Grün-weißer Sport am schwarz-weißen Brett
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Ein buntes ELO-Treiben und viel Kaffee erwartet die Besucher ab heute in den Vereinsräumen des SV Werder Bremen. Ab 14 Uhr werden die ersten Züge gespielt im Werder Bremen IM-Turnier 2018, bei dem junge Talente aus dem Nordwesten und auch von weiter weg die Figuren aufspielen lassen gegen renommierte Titelträger aus internationalen Landen - aus Schweden, Polen und der Ukraine.

Kommentiert von Werder-Coach Matthias Krallmann und ebenso von GM Sigurds Lanka entstehen dabei täglich neue spannende Konstellationen im Rennen um Preisgeld, Ruhm, Ehre, ELO-Punkte und vor allem natürlich auch eine begehrte IM-Norm.

In dem von Dr. Oliver Höpfner, dem Vorsitzenden der Werder Schachabteilung, gemeinsam mit Wolfgang Pajeken, Trainer der Bremer Schachjugend, angebahnten Wettbewerb begibt sich ein sehr interessantes Teilnehmerfeld an die Bretter. Regionale Spieler aus Bremen und drumherum sind Jari Reuker (SV Union Oldenburg und Deutscher U18 Meister (!), Spartak Grigorian (Werder Bremen und ehemaliger Deutscher U18-Meister (!), David Kardoeus (SV Werder, Bremer Vizemeister der Herren 2018), Nikolas Wachinger (SV Werder, Dritter der Deutschen U16-Meisterschaften 2018) und Sven Charmeteau (SV Werder Bremen, FIDE-Meister und erfahrenes, wenngleich junges Urgestein der Werder Zweitliga-, Europapokal- und Blitzmannschaft!)

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180521-kra/

Hier eine Übersicht über die SpielerInnen und die von ihnen genannten größten Erfolge, mit Umsicht kompiliert von Stephan Buchal für das aktuelle Werder Schachmagazin:
 
GM Miroslav Grabarczyk (POL)
Jahrgang 1971
ELO 2402
Schach-Professional
• Polnischer Vizemeister 1993 und 1995
•1. Platz in Rivoltella del Garda 2009
 
IM Björn Ahlander (SWE)
Jahrgang 1963
ELO 2435
IT-Professional
• 4. Platz im Kadetten World-Cup 1980
• Mehrere erste Plätze in schwedischen Open
•2. Platz im Malta Open 2015
 
IM Viktor Skliarov (UKR)
Jahrgang 1993
ELO 2359
Lehrer für Mathematik und Physik
• Meister von Kiew
• 3.Platz ukrainische Mannschaftsmeisterschaft
• IM-Titel!
 
WIM Filiz Osmanodja (Dresden)
Jahrgang 1996
ELO 2352
Studentin (Medizin)
• Vizeweltmeisterin 2014 U18w in Südafrika
• IM-Norm bei der Frauen-EM 2018
 
FM Oleksii Molchanov (UKR)
Jahrgang 1991
ELO 2350
Schach-Trainer
• Meister Region Zaporizhzhya (2014 und 2017)
• Meister Region Odessa (rapid 2011)
• 3. Platz ukrainische Mannschafts-Meisterschaft (2015)
 
FM Sven Charmeteau (FRA, Werder)
Jahrgang 1991
ELO 2287
Student (Maschinenbau)
• Teilnehmer Jugend-WM U14 2005
• 5. Platz franz. Jugendm. U16 2006
• 1. Platz Open de Gonfreville 2013
 
Jari Reuker (Oldenburg)
Jahrgang 2001
ELO 2389
Schüler
• 1. Platz Bremer Silvester Open (2017)
• 1. Platz DJEM U18 (2018)
 
Spartak Grigorian (Werder)
Jahrgang 1998
ELO 2359
Student (Logistik)
• 1. Platz DJEM U18
• 2. Platz DJEM U16
• IM-Norm beim ECC 2016 in Novi Sad
 
David Kardoeus (Werder)
Jahrgang 1997
ELO 2226
Auszubildender (Mechatronik)
• Bremer Vizemeister 2015 und 2018
• Sieg im Qualifikationsturnier Ramada-Cup A-Gruppe
• Nord-West-Cup 2018 (Platz 13)
 
Nikolas Wachinger (Werder)
Jahrgang 2003
ELO 2292
Schüler
• 6. Platz "Young Champions" Uppsala
• Bremer Jugendmeister 2018
• 3. Platz DJEM U16 (2018

