Jörg Hickl

Jörg Hickl

Großmeister, Schachtrainer, Schachreisen- und -seminarveranstalter.
Weitere Informationen im Trainingsbereich dieser Website
oder unter Schachreisen
Donnerstag, 19 April 2012 06:24

SCHACHWELT ein Super-Blog?!

Jährlich findet auf Hitmeister.de die Wahl der „Superblogs“ statt und SCHACHWELT wurde nominiert! Natürlich in der Kategorie, in der wir uns zu Hause fühlen: Sport & Fitness.

Die Votingphase hat begonnen und läuft noch bis zum 24.04., 12 Uhr

Die Unterstützung unserer Leser ist gefragt. Hier der direkte Link zur Abstimmung:

http://www.hitmeister.de/superblogs/2012/sport/

Zu gewinnen

gibt es natürlich auch etwas: Jeder Abstimmende hat die Chance auf ein iPad 3!

Und sollte der Blog es auf das Siegertreppchen schaffen, bleibt auch noch genug für ein Abendessen unserer Autoren:
Dem Gewinner winken 250 €, dem Zweiten 150 € und dem Dritten 100 €!

Was ist zu beachten?
Jeder kann pro Kategorie nur einmal abstimmen.

Damit die Gewinner oder die Gewinnerin benachrichtigt werden kann, wird die E-Mail-Adresse benötigen . Diese wird nur für das Gewinnspiel verwendet und nicht für werbliche Zwecke eingesetzt! Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Liebe Leser des Schachwelt-Blogs,

auf der Dialogseite des Kanzleramtes wurde im „ Zukuntsdialog“ unter der Rubrik "Wie wollen wir lernen?" ein interessanter Vorschlag für Schach als Schulfach eingebracht:

https://www.dialog-ueber-deutschland.de/ql.html?cms_idIdea=9187

 Zurzeit hat er etwa 4.000 Unterstützer gefunden und liegt damit auf Platz 4 aller Vorschläge. Die ersten 10 der gesamten Abstimmung werden im Kanzleramt intensiver diskutiert.

Hier bietet sich eine gute Gelegenheit, Schach (und nicht nur das Schulschach) in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen. Etwas, für das wohl die Erringung des Europameistertitels nicht ausreichte.

Ich würde mich freuen, wenn unsere kleine Szene hier durch gemeinsames Auftreten Werbung für unseren einzigartigen Sport machen könnte.

Bitte geben Sie Ihre Stimme ab! Mehrfachabstimmungen sind übrigens möglich, die Abstimmung läuft noch bis zum 15. April.

 

Gens una sumus – wir sind eine Familie

Samstag, 10 März 2012 15:47

Daniel Fridman ist Deutscher Meister 2012

Mit eindrucksvollen 7,5 aus 9 gewinnt der an 1 gesetzte Daniel Fridman die Deutsche Meisterschaft 2012. Herzlichen Glückwunsch zum verdienten Turniersieg.

Handelten wir vor zwei Tagen noch Igor Khenkin als klaren Favoriten, ließ dieser in den beiden letzten Runden das Turnier „austrudeln“. Einmal mehr zeigte sich, dass eine risikoaverse Einstellung ausgezeichnet für Mannschaftskämpfe und solide Einzelturniere ist, Turniersiegen aber im Weg steht. Dabei hatte Khenkin das leichtere Restprogramm bei einem halben Punkt Vorsprung. Doch mit zwei mehr als farblosen Remispartien gegen Spieler um die 2400 Elo (seine Eloerwartung lag bei dieser Gegnerschaft bei rund 80%), bei denen bereits die Eröffnungswahl eine gewisse „Are we friends today?“-Grundhaltung signalisierte, blieb am Ende nur der zweite Platz.

Trotzdem waren die beiden Topgesetzten eine Klasse für sich. Der Pulk auf Platz 3 (Kotainy, Siebrecht, Stern und Wagner) weist einen ganzen Punkt Abstand auf.

Khenkins Eloabstand auf den drittenTitelaspiranten, Rainer Buhmann, vergrößerte sich mit diesem Turnier auf fast 40 Punkte, was die lästige Nominierungsdiskussion für die anstehende Schacholympiade in Istanbul durchaus wieder anheizen könnte.

Details unter http://www.dem-2012.de/

Das Schach des Wettkampfs folgt nicht immer dem unabdingbaren analytischen Anspruch der Trainingsphase. Mit fortgeschrittener Stunde steigt die Fehlerquote erheblich, und auch starke Großmeister bleiben von groben Schnitzern nicht verschont. In Zeitnot spielt niemand gut! Jüngstes Beispiel war die heutige Partie am Spitzenbrett der Deutschen Meisterschaft zwischen Niklas Huschenbeth (Deutscher Meister 2010) und Titelverteidiger Igor Khenkin.

Das Gleichgewicht war lange Zeit nicht wesentlich gestört, und die Partie erreichte ein remisliches Turmendspiel, aus dem ich mich als Zuschauer ausklinkte. Ein erneuter Blick rund 30 Minuten später offenbarte, dass die Irrungen hier erst begangen:

huschkhenk350

Huschenbeth,Niclas (2509) - Khenkin,Igor (2632)

49...Kd4 50.h6 gxh6= 51.Kf5?? -+ Ein eigentlich folgenschwerer Fehler, der den schwarzen König ins Spiel kommen lässt. 51.Tg1 (g7 verbietet sich wegen Tf7+) e3 52.Kf3 e2 53.Kf2 b5 54.Ke1 Tg7 55. Kxe2 führt schnell zum Remis

bannerendspiel anz51...Te8??= Lässt die Chance ungenutzt: 51...e3 52.g7 Tf7+ Dieses lästige Zwischenschach hatte Huschenbeth wohl übersehen. Nun kommt der weiße Turm nicht hinter den e-Bauern, was im weiteren Verlauf noch essentielle Bedeutung hat. 53.Kg6 Txg7+ 54.Kxg7 e2 55.Tg1 Ke3 Weiß muss den Turm für den Bauern geben und der schwarze b-Bauer entscheidet. 52.g7 Tg8 53.Kg6 e3 54.Tg1??-+ (-7 BE) Damit lenkt Weiß fast in die letzte Variante ein und verliert kampflos. Das Remis war jedoch nahe: 54.Kh7 Txg7+ (oder 54...e2 55.Kxg8 e1D 56.Tg4+ Kc5 57.Kh8) 55.Txg7 e2 56.Td7+ Remis durch Schachs von hinten Kc4 57.Te7 Kd3 58.Td7+ Kc2 59.Tc7+ Kd2 60.Td7+ Ke1 61.Txb7. e2 55.Kxh6 Ke3 56.Kh7 Txg7+ 57.Kxg7 Kf2 58.Tb1 e1D 59.Txb7 Dc3+ 60.Kh7 Dh3+ 0–1

Eigentlich einfach – oder? Zuschauer mit Computerunterstützung sehen mehr…

Auf hoher See, vor Gericht und bei einer Turnierpartie ist man jedoch in Gottes Hand.

