Ilja Schneider

Ilja Schneider

Freitag, 18 Februar 2011 10:10

Verloren in Moskau

Mit einigem Interesse habe ich in den letzten Tagen den Auftritt vom jungen Deutschen Meister Niklas Huschenbeths beim Aeroflot-Open in Moskau verfolgt. An meine erste Begegnung mit Niklas kann ich mich noch gut erinnern. Es war Sommer 2002 oder 2003 in Hamburg, am ersten Brett eines (für uns alle) bedeutenden Jugendmannschaftsschnellturniers und wir spielten mit dem HSK-Post Hannover gegen Eppendorf. Ich führte die Brettwertung an 1 überraschenderweise mit etwa 7/7 oder so an, als mir dann ein extrem kurzgeschnittener, etwas verschüchterter Junge gegenüber gesetzt, der (wie der Russe sagt) fast noch zu Fuß untern Tisch gehen konnte. Ich kann nicht sagen, dass ich diese Aufgabe im ersten Moment besonders ernst nahm, aber im nächsten, an den ich mich erinnern kann, hatte ich beretis zwei Bauern weniger... Reingefallen war Niklas dann im tiefsten Endspiel wirklich auf den allerallerletzten Trick, der ihm dann dummerweise nicht nur den halben, sondern gleich den ganzen Punkt kosten sollte. Der Kleine war schon da extrem enttäuscht, und wie mir zugetragen wurde, fing er später auch noch an, richtig zu weinen - als er erfuhr, dass er gegen Ilja Schneider gespielt hatte... :) Später traf man sich dann auf Turnieren aller Art und im Dezember sogar beim B-Kader-Training des Deutschen Schachbundes. Niklas ist mittlerweile mindestens einen Kopf größer als ich und hat in der Zeit alle möglichen Jugendmeisterschaften sowie eine kleine DEM und 3 Großmeisternormen gewonnen und leistet gerade in der Sportfördergruppe der Bundeswehr seinen Wehrdienst - kann ich alles nicht gerade von mir behaupte, ich war ja nicht einmal an der Waffe... Aber zurück nach Moskau.

Zuerst sollte man feststellen, dass es gewiß einiger Chuzpe bedarf, überhaupt im A-Open bei Aeroflot mitzuspielen. (Ich selbst würde mich das schon gar nicht trauen, denn es droht auch in "Mother Russia" der Wehrdienst - anderes Thema! :). Aber mal im Ernst: Wieviele Turniere haben Sie persönlich schon mitgespielt, wo Sie von 86 Personen zunächst auf dem vorletzten Platz der Setzliste zu finden waren? Ich mit Sicherheit kein einziges... Es gehört schon eine enorme Bereitschaft zur Leidensfähigkeit dazu - denn wenn es da mal nicht richtig läuft, gibt es auf gut Deutsch richtig aufs Maul. Verlockend sind auf der anderen Seite die Aussicht auf spannende Kampfpartien gegen Spieler, die einen von Anfang an fertigmachen wollen und - natürlich - die fehlenden ELO-Punkte zum GM-Titel.

Der Auftritt von Niklas lag irgendwo im unteren Drittel vom Querschnitt der ganzen geschilderten Szenarien. Es gab zwar erfreulicher Weise nicht das befürchtete "Aufs Maul" - dafür waren die 2/4 zum Start einfach zu gut. Dann folgte allerdings in den Runden 5-8 doch noch der allseits befürchtete "Audi" und zum Abschluss eine Punkteteilung gegen das Mitschlusslicht der Setzliste Sami Khader aus Jordanien, durch das man auch nicht mehr keine ELO-Reichtümer anhäufen kann. Fazit: 2,5/9, -5 ELO, Platz 81/86, kein Sieg.

Niklas' Schwarzpartien haben mich halbwegs überzeugt. Der Hamburger ist bereits vor einiger Zeit endlich von seinen angestammten "schwarzfeldrigen" Systemen (zumeist KI), wo es meist wenig zu holen gab, abgekommen und stellt nun gegen 1.d4 (was ihm mit einer 1.Sf3-Ausnahme von Ragger in Moskau ausschließlich vorgesetzt wurde, 1.e4 vermeiden seine Gegner wohlweislich) konsequent alles auf Weiß - angenommenes Damengambit, Stonewall. Das alles klappte beim Aeroflot insgesamt ganz gut, die Niederlage gegen Romanov war durchaus vermeidbar und fußte auf einem taktischen Versehen, nachdem Niklas lange Zeit über recht deutlichen Vorteil verfügte. Nicht wirklich funktioniert hat einzig das Eröffnungs"exkrement" gegen Zhigalko (1.d4 d5 2.c4 e6 3.Sc3 c6 4.e4 Lb4?!), aber ich vermute, das wird Niklas auch nicht so bald wiederholen.

Die Schwierigkeiten lagen vielmehr in den Partien mit den weißen Steinen. In allen 4 Fällen bekam Niklas beim Aeroflot auf sein geliebtes 1.e4 Sizilianisch vorgesetzt und in den meisten Fällen entstanden getreu seinem Spielstil scharfe, recht hitzige Theoriediskussionen. Niklas' König hat im gesamten Turnier ein einizges Mal das Feld g1 gesehen, sonst wurde traditionellerweise immer lang rochiert und danach sofort die Königsflügelbauern in Gang gesetzt oder am besten gleich 'was auf e6/d6 reingeopfert.

Da die Gegner allerdings - wie in diesen Kreisen auch durchaus nicht unüblich - nicht sofort zusammenbrachen, hatte Niklas in den weiteren Phasen der Partien nur zu oft mit den immer wieder gleichen Verschleißprobleme und das sowohl struktureller als vermutlich auch körperlicher Natur. Schwachen, oder zu weit vorgeschobenen Bauern gesellten sich lose, nicht aufs Endspiel gepolte Figuren und auch ein etwas müder Kopf hinzu, was nur allzu verständlich ist, wenn bereits in den ersten 25-30 Zügen extrem viel Rechenarbeit geleistet werden muss. Verbunden damit, dass Niklas grundsätzlich immer auf Sieg spielt, versäumte er es leider mehr als nur einmal, den Trend der Partie zu erkennen und überzog seine Stellungen. Insgesamt fiel mir darüber hinaus ein gewisser Hang zu mangelnder Figurenharmonie auf, Figuren wurden recht kaltherzig auf Felder gestellt, wo sich sie normalerweise, frei nach Rowson "mit Händen und Füßen dagegen wehren sollten, dahin abgeschoben zu werden". Kann ein Zeichen sein, dass man dann und wann zu viel rechnet und zuwenig "hinguckt".

So, bevor ich mich nun mit meinem oberlehrerhaften Gelaber noch "beliebter" mache, als ich eh schon bin, lasst uns doch einfach schauen, ob an meinen Beobachtungen wenigstens irgendetwas Wahres dran ist oder nicht.

Huschenbeth - Bojan Vuckovic (2623), AEROFLOT 2011 (2)

huschenbeth 1

Ich habe im Prinzip keine Ahnung von dem, über was ich hier rede. Niemand hat mich bisher Zeit meines Lebens ernsthaft den offenen Sizilianer spielen sehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich hier (angenommen ich werde von kleinen grünen Marsmännchen in diese Stellung hereingebeamt) vermutlich etwas wie 14.Kb1 in Betracht ziehen würde. Der Ansatz von Niklas ist höchst direkt, aber vielleicht nicht das Beste. Er schlachtet seine guten Steine ab und behält den Rest.

14.f5 e5 15.Se6! Wenn schon, denn schon. 15...dxe6 16.fxe6 Kb8 17.exd7 Dxd7 18.Dxd7 (das würde ich vielleicht wirklich mal unterlassen) 18...Txd7 19.Thf1 Tg7 20.Tf2 Im Nachhinein zieht man natürlich eher den Bauern nach g3.

huschenbeth 2

20...f5! Der GM nutzt sofort die Chance, das Spiel zu öffnen und sein Läuferpaar in Szene zu setzen. (Wobei einer der Läufer, der f8) bis zum 36 Zug auf seinem Platz verharren wird).

21.exf5 Txg2 22.Txg2 Lxg2 23.a4!? Hält dynamisch dagegen... 23...bxa4 24.f6 h4 Klar sichtbar: Der h-Bauer ist der künftige schwarze Held. 25.Lxa6 h3

huschenbeth 3

Die weiße Lage hat sich bereits verschlimmert. Sein f6 geht nirgendwohin und der h2 wird innerhalb der nächsten Zeit fallen. Eines der geringsten Übel wäre es nun vermutlich, wenigstens schon mal 26.f7 zu ziehen, um eine der Figuren an f8 zu binden. Nun kommt aber ein sehr unkonkreter, "loser" Zug.

26.Lc4? Th4! Man sollte eben im Endspiel nicht unbedingt seine Figuren auf ungedeckte Felder stellen - das rächt sich mit Zeitverlust.

27.b3?! Er hat es sich bestimmt nicht von Anfang an (23.a4!?) vorgestellt, den schwachen schwarzen a4 so abtauschen zu müssen. Vielmehr wollte er ihn später abholen und dann den b-Bauern laufen lassen - aber die Not ist groß. Der Läufer will auf c4 bleiben, wo er f7 und f1 im Blick hat. Und das geht nur mit 27.b3.

