Donnerstag, 14 März 2019 17:54

Komm wir geh'n ins Schachkino: The Dark Horse

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Heute abend: a) Besuch im Schachverein, und dann b) Besuch im Heimkino, denn zu sehr sehr später Stunde zeigt der wunderbare WDR den neuseeländischen Film "The Dark Horse". Denn Achtung: DAS ist ein Film über Schach!

Der deutsche Verleih machte aus "The Dark Horse" das sperrige und für mich eher abschreckende "Das Talent des Genisis Potini", doch keine Sorge, es ist derselbe Film. Wer also um 23:25 Uhr noch nicht unter die Bettdecke schlüpfen möchte/ muss/ will, kann eine langsame Geschichte miterleben vom anderen Ende der Welt, in der es um Schach geht, um die Jugend, um die Schwierigkeit des Existierens, um Hoffnung, schöne Augenblicke, und auch, wie man in einer Gruppe (Verein! Freunde!) aufgefangen werden kann, wenn es mal nicht so gut läuft.

"The Dark Horse" ist kein ganz einfacher Film, und der Schach-Content ist auch nicht überbordend groß, doch immer präsent, denn die Hauptfigur ist ein ehemaliger Meisterspieler, der anfängt, eine Gruppe von Maori-Jugendlichen auf ein Turnier in Auckland vorzubereiten - wie wird das wohl ausgehen?

Leider wird auch dieser interessante Kinofilm versteckt auf einem Späti-Sendeplatz, da offenbar alle Eigen-Produktionen des öffentlichen Fernsehens stets wichtiger und bedeutsamer sind und daher die besten Startzeiten erhalten (20:15 Uhr - immer eine Eigenproduktion, immer was Deutsches).

Doch sei's drum. Bleibt man eben wach, oder guckt es in der Mediathek. Trotzdem ist es mir nicht klar, warum ARD, ZDF, die dritten Programme die ganzen sehenswerten Filme aus aller Welt immer ins Nachtprogramm verschieben, statt auch mal etwas Tolles um 20:15 Uhr rauszuhauen.
Andererseits, so bleibt Zeit für den Vereinsabend ab 19 Uhr, und für das Werder-Open, das heute ja in seine dritte Runde geht. Auch schön!

Aljechin Euwe 1935
Aljechin - Euwe 1935: erst WM-Partie spielen, und dann den Spätfilm gucken (23:25 Uhr, WDR)

Foto: http://oudzuylenutrecht.nl/euwe-aljechin-1935-2/  (bedankt!)

Montag, 04 März 2019 23:27

IST expandiert

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Es ist verdächtig ruhig geworden um das IST AUSTRIA (Institut für sinnlose Turniere), obwohl es doch zahlreiche Erfolge wie die Turnierserie ohne Teilnehmer und das Turnier mit Diskriminierungsverdacht nach EU-Recht, eine Damenbundesliga mit zwei Brettern, usw. gab.

Nun aber ist der Krennwurzn zu Ohren gekommen, dass das IST nach Deutschland expandieren möchte und die längst aus gut bekannten Gründen in den Nullerjahren verworfen Idee einer Internetmeisterschaft mit dem DSB neu „aufleben“ zu lassen. Das erscheint zwar sehr verwunderlich, da sich von den Argumenten gegen eine solche in den letzten Jahren nichts geändert hat.

Deutsche Internetmeisterschaft (Quelle DSB-Homepage)

Der Antrag wurde von den Delegierten angenommen. So wird es ab dem kommenden Jahr ein Pilotprojekt "Deutsche Internetmeisterschaft" mit Vorrunden und einer Endrunde geben. Teilnahmeberechtigt sind Spieler mit einer Spielberechtigung des Deutschen Schachbundes, also DSB-Mitglieder (Punkt A-4 der DSB-Turnierordnung). Alle Turniere werden mit Blitzschachbedenkzeit online auf dem Server von ChessBase ausgetragen. Voraussetzung dafür ist eine für das Onlinespiel gültige Seriennummer von ChessBase. Hier der Antrag im Original (ohne die Änderungen vom Hauptausschuss)

Antrag Deutsche Internetmeisterschaft

Möglicherweise wurde aber der Krennwurzn hier am Rosenmontag oder für den Faschingsdienstag hinterlistig das Konzept einer Büttenrede des Präsidenten des Deutschen Schachbundes zugespielt, denn so richtig ernst nehmen kann man dieses Vorhaben außerhalb der närrischen Hochzeit kein realitätsbezogener Schachfreund ?

Internetschach ist zwar eine wunderbare Sache und wenn man ganz ehrlich zu sich selbst ist, dann wird man gar nicht so oft betrogen wie man gerne annimmt, um die eigenen Nichtleistungen schönzureden. Schenkt man den veröffentlichten Zahlen Glauben, so bewegt man sich im Promillebereich und erreicht das erste volle Prozent eher nicht. Die Serveranbieter haben gar nicht so schlechte Cheatingerkennungssoftware am Laufen und einfache Betrugsversuche lassen sich leicht erkennen und stellen somit kein essentielles Problem dar – zudem sind Internetelopunkte wertloser als gebrauchte Zahnstocher. Betrug macht einfach keinen Sinn.

Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn es um Titel und/oder Preisgeld geht. Dann kann die Sache schnell interessant werden und auch hier werden die Primitivbetrüger wohl rasch und zuverlässig aufgedeckt – da habe ich keine technischen Sorgen.

Nur könnte es da juristisch schnell mal gefährlich für den Veranstalter werden und mit gefährlich ist natürlich auch teuer gemeint. Die bisherigen Erfahrungen mit Sportbetrügern im Schach sind ja, dass wenn der Weg zur staatlichen Gerichtsbarkeit eingeschlagen wurde, die Verbände und Veranstalter meist nicht den gewünschten Erfolg erzielen konnten und beträchtliche Prozess- und Nebenkosten selbst tragen mussten. Das liegt daran, dass viele schachinterne Regelungen nicht den strengen Anforderungen unseres Rechtsstaates entsprechen und das so mancher „Beweis“ durch widerrechtliche Eingriffe zustande gekommen sein könnte, denn nicht alles was Server auf unseren privaten Rechnern abfragen könnten ist auch rechtlich erlaubt. Fensterwechsel, Taskwechsel, Prozessorlast, welche Tasks laufen, usw… da kommt man leicht vom erlaubten Weg in den Treibsand der Unrechtmäßigkeit ab.

Lässt man das einfach mal locker außer Acht, so gibt es auch sachliche Einwände, den Betrüger müssen ja nicht immer so doof vorgehen, dass sie leicht aufzudecken sind. Kein vernünftiger Schachspieler wird die volle Stockfishpower verwenden und dann hoffen sich wie Houdini einst aus den Fesseln des klar ersichtlichen Betrugs befreien zu können. Klar so kann das nicht funktionieren – aber die Vorgehensweise der Cheatingerkennung ist ja keine Geheimwissenschaft, sondern eine statistische Methode die uns irgendwann sagt: Vorsicht da wird es sehr, sehr unwahrscheinlich!

Und da landen wir beim ersten Problem: wir müssen diesen Zeitpunkt festlegen und laufen damit in die Probleme der systembezogenenen Unschärfe: Die Schlagworte sind hierfür false positive und false negativ! Da lauert eine Gefahr, die wir seit Werner Heisenberg auch aus einem anderen Fachgebiet kennen – es ist nicht alles gleichzeitig berechenbar – auch wenn wir uns das gerne vorgaukelt – vor allem im Computerzeitalter und wir auf „big data“ praktisch blind vertrauen wollen. Will ich auf keinen Fall jemanden des Betrugs beschuldigen, so rutschen mir methodenbedingt Betrüger durch die Maschen des Systems und will ich alle Betrüger überführen, dann werde ich viele Nichtbetrüger zu Unrecht beschuldigen. Das ist alles schon lange bekannt und daher möchte ich die Leser nicht mehr weiter damit langweilen.

Denn wir landen schon beim nächsten Problem: jene Betrüger die die Cheatingerkennungsfähigkeiten in ihre betrügerischen Absichten einkalkulieren, bieten sich sehr gute Chancen. Bei meiner Recherche bin ich im dunklen Teil des Internets auf eine interessante Seite diesbezüglich gestoßen, dort wird einem vereinfacht gesagt angeboten, dass man „gute, aber nicht zu gute Turniere“ mit dieser Software spielen kann. Wie sollte man das verstehen? Nun der Krennwurzn gelang im Frühjahr 2017 genau so ein Turnier durch blankes Glück:

2019IST 01

Unglaubliches Ergebnis der Krennwurzn

Also 1800er auf Startrang 30+ ein siebenründiges 20 Minuten Schnellschach OTB ungeschlagen zu überstehen, dass hätte ich mir niemals träumen lassen und doch ist es einmal mit viel Glück Wirklichkeit geworden. Fünf Punkte aus sieben Runden und nur einen Punkt hinter dem Turniersieg und das wirklich ohne unerlaubte Hilfsmittel – ich glaube es heute noch nicht wirklich. Nun in meinen Partien führte nicht eine illegale Software sondern reines Glück zum Erfolg – aber warum sollte eine Software dies nicht auch simulieren können? Jetzt kann man berechtigterweise fragen: wer wurde geschädigt, die Krennwurzn hat ja kein Preisgeld (es gab wohl keinen Kategoriepreis) und keinen Titel gewonnen. Das stimmt sehr wohl, aber der Gegner aus Runde 3 landete aufgrund der Zweitwertung punktegleich nur auf Rang 2. Das bedeutet im Umkehrschluss: potentiell unauffällige Betrüger könnten indirekt Einfluss auf das Endergebnis nehmen. Zumal sich ja mehr Betrüger in einem Feld verstecken können als Glückspilze. Sind das gute und faire Voraussetzungen für eine Meisterschaft?

Möchte die Krennwurzn Internetmeister werden, dann bräuchte sie natürlich massive Maschinenunterstützung und müsste damit ein zu hohes statistisches Entdeckungsrisiko auf sich nehmen. Also lassen wir das und lassen die mittelmäßigen Betrüger gute, aber nicht zu gute Turniere spielen und damit möglicherweise indirekten Einfluss auf den Ausgang nehmen und kommen wir zum Hauptproblem:

Möchte sich ein guter Spieler auf betrügerischer Weise einen Vorteil verschaffen, dann bräuchte dieser gar nicht so viel Unterstützung und wie sollte man diese dann erkennen und gerichtsfest nachweisen können? Ein sehr heißes Eisen – will das ein Verband wirklich angreifen?

Hätte beispielsweise Fabiano einen kleinen Mann im Ohr gehabt, der nur zweimal aktiv geworden wäre:

2019IST 02

Opps Kg6 Blunder Lh4 und Sg1 gewinnt

2019IST 03

 Dh5 +2

Und wahrscheinlich hätten wir einen neuen Weltmeister gehabt und niemand wäre auch nur auf die Idee gekommen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnte. Welche Cheatingerkennungssoftware hätte dies aufdecken können? Keine wenn man ehrlich zu sich selbst ist, denn die maßgeblichen Parameter hätten sich nicht signifikant geändert.

Natürlich sind die Methoden zur Cheatererkennung besser geworden, aber die Vorstellung, dass man jeglichen Betrug aufdecken könnte ist genauso utopisch wie im anderen Spitzensport auch. Dort wird mehr Geld und mehr Wissen investiert und auch dort schaffen es die meisten Dopingsünder locker durch die Kontrollen – wie uns immer wieder gezeigt wird.

Logischerweise können sich Nonames nicht die Titel und die Preise abholen, aber Nonames können Einfluss auf das Endergebnis nehmen und die starken Spieler könnten sich so manche kleine Hilfe nehmen.

Dann sind wir bei der letzten Gefahr angelangt, die man auch nicht außen vorlassen sollte: falsche Betrugsbeschuldigungen! In erster Lesung betrifft diese Gefahr nur die Stars und die sind Risiko ja gewohnt und müssen damit leben, aber angenehm sind solche Anschuldigungen für niemanden. Und was ist eigentlich mit jenen Hobbyspielern die durch Cheatingerkennungssoftware und nach Expertenmeinung ungerechtfertigterweise als Betrüger öffentlich bloßstellt werden könnten? Wer hilft glaubt diesen dann, dass sie wirklich sauber gespielt haben und nur das Glück der Krennwurzn hatten?

IST so ein Turnier das Risiko wert?
IST ein Verband bereit diese Risiken für sich und seine Spieler einzugehen?
Oder IST das es doch nur ein Narrenscherz??

Samstag, 16 Februar 2019 21:10

Schwarz und Weiß wie Tage und Nächte: Bruno Ganz

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Bye Bye Bruno Ganz: der Schweizer Schauspieler und große Charakterdarsteller hat uns gestern verlassen und ist, wer weiß, weitergezogen in ein anderes Universum. Oft steigerte er mit seiner verschmitzten Präsenz, viel Charisma und einer etwas knorrigen Jovialität die Intensität der erzählten Geschichten, und es reichte oft schon, seinen Namen in der Besetzungsliste zu sehen, um neugierig zu werden auf einen Film. Nun ist er nicht mehr da, leider, und schon jetzt ist eine Lücke zu spüren. Einer, der das Gute verkörpern konnte, ist gegangen.

