Stefan Löffler

Stefan Löffler

Freitag, 19 April 2013 11:00

Folgenreicher Machtwechsel in Frankreich

Sogar im eigenen Lager herrscht Überraschung. Diego Salazar hat bei der Wahl des Französischen Schachverbands den hohen Favoriten Léo Battesti geschlagen. 591 Vereinspräsidenten verteilten die ihnen zugeteilten 1642 Stimmen mit 50,5 zu 49,5 Prozent an den 42jährigen aus Chalons in der Champagne. Mit dem Satz "ich verliere lieber mit 17 Stimmen als so zu gewinnen", verabschiedete sich Battesti aus dem Verband, in dem er anstelle des ausgeschiedenen Präsidenten Henri Carvalho zuletzt längst den Ton angab. Nun widmet er sich wieder ausschließlich Korsika und kündigte, wohl noch in der Kampflaune der letzten Monate, an, das korsische Schach unabhängiger vom nationalen Verband aufzustellen. Ein Dutzend Schachlehrer sind hauptberuflich an den Schulen unterwegs. Jeder fünfzigste Inselbewohner ist schon Mitglied im korsischen Verband. So hoch ist der Organisationsgrad nirgends auf der Welt.

Auffällig viele starke Spieler unterstützten indessen Salazar. Die Interessen der Profis und Halbprofis waren Battesti egal. Er war als "arrogant" verschrieen. Der in seiner Jugend militante Separatist ist sicher auch ein wenig am Hass vieler Franzosen auf die Korsen gescheitert. Von einer "Rufmordkampagne" titelte gar Corsematin. Ein paar, letztlich entscheidende Stimmen hat Battesti seine Herkunft sicher gekostet.

Nachdem eine korsische Firma im Januar ankündigte, im Falle seiner Wahl den Französischen Verband mit 600.000 Euro zu sponsern, hielten er und seine Anhänger die Wahl irrtümlich für entschieden. Um etwas gegenzusetzen, versprach Salazar wenige Tage vor der Abstimmung ein Ressourcenzentrum für Schachvereine, das er über die vierjährige Periode mit einer Million Euro ausstatten will. Wer dort arbeiten und woher das Geld kommen soll, ist nebulös. Wenn das Zentrum aber zustande kommt, verdient es internationale Beachtung und könnte ein Modell für andere große Schachverbände sein.

Grenzüberschreitende Bedeutung hat die Machtablösung in Frankreich noch aus zwei anderen Gründen, nämlich Schulschach und Frankreichs Rolle in der FIDE. In der FIDE hätte Battesti eine Führungsrolle in der Opposition übernommen. Kasparow, der Anfang Mai ein großes Jugendturnier in Korsika besuchen wird, ist ein Freund. Salazar dagegen, der außer Französisch nur ein wenig Spanisch spricht, ist in internationalen Schachbelangen unbeleckt. Dass er wenige Tage nach seiner Wahl Besuch von Iljumschinow bekam, muss nichts heißen. Schließlich lud sich der nach dem Kandidatenturnier in London schon in der Nähe weilende FIDE-Präsident selbst ein. Salazar hat indessen bis auf weiteres alle FIDE-Agenden Robert Fontaine übergeben. Der französische Großmeister arbeitete zuletzte für AGON. Die Firma ist wohl nur noch pro forma in die Organisation und Vermarktung der FIDE-Spitzenwettbewerbe wie dem seit Donnerstag in Zug laufenden Grandprixturnier eingebunden. Wenn Fontaine weiter in Lohn und Brot bleiben will, führt der Weg nur über Iljumschinows inneren Zirkel. 

Battesti hatte eine ambitionierte Schulschachstrategie, die in erster Linie gerade nicht darauf abzielte, Mitglieder zu gewinnen. Was den Übergang talentierter und ambitionierter Kinder von den Schulen ins organisierte Schach angeht, sind die französischen Vereine mit zwei Dritteln Jugendspielern unter ihren rund 60 000 Mitgliedern hier ohnehin schon stark unterwegs. Zentrales Anliegen war, dem Schulsystem den erzieherischen Wert des Schachs für möglichst viele Kinder nutzbar zu machen, und insbesondere benachteiligte Kinder zu fördern. Damit fand der alte Schachverband Gehör im Bildungsministerium, das im Juni zu einer hochrangig besetzten internationalen Schulschachkonferenz einlädt. Jerome Maufras, Schulschachexperte und strategischer Brater Battestis, hat sich nach der Wahlniederlage aus dem Verband zurückgezogen, wie er hier begründet. Ob Frankreich künftig international eine Vorreiterrolle im Schulschach übernehmen wird und welche Rolle der Verband dabei spielt, steht in den Sternen.

Die Schachbundesligasaison ist zwar seit acht Tagen zu Ende. Doch die Abstiegsfrage, die schon vor der zentralen Endrunde in Schwetzingen entschieden schien, ist offen. Denn längst nicht alle qualifizierten Aufsteiger sind zum Aufsteigen auch bereit. 

Am Sonntag gingen die Zweiten Ligen zu Ende. Sie waren diese Saison allesamt spannender als die Erste Liga. König Tegel hielt im Norden Rostock auf Brettpunkteabstand. Im Osten überholte die Schachabteilung des FC Bayern München die sieben Runden lang souveränen Dresdner, die schon vorige Runde gegen Bindlach stolperten, durch ein 5:3 im direkten Vergleich. Dresden hat die meisten Brettpunkte, Bindlach beide Konkurrenten geschlagen, aber durch ist Bayern. 