27...axb3 28.cxb3 Tf4 29.f7 Tf2 Turm auf der 2 Reihe! Schwarz hat Vorteil. 30.Td3 Niklas bindet wenigstens den Läufer an den Bauern h3 fest. 30...Lf3?! Eine Ungenauigkeit. Weiß kann aktuell nicht gut seine Stellung verbessern, also machte 30...Kc8! durchaus Sinn.

huschenbeth 4

Nun gleicht 31.Td2 mehr oder minder aus, weil der Turm keinen guten Rückzug hat. Spielt Schwarz 31...Tg2, so sollte Weiß noch 32.Tc2! finden (weicht 32...Lh6 aus) und hält sich.

31.Ld5?? Es erscheint wirklich unnatürlich, sich den Verteidiger des f7 wegtauschen zu lassen und dabei noch den h2 abzugeben.

31...Lxd5 32.Sxd5 Txh2 33.Tg3 Darauf hat er sich verlassen. Nun irrte Schwarz mit 33...Tf2?, wonach die Geiseln mit 34.Txh3 Txf7 wechselseitig erschossen wurden  und Schwarz durch den megaschlechten Läufer nicht mehr hoch gewinnen konnte. Den Rest hielt Niklas gut remis. Hätte Schwarz aber mit 33...Th1+ 34.Kb2 h2 35.Th3 Kb7 endgültig die Daumenschrauben angesetzt, wäre es für den Hamburger aus gewesen. Der Springer darf wegen eines Turmwegzugs von h1 nicht auf ungedeckte Felder gehen und 36.Th8 Kc6 führt dazu, dass am Ende in allen Variationen ein total verlorenes Turmendspiel entsteht.

 

Huschenbeth - Alexander Fier (2571), AEROFLOT 2011 (6)

huschenbeth 5

Der letzte Zug des brasilianischen Großmeisters war 15...Sf4-g6, so dass sich Niklas mit der starken Drohung ...d5 konfrontiert sieht. Der Königsflügelangriff findet also auch heute nicht statt - er tauscht die Damen.

16.Db6 Dxb6 17.Lxb6 Te8 18.h4 d5! 19.exd5 exd5

huschenbeth 6

Gut, es ist klar, dass Weiß nichts aus der Eröffnung hat. Muss ja auch nicht immer sein. Mir gefällt aber ohnehin die zerzauste weiße Stellung am Königsflügel nicht besonders und die "Entwicklung" lässt auch zu wünschen übrig. Müsste ich wählen, wäre ich klar lieber Schwarz. Aber den nächsten Zug - den verstehe ich einfach nicht. Mehr noch - ich glaube, ich könnte ihn einfach niemals ausführen:

20.Sh5?! Ok, er wäre gleich vom Läufer auf d6 angegriffen worden und müsste eh fliehen, aber doch nicht nach h5! Er greift da nichts an, deckt nichts, steht angreifbar und dafür dem h-Bauern im Wege. God gracious me!

Das Einzige, was dem Weißen in den nächsten Zügen über die Runden hilft, ist die im Schach fast unendlich hohe Remisbreite - manchmal kann man so einen Trash halt folgenlos machen.

20...Ld6 21.Ld4 Le5 22.Lxe5 Sxe5 23.Le2 Sc4

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Klopf Klopf! Der Springer h5 will zurück ins Spiel. Wenn er nun 24.Sf4 macht, ist noch nichts passiert...

24.Txd5?! Nein! Zum Preise des Bauern wird der Kollege im Exil versauern gelassen - und bekommt noch Besuch.

24...Lb7 25.Lxc4 bxc4 26.Tf5 Te3 27.Tf1 Tae8

huschenbeth 8

Das ist das, was ich mit "Harmonie" meine. Wenn ich eine Variante sehe, in der ich am Ende meine Figuren so anordnen muss, betrachte ich sie nicht weiter, sondern verwerfe sie. Einige machen das anders, aber dafür muss man gut rechnen können...

In Sachen b-Note haben die weißen Artisten schon verloren. Allerdings macht der Mehrbauer die Stellung noch durchaus erträglich. Dieser sollte auch langsam mal ziehen, denn es droht Matt.

28.b4(?) Nein, doch nicht dieser. Ich bin sicher, dass dieser b-Bauer bestimmt nicht so schnell nach vorne schreiten und dem Kollegen das Feld c3 überlassen wollte. Aber... Es geht alles noch. Die Remisbreite im Schach... 28...c3 Wieder droht Matt.

29.a3? Zu den strategischen Fehlern kommt der taktische dazu - das wars jetzt aber endgültig.

Als ob die Natur der Stellung es quasi extra auf mich abgesehen hätte, fast alles, was ich vorhin gesagt habe, zu widerlegen, sollte ich aber hinzufügen, dass das Endspiel nach 29.a4! Te1+ 30.Txe1 Txe1+ 31.Ka2 Lc8! 32.Td5! Le6 33.Sf4 (endlich!) Lxd5+ 34.Sxd5 einfach total unklar wäre. Womit wir beim Unterschied zwischen subjektiven 20.Sh5?! und objektiven 29.a3? Fehlern angelangt wären und nicht weiter in die Tiefe gehen.

29...Te1+ 30.Txe1 Txe1+ 31.Ka2 Lc8! und Niklas hatte genug gesehen, hätte es aber dank des verlorenen Tempos (29.a3 statt 29.a4!) eh schwer gehabt, im Endspiel nach 32.Td5 Le6 33.Sf4 Lxd5+ 34.Sxd5 (und nun etwa 34...Kf8! oder auch 34...Th1!, sagt die Maschine) , noch etwas zu organisieren. 0:1

Huschenbeth - Alexandra Kosteniuk (2498), Aeroflot 2011 (8)

huschenbeth 9

Klar, mit 2/7 und nach 3 Niederlagen in Folge will man natürlich mal auch eine gewinnen. Es fing auch (wenig überraschend, aber gut) an mit 12.Lxf6 gxf6 13.Lxb5 axb5 14.Sxb5 Dc8 15.Sxd6+ Lxd6 16.Dxd6, wo der Rechner sofort die weißen Steine verwalten will. Die ehemalige Damenweltmeisterin verlor immer mehr die Kontrolle und Niklas spielte sich eine Gewinnstellung heraus, aber die Varianten waren nicht immer einfach zu finden. Darüber wollte ich auch gar nicht reden, sondern zeigen, wie sich die Endphase der Partie entwickelte:

huschenbeth 10

Niklas hat seinen Vorteil bis ins Endspiel gerettet. Der Bauernklumpen sieht extrem robust aus und sollte irgendwann die Ziellinie einlaufen. Frau Kosteniuk kann nur noch verstohlen auf ihren e-Freibauern hoffen, aber normalerweise kann der nicht weit kommen. Statt etwas Normalem wie 42.Tc1, was man in jeder Schnellschachpartie spielt, kommen nun 3 Hammer hintereinander:

42.Td4? e5 43.Th4 Sf6 44.g4

Mir fällt dazu nichts ein. Ich verstehe es nicht, wie man auf die Idee kommen kann, freiwillig seinen Turm auf h4 einzusperren? Das ist doch keine Harmonie!

44...Tg8 45.b6 Kd7 46.Th6 Tg6 47.Txg6 hxg6

huschenbeth11

Viel ist für Weiß nicht mehr zu holen, aber 48.g5! sollte man aus praktischer Sicht doch mal versuchen.

48.Kb5? Verbissenes Spiel auf Gewinn? Es empfiehlt sich aber, nicht das Quadrat des Bauern zu verlassen... 48...e4 Nun aber schnell zurück ins Quadrat! Der Rechner zickt nach 49.Kb4 zwar noch ein wenig rum, aber die weißen Bauern beschäftigen den schwarzen Chef noch lange genug und die Partie endet remis. Stattdessen...

49.c5?? Er schaltet einfach nicht mehr den Hebel um. Dabei hält der Springer die paar Bauern doch mit der Mütze auf. Wenn das "Wollen" sich über das "Denken" stellt... 49...e3 50.c6+ Kc8 51.Ka6 Sd5! 0:1

Wie weit kann man Negativrekorde eigentlich noch unterbieten? Über eine dünne, unterklassige mangelhafte, unwürdige Besetzung der Deutschen Meisterschaften beschweren wir uns alle ja schon lange und fleißig – zumindest solange ich mich für Schach interessiere. Ob Osterburg, Saarbrücken oder Bad Liebenzell – alles Meilensteine aus dem vergangenen Jahrzehnt, auf dem Weg zu weniger Preisgeld, weniger Prestige und weniger Begeisterung. Mit einer vorläufigen Krönung im letzten Jahr, als im von öffentlichen Verkehrsmitteln weitgehend unerreichbaren Bad Liebenzell neben der DEM ein großes offenes Open stattfinden sollte – wenn mein Gedächtnis mir keinen Streich spielt, mit Kapazität für bis zu 180 Teilnehmer. Es kamen 10 (davon etwa die Hälfte Profis aus dem Ausland). Wenn das mal kein Schlag ins Gesicht war… In den letzten Jahren lief es trotzdem irgendwie – zwar mehr schlecht als schlecht, aber immerhin. Das liegt daran, dass zu dem (über die Jahre hinweg sehr konstanten) Feld der 2300er bis 2400er, die sich über die Popel-Landesverbandsturniere qualifizierten, bedingt durch eine sehr großzügige Freiplatzpolitik immer noch eine 8-10 Mann starke GM/Jungtalent-IM-Spitze künstlich aufgesetzt wurde, die dann auch meist geschlossen den Preisfond unter sich aufteilen konnte. Natürlich insgesamt ein recht fragwürdige Praxis, den (jedes Jahr gleichen) „ehrlich“ Qualifizierten jedes Jahr die Termiten vor die Nase zu setzen, die ihnen immer wieder das Holz wegknabbern. Mich persönlich als Klein-Termit würde das ärgern, aber es wurde von der Allgemeinheit im Namen der Steigerung der Turnierqualität und des Zuschauerinteresses ganz gut hingenommen und vermutlich sogar begrüßt. Und die Qualifikanten aus den Landesverbänden, allesamt keine Profis, freuten sich auch bestimmt mal über die Gelegenheit, ein Remis gegen eine GM zu erzielen, oder wenigstens mit Würde zu verlieren.

