einmal die umfangreichen Hausaufgaben der Sportpolitik erfüllt werden. Ich habe große Zweifel, ob unserer Basis das in vollem Umfang bewusst ist, daher auch das oft anzutreffende Unverständnis gegenüber Beitragserhöhungen, die doch (scheinbar!) nicht als Dienstleistungen an die Basis zurückfließen.
Auch wenn ich mich mit dieser Äußerung vielleicht der Kritik aussetze: Der Deutsche Schachbund benötigt ausreichende Mittel mit Reserven, um z.B. solche Konzepte wie „lizensierte Profis“ aufzugreifen. Solange wir finanziell am Limit leben, ist kaum Spielraum da, um solche komplexen Neuerungen auszuarbeiten und in die Praxis umzusetzen. Wir lähmen uns oft selber.

Krennwurzn:
Für die Basis sind vor allem ein funktionierender Spielbetrieb und eine vernünftige Eloauswertung von wesentlichem Interesse und das klappt doch sehr gut und zusätzlich sind nur sehr wenige sportpolitisch interessiert. Manchmal habe ich das Gefühl, dass Personalkosten extrem ausgedrückt per se als „persönliche Bereicherung“ oder noch schlimmer als „Korruption“ empfunden werden und im milderen Fall eine Neiddiskussion auslösen. Einen Weltmeistertitel und eine der besten Ligen der Welt gibt es im Fußball ja auch nicht zum Nulltarif – warum sollte das dann im Schach möglich sein? Müsste man als Verband nicht offensiver die Notwendigkeit und die Sinnhaftigkeit dieser Kosten kommunizieren und wenn ja - wie?

Bastian:
Mit dieser Forderung wird das Präsidium regelmäßig konfrontiert, und ich halte sie (guten Gewissens) für berechtigt. Die Frage des „Wie“ ist schwerer zu beantworten, weil man sicherstellen muss, dass die gegebenen Informationen ankommen und objektiv betrachtet werden. Zuletzt hat unsere Geschäftsführerin Heike Quellmalz am 30.Mai auf dem Hauptausschuss in Frankfurt den Verbandsvorsitzenden in einem längeren Vortrag dargelegt, welche Aufgaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Geschäftsstelle in Berlin erfüllen. Dies geschah in Anwesenheit des DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann. Herr Hörmann hat sehr interessiert zugehört und uns die Anregung gegeben, gegebenenfalls im Verwaltungsbereich, nicht aber im Sportbereich zu sparen, wenn wir aus der Leistungssportförderung durch das BMI fallen sollten (was inzwischen überholt ist). Im Präsidium haben wir uns das sehr zu Herzen genommen. Zudem gibt es die Absicht der Landesverbände, im Herbst die Geschäftsstelle zu besuchen und die Verhältnisse persönlich vor Ort zu prüfen. Dem stellen wir uns im Sinne der Transparenz gerne. Diesem Ortstermin und der darauf folgenden Auswertung kann und will ich nicht vorgreifen. Dennoch will ich schon hier meiner Überzeugung Ausdruck verleihen, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgezeichneten Einsatz zeigen und nicht an Leerlauf leiden.

Krennwurzn:
Ok – Geduld gehört zwar nicht zu meinen Stärken, aber da müssen die Leser und ich noch ein wenig warten. Was mich persönlich im Themenbereich Geld und Arbeit noch interessiert und oftmals auch verunsichert ist das Spannungsfeld zwischen Ehrenamt, Hobby und professioneller Arbeit. Vom Ehrenamt verlangt man professionelle Arbeit zum Nulltarif – das muss man wohl persönlich akzeptieren, wenn man so ein Ehrenamt annimmt und das funktioniert auf Vereinsebene wohl ganz gut – auf Verbandsebene habe ich manchmal das Gefühl, dass wir die Funktionäre an die Grenze des Leistbaren treiben?

Bastian:
Das ist völlig richtig. Die Funktionäre werden heute oft jenseits der Grenzen des Leistbaren getrieben und müssen zudem noch eigenes Geld investieren. Wobei ihnen von denen, für die sie unbezahlt arbeiten, noch Selbstbereicherung und Korruption vorgeworfen wird.

Krennwurzn:
Es muss doch was in der Kommunikation komplett falsch laufen, damit diese Schieflage zwischen Wirklichkeit und Vorstellung bei den Mitgliedern entstehen kann? Oder ist es simpler Zeitgeist, dass alle oben (Politiker, Manager, Funktionäre, etc. ) als – ich wage es gar nicht zu schreiben – „Gauner“ gesehen werden? Und was kann man dagegen machen und was sagt Frau Bastian dazu, dass ihr Mann viel Zeit für „Schimpf und Schande“ opfert?

Bastian:
Ja, es läuft etwas schief, aber ich kann dazu nur meine persönliche Meinung sagen, ob die zutrifft, müssen andere beurteilen. Ich sehe das Hauptproblem darin, dass zu viel von zu wenigen Leuten hinter verschlossenen Türen besprochen wird. Oft aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Meine persönliche Erfahrung ist, dass man am weitesten kommt, wenn man offen und ehrlich kommuniziert und die Leute in die Entscheidungsprozesse so gut wie möglich einbezieht. Meine Frau kennt meine Motive und respektiert das. Sie weiß, dass ich meine Motivation aus der Liebe zum Schach beziehe und dass mir das niemand nehmen kann.

Krennwurzn:
Offene Entscheidungsprozesse sind auch meiner Meinung nach ein Schlüssel für mehr Verständnis – allerdings muss auch klar sein, dass diese liberale Herangehensweise eine klare Abgrenzung zum Anarchismus hat und daher nicht alles in allen Details in der Öffentlichkeit diskutiert werden kann, weil es neben Persönlichkeitsrechten auch schützenswerte Interna gibt.
Ich möchte zum Abschluss dieses Teils noch eine persönliche Frage zu der entgeltlosen Hobbyarbeit stellen. Wir haben eine sehr aktive Schachszene im Internet mit vielen Foren, Blogs etc. – aber manchmal bin ich mir nicht sicher, ob wir Gratisschreiber nicht professionellen Journalisten Einkommenschancen mindern?

Bastian:
Mit dem ersten Teil bin ich einverstanden, aber Letzteres kann ich nicht nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass die Ehrenamtlichen den Profis die Arbeit wegnehmen, sondern es ist genau umgekehrt: Überall dort, wo Ehrenamtliche oder Idealisten etwas Neues aufbauen, entstehen noch Beschäftigungsmöglichkeiten für Professionelle.

Krennwurzn:
Ok – so kann man das auch sehen. Ich möchte noch einmal bei der Offenheit etwas nachhaken – leider gab – und wird es auch in Zukunft auch geben – Fälle wo Funktionäre tatsächlich in Korruptionsaffären oder persönliche Vorteilnahme verstrickt waren. Die bisherige pragmatische Vorgehensweise war so gut wie möglich vertuschen und auch aus juristischen Gründen so wenig wie möglich öffentlich zu machen und die Sache hinter verschlossenen Türen so gut wie möglich zu lösen. Schwarze oder graue Schafe gibt es überall, aber sollte man damit in Zukunft offener umgehen oder ist der Preis drohender Gerichtsverfahren dafür einfach zu hoch und zeitaufwendig?

Bastian:
Da kann ich einfach nicht mitreden, weil ich das in meinem Umfeld noch nicht erlebt habe. Soweit ich weiß war der Deutsche Schachbund bisher nicht betroffen. Wahrscheinlich muss man jeden Fall individuell betrachten. Korruption gab es immer und wird es immer geben. Deshalb muss jede Gemeinschaft Regeln, nach denen sie sich organisieren will, und Konsequenzen bei Regelverstößen festlegen. Es ist völlig unrealistisch anzunehmen, dass wir in Deutschland Regeln festlegen können, die in allen 181 Mitgliedsorganisationen der FIDE akzeptiert werden und sinnvoll sind. In der FIDE muss über das Regelwerk gesprochen werden, es entwickelt sich ja jetzt schon kontinuierlich weiter. Doch bei allen Veränderungswünschen muss man stets berücksichtigen, dass Neuerungen nur einvernehmlich nach den jeweils geltenden Regeln beschlossen werden können. Veränderungspotenzial muss stets geduldig ausgelotet und nach viel Überzeugungsarbeit ausgeschöpft werden.

Krennwurzn:
Die Krennwurzn als hobbymäßiger Interviewer, wagt locker die Frage zu stellen, ob der DSB-Präsident zum Themenkomplex Olympia, Prinzen und Geld selbsttätig nicht gestellte Fragen beantworten möchte?

Bastian:
Bekanntlich ist das Schachspiel wie ein See, in dem eine Mücke baden und ein Elefant ertrinken kann. Auf eine offene Frage zu gleich drei so komplexen Themengebieten wähle ich diesmal die Mückenvariante: Tolle Leistung der Frauen mit Luft nach oben, tolle Leistung der Männer, denen beim Zieleinlauf etwas zu früh die Puste ausgegangen ist, Prinzen als Hoffnungsträger, denen ich einen Quantensprung nach oben wünsche, und ein leidiges Thema, das wir nur durch gute sportliche Leistungen in den Griff bekommen werden.

Krennwurzn:
Danke für die Zeit und die offenen Antworten - vielleicht schaffen wir einen zweiten Teil mit den Themen FIDE und Frauen – ich glaube das würde unsere Leser noch interessieren!

Montag, 14 Juli 2014 00:00

Gleich DREI auf einen Streich

„Gleich“ – Uijegerl bei dem Wort IST – bei aufkommenden Gedanken an das Institut für Sinnlose Turniere - sogar der Krennwurzn gleich wieder schwindelig. Zimmerunsitte und gleich viele immer gleiche Artikel werden gleich wieder im Gedächtnis wach. Uijegerl geht das schon wieder los? Nein – nicht gleich so schlimm, obwohl das Thema doch schon gleich eine kleine Artikelserie darstellt:

 

Aber bitte nicht gleich alle auf einmal lesen, das könnte Sie aus dem Gleichgewicht bringen – aber kommen wir endlich gleich zur Sache: im schönen Österreich fanden in der ersten Ferienwoche vom 5. bis 13. Juli gleich drei Schachopen statt und um die 400 Schachspieler nahmen das Angebot an und spielten mit. Das ist die gute Nachricht, die schlechte ist, dass sich die 400 auf drei Standorte verteilt haben. Gleich erste Adresse war natürlich das von der Krennwurzn gleich oft kritisierte „International Styrian-Open“ im schönen namensgebenden Bad Gleichenberg.

International Styrian-Open 

Da man nach der ersten Auflage im Vorjahr mit um die 150 Teilnehmer davon 53 im A-Turnier den gleich üppigen Preisgeldfonds von 25.000 Euro auf 18.000 Euro absenkte, aber den gleich viel kritisierten Passus bezüglich Organisationsgebühr trotz massivster rechtlicher Bedenken nicht gestrichen hat, kamen diesmal gleich mal nur 125 Teilnehmer in die schöne Südoststeiermark und im A-Turnier spielten davon 47 und von diesen waren gleich nur 17 Österreicher mit von der Partie. Und gleich auch in den Preisgeldrängen waren die Österreicher gleich unterdurchschnittlich vertreten:

2014gleich gleichenberg

Gleich mit von der Partie waren die beiden „Schachprinzen“ Matthias Blübaum (Elo 2510) und Dennis Wagner (Elo 2485) in den ersten Tagen ihres Schachjahres – einer sehr guten Idee. Dennis Wagner musste gleich mal keine Niederlage einstecken, obwohl er die letzten sechs Runden immer gegen GMs antreten musste und eine Eloperformance von 2531 und damit den 5. Gesamtrang umringt von GM erzielen konnte. Seine Chance auf eine mögliche GM Norm wurde ihm gleich in den ersten Runden von den gleich nicht so elostarken Österreichern und natürlich dem Auftaktremis gegen Florian Mesaros (2158) genommen. Sein Kollege Matthias Blübaum musste zwar in der 4. Runde eine Niederlage hinnehmen, spielte aber ein sehr gutes Turnier mit einer Eloleistung von 2582 und erreichte den 3. Gesamtrang und schrammte wirklich knapp an der GM-Norm vorbei, wobei dies gleich unter die Kategorie Auslosungspech in den ersten Runden gefallen sein konnte.

Die Frage warum gleich so wenige Österreicher in Bad Gleichenberg mitgespielt haben, kann man mit einem Blick nach Wien gleich ein wenig erklären – vielleicht, außer Sie sind der verschwörungstheoretischen Meinung, dass die gleich allmächtige Krennwurzn mit seinem Geschreibsel gleich einen übergleichen Einfluss haben könnte.

Husek Vienna Open 

Dieses Turnier wurde heuer erstmals ausgetragen und gleich auf die Frage warum denn zum gleichen Termin wie gleich zwei weitere Turniere in unmittelbarer Nähe gleich auch – da muss die Krennwurzn sie gleich auf die Experten des IST verweisen, denn gleich und gleich später fällt mir darauf keine Antwort ein, die gleich auch noch einen Sinn ergeben könnte. Von den 115 Teilnehmern im Hauptturnier stellten gleich die Österreich mit 90 das größte Kontingent und das führte dazu, dass obwohl der Preisgeldfonds nicht so prall wie in Bad Gleichenberg gefüllt war, dass in den Preisgeldrängen doch gleich die Hälfte Österreicher waren.

2014gleich husek

Gewonnen hat der Setzlistenerste Rainer Buhmann nach "Viertwertung" vor vier weiteren Spielern mit 7 Punkten schreibt der Veranstalter. Da das Turnier in einer Gruppe gespielt wurde, waren von Anfang an die Chancen auf Titelnormen gleich eher gering. Im Rahmenprogramm fand auch ein Kinderturnier mit 16 Teilnehmer statt.

33. St. Veiter Jacques Lemans Open 

Hatten die Kärntner vielleicht gleich nach dem Rückzug von Oberwart 2012 als Turnierveranstalter gehofft, dass gleich die Openkonkurrenz sich terminlich gleich besser verteilt, so hatten sie diese Rechnung gleich ohne das IST gemacht und nach Bad Gleichenberg im Vorjahr hat auch noch Wien ein Open zum gleichen Termin ins Rennen geschickt – ob gleich die Pläne des IST (Institut für Sinnlose Turniere) für 2015 gleich alle österreichischen Turnier und Meisterschaften gleichzeitig in dieser Woche auszutragen wirklich umgesetzt wird, kann man gleich jetzt seriöserweise nicht gleich sagen, aber so 4-5 Open gleichzeitig könnten es schon werden.