Nach sieben Runden weist Khenkin einen halben Punkt Vorsprung auf und ist somit klarer Anwärter auf den zweiten Titel in Folge.

Donnerstag, 08 März 2012 13:01

Die Bundesliga verliert ein Zugpferd

Rückbesinnung auf alte Werte – die Bundesliga verliert ein weiteres Zugpferd

Vor einigen Jahren die SG Köln-Porz nun Werder Bremen: Das nächste Spitzenteam wendet sich vom Ziel der Erringung der Deutschen Mannschaftsmeisterschaft ab. Die Gründe werden nicht explizit genannt. Doch erweckt der Text auf der vereineigenen Website den Anschein, dass, wie auch bei Porz, finanzielle Gründe nicht die ausschlaggebende Rolle spielen, sondern die Unzufriedenheit mit dem Bundesliga-Management ganz oben steht:

Unsere bisherigen Bestrebungen, attraktives Spitzenschach in der höchsten deutschen Spielklasse zu vermarkten, haben sich unter den aktuell unbefriedigenden Rahmenbedingungen der Schach-Bundesliga leider als wenig fruchtbar erwiesen. Es ist uns unter diesen Umständen nicht gelungen, unser über viele Jahre erfolgreiches Bundesligateam als Zugpferd für den Schachsport zur Geltung zu bringen.“ (Quelle:“ Werders Schachabteilung stellt sich neu auf“ auf der vereinseigenen Homepage http://www.werder.de/de/schach/aktuell/news/38133.php)

Deutschlands Spitzenliga verliert somit einen über lange Zeit zuverlässigen Aktivposten. Doch wird sich die einzige Mannschaft, die in den letzten Jahren dem Abonnementmeister Baden-Baden gefährlich werden konnte, nicht komplett aus der höchsten deutschen Spielklasse verabschieden.

Das neue Konzept

Der zukünftige Kader beinhalten neben acht "Profis" auch acht Amateure der zweiten Mannschaft. Zudem wird angekündigt. die gesparten Gelder zur Verringerung der Kluft zwischen Spitzen- und Breitenschach einzusetzen.

„Angestrebt wird ein umfassenderes Spiel- und Trainingsangebot, um für Interessenten im nordwestdeutschen Raum - insbesondere aus dem bremischen Umfeld – attraktiver zu werden.“

Dafür wird sogar eine hauptamtliche Trainerstelle geschaffen.

Eine aus meiner Sicht sehr erfreuliche Entwicklung. Die Schachbundesliga verliert in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung. Eine Identifikation der Zuschauer (und auch der Spieler) mit den Vereinen findet kaum statt. Die nahezu stärkste Liga der Welt wurde immer unpersönlicher und hat erhebliche Probleme, Zuschauer für die Veranstaltungen zu begeistern.

Treffend dazu die Bemerkung eines Bochumers anlässlich des Zweitligakampes vor zwei Wochen: “Vor 30 Jahren hatten wir hier 1.000 Zuschauer am Tag. Die Leute standen auf der Straße Schlange, nur um den Hübner zu sehen!“ Heute haben wir für manchen Zweitligakampf keine 20...

Freitag, 02 März 2012 17:09

Osterburg im Fokus des deutschen Schachs

Die Deutsche Meisterschaft hat begonnen!

In den nächsten acht Tagen rückt die Hansestadt Osterburg (auf halbem Weg zwischen Hambrg und Berlin) in den Fokus des deutschen Spitzenschachs. Zum 83. Mal kommt die bedeutendste Veranstaltung des Deutschen Schachbundes zur Austragung. Dabei bewegt man sich mit sechs Spielern aus den TOP100  auf dem bekannten Niveau der Vorjahre, allerdings sind mit Daniel Fridman, Rainer Buhmann und Titelverteidiger Igor Khenkin gleich drei Spieler der Top 10 vertreten.

Gespielt wird täglich um 14 Uhr (mit Ausnahme der letzten Runde, die um 11 Uhr beginnt) in der Landessportschule Osterburg (Sachsen-Anhalt), Arendseer Straße 4 - 39606 Osterburg. Wer den Weg dorthin nicht schafft, kann die Partien auch kostenlos im Internet verfolgen. Weitere Informationen findet man unter http://www.dem-2012.de/.

Auf Schachbund.de wird zudem nach jeder Runde die "Partie des Tages gekürt - der Sieger erhält 50 €.

 Hier noch die Pressemeldung:

83. Deutsche Einzelmeisterschaften im Schach vom 1.-11. März 2012 in Osterburg (Sachsen-Anhalt)

42 SchachspielerInnen kämpfen um den begehrten Deutschen Einzeltitel.

Schach erlebt in Deutschland durch den im Herbst 2011 errungenen Titel bei der Mannschaftseuropameisterschaft eine Konjunktur.

Zwei der Europameister starten auch in Osterburg. Dies sind die Großmeister Daniel Fridmann aus Mülheim und Rainer Buhmann aus Hockenheim. Dabei ist auch der Titelverteidiger Großmeister Igor Khenkin aus Wiesbaden. Schirmherr der Veranstaltung ist der Minister für Inneres und Sport des Landes Sachsen-Anhalt Herr Holger Stahlknecht.

Für Sachsen-Anhalt starten die FIDE-Meister Michael Becker, Jens Reipsch (beide USV Volksbank Halle) und Evgeny Degtiarev sowie Andrè Gordon (beide Aufbau Elbe Magdeburg) und Christian Schindler sowie Norman Schütze (beide SG 1871 Löberitz), für die eine Platzierung im vorderen Mittelfeld ein großer Erfolg wäre. Interessant wird sein, wie sich die einzige weibliche Teilnehmerin, die gebürtige Leipziger Nationalspielerin Melanie Ohme, in dem Feld der 41 Männer schlagen wird. Melanie ist sicher für die eine oder andere Überraschung gut. Unterstützt wird die Meisterschaft hauptsächlich durch LOTTO Sachen-Anhalt und ORWO-Net. Alle Partien LIVE und aktuelle Infos gibt es unter www.dem-2012.de.

