Großmeister Wolfgang Uhlmann 1935 – 2020 in Österreich
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Dieser Artikel von FM Dirk Wegener (Dresden) und Krennwurzn (Linz) ist bereits im österreichischen SCHACHAKTIV und im deutschen SCHACHMAGAZIN 64 gedruckt erschienen und darf nun zum ersten Todestag auch online einer weiteren Leserschaft zugänglich gemacht werden – einen herzlichen Dank an die Redaktionen!


Dass der Deutsche Schachgroßmeister und Schachtheoretiker Wolfgang Uhlmann nach 85 Lebensjahren in seiner Heimatstadt Dresden am 24. August 2020 verstorben ist, ging durch alle Medien, denn nicht nur die Schachwelt hat einen großen Weltbürger verloren. Wir möchten uns hier der österreichischen Seite von Wolfgang Uhlmann etwas widmen. Schon etwas in Vergessenheit geraten könnte sein, dass Wolfang Uhlmann von 1990 bis 2008 Mitglied des SK VÖEST Linz war und für diesen in der Staatsliga – später Bundesliga – häufig im Einsatz war. Aber wie kam ein Weltstar 1990 zu einem Verein, dessen Erfolge (6 Staatsmeistertitel) doch schon ein paar Jahre zurücklagen?

Der Präsident des Oberösterreichischen Schachlandesverband und langjähriges VÖEST Linz Urgestein FM Heinz Baumgartner (1932-2006) lernte GM Wolfgang Uhlmann in den frühen 50er Jahren bei einem Jugendturnier kennen und schätzen, dann aber verliefen die Leben aufgrund der Trennung Europas in getrennten Bahnen bis man sich im Wendejahr 1989 bei einem Turnier in Pilsen wieder traf. Die mitgereisten Frauen der beiden Spitzenspieler freundeten sich ebenfalls an, und so war es ein kleiner Schritt für GM Wolfgang Uhlmann zum SK VÖEST Linz der zu einer lebenslangen Freundschaft mit Österreich führte.

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GM Wolfgang Uhlmann 2002 (SK Vöest Linz)

Aber GM Wolfgang Uhlmann verbanden schon vorher positive Erinnerungen mit Österreich. Im Jahre 1969 gewann er in Raach am Hochgebirge das Zonenturnier überlegen mit zwei Punkten Vorsprung vor seinen Großmeisterkollegen Lajos Portisch, Borislav Ivkov und Ulf Andersson und vielen mehr. Mit dem Turniersieg qualifizierte er sich für das Interzonenturnier in Palma de Mallorca 1970. Dort belegte er einen hervorragenden 5. - 6. Platz und zog damit in die Kandidatenmatches ein. GM Wolfgang Uhlmann war in der absoluten Weltspitze angekommen und seine historische Elozahl (Chessmetrics) wurde auf 2700 geschätzt. Er spielte 1970 in der Weltauswahl gegen die UdSSR in Belgrad und verlor das Kandidatenmatch gegen GM Bent Larsen etwas unglücklich. 1972 entschlossen sich die DDR-Sportfunktionäre ausschließlich medaillenträchtige Sportarten zu unterstützen und so durfte Wolfgang Uhlmann fortan nur noch sporadisch im Ausland spielen. Leider fing er sich bei einem dieser wenigen Auslandseinsätzen 1976 bei einem Turnier in Manila eine folgenreiche Virusinfektion ein. Die daraus resultierende Beeinträchtigung im Beinbereich und eine Lähmung des linken Auges waren beim Schach nicht gerade hilfreich.

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Turniertabelle generiert mit ChessBase 16

In Raach am Hochgebirge – Grenzgebiet Bucklige Welt und Semmering südöstlich von Wien gelegen - bezwang er auch den einzigen Österreich im Feld IM Dr. Andreas Dückstein (*1927) in einem Damengambit nach einem taktischen Übersehen des Österreichs schnell.

Aber schon im Juli 1956 kreuzten die beiden bei einem doppelrundigen Schachländerkampf Österreich – DDR in Wien die Klingen. In der ersten Partie verlor Dr. Andreas Dückstein eine Holländische Partie nach langem Kampf in 87 Zügen. Wir wollen Ihnen hier die zweite Partie zeigen in der GM Wolfgang Uhlmann seine geliebte Französische Verteidigung spielte.

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Österreich – DDR 8 ½ - 11 ½
Quelle: Zeitschrift SCHACH Nr. 16/1956

Dueckstein,Andreas (2545) - Uhlmann,Wolfgang (2575) [C15]
AUT-DDR m Vienna (2.1), 22.07.1956
[Wegener, Krennwurzn]

Länderkampf Österreich - DDR 8,5:11,5 - historische Elozahlen (Chessmetrics) verwendet. Mit von der Partie war damals auch der spätere Vereinskollege beim SK Vöest Linz Dr. Felix Winiwarter

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Lb4 4.Ld3 ein seltener gespielter Zug ... vielleicht möchte Dückstein nach der Niederlage vom Vortag in einer 87-zügigen Partie den Dresdner Großmeister etwas überraschen. 4.e5 ist der am häufigsten gespielt Zug und diesen wendete der Österreicher GM Karl Robatsch im gleichen Jahr bei der Schacholympiade in Moskau gegen Uhlmann an.
4...dxe4 5.Lxe4 c5 diesen Zug spielt Uhlmann laut den Datenbanken mehr als 10x in seiner Karriere. Das heute aktuellere 5...Sf6 spielte er 1970 gegen Vlastimil Hort.
6.Sge2 Das heutzutage beliebtere Abspiel 6.a3 wurde schon in den 1920-er von Tartakower in die Meisterpraxis eingeführt 6...Lxc3+ 7.bxc3 diese Stellung hatte Uhlmann gegen den deutschstämmigen argentinischen Meister Herman Pilnik im selben Jahr in Marienbad auf dem Brett.
6...Sf6 7.Lf3 Sc6 8.Le3?! 8.a3= ist die bessere Wahl.
8...cxd4 nun muss Weiß erste Probleme lösen.
9.Sxd4N Diese Neuerung wurde damals kritisch gesehen, wird aber heute durchaus auch gespielt. Als besser galt damals und auch heute 9.Lxc6+ bxc6 10.Dxd4 Dxd4 11.Lxd4=
9...Lxc3+ 10.bxc3 Se5! Zu diesem Kraftzug hätte Schwarz in der zuvor erwähnten Variante nie kommen können.
11.Le2 Läuferrückzug Nummer 1!
11...0–0 12.0–0 Sd5 13.Ld2 Läuferrückzug Nummer 2, aber schließlich möchte Weiß als Gegenwert für die Verschlechterung seiner Bauernstellung wenigstens das Läuferpaar behalten.
13...Dc7 14.Tb1?! 14.Sb5! Dc5 15.Lc1 dieser 3. Läuferrückzug stellt wenigstens eine Drohung auf, die Schwarz aber leicht parieren kann 15...Sxc3 16.Sxc3 Dxc3? Für den geopferten Bauern hat Weiß mit dem Läuferpaar und der offenen Stellung etwas Spiel, aber keine ausreichende Kompensation.
14...b6?! Bereitet den Abschluss der Entwicklung mittels 15... Lb7 vor und vertraut darauf, den vorderen c-Bauern später noch einstreichen zu können.
Dennoch wäre das sofortige 14...Sxc3? 15.Lxc3 Dxc3 noch besser für Schwarz. Nach 16.Sb5 Dc5 17.Dd6 Dxd6 18.Sxd6 b6 19.Tfd1 Tb8 und Schwarz verbleibt mit einem Mehrbauern im Endspiel, auch wenn es bis zum Sieg noch ein weiter Weg ist.
15.Sb5! Dc6 16.Sd4?! Es ist verführerisch die Dame weiter zu belästigen, aber diese bekommt dafür Zugang zu einem guten Feld.
16.Te1! hält knapp das Gleichgewicht. 16...Sc4 17.Lc1 La6 18.a4 Lxb5 19.axb5 Dc5 20.Dd4 Dxd4 21.cxd4 Sc3 22.Tb4 Sxe2+ 23.Txe2 Tfc8? /= mit minimalen Endspielvorteil für Schwarz aufgrund der anfälligeren weißen Bauern und der halboffenen c-Line. Weiß sollte sich aber bei genauem Spiel halten können.
16...Dc5 17.Tb5 Dc7 18.Tb3 Lb7 19.Sb5

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19...Dc6 mit der starken Drohung Sxc3! würde nun gewinnen. Schwarz hat mit den aktiven Springern im Zentrum und der Dame-Läuferbatterie die Initiative.
20.Sd4 Dc5 21.De1 21.Ld3 war vorzuziehen. Es stellt den Läufer auf ein aktives Feld. Bei einem Tausch wäre der Doppel-c-Bauer aufgelöst. Aber auch hier behält Schwarz nach 21...Sg6! 22. … Tfe8, 23. … e5, 24. … e4 die Initiative.
21...Tac8 22.Sf3? Verständlich! Um die lästigen Springer aus dem Zentrum zu verdrängen, doch wird damit das Verteidigungsproblem um die weißen Bauernschwächen nicht gelöst.
Ebenso zu weißen Schwierigkeiten führt 22.f4 Sc6 23.Ld3, jedenfalls wäre es besser als die Partiefortsetzung gewesen (23.Tb5 Dd6 24.Ld3 Sxd4 25.cxd4 Sf6 bringt Weiß aufgrund der Doppeldrohung Dxd4 und La6 in Schwierigkeiten). Am zähesten wäre 22.Sb5 gewesen, aber von da kommt der Springer ja .... Weiß hätte mit 23.c4 gefolgt von 24. Lb4 (nach Wegzug des Sd5) eine aktive Idee.
22...Sxf3+! 23.Lxf3 La6 24.Le2 Lxe2 25.Dxe2 Dc4+– Uhlmann hat die Initiative gegen eine strukturell gewonnene Stellung getauscht. Weiß krankt an dem Doppelbauer auf der halboffenen c-Linie. Ein Bauernendspiel wäre für Schwarz leicht gewonnen: Die beiden schwarzen Damenflügelbauern neutralisieren die drei vereinzelten weißen Bauern a2, c2 und b3. Der schwarze König gelangt ins Zentrum und anschließend wird mit dem Vormarsch des e- und f-Bauern ein Freibauer geschaffen. Um den zu halten, erobert Schwarz mit dem König über das Feld c4 die weißen Damenflügelbauern.
26.Dd3 26.Dxc4 käme der Aufgabe gleich.
26...Da4 27.h3 Tfd8 Weniger gut, aber trotzdem mit schwarzem Vorteil wäre der Bauerngewinn 27...Dxa2, da Weiß beginnend mit 28.c4 dafür Gegenspiel bekommt. Schwarz stünde aber immer noch besser 28...Se7 29.Dc3 (29.Lb4 Tfd8 30.De4 Sf5; 29.Lg5 Tfe8 30.Dc3 Da6 31.Ta1 Db7?) 29...Da4 30.Ta1 Dd7 (30...Dxc4?! 31.Txa7 De2 32.De3 Dd1+ 33.Kh2 Sd5 34.Dd4 Txc2 35.Tg3 g6 36.Td3 Dh5 37.g4 Dh4 38.Tf3 und Weiß hat aufgrund der schwachen schwarzen Felder, den aktiven Schwerfiguren und dem verbleibenden schwarzfeldrigen Läufer gewisse Kompensation für 2 Bauern.) 31.Tba3 a5 32.Le3 Dc6 33.Dd4 Dxc4 34.Dxb6 Dxc2 35.Dxa5
28.Dg3 droht Lh6
28...Kh8! Aber nicht 28...Dxa2?? 29.Lh6+– und Weiß gewinnt 29...Kf8 (29...g6 30.De5+–) 30.Dxg7+ Ke8 31.Df8+ Kd7 32.Dxf7+
29.Df3 Dxa2!? Natürlich hätte Schwarz den f7 vorher mit 29...Td7 decken, und nach 30.a3 Kg8 mittels Tdc7 den c3 später gewinnen können. Weiß bliebe ohne Gegenspiel.
30.c4 Sofort 30.Dxf7? verbietet sich wegen 30...Dxc2–+ und der Doppelangriff auf Tb3 und Ld2 gewinnt Material.
30...Txc4?! das gibt Weiß überraschend Gegenchancen.
Hier wäre 30...Dxc2! viel kräftiger gewesen 31.cxd5 Dxd2 32.Dxf7 und einfach 32...Dxd5 33.Te3 Td7 34.Dxe6 Dxe6 35.Txe6 Tb7–+. Aufgrund des Mehrbauerns und der beiden verbundenen Freibauern verfügt Schwarz im Doppelturmendspiel über ausgezeichnete Siegchancen. 36.Ta1 Kg8 37.Ta6 b5 38.Te3 b4 39.Tb3 Tc1+ 40.Kh2 Kf7
31.Dxf7 Dxc2? ist nicht mehr so gut wie ein Zug zuvor.
Besser wäre 31...Txc2 32.Tf3 Tg8 33.Lg5. Weiß hat trotz 2–er Minusbauern plötzlich Gegenspiel. Schwarz muss sehr genau spielen. Nach 33...Tc3! 34.Txc3 Sxc3 35.Lf6 e5! 36.Dxa2 Sxa2 37.Lxe5 Tc8–+ behält Schwarz einen Mehrbauern im Endspiel und verfügt über gute Siegchancen.
32.Lg5? verliert die Partie!
32.Tf3! mit der Mattdrohung auf der Grundreihe sichert den Ausgleich. 32...Tg8 33.Tc1!! Da2 34.Txc4 Dxc4 35.Dxe6 Dd4 36.Lg5=
32...Tg8?! etwas zu vorsichtig.
Das coolere 32...Dxb3! 33.Lxd8 h6 34.Dxe6 Dd3–+ 35. - Sf4 bringt Weiß in Bedrängnis. Der Ld8 hat kein Feld und droht verloren zu gehen. 35.Te1 Sf4 36.Df7 Dd5 erzwingt Schwarz durch die Mattdrohung auf g2 Damentausch und verbleibt mit einem Mehrbauern und zwei verbundenen Freibauern mit ausgezeichneten Siegchancen.
33.Tg3?! Besser wäre 33.Ta3 a5 34.Dxe6 Tc5 35.Te1 Dg6 36.Dxg6 hxg6 und Schwarz steht aufgrund des Mehrbauerns besser, aber die Verwertung des Vorteils ist schwierig.
33...Df5 34.Dxa7

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34.Dxf5 exf5 35.Td3 (35.Tf3 Tf8 36.Td1 h6! –+) 35...Sc3! 36.Ta1 h6 37.Ld2 Sa4! –+ Auch hier sollten die beiden schwarzen Freibauern das Spiel entscheiden.
34...Sc3! Dieser Springer bringt das weiße Spiel nun vollends zu Fall. Es droht vor allem Turmgewinn durch Se2+
35.Te1 eine Drohung abgewehrt …
35...Se4! und schon wird die nächste aufgestellt!
36.Da2? Ein Fehler zum Abschluss.
Mit 36.Txe4 hätte Weiß die Partie noch in die Länge ziehen und die Zugzahl vom Vortag (87) vielleicht noch sprengen können. 36...Txe4 37.Dxb6 Te1+ 38.Kh2 Db1 39.Dxb1 Txb1–+. Aber dieses Endspiel sollte auf Dauer nicht mehr haltbar sein.
36...b5 0Weiß hat keine Drohungen mehr und er muss die Qualität geben. Da Schwarz noch über den b-Bauer verfügt, ist die Stellung glatt gewonnen. 

Bei diesem Wettkampf im Juli 1956 war auf österreichischer Seite auch ÖM Dr. Felix Winiwarter (1930 – 2018) im Einsatz und so ergibt sich eine weitere Klammer zum SK VÖEST Linz, denn dort wurden die Beiden dann jahrelang Mannschaftskameraden in Staats- und Bundesliga. Der Spitzer Winiwarter – ein Nachbar und Schulfreund des bekannten Wachauer Winzers Hirtzberger – brachte den Uhlmanns den guten österreichischen Wein näher. Gemeinsam mit anderen Schachfreunden aus Linz wurde die eine oder andere Genussreise durch Österreich gemacht. Sachsen und Österreicher verbindet nicht nur eine wechselreiche Geschichte, sondern auch ein genüsslicher Umgang mit dem Leben - „savoir-vivre“ wie es die Franzosen nennen.

Wir sind nun nach der Wende im Jahr 1992 gelandet und für die Krennwurzn war dies die erste persönliche Begegnung mit den Uhlmanns. Der SK VÖEST Linz richtete eine Heimrunde in der Staatsliga aus und Frau Uhlmann war – wie immer – lesend mit von der Partie. Ins Gespräch kamen wir leicht, denn wir hatten Ostern 1990 erstmals das wunderbare Dresden besucht und waren vom „Florenz an der Elbe“ tief beeindruckt. Aber kommen wir zurück zum Schach – hier kreuzten GM Wolfgang Uhlmann und GM Milan Vukic (*1942) in einem Königsinder die Klingen.

Uhlmann,Wolfgang (2495) - Vukic,Milan (2495) [E94]
AUT-chT Linz (8.1), 15.02.1992
[Wegener, Krennwurzn]

Das war das erste Mal, dass die Krennwurzn Wolfgang Uhlmann live am Brett in Linz in den Räumlichkeiten des SK VÖEST Linz in der Glimpfingerstraße im Rahmen einer Staatsligarunde - so hieß die Bundesliga damals in Österreich - live am Brett erlebte.

1.c4 Sf6 2.Sc3 g6 3.e4 d6 4.d4 Lg7 5.Le2 0–0 6.Lg5 Das Leningrader System war Wolfgangs Lieblingsaufbau gegen Königsindisch. Dirk Wegener selbst hat als Schwarzer gegen dieses System in einer Normalschachpartie beim Wichern Open 1993 und in einer Schnellschachpartie beim Porzellancup in Dresden 2007 gegen Uhlmann gespielt.
6...Sbd7 7.Dd2 c6 8.Sf3 e5 9.0–0 exd4 10.Sxd4 Sc5 11.Df4 diesen Zug spielte Uhlmann erstmals 1973 (laut unserer Datenbank)
den Fehler 11.f3? bestrafte GM Efim Geller erstmals im Jahre 1968 mit 11...Sfxe4!! und zwar ganze DREIMAL - davon zweimal bei der Schacholympiade in Luzern und beim Karseladze Memorial 12.fxe4 (12.Sxe4 Sxe4 13.fxe4 Lxd4+ 14.Kh1 Db6) 12...Lxd4+ 13.Dxd4 (13.Kh1? Lxc3 14.bxc3 Sxe4–+) 13...Dxg5 14.Dxd6 Td8 15.Df6 Dxf6 16.Txf6 Le6
11...De7 11...Te8
12.Tad1 De5 12...Scxe4 13.Sxe4 Dxe4 14.Dxd6 ist angenehmer für Weiß. Schwarz muss sehr genau spielen, um nicht in Nachteil zu geraten 14...Sg4! 15.h3 De5! 16.Lf4 (16.Dxe5 Sxe5 17.Tfe1) 16...Dxd6 17.Lxd6 Td8 18.Lc5 Se5 19.Sb5! Lf5 20.Sd6 Lf8 21.f4 (21.Sxb7 Tdb8) 21...Sd7 22.Lf2 Lc2 23.Td2 Sf6 24.c5 Lf5; 12...Te8 wird heute häufiger gespielt und war auch damals schon in die Großmeisterpraxis eingeführt.
13.f3 Sfd7? schon ein Fehler sagen uns die heutigen Computerprogramme.
13...Se6 so spielte GM Svidler gegen GM Grischuk und remisierte, aber den Maschinen gefällt dieser Zug auch gar nicht! Aber nach dem besseren 13...Dxf4 14.Lxf4 Se8 hat Schwarz ebenfalls kein leichtes Leben.
14.Dc1N eine interessante Neuerung, nach der Weiß besser steht.
Als noch stärker gilt heute 14.Dh4 und der rückständige Bauer d6 bereitet Schwarz sorgen, z. B. 14...Se6 15.Sxe6 Dxe6 16.Le7 Lf6 17.Lxf6 Sxf6 18.Td4 mit klarem Vorteil für Weiß.
14...a5 dieser thematische Vorstoß reicht nicht mehr für vollständigen Ausgleich.
15.Kh1 a4 jeder spielt auf seinem Flügel.
16.f4 De8 17.f5! aber die weißen Bauernvorstöße sind unangenehmer. Wolfgang spielt auf Angriff. Ein starkes Bauernopfer!
17...f6 17...Sf6 wäre zäher gewesen ... aber nach 18.Lf3 Sfd7 (18...Sfxe4? 19.Lxe4 Sxe4 20.f6!+–) 19.Lh6 Se5 20.Lxg7 Kxg7 21.b4 axb3 22.axb3 verfügt Weiß über Raumvorteil und Spiel gegen den rückständigen Bauer d6.; Bei der Annahme des Bauernopfers ... 17...Sxe4 18.Sxe4 Dxe4 19.Lf3 De5 20.fxg6 hxg6 21.Lxc6! bxc6 (21...Sb6 22.Lb5 Lg4 23.Sf3 Lxf3 24.Txf3 Dxb2 (24...d5 25.c5 Ta5 26.Lf1) 25.Df4 Tac8 26.Th3 De2 27.Tc1 Tc5 28.Dh4 Dh5 29.Dxh5 gxh5 30.Le3) 22.Sxc6 Dxb2 23.Se7+ Kh7 24.Tf4 Dxc1 25.Th4+ Lh6 26.Txc1 Te8 27.Lxh6 Sf6 28.g4 29.Lg5, 29.Tf1 behält Weiß trotz des reduzierten Materials weiterhin Angriff.
18.Lf4 Se5 19.b4! klärt die Lage am Damenflügel.
19...axb3 20.axb3 De7 21.Dc2 Ld7 22.b4 Sa6 23.Tb1 Weiß verfügt über großen Raumvorteil und die aktivere Stellung. Schwarz hat allerdings nur eine Schwäche (Bauer d6) und einen starken Se5. Weiß kann den Druck kontinuierlich verstärken. Es ist ein Spiel auf ein Tor!
23...Kh8 24.Sf3 Tae8 25.Tfd1 Lc8 26.h3 Td8 27.Le3 Tg8 28.Lb6 Tde8 29.Sxe5 ohne diesen Tausch des starken Se5 kommt Weiß nicht weiter. Er erfolgt zu einem günstigen Zeitpunkt.
29...Dxe5 29...fxe5 30.g4! gxf5 31.gxf5 d5 andernfalls deckt Weiß den Königsflügel mit Dd3, Tg1 und Sf2 ab. Der gedeckte  Bauer f5 schränkt das schwarze Spiel ein und Weiß steht klar besser. 32.cxd5 Sxb4 33.Dd2 cxd5 34.Sxd5 Sxd5 35.Dxd5 Dh4 36.Tb3 Lf6 37.Tf3 Tg3 38.Txg3 Dxg3 39.Lg4 Tg8 40.Dd6 Lg7 41.Dd3 Weiß pariert die gegnerischen Drohungen und hat mit dem starken gedeckten Freibauern f5 und gegen den schwachen Lc8 klaren Vorteil.
30.Ld4 De7 30...Df4, aber auch hier wirkt die Dame etwas verlassen.
31.Lf3 Sb8 Schwarz ist ohne Gegenspiel und versucht, mit seinem verbliebenen Springer nach e5 zu gelangen, um den Laden zusammenzuhalten. Aber das wusste Wolfgang zu verhindern. Der schwarze Sb8 wird sein Ausgangsfeld nicht mehr verlassen!
32.fxg6 hxg6 33.Df2 stellt die Drohung Dh4+ auf.
33...Lh6 33...f5 34.exf5 Lxf5 35.Ta1 steigt Weiß mit Ta7 auf die 7. Reihe ein und einer der beiden schwachen schwarzen Bauern b7 und d6 geht früher oder später verloren. Eine mögliche Variante wäre: 35...Sd7 36.Ta7 Se5