Mit fast 160 Teilnehmer, davon aber fast 100 im B-Turnier konnten sich die Kärntner gleich mal die Krone der meisten Teilnehmer aufsetzen – Tradition und eine schöne Erholungslandschaft im Umfeld bringen eben auch viele Stammgäste in diese Region Österreichs. Im A-Turnier waren von den 46 Teilnehmern 31 Österreicher und 9 Slowenen vertreten

2014gleich stveit

und doch ging der Turniersieg überlegen mit einem Punkt Vorsprung an den kroatischen GM Marin Bosiocic vor dem schottischen GM Matthew Turner, der sich nach Feinwertung vor dem besten Österreicher IM Helmut Kummer den zweiten Platz sicherte.

Sensationsmann des Turniers war der 16-jährige Hohenemser Emilian Hofer (2035) der mit sechs Siegen bei drei Niederlagen den fünften Platz belegte und dabei die erfahrenen
IM´s Leon Mazi und Georg Danner besiegen konnte. Eine beinahe noch größere größere Sensation gelingt seinem ebenfalls 16-jährigen Vereinskollegen Vincent Nussbaumer (1821) im B-Bewerb, der erst in der Schlussrunde ein Remis abgibt und mit 8,5 Punkten überlegen den Sieg vor dem Klagenfurter Gerhard Raschun mit 7 Punkten holt.

Gleich könnte man auf den Gedanken kommen, die Österreicher spielen gleich gerne dort wo sie auch Chancen auf Preisgeldränge haben und da sind gleich sehr hohe Preisgeldfonds nicht gleich das optimale, da – das ist zwar gleich ungerecht – die Spitze in anderen Ländern etwas stärker ist und die sich gleich die Preise gleich sichern und die Österreicher fürchten müssen gleich leer auszugehen.

Kommen wir gleich zum Anfang zurück und sprechen wir gleich das letzte Mal über den Passus, der gleich das Blut der Krennwurzn so in Wallung versetzen konnte. 

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Nach Ansicht von gleich zwei Behörden (Bundesministerium für Konsumentenschutz und Europarechtsabteilung der Steiermärkischen Landesregierung) verstößt dieser Passus gegen den § 23 des Dienstleistungsgesetz (DLG) und damit europäischen Normen.

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Nun haben die gleich komplizierte und gleich unlösbare Situation, dass daran nichts zu rütteln ist, wenn auch ein Teil der steierischen Schachfreunde das gleich anders sehen. Gleichzeitig ist es gar nicht leicht dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen, denn die Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermark könnte zwar eine Strafe gegen die Veranstalter aussprechen, kann aber auch für künftige Ausschreibungen den Passus nicht verbieten, da hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen. So bliebe nach Rücksprache mit Konsumentenschutzrechtsexperten gleich nur mehr zwei Wege um den Passus zu bekämpfen: erstens eine Klage wenn man ihn tatsächlich bezahlen musste oder zweitens eine Beschwerde an die Volksanwaltschaft, weil die zuständige Bezirkshauptmannschaft nicht durch hohe Verwaltungsstrafen hart genug gegen den Veranstalter vorgeht. Beides ist für die Krennwurzn nicht denkbar und so gebe ich den Don Quijotischen Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie und gleich auch der Starrsinnigkeit, mit der der Veranstalter sein eigenes Turnier in wohl schädigendes Fahrwasser bringt, auf!

Donnerstag, 15 Mai 2014 15:59

Unterstützen wir den DSB

Auf der Homepage des DSB sind zwei Artikel mit der Bitte um Unterstützung erschienen.

Das Präsidium bitte Sie um Unterstützung

hier wird gebeten einen Musterbrief an politische Ansprechpartner zu schicken

Musterbrief (DOC) und Anhang Rede Thiel (PDF)

Bericht Treffen des DSB mit der DOSB-Spitze am 14. Mai 2014

Vielleicht schafft der DSB auch noch die Möglichkeit einer ONLINE-PETITION um auch die neuen Medien optimal zu nutzen! Leisten wir unseren Teil dabei, damit wir nicht unsichtbar und ungehört bleiben. Also bitte an so viele Schachfreunde wie möglich weiterleiten und verlinken!
Und natürlich schicken wir den ausgefüllten Musterbrief inkl. Anhang an unsere regionalen und überregionalen Politiker!

Donnerstag, 17 April 2014 00:00

Gleich noch einmal

„Gleich“ sagt der Österreicher im Dialekt manchmal, wenn er „sofort“ sagen möchte, aber nicht wirklich sofort handeln möchte oder aber auch wenn ihm etwas „egal“ ist. Und gleich werden die Leser zusammenzucken – gab’s da nicht gleich einen Artikel im Vorjahr mit unheimlich vielen „gleich“ im Text? Gleich weiter unten werden die Links dazu geliefert und gleich Einigen wird dazu gleich ein Turnier in einem wunderschönen Teil Österreichs einfallen, das gleich sehr viele Preise an gleich doch wenige Teilnehmer ausgeschüttet hat, aber andersgleichen auch durch einen für mitteleuropäische Sitten gleich etwas befremdlichen Passus in der Ausschreibung gleich aufgefallen ist.

Nun diesen Passus und damit dieses Turnier gibt es gleich noch einmal!

2014Gleich1

Gleichwohl es niemanden interessiert, ob dieser Passus nun gegen EU-Recht verstößt oder nicht, stellt sich die Frage, ob dieser Passus dem Turnier nicht gleich mehr schadet als nutzt – man muss ja nicht gleich ans Image denken und Steirer gelten – nicht erst seit den Zeiten des Romans „Aus dem Leben Hödlmosers“ von Reinhard P. Gruber als etwas ... naja – man wird ja nicht gleich was Gleichmacherisches schreiben. Denn andererseits wurde die Ausschreibung doch gleich in mehreren Punkten gleich ein wenig abgeändert, damit es nicht wieder gleich zu einem Gedränge von Preisen und Teilnehmern kommen kann. Dazu wurde der Preisfond von 25.000 Euro auf 18.000 Euro gesenkt und gleich einmal alle Damen, Senioren und U18 Preise gestrichen und gleich auch noch die Anzahl der Preise gesenkt. Die gleich vorjährigen 12 Österreicherkategoriepreise wurden durch 8 Kategoriepreise ÜBER 2300 Elo ersetzt (siehe Bild Ausschreibung unten - wer's gleich nicht glauben kann, der kann sich hier das Original-PDF ansehen).

2014Gleich2

Da wird gleich einer aufschreien, aber das ist gleich gar nicht so schlimm, wenn's auch gleich etwas unlogisch aussieht - da gleich Doppelpreise nicht mögich sind, wird die Sachlage gleich wieder klarer - ob sich der Turnierfünfte, wenn er über 2300 Elo hat mit 800 Euro zufrieden gegen muss oder er sich doch die 1000 für den ersten Platz in der Kategorie über 2300 nehmen darf - das darf dann gleich vor Ort ausdiskutiert werden. Jedenfalls gleich einmal ein innovativer Ansatz für Preisgeldgestaltung, dessen Ursprung gleichwohl dem IST (Institut für Sinnlose Turniere) zuzurechnen sein dürfte.

Im Vorjahr mussten sich 53 Teilnehmer des A-Turniers mit 33 Preisen gleich zufrieden geben, damit dies dieses Jahr wieder erzielbar ist, dürften gleich nur 30 Schachfreunde das Turnier in Angriff nehmen – aber das wollen wir gleich wieder schnell vergessen und auch, wenn gleich nur etwas weniger als die Hälfte der Gesamtteilnehmer des Vorjahrs kommen sollten, dann hätte man gleich wieder eine Preisqoute von um die 60% in Reichweite.

Gleich gar nicht beachtet hat man, dass gleichzeitig nur 200 km westlich im ebenfalls sehr schönen St. Veit ein bereits etabliertes Open gleich zum 33. Mal ausgetragen wird und gleich ganz neu ist, dass in Wien gleichzeitig das Husekopen gleich mit freiem Eintritt in die Therme Wien neu ins Leben gerufen wurde! Als Nichtösterreicher könnte man da gleich leicht verzweifeln, aber gleich werden viele Leser an das nur Ihnen nach gleich zu viel Krennwurznleserei bekannte IST (Institut für Sinnlose Turniere) denken! Nochmals bitte nicht beim seriösen Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) anrufen, die kennen dieses zweite IST gleich gar nicht und sind auch gleich gar nicht gut auf dieses zu sprechen! Außerdem gilt beim Institut für Sinnlose Turniere (IST) die CIA Gepflogenheit: rufen Sie uns nicht an, wir melden sich gleich bei Ihnen!

Und so ist es gleich unserer – erlauben Sie mir gleich diesen Einwurf – armen Krennwurzn gegangen. Ein gleich nicht genannt werden wollender Experte des IST hat sich bei der Krennwurzn gemeldet und ihm gesagt, dass diese Konzentration von Turnieren zu einem Zeitpunkt wie am Julianfang 2014: Gleichenberg, St. Veit, Wien und OPENair Braunberg, Sonntag, 6. Juli 2014 (Werbeeinschaltung Krennwurzn: an diesem Tag hat die Fußball WM Pause und die Krennwurzn kann man in schöner Landschaft live und in Farbe kennenlernen – auch wenn gleich alle nur wegen der schönen Landschaft und dem guten Essen auf der Braunberghütte kommen) ...

Also dass wir gleich nicht abgleiten und gleich beim Thema bleiben – diese Konzentration von Turnieren im Juli 2014 hat das IST auf eine gleich umwerfende Idee gebracht und wird gleich 2015 vom IST perfektioniert gleich durchgeführt: Gleich in der ersten gesamtösterreichischen Ferienwoche von Samstag 11. bis 19. Juli 2015 werden gleichzeitig alle Bundesligen auch jene der Damen, alle Staatsmeisterschaften, alle Landesmeisterschaften und gleich auch noch alle OPEN und gleich auch noch alle Blitz- und Schnellschachturnier gleichzeitig durchgeführt. Gleich alle FIDE Bestimmungen werden aufgehoben, damit man gleich mehrere Partien gleichzeitig und gleich auch noch – falls notwendig – gleich auch gegen sich selbst spielen kann!

Falls Sie jetzt gleich zum Kalender laufen wollen, dann muss ich Sie gleich vorweg enttäuschen: heute ist nicht der 1. April – aber der Fasching endet in Österreich gleich nie!

Gleich noch einmal zum Nachlesen verlinkt – falls einer gleich noch nicht genug gleich gelesen haben sollte: Zimmerunsitte und IST GLEICH

Dienstag, 01 April 2014 00:00

Doppelte Punkte

Man und besonders gerne die Krennwurzn schimpft ja oft und heftig über Funktionäre und deren Reaktionszeiten wie Supertanker auf aktuelle Probleme und auf weiß Gott noch alles. Aber heute wurde die Krennwurzn aber doch erwischt – denn kurz nach dem FIDE Presidential Board Meeting in Khanty-Mansiysk kam es aufgrund aktuellem Anlass zu einer wegweisenden Entscheidung:

Künftig werden in jeder Schlussrunde eines jeden FIDE-gewerteten Turniers wie in der Formel 1 seit dem Jahr 2014 üblich DOPPELTE PUNKTE vergeben, um die Spannung zu erhöhen. Diese Regelung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft!

Die Notwendigkeit wurde gerade beim erst kürzlich zu Ende gegangenem Kandidatenfinale vollkommen klar. Hätte nicht der großartige Anand am Donnerstag in der drittletzten Runde eine +9 Stellung noch dazu in Zeitnot geistesgegenwärtig ins Remis abgewickelt, wäre das Turnier schon vor dem letzten Ruhetag und den beiden Schlussrunden entschieden gewesen. Eine Katastrophe für die Zuseher, die Sponsoren und die gesamte Schachwelt wäre hereingebrochen und Millionen Dollar an Werbeeinnahmen wären zukünftig in Gefahr gewesen.

Viele beklagen schon lange, dass bei Open in den Schlussrunden schnell Remis gemacht wird, weil damit der Turniersieg oder der Preisgeldrang abgesichert ist. Bei doppelten Punkten ist dies in Zukunft nicht mehr so einfach möglich. Denken wir aber auch – und das ist der FIDE nicht entgangen – an Mannschaftsmeisterschaften: da spielen die Titelkonkurrenten unglücklicherweise schon in den ersten Runden gegeneinander und damit ist die Meisterschaft praktisch schon entschieden und damit fad und farblos! Auch da bringt dann die Aussicht auf doppelte Punkte in der Schlussrunde noch Feuer ins Spiel.

Man muss nicht von Aliens oder Außerirdischen lernen, es reicht, wenn man einen Blick auf den großen Bernie wirft und aus dem Sport eine Show – äh Geld macht!

Freitag, 28 März 2014 14:40

Perfektes Dilemma

Beim Lesen eines Threads über Fernschach im Forum Schachfeld ist die Krennwurzn per Zufall auf ein interessantes Problem gestoßen. Die letzte Partie der 25. Fernschachweltmeisterschaft, die 2009 begonnen wurde und im April 2013 beendet wurde, erregte das Interesse, weil das Remis rot hervorgehoben wurde. Dass dies nur bedeutet, dass es eben das letzte Resultat des Turniers ist, beachtete die Krennwurzn nicht wirklich und holte sich das PGN-File der Partie auf den Rechner.

Beim Durchklicken wurde mir schnell klar, dass das Endspiel mit seiner asymmetrischen Materialverteilung hochinteressant ist. Dann fiel mir auf, dass die Partie wohl durch die 50 Züge Regel im Remis geendet sein musste, da die Endstellung von Houdini als Gewinnstellung angegeben wurde und der letzte Ereigniszug genau 50 Züge entfernt war. Hochinteressant – schnarch – höre ich schon einige Leser fragen – was hat das mit Perfektion und Dilemma zu tun?