Ob es aus dem Süden einen Aufsteiger geben wird, ist dagegen noch nicht ganz sicher. Viernheim hat mit einem 4,5:3,5 gegen die starke Zweite von Baden-Baden zwar den Staffelsieg geschafft, aber nicht die finanziellen Ressourcen. Oder noch nicht. Wenn sich bis Meldeschluss Ende April Sponsoren finden oder zumindest das Gefühl, es finanziell zu packen, einstellt, will Viernheim antreten. Wenn nicht, dürfen und werden es sich die drittplatzierten Hofheimer überlegen. Der Viertplatzierte wird übrigens laut Reglement nicht mehr gefragt. 

Im Westen hat einmal mehr die SG Porz des seit vielen Jahren erstligaallergischen Wilfried Hilgert gewonnen und das glatt mit 18:0. Aachen überlegt und wird die Bedenkzeit bis Ende April wohl ausschöpfen, teilt Mannschaftsführer Peter Jansen mit. Die drittplatzierten Bochumer haben schon in der Vergangenheit abgewinkt und sollen auch dieses Mal nicht interessiert sein. Für die Schachfreunde Berlin verlängert sich das Zittern um den Klassenerhalt somit ziemlich sicher bis zum Meldeschluss Ende April. Und die Freude wäre eine doppelte, hängt der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Zweite Liga doch daran, ob die Erste eins höher bleiben darf. 

Anders als beim Nachsitzen Stichkampf vor zwei Jahren gegen Griesheim können die Berliner das Ergebnis nicht beeinflussen. Oder vielleicht doch? Was wäre, wenn Aachen, sagen wir 5000 Euro fehlen und die Berliner diesen Betrag aufbringen könnten? Wäre es dann nicht eine sportliche Lösung, einen Wettkampf zu spielen? Siegt Aachen, zahlen die Berliner die 5000, und Aachen hat das Budget beisammen. Siegen die Berliner, behalten sie die für die Saison dringend benötigten 5000. Anders als ich bei der ursprünglichen Veröffentlichung glaubte, hat Aachen bereits einen starken Kader (danke an Peter Jansen für den Hinweis) und besäße gute Chancen. Doch das ist natürlich nur ein Gedankenexperiment. 

Der Abstand zwischen den Zweiten Ligen und der Ersten ist groß, so dass in der nächsten Saison der Kampf um den Klassenerhalt, wenn keine der etablierten Mannschaften einen schlechten Lauf oder der stärkste Aufsteiger Bayern einen starken Lauf hat, wieder wenig Spannung verspricht. Aufsteiger Aachen dürfte es packen, oder die SF Berlin, wenn sie doch drinbleiben dürfen. Ich würde schon jetzt tippen: Spannend wird´s auch zwischen Saison- und Meldeschluss.

(korrigiert am 20. April 2013)

Samstag, 13 April 2013 15:10

Happy birthday, Garri!

Vor acht Jahren hat Garri Kasparow dem Turnierschach adieu gesagt. Dieser Tage meldeten russische Medien, dass er Russland verlässt. Schluss mit Schach, Schluss mit Politik, Rückzug auf der ganzen Linie? Von wegen. Der Eindruck trügt. Kasparow, der an diesem Samstag fünfzig wird, arbeitet unermüdlich an seinen großen Zielen, Russland zu demokratisieren, Iljumschinow abzulösen und Schach in die Schulen zu bringen. Das alles unter einen Hut zu bringen, verlangt einen brillianten Netzwerker, als der er von dem Journalisten Igor Jakowenko in einer lesenswerten Hommage beschrieben wird.

 Kasparow in Oslo
Kasparow am Freitag in Oslo, civita.no

Seinen Geburtstag feiern wird er erst mit einigen Tagen Verspätung am 19. April in New York, wo seine Frau und siebenjährige Tochter leben. Denn im Moment ist er wie meist unterwegs und zwar, sehen wir es symbolisch, im aktuellen Schachboomland Norwegen. Der Thinktank Civita hat ihn zu einer Rede über Putins Russland eingeladen. Nebenbei erklärte Kasparow die von Chennai reklamierte Vergabe des WM-Kampfes Anand-Carlsen ohne Ausschreibung zum Skandal. Und ein Treffen mit Magnus Carlsen und seinem Manager Espen Agdestein steht an, um über die Wiederaufnahme ihrer Zusammenarbeit zu verhandeln. Liebend gerne würde Kasparow Carlsen als Trainer dabei unterstützen, Anand zu schlagen. 

Schon vor der Reise nach Norwegen war es wieder eine ereignisreiche Woche für Kasparow. Er zog sich aus dem Vorstand der russischen Oppositionsbewegung Solidarnost zurück. Danach musste er aufkommende Emigrationsgerüchte dementieren. Und er erhielt einen renommierten Menschenrechtspreis zugesprochen. 

Vermisst Kasparow das Turnierschach und bereut seinen Rücktritt, wie Hartmut Metz Anand zitierend schreibt? Ich glaube nicht. Er hat seine Spielerkarriere gegen ein reicheres Leben eingetauscht. Bei allen seinen Zielen wünsche ich ihm viel Erfolg. Und natürlich: S dnjom raschdenja, Garri Kimowitsch!

Freitag, 05 April 2013 13:41

Wo wollen wir sie spielen sehen?