Andreas Domaske

Geschäftsführer II des Landesschachverbandes Sachsen-Anhalt

Neustädter Passage 5n

06122 Halle

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0172-3712146

Dienstag, 28 Februar 2012 04:13

Doping-Studie braucht Probanden

Kann die schachliche Performance durch Einnahme von unerlaubten Substanzen oder die Nutzung von unerlaubten Methoden zur Leistungssteigerung (Doping) verbessert werden? Wie in anderen Sportarten, würden auch im Schach Viele sich funktionierender Hilfsmittel bedienen - die "200 DWZ-Punkte-Spritze" könnte schnell zum Verkaufsschlager avancieren.

Doch ist ein klares Nein auf die Frage eindeutiger Konsens unter den Aktiven. Unabhängig davon steht noch immer die endgültige wissenschaftliche Beantwortung aus.

Für die Meisten spielt das Ergebnis jedoch kaum noch eine Rolle – mit dem seltsamen Bestreben des Weltschachbundes (FIDE), den Schachsport olympisch werden zu lassen, gingen unabwendbar Kontrollen einher. Auch auf der am Freitag beginnenden Deutschen Meisterschaft werden sicher wieder einige Pröbchen für 250€/Stück, deren Kosten der Veranstalter zu tragen hat, eingesammelt.

Für die Betroffenen bedeutet dies eine Lebensumstellung - äußerste Vorsicht bei der Medikamenteneinnahme und Ernährung (ein Stück Mohnkuchen kann zu einem positiven Ergebnis führen) ist geboten und nicht nur während des Wettbewerbs, sondern auf Jahre hinaus. Denn, was den meisten Teilnehmern nicht bewusst ist, die Kontrolleure können auch jederzeit außerhalb der Wettkämpfe, z. B. sonntagsmorgen an der Wohnungstüre, auftauchen (wie z. B. im Fall der Monika Galambfalvy, damals Nr. 1005 der österreichischen Rangliste http://oe3.orf.at/aktuell/stories/188069/)

Bereits im September 20009 beschäftigten wir uns in Ausgabe 1 des Schachwelt-Magazins mit dem Thema des wissenschaftlichen Nachweises (Artikel als PDF). In der Zwischenzeit ist die Studie zwar angelaufen, doch fehlt es noch an einer ausreichend großen Anzahl von Probanden, um zu einem statistisch aussagekräftigen Ergebnis zu gelangen. Nachfolgend der erneute Aufruf:

PROBANDEN GESUCHT für eine Studie zum Thema
„IST HIRNDOPING IM SCHACHSPORT MÖGLICH?“

Für eine mittlerweile angelaufene Studie zum Thema Leistungssteigerung von Hirnleistungen (Hirndoping im Schachsport), die von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz durchgeführt wird, werden noch gesunde männliche Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren gesucht.

Untersucht werden soll die Wirkung von Substanzen, die einen möglichen Einfluss auf kognitive Leistungen von Schachspielern haben. In einem doppel-blinden Setting werden dabei die Substanzen Koffein, Methylphenidat, Modafinil und Placebo verabreicht.

Für die klinische Medikamentenstudie werden im Schachsport aktive, gesunde Probanden im Alter von 18 bis 60 Jahren gesucht, die die folgenden Kriterien erfüllen:

  • Keine psychischen Erkrankungen in der Vorgeschichte, die psychiatrisch behandelt werden mussten (z.B. behandlungsbedürftige Depressionen)
  • Keine Abhängigkeit/ kein Missbrauch von legalen und illegalen Substanzen (z.B. Alkohol, Cannabis)
  • Regelmässiger Tag-Nacht-Rhythmus (z.B. keine Tätigkeit im Schichtbetrieb)

Die Studie findet in den Räumen der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz während insgesamt vier Tagen im Abstand von jeweils etwa 1 – 2 Wochen statt, an denen 10 Partien Schnellschach gegen einen Schachcomputer gespielt werden. Die Probanden sollten deshalb möglichst ihren Wohnsitz oder Arbeitsplatz im Großraum Rhein-Main-Neckar haben.

Der Aufwand wird angemessen entschädigt.

Wenn die o.g. Kriterien auf Sie zutreffen und Sie Interesse an einer Teilnahme haben, so melden Sie sich bitte bei:

Harald Balló Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Donnerstag, 09 Februar 2012 18:39

Aronjan vs. Kramnik

Weniger als 1/10  der Mitglieder des Deutschen Schachbundes zählt der Schweizerische, doch stehen die Eidgenossen bei schachlichen Großveranstaltungen dem großen Bruder in nichts nach. Neben dem traditionellen Weltklasseturnier in Biel setzt sich dabei Zürich immer wieder gekonnt in Szene. Angetrieben von der Schachgesellschaft Zürich, die lange Jahre auch den Schweizerischen Mannschaftsmeister stellte, kommt es immer wieder zu attraktiven Ereignissen. Zuletzt im Jahr 2009, als man 200-jähriges Bestehen feierte – damals traf sich nahezu alles was Rang und Namen hatte im Züricher Hauptbahnhof. Schach begeisterte die Massen!

zurich2009

Konnte man über Jahrzehnte hinweg der Unterstützung der Großbanken UBS und vor allem der Credit Suisse gewiss sein, machten diese sich in der letzten Zeit aus wohl bekannten Gründen etwas rar.

Doch nun tritt ein neuer Sponsor auf die Bühne. Oleg Skvortsov, IGC International Gemological Laboratories und Aspeco N.V., Antwerp bringen die Schachzene in den Genuss eines hochklassigen Zweikampfs:

Zurich Chess Challenge: Kramnik vs. Aronian

200px-LevonAronian11Die Schachgesellschaft Zürich kündigt einen Wettkampf an über sechs Partien vom 21. bis 28. April 2012 zwischen Wladimir Kramnik (Russland) und Lewon Aronjan (Armenien). Die Nummern 2 und 3 der Weltrangliste werden im bekannten Hotel Savoy Baur en Ville am Paradeplatz aufeinandertreffen, der Stätte vieler berühmter Schachevents in der Vergangenheit. Kramnik und Aronjan sind die Sieger der beiden wichtigsten Turniere der letzten Monate. Der 36-jährige Kramnik hat vor Jahresfrist die Londoner Chess Classic überzeugend gewonnen, während der 29-jährige Aronjan vor kurzem das berühmte Turnier in Wijk aan Zee mit einem herausragenden Score für sich entschieden hat.

