Freitag, 19 Oktober 2018 17:17

Europapokal: Solingen ist Deutscher Meister!

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Mit einem 3 – 3 Unentschieden gegen E.S. Thessalonikis endete für den SV Werder Bremen das Abenteuer Europapokal in dieser Saison. Im Spiel gegen den griechischen Vertreter fuhren Vlastimil Babula und Gerlef Meins zwei volle Punkte ein, doch bewiesen die Griechen auch in dieser Schlussrunde ein gutes Standing und stellten mit Siegen gegen Alexander Markgraf und Jan Werle den Ausgleich her. Solide Unentschieden spielten Spartak Grigorian und Martin Zumsande.

Die Grün-Weißen eroberten damit ihren achten Mannschaftspunkt bei durchweg respektabler Gegnerschaft. Das Turnier beendete Team Hansestadt damit als 19. von insgesamt 61 Teilnehmern – das ist sehr ok, wenn auch vielleicht etwas unterhalb der durch den überraschend weit vorderen Startplatz (Rang 10) geweckten Erwartungen. Doch es ist ja nur typisch für Erwartungen, dass sie sich nicht unbedingt erfüllen (müssen), und mit dem soliden Rang 19 kann Werder ganz zufrieden auf eine intensive Woche am Schachbrett mit den ganz Großen unseres Spiels (Magnus Carlsen, Liren Ding, Michael Buscher) zurückschauen.

Liren Werle
Analyse nach langem Ringen: Liren Ding - Jan Werle endete mit einem schönen Remis für den Werderaner

Der SVW liegt mit acht Punkten gleichauf mit den sehr honorigen Mitstreitern von DJK Aufwärts Aachen, dem Koninklijke Gentse Schaakkring Ruy Lopez (KGSRL) aus Gent sowie der SG Zürich, und nur einen Mannschaftspunkt hinter den SF Berlin und der erfolgreichsten deutschen Vertretung, der SG Solingen (das ist die heimliche Deutsche Meisterschaft - Glückwunsch!).

Die Werderaner punkteten in Porto Carras überwiegend im Rahmen ihrer Erwartungen, und es war vor allem der erfahrene Großmeister Vlastimil Babula, der sich mit 5 Punkten aus 7 Partien am zweiten Brett ein ELO-Plus von gut 14 Punkten erkämpfen konnte.

Sieger des Wettbewerbs wurde Mednyi Vsadnik St.Petersburg, das in einem dramatischen Spiel die bis dahin führende norwegische Mannschaft von Magnus Carlsen, Valarenga Sjakklub, mit 4 – 2 bezwang.

Turnierseite

Mittwoch, 17 Oktober 2018 19:54

Werder ist bereit für die WM

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Der Europapokal, das letzte Turnier vor der Schachweltmeisterschaft in London: im November wird dort um den Titel gespielt, und sowohl defending champion Magnus Carlsen als auch der SV Werder Bremen präsentieren sich zuvor in Porto Carras ein letztes Mal der Schach-Öffentlichkeit.
Der SV Werder besiegte in der heutigen sechsten Runde den estnischen Vertreter SK Reval-Sport mit einem formschönen 4,5-1,5 und zeigte sich damit in fast schon glänzender WM-Form. Carlsen indes scheint in Griechenland vor dem großen Match befangen und konnte von seinen letzten vier Partien nicht eine einzige gewinnen. Auch heute musste der ambitionierte Norweger gegen den unbekannten Chinesen Liren Ding den sicheren Remishafen anstreben.

Das alles nährt hierzulande natürlich die Hoffnung, dass nach Emanuel Laskers Regentschaft (1894-1921) die WM-Krone endlich wieder einmal nach (Nord-)Deutschland geholt werden könnte. Der SV Werder jedenfalls scheint für dieses Unterfangen aktuell gut genug aufgelegt zu sein. Drücken wir den Bremern die Daumen - toi, toi, toi!

magnus carlsen
                                            Die Schachwelt schaut nach London!

Carlsen-Herausforderer Werder ging gegen den SK Reval-Sport als Favorit an die Tische und steuerte nach drei Stunden einem verdienten Mannschaftssieg entgegen.

Gemäß dem etwas kruden und etymologisch wohl eher dem schleswig-holsteinischen Sprachgebrauch zuzuordnenden Motto "Oben halten, unten spalten" ließen Jan Werle, Vlastimil Babula und Alexander Markgraf an den vorderen Brettern nichts anbrennen und erzielten drei sichere Unentschieden - fast wären hier noch mehr Punkte möglich gewesen.
Diese allerdings holten sich die Hanseaten an den unteren drei Brettern: sowohl Christian Richter als auch Gerlef Meins und Martin Zumsande orientierten sich aus soliden Stellungen heraus nach vorne und profitierten dabei von taktischen Ungenauigkeiten ihrer auf dem Papier etwas schwächeren Gegner.

So stand am Ende ein ermutigendes 4,5 - 1,5 zu Buche. Auch wenn es gegen Magnus Carlsen in Kürze deutlich schwerer werden wird, war es ein Sieg, der das Bremer Selbstvertrauen vor der WM noch einmal stärken dürfte.

Europapokal Foto 2018
                            Team Hansestadt: die Herausforderer sind bereit für die WM

Die weiteren Gewinnzahlen der 6.Turnierrunde:

- Grantham Sharks: yep! 3,5 : 2,5 gegen allerdings wesentlich schwächer aufgestellte Finnen vom SK Comeon.

- Elisabeth Pähtz' Caissa Italia Pentole Agnelli findet weiterhin nicht so recht in das Turnier und verliert leider erneut: 1,5 - 2,5 gegen die ukrainischen Damen von Kyiv Chess Federation.

- ein großer Tag dagegen erneut für die SF Berlin aus der Bundeshauptstadt Berlin: ein überzeugendes 4 - 2 gegen die SF Wirtzfeld (mit IM Juri Boidman an Brett 2). Da jibs nüscht zu meckaan!

- SG Zürich (mit Lother Vogt) und die SG Solingen trennen sich bei vier entschiedenen Partien 3 - 3

- DJK Aufwärtstrend Aachen wird nach dem gestrigen Kantersieg gegen das holländische Leiden vom belgischen Eynatten wieder auf den Boden zurückgeholt und unterliegt mit 4 - 2.

- Magnus Carlsens Valerenga Sjakklubb trumpft auf und ringt den mazedonischen ALKALOIDEN die ersten Mannschaftspunkte ab: 3,5 - 2,5, und die Tabellenführung für die Norweger!

- MiBus Echiquier Amaytois unterliegen der holländischen BSG mit 4 - 2. Wir sagen: schade! und verleihen unserer Hoffnung Ausdruck, dass die morgige Schlussrunde den Echiquiers einen versöhnlichen Turnierabschluss ermöglichen möge!