Heute früh hat Tromsö den Hut in den Ring geworfen. Die nordnorwegische Stadt, die im August 2014 die Schacholympiade austrägt, traut sich auch zu, den Titelkampf zwischen Carlsen und Anand obendrauf zu setzen. Die FIDE verhandelt momentan aber erst einmal exklusiv mit Chennai. Anands Heimatstadt kam voriges Jahr nicht zum Zug und bekam eine Option auf das nächste Match angeboten. Die Option ist eigentlich beim Kandidatenturnier abgelaufen, wurde aber auf Bitten der Inder von der FIDE um einige Tage verlängert. 

Carlsen hat allerdings keine Lust, in tropischem Klima zu spielen. Und Anand war in der Vergangenheit nicht sehr erpicht darauf, wenn viel auf dem Spiel steht, vor seinen Landsleuten anzutreten, konzentriert sich doch dann das Medieninteresse einer Milliardennation auf ihn. In Norwegen würde das freilich für Carlsen gelten. New York wurde schon irgendwo als Option genannt, womit vielleicht beide leben könnten. Schöner wäre wohl ein Ort, der auf halber Strecke liegt. Zwischen Chennai und Oslo liegt ungefähr Abu Dhabi. Zwischen Oslo und Anands altem Wohnsitz in Collado Mediano bei Madrid läge ungefähr Paris. Wie wäre es mit Deutschland? 

Oder nochmal London? Der Mann auf dem Foto rechts ist George Osborne, Britanniens Chancellor of the Exchequer (nein das ist nicht der Kanzler der Exschachspieler sondern der Finanzminister...). Ob Carlsen ihn schon nach Geld gefragt hat? Ich fürchte, Osborne war eher bei der Preisverleihung des Kandidatenturniers dabei, um der Prügel, die er als Englands derzeit unbeliebtester Politiker nahezu pausenlos bezieht, unter den ausländischen Schachspielern zu entfliehen. 

Das Heft in der Hand hat übrigens nicht Andrew Paulson und seine eigentlich auf viele Jahre mit der Vermarktung der Spitzenevents betraute Firma AGON sondern die FIDE. AGON hätte der FIDE längst 500 000 Euro überweisen müssen. Doch AGON zeigt sich auf der Sponsorensuche bisher glücklos. Den Geldgeber für das von Lissavon nach Zug (Schweiz) verlegte Grandprixturnier, Viktor Wechselberg, fand jedenfalls sicher nicht Paulson. Die FIDE kann den Vertrag, so lange AGON nicht liefert, jederzeit kündigen. 

Sonntag, 31 März 2013 15:45

Welche Vielfalt!

Montagabend ist das Kandidatenturnier Geschichte. Bevor dies für einen Aprilscherz gehalten wird, poste ich mein persönliches Resumee lieber schon mal vorab während der vorletzten Runde. Es ist ein Lob auf alle acht Spieler. Egal ob Kramnik oder Carlsen Herausforderer wird, schon jetzt steht fest, dass dieses Turnier eine großartige Leistungsschau des aktuellen Spitzenschachs ist und mehr Beachtung durch Qualitätsmedien verdient hätte als ein bloßer WM-Zweikampf. 

Vor allem die Eröffnungsvielfalt hat mich verblüfft. 1. d4 wurde bisher fast dreimal so viel gespielt wie 1.e4 und punktet auch besser. Mit 1. d4 haben die Weißen ein leichtes Plus (6:3 bei 22 Remis). Grünfeld (1:0 bei sieben Remis) und Damengambit (2:2 bei fünf Remis), übrigens in allen möglichen Spielarten inklusive Tschigorin und angenommen nur kurioserweise kein Slawisch, sind die beliebtesten Erwiderungen. Aber auch Nimzo-, Bogo-, Damen- und Königsindisch, sogar Budapester Gambit, Trompowski und Holländisch waren zu sehen. Mit 1. e4 ist die Weißbilanz sogar leicht negativ (3:4 bei vier Remis). Vor allem an Spanisch haben sich die Königsbauernspieler die Zähne ausgebissen. In der 13. Runde kommt nun übrigens auch noch Französisch auf die Palette. Mit 1. c4 sind die Weißen relativ am besten gefahren (2:1 bei einem Remis). Auch Réti wurde versucht.  

Wir haben eine ganze Reihe starker Neuerungen gesehen. Vor allem vom glänzend vorbereiteten Kramnik, der sich auch sonst auf der Höhe seines Könnens zeigt. Auch wenn er in den letzten Runden Glück hatte, führt er verdient. Schade ist es um Aronjan, der gegen Gelfand, Swidler und Kramnik mehr riskiert hat, als seine Stellungen aushielten. Hätte er nur zwei dieser Partien nicht verloren, wäre er noch im Rennen. Auch wenn Carlsen ohne seinen komplett schwarzen Freitag gegen Iwantschuk noch zumindest mit vorne wäre, fehlen ihm letztlich doch die Eröffnungen. Nicht einmal eine krumme, frühe Neuerung (wie in Runde 13 Kramniks 5.e3 im g3-Grünfeld) habe ich bei ihm entdeckt.  

Die Internetpräsentation mit Videos und Kommentatoren wie Nigel Short läuft nach einigen Startschwierigkeiten sehr überzeugend. Dennoch habe ich etwas auszusetzen. Weniger als das Selbstlob des eigentlich auch schon durch gute Ideen aufgefallenen Andrew Paulson stört mich die unwidersprochene Technik im Turniersaal. Zuschauer, die Spielern etwas signalisieren wollen, haben dank Tablet-Computern leichtes Spiel. Wenige Meter von den Spielern entfernt sind Großmeisterkommentare und Computeranalysen verfügbar. Wer in der zweiten Reihe (die erste ist gesperrt) passend zu seinem Spieler sitzt, ist trotz der beschränkten Lichtverhältnisse für diesen gut zu erkennen. Warum der offensichtliche Widerspruch zur Betrugsprävention kein Thema ist, verstehe ich nicht. Ich glaube freilich nicht, dass einer der Spieler Hilfe aus dem Zuschauerraum annehmen würde, geschweige denn bestellt hat. 

