Montag, 18 Juni 2018 13:53

Ein Bauernendspiel

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Dieser Beitrag war schon eine Weile geplant - die Partie ist zwar noch nicht allzu lange her (27.6.2018) aber seither erlebten die Herren Ding Liren und Aronian einiges. Der Chinese musste bei einem Fahrradausflug am Ruhetag in Stavanger feststellen, dass es schlimmere Dinge gibt als eine Blitzpartie (in der er zuvor mal auf Verlust stand) nicht zu gewinnen, der Armenier war dagegen danach in Leuven aktiv und ist es demnächst in Paris. Thema heute mal wieder Motive in Bauernendspielen, die auch Weltklassespieler im Blitztempo nicht immer beherrschen - und im Blitzturnier vor Norway Chess waren Ding Liren und Aronian beide nicht gut drauf. Vermutlich wussten sie während der Partie, dass Weiß (Ding Liren) auf Gewinn stand - siehe Titelbild, die Mutter aller Bauerndurchbrüche im Bauernendspiel. Dagegen vermute ich, dass beide nicht einmal ahnten, dass zuvor auch Schwarz mal auf Gewinn stand. Am Ende wurde es Remis, was sich schon nach spätestens 23 von dann insgesamt 62 Zügen abgezeichnet hatte:

move 23 remis

Wie in der Eröffnung bzw. kurz danach Figuren abgetauscht wurden ist nicht Thema dieses Beitrags (und wohl auch keines anderen Beitrags). Nun erst zwei Aufgaben, deren Auflösung ich später verrate:

move 38 Schwarz gewinnt

Schwarz am Zug gewinnt - wie Weiß es zuvor schaffte, seine Bauernstruktur zu kompromittieren, kommt später. Schwarz sah es nicht und geriet dann (siehe Titeldiagramm) auf Abwege, nächste Aufgabe:

move 45 Weiss gewinnt

Weiß am Zug, was tun? Die Partiefortsetzung vergab den Gewinn nicht, aber es ging einfacher. Wie Weiß zuvor einen entfernten h-Freibauern bekam, siehe Titeldiagramm.

move 32

Nun zur Partie, spätestens nach gerade 31.Dxc5 Txc5 schien das Remis wirklich unterschriftsreif. Aber nun spielte Ding Liren das "aktive" 32.b4?! (macht man im Blitz vielleicht automatisch) und das konnte er bereuen - auch wenn es objektiv noch remis war. 32.-Tc3 33.Te3 (33.Ta1 macht man natürlich ungern, Turmendspiel ist dabei nicht Thema dieses Beitrags) 33.-Txe3 34.fxe3 Kg7 35.Kf2 Kf6

move 35

Und nun? Richtig war 36.Kf3 Ke5 37.b5 (man kann auch mit 36.b5 anfangen) 37.-Kd5 38.g4! hxg4+ 39.Kxg4 f6 40.Kf4 Kc5 41.e4 Kxb5 (41.-Kd4 ist noch ein besserer Versuch, aber auch dann am Ende ein Damenendspiel, das trotz schwarzem Mehrbauer wohl remis ist) 42.e5! fxe5+ 43.Kxe5 Ka4 44.Kf6 b5 45.Kxg6 Kxa3 46.h5 b4 47.h6 b3 48.h7 b2 49.h8D b1D+

Variante move 36

Weiß konnte zuerst umwandeln, Schwarz mit Schach - wenn Weiß nun aufpasst ist es Remis (falsch ist 50.Kg7 oder 50.Kh6, falscher 50.Kf6 oder 50.Kh5, bleiben zwei andere Königszüge).

In der Partie kam allerdings 36.e4? (auch Engines sehen nicht sofort, dass dies ein Verlustzug ist) 36.-Ke5 37.Ke3 b5! (sichert Schwarz ein Reservetempo a7-a6) 38.Kd3

move 38 Schwarz gewinnt

Dieses Diagramm hatten wir bereits - statt des Gewinnplans wählte Aronian nun den Verlustplan! Richtig war 38.-f5! 39.exf5 Kxf5 40.Ke3 Kg4 41.Kf2 g5 42.hxg5 Kxg5 43.Kf3 Kf5 44.Ke3 Kg4 45.Kf2 Kh3 46.Kf3 a6! 47.Kf2 Kh2 48.Kf3 Kg1

Variante move 38

Das muss als Variante reichen - auf diesem Umweg erobert der schwarze König dann den Bauern auf g3 und ist danach schneller am Damenflügel als sein Kollege.

Aber es kam 38.-f6? (nur ein Fragezeichen, aber zwei für den damit verbundenen Plan - siehe nächster schwarzer Zug) 39.Ke3 g5?? 40.g4! (alles andere verliert für Weiß, aber dieser Zug gewinnt bzw. sollte gewinnen)

move 40

Das Diagramm hatten wir bereits. 40.-hxg4 (40.-gxh4 41.gxh5 h3 42.Kf2 f5 43.h6 Kf6 44.exf5 - bekanntes Motiv: die beiden weissen Freibauern schützen sich gegenseitig, Weiß kann erst auf h3 schlagen und dann seinen König aktivieren) 41.h5 Ke6 42.Kf2 Kf7 43.Kg3 Kg7 44.Kxg4 Kh6 45.Kf5

move 45

Falls nun 45.-Kxh5, dann 46.Kxf6 g4 47.e5 g3 48.e6 g2 49.e7 g1D 50.e8D+ (dieses Szenario hatten wir bereits unter umgekehrten Vorzeichen: da bekam Weiß zuerst eine neue Dame, und Schwarz seine mit Schach. Hier ist Umwandlung mit Schach partieentscheidend, da dieser Spieler weitere nützliche Schachgebote hat.) 50.-Kh4 51.Dh8+ Kg3 52.Dg7+ Kh2 53.Dxg1+ Kxg1 54.Ke5