Beide Spieler gehören zu den heißesten Kandidaten im WM-Qualifikationsturnier später dieses Jahr. Die "Zurich Chess Challenge" wird der erste Match in der Schachgeschichte sein, in dem zwei Spieler über der magischen Grenze von 2800 Ratingpunkten aufeinandertreffen, und der erste Freundschaftswettkampf auf diesem Niveau.

Fotos: Frank Jarchov, Aronjanfoto: Stefan64

Sonntag, 05 Februar 2012 14:08

Remis nach fünf Zügen

Sonntagmorgen, 11 Uhr, in der zweiten Bundesliga treffen Hofheim und Bad Godesberg aufeinander. Am Spitzenbrett kommt es zur Paarung Robert Hübner – Jörg Hickl und nach den Zügen 1.e4 d6 2.d4 Sf6 3.Sc3 e5 4. Dxe5 dxe5 5.Dxd8 um 11.03 Uhr zu einem Remisangebot. Dem kurzen Überraschungsmoment folgt schnell die Gewissheit, gegen den für mich bedeutendsten deutschen Schachspieler aller Zeiten nicht ablehnen können. Zumal uns mehr verbindet als ein 25-jähriges schachliches Miteinander – Hübner wird u. a. für das erste Seminarturnier im November als Trainer zur Verfügung stehen.

200px-Robert Huebner 1966 Po DrRHuebner08200stefan64
Robert Hübner 1966
Bild: GFHund
Robert Hübner 2008
Bild: stefan64

Nach Rücksprache mit dem Mannschaftsführer ist somit unser beider kürzeste Remispartie besiegelt. Hübner merkte anschließend an, die Nacht aufgrund schwerer Erkältung nicht geschlafen zu haben. Für mich ist das Angebot nachvollziehbar und absolut mannschaftsdienlich. Die Alternative, sich krankzumelden und das Brett möglicherweise freilassen zu müssen, befriedigt ebenso wenig.

Doch in einem Zeitalter, in dem Rufe nach Sofia-Regel (Remisangebote vor dem 30. Zug sind nicht erlaubt) oder sogar der Abschaffung des Remis immer lauter werden, wirft ein solches, nach außen ohne Begründung erscheinendes Ergebnis Fragen auf.

bannerendspiel anzAuf ECU-Ebene (European Chess Union) hat Präsident und Erfinder der Sofia-Regel, Silvio Danailow, bereits neue Regelungen implementiert. Im Allgemeinen reagiert Deutschlands Schachbund recht schnell auf solche Veränderungen, so dass wir uns in Kürze möglicherweise mit diesem Thema auseinadersetzen müssen.

Für mich sind die bestehenden Regelungen vollkommen ausreichend. Spieler, die zu häufig kurze Partien spielen, müssen von Organisatoren nicht eingeladen werden, und auf Spitzenturnieren kann jeder Veranstalter die Sache individuell vertraglich regeln. Dagegen spräche ebenfalls ein zuweilen turniertaktisches Element zu entfernen. Auch billige ich es den Spielern zu, bei kräftezehrenden Openturnieren einmal eine Verschnaufpause einlegen zu dürfen.

Die ständigen Regeländerungen (Handyverbot, Null-Minuten-Karenzzeit, Bedenkzeitverkürzung etc.) reglementieren den Sport immer mehr und machen ihn für die breite Masse keineswegs attraktiver.

Doch was halten Sie davon?

Links oben finden Sie unsere Umfrage zu diesem Thema. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme und Stellungnahmen im Kommentarbereich.

Unsere parallel durchgeführte Umfrage "Brauchen wir eine Änderung der Remisregelung?" zeichnete in deutliches Bild. Mit fast 85% (419 zu 80 Stimmen) wurde für die Beibehaltung des aktuellen Regelwerkes gestimmt.

Freitag, 20 Januar 2012 13:35

Eine völlig normale Großmeisterpartie

Kennen Sie die Mitglieder unserer Schachnationalmannschaft? Dann ist es nicht unwahrscheinlich, dass Sie zu der kleinen Gruppe der fortgeschrittenen Spieler über  DWZ 2000 gehören. Zumindest zeichnete eine stichprobenartige Umfrage bei meiner Schachreisen-/Trainingskundschaft  ein ernüchterndes Bild: Einer von 20 kannte sich in der Materie aus! Dabei stehen diese Spieler mit einem Schnitt von 1700 Punkten in gewisser Weise für den durchschnittlichen Vereinsspieler bzw. zählen sogar zu den Schachbegeisterten.
Auch wenn das Ergebnis keineswegs als repräsentativ gelten kann, zweifele ich daran, dass die gesamte Quote 15% der Organisierten deutlich überschreitet.

Nun gut, einen haben wir mit der Diskussion der letzten Monate etwas gepusht – Arkadij Naiditsch kennen einige mehr, und auch der Bundestrainer rückte in den Focus der Schachöffentlichkeit. Bleibt noch Jan Gustafsson, der mit einem inzwischen allmählich verwaisenden Blog auf sich aufmerksam machte.

Grund genug, in Zukunft etwas mehr auf bedeutende Personen des Schachs einzugehen und nicht nur die Züge in den Vordergrund zu stellen. In der letzten Zeit fiel mir dabei wieder eine Größe der englischen Szene, Tony Miles, auf, der öfters in Olaf Steffens Beiträgen Erwähnung fand:

In den 80ern und 90ern gehörte Englands erster Großmeister zur erweiterten Weltspitze und fiel neben diversen glanzvollen Opensiegen durch die eine oder andere skurrile Aktion auf.
So wurde seine denkwürdige Provokation des Weltmeisters 1980 im Match UDSSR-England legendär, als er es „wagte“, auf 1.e4 mit dem bekanntermaßen minderwertigen 1. - a6 zu antworten.

Karpow soll danach nie wieder ein Wort mit Miles gewechselt haben. Getroffen fühlte er sich  wohl aber mehr durch das denkwürdige Ergebnis… Passend dazu auch ein Beitrag aus dem englischen Schachsatiremagazin Kingpin: Has Karpov Lost his Marbles?

Später machte er von sich reden, als er in einem Weltklasseturnier (Tilburg 1984) aufgrund von Rückenproblemen einige Partien  auf einem Bett liegend absolvierte. Einen kleinen Einblick in sein illustres Leben vermittelt Kevin Spraggett in seinem Blog oder auch Paul Lams Artikel in ceasefire´s chess corner.