 

Soweit für heute? Morgen um 14:15 Uhr die letzte Runde, und der Schluss-Spurt um die besten Plätze beim ECC. Welcher Verein aus dem Bundesgebiet - Solingen, Berlin, Aachen oder Bremen - wird am Ende die meisten Punkte sammeln und damit zum heimliichen  Deutschen Meister? Wir gucken uns das an. Aber erstmal noch ein bisschen ....

Lass uns nochmal um die Häuser ziehn
schonungslos und ohne Hintersinn
willenlos und immer mittendrin
an den letzten warmen Tagen in Berlin

(Element of Crime, Alle vier Minuten)

Tjaja, Berlin! Da fährt man schon mal weg aus Deutschland und reist rund 2000 Kilometer über Land nach Süden, und wer wartet dann auf der anderen Seite des Schachbretts - die Schachfreunde Berlin! Die Auslosung der fünften Europapokalrunde paarte die Mannen des SV Werder mit der ständigen Vertretung Berlins beim Europapokal, und was konnte es da Besseres geben als eine brüderliche Punkteteilung nach gut 4 Stunden Spielzeit?

3 - 3 lautete am Ende das Ergebnis im erweiterten Nordderby, und wie befürchtet waren sowohl Werder als auch Berlin die erwartet schweren Gegner - vier der sechs Spiele endeten mit einer resolut entschiedenen Partie, es gewannen Jan-Michael Sprenger mit viel Dynamik und Alexander Seyb für Team Bundeshauptstadt, als auch Vlastimil Babula und Martin Zumsande auf überzeugende Weise für die Bremer Farben. Dem Derby eine versöhnliche Note gaben Rainer Polzin im Spiel gegen Christian Richter (remis!) sowie Marco Baldauf und Alexander Markgraf (remis!).
Damit stehen beide Mannschaften mit je 5 Mannschaftspunkten im europäischen Mittelfeld, und das ist ja auch schon einmal was. Von dieser Warte aus kann man noch gut Punkte aufbauen in den letzten beiden Runden, und wer weiß, wer da noch kommt - vielleicht ja sogar die Grantham Sharks!?

Was sonst noch geschah:

- Schachgesellschaft Zürich: leider eine hohe Niederlage für Lothar Vogt  und sein Team gegen Mednyi Vsadnik St.Petersburg

- unser belgischer Lieblingsverein Echiquier Amaytois mit unserem geschätzten Leser MiBu geht ein bisschen unter (0,5 - 5,5)  gegen Molodezhka - noch immer ist nicht ganz geklärt, zu welcher Föderation diese Mannschaft gehört (wir tippen heute mal auf Österreich).

- die SG Solingen ist wieder da: klarer Erfolg gegen den SK 1911 aus Norwegen. Gut gemacht!

- die DJK Aufwärts Aachen mit Weltmeister Alexander Donchenko hat sich von Magnus' Leuten gestern nur vorübergehend stoppen lassen: heute ein geschmeidiges 4,5 - 1,5 gegen die LSG Leiden (?) ("Ich wünsch' Dir Liebe ohne Leiden" - ein alter Song von Udo Jürgens)

- mein anderer belgischer Lieblingsverein Eynatten (am Brette dort Thomas Koch und GM Michael Hoffmann) rang bei Redaktionsschluss noch mit dem slowakischen Dunajska Streda (2,5 - 2,5) - wir bleiben dran.

- Caissa Italia Pentole Agnelli, die Mannschaft von Elisabeth Pähtz, hatte es heute schwer und verlor mit 1 - 3 gegen Odlar Yurdu. Es bleibt der Trost, dass Caissa Italia Pentole Agnelli ein wirklich schöner Clubname ist!

- Und hatten wir es schon gesagt: mein belgischer Lieblingsclub, die Grantham Sharks, are going strong, winning with 4,5 - 1,5 against Hillerod Skakklub aus Südskandinavien. Go, Sharks, go!

 

Und das war es schon wieder für heute - wir melden uns wieder, wenn es weitergeht. Bis dahin, und Grüße nach Berlin!

Montag, 15 Oktober 2018 20:33

Nordmänner obenauf, aber Donchenko rettet den Tag

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Hoch ging es her an den Brettern, doch es endete mit einem Tiefpunkt: nach einem knappen 2,5 – 3,5 gegen Nordstrand Sjakklub aus Norwegen findet sich die ECC-Mannschaft des SV Werder nun im europäischen Mittelfeld wieder.

Zu stark waren am Ende die Skandinavier, als dass Team Hansestadt an diesem Tag noch etwas hätte ausrichten können. Und doch, fast wäre es geglückt, denn in einer umkämpften Stellung ging es für Christian Richter drunter, drüber, seitlich und kopfüber (Springer weniger! Freibauer auf der Siebten!). Es bot sich kurz vor dem Ende eine überraschende Möglichkeit zum vollen Punkt und damit zum Ausgleich für Bremen. Indes, nach vielen Stunden der Anspannung am Brett und in beiderseitig hoher Zeitnot übersah Christian die unerwartete Chance und musste sein Spiel in den sicheren Remishafen steuern.

Zuvor hatte Großmeister Vlastimil Babula eine unternehmungslustig angelegte Partie druckvoll mit einem Punkt für Werder zu Ende geführt, und auch Gerlef Meins und Jan Werle ließen in ihren Begegnungen gegen gut aufgelegte Nordmänner nichts anbrennen. Nachdem zuvor aber Spartak Grigorian im Mittelspiel etwas den Faden verloren hatte und ebenso wie Martin Zumsande in einer schwerblütigen Partie die Hand zur Aufgabe reichen musste, hatten die Bremer in der Endabrechnung einen Punkt weniger als ihre Gegner – eine an diesem Tag letztlich wohl verdiente Niederlage (wenn nicht sogar Norderlage) gegen die von ihrem Mannschaftsführer Paal Nordquelle (sic!) bestens eingestellte Nordstrander. Wir sagen: Hjertelig til lykke!

Die anderen deutschen Vereine oder auch die Vereine mit deutschen Spielern waren da heute etwas erfolgreicher, und wir denken dabei zuallererst natürlich an den DJK Aufwärts Aachen! Zwar verloren sie relativ deutlich gegen das relativ starke Team von Valerenga Sjakklubb (schon wieder Norwegen - was ist denn da los beim ECC?), doch was soll man sagen? Es gab ein Remis der Stärke in diesem Kampf, und zwar von Alexander Donchenko, mit den schwarzen Steinen im Spiel gegen den Weltmeister Magnus Carlsen! Was für ein Tag - wir freuen uns mit Alexander, der mit diesem irren Ergebnis alle anderen schmerzvollen Begebenheiten dieser Runde so gut wie vergessen macht. GLÜCKWUNSCH nach Aachen - ein großartiges Kampfremis, und eine Partie für die Kolumnen! Auch auf der DJK-Webseite wird die Partie ausgiebig besprochen.