Variante move 45

Und nun hat Weiß den aktiveren und effizienteren König! Es kam allerdings 45.-Kh7, und wir haben die zweite Aufgabe:

move 45 Weiss gewinnt

Eigentlich eine recht einfache, aber Ding Liren fand es nicht: 46.e5 und Schwarz hätte wohl (sofort oder kurz danach) aufgegeben. Es kam 46.Kxf6?! (großzügige Zeichensetzung, da Weiß im Prinzip immer noch auf Gewinn steht) 46.-g4 47.e5 g3 48.e6 g2 49.e7 g1D 50.e8D (ohne Schachgebot, daher kann Weiß noch jedenfalls zappeln) 50.-Df2+ 51.Ke7 De3+ 52.Kd8 Dxa3 53.Df7+ Kh8 54.Df6+ Kh7 55.Dg6+ Kh8 56.h6? (Damenendspiele sind nicht Thema dieses Beitrags, aber Engines sagen, dass Weiß nach 56.Dh6+ Kg8 57.Dg5+ Kh7 58.Df5+! Kg7 59.Dxb5 Kf6 60.Dc5! gewinnt) 56.-Dc3 57.Dg7+?! (der Sieg im Damenendspiel war bereits fraglich, aber hier sieht es so aus, als ob Ding Liren ein Bauernendspiel-Standardmotiv nicht würdigte) 57.-Dxg7 58.hxg7+ Kxg7 59.Kc7

move 57

59.-a5! (muss nicht unbedingt sein, auch nach 59.-Kf7 ist Schwarz schnell genug - aber da kann man sich eventuell verrechnen/verzählen, bei 59.-a5 nicht. Aronian befürchtete vielleicht auch, dass Nigel Short FIDE-Präsident wird und nach seiner Wahl Ding Liren mit rückwirkender Kraft zum Pattsieger erklärt) 60.bxa5 b4 61.a6 b3 62.a7 b2 und man einigte sich auf Remis.

Haben Aronian und Ding Liren sich diese Partie hinterher noch angeschaut, gemeinsam oder getrennt, mit oder ohne Computerhilfe? Dazu habe ich nicht recherchiert. Sie enthält jedenfalls ab dem 34. Zug diverse Motive, die Schachspieler jegliches Niveaus sehen können oder nicht und eventuell in ähnlichen Stellungen bei anderer Gelegenheit mal anwenden können. Einschlägige Quellen hatten sie dabei ziemlich ignoriert, da sie nicht "turnierrelevant" war. Die Partie komplett zum Durchklicken (mit Eröffnungsphase, mit ein paar ergänzenden Varianten) hier.

Ein buntes ELO-Treiben und viel Kaffee erwartet die Besucher ab heute in den Vereinsräumen des SV Werder Bremen. Ab 14 Uhr werden die ersten Züge gespielt im Werder Bremen IM-Turnier 2018, bei dem junge Talente aus dem Nordwesten und auch von weiter weg die Figuren aufspielen lassen gegen renommierte Titelträger aus internationalen Landen - aus Schweden, Polen und der Ukraine.

Kommentiert von Werder-Coach Matthias Krallmann und ebenso von GM Sigurds Lanka entstehen dabei täglich neue spannende Konstellationen im Rennen um Preisgeld, Ruhm, Ehre, ELO-Punkte und vor allem natürlich auch eine begehrte IM-Norm.

In dem von Dr. Oliver Höpfner, dem Vorsitzenden der Werder Schachabteilung, gemeinsam mit Wolfgang Pajeken, Trainer der Bremer Schachjugend, angebahnten Wettbewerb begibt sich ein sehr interessantes Teilnehmerfeld an die Bretter. Regionale Spieler aus Bremen und drumherum sind Jari Reuker (SV Union Oldenburg und Deutscher U18 Meister (!), Spartak Grigorian (Werder Bremen und ehemaliger Deutscher U18-Meister (!), David Kardoeus (SV Werder, Bremer Vizemeister der Herren 2018), Nikolas Wachinger (SV Werder, Dritter der Deutschen U16-Meisterschaften 2018) und Sven Charmeteau (SV Werder Bremen, FIDE-Meister und erfahrenes, wenngleich junges Urgestein der Werder Zweitliga-, Europapokal- und Blitzmannschaft!)

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180521-kra/

Hier eine Übersicht über die SpielerInnen und die von ihnen genannten größten Erfolge, mit Umsicht kompiliert von Stephan Buchal für das aktuelle Werder Schachmagazin:
 
GM Miroslav Grabarczyk (POL)
Jahrgang 1971
ELO 2402
Schach-Professional
• Polnischer Vizemeister 1993 und 1995
•1. Platz in Rivoltella del Garda 2009
 
IM Björn Ahlander (SWE)
Jahrgang 1963
ELO 2435
IT-Professional
• 4. Platz im Kadetten World-Cup 1980
• Mehrere erste Plätze in schwedischen Open
•2. Platz im Malta Open 2015
 
IM Viktor Skliarov (UKR)
Jahrgang 1993
ELO 2359
Lehrer für Mathematik und Physik
• Meister von Kiew
• 3.Platz ukrainische Mannschaftsmeisterschaft
• IM-Titel!
 
WIM Filiz Osmanodja (Dresden)
Jahrgang 1996
ELO 2352
Studentin (Medizin)
• Vizeweltmeisterin 2014 U18w in Südafrika
• IM-Norm bei der Frauen-EM 2018
 
FM Oleksii Molchanov (UKR)
Jahrgang 1991
ELO 2350
Schach-Trainer
• Meister Region Zaporizhzhya (2014 und 2017)
• Meister Region Odessa (rapid 2011)
• 3. Platz ukrainische Mannschafts-Meisterschaft (2015)
 
FM Sven Charmeteau (FRA, Werder)
Jahrgang 1991
ELO 2287
Student (Maschinenbau)
• Teilnehmer Jugend-WM U14 2005
• 5. Platz franz. Jugendm. U16 2006
• 1. Platz Open de Gonfreville 2013
 
Jari Reuker (Oldenburg)
Jahrgang 2001
ELO 2389
Schüler
• 1. Platz Bremer Silvester Open (2017)
• 1. Platz DJEM U18 (2018)
 
Spartak Grigorian (Werder)
Jahrgang 1998
ELO 2359
Student (Logistik)
• 1. Platz DJEM U18
• 2. Platz DJEM U16
• IM-Norm beim ECC 2016 in Novi Sad
 
David Kardoeus (Werder)
Jahrgang 1997
ELO 2226
Auszubildender (Mechatronik)
• Bremer Vizemeister 2015 und 2018
• Sieg im Qualifikationsturnier Ramada-Cup A-Gruppe
• Nord-West-Cup 2018 (Platz 13)
 