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37.Txb7!! Dxb7 38.Dh4+ Lh6 39.Dxh6+ Dh7 40.De3 mit den Drohungen Lc6 und Bauer c5 mit Aushebeln des Se5 40...Lxh3? 41.Kg1 Tg7 42.Lxc6 Ld7 43.Lxd7 Txd7 44.Se4 mit der Doppeldrohung Sd6 und Sf6 44...Dh5 45.Te1 Dh4 46.Tf1 Th7 47.Df4 Dh1+ (47...Dxf4 48.Txf4 Tee7 49.Sxd6 Kg8 50.b5+–) 48.Kf2 Dh4+ 49.Ke2 De7 50.Df6+ Kg8 51.Dxe7 Thxe7 52.Sf6+ Kf8 53.Sxe8+ Kxe8 54.Lxe5 Txe5+ 55.Kd3 mit guten Siegchancen im Turmendspiel.
34.Lg4 Kg7 bereitet Lxg4 vor. Sofort 34...Lxg4?? wäre ein katastrophaler Fehler wegen 35.Lxf6+
35.Lxc8 Txc8 36.c5 sofort 36.b5 wäre noch stärker gewesen!
36...Tcd8

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37. b5?! ein starker Zug einen Zug später ist ein Fehler sagt ein altes Bonmot, hier ist er jedoch immer noch gut.
Noch stärker wäre allerdings 37.Dh4! gewesen. Nach 37...dxc5 (37...Sd7? 38.cxd6 Dxd6?? 39.Le3+–) 38.bxc5 Td7 39.Td3 Lg5 40.Dg4 Tgd8 41.Tbd1+– Schwarz gehen langsam die vernünftigen Züge aus.
37...dxc5 38.Lxc5 Txd1+! nimmt in Zeitnot Angriffsdruck aus der Stellung.
39.Txd1 De5 auf f7 wäre ein sichererer Platz für die Dame gewesen 39...Df7! 40.bxc6 Sxc6 41.Sd5 Lg5 42.Dg3 Weiß steht immer noch besser. Die weißen Gewinn- und schwarzen Remischancen halten sich in etwa die Waage.
40.Ld4 Weiß hat starke Initiative und Schwarz hat wenig Zeit auf der Uhr.
40...Df4? Verliert die Partie.
40...De6 wieder wäre ein weißes Feld die bessere Wahl gewesen - auch wenn die Qualen noch nicht vorbei wären.
41.Db2! +– die weiße Dame entzieht sich dem Tausch und stellt tödliche Drohungen auf der langen Diagonale und der b-Linie auf.
41...Tf8 41...Kh7 ist zwar besser, rettet aber den Tag nicht mehr. Nach 42.bxc6 bxc6 43.e5!! brechen die Dämme auf 43...fxe5 44.La7! +– e4 45.Db7+ Lg7 46.Se2! De5 47.Tb1 und der Sb8 geht auf seinem Ausgangsfeld verloren!
42.bxc6 bxc6 Falls Schwarz jetzt zu ...Sd7 käme, bestünde noch etwas Hoffnung.
43.e5! auch 43.Lc5! Tf7 44.Ld6 gewinnt.
43...Df5 43...fxe5 läuft in 44.Sd5! Dxd4 45.Txd4 exd4 46.Dxd4+ Kg8 47.Sf6+ +–
44.exf6+ Kh8 45.De2 c5 46.Tf1 Dc8 46...Dh5 47.Dxh5 gxh5 48.Lxc5 Tc8 49.Tf5+– wäre zäher, würde aber am Resultat nichts ändern.
47.De4! die Lage ist hoffnungslos. 47...cxd4 48.Dxg6 Tf7 49.Dxf7 ein schöner und wichtiger Sieg für Uhlmann! 1–0

In Erinnerung blieb mir, dass obwohl die Partie ultrascharf war, beide Spieler ganz ruhig am Brett saßen – fast regungslos, aber unter dem Tisch war die Hölle los. GM Uhlmann zappelte mit den Füssen und GM Vukic übertraf das noch indem er immer wieder einen der beiden Schuhe aus und dann wieder anzog – und von dem allem merkte man nichts, wenn man oben auf Spieler und Brett blickte. Die Uhlmanns kamen fast immer zu zweit nach Österreich zu den Punktspielen, da es beiden so gut gefiel. Das war auch für die Mannschaft sehr praktisch. Die Uhlmanns fuhren in der Regel am Vortag eines Punktspiels erst mit dem Auto nach Linz. Dann chauffierte Christine Uhlmann die Mannschaft mit dem Mannschaftsbus des SK VÖEST Linz zum Spielort und hinterher wieder zurück nach Linz. So konnten sich die Spieler voll aufs Schach konzentrieren. Durch die Uhlmanns kamen auch mehrere junge Dresdner Spieler zum SK VÖEST Linz, die durch die rasante Fahrweise von Christine Uhlmann schon auf der Anreise durch Tschechien nervlich abgehärtet wurden. Einer dieser Spieler FM Dirk Wegener lebte und arbeitete knapp drei Jahre in Linz bevor er wieder in seine Heimat Dresden zurückkehrte. Er wird uns nun eine Partie aus einem Aufstiegskampf von der Staatsliga B in die Staatsliga A näherbringen.

Uhlmann,Wolfgang (2482) - Jansa,Vlastimil (2458) [A10]
AUT-chT Qualifikationsturnier Linz (1.1), 31.03.2000
[Wegener]

Als Sieger der Staatsliga B der Staffel Oberösterreich und Salzburg in der Saison 1999/2000 konnten wir am Qualifikationsturnier für die Staatsliga A teilnehmen. Wir spielten zusammen mit den drei Siegern der anderen Staatsliga B-Staffeln (Austria-Husek Wien, Gamlitz und Absam) um 2 Plätze in der Staatsliga A. Wir waren klarer Außenseiter. Austria-Husek Wien und Gamlitz waren nominell deutlich stärker, Absam etwas stärker als wir. Außerdem wies unser Team einen deutlich höheren Altersdurchschnitt auf. Aber wir hatten Heimvorteil, gespielt wurde in Linz-Urfahr.

1.c4 g6 2.e4 e5 3.Sf3 Lg7 4.d4 exd4 5.Sxd4 Sf6 6.Sc3 0–0 7.Ld3!? deckt prophylaktisch den Bauerne4.
Auf das normale 7.Le2 folgt 7...Te8 8.f3 c6! Damit gewinnt Schwarz praktisch ein Tempo gegenüber Königsindisch, da der schwarze d-Bauer in einem Schritt nach d5 gehen kann. 9.Lg5 h6 10.Lh4 d5? Gurevich,M - Jansa,V, Forchheim 2000, Remis nach 44 Zügen, siehe auch CBM 076 [Gurevich,M]
7...c6 8.0–0 d5! Auch hier führt das befreiende ?d5 in einem Zug zu Ausgleich.
9.exd5 cxd5 10.Lg5 dxc4?! 10...Sc6 11.Sxc6 bxc6 gleicht bequem aus.
11.Lxc4 h6 12.Lh4 a6?! 12...Sc6 13.Sxc6 bxc6 14.Dxd8 Txd8 15.Tad1 und aufgrund der besseren Bauernstruktur verfügt Weiß über einen minimalen Vorteil.
13.Lb3 Sbd7 14.Dc2 Weiß hat seine Entwicklung abgeschlossen und verfügt aufgrund der aktiveren Figuren und des Entwicklungsvorspunges über die angenehmere Stellung. Aktuell droht bereits 15.Dxg6.
14...Sc5! 15.Tad1 Db6?! ?15...Sxb3 16.Dxb3 trotz der Aufgabe des Läuferpaares steht Weiß angenehmer. Schwarz muss noch das Entwicklungsproblem des Lc8 und des dann hängenden Bauer b7 lösen. Das erfordert sehr genaues Spiel, um nicht in Nachteil zu geraten. 16...Da5! 17.Tfe1 Lg4! 18.f3 Ld7 19.Lxf6 Lxf6 20.Dxb7 Dc5 21.Dd5 Db6! und hier hat Schwarz gewisse Kompensation für den geopferten Bauern.
16.Lc4?! mit 16.Lxf6! Dxf6? 17.Sd5 Dd6 18.Se6! Dxe6 19.Dxc5 konnte Weiß forciert eine vorteilhafte Stellung erreichen. Die schwarze Dame steht der Entwicklung des Lc8 im Weg und die weißen Figuren sind sehr aktiv.
16...Lg4 nun kann Schwarz seine Entwicklung abschließen.
17.Td2?! Mit 17.f3 Le6 18.Sxe6 Sxe6+ 19.Lf2 Dc6 20.Db3 konnte Weiß aufgrund des Läuferpaares sich noch einen kleinen Vorteil sichern.
17...g5! 18.Lg3 Tad8 19.h3 Sh5? mit 19...Db4! konnte sich Schwarz Ausgleich sichern, z. B. 20.Lxf7+ (oder 20.b3 Sce4 21.Sxe4 Sxe4 22.Td3 Lxd4 23.hxg4 b5 24.Le5! Lxe5 25.Txd8 Txd8 26.Dxe4 bxc4 27.Dxe5=; 20.hxg4 Dxc4=) 20...Kxf7 21.a3 Dc4 22.b3 Sxb3 23.Sxb3 Le6 24.Sa5 Dc8=
20.hxg4 Nun hingegen erhält Weiß wieder Vorteil.
20...Sxg3 21.Tfd1 Td6?? 21...Tfe8 22.fxg3 Txd4 23.Lxf7+! Kxf7 24.Df5+ Kg8 25.Txd4 Lxd4+? (25...Se6? 26.Dg6! +–) 26.Txd4 Tf8 27.Dc2 Sd7 28.Dd2 mit besserer, aber keinesfalls gewonnener Stellung für Weiß.
22.Sd5! +– Da7 23.Sf5?! Einfacher war 23.fxg3 

2021UhlAUT09

mit Trippelbauer und Mehrfigur, aber Weiß muss noch der Fesselung des Sd4 (nach Abzug des Sc5) Sorge tragen. Die taktischen Verwicklungen gehen jedoch alle zugunsten von Weiß aus, z. B.  23...b5 24.Se7+! Dxe7 25.Sf5+– oder 23...Se6 24.Se7+ Kh8 25.Lxe6 Lxd4+ 26.Txd4 Txd4 27.Dc3+–
23...Sxf5 24.Dxf5? Nach 24.gxf5 steht Weiß immer noch auf Gewinn, z. B. 24...b5 25.b4! bxc4 (25...Sb7 26.De4! +–) 26.bxc5 Tc6 27.De4 Lf6 28.Sb6!+– oder 24...Kh8 25.f6! Lxf6 26.Sxf6 Txf6 27.b4 Se6 28.Db2 Kg7 29.Td7 Te8 30.T1d6 und trotz Mehrbauern ist die Lage für Schwarz hoffnungslos. Es droht schlagen auf e6 und nach 30...Kg6 31.Ld3+ Kg7 32.Lf5 geht Schwarz an der Fesselungen  zugrunde. Es geht mindestens eine Figur verloren.

24...Te6 25.b4? 25.Se3 Tee8 26.Ld5 sichert Weiß immer noch klaren Vorteil.
25...Se4?! Nach 25...b5! 26.Ld3 (26.Lf1 Se4 27.Tc2 Ld4?) 26...Sxd3 27.Dxd3 verfügt Weiß nur noch über einen kleinen Vorteil.
26.Ld3? Das wirft den Vorteil wieder weg. Möglicherweise hatte Uhlmann in Zeitnot die schwarze Antwort übersehen.
Stärker war 26.Tc2! Ld4 27.g3 Kg2 27...Lxf2+ (27...Sxg3 28.Dd3 Lxf2+ 29.Kg2+–; 27...Sd6 28.Dd3 Sxc4 29.Txc4 Lxf2+ 30.Kg2 Le1 31.Df3+–) 28.Txf2 Sxf2 29.Dxf2 Dxf2+ 30.Kxf2
26...Te5! = 27.Se7+ Kh8

2021UhlAUT10

 28.Lxe4! Uhlmann spielt trotz des Fehlers im 26. Zug weiter auf Sieg!
Nach 28.Dd7 Sf6 29.Dc7 Db8 30.Dxb8 Txb8 31.Sf5 Lf8 wäre die Stellung ausgeglichen.
28...Txf5 29.Sxf5 Db6 30.a3? Weiß hat nur einen ? und einen ? für die Dame, aber mit den aktiven Leichtfiguren und den verdoppelten Türmen auf der d-Linie die Initiative.
30...Le5? Dieser Zug verliert ein wichtiges Tempo. Schwarz gelingt es nun nicht mehr, die Damenflügelbauern zu tauschen. Auch die folgenden Züge sind von beidseitiger Zeitnot geprägt.
30...a5 31.Td7 (31.Td6 Db5 32.bxa5 Dxa5 33.Lxb7 Dxa3=) 31...axb4 32.Txb7 De6 33.Txb4 Te8 34.Ld5 De2 35.Lf3 Dc2 36.Sd6 Dxd1+ 37.Lxd1 Te1+ 38.Kh2 Le5+ 39.g3 Lxd6=
31.Td7 Lg7? 31...De6 32.g3! verhindert den Tausch der Läufer mittels 32... Lh2+ 33. Kh2 Dxe4 und droht 33.Kg2! Nach 32...Lg7 33.Lf3 Da2 34.T1d3 Lc3 35.T3d6 Lg7 36.Kg2 Dxa3 37.Txb7 kann Schwarz nur noch mit der Dame ziehen, der Läufer muss den Bauer h6 und der Turm den Tf7 decken. Weiß hat auch hier gute Siegchancen.
32.Sd6! +– Kg8 33.Td3?! Sofort gewonnen hätte 33.Ld5! a5 (33...Kh7 34.g3! und Schwarz hat keinen sinnvollen Zug, z. B. 34...a5 35.Txb7 Dd8 36.Sxf7+– oder 34...Ld4 35.Sxf7 Lxf2+ (35...Lg7 36.Kg2) 36.Kg2 Lxg3 37.Tf1! und Schwarz wird Matt oder verliert entscheidend Material) 34.Sxf7 Kh7 35.Txb7 Da6 (35...Df6 36.bxa5+–; 35...Dxb7 36.Lxb7 Txf7 37.Le4+ Kh8 38.b5+–) 36.Le4+ Kg8 37.Tdd7! axb4 38.Ld5 Df6 39.Sxg5+ Kh8 40.Txg7 Dxf2+ 41.Kh2 Df4+ 42.Kh3+–.
33...Td8? Zäher wäre 33...a5 34.Txb7 Dd8 35.Sxf7 (oder auch 35.g3!+– axb4 36.Sxf7 Df6 37.Ld5 bxa3 38.Sxh6+ Kh8 (38...Kh7 39.Sf5+–) 39.Sf7+ Kh7 40.Txa3+–) 35...Dc8 (35...De8 36.Sd6 De5 37.g3!+–) 36.Ld5 Dc1+ (36...Kh7 37.g3 Dxg4 38.Te7 axb4 39.Le4+ Kg8 40.Tdd7 bxa3 41.Sxh6+ Lxh6 42.Ld5+ Tf7 43.Lxf7+ Kh8 44.Te8+ Kg7 45.Le6++–) 37.Kh2 Df4+ 38.Kh3 Dxf2 39.Se5+ Kh7 40.Le4+ Kg8 41.Sg6 42.Tdd7 41...h5 42.Ld5+ Kh7 43.Sxf8+ Kh6! 44.g3? Lxf8 (44...axb4 45.Tf7; 44...Df1+ 45.Kh2) 45.Tf7 hxg4+ 46.Kxg4 De2+ 47.Tff3 axb4 48.Tde3+– und Weiß hätte noch sehr präzise spielen müssen. Am Ausgang hätte sich aber nichts geändert.
34.Sc4+– Db5 34...Txd7 35.Sxb6 ist mit Minusfigur auch hoffnungslos.
35.Txd8++– Lf8 36.Ld5 Kg7 37.Tb8 1–0 Insgesamt ein verdienter Sieg nach einer sehr spannenden Partie, in der bedingt durch die vielen zu berechnenden Varianten, die daraus resultierende Zeitnot und das ungleiche Materialverhältnis die Bewertung  zwischen Ausgleich und Gewinn für Weiß pendelte. Interessant war auch die anschließende Analyse, da beide Spieler sehr optimistisch ihre Stellungen jeweils für sich bewerteten. Mit dem Sieg von Uhlmann hatten wir den Favoriten (Austria-Husek Wien) 4 : 2 geschlagen. Damit hatten wir die Weichen für den Aufstieg gestellt.  Die zweite Runde spielten wir 3 : 3 gegen Absam. In der dritten Runde reichte uns gegen Gamlitz ein 3 : 3, sodass wir und Gamlitz aufgestiegen sind. Wir spielten dann zwei Saisonen (2000/01 und 2001/02) in der Staatsliga A. Der Aufstieg wurde gebührend gefeiert. Felix Winiwarter lud nach Spitz in die malerische Wachau ein und es gab wie fast jedes Jahr eine schöne Saisonabschlussfeier mit gutem Österreichischen Wein.

Nach dem frühen Tod von FM Heinz Baumgartner im Jahre 2006 stieg der SK VÖEST Linz aus der Bundesliga B Mitte ab und zog sich vom semiprofessionellen Schach zurück. Die Kontakte zu den Uhlmanns sind allerdings nicht abgebrochen und es folgten noch viele Besuche in Österreich. Schon bei der Seniorenschachweltmeisterschaft 2007 war GM Wolfgang Uhlmann wieder in Österreich am Schachbrett aktiv. Nach wechselvollem Verlauf und einer Niederlage in der vorletzten Runde, zeigte er seine ungebrochene kämpferische Einstellung am Schachbrett.

Uhlmann, Wolfgang (2417) - Sorokin, Valentin (2319) [D38]
Wch Seniors Gmunden (11), 28.09.2007
[Wegener, Krennwurzn]

1.c4 Die letzte Turnierpartie auf österreichischem Boden. Am Vortag hatte Uhlmann seine Partie und Titelchancen verloren, kämpfte aber dennoch unverdrossen um eine gute Platzierung.
1...Sf6 2.Sc3 e6 3.Sf3 d5 4.d4 Sbd7 5.Lg5 Lb4 mit der scharfen Ragosin-Verteidigung zeigen beide, dass ein Schlussrundenremis nicht zu erwarten ist.
6.cxd5 exd5 7.e3 0–0 8.Ld3 c5 9.Dc2 Da5 10.0–0 c4 11.Lf5 g6?! gilt heutzutage schon als Fehler, war aber damals durchaus spielbar - Aronian hat 2005 ebenso gespielt!
12.Lxd7! Sxd7 13.e4! Weiß hat seine Entwicklung abgeschlossen, während der ?c8 noch in seiner Ausgangsstellung verharrt und der Sd7 ihm den Weg versperrt. Folgerichtig öffnet Weiß das Spiel.
13...Sb6 13...Lxc3 14.bxc3 dxe4 15.Dxe4 macht die Sache für Schwarz auch nicht leichter. Die schwarzen Felder um den König sind geschwächt und ihm fehlt der schwarzfeldrige Läufer. 15...Sb6 16.Lh6 Td8 17.Se5! Le6 (17...Dxc3?? 18.Dh4+–; 17...Sd5 18.Sxc4 Dxc3 19.Tfc1 Db4 20.Tab1 De7 21.Dxe7 Sxe7 22.Lg5 Kf8 23.Se5 Te8 24.Tc7) 18.Tab1 Te8 (18...Dxc3? 19.Dh4 Sd5 20.Tb5 Sc7 21.Txb7+–) 19.Dh4 Sd5 20.Txb7
14.e5! Lf5 15.Dd2? Weiß hat die Eröffnung klar für sich entschieden und steht aufgrund der geschwächten schwarzen Felder am Königsflügel klar besser.
15...Tfe8 16. h3!? N Stark auf Angriff gespielt! Die Idee ist 16.g4 nebst Springer weg und Bauer f4, f5 mit Angriff am Königsflügel. Auch der Vorgänger endete mit einem Weißsieg 16.a3 Lf8 Onischuk,A (2652)-Aleksandrov,A (2679) Poikovsky 2004.
16...Tac8 16...Sd7 17.a3 Lf8 (Nach 17...Lxc3 18.bxc3 fehlt wieder der Läufer in der Verteidigung der geschwächten schwarzen Felder am Königsflügel.) 18.g4 Le6 19.Sh2 …
17.g4! Der vorlaute Läufer wird zwar auf ein gutes Feld, aber ins Abseits getrieben.
17...Ld3 18.Tfc1 Sa4?!

2021UhlAUT11

Stellt taktische Fragen!

18...Sd7 war angesagt, aber 19.Se1 zeigt die schwarzen Probleme auf (auch 19.a3 Lxc3 20.bxc3 ist vorteilhaft für Weiß) 19...Da6 20.a3 Lxc3 21.Txc3 f6 22.exf6 Sxf6 23.Lxf6 Dxf6 24.Sxd3 cxd3 25.Txc8 Txc8 26.Dxd3 und Weiß hat einen Mehrbauern im Endspiel.
19.Se1? 19.a3! wäre die taktisch korrekte Lösung gewesen. Nach 19...Sxc3 20.axb4! wird es taktisch kompliziert: 20...Se2+ 21.Dxe2! Dxa1 22.Dd2! und aufgrund der Drohungen xa1 sowie Lf6 und Dh6 geht Weiß als Sieger aus dem Scharmützel hervor, z. B. 22...Da6 23.Lf6 Te6 (23...Tc6 24.b5! +–) 24.Dxd3! Txf6 25.exf6+– oder 22...c3! 23.bxc3 Da6 24.Lf6 Te6 (24...Tc6 25.Te1! 26. Dh6 Tf6 27.g5! +– 25...Txf6 26.exf6 Txe1+ 27.Sxe1 Le4 28.f3 Lb1 29.Dc1 La2 30.Df4+–) 25.Dh6 Txf6 26.Sg5! +–. Not oder Übel müsste Schwarz 19...Lf8 spielen, worauf 20.Se1 Sxc3 21.Txc3 Da6 22.Sxd3 cxd3 23.Tac1 mit Vorteil für Weiß folgt.
19...Sxc3 20.bxc3 La3 21.Td1 21.Lf6 bringt jetzt nichts mehr ein, da der schwarze Läufer zurückkehren kann: 21...Tc6 22.Dh6 Lf8=
21...Te6? Schwarz muss immer mit dem Schlagen auf d3 rechnen und muss deshalb sehr genau spielen. Erforderlich war deshalb 21...b5! Nach 22.Sxd3 (22.Lf6 Tc6 (22...Lf8?! 23.a3!) 23.Sxd3 cxd3 24.Tab1 a6= bringt Weiß nichts ein) 22...cxd3 23.Tab1 a6 (23...Le7 24.Lxe7 Txe7 25.Tb3 Tec7 26.Dxd3) 24.Tb3 Le7 25.Lxe7 Txe7 26.f4! setzt auf Angriff! Es könnte folgen: 26...Tec7 27.f5! und nun entweder 27...gxf5 28.Dg5+ Kf8 29.Dh6+ (29.gxf5 Dxa2 30.Tbb1 d2 31.Ta1 Dc2 32.Txd2 Dxc3 33.Tf1 Ke8 34.Df4! Kd7 35.Tg2 Te8) 29...Ke8 30.e6! Dxa2 31.Tbb1 fxe6 32.Dxe6+ Kf8 33.Tf1 Kg7 34.Dxf5 mit Angriff oder 27...Txc3 28.f6 Kh8 29.e6! Db6 (29...fxe6 30.f7 Kg7 31.Tf1 Dc7 32.Df2+–) 30.Txc3 Dxd4+ 31.Kh2 De5+ 32.Kh1 De4+ 33.Dg2 Txc3 34.Dxe4 dxe4 35.e7 Tc8 36.h4! +– .