Wir sind hier zwar ein Schachblog, doch mit Recht hat Jörg Hickl uns den Namen Schach-Welt gegeben, so dass wir natürlich auch mal über etwas von außerhalb der 64 Felder und vier Brettkanten schreiben dürfen. Es heißt, ein Bild sagt mehr als tausend Worte, und wenn das so ist, wie viel müssen dann erst bewegte Bilder sagen können? Einiges, das steht fest, und bevor wir schließlich (versprochen!) doch noch zum Schach kommen, hier drei kleine Clips aus den letzten fünfzig Jahren:

a) Bruno Ganz in "Der amerikanische Freund" (1977)

Ganz alte Bundesrepublik! Dennis Hopper wohnt in den 1970er Jahren irgendwo fischmarktnah in Hamburg an der Elbe, und überredet einen sterbenskranken Freund - Bruno Ganz! -, für ihn jemanden zur Seite zu räumen für einiges Geld. Ein leicht anrüchiger Auftrag natürlich, und vermutlich sogar unmoralisch, doch heyhey, es ist ein Film, und wir als Schachspieler sind anrüchige (Remis-)Angebote und derbe Tricks ja auch vom Schachbrett her gewohnt.

Eine rauhe Geschichte also, von Patricia Highsmith erdacht, von Wim Wenders verfilmt, und aus heutiger Sicht vielleicht ein wenig slow in der filmischen Umsetzung. Aber das macht ja nichts, es ist großes Kino, und die Geschichte spitze. Ein Highlight von vielen: der Trans-Europa-Express, rotweiß, als geplanter Schauplatz eines gar finsteren Verbrechens.

b) Der Himmel über Berlin (1987)

Zehn Jahre weiter, wir kommen nach Berlin. Wie wir Schachspieler ja wissen, würde schon in wenigen Jahren mit Vladimir Kramnik ein noch relativ unbekannter, wenngleich schon damals sehr großer russischer Schachfreund in die Hauptstadt kommen und für Empor Berlin (cooler Name!) in der Bundesliga punkten.
Noch aber ist die Grenze dicht, und im öden Niemandsland zwischen Ost und West begann wiederum Wim Wenders einen Film zu drehen. Zwei Engel schauen sich das Treiben der Menschen in Berlin an, schweigen, staunen, fühlen mit - Otto Sander mit rauchiger Stimme und Bruno Ganz in langen Mänteln, die ebenso grau sind wie über weite Strecken auch der Film. Aber "Der Himmel über Berlin" hat Herz und Wärme, und das nicht zuletzt durch Peter Falk, der als amerikanischer Schauspieler einen Film dreht und offenbar irgendwie Engel wahrnehmen kann. Oder bildet er es sich nur ein, und was meint dazu eigentlich der Imbissverkäufer?

Und die Engel? Verlieben sich, einer zumindest, und werden neugierig darauf, wie es wohl wäre, nicht mehr Engel zu sein, sondern ein Mensch - und sterblich. Ob das eine gute Idee ist?

 

c) Schwarz und Weiß wie Tage und Nächte (1978)

Willkommen zurück, liebe Schachfreunde, jetzt geht es wieder um den Sport unseres Vertrauens!

Wir sehen eine große Bühne, zwei Meister spielen eine Partie, der eine Sowjetrusse (die rote Fahne weht auf seinem Tisch), der andere Bruno Ganz, dem Regisseur Wolfgang Petersen hier die weißen Steine und eine deutsche Nationalität gab. Einiges Publikum verfolgt das Match im Theatersaal, intensiv tickt die Schachuhr, und anders als heute trennen nur ein paar freie Sitzreihen, jedoch kein schallsicheres Glas die Fans von ihren Helden. Offenbar hat der deutsche Spieler geopfert und stürzt sich mit seinen Figuren - Springer, Läufer, Dame! - nun auf den russischen König, der offenbar schon etwas benommen zwischen der e-und der c-Linie hin und her taumelt.

"Fragment of 'Schwarz und weiß wie Tage und Nächte' (film produced in 1978 by Wolfgang Petersen and starring by Bruno Ganz). After 20.Bf4!!, Qxa1 21.Qd3+ Kc8 22. Nxa8, Qxb2 23.Qc2 +!!, World Champion Koruga resigns because 23...Qxc2 24.Nb6# (This game corresponds to game played in 1974 between Rafael Vaganian and Albin Planninc in the Hastings tournament)."   (Zitiert nach Pepgalobardes, www.youtube.de)

Bruno Ganz spielt hier nicht nur eine schöne Angriffspartie, er erweist sich zudem als Meister der non-verbalen Kommunikation und schüchtert seinen Gegner mit allen nur erlaubten Mitteln ein: Herumtigern nach jedem Zug, Rauchen, Rauchen, Rauchen, im Rücken des Gegners umhergehen, und - damit würde er bei Jürgen Kohlstädt und allen Schiedsrichtern des Landes heute nicht mehr durchkommen - mehrfaches Ziehen im Stehen und OHNE Notation der Züge. Verheerend!

Wir verstehen indes, dass dies der Dramatik der Szene sehr zuträglich ist, und wollen daher nicht murren. Ein Kleinod aus der Abteilung "Schach im Film" - intensiv und spannend, und höchste Zeit, diese Szene hier zu zeigen.

 

"In Interviews gab sich Ganz meist bescheiden. Selbst nach mehr als 100 Filmrollen und unzähligen Bühnenauftritten machte sich der über 70-Jährige noch Sorgen um seine Karriere, äußerte Angst davor, keine altersgerechten Rollen mehr zu bekommen. Dem Magazin Bunte sagte er 2010, gefragt nach seinem Lebenswerk: "Ich habe mir Mühe gegeben, und vieles hat geklappt." Stolz sei er vor allem darauf, "den Vernichter Alkohol" besiegt zu haben. Nach jahrelanger Abhängigkeit habe er sich an die Anonymen Alkoholiker gewandt und seine Sucht überwunden."

Carolin Ströbele, Der Überirdische (www.zeit.de am 16.Februar 2019)

"In [...] "In der weißen Stadt" von 1983 schaut Ganz als Schiffsmechaniker auf Landgang am Tresen einer Lissabonner Kneipe erst aufmerksam, dann irritiert, dann grinsend auf eine Uhr, die rückwärts läuft. "Aber nein", berichtigt ihn die Barfrau, die kurz darauf seine Geliebte werden wird, auf Französisch, "elle marche juste", die Uhr läuft richtig, "die Welt läuft falsch".
Jetzt ist sie wieder einmal falsch herum gelaufen, und wir haben nur noch Aufzeichnungen und Erinnerungen an diesen freundlichen, schmerzlich nachdenklichen, anmutigen Künstler."

Jürgen Kaube, Die Welt läuft falsch (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 17.Februar 2019)

Arrivederci, Bruno!

Sonntag, 10 Februar 2019 21:47

About the Keizer system

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Ein langer Tag am Schachbrett heute schon wieder - im Viertelfinale des Niedersachsen-Bremen-Mannnschaftspokal empfingen wir Werderaner heute das Team des SK Nordhorn-Blanke. Um zehn Uhr ging es los, und darum hieß es ultrafrüh aufstehen für die vier Nordhorner, alldieweil sie doch erst einen großen Teil Niedersachsens durchmessen mussten, ehe sie in Bremen an die Bremer traten - vielleicht ein weiteres Indiz dafür, dass Schach doch ein Extremsport ist.

Auch wenn der Kampf mit 3,5 - 0,5 deutlich für den SV Werder endete (ähnlich wie das 4-0 der Fußballer gegen Augsburg im benachbarten Weserstadion - wir hörten sozusagen jedes Tor live mit beim Torjubel) - eine schachliche Sternstunde war es nur bedingt, und durchaus auch hätte es mit Vorteil für unsere Gäste enden können. Mehr dazu aber schreibt mit viel Elan David Kardoeus in seinem Pokalbericht auf der Werder-Seite!

Wir wollen heute aber noch den Blick auf etwas ganz anderes richten: Nordhorn, Holland, alternative Turnierideen! Und so verrät ein Blick auf die Vereinsseite des SK Nordhorn-Blanke, dass derzeit dort das Schnellturnier ausgetragen wird, und zwar nach dem sogenannten Keizer-System. Wir sagen: Keizer-System? Nie gehört! Aber das hat wie immer nicht viel zu bedeuten, und in Nordhorn scheint man mit diesem speziellen und aus Hengelo/ Niederlande stammenden Modus gut zu fahren.

"The Keizer system is well known in the Netherlands and in Belgium, but is still hardly known in other parts of the world. This is pitiful because it is a very nice competition system in many circumstances, especially for club competitions." (Quelle: www.jbfsoftware.com/wordpress/sevilla-keizer//wordpress/sevilla-keizer/)

Tatsächlich bietet diese Turnierart eine entspannte Art der Organisation:

  • man muss nicht an jedem Turnierabend teilnehmen und erhält dennoch einige Punkte,
  • man spielt oft und teils wiederholt gegen dieselben starken Gegner, und
  • der ganze Ablauf funktioniert auch prima, wenn an einem Spielabend mal nicht so viele Mitglieder kommen

Möglicherweise kennen unsere LeserInnen draußen vor den Sendegeräten das Keizer-System ja schon lange, setzen es in ihren Vereinen ein und können berichten, wie und wie gut so ein Keizer-Turnier läuft? Schreibt doch einmal - vielleicht können wir helfen, einen tollen Modus auch hierzulande bekannter zu machen. Bedankt!

Keizer/ Kaiser/ Keyser gibt es in unseren Gefilden natürlich schon seit langem (der letzte deutsche Vertreter musste glücklicherweise 1918 gehen). Wir hören von Roland Kaiser, den Kaiserchiefs, den Fußballern von Kayserispor in der Türkei und von unserem Kaiser Franz Beckenbauer, der bedingt durch Steuer-Verwerfungen jedoch lichtgestaltmäßig leicht angeschlagen ist.
Überall Kaiser! Ein Supermarkt heißt hierzulande so, auch ein bekannter Versicherungsvertreter, ein (wie wir heute lernten) holländisches Paarungssystem für Schachturniere ebenfalls, und dann ist da noch Keyser Söze, der fiese Oberschurke im Klassiker "Die üblichen Verdächtigen" von 1995.

Und eine bekannte Szene aus diesem Film, die kann man doch sicher gut parodieren? Leslie Nielsen!

Nun müssen wir aber erst einmal das Senden einstellen - im WDR kommt jetzt doch Zeiglers Wunderbare Welt des Schachspiels Fußballs!

PS Mit Grüßen an SF Holger Hebbinghaus: Ascheregen auf unser Haupt - die Partiekommentierung, die Du vor einiger Zeit bei unserem exklusiven Bundesliga-Tippspiel gewonnen hast, ist auf dem Weg ... !

Samstag, 02 Februar 2019 22:47

Bundesliga dahoam

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Die Bayern kommen! Die Hansestadt Bremen zog die Köpfe ein, denn zwei süddeutsche Schachteams präsentierten sich heute bundesligamäßig an der Weser: einmal BCA Augsburg, respektabler Aufsteiger aus der Fuggerstadt, und dann das (neben dem FCB natürlich) Bayernteam der Herzen, die MSA Zugzwang München, geführt vom delmenhorststämmigen Markus Lammers, einem Sohn der Region, einem Butenbremer also, der es im Süden unter anderem zu IM-Ehren und zum Kapitänsamt bei der Münchner Schachakademie gebracht hat - Kompliment!

Viertes Team im Bunde war neben den ortsansässigen Werderanern der SV Mülheim Nord, etablierte Liga-Fachkraft aus dem Westen, und auch leicht favorisiert gegen Augsburg - am Ende aber stand ein wohl leistungsgerechtes Unentschieden für beide Teams zu Buche. Frühe Führung für Mülheim mit einem schwungvollen Sieg des mehrfachen Deutschen Meisters Daniel Fridman (ich bin ein großer Fan!), dann Remis Remis Remis, und schließlich der Ausgleich durch Nikola Nestorovic gegen den jungen Holländer Liam Vrolijk - 4 : 4!

Liga 1
Daniel Fridman setzt matt! - nur wenige Züge später. So müsste man Schach spielen können, aber wie bloß lernt man das? (Bild: Chess24)

Die Werderaner waren noch aus dem Vorjahr gewarnt - dort hatte Zugzwang München unter der schon damals bewährten Leitung von --> Markus Lammers den Grün-Weißen ein hübsches 4 - 4 abgeknöpft und war dabei dem Sieg verdächtig nahe gekommen. Heuer, wie man im Süden ja sagt, will es für die Bajuwaren noch nicht so richtig funken, leider steht man tief im Süden der Tabelle, und heute zumindest hat sich daran nicht viel geändert.

Die acht Hansestädter (von den sieben allerdings aus ganz Europa angereist kamen, und der achte aus dem schönen Osnabrück) - die acht Sportbremer also taten sich für längere Zeit schwer, und als parteiischer Zuschauer musste man schon ein wenig die Tatsachen ins Gute verbiegen, um optimistisch auf einen günstigen Ausgang für Werder hoffen zu können.

Markus Lammers
         Markus Lammers: Rückkehr in die alte Heimat!

Dann aber fuhr Team Hansestadt doch noch einige Punkte ein, vielleicht fühlte sich Zugzwang nördlich des berüchtigten Weißwurst-Äquators doch ein wenig unwohl. Romain Edouard gewann mit einem schmucken Benoni, Wouter Spoelman stellte sich beinahe Orang-Utan-mäßig auf (wobei sein b-Bauer jedoch nur bis b3 vorging) - er eroberte erst Material und dann die Partie zum 3 - 1 Zwischenstand, nachdem zuvor Eichler - Babula und Mons - Fressinet Remis ausgingen.