Not gegen Elend

Auch ich lernte Miles näher kennen, Als Kommentatoren der FIDE-Kandidatenturniere in Sanghi Nagar (in der Nähe Hyderabads) 1994 waren wir 3 Wochen zusammen in einem Gästehaus „interniert“ und spielten so manche Blitzpartie.
Einige Monate später, ebenfalls in Indien, beim Kalkutta-Open kam es zu unserer zweiten Turnierpartie. Es war einer jener Momente, in denen man sich wünscht, seinem Chef einfach eine Krankmeldung übermitteln zu können. Die für Touristen nicht unbedenklichen Hygieneprobleme bescherten mir eine seltsame Fieberattacke, doch eine Auszeit gibt es im Turnierschach nunmal nicht.

Miles,Anthony J (2590) - Hickl,Joerg (2535) [A46]
Goodricke op 05th Kalkutta (5), 1994

 1.d4 d6 2.Sf3 Sf6 3.Sc3 Lf5 4.Lg5 Se4 5.Sxe4 Lxe4 6.Sd2 Lg6 7.e4 d5 8.Ld3 c6 9.Dg4 dxe4 10.Lxe4 Sd7 11.0–0–0 Sf6 12.Lxf6 gxf6 13.f4 Lxe4 14.Sxe4 Dd7 15.f5 0–0–0 16.Kb1 Dd5 17.The1
vore6Aufgrund der bekannten gesundheitlichen Probleme und der nicht nach meinen Wünschen verlaufenen Eröffnung – idealerweise hätte sich alles schnell getauscht und die Möglichkeit eines Remisangebots eröffnet – setzte hier schon eine innere Verzweiflung ein, die das Urteilsvermögen erheblich trübte. Die schneller als gewöhnlich tickende Uhr tat ihr Übriges. Ich sah mich ganz deutlich auf der Verliererstraße. Doch mit etwas Abstand betrachtet, war hier noch gar nichts Weltbewegendes passiert. 17. - e6?! Nun schon ein bisschen 18.fxe6 f5 19.Dh3 fxe6 20.Sg5 Te8 21.Te5 Dd7 22.Tde1 Lg7 23.Txe6 Txe6 24.Sxe6 Te8 25.Dxf5 Lxd4 26.a3 Lb6 27.g4

vor27a6

a6 28.c4 Kb8 29.Ka2 Ka7 30.Te4 h6 Ungefähr ab diesem Zeitpunkt befanden wir beide uns in immer größer werdender Zeitnot, was keineswegs als Entschuldigung herhalten kann. 31.h4 Te7 32.g5 hxg5 33.hxg5 Dd3

nachbesser34dg4
Analysediagramm: 34. Dg4 wäre hier offensichtlich besser gewesen. Der g-Bauer ist wohl kaum zu stoppen.

34.Sc5 Dc2 35.g6 a5 36.Se6?! a4= Von nun an ist kaum noch etwas richtig 37.Df6?? (Sc5, Sg5=) Td7 –+ 38.Te1

vor38td2

Td2??= (38.-Td3 (droht Txa3+) 39.De7 Tb3 40. Tb1 Dxc4 41. Ka1 Te3 gewinnt den Springer) 39.Tb1 Tg2?! 40.Df4 (g7) Txg6 41.Sg5?? Db3+ 42.Ka1 Le3 0–1
Die damals noch obligatorische gemeinsame Analyse der Partie entfiel nach einem kurzen verbalen Austausch. Nachdem ich kopfschüttelnd meine Depression nach dem 17. Zug zum Ausdruck brachte und mich für den Sieg etwas entschuldigte, kam von der anderen Seite nur kurz, er müsse nun dringend weiter: Fieber hätte gegen Durchfall gewonnen!

Solche Partien machen Mut, auch gegen deutlich stärkere Gegner immer am Ball zu bleiben! Schach ist der Sport zwischen Menschen und nicht Computern.

Tony Miles starb am 11. November 2001 im Alter von 46 Jahren an den Folgen von Diabetes.

Donnerstag, 19 Januar 2012 11:33

Schachbundesliga in Österreich

In Österreich startet die Ligasaison mit Verspätung. Grund ist der Wunsch von Meister SK Sparkasse Jenbach, sich als Ausrichter zu präsentieren, was in dem Tiroler Städtchen aber erst nach der Skisaison am 19-22. April möglich ist. Jenbach wird in der Regel, ebenso wie Mitfavorit SK Advisory Invest Baden, mit sechs Großmeistern an die sechs Bretter gehen. Vier Großmeister zählt Österreich, 54 Großmeister sind in der Liga gemeldet, eine Beschränkung der Einsätze von Ausländern gibt es nicht.

An diesem Wochenende stehen drei Runden in Wien an. Damit ist die Hauptstadt erstmals seit 1997 wieder Spielort. Geboten wird ein reichhaltiges Programm mit Kommentierung, Ausstellung (Thema Schulschach), Spielerparty, Kindernachmittag und Jugendkadertag, damit es richtig brummt auf der 19. Etage des Tech Gate, einem an der Donau gelegenen Technologie- und Wissenschaftspark. Auch fürs Onlinepublikum wird mehr denn je geboten mit einer neuen Liga- und Liveseite und einem ergänzenden Livestream der Kommentierung. Freitag wird ab 16.15 Uhr, Samstag ab 14.15 Uhr und Sonntag ab 10.15 Uhr übertragen.   

Österreichische Bundesliga 20.-22. Januar
http://www.schachbundesliga.at

Die öffentliche Austragung der Unstimmigkeiten zwischen Arkadij Naiditsch und dem Deutschen Schachbund findet kein Ende. Nach der Presserklärung des ehemaligen Spitzenbretts der deutschen Nationalmannschaft am Donnerstag, veröffentlichte gestern DSB Präsident Herbert Bastian eine Stellungnahme auf der Website des Schachbundes. Darin tadelt er weiterhin Naiditschs Verhalten, stellt einige Aussagen als nicht korrekt heraus. Andererseits begrüßt er aber, dass Steine ins Rollen kamen und lässt durchblicken, dass viele Kritikpunkte einer Berechtigung nicht entbehren. Am Ende wird eindeutig eine Zukunft mit Naiditsch weiterhin für denkbar gehalten.

Den genauen Wortlaut gibt es unter http://www.schachbund.de/entry/97#body-anchor aber letztendlich nichts Neues im Staate Schachdeutschland! Alles beim Alten – für mich ist dies nun genug öffentlicher Disput. Ein Fortschritt kann nur hinter verschlossenen Türen erzielt werden. Auf jeden Fall ist es an der Zeit, diese leidige Geschichte, egal wie, zu beenden.