2021UhlAUT12

Eine malerische Stellung! Schwarz hat 2 Bauern mehr, ist aber völlig machtlos. Der schwarze König kommt aus seinem Gefängnis nicht heraus und der Turm kann die 8. Reihe nicht verlassen. Der weiße Turm und König halten die schwarzen Bauern auf bzw. räumen sie ab.
22.Sxd3! Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Eindringling zu beseitigen.
22...cxd3 23.Tab1! Durch den Angriff auf b7 gewinnt Weiß ein wichtiges Tempo, um den anfälligen, isolierten Bauern d5 aufs Korn nehmen zu können. Hier wird die Wichtigkeit von 21. ... b5 deutlich. Stünde der schwarze Bauer bereits auf b5, könnte Schwarz ihn mit 23. ... a6 verteidigen. wenn Weiß auf d3 schlägt, gewinnt Schwarz den Bauern durch Nehmen auf c3 zurück.
23...b6 Nach 23...Le7 24.Txb7 Lxg5 25.Dxg5 Dxa2 26.Df4 Tf8 27.De3 Da6 28.Tbb1? gewinnt Weiß den Bauer d3 und hat dann einen Mehrbauern und die bessere Stellung mit Angriff auf die isolierten Bauern a7 und d5 sowie der Idee f4, f5.
24.Dxd3 Txc3

2021UhlAUT13

 

25.Db5 Dxb5 25...Le7 26.De8+! Lf8 27.Dd8 gewinnt Weiß durch die Drohungen 28. Ld2 und Lh6 den wichtigen Bauer d5. 27...Dxa2 (27...Da4 28.Dxd5+–) 28.Ld2! Tc4 29.Ta1 Dc2 30.Dxd5+–
26.Txb5 Nun ist der Bauer d5 nicht mehr zu decken.
26...Le7 27.Le3! Ta3? Zäher wäre 27...Kf8 28.Txd5 Ke8 29.Tb5 Tc2 30.a4?/+– gewesen. Aber auch hier garantieren der Mehrbauer und die beiden verbundenen Zentrumsbauern den weißen Sieg.
28.Txd5 Txa2 29.Tc1 Die schwarzen Freibauern können wegen Matt- und anderer Drohungen (z. B. Eindringen beider Türme auf der 7. Reihe, marschieren der Zentrumsbauern) nicht in Bewegung gesetzt werden. Schwarz ist hilflos.
29...g5 30.Td7 Ta4 31.Tc8+ Kg7 32.Te8 1–0 Figurenverlust ist unvermeidbar. Mit diesem Sieg erreichte Uhlmann den 5. Endrang im Turnier und verließ das schöne Gmunden mit einem guten Gefühl.

Die letzte Turnierpartie auf österreichischem Boden endet wie die erste mit einem Sieg und so ist es nicht verwunderlich, dass GM Wolfgang Uhlmann mit Österreich vor allem schöne Erinnerungen verbunden hat. In den folgenden Jahren besuchten die Uhlmanns öfter Österreich und ihre Freunde und auch wir besuchten die Uhlmanns sehr gerne in Dresden. Die Schreiber dieser Zeilen waren zuletzt 2017 gemeinsam bei den Uhlmanns zu Besuch und durften das berühmte Schachzimmer mit seinen vielen Erinnerungsstücken aus aller Welt bewundern und bei einer selbstgemachten Quarktorte von Christine Uhlmann und Kaffee den Anekdoten von Wolfgang lauschen …


 Als kleines Service bieten wir Ihnen hier die Partien zum Nachspielen und Herunterladen an.

 

Warum wir Verlieren lernen müssen!
Freigegeben in Blog
Samstag, 12 Dezember 2020 09:59

Warum wir Verlieren lernen müssen!

Am 12. Dezember 2020 feierte der Österreichische Schachbund sein 100jähriges Bestehen unter anderem mit einem wunderschönen Magazin „Das Spiel der Könige“ in dem bekannte Persönlichkeiten Artikel zum Schach geschrieben haben. Diese Artikel befassen sich mit der Geschichte und Gegenwart des österreichischen Schachs und so kam auch die Krennwurzn zur Ehre seinen Senf – äh Kren (Meerrettich) dazugeben zu dürfen. Und diesen Artikel wollen wir unseren Lesern hier vorstellen.

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Warum wir Verlieren lernen müssen!

Schachspieler sind nicht als gute Verlierer bekannt und es geistern so Sprüche: „Ich habe in meiner Schachkarriere wirklich viel erreicht, aber es ist mir niemals gelungen gegen einen gesunden und ausgeschlafenen Spieler zu gewinnen“ durch die Bonmotsammlungen der Schachwelt. In Filmen wird dieses schlechte Verlieren können mit Wegstürmen vom Brett, Umwerfen der Figuren oder sogar mit körperlichen Attacken auf den Gegner noch dramatisiert – obwohl so manches davon hat sich wohl auch schon in realen Gefilden abgespielt. Das heimliche Leid der Verlierer wird dabei gar nicht beleuchtet, aber fast jeder kennt Schachfreunde, die nach einer Niederlage die Meisterschaftssaison beenden, eine Schachpause einlegen, etc. Eine Niederlage ist natürlich niemals wirklich erfreulich und Emotionen machen unser Spiel auch interessant, aber ein vernünftiger Mensch sollte nach einer kurzen Abkühlphase – am besten noch vor der Aufgabe am Brett – in der Lage sein, sich und seine Emotionen unter Kontrolle zu bringen. Zur Ehrrettung der Schachspieler möchte ich auf den tschechischen Super-GM David Navara hinweisen, der nicht nur außerordentlich fair ist, sondern auch mit Anstand und Würde verlieren kann. Bei einer Bundesligarunde 2019 in Linz hat sich nach der Zeitkontrolle in einer ultrascharfen Partie der Pulverdampf verzogen und Navara stand vor der Ruine seines Tuns. Er ordnete seine Sachen, kontrollierte die Mitschrift und blickte dann auf die Stellung. Sogar als Nebenstehender merkte man wie er immer ruhiger wurde, dann aufstand einen kleinen Knicks machte und dem Gegner zum Gewinn gratulierte – ganz ruhig und ohne theatralische Geste: einfach ehrlich!

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Was wir von Marcel Hirscher lernen können?

Spielt Marcel Hirscher jetzt nach seinem Rücktritt Schach? Das weiß ich leider nicht, aber es geht obwohl wir vom mindestens besten Schifahrer des zurückliegenden Jahrzehntes sprechen, um die Fähigkeit mit dem Verlieren umzugehen. Hirscher wurde einmal in einem Interview gefragt wie er mit der Gefahr des Einfädelns umgeht.

Als „Einfädeln“ bezeichnet man im Skisport umgangssprachlich das nicht korrekte Passieren eines Tores, bei dem der Innenski auf der falschen Seite einer Torstange vorbeigeführt wird und die Stange somit zwischen Innen- und Außenski gerät. Der Läufer gilt damit als ausgeschieden. Beendet er seinen Lauf dennoch, hat das eine Disqualifikation sowie eine Geldstrafe zur Folge.

2020Verl03Obwohl man Einfädler mit all ihren Zufallskomponenten nicht kontrollieren kann, muss dennoch vorher ein Fehler meinerseits passiert sein. Analysiert man nachher diese Fehler, so kann man zwar einige ausmerzen, aber es bleibt immer ein Rest zur Perfektion über. Hirscher kam zu dem Schluss, dass es den perfekten Schifahrer nicht gibt (geben kann) und er mit dieser Unperfektion leben muss und er folgerte daher: wenn ich mit diesem Risiko fahren möchte, dann muss ich Einfädler einfach akzeptieren und schnell abhacken, denn langsamer und damit sicherer möchte ich nicht fahren. Ich muss einfach nur akzeptieren, dass ich nicht perfekt bin und das ist eigentlich ganz leicht, denn niemand ist perfekt.

Gibt es den perfekten Schachspieler?

Nein – das ist heute in der Computerära allen klar, aber in der Vergangenheit gab es gerne die Illusion davon und dieser eigentlich unrealistische Mythos geistert auch heute noch durch unser Denken und Fühlen. Vor 100 Jahren als der ÖSB gegründet wurde, hatten Schachmeister die absolute Deutungshoheit und als die Krennwurzn vor 30 Jahren die Schachszene betrat, galt noch: Halt die Klappe, wenn die Meister sprechen! Sogar im Vorjahr war in einem Editorial eines Schachmagazins vom fehlenden Respekt der Meute gegenüber den Spitzenspielern zu lesen, dessen Unterton Respekt mit Unterwürfigkeit und Anbetung verwechselte.

Früher dachte man Schach sei eine Kombination aus Kunst, Wissenschaft und auch ein wenig Sport – jedenfalls sind die Meister mit Talent und Wissen gesegnet und ganz sicher aber unfehlbar! Dann kamen die Schachcomputer, die zuerst von allen belächelt wurden. Im Rahmen der zweiten Ars Electronica fand im September 1980 in Linz die 3. Computerschachweltmeisterschaft statt, die Ken Thompson mit „Belle“ gewinnen konnte. Der Unixentwickler wurde im Vorjahr einer größeren Gruppe von Menschen bekannt, weil er vor 39 Jahren das Passwort „p/q2-q4!“ benutzte. Es steht in der nicht mehr so gängigen beschreibenden Notation für die Damenbauerneröffnung d2–d4.

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Aber wie in der Computerbranche üblich ging auch im Computerschach die Entwicklung rasend schnell voran und schon 1997 musste sich der amtierende Weltmeister Garri Kasparow dem Rechner Deep Blue geschlagen geben. Und als dann die 11. Computerschachweltmeisterschaft 2003 in Graz stattfand, war vielen schon klar, dass die Maschinen besser sind als es die Menschen jemals sein werden.

Die Hoffnung stirbt zwar zuletzt, aber alte Vorurteile sterben nie und so dauerte es eine Weile bis diese Erkenntnis mehrheitsfähig wurde. Nur in die Praxis haben wir diese Erkenntnis nicht umgesetzt, denn wir träumen immer noch vom perfekten Schach, der Partie aus einem Guss und damit von unserer Unbesiegbarkeit! Wir sind noch keine Hirscher geworden, denen unsere eigene Fehlbarkeit klar geworden ist. Wir sind noch nicht zu neuen Ufern aufgebrochen!

Warum unsere Fehlbarkeit das Schach überleben lässt?

Das klingt zwar zuerst paradox, ist aber streng logisch. Schach ist klarerweise keine Kunst, denn dafür fehlt die Freiheit sich über Grenzen hinwegzusetzen. Wissenschaftlich ist es ein lösbares Rätsel auch wenn viele jetzt aufheulen und von der „Unendlichkeit“ oder den nahezu unendlichen Möglichkeiten des Schachs immer noch träumen. Aktuelle Computer können Schach auch aus physikalischen Gründen nicht restlos lösen und die fertigen 32 Steiner (aktuell sind wir bei den gelösten 7 Steiner Tablebases) werden wir in den nächsten 100 Jahren mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht haben, aber Schach wird praktisch gelöst sein mit einem kleinen Restrisiko. Und man kann – ebenfalls mit einem kleinen Restrisiko – sagen, dass Schach wohl REMIS ist, denn auch bei den aktuell innovativsten Ansätzen wie Alpha Zero gehen die meisten Partien Remis aus und Alpha Zero verliert nur mehr um die 2% der gespielten Partien.

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Dann ist Schach gelöst und für uns Menschen verloren – diesem Denkfehler fallen vor allem die Romantiker zum Opfer, die die Maschinen verfluchen und nicht begreifen, dass uns eine zu tiefst menschliche Eigenschaft vor dem schon zur Gründungszeit des ÖSB angekündigten Remistod rettet: unsere Fehlbarkeit!! Wir schaffen es nicht perfektes Schach zu spielen – niemand schafft das und wir wissen das eigentlich schon seit 1997 und seit Mitte der Nullerjahre ist das eigentlich sonnenklar!

Aber wir wollen das immer noch nicht wahrhaben: Alle Menschen sind Patzer und das ist gut so!! Und eine weitere Erkenntnis ist, da wir nicht perfekt sind (sein können), müssen wir Verlieren lernen und zwar hurtig.

Verlieren lernen – warum?

Wir lesen immer nur von Siegen und Erfolgen und vergessen komplett, dass es ohne Verlierer keine Sieger geben kann und wir unsere Einstellung zu Sieg und Niederlage ändern müssen: beide sind untrennbar „part of the game“. Starten wir unser Nachdenken mit Berthold Brecht:

Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
„Wär‘ ich nicht arm, wärst du nicht reich.“

Es ist im Prinzip ganz einfach, denn in einer Schachpartie wird ein Punkt aufgeteilt und zwar entweder zwei gleiche Teile beim Remis oder eben ein Sieger und ein Verlierer. Damit es einen Sieger gibt, muss es zwangsläufig einen Verlierer geben. Gut das ist verständlich, aber warum verlieren wir? Auch das lässt sich einfach beantworten: weil wir Fehler machen und nicht unfehlbar sind! Und jetzt sind wir wieder bei Hirscher und der Erkenntnis, dass die Ursache des Einfädlers nicht irgendwelche bösen und gemeinen Umstände sind, sondern eine einfache Folge unserer eigenen Fehlbarkeit. Und so ist es auch im Schach, die Ursache der Niederlage kann nicht der Gegner sein, nein die Ursache der Niederlage ist man nur selbst bedingt durch die uns Menschen gegebene Fehlbarkeit!

Eigentlich wissen wir auch das schon lange wie uns Sprüche wie „der vorletzte Fehler gewinnt“ usw. sagen, aber wir wollen es nicht umsetzen. Oftmals sind es gerade die romantischen Maschinenstürmer die Probleme mit der Fehlbarkeit haben. Einerseits sagen sie, dass Schach niemals gelöst werden könnte, weil es weniger Elementarteilchen als Schachstellungen gäbe – was zwar nicht stimmen dürfte – aber der Bau so einer Festplatte würde allein schon aus Gründen der Schwerkraft scheitern. Anderseits träumen sie trotz dieser immensen Zahlen von der Unfehlbarkeit des Menschen??

Bevor wir Verlieren lernen, müssen wir daher viele alte Zöpfe abschneiden und Schach auf neue Beine stellen. Und sie werden es nicht glauben: auch diese Entwicklung läuft schon seit den Nullerjahren und Vorreiter ist u.a. der Mozart des Schachs: Magnus Carlsen. Allerdings ist Carlsen noch ein schlechter Verlierer, wie er selbst sagt, geht er nach einer Niederlage oft TILT. Aber Carlsen hat erkannt, dass die alte Herangehensweise mit Eröffnungsvorbereitung und schnellen Remisen in die Sackgasse Remistod führen muss. Er sucht daher nicht mehr nach Eröffnungsvorteil -den es ja aus theoretischer Sicht gar nicht geben kann, da Schach ja wahrscheinlich Remis ist – sondern nach spielbaren Stellungen und spielt auch remisliche Stellung gegen stärkste Gegnerschaft weiter. Das brachte ihm am Anfang seiner Karriere sogar den unterschwelligen Vorwurf der Respektlosigkeit ein.

Ich habe aber den Eindruck, dass Carlsen genau weiß, dass er ohne Fehler seines Gegners nicht gewinnen kann. Und mit diesen Fehlern ist es auch nicht so leicht, denn erstens muss der Gegner diese machen und zweitens muss man selbst diese erst erkennen und auch bestrafen können. Um den Gegner die Chance auf Fehler zu geben, muss man etwas riskieren und asymmetrische Stellungen oder Materialverteilungen anstreben und das ist mit Risiko verbunden. Auch das haben viele schon erkannt und Risiko bedeutet, dass die Fehlerwahrscheinlichkeit steigt. Hier möchte ich noch einmal Carlsen aus einem Interview nach der Partie gegen Jorden van Foreest in Wijk aan Zee im Jänner 2020 zu Wort kommen lassen: Er sagte, dass er hoffte die zerstörte Bauernstruktur mit dem Läuferpaar und Initiative kompensieren zu können, aber nach dem vorbereiteten 16. g4 stand er komplett auf Verlust. Im Interview wirkte er gar nicht so besorgt über diese Möglichkeit – vielleicht auch weil die Partie dann noch in einem Remis geendet ist und er schon vorher den Weltrekord über die längste ungeschlagene Serie an Turnierpartien gebrochen hatte.

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Die Eröffnungsvorbereitung steht ja schon lange in der Kritik und sogar der Weltmeister Bobby Fischer wollte mit seinem Fischer-Random oder wie mein heute sagt „Chess960“ das Schach vor dem Vorbereitungstod retten. Auch das ist aus theoretischer Sicht ein Irrweg, denn bei der astronomischen Zahl von Schachstellungen (10hoch54) macht ein maximaler Faktor von 960 (der in der Realität noch dazu viel tiefer liegt) praktisch nichts aus. Zudem müssten neben der fehlenden und schönen Symmetrie des Schachs auch alle 960 Anfangsstellungen ebenfalls Remis sein.

Aber lassen wir das und beschäftigen uns mit dem Vorbereitungsmythos. Denn auch hier ereilt die Spitzenspieler ein Schicksal, das wir Patzer schon immer hatten: die Fallhöhe von Vorbereitung zum eigenen Spiel. Natürlich spielt die Krennwurzn auch „Theorie“ und diese wurde früher von Großmeistern und deren Sekundanten in vielen Arbeitsstunden und Diskussionen am und neben dem Brett entwickelt. Nun irgendwann in der Partie ist die Vorbereitung vorbei und man sitzt vor einer 2800er Stellung mit dem schachlichen Rüstzeug einer 1800erters. Eine Fallhöhe von 1000 Elo ist schon ganz schön hoch und sorgt für erhebliche Schwierigkeiten am Brett, denn man hat ja nur etwas auswendig Gelerntes heruntergebetet ohne auf Pläne, Fallstricke, persönliche Vorlieben etc besondere Rücksicht genommen zu haben. Durch die Entwicklung der Computer stehen nun auf einmal auch die besten Spieler der Welt vor dem gleichen Problem: es gibt eine Fallhöhe von der mit Computern mitentwickelten Theorie zum eigenen Spiel und diese Fallhöhe liegt auch schon um die 500 Elo und könnte noch ein wenig steigen. Plötzlich spielt man Theorie, die man nicht selbst entwickelt hat, sondern die man „nur gelernt“ hat – eine neue Erfahrung für Topspieler.

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Und damit steigt das Risiko auf Fehler – das ist durchaus logisch und das haben schon viele von uns am eigenen Leib erfahren: entweder hat man selbst nach der Theoriephase gleich gepatzt oder aber der Gegner. Jetzt kommen wir zur entscheidenden Frage:

Wer oder was ist für Niederlagen verantwortlich?

Mit der Annahme, dass die Grundstellung Remis ist, liegt die Ursache nicht im Spiel Schach selbst. Ebenfalls ausschließen können wir den Gegner, denn dieser kann uns zwar in nicht so geliebte Gefilde, aber nicht aus eigener Kraft in die Niederlage entführen. Bleiben nur wir selbst über! Wir selbst sind der Grund für unsere Niederlagen und zwar weil wir nicht perfekt sind, sondern fehlbare Wesen. Unsere Fehlbarkeit ist der Grund für Niederlagen und das ist eine ganz natürliche Angelegenheit und da landen wir wieder bei Marcel Hirscher:
Wenn wir Schach spielen wollen, müssen wir mit Niederlagen leben!

Und hier haben wir noch große Defizite! Denn es gibt keinen anderen Ausweg – denn Perfektion werden wir Menschen nicht erreichen können. Wir müssen verlieren lernen und lehren. Ja das Lehren ist fast noch wichtiger als das lernen, denn wir dürfen ja nicht uns bekannte Fehler an die kommenden Generationen weitergeben. Das wäre nicht nur dumm, sondern auch unfair. Es gibt ja die Weisheit: wenn Du einen Gegner nicht schlagen kannst, dann verbünde Dich mit diesem. Und da wir unsere Fehlbarkeit nicht ablegen können, bleibt uns nur der Ausweg mit dieser zu leben und die Konsequenzen beispielsweise das Verlieren beim Schach so wie das Einfädeln beim Slalom einfach zu akzeptieren.

Eigentlich ist es ganz einfach: eine Niederlage sagt uns nur was wir auch schon vorher wussten: wir sind fehlbar! Akzeptieren wir das, werden wir mehr Freude am Wettkampf und am Schach finden, denn Verlieren zu akzeptieren ist eine Win-win-Situation!!

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Das komplette Jubiläums-Schach-Magazin zum Onlinedurchblättern!

Interview der Krennwurzn mit Harald Schneider-Zinner
Freigegeben in Blog

Nun es ist nicht leicht Interviewpartner für die Krennwurzn zu finden – viele wollen nicht oder haben Angst vor einem Interview und andere will die Krennwurzn nicht. Zudem ist die Themenauswahl auch nicht so leicht. Schachpolitik verschwindet in letzter Zeit komplett aus der öffentlichen Wahrnehmung und Skandale sind auch eher die Ausnahme. Daher möchte die Krennwurzn einen anderen Weg gehen und sich mit einem aktiven Schachtrainer und -spieler unterhalten. Die Wahl fiel dabei leicht und die Krennwurzn verfiel auf den Nationaltrainer der österreichischen Frauen, IM Harald Schneider-Zinner.

Krennwurzn:
Lieber Harald, in Österreich bist Du ja bekannt, aber wir haben hier viele Leser aus Deutschland – also stelle Dich bitte etwas ausführlicher vor:

HSZ:
Ich wurde am 1. April 1968 geboren. Das erklärt meine Vorliebe für Aprilscherze. :-).
Bei uns zu Hause stand immer ein Schachbrett herum, sodass ich mit dem Herumschmeißen von Figuren aufwuchs, bis das Ganze mal halbwegs nach richtigem Schach aussah.

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HSZ in jungen Jahren

In unserer Pfarre übernahm ich recht früh eine Jungschargruppe. Wir diskutierten viel, unternahmen zahlreiche Reisen und führten viele Theaterstücke auf. Das beeinflusste sicherlich meine Berufswahl zum Lehrer – Sonderschul- Körperbehinderten- und Sprachheilpädagogik. Die Ausbildung bedeutete drei Jahre "Hahn im Korb" in einer Gruppe mit 10 Frauen und zwei Männern (das perfekte Abhärtungstraining für einen zukünftigen Trainer des Frauen-Nationalteams).

Ich unterrichtete dann 14 Jahre im Sonderschul - und Volksschulbereich; 10 Jahre davon mit Christine - meiner Lieblingslehrerin - im Teamteaching. Wir ergänzten uns hervorragend, nur Werken konnten wir beide nicht, das gaben wir erfolgreich ab.

Krennwurzn:
Schach gespielt hast Du ja schon seit Jugend an, aber wie wurde ein Trainer aus Dir?

HSZ:
2003 holte mich Robert Zsifkovits als Jugendkadertrainer ins Burgenland (von der Zeit her werde ich in Artikeln oft als Burgenländer und Wahlwiener beschrieben – dabei ist es genau umgekehrt ?). Ich absolvierte die Ausbildung zum Instruktor und 2005 die FIDE-Trainer-Ausbildung in Berlin (2010 dann die Trainerausbildung). Neben meinem Lehrberuf und der Trainertätigkeit blieb nur mehr wenig Zeit zum Schachspielen und für mein Privatleben (ich neige bis heute ein wenig zum „Workaholic“).

Schließlich animierte mich Eveline - meine Frau - etwas Arbeit über Bord zu werfen. Nachdem meine Kollegin schwanger geworden ist und sich unser "Dreamteam" in der Schule somit halbiert hatte, war die Entscheidung einfach: ich machte mich als Schachtrainer selbstständig (das Sicherheitsnetz war aber eng geknüpft, unter anderem durch die Möglichkeit immer wieder in den sicheren "Schulhafen" zurück zu kehren, aber auch durch zahlreiche Kontakte und finanzielle Absicherungen ...also kein sehr gewagter Schritt und keine Abhängigkeiten von Funktionären).

Krennwurzn:
Wann bist Du nach Wien „zurückgekehrt“?

HSZ:
2008 übernahm ich den Wiener Jugendkader, nachdem Präsident Christian Hursky mit seinem Team das Wiener Schach aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst hatte. Es begann eine sehr schöne Trainertätigkeit, aus der in vieljähriger Arbeit Valentin Dragnev (knapp vor dem Großmeistertitel stehend und heute Großmeister und Nationalspieler), Christoph Menezes (IM), Felix Blohberger (IM und Nationalspieler), Marc Morgunov und zahlreiche andere starke Burschen hervor gingen.