Von daher war alles nicht so schlimm. Auf niederstem Niveau, aber die DEM siechte vor sich hin, so von Jahr zu Jahr. Es gab zwar noch weitere, eher weniger begrüßenswerte freiplatzpolitisch bedingte Auswüchse – zum Beispiel stellt sich mir die Frage, warum es bei der DEM 2009 in Saarbrücken für das Allgemeinwohl unumgänglich war, 4 Spieler aus dem Saarland mit ELO 22xx aus dem Saarland ins Teilnehmerfeld zu schleusen, aber solche „special cases“ fallen vielleicht auch nicht allen auf.

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Leider sind bedingt durch den sich aus der Zusammenlegung ergebenden Platzmangel im Männerturnier nur noch 30 statt der früheren ca. 45 Starterplätze verfügbar (zumindest ist das die offizielle Begründung und an ihren Wahrheitsgehalt zu glauben, erscheint mir zwar durchaus etwas naiv, aber die einzige andere Möglichkeit die sich mir erschließt, wäre eine absolute Benebeltheit der Verantwortlichen, die ich ihnen natürlich niemals vorwerfen würde!) und deshalb wird die Freiplatzpolitik in Bonn 2011 etwas gestutzt werden. Neben den 3-4 Spielern mit 2230 ELO aus Bonn, denen ich die Teilnahme ja durchaus noch gegönnt hätte, bekommen jetzt aber leider im Gegensatz zu den letzten Jahren etwa 8-10 Großmeister einfach mal keinen Freiplatz. Man hätte das Turnier zwar auch ganz GM-frei durchziehen können (die Vorzüge der Frauenmeisterschaft hätten dies mit Sicherheit mehr als wettgemacht), aber mit Jan Gustafsson, Daniel Fridman und Rainer Buhmann fanden sich am Ende doch noch Freiwillige, die sich bereit erklärt haben, den etwas faden aber doch sättigenden Preiskuchen aufzuessen. Kann ich durchaus nachvollziehen, ich hätte an deren Stelle ja auch nicht gefühlte 3000€ EV einfach in den Wind gehauen, hätte man mich gefragt. Wobei ich auch durchaus Verständnis für Georg Meier aufbringen kann, der eben keine Bereitschaft aufbringen konnte, sich in einem IBIS-Hotel an Amateuren die Hände schmutzig zu machen und seine Zahl zu ruinieren. Das muss letztendlich jeder selbst wissen, wie er das handhabt.

Es wird sich zeigen ob die genannten Drei auf ihrem Weg auf irgendeinen Widerstand treffen werden. Vielleicht wenigstens auf einen weiteren GM – wenn Titelverteidiger Niklas Huschenbeth, der zur Stunde beim Aeroflot-Open in Moskau weilt, bis dahin endlich seine 2500 zusammen hat.

Viel Spaß in Bonn, Freunde! Ich bleibe fern.

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Dienstag, 25 Januar 2011 01:52

Springerbömbchen

Vier Beispiele aus meiner jüngeren Praxis, wie ein einfaches Springeropfer in einem gut gedeckten Punkt plötzlich die ganze Verteidigung wie ein Kartenhaus zusammenstürzen lässt:

Ilja Schneider  - Alexander Onischuk, ECC Ohrid 2009

schnonischuk


Der US-Großmeister, der mich bis zu diesem Moment bereits überspielt hatte, hatte hier die freie Auswahl zwischen allem Möglichem (etwa 26...Df6!), aber nur nicht 26...Dc7?? 27.Dxc7 Txc7 28.Sxc5! (Das Thema des Beitrags) 28...Txc5 29.Txd4.


schnonischuk2

Und Weiß gewann die Figur zurück und später auch das Endspiel.

Vor einigen Tagen hatte ich fast den identischen Trick auf dem Brett, aber diesmal sollte es nicht sein:

Ilja Schneider - Eva Moser, Bundesliga Österreich (6) 2010/11

schnmoser

 

Geplant war hier vorher 22.Txd8 Txd8 23.Te1 mit Gewinn des Bauern e5, da nach 23...f6 ja 24.Sxe5 fxe5 25.Txe5 folgen sollte, in Analogie zur Onischuk-Partie. Zum Glück entdeckte ich noch rechtzeitig 25...Sd5 26.Lb3 Lc6, wonach Weiß einfach eine Minusfigur verwalten muss und spielte 22.Tfd1, aber zum Sieg reichte auch das nicht aus. Die Partie endete nach langem Kampf remis.

Schade, denn 2 Tage vorher hat es ja auch noch geklappt:

Ilja Schneider - Julian Geske, Bundesliga Österreich (4) 2010/11

schngeske

Stellung nach 24. - Kf8

Ich hatte nichts aus der Eröffnung herausholen können, stellte nun aber die Falle 25.Td3!? Julian nutzte prompt die Chance, endlich seinen Läufer von c8 zu entwickeln - und das mit Tempo!- und sollte es sehr schnell bereuen.

25...Lf5? 26.Sxc5! Diesmal ist der Zug schon eher ein Knaller und kam hier für meinen Gegner buchstäblich aus heiterem Himmel. Nun musste er sich entscheiden, welches der 4! schlechten Endspiele er wählen sollte:

a) 26...Lxd3 27.Sd7+ Ke8 28.Sxb8 Lxc4 29.bxc4 a5 30.Sc6 ist verloren

b) 26...Lxc5 27.Td5 Lxf2+ 28.Kxf2 Le6 29.Tc5 Lxc4 30.Txc4 macht auf keinen Fall Spaß und ist vermutlich verloren.

c) 26...Lxc5 27.Td5 Te8!? 28.Txf5 Te1+ 29.Lf1 Ld4 macht noch weniger Spaß, aber könnte vielleicht haltbar sein, bedingt durch die Ungleichfarbigen. Er sollte genau so spielen.

d) war die Partie. 26...Lxc5 27.Td5 Lb1. Er scheint sich an meinem Damenflügel gütlich zu tun, aber nach 28.Txc5 Lxa2 29.Tc7 Lxb3 30.Txf7+ Ke8 31.Th7! Tb6 32.Lxb3 Txb3 33.g3 nebst Schlagen auf h6 lautete der Konsens aller Anwesenden, dass das Turmendspiel vermutlich einfach verloren war, wie es am Ende nach weiteren schwarzen Ungenauigkeiten auch geschah. Schade für Geske, denn im 25. Zug führte jede normale Fortsetzung wie etwa 25...Ke7 zu purem Ausgleich.

Noch mehr geärgert haben dürfte sich aber mein Gegner aus der folgenden Begegnung, denn ich hatte schon fast die Finger an meiner Dame...

Christoph Frick - Ilja Schneider, Böblingen (7) 2010

schnfrick

 
Frick hatte gerade listig 25.f4 gezogen und wollte mich dazu provozieren, meinen Plan 25...Dg8 auszuführen. In der Tat scheint der Damentausch ja erzwungen, aber danach sollte sich die bessere schwarze Leichtfigur und die bessere Bauernstruktur im Endspiel doch durchsetzen. Oder? Was sagt eigentlich der "schlechte" weiße Springer dazu?

Jedenfalls konnte ich mich gerade noch zusammenreißen, zog 25...b6! und gewann die Partie später nach einem kapitalen weißen Schnitzer.

Mögen die Springerbömbchen explodieren!