 

Mehr Informationen zum Teilnehmern, Paarungen und Spielzeiten auf der Turnierseite:

https://www.werder.de/schach/turniere/werder-im-turnier/2018/

Alle Spiele werden live ins Netz übertragen und rauben damit leider der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland einige Zuschauer. Doch das sei in Kauf genommen - Schach ist ja der Brudersport des Fußballs, und somit soll das wohl in Ordnung sein. Hier geht es zu den Live-Partien:

http://view.livechesscloud.com/5389b71c-a89c-4c94-b54f-c0464d1a37bc

Und damit gleich zur Partie Molchanov (Ukraine) - Grigorian (HB) aus Runde eins:

Molchanov Grigorian

Foto: DGT Liveübertragung

Schwarz hat bereits ausgeglichen und drängt nun die weiße Dame zurück nach d2.

a) Mit welchen interessanten Idee würzte Spartak Grigorian den weiteren Spielverlauf? (Tipp: wiir sagen "Lasker-Bauer"!)

b) Und: gewinnt Schwarz mit diesem Motiv, oder hat Weiß danach Vorteil?

c) Und warum endete es dann am Ende doch Remis?

Die Lösung zu diesen und weiteren die Welt betreffenden Fragen findet sich hier.

Spartak

                                       Spartak mit inspiriertem Start in das Turnier

******

Als weiteres Highlight der Bremer Schachwoche hat die Bremer Schachjugend einen Wettkampf "Meister gegen Talente" ausgerufen und dafür sowohl einige der allerstärksten Jungspieler der Hansestadt als auch fünf renommierte, etablierte und versierte Spieler aus Bremer Ligen als Gegner gefunden. Sie alle werden sich in einem Scheveninger System- Turnier mit den fünf Vertretern der jeweils anderen Gruppe behaken - schauen wir, wer am Ende die Nase (oder den Freibauern, oder den König) vorne hat!

https://www.werder.de/de/schach/aktuell/informationen/news/2018/int-20180616-kra/

Zu allen Veranstaltungen, Spielen, Kommentierungen sind ZuschauerInnen wie immer herzlich willkommen. Bis bald, in der Hemelinger Straße 17 im Werder Vereinsheim!

Nicht mehr weit bis zum Fernschach-Blitz
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Sonntag, 21 August 2016 11:45

In weiter Fernschach, so nah!

Wenn Du zum Fernschach gehst, vergiss das Porto nicht - Friedrich Nietzsches alte Schachweisheit wurde mittlerweile von der Wirklichkeit wuchtig eingeholt, doch wie hätte der große Philosoph das vor über hundert Jahren auch wissen sollen? Seit das Internet, die Email und Whatsapp rulen, brauchen die gemeinen Fernschachspieler keine Portokasse mehr und erst recht keine Briefmarken. Mit modernster Technik werden ihre Fernzüge bis in den letzten Winkel des Erdenballs übertragen und erreichen die Schachfreunde im Himalaya, in Hongkong und Hannover in Windeseile - selbst wenn sie das Porto mal vergessen.

Doch obgleich die guten Züge beim Fernschach nur so durch die Lüfte fliegen - auch hier muss verwaltet werden, geplant, konzipiert, arrangiert, und so gibt es in diesem Bereich ebenfalls einen Weltschachbund, eine Fernschach-FIDE sozusagen, und dieser traf sich in der vergangenen Woche im schönen Bremen an der Weser. Eingeladen zum Welttreffen der ICCF (International Correspondence Chess Federation) hatte wie schon vor zehn Jahren der BdF (Deutscher Fernschachbund), der in diesem Jahr sein siebzigjähriges Jubiläum begeht - dazu noch herzlichen Glückwunsch aus der Nahschach-Redaktion des Schachwelt-Blogs!

keks2

Fernschach, ich war noch nie ein großer Freund davon, leider, doch hat das mit dem Fernschach und dem Versenden von Zügen ansich nichts zu tun. Allein, schon in jungen Jahren war es mir sehr unheimlich, wenn meine Gegner soviel Zeit und Muße hatten, um ihre Antwortzüge auch in komplizierten Stellungen tagelang zu bedenken - wie sollte ich da mit meinen Jahrmarkttricks jemals noch punkten können?