Das ist nur ein Thema mehr in einem Wettbewerb, der erfreulich viel Diskussionsstoff geboten hat. 

Montag, 25 März 2013 01:47

Wir sind Mode!

Schwarz und Weiß sind die Modefarben dieses Frühjahrs, vor allem in Kombination. So manches Outfit wirkt wie ein Statement für Schach. Nie zuvor waren in den Boutiquen so viele karierte Klamotten und Accessoires, die notfalls als Brettersatz herhalten könnten.

 

aldo
Credit: Aldoshoes.com

 

louis vuitton 
Credit: Louis Vuitton

handtasche

Aus einer Londoner Billigboutique habe ich mir einige ganz ähnliche Fummel für meine nächste Schachveranstaltung in Wien mitgebracht. Magnus Carlsens Ausstatter G-Star hat den Trend allerdings verschlafen. In dem Laden, an dem ich gestern vorbeiging, war nichts in Schwarz-Weiß und die Verkäufer langweilten sich. Von weitem könnte man derzeit so manches Fashionmagazin mit einer Schachzeitschrift verwechseln. Hier zwei aktuelle Cover.

red mag 
Credit: Red Magazine

dansk29 
Credit: Dansk Magazine

Schuld an dem Trend sind angeblich vor allem Designer wie Marc Jacobs. Wie kleidsam das schwarz-weiße Karo ist, wissen wir seit den Auftritten dieses freundlichen Herrn, der im sonst gerade eher trübsinnigen Wien positive Stimmung für Schach verbreitet.

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Credit: Regine Hendrich 

Samstag, 02 März 2013 10:01

Verpatzte Generalprobe

Kramnik hat das Feld zusammengestellt, den Termin gewünscht und den Spielort vorgegeben. Der mit ihm befreundete Mäzen Oleg Skworzow war mit allem einverstanden. Das Zürcher Turnier hat unterhaltsames Schach geboten und in der zweiten Hälfte auch immerhin drei entschiedene Partien. Doch für den Mann, dem wir sie verdanken, war die Veranstaltung ein Schuss in den Ofen. Kramnik teilt mit Gelfand den letzten Platz. Dabei bot er das interessanteste Schach. Gegen Caruana und Gelfand verpasste er seine Gewinnchancen. Ein Einsteller gegen Anand brachte ihn ins Minus.

Dabei wollte er doch nach zwei Monaten Spielpause nicht nur warm gespielt sondern auch mit einem guten Gefühl zum am 15. März in London beginnenden Kandidatenturnier reisen. Kramnik brauche das Gefühl, dass es läuft, meint Anish Giri in seiner in der März-Ausgabe von "Schach" erschienenen Vorschau . An einer verpatzte Generalprobe kann der russische Exweltmeister wohl schwerer das Gute sehen als andere. Nun muss in London erst recht ein früher, überzeugender Sieg her, damit er vorne mitspielen kann.

Leon Mons ist mit 17 Jahren zwar schon ein bisschen zu alt, um ein Prinz zu sein, besorgte dem deutschen Jugendschach in letzter Zeit aber mehrmals positive Schlagzeilen. Im November holte der von Michael Prusikin trainierte Franke bei den Jugendweltmeisterschaften in Maribor einen der wenigen zählbaren deutschen Erfolge mit seiner ersten IM-Norm. Vor zwei Wochen schlug er in der Bundesliga Arkadi Naiditsch mit einem mutigen Morra-Gambit, dessen Annahme die deutsche Nummer eins verweigerte. An diesem Samstag holte sich Mons auch noch den Skalp von Robert Kempinski. Die nächste IM-Norm ist quasi sicher. Dafür muss er nämlich nur noch die Mindestzahl von neun Partien komplettieren. Mit einem weiteren Sieg am Sonntag wäre sogar eine GM-Norm fast sicher gewesen, aber diesmal ging es noch daneben (die GM-Normchance bleibt aber). Werden ihm die Erfolge Schachflausen in den Lockenkopf treiben? Im Oktober hat Mons jedenfalls ein Mathematikstudium in Erlangen begonnen.

Sonntag, 10 Februar 2013 09:00

Jetzt ausprobieren: Fischerschach!

Fischerschach oder Chess960, wie es mittlerweile auch offiziell im FIDE-Sprech heißt, ist die einzige Schachvariante, für die es offizielle Regeln gibt. Im Appendix F zu den Laws of Chess http://www.fide.com/fide/handbook.html?id=125&view=article ist Bobby Fischers geniale Variante reglementiert. Das ist echtes Schach vom ersten Zug an statt erst ab dem 15. oder 25.Zug, wenn die Theoriekenntnisse enden. Schade nur, dass es so gut wie keine Turnierangebote gibt. Das wichtigste war ja das Mainzer Festival. Und nach Amsterdam fahren zum einzigen mir bekannten Fischerschachklub http://www.fischerz.nl/ , der nach der genialen 80er-Popgruppe Fischer-Z benannt ist, kommt ja eherfür wenige in Frage.