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Jugendkader 2012

Bei den Mädchen arbeite ich seit 2010 mit Nikola Mayrhuber zusammen, die mit mir ins Nationalteam wechselte. Außerdem entwickelten sich wunderbare Spielerinnen wie Sophie Konecny, Dorothea Enache, Wu Min, ... die serienweise die Jugendmeisterschaften gewannen.

Zum Abschiedsfest Ende 2016 kamen alles in allem 60 geliebte Leute: Spieler und Spielerinnen, Eltern und Funktionäre. Selten ist mir ein Abschied so schwergefallen. Allerdings sind zu vielen sehr freundschaftliche Kontakte über die Trainerarbeit hinaus bis heute geblieben.

Krennwurzn:
Wieso kam es zum Abschied aus Wien?

HSZ:
Den Abschied hatte ich zirka ein halbes Jahr davor geplant mit dem Ziel, mir eine längere Auszeit zu nehmen und mal viele Turniere auf der Welt zu spielen, die sich bis dahin noch nicht ausgegangen sind. Dann wurde ich aber von Christian Hursky und Kurt Jungwirth gefragt, ob ich den österreichischen Frauenkader trainieren wolle – und ich zögerte nicht lange.
2015 konnte ich in Island in diesem Bereich schon erste Erfahrungen sammeln. Ich betreute die Mannschaft bei der Team-Europameisterschaft und irgendwie passte alles zusammen. Wir erreichten den fantastische geteilten 4. – 9. Platz (u.a. mit einem 2:2 in der Schlussrunde gegen das Weltklasseteam aus Georgien).

Der Frauen-Nationalkader besteht heute aus 12 motivierten jungen Frauen. Keine davon ist Profi. Familie und Beruf (bzw. Schule oder Studium) spielen eine vorrangige Rolle im Leben der Frauen – aber daneben hat Schach einen sehr gewichtigen Stellenwert. Ich konnte auf der hervorragenden Arbeit von GM David Shengelia aufbauen, brachte aber natürlich meine eigenen Vorstellungen und Strukturen mit.

Krennwurzn:
Du hast aber neben der Trainertätigkeit auch noch andere Aufgaben?

HSZ:
Seit 2011 leite ich die Trainerausbildung (die Karl-Heinz Schein aufgebaut hatte), die mir sehr am Herzen liegt. Unsere Sportler verdienen gut ausgebildete Trainer. Dabei ist viel Organisatorisches zu erledigen. Allerdings nimmt mir Generalsekretär Walter Kastner mit seinem großen Einsatz viel Arbeit ab. Und überhaupt klappt die Zusammenarbeit im ÖSB und im Sportausschuss aus meiner Sicht sehr gut. Alle sind motiviert, leisten viel und schätzen und unterstützen einander.

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Griechenland 2015

Krennwurzn:
Am Schachbrett sieht man Dich ja auch noch – und dies gar nicht so selten?

HSZ:
Zum Schachspielen komme ich leider nicht mehr so oft, aber wenn genieße ich es und spiele meist recht unbefangen. Großartig ist es natürlich mit meinen ehemaligen Schülern GM Valentin Dragnev, IM Felix Blohberger und FM Jakob Gstach (der aus Studiengründen allerdings wenig Zeit hat) gemeinsam in der 1. Bundesliga zu spielen.

Unser Schachverein Ottakring, den ich mit einem wunderbaren Team leite, liegt mir sehr am Herzen. In den letzten Jahren ist richtig viel weiter gegangen. 2016 wurden wir zum Sportverein des Jahres in Österreichs gewählt (vor den Handballern und anderen tollen Sportarten) und ich konnte mit Niki gemeinsam den Kristall der BSO bei der Gala entgegennehmen. Die vorangegangene Online-Abstimmung spiegelt natürlich nicht ganz die wahren Verhältnisse wider, zeigt aber, dass die österreichische Schachgemeinde hervorragend vernetzt ist und toll zusammenhält.

Und ja, auch auf unsere Arbeit sind wir stolz. Ich denke, dass wir zu den führenden Schachvereinen im Spitzenschach, Jugendschach und Frauenschach in Österreich zählen (zirka 50 Jugendliche und 25 Frauen bzw. Mädchen sind bei uns – bei über 100 Mitgliedern). Das ist nur durch das Zusammenspiel eines guten Teams mit vielen motivierten Leuten möglich.

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Team Ottakring

Krennwurzn:
Nun haben wir Dich ausreichend vorgestellt und es wird Dich nicht verwundern, dass jetzt nach Krennwurzn Art die unangenehmeren Fragen kommen werden – ich hatte Dich ja vorgewarnt.
Starten wir gleich mit einer Provokation: Bist Du als IM nicht zu schwach um als Trainer erfolgreich arbeiten zu können?

HSZ:
Ich denke, das müssen andere beurteilen. Am besten misst man einen Trainer ja wohl an seinen Schützlingen. Ich glaube, dass ich mit meiner Jugendarbeit das österreichische Schach ganz gut weitergebracht habe (GM Dragnev und IM Blohberger sind für das Nationalteam bereits in jungen Jahren wichtige Stützen).
Und das Frauen-Nationalteam konnte ich in zwei Jahren von Platz 37 auf 25 in der Weltrangliste führen. Das liegt in erster Linie am tollen Einsatz unserer Spielerinnen aber ich denke, dass ich meine Arbeit ziemlich gut (und mit großer Freude) mache. Unterstützt werden wir dabei seit einem Jahr auch von einer sehr guten Mentaltrainerin – Denise Salamon. Aber auch die Unterstützung und das Vertrauen der ÖSB-Funktionäre helfen uns enorm weiter. Vieles ist einfach Teamarbeit.
Ein Erfolgsgeheimnis liegt im tollen Zusammenhalt des Teams. Auch wenn es mal nicht so läuft, unterstützen sich die Spielerinnen und halten zusammen. So konnten wir schon die eine oder andere Krise meistern. Und der 2. Platz 2018 beim Mitropacup mit einem sehr jungen Team war ein Erfolg, für den es auch international viele Gratulationen gab.

Krennwurzn:
Ich habe insgeheim auf den Konter gewartet, dass der wohl beste Schachtrainer Mark Dvoretzky auch „nur“ IM war. Nun möchte ich abseits der Provokation fragen: Warum ist eigene Spielstärke nicht das Hauptkriterium für einen guten Trainer?

HSZ:
Na ja, ich habe ja ein recht gutes Selbstvertrauen, aber auf die Idee mich mit Dvoretzky auch nur annähernd zu vergleichen, wäre ich nicht gekommen - seine Bücher „Für Freunde und Kollegen Teil 1+2“ geben übrigens tiefe Einblicke in die Trainerarbeit. Natürlich ist die Spielstärke eines der vielen Kriterien, die einen Trainer auszeichnen und man muss dann auch sehr ehrlich entscheiden bis zu welchen Grad man seinen Spielern noch helfen kann oder wann man sie lieber an einen anderen Trainer weiterempfehlen sollte.
Aber die Arbeit mit Menschen ist ein sehr komplexes Feld. Man muss Inhalte gut erklären können, sollte seinen Spielern mit Empathie begegnen, Vertrauen muss aufgebaut werden, ein System muss entwickelt werden in dem sinnvolles Arbeiten möglich ist, die Spieler müssen zum selbstständigen Arbeiten animiert werden, gutes Material muss ausgewählt werden, das Training muss so gestaltet sein, dass es für die jeweiligen Spieler möglichst maßgeschneidert ist, Krisensituationen müssen bewältigt werden.
Vieles spielt sich abseits der schachlichen Ebene ab. Die Eigenschaften die man als starker Spieler und als starker Trainer benötigt, sind eben zwei unterschiedliche paar Schuhe. Kaum ein Trainer wird in allen Bereichen perfekt sein – es kommt eben aufs Gesamtpaket an.

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Olympiateam 2018

Krennwurzn:
Kommen wir zum Spitzenschachtraining zurück – Du kennst sicherlich die Krennwurzn’sche Forderung 2600 mit 16 Jahren und 2700 mit 18. Diese plakative Forderung scheint auf den ersten Blick überzogen, schaut man sich aber die aktuelle Weltspitze an, so scheint genau dies notwendig zu sein. Eine der Nebenwirkungen dieser Forderung ist ja, dass angehenden Topleute auf die Schulbildung verzichten müssen, weil beides nicht mehr schaffbar ist. Können wir da in Europa – speziell in West- und Mitteleuropa da noch mithalten?

HSZ:
Deine Forderungen sind nicht von der Hand zu weisen. Das Höchstleistungsalter ist im Schach sicherlich deutlich gesunken und wenn man ganz an die Spitze will, muss man auf vieles verzichten. Im österreichischen Schachbund bekennen wir uns klar zu einem dualen System und unterstützen unsere Athleten dabei. Nachwuchsleistungszentren bieten dafür eine gute Basis, um intensiv zu trainieren und den Maturaabschluss zu erlangen. Aber das ist kein Honigschlecken für die Spieler und bedeutet Verzicht auf vieles andere.
Die Leistungen unserer Spieler (zum Beispiel der geteilte 6. – 14. Platz des Herren-Teams bei der Olympiade 2018, punktegleich mit Indien) zeigen, dass wir auf einem guten Weg sind.
Uns ist aber bewusst, dass wir die Arbeit mit den jungen Spielern immer mehr intensivieren müssen, viele Schritte sind bereits eingeleitet. Und Präsident Christian Hursky puscht und motiviert mit Recht in diese Richtung.
Spitzensportler sind es gewohnt zielgerichtet und intensiv zu arbeiten. Und es gibt dann immer noch den zweiten Bildungsweg. Jeder motivierte junge Sportler muss da selbst seine Entscheidung treffen.

Krennwurzn:
Im Rahmen einer Diskussion habe ich folgende Statistik erstellt und zwei gleichalte Spieler gewählt, wovon einer in die Weltspitze kam und der andere eben gerade nicht.

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Sicherlich ein unwissenschaftlicher Vergleich, aber zeigt sich nicht das Bild, dass Meier in jungen Jahren nicht die Möglichkeit hatte gegen starke Spieler anzutreten und könnte das auch ein Problem für junge Spieler hier in Österreich sein, nicht schon früh auf härteste Konkurrenz zu stoßen?

HSZ:
Dein Vergleich ist sicherlich treffend. Wir benötigen starke Gegnerschaft um stärker zu werden. Der ÖSB fördert seine Spitzenspieler sehr dabei sich internationale Härte zu holen und im Ausland gegen starke Konkurrenz zu spielen. Gegner in einem Bereich zwischen plus 150 Elo und ein paar wenige mit minus 50 Elo sind nach Markus Ragger perfekt. Er meint auch, dass 100 Partien im Jahr für junge motivierte Spieler ein guter Richtwert sind.
Die Trainer unterstützen bei der Turnierauswahl.
Im Frauen-Nationalteam fordere ich mindestens 50 Partien im Jahr. Wie gesagt, alle sind Amateure, aber wir erwarten bei den Förderungen eine semiprofessionelle Einstellung. Auf individuelle Situationen nehmen wir natürlich Rücksicht. Und ein großes Selbstengagement ist immer Voraussetzung.
Leider fehlt die harte nationale Konkurrenz im Jugendschach. Wir haben einige wirklich starke Spieler, aber dann kommt ein großes Loch. Der ÖSB versucht mit einem bundesländerübergreifenden Projekt das 2019 starten wird entgegen zu steuern. Aber alle im Jugendschach beteiligten Personen sind in der Pflicht hier mitzuarbeiten. Leider scheiterte eine Initiative von mir die Vereine der 1. Bundesliga zu verpflichtender Jugendarbeit anhalten.

Krennwurzn:
Meine Sorge dabei ist, dass man den richtigen Ausstiegszeitpunkt aus dem Spitzensport erkennen sollte, um nicht in existenzielle (Sinn)krisen zu schlittern. Mir ist in diesem Zusammenhang eine Aussage von GM Maurice Ashley in Erinnerung, der gesagt hat, dass anders als bei körperlichen Sportarten die Entwicklung viel sprunghafter sein kann, weil das menschliche Gehirn die Informationen zuerst erlernen und dann erst verketten muss. Wie unterscheidet man eine Form- oder Lernkrise von der persönlichen Leistungsgrenze? Und wie geht man als Trainer mit dieser Frage um?

HSZ:
Das sind wichtige Schlüsselfragen. In der Tat erfolgt die Entwicklung im Schachsport anders – und viel komplizierter – als zum Beispiel in einer Ausdauersportart. Wenn du im Ausdauerbereich das Training perfekt gestaltest, Belastung und Erholung richtig setzt und das Training im richtigen Ausmaß steigerst, sollte sich die Leistung dazu linear entwickeln.
Im Schachsport ist das anders. Du trainierst oft lange Zeit und spürst, dass du gut arbeitest. Aber in den Ergebnissen spiegelt sich das nicht wider. Das kann für den Spieler, für den Trainer, für die Eltern und die Funktionäre oft sehr frustrierend sein.
Der Grund liegt darin verborgen, dass das Gehirn die komplexen Inhalte erst entsprechend verknüpfen und zusammensetzten muss, bis ergebniswirksame Reize entstehen. Man benötigt in diesen Phasen der scheinbaren Stagnation oft viel Geduld und Selbstvertrauen.
Ich denke, das sind Phasen wo ein Trainer seine Stärken beweisen kann, vor allem in dem er Spieler nicht einfach fallen lässt. Steckt ein Spieler in so einer Krise und vermittelt mir mit seinem Einsatz, dass er wirklich arbeiten möchte, versuche ich ihn/sie vorbehaltlos zu unterstützen.
Milan Novkovic, den ich für einen der besten Trainer Österreichs halte (allerdings hat er kaum Zeit für diese Tätigkeit), hat mir in diesem Zusammenhang ein wunderbares Buch empfohlen: „Der längere Atem“ von George Leonard. Die Phasen der scheinbaren Stagnation werden dort als „Plateau“ bezeichnet – und es ist wichtig dieses „Plateau“ zu lieben (sprich es anzunehmen als das was es ist – eine Phase des Lernens und Ansammelns“) um eine nächst höhere Stufe (das nächste „Plateau“) zu erreichen. Und das erfolgt dann oft sprunghaft – also mit einem enormen Eloschub der je nach Alter und Spielstäre weit über hundert Elo liegen kann (oben wird die Luft natürlich dünner).

Dann war da noch deine Frage, wann man das Erreichen der Leitungsgrenze erkennt und wann es sich nur um eine Krise handelt. Hier ist es wichtig, dass der Trainer seinen Spieler wirklich gut kennt und ein gutes Feeling für diese Problematik hat. Wichtig ist, dass der Wunsch zu arbeiten und für seinen Sport Opfer zu bringen vom Spieler ausgeht. Die Wünsche der Eltern oder des Trainers sollten da nicht hineinprojiziert werden. Es ist recht einfach im U8U10-Bereich Kinder so zu puschen, dass sie Titel gewinnen, aber diese sind nicht wichtig. Wichtig ist die Langzeitentwicklung. Hier gilt es konsequent zu arbeiten, Trainingsreize und Erholung im richtigen Maße zu setzten, und vor allem die Freude zu erhalten. Als Trainer benötigt man einerseits den Willen zum Erfolg, aber auch ein gutes Maß an Entspanntheit.
Mit zunehmendem Alter und zunehmendem Reifegrad tritt aber immer mehr die Selbstverantwortung des Spielers in den Vordergrund. Wir haben in unserer Gesellschaft große Freiheiten und müssen/dürfen damit umgehen. Nicht jeder wird glücklich, wenn er einen „klassischen“ Weg geht. Aber man muss auch wissen, worauf man sich einlässt.
Für den Trainer ist es dabei wieder wichtig eine vertrauensvolle Gesprächsbasis mit seinen Spielern zu haben. Sie sollen das Gefühl haben jederzeit mit ihrem Trainer diese Problematiken durchbesprechen zu können.
In meiner Praxis hatte ich diese Situation natürlich auch schon ein paar Mal: Druck durch Schule oder Studium, die erste tiefere Beziehung, Belastung durch den Sport – oft kommt im Leben viel zusammen. Ungefragt versuche ich mich aber mit Ratschlägen zurück zu halten. Ich muss schon wirklich sehr alarmiert sein, um von meiner Seite aus einem Spieler zu raten das Handtuch zu werfen. Aber oft ist eine längere Pause sinnvoll. Türen und Gesprächsdrähte müssen dann halt auch offenbleiben.

2018HSZ072016 Kristallgala der ORF ist mit dabei


Krennwurzn:
Dein Ex-Schüler Marc Morgunov wurde in Riga des Betrugs überführt und vom ÖSB gesperrt. Ich möchte aus Rücksicht auf das Alter nicht weiter auf den Fall eingehen, sondern generell fragen, was läuft da schief, setzen wir die Spieler unter zu harten Druck, dass sie keinen anderen Ausweg finden?

HSZ:
Man sollte von einem Einzelfall nicht auf das ganze System schließen, aber natürlich tragen wir eine Verantwortung für unsere Spieler. Aber dass Druck im Spitzensport immer ein großes Thema ist, ist klar.
Ich denke, dass der ÖSB die Verantwortung wahrnimmt und mit dem Einzelfall sehr gut umgegangen ist: transparent, Einbeziehung von internationalen Untersuchungen aller seiner Partien von 2018 durch einen Anti-Cheating-Experten, enge Zusammenarbeit mit der FIDE, eine harte Strafe – aber ohne den Spieler für immer zu verdammen, einen aufgezeigten Weg wie es weiter und zurück in die Schachgemeinschaft gehen kann und angebotene Hilfestellungen (u.a. Arbeit mit einem Mentaltrainer). Ich habe das letzte Mal 2016 mit Marc gearbeitet, aber bereits da war er im Taktikbereich unglaublich stark und beim Lösen von Studien besser und schneller als Valentin oder Christoph. Christoph meinte, dass er Marc wohl als Taktiktrainer engagieren werde, sollte er jemals bei einem Superturnier mitspielen.
Ich denke, dass Marc aus diesem Riesenfehler (ich und viele andere waren völlig geschockt von dieser Nachricht) seine Lehren ziehen wird und wünsche ihm nur das Beste für seine weitere Entwicklung.

Krennwurzn:
Allgemein gesprochen – in diesem Fall könnte der Betroffene noch zu jung sein – wäre ich für einen kompletten Straferlass, wenn der Spieler bereit wäre offen und öffentlich seine Beweggründe diesen Riesenfehler zu machen offenlegt. Aus Sicht eines Trainers eine Schnapsidee oder doch für andere eine Prävention?

HSZ:
Ich bin durchaus ein Freund von klaren Regeln und Konsequenzen (auch aus präventiven Gründen) – begleitet von größtmöglicher Unterstützung für einen Weg zurück. Daneben ist jeder Fall natürlich als Einzelfall zu behandeln. Man muss auch schauen, welchen Spielraum man hat, die Konsequenzen sind von der FIDE – oder im Falle des klassischen Dopings von der BSO – ja vorgeschrieben.

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Auszeit und Entspannung
im Lieblingsort in Nordspanien

Krennwurzn:
Die Maschinen sind uns Menschen total überlegen, das hat sich auch beim letzten WM-Kampf wieder deutlich gezeigt, hier hätte Sesse mehrmals locker Partien gewonnen und Sesse ist ja nicht das Ende der Fahnenstange, es gibt ja noch alphazero als Drohung am Horizont. Ich als Schachzuseher habe ja schon oft das Gefühl, dass Zusehen schwieriger ist als selber spielen, weil es sehr schwer fällt Enginebewertungen richtig einzuordnen und in menschliche Idee/Muster umzuwandeln. Wie stark beeinflussen die Maschinen das zukünftige Training?

HSZ:
Da kann ich nur empfehlen die Engines einfach abzuschalten und die großartige Leistung der zwei weltbesten Spieler zu bewundern und zu genießen. Auch hat es viele hervorragende Live-Kommentierungen gegeben, die einem das Geschehen am Brett erklären.
Unglaublich fand ich die Verteidigungsleistungen von Carlsen und Caruana. Das gab es noch in keinem Weltmeisterschaftskampf. Die Fehlerquote war wohl äußerst gering und so gab es trotz großem Kampfgeist keinen Gewinn in den klassischen Partien.

Unglaublich finde ich die Arroganz erheblich schwächerer Spieler, die bequem zu Hause sitzend Engines mitlaufen lassen und sich nicht zu dumm sind die Züge der Nummer 1 und Nummer 2 der Welt heftig zu kritisieren.

Krennwurzn:
Nun ich brauche Hilfe von guter Kommentierung oder einen kritischen Blick auf Enginebewertungen um schönes Spiel erkennen – naja sagen wir genauer erahnen zu können. Bei der Arroganz muss ich einen Einspruch erheben, denn ich glaube, dass die Kritik von meist jenen geübt wird, die vom Fan zum Fanatiker werden. Im Prinzip ist es so wie wenn man beim Fußball schreit: den hätte er reinmachen müssen!

HSZ:
Ich würde die Kommentierung von Svidler, Polgar oder vielen anderen Kommentatoren bevorzugen. Eine echte Bereicherung – zumindest für mich.

Krennwurzn:
Welchen Stellenwert haben Engines bei Dir im Training?

HSZ:
Für mein Training spielen Engines eine eher untergeordnete Rolle. Wir arbeiten in erster Linie am Schachverständnis, an der Variantenberechnung und an der Technik. Aber natürlich werden zur Kontrolle der Eröffnungsvarianten, in der Partievorbereitung und Partieanalyse Engines als gutes Hilfsmittel eingesetzt. Und natürlich spielt der Einsatz in einem Elobereich von 2600 und steigend eine wesentlich bedeutendere Rolle – aber dafür brauchst du wohl einen anderen Interviewpartner.

2018HSZ09

Krennwurzn:
Das überrascht mich jetzt ein wenig. Klar ist: nur eigenes Denken führt zum Erfolg. Ich dachte aber, dass man Engines auch als Trainingsmittel einsetzen könnte. Leider gibt es noch wenig sinnvolle Leistungsbeschneidung von Engines um menschliches Spiel der gewünschten Spielstärke zu simulieren. Daher dachte ich, dass man im Training umgekehrtes Cheating einsetzen könnte – der Schüler spielt quasi gegen die Engine, der Trainer sortiert aber „unmenschliche“ Züge aus und/oder baut menschliche Fehler ein.

HSZ:
Interessanter Ansatz, mit dem ich allerdings keine Erfahrung habe. OK – das Mattsetzen mit zum Beispiel Dame gegen Turm gegen Engines zu üben – oder überhaupt die Vorteilsverwertung, ist ein recht gebräuchliches Mittel, aber aus meiner Sicht doch eben nur eine Randerscheinung. Vielleicht bin ich da aber doch zu sehr „Old school“, in diesem Bereich fehlt mir die Erfahrung. Ich arbeite lieber mit meinen Schützlingen ein tolles Buch von Dvoretzky, Aagard oder Gelfand durch. Engines versuche ich eben in einigen Bereichen sinnvoll einzusetzen, sonst interessieren sie mich weniger.

Krennwurzn:
Da möchte ich ein wenig nachhaken – ich sehe da eine Problematik: einerseits werden die Engines verdammt – selber denken, spielen, … - und heimlich schielt ein jeder auf die Enginezüge – Fritz sagt diesen Zug hätte ich spielen müssen. Bräuchten wir da nicht einen ehrlicheren und offeneren Zugang zu diesem Thema? Sollte ein ambitionierter Schachspieler nicht etwas mehr über die Funktionsweise (Stärken, Schwächen, …) von Schachengines wissen als dies heutzutage der Fall ist?