Nikolas Wachinger (Werder)
Jahrgang 2003
ELO 2292
Schüler
• 6. Platz "Young Champions" Uppsala
• Bremer Jugendmeister 2018
• 3. Platz DJEM U16 (2018

 

Mehr Informationen zum Teilnehmern, Paarungen und Spielzeiten auf der Turnierseite:

https://www.werder.de/schach/turniere/werder-im-turnier/2018/

Alle Spiele werden live ins Netz übertragen und rauben damit leider der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland einige Zuschauer. Doch das sei in Kauf genommen - Schach ist ja der Brudersport des Fußballs, und somit soll das wohl in Ordnung sein. Hier geht es zu den Live-Partien:

http://view.livechesscloud.com/5389b71c-a89c-4c94-b54f-c0464d1a37bc

Und damit gleich zur Partie Molchanov (Ukraine) - Grigorian (HB) aus Runde eins:

Molchanov Grigorian

Foto: DGT Liveübertragung

Schwarz hat bereits ausgeglichen und drängt nun die weiße Dame zurück nach d2.

a) Mit welchen interessanten Idee würzte Spartak Grigorian den weiteren Spielverlauf? (Tipp: wiir sagen "Lasker-Bauer"!)

b) Und: gewinnt Schwarz mit diesem Motiv, oder hat Weiß danach Vorteil?

c) Und warum endete es dann am Ende doch Remis?

Die Lösung zu diesen und weiteren die Welt betreffenden Fragen findet sich hier.

Spartak

                                       Spartak mit inspiriertem Start in das Turnier

******

Als weiteres Highlight der Bremer Schachwoche hat die Bremer Schachjugend einen Wettkampf "Meister gegen Talente" ausgerufen und dafür sowohl einige der allerstärksten Jungspieler der Hansestadt als auch fünf renommierte, etablierte und versierte Spieler aus Bremer Ligen als Gegner gefunden. Sie alle werden sich in einem Scheveninger System- Turnier mit den fünf Vertretern der jeweils anderen Gruppe behaken - schauen wir, wer am Ende die Nase (oder den Freibauern, oder den König) vorne hat!

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180616-kra/

Zu allen Veranstaltungen, Spielen, Kommentierungen sind ZuschauerInnen wie immer herzlich willkommen. Bis bald, in der Hemelinger Straße 17 im Werder Vereinsheim!

Montag, 11 Juni 2018 17:56

In den Gängen, in den Reihen, auf den Linien

geschrieben von

Wir könnten heute schon wieder über Vieles berichten. GM Jörg Hickl wäre doch eigentlich mal ein sehr würdiges Thema, oder warum manche Norweger so stark Schach spielen, wir selber aber nicht.

Auch das Ende der Deutschen Amateurmeisterschaft, wie wir sie kennen, wäre vielleicht mal einen kleinen Besinnungsaufsatz wert - den Insidern bzw. den Älteren so wie mir ist der Wettbewerb ja noch bekannt als Ramada Cup, der sich über Jahre und Jahre als überaus wuchtige Turnierform im ganzen Bundesgebiet und rund um Hannover etablierte, nun aber getrennt von Chef-Organisator Dr. Dirk Jordan überraschend und plötzlich eigene Wege gehen wird.

Wir wissen nichts ganz Konkretes, hörten jedoch, dass der Schachbund unseres Vertrauens mit diesem oder jenem größeren Detail im Ablauf nicht mehr so ganz glücklich war. Daher danken wir zunächst für sehr viele schöne Jahre am Ramada-Schachbrett, und hoffen, dass sich alles wie immer zum Guten wenden wird - turniertechnisch und hinter den Kulissen.

Ja, darüber und über noch viel mehr könnten wir schreiben, doch a) ist das Wetter fast viel zu gut dafür, und natürlich b) wer soll das alles denn lesen? Darum gehen wir mit der Zeit und verknüpfen einfach mit einem schicken Video, verbunden mit dem Hinweis: Hey Leute, geht in diesen Film!

 

Empfohlen sei daher heute "In den Gängen", eine originale Geschichte aus dem Handel - Waren müssen eingeräumt werden, Nachtschichten gefahren, Gabelstapler bewegt. Hier sind noch Menschen in Bewegung, und nicht nur, dass sie zusammen arbeiten, auch sieht man, wie die Arbeit ihnen - wie auch uns anderen - Halt gibt im Alltag, im Leben, und die lieben KollegInnen zwar nicht Familie werden, aber doch ziemlich nahe ranrücken.

Und was soll man sagen - auch gespielt wird in den Gängen, Schach!, das königliche Spiel der Reihen und Linien, denn so viel Zeit muss ja sein auf Nachtschicht. Recht so!

Falls also heute kein Schach auf dem Plan steht und eigentlich auch sonst nichts anliegt - auf ins Kino, Leute, in einen sehr, sehr hübschen Film! Und Details über GM Jörg Hickl berichten wir dann ein andern Mal.

Diese Döschers - Arne Döscher und Thorsten Döscher, beide sind sehr langjährige und prägende Mitglieder im SK Bremen-Nord, und nun auch beim Deutschen Pokalfinale in Leipzig!

Einer der beiden, Arne (Döscher), hatte bereits vor einigen Jahren das Viertelfinale dieses schönen Turniers erreicht und war dann am Badener Hartmut Metz gescheitert. Aber immerhin, der Sprung unter die letzten Acht im Dähnepokal auf Bundesebene, das war mal was!
Und so ließ sich nun auch der andere Döscher - Thorsten seines Zeichens - nicht lange bitten.Erst gewann er in einer fulminant angelegten Finalpartie auf Bremer Ebene gegen (leider) den Berichterstatter - und dies, obwohl es (gleichfalls leider!) ja in Bremen gar keinen schmucken Wanderpokal mehr zu gewinnen gibt, was ein durchaus Trübsinn bereitender Umstand ist.

Aber Thorsten wäre nicht Thorsten und schon gar nicht ein Döscher, hätte er davon unbeeindruckt nicht trotzdem den Pokalsieg unserer kleinen Hansestadt konsequent eingetütet, um alsdann wie sein Bruder mit wehenden Fahnen zum aktuell in Leipzig stattfindenden Bundesfinale reisen.
Und wehende Fahnen waren es in der Tat, Bremer Fahnen, Speckflaggen!, denn mit Bravour gewann Thorsten heute erst die frühmorgendliche Partie gegen den favorisierten Leipziger Manuel Pietzsch, nur um dann am Nachmittag mit den schwarzen Steinen gegen Wilfried Woll aus Greifswald souverän zum nächsten Punkt zu kommen. Chapeau! 
(Der Berichterstatter mühte sich derweil in der parallel stattfindenden Endrunde der Deutschen Amateurmeisterschaft, kam aber bei bisher zwei knappen Remisen bei weitem nicht mit so viel Elan aus den Startlöchern des Wettbewerbs wie sein hanseatischer Kollege aus Bremen-Nord.)