Carlsen Donchenko 12
Remis gegen den Weltmeister! (Bild: Chess24-Webseite, vielen Dank)

Mit diesem schönen Ergebnis könnte man das Turnier gerne auch schon für beendet erklären, denn besser kann es nun ja fast nicht mehr werden. Doch drei Runden stehen noch an, und bevor es morgen weitergeht, schnell ein vertraulicher Blick auf die weiteren (deutschen) Ergebnisse der heutigen Runde in Porto Carras:

- Werder - Nordstrand Sjakklub: wir haben nochmal nachgeschaut, aber leider steht es noch immer 2,5 - 3,5

- SF Berlin - leider verloren und auch hoch, gegen ein bärig aufgestelltes Équipe von Molodezhka. Wo ist das? Wir tippen auf ... Georgien, aber vielleicht wissen die LeserInnen da mehr? Den Ehrenpunkt für die Hauptstadt holte SF Rainer Polzin gegen IM Semyon Lomasov (ELO 2540).

- die SG Solingen trennt sich gegen Wood Green aus England mit einem verantwortungsvollen 3 - 3. Auch hier war für beide Mannschaften mehr drin, besonders aber wohl für Wood Green. Doch aus mehr als 2.000 km Entfernung lässt sich das immer sehr leicht sagen Ein 3- 3 macht nichts kaputt.

- Elisabeth Pähtz' Team von Caissa Italia Pentole Agnelli (klingt schön!) kam heute leider unter die Räder gegen Cercle d'Echecs de Monte-Carlo (was aber auch ganz gut klingt).

- Schachwelt-Leser Michael Buschers Echiquier Amaytois setzte sich mehr als souverän durch mit 4 -2 gegen Drejtesia (auch hier die Frage an alle LeserInnen - wo nur ist Drejtesia?)

und schließlich

- die SG Zürich gewinnt gemeinsam mit Lother Vogt gegen die Rehovot Chess School aus Israel: 3,5 - 2,5!

- Michael Hoffmann, Großmeister, hat mit seinem belgischen Team Eynatten 3,5 - 2,5 gegen Alexander Khalfimans Overtime gewonnen. Das ist doch was!

- Grantham Sharks - Blackthrone Russia 3 - 3. Beides sind im Übrigen, auch wenn die Namen das nicht ganz offenlegen, englische Vereine!

 

Damit enden wir heute und lecken - wenn wir Werderaner sind - unsere Wunden. Doch morgen geht es weiter. Frischauf, Gesellen, seid zur Hand - um 14:15 Uhr in einer Art Derby gegen die Schachfreunde Berlin!

Sonntag, 14 Oktober 2018 19:16

Die Alkaloiden, diesmal noch zu stark

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Kurz war der Traum, und schon ist er wieder vorbei - mit einem höchst eindeutigen 5 - 1 Sieg kegelte das mazedonische Team von ALKALOID die Vertretung des SV Werder vom zweithöchsten Tisch des Europapokals wieder zurück in die Tiefen des Turniersaal. Für dieses Mal waren die Super-Großmeister aus China, der Ukraine und auch Russland noch zu stark, und allein Werders erfahrene Titelträger Jan Werle (Remis gegen Liren Ding!) und Vlasti Babula (Remis gegen Yangyi Yu!) vermochten die grün-weiße Fahne mit Erfolg hochzuhalten.
Die anderen vier Bremer zahlten heute etwas Lehrgeld, doch wer weiß - mit neuen Erfahrungen und gestärkt im Kontakt mit der Weltspitze gehen auch sie in die nächsten Runden des Turniers. Schauen wir mal! Und wenn gar nichts mehr geht, hilft immer noch griechischer Wein.



1 - 5, das ist wahrlich ein hohes Gebot und beinahe schon so, als würde die Deutsche Fußballnationalmannschaft mit 0 -3 in den Niederlanden unterliegen. Und doch hatten die sechs Alkaloiden für einige Zeit gar nicht so riesenhafte Vorteile auftürmen können. Wir zeigen in der Schachwelt-Blitzanalyse den Verlauf des Kampfes im Detail:

alkaloid werder 1

Noch sieht alles vertrauenserweckend aus bei Team Hansestadt - wenn man wie ich nur wenig bewandert ist bei positionellen Erwägungen und dem Führen der Zentrumsbauern, so helfen doch immerhin (mit einem Dank an Chess24) die weiß-schwarzen Balken links an den Bretträndern bei der Orientierung. Hier scheint alles noch gut im Lot zu sein.

Eine Stunde später hatte sich das schon ein bisschen geändert:

Werder Alkaloid 1543

Immer noch (Balken beachten!) relativ ausgeglichene Spiele - allein Spartak Grigorian aus Bremen entfaltet bereits Druck gegen Jakovenko, und man fragt sich, wer ist denn hier der Großmeister? Etwas knifflig dagegen scheint die Lage bei Andreikin - Markgraf. Vorteil für Weiß an diesem Brett, und auch wenn mich Alexander Markgraf immer schon mal souverän besiegen konnte - in Andreikin scheint er heute vielleicht seinen Meister zu finden. Alle anderen Begegnungen indes laufen offenbar auf ein Unentschieden heraus, und DAS wäre doch mal was.

Wir springen wieder etwas weiter in die Zukunft und decken schonungslos auf:

Final Screenshot from 2018 10 14 18 47 50

Da ist etwas schiefgegangen - Punkt um Punkt für die Schachfreunde aus Mazedonien, und die wackeren Werderaner blieben am Ende ohne zählbaren Erfolg an den letzten vier Brettern.

Aber hey!, das waren ja auch gestandene Profis und wahre Supergroßmeister, da kann man ja mal verlieren. Umso schöner der Verlauf bei Jan Werle und Vlastimil Babula: zwei Remisen gegen die Weltklasse, das ist aller Ehren wert. Zeit für eine Rückschau beim gemeinsamen Abendessen, und morgen werden die Figuren neu aufgebaut.

Was geschah in den anderen Spielen?

- DJK Auswärtssieg Aufwärts Aachen siegt souverän 4,5 - 1,5 gegen die formidable mazedonische Mannschaft von CC Gambit Asseco und gleicht damit die heutige Länderwertung Deutschland - Mazedonien aus (2-2).

- Die aus der Hauptstadt angereisten SF Berlin gewinnen mit gleichem Ergebnis und sehr klar gegen die Holländer von MuConsult Apeldoorn. Wir fragen uns - wofür steht das "Mu"?

- die SG Solingen trennt sich mit einem umkämpften 3 - 3 von SK Reval-Sport aus Estland.

- Echiquier Amaytois aus Belgien gewinnt das Lokalderby gegen En Passant aus den Niederlanden mit einem hübschen 4 -2. Wir grüßen hiermit unseren treuen, loyalen und liebenswerten Leser Michael Buscher, der bei Amaytois das dritte Brett stärkt!