Da es sich bei der Schlussstellung um einen 6-Steiner handelt und diese ja schon lange perfekt gelöst sind, ist der erste Teil der Frage schnell erklärt: nach weiteren 55 Zügen ist Schwarz matt.

Wo liegt aber nun das Dilemma? Kann es in der Perfektion überhaupt ein Dilemma geben? Nun die Antwort darauf überlasse ich gerne den Philosophen und wende mich den schachlichen Aspekten zu. Endspieldatenbanken gibt es in mehreren Metriken – diese geben Aufschluss darüber, wie die Information über eine Stellung (1,0,=) gespeichert wird. Bei DTM (Depth to Mate) wird einfach die Entfernung zum Matt gespeichert, dabei wird jedoch die 50 Züge Regel nicht berücksichtigt. Die bekannten Namilov 6-Steiner und die weniger bekannten Lomonosov 7-Steiner sind nach mir vorliegenden Informationen in der DTM-Metrik erstellt worden. Das bedeutet wann immer eine Engine auf diese Daten zugreift, fällt die 50 Züge Regel durch den Rost und bis einen Zug vor Eintritt dieser glaubt man sich auf der Gewinnerstraße und erst mit dem 50. Zug greift dann die GUI (grafische Benutzeroberfläche) mit den gültigen Schachregeln ein und sagt: 50 Züge Regel REMIS.

Das Dilemma beginnt mit einer guten Nachricht: im 84. Zug hat Weiß den Bauern auf h7 mit Schach beseitigt und auch ohne Zugriff auf die kostenpflichtigen Lomonosov ist klar – Weiß gewinnt in 105 Zügen! Wenn – ja ... wenn binnen der nächsten 50 Züge entweder ein Turm geschlagen wird oder man auf die weitere Teilnahme des Springers verzichten kann – bei perfektem Spiel natürlich!

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Seit 1. April – das ist kein vorgezogener Scherz – 2013 gibt es nun die nicht nur sehr kompakten Syzygy-Tablebases sondern auch eine Lösung oder soll man besser sagen einen Beitrag zum Dilemma, weil diese nicht auf DTM zugreifen und diese gar nicht gespeichert haben, sondern auf DTZ (Depth to Zero). Das bedeutet der Zähler wird wieder auf Null gesetzt, wenn ein Ereigniszug (Bauernzug oder Schlagzug) gemacht wird bzw. wenn es Matt wird. Mit Houdini 4 auf der Deep Fritz 14 GUI sieht das nun wie folgt aus: das Dilemma wird zwar korrekt dargestellt, man könnte es aber auch leicht übersehen, denn es wird klar Gewinn signalisiert und wer nicht darauf achtet, dass 67 größer als 50 ist, könnte das drohende Remis glatt übersehen. Notwendig wäre hier eine Erweiterung der Stellungsbewertung von 1,0,= um sagen wir mal 2 – was bedeuten würde: die Stellung ist zwar gewonnen, aber nach 50 Züge Regel Remis.

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Gut höre ich Sie, lieber Leser sagen – das ist ja theoretisch ganz schön, interessiert ein paar Computerschachfreaks und die Fernschachspieler – aber das sind doch alles keine „richtigen“ Schachspieler mehr. Für die Masse ist das doch komplett egal und kommt wahrscheinlich auch nur ganz, ganz selten vor – also keine Spur von einem Dilemma – außer dass sich Freaks Probleme schaffen, die es ohne sie nicht gäbe!

Nun so einfach ist das nun auch wieder nicht! Die Syzygy Tablebases haben zusätzlich zur DTZ auch noch einen Teil in dem die Informationen in der WDL Metrik (win, draw, loss) unter Berücksichtigung der 50 Züge Regel abgespeichert sind und auf diese Informationen greift beispielsweise Houdini 4 auch in der Suche bereits zu und das hat sehr wohl Auswirkungen auf Stellungsbewertungen durch Engines. Gehen wir in der Ausgangsstellung einen Halbzug zurück:

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und schauen wir welche Auswirkung diese Information auf die Engines haben. Neben Houdini 4 habe ich hierzu Deep Fritz 14 genommen, da dieser keinen Zugriff auf die Syzygy implementiert hat und ich keine Nalimov mehr am Rechner habe. Damit ist DF14 zwar benachteiligt, eignet sich aber somit äußerst gut, um das Dilemma aufzuzeigen.

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DF14 ohne die 50 Züge Regel Informationen aus einer Datenbank kann natürlich diese komplexe Stellung (noch) nicht zu Ende rechnen und nimmt den Bauern auf h7 und erreicht damit zwar eine gewonnene Stellung, die aber wegen der 50 Züge Regel doch nur Remis ist.

Houdini 4 hingegen wird von der Datenbank mitgeteilt – Vorsicht Dxh7 ist Remis und wird daher ausgeschieden. Da aber möglicherweise die anderen Züge ebenfalls Gefahr laufen in die 50 Züge Regel hineinzulaufen, besteht die Gefahr eben solange wir die WDL Informationen der 7 Steiner nicht haben, dass auch Houdini trotz Warnung vor der „Remisfalle Dxh7“ ebenso wie Fritz in ein möglicherweise unvermeidliches Remis läuft.

Gut das betrifft nun wieder nur ausgewählte Endspiele höre ich als Einwand. Ja, das stimmt natürlich, da aber gerade der Zugriff auf Tablebaseinformationen bei Engineanalysen immer früher und früher erfolgt, kann es durchaus von praktischer bzw. theoretischer Relevanz sein, dass Varianten spielbar wären, weil sie zwar verloren sind, aber durch die 50 Züge Regel Remis enden.

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Hier in der aktuellen Partie Anand-Andreikin zeigt Houdini 4 beispielsweise bereits nach 10 Sekunden einen Tablebasezugriff an, Damit wird klar dass diese Informationen sicherlich nicht nur Mittelspielstellungen, sondern auch jetzt schon Eröffnungsstellungen beeinflussen können und somit sehr wohl von einem Dilemma gesprochen werden kann.

Das Hauptdilemma ist aber, dass der Mensch perfektes Spiel nie erreichen wird – und das wiederrum ist perfekt fürs Schach!

Dienstag, 04 März 2014 01:05

Eye of the Tiger

Der Song von Survivor hämmert wie Rocky’s Schläge auf die Ohren der Krennwurzn – es ist Faschingsdienstag und aus panischer Angst vor einer Auferstehung von Äwigkneiper dröhnt sich die Krennwurzn mit lauter Musik weg. Wie von Geisterhand gezwungen greift die Krennwurzn zum Telefon – läuten konnte er es wegen der lauten Musik ohnehin nicht hören – und sieht wie zwei Tigeraugen zu ihm sagen: „Schau mir in die Augen Krennwurzn!“ „We..we..welcher Tiger?“ stottert die Krennwurzn.

2014Tiger02

„Der Tiger von Travemünde“ hörte die Krennwurzn und sofort blitzt der Travnicek Sager von Helmut Qualtinger „Spanien - die Stierkämpfe, a matte Sache, Simmering gegen Kapfenberg, das nenn ich Brutalität“ durch die Krennwurzn und erinnerte sich an die unheimliche Brutalität gegen einen Filztiger bei besagtem Turnier, dem vom Letztrundengegner der Blick auf das Schachbrett verwehrt wurde. Lächerlich dachte sich damals die Krennwurzn, ebenso wie auch das Argument, dass die Augen des Tigers als Kamera dienen könnten. Und jetzt blickt die Krennwurzn in die leibhaftigen Augen und führt das folgende nicht autorisierte und auch niemals geführte Faschingsdienstagsinterview mit dem „Tiger von Travemünde“!

Krennwurzn: Also gut – sie können also sehen und auch sprechen – was wollen Sie mir sagen?

Tiger: Ich möchte ... nun sagen wir mal so: mich quält das Gewissen!

Krennwurzn: Warum? So hoch sind die Telefonkosten aus Norddeutschland nach Österreich auch wieder nicht! Ist Ihr Herrchen nicht in das Telefonat eingeweiht?

Tiger: Klar weiß der nichts von uns – können wir uns ohne unsere beiden Herrchen von Tiger zu Krennwurzn unterhalten?

Krennwurzn: Klar und wenn Sie frischen Kren reißen und Ihnen dann die Augen tränen, dann sind Sie der erste lebende Filztiger auf Erden – ein irdisches Alien sozusagen.

Tiger: Woooaaahh – frisch gerissener Kren ist ja wirklich furchtbar in den Augen!

Krennwurzn: Gut, dann kommen wir zur Sache – was wollen Sie mir sagen?

Tiger: Ich manipuliere Schachpartien!

Krennwurzn: Ich dachte der Chess Tiger wurde nicht mehr weiterentwickelt?

Tiger: Nun ich bin leistungsmäßig sowieso entfesselt und bediene mich lieber beim Zauberer Houdini!

Krennwurzn: Da wünsche ich viel Glück – FIRST CHOICE HOOOUDINI höre ich da schon einen anderen Tiger kreischen und vom Professor Kenneth W. Regan werden Sie dann wissenschaftlich statistisch schonungslos aufgedeckt!

Tiger: Ich zittere schon am ganzen Leib – aber HALLO! Ich bin doch kein Anfänger und Brutalocheater der nur die Züge des Computers übermittelt!

Krennwurzn: Klar – erstes Problem: Übermittlung der Züge – wie soll denn das klappen? Die Spieler werden schon bald einer Leibesvisitation und elektronischen Detektion unterzogen werden und dann ist schon „finito“ mit Tigern!

Tiger: Am Menschen werden Sie und auch andere gar nichts finden und in mir auch nicht - außer natürlich qualitativ hochwertigen, mit liebe handgefertigten Filz!

Krennwurzn: Super und wie funktioniert das dann?

Tiger: Es ist doch bekannt, dass Naturforscher Tiger aufgrund der Fellzeichnung unterscheiden können – das sollte sogar eine Krennwurzn wissen!

Krennwurzn: Ja das ist mir bekannt, aber ...

Tiger: Acht verschiedene Tiger sollten sogar Sie als Krennwurzn sich merken können – oder? Probieren wir es doch einfach aus!

2014Tiger01

Krennwurzn: 1. e4 und 37. Tad1+ ..... Fantastisch!!! Wahnsinn!!!

Krennwurzn: www...wie funktioniert das?? Sie sind doch nur ein Tiger – ein Filztiger? Mich laust der Affe!!

Tiger: Ja, ja für die Krennwurzn ist alles Leben Chemie - aber schon vergessen was ein Lehrer vor vielen, vielen Jahren zu Ihnen gesagt hat: „man muss nicht logisch sondern biologisch denken!“

Krennwurzn: Daran kann ich mich noch erinnern – so ist das auch wieder nicht!

Tiger: Ja, ja wer in Griechenland Tintenfisch mit Pommes isst...

Krennwurzn: mit normalen Erdäpfel – äh Kartoffel hab‘ ich ihn gegessen und aus biologischem Anbau um ganz genau zu sein – Pommes sind nicht so meine Sache!

Tiger: Egal es geht nicht ums Gemüse – gegrillt verliert das Tier äußerst wichtige Eigenschaften...

Krennwurzn: Ah – ich verstehe, Sie können Ihr Fell wie ein Sepia ändern und damit ... aber das fällt doch auf und das kann doch jeder sehen!

Tiger: Erstens fällt das Offensichtliche nicht so auf, wenn man komplizierte Tricks erwartet und zweitens werfen Sie nochmals einen Blick auf die zwei Bilder oben!

Krennwurzn: Opps – ich hätte eigentlich nur die Fernschachnotation 5254 bzw 1141 sehen können und dürfen ... warum ... warum sagte ich 1. e4 und 37. Tad1+ ... ?? Das konnte ich ja gar nicht wissen?

Tiger: Egal wohin sich meine Augen auch richten mögen, ich nehme das Schachbrett auch ohne direkten Sichtkontakt war und könnte auch von Bremen aus in Travemünde wirken!

Krennwurzn: Wirklich?

Tiger: Genau und damit kommen wir zu meiner stärksten Waffe!

Krennwurzn: Die da wäre????

Tiger: Ich bin kein Brutalohoudinicheater – ich bin ein Gedankenmanipulator!!

Krennwurzn: Sie können meine Gedanken manipulieren?

Tiger: Nur schachlich – keine Angst - nur schachlich – das genügt mir schon!

Krennwurzn: Ah – verstehe! Wie ich bei meinem Herrchen vor ein paar Tagen auch! Was hat der getobt, als ich ihm mit Lxd4 einzügig eine Figur einstellen ließ!

Tiger: Genau so funktioniert es – nur ich manipuliere BEIDE nicht nur mein Herrchen - und damit können sich der Professor Regan und die anderen HFC’s (Houdini First Choice) brausen gehen. Nicht nur dass die HFC von heute die Nogos von morgen sind, nein ich heble alle statistischen Methoden einfach mit dem Zufall brutal aus!

Krennwurzn: Ah – jetzt verstehe ich! Genial! Sie haben unsere Schwachstelle erkannt – unsere Modelle haben Schwierigkeiten mit Einschnitten, Krisen, etc. weil sich diese nicht so einfach in mathematischen Formeln darstellen lassen.

Tiger: Richtig erkannt und jetzt erkläre ich Ihnen anhand der Partie aus der 6. Runde in Travemünde wie ich das gemacht habe!

Krennwurzn: Ich bin gespannt wie eine Armbrust! (Zittert vor Aufregung)

Tiger: 1. b4!!!!

Krennwurzn: Mich laust der Affe – das schockiert ja nicht einmal mich staatlich geprüften und zertifizierten Angsthasen!

Tiger: Genau richtig und das soll es auch, denn würden Sie Schach spielen können – äh – es verstehen können, dann wäre Ihnen eines klar: Ihr Gegner hat nun bereits einen halben Punkt freiwillig auf Ihr Konto überwiesen – die Frage ist nur mehr können Sie die Partie gewinnen – der von mir Ihnen letztlich zugedachte Verlust ist nun weit außerhalb Ihrer Vorstellungskraft!

Krennwurzn: Ach so .... hinterhältig ... gemein ... genial!

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Tiger: 11. Sd4!!