Damit hat Thorsten nun in der innerfamiliären Döscher-Wertung gleichgezogen und ebenso wie Arne das alldeutsche Viertelfinale erreicht. Morgen setzt er sich ans Brett gegen Markus Müller vom SC Niedermohr- Hütschenhausen - so schöne Vereinsnamen haben wir in Bremen zwar nicht unbedingt, gleichwohl drücken wir kräftig die Daumen und wünschen Thorsten einen weiteren starken Pokalfight in Leipzig. Morgen um zehne geht es los - mit Liveübertragung, wenn alles gutgeht:

Live-Bretter des Deutschen Pokalfinales

Und sonst so? Musik!

Donnerstag, 24 Mai 2018 09:10

Meister gegen Meister

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Solingen ist heute nicht zu Hause. Am kommenden Samstag, da trifft sich das bundesdeutsche Blitzschach im schönen Bergischen Land und spielt den Mannschaftsmeister aus, doch vorher reisen die - Klingenstädter nochmal über Land und treffen sich heute in Baden-Baden mit Baden-Baden 1, dem anderen Schwergewicht der Schach-Bundesliga. Angesetzt für heute! ist der große, finale und alles entscheidende Stichkampf um die Deutsche Meisterschaft, nachdem beide Mannschaften punktgleich über die Ziellinie der Liga gekommen waren, deutlich und noch vor Werder Bremen. Den regulären Kampf unter der Saison hatte Solingen für sich entschieden, am Ende aber lag Baden-Baden nach Brettpunkten vorne - so gesehen ist ein Stichkampf die salomonischste Lösung. Heute also - live im Netz und an den Brettern, das Spiel um Platz Eins!

Überschattet und mehr als überlagert wird diese Begegnung vom plötzlichen Tod von Herbert Scheidt, dem Solinger Mannschaftsführer, prägendes Urgestein, Team-Captain, Seele und Organisator der ersten Liga in Solingen und schon seit ewigen Zeiten dabei. Er verstarb am vergangenen Sonntag mit 73 Jahren an den Folgen eines schweren gesundheitlichen Zwischenfalls, und wenn man heute in Baden-Baden ist, wird er einem schon jetzt fehlen, Herbert Scheidt, in seiner humorvollen, leicht knorrigen Art, voller Geschichten (Spassky! Europapokal! Liga-Anekdoten!) und mit immer in der Nähe seiner Solinger Jungens, die so wie er früher nun für die Stadt an den Brettern sitzen. Schade ist es, Herbert ist nicht mehr da, oder - er ist nun anderswo, und wir wünschen ihm auch dort von Herzen alles Gute.

Mehr zu Herbert Scheidt und seinem großen Engagemen im Schach schreibt André Schulz bei Chessbase - hier ist der Link:

https://de.chessbase.com/post/zum-tod-von-herbert-scheidt

Heute also Stichkampf - und mehr dazu bei der Schachbundesliga direkt:

https://www.schachbundesliga.de/bundesliga/stichkampf-um-die-deutsche-meisterschaft-am-24-mai

Wir drücken die Daumen, möge der Bessere gewinnen!

Ei jei jei - nun wird es aber Zeit! Seit gut einer Woche ist die Bundesliga-Spielzeit 2017/2018 vorüber, und höchste Eisenbahn daher, das dazugehörige knifflige Tippspiel aus dem Herbst 2017 aufzulösen - denn sicher harren unsere LeserInnen doch schon voller Ungeduld der Ergebnisse!

Leider macht es La Bundesliga in diesem Jahr besonders spannend und es wird sozusagen eine Ehrenrunde gedreht. Baden-Baden, die Jungens von Sven Noppes vom Rande des Schwarzen Waldes, werden sich in einem Stichkampf mit der SG Solingen aus dem Bergischen Land beharken müssen, kamen doch beide zugleich mit sehr satten 27:3 Mannschaftspunkten über die Zielgerade. Stichkampf also - wann, wer, wohin, das weiß man noch nicht, und ebensowenig wie es ausgehen wird, doch ein wachsamer Blick auf die Heimseite der Schachbundesliga wird in Kürze nähere Details offenbaren. So ist es angekündigt, und bald wird man dort alles finden. Wir sind gespannt!

noppes
Aufwärmen für den Stichkampf: Sven Noppes (Baden-Baden) und Peter-Heine Nielsen (Baden-Baden)

Das gibt uns Gelegenheit, mit Stil und Muße das Tippspiel auszuwerten, wenngleich noch gar nicht alle Fragen beantwortet werden können. Noch ist ja gar nicht raus, was die richtige Antwort ist auf Frage c) Wer wird Meister? Dennoch, die dafür vergebenen 0,25 Punkte behandeln wir flexibel und legen sie am Ende einfach obendrauf.

Nun aber Schritt für Schritt zur Aufösung:

Frage a) Welchen Platz wird der SV Hofheim am Ende belegen?

Richtige Antwort:Wer hätte das gedacht - ein ganz offizieller 12.Platz für den Liga-Newbie. Wir gratulieren!

3 Punkte für MiBu, Lowscore, Profelo und Holger Hebbinghaus

 

Frage b) Wie viele Brettpunkte wird Deizisau im Spiel gegen seinen großen Bruder Baden-Baden holen?

Richtige Antwort: 2,5 Brettpunkte. (Die jungen Jungens vom Sven Noppes Farmteam zeigten sich dem Alte-Hasen-Team von Sven Noppes diesmal noch nicht ganz gewachsen.)

2 Punkte (deux points) für MiBu, LowScore, Michael Niefünd, Holger Hebbinghausen und für Profelo

noppes
Mehr war diesmal noch nicht drin für den Neuling: Sven Noppes (SF Deizisau) und Peter-Heine Nielsen (Baden-Baden)

 

Frage c) Wer wird Meister?