Zugzwang hielt den Ball noch lange im Spiel, letztlich endete die Begegnung indes hoch mit 7 - 1 für Werder bei weiteren Siegen von Zbynek Hracek, Tomi Nybäck, Martin Zumsande und Zahar Efimenko in seiner schon 5.? oder 10.?, nein, sogar 16.! Spielzeit beim SVW.
Kopf hoch aber, Ihr Münchener, und viel Glück in den kommenden Spielen - kann noch alles werden mit den Punkten, ganz wie in den letzten Jahren! Und mit Leon Mons an Eins kann man eigentlich gar nicht absteigen.

Zahar
             Fußball-Großmeister Marco Bode (30 Jahre bei Werder)
ehrt den ukrainischen Großmeister Zahar Efimenko (15 Jahre bei Werder!)

Mons
                GM Laurent Fressinet wehrt sich gegen GM-Schreck Leon Mons.

Tja, und das war es dann auch schon für heute in Bremen. Schön wäre es, wenn man als Zuschauer die eine oder andere ELO-Gutschrift erhalten könnte, alleine für das Dabeisein und Zugucken, vielleicht auch fürs Daumendrücken. Es würde den Anreiz für Schach-Besucher enorm erhöhen, tatsächlich einmal zu den Turnierorten zu pilgern und den HeroInnen ihres Sports über die Schulter und bei ihren Abenteuern zuzusehen. Im Stadion unseres Vertrauens, Heim für gut 40.000 Gäste, wenn die Fußballer kommen, waren anwesend heute: eine relativ leicht überschaubare Anzahl von Besuchern beim einzigen Heimspiel der Saison 2018/2019.

"Die Schach-Bundesliga, außerhalb der Schachszene weiß so gut wie niemand von ihrer Existenz. Selbst viele Schachspieler kennen die Liga nicht und noch weniger interessieren sich für sie."
         (Ilja Schneider, Unsere Bundesliga soll schöner werden, Schachblog, www.zeit.de)

Warum ist das Zuschauerinteresse (ja nicht nur in Bremen) so verhalten - und ab/ bis wann kann man überhaupt noch von Zuschauer-Interesse sprechen?

- Am Eintrittspreis sollte es nicht liegen, bei Werder liegt er bei 5,-€ und ermäßigt 3,-€ - wer in grün-weißem Outfit kommt, kann sogar umsonst eintreten (gilt jedoch nicht für Trikots des VfL Wolfsburg)

- Werbung wird in bescheidenem Umfang gemacht, wir werben auf der Seite des Bremer Landesschachbundes, auf unserer eigenen Webseite, auch im Weserkurier und auf Postern werden die Spiele angekündigt, und natürlich in den zahlreichen Schachmedien (print und online). Wer will, kann es mitbekommen.

 Bundesliga Plakat Februar 2019

Wenn wir mit Werder III oder Werderzwo im Norden unterwegs sind oder mit dem Werder-Pokalteam über Land fahren, kommt überraschend oft dennoch immer gerne mal die Frage von Spielern der anderen Vereine, in welcher Liga denn unsere Erste eigentlich spielt. Die Antwort ist dann (seit 20 Jahren, sozusagen) "Bundesliga", doch nun gut, vielleicht hat das einfach keine Relevanz in unserem Sport, keine Bedeutung, kein Flair - aber kann es denn sein, dass die "höheren Ligen" im Schach und die Mannschaften, die sich dort tummeln, nur so wenige interessieren? Ein erstaunliches Phänomen.

- Liegt es vielleicht an der Live-Übertragung der Partien, aller Partien, auf dem schönen Portal der Schachbundesliga? Die Hürde, nun doch mal bei Wind und Wetter aufzubrechen und sich zum Spielort zu begeben, ist sicherlich höher, wenn die Partien (alle!) fast zeitgleich, ohne viel Mühe und erst recht ohne einen Kostenbeitrag auch fix mal im Internet angesehen werden können - und sei es auch nur mal so, nebenbei. Wirklich, wer läuft dann noch in den Turniersaal?

Auch wenn das Live-Übertragen natürlich modern, attraktiv und einfach state-of-the-art bei jedem ordentlichen Schachturnier ist, vielleicht bringt es die Veranstaltung vor Ort dann doch um den einen oder anderen interessierte(n) Zuschauer(in). Für die Atmosphäre im Spielsaal ist das, so kann man vermuten, nicht immer nur gut. Schade, schade - und was war nochmal der Vorteil des aufwendigen Übertragens?

- Weitere Hypothesen - ist der Liga-Modus überholt? Sollte Bundesliga als Schnellschachturnier gespielt werden, mit Blitzentscheid bei unentschiedenen Partien? Muss Magnus Carlsen an allen Bundesligaspielen gleichzeitig teilnehmen, um Zuschauer anzuziehen? Kommen Besucher wirklich nur dann, wenn parallel zu Ligaspielen noch Simultanspiel und Blitzturnier angeboten werden? Und wie wäre es - wie auch von Ilja angeregt - mit dem freien und nicht meldelistengebunden Aufstellen der Mannschaften, ähnlich wie in den Niederlanden. Auch könnte man für den ersten Teil der Partien die gute (?) alte Zeitnotphase wiederbeleben, und bis zum 40. Zug ohne Inkrement spielen. Brächte das an der Oberfläche wieder mehr Leben, Wahnsinn und Show in die Partien?

- Noch weitere Fragen: ist die Anzahl der ZuschauerInnen denn überhaupt ein Kriterium? Sollten wir uns als Nischensport verstehen und damit glücklich sein? Reicht es nicht auch aus, wenn nur diskret (und sogar zahlreich!) im Internet zugeschaut wird, und im analogen Spielsaal sitzen nur noch die Teams, ein Schiedsrichter und natürlich jemand, der für alle Kaffee kocht? Gehört die Zukunft der ProLeague und den Berlin Bears (schon wieder mit Leon Mons!!)?

- Warum gibt es eigentlich immer so viele Fragen - und ist das immer alles eigentlich so wichtig? Sollten wir (ernstgemeint) zum Wohle der Welt nicht lieber Elefanten retten, Wale, Giraffen, den brasilianischen Urwald, die Weltmeere und den Hambacher Forst, gegen den C02-lastigen extensiven Flugverkehr kämpfen und  endlich für das Ende der Massentierhaltung?
Ich jedenfalls gehe nun erstmal ins Bett, denn huch!, morgen muss der Zuschauer der heutigen Spiele im Weserstadion ein, zwei oder sogar drei Ligen unter der Bundesliga schon wieder selber am Brett sitzen und das Nachdenken simulieren. Und das allein, wie jeder weiß, ist schwer genug - immerhin kann man auf Kaffee hoffen.

Glück auf darum allen Leserinnen und Lesern, und ein gutes Händchen morgen in den Ligaspielen!

 

Das kann doch einen Meister nicht erschüttern! Gleichauf eilten David Höffer, Ilja Schneider und Christian Richter von Sieg zu Sieg bei den Bremer Blitzmeisterschaften, doch nicht allein die besten Schachzüge sollten an diesem Tag das knappe Turnierrennen entscheiden.

15 schwere Runden traditionell sind an der Weser zu spielen, ein veritabler hansestädtischer Halbmarathon, und nicht sehr lange dauerte es, da hatten sich SF Richter (Werder Bremen), SF Höffer (SK Delmenhorst) und der amtierende Deutsche Blitzmeister SF Schneider (Chessfriends Berlin!) vom Rest des gut fünfzigköpfigen Feldes abgesetzt.

Hier mal ein Matt, dort mal ein Figurengewinn, man kennt das ja, und immer die schnelle Zughand, hopphopp, da blieb den allermeisten Bremern am Ende meist nur die Aufgabe, gefolgt von einem schnellen Gang zur ausgezeichneten Kaffeetheke des SK Bremen-West, der heuer die Ausrichtung der Veranstaltung übernahm und einmal mehr liebevoll und souverän durchführte.

blitzschach
     Bernd Feustel: Was Sie schon immer über das Bremer Blitzschach wissen wollten

Im Gleichschritt bogen SchneiderRichterHöffer dann auch auf die Zielgerade ein, und hätte nicht ein wenig Technologie Einzug gehalten in das Regelwerk unseres schönen Sports, wer weiß, wie es ausgegangen wäre. So aber, vierzehnte Runde, die ersten Züge waren gerade gespielt, da hallte schallend ein frohes Lied durch den Saal - fünf Sekunden nur, dann war es schon vorbei, doch auch das war lang genug, um zu wissen: da hatte ein Handy geklingelt! Oder zumindest ein Geräusch von sich gegeben, und das soll ja nicht sein. Regelwerk eben.

Schach ruft mich an ... und ich muss gehen

Es folgte der bekannte Dreisprung "Partiebeginn - Handyklingeln - Partieverlust": auch wenn es Peter Jürgens von den SF Lilienthal wohl nicht ganz angenehm war, so ging der Punkt aus dieser Partie dann doch an ihn. Und wer war sein Gegner? An Brett 1 hatte Peter dem nicht nur in Bremen bekannten, beliebten und vor allem hochgeschätzten Ilja Schneider gegenübergesessen, bis, ja bis die Partie krude von modernster Smartphone-Technik erst unterbrochen und dann beendet wurde.
Das gefürchtete "Nokia-Gambit" - wer kennt es nicht, das Unbehagen, welches das Handy in Schachspielerhand als auch in Schachspielertaschen auslöst? Selig die Zeiten, wo wir alle nur am Festnetz sprechen konnten, oder maximal in Telefonzellen. Fern waren alle Sorgen!

Dabei war es noch nicht einmal ein ehrlicher Klingelton, der zum Partieverlust führte, denn selbstverständlich hatte Ilja vor Turnierbeginn alle erforderlichen Einstellungen an seinem Gerät vorgenommen. Oder - fast alle, denn ihm war der Wecker entgangen, der vom Vortag offenbar noch für den Nachmittag eingestellt war, und nun an der Weser einfach nochmal ein temperamentvolles Klingeln von sich gab.

Das war nicht gut, und es kostete einen wichtigen Punkt - doch Ilja war souverän, nahm es mit viel Humor und machte sich auf den Weg in den Vorraum, denn dort warteten ja wie gesagt Ingo Veit und Joachim Kropp von den SF Bremen-West mit Kuchen, Kaffee, Kaltgetränk.

Besonders schön: diese memorable Partie bestritt Peter Jürgens in einem Schach-Pullover mit dem nicht ganz unpassenden oder für diesen Anlass sogar visionären Aufdruck: "Schach ruft mich an ... und ich muss gehen". Hätte Ilja diese subtile Warnung doch bloß ernster genommen!

Schach ruft mich an
            Schach ruft mich an - Aufgeben - und ich muss (ans Büffet) gehen!  (Foto: Ilja Schneider)

Der Turniersieg war damit durchaus unglücklich vergeben, doch Ilja brachte das Turnier mit zwei weiteren Siegen gekonnt zu Ende, wurde mit 12 Punkten Dritter und damit bester Nicht-Bremer. Knapp vor ihm FM David Höffer (DEL!) mit 12,5 Punkten, und der neue Bremer Meister, IM Christian Richter, der seine stattlichen 13 Punkte nach einem etwas unrunden Start in beeindruckender Manier einfuhr. Glückwunsch an alle drei! Die Ergebnisse des Wettbewerbs findet man hier auf der Seite des Bremer Landesschachbundes.

Auch sonst hatten einige der neueren Blitzregeln hier und da im Wettbewerb gewissen Einfluss. Immer mal rutschte den 50 Apologeten des königlichen Spiels ein falscher Zug aufs Brett - zweihändige Rochade, stehengelassener König, Orang-Utan-Eröffnung - was konsequent zu einer kleinen Zeitstrafe führte und dem Gegner eine einminütige Gutschrift einbrachte, mit Fachwissen von den Schiedsrichtern fix auf den elektronischen Uhren eingestellt.

Neu ja auch die strenge Vorschrift, dass beidseitig gefallene Plättchen keineswegs mehr als Remis gewertet werden. Das Fähnchen bringt es an den Tag - nun unterliegt derjenige, dessen Zeit zuerst abgelaufen ist. In der Partie Olaf Steffens - Peter Jürgens führte dies zu einer Entscheidung, und somit wurde es hier ein Punkt für mich, den ich wenn auch mit etwas Unbehagen einbuchen konnte.
Mit einigem Turnierglück und unerwartet vielen Punkte in den letzten Runden vermochte ich mich dann sogar noch bis auf Platz vier vorzurobben, direkt hinter RichterHöfferSchneider, den großen Drei des bremischen Schachs. Hurra!

Als Beleg für besagtes Turnierglück möge die folgende hanebüchene Stellung aus der Partie Stefan Schwenke - Steffens dienen:

 Stefan Schwenke Steffens
                         Allgemeine Verunsicherung bei den schwarzen Steinen

In Wirklichkeit war meine Stellung noch ein wenig schlechter als abgebildet, das Diagramm ist lediglich eine Erinnerung aus Zeit- und allgemeiner Schachnot. Hier versuchte ich den Trick 1....De6-d6? und drohe so etwas wie ein Grundreihenmatt. Stefan parierte das aber locker mit 2.Dg2-a8+, Kc8-c7 3.Sb4xa6+. Nun geht nur 3... Kc7-b6, und meine Dame geht mit Schach verloren nach 4.Td1xd6+. Feierabend für Schwarz ..., eigentlich!