Sonntag, 19 Dezember 2010 11:40

Look at the board please (I)

Werden wir durch die Schachprogramme und die zunehmende Flut an Trainingsmaterial (Bücher, CDs, DVDs, Online-Lektionen) eigentlich dümmer oder schlauer? Die Frage ist nicht unberechtigt, denn auch etwa erhöhter Umgang mit dem Internet fördert bei Kindern nachweislich Eigenschaften wie Schwächen beim ausdauernden Lesen oder fehlende Geduld/Konzentration. Wie ist es also beim Schach?
Zum Trainigsmaterial sage ich nur mal vorsichtig folgendes. Mittlerweile gibt es durch die sprunghafte Erweiterung des Marktes eine Unzahl von Büchern und DVDs zu ähnlichen Themen. Besonders bei Eröffnungen ist es so, dass sich diese nur zu oft genau widersprechen und dem Leser eine diametral unterschiedliche Sichtweise der Dinge vermitteln. Manchmal ist sogar der gleiche Autor für die Werke verantwortlich, wobei in Werk A eine tricky Nebenvariante aus weißer Sicht empfohlen wird, während im seriöseren Buch B ein nicht schwer zu findendes Gegengift platziert ist. Ich behaupte mal kühn:
Es gibt heutzutage fast keine (halbwegs sinnvoll anmutende) eröffnungstheoretische These,die nicht irgendwo propagiert wird.
Und jeder drittklassige Autor jedes Werks über jede x-beliebige drittklassige Eröffnung bombardiert seinen armen Leser mit spektakulären, ach so wichtigen Varianten, die schon seit Ende der 80-er niemand mehr spielt und versucht ihm das Gefühl zu vermitteln, dass seine Eröffnungsvarianten die wichtigsten und besten sind. Woher soll ann ein 1600er dann noch wissen, was er kaufen, was er lesen und was er noch spielen soll? Es entsteht  Verwirrung, gefährliches Halbwissen und Frustration und der gleiche Spieler, der einem noch im 10 Zug die gesamten verwirrenden Abspiele irgendeines sinnlosen Gambits vorbeten konnte, stellt vielleicht in Zug 12 eine Figur ein.
Es ist, wie auf der Schulbank oder in der Vorlesung neben einem Mädchen zu sitzen, die mit dem gelben Textmarker mindestens 90% des zu bearbeitenden Textes unterstreicht. So ein Vorgehen ergibt natürlich überhaupt keinen Sinn, denn wer alles unterstreicht, unterstreicht ja bekanntlich nichts, und weiß zuhause ja trotzdem nicht, was er lernen soll. (Ich hoffe, ich werde für diesen Text nicht von Stabilo verklagt, denn nach dem Genuss dessen werden jetzt bestimmt die Umsätze der Textmarker rapide in den Keller gehen).
Egal, kommen wir zur Eröffnungsvorbereitung mit Rybka&Co. Bei allen erdenklichen Vorteilen, die eine solche bieten kann (zähle ich jetzt nicht extra auf, weil jedem bekannt) kann man aber auch leicht vergessen, schlichtweg mal selbst aufs Brett zu gucken. Das Holzbrett steht ja meist eh nicht mehr daneben und auf dem Bildschirm kommt es heutzutage sowieso nicht darauf an, was man sieht, sondern wie es der Rechner tut. Mit Weiß suchen wir etwa hektisch nach einem +=0.27, mit Schwarz gegen Schwächere vielleicht sogar nach einem =+. Wenn wir dann diese magischen Symbole ersteinmal auf seinem Monitor erblickt haben, durchzuckt uns ein Adrenalinstoß, wir spüren vielleicht nach vielen Stunden Arbeit endlich eine geistige Befreiung... und hören an diesem Punkt einfach auf zu arbeiten und gehen zur Partie. Und dort passiert dann etwas wie das hier:
Ilja Schneider  - Paul Zwahr, Apolda 2010 (7)
Es war die letzte Runde des Apoldaer Opens und um nicht gerade mit 3 Mark 50 nach Hause zu fahren, musste ich unbedingt gewinnen. In so einer Lage war für mich während der Vorbereitung in der kurzen Mittagspause diesmal alles klar: Nach 1.d4 spielt er 1...Sf6 - also Trompowsky - Rechner zu, Affe tot. Mein Gegner hat sich dagegen etwas mehr Arbeit gemacht:
1.d4 Sf6 2.Lg5 Se4 3.Lf4 c5 4.f3 Da5+ 5.c3 Sf6 6.Sd2 cxd4 7.Sb3 Db6 8.Dxd4 Sc6 9.Dxb6 axb6 10.Sd4 e5 11.Sxc6 exf4 12.Sd4 Lc5 13.Sh3 Sd5 14.e4 fxe3 15.Lc4 Sb4?!

 zwahr 1a

Ich "kannte" an dieser Stelle nur die Wegzüge nach f6 und c7, aber nach ein paar Minuten erinnerte ich mich, dass jemand gegen mich auch schon mal nach b4 weggezogen war. Schon damals hatte ich erst nicht verstanden, was der Aufstand nach 16.0-0-0?! eigentlich bringen sollte, aber die kalte Dusche nach 16...d5! war damals nicht sehr angenehm. Irgendwann hatte ich also meine Gedanken wieder zusammen und zog so, wie ich meine damalige Partie verbessert hatte:

16.cxb4! Lxd4 17.0-0-0 Lf6?!

zwahr 1

Das kam blitzschnell, war also vermutlich (und es stellte sich später heraus) immer noch vorbereitet. In einer älteren Partie hatte Tromp-Experte McShane gegen Volokitin auch 16.0-0-0 gezogen, was Kommentator Postny in der Base nicht beanstandet hatte - also dürfte 16.cxb4 ja auch nicht kritsch sein. Überdies sieht es im Moment ja sowieso so aus, als könnte Schwarz erfolgreich seinen Bauern auf e3 behaupten - nach 18.The1 folgt einfach 18...0-0-0 und 19.Txe3? verliert wegen dem typischen 19...d5! 20.Lxd5 Lxh3 21.gxh3 Lg5 -+. Rybka ist für Schwarz total begeistert und zeigt sogar =+ -0.7 an... - allerdings auch nur ein paar Sekunden. Schnell wird dem Rechner klar, dass hier in Wirklichkeit nicht Weiß, sondern Schwarz denjenigen darstellt, der fast am Abnippeln ist. Es hat diverse Bauern- und Felderschwächen, unentwickelte Figuren und einen unrochierten König. Sein Bauernvorteil ist rein temporärer Natur, denn ich brauche nur ein paar taktische Tricks zu vermeiden, und der e3 wird fallen. Paul ist ein Spieler, der absolut stark genug, das alles selbst am Brett zu sehen und zu erkennen - aber er hat es gar nicht erst versucht, denn er meinte, diese Aufgabe dem Computer anvertrauen zu können. Zusammen mit einer sehr sorglos gewählten Rechenzeit von etwa 2-3 Sekunden nach 17...Lf6?! (17...b5!? gab noch ein paar Rettungschancen)  - danach ging er, wie er mir gegenüber zugab zum nächsten Thema über - ergab das eine absolut tödliche Mischung und die Bestrafung ließ nicht lange auf sich warten.
18.Sf4 0-0 (18...Lg5 wird sehr stark mit 19.Td4! gekontert - man bedenke, dass er ihn nicht angreifen kann!) 19.Sd5 Ld8 Er führte alle Züge nach langem Nachdenken und mit Kopfschütteln aus. Vermutlich verstand er nicht, wohin sein "Vorteil" so schnell verschwunden sein konnte. 20.The1 d6 21.Sxe3 b5 22.Lb3 Ta6 23.Kb1 Le6 24.Ld5 Lf6 25.a3! Td8 26.Tc1 Lxd5 27.Sxd5

zwahr 2

Die schwarze Stellung ist ein Bild der Trauer. Er durfte bis jetzt in dieser Partie kaum einen aktiven Zug machen. Nach 27...Tc6 28.Se7+! Lxe7 29.Txe7 d5 30.Txc6! bxc6 31.Tc7 gewann ich leicht das Endspiel. 10, höchstens 15 Sekunden mehr Rechnen oder selbst aufs Brett gucken hätten zumindest so ein Desaster leicht verhindert.
Leider mache ich es selbst nur allzuoft auch nicht besser.Mehr dazu im nächsten Teil

Wie immer fand am ersten Dezember-Wochenende die Deutsche Einzelmeisterschaft im Blitzschach statt. 31 Runden gegen 31 topmotivierte Gegner. Von einem kleinen 12h-Halbmarathon Ende Oktober abgesehen (dort mangelte es vielen Teilnehmern am Ende tatsächlich auch an Motivation), mein erstes "echtes" Blitzturnier seit dem Frühsommer. Da läge es doch nahe, sich vorher irgendwo wenigstens ein wenig einzublitzen. Aber wo?

Wer an dieser Stelle seinen Arm hebt und ruft: "Beim Vereinsabend natürlich! Bei uns sind beim Blitzen eigentlich immer rund um die 30 Leute da, beim freien Spielabend sind es auch oft noch 15 und in den Wintermonaten spielt die ganze erste Mannschaft fast geschlossen bei der Vereinsmeisterschaft mit!", dem kann ich nur entgegnen, dass er entweder beim Hamburger SK Mitglied ist, oder (wahrscheinlicher!) selbst lange, sehr lange nicht mehr Dienstags oder Freitags den Clubabend mit seiner Anwesenheit beehrt hat. Denn es ist einfach nicht mehr so wie früher.

Statt mich jetzt mit irgendwelchen Mitgliederzahlen herumzuschlagen oder zu diskutieren, ob und wie man hätte besser von der Dresdener Schacholympiade profitieren können, will ich lieber an einem ganz konkreten Beispiel die Todesgeschichte eines Schachvereins erläutern. Meines Schachvereins.