Richtige Antwort: siehe oben, Stichkampf - und daher. Gemach, Gemach.

0,25 Punkte werden beizeiten dazugerechnet, wenn Baden-Baden im Stechen obsiegen sollte für den visionären MiBu sowie für ta, LowScore, Holger Hebbinghausen, Michael Niefünd

0,25 Punkte erhält dagegen Profelo, sollte Solingen gewinnen!

 

Frage d) Welche vier Teams werden die letzten vier Plätze belegen?

Richtige Antworten: SK Norderstedt (trotz tollem Schlussspurt!), FC Bayern München, SG Speyer-Schwegenheim und MSA Zugzwang München

1,5 Punkte für jede korrekte Vorhersage:

6 Punkte: der unglaubliche LowScore! Und auch vier richtige Tipps von Profelo = 6 Punkte.

4,5 Punkte: MiBu, Holger Hebbinghaus, Michael Niefünd

3 Punkte: ta (wer immer das auch ist), Olaf Steffens (wer immer das auch ist)

Bayern München

Die Bayern (hier mit Solingen bei der Blitz-DM in Schifferstadt 2016) müssen erstmal gehen - aber die roten Teufel kommen sicher wieder!

 

Frage e) Welche Équipe holte am allermeisten Brettpunkte gegen Baden-Baden I ?

Richtige Antwort: die SG Solingen (4,5 Punkte gegen das Schwarzwaldteam), dicht gefolgt vom ... Hamburger SK (4 Punkte!)

2 sehr ehrenvolle Tippspiel-Punkte für MiBu, LowScore, Holger Hebbingshaus, Michael Niefünd und Profelo

 

Frage f) Und wer wird eigentlich Vizemeister?

Richtige Antwort: weiß man ja auch noch nicht!

2,75 Punkte, falls Klingenstadt Solingen Zweiter wird: LowScore, Olaf Steffens, Michael Niefünd

2,75 Punkte, falls Baden-Baden Zweiter wird: Prof. ELO

 

Frage g) Wie viele der 20 möglichen Punkte wird der unangefochtene Schachwelt-Tippspiel-König Holger Hebbinghaus in diesem Tippspiel holen?

Richtige Antwort: mal gucken! Holger hat ohne diese Frage g) erst einmal 13,5 Punkte erstritten, eventuell zuzüglich von 0,25 Punkten aus Frage c) (Wir warten schon sehr gespannt auf diesen Stichkampf!).

Holger selbst hat 14,25 Punkte für sich getippt, und liegt damit innerhalb der erlaubten Abweichung von einem Punkt. Alles richtig gemacht, Holger, und zwei Punkte aus dieser Frage für Dich! Holger kommt damit auf insgesamt 15,5 Punkte.

(Mit Dank an Profelo räumen wir ein, dass Holger mit seinen nun 15,5 Punkten deutlich über seinem eigenen Tipp liegt und damit die zwei Punkte aus der Frage g) eigentlich nicht erhalten darf. Aber was soll's - wir geben sie einfach, sonst wird es alles zu kompliziert, und wir sind ja hier auch unter uns.)

Richtige Antwort also: 15,5 Punkte

2 schöne Punkte für ta, LowScore, Michael Niefünd und ProfElo (Punktlandung - genau 15,5 Punkte getippt!)

 

Frage h) Wer wird am häufigsten in der Liga aller Ligen spielen: Ilja Schneider (SF Berlin), Frank Zeller (Schwäbi' Hall), Falko Meyer (Norderstedt), Jörg Hickl (SV Schachwelt Hofheim) oder Vincent Keymer (SF Deizisau) ?

Richtige Antwort: Ilja 11x, Frank Zeller 11x, Falko Meyer 8x, Jörg Hickl Schachreisen 0x, Vincent Keymer 11x!

Das heißt, volle Punktzahl für die Tipps "Ilja Schneider", "Frank Zeller" und "Vincent Keymer". Kein Punkt dagegen für den Tipp "Jörg Hickl"!

2 Punkte für MiBu, Olaf Steffens, Holger Hebbinghaus, Michael Niefünd, Profelo

 Schwetzingen 11
                      Frank Zeller? Falko Meyer? Jörg Hickl? Vincent Keymer?

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Hätten wir doch bloß Raketentechnik studiert, dann wäre das Auswerten dieses 2017/2018 Tippspiels sicher total unkompliziert gewesen. So aber - komplexe Berechnungen, tiefe Recherchen, feinste Punktabstufungen! In der kommenden Saison muss das wieder einfacher werden. Für heute verkünden wir den aktuell vorläufigen Zwischenstand des diesjährigen Tippspiels (und befürchten schon einmal prophylaktisch, dass da noch allerlei Berechnungsfehler drinstecken):

MiBu: 13,5 plus eventuell 0,25 Pkt (Frage c)

LowScore: 15 Punkte plus evtl. 0,25 (Frage c) und 2,75 (Frage f)

ta: 5 Punkte plus 0,25 (Frage c)

Olaf Steffens: 5 Punkte, plus u.U. 2,75 (Frage f)

Holger Hebbinghaus: 15,5 Punkte, plus evtl. 0,25 aus Frage c)

Michael Niefünd: 12,5 Punkte, und noch 0,25 und 2,75 dazu, wer weiß

Profelo: 17 Punkte (!!) und womöglich noch 0,25 (Frage c) und 2,75 (Frage f) dazu. Das wären dann insgesamt schon ... 20 Punkte von 20 möglichen! Chapeau!

 

Soweit für heute. Hier nochmal die Staffelung der erlesenen und internationalen Preise, getreu dem Motto "The winner takes it (beinahe) all", und in Kürze dann das Endergebnis:

Platz 1) Ein fabrikneuer Volkswagen Golf Eine schöne, aber nicht mehr komplett neue DVD "Public Enemies" mit Johnny Depp ("Basierend auf der wahren Geschichte von Amerikas berühmtesten Bankräuber - John Dillinger")

Platz 2) Eine sehr sehr feine Tafel der berühmten Bremer Stadtmusikanten-Schokolade von Hachez

Platz 3) Rum Ruhm und Ehre – wir kommentieren eine von Euch eingereichte Partie hier im Blog (so Ihr es denn wollt).