Doch erstmal schnell wiedernehmen: 4.... Sf7xd6 - und Überraschung, nun droht auf e1 immerhin ein Grundreihenmatt (!), und der weiße Springer hängt.

Bei nur noch wenigen Sekunden auf der Uhr warf Stefan mit 5.a2-a4 den Bauern für ein schnelles Luftloch nach vorne (5.Da8-h1 war möglich, oder 5.Da8xe8), doch nun zeigte sich, dass nach 5.....Te8xa8 auch noch seine Dame hing. Wir hackten noch ein paar Züge aufs Brett, bevor er aufgab - kein schönes Ende einer von ihm toll gespielten Partie. Manchmal hat man Glück.

Und hier, für alle Freunde des Meisters und ehemaligen Zoodirektors:

Donnerstag, 10 Januar 2019 19:45

Zu Tode gefürchtet ist auch gestorben

geschrieben von

Die Krennwurzn spielt zwischen Weihnachten und Neujahr traditionell beim Donauopen in Aschach nahe Linz mit und gibt dort auch noch regelmäßig seinen Senf zu den Runden dazu. Aufgrund einer unbedachten Äußerung muss die Krennwurzn – obwohl schachlich nicht dafür geeignet – in der A-Gruppe spielen, bis sie einmal durchgenullt wird – aber all das sollte heute nicht unser Thema sein.

Wie spielt die Krennwurzn eigentlich Schach? Nun ein Held vor dem Herrn ist die Krennwurzn nicht und sie mag lieber ruhige Stellungen und die Krennwurzn ist wie so viele schwächere Spieler auch ein wenig ängstlich. Angst vor Niederlagen hat die Krennwurzn eigentlich nicht wirklich und viel Erfahrung mit Niederlagen hat sie auch genug, dennoch verliert niemand gerne und genau das kann zu „unnötigen“ Niederlagen führen – aber lassen Sie sich kurz in die Gedankenwelt der Krennwurzn entführen:

Die Krennwurzn (1800) spielte mit den weißen Steinen gegen einen gut bekannten „unkonventionellen Angreifer“ (1900) – die Bilanz vor der Partie (+1,-1,=2) war ausgeglichen und die letzte Partie konnte die Krennwurzn im Endspiel nach überstanden Angriff gewinnen. Also auf ins Endspiel und wenn es geht ohne große Stürme im Vorfeld.

1.c4 Bitte kein Benoni, Wolga- oder andere Gambits 1...e5 2.Sc3 Lb4 3.Sd5 Ld6?! 4.d3?! möchte e4 verhindern 4...c6 5.Sc3 f5!?

2019Tode01

 

Genau solche Angriffsstellungen wollte Weiß verhindern, aber nun gibt es kein Zurück mehr. 6.e4 f4 Bleibt Weiß jetzt passiv, dann wird er überrollt, das leuchtet sogar einer Krennwurzn ein und widerwillig wird nach aktiven Möglichkeiten gesucht. 7.g3 Die Alternativen (7.c5 Lc7 (7...Lxc5?? 8.Dh5+) 8.d4 und 7.d4 exd4 8.c5) hätten alle in ungeliebte Stellungen geführt.

7...Sf6 8.d4 Diese Idee wäre mit dem Tausch auf f4 besser gewesen (8.gxf4 exf4 9.d4 Lb4 und nun gibt es eine taktische Lösung für das Problem auf c3 10.e5!! Se4 11.Ld3 Sxc3 12.Dh5+! Kf8 13.Ld2 Sxa2 14.Txa2 Lxd2+ 15.Kxd2 so was zählt nicht zu den Lieblingsstellungen der Krennwurzn)

8...Lb4 9.Lg2 fxg3 10.hxg3 exd4 11.Dxd4 d6

2019Tode02 

Den Eröffnungskampf hat Weiß klar verloren auch wenn er laut Computer besser steht, aber Schwarz hat Angriffsmarken und Weiß muss taktische Probleme lösen – beides gefällt der Krennwurzn nicht.

12.Le3 ist noch kein Fehler, aber mir gefällt die Stellung nicht mehr. 12.Lg5 gefiel mir nicht 12...Sbd7= aber Schwarz kann in Ruhe angreifen und der Computerzug 12.Lf4 kam mir gar nicht in den Sinn. 12...0–0 13.f3?! Die taktische Lösung 13.c5 dxc5 (13...Lxc5 14.Dc4+ Kh8 15.Lxc5 dxc5) 14.Dc4+ Kh8 15.a3 b5 16.Db3 sah ich nicht – die Angst hat bereits vollständigen Besitz über die Krennwurzn gewonnen.

13...d5?

2019Tode03

Ein verfrühter Angriff, aber durch die Angst sind viele Auswege dem geistigen Auge schon verstellt, obwohl sie offenstehen. Stattdessen hätte Schwarz mit 13...Sbd7 14.a3 Lc5 15.Dd2 Db6 die Daumenschrauben schon etwas anziehen können. Das hat wohl Phantomschmerzen bei der Krennwurzn ausgelöst und im Zusammenhang mit der fehlenden Königssicherheit den Panikzug 14.0–0–0? ausgelöst. Aber hätte es noch Rettung gegeben? Natürlich und einfach noch dazu 14.cxd5!! und Schwarz muss einen wichtigen Angreifer abtauschen und einige seiner Figuren stehen ja noch in der Garage 14...Lxc3+ (14...a5 15.a3; 14...Db6 15.Dd3) 15.Dxc3 cxd5 16.e5! (16.exd5?? Sxd5) 16...d4 17.Dxd4 Dxd4 18.Lxd4 Sc6 19.Se2 und weicht der Springer mit 16. … Se8 zurück, so steht Weiß auch wieder die kurze Rochade zur Verfügung.

14...c5? wieder ein aggressiver Fehler. 15.Dd3 d4 keine der weißen Figuren kann genommen werden und eigentlich steht es gar nicht so schlecht um Weiß, aber die Angst hat sich schon tief in das weiße Denken eingefressen. Die offensichtliche "Rettung" 16.Lg5 der Figuren verstellt den Blick auf die Tatsache, dass ja auch die weiße Stellung Trümpfe hat - der komplette schwarze Damenflügel noch schläft.

2019Tode04

Das sofortige 16.e5 stellt Schwarz sehr unangenehme Fragen 16...g6 17. exf6 Lf5 habe ich am Brett gefürchtet und übersehen, dass ich nun in aller Ruhe meine bedrohten Figuren wieder ins Spiel bringen kann.

Und es gibt für Weiß viele andere taktische Probleme zu lösen (16...De7 17.f4! Schwarz kann keine Figur vorteilhaft schlagen 17...h6

a) 17...dxe3 18.exf6 gxf6 19.Ld5+ Kh8 20.Le4 f5 21.Ld5;

b) 17...dxc3 18.exf6 cxb2+ 19.Kb1! Txf6 20.Ld5+ Kf8 (20...Kh8 21.Dxh7#) 21.Txh7 Th6 (21...Lf5 22.Th8#) 22.Sf3+–) 17.exf6 Lf5 (17...Lxc3 18.Lg5 Db6 19.De2 (19.bxc3 Lf5! 20.De2 Db1+ 21.Kd2 dxc3+ 22.Ke1 c2 23.Tc1) ) 18.Se4+–]

Wie sollte man das schaffen, wenn man Angst hat und mit der Stellung und sich selbst total unzufrieden ist?

2019Tode05

16...Da5 Schwarz greift mit natürlichen Zügen an und Weiß verliert den Faden komplett. Der Partiezug 17.Sb5 geht auch noch im Remissinne, Weiß hat immer noch andere Möglichkeiten, aber vollkommen von der Angst in Besitz genommen und dem Schicksal ergeben wird nur mehr reagiert nicht mehr agiert.

Mit 17.Lxf6 Txf6 noch einen schwarzen Angreifer nicht ins Spiel kommen lassen möchte Weiß auf keinen Fall. ABER halt 18.Sd5 stellt doch Schwarz vor Probleme? 18...Dxa2 (18...Ta6 19.e5 Dxa2 20.Dxh7+ Kf7 21.Sxb4 Da1+ 22.Kd2 Dxb2+ 23.Sc2 Dc3+ 24.Ke2) 19.Sxf6+ gxf6 20.f4 Sc6 21.Sf3 La5 (21...Sa5 22.e5 Dxc4+ 23.Dxc4+ Sxc4 24.exf6 Lf5 und die Mattgefahren sind weniger geworden) 17.e5 nach 17...g6!? (17...Lxc3 18.exf6 g6 19.f4 Lf5 20.Ld5+ Kh8 21.Sf3 Lxd3 22.Txh7+ Kxh7 23.Th1#) 18.exf6 Lf5 muss Weiß erkennen können, dass die Dame geopfert werden kann 19.f4!! Lxd3 20.Ld5+ Kh8 21.Txh7+ Kxh7 22.Sf3 mit Matt]

In der Partie folgte nun nach 17...Dxa2 mit 18.Sc7?? der letzte Fehler. Natürlich will Weiß nicht den Turm auf a8 schlagen - das Feld e6 muss irgendwie unter Kontrolle gehalten werden – aber es ist schon zu spät?

Eigentlich immer noch nicht – die weiße Stellung war gar nie so schlecht und sogar jetzt hätte es noch einen Ausweg gegeben – und wieder wäre das Motiv 18.e5!!

2019Tode06

ein letztes Mal noch möglich gewesen.

18...g6? 19. Sd6 und Weiß steht besser

a) 18...Da1+ 19.Kc2 Da4+ 20.Kb1 Lf5!! 21.Dxf5 Dxd1+ 22.Ka2 mit Dauerschach;

b) 18...Se4 19.f4 (19.fxe4?? Tf2–+) 19...Sxg5 20.Ld5+ Kh8 21.Sd6 f5 und e6 sind unter weißer Kontrolle;

In der Partie bringt Schwarz mit 18...Sc6 eine weitere Figur mit diversen Mattdrohungen ins Spiel 19.Sd5 [19.Lxf6 Txf6 brächte nun einen weiteren Angreifer wirklich ins Spiel. 19...Sxd5 20.exd5 Lf5 und Weiß muss aufgeben. Ja zu Tode gefürchtet ist tatsächlich auch gestorben!!

Was können wir schwachen Spieler daraus lernen? Nun einmal Angst ist ein sehr schlechter Berater und hemmt das eigene Spiel. Steht man einmal wie das Karnickel vor der Schlange ist die Partie schon vorbei – auch wenn es noch viele Auswege gibt. Werden wir dann all die Computervarianten am Brett finden? Natürlich nicht, aber mit weniger Angst haben wir nicht zwingenderweise mehr Erfolg, aber vielleicht mehr Freude am eigenen Spiel.

Nun hat die Krennwurzn ein wenig geflunkert, denn so erfahren mit Niederlagen ist sie nun auch wieder nicht, denn 70% meiner Partien verliere ich eben nicht. Könnte das Problem nicht doch an den mangelnden Erfahrungen mit Niederlagen liegen. Ich denke ja und es ist ein generelles Problem im Schach. Wir lesen immer nur von Siegen und Erfolgen und vergessen komplett, dass es ohne Verlierer keine Sieger geben kann und wir unsere Einstellung zu Sieg und Niederlage ändern müssen: beides sind „part of the game“ und daher möchte ich Sie mit Berthold Brecht ein wenig nachdenken lassen:

Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
„Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich.“


Die Partie zum Nachspielen:

 

Montag, 10 Dezember 2018 11:36

Interview der Krennwurzn mit Harald Schneider-Zinner

geschrieben von

Nun es ist nicht leicht Interviewpartner für die Krennwurzn zu finden – viele wollen nicht oder haben Angst vor einem Interview und andere will die Krennwurzn nicht. Zudem ist die Themenauswahl auch nicht so leicht. Schachpolitik verschwindet in letzter Zeit komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung und Skandale sind auch eher die Ausnahme. Daher möchte die Krennwurzn einen anderen Weg gehen und sich mit einem aktiven Schachtrainer und -spieler unterhalten. Die Wahl fiel dabei leicht und die Krennwurzn verfiel auf den Nationaltrainer der österreichischen Frauen, IM Harald Schneider-Zinner.

Krennwurzn:
Lieber Harald, in Österreich bist Du ja bekannt, aber wir haben hier viele Leser aus Deutschland – also stelle Dich bitte etwas ausführlicher vor:

HSZ:
Ich wurde am 1. April 1968 geboren. Das erklärt meine Vorliebe für Aprilscherze. :-).
Bei uns zu Hause stand immer ein Schachbrett herum, sodass ich mit dem Herumschmeißen von Figuren aufwuchs, bis das Ganze mal halbwegs nach richtigem Schach aussah.

2018HSZ01
HSZ in jungen Jahren

In unserer Pfarre übernahm ich recht früh eine Jungschargruppe. Wir diskutierten viel, unternahmen zahlreiche Reisen und führten viele Theaterstücke auf. Das beeinflusste sicherlich meine Berufswahl zum Lehrer – Sonderschul- Körperbehinderten- und Sprachheilpädagogik. Die Ausbildung bedeutete drei Jahre "Hahn im Korb" in einer Gruppe mit 10 Frauen und zwei Männern (das perfekte Abhärtungstraining für einen zukünftigen Trainer des Frauen-Nationalteams).