Donnerstag, 05 Januar 2012 17:37

Arkadij Naiditsch zur Entscheidung des DSB

Soeben erreichte uns Arkadij Naiditschs Antwort auf seinen Ausschluss aus der Nationalmannschaft und den Ereignissen der letzten Monate. Sollte die Materie für Sie neu sein, hier die Links zu den vorangegangenen Blogbeiträge zum Thema

Europameister versus Bundestrainer - Ring frei für Runde 2 und

Schachbund trennt sich von Arkadij Naiditsch

Arkadij Naiditschs Presseerklärung:

Zunächst darf ich meiner Enttäuschung über die Entscheidung und das Verhalten des DSB Ausdruck verleihen, da ich stets sehr gerne für die Deutsche Nationalmannschaft gespielt habe und glaubte, dass wir uns auf einem richtigen Weg befinden.
Ich empfinde die Entscheidung des DSB als unangemessen, zumal mir vor der Entscheidung nicht einmal Gelegenheit zur Stellungnahme gewährt wurde. Eine Anhörung meiner Person hat es nicht geben.
Das Interview, in dem ich angeblich wieder das Thema „Bönsch“ aufgreife, ist von dem Journalisten völlig falsch gewichtet worden. Ich hatte etwa ein halbstündiges Gespräch mit dem Journalisten, indem das Thema Bönsch lediglich gestreift wurde und ich mich in der zitierten Form nicht über Herrn Bönsch geäußert habe. Ähnliche Erfahrungen mit diesem Journalisten hat offenbar auch Daniel Fridman gemacht. Hätte mich der DSB vor seiner Entscheidung angehört, so hätte ich die Gelegenheit genutzt, dies klarzustellen.
Am Abend vor der ersten Runde der Europameisterschaft 2011 hatten Herr Bönsch und ich ein kurzes privates Gespräch, wobei wir uns einig waren: „Wir sind hier, um das Bestmögliche zu erreichen. Das Persönliche sollte dabei keine Rolle spielen.“ Die Aufgaben waren klar verteilt: 5 Spieler, Kasimdzhanov als Trainer und Bönsch als Delegationsleiter. Alle erfüllten Ihre Aufgaben gut und der Erfolg war grandios.
Ich habe den Eindruck, dass einige der DSB-Funktionäre an einer Klarstellung auch nicht interessiert waren und schon seit längerer Zeit versuchen, einen Grund zu finden, mich als „unbequemen Spieler“ aus der Nationalmannschaft streichen zu können.
Dabei habe ich in der Vergangenheit die zahlreichen Missstände und Probleme im DSB stets erst intern angesprochen; meistens leider erfolglos.
Ich habe den Eindruck, dass erst meine öffentliche Kritik im vergangenen Jahr dazu führte, dass sich überhaupt etwas bewegte.Zum ersten Mal bekamen wir mit AUK einen Sponsor.
Als Spieler hatte ich bisher nur einen Vertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH, die im Namen der Schachbundes die Spieler honorierte. Die Verträge mit der Wirtschaftsdienst GmbH kamen regelmäßig unpünktlich. Selbst dieses Jahr machte die Wirtschaftsdienst GmbH keine Ausnahme. In diesem Jahr gab es einen Spielervertrag in dem es sehr viele Punkte gab, für die sich die Spieler einseitig verpflichteten; der DSB dagegen verpflichtete sich im Wesentlichen nur dahingehend, „sein Bestes zu geben“. Aber dies war nicht mein Hauptkritikpunkt, sondern der Umstand, dass ich mich mit der Unterschrift unter den Sponsorenvertrag gleichzeitig verpflichtete, auch den zusätzlichen Honorarvertrag von der Wirtschaftsdienst GmbH zu unterschreiben, der allerdings bis Ende Juli überhaupt nicht vor lag. Auf meine E-Mail, wo der Vertrag denn bleibe, antwortete mir Herr Deventer, die zuständige Person sei im Urlaub. Daraufhin habe ich meine Kommunikation mit dem DSB unterbrochen, da ich keinen weiteren Sinn mehr gesehen habe. Sven Noppes, der auch schon im Vorfeld zwischen DSB und Nationalmannschaft vermittelte, half nun das Hin und Her zu beseitigen. Zunächst meinte der DSB, ich brauche den Spielervertrag nicht zu unterschreiben, solange ich nicht den Vertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH unterschrieben habe.
Anfang August erhielt ich dann die Nachricht, ich hätte den Spielervertrag nun doch vor dem Honorarvertrag mit der Wirtschaftsdienst GmbH innerhalb kürzester Zeit zu unterschreiben, andernfalls könnte ich nicht für die Mannschaftseuropameisterschaft nominiert werden. Auch wenn der Inhalt des Vertrages grundsätzlich abgesprochen war, ist dies für mich ein unglaublicher, unprofessioneller Vorgang!
Dabei war allen Beteiligten aus meiner Sicht zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass ich von der Vertragssituation weiterhin nicht begeistert war. Ich habe in den Gesprächen kommuniziert, dass ich die Verträge nur deshalb unterschreibe, weil ich die ersten Schritte des DSB bis zu diesem Zeitpunkt anerkenne (Eröffnungstrainer und erste Schritte der Honorarverbesserung) und ich unbedingt für Deutschland schon wieder in diesem Jahr spielen wollte. Es war aber eben auch klar, dass erst ein Anfang in die richtige Richtung gemacht worden ist und es nach der Mannschaftseuropameisterschaft weitere Gespräche und zukünftig neue Verträge geben muss.
Anstatt professionell zu arbeiten und seine strukturellen Mängel zu beseitigen, konzentriert sich die DSB-Spitze derzeit darauf, in der Öffentlichkeit unfruchtbare Diskussionen und Interviews zu führen, um offensichtlich alte Rechnungen zu begleichen.
bannerendspiel anzAnstatt den unglaublichen Erfolg der Europameisterschaft zielgerichtet zu nutzen und zu vermarkten, vergibt der DSB seine Chancen, nachhaltige Verbesserungen herbeizuführen.
Seit vielen Jahren schlage ich immer wieder intern vor, die Nationalmannschaft viel stärker in das Jugend-Training einzubinden, um eine optimale Förderung der Talente zu erreichen, zum Beispiel mit Simultanveranstaltungen, Trainingsevents und der Begleitung zu wichtigen Turnieren, wie WM oder EM.
Der DSB sollte endlich aufhören, zu verbreiten, das Schach eine Randsportart darstellt und wir eingeschränkte finanzielle Möglichkeiten im Schach haben. Das Budget des DSB eröffnet zahlreiche Möglichkeiten.
Warum wird die Nationalmannschaft nicht stärker in die Popularisierung von Schach in Deutschland eingesetzt?
Bei der EM in Griechenland haben mehr als 250.000 „unique users“ aus Deutschland uns zugeschaut und „live“ mitgefiebert. Dies sind nur die Zahlen der offiziellen Seite.
Die Popularisierung von Schach kann mit Erfolgen wie unserem Sieg bei der Europameisterschaft 2011 erfolgen und nicht etwa mit dem Debakel bei der Olympiade 2010.
Ich darf meine Stellungnahme/Presseerklärung mit der Hoffnung schließen, dass auch in Zukunft das stärkste Team für Deutschland an den Start gehen wird und dies zu professionellen Bedingungen.
Ich wünsche allen schöne und friedliche Feiertage und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr 2012!
Dortmund, 23.12.2011