HSZ:
Langsam quälen mich die Engines-Fragen und eigentlich habe ich versucht sie ehrlich und offen zu beantworten. Natürlich müssen wir den Spielern die sinnvolle Arbeit mit Engines beibringen. Bei der Partieanalyse (auf die ich großen Wert lege) decken sie Fehler schonungslos auf. Manchmal schlagen sie „bessere“ Züge vor – um +0,2 höher als den gespielten. Dann geht es darum den Vorschlag der Engine zu verstehen, sonst bringt uns das nichts.
In der Partievorbereitung ziehen Spieler manchmal Engineszüge vor, ohne sie zu verstehen. Es interessiert mich nicht, ob die Engine eine Stellung mit +0,2 oder -0,2 bewertet. Ich strebe Spielstellungen an die mir/meinen Spielerinnen liegen, wo sie die Struktur verstehen und Pläne am Brett finden können.
Tendenziell denke ich, dass oft falsch und viel zu früh mit den Engines gearbeitet wird. Ich sag mal bis zu einer Spielstärke von 2400 haben sie Relevanz – aber eine untergeordnete. Bei Supergroßmeistern ist das sicherlich anders – aber das ist nicht mein Arbeitsfeld. Also lieber mit gutem Trainingsmaterial hochkonzentriert und selbstständig arbeiten und/oder mit einem guten Trainer und/oder mit einem guten Trainingspartner (Sorry, …Old school eben).

Krennwurzn:
Schauen wir noch ein wenig in die Zukunft. Alphazero hat in einem Wettkampf gegen Stockfish nur sechs Partien von 1000 gespielten verloren und ist damit schon fast an der praktischen Perfektion von Schach ist Remis angelangt. Wenn ein heutiger Weltklassespieler einen Zug spielt, so ist ein Plan/Intuition und eine Berechnung dahinter, die er erklären kann und die andere somit nachvollziehen können – das ist ja eine großartige menschliche Fähigkeit. Aber wie gehen wir mit Blick auf die Trainingsarbeit damit um, dass uns die Maschine einen Zug hinknallt, den wir nicht mehr verstehen und/oder erklären können?

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HSZ:
Das hängt von der Zeit und der Wichtigkeit ab. Manchmal nehme ich mir Zeit und versuche den Vorschlag zu verstehen. Gelingt mir das nach einiger Zeit, fein! Dann wird die Variante gespeichert und verbal kommentiert – oder zumindest so, dass ich/meine Spielerinnen später damit arbeiten können. – Verstehe ich den Vorschlag nicht: fein! Ab in den Mistkübel und lieber der Empfehlung eines starken Spielers vertrauen.

Krennwurzn:
Zum Abschluss des Interviews möchte ich noch ein Thema streifen, das wie wild durch Foren und auch die Allgemeinheit geistert: Schach und Intelligenz.
Allgemein möchte ich fragen, ob diese Betonung der Intelligenz nicht abschreckend wirken kann – schrecken wir nicht Leute ab mit Schach zu beginnen, nur weil die Angst haben sie könnten als dumm dastehen, wenn sich der Erfolg nicht einstellt?

HSZ:
Ich denke die Ansicht des hochintelligenten Schachspielers wird eher von außen in das Schach projiziert. Ich versuche diese Meinung nicht zu zerstören?.
Ich denke, sie schadet uns auch nicht. Und in der Tat kann unser Sport der Gesellschaft sehr viel bieten. Schach in der Schule kann spielerisch-unterstützend beim Erlernen zahlreicher Fähigkeiten helfen. Weiters kann Schach helfen generationenübergreifend zu verbinden – ich kenne dafür keine geeignetere Sportart. Im Alter hilft es sicherlich auch geistig fit zu bleiben.
Wenn man die Schachgemeinschaft betrachtet denke ich, dass wir durchaus eine normale Verteilung haben, aus meiner Sicht gibt es aber sehr viele sympathische Leute. Prinzipiell schätze ich sozial intelligente Menschen höher als hochintelligente Menschen mit schlechtem und überheblichem Benehmen.

Krennwurzn:
Zum Abschluss möchte ich noch über eine Studie sprechen, die wenn sie denn stimmen sollte, die praktische Trainerarbeit erleichtern sollte. Die Kernaussage ist, dass man für eine gewisse Elostärke eine Mindestintelligenz benötigt. Als Grundlage wird da oft eine Studie der Universität Graz aus dem Jahre 2006 angeführt.

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Würde das so stimmen, bräuchte man vor dem Trainingseinstieg nur einen IQ-Test machen und schon weiß man, was aus dem Schüler maximal werden kann. Ist das wirklich so einfach?

HSZ:
Mir graut davor jemandes Intelligenz zu messen und dann über seine Zukunft zu entscheiden.

Krennwurzn:
Dem Grauen schließe ich mich mit Begeisterung an und bedanke mich für das Interview!


2018HSZ

Zur Person:

IM Harald Schneider-Zinner, Wien
Internationaler Meister, FIDE-Trainer, Coach des überaus erfolgreichen Wiener Jugendkaders (2008-2016) und Trainer des öst. Frauen-Nationalkaders (ab 1.1.2017)
www.schachtrainer.at

 

Wann ist ein Senior ein Senior
Freigegeben in Blog
Sonntag, 13 Dezember 2015 15:02

Wann ist ein Senior ein Senior

So sollte eigentlich ein deutschsprachiger Welthit unbestätigten Quellen ursprünglich lauten, wurde aber wegen phonetischen Stolpersteinen dann doch als Männer mit der Textzeile „Wann ist ein Mann ein Mann?“ veröffentlicht. Reale Stolpersteine gibt es seit dem Vorjahr als die FIDE beschloss, dass es nun zwei FIDE Seniorenkategorien geben sollte und Österreich dies als FIDE Musterland sofort umsetzte und in den nationalen Elolisten nun S50 bzw. S65 bei den entsprechenden Spielern vermerkte. Nun waren nicht alle mit dieser Einteilung zufrieden und so wandte sich der Schachlandesverband OÖ – eifrige Leser wissen es: das ist das Heimatbundesland der Krennwurzn – hilfesuchend an das nicht minder unbekannte IST (Institut für Sinnlose Turniere), welches schon hervorragende Arbeit bei Turnierserien ohne Teilnehmer und Mannschaftsturniere für Zwei, und GLEICH weitere geleistet hatte. Und gemeinsam gelang es eine schöne Ausschreibung mit Umschiffung fast aller FIDE Vorgaben zu schaffen:

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Ziel war es, dass sich zwei landestypische Senioren - also Menschen, die älter als 60 sind oder es in diesem Jahr noch 60 werden – mit einem Jungsenior verstärken können, ohne aber die echten oberösterreichischen 60er Senioren zu diskriminieren, wenn gar drei von ihnen einen Mannschaft bilden wollten. FIDE S65 Senioren gehen als Untergruppe in die OÖ 60er Senioren ein, aber die FIDE S50 Senioren werden aufgeteilt in die Untergruppe OÖ 60er Senioren und in den einen Spieler, der 1965 und älter sein darf. Mit dieser Regelung hat man die von der österreichischen Eloliste angebotenen Hilfsmittel von S50 und S65 elegant obsolet gemacht – ein wie immer genialer Winkelzug des IST!

Da die Regelung sonnenklarer nicht sein könnte, startet – wohl auch mangels einfacher Kontrollmöglichkeiten – guten Mutes ohne jegliche Alterskontrolle in das Turnier. Lediglich der Titelverteidiger Grieskirchen verzichtet auf eine Mannschaft, da diese im Vorjahr den Titel unter der Ausschreibung, dass jeder Senior – egal ob S50 oder S65 – FIDE gemäß ein Senior ist, errungen hatte, weil sie erkannten, dass sie über zu wenige OÖ 60er Senioren verfügten, um mit der Vorjahresseniorenlandesmeisterschaftsmannschaft antreten zu dürfen. Andere waren da nicht so zimperlich und sagten sich, dass ausschreibungsgemäß sich doch wohl „ein Spieler 1965 und älter“ im Teilnehmerfeld finden lassen wird und traten frohen Mutes an!

Hier das erspielte Turnierergebnis:

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Nun aber nach ein paar Tagen kontrollierten doch einige die Aufstellungen – natürlich aufwendig und händisch, denn einen OÖ 60er Seniorenhinweis gibt es in keiner nationalen und internationalen Eloliste oder vergleichbaren Druckwerken. Und nun ist Vöcklabruck der neue Seniorenlandesmeister im Schnellschach für Mannschaften vor Steyr und Hörsching!

2015Sen03

Wobei auch dieses Ergebnis einer Klärung vor dem Internationalem Sportgerichtshof CAS wohl kaum standhalten könnte und auch die Experten des IST (Institut für Sinnlose Turniere) grübeln noch wie die Vorgabe der Teilnehmerberechtigung

„Alle Spieler(innen) mit Jahrgang 1955 und älter,
wobei ein Spieler 1965 und älter sein darf“

überhaupt eingehalten werden kann! Geht man vom Jahrgang 1965 aus, so ist klar, dass Spieler(innen) mit Jahrgang 1955 und älter Schwierigkeiten haben dürften nicht älter als Jahrgang 1965 zu sein. Anderseits erscheint es total unsinnig zu sein, bei Spieler(innen) mit Jahrgang 1955 und älter eine Extrapassung für Spieler mit dem ultrabiblischen Alter von 1965 Jahren einzufügen – auch wenn der bereits 92jährige Erwin Rauscher hoffentlich noch viele Jahre an Senioren und anderen Turnieren teilnehmen wird.

Aber nicht nur in der Heimat der Krennwurzn ist das IST (Institut für Sinnlose Turniere) aktiv, sondern auch jenseits der österreichischen Grenzen will man nun aktiv werden und nach ersten Erfolgen wie Geheimpartien bei einer Landesmeisterschaft in der Ukraine, um Yifan Hou keine Informationen über Muzychuks Spiel zu geben – eine wirklich grenzgeniale Idee im Zeitalter von Facebook, Twitter und Co – verdichten sich auch die Gerüchte, dass man auch den DSB beliefern möchte, da dort schon eine jahrelange Unzufriedenheit mit der DEM herrscht und es immer schwieriger wird Ausrichter zu finden. Die Lösung der Experten des IST ist von einer nicht zu übertreffenden logischen Klarheit und Schönheit: Die DEM der Jahre 2016 und folgende werden mit geheimen Teilnehmern an geheimen Orten mit geheimen Partien gespielt!!

Sag mir wo die Spieler sind
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Donnerstag, 03 September 2015 12:48

Sag mir wo die Spieler sind

„Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben ... wann wird man je verstehen?“ sind Textfragmente eines der wohl berühmtesten Antikriegslieder. Dieses Kettenlied handelt davon, dass wir oft und gerne immer wieder die gleichen Fehler machen und wenig aus der Geschichte lernen.

Nun geht es bei unserem schönen Spiel nicht um Leben oder Tod, aber dennoch neigen auch wir dazu immer im alten Trott zu verweilen – möglicherweise um uns unangenehmen Fragen nicht stellen zu müssen. Eine dieser Fragestellung ist die Jugendarbeit oder viel besser die Effizienz derselben. Nun möchte wohl niemand – auf keinen Fall der Schreiber dieser Zeilen – die Jugendarbeit schlecht schreiben oder reden, denn sie ist das Wichtigste im Schach, denn in ihr wird die Basis für die Zukunft gelegt. Dennoch wollte die Krennwurzn einmal einen kritischen Blick auf das Thema werfen, denn sie hatte das Gefühl, dass sich bei uns im Schach sehr viele Jugendliche tummeln, die dann so ab 20 einfach verschwinden. „Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben?“

2015Blumen1995

Hier sieht man nur eine kleine Eindellung bei den 20er nach der Jugend und einen Berg in den 30er, den man auf die geburtenstarken Jahrgänge und dem Hype der Kasparov-Karpov Zeit und wohl auch noch auf die von Bobby Fischer hervorgerufene Schachbegeisterung zurückführen kann. Gleichzeitig begann aber schon der Mitgliederschwund und es wurde verstärkt in Jugendarbeit investiert.

2015Blumen2005

10 Jahre später ist die Eindellung nach der Jugendzeit schon massiver zu sehen, aber die Zahl der Jugendlichen ist fast gleich geblieben, obwohl über ein Tausend Spieler weniger gemeldet waren.

2015Blumen2015

Wieder 10 Jahre später hat sich die Eindellung zu einem großen breiten Tal nach der Jugend vertieft und wieder hat man weit über tausend Spieler verloren.

2015Blumen2015Verlust

Nun habe ich versucht die verlorenen 2.000 Spieler in die Grafik einzuschätzen, um das Tal mit Spielern aufzufüllen. Das ist natürlich eine sehr gewagte Sache, denn Verluste aus der Jugendarbeit sind natürlich und können viele Ursachen haben. Jetzt könnte man das Kind gleich mit dem Bade ausschütten und sagen was manche heimlich denken: die Jugendarbeit kostet nur viel Geld und bringt wenig bis nichts – die Leute spielen ein paar Jahre Schach, weil es beispielsweise in der Schule opportun ist, die Vereine betreiben Jugendarbeit weil es dem Zeitgeist entspricht und weil es dafür Förderungen gibt!

Nun wie fast immer bei einfachen populistischen Äußerungen fallen dabei ein paar Feinheiten unter den Tisch, aber das ist ja egal, wenn man nur heftig und laut auf den Tisch schlagen will. Der Kontakt mit Schach – auch wenn es dann nicht zum Hobby wird – schadet niemals, denn auch diese Leute können im späteren Leben mit dem Schachbetrieb in Berührung kommen, sei es als Entscheider über Förderungen, Sponsoring, usw. oder aber als Eltern, die ihre Kinder in eine Schachgruppe schicken. Also können wir mit Jugendarbeit keinen Fehler machen, aber dennoch müssen wir uns fragen, warum verlieren wir dennoch so viele „Blumen“ für immer oder nur zeitweise für über 10 Jahre.

Ein Ansatzpunkt könnten die Frauen sein, die sind ja in den Diagrammen ganz zart vertreten sind. Eine Frauenquote von unter 6% bei den Stammschachspieler liegt sogar drastisch unter der Frauenquote von 16% in österreichischen Vorstandsetagen! Es ist wohl kein Zufall, dass die Eindellung in die Jahre der Ausbildung und der Familiengründung fallen und dass wir dort dann mit den Frauen auch viele Männer für das Schach verlieren. Also müssten wir nachdenken, was wir nach der erfolgreichen Jugendarbeit unternehmen können!

„Sag mir wo die Blumen sind, wo sind sie geblieben ... wann wird man je verstehen?“

Bundesliga in der Provinz
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Freitag, 19 Juni 2015 12:16

Bundesliga in der Provinz

Nun die Lage in der stärksten Liga der Welt – der deutschen Bundesliga - wird ja kontroversiell in vielen Foren diskutiert. Viele Rückzüge von Mannschaften, Aufstiegsverzicht, etc und dahinter steckt meist, dass die Finanzierung der Mannschaft nicht so leicht zu sichern ist. Öffentliche Kassen sind meist klamm und private Sponsoren ziehen sich oft bald wieder zurück, weil sie erkennen müssen, dass sie eigentlich Mäzene sind und der Werbewert dem eingesetzten Geld nicht einmal annähernd nahe kommt. Aber das ist ja alles bekannt und wurde schon unendlich oft durchgekaut – also zur Frage: wie läuft das im kleinen Österreich ab? Immerhin haben die Österreicher gerade im Zillertal das deutsche Prinzen-Mitropacupteam 3:1 geschlagen!

Im kleinen Österreich spielen 12 Mannschaften in der Bundesliga, die früher Staatsliga hieß, und aus den darunterliegenden drei 2. Bundesligen steigt jeweils eine Mannschaft auf und daher müssen die letzten drei der Bundesliga in die entsprechenden Zweitligen absteigen. Rückzüge gibt es sehr selten und auch das Aufstiegsrecht wird meist in Anspruch genommen. Aber dennoch ist auch hier nicht alles eitel Wonne, denn wirft man einen genaueren Blick auf die abgelaufene Saison 2015/15, so muss man erkennen: die Bundesliga findet in der Provinz statt.

2015AUT BL01

Die vier bevölkerungsreichsten Bundesländer, die fast 60% der gemeldeten Schachspieler haben und auch wirtschaftliche Schwergewichte sind, stellten gerade mal eine einzige Bundesligamannschaft und das war der Aufsteiger Grieskirchen aus Oberösterreich! Die Hauptstadt Wien, das Schach-Präsidentenbundesland Steiermark und Niederösterreich hatten gar keine Mannschaft in der vergangenen Bundesligasaison. Außer einer Mannschaft aus Salzburg kommt keine weitere Mannschaft aus einer Landeshauptstadt. Kärnten und Tirol stellen mit sieben Mannschaften mehr als die Hälfte der Bundesligisten und nur noch das kleinste Bundesland das Burgenland stellt zwei Mannschaften.

Tirol profitiert von der Nähe zu Deutschland und verfügt auch über einen entsprechenden wirtschaftlichen Hintergrund. Anders sieht die Lage im Burgenland und in Kärnten aus, denn dort gibt es höhere Sportförderungen und man braucht weniger Sponsorgelder, um den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten. Das Burgenland profitiert hier von seiner Grenzlage im Osten und war nach dem EU-Beitritt elf Jahre lang „EU Ziel 1-Gebiet“ und wurde daher besonders gefördert, um das Burgenland wirtschaftlich aufholen zu lassen.

In Kärnten, das ein Drittel der Bundesligamannschaften stellt, sieht die Sachlage etwas anders aus – auch dort sind es die öffentlichen Sportförderungen, die manches erleichtern, aber es gibt dort auch traditionell eine starke Schachszene und mit Markus Ragger kommt der stärkste Österreicher aus Kärnten. Zudem finden in diesem beliebten Urlaubsland auch viele Schachturniere rund um das Jahr statt.

International in die Schlagzeilen kam Kärnten aber auch, weil der Rechtspopulist Jörg Haider bis zu seinem Unfalltod 2008 dort langjähriger Landeshauptmann war und dort ein System aufbaute, dass unter anderem zum Problemfall Hypo-Alpe-Adria führte, was Kärnten nun regelmäßig auch in die internationalen Schlagzeilen bringt. Das Bundesland hat aufgrund von damals gegebenen Haftungen massivste finanzielle Probleme und gilt daher als Griechenland Österreichs und auch hier wird über eine Insolvenz nachgedacht. Zudem gab Kärnten auch sonst einfach zu viel Geld aus und muss nun aufgrund von Bundesvorgaben massiv sparen! Davon sind nun auch die Sportförderungen sind betroffen und es wird also interessant zu beobachten werden, wie die Kärntner Vereine es schaffen werden, diese Gelder durch private Sponsorengelder zu ersetzen – ich denke mal, die Chancen dafür sind - auch wenn es schwierig wird - doch aufgrund der traditionell starken Schachszene gegeben.

Kommen wir zum Abschluss noch zur Frage, wer spielt den in der österreichischen Bundesliga? Nun in Summe sind die Nicht-FIDE Österreicher mit 58% klar in der Mehrheit, die stärkste Einzelnation sind aber doch die Österreicher gefolgt von den Deutschen und den Kroaten. Diese drei stellen mit einer satten ¾ Mehrheit das Gros der Bundesligaspieler.

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Und wie schlagen sich die Österreicher selbst in der Bundesliga?

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Naja nicht so toll! 42% der Spieler haben 41% der Bretteinsätze, steuern aber nur 36% der Punkte für ihre Mannschaften bei. Das ist aber auch nicht so schlecht, denn immerhin können internationale Erfahrungen gesammelt werden.

Wie in Deutschland dürfte es auch hierzulande das Problem geben, dass die Bundesliga nicht nur die Öffentlichkeit nicht erreicht, sondern es nicht einmal schafft die Masse der Schachöffentlichkeit in ihren Bann zu ziehen, denn wie sonst sollte man erklären, dass die Bundesligaklubs dort sind, wo die wenigsten Schachspieler wohnen und auch FIDE-Österreicher de facto Legionäre im eigenen Land sind?

Warum schafft man keine Fanbindung? Bei Einzelspieler gibt es starke Fanlager und auch bei Nationalmannschaften gibt es starke Emotionen, wie beispielsweise gerade jetzt, wo die Österreicher die Deutschen 3-1 schlagen, werden Erinnerungen an Cordoba wach. Oder auch wenn man sich die Diskussion rund um Arkadij Naiditsch und einen möglichen Föderationswechsel ansieht – auch wenn man sich von manchen Äußerungen in diesem Zusammenhang mit Grauen abwenden muss. Aber warum schafft man so wenig emotionale Bindungen an Bundesligamannschaften oder noch schlimmer: warum sind diese so vielen Schachfreunden schlicht weg egal?

Leider kann man diese Frage nicht so leicht beantworten, weil die Gründe wohl vielschichtig sind, aber ich denke alle Beteiligten sollten darüber nachdenken und nach Verbesserungen suchen und dabei nicht den Fokus auf eigene Befindlichkeiten und kurzfristige Vorteile legen, sondern das Problem so objektiv wie möglich ausleuchten, denn funktionierende Meisterschaften sind das Hauptanliegen vieler Schachspieler an die Verbände!

Gleich DREI auf einen Streich
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Montag, 14 Juli 2014 00:00

Gleich DREI auf einen Streich

„Gleich“ – Uijegerl bei dem Wort IST – bei aufkommenden Gedanken an das Institut für Sinnlose Turniere - sogar der Krennwurzn gleich wieder schwindelig. Zimmerunsitte und gleich viele immer gleiche Artikel werden gleich wieder im Gedächtnis wach. Uijegerl geht das schon wieder los? Nein – nicht gleich so schlimm, obwohl das Thema doch schon gleich eine kleine Artikelserie darstellt:

 

Aber bitte nicht gleich alle auf einmal lesen, das könnte Sie aus dem Gleichgewicht bringen – aber kommen wir endlich gleich zur Sache: im schönen Österreich fanden in der ersten Ferienwoche vom 5. bis 13. Juli gleich drei Schachopen statt und um die 400 Schachspieler nahmen das Angebot an und spielten mit. Das ist die gute Nachricht, die schlechte ist, dass sich die 400 auf drei Standorte verteilt haben. Gleich erste Adresse war natürlich das von der Krennwurzn gleich oft kritisierte „International Styrian-Open“ im schönen namensgebenden Bad Gleichenberg.

International Styrian-Open 

Da man nach der ersten Auflage im Vorjahr mit um die 150 Teilnehmer davon 53 im A-Turnier den gleich üppigen Preisgeldfonds von 25.000 Euro auf 18.000 Euro absenkte, aber den gleich viel kritisierten Passus bezüglich Organisationsgebühr trotz massivster rechtlicher Bedenken nicht gestrichen hat, kamen diesmal gleich mal nur 125 Teilnehmer in die schöne Südoststeiermark und im A-Turnier spielten davon 47 und von diesen waren gleich nur 17 Österreicher mit von der Partie. Und gleich auch in den Preisgeldrängen waren die Österreicher gleich unterdurchschnittlich vertreten:

2014gleich gleichenberg

Gleich mit von der Partie waren die beiden „Schachprinzen“ Matthias Blübaum (Elo 2510) und Dennis Wagner (Elo 2485) in den ersten Tagen ihres Schachjahres – einer sehr guten Idee. Dennis Wagner musste gleich mal keine Niederlage einstecken, obwohl er die letzten sechs Runden immer gegen GMs antreten musste und eine Eloperformance von 2531 und damit den 5. Gesamtrang umringt von GM erzielen konnte. Seine Chance auf eine mögliche GM Norm wurde ihm gleich in den ersten Runden von den gleich nicht so elostarken Österreichern und natürlich dem Auftaktremis gegen Florian Mesaros (2158) genommen. Sein Kollege Matthias Blübaum musste zwar in der 4. Runde eine Niederlage hinnehmen, spielte aber ein sehr gutes Turnier mit einer Eloleistung von 2582 und erreichte den 3. Gesamtrang und schrammte wirklich knapp an der GM-Norm vorbei, wobei dies gleich unter die Kategorie Auslosungspech in den ersten Runden gefallen sein konnte.

Die Frage warum gleich so wenige Österreicher in Bad Gleichenberg mitgespielt haben, kann man mit einem Blick nach Wien gleich ein wenig erklären – vielleicht, außer Sie sind der verschwörungstheoretischen Meinung, dass die gleich allmächtige Krennwurzn mit seinem Geschreibsel gleich einen übergleichen Einfluss haben könnte.