Die lange Bedenkzeit beim Fernschach, das war also nichts für mich, selbst damals, als es - Schachjugend aufgemerkt! - noch gar kein Internet gab und auch nur sehr wenige Computer. Heutzutage hat sie ja eigentlich jedermann, diese kleinen Silikonknechte, die sich für uns durch die vierundsechzig Felder und zweiunddreißig Figuren beißen, und mit diesen Computern sind wir jetzt theoretisch alle Titanen der Schachkunst.

Niemand patzt mehr wüst herum, kein Mensch stolpert noch in eine dumme Bauerngabel, wenn es viel Zeit gibt zum Überlegen, und das Schachprogramm bei möglichen Fehlern schon Stunden vorher wild blinkend zu warnen beginnt. Ich habe das Gefühl, das ganze Spiel wird dadurch so intellektuell und so verantwortungsvoll, dass vom wirklichen Spielen leider nicht mehr so richtig viel übrig bleibt.  Aus lauter Vorsicht würde ich gar nicht mehr ziehen und müsste wohl jede Partie auf Zeit verlieren. Schade! Doch bleibt mir noch das Nahschach, Turnierschach, das krude Blitzen, und heidewitzka! das tollhäusige Tandemschach.

Manche aber, viele sogar mögen das Fernschach, anders als ich sind sie geduldig und vorsichtig genug dafür. Gewiefte Strategen, die sie sind, bohren sie sich in komplexe Stellungen hinein und locken ihre nichtsahnenden Gegner in die filigranen Tiefen der Holländischen Verteidigung, um dort als Menschen Vorteile zu erspähen, die ihre Gegenüber im Himalaya, in Hongkong oder sogar in Hannover selbst mit einer Horde von dampfenden Computern nicht rechtzeitig erspüren würden. Das ist hohe Kunst, das ist langsames Jagen, Schach in der Kunst des Bogenschießens. Für diese Jagd braucht man fürwahr einen langen Atem, oft für mehrere Jahre! bei nur einer Partie, und muss dennoch darauf eingestellt sein, dass sehr viele Begegnungen bei guter Gegnerschaft mittlerweile mit einem tief ausgeschürften, erdigen Unentschieden enden. Doch ist nicht der Weg das Ziel? Die Spannung bleibt.

kis akropolis
Wichtig ist, dass es spannend ist.   (Foto: OSt)

In weiter Ferne? So nah!

Nun also kam das Fernschach nach Bremen, und für eine gute Woche tagte der Kongress und stellte turniertechnische Weichen für die kommenden Jahre. Zur Erbauung lud man abends zum Schachspiele, und sowohl bei einem elfrundigen Blitzturnier als auch bei einem Schnellschach-Wettkampf konnten Gäste aus Bremen und umzu dazustoßen und mit den Fernschachspielern over the board um die Wette tüfteln.

Ich war natürlich gewarnt und daher vorsichtig - wie man ja weiß, dauern Fernschachturniere oft mehrere Jahre, und sei es auch nur Blitz, man weiß ja nie! You can check out, but you can never leave, wie im Hotel California? Soviel Zeit hatte ich dann wiederum nicht.
Leicht sorgenvoll betrat ich daher am Dienstagabend die stilvollen Räumlichkeiten des schicken Radisson Blu Hotel, doch bald schon hatten mich sowohl der Turnierleiter als auch der umsichtige BdF-Präsident Uwe Staroske beruhigt. Nach elf Partien und schon vor Mitternacht würde Schluss sein! Nach dieser glaubhaften präsidentiellen Versicherung trug ich mich zusammen mit rund 30 anderen Blitz-Spezis, darunter mit Ralf Mulde, Marco Jostes und Andreas Calic auch drei weiteren locals aus Bremern, voller Vertrauen in die Teilnehmerliste ein.

 (Bleiben Sie dran - Teil zwei folgt!)

So haben Erwachsene noch nie gespielt
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Montag, 29 August 2011 20:20

Weltneuheit beim Hamburch-Wettkampf

Ein bisschen Regen – na gut.
Etwas mehr Regen – wenn´s sein muss, auch gut.
Immer nur Regen – was soll das denn??

So wie es schon Stanislaw Lem in seiner Kurzgeschichte „Der Regenplanet“ beschrieb, gefällt uns Menschen das Regenwetter auf Dauer eher nicht.

Regen
Regen
Regen!