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Spassbaron - die feine Art etwas zu erleben

Im Jahre 2002 trat in den HSK-Post Hannover von 1876 ein. Es war der florierende Verein im Herzen Hannovers schlechthin. Einem ausgewogenen Spielstärkegefälle zwischen den Erwachsenen stand eine große, etwa 20 Kinder und Jugendliche starke Nachwuchsgruppe gegenüber. Ich wurde zusammen mit drei weiteren Neuzugängen im Bereich >= 2200 und etwa 10 weiteren neuen Vereinskameraden freudig begrüßt und eine der größten Sorgen bei der Mannschaftsbesprechung war es ironischerweise tatsächlich, ob es sich lohnen würde, eine fünfte Herrenmannschaft aufzumachen. Runderneuert kämpfte sich die erste Mannschaft, gerade aufgestiegen, durch die Oberliga Nord-West und sicherte sich nach einem spannenden Finale mit 16-2 Punkten einen Platz in der zweiten Bundesliga Nord. Durch die in den restlichen Mannschaften verteilten Leitfiguren und Verantwortungsträger des Vereins stellte sich der sportliche Erfolg auch dort ein, was am Ende vom Aufstieg von HSK 2 , HSK 3 und HSK 4 gekrönt wurde. Zwei absolute Highlights waren bei uns einmal das Monatsblitzturnier, wo 30 Teilnehmer und der eine oder andere 2200er im B-Finale keine Seltenheit waren, und weiterhin das 2 Mal im Jahr stattfindende HSK-Post-Open, welches schon mal mehr als 100 Teilnehmer auch von jenseits von Niedersachsen anzog und von unserem damaligen Vorsitzenden Florian souverän und charmant organisiert wurde. Die Jugendlichen bekamen gutes Training, qualifizierten sich in Scharen für die Deutschen Jugendmeisterschaften, stiegen, verstärkt durch ein neues Brett 1 :) in die Jugendbundesliga auf und wurden besonders beim Monatsblitzen hervorragend an den Vereinsabend und das Schach der "Großen" überhaupt herangeführt. Es bildeten sich Freundschaften, die bis heute erhalten geblieben sind. Für Betreuerplätze bei Jugendmannschaftsmeisterschaften gab es oft mehrere freiwillige Bewerber, bei Heimspielen im Verein schauten oft Erwachsene vorbei.... kurzum, DAS war ein Verein, wo das Leben wirklich Spaß gemacht hat.

Es vergingen ein, zwei Jahre. Noch war die Euphorie nicht abgeflaut. Noch war ich mir absolut sicher, beim besten Verein in Hannover Mitglied zu sein. Wir spielten mit Ach und Krach immer noch in der 2.Bundesliga und die Kids gewannen die Jugendbundesliga Nord nur nicht, weil die Jungs von Ricklingen bisher einfach älter und cooler waren als wir. Aber wir wussten, unsere Zeit würde kommen, nur halt ohne mich, weil ich langsam aber sicher zu alt für den Spaß wurde. Doch, fast wie damals zu Zeiten des Römischen Imperiums setzten bereits leichte Zeichen des Verfalls ein.

Die jungen, dynamischen Männer, die mit mir in den Verein eintraten liefen alle überraschenderweise attraktiven Frauen über den Weg und hatten plötzlich für alles Augen, nur nicht für die Dame auf dem Brett. Schach.de nahm seinen Betrieb auf und die Perfektionisten unter uns, die sich ihr Leben lang immer ärgern, warum sie niemals ihre sorgsam einstudierten Hauptvarianten aufs Brett bekommen, hatten eine Möglichkeit, ihr Glück an einer anderen Stelle zu versuchen. Die Jugendlichen wurden mit der Zeit mehr und mehr in der Schule gefordert. Tests, Klausuren, Referate fürs Zentralabitur. Eine neue Generation vielversprechender Kinder kam leider trotz intensivster Bemühungen von unserem Jugendwart Matthias nicht nach. Ihm fehlte für sein titanisches Werk in großem Maße der Rückhalt und die Unterstützung aus dem Verein, und wenn doch, dann wurde diese viel zu zaghaft und zu alibi-mäßig ausgeführt. Die Kinder lösten die von Matthias mitgebrachten Aufgaben, aber sie taten es nicht aus Interesse am Schach, sondern wegen Matthias' Süßigkeiten, oder weil die Eltern sie zum Training zerrten oder teilweise sogar danebensaßen. Waren sie mit den Aufgaben fertig, spielten sie nicht etwa Schach, sondern fangen oder mit Spielzeugpistolen. Der arme Matthias konnte sich nicht aller annehmen und die älteren Jugendlichen (angeführt von mir) griffen nicht ein, sondern setzten mit dem unsäglichen Tandemspiel nur noch ein verderbliches Beispiel für die Kleinen. Wieviele Holzsätze durch das Sch...Tandem in dieser Zeit vermischt und zerstört und wieviel Geld das effektiv den Verein gekostet hat, will ich lieber nicht genau wissen. Wenn alle Kinder endlich abgeholt waren, war es zwar himmlisch leise und friedlich, aber der Anblick der überall im Raum  zerworfenen und verteilten weißen und schwarzen Holz- und Plastikfiguren und der Bonbonverpackungen ließ ein Gefühl höchster Unbefriedigung und Frustration aufkommen, so dass man am Liebsten kotzen würde. Der Geruch in den Toilettenräumen des Post-SV-Vereinsheims tat dazu sein Übriges. Der Tod der sympathischen Gastwirtin Frau Asche, die von einem neuen Wirt/Koch in Personalunion ersetzt wurde, der den Charme eines arabischen Henkers besaß, machte auch den Aufenthalt in der Vereinsgaststätte nicht wirklich attraktiver.

Die Senioren wurden in der Zeit auch nicht jünger und auch die aktiveren von ihnen klickten sich oft aus dem Blitzturnier aus und spielten in der Ecke zu zweit, zu dritt vor sich hin. In diesem Moment sind sie zwar noch physisch da, aber vom Sozialen her für die Gemeinschaft natürlich schon halb verloren. Ich persönlich entdeckte gerade in dieser Zeit die Faszination Schnellschach für mich und sah es manchmal nicht ein, warum ich am Freitag erscheinen soll, wenn mir doch auch Samstag und Sonntag ein volles Wochenende Schach bevorsteht. Meistens aber irgendwie schon. Man war ja noch jung und frisch.

Aber trotzdem. Der Vereinsabend wurde leerer. Und nicht mehr so konzentriert wie vorher. Wurden früher fleißig Partien des vergangenen Wochenendes diskutiert und analysiert, begnügte man sich nun ein paar oberflächlichen Partiechen als "lästige Tagespflicht", bevor man den Unterhaltungs- und Erzählteil des Abends einleitete, der dann oft mal in irgendeiner Kneipe endete. Ich erinnere mich persönlich an sich gern an diese Zeit (besonders weil man die weniger beliebten Personen einfach im Verein lassen konnte ) und will dieser weder missen noch in großem Stile kritisieren. Es taten eben alle das, was sie in diesem Moment für sich selbst am Nützlichsten und Angenehmsten empfanden. Ich erinnere mich genau an diesem Wechsel in meinem Kopf. Früher, mit 17-18 dachte ich: "Jetzt bist du Freitag schon hierhergekommen, dann habe was davon und bleibe möglichst lange hier und spiel Schach!" Später, mit 19-20 hieß es eher: "Hm, es ist Freitag Abend. Ich bin im Schachverein, wo viele langweilige Menschen sind. Ich habe jetzt die Chance, mit ein paar mir sympathischen was trinken zu gehen. Was mache ich also noch hier?" Keine Frage, schwer mich da irgendwo zu kritisieren, aber das Ende des Vereins wurde durch eine Art solchen Verhaltens eingeleitet. 

Und das Ende kam schneller als man denkt. Die Abwärtsspirale drehte sich immer schneller. Einzelne vergebene kampflose Punkte wurden durch 0:8-Niederlagen wegen Nichtantritt abgelöst. Die Jugendtrainingsgruppe löste sich auf. Einige Mitglieder verließen Deutschland, viele alte und auch potentiell neue Mitglieder suchten sich, verschreckt vom immer noch bei uns innewohnenden Leistungsprinzip im Verein in Hannover eine neue Bleibe oder kamen vom Schachspiel ganz ab.  Matthias' Kindergruppe dezimierte sich deutlich und Talente, die irgendwann die Herrenabteilung verstärken würden, waren mit Felix und Anthony zwar durchaus da, aber konnten die zahlenmäßigen Verluste bei den Herren nicht wirklich wettmachen. Irgendwann musste die vierte Mannschaft dann dran glauben, später auch die dritte. Die Seniorenabteilung, durch den Tod eines sehr wichtigen und geehrten Mitgliedes eh geschwächt, hatte, nachdem wir beim Clubabend monatelang nur noch Pokerkarten und -chips statt Schachfiguren ausgepackt haben, irgendwann auch keine andere Chance, als einfach zu fliehen. Das herrenausstatter.dewar etwa Anfang 2007.

Doch das Krebsgeschwür des Vereins wucherte weiter und befiel immer mehr lebenswichtige Funktionen. Das Blitzturnier, welches unter meiner Leitung sich von einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von 10 auf 6 zurückentwickelt hatte wurde genauso gestrichen, die das ein Jahr vorher im Rahmen einer populistischen Aktion aus dem Boden gestampfte Schnellturnier. Da war auch schon gar nicht mehr aktiv im Verein, weil ich mich 2005 nach Berlin abgesetzt hatte, trotzdem schaute ich mir das Leid als passives Mitglied noch lange Zeit an. Der Vereinsabend wurde auf jeden zweiten Freitag beschnitten "damit sich die Leute, die kommen, und niemanden vorfinden, keine Frusterlebnisse holen" und später perverserweise ganz fallen gelassen. Irgendwann war dann auch die zweite Mannschaft des ehemals so stolzen HSK nicht mehr kampfbereit.... Das HSK-Post-Open durfte da auch schon (Hauptverein sei Dank!) nicht mehr stattfinden, weil bei der letzten Auflage Mitte 2008 irgendein Minderbemittelter sämtliche Pissoirs mit Papier verstopft haben soll, was angeblich zu einem vierstelligen Schaden geführt habe, so die Post-Vereinsleitung. Ob die uns nicht in Wirklichkeit nur loswerden wollten? Für die Gaststätte waren wir Schachspieler jedenfalls nie der große Hauptgewinn, auch zu Glanzzeiten nicht. Wir trinken lieber aus der mitgebrachten Thermoskanne, als uns an der Theke einen frischen Kaffee zu bestellen. ..