Husek Vienna Open 

Dieses Turnier wurde heuer erstmals ausgetragen und gleich auf die Frage warum denn zum gleichen Termin wie gleich zwei weitere Turniere in unmittelbarer Nähe gleich auch – da muss die Krennwurzn sie gleich auf die Experten des IST verweisen, denn gleich und gleich später fällt mir darauf keine Antwort ein, die gleich auch noch einen Sinn ergeben könnte. Von den 115 Teilnehmern im Hauptturnier stellten gleich die Österreich mit 90 das größte Kontingent und das führte dazu, dass obwohl der Preisgeldfonds nicht so prall wie in Bad Gleichenberg gefüllt war, dass in den Preisgeldrängen doch gleich die Hälfte Österreicher waren.

2014gleich husek

Gewonnen hat der Setzlistenerste Rainer Buhmann nach "Viertwertung" vor vier weiteren Spielern mit 7 Punkten schreibt der Veranstalter. Da das Turnier in einer Gruppe gespielt wurde, waren von Anfang an die Chancen auf Titelnormen gleich eher gering. Im Rahmenprogramm fand auch ein Kinderturnier mit 16 Teilnehmer statt.

33. St. Veiter Jacques Lemans Open 

Hatten die Kärntner vielleicht gleich nach dem Rückzug von Oberwart 2012 als Turnierveranstalter gehofft, dass gleich die Openkonkurrenz sich terminlich gleich besser verteilt, so hatten sie diese Rechnung gleich ohne das IST gemacht und nach Bad Gleichenberg im Vorjahr hat auch noch Wien ein Open zum gleichen Termin ins Rennen geschickt – ob gleich die Pläne des IST (Institut für Sinnlose Turniere) für 2015 gleich alle österreichischen Turnier und Meisterschaften gleichzeitig in dieser Woche auszutragen wirklich umgesetzt wird, kann man gleich jetzt seriöserweise nicht gleich sagen, aber so 4-5 Open gleichzeitig könnten es schon werden.

Mit fast 160 Teilnehmer, davon aber fast 100 im B-Turnier konnten sich die Kärntner gleich mal die Krone der meisten Teilnehmer aufsetzen – Tradition und eine schöne Erholungslandschaft im Umfeld bringen eben auch viele Stammgäste in diese Region Österreichs. Im A-Turnier waren von den 46 Teilnehmern 31 Österreicher und 9 Slowenen vertreten

2014gleich stveit

und doch ging der Turniersieg überlegen mit einem Punkt Vorsprung an den kroatischen GM Marin Bosiocic vor dem schottischen GM Matthew Turner, der sich nach Feinwertung vor dem besten Österreicher IM Helmut Kummer den zweiten Platz sicherte.

Sensationsmann des Turniers war der 16-jährige Hohenemser Emilian Hofer (2035) der mit sechs Siegen bei drei Niederlagen den fünften Platz belegte und dabei die erfahrenen
IM´s Leon Mazi und Georg Danner besiegen konnte. Eine beinahe noch größere größere Sensation gelingt seinem ebenfalls 16-jährigen Vereinskollegen Vincent Nussbaumer (1821) im B-Bewerb, der erst in der Schlussrunde ein Remis abgibt und mit 8,5 Punkten überlegen den Sieg vor dem Klagenfurter Gerhard Raschun mit 7 Punkten holt.

Gleich könnte man auf den Gedanken kommen, die Österreicher spielen gleich gerne dort wo sie auch Chancen auf Preisgeldränge haben und da sind gleich sehr hohe Preisgeldfonds nicht gleich das optimale, da – das ist zwar gleich ungerecht – die Spitze in anderen Ländern etwas stärker ist und die sich gleich die Preise gleich sichern und die Österreicher fürchten müssen gleich leer auszugehen.

Kommen wir gleich zum Anfang zurück und sprechen wir gleich das letzte Mal über den Passus, der gleich das Blut der Krennwurzn so in Wallung versetzen konnte. 

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Nach Ansicht von gleich zwei Behörden (Bundesministerium für Konsumentenschutz und Europarechtsabteilung der Steiermärkischen Landesregierung) verstößt dieser Passus gegen den § 23 des Dienstleistungsgesetz (DLG) und damit europäischen Normen.

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Nun haben die gleich komplizierte und gleich unlösbare Situation, dass daran nichts zu rütteln ist, wenn auch ein Teil der steierischen Schachfreunde das gleich anders sehen. Gleichzeitig ist es gar nicht leicht dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen, denn die Bezirkshauptmannschaft Südoststeiermark könnte zwar eine Strafe gegen die Veranstalter aussprechen, kann aber auch für künftige Ausschreibungen den Passus nicht verbieten, da hierfür die rechtlichen Grundlagen fehlen. So bliebe nach Rücksprache mit Konsumentenschutzrechtsexperten gleich nur mehr zwei Wege um den Passus zu bekämpfen: erstens eine Klage wenn man ihn tatsächlich bezahlen musste oder zweitens eine Beschwerde an die Volksanwaltschaft, weil die zuständige Bezirkshauptmannschaft nicht durch hohe Verwaltungsstrafen hart genug gegen den Veranstalter vorgeht. Beides ist für die Krennwurzn nicht denkbar und so gebe ich den Don Quijotischen Kampf gegen die Windmühlen der Bürokratie und gleich auch der Starrsinnigkeit, mit der der Veranstalter sein eigenes Turnier in wohl schädigendes Fahrwasser bringt, auf!

Gleich noch einmal
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Donnerstag, 17 April 2014 00:00

Gleich noch einmal

„Gleich“ sagt der Österreicher im Dialekt manchmal, wenn er „sofort“ sagen möchte, aber nicht wirklich sofort handeln möchte oder aber auch wenn ihm etwas „egal“ ist. Und gleich werden die Leser zusammenzucken – gab’s da nicht gleich einen Artikel im Vorjahr mit unheimlich vielen „gleich“ im Text? Gleich weiter unten werden die Links dazu geliefert und gleich Einigen wird dazu gleich ein Turnier in einem wunderschönen Teil Österreichs einfallen, das gleich sehr viele Preise an gleich doch wenige Teilnehmer ausgeschüttet hat, aber andersgleichen auch durch einen für mitteleuropäische Sitten gleich etwas befremdlichen Passus in der Ausschreibung gleich aufgefallen ist.

Nun diesen Passus und damit dieses Turnier gibt es gleich noch einmal!

2014Gleich1

Gleichwohl es niemanden interessiert, ob dieser Passus nun gegen EU-Recht verstößt oder nicht, stellt sich die Frage, ob dieser Passus dem Turnier nicht gleich mehr schadet als nutzt – man muss ja nicht gleich ans Image denken und Steirer gelten – nicht erst seit den Zeiten des Romans „Aus dem Leben Hödlmosers“ von Reinhard P. Gruber als etwas ... naja – man wird ja nicht gleich was Gleichmacherisches schreiben. Denn andererseits wurde die Ausschreibung doch gleich in mehreren Punkten gleich ein wenig abgeändert, damit es nicht wieder gleich zu einem Gedränge von Preisen und Teilnehmern kommen kann. Dazu wurde der Preisfond von 25.000 Euro auf 18.000 Euro gesenkt und gleich einmal alle Damen, Senioren und U18 Preise gestrichen und gleich auch noch die Anzahl der Preise gesenkt. Die gleich vorjährigen 12 Österreicherkategoriepreise wurden durch 8 Kategoriepreise ÜBER 2300 Elo ersetzt (siehe Bild Ausschreibung unten - wer's gleich nicht glauben kann, der kann sich hier das Original-PDF ansehen).

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Da wird gleich einer aufschreien, aber das ist gleich gar nicht so schlimm, wenn's auch gleich etwas unlogisch aussieht - da gleich Doppelpreise nicht mögich sind, wird die Sachlage gleich wieder klarer - ob sich der Turnierfünfte, wenn er über 2300 Elo hat mit 800 Euro zufrieden gegen muss oder er sich doch die 1000 für den ersten Platz in der Kategorie über 2300 nehmen darf - das darf dann gleich vor Ort ausdiskutiert werden. Jedenfalls gleich einmal ein innovativer Ansatz für Preisgeldgestaltung, dessen Ursprung gleichwohl dem IST (Institut für Sinnlose Turniere) zuzurechnen sein dürfte.

Im Vorjahr mussten sich 53 Teilnehmer des A-Turniers mit 33 Preisen gleich zufrieden geben, damit dies dieses Jahr wieder erzielbar ist, dürften gleich nur 30 Schachfreunde das Turnier in Angriff nehmen – aber das wollen wir gleich wieder schnell vergessen und auch, wenn gleich nur etwas weniger als die Hälfte der Gesamtteilnehmer des Vorjahrs kommen sollten, dann hätte man gleich wieder eine Preisqoute von um die 60% in Reichweite.

Gleich gar nicht beachtet hat man, dass gleichzeitig nur 200 km westlich im ebenfalls sehr schönen St. Veit ein bereits etabliertes Open gleich zum 33. Mal ausgetragen wird und gleich ganz neu ist, dass in Wien gleichzeitig das Husekopen gleich mit freiem Eintritt in die Therme Wien neu ins Leben gerufen wurde! Als Nichtösterreicher könnte man da gleich leicht verzweifeln, aber gleich werden viele Leser an das nur Ihnen nach gleich zu viel Krennwurznleserei bekannte IST (Institut für Sinnlose Turniere) denken! Nochmals bitte nicht beim seriösen Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) anrufen, die kennen dieses zweite IST gleich gar nicht und sind auch gleich gar nicht gut auf dieses zu sprechen! Außerdem gilt beim Institut für Sinnlose Turniere (IST) die CIA Gepflogenheit: rufen Sie uns nicht an, wir melden sich gleich bei Ihnen!

Und so ist es gleich unserer – erlauben Sie mir gleich diesen Einwurf – armen Krennwurzn gegangen. Ein gleich nicht genannt werden wollender Experte des IST hat sich bei der Krennwurzn gemeldet und ihm gesagt, dass diese Konzentration von Turnieren zu einem Zeitpunkt wie am Julianfang 2014: Gleichenberg, St. Veit, Wien und OPENair Braunberg, Sonntag, 6. Juli 2014 (Werbeeinschaltung Krennwurzn: an diesem Tag hat die Fußball WM Pause und die Krennwurzn kann man in schöner Landschaft live und in Farbe kennenlernen – auch wenn gleich alle nur wegen der schönen Landschaft und dem guten Essen auf der Braunberghütte kommen) ...

Also dass wir gleich nicht abgleiten und gleich beim Thema bleiben – diese Konzentration von Turnieren im Juli 2014 hat das IST auf eine gleich umwerfende Idee gebracht und wird gleich 2015 vom IST perfektioniert gleich durchgeführt: Gleich in der ersten gesamtösterreichischen Ferienwoche von Samstag 11. bis 19. Juli 2015 werden gleichzeitig alle Bundesligen auch jene der Damen, alle Staatsmeisterschaften, alle Landesmeisterschaften und gleich auch noch alle OPEN und gleich auch noch alle Blitz- und Schnellschachturnier gleichzeitig durchgeführt. Gleich alle FIDE Bestimmungen werden aufgehoben, damit man gleich mehrere Partien gleichzeitig und gleich auch noch – falls notwendig – gleich auch gegen sich selbst spielen kann!

Falls Sie jetzt gleich zum Kalender laufen wollen, dann muss ich Sie gleich vorweg enttäuschen: heute ist nicht der 1. April – aber der Fasching endet in Österreich gleich nie!

Gleich noch einmal zum Nachlesen verlinkt – falls einer gleich noch nicht genug gleich gelesen haben sollte: Zimmerunsitte und IST GLEICH

Interview mit WIM Zhansaya Abdumalik
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Mittwoch, 01 Januar 2014 13:21

Interview mit WIM Zhansaya Abdumalik

Beim 22. Donauopen in Aschach/Donau nahe Linz in Oberösterreich spielen nicht nur immer traditionell viele Schachfreunde mit – dieses Jahr waren es über 250 verteilt auf drei Turniere – sondern aufgrund der Turnierphilosophie, dass jeder Spieler als Gast gesehen wird und nicht nach Titel und Elo präferiert wird, kommen interessante und aufstrebende Spieler gerne in den malerischen Schiffermarkt Aschach an der Donau. Dieses Jahr kam die erst 13jährige 4-fache Mädchenweltmeisterin und aktuelle U20 Vizeweltmeisterin WIM Zhansaya Abdumalik aus Kasachstan mit ihrem Vater, dem Trainer und einem Freund der Familie nach Aschach und die Krennwurzn nutzte die Gelegenheit mit einem kommenden Star des Damenschachs ein paar Worte zu wechseln.

Krennwurzn:
Zuerst einmal herzlich Willkommen und danke, dass Sie trotz Niederlage in der heutigen Partie zum Interview gekommen sind. Sie sind als Nummer 18 der Startrangliste schlussendlich auf Platz 9 und damit in den Preisgeldrängen gelandet – zufrieden oder unzufrieden mit dem Turnier?

Abdumalik:
Mit der heutigen Partie bin ich natürlich nicht zufrieden, aber ich spielte ein paar Ungenauigkeiten und mein Gegner nutzte diese gnadenlos aus – ich kann ihm nur zum Turniersieg gratulieren. Mit dem Turnier bin ich zufrieden, ich habe gute Partien gespielt und mein Rating weiter erhöht, so dass ich wohl meinen Ziel unter die Top 100 der Fraueneloliste zu kommen demnächst erreichen werde.

Krennwurzn:
Darf ich Sie bitten, dass Sie sich den Lesern ein wenig vorstellen?

Abdumalik:
Ich bin 13 Jahre alt, komme aus Almaty der mit fast 1,5 Millionen Einwohnern größten Stadt Kasachstans im Südosten unweit der Grenze zu Kirgisistan.

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Krennwurzn:
Wie lange spielen Sie schon Schach und was sind Ihre größten Erfolge?

Abdumalik:
Ernsthaft mit Schach habe ich im Alter von 6 Jahren begonnen, dann kamen schnell Erfolge, ich wurde viermal Mädchenweltmeisterin in verschiedenen Altersklassen und heuer im November in der Türkei wurde ich Vizeweltmeisterin bei der U20 WM der Damen.

Krennwurzn:
Das ist ja beeindruckend – welche Ziele setzt man sich dann?

Abdumalik:
Zuerst möchte ich Damenweltmeisterin werden und dann möchte ich meinem Vorbild Judith Polgar nacheifern und in die allgemeine Weltspitze vordringen? 2008 bei der Blitzschach Weltmeisterschaft in Almaty konnte ich sie persönlich treffen und ein Foto von ihr mit mir machen lassen.

2014Abdumalik2
Krennwurzn:
Und dann Carlsen schlagen und Weltmeisterin werden?

Abdumalik:
Warum nicht – aber alles Schritt für Schritt!

Krennwurzn:
Ihr Trainer GM David Arutinian spielt auch mit im Turnier – wie viele Stunden trainieren Sie für Schach?

Abdumalik:
Meist um die sechs Stunden täglich, davon etwas weniger als die Hälfte mit dem Trainer.

Krennwurzn:
Bleibt da noch Zeit für andere Hobbies?

Abdumalik:
Natürlich ist die Zeit eher knapp, aber ich schwimme jeden Tag eine Stunde und gehe im Sommer bei uns in der Bergen gerne mit Freunden wandern.

Krennwurzn:
Spielen Sie für einen Klub Meisterschaft oder eher nur Turniere?

Abdumalik:
Leider gibt es in meiner Heimat wenig Turniere und auch für einen Klub Meisterschaft zu spielen ist aus geografischen Gründen schwierig, daher spiele ich meist lieber Turniere.

Krennwurzn:
Fällt das nicht schwer, immer von zu Hause weg zu sein?

Abudmalik:
Schon ein wenig, aber ich reise nie alleine – mein Vater ist immer mit dabei, mein Trainer und oft noch Freunde der Familie – hier sind wir zu Viert und es ist sehr schön hier – es gefällt uns gut in Aschach. Allerdings freue ich mich auch schon auf den heutigen Silvesterabend in Wien, da wir erst morgen von dort via Frankfurt nach Hause fliegen.

Krennwurzn:
Ich habe gesehen, dass Sie hier in Mitteleuropa in Pilsen, Brünn und Wien gespielt haben – bleibt da ein wenig Zeit sich auch die Städte touristisch anzusehen.

Abdumalik:
Leider wenig, aber wir versuchen schon die wenige Freizeit zu nutzen um touristische Ziele anzusehen – aber das Hauptaugenmerk liegt auf Schach.

Krennwurzn:
Danke für das Interview und Alles Gute für 2014 und vielleicht besuchen Sie uns nächstes Jahr wieder!

Turnierergebnisse, Partien, Fotos des Schachfotographen IM Peter Kranzl, Rundenberichte der Krennwurzn und vieles mehr finden Sie auf der Internetseite des 22. Donauopen Aschach. Vielleicht haben auch Sie mal Lust, die Krennwurzn live und in Farbe kennenzulernen oder aber wollen Sie einfach nur einmal ein „Turnier bei Freunden“ spielen und die Atmosphäre in Aschach genießen!

IST gleich
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Donnerstag, 11 Juli 2013 11:04

IST gleich

„Gleich“ sagt der Österreicher im Dialekt manchmal, wenn er „sofort“ sagen möchte, aber nicht wirklich sofort handeln möchte oder aber auch wenn ihm etwas „egal“ ist. Und trotzdem werden nicht gleich alle eingefleischten Krennwurznfans – sofern es solche überhaupt geben sollte – gleich etwas mit dem Titel anfangen können. Nun in Österreich gibt es von Zeit zu Zeit immer mal wieder bemerkenswerte Turniere wie beispielsweise die Turnierserie ohne Teilnehmer oder die Damenbundesliga mit Zweierfrauschaften und natürlich musste die Krennwurzn darüber gleich ausgiebig lästern. Gleich – also mit etwas Verzögerung - hat die Krennwurzn gemutmaßt, dass es neben dem allseits bekannten Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) noch gleich ein zweites IST in Österreich geben muss – eine Kaderschmiede, die sich alle unerdenklichen Turnierformen ausdenkt: das Institut für Sinnlose Turniere – kurz IST! Und damit wäre der ersten Teil des Titels gleich einmal klar.

Google und Telefonbuchsuche alles läuft gleich ins Leere - dieses IST ist gleich nicht zu finden, aber: ein A-Turnier eines Opens mit 33 Geldpreisen für 53 Teilnehmer!! Mehr als 60% der Teilnehmer können aufgrund des Doppelpreisausschluss mit einem Geldpreis über dem Nenngeld rechnen!! Leider werden aber gleich 20 von den 53 Teilnehmern keinen Preis bekommen, aber ich bin mir sicher, dass das IST gleich auch dieses Problem in Zukunft noch genial lösen wird – wer wird denn schon gleich die Hoffnung aufgeben.

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Nicht gleich auf den ersten Blick wird auffallen, dass man möglicherweise Probleme bekommen wird, tatsächlich alle garantierten Preise auszuzahlen. Nein, nein, nicht weil man diese unrechtmäßig einbehalten würde, sondern weil das IST dabei praktische oder sogar theoretische Hürden nicht mit einbezogen haben könnte. Es spielen gleich nur drei Damen mit – das sind zwar immerhin gleichmal eineinhalb österreichische Damenbundesligamannschaften – und dennoch könnte das zwar nicht gleich zwangsläufig aber doch gleich sehr wahrscheinlich zu Problemen führen. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass die als Nummer 9 gesetzte IM(WGM) Eva Moser weder unter die besten 12 gesamt als auch nicht unter die besten 12 Österreicher kommt, könnte gleich null sein.

Gleich null dürfte ebengleich auch die Wahrscheinlichkeit sein, dass das Turnier mit einem Reingewinn in der Kassa beendet werden könnte. Ob ein möglicher Verlust allen österreichischen Schachspielern gleich ist und ob man das gleich oder doch gar nicht erfahren wird, das ist den Verantwortlichen sicherlich absolut gleich. Rechnen wir doch gleich mal nur für das A-Turnier nach: 53 Teilnehmer, davon 9 Nenngeldbefreite, 34 normale 70 Eurozahler, 10 jugendliche 40 Eurozahler und 5 mit einem Fuffi extra, weil gleich ein paar Elo unter 2000. Das sind dann gleich mal um die 3.000 Euro doch gleichzeitig ein bisschen wenig im Vergleich mit 17.000 Euro Preisgeld.

Dafür leistet man sich auch eine Übertragung von gleich mal 36 Brettern im Internet:

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Und da man nur 26 Bretter aus dem A-Turnier übertragen kann – nein wer denkt da gleich an technische Schwierigkeiten – es ist doch gleich so simpel: für 36 Bretter bräuchte man 72 Teilnehmer. Daher nutzt man gleich die Gelegenheit und überträgt auch noch 10 Bretter aus dem B-Turnier. Aber damit mir jetzt nicht gleich einer mit dem Argument kommt, dass der mögliche Verlust aus dem A-Turnier vom Überschuss aus dem B-Turnier getragen werden könnte. Ja da muss ich gleich entgegnen, dass dort gleich um zwei weniger als im A-Turnier mitspielen und somit dem Preisgeldfond von 5.000 Euro zwar gleich Einnahmen von 2.500 Euro gegenüberstehen, was ja gleich die Hälfte sein könnte, aber daraus wird sogleich nicht schnell ein Überschusss. Gleich wesentlich mehr als die Hälfte vom Preisgeldfond von 3.000 Euro wird gleich im C-Turnier mit fast 1.900 Euro erwirtschaftet.

Den nicht österreichischen Lesern wird das gleich von Anfang an komisch vorkommen sein, dass bei einem Turnier in so einer wunderbaren Gegend mit sehr gutem Preisgeld gleich so wenig Schachspieler mitspielen. Das liegt zum einen wohl an etwas eigenwilligen Details – siehe Zimmerunsitte – in Kombination mit doch für österreichische Verhältnisse eher höheren Nenngeldern und möglicherweise an dem zeitgleich 200 Kilometer westlich ausgetragenem 32. Internationalen St. Veit Open 2013. Bei diesem traditionell immer zu diesem Termin stattfindenden Turnier in ebenfalls schöner Landschaft und ohne Auffälligkeiten in der Ausschreibung haben sich gleich ebenfalls 160 Schachfreunde eingefunden, obwohl dort der Preisfond geringer ist. Sicherlich gab es bis zum etwas unrühmlichen Ende im Vorjahr ebenfalls das gleich traditionelle 34. Internationale Schachopen der Stadtgemeinde Oberwart zum gleichen Termin (Beginn Samstag nach Ferienbeginn Westösterreich), aber man hätte diese Ende dafür nutzen können ein neues Turnier mit einem auf das bestehende Turnier in St. Veit Rücksicht nehmenden Termin zu etablieren – aber wird den gleich auf so solche Ideen kommen? Die Experten des IST gleich nicht!

Wer nun gleich der/die Veranstalter sind, wie hoch der Verlust tatsächlich ist und wer ihn tragen muss, dass ist dem gelernten Österreich gleich gleich – also sofort egal für die deutschsprachigen Leser. In der Ausschreibung steht der Steirische Schachlandesverband als Veranstalter, bei chess-results jedoch wird auch der ÖSB als Veranstalter mitangegeben – ob man damit die Möglichkeit schaffen möchte, dass auch der ÖSB finanziell am Ergebnis beteiligt wird, ist gleich pure Spekulation. Aber immerhin ist gleich der Präsident gleich derselbe im ÖSB und im Steierischen Landesverband.

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Aber wie mir auf inoffiziellen Kanälen von einem Experten des IST zugetragen wurde, ist auch ein möglicher Verlust von 20.000 Euro gleich kein Problem, denn erstens merken das gleich nur sehr wenige Schachspieler und irgendwo lesen kann man das gleich auch nicht. Und außerdem umgerechnet auf die gebührenzahlenden österreichischen Schachspielern ist das auch gleich wieder nur ein Betrag von 2 Euro im Jahr und darüber braucht man sich gleich wirklich nicht aufregen.

Und bringt die Krennwurzn gleich auf Gleichenberg – oder doch gleich wieder auf die Palme! Und damit ist wohl auch gleich der zweite Teil des Titels ausgiebigst erklärt und die Krennwurzn entschuldigt sich gleich für die vielen nervenden „gleichs“ im Text!

IST GLEICH !!

Schnellschach auf dem Schiff - leider erst 2015 wieder
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Montag, 24 Juni 2013 16:46

Ab in den Süden

Österreich hat einige der schönsten Turniere zu bieten, die ich kenne. Leider sind die meisten außerhalb des Landes kaum bekannt.