- Und die Grantham Sharks? 4,5 - 1,5 gegen den Dublin Chess Club!

Am Montag schon geht es weiter. Schaltet alle ein um 14:15 Uhr und drückt den deutschen Ländervertretungen die Daumen! (und natürlich auch den Grantham Sharks)

 

Sonntag, 14 Oktober 2018 11:27

Europas Pokale: Knapper Sieg für Nord!

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Europapokal in Griechenland, Runde zwo - Werder gegen Solingen! "We call it a Klassiker", könnte man mit den Worten von Franz Beckenbauer formulieren, denn immerhin gehören beide Vereine zu den mehr (Solingen!) oder weniger (Werder!) prägenden Vereinen der Schach-Bundesliga.
Solingen hatte in seinen großen Zeiten sogar den Europapokal geholt und konnte die internationale Konkurrenz dabei souverän hinter sich lassen. Heute steht das Team aus Klingenstadt für eine schöne Mischung aus etablierten Meistern und jungen, aufstrebenden Spunden, und nicht allein deshalb holten sie sehr zur Freude Unfreude Baden-Badens vor zwei Jahren die Deutsche Meisterschaft (hup hup!).

Ins griechische Porto Carras hatte Solingen eine Nicht-Ganz-A-Équipe entsandt und war damit ähnlich wie Werder renommiert, aber nicht mit der allerhöchsten Kategorie von Spielern am Start. Damit erschien das Match zwischen Nord und West ganz und gar offen, keine großen ELO-Vorteile an den allermeisten Brettern, und so würde wohl die gute alte Tagesform den Ausschlag geben.
Der Mann für große Tagesform im Solinger Dress war Sandipan Chanda, der gegen Vlastimil Babula in erst ausgeglichener Stellung immer mehr Tricks auspackte und schließlich mit einem elegant vorgetriebenen Freibauern die Partie entschied.

Chanda Babula

Keine Geschenke unter GM-Kollegen: mit dem strengen 29. Le3-h6, Tf8-f7 30.Sd5-f6! setzte
Sandipan Chanda hier zur Umklammerung an und ließ nicht mehr los, bis er gewonnen hatte.

Führung für Solingen, 2,5 - 1,5 nach rund vier Stunden, und der neutrale Beobachter am Bremer Bildschirm machte ein langes Gesichter - wo sollte nun noch der Ausgleich herkommen?

Gupta Richter
Milon Gupta - Christian Richter: Schwarz kann etwas drücken, doch ob das auch gewinnt?

Weder Spartak Grigorians Turmendspiel gegen FM Michael Berg noch Christian Richters Lavierstellung gegen FM Milon Gupta verhießen große Chancen für einen vollen Punkt. Und dann, doch ein voller Punkt bei Spartak, der Ausgleich in einem gar nicht so klar gewonnenen Turmendspiel! Und auch bei Christian ergaben sich Chancen, und nach einem kleinen taktischen Trick ging es auch hier ins Turmendspiel, wenn auch mit einem Mehrbauern für den Bremer. Ob das noch zu gewinnen war?

Der mitlaufende Heimcomputer entschied auf Unentschieden, doch am Brett wollte IM Richter davon nichts wissen, nutzte ELO-Vorsprung sowie seine langjährige Erfahrung und gewann im 134.Zug. Was für ein Tag - 3,5- 2,5 für den SVW in einem dramatischen (Bundesliga-) Match!

In den anderen Spielen mit deutscher Beteiligung sah man gestern:

a) DJK Aufwärts Aachen - Dunajsk Streda 2,5 - 3,5 (schade!)

b) Obiettivo Risarcimento Padova (stark!) - SF Berlin (Hauptstadt!)    5 - 1   (kann passieren, sehr starker Gegner)

c) Niederlande - Deutschland 3 - 0 in der UEFA Nations League (und klar, kann auch passieren) (hup hup!)

Heute bzw. gleich schon geht es weiter, dritte Runde, und es heißt "raus aus dem Mittelmeer und zurück ans Brett!" für alle Spieler. (Noch) Im Konzert der Großen dabei ist Werder Bremen mit 4 Mannschaftspunkten, und da trifft es sich gut, dass heute mit Alkaloid aus Mazedonien ein Schwergewicht und eines der Überteams dieses Wettbewerbs wartet: Liren Ding, Yangyi Yu, Dmitry Andreikin, Dmitry Jakovenko, Pavel Eljanov und Yuriy Kryvoruchko - und das sind nicht die Namen der Werderaner.

Freuen wir uns auf eine interessante Begegnung am zweiten Tisch, und auf die Spiele von Aufwärts Aachen (NRW) - Gambit Asseco (Mazedonia) sowie SF Berlin (Hauptstadt) - MuConsult Apeldoorn (Niederlande).

Samstag, 13 Oktober 2018 12:27

Lockruf des Europapokals: Auf nach Griechenland

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Auf nach Griechenland! Auch wenn in Bremen und umzu noch immer eine fast mediterrane Sonne scheint, so sind sieben wackere Bremen doch ins schöne Griechenland aufgebrochen, um dort den SV Werder beim Europapokal der Vereine zu vertreten. Leider ist am Mittelmeer der Himmel grau und bewölkt (siehe Foto) – wer hätte das gedacht? Doch um sich fokussiert dem Treiben auf dem Schachbrett zu widmen, ist grauer Himmel vielleicht ja umso besser, und so rauschten die Grün-Weißen am gestrigen Freitag gleich mit einem furiosen 5,5 : 0,5 gegen das dänische Team Nordkalotten (“Nordkap”) ins Turnier. Auftaktsieg!

Für Werder am Start sind die beiden gestandenen Großmeister Jan Werle und Vlastimil Babula, flankiert von einer beachtlichen Riege Internationaler Meister. Als IM-Viererkette gehen Martin Zumsande, Christian Richter, Alexander Markgraf und Mannschaftskapitän Gerlef Meins an die Bretter. Siebter im Bremer Bunde ist Local Hero Spartak Grigorian, auf- und schachlich großgewachsen in Wildeshausen nahe Bremen. Das intensive Training und die großartige Betreuung im SK Wildeshausen waren die Grundlage, mit der sich Spartak 2015 die Deutsche U18-Meisterschaft erkämpfte, ehe er zur Schachabteilung des SV Werder und in die Bundesliga wechselte.

Europapokal Foto 2018

Die glorreichen Werder-Sieben: (v.l.n.r.) Spartak Grigorian, Jan Werle, Vlastimil Babula, Alexander Markgraf, Christian Richter, Käpt'n Gerlef Meins, Martin Zumsande. Links und rechts im Bild die Trophäen für die zwei besten Teams.

 

Im Startranking ist der SVW an Platz 10 von 61 Teams. Aus Deutschland sind weiterhin DJK Aufwärts Aachen, die SG Solingen und als Vertreter des Hauptstadtschachs die SF Berlin. Da trifft es sich sozusagen gut, dass heute mit Solingen und Werder gleich zwei der Stammkräfte aus der Bundesliga aufeinandertreffen – ein harter Brocken für beide Mannschaften.