Krennwurzn: Wäre da cxd5 nicht viel stärker?

Tiger: Klar du Houdinijünger – klar! Aber es würde zu sehr vereinfachen und das wollen wir – das will ICH nicht!!

Krennwurzn: Aber nach 11. Sd4? ist doch 11. ... Se5 sehr stark!

Tiger: Richtig, aber das Feld e5 wurde ja von unserem Springer vorher geschützt und bleibt im Kopf auch nach dem Wegzug noch eine Weile geschützt!

Krennwurzn: Tatsächlich 11. ... Tc8 – der Tiger zeigt seine Wirkung! Faszinierend würde Spock dazu sagen ...

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Tiger: 15 . ... Te8

Krennwurzn: 15. ... Lb4 wäre sicherlich stärker!

Tiger: Logisch, aber nun hat sich die Blockade vom Springer auf den Le7 übertragen und das ist ganz, ganz wichtig nun!

Krennwurzn: Nun kam nach 16. Le2 Se5 17. Dg3 – Weiß ist am Ende – man(n) kann die Hände schütteln!

Tiger: Man kann die Hände über den Kopf zusammen schlagen aufgrund Ihrer Naivität und Unwissenheit – ja das kann man!

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Krennwurzn: 17. ... Ld6 und aus die Maus! -3,50 sagt Houdini und vorbei ist der Zauber!!

Tiger: Ja – warihätti oder so ....

Tiger: Wie war das mit der Blockade und der Freigabe? Der Springer wurde freigegeben und der Läufer wird dadurch blockiert – Multitasking ist nicht so meine Sache! Und daher kam in der Partie: 17. ... Lb4

Krennwurzn: Aber der Läufer sollte doch blockiert sein!

Tiger: Nur vom Feld d6 sollte er sich fernhalten – das Feld b4 wäre – Betonung auf WÄRE - vorher stark gewesen, da darf er jetzt mit Verspätung hin, denn schon Michail Gorbatschow sagte: wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!

Krennwurzn: Genial ... super .... (mit weit geöffneten Mund)

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Tiger: 19. ... d4 wieder dasselbe Motiv ein starker Zug einen Zug später ist meist ein schwerer Fehler!

Krennwurzn: Ich glaube das geht auf Botwinnik zurück!

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Tiger: 22. ... Te7

Krennwurzn: Damit kenn ich mich aus – die Gier – eine Todsünde!!

Tiger: genau, aber 22. ... Dxe2 könnte auch schon verloren sein ...

Krennwurzn: 23. Sxe8 Txe8 24. Lxe5 Txe5 25. Txb4 mit einer Qualität für Weiß!

2014Tiger08

Tiger: 23. Se6!! Der Tiger hat zugeschlagen und ...

Krennwurzn: genau und das soll nicht auffallen – 23. Sa6 hätte man ja auch zur Verfügung!

Tiger: Der bringt nichts außer Kopfschmerzen – viel Rechenaufwand für nichts und ein riesiger Erklärungsbedarf noch dazu!

23. Se6 hingegen ist einfach, effizient und vor allem: einfach zu erklären – auch Ihnen, liebe Krennwurzn! Es droht ein simples Matt auf g7, das sollten sogar Sie sehen und es unterbricht die Verbindung Dame Turm und damit hängt der Se5 – gut das müssen Sie im Speziellen nicht sehen!

Krennwurzn: Danke für die Blumen!

Tiger: und nach 23. ... fxe6 24. Lxe5 hängt der Turm auf b8 und der Springer auf f6!

Krennwurzn: Das sehe ich und das kann ich mit 24. ... Tf8 beides lösen!!

Tiger: und wohin geht die Dame ohne Figurenverlust nach 25. Ld3!! – darf ich diese Frage stellen?

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Krennwurzn: Opps das habe ich ...

Tiger: Genau - übersehen!!

2014Tiger10

Tiger: Und Txf5 mit Ausnutzung der Grundreihenschwäche hätte sogar eine noch so verwelkte Krennwurzn mit geschwollenen Hühneraugen gesehen!

Krennwurzn: Jetzt werden Sie nicht überheblich! Ich habe noch etwas frisch gerissenen Kren für Ihre Augen hier!

Tiger: Ok – sorry!

Krennwurzn: Und warum erzählen Sie das Alles mir?

Tiger: Weil ich ein Problem habe und Ihre Hilfe brauche?

Krennwurzn: Mein Hilfe – da kann Ihnen nicht mehr geholfen werden!

Tiger: Doch! Sie sind der weltbeste Experte im Finden von katastrophalen Zügen!

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Ihr Lxd4 mit sofortigem Figurenverlust war einfach nur genial – wie kommt man auf solche Züge und wie bringen Sie Ihr Herrchen dazu diese tatsächlich zu spielen? Diese Frage lässt mich einfach nicht los? Wie gesagt ich manipuliere Schachpartien und das heißt ich beeinflusse BEIDE SEITEN – daher bin ich für Anticheatingsoftware und – algorithmen unentdeckbar! Wie man starkes Schach spielt, da kann ich Houdini & Co befragen, aber mir fehlt die Expertise wie man zielsicher schwache und sinnlose Züge findet!

Krennwurzn: Danke für das nichtgegebene Interview und Tschüss! Und hier ist noch was Weißes zum Einreiben der Augen – aber keine Sorge es ist keine Tigersalbe!

Aus dem Lautsprecher und von überall im Raum dröhnt es der armen Krennwurzn entgegen:

It's the eye of the tiger
It's the thrill of the fight
Rising up to the challenge of our rival
And the last known survivor
Stalks his prey in the night
And he's watching us all with the eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger
The eye of the tiger 


Sie haben bisher nur Bahnhof bzw. Hafen verstanden – kein Problem und keine Ursache bei Ihnen ist alles in Ordnung – es liegt an der Krennwurzn!

Aber die Geschichte hat einen wahren Hintergrund und den können Sie in der Zeitschrift Schach Heft 2/2014 auf Seite 30 „Von Schiffen und Tigern“ von GM Daniel Hausrath lesen. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages dürfen wir Ihnen hier auch eine pdf-Version (4,3 MB) zum Lesen anbieten! 

2014Tiger12

Außerdem wurde die Geschichte auch im Forum Schachfeld unter dem Titel "Plüschtiger am Brett" diskutiert - wobei mich der Tiger nochmals extra auf die Tatsache hingewiesen hat, dass er nicht ein Plüsch- sondern ein edler Filztiger ist und dies auch klargestellt haben möchte!
Leider wurde das Turnier von Travemünde zum 30. und letzten Male ausgetragen, wie Olaf schon vor Weihnachten bloggte.

So sah der Großmeister Daniel Hausrath die Partie zum Nachklicken:

So sah der Sieger Olaf Steffens die Partie zum Nachklicken:

Hier noch die Partien als PGN-Download

Samstag, 01 März 2014 11:34

Computerblick auf Atemlos

Diese schöne Studie von Rivkins hat Sven-Hendrik Loßin hier unter dem Titel Atemlos im Februar zum Lösen vorgestellt. Nachdem in den Kommentaren dann eine Variante zum Matt aufgetaucht ist, wurde die Krennwurzn neugierig was denn sein Computer zu dieser Studie beizutragen hat.

Also Houdini 4 mit der GUI von Deep Fritz 14 ausgerüstet mit den neuesten und platzsparenden 6 Steiner Syzygy Tablebases angeworfen. Schnell noch die Stellung eingeben – für Bequeme hier der FEN String 5RK1/8/5ppk/7p/6P1/2N5/6nP/4n3 w - - 0 1 (Neue Partie, Taste S und FEN einfügen) und schon kann es losgehen! 

Nach wenigen Sekunden findet die Maschine hier schon ein #1000 und schreibt als Hauptvariante tatsächlich ein #6

Analysis by Houdini 4 x64:

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#

+- (#1000) Tiefe: 30/52 00:00:24 228MN, tb=208928

Daran ändert sich auch nach längerer Rechenzeit nichts.

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#
+- (#1000) Tiefe: 40/61 00:23:32 12481MN, tb=24057484

1.Se4 Sf3 2.h4 Sgxh4 3.g5+ Sxg5 4.Sd6 Sf5 5.Sxf5+ gxf5 6.Txf6#
+- (#1000) Tiefe: 43/67 01:41:25 65076MN, tb=108296684

Spielt man dann 1. Se4 am Brett sinkt die Mattanzeige von 1000 auf 999 in der Variante allerdings verschwindet das Matt und sie wird bis 9. Txh4+ berechnet.

Analysis by Houdini 4 x64:

1...Sf3 2.h4 hxg4 3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 32/55 00:00:23 249MN, tb=530473

2014Atemlos2

Diese Endstellung (6K1/8/8/5Nn1/6pR/7k/8/8 b - - 0 9) ist nun ein 6-Steiner mit #15 – allerdings kann Fritz dies alleine nur mit den Syzygy-Tablebases nicht erkennen, da er nur den Übergang in ein Unterendspiel in einem Zug nach 9. ... Kh2 10. Txg4+ erkennt.

Daher ist in Let’s check ein auf den ersten Blick etwas verwirrender Eintrag zu sehen, wenn man 10. Txg4 am Brett ausführt – hier wäre wohl eine eindeutige Kennzeichnung, dass es sich um ein Tabelbaseergebnis handelt sicherlich sinnvoll.

2014Atemlos3
Wie man sieht dürfte auch die Anzeige von Stockfisch #17 nicht richtig sein, da nach Navilov dies #15 sein sollte.

Spielt man dann die Hauptvariante weiter, so bleibt die Mattansage bei #1000 und selten auch bei #999. Wer sich über die unterschiedlichen Zeiten wundert, dem sei gesagt, dass ich erstens immer so lange rechnen ließ bis ich „Entdecker“ bei Let’s check wurde und zudem auch mal andere Sachen zu erledigen hatte und daher auch überlange Bedenkzeiten entstanden sind – ist aber auch ganz interessant denke ich mal.

Analysis by Houdini 4 x64:

2.h4 hxg4 3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 33/54 00:02:35 1756MN, tb=2392415
3.Tf7 g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 33/55 00:02:12 1510MN, tb=1691998

3...g5 4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 g3 6.Txf3 Kg4 7.Txg3+
+- (#999) Tiefe: 33/59 00:03:21 2204MN, tb=2211638

4.Txf6+ Kh5 5.hxg5 g3 6.Txf3 Se1 7.Te3 Sg2 8.Txg3
+- (#1000) Tiefe: 36/58 00:15:36 10979MN, tb=18271428

5.hxg5 g3 6.Txf3 Kg6 7.Tf6+ Kh5 8.g6 Sf4 9.Sxg3+
+- (#1000) Tiefe: 34/69 01:27:29 62705MN, tb=12068481

5...Sxg5 6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 50/60 00:24:22 18687MN, tb=33717243

6.Sg3+ Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 47/57 00:05:19 4033MN, tb=5431763

6...Kh4 7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#999) Tiefe: 48/55 00:04:56 3767MN, tb=5030682

7.Sf5+ Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
+- (#1000) Tiefe: 47/55 00:04:48 3641MN, tb=5057184

7...Kh3 8.Th6+ Sh4 9.Txh4+
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Mittwoch, 01 Januar 2014 13:21

Interview mit WIM Zhansaya Abdumalik

Beim 22. Donauopen in Aschach/Donau nahe Linz in Oberösterreich spielen nicht nur immer traditionell viele Schachfreunde mit – dieses Jahr waren es über 250 verteilt auf drei Turniere – sondern aufgrund der Turnierphilosophie, dass jeder Spieler als Gast gesehen wird und nicht nach Titel und Elo präferiert wird, kommen interessante und aufstrebende Spieler gerne in den malerischen Schiffermarkt Aschach an der Donau. Dieses Jahr kam die erst 13jährige 4-fache Mädchenweltmeisterin und aktuelle U20 Vizeweltmeisterin WIM Zhansaya Abdumalik aus Kasachstan mit ihrem Vater, dem Trainer und einem Freund der Familie nach Aschach und die Krennwurzn nutzte die Gelegenheit mit einem kommenden Star des Damenschachs ein paar Worte zu wechseln.

Krennwurzn:
Zuerst einmal herzlich Willkommen und danke, dass Sie trotz Niederlage in der heutigen Partie zum Interview gekommen sind. Sie sind als Nummer 18 der Startrangliste schlussendlich auf Platz 9 und damit in den Preisgeldrängen gelandet – zufrieden oder unzufrieden mit dem Turnier?

Abdumalik:
Mit der heutigen Partie bin ich natürlich nicht zufrieden, aber ich spielte ein paar Ungenauigkeiten und mein Gegner nutzte diese gnadenlos aus – ich kann ihm nur zum Turniersieg gratulieren. Mit dem Turnier bin ich zufrieden, ich habe gute Partien gespielt und mein Rating weiter erhöht, so dass ich wohl meinen Ziel unter die Top 100 der Fraueneloliste zu kommen demnächst erreichen werde.

Krennwurzn:
Darf ich Sie bitten, dass Sie sich den Lesern ein wenig vorstellen?

Abdumalik:
Ich bin 13 Jahre alt, komme aus Almaty der mit fast 1,5 Millionen Einwohnern größten Stadt Kasachstans im Südosten unweit der Grenze zu Kirgisistan.

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Krennwurzn:
Wie lange spielen Sie schon Schach und was sind Ihre größten Erfolge?

Abdumalik:
Ernsthaft mit Schach habe ich im Alter von 6 Jahren begonnen, dann kamen schnell Erfolge, ich wurde viermal Mädchenweltmeisterin in verschiedenen Altersklassen und heuer im November in der Türkei wurde ich Vizeweltmeisterin bei der U20 WM der Damen.

Krennwurzn:
Das ist ja beeindruckend – welche Ziele setzt man sich dann?

Abdumalik:
Zuerst möchte ich Damenweltmeisterin werden und dann möchte ich meinem Vorbild Judith Polgar nacheifern und in die allgemeine Weltspitze vordringen? 2008 bei der Blitzschach Weltmeisterschaft in Almaty konnte ich sie persönlich treffen und ein Foto von ihr mit mir machen lassen.

2014Abdumalik2
Krennwurzn:
Und dann Carlsen schlagen und Weltmeisterin werden?