Kürzlich habe ich ein Schnellturnier auf einem Ausflugsschiff gespielt. Den ganzen Tag tuckerten wir auf dem Attersee, einem der schönsten Seen des Salzkammerguts herum. Abends hatte mancher einen Pokal (und ein paar Euro mehr) und mancher einen Sonnenbrand. Leider kann sich der ausrichtende Verein das Turnier nur alle zwei Jahre leisten, weil die Startgelder die Kosten nicht ganz decken. Wer Lust kriegt, soll sich den letzten Aprilsamstag 2015 jedenfalls schon mal vormerken. Von der bayrischen Grenze ist es im Auto nur eine Stunde.

Auch sehr hübsch ist das Ambiente in der Trinkhalle Bad Ischl, wo jedes Jahr an Pfingsten gespielt wird. Heuer waren schon 151 dabei.

Habe ich nicht auch etwas Aktuelles? Aber klar. Am Samstag den 29. Juni werden auf der Schönbergalm (PDF-Ausschreibung), hoch über dem Hallstätter See 4200 Euro Preisgeld ausgespielt. In der Vergangenheit kam es schon mal vor, dass sich ein Dutzend Großmeister auf die Füße traten. Wer teilnehmen will, zahlt nur für die Seilbahnfahrt. Wer die 650 Höhenmeter selbst bewältigt, nicht einmal das. Hier ein Video aus den letzten Jahren und hier noch eines.

Das Vienna Open findet nach 2003, 2006, 2009 und 2011 wieder im herrlichen neugotischen Rathaus statt, nämlich am 17. bis 25. August. Das Startgeld von 70 Euro ist vergleichsweise niedrig, und im August sind sowohl Hotelzimmer als auch Privatwohnungen von urlaubenden Wienern bezahltbar zu finden.

bannersr12013-web-anz400Dass ein Teil des Preisfonds für Österreicher reserviert ist, fällt in Wien kaum ins Gewicht. In Bad Gleichenberg (PDF-Ausschreibung) machen die Österreicherpreise schon einen recht ordentlichen Batzen aus, was vielleicht erklärt, warum man im Ausland eher wenig warb. Das neue Turnier im südoststeirischen Thermen- und Weinland, das den angestammten Termin des voriges Jahr eingestellten Opens in Oberwart übernimmt, ist leider schon vor der ersten Auflage in die Kritik geraten, weil außer Startgeld auch noch 70 Euro Organisationsbeitrag verlangt werden, wenn man kein Quartier vom Veranstalter bucht (übrigens zu sehr fairen Preisen), das wird aber nicht von Teilnehmer verlangt, die aus der Gegend kommen. Leider war es nicht möglich, für die letzten zwei oder drei Nächte das Quartier zu wechseln, sonst hätte ich gerne gespielt. Nach jetzigem Anmeldestand hat man in Bad Gleichenberg recht gute Möglichkeiten, auf Titelnormen zu spielen. Es wäre eine Bereicherung, wenn sich das Turnier trotz der Anlaufschwierigkeiten etabliert. Zumal das bisher sportlich interessante Grazer Open leider erhebliche Abstriche machen muss. 


Wer gerne badet, ist am Faaker See in Kärnten richtig. Wer gerne wandert oder mountainbikt, sei außerdem auf Schwarzach im Salzburgischen verwiesen, aber hier will ich nicht zu sehr werben. Der Turniersaal war in der Vergangenheit auch mal zu klein für die Teilnehmerzahl und erwärmte sich in für einige wenig erträglichem Maß. Und als Eintagestour im österreichisch-tschechischen Grenzland, auch von Bayern nicht weit, das Braunberger Hüttenturnier (auf den Fotos soll auch die Krennwurzn zu sehen sein...) im Juni 2014 wieder.

 

Nichterfolgter Machtwechsel
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Dienstag, 23 April 2013 20:35

Nichterfolgter Machtwechsel

...in Österreich oder Äwigkneiper‘s Unglück und Ende – wohl das letzte nicht gegebene Interview mit dem noch ungeborenen möchegern Nachfolger des österreichischen Schachpräsidenten.

Die Krennwurzn sitzt wie üblich bequem vor dem Computer, da läutet das Telefon nicht, die Krennwurzn hebt nicht ab und hört nicht:

Äwigkneiper: Hallo Krennwurzn, Äwigkneiper hier ...

Krennwurzn: HaHoHiHu (die Krennwurzn biegt sich vor Lachen) Äwig – HaHoHiHu –kneiper- HaHoHiHu (der Ausbruch der dämlichen Heiterkeit lässt sich kaum bremsen)...

Äwigkneiper: Krennwurzn, jetzt reißen Sie sich zusammen, hier spricht Ihr designierter, ungeborener, zukünftiger Präsident!

Krennwurzn: mein zukünftiger ... HaHoHiHu ...(die Krennwurzn rollt sich am Boden vor Lachen)

Äwigkneiper: Also ich finde das nicht zum Lachen und weil ich niemand anderen habe als Sie, muss ich meine Sorgen widerwillig mit Ihnen besprechen, falls Sie überhaupt in der Lage sind...

Krennwurzn: ja ... HaHi... legen Sie los – wo drückt der Schuh?

Äwigkneiper: Nun gut informierte Kreise haben doch gesagt, dass der Präsident des ÖSB seine letzte Amtsperiode angetreten hat und nun wurde er am Wochenende doch wieder zu einer weiteren Amtsperiode gewählt!

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Quelle: Homepage Österreichischer Schachbund ÖSB

Krennwurzn: Naja, da Sie noch nicht geboren sind, kann man keine Lebenserfahrung von Ihnen erwarten, aber in Österreich kommt nach der letzten Amtsperiode sicherlich noch die allerletzte ...

Äwigkneiper: und dann werde ich endlich Präsident?

Krennwurzn: Wo denken Sie da schon wieder vorschnell hin, nach der allerletzten kommt die allerallerletzte und dann die alleralleraller...

Äwigkneiper: Genug, genug – schweigen Sie! Wann bin ich nun definitiv an der Reihe?

Krennwurzn: Da ist wohl etwas Geduld angesagt, unser Präsident ist Jahrgang 1929 und die österreichische Zukunftshoffnung für fast alles Frank Stronach (*1932) ist doch noch einmal drei Jahre jünger, da kann das noch ein wenig dauern, denn der muss bevor er Schachpräsident wird noch Bundeskanzler und Bundespräsident werden!

Äwigkneiper: Was hat der, was ich nicht habe? Und warum wird er mir vorgereiht?

Krennwurzn: Der Stronach ist gebürtiger Steirer und hat damit das uneingeschränkte Recht vor Ihnen an die Reihe zu kommen.

Äwigkneiper: Aber der ist auch nicht mehr so jung?

Krennwurzn: Ja das schon, aber er ist immerhin zwei Jahre jünger als Bernie Ecclestone (*1930) und der schaukelt auch noch die Formel eins.

Äwigkneiper: Das schon, aber mit welchem Recht werden mir überhaupt Steirer vorgezogen?

Krennwurzn: Da sieht man wieder einmal: Ihnen fehlt nicht nur die Erfahrung, Sie wissen ganz und gar nicht was österreichisch bedeutet! Bei uns muss sich nur die Masse an Gesetze und Ordnungen halten, wer aus der Masse heraussticht, für den gilt nur die eigene Meinung – aber sicherlich kein Gesetz!

Äwigkneiper: Ja, ja ... das weiß ich ja alles – aber ich bin ja ein Überösterreicher, ein Allesbundesländler, ein Allösterreicher! – Wie lange wird es dann noch dauern?

Krennwurzn: Also Herr Äwigkneiper – aber das muss jetzt wirklich unter uns bleiben: die Herren sind allesamt noch ziemlich fit, da würde ich schon noch mit mindestens gut 10-15 Jahren rechnen ...

Äwigkneiper: aber dann bin ich ...

Krennwurzn: Keinesfalls, denn dann kommt ein weiterer Steirer ins präsidentenhoffnungsfähige Alter und gegen den haben Sie keine Chance!

Äwigkneiper: Wer soll denn das sein? Sind Sie betrunken, liebe Krennwurzn?

Krennwurzn: Arnold Schwarzenegger (*1947) ist dann auch schon über 80

Äwigkneiper: Ein „Äktionhoid“ – Krennwurzn sie erheitern mich, bleiben Sie doch seriös!

Krennwurzn: Ja, ein Schauspieler, ein Gouverneur, aber auch ein Schachspieler – sehen Sie selbst!

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Äwigkneiper: Um Gottes Willen – ja!

Krennwurzn: Und ein weltbekannter Steirer noch dazu!

Äwigkneiper: Aus – ENDE SCHLUSS – ich gebe mich geschlagen und verzichte auf das Ziel Präsidentenamt, ABER ich komme jetzt sofort auf die Welt und werde Österreichs erster Schachweltmeister!!

Kennwurzn: Aber halt, nicht so schnell .... klick (Äwigkneiper hat aufgelegt) ... das war doch schon Wilhelm Steinitz!!

 

Zimmerunsitte
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Donnerstag, 18 April 2013 16:52

Zimmerunsitte

Keine Angst das ist kein Artikel mit Content 18+ aber dennoch könnte man Angst bekommen, denn eine Unsitte mit Unterkünften sich ein zusätzliches Körberlgeld zu erwirtschaften, hat nun auch Mitteleuropa erreicht. Waren derartige Machenschaften bisher nur auf diversen FIDE-Veranstaltungen in fernen Ländern (ein Beispiel unter vielen die Olympiade in Istanbul) bekannt und mussten die Verbände dort tiefer als üblich in die Tasche greifen, so hat diese Unsitte nun auch Österreich erreicht.

Wegen diverser Probleme – unter anderem bei der Preisgeldauszahlung - strich im Vorjahr das Turnier in Oberwart die Segel und den nun frei gewordenen Termin schnappte sich der steirische Landesverband und organisiert im malerischen Bad Gleichenberg das Internationale Styrian Open 2013 mit guten Preisgeldfond und auch guten Angeboten für Unterkünfte – wäre da nicht nur meiner Meinung nach unnötiger Passus in der Ausschreibung enthalten:

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Wer also seine Unterkunft – aus welchen Gründen auch immer – nicht über die Organisation bucht, muss eine Gebühr von 70 Euro zusätzlich zum maximalen Nenngeld von 70 Euro entrichten. Nach heftigen Diskussionen im Netz Februar/März 2013 machte die Krennwurzn den Veranstaltern den Hinweis, dass dieser Passus im Widerspruch zum Dienstleistungsgesetz (DLG) und damit europäischen Normen stehen könnte.

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Anstatt die rechtlichen Rahmenbedingungen überprüfen zu lassen und die Ausschreibung noch rechtzeitig zu korrigieren, veröffentlichte der Veranstalter ein Statement auf der Seite des Schachlandesverbands Steiermark

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in dem die Kritiker bezichtigt werden „nicht alle Aspekte der Ausschreibung korrekt darzustellen“ und es wurde auch kommuniziert, dass man möglicherweise auch rechtlich gegen diese negative Stimmungsmache könnte. Nun ist die Krennwurzn am Schachbrett anerkannterweise eines der ängstlichsten Wesen des Universums, kennt aber andererseits keinerlei Angst, wenn man unterschiedliche Meinungen und Gerechtigkeitssinn durch Drohungen abwürgen möchte. Also schrieb sie den Sachverhalt an das österreichische Konsumentenschutzministerium.

Und siehe da: dieses sieht sehr wohl ein Verstoß gegen § 23 DLG:

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Auch das Argument, dass das DLG nicht für Vereine gelten sollte, wie vom Veranstalter eingebracht, wurde in der Stellungnahme abschlägig beurteilt. Als ich diese Erkenntnis dem Veranstalter telefonisch vorab mitteilte war das Gesprächsklima sehr unterkühlt und ich konnte keine Bereitschaft erkennen, dass der Passus abgeändert werden könnte – also blieb der Krennwurzn nur der traurige Weg dies einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sollten die Veranstalter diesen Passus nicht abändern, so steht jedem Betroffenen der Weg offen den wohl zu Unrecht bezahlten Organisationsbeitrag nachträglich vom Veranstalter auf gerichtlichem Weg zurückzufordern – ich hoffe aber immer noch, dass dies nicht notwendig werden wird.

Warum ist die Krennwurzn nicht früher damit an die Öffentlichkeit gegangen und was stört die Krennwurzn an diesem Passus?

Fangen wir mit dem Einfacheren an: die Krennwurzn ist zwar ein kritischer Geist, liebt aber das Schach und die Heimat sehr und möchte zudem niemanden Unrecht tun, der sich für das Schach einsetzt. Auch sind mir die Probleme und Risiken einer Turnierveranstaltung nicht fremd und ich möchte niemanden unnötig Steine in den Weg legen. Also habe ich – wohl vergeblich - gehofft, dass man diesen Organisationsbeitrag einfach streichen wird.

Ausdrücklich möchte ich betonen, dass ich das Unterkunftsangebot des Veranstalters als gut und auch preislich in Ordnung finde – wahrscheinlich sehen dies die meisten Schachfreunde auch so und werden sich für das Angebot entscheiden. Aber es ist nicht ersichtlich, dass jene (wenigen), die aus verschiedensten Gründen dieses Angebot nicht in Anspruch nehmen möchten eine zusätzliche „Organisationsgebühr“ zahlen sollten.

Die Südoststeiermark ist ein wunderschönes Urlaubsgebiet und viele haben dort ihre „Stammquartiere“ – also Unterkünfte in denen sie gerne nächtigen, wenn sie diesen wunderbaren Flecken Österreichs besuchen und die sie auch nützen wollen, wenn sie das Schachturnier in Bad Gleichenberg mitspielen wollen. Ebenfalls möglich ist, dass man bei Verwandten oder Freunden nächtigt und im Sommer darf man auch die Camper nicht außer Acht lassen, die die schöne Jahreszeit nützen möchten, usw...

Ferner sollte man aus touristischer Sicht auch bedenken, dass einige dann möglichweise länger bleiben als „nur“ zum Schachturnier. Neben den allbekannten Locations wie der Riegersburg, die Schokolademanufaktur Zotter und unzähligen Weinbauern mit hervorragenden Tropfen findet man im Süden auch Kren(Meerrettich)felder und wie geneigte Leser wissen, kocht die Krennwurzn gerne mit dieser hervorragenden Zutat – siehe „Steierisches Wurzelfleisch“ am Ende des Artikels über CB12. Und weil es gerade passt noch ein paar Tipps für Kulinariker aus persönlicher Erfahrung der Krennwurzn: herrlichen Wein und diverse Produkte vom Wollschwein bekommen sie beim Weingut Krispel und hochwertigen Essig und Hochprozentiges bei Gölles! Nebenbei brauchen Sie keine Angst haben rund um das Schachturnier auf die Krennwurzn zu stoßen, weil diese keine Sommeropen spielt – aber im Herbst, wenn die Nebel über die Landschaft huschen, dann kann es schon sein, dass die Krennwurzn in der Südoststeiermark zu Besuch ist!

Aber verlassen wir die süßen Träume und kommen wir nun zum unternehmerischen Risiko: ja das besteht für ein Schachturnier und es ist bekannt, dass ohne öffentliche Förderungen es sehr schwer ist, ein solches zu veranstalten. Aber kann es langfristig sinnvoll sein, mündige Konsumenten mit einer - sagen wir es etwas flapsig – „Strafzahlung“ zur Annahme eines Angebotes „zu zwingen“?? Nein, das ist keine tragfeste Strategie und schadet mehr als sie kurzfristig nutzt, wenn beispielsweise ein Schachfreund, der die Ausschreibung nicht genau gelesen hat und schon ein anderes Quartier gebucht hat, dann zähneknirschend nochmals 70 Euro extra hinblättern muss. Auch sollte man bedenken, dass dies auch Teilnehmer a priori abschrecken kann, weil das Turnier – wenn auch ungerechtfertigterweise – in falsches Licht gerückt werden könnte. Möglicherweise muss man dann ein höheres Nenngeld verlangen, aber dies ist dann für alle unabhängig vom Wohnsitz und gebuchter Unterkunft gleich und der Konsument kann frei entscheiden!

Daher sagt die Krennwurzn „NO“ zur Zimmerunsitte, die in manchen Teilen der Welt hingenommen werden muss, vor der uns aber die EU-Gesetzgebung schützt - denn ein Unterscheidungsmerkmal der freien Welt ist: freie Wahlmöglichkeit und möglichst wenig Zwang!

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Blick auf Lienz - Hintergrund Lienzer Dolomiten
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Sonntag, 17 Februar 2013 19:36

Lienz 2013 – Kontumaz im Morgengrauen

Alle zwei Jahre findet im schönen osttiroler Städtchen Lienz ein gut besuchtes Schachturnier statt. Lienz ist das nicht die Heimatstadt der Krennwurzn? Nein – natürlich nicht: das ist das größere Linz an der Donau – das schönere Lienz liegt an der Drau, die später in Kroatien in die Donau fließt. Und zu schnell ist auch die Kontumazzeit für einen serbischen und zwei kroatische Schachfreunde verflossen, denn sie kamen erst über eine halbe Stunde nach Rundenbeginn um 9 Uhr an die drei Spitzenbretter und staunten zuerst sehr, dass sie die Partien bereits verloren hatten, denn die Kontumazzeit beträgt bei diesem Turnier 15 Minuten und die waren schon lange vorbei.

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Sicherlich schaut es sehr ungewöhnlich aus, wenn die ersten drei Bretter ohne sportlichen Kampf entschieden werden und damit schon nach wenigen Minuten der österreichische IM Andreas Diermair vor GM Rainer Buhmann über den alleinigen Turniersieg freuen konnte. Nur GM Nikola Sedlak aus dem Trio erreichte trotzdem noch den dritten Rang.

Aber wie konnte es dazu kommen? Das Turnier in Lienz ist vorbildlich organisiert und neben einem umfangreichen Rahmenprogramm wird den Teilnehmern auch ein Shuttlebus von den Quartieren zum Turniersaal zur Verfügung gestellt – ebenso wird vor Rundenbeginn zweisprachig auf den Rundenbeginn am nächsten Tag hingewiesen und auch die Ausschreibung wurde nicht abgeändert. Es lag also alleine in der Verantwortung der Großmeister, die gemeinsam in einem Privatquartier nächtigten und von diesem auch mit dem privaten Pkw zu den Runden anreisten, dass es zu diesem verspäteten Eintreffen kam, weil alle drei dachten, dass Rundenbeginn 9:30 Uhr sei.

Sind Sie neugierig geworden wie es unter der Nebeldecke aussieht? Dann schauen Sie doch mal vorbei in Lienz einem herrlicher Ort zum Urlaub machen! Und zwar das ganze Jahr über nicht nur für Wintersportler und Wanderer – so kann man im Museum Schloss Bruck auch Werke des bekannten Malers Albin Egger-Lienz (1868 - 1926) bewundern. Aber lassen Sie es nicht erzählen - fahren Sie selber hin und machen Sie sich Ihr eigenes Bild - Sie werden es nicht bereuen! Lienz ist immer eine Reise wert und in ungeraden Jahren im Februar findet sich dort viele Schachfreunde zu einem Turnier ein.


Kleiner Nachtrag zur Sprachkunde: Kontumaz ist ein österreichischer Begriff für das Nichtantreten zu einer Schachpartie!

Der österreichische Weg
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Sonntag, 11 November 2012 10:53

Der österreichische Weg

11.11 und 11 Uhr 11 Faschingsbeginn – Achtung Deckung! - die Krennwurzn spricht wohl wieder mit Äwigkneiper. Beruhigen Sie sich, die Lage in Österreich hat sich total verändert: ein 80jähiger austrokanadischer Milliardär gilt als große politische Zukunftshoffnung (Team Stronach), da kann ein nur drei Jahre älterer Schachpräsident doch kein Ablösekandidat mehr sein und damit bleibt diesmal der „schräge“ Äwigkneiper im Phantasiejenseits, denn die Schachrealität übertrifft jede Satire um Längen.

Es gibt schon jahrelang einen rückläufigen Trend bei den Schachspielern und da hat der ÖSB natürlich eine tolle Lösung gefunden: die verbliebenen Schachspieler dürfen bei mehreren Vereinen spielen! Diese Regelung gab es schon lange, aber heuer wurde von einem Gastverein auf zwei Gastvereine erweitert und zudem darf man auch im eigenen Bundesland Stamm- und Gastspieler sein!

2.3 Einzelspieler - Quelle: TUWO

a. Ein Spieler kann nur für einen (1) Verein und damit für einen (1) LV eine Stammspielberechtigung besitzen. 

b. Ein Spieler kann, sofern der betreffende LV zustimmt, zusätzlich als Gastspieler für zwei (2) weitere Vereine in einem Mannschaftsbewerb eingesetzt werden. Diese Vereine können demselben oder einem anderen LV angehören.

c. Die Teilnahme an der Damen-Bundesliga zählt nicht als Spielberechtigung für einen bestimmten Verein.

Eine weitere Besonderheit ist, dass es in Wien zusätzlich die Betriebsliga gibt und auch dort darf jeder Schachspieler noch bei einer Betriebsmannschaft spielen. Ein österreichischer Schachspieler kann also für max. vier Vereine spielen – eine Dame theoretisch sogar für fünf – denn obwohl einmalig (Saison 2011/12) gibt es weiterhin die Spielberechtigung für die Damenbundesliga mit Zweiermannschaften im Regelwerk! Durchführen muss man sie ja nicht, Hauptsache es gibt eine Spielberechtigung – so lautet die Expertise des IST (Instituts für sinnlose Turniere), dem wir Innovationen wie die oben schon erwähnte Damenbundesliga und die leider noch nicht im Guinnessbuch der Rekorde eingetragene Turnierserie ohne Teilnehmer und noch vieles mehr zu verdanken haben! Achtung - wer nach „IST Austria“ googelt wird nur das Institute of Science and Technology Austria finden – zwar ebenfalls eine Forschungsstätte, aber unbedeutend im Vergleich zum Unauffindbarem!

Aber dies ist nicht die einzige Besonderheit des Schachs in Österreich - blickt man in die österreichische Eloliste, dann findet man dort 25.000 Schachspieler – ganz schön viel auf den ersten Blick und sicherlich mehr als in Deutschland an der Bevölkerung gemessen! Schaut man genauer bemerkt man aber, dass man hier Zählanleitungen bei den Griechen genommen haben dürfte, denn davon scheinen 13.000 als abgemeldet und weitere 2.000 bei keinem Verein gemeldet auf! Von den nunmehr verbliebenen 11.000 Nettoschachspieler sind 9.000 Stammspieler und jeweils 1.000 Gast- und Betriebsligenspieler. Mit der Gastspielerregelung hat man einen genialen Coup gelandet, zumal weiterhin Potential auf Vermehrung von Spielberechtigungen vorhanden ist. Natürlich ist das bei genauer Betrachtung für die Vereine nicht so wirklich toll, denn die Bindung an einen Verein und damit das Vereinsleben und Überleben wird nicht wirklich gestärkt, wenn Mitglieder auch in anderen benachbarten Vereinen spielen dürfen. Der für die Bundesligen geltende Spruch „es steigen nur Vereine ab, die Spieler bleiben in der Bundesliga“ gewinnt damit nun auch in unteren Spielklassen Gültigkeit – das Legionärswesen wird nach unten exportiert.

Im Bundesland Oberösterreich gibt es beispielsweise nur die Einschränkung, dass man in der Klasse in der man Stammspieler ist, nicht als Gastspieler spielen darf – es wird nur verhindert, dass man gegen sich selbst spielen könnte, aber in einer anderen Klasse kann man als Gastspieler gegen seinen Stammverein spielen. Das erscheint doch einige - auch menschliche Probleme zu verursachen – aber dem ÖSB geht es ja wohl nicht um die Vereine, sondern eher um Beiträge und Spielerzahlen, denn ein Gastspieler bringt ähnlich viel in die Kassen wie ein Stammspieler - und so hält man die Meisterschaften leichter am Laufen. Eine zusätzliche Hilfe sind die variablen Spieltermine von Freitag bis Sonntag- so kann, wer möchte dreimal am Wochenende eine Meisterschaftspartie für verschiedene Vereine spielen. Ein Paradies für Vielspieler und Möchtegernprofis – aber eine organisatorische Herausforderung für die jeweiligen Mannschaftsführer, denn dieser kann nie genau wissen, wer gerade wann für welche Mannschaft in welchem Verein spielen wird.