Übertragen wird alles live im Netz, bei Chessbase als auch bei Chess24, und ab 14:15 Uhr laufen die Partien natürlich auch auf der Turnier-Homepage.

Wir freuen uns auf sieben spannende Runden Schach am Ufer des Mittelmeers, in Porto Carras. Auch Magnus Carlsen ist mit am Start!

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Vorbericht von Thomas Richter beim Schachticker

Vorbericht bei chessbase

UND ein aktueller Rundenbericht von Olaf Heinzel, der mit Recht kritisch auf die Spielbedingungen vor Ort eingeht

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Und, und, und .... hier noch was für Freunde der russischen Sprache!

Montag, 27 August 2018 20:46

HH - HB: Roland Michel's coming home!

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Diese Bremer! Über Jahre hielten sie im prestigeträchtigen Vergleichskampf "Hansestädter spielen Schach" gegen Hamburg den Ball ganz ganz flach, verloren mal hier, verloren mal dort, und eigentlich war es stets die andere, die größere Stadt an der Elbe, die die inoffizielle hansestädtische Mannschaftsweltmeisterschaft für sich entschied.

Hamburg rules, doch offenbar nicht für immer - denn kaum hatten Boris Bruhn, Chef des Hamburger Schachverbandes, und Oliver Höpfner, ebensolcher Chef des Bremer Komitats, in diesem Jahr erstmalig einen Pokal ausgelobt für die siegreiche Équipe, schon rissen sich die Bremer am Riemen und zack!, gewannen das große 2018er Match mit einem verwegenen und durchaus historischen 32,5 : 27,5 Erfolg in Hamburg. Auswärtssieg, Pokalsieg - was für ein Tag für das Bremer Schach!

Der prunkvolle Roland-Michel-Pokal, so heißt die nach den beiden Wahrzeichen Michel (Hambuurch) und Roland (Brrremen) sehr hübsch benannte Trophäe, wird nun für zwölf Monate einen würdevollen Platz in den Bremer Stadtmauern erhalten und Ruhm, Ehre, Ansehen und Reichtum der Hansestadt mehren.

Präs
            Boris Bruhn und Oliver Höpfner eröffnen die Spiele

HH HB 1
Ehre wem Ehre gebührt: der Roland-Michel-Pokal geht an das Bremer Team!

Selbst die Älteren unter den Bremern vermochten sich nicht daran zu erinnern, dass es in diesem noch sehr jungen Jahrtausend jemals einen Bremer Sieg gegen Hamburg gegeben hatte (außer wenn Werder Fußball gegen den HSV spielte natürlich, und da dann (leider) auch umso öfter).

Doch im Schach, und darum geht es ja in unserem kleinen Blog, da waren die Hamburger einfach immer zu stark gewesen. Andreas Calic, ein profunder Kenner des bremischen Schachs, wusste zu berichten, dass dieser norddeutsche Vergleichskampf allerdings eine sehr lange und schöne Tradition hat, und schon nach dem Krieg in den späten Vierzigern waren wohl um die 100 Bremer zu einem großen Match an die Elbe gereist.

Und vorher!, hundert Jahre und mehr ist es her, auch da schon hieß es Bremen-Hamburg, oder Hamburg-Bremen, immer wieder, ein Highlight des jährlichen Turnierkalenders im Norden. Oft besuchten sich auch weniger die Landesverbände als eher die großen Vereine der Stadt, in Gestalt der Bremer Schachgesellschaft von 1877 und ihres Hamburger Gegenparts.
So war die 2018er- Auflage in den Worten von Andreas mit einem Match an dreißig Brettern zwar nicht die größte, doch immerhin die neueste in dieser langen Reihe von freundschaftlichen Veranstaltungen. Es ist wundervoll und auch inspirierend, dass diese Tradition in 2018 eine weitere Fortsetzung fand, toll und gemeinsam organisiert vom Hamburger und Bremer Verband - und Kinners, was vergeht die Zeit doch immer schnell!

BSG Hamburger Schachheim 1924
Ein Blick zurück: 1924 empfängt die Bremer SG das Hamburger Schachheim
                                                     Foto: Schach-Archiv der Bremer Schachgesellschaft (super!)

Gegen Bremen kamama verlier'n

Dreißig wackere Bremer machten sich also am letzten August-Sonntag auf den Weg, erst fix mit der Bahn bis Hamburg Hauptbahnhof, dann mit der Unter(?)grundbahn U3 überraschenderweise über der Erde entlang der Elbe bis zum Schlump. Und dort, im Hamburger Haus des Schachsports, empfingen dreißig ausgewählte Elbstädter ihre Gegner für zwei mittellange Schachpartien mit je einer Stunde Bedenkzeit (kein Zuschlag!).

HH HB 3
Das Haus des Schachsports am Schlump  (Foto: Andreas Calic)

Hamburg war dabei vollauf mit seiner Gastgeberrolle ausgefüllt, und Boris Bruhn (siehe oben, der Hamburger Vorsitzende) war zusammen mit seinem Landesturnierleiter Hendrik Schüler vollauf beschäftigt, für die insgesamt 60 Denksportler Kaffee zu brauen, die feine Hamburger Mischung, ganz in der großen Kaffee-Tradition der Hansestadt (Tchibo! Darboven!). So fehlten Boris und Henrik allerdings am Brett, während Präses Höpfner (Bremen) mit seinen Mannen Schulter an Schulter am Brett sitzen konnte und gegen einen Schachfreund aus Fischbek zwei wichtige präsidiale Punkte angelte.

Webner
Ein vortreffliches Handgemenge bei Ole Poeck (HH) - Dennis Webner (HB). Mit sechs
Sekunden auf der Uhr setzte Dennis am Ende noch Matt!

Calic
Die Kunst der Springerführung - Andreas Calic spielte die Eröffnung wie Jörg Hickl
und holt einen wichtigen Punkt!

Während Team Hamburg sowohl an den oberen Brettern (2 starke IMs!) als auch an den unteren Brettern favorisiert schien, brachte Team Bremen an den zahlreichen mittleren Brettern die leicht höhere DWZ an den Start. Da konnte auch Fritz Fegebank, Urgestein von den SF Hamburg (und seit vielen, vielen Jahren... treues Werder-Mitglied) nichts ändern, denn im Mittelbereich sammelten die Bremer gerade am Vormittag deutlich Punkte. Und obwohl Dirk Stieglitz sich zwischenzeitlich sogar von einer HSV-Wespe angegriffen wähnte, fuhr seine Mannschaft letztlich einen klaren 17,5:12,5- Auftaktsieg ein. Fünf Punkte vor, das war schon mal ein Pfund vor dem Rückspiel am Nachmittag, und beruhigend, denn immerhin ging es ja in diesem Jahr um den Roland-Michel-Pokal!