Da fällt mir, ähem, brühwarm ein, dass der Meldeschluss für ein Chess960-Fernturnier unmittelbar bevorsteht. Wer´s probieren mag, findet die Ausschreibung hier http://www.bdf-fernschachbund.de/turnierangebote/ausschreibungen/1-chess960-preisgeldturnier.htm. Und kommenden Sonntag, den 17. Februar in Wien, kann man Chess960 sogar in einem fein dotierten Schnellturnier http://www.viennamindsportsfestival.com/schedule/?event=chess (1.Preis 300 Euro garantiert, im Schnellturnier vorher und im Blitzturnier hinterher noch mehr) am Brett spielen.

Sonntag, 27 Januar 2013 10:54

Corsica Connection

Im Französischen Schachverband wird am 31. März ein neuer Präsident gewählt. Nicht von Vertretern der Landesverbände wie in Deutschland sondern in direkter Wahl von den Vertretern der Schachvereine. Henri Carvallo kandidiert nicht mehr. Die zwei Kandidaten heißen Léo Battesti und Diego Salazar. In Wahrheit, so Insider, kümmere sich Carvallo ohnehin lieber um sein Schloss und sei Vizepräsident Battesti längst am Ruder.

Durch die korsische Turnierserie ist er international bekannt. Einige wissen auch von seinem langjährigen Engagement im Schulschach. Auf seiner beeindruckenden Kampagnenwebsite sieht man Battesti unter anderem mit Sandrine Bonnaire (ihr Film "Die Schachspielerin wurde auf Korsika gedreht), mit Kasparow, Karpow und Anand. Die besten französischen Spieler und Spielerinnen unterstützen dagegen mehrheitlich Salazar, dessen Kampagne online ebenfalls einiges hermacht und der sich 2010 als Motor des Außenseitersiegs von Chalons in der französischen Liga und mit einem lokalen Schulschachprogramm profiliert hat. Beide Kandidaten sind vor der Wahl quer durch Frankreich unterwegs, um ihr Programm vorzustellen und sich über die Sorgen und Nöte der Basis zu informieren (oder zumindest so zu tun). Beide Kandidaten haben übrigens auffällig viele Frauen im Team.

Am Freitag abend hat Battesti einen Knaller gelandet. Er hat einen Sponsoringvertrag über 600 000 Euro für vier Jahre für den Französischen Schachverband unterschrieben. Einzelne Anhänger feiern ihn bereits als Wahlsieger. Oscaro, ein rasch expandierender Onlinediscounter für Autoteile mit einem Jahresumsatz von an die 200 Millionen Euro, erfüllt den Vertrag allerdings nur dann, wenn Battesti am 31. März gewählt wird. Oscaros Gründer und Miteigentümer Pierre Noel Luiggi stammt aus Bastia genau wie Battesti. Der war in jungen Jahren militanter Separatist (Mitgründer der Korsischen Befreiungsfront), fast zehn Jahre lang Journalist und ist seit gut zwanzig Jahren Politiker. Viel besser vernetzt kann man in Korsika nicht sein. 

Einer der wichtigsten Männer hinter Battestis Kampagne ist denn auch ein weiterer erfolgreicher Korse: Den Webauftritt managt der Internetunternehmer Sebastien Simoni. Erst kürzlich waren Battesti, Simoni und Luigi bei einer korsischen Businesskonferenz gemeinsam auf dem Podium. Der schöne Titel der Veranstaltung: Corsic´amore! Ob wir das nun englisch oder doch lieber italienisch lesen, bleibt uns überlassen. Ein eingefleischter Salazar-Anhänger sieht da am Ende vielleicht eher etwas wie ...Camorra.

Montag, 21 Januar 2013 18:02

Macht einfach Spaß

Solche Bilder sieht man leider immer seltener. Die gemeinsame Analyse ist auf dem Rückzug. Immer weniger Turniere stellen einen Raum dafür zur Verfügung, immer mehr Spieler sehen keinen Sinn mehr darin. Was sie über die Partie hinterher noch wissen wollen, soll ihnen der Computer zeigen.

 

Meisterfotograf Fred Lucas hat dieses Analysevergnügen nicht zufällig in Wijk aan Zee eingefangen. Auf diesem wunderbaren Festival, das gerade zum 75. Mal stattfindet, werden Traditionen hochgehalten. Es ist eine wahre, dem Jubiläum würdige Feier des Schachs. Ein richtiger Lustmacher. Wegen des kämpferischen Schachs, das gespielt wird. Wegen noch viel mehr Fotos von Fred Lucas. Wegen Features wie der Match Preview. Und natürlich wegen Partien wie Aronjan-Anand (Video).

 

Auch gerade entdeckt: Sergei Schipows (übrigens auf dem Foto der zweite von rechts) unbedingt lesenswerte Ansichten sind mal wieder im Netz. Und die wunderbare Website Chessintranslation hat mal wieder was. Danke.

Sonntag, 06 Januar 2013 15:45

Ein tolles Jahr für (deutsche) Schachfans

2013 bringt keine Schacholympiade, wahrscheinlich keinen WM-Kampf, und doch verspricht das neue Jahr ein gutes Schachjahr zu werden. Das gilt insbesondere für die deutschen Schachfans: Gleich drei Weltklasseturniere sollen in den nächsten Monaten in Deutschland stattfinden: Am 6.-17. Februar in Baden-Baden mit Anand, Adams, Caruana, Fridman, Meier, Naiditsch und einem ganzen Schachfestival. Am 3.-17. Juli ein FIDE-Grandprixturnier in Berlin und ab 22. Juli das Dortmunder Sparkassen-Chess-Meeting.