Aber na gut, wir wollen nicht maulen. Es könnte alles noch viel schlimmer sein. Und im Regensommer 2011 kann man immerhin entspannt drinnen sitzen, ohne dass man draußen etwas verpasst. Das dachten sich auch 68 Schachspieler aus Bremen und Hamburg, die am letzten Samstag zusammenkamen, um wie schon im Vorjahr   bei „Hansestädter spielen Schach“ in die neue Saison zu starten.

regenplanet

    Ehrliches Schachwetter in Bremen

Die beiden Präsidenten der Schachverbände, Prof. Dr. Perygrin Warneke (HH) und Dr. Oliver Höpfner (HB), hatten mit viel Detailarbeit und in Kooperation mit dem SK Bremen-West die Veranstaltung auf die Beine gestellt.

Die Hamburger reisten morgens mit dem Zug an, wurde am Bahnhof präsidial von Oliver Höpfner empfangen und in der Straßenbahn bis zum Spielort begleitet. (Die letzten Meter ging man zu Fuß, denn - Überraschung! - es regnete nicht an diesem Tag.) Im Bürgerhaus Oslebshausen spielten dann beide Delegationen je zwei Partien mit je 60 Minuten Bedenkzeit. Eine Auswertung für DWZ oder ELO gab es nicht – das führte zu unbeschwertem Spiel auf beiden Seiten, minderte aber keineswegs die Ernsthaftigkeit.

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Weil nach ein paar kurzfristigen Absagen auf Hamburger Seite die zwei Mannschaften unterschiedlich groß waren, erklärte man einige Bremer für diesen Tag zu Schach-Hamburgern. Derart bremisch verstärkt, gewannen die Hamburger auch gleich die Vormittagsrunde knapp mit 17,5:16,5. Nach einigen Grillwürsten mit Salat rückten die Bremer das Bild am Nachmittag dann aber wieder zurecht und gewannen das Rückspiel mit 15,5:18,5. Der Gesamtstand war also 33 : 35 für die Weserstadt Bremen - so gehört sich das!

Was den Sport angeht, war es für die Hansestadt Hamburg also leider kein so richtig gutes Wochenende, denn auch meine Freunde vom HSV verloren fast zeitgleich mit 3:4 gegen die 1.FC Kölner. Uah!

magnus carlsen

   Beim Welt-Cup in Chanty-Mansijsk nicht dabei, dafür aber an Brett 21 im Bremer Team: Magnus Carlsen!
 (Um die Hamburger nicht zu deprimieren, spielte er jedoch inkognito unter dem Namen Kevin Klosa/ SK Bremen West)

Nach der langen Sommerpause machte es Spaß, Freunde und Bekannte am Brett wiederzutreffen. Auch gab es den ganzen Tag Kaffee – sehr schön!

Wie schon im letzten Jahr spielte ich zwei Partien gegen Dr. Hauke Reddmann vom SK Wilhelmsburg – am Morgen konnte mich Hauke einmal böse austricksen, in der zweiten Partie retteten wir uns bei knapper Zeit in ein Remis.

reddmann - steffens

Hier ein kleines Rätsel aus der ersten Partie:

Weiß (= Hauke) hat sich bereitgemacht für einen wüsten Angriff auf den schwarzen König. Klug wäre nun Te6, aber ich dachte bei wieder mal knapper Restbedenkzeit, ach, ich kann auch gleich auf c5 nehmen, oder? Nach Txf5, das halte ich schon aus, und mehr als Remis hat er dann doch eigentlich nicht.

Also folgte 34.... Dxc5, und es folgte auch 35.Txf5! Aber welche Züge zog Hauke danach aus seinem Ärmel und gewann? Der Leser ist am Zug.-

Eine harte Niederlage, aber eben – kein DWZ-Verlust, da freut man sich ja auch schon.


Am neunten Brett hatte Walter Blumenberg (SF Sasel) am Vormittag mit dem schönen 1.b2-b4 den vollen Punkt gegen Gerald Jung (Werder Bremen) eingespielt. Es stellte sich heraus, dass er einst als Jugendlicher nach dem Krieg für die Bremer SG gespielt hatte und dabei auch mit Hans Koschnick, dem späteren Bremer Bürgermeister, in denselben Turnieren angetreten war. Bremer Schachgeschichte, große Namen – unheimlich nur, wie lange das alles schon her ist. Wenn wir später mal zurückblicken und von den Zeiten erzählen, in denen es noch kein Chessbase gab, werden die Jüngeren vielleicht ebenso denken: „Meine Herren, ist DAS aber schon lange her!“

ulrich klose und hans koschnick in bonn 1980

Ulrich Klose (Hamburg) und Hans Koschnick (Bremen) bei einem Empfang der Minsterpräsidenten in Bonn, 1980.