Nach einigen recht mauen Turnierergebnissen in den langen letzten Monaten und leichter Schachunfreude noch während der Anreise startete auch ich gut in den Tag:

Steffens Serrer
Olaf Steffens - Christoph Serrer: Schwarz am Zug sicherte
mit 10. ... Sb8-a6 das Feld c7.
Was war darauf eine gute Antwort?

Es ist wahrscheinlich nur ein schöner Zufall, dass im Haus des Schachsports im Erdgeschoss eine Burger-Bar logiert - nach dem wohltuenden Ergebnis am Morgen konnten die Bremer hier gleich noch ein paar schöne (Achtung, Kalauer) Hamburger verputzen!

Im unvermeidlichen Rückkampf wurden streng die Bretter gedreht, und dieselben Gegner beharkten sich aufs Neue. Team Hansestadt Hamburg blies noch einmal energisch zur Aufholjagd, und tatsächlich wackelten einige Bremer Stellungen bedenklich im Elbwind hin und her. Doch dann, Überraschung, ein solides 15:15 auch am Nachmittag, und wenn man dann beide Ergebnisse zusammenzählte ... ein klarer Gesamtsieg für die kleinere Hansestadt!

"Nach so einer bitteren Niederlage wird traditionell der Trainer gefeuert - dummerweise hatten wir gar keinen." (Hauke Reddmann, auf der Seite des Hamburger Schachverbands)

HH HB 6
Team Wesertiger vor der Heimreise:
             wer entdeckt den Roland-Michel-Pokal?      (Foto: Andreas Calic)

Danke an die Hamburger für einen schönen Tag voller Schach - Ihr wart tolle Gastgeber. Wir Bremer freuen uns (vor allem über den Pokalsieg, aber auch) auf den Rückkampf im nächsten Jahr. Dann wird neu ausgespielt. Hummel Hummel!

Dienstag, 21 August 2018 20:56

Mat op 't Wad - Schachkönig Manuel I. von Texel

geschrieben von

Warum ein Bericht über ein Provinzturnier am Samstag 18. August? Nun, weil es meine Provinz und mein Verein ist und weil das Turnier schon bei der ersten Auflage (oben) wohl noch etwas stärker besetzt war als ein typischer Werder-Monatsblitz - das lag aber nicht am ausrichtenden Verein. Wohl für alle war die erste Auflage von "Mat op 't Wad" (es wird nun sicher eine zweite geben) ein Erfolg - mit einer Ausnahme, und diese Person schreibt nun über das Turnier. Ein Vereinskollege, selbst verhindert, hat hinterher vorgeschlagen, dass die letzten acht der Setzliste statt Schweizer System ein eigenes Rundenturnier hätten spielen können - meine Reaktion: "um Gottes Willen, dann hätte ich (auf dem Papier Nummer 11 von 29) ja gar keine Partie gewinnen können". Ideengeber und Hauptorganisator war übrigens unser Gastspieler Jan Willem Duijzer aus Den Haag, der dann den Turnierleiter machte und selbst nicht mitspielte.

Ein Sohn unseres Vorsitzenden und vielfachen Vereinsmeisters heisst Manuel Dros, ist aber kein Schachspieler. Gemeint ist also ein anderer, Leser ahnen vielleicht bereits wer. Insgesamt haben immerhin zweieinhalb IMs mitgespielt, und zehn Spieler mit Elo über 2000. Warum zweieinhalb, siehe gleich. Zwei der IMs wurden eingeladen, einer zögerte lange und hat seine Teilnahme dann nicht bereut - er bekam wohl nur Reisekosten erstattet, und das nicht einmal in der ersten Klasse. Der andere IM bekam noch etwas mehr (Summe kenne ich nicht und würde sie auch nicht verraten), da er nicht nur Schach spielte. Der zweieinhalbte kam zusammen mit Vereinskollegen einfach so aus Purmerend bei Amsterdam, und auch andere (relativ) starke Spieler hatten keinen ganz konkreten Grund, um mitzuspielen.

Das kam dabei heraus: IM Manuel Bosboom (der also, NL-Elo 2389) 6.5/7, (IM) Pieter Hopman (2311) 5.5, IM Yochanan Afek (2247), Warner de Weerd (2207), Simon Elgersma (2226), Dick de Graaf (2078), Hébert Perez Garcia (2035) 5, Gerard van Es (2129) 4.5, Esper van Baar (2201), Onno Elgersma (2136), Jaap Dros (1880), Rob Graaff (1620), Joanna van Schaik (1110) 4, usw. - wer unter anderem nur (oder immerhin noch) 50% erzielte, da muss der Leser sich noch etwas gedulden. Klar ist bereits, dass es keine Elo-Untergrenze gab - wobei die NL-Elo von Joanna van Schaik (hat gerade wieder mit Schach angefangen) auf nur sechs Partien beruht. In der ersten Runde konnte sie gegen mich durchaus mithalten (auch wenn ich wohl besser stand), hat dann aber die Dame eingestellt und das konnte dann selbst ich gewinnen. IM in Klammern bei Pieter Hopman sollte ich wohl erklären - noch ist er es nicht offiziell, aber er hat alle Voraussetzungen erfüllt und bewies dabei einen langen Atem: erste Norm 2005 in Wijk aan Zee (höchste Amateurgruppe), die zweite 2014 bei einem Normturnier im belgischen Eupen, die dritte nun 2017/2018 in der zweiten NL-Liga. Elo 2400+ einmal im Schachleben hatte er 2014 aufgrund desselben Turniers in Eupen.

Manuel Bosboom hat bereits drei GM-Normen (1997, 2013 und 2014), die beiden letzten allerdings jeweils über sieben Partien beim Europacup für Vereinsteams, also braucht er noch eine vierte. Außerdem - und das ist wohl eher ein Problem - braucht er für den GM-Titel einmal im Schachleben Elo mindestens 2500. Sinn der Sache, das Turnier mitten in der Urlaubszeit auszutragen, war eventuell auch Teilnahme (deutscher) Touristen. Früher hatten wir "Sommerschach" mit mal stärkeren, oft auch eher schwachen Gästen aus Duitsland. Diesmal hat es nicht funktioniert - lag vielleicht auch daran, dass Touristen meistens am Freitag (oder Samstag) anreisen, es erst dann aus der Touristenzeitung erfahren und sich dann spontan entscheiden müssen. Zwei hatte ich noch persönlich angesprochen, aber für sie war dieser Samstag Abreisetag und sie wollten oder konnten nicht noch ein paar Stunden länger auf Texel bleiben. Immerhin konnten wir zwei eigene Spieler reaktivieren: Gerard van Es spielt seit einigen Jahren sonst nicht mehr oder nur im Internet, unser über 90-jähriger Nestor Aad Bakker (3.5/7) kommt nicht mehr zum Vereinsabend.