Wer im Süden wohnt, hat es nicht weit nach Zürich, wo am 23.Februar bis 1. März Anand, Caruana, Kramnik und Gelfand antreten. Die im Nordwesten können sich einen Abstecher zum ersten Knaller des Jahres in Wijk aan Zee von 12. bis 27. Januar überlegen. Ein Leckerbissen für heimische Fans ist auch das zum zweiten Mal zentral ausgetragene Bundesligafinale am 5. bis 7. April im Schwetzinger Schloss.

Den sportlichen Höhepunkt des Jahres erwarte ich vom doppelrundig mit acht Teilnehmern (Carlsen, Kramnik, Aronjan, Radschabow, Grischtschuk, Swidler, Iwantschuk und Gelfand) ausgetragene Kandidatenturnier am 14. März bis 1. April in London, das eher nicht mit einem Aprilscherz sondern der Kürung von Anands designiertem Nachfolger endet. Dass der 43jährige Inder bei seinem Kraftakt in Wijk aan Zee, Baden-Baden und Zürich mit 29 Partien binnen sieben Wochen wieder seit Jahren vermisste Siegerqualitäten zeigt und sich wieder – seinem Titel gemäß – über die 2800 schwingt, erwarte ich nicht, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Offenbar ist Anand klar, dass seine beste Chance, zu alter Größe zu finden, jetzt ist, bevor sein Herausforderer feststeht und die nächste WM beginnt, sich im Kopf breit zu machen.

Nach dem starken ersten Quartal wird das Schachjahr etwas ruhiger. Abgesehen von den schon erwähnten Ereignissen erwarten uns das Festival in Biel,  FIDE-Grandprixturniere in Lissabon, Madrid und Paris, im August der Weltcup in Tromsö als Generalprobe für die ziemlich genau ein Jahr später dort stattfindende Schacholympiade, und im Herbst dann wieder Bilbao, London und das Moskauer Tal-Memorial, falls es nicht beim voriges Jahr provisorischen Juni-Termin bleiben soll. Der WM-Kampf könnte zwar laut einer früheren Ankündigung der FIDE schon Ende des Jahres in Anands Heimatstadt Chennai über die Bühne gehen. Wahrscheinlicher ist aber 2014 und nach einer Ausschreibung, sobald der Herausforderer in London ermittelt ist.

Gespannt bin ich auch, ob es Andrew Paulson, dem von der FIDE beauftragten Impressario des Grandprix, Kandidatenturniers und der nächsten WM gelingt, die Präsentation des Spitzenschachs zu verbessern. Dass Veranstaltungen wie Linares oder die Amber-Turniere in Monte Carlo und Nizza verschwunden sind, merkt man dem gut gefüllten Kalender jedenfalls nicht an. Für Fans hochklassigen Schachs hat ein gutes Jahr begonnen.

Montag, 31 Dezember 2012 15:57

Meine Spieler des Jahres 2012

Ein Schachjahr ist zu Ende, und der Tradition folgend veröffentliche ich hier meine Spieler des Jahres. Die ersten drei fielen mir leicht, die weitere Reihenfolge schon schwerer. 

1. Magnus Carlsen bekommt von mir wie im Vorjahr die Bestnote. Er leistete sich kein einziges schwaches Resultat, aber einige sehr gute und brach mit seiner ab 1. Jänner gültigen Elozahl 2861 Kasparows Rekord. Sein Sieg gegen Anand in Bilbao war für mich die Partie des Jahres.

2. Lewon Aronjan gewann in Wijk aan Zee mit einem Riesenresultat (sieben Siege!) und führte Armenien schon zum dritten Mal zu Olympiagold. Auch seine Rückkehr in die Schachbundesliga für die sympathischen Schachfreunde Berlin gefiel mir. Dass Lewon das Jahr schwach abschloss und auf Weltranglistenplatz drei zurückfiel, Schwamm drüber.

3. Fabiano Caruana spielte sich 2012 mit zweiten Plätzen in Wijk aan Zee und Moskau sowie geteilten ersten Plätzen in Dortmund und Sao Paolo/Bilbao in die Weltspitze und aus dem Schatten des in den vorigen Jahren stärker beachteten Anish Giri. Ich muss zugeben, dass ich das dem 20jährigen nicht zugetraut hatte.

4. Garri Kasparow steht hier nicht als Spieler (er steht ja nur noch für wenige Schaukämpfe und Simultane zur Verfügung) sondern als Motor der erfolgreichen Kampagne um die Unterstützung des Europäischen Parlaments für Schulschach und dank seiner Ansage, 2014 alles für die Ablöse Iljumschinows an der Spitze der FIDE zu tun bis hin zu einer eigenen Kandidatur. Ich setze ihn als Nummer vier als kleine Zäsur zwischen den ersten drei und den folgenden Spielern.

5. Wladimir Kramnik fiel mir durch einige Gewinnpartien (gegen Aronjan bei der Olympiade oder gegen Meier in Dortmund) auf. Dass er die aktuelle Nummer zwei der Weltrangliste ist, zeigt seine Stärke, auch wenn er 2012 nicht zu einem eigentlich verdienten Turniersieg kam: In Dortmund zermürbte er sich gegen Leko, in London war Carlsen vom Glück verfolgt.  

6. Boris Gelfand rettete die WM mit dem interessanteren Schach. Er hätte den Sieg gegen Anand verdient gehabt. Als Cosieger des ersten Grandprixturniers in London zeigte der immerhin schon 44jährige, dass das Kandidatenturnier 2011 nicht sein letzter Erfolg bleibt.