Lange Rede, kurzer Sinn. Den Hannoverschen SK gibt es nicht mehr. Er ist seiner kurzen, aber schmerzhaften leidvollen Krankheit erlegen, lebt aber immerhin noch in den Herzen als Junior-Partner des HSK-Lister Turm weiter. Etwa 20 treue Mitglieder hat man hinüberretten können, der Rest hat sich in alle Winde zerstreut. Wie gesagt, ich habe versprochen, mich nicht zu beschweren oder gar die "neue, technisierte Ära" zu beklagen, in der der Besuch einer so antiquierten Institution wie des Vereinsabend einfach nicht mehr zeitgemäß ist, oder womöglich die Existenz der Schachserver, die den Leuten nachhaltig die Lust auf echte Schachfiguren aberziehen. Nein, ich möchte eigentlich nur feststellen, dass ich sicher bin, dass eine solche Todesgeschichte eines Vereins, die ich so hautnah miterlebt habe, sich überall in Deutschland abspielen könnte und vermutlich auch regelmäßig passiert. So, dass ich befürchte (um auf die Ausgangsfrage zurückzukommen), dass es in Zukunft einfach immer schwieriger werden wird, sich irgendwo gepflegt auf ein Turnier einzublitzen. Wenn das passiert, wovon ich ausgehe (und ich habe im Moment auch keine Gegenlösung anzubieten), wird der Vereinsabend in 15-20 Jahren nur noch eine warme, muffige Erinnerung aus den Jugendzeiten sein. Solange es aber wenigstens Turniere gibt, weiß ich gar nicht, ob es einen solch großen Grund zur Trauer darstellt. Mich richtig auf eine Partie oder eine Analyse zu konzentrieren, wenn es in Wirklichkeit um nichts geht, kann nämlich mittlerweile gar nicht. Und es geht so gut wie allen so. Man kann Freitags auch etwas anderes unternehmen, als schlecht und unkonzentriert Schach zu spielen.

Mittwoch, 05 Mai 2010 21:43

Ausgleich!

{showChessDiagram}r2qr1k1/1ppb1ppp/3p4/p2P4/Pn6/4P1P1/1PNQ1PBP/R4RK1 b - - 0 17{/showChessDiagram}

Schachfans, die sich in diesen Tagen sehnlichst einen möglichst langen Kampf wünschen, am liebsten inklusive Tiebreak gipfelnd in einer Blitzpartie, die über den Titel entscheidet, wurden am Dienstag erhört. Nach einem langen Endspiel gelang Topalow endlich erstmals seit der ersten Partie wieder ein, wenn auch am Ende glücklicher Sieg, mit dem er seinen Aufwärtstrend, beginnend ab der fünften Partie, vorläufig krönen konnte. Anand behandelte dieses Endspiel, wie die Analyse zeigt, allerdings auch erschreckend schwach. Das Match ist nun bei vier ausstehenden Partien augenscheinlich total offen und wir können uns, selbst wenn überraschend einer der beiden zusammenbricht, auf mindestens drei Partien spannendes Schach freuen.

Topalow - Anand (8)

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4 5.a4 Lf5 6.Se5 e6 7.f3 c5 8.e4 Lg6 9.Le3 cxd4 10.Dxd4 Dxd4 11.Lxd4 Sfd7 12.Sxd7 Sxd7 13.Lxc4 Tc8

Und täglich grüßt das Murmeltier! Wieder hält Topalow Anands etwas passiven Slawisch-Aufbau für stürmbar und weicht nicht ab. Wieder ist der Inder bereit, die etwas schlechtere schwarze Stellung zu verteidigen. Diesmal will er allerdings wenigstens nicht wieder zu einem Aufbau mit dem hässlich aussehenden ...Tg8 verdonnert werden und wählt mit 13...Tc8 einen Aufbau, in dem der weiße Läufer c4 abgetauscht wird, wodurch Schwarz, schneller zu ...f7-f6 kommen kann, weil e6 nicht hängt. Der Nachteil ist dabei die Königsstellung.

14.Lb5 a6 15.Lxd7+ Kxd7 16.Ke2

Schwarz leidet hier nicht so sehr an einer schlechten Struktur, sondern schlicht an der fehlenden Zeit, seine Entwicklung zu beenden. Er braucht noch drei Züge - ...f6, Ld6 und Ke7, um sich vollständig zu mobilisieren. Er schafft aber zu seinem Leidwesen im Moment nur zwei davon.

16...f6 17.Thd1 Ke8

Nach dem erwünschten 17...Ld6? gewinnt 18.e5! bereits Material.

18.a5N

Partie8-18-a5

18...Le7?!

Was war hier mit der weltmeisterlichen Vorbereitung los? 18.a5 ist zwar formell eine Neuerung, aber sollte doch keinesfalls eine Überraschung sein? Jedenfalls waren hier wohl zwei Möglichkeiten vorzuziehen:

a) 18...Tc6!?, mit der Idee, den Läufer aktiver nach d6 zu stellen, drängt sich schon deshalb auf, weil es vom großen Garri Kasparow favorisiert wurde.

b) 18...Lb4! mit der Idee eines Schein-Turmopfers nach 19.Tac1 Ke7 20.Sa4 Le8! 21.Txc8 Lb5+ und Schwarz übernimmt die Initiative.

Nach der passiven Fortsetzung Anands entwickelt sich das Spiel im Sinne des Weißen.

19.Lb6 Tf8 20.Tac1 f5

Er muss es tun, denn - wie auch schon Jörg Hickl und mir bei der Liveübertragung aufgefallen war - Schwarz kann seinen komischen Knäuel nicht mehr ohne Preisgabe eines der Felder d7 oder d8 entwirren.

21.e5

Natürlich begnügt sich Topalow nicht mit einer unbedeutenden Schwächung der schwarzen Bauernstruktur nach 21.exf5 Txf5 auf, denn im Gegenzug erwachen die schwarzen Läufer.

21...Lg5

Hungrig nutzt der Läufer die ihm gebotene Freiheit.

22.Le3 f4?

Partie8-22-f4

Das ist umso schwerer nachvollziehen, dass es sowohl positionell als auch taktisch doch einige Mängel aufweist. Natürlich musste er hier 22...Lxe3 23.Kxe3 f4+ wählen und wie die Theorethiker zeigten, ist das Endspiel nach 24.Kd4! Ke7 25.Se4 Lxe4 26.Kxe4 g5 haltbar für Schwarz - auch wenn ich verstehen kann, warum man auf den ersten Blick anderer Meinung sein kann.

23.Se4!

Hatte Anand diesen Trick etwa übersehen?

23...Txc1 24.Sd6+ Kd7

Topalow schätze bei der anschließenden Pressekonferenz seine Stellung nach dem Springerschach auf d6 als beinahe gewinnbringend ein. Möglich, dass diese Einschätzung etwas zu optimistisch ausgefallen ist.

25.Lxc1 Kc6 26.Ld2?!

26.Td4 hatte durchaus seine Reize- bereitet nicht nur eín Schahc in der c-Linie vor, sondern nimmt auch sofort den Bauern f4 auf den Radar.

26...Le7 27.Tc1+ Kd7 28.Lc3?

Hier stöhnten alle Kommentatoren dieser Welt laut auf. Warum tut er das? Nach Meinung praktisch aller hätte das logische 28.Lb4 einen deutlich größeren Vorteil versprochen.

28...Lxd6 29.Td1 Lf5 30.h4!

Im bevorstehenden Endspiel wird die schwarze Schwäche auf f4 Topas einziger Trumpf sein.

30...g6?

Die Ursache der Schwierigkeiten. Er will doch eh die Türme tauschen?! Dann zieh doch gleich 30...Td8!

31.Txd6+ Kc8 32.Ld2! Td8 33.Lxf4 Txd6 34.exd6 Kd7

Ein spannendes Läuferendspiel ist entstanden. Die entscheidende Frage ist die, ob es dem weißen König gelingen wird, auf den Königsflügel zu gelangen und dort einen zweiten Freibauern zu organisieren. Guckt man sich auf dem Markt der angebotenen Kommentare um, so scheint die vorläufige Antwort auf diese Frage ein "Nein" zu sein. Aber dieses Endspiel wird die Menschen noch sehr lange beschäfitgen!

35.Ke3

Partie8-35-Ke3

35...Lc2 36.Kd4 Ke8 37.Ke5 Kf7 38.Le3 La4 39.Kf4 Lb5 40.Lc5 Kf6 41.Ld4+ Kf7

Er traut sich nicht, zu der prinzipiellen Alternative 41...e5!? zu greifen, die auf Kosten eines weiteren Bauern die wichtige Diagonale c8-h3 aufmacht und auf diese Weise die Infrastruktur der schwarzen Stellung verbessert. Im Prinzip sollte sich Vishys Wahl ja auch als richtig erweisen, im Prinzip...