Ich unterrichtete dann 14 Jahre im Sonderschul - und Volksschulbereich; 10 Jahre davon mit Christine - meiner Lieblingslehrerin - im Teamteaching. Wir ergänzten uns hervorragend, nur Werken konnten wir beide nicht, das gaben wir erfolgreich ab.

Krennwurzn:
Schach gespielt hast Du ja schon seit Jugend an, aber wie wurde ein Trainer aus Dir?

HSZ:
2003 holte mich Robert Zsifkovits als Jugendkadertrainer ins Burgenland (von der Zeit her werde ich in Artikeln oft als Burgenländer und Wahlwiener beschrieben – dabei ist es genau umgekehrt ?). Ich absolvierte die Ausbildung zum Instruktor und 2005 die FIDE-Trainer-Ausbildung in Berlin (2010 dann die Trainerausbildung). Neben meinem Lehrberuf und der Trainertätigkeit blieb nur mehr wenig Zeit zum Schachspielen und für mein Privatleben (ich neige bis heute ein wenig zum „Workaholic“).

Schließlich animierte mich Eveline - meine Frau - etwas Arbeit über Bord zu werfen. Nachdem meine Kollegin schwanger geworden ist und sich unser "Dreamteam" in der Schule somit halbiert hatte, war die Entscheidung einfach: ich machte mich als Schachtrainer selbstständig (das Sicherheitsnetz war aber eng geknüpft, unter anderem durch die Möglichkeit immer wieder in den sicheren "Schulhafen" zurück zu kehren, aber auch durch zahlreiche Kontakte und finanzielle Absicherungen ...also kein sehr gewagter Schritt und keine Abhängigkeiten von Funktionären).

Krennwurzn:
Wann bist Du nach Wien „zurückgekehrt“?

HSZ:
2008 übernahm ich den Wiener Jugendkader, nachdem Präsident Christian Hursky mit seinem Team das Wiener Schach aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst hatte. Es begann eine sehr schöne Trainertätigkeit, aus der in vieljähriger Arbeit Valentin Dragnev (knapp vor dem Großmeistertitel stehend und heute Großmeister und Nationalspieler), Christoph Menezes (IM), Felix Blohberger (IM und Nationalspieler), Marc Morgunov und zahlreiche andere starke Burschen hervor gingen.

2018HSZ02

Jugendkader 2012

Bei den Mädchen arbeite ich seit 2010 mit Nikola Mayrhuber zusammen, die mit mir ins Nationalteam wechselte. Außerdem entwickelten sich wunderbare Spielerinnen wie Sophie Konecny, Dorothea Enache, Wu Min, ... die serienweise die Jugendmeisterschaften gewannen.

Zum Abschiedsfest Ende 2016 kamen alles in allem 60 geliebte Leute: Spieler und Spielerinnen, Eltern und Funktionäre. Selten ist mir ein Abschied so schwergefallen. Allerdings sind zu vielen sehr freundschaftliche Kontakte über die Trainerarbeit hinaus bis heute geblieben.

Krennwurzn:
Wieso kam es zum Abschied aus Wien?

HSZ:
Den Abschied hatte ich zirka ein halbes Jahr davor geplant mit dem Ziel, mir eine längere Auszeit zu nehmen und mal viele Turniere auf der Welt zu spielen, die sich bis dahin noch nicht ausgegangen sind. Dann wurde ich aber von Christian Hursky und Kurt Jungwirth gefragt, ob ich den österreichischen Frauenkader trainieren wolle – und ich zögerte nicht lange.
2015 konnte ich in Island in diesem Bereich schon erste Erfahrungen sammeln. Ich betreute die Mannschaft bei der Team-Europameisterschaft und irgendwie passte alles zusammen. Wir erreichten den fantastische geteilten 4. – 9. Platz (u.a. mit einem 2:2 in der Schlussrunde gegen das Weltklasseteam aus Georgien).

Der Frauen-Nationalkader besteht heute aus 12 motivierten jungen Frauen. Keine davon ist Profi. Familie und Beruf (bzw. Schule oder Studium) spielen eine vorrangige Rolle im Leben der Frauen – aber daneben hat Schach einen sehr gewichtigen Stellenwert. Ich konnte auf der hervorragenden Arbeit von GM David Shengelia aufbauen, brachte aber natürlich meine eigenen Vorstellungen und Strukturen mit.

Krennwurzn:
Du hast aber neben der Trainertätigkeit auch noch andere Aufgaben?

HSZ:
Seit 2011 leite ich die Trainerausbildung (die Karl-Heinz Schein aufgebaut hatte), die mir sehr am Herzen liegt. Unsere Sportler verdienen gut ausgebildete Trainer. Dabei ist viel Organisatorisches zu erledigen. Allerdings nimmt mir Generalsekretär Walter Kastner mit seinem großen Einsatz viel Arbeit ab. Und überhaupt klappt die Zusammenarbeit im ÖSB und im Sportausschuss aus meiner Sicht sehr gut. Alle sind motiviert, leisten viel und schätzen und unterstützen einander.

2018HSZ03

Griechenland 2015

Krennwurzn:

Am Schachbrett sieht man Dich ja auch noch – und dies gar nicht so selten?

HSZ:
Zum Schachspielen komme ich leider nicht mehr so oft, aber wenn genieße ich es und spiele meist recht unbefangen. Großartig ist es natürlich mit meinen ehemaligen Schülern GM Valentin Dragnev, IM Felix Blohberger und FM Jakob Gstach (der aus Studiengründen allerdings wenig Zeit hat) gemeinsam in der 1. Bundesliga zu spielen.

Unser Schachverein Ottakring, den ich mit einem wunderbaren Team leite, liegt mir sehr am Herzen. In den letzten Jahren ist richtig viel weiter gegangen. 2016 wurden wir zum Sportverein des Jahres in Österreichs gewählt (vor den Handballern und anderen tollen Sportarten) und ich konnte mit Niki gemeinsam den Kristall der BSO bei der Gala entgegennehmen. Die vorangegangene Online-Abstimmung spiegelt natürlich nicht ganz die wahren Verhältnisse wider, zeigt aber, dass die österreichische Schachgemeinde hervorragend vernetzt ist und toll zusammenhält.

Und ja, auch auf unsere Arbeit sind wir stolz. Ich denke, dass wir zu den führenden Schachvereinen im Spitzenschach, Jugendschach und Frauenschach in Österreich zählen (zirka 50 Jugendliche und 25 Frauen bzw. Mädchen sind bei uns – bei über 100 Mitgliedern). Das ist nur durch das Zusammenspiel eines guten Teams mit vielen motivierten Leuten möglich.

2018HSZ04

Team Ottakring

Krennwurzn:
Nun haben wir Dich ausreichend vorgestellt und es wird Dich nicht verwundern, dass jetzt nach Krennwurzn Art die unangenehmeren Fragen kommen werden – ich hatte Dich ja vorgewarnt.
Starten wir gleich mit einer Provokation: Bist Du als IM nicht zu schwach um als Trainer erfolgreich arbeiten zu können?

HSZ:
Ich denke, das müssen andere beurteilen. Am besten misst man einen Trainer ja wohl an seinen Schützlingen. Ich glaube, dass ich mit meiner Jugendarbeit das österreichische Schach ganz gut weitergebracht habe (GM Dragnev und IM Blohberger sind für das Nationalteam bereits in jungen Jahren wichtige Stützen).
Und das Frauen-Nationalteam konnte ich in zwei Jahren von Platz 37 auf 25 in der Weltrangliste führen. Das liegt in erster Linie am tollen Einsatz unserer Spielerinnen aber ich denke, dass ich meine Arbeit ziemlich gut (und mit großer Freude) mache. Unterstützt werden wir dabei seit einem Jahr auch von einer sehr guten Mentaltrainerin – Denise Salamon. Aber auch die Unterstützung und das Vertrauen der ÖSB-Funktionäre helfen uns enorm weiter. Vieles ist einfach Teamarbeit.
Ein Erfolgsgeheimnis liegt im tollen Zusammenhalt des Teams. Auch wenn es mal nicht so läuft, unterstützen sich die Spielerinnen und halten zusammen. So konnten wir schon die eine oder andere Krise meistern. Und der 2. Platz 2018 beim Mitropacup mit einem sehr jungen Team war ein Erfolg, für den es auch international viele Gratulationen gab.

Krennwurzn:
Ich habe insgeheim auf den Konter gewartet, dass der wohl beste Schachtrainer Mark Dvoretzky auch „nur“ IM war. Nun möchte ich abseits der Provokation fragen: Warum ist eigene Spielstärke nicht das Hauptkriterium für einen guten Trainer?

HSZ:
Na ja, ich habe ja ein recht gutes Selbstvertrauen, aber auf die Idee mich mit Dvoretzky auch nur annähernd zu vergleichen, wäre ich nicht gekommen - seine Bücher „Für Freunde und Kollegen Teil 1+2“ geben übrigens tiefe Einblicke in die Trainerarbeit. Natürlich ist die Spielstärke eines der vielen Kriterien, die einen Trainer auszeichnen und man muss dann auch sehr ehrlich entscheiden bis zu welchen Grad man seinen Spielern noch helfen kann oder wann man sie lieber an einen anderen Trainer weiterempfehlen sollte.
Aber die Arbeit mit Menschen ist ein sehr komplexes Feld. Man muss Inhalte gut erklären können, sollte seinen Spielern mit Empathie begegnen, Vertrauen muss aufgebaut werden, ein System muss entwickelt werden in dem sinnvolles Arbeiten möglich ist, die Spieler müssen zum selbstständigen Arbeiten animiert werden, gutes Material muss ausgewählt werden, das Training muss so gestaltet sein, dass es für die jeweiligen Spieler möglichst maßgeschneidert ist, Krisensituationen müssen bewältigt werden.
Vieles spielt sich abseits der schachlichen Ebene ab. Die Eigenschaften die man als starker Spieler und als starker Trainer benötigt, sind eben zwei unterschiedliche paar Schuhe. Kaum ein Trainer wird in allen Bereichen perfekt sein – es kommt eben aufs Gesamtpaket an.

2018HSZ05

Olympiateam 2018

Krennwurzn:
Kommen wir zum Spitzenschachtraining zurück – Du kennst sicherlich die Krennwurzn’sche Forderung 2600 mit 16 Jahren und 2700 mit 18. Diese plakative Forderung scheint auf den ersten Blick überzogen, schaut man sich aber die aktuelle Weltspitze an, so scheint genau dies notwendig zu sein. Eine der Nebenwirkungen dieser Forderung ist ja, dass angehenden Topleute auf die Schulbildung verzichten müssen, weil beides nicht mehr schaffbar ist. Können wir da in Europa – speziell in West- und Mitteleuropa da noch mithalten?

HSZ:
Deine Forderungen sind nicht von der Hand zu weisen. Das Höchstleistungsalter ist im Schach sicherlich deutlich gesunken und wenn man ganz an die Spitze will, muss man auf vieles verzichten. Im österreichischen Schachbund bekennen wir uns klar zu einem dualen System und unterstützen unsere Athleten dabei. Nachwuchsleistungszentren bieten dafür eine gute Basis, um intensiv zu trainieren und den Maturaabschluss zu erlangen. Aber das ist kein Honigschlecken für die Spieler und bedeutet Verzicht auf vieles andere.
Die Leistungen unserer Spieler (zum Beispiel der geteilte 6. – 14. Platz des Herren-Teams bei der Olympiade 2018, punktegleich mit Indien) zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind.
Uns ist aber bewusst, dass wir die Arbeit mit den jungen Spielern immer mehr intensivieren müssen, viele Schritte sind bereits eingeleitet. Und Präsident Christian Hursky puscht und motiviert mit Recht in diese Richtung.
Spitzensportler sind es gewohnt zielgerichtet und intensiv zu arbeiten. Und es gibt dann immer noch den zweiten Bildungsweg. Jeder motivierte junge Sportler muss da selbst seine Entscheidung treffen.

Krennwurzn:
Im Rahmen einer Diskussion habe ich folgende Statistik erstellt und zwei gleichalte Spieler gewählt, wovon einer in die Weltspitze kam und der andere eben gerade nicht.

2018HSZ06

Sicherlich ein unwissenschaftlicher Vergleich, aber zeigt sich nicht das Bild, dass Meier in jungen Jahren nicht die Möglichkeit hatte gegen starke Spieler anzutreten und könnte das auch ein Problem für junge Spieler hier in Österreich sein, nicht schon früh auf härteste Konkurrenz zu stoßen?

HSZ:
Dein Vergleich ist sicherlich treffend. Wir benötigen starke Gegnerschaft um stärker zu werden. Der ÖSB fördert seine Spitzenspieler sehr dabei sich internationale Härte zu holen und im Ausland gegen starke Konkurrenz zu spielen. Gegner in einem Bereich zwischen plus 150 Elo und ein paar wenige mit minus 50 Elo sind nach Markus Ragger perfekt. Er meint auch, dass 100 Partien im Jahr für junge motivierte Spieler ein guter Richtwert sind.
Die Trainer unterstützen bei der Turnierauswahl.
Im Frauen-Nationalteam fordere ich mindestens 50 Partien im Jahr. Wie gesagt, alle sind Amateure, aber wir erwarten bei den Förderungen eine semiprofessionelle Einstellung. Auf individuelle Situationen nehmen wir natürlich Rücksicht. Und ein großes Selbstengagement ist immer Voraussetzung.
Leider fehlt die harte nationale Konkurrenz im Jugendschach. Wir haben einige wirklich starke Spieler, aber dann kommt ein großes Loch. Der ÖSB versucht mit einem bundesländerübergreifenden Projekt das 2019 starten wird entgegen zu steuern. Aber alle im Jugendschach beteiligten Personen sind in der Pflicht hier mitzuarbeiten. Leider scheiterte eine Initiative von mir die Vereine der 1. Bundesliga zu verpflichtender Jugendarbeit anhalten.