Ein Auto mit u.a. Pieter Hopman und Warner de Weerd hatte wegen Stau die Fähre knapp verpasst, zum Glück ging die Fähre halbstündlich und wir konnten so auf sie warten - das Vorprogramm wurde etwas verlängert. Leser ahnen vielleicht bereits, was Yochanan Afek auch machte: Endspielstudien zeigen. Für dieses Publikum (mehr als die Hälfte Elo z.T. deutlich unter 2000) wählte er relativ leichte Kost - ich zeige daher nur die Diagramme, Leser dürfen selbst lösen, Weiß erzielt aus diesen drei "Partien" 2,5 Punkte:

Studie 1

Studie 2

Studie 3 Troitsky

Die letzten beiden sind nicht eigenes Werk. Zur zweiten fragte er "wer kennt das bereits?" - wenn ich nichts übersehen habe gingen nur zwei Hände hoch: Bosboom (Liebhaber von Endspielstudien) und meinereiner. Die dritte stammt vom Endspielstudien-Pionier Alexey Troitsky.

Vom Turnier habe ich, da ich selbst auch Schach spielt oder so tat als ob, eher wenig mitbekommen. Bosboom sagte hinterher in seiner Siegerrede "das letzte Mal war ich auf Texel Fallschirmspringen, heute musste ich mehr bange Momente überstehen". Ganz souverän war es also nicht immer, es wurde ja Schnellschach gespielt (hatte ich noch nicht erwähnt, aber so geht sieben Partien an einem Tag). Gegen Warner de Weerd hatte mit beiderseits weniger als einer Minute auf der Uhr (Bedenkzeit 15 Minuten plus 3 Sekunden Inkrement) erst er einen ganzen Turm eingestellt, dann sein Gegner. Mangels Material, das man nun noch einstellen konnte, einigten sie sich dann auf Remis. Wenn derlei auch am Spitzenbrett passiert, hatte ich eine Partie, in der ich mit Mehrqualität erst die Qualität einstellte (immerhin noch zwei Mehrbauern) und dann einen ganzen Turm, vielleicht voreilig aufgegeben. Gegen Pieter Hopman hatte Bosboom eine Qualität weniger für zwei Bauern, laut kompetenteren Kibitzern stand Hopman auf Gewinn - aber später überschritt er in jedenfalls unklarer Stellung die Bedenkzeit. In der letzten Runde hat Bosboom dann - das weiss ich nur vom Hörensagen - spekulativ aber zumindest für Schnellschach relativ korrekt eine Qualität geopfert und spielte dann seinen Gegner schwindlig. Laut Lokalzeitung war auch die Niederlage von Warner de Weerd in der letzten Runde gegen Pieter Hopman unnötig - "Details" entschieden, wer relativ viel Preisgeld bekam (100 Euro für Platz eins, 75 Euro für Platz zwei) und wer sich mit 10 Euro für den geteilten 3.-7. Platz begnügen musste.

Tja, und ich sollte wohl doch mein eigenes Ergebnis erwähnen: 3.5/7 auf etwas andere Weise als im September 2017: damals gegen durchgehend nominell stärkere Gegner (TPR 2166), nun gegen bis auf Warner de Weerd nominell schwache (TPR ca. 1600). Und nach dem Turnier:

Foto3b

Dieses Handy-Foto ist etwas misslungen, aber das einzige das wir haben - an der PR müssen wir noch arbeiten. Von rechts nach links der Erste im Turnier, der Erste von hinten (Calvin de Graaf, Sohn von Dick de Graaf), der erste der gar kein Preisgeld bekam (Gerard van Es) und ohne konkreten Grund meinereiner. Ich hatte mehr Bierchen als Punkte im Turnier, das hat Bosboom vielleicht auch noch geschafft. Aber ich hatte mich nach dem vierten Bier verabschiedet, und die Bar unseres Spiellokals machte zu. Bosboom und einige andere hatten allerdings bis zur letzten Fähre aufs Festland noch gut zwei Stunden Zeit und wollten noch "downtown Den Burg" erkunden.

Gesprächsthema waren natürlich Anekdoten, z.B. aus Gibraltar (nach eigener Aussage stand Bosboom gegen Kortschnoi damals auch mal auf Gewinn), vom Europacup in Rhodos 2013 und auch dem Jahr darauf in Bilbao (u.a. Bosboom-Leko 1-0, glatt und das trotz "normaler" Eröffnung). Auf meine Frage nach seiner weitesten Anreise zu einem Turnier: "Südafrika - sie hatten mich eingeladen und ich konnte Erste Klasse fliegen". Da ist er vielleicht zwischen Geschäftsreisenden aufgefallen - ähnlich wie Udo Lindenberg oder Mick Jagger, wenn sie sich derlei mal gönnen sollten? Oder hatte er da jedenfalls eine Krawatte, wie beim Interview nach dem Sieg gegen Leko?

Soviel zu diesem Turnier, das nächstes Jahr sicher wiederholt wird - Bosboom will seinen Titel verteidigen. Nächstes Schnellturnier für mich wohl das Chrysantentoernooi 2018 am 22. September. Da wäre (Elo-Untergrenze im Hauptturnier 1800) 3.5/7, egal wie es zustande kommt (wenn es zustande kommt) wieder ein jedenfalls etwas besseres Ergebnis.

 

 

 

Montag, 18 Juni 2018 13:53

Ein Bauernendspiel

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Dieser Beitrag war schon eine Weile geplant - die Partie ist zwar noch nicht allzu lange her (27.6.2018) aber seither erlebten die Herren Ding Liren und Aronian einiges. Der Chinese musste bei einem Fahrradausflug am Ruhetag in Stavanger feststellen, dass es schlimmere Dinge gibt als eine Blitzpartie (in der er zuvor mal auf Verlust stand) nicht zu gewinnen, der Armenier war dagegen danach in Leuven aktiv und ist es demnächst in Paris. Thema heute mal wieder Motive in Bauernendspielen, die auch Weltklassespieler im Blitztempo nicht immer beherrschen - und im Blitzturnier vor Norway Chess waren Ding Liren und Aronian beide nicht gut drauf. Vermutlich wussten sie während der Partie, dass Weiß (Ding Liren) auf Gewinn stand - siehe Titelbild, die Mutter aller Bauerndurchbrüche im Bauernendspiel. Dagegen vermute ich, dass beide nicht einmal ahnten, dass zuvor auch Schwarz mal auf Gewinn stand. Am Ende wurde es Remis, was sich schon nach spätestens 23 von dann insgesamt 62 Zügen abgezeichnet hatte:

move 23 remis

Wie in der Eröffnung bzw. kurz danach Figuren abgetauscht wurden ist nicht Thema dieses Beitrags (und wohl auch keines anderen Beitrags). Nun erst zwei Aufgaben, deren Auflösung ich später verrate:

move 38 Schwarz gewinnt

Schwarz am Zug gewinnt - wie Weiß es zuvor schaffte, seine Bauernstruktur zu kompromittieren, kommt später. Schwarz sah es nicht und geriet dann (siehe Titeldiagramm) auf Abwege, nächste Aufgabe:

move 45 Weiss gewinnt

Weiß am Zug, was tun? Die Partiefortsetzung vergab den Gewinn nicht, aber es ging einfacher. Wie Weiß zuvor einen entfernten h-Freibauern bekam, siehe Titeldiagramm.