Abdumalik:
Warum nicht – aber alles Schritt für Schritt!

Krennwurzn:
Ihr Trainer GM David Arutinian spielt auch mit im Turnier – wie viele Stunden trainieren Sie für Schach?

Abdumalik:
Meist um die sechs Stunden täglich, davon etwas weniger als die Hälfte mit dem Trainer.

Krennwurzn:
Bleibt da noch Zeit für andere Hobbies?

Abdumalik:
Natürlich ist die Zeit eher knapp, aber ich schwimme jeden Tag eine Stunde und gehe im Sommer bei uns in der Bergen gerne mit Freunden wandern.

Krennwurzn:
Spielen Sie für einen Klub Meisterschaft oder eher nur Turniere?

Abdumalik:
Leider gibt es in meiner Heimat wenig Turniere und auch für einen Klub Meisterschaft zu spielen ist aus geografischen Gründen schwierig, daher spiele ich meist lieber Turniere.

Krennwurzn:
Fällt das nicht schwer, immer von zu Hause weg zu sein?

Abudmalik:
Schon ein wenig, aber ich reise nie alleine – mein Vater ist immer mit dabei, mein Trainer und oft noch Freunde der Familie – hier sind wir zu Viert und es ist sehr schön hier – es gefällt uns gut in Aschach. Allerdings freue ich mich auch schon auf den heutigen Silvesterabend in Wien, da wir erst morgen von dort via Frankfurt nach Hause fliegen.

Krennwurzn:
Ich habe gesehen, dass Sie hier in Mitteleuropa in Pilsen, Brünn und Wien gespielt haben – bleibt da ein wenig Zeit sich auch die Städte touristisch anzusehen.

Abdumalik:
Leider wenig, aber wir versuchen schon die wenige Freizeit zu nutzen um touristische Ziele anzusehen – aber das Hauptaugenmerk liegt auf Schach.

Krennwurzn:
Danke für das Interview und Alles Gute für 2014 und vielleicht besuchen Sie uns nächstes Jahr wieder!

Turnierergebnisse, Partien, Fotos des Schachfotographen IM Peter Kranzl, Rundenberichte der Krennwurzn und vieles mehr finden Sie auf der Internetseite des 22. Donauopen Aschach. Vielleicht haben auch Sie mal Lust, die Krennwurzn live und in Farbe kennenzulernen oder aber wollen Sie einfach nur einmal ein „Turnier bei Freunden“ spielen und die Atmosphäre in Aschach genießen!

Aus einem kleinen Disput per Email, ob nun im Video ab ca. 16:30 klar hervor geht, ob der neue Bundestrainer Rogozenco genau gesagt hat, ob er einen deutschen A-Trainerschein hat und der veralteten „aktuellen“ A-Trainerliste aus dem Jahre 2011 auf der DSB-Seite, ergab sich ein Interview mit dem Vizepräsident Verbandsentwicklung des DSB Michael Woltmann.

Krennwurzn:
Herr Woltmann, angekündigt war eine gemeinsame Präsentation des neuen Bundestrainer Rogozenco im CB-TV - warum war dann niemand vom DSB vor Ort?

Woltmann:
Unsere Zusammenarbeit mit ChessBase ist nicht neu. Allerdings war bisher soweit ich weiß nie versucht worden, besondere Nachrichten in einem "Fernseh-Format" zu präsentieren. Es gab keine Erfahrungen damit. Im Vorfeld war ich mir also auch nicht sicher, was die Zuschauer hinterher davon halten. Es gab einige wenige kritische Stimmen die sagten, die Angelegenheit sei vielleicht aufgebauscht. Möglicherweise würden wir mit dem Erfahrungsschatz dieser einen Sendung nun eine andere Entscheidung treffen und einen Vertreter des DSB schicken. Aber hinterher ist man halt immer schlauer. Wir werden sicher bald mit ChessBase über zukünftige Sendungen reden und weitere Erfahrungen sammeln. Mir war und ist es wichtig, auch verstärkt bewegte Bilder anzubieten. Wir arbeiten in unserer Öffentlichkeitsarbeit bisher sehr textlastig.

Krennwurzn:
Sie haben gar nicht daran gedacht einen DSB Vertreter zu schicken? Wie soll man da "gemeinsame Präsentation verstehen?

Woltmann:
Es war nicht vorgesehen, dass ein DSB-Vertreter teilnimmt. "Gemeinsam" war also vielleicht nicht die richtige Bezeichnung. Ich hatte die Zusammenarbeit in diesem Punkt (Präsentation Bundestrainer Rogozenco) insgesamt vor Augen. Bei dem Wort "Gemeinsam" ging es mir nicht um die Beschreibung der Gästeliste.

Krennwurzn:
Also mir kommt das eher wie Outsourcing vor oder nach Krennwurzn Lesart wird aus „gemeinsam“ dann: es ist gemein, den Bundestrainer Rogozenco einsam in der Fremde präsentieren zu lassen. Noch dazu wo zwei Angestellte die Präsentation eines Verbandjobs vorgenommen haben. Das ist doch für einen Kritiker ein aufgelegter Strafstoß 1 cm vor der Torlinie ohne Tormann!

Woltmann:
Ehrlich gesagt, wir dachten nicht daran, dass dies zu Kritik führen würde. Mit ChessBase gibt es einen ganz normalen Sponsoringvertrag und eine enge Zusammenarbeit wie mit anderen Partnern auch. Ebenso war ChessBase nicht in den Entscheidungsprozess über den Bundestrainer mit einbezogen. Wir haben diese Sendung vereinbart. Den Namen des Bundestrainers erhielt ChessBase erst wenige Tage vor der Sendung. Und da der neue Bundestrainer Rogozenco die Leute dort gut kennt, sahen wir auch keine Veranlassung ihm eine Begleitung seitens des Verbandes mitzuschicken, weil wir nie den Eindruck hatten, ihn alleine in die Fremde zu schicken.

Krennwurzn:
Ein weiterer Kritikpunkt war, dass im DSB-Artikel zur Vorstellung die ChessBase Vergangenheit vom Bundestrainer Rogozenco quasi verheimlicht wurde, was ja heutzutage irgendwie sinnlos erscheint. Warum haben Sie das so gemacht?

Woltmann:
Ziel dieser Formulierung war gewiss nicht, ChessBase zu verheimlichen. Ziel war einen Text zu verfassen, den auch jemand versteht, der ChessBase nicht kennt. Ich lege solche Presseerklärungen immer Menschen vor, die kein Schach spielen und frage, ob sie den Text verstehen. Eine Mitarbeiterin von mir fragte dann, was ChessBase-DVD´s seien. Daher dann im Text Trainings-DVD´s. In unserer Presseerklärung für ca. 150 Sportredaktionen habe ich auch von nationalen und internationale Trainerlizenzen geschrieben und nicht A-Trainer, damit man sich mehr darunter vorstellen kann.

Krennwurzn:
Welche Aufgaben hat der neue Bundestrainer Rogozenco?

Woltmann:
Er ist vor allem für die A-Nationalmannschaft und die „Prinzen“ zuständig. Aktuell überprüfen wir die Möglichkeiten den „Prinzen“ nach dem Schulabschluss ein Schachjahr zu ermöglichen. Natürlich stellt die Finanzierung ein wesentliches Problem dar, aber wir sind in guten Gesprächen mit Sponsoren für dieses Thema. Das Geld sollte vor allem für Turnier-, Reise und Trainingskosten verwendet werden, denn in diesem Jahr sollte nicht im stillen Kämmerlein trainiert werden, sondern ein Einblick in das Leben eines Schachprofis mit vielen Turnierteilnahmen und Meisterschaftsspielen gewährt werden.

Krennwurzn:
Gut - kommen wir zu einem anderen Thema - warum wurde das DSB-Forum geschlossen?

Woltmann:
Sie werden es nicht glauben, das hat vor allem technische Gründe. Wir sind gerade dabei den Webauftritt des DSB zu modernisieren (Terminhorizont Frühjahr 2014) und in das neue CMS (Content Management System) kann das alte Forum nicht so leicht integriert werden. Der von Ihnen gerne kritisierte Webmaster war entgegen Ihrer Meinung ein starker Befürworter des Erhalts des Forums. Eine Integration des Forums hätte aber zu erheblichen Mehrkosten geführt und da das Forum beinahe nicht mehr genutzt wurde, fiel die Entscheidung diese Kosten zum Wohle der Beitragszahler zu sparen.

skf14400Krennwurzn:
Und auf die Meinungsäußerung zu verzichten.

Woltmann:
Uns ist klar, dass wir verstärkt in die sozialen Netzwerke müssen und dort stellt sich dann das Thema Zensur gar nicht mehr, dort muss man sich Meinungen einfach stellen – das wollen wir und davor haben wir auch keine Angst. Ich persönlich bin erst seit Mai im Präsidium und ich kann Ihnen versichern, dass es in dieser Zeit keinen Eingriff in die Meinungsfreiheit gegeben hat – wie die Praxis früher und vor einigen Jahren war, dazu kann ich nichts sagen. Jeder Nutzer kann die bei den Artikeln angegebenen Emailadressen nutzen, um uns Anfragen zu schicken. Diese werden zeitnah beantwortet – natürlich sollte man dabei bedenken, dass es sich um ehrenamtliche Funktionärstätigkeiten handelt und die Personen auch einen Zivilberuf nachgehen. Aber eine Einschränkung der Meinungsfreiheit ist nicht gewollt – wir freuen uns über konstruktive Diskussionsbeiträge.


Krennwurzn:
Dass man einzelne Artikel kommentieren darf und andere nicht – das könnte man als Zensur sehen.

Woltmann:
Mit der Kommentarfunktion einzelner Artikel habe ich keine Freude, da hier Mitteilungen des DSB mit Blogelementen vermischt werden – das gefällt mir nicht. Es war auch nur der Artikel über die FIDE-Identifikationsnummer freigeschaltet, weil wir da auch für Fragen von Mitgliedern offen sein wollten.

Krennwurzn:
Sie sind für Verbandsentwicklung zuständig – was darf man darunter verstehen?

Woltmann:
Es geht um Öffentlichkeitsarbeit, Breitenschach und Vereinsbetreuung. Da wir derzeit keinen ehrenamtlichen Referenten für Öffentlichkeitsarbeit haben, wende ich einen Teil meiner Zeit gemeinsam mit der Geschäftsstelle für diesen Bereich auf. Wie schon gesagt, modernisieren wir die Homepage inklusive Integration der Seniorenwebseite, FIDE-Trainerakademie, etc. und wollen auch in die sozialen Netzwerke gehen.

Krennwurzn:
So manche DSB Entscheidung der jüngeren Vergangenheit verursacht ein Unwohlsein oder Kopfschütteln bei vielen Schachfreunden – ich möchte da die Bestellung von Frau Quellmalz ohne Schachkenntnisse zur Geschäftsführerin des DSB nennen und die Betrugscausen. Da ist ja Einiges sehr unglücklich gelaufen?

Woltmann:
Manchmal ist auch gut, wenn man über den Tellerrand schaut und die Qualifikationen von Frau Quellmalz waren einfach die besten von allen Bewerbern und auch, dass eine Frau diesen Posten bekam ist sicherlich im männerdominierten Schach kein schlechtes Zeichen. Die Aufgabe von Frau Quellmalz ist die Geschäftsführung und nicht die Öffentlichkeitsarbeit und ich kann Ihnen sagen, dass Frau Quellmalz ihre Arbeit ausgezeichnet erledigt. Für Schachpolitik und Außenwirkung sind die Funktionäre zuständig und da sind wir demokratisch organisiert, was gerade in den Betrugscausen zu zeitlichen Problemen führt, da der DSB nicht von oben herab bestimmen kann, sondern Regelungen gemeinsam mit den Landesverbänden gemacht werden müssen. Das ist gut so, kostet aber Zeit.

Allerdings muss ich sagen, dass wir vor allem juristisch haltbare Bestimmungen brauchen, denn Schnellschüsse, die hinterher nicht halten sind noch schlimmer. Es wird auch diskutiert, dass private Turnierveranstalter eine Unterwerfungserklärung unter die DSB-Bestimmungen in ihre Ausschreibungen übernehmen können, damit auch dort erfolgter Betrug juristisch sicher abgestraft werden kann. Ein schwieriges Thema für noch längere Zeit, denn auch die Betrüger sind sehr kreativ und werden es wohl leider bleiben und der DSB kann und darf die Rechtsstaatlichkeit nicht verlassen!

Krennwurzn:
Da wurde nun aus einem anfänglichen Disput – abgesehen von meinem Fauxpas mit der Altersschätzung – ein ganz nettes Gespräch. Ich danke Ihnen für die Zeit und wünsche Ihnen Frohe Weihnachten und Alles Gute für 2014!

Woltmann:
Ich wünsche Ihnen und den Lesern der Schachwelt ebenfalls schöne und erholsame Weihnachtstage und Alles Gute für 2014!

 

Samstag, 14 Dezember 2013 19:44

Dorian allein im TV

Wer der neue Bundestrainer wird, stand schon vor der EM in Warschau fest und sollte erst am Freitag den 13. Dezember im Rahmen der wöchentlichen ChessBase TV Sendung bekannt gegeben werden. Nun fanden es einige befremdlich, dass so eine wichtige Personalentscheidung bei einem Partner bekannt gegeben würde, wobei die Krennwurzn nicht in diesen Kreis angehörte, denn ganz ehrlich gefragt: warum sollte man das nicht tun, denn es bestünde ja die Chance, dass alle Beteiligten davon profitieren könnten.

Auf der Seite des DSB konnte man eine vollmundige Ankündigung lesen, dass man die Bekanntgabe gemeinsam mit dem Partner ChessBase durchführen werde und dieser ließ sich auch nicht lumpen und startet sogar noch ein Ratespiel mit Gewinnmöglichkeit.