Krennwurzn:
Meine Sorge dabei ist, dass man den richtigen Ausstiegszeitpunkt aus dem Spitzensport erkennen sollte, um nicht in existenzielle (Sinn)krisen zu schlittern. Mir ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von GM Maurice Ashley in Erinnerung, der gesagt hat, dass anders als bei körperlichen Sportarten die Entwicklung viel sprunghafter sein kann, weil das menschliche Gehirn die Informationen zuerst erlernen und dann erst verketten muss. Wie unterscheidet man eine Form- oder Lernkrise von der persönlichen Leistungsgrenze? Und wie geht man als Trainer mit dieser Frage um?

HSZ:
Das sind wichtige Schlüsselfragen. In der Tat erfolgt die Entwicklung im Schachsport anders – und viel komplizierter – als zum Beispiel in einer Ausdauersportart. Wenn du im Ausdauerbereich das Training perfekt gestaltest, Belastung und Erholung richtig setzt und das Training im richtigen Ausmaß steigerst, sollte sich die Leistung dazu linear entwickeln.
Im Schachsport ist das anders. Du trainierst oft lange Zeit und spürst, dass du gut arbeitest. Aber in den Ergebnissen spiegelt sich das nicht wider. Das kann für den Spieler, für den Trainer, für die Eltern und die Funktionäre oft sehr frustrierend sein.
Der Grund liegt darin verborgen, dass das Gehirn die komplexen Inhalte erst entsprechend verknüpfen und zusammensetzten muss, bis ergebniswirksame Reize entstehen. Man benötigt in diesen Phasen der scheinbaren Stagnation oft viel Geduld und Selbstvertrauen.
Ich denke, das sind Phasen wo ein Trainer seine Stärken beweisen kann, vor allem in dem er Spieler nicht einfach fallen lässt. Steckt ein Spieler in so einer Krise und vermittelt mir mit seinem Einsatz, dass er wirklich arbeiten möchte, versuche ich ihn/sie vorbehaltlos zu unterstützen.
Milan Novkovic, den ich für einen der besten Trainer Österreichs halte (allerdings hat er kaum Zeit für diese Tätigkeit), hat mir in diesem Zusammenhang ein wunderbares Buch empfohlen: „Der längere Atem“ von George Leonard. Die Phasen der scheinbaren Stagnation werden dort als „Plateau“ bezeichnet – und es ist wichtig dieses „Plateau“ zu lieben (sprich es anzunehmen als das was es ist – eine Phase des Lernens und Ansammelns“) um eine nächst höhere Stufe (das nächste „Plateau“) zu erreichen. Und das erfolgt dann oft sprunghaft – also mit einem enormen Eloschub der je nach Alter und Spielstäre weit über hundert Elo liegen kann (oben wird die Luft natürlich dünner).

Dann war da noch deine Frage, wann man das Erreichen der Leitungsgrenze erkennt und wann es sich nur um eine Krise handelt. Hier ist es wichtig, dass der Trainer seinen Spieler wirklich gut kennt und ein gutes Feeling für diese Problematik hat. Wichtig ist, dass der Wunsch zu arbeiten und für seinen Sport Opfer zu bringen vom Spieler ausgeht. Die Wünsche der Eltern oder des Trainers sollten da nicht hineinprojiziert werden. Es ist recht einfach im U8U10-Bereich Kinder so zu puschen, dass sie Titel gewinnen, aber diese sind nicht wichtig. Wichtig ist die Langzeitentwicklung. Hier gilt es konsequent zu arbeiten, Trainingsreize und Erholung im richtigen Maße zu setzten, und vor allem die Freude zu erhalten. Als Trainer benötigt man einerseits den Willen zum Erfolg, aber auch ein gutes Maß an Entspanntheit.
Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Reifegrad tritt aber immer mehr die Selbstverantwortung des Spielers in den Vordergrund. Wir haben in unserer Gesellschaft große Freiheiten und müssen/dürfen damit umgehen. Nicht jeder wird glücklich, wenn er einen „klassischen“ Weg geht. Aber man muss auch wissen, worauf man sich einlässt.
Für den Trainer ist es dabei wieder wichtig eine vertrauensvolle Gesprächsbasis mit seinen Spielern zu haben. Sie sollen das Gefühl haben jederzeit mit ihrem Trainer diese Problematiken durchbesprechen zu können.
In meiner Praxis hatte ich diese Situation natürlich auch schon ein paar Mal: Druck durch Schule oder Studium, die erste tiefere Beziehung, Belastung durch den Sport – oft kommt im Leben viel zusammen. Ungefragt versuche ich mich aber mit Ratschlägen zurück zu halten. Ich muss schon wirklich sehr alarmiert sein, um von meiner Seite aus einem Spieler zu raten das Handtuch zu werfen. Aber oft ist eine längere Pause sinnvoll. Türen und Gesprächsdrähte müssen dann halt auch offenbleiben.

2018HSZ072016 Kristallgala der ORF ist mit dabei


Krennwurzn:
Dein Ex-Schüler Marc Morgunov wurde in Riga des Betrugs überführt und vom ÖSB gesperrt. Ich möchte aus Rücksicht auf das Alter nicht weiter auf den Fall eingehen, sondern generell fragen, was läuft da schief, setzen wir die Spieler unter zu harten Druck, dass sie keinen anderen Ausweg finden?

HSZ:
Man sollte von einem Einzelfall nicht auf das ganze System schließen, aber natürlich tragen wir eine Verantwortung für unsere Spieler. Aber dass Druck im Spitzensport immer ein großes Thema ist, ist klar.
Ich denke, dass der ÖSB die Verantwortung wahrnimmt und mit dem Einzelfall sehr gut umgegangen ist: transparent, Einbeziehung von internationalen Untersuchungen aller seiner Partien von 2018 durch einen Anti-Cheating-Experten, enge Zusammenarbeit mit der FIDE, eine harte Strafe – aber ohne den Spieler für immer zu verdammen, einen aufgezeigten Weg wie es weiter und zurück in die Schachgemeinschaft gehen kann und angebotene Hilfestellungen (u.a. Arbeit mit einem Mentaltrainer). Ich habe das letzte Mal 2016 mit Marc gearbeitet, aber bereits da war er im Taktikbereich unglaublich stark und beim Lösen von Studien besser und schneller als Valentin oder Christoph. Christoph meinte, dass er Marc wohl als Taktiktrainer engagieren werde, sollte er jemals bei einem Superturnier mitspielen.
Ich denke, dass Marc aus diesem Riesenfehler (ich und viele andere waren völlig geschockt von dieser Nachricht) seine Lehren ziehen wird und wünsche ihm nur das Beste für seine weitere Entwicklung.

Krennwurzn:
Allgemein gesprochen – in diesem Fall könnte der Betroffene noch zu jung sein – wäre ich für einen kompletten Straferlass, wenn der Spieler bereit wäre offen und öffentlich seine Beweggründe diesen Riesenfehler zu machen offenlegt. Aus Sicht eines Trainers eine Schnapsidee oder doch für andere eine Prävention?

HSZ:
Ich bin durchaus ein Freund von klaren Regeln und Konsequenzen (auch aus präventiven Gründen) – begleitet von größtmöglicher Unterstützung für einen Weg zurück. Daneben ist jeder Fall natürlich als Einzelfall zu behandeln. Man muss auch schauen, welchen Spielraum man hat, die Konsequenzen sind von der FIDE – oder im Falle des klassischen Dopings von der BSO – ja vorgeschrieben.

2018HSZ08
Auszeit und Entspannung
im Lieblingsort in Nordspanien

Krennwurzn:
Die Maschinen sind uns Menschen total überlegen, das hat sich auch beim letzten WM-Kampf wieder deutlich gezeigt, hier hätte Sesse mehrmals locker Partien gewonnen und Sesse ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, es gibt ja noch alphazero als Drohung am Horizont. Ich als Schachzuseher habe ja schon oft das Gefühl, dass Zusehen schwieriger ist als selber spielen, weil es sehr schwer fällt Enginebewertungen richtig einzuordnen und in menschliche Idee/Muster umzuwandeln. Wie stark beeinflussen die Maschinen das zukünftige Training?

HSZ:
Da kann ich nur empfehlen die Engines einfach abzuschalten und die großartige Leistung der zwei weltbesten Spieler zu bewundern und zu genießen. Auch hat es viele hervorragende Live-Kommentierungen gegeben, die einem das Geschehen am Brett erklären.
Unglaublich fand ich die Verteidigungsleistungen von Carlsen und Caruana. Das gab es noch in keinem Weltmeisterschaftskampf. Die Fehlerquote war wohl äußerst gering und so gab es trotz großem Kampfgeist keinen Gewinn in den klassischen Partien.

Unglaublich finde ich die Arroganz erheblich schwächerer Spieler, die bequem zu Hause sitzend Engines mitlaufen lassen und sich nicht zu dumm sind die Züge der Nummer 1 und Nummer 2 der Welt heftig zu kritisieren.

Krennwurzn:
Nun ich brauche Hilfe von guter Kommentierung oder einen kritischen Blick auf Enginebewertungen um schönes Spiel erkennen – naja sagen wir genauer erahnen zu können. Bei der Arroganz muss ich einen Einspruch erheben, denn ich glaube, dass die Kritik von meist jenen geübt wird, die vom Fan zum Fanatiker werden. Im Prinzip ist es so wie wenn man beim Fußball schreit: den hätte er reinmachen müssen!

HSZ:
Ich würde die Kommentierung von Svidler, Polgar oder vielen anderen Kommentatoren bevorzugen. Eine echte Bereicherung – zumindest für mich.
Krennwurzn:
Welchen Stellenwert haben Engines bei Dir im Training?

HSZ:
Für mein Training spielen Engines eine eher untergeordnete Rolle. Wir arbeiten in erster Linie am Schachverständnis, an der Variantenberechnung und an der Technik. Aber natürlich werden zur Kontrolle der Eröffnungsvarianten, in der Partievorbereitung und Partieanalyse Engines als gutes Hilfsmittel eingesetzt. Und natürlich spielt der Einsatz in einem Elobereich von 2600 und steigend eine wesentlich bedeutendere Rolle – aber dafür brauchst du wohl einen anderen Interviewpartner.

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Krennwurzn:
Das überrascht mich jetzt ein wenig. Klar ist: nur eigenes Denken führt zum Erfolg. Ich dachte aber, dass man Engines auch als Trainingsmittel einsetzen könnte. Leider gibt es noch wenig sinnvolle Leistungsbeschneidung von Engines um menschliches Spiel der gewünschten Spielstärke zu simulieren. Daher dachte ich, dass man im Training umgekehrtes Cheating einsetzen könnte – der Schüler spielt quasi gegen die Engine, der Trainer sortiert aber „unmenschliche“ Züge aus und/oder baut menschliche Fehler ein.

HSZ:
Interessanter Ansatz, mit dem ich allerdings keine Erfahrung habe. OK – das Mattsetzen mit zum Beispiel Dame gegen Turm gegen Engines zu üben – oder überhaupt die Vorteilsverwertung, ist ein recht gebräuchliches Mittel, aber aus meiner Sicht doch eben nur eine Randerscheinung. Vielleicht bin ich da aber doch zu sehr „Old school“, in diesem Bereich fehlt mir die Erfahrung. Ich arbeite lieber mit meinen Schützlingen ein tolles Buch von Dvoretzky, Aagard oder Gelfand durch. Engines versuche ich eben in einigen Bereichen sinnvoll einzusetzen, sonst interessieren sie mich weniger.

Krennwurzn:
Da möchte ich ein wenig nachhaken – ich sehe da eine Problematik: einerseits werden die Engines verdammt – selber denken, spielen, … - und heimlich schielt ein jeder auf die Enginezüge – Fritz sagt diesen Zug hätte ich spielen müssen. Bräuchten wir da nicht einen ehrlicheren und offeneren Zugang zu diesem Thema? Sollte ein ambitionierter Schachspieler nicht etwas mehr über die Funktionsweise (Stärken, Schwächen, …) von Schachengines wissen als dies heutzutage der Fall ist?
HSZ:
Langsam quälen mich die Engines-Fragen und eigentlich habe ich versucht sie ehrlich und offen zu beantworten. Natürlich müssen wir den Spielern die sinnvolle Arbeit mit Engines beibringen. Bei der Partieanalyse (auf die ich großen Wert lege) decken sie Fehler schonungslos auf. Manchmal schlagen sie „bessere“ Züge vor – um +0,2 höher als den gespielten. Dann geht es darum den Vorschlag der Engine zu verstehen, sonst bringt uns das nichts.
In der Partievorbereitung ziehen Spieler manchmal Engineszüge vor, ohne sie zu verstehen. Es interessiert mich nicht, ob die Engine eine Stellung mit +0,2 oder -0,2 bewertet. Ich strebe Spielstellungen an die mir/meinen Spielerinnen liegen, wo sie die Struktur verstehen und Pläne am Brett finden können.
Tendenziell denke ich, dass oft falsch und viel zu früh mit den Engines gearbeitet wird. Ich sag mal bis zu einer Spielstärke von 2400 haben sie Relevanz – aber eine untergeordnete. Bei Supergroßmeistern ist das sicherlich anders – aber das ist nicht mein Arbeitsfeld. Also lieber mit gutem Trainingsmaterial hochkonzentriert und selbstständig arbeiten und/oder mit einem guten Trainer und/oder mit einem guten Trainingspartner (Sorry, …Old school eben).