42.Kg5 Lc6 43.Kh6 Kg8 44.h5 Le8!

Bietet dem Gegner freundlich an, den Schwächling auf h7 wegzutauschen. Der Bulgare lehnt genau so freundlich dankend ab.

45.Kg5 Kf7 46.Kh6 Kg8 47.Lc5 gxh5

Er muss wegen Zugzwangs zugreifen, aber der Rückgewinn des Bauern wird den weißen Monarchen einige Stücke Gelände kosten.

48.Kg5 Kg7 49.Ld4+ Kf7 50.Le5 h4! 51.Kxh4 Kg6

Hier hätte die Partie im Prinzip vorbei sein können. Remis! Wie um alles in der Welt soll Weiß zu einem zweiten Freibauern kommen?

52.Kg4 Lb5 53.Kf4 Kf7

Beileibe nicht falsch, aber warum dem Weißen wieder den Raum anbieten?!

54.Kg5 Lc6??

Partie8-54-Lc6

Das ist aber wirklich ziemlich hart - so viele Verlustzüge hatte Anand hier nicht zur Wahl. Er "findet" einen davon aber mit schlafwandlerischer Sicherheit. Die vorherige Knetarbeit Topalows findet doch noch Früchte!

Der Trick liegt darin, dass nun der für einen Moment passivierte Läufer nicht mehr dazu kommen wird, den Bauern h7 zu verteidigen. Nötig war hier einer der Züge wie 54...Ke8 oder 54...Ld3, um dann nach 55.Kh6 einfach nichts mehr zu machen und nur noch zu reagieren. So ist aber der schwarze König für immer und ewig vom Freibauern d6 abgelenkt und es genügt, den weißen König nach e7 zu bringen...

55.Kh6 Kg8 56.g4 1-0

Für den Geschmack vieler Zuschauer, die eine Auflösung dieses Schach-Krimis sehen wollten, warf hier der Inder zu früh das Handtuch. Ich dagegen kann seine Entscheidung voll nachvollziehen - er wusste bereits genau, was ihn erwartet und wollte diese, von ihm phasenweise schwach gespielte Partie nicht mehr sehen.

Weiß hätte sich andernfalls im Folgenden leicht das Feld f6 für den König freigekämpft mittels 56...Ld7 57.g5 Lc6 58.Lg7! (touche!) 58...Le8 59.f4 (Zugzwang) 59...Ld7 60.g6 hxg6 61.Kxg6 nebst Kf6, Lh6 und dann wird der traurige schwarze Läufer ein Opfer der Freibauern.

Topalow - Anand (3)


1. d4 d5

Anand weicht wohlweislich von seinem Gründfeld-Inder aus der ersten Partie ab. Ich bin sicher, der Bulgare hätte dort für ihn noch viele weitere kleine "Souvenirs" bereitgehalten.

2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 dxc4

Echtes Slawisch! Nicht gerade eine echte Spezialität Anands bisher.

5.a4 Lf5

Da Anand in diesem Wettkampf anscheinend beschlossen hat, den von ihm besiegten Kramnik zu kopieren, wäre hier auch 5...e6 in Frage gekommen. 

6.Se5 e6 7.f3 c5

Schade, dass uns die beiden nicht das superscharfe 7...Lb4 8.e4 Lxe4 9.fxe4 Sxe4 10.Ld2 Dxd4 usw. vorführen wollen.

8.e4

Laut Kollege Löffler ist an dieser Stelle 8.dxc5!? giftig. Nach 8...Dxd1+ 9.Kxd1 Lxc5? ist nämlich 10.g4 Lg6 11.h4 stark. Schwarz muss also 9...Sbd7 spielen.

8... Lg6 9.Le3 cxd4 10.Dxd4 Dxd4 11.Lxd4 Sfd7

Genau mit diesem Springer, der auf f6 wirklich überhaupt nichts mehr zu tun hat.

12.Sxd7 Sxd7 13.Lxc4 a6

Diese Stellung stand schon im Wettkampf zwischen Topalow und Kramnik in Elista 2006 in der 6.Partie auf dem Brett. Damals zog Toppy 14.Ke2, diesmal

14.Tc1 Tg8!

...aber die Antwort war die gleiche. Wishladimir Anandnik deckt vorsorglich den Bauern auf g7 und bereitet die Entwicklung des Läufers f8 vor. Anschließend soll der König nach e7 gehen, den Bauern e6 decken und auf diese Weise den Zug f6 ermöglichen und auch den Läufer auf g6 befreien. Ein zugegebenermaßen sehr langer und schwerfälliger Plan, der in dieser Partie aber, wie auch übrigens damals in Elista und auch in vielen GM-Partien dazwischen einwandfrei funktioniert hat. Warten wir aber erstmal ab, was Toppys Vorbereitung war. Was erhofft er sich von dieser Stellung, wieso wiederholt er ein fast totes Remis?

15.h4 h6

Der deutsche Vorzeige-GM Jan Gustafsson wählte an einer sehr ähnlichen Stelle das Vorgehen mit ...h5.

16.Ke2 Ld6 17.h5 Lh7 18.a5

Partie3-18-a5

Das ist in der Tat ein kleines Rosinchen der Topalowschen Vorbereitung. Er engt den schwarzen Damenflügel etwas ein, aber zu welchem Preis?! Die Frage, was er in Wirklichkeit vorhat, wenn Vishy den kecken Bauern einfach mal mittels 18...Lb4!? befragt, beschäftigte lange Zeit die Kiebitzcommunities. Die Auflösung lautet anscheinend, dass daraufhin mit 19.Sb5! ein Springer geopfert werden sollte. Das Opfer sieht auf den ersten Blick so dämlich aus, dass man gar nicht weitergucken will, aber nach 19...axb5 20.Lxb5 ist das gierige 20...Lxa5? einfach wegen 21.Lc5! sehr schlecht. Wo allerdings genau der weiße Vorteil nach 20...Txa5 21.Lxd7+ Kxd7 22.Thd1 und nun ein Zug des Turms auf ein weißes Feld, weg vom EInflussbereich des weißen Ld4, also etwa 22...Tb5, vergraben ist, weiß ich auch nicht. Rybka postuliert jedenfalls 23.Le5+ und Dauerschach. Oder meintetwegen auch 23.Lc5+ Ke8 24.Lxb4 Txb4 25. Tc7 mit Kompensation für die Figur, aber keinesfalls mehr. Trotzdem natürlich eine hübsche weiße Idee. Dem geneigten Betrachter wird allerdings schon aufgefallen sein, dass sich Anand in diesem Match anscheinend nicht auf solche Spirenzchen einzulassen gewillt ist. Daran wird sich Topalow in den nächsten Tagen (leider) noch kräftig die Zähne ausbeißen... Wie auch hier. Ich bin sicher, nach

18... Ke7

...hat er ersteinmal innerlich kräftig geflucht. Wieder zwei, drei Nächte umsonst gearbeitet.

19.Sa4 f6

Und wieder. Über 19...Lxb4 denkt Vishy scheinbar einfach nicht nach. Er könnte auch ein Schildchen auf seinen Tisch stellen mit der Aufschrift :

"Nehme keine Geschenke an. Bitte nicht füttern."

20.b4 Tgc8

Das schwarze Verteidigungssetup ist installiert. Weiß kommt mit seinem Raumvorteil nicht voran, da jedes Vorankommen nur über massenhafte Abtäusche zu erzielen ist. Sonst kann Weiß aber seine Stellung nicht mehr wirklich verbessern, während der Gegner dies immer noch droht (21...Lg8 mit der Drohung des Einschlags auf c4. Bevor er das abwehren muss, legt der Bulgare selber los.

21.Lc5

Die Experten rechneten mit einer Landung des Springes auf c5, die wäre aber fast genau so harmlos.

21... Lxc5! 22.bxc5 Tc7 23.Sb6

Partie3-23-Sb6

Achtung Falle! Wenn Vishy nun denkt, er kann mit 23...Sxb6 24.cxb6 Tc5 einfach den Bauern auf a5 abgrasen, dann kommt das diabolische 25.Lxa6!! und Schwarz kann bereits die Klinke reichen. Doch abermal nimmt Anand keine Geschenke in Form von Bonbons, Bauern oder hölzernen Pferden an.

23...Td8

Weiß kommt einfach nicht weiter. Der Versuch 24.Lxe6? Kxe6 25.Thd1 scheitert an 25...Lg8 26.Td6+ Ke7 und der Läufer verhindert die Springergabel auf d5.  

24.Sxd7 Tdxd7 25.Ld3 Lg8 26.c6 Td6

Noch ein vorsichtiger, wenngleich an dieser Stelle auch nicht mehr einziger Zug.

27.cxb7 Txb7

"There is already not much to fight for". Die Schwäche auf a6 ist eher theoretischer Natur und nachdem der schwarze Läufer gleich erstmal befreit ist, ist er auch nicht schlechter als sein weißer Kollege.

28.Tc3 Lf7 29.Ke3 Le8 30.g4 e5 31.Thc1 Ld7 32.Tc5 Lb5 33.Lxb5 axb5

Partie3-33-axb5

Andere Großmeister hätten sich allerspätestens hier mit remis zufrieden gegeben. Doch Topalow will noch dem Publikum demonstrieren, dass seine Ankündigung, nach Sofia-Regeln zu spielen, tatsächlich ernst gemeint war. Nur hat er dazu eine wirklich langweilige Gelegenheit ausgesucht.