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 Also saß nicht nur die Krennwurzn gebannt vor dem Monitor und eine gewisse Spannung kam auf, als endlich nach 17 Uhr das Schwarz des Bildschirmes durch das Livebild aus dem Hamburger Studio ersetzt wurde. Die erste Hürde war geschafft, das Interesse hat den Server nicht zum Absturz gebracht. Da nur CB-Premiumuser Zugang zum CB-TV haben, waren gerade mal um die 200 Leute am Zuschauen, obwohl um die 5.000 am Server eingeloggt waren – eine serverinterne Quote von 4%. Ein wenig enttäuschend für so eine Präsentation dachte sich die Krennwurzn, aber es sollte noch viel schlimmer kommen. Zuerst begrüßten die Moderatoren das Publikum und die Krennwurzn wunderte sich ein wenig über die legere Kleidung und auch darüber, dass einer immer die Hand an der Tasse hatte. Aber das war wohl nur die Krennwurz`ische Nervosität vor der Bekanntgabe. Endlich verbreiterte sich das Bild ...

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 (Bildauschnitt ChessBase TV vom Freitag, 13.12.2013 - Sendung kann von Premiumusern im Archiv bei CB jederzeit angeschaut werden)

und da saß er nun der neue Bundestrainer GM Dorian Rogozenco und lächelte mit Jackett etwas verlegen in die Kamera. Nun baten ihn die Moderatoren in die Mitte und damit er kleidungsmäßig zu denen passte, zog er schnell das Jackett aus, denn ein höflicher Mann dürfte er sein, der neue Bundestrainer. Die Szene mutet schon ein wenig skurril an mit all den Utensilien, damit man kein hässliches Wort verwenden muss, am Tisch und man wäre nicht verwundert gewesen, wenn sich das Ganze als „Versteckte Kamera“ aufgelöst hätte!

skf14400Aber stand da nicht „Gemeinsam mit unserem Partner ChessBase präsentieren wir ...“ – ja wo waren da die „wir“ und warum bitte, präsentieren zwei Angestellte eines Partners den neuen Bundestrainer? Hat ChessBase nicht zwei Geschäftsführer? Ja, ja höre ich sie sagen: das übliche ChessBase Bashing der Krennwurzn mal wieder. Nein, muss ich Ihnen sagen, ich verstehe vollkommen, dass die Geschäftsführer wohl ohne entsprechendes Gegenüber vom DSB keine Lust hatten der Sendung beizuwohnen. Was ich aber nicht verstehen kann ist, warum der DSB niemand entsprechenden schicken konnte? Es hätte ja nicht der Präsident aus dem Saarland anreisen müssen, aber es gibt neben zahlreichen Vize-Präsidenten auch eine Geschäftsführerin des DSB in Berlin und die beiden Städte sind verkehrstechnisch wirklich gut verbunden.

Jedenfalls die Krennwurzn schüttelte nur mehr den Kopf und auch der Verlauf der Sendung war nach der Vorstellung und der Verlosung des ausgelobten Preises wie immer. Es kamen Partiestellungen auf den Schirm und es sprachen hauptsächlich die Moderatoren, denn der Gast sollte ja eine gemütliche Zeit haben. Als die Krennwurzn fragte, ob es nicht interessantere Fragen an den neuen Bundestrainer gäbe als Partiefragmente, blickte ein Moderator genervt über seine Brille und ignorierte die Frage. Da auch andere etwas über Pläne, die Nationalmannschaft, etc wissen wollten, muss dies auch der neue Bundestrainer gesehen haben und antworte darauf, ebenso beantwortete er die Frage, dass er noch nicht A-Trainer ist mit der Feststellung, dass dies in der Ausschreibung nicht gefordert wurde, sondern nur die Bereitschaft dies in Angriff zu nehmen. Warum auf der DSB Seite steht, dass er A-Trainer ist, obwohl er auch in der aktuellen Liste des DSB nicht als solcher zu finden ist – nun das kann und will ich nicht beantworten. Jedenfalls ehrlich und nett dürfte er sein der neue Bundestrainer!

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Aber an solchen Aussagen dürften die beiden Angestellten nicht wirklich interessiert sein, denn sofort kam wieder wirklich Wichtiges auf den Schirm – klar eine Partie des neuen Bundestrainers aus dem Jahre 1995

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und man musste den überraschenden Zug Da7 finden und da der damalige Gegner sofort mit 21. Kf1 kräftig patzte noch nach 21. Lh4 22. Te2 Txg2 23. Txg2 Df2# sehen. Die Krennwurzn schockte sich mit den Gedanken was wohl Naiditsch dazu sagen würde und so klickte er sich wie viele andere auch aus der Übertragung aus, was die Quote noch weiter sinken ließ, was aber auch den Vorteil hat, dass nicht viele die Demontage des neuen Bundestrainers durch den DSB live verfolgt haben können.

Professionelles Verhalten sieht wohl anders aus – ja aber wie und wer hätte die Kosten getragen? Nun so hoch wären die auch nicht gewesen. Eine Dienstreise der DSB-Geschäftsführerin nach Hamburg und dann hätte wohl sicher einer der Geschäftsführer von ChessBase Zeit gefunden ins eigene TV-Studio zu kommen – alleine schon aus purer Höflichkeit und vielleicht hätte man sich auch die Kosten für einen professionellen Moderator teilen können, der mit etwas mehr Schwung und ohne Kaffeetasse in der Hand durch die Sendung führen hätte können. Dieses Video hätte man möglicherweise für Öffentlichkeitsarbeit verwenden können, aber da dieses Referat ja unbesetzt ist, genügt es konsequenterweise den Bundestrainer durch Angestellte eines Partners vorstellen zu lassen! 


 Nachtrag:

Nach diesem Artikel von Juli 2013 ist Bundestrainer GM Dorian Rogozenco A-Trainer – warum er nicht in der aktuelle Liste steht und warum er nicht explizit darauf in der TV-Sendung hingewiesen hat – ich weiß es nicht!

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Nachtrag 19.12.2013

Jetzt gibt es auch das Video frei auf der DSB-Seite zu sehen

 

 

So könnte man das Abschneiden der deutschen Mannschaft bei der FIDE Team Weltmeisterschaft 2013 im türkischen Badeort Antalya vom 24. November bis 6. Dezember kurz umreißen.

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Der Blogtitel als Bild dargestellt :-)

Die Pflicht gegen die beiden nominell schwächeren Mannschaften wurde sofort in den ersten Runden erfüllt und es kam so was wie Hoffnung auf, dass es doch besser laufen könnte als bei der EM in Warschau. Denn trotz allen möglichen Verboten durch die FIDE und die Organisatoren was die Bewaffnung im Hotel und Spielbereich betraf, wie man dem offiziellen Bulletin entnehmen konnte,

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war eine kreative Mannschaftsaufstellung nicht verboten und so fand man Naiditsch auf dem ungewohnten 4. Brett wieder, was die Vorbereitung für Gegner nicht gerade vereinfachte.

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Dann kam allerdings die große Rochade ins Spiel und die deutschen Mannen musste zum Teil bittere Niederlagen hinnehmen, auch wenn man diese ehrlicherweise erwarten oder genauer gesagt befürchten musste. Aber wie der Ösi zu schön sagen pflegt: „zu Tode gefürchtet ist auch gestorben!“ Ja und weil wir gerade in der Alpenrepublik sind, wenden wir uns einem ganz schlimmen Exemplar zu: der Krennwurzn! Diese überlegte schon welche Begriffe sie für die drohende Niederlagenserien verwenden könnte, wobei nach der kleinen, die bereits gemachte große Rochade klar ist. Dann folgt der Audi und die Olympiade – aber wie nennt man sechs oder gar sieben Niederlagen in Serie?

Nun die deutsche Mannschaft erlöste die Krennwurzn von der unangenehmen Denkarbeit und schaffte einen unglaublichen 3:1 Sieg gegen Armenien, der Dank eines vorweihnachtlichen Halbpunktegeschenks von Meier an Aronian nicht in ein armenischen Debakel ausgeartet ist.

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Dann wurde zwar wieder kurz rochiert und zum Abschluss wieder ein klarer Sieg gegen Aserbaidschan eingefahren und man diese noch in der Tabelle überholen konnte. Abgerundet wurde die Leistung noch durch den ersten Preis am 3. Brett für GM Daniel Fridman mit einer Eloleistung von 2794.

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Gewonnen hat das Turnier schlussendlich doch – darf man da schon überraschend schreiben - Russland, das mit einem Sieg in der Vorschlussrunde gegen die Ukraine diese von der lange eingenommenen Führungsposition verdrängten. Durch einen hohen Sieg gegen den Gastgeber Türkei konnte in der Schlussrunde China noch aufgrund der Brettpunkte an der Ukraine vorbeiziehen.

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Wollen Sie wissen, was schachlich dort wirklich passiert ist, dann empfehle ich Ihnen die lesenswerten Beiträge von Olaf Steffens, der diesmal das Geschehen offiziell auf den Seiten des Schachbundes zur Team Weltmeisterschaft kommentieren durfte!

Montag, 25 November 2013 20:45

Auch Zauberer können sich verspäten

Hat sich die Krennwurzn schon bei den Marketingprofis aus dem Hause ChessBase stark gewundert, dass Deep Fritz 14 erst am Ende der Weltmeisterschaft auf den Markt kam, so ist es umso verwunderlicher, dass es auch ein Zauberer nicht rechtzeitig vorher schaffte mit seiner neuen Version auf den Markt zu kommen. Ob man möglicherweise den beiden Kontrahenten die jeweiligen Spitzenversionen für die WM und deren Vorbereitung exklusive zur Verfügung gestellt hat – ja darüber kann man nur spekulieren! Einen Sinn macht das eigentlich nicht, denn während Fritz um 100 Elopunkte nach Herstellerangaben zulegte und dennoch hinter den Spitzenprogrammen blieb, gibt der Programmierer des Zauberers einen Elozuwachs von 50 Elopunkten für sein neues Programm an. Sicherlich ein schönes Plus, aber wohl ohne entscheidende Auswirkung auf die Vorbereitungsleistung sollte man denken.

Der neue stärkere Houdini 4 kommt wie bisher als reine UCI-Engine ohne eigene Programmoberfläche(GUI) auf den Markt und läuft auf vielen kostenlosen und kommerziellen Oberflächen reibungslos. Einfach und übersichtlich ist auch die Preisgestaltung auf der Seite des Herstellers und kaufen kann man via Internet auch auch mit Überweisung – selbst wenn diese auf der Internetseite für Österreich nicht möglich ist. Ein kurzes Email genügt und der Autor antwortet rasch und auch die Registrierdaten sind schnell zu Stelle.

Die Engine gibt es als Pro- und als Standardversion, wobei für die meisten Schachfreunde die Standardversion ausreichen sollte.

  • Standardversion unterstützt max. 6 Kerne (Cores) und 4 GB Hash Preis um die 40 Euro
  • Proversion ist für Highendhardware gedacht und unterstützt bis zu 32 Kerne und 256 GB Hash und zusätzlich auch NUMA-Architektur und kostet um die 60 Euro

Kundenfreundlich ist auch ein 20% Rabatt für Houdini 3 Besitzer, der allerdings laut Homepage bis zum 10. Dezember 2013 befristet ist – aber so einen Lizenzschlüssel kann man sicher auch bis Weihnachten gut verstecken und unter den Christbaum legen. Geschenkt bekommen Houdini 4 alle, die Houdini 3 im Monat November 2013 gekauft haben – wie ebenfalls auf der Homepage zu lesen ist.

Wer sich Houdini aus dem Hause ChessBase mit den neuen DF14-GUI, der wird sich wohl noch ein paar Tage gedulden müssen, aber ich denke so um Nikolo herum wird man auch dort den neuen Zauberer kaufen können. Ebenfalls ab diesem Zeitpunkt sollte auch unter den ChessBase GUIs eine weitere bedeutende Neuerung nutzbar sein!

Dies ist die Unterstützung der Syzygy Endspieltabellen, die zirka um den Faktor 7 weniger Platz auf der Festplatte erfordern als beispielsweise die bekannteren Nalimowtablebases und mit um die 150 GB sogar auf einer SSD kostenerträglich Platz finden. Interessant bei diesen ist auch, dass es zwei Versionen zum Download gibt: die WDL (win/draw/loss) mit der integrierten 50-Zügeregel und die DTZ (distance-to-zero) die Stellung ohne diese Einschränkung bewertet – zum Betrieb mit Houdini sind jedoch beide Versionen notwendig! Das sind dann für die 3-4-5-6 Steiner insgesamt 1020 Dateien und sollen Houdini 4 noch einen nicht unbedeutenden Leistungsschub geben. Leider habe ich keinen direkten Downloadlink gefunden, aber man kann sich die Daten via Torrent downloaden. Neben einer eigenen Einstellung für den Taktikmodus, um bei taktischen Testaufgaben besser abzuschneiden, gibt es auch Unterstützung für Fischerschach oder Chess960 wie es auch genannt wird.

Interessant ist auch die kalibrierte Bewertungsfunktion, die direkt mit der Gewinnwahrscheinlichkeit korrelieren sollte. Die Bewertung 1,00 stellt eine 80% Gewinnchance gegen einen gleichwertigen Gegner unter Blitzbedenkzeiten dar,  2.00 schon eine 95%ige und 3,00 eine 99%ige Gewinnwahrscheinlichkeit. Wird der Vorteil mit 0,50 angegeben, so darf man sich noch zu 50% einen Gewinn erwarten oder doch eher erhoffen? Eine Krennwurznische Patzerwahrscheinlichkeit kann jedoch auch der Zauberer nicht vorhersagen - aber wen würde das schon interessieren?

Jedenfalls wieder ein schönes Weihnachtsgeschenk, das man sich als Schachfreund selber machen kann oder sich schenken lassen kann – auch wenn es kostenlose Alternativen wie Stockfish & Co in ähnlicher Stärke gibt, die uns auch locker vom Brett fegen!

Freitag, 22 November 2013 14:34

Habemus Carlsen

Der König ist tot, es lebe der König! Mit dieser Heroldsformel wurde in Frankreich der Tod des alten Königs bekannt gegeben und gleichzeitig der neue ausgerufen, um Kontinuität zu signalisieren – um den Erbanspruch darzustellen und auch um die Angst vor dem Neuen zu nehmen. Nach einigen Unklarheiten wer den rechtmäßiger Weltmeister sei in Anfängen der Nullerjahre des Jahrtausends brachte der Sieg von Anand 2007 mit seinen folgenden Titelverteidigungen Ruhe und Seriosität in die Titelfrage.