 

Bis bald, liebe LeserInnen, und großes Kompliment, wenn Ihr die Punktauswertung bis hierhin durchgelesen habt - war ja irre viel diesmal. Und wo ist der Sinn? Aber egal, ich esse jetzt erstmal Bio-Chips, denn das sind die Besten. Bis bald, am Schachbrett oder so!

Sonntag, 01 April 2018 08:33

Kühlhausrevolte

geschrieben von

Das Kandidatenturnier in Berlin ist zwar schon wieder Geschichte, aber es wurde uns ultraspannendes Schach geboten und ganz nebenbei wurde wieder einmal so richtig das Schach revolutioniert – kein Wunder, wenn Berlin und das Kühlhaus im Spiel sind, denn dort war klar und deutlich zu lesen: „Entering this building might substantially increase your IQ. Chess does that to humans.“

Schon im Jahr 2000 prallte der damalige langjährige Weltmeister Garry Kasparov an der eisigen Berliner Ziegelwand ab, die ihm ein junger Vladimir Kramnik mit geschickter Hand aufbaute und ihm damit den Weltmeistertitel abnahm. Viele Jahre später sorgte eben dieser Vladimir Kramnik wieder für eine Sensation in Berlin, wie uns der umtriebige Reporter Würgen Brüskieren von der australischen Schachzeitung „Schachlasziv“ exklusiv berichtete.

2018Kuehl02

Werfen Sie doch bitte einen Blick auf die beiden Stellungen. Stellung 1 ist klar für Weiß gewonnen und Stellung 2 ebenso klar – wenn nicht noch klarer – für Schwarz gewonnen. Gingen wir bisher davon aus, dass schachtheoretisch eine Stellung nur gewonnen, verloren oder remis sein kann, müssen wir nun durch häufiges Betreten des Kühlhauses erkennen, dass wir uns da gewaltig geirrt haben, aber hören wir nochmals genau bei den Pressekonferenzen zu.

2018Kuehl01 

Würgen Brüskieren (Schachlasziv): Mister äh Wödmaster Vladimir Kramnik haben Sie den Begriff „Wildcard“ zu wörtlich genommen? Bisher galten Sie ja als praktisch unbesiegbarer Remiskönig – stärker als Leko und Giri zusammen?

VK: Ich war Weiß und stand zu diesem Zeitpunkt schon klar auf Gewinn, konnte aber noch keine konkrete Variante zu Ende rechnen. Aber es ist klar, dass diese Stellung gewonnen sein muss! Dass ich dann in Zeitnot nicht die richtige Fortsetzung gefunden habe, ändert nichts an der Tatsache, dass ich objektiv hier schon auf Gewinn stand.

Am nächsten Tag:

2018Kuehl01

Würgen Brüskieren (Schachlasziv): Mister äh Wödmaster Vladimir Kramnik nach ihrem gestrigen unverdienten Verlust in Gewinnstellung wollten Sie heute mit Schwarz wirklich unbedingt gewinnen?

VK: Gestern ist gestern und heute ist heute – ich geben jeden Tag mein bestes Schach! Nun hier war mir klar, dass ich schon klar besser, wenn nicht schon auf Gewinn stehe. Mir war aber noch nicht klar, welchen Fehler der Weiße mit seinem ersten Zug machen würde und daher steckte ich noch wenig Energie in die Berechnung konkreter Varianten, aber objektiv gesehen stehe ich hier schon auf Gewinn und muss das nur mehr irgendwie managen.

Wir müssen also die Schachtheorie umschreiben, denn die bisherige Meinung, dass eine Stellung eine theoretische Eindeutigkeit hat, wird durch die Anwesenheit von Vladimir Kramnik am Brett aufgehoben. Leider konnte die Krennwurzn die theoretischen Auswirkungen noch nicht mit dem Urelo aus Kreta vergleichen, weil aufgrund des schlechten Wetters kein Flug vom BER (Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“) nach Elo - der dortige Flughafen ist für verwaiste Schachspieler ohne Titel schon geöffnet - möglich war – aber nächstes Jahr oder später zum gleichen Datum sollte es Flüge geben.

 

Freitag, 09 März 2018 08:26

Berlin Intellectual Fight Club

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Die Berliner Kandidaten sind in der Stadt - heute wird die Qualifikation für den WM-Kampf eröffnet, und morgen geht es an die Bretter. Hurra! Was für ein Geschenk, und wie klasse, dass so ein Turnier mal nicht im fernen Sibirien, Usbekistan oder Kirgisien ausgetragen wird. So kann man fast selber einmal hinfahren und Sergey Karjakin, Ding Liren oder S. Mamedjarow  über die Schulter gucken. Oder - Boris Becker!, denn auch der ist eingeladen.

Auch wenn es eine eigene Turnierhomepage gibt, ganz offiziell, bereitet der Deutsche Schachbund auf seiner Kandidaten- Webseite alles sehr informativ auf. Und weil mir die Optik und Bildgestaltung der offiziellen worldchess-Seite nicht so behagt, bleibe ich lieber beim DSB. Oder bei Chessbase, dem Schachticker, und bei Chess24 - da ist es ja auch ganz schön!

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Einen Tag vor Turnierbeginn hüllt sich die offizielle worldchess-Seite zu den Paarungen noch in Schweigen.
Aber hey, morgen ist ja auch noch ein Tag. Oder übermorgen.

Auch André Schulz bei Chessbase deutet in seinem Vorbericht eine ausbaufähige Optik der worldchess-Seite an, wenn es um die Bilder der acht teilnehmenden Spieler geht. Worldchess hat achtmal zeichnen lassen (von einem Computer, vielleicht?), und André Schulz fand an anderer Stelle acht andere Bilder mit deutlich mehr Wärme, Stil und Charakter. Wir sagen natürlich: Daumen hoch für die Bilder von Mariya Yugina!

Ab morgen also: Kandidaten! Noch ist das internationale Schachwelt-Tippspiel dafür freigeschaltet, und ein wunderbarer erster Preis wartet auf seinen Gewinner. Macht's gut, und bis bald vielleicht, in Berlin!

PS Und was war das nun mit der Überschrift, und dem Intellectual Fight Club? Für die Erklärung reichen zwei Worte: Kreuzberg, und - Schachboxen! Passt ja auch gut zum Kandidatenturnier. Wobei, wie wäre es denn mal mit American Football?