7. Sergei Karjakin wurde Schnellschachweltmeister, Cosieger in Dortmund und Taschkent, gewann das starke Blitzturnier in Peking. In Erinnerung blieb auch sein Abschneiden in Wijk aan Zee: Fünf Siege, aber auch fünf Niederlagen. Schade, dass er die Qualifikation fürs Kandidatenturnier als Weltcupvierter denkbar knapp verpasst hat.  

8. Daniel Fridman wurde Deutscher Meister, bester Deutscher bei der EM und war der wichtigste deutsche Leistungsträger bei der Schacholympiade. In Istanbul hätte er eine Medaille und einen schönen Geldpreis sicher gehabt, hätte er sich in der letzten Runde gegen die um Gold kämpfenden Russen nicht ans Brett gesetzt. Doch vorbildlich kämpfte er. Das alles rechtfertigt meines Ermessens einen Platz auch in einer internationalen Liste und ist ein Wink mit dem Zaunpfahl an alle, die sich an der vom Deutschen Schachbund ausgelobten Wahl des Deutschen Spielers des Jahres beteiligen.    

9. Dmitri Jakowenko wurde verdient Europameister. An ihm lag es am wenigsten, dass Russland wieder nicht die Olympiade gewann. Pech, dass er weder zum Grandprix noch sonstigen Eliteturnieren eingeladen wurde.

10. Wang Hao gewann in Biel, wurde Cosieger in Taschkent und spielte eine starke Schacholympiade bis zur wichtigen letzten Runde, als er gegen Iwantschuk verlor und China auf den undankbaren vierten Platz abrutschte.

 Noch kurz zu denen, die nicht vorkommen: Dass Mister 50 Prozent Anand trotz geglückter Titelverteidigung nicht auf meiner Liste steht, braucht keine weitere Erläuterung. Radschabow hat für meinen Geschmack zu wenig gespielt. Nakamura gewann zwar in Hoogeveen aber kein größeres Turnier.   

Dienstag, 13 November 2012 11:30

Magnus (on the) rocks

In nächster Zeit wird das Spitzenschach öfter mal in Norwegen Station machen. Nicht erst im August 2014 zur Schacholympiade in Tromsö. Im zweiten Halbjahr 2013 soll an gleicher Stelle der Weltcup, also das große k.o.-Turnier, dessen Sieger dann WM-Kandidaten werden, steigen. Und im Mai bereits in Stavanger ein Weltklasseturnier mit Carlsen, Kramnik, Aronjan und Anand. Hohe Chancen also, dass der (Noch-)Weltmeister dort auf seinen Herausforderer trifft. Um das Event zu bewerben haben die Veranstalter einen originellen Weg gewählt: Die aus Stavanger stammende Singer-Songwriterin Hanne Sörvaag hat ein Lied geschrieben, und ein Videoclip wurde dazu gedreht, auf dem Magnus auf einem spektakulären Felsen über einem Fjord eine Partie spielt. Enjoy the clip.

Sonntag, 14 Oktober 2012 09:40

Dehnübung fürs Spitzenschach

Wer sagt, dass man nur mit ausgefeilten Varianten auf höchstem Niveau bestehen kann. Mit geradezu antitheoretischer Spielanlage improvisierte sich Magnus Carlsen in Bilbao zum Turniersieg und bis auf drei Elopunkte an Kasparows zwanzig Jahre alten Elorekord heran. Dieser Schnappschuss eines Fotoreporters der baskischen TV-Station Proyeccion (Danke für den Tipp an David Llada) aus der Eröffnungsphase von Carlsens verblüffenden Gewinnpartie gegen Anand (es war die einzige entschiedene Partie des Weltmeisters auf Abruf) sagt mehr als Tausend Worte und könnte das Schachfoto des Jahres sein.

Montag, 10 September 2012 09:30

Olympiade-Statistik - Die Antworten

Das waren die Fragen. Hier sind die Antworten:

1. China spielte mit 30 Elopunkten Gewinn unter den Top-Ten-gesetzten Herrenteams am meisten über Erwartung und schlug als einziges Sieger Armenien. 

2. Bulgarien war mit 46 Elopunkten Verlust der Flop des Turniers. Auch Ungarn und Frankreich enttäuschten, aber in deutlich geringerem Ausmaß.

3. Jan Gustafssons Eloleistung hätte locker für einen Brettpreis gereicht, er hatte aber nur sieben Einsätze und damit einen zu wenig.

4. Oliver Christian Müller, der für die Auswahl des Internationalen Sehbehindertenschachverbands antrat, schaffte eine IM-Norm. Glückwunsch!

5. Das favorisierte russische Team (Elobilanz minus 4) kam auf 28,5:15,5 Brettpunkte. Nur 16 gewonnene Partien von 44 ist für Gold zu wenig. Gleich zehn Teams schafften 29 bis 30,5 Brettpunkte.

6. Vietnam verlor als einziges Herrenteam neben Russland nur drei von 44 Partien.

7. Vietnam wurde Siebter, ohne gegen ein Top-Ten-gesetztes oder -platziertes Team antreten zu müssen. Kuba, das Elfter wurde, sammelte von allen Teams die meisten Brettpunkte, nämlich 30,5, musste aber ebenfalls gegen kein einziges unter den ersten zehn platziertes Team antreten.

8. Österreich blieb mit 36 abgegebenen Elopunkten deutlich unter den Erwartungen. Markus Ragger erwischte sein schlechtestes Turnier seit langem.

9. Chinas Nummer drei Ding Liren, 19, und Vietnams Spitzenspieler Le Quang, 21, überschreiten dank der Schacholympiade erstmals die 2700.