Krennwurzn:
Schauen wir noch ein wenig in die Zukunft. Alphazero hat in einem Wettkampf gegen Stockfish nur sechs Partien von 1000 gespielten verloren und ist damit schon fast an der praktischen Perfektion von Schach ist Remis angelangt. Wenn ein heutiger Weltklassespieler einen Zug spielt, so ist ein Plan/Intuition und eine Berechnung dahinter, die er erklären kann und die andere somit nachvollziehen können – das ist ja eine großartige menschliche Fähigkeit. Aber wie gehen wir mit Blick auf die Trainingsarbeit damit um, dass uns die Maschine einen Zug hinknallt, den wir nicht mehr verstehen und/oder erklären können?

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HSZ:
Das hängt von der Zeit und der Wichtigkeit ab. Manchmal nehme ich mir Zeit und versuche den Vorschlag zu verstehen. Gelingt mir das nach einiger Zeit, fein! Dann wird die Variante gespeichert und verbal kommentiert – oder zumindest so, dass ich/meine Spielerinnen später damit arbeiten können. – Verstehe ich den Vorschlag nicht: fein! Ab in den Mistkübel und lieber der Empfehlung eines starken Spielers vertrauen.

Krennwurzn:
Zum Abschluss des Interviews möchte ich noch ein Thema streifen, das wie wild durch Foren und auch die Allgemeinheit geistert: Schach und Intelligenz.
Allgemein möchte ich fragen, ob diese Betonung der Intelligenz nicht abschreckend wirken kann – schrecken wir nicht Leute ab mit Schach zu beginnen, nur weil die Angst haben sie könnten als dumm dastehen, wenn sich der Erfolg nicht einstellt?

HSZ:
Ich denke die Ansicht des hochintelligenten Schachspielers wird eher von außen in das Schach projiziert. Ich versuche diese Meinung nicht zu zerstören?.
Ich denke, sie schadet uns auch nicht. Und in der Tat kann unser Sport der Gesellschaft sehr viel bieten. Schach in der Schule kann spielerisch-unterstützend beim Erlernen zahlreicher Fähigkeiten helfen. Weiters kann Schach helfen generationenübergreifend zu verbinden – ich kenne dafür keine geeignetere Sportart. Im Alter hilft es sicherlich auch geistig fit zu bleiben.
Wenn man die Schachgemeinschaft betrachtet denke ich, dass wir durchaus eine normale Verteilung haben, aus meiner Sicht gibt es aber sehr viele sympathische Leute. Prinzipiell schätze ich sozial intelligente Menschen höher als hochintelligente Menschen mit schlechtem und überheblichem Benehmen.

Krennwurzn:
Zum Abschluss möchte ich noch über eine Studie sprechen, die wenn sie denn stimmen sollte, die praktische Trainerarbeit erleichtern sollte. Die Kernaussage ist, dass man für eine gewisse Elostärke eine Mindestintelligenz benötigt. Als Grundlage wird da oft eine Studie der Universität Graz aus dem Jahre 2006 angeführt.

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Würde das so stimmen, bräuchte man vor dem Trainingseinstieg nur einen IQ-Test machen und schon weiß man, was aus dem Schüler maximal werden kann. Ist das wirklich so einfach?

HSZ:
Mir graut davor jemandes Intelligenz zu messen und dann über seine Zukunft zu entscheiden.

Krennwurzn:
Dem Grauen schließe ich mich mit Begeisterung an und bedanke mich für das Interview!


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Zur Person:

IM Harald Schneider-Zinner, Wien
Internationaler Meister, FIDE-Trainer, Coach des überaus erfolgreichen Wiener Jugendkaders (2008-2016) und Trainer des öst. Frauen-Nationalkaders (ab 1.1.2017)
www.schachtrainer.at

 

Dienstag, 13 November 2018 12:02

ChessBase 15 – die Evolution geht weiter

geschrieben von

Ein klares Krennwurzn Statement zu Beginn: Niemand braucht ChessBase 15 also kaufen Sie es sich sofort!!

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Die Krennwurzn ist ganz entzückt von ihrer messerscharfen Unlogik - etwas was man nicht braucht unverzüglich zu kaufen. Aber so einfach von der Hand zu weisen ist das denn auch wieder nicht, denn:

die WM läuft und Weihnachten steht vor der Tür,
also gönnen Sie sich was für sich und Ihr Hobby!

Wer hier noch weiterliest, verschwendet seine wertvolle Zeit, die er mit dem neuen ChessBase 15 sinnvoller nutzen könnte – die Krennwurzn übernimmt dafür keine Verantwortung, aber das brauche ich ja gar nicht extra schreiben.

Schachdatenbankprogramme gibt es schon eine gefühlte Ewigkeit und eigentlich sollte man denken, dass das Thema schon lange fix und fertig ausgelutscht ist und es beim besten Willen keine Neuerungen und Verbesserungen geben kann. Nun die Mannschaft aus Hamburg überrascht uns alle Jahre – einmal mit Fritz und im nächsten Jahr mit ChessBase immer wieder. Nicht nur dass versucht wird die Datenbankengine schneller zu machen, so dass auch die immer größer werdenden Datenmengen beherrscht werden können – nein es ist immer wieder auch was Neues mit an Bord.

Nachspieltraining

Die Krennwurzn trainiert nicht einmal vor einer Partie - was soll da ein Nachspieltraining helfen. Natürlich könnte man die neue Funktion auch für das Nachspielen eigener Partien verwenden, aber gedacht ist es eigentlich für Meisterpartien, um nicht wie bisher einfach schnell und ohne eigenes Denken durch die Partie und Kommentare zu klicken. ChessBase liefert hier ein einfaches automatisches Feature welches das Nachspielen mit Training und eigenem Denken bereichert. Damit man sich nicht gar so arg anstrengen muss, liefert das Programm auf Wunsch Tipps, die auf den richtigen Zug hinweisen. Zudem werden Dein Zug, der Partiezug und auch der Enginezug gegenübergestellt und man bekommt Punkte. Für die Krennwurzn werden auch noch Verlustzüge angezeigt und in Hochform schafft sie dann über 100% Fehler.

Aber lassen wir das Gefasel und werfen wir einen Blick auf die neue Funktion:

CB15 01

Wie leicht zu sehen ist, hat sich die Krennwurzn wieder mal nicht um den angezeigten Tipp „Vertreibe eine Figur“ gekümmert, sondern den Bauern auf b4 geschlagen, so wie es die Engine auch wollte. Eine wirklich nette Neuerung und auch der Krennwurzn gefällt es mit etwas mehr Eigenleistung durch die Partien zu klicken, aber lassen wir das Matthias Wüllenweber in einem Video erklären.

Video Nachspieltraining -Sprache Englisch – Dauer 12:54


Repertoiretraining

Das ist Nachspieltraining mit dem eigenen Repertoire – also nur für Leute, die sich mit ChessBase schon ein Repertoire angelegt haben. Mit der neuen Version kann man hier wirklich leicht und einfach das eigene Repertoire üben und üben. JA – Sie haben es erraten, so was macht die Krennwurzn natürlich nicht, denn das wäre ja kontraproduktiv. Also lassen wir Matthias Wüllenweber von ChessBase die neue Funktion erklären selbst erklären:

Video Repertoiretraining - Sprache Englisch – Dauer 5:08

Verbesserte Referenz

Die Referenzsuche wurde technisch etwas beschleunigt, aber da kann der ungeduldigen Krennwurzn ja kaum etwas Recht machen, denn die möchte das Ergebnis ja schon vor der Frage haben. Die Referenz wurde um die Punkte Trend und Endspiele etwas aufgefettet.

Der Trend zeigt wie sich eine Eröffnung oder Variante über die Zeit gehalten hat und wie sie aus oder in Mode kam – das ist nicht nur eröffnungstheoretisch interessant, sondern auch schachhistorisch, denn so manche unspielbare Variante hatte dann doch ihr Comeback oder war einfach nur aufgrund von Modetrends eine Zeitlang verschwunden.

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Endspiele zeigen mit welcher Häufigkeit welche Endspiele aus dieser Eröffnung entstehen und geben damit einen kleinen Hinweis darauf, was man beim nächsten Endspieltraining vorrangig bearbeiten soll.

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Plan Explorer

Was kommt thematisch heute aufs Brett? Nun starten wir mit einer Gegenfrage: was ist der Unterschied zwischen Schule und Universität? In der Schule fragt man den Lehrer was kommt zur Prüfung und erhält als Antwort: Lehrbuch Seite 12 bis 37 – die Antwort auf der Uni ist schlicht ALLES. Also was kann heute thematisch aufs Brett kommen: Antwort: ALLES!

Nun Alles ist bei Lichte betrachtet doch ein wenig ziemlich viel – auch wenn es die Lebensrealität ist, so möchte man diese doch ein wenig auf wahrscheinlichere Situationen eingrenzen. Genau das macht diese Funktion, die meiner Meinung nach noch ganz am Anfang steht und auch optisch etwas sperrig rüberkommt. Aber es ist genau die Richtung in die gute Schachsoftware gehen sollte. Es wird versucht abzuklären welche Manöver in bestimmten Eröffnungen wahrscheinlicher vorkommen. Natürlich ist das etwas Kaffeesudlesen, aber nicht nur, denn wie wir alle wissen, lassen sich aus vielen Daten doch signifikante Rückschlüsse ziehen.
Die Funktion stellt schon etwas Vorwissen über die Eröffnung und auch über Schachdatenbanken voraus und ist nicht so leicht zu bedienen – also keine wirkliche „Fun-Funktion“ und daher als Arbeitsfunktion für die Krennwurzn unbrauchbar und unnötig und trotzdem liebt sie diese Funktion – denn damit könnte man, wenn man wollte doch etwas lernen und möglicherweise schneller und zielgerichteter als andere. Sie wissen das ist nicht der erste Widerspruch in diesem Artikel und Sie erlauben mir die Frage: warum lesen Sie noch und haben noch nicht gekauft??

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Wieder eine stumpfe Werbedurchsage der Krennwurzn denken Sie – aber da muss ich Ihnen jetzt sagen: nein, da liegen Sie falsch, denn ein wesentliches Kaufkriterium ist ja, dass die Programme ständig weiterentwickelt und verbessert werden und gerade hier in dieser Funktion wird sich bis ChessBase 16 eine Menge tun und wir dürfen gespannt sein, was uns da noch erwartet und was da mit den Updates mitgeliefert wird.

Das Ziel ist einfach das ALLES auf ein beherrschbares Maß zu reduzieren, damit man in mittleren Breiten – also in der Amateurwelt mit weniger Aufwand etwas erlernen kann. Also typische Motive, Manöver einer Eröffnung erkennen und/oder sogar hinter das Geheimnis so mancher Zugreihenfolgen zu kommen. Das könnte interessant und spannend werden – ein kleiner Einblick in die Welt von Alphazero – jedenfalls was statistische Auswertungen betrifft.

Raytracing

Fällt in die Kategorie optische Spielereien wie die 3-D Bretter. Dennoch gefällt mir diese Funktion etwas besser, weil man hier wirklich schöne Bilder auf den Bildschirm zaubern kann und diese auch noch speichern kann und damit im Web oder für Präsentationen nutzen kann. Strahlenverfolgung ist der schreckliche deutschsprachige Begriff und will uns sagen, dass das Brett so berechnete wird, wie es in der Realität unter den gegebenen Lichtbedingungen auch aussehen würde. Leider benötigt diese schöne Bildererzeugfunktion doch einiges an Rechen- und Grafikleistung und ist auf meinem fünf Jahre alten i7-ProBook mit Onboardgrafik etwas sehr zäh. Leider kann ich nicht aus erster Hand berichten wie das am PC aussieht, weil es hier aktuell Probleme der Software mit meinem AMD Ryzen gibt und diese Funktion daher für AMD noch nicht freigeschalten wird. Aber ich darf alle AMD-Fans trösten – die Hamburger werden das Problem noch lösen und in die kommenden Updates einfließen lassen. (Update CB15.4 Dez2018 ermöglicht nun Raytracing auch auf AMD Rechner)

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So schön mit Licht- und Schattenwurf kann das aussehen – allerdings braucht man dafür schon einen guten Computer mit hochauflösendem Monitor. Interessierte können sich hier zwei Videos von Matthias Wüllenweber zum Thema ansehen.

Video Raytracing - Sprache Englisch – Dauer 4:05

Im zweiten Video wird gezeigt wie man aus einer Partie ein Video machen kann, eine sehr interessante Funktion um beispielsweise ein Training etwas aufzulockern oder auch Freunden einmal die eigene Partie auf einem großen Fernseher zeigen zu können.

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Video Partievideos erzeugen -Sprache Englisch – Dauer 7:30

Viele kleine Verbesserungen

Eine kleine – aber gar nicht so unwesentliche Verbesserung wurde auch bei der Suchmaske vorgenommen, die stark überarbeitet und erweitert wurde. Wem das alles schon bisher zu viel war, hat jetzt die Möglichkeit auf eine ganz einfache Suche zurück zu greifen. Das finde ich ganz grundsätzlich eine sehr gute Idee, denn nicht jeder will sich durch komplizierte Masken klicken – für manche und manche Anwendungen reicht eine übersichtliche abgespeckte Version auch. So kann jeder nach seiner Façon glücklich werden.