Und dann könnte man ja noch auf „äwigkneiperische“ Ideen kommen: beispielsweise eine Zwangsspielberechtigungen einführen, jeder gemeldete Spieler muss mindestens eine Meisterschaftspartie pro Wochenende spielen – für verschiedene Vereine versteht sich von selbst – notfalls nach Bedarf natürlich auch noch mehr! Und auch die Damenbundesliga könnte man nach der Pause in dieser Saison 2013/14 wiederbeleben indem man den Herren Gastspielberechtigungen für die Damenbundesliga gibt – dies wäre nicht nur logisch und konsequent, sondern trägt auch dem Gedanken der Gleichberechtigung Rechnung, denn Damen dürfen ja auch in der Herrenbundesliga spielen!

Man kann nur wirklich nur gespannt warten, welche bahnbrechenden Ideen das IST (Instituts für sinnlose Turniere) in den kommenden Jahren ersinnen und in die Praxis einführen wird – jedenfalls ist der Weg klar vorgezeichnet: in wenigen Jahren wird es dank kreativer Spielberechtigungen in Österreich mehr Schachspieler als Einwohner geben – einen frohen Fasching wünscht die Krennwurzn allen SchachfreundInnen!

Werner Was-springt-für-mich-raus Stubenvoll
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Freitag, 17 August 2012 06:21

Ausschreiben auf österreichisch

34mal hat das Oberwarter Open stattgefunden. Es gibt nicht viele Opens, die auf eine so lange Tradition zurückblicken. Eine 35. Auflage wird es in dem Ort, der durch eine der meistverkauften Liveaufnahmen Popgeschichte schrieb, wohl nicht geben. Sonst hätten sich die Veranstalter Werner Stubenvoll und Siegfried Posch nicht einen solchen Schmäh bei der Preisgeldausgabe oder vielmehr Preisgeldeinbehaltung erlaubt und damit den Ruf der Veranstaltung ruiniert und den des burgenländischen Städtchens befleckt. Was soll man sagen: Live is life? Oder doch Nanananana?

 

"Doppelpreise sind nicht möglich, es wird der höhere Preis ausbezahlt", heißt es in der Ausschreibung. Üblich ist dann, und so war es auch in Oberwart in der Vergangenheit, dass der niedriger dotierte Preis an den Nächstgereihten geht. Stubenvoll und Posch haben den jeweils niedrigeren Preis einfach einbehalten. Am Beispiel des Turniersiegers erklärt: Peter Schreiner kassierte 1233 Euro als Wertungserster, die für den besten Österreicher ausgelobten 800 Euro verfielen (Schlusstabelle). Insgesamt behielt das bauernschlaue Duo so mehr als 2000 Euro von den ausgelobten Geldern ein. Sonst hätten sie an der Veranstaltung nämlich nicht gut genug verdient. Dass sich irgendeiner der Zukurzgekommenen sein Geld auf juristischem Weg holt, oder gar alle zusammentun, ist nicht bekannt und wäre wohl in der auf dem ÖSB-Forum geführten Diskussion aufgeschienen.

 

Stattdessen haben sich einige erst einmal hilfesuchend an den Österreichischen Schachbund gewandt. Immerhin ist Stubenvoll Vorsitzender von dessen Technischer Kommission, also oberster Regelhüter im österreichischen Schach, und seine Auslegung von Ausschreibungen die einzig gültige, wie ich aus eigener Erfahrung weiß*. Doch der ÖSB erklärte sich für nichtzuständig, weil das Turnier eine Privatveranstaltung gewesen sei. Wenn Ausschreibungen österreichischer Opens künftig nach Oberwarter Weise zu verstehen sind, also Spieler wohlmöglich davon ausgehen müssen, dass alles im Sinne der Veranstalter zu lesen ist, bedeutet das freilich ein PR-Problem für den gesamten Openstandort Österreich. Aber die anderen Veranstalter freuen sich wohl erst einmal, dass mit Oberwart ein Wettbewerber vom Markt verschwindet.

 

Auch Siegfried Posch war früher Funktionsträger beim ÖSB. Wenn mich nicht alles täuscht für Marketing. Er hat keinen Ruf mehr zu verlieren. Um für seine Mannschaft Fürstenfeld das Geld zusammenzukratzen, ist ihm inzwischen fast jedes Mittel recht. Ohne ausreichende Kenntnisse der Technik verkauft er Liveübertragungen, die immer wieder zusammenbrechen. Dass er in der österreichischen Bundesliga zuletzt trotzdem oft zum Zug kam, lag an einem Marketingkniff: Er engagierte den Leiter der Liga, natürlich kein anderer als Werner Stubenvoll, als Übertragungshelfer. Mit dem Herrn der Regeln wollten sich die ausrichtenden Vereine natürlich gut stellen und engagierten lieber Posch und Stubenvoll als den zuverlässigen aber machtlosen Karl Theny. Dass Stubenvoll ohne Zusatzeinnahmen durch die Übertragung an der Bundesliga nicht genug verdient, wird von den Vereinen anscheinend hingenommen. Es gäbe in Österreich vielleicht auch fähige Schiedsrichter mit, sagen wir mal, geringeren finanziellen Ansprüchen.

 

*Als ich voriges Jahr ein kleines Einladungsturnier in Wien veranstaltete, musste ich Stubenvoll eine Ausschreibung schicken. In dem eigentlich allein für die offizielle Dokumentation erstellten Brief vergaß ich die Karenzzeit zu erwähnen. Dass ich alle Teilnehmern in den Einladungen informiert hatte, dass wir keine Nullkarenz anwenden, war Stubenvoll ebenso egal wie, dass ich nach Bemerken des Formalfehlers von allen Teilnehmern vor dem Turnier die Zustimmung einholte, die vergessene Karenzzeit auf eine Stunde zu setzen. Nein, wir mussten mit Nullkarenz spielen. Sonst würde er dafür sorgen, dass die Turnierresultate nicht anerkannt werden. Dass Stubenvoll auch noch zwei Stunden vor der ersten Runde unangemeldet auftauchte (ich war nach dem morgendlichen Aufbauen duschen gegangen) und sich bei der Geschäftsführerin des Designkaufhauses Stilwerk polternd beschwerte, dass eiligst ein Turnierleitertisch herzurichten sei, fand ich auch nur bedingt hilfreich. So lange Stubenvoll reinpfuschen darf, werde ich mich als Veranstalter zurückhalten. Dabei sollte ich ihm eigentlich dankbar sein. Der einzige Fernsehbeitrag über die von mir in Wien ausgerichtete Bundesligarunde wäre ohne ihn wohl nicht sendereif gewesen.

Wollen haben
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Donnerstag, 01 März 2012 12:21

Wollen haben

Ein wenig sind wir Österreicher wie kleine Kinder – alles was andere haben, wollen wir auch haben und dabei wird schnell vergessen, dass wir seit fast 100 Jahren keine regionale Großmacht sondern ein Kleinstaat sind. Wir leisten uns neben den althergebrachten Universitäten und einer Akademie der Wissenschaften auch noch das Institute of Science and Technology Austria (IST Austria) welches kürzlich mit einer Milliarde Euro ausgestattet wurde während die anderen Universitäten unter akutem Geldmangel leiden. Allerdings muss gesagt werden, dass das IST wunderbar liegt und man der Gegend um Maria Gugging bei einer Wienreise unbedingt einen Besuch abstatten muss.

Aber was hat das mit Schach zu tun? Zuerst einmal das „Wollen haben“ – auch wenn die Voraussetzungen dafür nicht so gegeben sind wie anderswo. Zudem hat die Krennwurzn fieberhaft nach einem zweiten österreichischen IST gesucht, es aber trotz Google, Wikipedia & Co nicht gefunden: das Institut für Sinnlose Turniere!

Dass es dieses geben muss ist klar, denn schon im Vorjahr berichtete die Krennwurzn hier über eine Turnierserie ohne Teilnehmer, die der ÖSB mit großem Werbeaufwand ohne tieferes Konzept ins Leben gerufen hat und dann nicht einmal für die Eintragung ins Guinness-Buch der Rekorde für die längste und größte Meisterschaftsserie ohne Teilnehmer gesorgt hat.

Nun startet heute ein weiteres Meisterwerk aus dieser unauffindbaren IST Schmiede: eine Damenbundesliga auf zwei Brettern mit acht Mannschaften. Die Experten des IST ÖSB – damit keine Verwechslung mit dem IST Austria – entsteht, haben messerscharf erkannt, dass wir keine Damenbundesliga haben und siehe „Wollen haben“ wurden sofort die Planungen gestartet. Da einerseits eine Bundesliga auf einem Brett eine Einzelmeisterschaft ist und andererseits für eine Bundesliga auf vier Brettern das Wesentlichste fehlt: nämlich die Damen und man nicht die Vorjahresleistung eines Turniers ohne Teilnehmer kopieren wollte, war es nur allzu logisch eine Liga mit der theoretisch minimal möglichen Mann- oder hier korrekterweise Frauschaftsstärke von ZWEI ins Leben zu rufen.

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Immerhin treten acht Mannschaften an und die Kaderliste umfasst 32 Spielerinnen von denen fast die Hälfte weniger Elo als die Krennwurzn hat und die Krennwurzn ist eben eine ebensolche, weil sie (die Wurzn – nicht der Wurz wie die Deutschen so gerne sagen) sprechen wir es mal ganz nett aus: schachlich absolutes Mittelmaß ist und fügen wir korrekterweise hinzu, dass dies für den Hobbybereich gilt. Selbst die allgemeine österreichische Großmannssucht lässt hier keine Chance auf eine sentimental favoritische Annäherung an den Profibereich zu.

Es ist klar, dass die Frauen ein Hoffnungsmarkt für Schach sind und daher gefördert werden müssen, denn was gerne vergessen wird, ein nicht unwesentlicher Teil des Erfolges der westlichen Welt liegt eben auch darin, dass wir - gezwungen durch zwei Weltkriege – erkannt haben, dass es kontraproduktiv ist, auf das Leistungspotential von 50% der Menschheit freiwillig zu verzichten.

Ob aber Maßnahmen wie diese Damenbundesliga, deren sportlicher Wert sehr beschränkt ist, wirklich hilfreich sind, wage ich zu bezweifeln, denn wer die zu Fördernden der „Lächerlichkeit“ Preis gibt, ist meiner Meinung nach schlimmer als jeder Chauvinist! Wir haben nicht nur zu wenig Damen im Schach, sondern wir haben vor allem nicht genug starke Damen für eine Bundesliga und da hilft auch kein „Wollen haben“ und die anderen haben das auch schon weiter: uns fehlen einfach die Voraussetzungen und das muss man vorerst einmal so akzeptieren. Die stärkste Dame IM Eva Moser trifft bei den sieben Begegnungen auf einen maximalen Eloschnitt von 2032 am ersten Brett – das ist das Niveau von Erstrundengegner bei Open und keine sportliche Herausforderung!

d2eva(Elo Gegnerinnen IM Moser)

Ausgetragen wird die Damenbundesliga parallel zur Bundesliga und startet heute bei einem Schachgroßevent in St. Veit/Glan: dort spielen Bundesliga, 2. Bundesliga Mitte und Damenbundesliga in der Blumenhalle bis Sonntag 4. März 2012. Dass es dabei zu einer Terminüberschneidung mit der Fraueneuropameisterschaft 1-14. März in der Türkei kommt, ist nur eine weitere Fußnote der perfekten IST Planung.

Frauen gehören im Schach gefördert, das ist klar, denn um unseren schönen Sport am Leben zu erhalten und nicht immer über sinkende Mitgliederzahlen in Vereinen und Verbänden jammern zu müssen, ist es ein Gebot der Stunde nicht auf 50% der Menschheit als potentielle Mitglieder zu verzichten. Da haben wir starken Aufholbedarf und müssen dennoch behutsam vorgehen und nicht Alibimaßnahmen setzen, die im schlimmsten Fall abschreckend wirken können, sondern uns Gedanken machen, wie wir Schach auch für Frauen attraktiv machen können – aber das wäre Stoff für eine eigene Geschichte und wohl besser für eine Autorin!

Abschließend möchte ich anmerken, dass ich die Trennung in Damen und Herrenbewerbe im Schach als die schlimmste Diskriminierung überhaupt empfinde. Denn – und da schließt sich der Kreis zum IST Austria – im Denken haben die Frauen keinen Nachteil! Oder gibt es Institute für weibliche Mathematik oder den Abschluss Diplomingenieurinnen für Informatik bereits nach dem ersten Studienabschnitt, weil ... ja sprechen wir es in aller Härte aus: Frauen sowieso nicht das Zeug zu einem echten Diplomingenieur haben!

Es ist gut, dass uns Frauen wie Judith Polgar und viele Topwissenschaftlerinnen zeigen, dass dieses männliche Haltung nicht nur falsch und stark veraltet, sondern steinzeitlich ist!

Samstag, 11 Februar 2012 01:24

Unter Killern und Womanizern

Vor kurzem hab ich in Wien ein unbedeutendes Schachdings organisiert. 34 Großmeister dabei, nicht weiter der Rede wert. Die Schachkommunisten der Tageszeitung Standard haben es schon richtig eingeordnet mit den Stichwörtern "Verdorfung" (Wien) und "Virtualisierung" (so viele Zuschauer wie ewig nicht). Na ja, eine massenmediale Einrichtung (ORF 1) meinte aber, wahrscheinlich von wegen öffentlich-rechtlichem Bildungsauftrag, das ganze nicht links liegen lassen zu dürfen, und schickte ein dreiköpfiges Team. Angeführt von einem weißgekleideten Herrn, der sich Hermes nannte, taten sie ihr Bestes, die für die Reduktion des Veranstalterdefizits dringend benötigen Gastroerlöse durch die frühzeitige Konsumation geistiger Getränke anzukurbeln, und holten sich anschließend einige Zuschauer, den Schiedsrichter und auch zwei Spieler vor die Kamera, damit die Fernsehzuschauer mal was Wichtiges über Schach erfahren. Etwa, was ich auch noch nicht wusste, dass in Österreich anscheinend nicht mattsetzen sondern töten gesagt wird oder wie ein Schachspieler eine Frau aufreißt. Unter Killern und Womanizern ist man also bei so einer Schachliga, so so. Vielleicht keine Sternstunde des Fernsehens beim Schach aber doch irgendwie sternige dreieinhalb Minuten in der ORF1-Late-Night-Show Willkommen Österreich (Sendetermin 9. Februar) kamen heraus:

bannerendspiel anzDass der Österreicher Schach für eine ernste Angelegenheit hält, ist somit geklärt. Darüber darf man sich von Thomas Stipsits Kabarettabend "Bauernschach" (hier der Trailer) nicht täuschen lassen. Danke (ach, sind wir jetzt schon im Werbeblock?) an den Stadtsaal Wien, wo der Stipsits das Programm im Februar jeden Sonntag spielt, der so blöd nett war, fürs Aufhängen von einigen Plakaten und Auflegen einiger Waschzettel sechs Freikarten (für meine Helfer) rauszurücken. Und an die Firma Hoanzl, der eine DVD-Aufnahme davon zu einem unverschämten Preis vertreibt. Aber der von Stipsits gerettete Originaltext des von Falco zu "Jeannie" umgedichteten Heulers ist es wert: Chess is just a little boring game in a cold, cold world....

Fasching Elfelf
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Freitag, 11 November 2011 11:42

Fasching Elfelf

Im Rahmen des Villacher Faschings der wohl bekanntesten Fasching Veranstaltung Österreichs traf die nichtanwesende Krennwurzn den ungeborenen designierten Nachfolger Herrn Äwigkneiper des ÖSB (Österreichischer Schachbund) Präsidenten zu einem nichtgegebenen und unautorisiertem Interview über das österreichische Schach. Leider meldete sich dieser am 1. April wieder und drohte ein neuerliches Interview für 11.11.11 natürlich um 11.11 an.

Krennwurzn: (Zitternd die Sekunden zählend) 11 Uhr 11 und 1,2, - Hoffnung keimt auf – der Äwigkneiper könnte den Termin vergessen haben – 9, 10, ...

Äwigkneiper: 11 – punktgenau am 11.11.11 um 11 Uhr 11 und 11 Sekunden bin ich da – das nenne ich Pünktlichkeit – ich bin ein Unterstützer der Nullkommanulltoleranzregel! Warum sind Sie so bleich?

Krennwurzn: Kren ist im Inneren nun mal weiß, auch wenn er außen oft ein wenig schmutzig ist, aber es zählen ja die inneren Werte oder nicht?

Äwigkneiper: Lenken Sie mich nicht vom Thema ab! Nullkommanulltoleranz bedeutet, dass in Zukunft nicht nur Spieler kontumaziert werden, die zu spät zur Partie kommen, sondern auch jene, die zu früh am Brett erscheinen. Diese Unhöflichkeit gegenüber den Schiedsrichtern und Veranstaltern muss ein Ende haben! Spielbeginn 10 Uhr bedeutet nun einmal exakt 10 Uhr und nicht 9 Uhr 59 und 59 Sekunden!

Krennwurzn: Ja, aber startet nicht der Schiedsrichter die Runde und kann das nicht auch um 10 Uhr 2 Minuten sein?

Äwigkneiper: Warum sollte er?

Krennwurzn: Weil vielleicht der Hauptsponsor, der Bürgermeister oder sonst ein Prominenter noch nicht da ist – oder weil er selbst zu spät kommt bzw. seine Uhr nicht genau geht!

Äwigkneiper: Die Erstgenannten interessieren mich nicht – außerdem die gibt es beim Schach praktisch nicht. Kommt aber der Schiedsrichter zu spät wird er kontumaziert und die Spieler logischerweise auch gleich mit.

Krennwurzn: Ok - wechseln wir das Thema: in unserem Nachbarland Deutschland weht ein neuer Wind – Schachpräsident ist dort ein wenig überraschend ein ganz passabler Turnierspieler aus dem Saarland geworden. Nun spielen die Deutschen nach früheren Streitereien bei der EM in Griechenland mit einer starken Mannschaft sogar an der Spitze mit.

Äwigkneiper: Und Sie tippen immer 4-0 für die Gegner – dafür muss ich Sie zwar loben, aber ich werde Ihr unmögliches Verhalten natürlich auch meinen deutschen Freunden mitteilen.

Krennwurzn: Machen Sie das nur – das österreichische Schach rackert sich ab!

Äwigkneiper: Wir waren bei der Olympiade vor den Deutschen und das genügt für Jahrzehnte – wenn nicht für Jahrhunderte – außerdem zählen EM nicht zu unseren Stärken. Wie Sie sicher wissen, haben wir uns im Fußball nie für eine EM qualifiziert!

Krennwurzn: Richtig und dennoch bei einer EM mitgespielt!

Äwigkneiper: Und genau da liegt meine Zukunftsabsicht – in meiner Amtszeit werden wir eine ÖEM veranstalten.

Krennwurzn: ÖEM was ist das?

Äwigkneiper: Eine Österreichische Einzel-Meisterschaft nur mit österreichischen Mannschaften, dann gewinnen wir diese auch!

Krennwurzn: Das klingt widersprüchlich und sehr international ist das auch nicht.

Äwigkneiper: Iwo – bei uns dürfen da alle mit Österreichbezug mitspielen.

Krennwurzn: Jetzt verstehe ich mit Bezug meinen Sie alle, die von uns bezahlt werden?

Äwigkneiper: Aber nein und nochmals nein! Da der bekannte Heinz Freiherr von Prüll schon länger nicht mehr „Niki und die Kreisfahrer“ kommentieren darf, hat er mir zugesichert für alle Top 100 Spieler einen Österreichbezug herzustellen, auch wenn es sich nur um eine angeheirate Cousine der Friseuse des Lieblingsfleischers des Wahlonkels handeln sollte. Der würde sogar bei einem Außerirdischen einen Österreichbezug finden.

Krennwurzn: Na ja man kann sich Illusionen hingeben, ich wünsche ihm da 99 Mal Glück – ein Österreicher hat es ja aus eigener Kraft in die Top 100 geschafft.

Äwigkneiper: Den werden wir da auch noch rauswerfen – wir brauchen Beitragszahler und Funktionäre und keine Spieler!

Krennwurzn: Mann geht das schon wieder los – Schach ohne Schachspieler! Aber was sagen Sie zu den Plänen der FIDE die Gebühren für die Ratingberechnung zu erhöhen?

Äwigkneiper: Das wird ja erst durch meinen Vorschlag richtig genial: ohne Schachspieler keine Partien und damit absolut keine Kosten! Die Ratingzahlen gehen dann monatlich nur mit Datumsänderung online – das nenne ich dann Effizienzsteigerung inklusive Gewinnmaximierung. Und als Sahnehäubchen kommt dann zweifelsfrei die ÄwigeELOliste, die wird gar nicht mehr geändert, da müssen die Spieler nur mehr einzahlen!

Krennwurzn: Und da kommt niemand mehr neu auf die Liste? Das schaut mir nach einem Geschäftsmodel mit Ablaufdatum aus.

Äwigkneiper: Iwo?

Krennwurzn: Es sterben ja auch manche und dann sinken die Einnahmen.

Äwigkneiper: Nein, nein - dann müssen die Erben zahlen!

Krennwurzn: Oje

Äwigkneiper: Wie schaut’s eigentlich mit dem österreichischen Schach aus?

Krennwurzn: Nichts besonders außer einer ebenfalls nahezu unbeachteten und nicht im Buch der Rekorde eingetragenen langen Turnierserie ohne Teilnehmer. Aber interessiert Sie das oder das österreichische Schach wirklich?

Äwigkneiper: Nein – ganz und gar nicht – mich interessiert nur mein Präsidentenamt mit unendlicher Dauer und ein wenig meine Funktionäre!

Krennwurzn: Gut und mich interessiert Ihr Geschwafel nicht mehr – das war unser letztes nichtgegebenes Interview – Lang lebe der Präsident, lang lebe Österreich, lang lebe das Schach!

Äwigkneiper: "I'll be back"


Bisher erschienen und dennoch nicht gelesen:

Nichtgegebenes Faschingsdienstagsinterview

1. April 2011

Kramniks Sieg war zu erwarten, Fröwis´ nicht
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Sonntag, 31 Juli 2011 14:10

Von Dortmund nach Wien

Dortmund hat viel Kampfschach und einen überragenden Sieger Kramnik geboten. Was bleibt sonst? Nakamuras Formkrise, Meiers schmerzvolle, aber für sein Weiterkommen nützliche Lektionen, Naiditschs Abwesenheit, eine gegenüber früheren Jahren in schachlicher Sicht deutlich verbesserte Pressearbeit. Unterm Strich meine ich: eindeutig eine der besseren Auflagen der Schachtage aka Sparkassen-Chess-Meeting.
 
Meine Aufmerksamkeit gilt jetzt wieder dem österreichischen Schach. An diesem Sonntag endet die Staatsmeisterschaft mit einem verdienten Außenseitersieg. Georg Fröwis, ein 21jähriger Vorarlberger, profitierte freilich in der Schlussrunde davon, dass Favorit Shengelia in Zeitnot statt stellungsgerecht die Züge zu wiederholen (und sich mit einem geteilten ersten bis dritten Platz bei schlechtester Buchholz abgibt) die Brechstange auspackt und rasch eingeht, so dass er  sich um einen halben Punkt vom buchholzbesseren Andreas Diermair absetzen kann. Fröwis hat eine IM-Norm deutlich übererfüllt, auch Schachinger und Schwabeneder haben IM-Normen geschafft. Bereits ab Mittwoch geht der Staatsmeister seine nächste Norm an, bei einem von mir organisierten IM-Turnier im Stilwerk Wien. Bis 11. August täglich ab 14 Uhr. Zuschauer sind herzlich willkommen. Im Internet gibt es eine Turnierpräsenz und eine Ergebnisseite.