10. Nigel Short, 47, is back und der älteste Spieler in den Top 50, die genau bei 2700 anfangen. Auch Judit Polgar, Wladimir Akopjan, David Navara und Paco Vallejo sind wieder im Club.

...

13. (Zusatzfrage von Holger Hebbinghaus in den Kommentaren) Im letzten laufenden Kampf der Olympiade Sudan-Botsuana dauerte die kürzeste Partie 92 Züge.

Montag, 10 September 2012 08:31

Postolympisches Quiz

1. Welches Top-Ten-gesetzte Herrenteam hat bei der Schacholympiade am meisten Elopunkte zugelegt?

2. Welches Top-Ten-gesetzte Herrenteam hat am meisten Elopunkte verloren?

3. Welcher deutsche Spieler verpasste am knappsten einen Brettpreis?

4. Welcher Spieler aus Deutschland erspielte sich in Istanbul eine Titelnorm?

5. Wie viele Herrenteams haben mehr Brettpunkte als Elofavorit Rusland geholt?

6. Welches Herrenteam außer Russland hat auch nur drei (von 44) Partien verloren?

7. Welches am Ende unter den ersten zehn platzierte Herrenteam musste gegen kein anderes unter den ersten zehn platziertes Team antreten?

8. Welches mitteleuropäische Land hat am enttäuschendsten (gemeint ist Eloverlust) abgeschnitten?

9. Welche zwei Spieler überschreiten dank der Schacholympiade erstmals die 2700?

10. Wer ist dank seines guten Olympiaderesultats der älteste Spieler über 2700?

 

Kommentierte Auflösungen hier am Dienstag abend. Weitere Fragevorschläge bitte als Kommentare.

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Freitag, 07 September 2012 12:55

Angst essen Seele auf

Klar, wenn im Match gegen Armenien nicht nur Daniel Fridman seinen Vorteil verwertet sondern auch Georg Meier nicht die Dame eingestellt (Video) und Arkadi Naiditsch seine Remisstellung gegen Aronjan gehalten hätte, wäre auch Igor Chenkin für sein in diesem Fall mannschaftsdienliches Remisgebot auf die Schulter geklopft worden. Aber wie es lief, nämlich 1,5:2,5 und statt geteilter Tabellenführung tschüss Medaille, stellen sich für mich, der nicht live dabei war, einige Fragen an diejenigen, die mehr mitbekommen haben: War Meier, als Chenkin remis bot, aus dem Gröbsten raus? Wie schwer war Movsesians Zeitnot? War Chenkins Stellung zwar vorteilhaft (Computer zeigt fast +1), aber für ihn viel schwerer zu spielen als für seinen Gegner? Hatte Teamchef Uwe Bönsch sein Remisgebot gutgeheißen? Warum ist es kein anderer im Team, der sich durch ein, wie es aussieht, Angstremis in die Diskussion bringt?

 

Okay, kann man alles nach dem Sonntag besprechen. Zwei Siege reichen immer noch für Platz vier oder fünf. Haut rein! 

Donnerstag, 06 September 2012 08:56

Augenmaß kriegt wieder eine Chance

Die unsägliche Gängelung von uns Schachspielern durch übertriebene Sanktionen und machtgeile Schiris wird möglicherweise dieser Tage in Istanbul eine Spur zurückgedreht. Dies im Zuge der alle vier Jahre möglichen Reform der Laws of Chess. Diesem Positionspapier aus der Schiedsrichterkommission des DSB zufolge wird der FIDE-Kongress wahrscheinlich beschließen, dass Nullkarenz nicht automatisch gilt, wenn es in der Ausschreibung vergessen wurde, und dass ein Mobiltelefongeräusch nicht mehr zum Partieverlust führt, wenn die Ausschreibung eine andere Sanktion vorsieht. Das Abstrafen von Vergesslichkeit hat schon mehr als genug Frust hervorgerufen. Gelten würden die Regeln, die ein wichtiges Stück Augenmaß zurückbringen, ab 1. Juli 2013. Ich könnte mir fast vorstellen, dann mal wieder ein konservatives Schachturnier zu organisieren. Erstmal aber am 30. September am Adria in Wien etwas auf der innovativen Seite, nämlich ein "baskisches Turnier" (zwei Partien gleichzeitig gegen den gleichen Gegner).   

Montag, 03 September 2012 03:00

Der Zug der Züge

Am 12. bis 16. Oktober lädt das tschechische Organisationstalent Pavel Matocha zur zweiten Schachzugreise. ZEIT-Redakteur Ulrich Stock war von der ersten Reise (Fotoseite) mit dem Šachový Vlak begeistert, wie man seiner feinen Reportage entnehmen kann. Peter Doggers von Chessvibes hat es gefallen. Und auch KARL-Herausgeber Harry Schaack hat den Trip wärmstens empfohlen. Vielleicht wird die Reise dieses Jahr noch besser. Anfangs- und Endpunkt sind Prag. Halte (mit Übernachtung) gibt es in Dresden, Wroclaw, Piestany und Wien. Schade nur, dass der Schachzug nicht auch in Potsdam Halt macht, wo am 13. und 14. Oktober ein großes Schachfestival mit bekannten Großmeistern und einem internationalen Eisenbahnerturnier steigt. Während der Schachzug fährt, gibt es wieder ein vielrundiges Schnellturnier. Beim Stop in Wien werden Michael Ehn und ich eine schachhistorische Führung durch diese ehemals führende Schachstadt anbieten. Noch sind Plätze frei.

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