Samstag, 31 Dezember 2011 14:12

Frohes Neues Jahr

SCHACHWELT wünscht allen Lesern ein erfolgreiches neues Jahr. Wir bedanken uns ganz besonders bei allen Mitstreitern, die zum Gelingen des aufwändigen Internetauftritts beigetragen habe.

Nur noch selten zieht es Deutschlands bedeutendsten Spieler der 70er und 80er Jahre in die Turnierarena.

Beim Chess Coal Match in Marienbad scheint Robert Hübner jedoch noch gerne mit von der Partie zu sein. Wie im Vorjahr trafen hier die „Oldhands“ (die Schachlegenden Boris Gulko, Vlastimil Hort. Robert Hübner und Rafael Vaganjan) auf die sogenannten „Snowdrops“, eine Auswahl junger aufstrebender Damengroßmeisterinnen (Natalia Pogonina, Tania Sachdev, Maria Muzychuk, Eva Kuluvana). Anhand der netten Bilder auf der Ausrichterwebsite gewinnt man den Eindruck, dass bei dieser Veranstaltung der Leistungsgedanke nicht im Vordergrund stand und eine lockere Atmosphäre herrschte.

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Tania Sachdev und Robert Hübner Vlastimil Hort
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Auch die Kinder waren begeistert  Kommentator Sosonko bei der Analyse
Alle Fotos von Martin Chrz

Das Veteranenteam siegte im Rahmen der Eloerwartung deutlich mirt 21:11.. Einen ausführlichen Überblick gewährt Pražská šachová spole?nost oder auch der Artikel auf ChessVibes.com (jeweils in Englisch).

Bei diesem Turnier kam Hübner ungeschoren davon und wurde sogar bester Einzelspieler. Dies war nicht immer so. Auslöser des Artikels war sein Werk "Fünfundfünzig feiste Fehler", das mir seit einigen Wochen wieder als Bettlektüre dient. Nachfolgend ein Kapitel daraus.

Ein feister Fehler

"Nr. 24

Huvan300

Aus der Partie Huebner - Van der Wiel; Wijk aan Zee 1984

Zur Einführung in die Lage:

Schwarz hatte zuletzt 21. … Td8-d6 gezogen. Welche Drohung stellt er damit auf?
Wie sollte Weiß dieser Drohung begegnen?

Antwort:

Schwarz droht 22. … b6-b5 mit Damengewinn, Weiß zieht am besten 22. Db5; er behält einigen Druck. Er kann versuchen, die Türme auf der a-Linie zu verdoppeln um dann nach a5xb6, a7xb6 mit den Türmen über a7 oder a8 einzudringen, da der schwarze Läufer das Feld a1 kontrolliert, ist dieser Plan nicht leicht zu verwirklichen. Eine andere Idee für Weiß besteht darin, a5-a6 zu spielen um den Läufer auf b7 aufzustellen und gelegentlich Einschlag auf b6 zu drohen; wenn Schwarz vorsichtig spielt, dürfte er dies jedoch stets verhindern können. Der Vorteil des Weißen ist zum Gewinn wohl nicht ausreichend.

Hebt Weiß, statt 22. Db5 zu spielen, mit 22.axb6 die Spannung in der Bauernstellung am Damenflügel auf, so kommt der Gegner nach 22. Tdxb6 zum Abtausch sämtlicher Türme; er hat dann gar nichts mehr zu befürchten.

In der Partie ignorierte Weiß die gegnerische Drohung, zog 22. Lf3?? Und mußte nach 22. … b5 alsbald aufgeben."


Weitere 54 feiste Fehler sind in Robert Hübners Buch „Fünfundfünzig feiste Fehler“, teilweise auch deutlich umfangreicher beschrieben. 112 Seiten, Hardcover/Leinen, Vögel-Verlag

Erhältlich ist das Buch z. B. in unserem Shop. Wir haben noch einige Restexemplare auf Lager.

 

Nachtrag zum Turnier in Marienbad:

Nachträglich fiel mir noch eine Partie aus dem Marienbader Turnier auf, die an das Thema unserer Retro-Aufgabe König über Bord erinnerte:

Wie kommt der Turm nach b4?

 vagsach300
Stellung nach 34.- axb5

Nun gut, dies ist hier wesentlich einfacher. Günstig für Schwarz war es aber keineswegs

Dienstag, 13 Dezember 2011 02:48

König über Bord

koenigueberbordEs erstaunt immer wieder aufs Neue, zu welch herausragenden Schöpfungen Studien- und Problemkomponisten in der Lage sind. Dabei erfahren Sie nur eine sehr geringe Würdigung ihrer harten, zeitintensiven Arbeit, denn nur eine kleine Anzahl Schachenthusiasten erfreut sich daran. Schade eigentlich, denn gute Aufgaben unterstützen in großem Maße das schachliche Vorwärtskommen.

Bei unserem heutigen Beispiel ist der weiße König irgendwie abhanden gekommen.
Finden Sie heraus, wo er stehen muss und wer am Zug ist.

Komponist: R. Smullyan, Manchester Guardian, 1957

ZUR LÖSUNG

Mittwoch, 07 Dezember 2011 15:15

"Zug um Zug in den Wahnsinn" - der Film

Sie haben den Film über die Schachlegende Bobby Fischer gestern Abend verpasst? Kein Problem, ARTE wiederholt am 19.12.2012 um 10 Uhr. Nachfplgend finden Sie die Dokumentation als LIvestream von der ARTE-Website (verfügbar nur bis zum 12.12.).