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Erweitert wurde auch der Reiter Manöver, der nun viel mächtiger und auch einfacher zu bedienen ist als früher, weil hier schon taktische Motive vorgegeben sind. Allerdings ist das schon eine Funktion bei der man mit etwas mehr Genauigkeit an die Arbeit gehen muss, aber dann liefert sie interessante Ergebnisse.

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Ebenfalls neu ist der Extrareiter für Angriffe:

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Natürlich gibt es noch weitere Funktionen in ChessBase 15 zu entdecken, aber die Krennwurzn interessiert sich nicht für alle Funktionen oder aber sie hat diese schlicht und einfach übersehen.

Gibt’s auch was zu meckern?

Könnte die Krennwurzn als gelernter Österreicher – ja sogar OBERösterreicher - nicht raunzen, müsste man sich wirklich große Sorgen machen. Aber keine Angst kein menschliches Werk wird jemals perfekt sein, denn sogar die Krennwurzn scheitert täglich oder sekündlich an der Perfektion.

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Perfekt ist nur die Ungeduld der Krennwurzn und obwohl die Hamburger laufend an der Datenbankgeschwindigkeit schrauben, ist diese immer noch nicht schnell genug um Ergebnisse in Krennwurznwunschgeschwindigkeit zu liefern. Bessere Soft- und Hardwareleistung werden durch größere Datenmengen wieder eingebremst – das ist ein Fluch unserer Zeit und dennoch habe ich mit Blick auf die Parallelisierung und den Taskmanager das Gefühl, dass hier noch Luft nach oben vorhanden wäre.

Als Meckerabschluss kann ich die Kritik von ChessBase 14 für die „Übertragungen“ bei playchess.com fast wörtlich übernehmen – praktisch für mich und zeitersparend für jene, die den Text auch nach zwei Jahren noch im Kopf haben:

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Wenn ich auf diese Liste schaue, bekomme ich Augenkrebs, der Kopf wird glutrot, wie nach einer zu starken Portion Kren (Meerrettich) am Jausenbrot und dann setzen tiefe Depressionen ein! Ich ungeduldiger User kann nicht nach Spieler suchen (das geht aber sogar bei der CB-Gratisapp am Handy), die Turniere sind nach Tag, Runden und sonst noch was aufgespalten – wahrscheinlich um die Krennwurzn noch mehr zu verärgern oder als Rache für die vielen bösen Krennwurznkommentare über ChessBase.

Und wenn ich jetzt noch wissen möchte, wie es im Turnier steht? Die Partien in ChessBase speichern und dann die Turnierstatistik aufrufen geht – aber das ist jenseits aller Eleganz! Aber ich wünsche mir noch mehr: ich will nicht nur eine Tabelle, sondern eine Livetabelle – am besten eine in der ich selbst noch rumbasteln kann und was-wäre-wenn Spielchen visualisieren könnte – eine Traumspielwiese also.

Natürlich könnte man auch aktuelle Nachrichten in den Übertragungsbereich eingliedern oder schneller und einfacher zugänglich machen – die meisten Informationen sind ja schon im ChessBase System vorhanden – sie müssen nur mehr „einfach“ – das ist scheinbar die große Schwierigkeit – für den User zugänglich gemacht werden!

Fazit der Krennwurzn

CB15 ist eine konsequente Weiterentwicklung der Vorgängerversionen mit ein paar wirklich netten Neuerungen, und zeigt dass sich die Hamburger tagtäglich neue Gedanken über Schach und Schachdatenbanken machen.

Was mir neu gut gefiel:

  • Nachspieltraining (NEU)
  • Planerklärer (NEU - erste Schritte)
  • Verbesserte Referenz
  • Verbesserte Suche inkl. Einfachsuche
  • Raytracing (NEU - einfach eine schöne Spielerei)
  • Kleine Verbesserungen und
  • wenig optische Veränderungen zur Vorversion

Was mir noch fehlt:

  • Vereinigung von ChessBase und Fritz GUI (Grafische Benutzeroberfläche)
  • oder zumindest ein einheitliches Aussehen im Übertragungsbereich
  • Zusammenstutzen und Vereinheitlichung des Angebotes (Jäten) 
  • Schreibweise verbessern und Spielerlexikon haben auch noch Potential
  • individuelle Anpassungsmöglichkeiten in der Ribbon Button Leiste
  • Übersicht über alle Einstellungen, Abos, ... in einem Report (html)
  • Firmeneigenes Supportforum

Und dennoch bitte nicht vergessen – aber sie werden es ja schon gemacht haben:

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die WM läuft und Weihnachten steht vor der Tür,
also gönnen Sie sich was für sich und Ihr Hobby!

Ein ehrliches Wort zum Abschluss: oft wird die Krennwurzn gefragt: ich habe ChessBase Version xy soll ich auf die neue Version update. Haben Sie ChessBase 11 oder früher in Verwendung lautet meine Antwort UNBEDINGT JA. Ab ChessBase 12 lautet die Antwort auch immer JA, aber es gibt zwei Einschränkungen: Ihnen geht es wirtschaftlich gerade nicht so gut oder Sie haben keine Freude an etwas Neuem. Denn wie eingangs gesagt: Fast niemand braucht ChessBase 15 wirklich, aber es ist für viele eine persönliche Freude und damit ein Geschenk an sich selbst! Ja und Programmierer möchten ihren Lieben auch das eine oder andere Päckchen unter den Weihnachtsbaum legen können.

Systemanforderungen ChessBase 15 – Herstellerangaben

Minimum:
Pentium-PC, 2 GB RAM, Windows 7, DirectX9 Grafikkarte mit 256 MB RAM, DVD-ROM Laufwerk, Windows Media Player 9 und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, ChessBase Cloud und Updates).

Empfohlen:
PC Intel Core i5, 2.8 GHz, 8 GB RAM, Windows 10, DirectX10 Grafikkarte (oder kompatibel) mit 512 MB RAM oder mehr, Windows Media Player, Adobe Flash Player (Live-Übertragung), DVD-ROM Laufwerk, Full-HD Monitor und Internetverbindung (Aktivieren des Programms, ChessBase Cloud und Updates).

Internet: Info und Shop www.chessbase.de 

Playlist ChessBase 15 YouTube  (könnte noch um weitere Videos erweitert werden.

Kleingedrucktes (nicht lesenswert)

Lob, Geschenkkörbe, Weinflaschen und Sympathiebekundungen per Email an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! 

Kritik, Beschwerden, Unmutsäußerungen bitte nur an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! – aber bitte nur bezüglich des Programms, nicht aber über die Krennwurzn – dafür können die Hamburger nun wirklich nichts!

Ich lege auch eine pdf-Version zum Download bereit – wer ganz erzürnt ist, bitte ausdrucken und ganz genüsslich ganz heftig klein zerreißen und dann gemütlich hinsetzen und ein gutes Glas österreichischen Rotwein trinken! Und natürlich CB15 mit Genuss und dem guten Gefühl kaufen, dass die Krennwurzn keinen Cent Provision erhält!

Danksagung

An jene Leser, die es so weit geschafft haben und noch nicht eingeschlafen sind!

Und zu guter Letzt an ChessBase Hamburg für die Bereitstellung der Betaversionen und der Geduld mit der Krennwurzn!

Donnerstag, 01 November 2018 18:29

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben (mit Tippspiel)

geschrieben von

War es das schon wieder mit dem Sommer? Wenn man aus dem Fenster schaut, ziehen graue Wolken vorbei, kühle Winde pfeifen durch den Regen und nachts fällt Dunkelheit über das Land – wie soll man da in Badelaune kommen oder zum Eis essen gehen? Wer gehofft hatte, dass im Jahr 2018 endlich wieder einmal ein schöner Sommer kommt, wird spätestens jetzt enttäuscht sein. Allerdings ist es ja auch schon November.

Kommen wir darum zu schöneren Themen, und damit unmittelbar zur Schachbundesliga, die in diesen Tagen wieder den Betrieb aufnimmt. Nach gut einem halben Jahr brettspielloser Zeit stellen die Reckinnen und Recken der höchsten deutschen Spielklasse wieder die Figuren auf, und wir sagen – das wurde auch Zeit!
Fast alle anderen Ligen zwischen Dänemark und Ditzingen, Nordwalde und Neubrandenburg haben bereits die erste Runde ausgetragen und sind mutig in die neue Saison gestartet. Allein auf der Chefetage, bei den oberen Sechzehn, zierte man sich noch, doch nun hat alles Warten ein Ende, und elektrisiert wie in jedem Jahr lauert die Schachgemeinde auf das erste Wochenende an den Brettern.

                               fressinet
                                                                    Bundesliga geht wieder los: Michael Adams und Laurent Fressinet

Obwohl das wohlfeile Motto "gens una sumus" sicher auch im Oberhaus gelten sollte, setzen viele Mannschaften mutmaßlich wieder alles daran, der Schachabteilung des SV Werder auch in der neuen Saison den Meistertitel streitig zu machen.

Mit Erfolg ist dies den Schachfreunden Schwarzwald aus Baden-Baden seit 2005 ja schon ab und an gelungen, und auch in 2018/2019 scheint die ständige Vertretung von Grenke Leasing in der Bundesliga den Siegerpokal in den tiefen Süden holen zu wollen. Passabel genug aufgestellt zu diesem Behufe sind sie möglicherweise.
Baden-Badens nahe Verwandte von den SF Deizisau und auch Hockenheim gehen ELO-stark ins Rennen, ebenso wie die SG Solingen. Wenngleich mit Richard Rapport eine schillernde Schachfachkraft in den Schwarzwald abwanderte, ist Klingenstadt wie alle anderen Top-Teams bedrohlich für Werders zarte Hoffnungen auf einen kleinen Spitzenplatz. Rücksichtnahme auf die Wünsche der Vereine im Norden, Freundschaft, Solidarität oder gar "gens una sumus" - diese ehrenvollen Motive scheinen in der großen Bundesliga nichts zu zählen, und besonders dann nicht, wenn man gegeneinander antritt. Gönnt denn eigentlich niemand den Bremern den Titel?

Bundesliga aktuell
Spannung schon vor der ersten Runde! MSA Zugzwang 82 deutlich in Führung, aber Baden-Baden ist den Münchnern bereits auf den Fersen, ebenso wie Viernheim (neue Liga!)
und - der Hamburger SK, worüber wir uns natürlich freuen. Fehlstart allerdings für Klingenstadt Solingen und auch Werder, die aktuell auf oder nahe einem Abstiegsplatz liegen. (Bild: schachbundesliga.de)

Und huch!, auch die vier Neulinge im Oberhaus schicken sich an, das Gefüge ordentlich durchzuwirbeln. Wir sehen respektvoll nach Viernheim (stark!), Düsseldorf (Jan Timman!), Augsburg (Augsburger Schachpuppenkiste!) und auch nach Kiel (Nordclub!) - von diesen Vertretern muss keiner wirklich auf den Abstiegsrängen landen. Und ganz sicher wurde im Frühling an allen vier Standorten der Aufstieg entsprechend gefeiert.

Kleine Prognose: ganz offenbar ist die Bundesliga in dieser Saison durch die Bank so gut aufgestellt, dass überhaupt niemand absteigen wird. Dafür ist das Feld weitgehend zu ausgeglichen, und eigentlich gibt es niemanden, den Hauptschiedsrichter Jürgen Kohlstädt nach Saisonende guten Gewissens in die zweite Liga strafversetzen könnte  - alle viel zu stark!

Und damit endlich kommen wir zum großen Schachwelt-Tippspiel 2018/2019. Liebe Leserin, lieber Leser, wir erwarten Eure schonungslosen Antworten auf die folgenden Fragen:

a) Wenn schon (s.o.) leider nicht der Hamburger SK oder Werder Bremen - wer wird dann Meister? (2 Punkte)

b) Und Vize? (2 Punkte!)

c) Wer wird öfter spielen - Ilja Schneider (Chessfriends Berlin) oder Richard Rapport (OSG Baden-Baden)? (2 Punkte)

d) Wie viele (Mannschafts-) Punkte holt Werder Bremen? (2 Punkte)*

e) Wie viele Clubs werden gegen Baden-Baden mehr als 2,0 Brettpunkte holen? (2 Punkte)*

Und damit wir alle auch noch ein bisschen Weltwissen demonstrieren können, die etwas fachfremde Frage

f) Steigt der Hamburger SV zum Ende der Saison wieder in die Fußball-Bundesliga auf? (2 Punkte)

* Die Antwort darf hier um einen Punkt abweichen und wird trotzdem als richtig gewertet.


Antworten bitte im Kommentarbereich oder per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!   (bitte gebt in diesem Fall dann einen Namen an, unter dem wir Euren Tipp hier veröffentlichen).

Bei Punktgleichheit entscheidet a) Buchholzwertung, ansonsten b) der direkte Vergleich und dann c) Blitzentscheid.

Wir freuen uns auf Eure Einsendungen. Abgabeschluss ist der Samstag, 10.November 2018, um 14 Uhr Bremer Zeit.

Und was gibt es zu gewinnen? Wie immer eine schmackhafte Tafel Bremer-Stadtmusikanten-Schokolade!

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                                                         Auf zum Schachwelt-Tippspiel!