(Quelle: WikiCommons)


In der Nachmittagsrunde des Hamburch-Wettkampfes (Gerald Jung) folgte am selben Brett dann die Revanche – und das mit einem spektakulären Figurenaufbau von beinahe schachhistorischem Wert (Ausrufezeichen!) :

Jung,Gerald - Blumenberg,Walter [C11]

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sc3 Sf6 4.e5 Sfd7 5.Sce2 c5 6.c3 cxd4 7.cxd4 Sc6 8.a3 Sb6 9.Sf4 Ld7 10.b4 Tc8 11.Sf3 a5 12.b5 Sa7 13.a4 Sc4 14.Ld3 Lb4+ 15.Kf1 De7

reddmann - steffens7

 

16.Sh5

Die erste Leichtfigur wagt sich auf die h-Linie.

16. ....f5 17.exf6 gxf6 18.Lh6

reddmann - steffens3

Der Springer bekommt Gesellschaft, doch noch immer ist irgendwie sehr viel Platz am rechten Spielfeldrand.

18.....Tg8

Schwarz sichert vorsichtshalber das Feld g7. Sieht vernünftig aus - doch was kann Weiß nun spielen?

reddmann - steffens4

 19.Lxh7!

Heja, das ist Schach! Der Läufer ist für Schwarz tabu wegen Sxf6. Willkommen im Club - die dritte Leichtfigur nistet sich auf der h-Linie ein.  

19...... Df7

Genug getummelt auf der h-Linie!, sagt die schwarze Dame, und möchte durch den Angriff auf den Springer dem Treiben ein Ende setzen. Was spielte Gerald?

20.Sh4!

 reddmann - steffens5

Sehr schön, sehr kreativ! Die vierte ((!!) Leichtfigur nimmt Platz, und die Dame auf d1 deckt nun den Springer auf h5. Schwarz sieht sich einer WAND, einer WELLE oder, wie Gerald es nannte, einer SÄULE von weißen Figuren gegenüber - nicht einfach, so etwas auszuhalten. (Freunde von Königsblau werden hier wahrscheinlich wehmütig an den berühmten Schalker Kreisel denken.)

 20...Le7 21.Lxg8

Wie sagt man an der Wall Street? "It´s time to cash in."  

21...Dxg8 22.Df3 f5 23.Sg7+ Kd8 24.Df4 Lf6 25.Sh5 Le7 26.Sf3 Dg4 27.Sg7 

reddmann - steffens6

 und die noch intensive schwarze Gegenwehr wurde von Gerald elegant pariert - 1 : 0 im 41.Zug.

 

geraldjung

Gerald Jung in einem Stillleben mit Starkstrom und Apfel, Millerntorstadion, 15.7.2011 (Photo und Bildunterschrift von Gerald Jung in einem Turnierbericht auf der Werder-Homepage)  

Wenn schon die versammelten vier Leichtfiguren verblüffend erscheinen - noch verblüffender ist es vielleicht, dass sich so etwas wie ein Trend zu dieser Figurenkonstellation zu entwickeln scheint! Ihre Erfolgsquote liegt zumindest bei glatt 100%. Bereits vor siebzehn Jahren führte Gerrit Dopatka gegen Patrick Schäffer in einem D-Jugend-Turnier diesen Aufbau herbei - auch wenn alle Figuren eine Reihe nach unten versetzt waren, reichte es zu Schach und Matt in 18 Zügen. Und vor vier Jahren baute sich Monika Motycakova auf den slovakischen U-20-Meisterschaften im Spiel gegen Ivana Kahancova exakt genauso auf wie Gerald - und gewann in 21 Zügen!

motycakova - kahancova

Stellung nach 21.Lxh6 

Sicherheitshalber gab Schwarz an dieser Stelle die Partie auf.

Wir stellen fest: drei Partien, drei Siege für die Weißspieler. Und es geschah zum ersten Mal, dass ein Erwachsener dieser Aufstellung in einer Turnierpartie auf dem Brett hatte. Weltneuheit - herzlichen Glückwunsch, Gerald!

Ob der Sh4 Sh5 Lh6 Lh7- Aufbau vielleicht sogar auch etwas für Daniel Fridman beim Welt-Cup in Chanti-Mansijsk ist? Wir gratulieren jedenfalls zur bravourös gewonnenen ersten Runde!