 

 

Zug um Zug in den Wahnsinn

Seit seiner Erfindung im sechsten Jahrhundert gilt Schach als Spiel der Könige, als klassisches Kriegsspiel und ultimative Herausforderung an den menschlichen Geist. Im 20. Jahrhundert überragte ein Spieler alle anderen: Der Amerikaner Robert James "Bobby" Fischer wurde von Beobachtern als Schachgenie und unberechenbarer Exzentriker beschrieben. Mit 15 Jahren war Fischer bereits Schachmeister der USA, sein größtes Ziel war es, Weltmeister zu werden und es auch für ungefähr 20 Jahre zu bleiben.
1972 war es soweit: Im isländischen Reykjavík trat der 29-Jährige im "Match des Jahrhunderts" gegen den amtierenden Schachweltmeister an, den Russen Boris Spasski. Seit Jahrzehnten dominierten sowjetische Spieler die Schachweltspitze. Doch in 18 Monaten Vorbereitungszeit auf die Begegnung hatte Fischer in einer beispiellosen Gewinnstrecke von 20 Spielen eine Reihe der besten sowjetischen Spieler besiegt.
Aber in Zeiten des Kalten Krieges war das Match um den Weltmeistertitel nicht nur für die Schachwelt bedeutend. Es war gleichzeitig ein Kampf der Ideologien. Fischer und Spasski wurden in der Öffentlichkeit als Feinde wahrgenommen, die einen Stellvertreterkrieg am Schachbrett führten. Henry Kissinger, der spätere US-Außenminister, hielt es für "gut für Amerika - und die Demokratie -, einen Amerikaner als Gewinner zu haben." Und den bekam die Welt. Fischer besiegte Spasski in einem nervenaufreibenden Match und wurde Weltmeister.
Schach ist ein Spiel wie kein anderes - bereits nach zwei Zügen können über 70.000 verschiedene Figurenkonstellationen entstehen. Manche besessene Spitzenspieler leben in einer abstrakten Welt aus Figuren, Feldern, unvorstellbar vielen möglichen Zügen und Stellungen. Einige finden aus dieser Welt nicht mehr zurück ins normale Leben. In ihrem Dokumentarfilm rekonstruiert Filmemacherin Liz Garbus aus Originalmaterial und Aussagen zahlreicher Zeitzeugen die Ereignisse um das "Match des Jahrhunderts". Gleichzeitig entwickelt sie das Psychogramm eines genialen Schachspielers, der sich Zug um Zug in den Wahnsinn spielte.

Die hitzigen Diskussionen der letzten Wochen führten in unserem Blog zuweilen zu einem unerwünscht rauen Ton. Vor allem anonyme User missbrauchten die Kommentarfunktion ohne unserem Forum einen spürbaren Mehrwert zu verschaffen. Wir sehen uns deshalb gezwungen, den Kommentarbereich ausschließlich registrierten Mitgliedern zur Verfügung zu stellen.

Dabei ändert sich jedoch kaum etwas. Nach wie vor besteht die Möglichkeit im Blog wahlweise mit richtigem Namen oder auch unter einem Alias aufzutreten. Für die Registrierung wird lediglich Klarname und eine gültige E-mailadresse benötigt.

Wir hoffen damit einen Beitrag für ein freundlicheres Miteinander zu leisten und würden uns über eine weiterhin aktive Mitwirkung freuen.

Donnerstag, 01 Dezember 2011 12:25

Schachbund auch 2011 im Abwärtstrend

Jährlich präsentiert der DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) seine Mitgliederstatistiken und diese fallen auch 2011 alles andere als rosig für Schach aus. Der Deutsche Schachbund weist den gewohnt kontinuierlichen Schwund von rund 2%, knapp 2.000 Mitgliedern, auf. Das Ergebnis ist schon deshalb ernüchternd, weil die Gesamtheit der Sportarten ständig zulegen kann.

Vielleicht ist Schach out, vielleicht ist Schach doch kein Sport, vielleicht liegt es aber auch schlicht an unserem unprofessionellen Auftreten.

Doch bevor ich mich wiederhole, hier der Link zum letztjährigen Artikel „Schachbund weiter abwärts“, der nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Die Statistiken finden sich auf der DOSB-Website zum Downlaod.

Sonntag, 27 November 2011 16:14

Schachbund trennt sich von Arkadij Naiditsch

Der Deutsche Schachbund schafft klare Fronten: Nach lang anhaltenden Querelen fällte das Präsidium am Wochenende eine folgenschwere Entscheidung. Der zuständigen Kommssion für Leistungssport wird empfohlen, Arkadij Naiditsch umgehend aus dem A-Kader zu entlassen. Das Spitzenbrett der Nationalmannschaft fiel u. a. durch wiederholt heftige öffentliche Angriffe auf diverse Funktionäre des Schachbundes in Ungnade.

Details findet man auf der Schachbundsite. Auffallend stellt man sich hinter den in die Schusslinie geratenen Bundestrainer Uwe Bönsch. der "wesentlichen Anteil am Abschneiden der deutschen Mannschaft" hatte.

bannersr400anzKurioserweise verabschiedet man Deutschlands aktuell unumstritten stärksten Schachspieler mit einer goldenen Nadel für seine hervorragenden Leistungen auf der Europameisterschaft. Durch sein ausgezeichnetes Ergebnis am Spitzenbrett trug er wesentlich zur Erringung des Titels bei. Mit der Ehrung durch den DSB einher geht eine kleine Sonderhonorierung von Spielern und Theorietrainer. Man bewegt sich im einstelligen Prozentbereich der 50.000 € Prämie, die das russische Team pro Spieler für den Sieg erhalten hätte oder auch den 30.000 der Armenier, allerdings im Rahmen dessen, was der Schachbund in der Lage zu leisten ist.

Hoffnungen auf weitere Heldentaten einer deutschen Nationalmannschaft muss man fürs Erste wohl begraben. Doch wurde damit immerhin der lästigen öffentlichen Diskussion ein Ende gesetzt, auch wenn das Ergebnis einseitig und unbefriedigend wirkt.

Eine Hintertür bleibt indes offen: Die Suspendierung gilt zunächst bis Mitte 2012. Dann prüft der Bund, ob sich etwas verändert hat und eine neuerliche Zusammenarbeit denkbar wäre. Ein Einsatz Naiditschs bei der kommenden Schacholympiade in Istanbul ist somit noch nicht ganz vom Tisch....