Der Titelgewinn von Carlsen war eigentlich eine logische Folge nachdem er 2010 die Führung in der FIDE-Weltrangliste übernahm und dann auch noch den Rekord von Kaparov überbot. Schon im Vorfeld wurde viel diskutiert, ob Anand nach nicht so tollen Turnierleistungen in der Lage wäre Carlsen Paroli bieten zu können. Andererseits zeigte auch Carlsen Nerven als er beim Kandidatenturnier in der letzten Runde gegen Peter Swidler verlor, und nur deshalb Herausforderer wurde, da der punktgleiche Wladimir Kramnik ebenfalls seine letzte Partie verlor und Carlsen wegen der mehr gewonnenen Partien das Turnier doch gewonnen hat.

Die Schachwelt war sich einig, dass die Eröffnungsvorbereitung nicht gerade zu den Stärken von Carlsen gehört und sahen da die größten Chancen für Anand im Wettkampf. Auch dass die Weltmeisterschaft in Indien gespielt wurde, sahen viele als Vorteil für Anand. Ich bin hier vollkommen anderer Meinung – ich denke der beste Ort für eine Titelverteidigung von Anand wäre Norwegen gewesen, nur so hätte man den Druck auf Carlsen maximieren können. Irgendwie hatte die Krennwurzn den Eindruck, dass Anand selbst im tiefsten Inneren nicht wirklich an eine erfolgreiche Titelverteidigung glaubte, aber sehen wir uns die Partien kurz an.

Die ersten beiden Partien endeten schnell durch Zugwiederholungen Remis, was einige als Vorteil Anand ansahen, da Carlsen solche bei der WM Anand - Gelfand heftig kritisiert hatte. Als er dann in der dritten Partie mit Weiß nichts aus der Eröffnung holen konnte und wie er in der Pressekonferenz sagte die Notbremse ziehen musste. Er musste seine Dame nach h1 überführen und kam in Zeitnot, konnte aber mit einem Bauernopfer seine Figuren wieder aktivieren und als Anand dann im 41. Zug Remis anbot, lehnte er dies ab und spielte dann die Partie aus. In der vierten Partie entstand aus der Berliner Verteidigung eine interessante Partie und Carlsen konnte den Bauer auf a2 gewinnen. Anand hatte Kompensation und nach der Abwehr von ein paar Mattdrohungen am Ende der Partie kam es wieder zum Remis. Aber psychologisch hatte sich das Match meiner Meinung nach gedreht – jetzt war Carlsen im Match angekommen und am Drücker.

Die fünfte Partie war dann ein offener Schlagabtausch und als die Kommentatoren und die Schachengines alle im dann entstandenen Turmendspiel das Remis schon kommen sahen und spekulierten wie lange die Anfangsremisserie noch anhalten würde, verschärfte Anand mit 39. ... a4 in Zeitnot von Carlsen die Stellung, statt mit 39. ... g4 den Remishafen anzusteuern.

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In der Folge traf er dann mehrmals nicht die optimalen Züge und nach 51. ... Ke6 war dann die Partie endgültig verloren.

In der sechsten Partie fand Anand wieder in einem Turmendspiel, dass Carlsen aggressiv mit Bauernopfer anlegte, wieder nicht die rettende Fortsetzung und verlor die Partie und damit wohl schon das Match.

2013HabemusCarlsen2

Hier hätte 60. b4 noch Remis gehalten, Anand spielte jedoch 60. Ta4 und nun stehen ihm seine eigenen Bauern im Wege.Die Wettqoute bei BWIN auf Matchsieg Carlsen wurde auf 1:1,01 gesenkt und dann sogar komplett aus dem Programm genommen.

Die siebte und achte Partie endeten schnell remis, wobei das Spannendste die Dopingkontrolle nach der achten Partie war. Irgendwie hatte man das Gefühl, dass die Weltmeisterschaft von Anand ohne Kampf und nur durch Eigenfehler verloren wurde und dafür wurde er teilweise heftig kritisiert.

Nach einem Ruhetag kam in der neunten Partie ein scharfer Nimzoinder aufs Brett und beide spielten scharfe und prinzipielle Züge. Carlsen sagte, dass er sich damit abfinden musste, dass er möglicherweise matt gesetzt wird und organisierte dann doch eine coole Verteidigungsstrategie.

2013HabemusCarlsen3

Nach 22. ... b3 von Carlsen sank Anand in tiefes Nachdenken und musste viele Angriffsoptionen durchrechnen. In dieser Phase sah man im Video, dass Anand mehr und mehr resignativ aussah, denn was die Zuseher mit Computerhilfe schon wussten, wurde ihm nun auch immer klarer: es gibt kein Matt – Schwarz kann den Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen. Wahrscheinlich führte diese Hoffnungslosigkeit zu dem finalen Bock 28. Sf1?? anstatt mit 28. Lf1 in eine ausgeglichene Stellung zu kommen. Im Endeffekt war es egal und dieser Partieverlust stellt meiner Meinung nach keine Niederlage dar, auch wenn es die Weltmeisterschaft wohl endgültig gekostet hat, denn nun müsste Anand alle drei ausstehenden Partien gewinnen, um noch die Tiebreaks zu erreichen. Aber alle Schachwelt zollte dem „Tiger von Madras“ Respekt für seinen Kampfgeist und trauerte ein wenig nach, warum er dieses Spiel nicht von Anfang an aufgezogen hat. Vielleicht liegt die Antwort gerade in diesem traurigen Ende der Partie – den ungeheuren aggressiven Verteidigungsfähigkeiten des norwegischen Wunderkinds, den viele jetzt schon als „Mozart des Schachs“ bezeichnen.

In der zehnten Partie kam ein Sizilianer aufs Brett und Carlsen wich einer Stellungswiederholung, die im den Titel wohl gesichert hätte, falls Anand die Schaukel akzeptiert hätte, selbst mit 22. a4 aus dem Weg. Nun entwickelte sich spannendes Spiel und Anand spielte mit 28. ... Dg5 die erste Ungenauigkeit, doch Carlsen vergab mit 30. exd6 statt 30. Sc3 die Chance auf Vorteil und so entstand nach Generalabtausch ein remisliches Springerendspiel. Aber dieses wurde noch ultraspannend und vor allem wurde es total ausgekämpft!

Magnus Carlsen ist der 16. Weltmeister der Schachgeschichte!!

Nun wie ist dieser Wettkampf abschließend zu bewerten? Nun eine grundlegende Erkenntnis könnte sein, dass man mehr Augenmerk auf menschliches Schach legen muss, denn die Ära der menschlichen Überlegenheit den Maschinen gegenüber ist einer totalen Unterlegenheit gewichen. Menschen machen Fehler und wer weniger Fehler macht, der gewinnt langfristig!

Jedenfalls verursachte diese Weltmeisterschaft ein weltweites Medieninteresse und erzielte einige Rekorde, so kam der Twitter hashtag #AnandCarlsen in Indien als Nummer 1 in die Trendliste. Auch sonst wurde viel über diesen Wettkampf berichtet – in Deutschland hatte Spiegel Online beispielsweise einen eigenen Onlineticker im Programm und auf den klassischen Schachseiten wie beim Marktführer ChessBase wurden am Schachserver neue Zuseherrekorde erreicht. Zudem boten die Hamburger den Premiumuser Kommentierung in mehreren Sprachen an. Hervorheben möchte ich die schon als klassisch zu bezeichnende Kommentierung des aktuellen Deutschen Meisters GM Klaus Bischoff, der den Spagat souverän schafft und für alle Leistungsstärken interessante Erklärungen findet – vor allem zeigt er auf, welche Gefahren (Traumvarianten) in den Stellungen lauern, die im Endeffekt die Schönheit und die Faszination unseres schönen Spiels ausmachen.

Bleibt noch eine kleine nicht ganz ernstgemeinte Botschaft an den Nachwuchs übrig: werft die Eröffnungsbücher und die Computer aus dem Fenster – lernt Mittel- und Endspiele und versucht diese am Brett zu gewinnen! Und wie hieß es am Anfang des Artikels? Und da sind wir wieder am Anfang gelandet:

Danke Vishy !! – Gratulation Magnus !!

Dienstag, 19 November 2013 23:04

Diese Wüllenwebers (Folge14 – Single ade)

Über zwei Jahre mussten wir diesmal warten bis ein neuer Sprössling der Wüllenweberschen Schachfamilie das Licht der Welt erblickte. Über den Vater Matthias Wüllenweber und seine Söhneschar mit den Namen Fritz1 bis 13 und den berühmtesten den Weltmeister Edi („Diebfritz“ der Titelräuber) der in seiner anglisiert Form „Deep Fritz“ Namensgeber einer ganzen leistungsstarken Produktserie wurde, schrieb Mitblogger Olaf bereits im Herbst 2011 einen schönen Artikel.

Nun seit damals wurden viele Schachstellungen in die Let’s check Datenbank eingespielt und auch viel Wasser ist den Rhein, die Donau und auch die Elbe hinuntergeflossen, wie man altmodischer das Verrinnen der Zeit bildhaft umschrieben hätte. Und moderner wurde vieles und offener: live-, speed-, blind- und wie auch immer –dating ist für Junge heute kein Tabu mehr. Im strengen Hause Wüllenweber mussten die einfachen Fritzen – also alle, die nicht der Linie „Deep“ entsprungen sind - ein strenges Zölibat einhalten und durften sich nur auf einem einzigen Rechnerkern (Core) austoben, auch wenn es seit 2006 schon mehrheitlich Dualcore, dann schon bald Quadcore Computer zu kaufen gab! „Nein, nein! Du bist kein Dieb, Du wirst ehrlich und hart auf einem Kern Deine Arbeit machen“ mussten die armen Fritze immer wieder hören, obwohl die Konkurrenten hinter denen sich auch leistungsmäßig zurücklagen, schon lange die volle Rechenpower nutzen durften! Als aber dann aber immer mehr Cores auf einen einzigen Prozessor gepackt wurden und im Vorjahr ChessBase 12 mit 64bit und Multicoreunterstützung die Krennwurzn leiden ließ – ja, da wurde auch das Herz des strengen Vaters erweicht.

Deep Fritz 14, der innerfamiliär auf den Namen Maddox „der Glückliche“ hören wird und dessen legendärer Namensvetter möglicherweise als erster Europäer nach Amerika gesegelt sein sollte, und dort eine Siedlung gegründet haben sollte, ja Deep Fritz 14 „Maddox“ dem wurden Freiheiten zu teil, von denen seine Brüder nur träumen konnten!

Dazu gehörte auch, dass „Maddox“ ganz still und leise auf den Markt gebracht wurde, zuerst nur im Shop, erst dann am Nachmittag auf der Startseite der Homepage. Auch tauchten nicht wie so oft in der Vergangenheit Wunderergebnisse gegen andere Engines in allgemein bekannten Foren auf, die sich später – nach dem Kauf – nicht mehr nachvollziehen ließen und enttäuschte oder gar getäuschte Käufer zurück gelassen haben. Ebenso wurden keine Superlative wie Weltneuheit strapaziert – ganz bescheiden steht da nur „Deep Fritz 14: Schneller, besser, günstiger“

Schneller, besser das ist der Krennwurzn klar, aber bei „günstiger“ da möchte ich doch einen Einspruch wagen! Natürlich sind 70 Euro günstiger als 100 Euro, aber kostete ein Fritz nicht mal 50 Euronen? Ja und sogar 100 Mark musste man für einen Fritz schon hinlegen, sodass man mit einigem Bauchweh auch das „günstiger“ durchgehen lassen kann, weil es die erste Preiserhöhung für den Einsteigerfritz seit vielen Jahren ist und weil es auch Inflation gibt.

Für das Geld gibt es eine neue überarbeitete GUI in 64bit und mit Multicoreunterstützung, dazu noch 6 Monate Premiumzugang zum Fritzserver. Neue Funktionen konnte ich auf die Schnelle nicht entdecken und diese werden auch nicht beworben, sondern es wird auf die altbewährten bekannten Spiel-, Trainings- und Analysefunktionen hingewiesen, die Fritz zum „beliebtesten deutschen Schachprogramm“ (DER SPIEGEL) gemacht haben.

Und ja klar da fehlt noch was: die neue Engine! Da gab es ein paar Änderungen in der Familie Wüllenweber - nicht mehr Frans Morsch zeichnet für die Engine verantwortlich sondern Gyula Horváth. Natürlich sind die beiden „Mats“ – Matthias Wüllenweber und Mathias Feist – immer noch maßgeblich mit an Bord.

2013Fritz14 2

 

Nun testen konnte ich die neue Engine noch nicht, denn sie verweigert nach der Installation einfach ihren Dienst. Und ja voller innerer Schadenfreude schreibt die Krennwurzn diese Zeilen, denn ich hab’s noch nicht vergessen: dieses CB12 ist ja beim Testen niemals abgestürzt, aber der im Shop gekaufte und heruntergeladene Fritz 14 macht Macken – „Maddox“ wenn Du wüsstest, wie glücklich Du die Krennwurzn gemacht hast!

2013Fritz14 1

Houdini und Crafty laufen aber ohne Probleme mit der neuen GUI, nur Deep Fritz 14 mag noch nicht so an die neue Freiheit glauben, was mich diebisch freut! Aber ganz ehrlich gesagt: wegen der Engine habe ich mir „Deep Fritz 14“ auch nicht gekauft! Was bleibt dann noch übrig? Keine wesentlichen neuen Funktionen, eine schwächere Engine, die noch dazu den Dienst verweigert? Das sind doch alles Nichtkaufargumente und dann spricht die Krennwurzn auch noch quasi eine Kaufempfehlung aus? Ist die noch zu retten oder vollkommen übergeschnappt?