Hei, was hat der Weltverband sich da schon wieder gedacht? In wenigen Tagen schon richtet unsere große Mutter FIDE das Kandidatenturnier 2018 in Berlin aus, und wer ist nicht dabei? Magnus Carlsen, der stärkste, schnellste und norwegischste Spieler der Welt! Zwar steht der junge Skandinavier schon seit langem an der Spitze der Weltrangliste, doch genützt hat ihm das offenbar nicht viel.

Statt GM Carlsen hat die FIDE lieber acht andere Großmeister eingeladen, um alsbald in Berlin den Weltmeister zu ermitteln - teilweise weil sie wie Levon Aronian einfacher eine Unterkunft in der Bundeshauptstadt finden werden, teils weil sie besser Russisch sprechen (Grischuk, Kramnik, Karjakin), und vermutlich auch, weil ihre Namen - Fabiano Caruana, Ding Liren - unter Marketingaspekten einfach nach mehr klingen.

Pech für Carlsen, könnte man meinen - da wird der WM-Titel in diesem Jahr wohl ohne ihn ausgespielt. Ein ziemlicher Affront in der Tat, denn man hätte meinen sollen, dass Carlsen als noch amtierender Weltmeister doch eigentlich dabei sein sollte. Ist er aber nicht - und einmal mehr wirft dies einen dunklen Schatten auf die Auswahlkriterien, die die FIDE bei der Spielerauswahl zum Berliner WM-Turnier zugrundegelegt hat.

bowie sichert sich den pokal 2018: Kein Weltpokal für Magnus?

Doch Hoffnung naht - denn wie wir aus zuverlässiger Quelle erfuhren, hat es nun aber hinter den Kulissen des Turniersaals mächtig Ärger um den Nominierungsprozess gegeben. Im direkten Austausch mit dem ehrwürdigen FIDE-Chef-Unterhändler für Berlin und Bermuda-Shorts, Zurab Azmaiparashvili, ist es Carlsens Manager Espen Agdestein offenbar gelungen, eine Sonderregelung für seinen Schützling zu erwirken.

Mit der Drohung, die "Play Magnus"-App aus dem gesamten Internet zurückzuziehen, in Verbindung mit der Ankündigung Carlsens, bei künftigen FIDE-Turnieren noch später als bisher schon ans Brett zu kommen und den Rundenbeginn damit um weitere Minuten zu verzögern, erreichte Agdestein offenbar ein Umdenken beim Weltverband.

Ganz der Verfechter von good sportsmanship, als den wir ihn kennen und verehren, verfügte Azmaiparashvili heute, dass Magnus Carlsen im Herbst und in London gegen den Gewinner des Berliner Turniers einen zwölfrundigen Wettkampf um den endgültigen Weltmeistertitel spielen möge. Aufatmen bei allen Play Magnus-Fans! Somit verliert die Veranstaltung in Berlin ein wenig von ihrem Glamour, denn der strahlende Sieger wird nicht mehr wie geplant Weltmeister, sondern nur noch ein schnöder Qualifikant sein für einen weiteren Stichkampf um die allerhöchste Krone. Aber hej, auch das kann ja ganz schön sein, und wann kommt man sonst schon mal nach London? Freuen wir uns also, denn zumindest rein turniertechnisch ist die Welt jetzt wieder in allerbester Ordnung.

 

T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L ! T I P P S P I E L !

 

Nun aber zum WM-Turnier in Berlin. Wir unterbreiten unseren verehrten LeserInnen und Leser die durchaus überraschende Frage:

Wer wird sich für den WM-Stichkampf mit GM Magnus Carlsen qualifizieren?

Der Deutsche Schachbund stellt die Spieler auf seiner Kandidaten-Spezialseite vor - wir ergänzen daher nur noch ein wenig, auch um Speicherplatz zu sparen. Dank auch und Grüße an den DSB - reichlich getrommelt wird anlässlich des Turniers, und als Mit-Organisator steht der Schachbund ja auch unterstützend bei dieser tollen Veranstaltung zur Seite.

Zur Auswahl als mögliche Fast-Weltmeister stehen:

a) Ding Liren: ein Chinese und Nicht-Russe. Hat schon schöne Partien gespielt, aber ob das für das höchste Amt in der Schachwelt reichen wird?

b) Fabiano Caruana: Ging in die Geschichte ein, als er 2014 sieben Turnierpartien in Folge gewann - und das nicht bei den Bremer Meisterschaften, sondern beim starken Super-GM-Super-Turnier in St. Louis. Hoppla! Seitdem ist es etwas ruhiger geworden um Fabiano, doch stark und irgendwie tiefgründig ist er noch immer.

c) Sergej Karjakin: kennt sich aus mit Magnus Carlsen vom letzten WM-Kampf in New York. Nun steht er im Berliner Turnier - doch hat er noch den Schwung der vergangenen Jahre? Immerhin ist er nun verheiratet und hat ein Kind - man ahnt, dass das häusliche Studium dadurch nicht einfacher wird.

d) Anish Giri: spielt leider nicht mit, ganz ähnlich wie sein GM-Kollege Carlsen. Und - Vishy Anand ebenfalls nicht.

e) Hikaru Nakamura: spielt leider auch nicht mit! Was ist da los?

Dafür aber:

f) Vladimir Kramnik: Kommt mit einer Wildkarte in das Turnier, und yep, ist ein russischer Bär, der schachspielen kann! Trotz seiner gar nicht mehr so jungen Jahre glänzt Big Vlad durch intensive Partien und die Wiederentdeckung des unseligen Londoner Systems - wir haben zumindest diese Eröffnung nicht vermisst! Doch sei es drum - gucken wir mal, wie Kramnik abschneiden wird.

g) Levon Aronian: Ui, ui, ui, einer der ganz Großen, und viele würden sich freuen, führe er nach London zum nachträglichen WM-Finale gegen Magnus Carlsen! Aronian durchlebte eine längere Durststrecke in den letzten beiden Jahren, doch nun ist er wieder da und möbelt seine Gegner reihenweise mit Zügen wie h4!, Th4! und Th4-a4! vom Brett. Ob das auch an der Spree gelingen wird?

h) Alexander Grischuk: ein toller Spieler mit viel Esprit und Kampfkraft. Im absoluten Welt-Spitzenschach irgendwie immer ein klein wenig in der zweiten Reihe von vorne, und darum auch in Berlin keiner der klaren Favoriten? Ende März wissen wir mehr.

i) Maxime Vachier-Lagrave: hätte eigentlich dabei sein müssen, sollen, wollen, und niemand hätte etwas dagegen sagen können. Doch in jeder der Auswahldisziplinen für Berlin - FIDE Grand-Prix, durchschnittliche ELO-Zahl im Jahr 2017, Weltcup-Finale und Werder Monatsblitz -scheiterte der mutige Franzose immer um Haaresbreite an den um Haaresbreite vor ihm liegenden Konkurrenten. Was soll man sagen - c'est la vie, und hoffentlich klappt es für MVL, wie wir Insider ihn nennen, beim nächsten Mal mit einem Anlauf zum WM-Titel.

j) der HSV: spielt leider auch nicht mit, und hat bis Ende April auch noch andere Verpflichtungen.

hsv Auf geht's, Jungs!