move 32

Nun zur Partie, spätestens nach gerade 31.Dxc5 Txc5 schien das Remis wirklich unterschriftsreif. Aber nun spielte Ding Liren das "aktive" 32.b4?! (macht man im Blitz vielleicht automatisch) und das konnte er bereuen - auch wenn es objektiv noch remis war. 32.-Tc3 33.Te3 (33.Ta1 macht man natürlich ungern, Turmendspiel ist dabei nicht Thema dieses Beitrags) 33.-Txe3 34.fxe3 Kg7 35.Kf2 Kf6

move 35

Und nun? Richtig war 36.Kf3 Ke5 37.b5 (man kann auch mit 36.b5 anfangen) 37.-Kd5 38.g4! hxg4+ 39.Kxg4 f6 40.Kf4 Kc5 41.e4 Kxb5 (41.-Kd4 ist noch ein besserer Versuch, aber auch dann am Ende ein Damenendspiel, das trotz schwarzem Mehrbauer wohl remis ist) 42.e5! fxe5+ 43.Kxe5 Ka4 44.Kf6 b5 45.Kxg6 Kxa3 46.h5 b4 47.h6 b3 48.h7 b2 49.h8D b1D+

Variante move 36

Weiß konnte zuerst umwandeln, Schwarz mit Schach - wenn Weiß nun aufpasst ist es Remis (falsch ist 50.Kg7 oder 50.Kh6, falscher 50.Kf6 oder 50.Kh5, bleiben zwei andere Königszüge).

In der Partie kam allerdings 36.e4? (auch Engines sehen nicht sofort, dass dies ein Verlustzug ist) 36.-Ke5 37.Ke3 b5! (sichert Schwarz ein Reservetempo a7-a6) 38.Kd3

move 38 Schwarz gewinnt

Dieses Diagramm hatten wir bereits - statt des Gewinnplans wählte Aronian nun den Verlustplan! Richtig war 38.-f5! 39.exf5 Kxf5 40.Ke3 Kg4 41.Kf2 g5 42.hxg5 Kxg5 43.Kf3 Kf5 44.Ke3 Kg4 45.Kf2 Kh3 46.Kf3 a6! 47.Kf2 Kh2 48.Kf3 Kg1

Variante move 38

Das muss als Variante reichen - auf diesem Umweg erobert der schwarze König dann den Bauern auf g3 und ist danach schneller am Damenflügel als sein Kollege.

Aber es kam 38.-f6? (nur ein Fragezeichen, aber zwei für den damit verbundenen Plan - siehe nächster schwarzer Zug) 39.Ke3 g5?? 40.g4! (alles andere verliert für Weiß, aber dieser Zug gewinnt bzw. sollte gewinnen)

move 40

Das Diagramm hatten wir bereits. 40.-hxg4 (40.-gxh4 41.gxh5 h3 42.Kf2 f5 43.h6 Kf6 44.exf5 - bekanntes Motiv: die beiden weissen Freibauern schützen sich gegenseitig, Weiß kann erst auf h3 schlagen und dann seinen König aktivieren) 41.h5 Ke6 42.Kf2 Kf7 43.Kg3 Kg7 44.Kxg4 Kh6 45.Kf5

move 45

Falls nun 45.-Kxh5, dann 46.Kxf6 g4 47.e5 g3 48.e6 g2 49.e7 g1D 50.e8D+ (dieses Szenario hatten wir bereits unter umgekehrten Vorzeichen: da bekam Weiß zuerst eine neue Dame, und Schwarz seine mit Schach. Hier ist Umwandlung mit Schach partieentscheidend, da dieser Spieler weitere nützliche Schachgebote hat.) 50.-Kh4 51.Dh8+ Kg3 52.Dg7+ Kh2 53.Dxg1+ Kxg1 54.Ke5

Variante move 45

Und nun hat Weiß den aktiveren und effizienteren König! Es kam allerdings 45.-Kh7, und wir haben die zweite Aufgabe:

move 45 Weiss gewinnt

Eigentlich eine recht einfache, aber Ding Liren fand es nicht: 46.e5 und Schwarz hätte wohl (sofort oder kurz danach) aufgegeben. Es kam 46.Kxf6?! (großzügige Zeichensetzung, da Weiß im Prinzip immer noch auf Gewinn steht) 46.-g4 47.e5 g3 48.e6 g2 49.e7 g1D 50.e8D (ohne Schachgebot, daher kann Weiß noch jedenfalls zappeln) 50.-Df2+ 51.Ke7 De3+ 52.Kd8 Dxa3 53.Df7+ Kh8 54.Df6+ Kh7 55.Dg6+ Kh8 56.h6? (Damenendspiele sind nicht Thema dieses Beitrags, aber Engines sagen, dass Weiß nach 56.Dh6+ Kg8 57.Dg5+ Kh7 58.Df5+! Kg7 59.Dxb5 Kf6 60.Dc5! gewinnt) 56.-Dc3 57.Dg7+?! (der Sieg im Damenendspiel war bereits fraglich, aber hier sieht es so aus, als ob Ding Liren ein Bauernendspiel-Standardmotiv nicht würdigte) 57.-Dxg7 58.hxg7+ Kxg7 59.Kc7

move 57

59.-a5! (muss nicht unbedingt sein, auch nach 59.-Kf7 ist Schwarz schnell genug - aber da kann man sich eventuell verrechnen/verzählen, bei 59.-a5 nicht. Aronian befürchtete vielleicht auch, dass Nigel Short FIDE-Präsident wird und nach seiner Wahl Ding Liren mit rückwirkender Kraft zum Pattsieger erklärt) 60.bxa5 b4 61.a6 b3 62.a7 b2 und man einigte sich auf Remis.

Haben Aronian und Ding Liren sich diese Partie hinterher noch angeschaut, gemeinsam oder getrennt, mit oder ohne Computerhilfe? Dazu habe ich nicht recherchiert. Sie enthält jedenfalls ab dem 34. Zug diverse Motive, die Schachspieler jegliches Niveaus sehen können oder nicht und eventuell in ähnlichen Stellungen bei anderer Gelegenheit mal anwenden können. Einschlägige Quellen hatten sie dabei ziemlich ignoriert, da sie nicht "turnierrelevant" war. Die Partie komplett zum Durchklicken (mit Eröffnungsphase, mit ein paar ergänzenden Varianten) hier.