34.Tb1 b4 35.Tb3 Ta6 36.Kd3 Tba7 37.Txb4 Txa5 38.Txa5 Txa5 39.Tb7+ Kf8 40.Ke2 Ta2+ 41.Ke3 Ta3+ 42.Kf2 Ta2+ 43.Ke3 Ta3+ 44.Kf2 Ta2+

Hier hätte es auch schon zur Reklamation gereicht.

45.Ke3 Ta3+

Statt Anand in die Augen zu schauen und darauf die Hand zu schütteln, sprang Topalow auf und holte den Schiedsrichter, um seinen nächsten Zug anzukündigen, damit der das Offensichtliche offiziell besiegelt.

46.Kf2 remis

Keiner machte Anstalten, dem anderen die Hand zu geben. Topalow gab später zu, dass er es vergessen habe. Anand hatte die Lacher auf seiner Seite, als er mit folgenden Worten auf Unwissen plädierte: "Vielleicht muss man ja jetzt dem Schiedsrichter die Hand geben."

Ich hoffe inständig, so eine Partie bleibt für dieses tolle Match "einzigartig". Schon an diesem Mittwoch haben die beiden die Chance uns davon zu überzeugen. Um 14 Uhr erhält Anand die weißen Steine und wird vermutlich gerne noch einmal die katalanische Richtung einschlagen. Ob Topalow da mitmacht, werden wir bald erfahren.

Topalow – Anand (1)

Ich hatte versprochen, die erste Partie live zu kommentieren. Wir bekamen kurzfristig eine Einladung, zu der ich schlecht nein sagen konnte. Gegen 18 Uhr, also nach etwa zwei Stunden Spiel sollten wir zurück sein. In dem soliden Slawisch, das ich erwartete, würde bis dahin nichts allzu Entscheidendes passiert sein, dachte ich mir. Zumal Topalow Kampf bis zum letzten Bauer angekündigt hatte, hätte ich dann immer noch genug zu tun. Also bat ich Topschach, vorübergehend das Kommando zu übernehmen. Dass auch der Herausgeber der Schachwelt, Jörg Hickl online war, erwies sich als hilfreich. Denn als ich dann kurz nach 18 Uhr den Computer einschaltete, war mein Erstaunen groß. Partie vorbei. Anand geschlagen. Und wie!

1.d4 Sf6 2.c4 g6

Weder Slawisch noch Damenindisch, sondern…

3.Sc3 d5?!

…Grünfeld. Kamsky fuhr im Kandidatenfinale gegen Topalow gut damit und holte damit zwei Remis. Aber das ist 14 Monate her, und der Bulgare und sein Team waren nicht untätig. Außerdem erinnern wir uns, dass Kasparow 2000 in London in seiner ersten Schwarzpartie gegen Kramnik ebenfalls Grünfeld spielte, unterging, die Eröffnung nicht wiederholte und in den nächsten Tagen erheblich zu tun hatte, etwas anderes mit Schwarz vorzubereiten. Im Nachhinein ist es natürlich leicht, Anands Wahl zu kritisieren. Dabei kann man sich denken, dass der durch Figurenspiel gekennzeichnete Grünfeldinder Topalow liegt. Er hat ja auch schon einige hübsche Siege dagegen errungen…

4.cxd5 Sxd5 5.e4 Sxc3 6.bxc3 Lg7 7.Lc4 c5 8.Se2 Sc6 9.Le3 0–0 10.0–0

…etwa in der Qualitätsopfervariante 10…Lg4 11.f3 Sa5 12.Ld3 cxd4 13.cxd4 Le6 14.d5 Lxa1 15.Dxa1. In den letzten Jahren kam, u.a. durch Swidler…

10...Sa5 11.Ld3 b6

…in Mode. Nimmt Weiß den Bauern, kriegt Schwarz Spiel auf der c- und d-Linie und viele schöne Felder für seine Figuren. Topalow opfert lieber selbst einen Bauern…

12.Dd2 e5 13.Lh6

Nicht bewährt hat sich das natürlich ausschauende 13.d5 f5, und Schwarz ist bereit zu f5-f4.

13...cxd4 14.Lxg7 Kxg7 15.cxd4 exd4

vorTac1

…wie er es schon gegen Kamsky tat, als er hier sofort mit 16.f4 fortsetzte. Sein nächster Zug ist nicht neu, sondern wurde bereits in Karjakin – Carlsen, Foros 2008, gespielt.

16.Tac1 Dd6

Carlsen kam mit 16…Lb7 zu einem remis, aber das scheint mir anrüchtig. Nach 17.f4 nebst f5 droht f6, und wenn Schwarz selbst f6 zieht, zieht der weiße Springer nach f4 und droht kräftig auf dem nicht mehr vom Läufer kontrollierten e6 einzusteigen. Bis hier zogen beide a tempo.

17.f4 f6 18.f5 De5?

Ist es wirklich nötig, den e-Bauern zu blockieren? Nach 18...Sc6 19.Lb5 Se5 20.Dxd4 hat Schwarz keinen Ausgleich. Was spricht gegen 18…Ld7 nebst Erleichterungsaktionen auf der c-Linie? Vermutlich war Anand darauf 19.La6 unangenehm.

19.Sf4 g5

Nach 19...Ld7 20.Tf3 kommt Schwarz um 20...g5 sowieso nicht herum.

20.Sh5+ Kg8

Auf h8 steht der König noch ungemütlicher, wenn Weiß wie in der Partie fortsetzt und den Turm auf die dritte Reihe schwenkt.

21.h4 h6 22.hxg5 hxg5 23.Tf3!

Der Turm droht nach h3 oder g3 zu schwenken. Topalow hatte bis hier kaum nachgedacht, während Anand nun in längeres Grübeln verfiel. Verständlich, denn nach dem naheliegenden 23...Ld7 24.Tg3 Tfc8 sieht das Opfer 25.Sxf6+ Dxf6 26.Te1 brandgefährlich aus, z.B. 26….Sc6 27.Txg5+ Kf8 28.Tg6 Dh8 29.Th6 Dg7 30.f6 Dg8 31.Df4 und Weiß gewinnt. Nach dem Textzug schlägt das Opfer aber erst recht und sofort durch.

23…Kf7

vorSf6

Vermutlich glaubte Anand, auf diese Weise Zertrümmerungsopfern auf f6 oder g5 zuvorzukommen, aber trotzdem:

24.Sxf6!

Das Tempo, in dem Topalow spielte, weckt den Verdacht, dass er hier zumindest in groben Zügen noch seiner Vorbereitung folgen konnte. Wenn Anand auf einen Überraschungseffekt durch Grünfeld zählte, ist er gründlich nach hinten losgegangen.

24...Kxf6

Auch 24...Dxf6 ist nicht besser: 25.Th3 Kg8 (oder 25...Ke8 26.e5) 26.e5 Dxe5 27.Dxg5+ Dg7 28.Dh4 und gegen 29.Tg3 ist nichts Ausreichendes zu erfinden.

25.Th3 Tg8

Auf 25...Ld7 26.Th6+ Kf7 27.Dxg5 Tg8 28.Th7+ Tg7 (oder 28...Kf8 29.Dh6+ Ke8 30.Dh5+ Kd8 31.Df7) entscheidet elegant 29.Tc7!, und 25...Df4 wird mit 26.e5+! Kxe5 (oder 26...Dxe5 27.Th6+) 27.Te1+ Kf6 28.De2! erwidert.

26.Th6+ Kf7

Oder 26...Ke7 27.Db4+ Kf7 28.Th7+ Tg7 29.Lc4+ Sxc4 30.Dxc4+ Ke7 31.Dc7+ usw.

27.Th7+ Ke8

Nach 27...Tg7 28.Txg7+ Kxg7 29.Dxg5+ Kf7 30.Dd8! ist gegen 31.Tc7+ nichts mehr zu erfinden.

28.Tcc7

Auch 28.Lb5+! Dxb5 29.Dxd4 ging schon.

28...Kd8 29.Lb5!

Dann halt jetzt. Es droht 30.Tce7. Auf 29…Sb7 macht (u.a.) 30.Lc4 den Sack zu, 29…Dxc7 scheitert an 30.Dxd4+ und…

29…Dxe4?

…erlaubt einen letzten taktischen Schlag.

nachTxc8

30.Txc8+! 1-0

Anand ließ sich 30…Kxc8 (30…Txc8 31.Td7+ Ke8 32.Txd4+) 31.Dc1+ Sc6 32.Lxc6 De3+ 33.Dxe3 dxe3 34.Lxa8 nicht mehr zeigen.

Großer Applaus im Zentralen Militärklub von Sofia für Topalow. Wäre der Bulgare so fies, wie ihn manche beschreiben, hätte er seinen anreise-geschlauchten Gegner mehr als eine Stunde länger am Brett zappeln lassen können. Aber er hielt sich rücksichtsvoll zurück und brauchte nur vierzig Minuten Bedenkzeit, während Anand etwas über eineinhalb Stunden überlegte. Dessen Team hat einiges zu tun, wenn er Grünfeld in diesem Match noch einmal testen will. Nachdem er partout nicht Slawisch eröffnen wollte, tippe ich auf Damenindisch in Partie drei.

Welch eine erste Partie! Von Abtasten, wie man es so oft, auch 2008 in Bonn, zum Auftakt erlebte, keine Spur. Das lassen wir uns gefallen.