 

k) Wesley So: hatte ein wunderbares Schachjahr 2017 und ackerte sich in achtbare ELO-Höhen. Doch nun ist es ruhiger geworden um ihn, und die ganz großen Coups wollen ihm nicht mehr so gelingen. Vielleicht ist es aber auch nur Tarnung, und bei den Kandidaten entscheidet er das Turnier für sich? In Berlin ist alles möglich - das wissen wir.

Und zu guter Letzt:

l) Shakhriyar Mamedyarov! Das Ausrufezeichen setzen wir für die Komplexität seines Vor- und Nachnamens - vielleicht auch deshalb wird er auf der Schachbund-Seite zur Sicherheit verkürzt mit dem anwenderfreundlichen S. Mamedjarov vorgestellt. Der Aserbeidschaner hat früher mal für Werder Bremen gespielt (!) und mischt seitdem stetig in der Weltspitze mit. Bekannt und gefürchtet ist er für seine Sekt-oder-Selters-artige Spielführung, mit spontanen Königsangriffen und auch mal unkonventionellen Spielführungen.

 

So sieht es aus, liebe Leserinnen, liebe Leser - nun seid Ihr am Zug! Wer gewinnt das Turnierin Berlin - prophezeit es uns, und gewinnt eine Original-Packung mit feinsten Schokoladen-Katzenzungen!

Alle Einsendungen bitte nur hier im Kommentarbereich bis zum Samstag, 10.März, um 15:00 Uhr - dann beginnt im Berliner Kühlhaus die erste Runde. Und wir können fast sicher sein - auch der glückliche WM-Nachrücker Magnus Carlsen wird aus der Ferne mit dabei sein!

Samstag, 24 Februar 2018 13:59

Bremen All Stars vs Czech GMs

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Am Montag ist es soweit: 25 BremerInnen und Bremer(und umzu) treten an gegen die beiden Werder-Großmeister Zbynek Hracek und Vlastimil Babula! Hier ein Update zu dieser Veranstaltung, zusammen mit der Aufstellung des Bremer Teams.

ZuschauerInnen sind natürlich herzlich willkommen!

Liebes 25-köpfiges Bremen All Stars Team,

wir freuen uns, dass Ihr am Montag abend mit dabei seid und für unsere langjährigen Bundesliga-Spieler Zbynek Hracek und Vlastimil Babula eine absolut respektable Simultanrunde bildet.

Beide Großmeister haben uns erzählt, dass sie sich schon sehr auf ihren Besuch in Bremen und vor allem abends auf die Veranstaltung im Verein freuen. Sie sind gerade aus Tschechien nach Mülheim gereist, um heute und morgen in der Bundesliga anzutreten (unter anderem gegen Bayern München!)

Das große Simultanspiel am Montag ist auch für sie ein ungewöhnliches Ereignis, und wer weiß - bei einem Doppelsimultan ist alles möglich!

Ihr habt es vielleicht gesehen, dass auch überregional sehr von dieser Veranstaltung Notiz genommen wird:

https://de.chessbase.com/post/werder-bremen-doppelsimultan-der-urgesteine

Hier noch einmal der Plan für den Abend in der Hemelinger Straße 17 (Werder Vereinsheim, 1.Stock):

18 Uhr                        Begrüßung durch Werder-Präsident Hubertus Hess Grunewald, Ehrung der beiden Spieler

im Anschluss            25 Jahre als Profi in Bremen - was gibt es zu berichten?

                                   Anekdoten und Partien von Zbynek Hracek und Vlastimil Babula

gegen 19 Uhr           Einladung zu einem kleinen Imbiss

gegen 19:15/19:30 Doppelsimultan mit GM Zbynek Hracek und Vlastimil Babula an 25 Brettern

Vlasti2b
Europapokal 2015 in Skopje:
Vlasti Babula nach seinem Sieg gegen Anish Giri


Damit Ihr wisst, wer sich links und und rechts von Euch im Bremer All Star Team tummelt, hier noch einmal ein kurzer Überblick über alle Teilnehmer.

Wir haben eine Reihe von Plätzen für besondere sportliche Erfolge vergeben, einige von Euch sind sehr geschätzte Bremer Ehrengäste, und weitere haben ihre Chance genutzt, einen Platz bei der Verlosung auf der Homepage des Landesschachbundes zu gewinnen (gut gemacht!):

1) - 4) Findorff Seniorenmannschaft, Bremer Meister 2017, 4 Bretter

5) - 8) Bremer Schachjugend Auswahl, 4 Bretter

9) Manfred Breutigam, Bremer SG

10) Wilfried Schmid, Turnierleiter LSB

11) Bernhard Künitz, Werder Bremen 4

12) Anastasia Erofeev, Werder Bremen 5

13) Wolfgang Adaschkiewitz, Werder Bremen 6

14) - 17) Jugend SVW: Jan, Robin, Jannis, Kaiwen

18) Gerald Jung, Vereinsmeister Werder Bremen

19) Andreas Calic, Bremer SG

20) Till Schelz-Brandenburg und Ingolf Meyer-Siebert, SV Werder Schach Bundesliga

21) Robert Klemm, Bremer SG

22) Thorsten Ahlers, SF Findorff

23) Mattis Trätmar, Delmenhorster SK

24) Lars Milde, Werder Bremen

25) Elmar Kastens, SF Sulingen

 

Wir wünschen Euch einen spannenden Abend im Werder Vereinsheim!
 
Olaf Steffens
Teamchef Schachbundesliga
SV Werder Bremen
 
www.werder.de/schach