Nun zu retten ist sie sicher nicht mehr, aber doch ein nüchterner Rechner. Die Engine interessiert mich sowieso nicht – das gilt sogar irgendwie für die anderen auch – und wie sich die Zeiten ändern, so auch die Prioritäten. Ich wollte mir vor der WM einen Premiumzugang um 50 Euro kaufen und habe ich schon geärgert, dass die Hamburger – sonst Meister des Marketings – diesmal den Fritz nicht rechtzeitig auf den Markt brachten und ich so ein paarmal die guten Kommentare von Klaus Bischoff nicht mitverfolgen konnte, weil ein Geizhals ist sie schon die Krennwurzn. Also bleiben 20 Euro Aufpreis für die GUI und die Engine und das ist es mir wert, dass die alte 32bit Software endlich vom Rechner verschwindet – und Zinsen fürs Geld bekommt man am Sparbuch auch nicht!

Nachtrag:
Gerade kam per Email eine Fehlererklärung und LÖSUNG - die Installationsroutine hat den Prozessor nicht richtig erkannt und statt der AMD die INTEL-Version von Fritz auf meinem Rechner installiert!
"Maddox" läuft damit ab dem ersten Tag!!

Sonntag, 10 November 2013 23:28

Griechische Impressionen

Die Krennwurzn war im September inselhüpfend auf den Kykladen unterwegs und weil die Krennwurzn auch ein wenig schachverrückt ist, kreisen auch im Urlaub – gerade nach dem einen oder anderem Gläschen Wein – die Gedanken um das königliche Spiel. Aber was hat Griechenland mit Schach zu tun? Dass die alten Griechen das Spiel schon seit Alexanders Zeiten von den Persern kannten ist geschichtlich nicht belegt, denn das Spiel kam erst viel später im frühen Mittelalter mit den Arabern von Persien aus nach Europa. Nun Athen ist seit einigen Jahren der Sitz des FIDE Sekretariats und nicht zu vergessen ist, dass ebenfalls schon sehr viele Jahre der spielstärkste Olivenbauer der Welt Nigel Short dort wohnhaft ist, wenn er nicht gerade um die Welt jettet, um Schach zu spielen oder zu kommentieren.

Auf der kleinen aber schönen Insel Sikinos lernte die Krennwurzn einen Hamburger Wirtschaftsanwalt kennen und war total überrascht, dass dieser die Firma ChessBase nicht kannte, obwohl er die Veranstaltung linkes gegen rechtes Alsterufer schon über viele Jahre verfolgt – aber irgendwie sagte er ist Schach in den 90er Jahren aus den Medien verschwunden.

Nun nach ein paar Achterl mehr bei einem schönen Sonnenuntergang beim Weingut Manalis – eine touristische Empfehlung der Krennwurzn: bleiben Sie bis nach Sonnenuntergang und spazieren Sie die knapp vier Kilometer zum Hauptort auf der Straße zurück und genießen den freien Blick auf die Sterne, den man im städtischen Bereichen Mitteleuropas nicht mehr hat. Auch der Wein – vor allem der trocken ausgebrachte Weißwein – ist gut und so drehen sich die Gedanken der Krennwurzn immer schneller und schneller.

2013Greece

Griechenland ist in der Krise und da die Krise überall ist, hat auch Schach eine Krise – jahrelange rückläufige Mitgliederzahlen in Mitteleuropa, Bundesligavereine die aufgrund organisatorischer – ja so nennt man marketinggerecht heutzutage finanzielle – Probleme ihre Mannschaften zurückziehen oder redimensionieren, um einen modernen Ausdruck zu strapazieren. Schachturniere die aus dem Turnierkalender verschwinden und Spieler, die sich gegen eine Profikarriere und für ein Studium entscheiden, weil die wirtschaftliche Absicherung eines Profis gerade hier in Mittel- und Westeuropa nun nicht wirklich rosig ist.

Aber halt! Was soll das pessimistische Gesudere. Schach hat doch beste Werte – wird in der Gesellschaft als intellektueller Sport anerkannt und bewundert. Auch viele andere Daten sind doch auch bestens: hohe Akademikerquote, hoher Einkommensschnitt und viele Studien, dass sich Schach als Sport eine gute Schule für das Leben ist, und auch gut für schulischen Erfolg usw.

Warum sind wir dann in der Krise? Möglicherweise, weil uns und den Verbänden die Außenwirkung fehlt und wir uns – Egoisten wie wir gerne als Einzelkämpfer nun mal sind – gerne und vor allem mit uns selbst beschäftigen. Und da sind wir durch die Möglichkeiten, die uns die neuen Medien geboten haben, in einen immer engeren Kreislauf hineingekommen. Unzählige Foren, Blogs, Webseiten beschäftigen sich mit Schach – nicht einmal einem so schachverrückten wie der Krennwurzn ist es möglich auch nur annährend alle Informationen zu sichten. Kurz gesagt wir beschäftigen uns mit uns und vergessen den Rest der Gesellschaft. Wie kann es sonst sein, dass wir einen sportinteressierten und schachaffinen Menschen nicht erreichen? Und kann darin auch die Ursache für die Schwierigkeiten im Finden von Sponsoring für Schach und Schachveranstaltungen liegen? Kommen unsere finanziellen Probleme vielleicht wirklich davon, dass wir organisatorisch nicht in der Lage sind, jene Leute anzusprechen, die keine Schachspieler und –freaks sind, die aber auch gerne mal was über Schach lesen würden und die dann aufgrund ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Position bei Sponsoringentscheidungen einen positiven Einfluss nehmen könnten?

2013Greece1

(Fresko Faustkämpfer - Akrotiri - Santorin)

Was machen wir falsch? Möglicherweise verschrecken wir interessierte Leute? Zuerst sollten wir damit aufhören immer zu betonen wie schwierig Schach ist – ich beispielsweise spiele mit unheimlicher Leichtigkeit schlechtes Schach und erfreue mich trotzdem daran. Durch die Hervorhebung der Schwierigkeit machen wir unser Spiel nicht interessant, sondern stellen zu hohe und vor allem abschreckende Einstiegshürden auf. Klar Schach ist auf Spitzenniveau ein sehr, sehr anspruchsvoller Sport mit wissenschaftlicher Komponente – aber sind wir doch ehrlich auch als Amateurfußballer hat man maximal eine vage Ahnung wie anspruchsvoll Profifußball wirklich ist.

Und da sind wir bei einer weiteren unterschätzten und vernachlässigten Seite: vor lauter Ehrfurcht vergessen wir auf den Punkt der Unterhaltung. Sind wir wieder ehrlich zu uns selbst, dann wollen viele von uns sich nicht wirklich im Schach verbessern, sondern wollen spielen und sich unterhalten. Die Komponente Unterhaltung wird extrem unterschätzt und dies wird durch veraltete oder besser gesagt nicht mehr zeitgemäße Usancen noch verstärkt. Wenn die Meister sprechen, dann hat die Krennwurzn Pause! Gut das hat sicherlich fachliche schachliche Gründe, ist aber dennoch ein schwerer Fehler – denn wer finanziert die Meister, wer ist für die Werbewirtschaft interessant? Richtig nicht die wenigen Meister sondern die große Masse der Krennwurzn (=schwache Schachspieler) – denn dort liegen die wirtschaftlichen Interessen und darum geht es im Endeffekt in unserem kapitalistischem System – und nicht nur in den kranken Auswüchsen sondern auch in jenen mit sozialer Verantwortung! Und wer darf sich der Gruppe der schwachen Schachspieler zugehörig fühlen? Nun da möchte ich den Wegbereiter des professionellen Schachs in der westlichen Welt Bobby Fischer zitieren, der einmal sagte: „alle IMs sind Patzer“. In die Jetztzeit übersetzt könnte das bedeuten, dass Fischer maximal die ersten 200 – 300 der Weltrangliste als Nichtpatzer tituliert hätte.

Was bedeutet das praktisch? Wir müssen wie in anderen Sportarten auch uns in der Kommunikation und den Kommunikationsregeln ändern oder glaubt jemand ernsthaft, dass Fußballspieler die Fragen der Reporter ernst nehmen können oder als fachlich qualifiziert und fundiert ansehen können? Oder haben sie schon mal gehört, dass ein Fußballer von einem Reporter den Nachweis verlangt hätte, dass er einen real gespielten Ball innerhalb der Fläche eines Flughafen stoppen könnte? Nein – den Interviews sind Teil der Unterhaltung und nicht mehr Teil des Spieles, aber in Summe macht dies ein attraktives Produkt! Und denken wir an die unvergesslichen Fragen von Vlastimil Hort an Pfleger: „aber Herbert was ist, wenn ...“ Wohl ein nicht unwesentlicher Teil des Erfolges dieser Schachsendung im WDR!

Vielleicht bringt die Berichterstattung in Mainstreammedien über den Wettkampf Anand – Carlsen hier schon eine kleine Wende, aber es liegt an uns diese Chance auf ein breites Publikum längerfristig zu nutzen!

2013Greece2

Bleiben wir in den Stacheln der Kakteen hängen oder blicken wir in eine traumhafte Ferne?

Donnerstag, 07 November 2013 23:29

Aktion Titelverlust

Nein – nicht schon wieder ein Promi, der sich seinen akademischenTitel erstgCt hat - also durch copy&paste erworben hat und auch kein CM, FM, IM oder GM der seinen Titel nicht durch eigenes Leistungsvermögen erreicht hat. NEIN es geht um wirklich Wichtiges! Olympiasieger ist man ewig, Welt- und Europameistertitel gehen verloren, wenn ein anderer den Titel gewinnt und dieses harte Schicksal müssen – schenkt man den Datenfuzzys Glauben – in den nächsten Tagen und Wochen Anand und Schach-Deutschland ertragen.

Deutschland Europameister 2011

AktionTitel1

und was Google dazu findet.

Am 8. November startet die EM in Warschau und unser Schachweltkollege Olaf Steffens berichtet diesmal sozusagen auswärts auf der DSB-Homepage aus Warschau – eine Ehre, die der Krennwurzn niemals widerfahren wird, denn er gilt in seinem Heimatland ja als Persona non grata und da sich daran nichts ändern wird ... aber lassen wir das und freuen wir uns, dass nicht alle Schachweltler dieses harte Schicksal eines „Parias“ ertragen müssen und auch auswärts geschätzte Schreiber sind – Gut Tastatur Olaf!!

Nun Deutschland ist als Nummer 10 gesetzt und muss den Titel abgeben - da freut sich der Ösi in der Krennwurzn unheimlich und feixt: die EM wird doch nur aus dem Grund gespielt, weil statistisch nicht vollkommen klar ist, wer der Nachfolger von Deutschland werden wird. Die restvernünftige Seite, deren Limes gegen Null konvergieren oder stürmt, wirft ein, dass das erstens ungerecht – das berührt die Krennwurzn aber schon gar nicht - und zweitens auch statistisch möglicherweise auch ein wenig unkorrekt sein könnte, was der Krennwurzn schon ein wenig mehr zu denken gibt, denn sie selbst musste 2002 und 2013 binnen weniger Jahre schon zwei Jahrhunderthochwässer an der Donau miterleben.

Waren die Deutschen 2011 nicht schon krasse Außenseiter und haben sie damals als möglicherweise zerstrittener Haufen nicht doch eine tolle Leistung gebracht und sich nicht nur gegen die favorisierten Gegner sondern auch gegen die übermächtigen Zahlen, die gegen sie sprachen durchgesetzt?

Vom zweiten Titelverlust im sonnigen Indien berichtet der Chef der Schachwelt höchstpersönlich ab Samstag 9. November auf der Seminarseite und wenn man Insidern und den Wettanbietern Glauben schenken darf, dann ist dieser Titelverlust noch klarer als ... ach lassen wir das Piefke-Bashing einfach mal weg jetzt!

AktionTitel2

95 Elopunkte Unterschied – da zittert zwar nicht einmal der staatlich geprüfte Angsthase Krennwurzn am Brett - zwischen Carlsen und Anand, der noch dazu älter ist und in seiner Heimatstadt unter unheimlichen Druck stehen muss und dessen letzter Sieg in einer Turnierpartie gegen Carlsen noch dazu aus dem fernen Jahre 2010 datiert. Dann noch eine Punkterwartung laut Elo von 0,65 zu 0,35 für Carlsen – ja warum wird dieser Wettkampf überhaupt noch gespielt?? Es ist doch alles sonnenklar: Carlsen ist doch bereits jetzt der neue Weltmeister! Es bleibt nur mehr die Fragen zu klären wie hoch und wie bald er den Wettkampf gewinnt und sind wir doch ehrlich: manche hoffen sogar auf eine überfischerische 7-0 Hinrichtung!

Aber ... klar Carlsen ist der Favorit ... aber ist das alles wirklich so sonnenklar? Wer hat den Druck? Anand eher nicht, denn er hat schon alles erreicht: FIDE-Weltmeister, Weltmeister und den Titel mehrmals verteidigt – nicht zu vergessen auch der verlorene Wettkampf gegen Kasparov in dem er zuerst in Führung gegangen ist und dann schrecklich unter die Räder kam. Anand hat Erfahrung im guten und im schlechten Sinn und er ist in einem reifen Alter und hat damit wohl die erforderliche Gelassenheit sich der kommenden Aufgabe zu stellen. Aber die Statistik höre ich die Krennwurzn schreien – die lügt doch nicht und die heiligen Elo schon gar nicht! Gut sage ich, wenn Carlsen so klar und sicher gewinnt, dann können wir in den Keller gehen, die alte sechs schussige Pistole vom Opa mit zwei Patronen laden und russisches Roulett spielen, denn die Überlebenschance ist dann mit 0,66 zu 0,33 sogar ein Spürchen höher als die Gewinnchance von Anand nach Elo. Bitte nicht so brachial wirft nun die Krennwurzn ein – wir sind doch zivilisiert – nehmen wir doch einen normalen Würfel und wenn 1 oder 2 kommt, dann bleibt Anand Weltmeister ansonsten heißt der neue Weltmeister Carlsen.

Gesagt getan: Würfel aus der Spielesammlung herausgenommen – ist auch schneller greifbar als die nichtexistente Pistole vom Opa – und gewürfelt:

AktionTitel3

ZWEI – Anand bleibt Weltmeister und die Krennwurzn und auch der vernünftige Teil atmet tief durch: Würfeln ist unblutiger als russisches Roulett und vor allem: wer hätte dann noch den Artikel online gestellt??

PS österreichische Merksätze:

Statistiken traut man nur, wenn man sie selbst gefälscht hat
und
Prognosen sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen!